An R package to analyze the parliamentary records of the 19th legislative period of the Bundestag, the German parliament.
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27084 Zeilen
1.5MB

  1. ADOLF HITLER / MEIN KAMPF
  2. ADOLF HITLER
  3. MEIN KAMPF
  4. Zwei Bände in einem Band
  5. Ungekürzte Ausgabe
  6. Zentralverlag der NSDAP., Frz. Eher Nachf., G.m.b.H., München
  7. 851.–855. Auflage 1943
  8. Alle Rechte vorbehalten
  9. Copyright Band I 1925, Band II 1927 by Verlag Franz Eher Nachf.,
  10. G.m.b.H., München
  11. Printed in Germany
  12. *
  13. Gesamtauflage
  14. sämtlicher Ausgaben 10 240 000 Exemplare
  15. Druck der August Pries GmbH. in Leipzig
  16. Inhaltsverzeichnis
  17. Seite
  18. Personen- und Sachverzeichnis.................................
  19. VII
  20. Vorwort................................................................... XXVII
  21. Widmung................................................................. XXIX
  22. Erster Band:
  23. Eine Abrechnung
  24. 1. Kapitel:
  25. 2. Kapitel:
  26. 3. Kapitel:
  27. Im Elternhaus..........................................
  28. Wiener Lehr- und Leidensjahre.................
  29. Allgemeine politische Betrachtungen aus meiner
  30. Wiener Zeit................................................
  31. 4. Kapitel: München.................................................
  32. 5. Kapitel: Der Weltkrieg..........................................
  33. 6. Kapitel: Kriegspropaganda....................................
  34. 7. Kapitel: Die Revolution........................................
  35. 8. Kapitel: Beginn meiner politischen Tätigkeit..........
  36. 9. Kapitel: Die „Deutsche Arbeiterpartei“..................
  37. 10. Kapitel: Ursachen des Zusammenbruchs.................
  38. 11. Kapitel: Volk und Rasse........................................
  39. 12. Kapitel: Die erste Entwicklungszeit der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei....................
  40. 1
  41. 18
  42. 71
  43. 138
  44. 172
  45. 193
  46. 205
  47. 226
  48. 236
  49. 245
  50. 311
  51. 363
  52. Zweiter Band:
  53. Die nationalsozialistische Bewegung
  54. 1.
  55. 2.
  56. 3.
  57. 4.
  58. 5.
  59. 6.
  60. Kapitel:
  61. Kapitel:
  62. Kapitel:
  63. Kapitel:
  64. Kapitel:
  65. Kapitel:
  66. Weltanschauung und Partei.......................
  67. Der Staat.................................................
  68. Staatsangehöriger und Staatsbürger...........
  69. Persönlichkeit und völkischer Staatsgedanke......
  70. Weltanschauung und Organisation............
  71. Der Kampf der ersten Zeit – Die Bedeutung
  72. der Rede..................................................
  73. 409
  74. 425
  75. 488
  76. 492
  77. 504
  78. 518
  79. VI
  80. 7. Kapitel:
  81. 8. Kapitel:
  82. 9. Kapitel:
  83. 10. Kapitel:
  84. 11. Kapitel:
  85. 12. Kapitel:
  86. 13. Kapitel:
  87. 14. Kapitel:
  88. 15. Kapitel:
  89. Schlußwort
  90. Inhaltsverzeichnis
  91. Seite
  92. Das Ringen mit der roten Front............... 538
  93. Der Starke ist am mächtigsten allein....... 568
  94. Grundgedanken über Sinn und Organisation
  95. der SA.................................................... 579
  96. Der Föderalismus als Maske................... 621
  97. Propaganda und Organisation.................. 649
  98. Die Gewerkschaftsfrage.......................... 670
  99. Deutsche Bündnispolitik nach dem Kriege... 684
  100. Ostorientierung oder Ostpolitik............... 726
  101. Notwehr als Recht.................................. 759
  102. ............................................................. 782
  103. Personen- und Sachverzeichnis
  104. Fettgedruckte Ziffern bedeuten, daß dem Gegenstand ein ganzes Kapitel gewidmet ist. – Durch s. (=siehe) und vgl. (=vergleiche) wird auf andere
  105. Stichworte des Verzeichnisses verwiesen. – Die Seitenbezeichnung gibt vielfach nicht den Ort, wo das Stichwort im Text erscheint, sondern den Anfang zusammenhängender Ausführungen über das Stichwort an. Es empfiehlt sich daher, nicht nur die angegebene Seite, sondern den ganzen
  106. Abschnitt nachzulesen.
  107. Adel: Entartung 270
  108. Ägypten, englische Herrschaft in Ä. 747
  109. Aktiengesellschaften: eine schwere Verfallserscheinung 256. –
  110. Mittel zum jüdischen Eindringen 344. – Internationalisierung
  111. der deutschen Wirtschaft durch die A. 257
  112. Alldeutsche Bewegung: in Österreich 102. – Verdienst 104, 106.
  113. – Ursache des Zusammenbruchs 110, 127. – Fehler 133. – im
  114. Parlament 112. – Vgl. Schönerer
  115. Amann, Max, Generalgeschäftsführer der NSDAP., 665
  116. Amerika s. Vereinigte Staaten
  117. Anhänger einer Bewegung im Gegensatz zu Mitglied 651. –
  118. Vgl. Organisation
  119. Antike im Geschichtsunterricht 470
  120. Antisemitismus:
  121. falscher
  122. (auf
  123. religiöser
  124. Grundlage)
  125. 130.
  126. Schutz- und Trutzbund 628. – Jüdische Gegenwehr 629, 632
  127. Arbeit: Wertung im völkischen Staat 482. – Doppelter Wert
  128. jeder A. 483
  129. Arbeiter: Fabrikarbeiter 347. – Arbeiterschicksal 24 f. – Arbeitslosigkeit im Vorkriegs-Wien 23. – Wohnungselend 28. –
  130. Leidensweg des Arbeiterkindes und seine Folgen 32. – Weg
  131. zur Besserung 29. – Vgl. Gewerkschaften, Soziale Fragen
  132. Arbeitsgemeinschaft: politischer Verbände 577. – deutschvölkischer Verbände 568
  133. Arbeitslosigkeit im Vorkriegs-Wien 23
  134. Arier: Kulturbegründer 317, 421. – Entwicklungsbild der arischenKulturschöpfung 319 f. – Eroberer 324. – Rassenmischung 324. – Gemeinschaftsdienst des A. 326. – A. und
  135. Jude 329 f. – Vgl. Rasse
  136. Aristokratisches Führerprinzip: im völkischen Staat 492 f. – in
  137. der NSDAP. 493
  138. Auslese der Tüchtigen im völkischen Staat 477
  139. Außenpolitik, deutsche. 1. Grundsätzliches: Politisches Testament 754. – Aufgabe jeder A. 735. – Zweck 687, 728. –
  140. Raumgröße und Weltmacht 728. – Voraussetzung für Wiedergewinnung verlorener Gebiete 688, 711. – Voreingenommenheiten 727. – Keine Sentimentalität (richtige Einschätzung
  141. VIII
  142. Personen- und Sachverzeichnis
  143. der „Deutschfreundlichkeit“) 697, 740. – 2. Vorkriegspolitik:
  144. Aufgabe und Ziel 687. – Ziellosigkeit 295, 691. – Vier
  145. Möglichkeiten 144. – die richtige 689. – „Wirtschaftsfriedliche Eroberung“ 158, 693. – Kolonialpolitik 730. – Militärgeographische Lage Deutschlands 695. – Polenpolitik 297,
  146. 429. – 3. Nachkriegspolitik 691. – Aufgabe und Ziel 687. –
  147. Grundfrage deutscher Gegenwartspolitik 365. – Wiedergewinnung der politischen Macht 366. – Ruf nach den alten Grenzen 736. – Versäumte Auswertung des Friedensvertrages 714.
  148. – Vertrag von Locarno 761. – Notwehr als Recht 759. –
  149. Verhältnis zu Rußland 726. – 4a. Bündnispolitik vor dem
  150. Krieg: falsche 139, 297, 689, 745, 752. – Unsinn des Bündnisses mit Österreich 155, 157, 160. – Gefahren 161. –
  151. Schwäche des Dreibundes 160. – Mit England gegen Rußland 154. – 4b. Bündnispolitik nach dem Krieg: 684. –
  152. Gründe des Versagens 685. – Anbiederung an Frankreich 705.
  153. – Ziel 711, 741. – Möglichkeiten 697. – Drei Fragen 712. –
  154. Bündnisfähigkeit Deutschlands 366, 367, 700, 712. – Bund
  155. unterdrückter Nationen 745. – Ostorientierung oder Ostpolitik
  156. 726. – Ostpolitik 742, 757. – Rußland und Deutschland 726.
  157. – Bündnis mit Rußland? 748. – Bündnis mit England und
  158. Italien 699, 705. – Militärische Bedeutung 755. – Vgl. England, Frankreich, Italien, Japan, Judentum (Politik), Rußland,
  159. Vereinigte Staaten
  160. Autorität: Grundlagen 579. – Verächter der A. 34. – Vgl.
  161. Staatsautorität
  162. Bauernstand: Grundlage der Nation 151. – Schwächung vor
  163. dem Krieg 255
  164. Bayerische Volkspartei: marxistenfreundlich 402; – partikularistisch 644
  165. Beamtentum des alten Reiches unvergleichlich 308. – Jüdische
  166. Einflüsse auf das B. 352
  167. Berlin: Ausdruck unserer Zeit 291
  168. Berliner Tageblatt 268
  169. Bethmann Hollweg, Reichskanzler: Schwäche 301, 481; – als
  170. Redner 533
  171. Bildung: Halbbildung 267. – Wert humanistischer B. 469. –
  172. Wissenschaftliche Schuldbildung im völkischen Staat 464
  173. Bismarck: Bündnis mit Österreich 160. – Kampf gegen den
  174. Marxismus 170. – Sozialistengesetz 189. – Politik „Kunst
  175. des Möglichen“ 230, 295. – Verkennung der Gefahr des
  176. Kapitals 256. – Bürgertum und B. 367. – Bundesstaatliche
  177. Grundsätze 636. – Rußlandpolitik 743
  178. Börse: Internationales Börsenkapital 233. – B. und Judentum
  179. 345. – Ziele des Börsenjudentums 702. – Übereinstimmung
  180. mit Frankreichs Interessen 704
  181. Personen- und Sachverzeichnis
  182. IX
  183. Bolschewismus in Deutschland 277; – in der Kunst 283. – Geistige Vorbereitung 287. – Diktatur des Proletariats 357. –
  184. Bolschewisierung Deutschlands als Mittel jüdischer Weltherrschaft 703. – Rußland und die jüdischen Weltherrschaftspläne 751
  185. Braunau am Inn: Hitlers Geburtsort 1. – Johannes Palm in B.
  186. hingerichtet 2
  187. Brest-Litowsk s. Friedensverträge
  188. Bundesstaat: Wesen des B. 634. – B. oder Einheitsstaat 633. –
  189. USA. ein Bundesstaat? 634. – Das Bismarckreich ein B. 634.
  190. – Seine bundesstaatliche Verfassung 635
  191. Bündnispolitik s. Außenpolitik
  192. Bürgertum:
  193. Bürgerliche
  194. Klassenparteien
  195. 190.
  196. Parteiprogramme 409. – Versagen in der Revolution 595. – Versammlungen 538, 548. – B. am Ende seiner Mission 774. – Energielosigkeit 450. – Mangel an Nationalstolz 31. – Unzulängliche
  197. Nationalgesinnung 367. – Hurrapatriotismus 735. – Soziale
  198. Sünden 47, 52. – Kleinbürgertum und Handarbeiter 22. –
  199. Pazifistisch 110. – Vergißt die Politik über der Wirtschaft
  200. 681. – Versagen in der Revolution 609. – Von der Revolution eingefangen 591. – Versagen in der Aufklärung über
  201. die Friedensverträge 519. – B. und Bismarck 367. – B. und
  202. Judentum 353. – B. und Rassenreinheit 449. – Vgl. Intelligenz
  203. Byzantinismus der Wiener Weltpresse 56
  204. Chamberlain, Houston-Stewart, völkischer Schriftsteller 296
  205. Chauvinismus: falsche Angst vor Ch. 475. – Vgl. Nationalerziehung
  206. Clausewitz, berühmter preußischer General: über die Folgen
  207. feiger Unterwerfung 759
  208. Christlich-soziale Partei im alten Österreich 58, 106, 130. –
  209. Mangelhafte Vertretung des Deutschtums 132. – Fehler 133.
  210. – Vgl. Lueger
  211. Clemenceau, französischer Minister 765
  212. Cuno, Reichskanzler: Ruhrpolitik 768, 769, 775. – Retter der
  213. Gewerkschaften 679
  214. Dadaismus: Bolschewismus in der Kunst 283
  215. Demokratie: germanische 99; – jüdische 99. – Westliche D.
  216. Vorläufer des Marxismus 85. – D. und Marxismus 412. –
  217. D. Teilziel des Judentums 347. – Jüdische Verfechtung des
  218. Gleichheitsprinzips 478. – Verfechtung des Mehrheitsprinzips 498. – Vgl. Parlamentarismus
  219. Deutsche Arbeiterpartei, Vorläufer der NSDAP. 236, 388. –
  220. Erste Erörterungen 227. – „Ausschußsitzung“ 240. – Vgl.
  221. Drexler, Harrer
  222. X
  223. Personen- und Sachverzeichnis
  224. Deutscher Schulverein in Österreich 10
  225. Deutsches Reich: Gründung 245
  226. Deutsch-Französischer Krieg 1870/71: Eine Volksausgabe weckt
  227. Hitlers Liebe für Krieg und Soldatentum 4
  228. Diktatur des Proletariats: eine jüdische Waffe 357
  229. Doktrinarismus, deutscher 120 f.
  230. Dorten, Separatist, 626
  231. Dreibund: innere Schwäche 160. – Vgl. Außenpolitik (Bündnispolitik)
  232. Drexler, Anton, Ortsgruppenvorsitzender der Deutschen Arbeiterpartei 391, 401
  233. Ebert, Friedrich, erster Reichspräsident 286
  234. Eckart, Dietrich, völkischer Dichter und Märtyrer 781
  235. Eduard VII., König von England: Einkreisungspolitik 162, 756
  236. Ehe: Ehefragen 274. – Ziel der E. 275. – Mißbrauch der
  237. natürlichen E.-Voraussetzungen 270. – Frühheirat 274. –
  238. E. im völkischen Staat 444. – Vgl. Rassenhygiene
  239. Einheitsstaat oder Bundesstaat 633
  240. Einjährig-Freiwilligen-Einrichtung des alten Heeres 307
  241. Einkreisungspolitik Eduards VII. 162, 756
  242. Eisner, Kurt, Revolutionsführer in München, 226. – Partikularist 623
  243. Elisabeth, Königin von England 691
  244. Elsaß-lothringische Frage vor dem Krieg 297. – Vgl. Wetterlé
  245. Emanzipation der Juden 343
  246. England: Staatskunst 158. – Politik des europäischen Gleichgewichts 691, 696. – Umstellung gegen Deutschland 692. –
  247. Falsche Einschätzung durch uns 158. – über Ägypten 747. –
  248. Deutschland mit England gegen Rußland 154. – Bündnis
  249. mit E. erwünscht 699. – Militärische Bedeutung 755. – E.
  250. und Frankreich 699. – E. und jüdische Politik 721. – Auseinandergehen britischer und jüdischer Interessen 702. – E. in
  251. deutscher Karikatur 159. – Englische Propaganda im Krieg 201
  252. Enver Pascha, türkischer Staatsmann 768
  253. Entdeutschungspolitik im alten Österreich 100 f., 118. – E. und
  254. katholische Geistlichkeit 119, 120
  255. Erbfehler, der deutsche: Mangel an Nationalstolz, „Objektivität“ 122
  256. Erfüllungspolitik: und deutsche Republik 472. – Unitarismus
  257. ein Mittel zur E. 637
  258. Erziehung: 1. Fehler der früheren Erziehung: Mangel an Nationalerziehung 122, 471. – „Objektivität“ 123/124. – „Patriotische“ Erziehung 471. – International, rein staatlich 593.
  259. – Pazifistisch-demokratisch 605. – Devotheit 261. – Übermäßige Betonung der geistigen Ausbildung 258, 277. – Über-
  260. Personen- und Sachverzeichnis
  261. XI
  262. lastung 464. – Mangel an Verantwortungsfreudigkeit 262. –
  263. Mangel an Willens- und Entschlußkraft 463. – 2. Erziehungsgrundsätze des völkischen Staates 451. – Rangordnung der
  264. E.-Gegenstände 452. – 1. körperliche Ertüchtigung 451, 453.
  265. Selbstvertrauen 455/456. – 2. Charakterbildung 460. Schweigsamkeit 460. – 3. Willens- und Entschlußkraft, Verantwortungsfreudigkeit 462. – 4. Wissenschaftliche Schulbildung 464.
  266. Fremdsprachen 465. Geschichtsunterricht s. diesen. Humanistische Allgemeinbildung 469. – Förderung des Nationalstolzes
  267. 473. – 5. Rassesinn und –gefühl 475. – Körperliche Ertüchtigung im allgemeinen 276, 453; – in der Schule 454. – Militärdienst als Abschluß der E. 459, 476. – Mädchenerziehung 459.
  268. – Außerschulische E. 264
  269. Esperanto: die jüdische Universalsprache 337
  270. Esser, Hermann, Pg., 567
  271. Europäisches Gleichgewicht: Grundlage englischer Politik 691,
  272. 696. – Verschiebung nach dem Krieg 694
  273. Fabrikarbeiter 347 f. – Vgl. Arbeiter
  274. Feder Gottfried, Pg.: Bekanntschaft Hitlers mit F. 228. –
  275. Brechung der Zinsknechtschaft 232. – Vortrag F.s 237
  276. Fememorde 610
  277. Flagge: Nationalflagge 552, 640; – nationalsozialistische 554. –
  278. Vgl. Schwarz-Weiß-Rot, Schwarz-Rot-Gold
  279. Flottenbaupolitik, falsche 298. – Risikogedanke 300
  280. Flugblatt: F.-Propaganda 206. – Ähnlichkeit mit dem gesprochenenWort 535
  281. Föderalismus 626; – als Maske 621. – „Föderative“ Tätigkeit 626. – Föderalisten 627. – F. und Unitarismus 633. –
  282. Kulturelle Aufgaben der Länder 646. – Vgl. Einheitsstaat,
  283. Unitarismus, Verreichlichung, Zentralisation
  284. Frankfurter Zeitung 267
  285. Frankreich: Deutschlands Todfeind 699. – Ziel 696, 699, 765. –
  286. Kriegsziel 763. – Französische Herrschaft das Kriegsergebnis
  287. 696. – Übereinstimmung fr. und jüdischer Interessen 704. –
  288. Endgültige Auseinandersetzung mit Fr. 766. – Militärgeographische Lage Fr.s 695. – Fr. und England 699. – Afrikanischer Staat auf europäischem Boden 730. – Frankreichkult der Wiener Weltpresse 58
  289. Franz Ferdinand, österreichischer Thronfolger: Feind des Deutschtums 13. – Tschechisierungspolitik 101. – Ermordung 173
  290. Franz Joseph, österreichischer Kaiser, 174
  291. Freiheitskampf des deutschen Volkes: Voraussetzungen 686. –
  292. Voraussetzung für die Befreiung verlorener Gebiete 688
  293. Freikorps: Entstehungsursache 585
  294. Freimaurerei: jüdisches Instrument 345; in Italien verboten 721.
  295. – Vgl. Judentum (Weltherrschaftspläne)
  296. XII
  297. Personen- und Sachverzeichnis
  298. Fremdsprachen 465
  299. Frick, bayr. Oberamtmann, Staatsminister, Pg., 403
  300. Friedensverträge von Versailles und Brest-Litowsk: Aufklärungsarbeit der NSDAP. 518, 523. – Versailles: Versklavung 637.
  301. Entwaffnung 368. – Versäumte Auswertung 714. – Bruch des
  302. V. Vertrages durch die Ruhrbesetzung 769
  303. Friedrich der Große 286
  304. Führertum: Führereigenschaften 650. – Aristokratisches Führerprinzip im völkischen Staat 493, 502. – Führerverantwortlichkeit in der NSDAP. 661. – „Führer“ 89
  305. Führung: F. und Gefolgschaft einer Partei 510. – Das Ringen
  306. um die F. 569. – Führerehrgeiz 573. – F. in den Gewerkschaften 679
  307. Geburtenbeschränkung: Mittel gegen Übervölkerung 144
  308. Gefühl: Triebkraft der Masse 371
  309. Gehorsam 593
  310. Genie und Rasse 321
  311. Germanisation: falsche Vorstellung von G. 428 f.
  312. Geschichte: Überblick über die deutsche G. 733. – Erziehung
  313. durch G. 11 – Geschichtsschreibung: Fehler 734. – Aufgabe
  314. 734. – Geschichtsstudium: Zweck 129. – Geschichtsunterricht:
  315. Allgemeine Bemerkungen 467. Ziel 12. Abwägung der Ereignisse nach nationalpolitischen Gesichtspunkten 735. Antike im
  316. Geschichtsunterricht 470. – Geschichtswissenschaft: Aufgabe
  317. 320. Rassenforschung vorherrschend 468
  318. Gewerkschaften 48 f., 670. – Mittel zur Verteidigung sozialer
  319. Rechte 47. – Mittel des politischen Klassenkampfes 48. – Politisierung: im Bann der Sozialdemokraten 51. – Einrichtung
  320. des Klassenkampfes 675, 679. – Streik 676. – Jüdische
  321. Führung 352. – Was sie im Krieg hätten sein können 370. –
  322. Wegbereiter für den nationalsozialistischen Staat 672. – Nationalsozialistische Gewerkschaften? 673. – Ihre Aufgabe 675.
  323. – Gewerkschaften im nationalsozialistischen Sinne 675, 681. –
  324. Gewerkschaft und Führerfrage 679
  325. Glaube: Wert des apodiktischen G. 417
  326. Goethe und die Juden 341
  327. Großstadt: kulturlose Menschenansiedlung 288. – Gr. zur Zeit
  328. der Befreiungskriege 289. – „Wahrzeichen“ einst und jetzt
  329. 290. – Vgl. Berlin, München, Wien
  330. Grund und Boden: Erwerb von neuem Gr. durch ein Volk 151;
  331. – durch Deutschland in Europa 153. – Vgl. Ostpolitik
  332. Habsburger: deutschfeindlich 13, 118. – Politik seit 1866 102. –
  333. Sünden an Italien 142. – Vgl. Franz Ferdinand, Franz
  334. Joseph, Joseph II.
  335. Personen- und Sachverzeichnis
  336. XIII
  337. Halbbildung 267
  338. Harrer, erster Vorsitzender der Deutschen Arbeiterpartei (s. diese)
  339. 390, 391, 401
  340. Heer, das alte deutsche: Wert 182, 306. – Einjährig-Freiwilligen-Dienst 307. – H. und Reichstag 297. – Kampf der
  341. Juden gegen das H. 298
  342. Hitler: 1. Äußere Lebensgeschichte: Jugend 1. – Eltern 2. –
  343. Realschüler 5, 7. – Tod des Vaters 15. – Tod der Mutter 17.
  344. – Wiener Lehr- und Leidensjahre 18. – Hilfsarbeiter 20. –
  345. Maler 20. – Hilfs- und Gelegenheitsarbeiter 24. – Zeichner
  346. und Aquarellist 35. – München 138. – Kriegsfreiwilliger beim
  347. Regiment List 179. – Feuertaufe 180. – „Der alte Soldat“
  348. 181. – Verwundet 209. – Gasvergiftet 221. – Revolution
  349. 221. – Entschluß, Politiker zu werden 225. – Beginn der
  350. politischen Tätigkeit 226. – Bildungsoffizier 235. – Deutsche
  351. Arbeiterpartei 244. – Rednerische Erfahrung 522. – Propagandachef der NSDAP. 649. – Gesamtleiter der NSDAP.
  352. 659. – 2. Innere Entwicklung: Rednertalent 3. – Der kleine
  353. Rädelsführer 3. – Begeisterung für den Deutsch-Französischen Krieg 4. – Abneigung gegen Beamtenlaufbahn 6. –
  354. Neigung zum Kunstmaler 7. – Lieblingsfächer 8, 12. – „Nationalist“ 8. – Fanatischer Deutschnationaler 10. – H.s Geschichtslehrer 12. – Revolutionär Österreich gegenüber 13/14.
  355. – Wagnerbegeisterung 15. – Interesse für Baukunst 18, 19,
  356. 35. – Weltgeschichte als Quelle politischen Verständnisses 14. –
  357. Leseeifer 21. – Gewinnung einer Weltanschauung 21. –
  358. Ablegung kleinbürgerlicher Scheuklappen 22. – Soziale Erkenntnisse 24 f. – Studium der sozialen Frage 35. – Erstes
  359. Zusammentreffen mit Sozialdemokraten 40. – Der erste Terror
  360. 42. – Eindrücke einer sozialistischen Massendemonstration 43.
  361. – Studium des sozialistischen Schrifttums 53, 68. – Bekanntschaft mit der Judenfrage 54. – Bekanntschaft mit der christlich-sozialen Partei 58. – Wandlung zum Antisemiten 59, 69.
  362. – Bekanntschaft mit dem Parlamentarismus und dessen Ablehnung 81, 84. – Stellung zum österreichischen Staat 134. –
  363. Gegen Bündnis Deutschland-Österreich 163. – Kriegslust 172,
  364. 177. – Erster Gedanke an politische Betätigung 192. – Interesse für Propaganda 193. – Kampf gegen Preußenhetze 625.
  365. – Südtiroler Frage 707, 710. – Vgl. Deutsche Arbeiterpartei,
  366. Nationalsozialismus
  367. Hofbräuhausfestsaal: die ersten großen Versammlungen der
  368. NSDAP. Im H. 518. – Vergeblicher Sprengungsversuch
  369. 562 f.
  370. Hohenzollern: die Organisation des brandenburgisch-preußischen
  371. Staates733. – Vgl. Friedrich d. Gr., Wilhelm II.
  372. Humanistische Bildung: Wert 469
  373. Humanität: falsche 279
  374. XIV
  375. Personen- und Sachverzeichnis
  376. Idealismus: sein Wesen 327. – I. und Erkenntnisse 328. – Ideal
  377. und Wirklichkeit 487. – Ohne Idee keine Kampfkraft 597
  378. Indien: Englands Herrschaft in I. 746
  379. Inflation s. Ruhrbesetzung
  380. Intelligenz: verkalkt 480. – Erneuerung 481. – Bildungshochmut 243. – Verkennung der Rede 533. – Feigheit 288. – Wer
  381. von ihr ist bei der NSDAP. Erwünscht? 374, – wer nicht? 377.
  382. – Jüdische „Intelligenzpresse“ 268. – Vgl. Bürgertum
  383. Internationalisierung der deutschen Wirtschaft durch die Aktiengesellschaften 257
  384. Italien: Politik 700. – Stellung zu Österreich 142. – Sünden
  385. der Habsburger gegen I. 143. – Deutschfreundlich, österreichfeindlich 162. – Hintertreibung deutsch-italienischer Verständigung durch die Juden 709. – Bündnis mit Italien erwünscht
  386. 699. – Militärische Bedeutung 755. – Faschismus und jüdische
  387. Politik 720. – Freimaurerei verboten 721
  388. Japan: Europäisierung 318. – Flottenbaupolitik 300. – J. und
  389. jüdische Weltpolitik 723
  390. Jesus 336
  391. Joseph II. der Deutsche, österreichischer Kaiser: Nationalitätenprinzip in Österreich seit seinem Tod 77, 79. – Versuchte
  392. Germanisation 429
  393. Judentum: Gegensatz zum Arier (s. diesen) 329, 596. – Werdegang des J. 338 f. – Judenfrage 54. – „Religion?“ 165. –
  394. Der j. Staat 165, 331. – Staat im Staat 334. – Keine Nomaden 338. – Gegenwehr gegen den Antisemitismus 629, 632.
  395. – Gefahr jüdischer Bastardierung 629. – Wahrung der Blutreinheit des J. 751. – Christus 336. – Jüdische Demokratie 99.
  396. – Dialektik 66. – Einflüsse auf die Beamten 352. – Einflüsse
  397. auf Amerika 723. – Emanzipation 343. – Esperanto als
  398. jüdische Universalsprache 337. – Goethes Stellung zum J. 211.
  399. – Kampf gegen das Heer 298. – Das J. im Krieg 211; in
  400. den Kriegsgesellschaften 212, 622. – Preußenhetze als Ablenkungsmanöver 623. – Jüdische Gefahr und Zusammenbruch
  401. 1918 359. – Internationale Weltfinanz 163. – Aktiengesellschaften 344. – Börse 345, 723. – Ziel des Börsenj. 702. –
  402. Mangel eigener Kultur 331. – „Meister der Lüge“ (Schopenhauer) 253, 335. – J. im öffentlichen Leben 61. – Judenpresse und ihre Taktik 226, 332, 345, 354, 706. – „Intelligenzpresse“ 268. – Weltpresse 56. – Gute Propagandisten 332,
  403. 387. – Prostitution und Mädchenhandel 63. – Protokolle der
  404. Weisen von Zion 337. – Revolutionäre 350. – Drahtzieher
  405. der deutschen Revolution 585. – Väter der Weimarer Verfassung 627. – Einrücken in Reichsverwaltung und Wirtschaftsbetriebe nach der Revolution 644. – Religionslehre, Talmud
  406. 336. – Schauspieler 332. – Schmarotzer 334. – Taktik 338,
  407. Personen- und Sachverzeichnis
  408. XV
  409. 350, 596. – Verhetzungstaktik 627. – Tricks 212. – Weltherrschaftspläne 343, 351, 703, 738, 751. Mittel zur Verwirklichung: Bolschewismus 751. Diktatur des Proletariats 357.
  410. Demokratie als Teilziel 347. Verfechtung des Gleichheitsprinzips 478; des Mehrheitsprinzips 498. Organisation des Marxismus 350, 352. Führer der Sozialdemokraten 64. Freimaurerei 345. – Weltpolitik: Leitung deutscher Geschicke seit
  411. Kriegsende 760. – Auseinandergehen jüdischer und britischer
  412. Interessen 702. – Beherrschung Englands 721. – Übereinstimmung jüdischer und französischer Interessen 704. – Hintertreibung deutsch-italienischer Verständigung 709. – J. und
  413. Faschismus 720. – J. und Japan 723. – J. und Rußland 743.
  414. – J. und Ostlandpolitik 743. – Welthetze gegen Deutschland 702. – Zionismus 60, 356. – Vgl. Antisemitismus, Schutzund Trutzbund
  415. Kapital: zweierlei 228. – Internationales Börsenk. 233, 345.
  416. – Aktiengesellschaften 256, 344. – Vgl. Brechung der Zinsknechtschaft
  417. Karthago: selbstverschuldeter Untergang 759
  418. Katholische Kirche: ein Beispiel von Volksverbundenheit 481. –
  419. Ein Beispiel unverrückbaren Festhaltens an Dogmen 512. –
  420. Kath. Geistlichkeit in Österreich und Entdeutschungspolitik
  421. 119, 120. – Vgl. Los-von-Rom-Bewegung
  422. Kirchen: Neutralität der NSDAP. 632. – Konfessionelle Zwietracht 629 f., eine Gefahr für das deutsche Volk 630. – K. und
  423. Rassenhygiene 445. – Vgl. Katholische Kirche, Religion
  424. Klassenkampf: Gewerkschaften, ein Mittel zum Kl. 679
  425. Kleidung der Jugend 457
  426. Koburg: Zug der NSDAP. nach K. 614
  427. Kolonialpolitik s. Außenpolitik (deutsche vor dem Krieg)
  428. Kolonisation: innere K. als Weg deutscher Vorkriegspolitik 146.
  429. – K. der Ostmark, eine geschichtliche Tat 733
  430. Körperliche Ertüchtigung im völkischen Staat s. Erziehung
  431. Kriegsgesellschaften: Juden in Kr. 612, 622. – Kr. und preußenfeindliche Stimmung 622
  432. Kriegsschuld Deutschlands 156, 176. – Aufklärungsarbeit der
  433. NSDAP. 518 f.
  434. Kubismus 283
  435. Kultur: geschichtliche Entwicklung 494. – Die ersten K.n 323.
  436. – Drei kulturbestimmende Faktoren 322. – Gesinnungsmäßige
  437. Voraussetzung 326. – Rassische Voraussetzung 431. – Entwicklung durch Persönlichkeiten 495. – Bedeutung des Staates
  438. für die K. 431. – K.-Aufgaben der deutschen Länder 646. –
  439. Judentum ohne eigene K. 331. – Herabsinken der K.-Höhe im
  440. Vorkriegsdeutschland 282. – Marxismus kulturzerstörend 69
  441. XVI
  442. Personen- und Sachverzeichnis
  443. Legalität 104, 105
  444. Legitimisten, die Wiener L.: und Südtirol 709. – Hintertreibung deutsch-italienischer Verständigung 709
  445. Legitimätsprinzip 426
  446. Lenin, bolschewistischer Revolutionär und Diktator 532
  447. Lesen eine Kunst 36
  448. Lloyd George, englischer Ministerpräsident, während des Krieges,
  449. als Redner 533. – Ausspruch über Reichsminister Simon
  450. 771
  451. Locarno, Vertrag von L. (Verzicht Deutschlands auf Wiedererwerb Elsaß-Lothringen) 761
  452. Los-von-Rom-Bewegung 120. – Ursachen 118. – Unterschied
  453. gegen die Reformation 128. – Vgl. Schönerer
  454. Ludendorff: Denkschrift 161. – Seine moralische Entwaffnung
  455. 252. – Kampf gegen den Reichstag 301
  456. Ludwig I. von Bayern 646
  457. Ludwig III. von Bayern: Gesuch Hitlers an L. 179
  458. Lueger, Dr. Karl, Begründer der Christlich-sozialen Partei (s.
  459. diese): L. und die Christlich-soziale Partei 58. – Bürgermeister von Wien 74, 107, 108, 133
  460. Mädchenerziehung im völkischen Staat 454. – Vgl. Erziehung
  461. Mädchenhandel und Judentum 63
  462. Marx, Karl, Begründer des Marxismus 234, 420, 532. – Staatslehre 434
  463. Marxismus: Verkennen 184. – Kern 351. – Kulturzerstörer
  464. 69. – Von der westlichen Demokratie gefördert 85. – M. und
  465. Demokratie 412. – M. und Judentum 350 f., 352, 498. –
  466. Staatsauffassung 420. – Verkennung der Rasse 419. – Unterbewertung der Persönlichkeit 420. – Massentheorie 499. –
  467. Presse 265, 354. – Versammlungstechnik 547. – Rednerische
  468. Erfolge 528. – M. und Gewerkschaften 675, 679. – Taktik
  469. den Nationalsozialisten gegenüber 542, 601. – Kampf Bismarcks gegen den M. 170. – Der M., die Ursache der Verfallserscheinungen im Vorkriegsdeutschland 169. – Was die
  470. Regierung 1914 hätte tun müssen 185. – Versäumte Abrechnung während der Ruhrbesetzung 771
  471. Masse, die breite Masse: Bedeutung für eine Volksbewegung
  472. 108, 110, 112, 117. – M. als Trägerin des revolutionären
  473. Widerstandes 118. – Bedeutung für eine Organisation 509.
  474. – Massentheorie des Marxismus 499. – Gefühl als Triebkraft der M. 371. – M. und Propaganda 196, 376. – M. und
  475. gesprochenes Wort 116. – Gewinnung der M. durch die
  476. NSDAP. 366 f. – Nationalisierung der M. Aufgabe der
  477. NSDAP. 369. – Bedeutung der Religion für die M. 293
  478. Massenversammlung: Bedeutung 113, 115, 535. – Bürgerliche
  479. M.n 538. – Nationalsozialistische M.n 541. – Vgl. 400, 518. –
  480. Personen- und Sachverzeichnis
  481. XVII
  482. Versammlungstechnik: bürgerliche 548, marxistische 547, nationalsozialistische 549. – Versammlungsschutz 545, 546, 549, 599
  483. Mehrheitsprinzip: Gegensatz zum Persönlichkeitprinzip 498. –
  484. Kritik 95. – M. ein jüdisches Zersetzungsmittel 498
  485. Militärdienst: Abschluß der Erziehung im völkischen Staat 476
  486. Militärgeographische Lage: Deutschlands 695, Frankreichs 695
  487. Minderheiten: Weltgeschichte wird von M. gemacht 441
  488. Mission s. Sendung
  489. Mitglieder einer Bewegung 651, 655. – Beschränkung in der
  490. Aufnahme 654. – Mitgliederzahl und Stoßkraft 653, 655. –
  491. Wie erweist sich die Gesinnung der M.? 666. – Vgl. Organisation
  492. Moltke, Generalfeldmarschall Graf von 195
  493. Monarchie: Wert und Bedeutung 259. – Kulturwert 305. –
  494. M. im Vorkriegsdeutschland 303
  495. München 138. – Hitler in M. 138
  496. Munitionsarbeiterstreik während des Kriegs 203, 216, 217
  497. Mussolini 774
  498. Nationalerziehung: Mangel an deutscher N. 123. – Vorbedingung zur Nationalisierung 34. – N. in der wissenschaftlichen
  499. Ausbildung 473. – Französische N. 31. – Vgl. Nationalisierung, Nationalstolz
  500. Nationalisierung: Vorbedingung für die N. eines Volkes 34; Vgl.
  501. Nationalerziehung, Nationalstolz
  502. Nationalitätenprinzip: Wirkung auf Österreich 76
  503. Nationalsozialismus: 1. Geschichte: Deutsche Arbeiterpartei s.
  504. diese. – Erste Entwicklungszeit 363, 388. – Erste Versammlung 390, zweite Versammlung 393. – Erste Massenversammlung 400, 518. – Kampf der ersten Zeit 518. – Das Ringen
  505. mit der roten Front 538. – Massenversammlungen 541. –
  506. Versammlungsschutz 545, 546, 549, 599. – Erste Zirkusversammlung 557. – Vergeblicher Sprengungsversuch 562. –
  507. Erster SA.-Aufmarsch 613. – Zug nach Koburg 614. – Folgen der Ruhrbesetzung 619. – Neuaufbau 659, 662. – Parteilokal 662. – Völkischer Beobachter 664. – 8. November 1923
  508. 780. – Auflösung 1923 669, 782. – Neugründung 620. –
  509. 2. Grundsätze und Organisation: Antiparlamentarisch 378. –
  510. Teilnahme am Parlament nur taktisch 379. – Aristokratisches
  511. Führerprinzip 493. – Innerer Aufbau 382. – Aufgabe 369,
  512. 380, 719, 731. – Nationalisierung der Massen 366 f., daraus
  513. sich ergebende Taktik 369 f. – Notwendigkeit außenpolitischer
  514. Stellungnahme 686. – Außenpolitische Abstempelung 757. –
  515. Politik auf weite Sicht 521. – Bodenpolitik: Ostlandpolitik
  516. 742. – Stellung zur Ruhrpolitik 779. – Erziehung zum
  517. Kampf 385, 386. – Unduldsamer Fanatismus 384. – Wie
  518. XVIII
  519. Personen- und Sachverzeichnis
  520. beweist sich die Gesinnung eines Mitgliedes? 666. – Flagge
  521. 554. – Hakenkreuzfahne 556. – Standarte 557. – Name 399.
  522. – Warum nicht „völkisch“? 397. – N. und öffentliche Meinung 520. – Organisation (s. diese) 380, 649. – Autorität
  523. der Zentrale 382. – Aufhebung des Parlamentarismus 659 f.
  524. – Führerverantwortlichkeit 378, 661. – Heranbildung der
  525. Führer 383. – Achtung vor der Persönlichkeit 387, 421. –
  526. Programm 404, 422. – Die 25 Leitsätze 511. – Propaganda
  527. 649. – An wen wendet sich die Partei in erster Linie? 364,
  528. 371. – Wer von der Intelligenz ist erwünscht? 374, wer
  529. nicht? 377. Vgl. Anhänger, Mitglieder. – Religiöse Neutralität 379, 632. – SA.: Grundgedanken über Sinn und
  530. Organisation der SA. 579, 601. – Warum kein Wehrverband?
  531. 603. Kein Geheimverband 608. Ausbildung 611. – Folgen
  532. der Ruhrbesetzung 619. – Sendung des N.: Blickrichtung auf
  533. die Hauptsache 719. – Staat s. Völkischer Staat. Vorbereitung
  534. auf den völkischen Staat 673. – Staatsform 380. – Völkische
  535. Idee 514. – Weltanschauung: Die NSDAP. ein Instrument
  536. der völkischen Weltanschauung (s. diese) 423. – Kampf gegen
  537. das Zentrum 633; – gegen Zentralisierung als Erfüllungspolitik 643. – Ziel des N. 234, 366, 380. – Außenpolitisches
  538. Ziel 739, 741. – 3. Männer der Bewegung: Amann 665. –
  539. Drexler 391, 401. – Esser 567. – Feder 228, 232, 237. –
  540. Frick 403. – Harrer 390, 391, 401. – Pöhner 403, 602. –
  541. Schüßler 663. – Streicher 575. – Vgl. Anhänger, Deutsche
  542. Arbeiterpartei, Mitglieder, Organisation, Völkischer Staat,
  543. Völkische Weltanschauung
  544. Nationalstolz: Gründe des Mangels an N. 31. – Vgl. Objek- tivität.
  545. – Vorbedingungen; Kenntnisse 31. – Schaffung gesunder
  546. sozialer Verhältnisse 34. – Erziehung zum N. 31; im völkischen
  547. Staat 473. – Vgl. Nationalerziehung, Nationali-sierung
  548. Notwehr (nationale) als Recht 759
  549. Objektivität, deutsche: Mangel an Nationalbewußtsein 120, 124.
  550. – Falsche O. in der Kriegspropaganda 200
  551. Öffentliche Meinung 92. – Ö. M. und Presse 93. – Ö. M. und
  552. Judentum 345. – Ö. M. und NSDAP. 520
  553. Österreich, das alte: Wesen des ö. Staates 134. – Gehört ins
  554. Deutsche Reich 1. – Verbundenheit mit der deutschen Geschichte 11. – Deutsch im Kern 73, 75. – Nationalstaat 9. –
  555. Wirkung des Nationalitätenprinzips 76. – Irrtümliche Beurteilung durch Deutschland 139. – Wesen der 48er Revolution 80. – Zentrifugale Kräfte 76. – Zentralisierung notwendig 77. – Innere Auflösung 100. – Die Revolution, eine
  556. Rebellion der Deutschen gegen die Tschechisierungspolitik 103.
  557. – Entdeutschung unter dem Schutz des Bündnisses mit
  558. Deutschland 141. – Ö. Sozialdemokraten deutschtumsfeindlich
  559. Personen- und Sachverzeichnis
  560. XIX
  561. 82. – Katholische Geistlichkeit und Entdeutschungspolitik 119,
  562. 120. – Die deutsche Ostmark im Kampf 9. – Sprachenkampf
  563. 10. – Deutscher Schulverein 10. – Politisches Denken im
  564. alten Ö. 73 f. – Dualismus mit Preußen 572. – Stellung
  565. zu Deutschland 140. – Unzuverlässigkeit im Krieg 177. –
  566. Stellung zu Italien 142. – Parlament 80. – Parlamentarismus 91. – Ultimatum an Serbien 174. – s. auch Alldeutsche
  567. Bewegung, Christlich-soziale Partei, Habsburger, Los-vonRom-Bewegung, Lueger, Politik (Deutschland, falsche Bündnispolitik), Schönerer, Wien
  568. Organisation: Wesen 326, 509, 652. – Bedeutung für eine
  569. Weltanschauung 422. – Aufgaben 654, 655. – Bedeutung
  570. eines Sinnbildes 551. – Anhänger und Mitglieder 651. –
  571. Abschreckung der Lauen 658. – O. der NSDAP. 380, 649. –
  572. O. der Sozialdemokraten 509. – Vgl. Anhänger, Mitglieder,
  573. Propaganda
  574. Ostkolonisation s. Ostlandpolitik
  575. Ostlandpolitik: Ostorientierung oder O. 726. – Wiederaufnahme
  576. der O. durch die NSDAP. 742. – O. und Judentum 743. –
  577. Geschichtsschreibung der O., eine Forderung 734. – O. im
  578. Mittelalter 733
  579. Ostmark, die deutsche: ihre Kolonisation 733. – Vgl. Ostlandpolitik
  580. Oxenstierna, Axel, schwedischer Kanzler, 296
  581. Palm, Johannes, Herausgeber der Schrift „Deutschland in seiner tiefen Erniedrigung“, dafür auf Befehl Napoleons in
  582. Braunau erschossen 2
  583. Parlamentarismus: P. und Marxismus 85. – Wegbereiter des
  584. Marxismus 85. – Teilziel des Judentums 347. – Mängel:
  585. Mangel an Verantwortung 85, 262. Ausschaltung von Köpfen 85. – Mehrheitsprinzip 95. – Abhängigkeit der Regierung vom Parlament 95. – Erste Erfahrungen Hitlers 81, 83.
  586. – P. in Österreich 80, 91. – P. in der NSDAP. und seine
  587. Überwindung 659. – „Parlamentarier“ 57, 84. – Vgl. Demokratie, Mehrheitsprinzip, Öffentl. Meinung, Partei, Reichstag
  588. Partei: Versagen der nationalen P.n der Revolution gegenüber
  589. 595. – Parteibildung notwendig zur Durchsetzung einer Weltanschauung 422. – Parteiprogramme: bürgerliche 409. –
  590. Wesen 422. – Psychologie 510 f. – Unabänderlichkeit eine
  591. Forderung
  592. 511.
  593. Vgl.
  594. Marxismus,
  595. Nationalsozialismus,
  596. Sozialdemokratie, Zentrum
  597. Passiver Widerstand s. Ruhrbesetzung
  598. Pazifismus 143, 156
  599. Pazifistisch-humane Idee 315
  600. Persönlichkeit: Wert 495 f. – Erfindungen 496. – Unterbewertung durch den Marxismus 420. – Hochschätzung durch die
  601. XX
  602. Personen- und Sachverzeichnis
  603. völkische Weltanschauung 421. – Achtung des Nationalsozialismus vor der P. 387. – Förderung der P. im völkischen
  604. Staat 492. – Die beste Staatsverfassung 500. – Persönlichkeitsprinzip im Gegensatz zum Mehrheitsprinzip 498
  605. Pflichtbewußtsein, Pflichterfüllung 593
  606. Pöhner, Pg., Polizeipräsident von München nach der Revolution
  607. 403, 602
  608. Polenpolitik 297, 429
  609. Politik: Kunst des Möglichen 230, 295. – Elsaß-lothringische
  610. Frage vor dem Krieg 297. – Mißbrauch der Religion zur P. 125,
  611. 127; durch das Zentrum 294. – s. Außenpolitik.
  612. Politiker: Aufgabe 229. – „Politiker“ 72
  613. Politische Betätigung in der Öffentlichkeit nicht vor dem
  614. dreißigsten Jahr 71
  615. Politischer Mord 609
  616. Presse: Staat und Presse 264. – Pressefreiheit 264. – P. als
  617. Mittel der Volkserziehung 264. – P. und öffentliche Meinung 93. – Drei Zeitungslesergruppen 262. – Versagen der
  618. P. vor dem Kriege 264. – Versagen im Krieg 205. – Künstliche Dämpfung der Kriegsbegeisterung 183. – P. und Judentum 266, 332, 345. – Marxistische P. 265. – Sozialdemokratische P. 43, 529. – Von Juden geleitet 65. – Wiener
  619. „Weltpresse“ 56. – Byzantinismus 57. – Frankreichkult 58.
  620. – Berliner Tageblatt 268. – Frankfurter Zeitung 267. –
  621. Völkischer Beobachter 664. – Vorwärts 248
  622. Preußen: Beispiel ideeller Staatenbildung 167. – Preußischer
  623. Staatsgedanke 734. – Organisation durch die Hohenzollern
  624. 733. – Dualismus mit Österreich 572. – Vorherrschaft in
  625. Deutschland 635
  626. Preußenhetze während des Krieges 621, 627. – Jüdische Ablenkungsmanöver 212, 623, 627. – P. der feindlichen Flugblattpropaganda 207. – P. unter der Maske des Föderalismus 626. – Lostrennung „Bayerns“ von Preußen 238
  627. Programmatiker: Aufgabe 229. – Verhältnis zum Politiker 229
  628. Proletariat: Anwachsen des P. eine Verfallserscheinung 255,
  629. 288. – Diktatur des P. eine jüdische Waffe 357
  630. Propaganda: 194 f. – Aufgabe 197, 654. – Zweck 194. – Psychologische Bedingungen 198, 532. – Wert 302. – Kunst der
  631. P. 197. – Konzentration auf einen Gegner 128, 273, 718. –
  632. P. nur für die Masse 196. – Einstellung auf die Masse 376.
  633. – P. und Organisation 649, 652. – Kriegspropaganda 193,
  634. 198; feindliche 193, 199, 203, deutsche 194, 198, 199. – Flugblätter 206. – Umstellung der feindlichen Propaganda nach
  635. dem Krieg 701, 716. – Umstellung eines Volkes 717. –
  636. Jüdische P. 332, 387. – P. der NSDAP. s. Nationalsozialismus. – Vgl. Flugblatt, Massenversammlung, Wort
  637. Personen- und Sachverzeichnis
  638. Prostitution und Judentum 63. – Vorbedingung der
  639. gung 275. – Seelische P. des Volkes 282
  640. Protestantismus und Verteidigung deutscher Belange 123
  641. Protokolle der Weisen von Zion 337
  642. XXI
  643. Beseiti-
  644. Rasse: Wert 272. – R. und Kultur 432. – Volk und R. 311.
  645. – R. liegt nicht in der Sprache, sondern im Blut 428. –
  646. Naturtrieb zur Rassenreinheit 312. – Gefahren der Mischung
  647. 444. – Gefahr jüdischer Bastardierung 629. – Folgen rassischer Verschmelzung 313, 314, 316, 324. – Die Unterlegenheit des Bastards 441, 629. – Folgen der rassischen Zerrissenheit des deutschen Volkes 436. – Verfallserscheinungen der
  648. Vorkriegszeit rassisch bedingt 360. – Tiefste Ursache des deutschen Zusammenbruchs rassischer Art 310. – Regeneration
  649. 443. – Erneuerung der geistigen Schichten 481. – Förderung
  650. rassisch Wertvoller 493. – Aufgabe des Staates: Erhaltung
  651. und Steigerung der R. 430, 434. – R. und Geschichtswissenschaft 468. – Rasse als Aufgabe künftiger Kultur- und Weltgeschichte 320. – R. und Boden 316. – R. und Genie 321. –
  652. Folgen rassischer Verschiedenheit im Nationalitätenstaat 78.
  653. – Der „Bund der unterdrückten Nationen“ vom Standpunkt
  654. der R. aus 747. – Blutreinheit der Juden 751. – Rassenreine Randkolonien des völkischen Staates 448. – R. vom
  655. Marxismus verkannt 419. – s. auch Arier
  656. Rassenhygiene im völkischen Staat 444, 446. – Kirchen und
  657. R. 445
  658. Rassenstreit: Wesen der 48er Revolution in Österreich 80
  659. Rassesinn: Weckung durch Erziehung 475
  660. Räterepublik in Bayern: taktische Hetze gegen Preußen 624
  661. Rede s. Wort, gesprochenes
  662. Regeneration der Rasse 443
  663. Reichsfarben: Schwarz-Rot-Gold 552, 640. – Schwarz-WeißRot 553
  664. Reichstag, vor dem Krieg 296. – Kampf des R. gegen Wilhelm II. 57. – Kampf Ludendorffs gegen den R. 301
  665. Reichswehr 597. – Zentralisation notwendig 647
  666. Religion: Bedeutung für die Masse 293. – Politischer Mißbrauch mit der R. 125, 127; durch das Zentrum 294. – Religion
  667. und Nationalsozialismus 379. – Religiöse Zwietracht eine Gefahr für das deutsche Volk 630. – Religiöse Verhältnisse vor
  668. dem Krieg 292. – Judentum keine R. 165, 334. – Jüdische
  669. Religionslehre, Talmud 336
  670. Repington, englischer Oberst, Ausspruch 251
  671. Republik, die Weimarer: auf Tributleistung und Landesverzicht
  672. aufgebaut 472. – Internationale Sklavenkolonie 640
  673. Republikschutzgesetz 286, 595, 639. – Demonstration gegen das
  674. R. 613
  675. XXII
  676. Personen- und Sachverzeichnis
  677. Revolution, die deutsche 1918: 204, 579, 582 f., 592, 680. – Vorbedingungen 583. – Vorbereitung durch das gesprochene
  678. Wort 532. – Munitionarbeiterstreik 203, 216, 217. – Grund
  679. des Gelingens 593. – Ursachen: Versagen der Presse 203.
  680. Feindliche Flugblätter 206. – Jammerbriefe aus der Heimat
  681. 208. Rühmen der Feigheit 210. Drückebergerei 211. Zunahme
  682. der Zersetzungserscheinungen 218. Minderwertigkeit des Nachschubs 219. Deserteure 586. Unangebrachte Milde gegen sie
  683. 587. – Jüdische Drahtzieher der R. 585. – Lage nach der
  684. R. 364. – Angst vor dem Frontsoldaten 588. – Einfangen
  685. und Kapitulation der Bürgerlichen 591. – Versagen der
  686. nationalen Organisationen 595
  687. Revolutionen: Sinn und Zweck 286
  688. Risikogedanke s. Flottenbaupolitik
  689. Ruhrbesetzung 1923 619, 767. – Versäumnisse 770. – Einheitsfront 776. – Passiver Widerstand 777. – Inflation 777. –
  690. Stellungnahme der NSDAP 779. – Vgl. Cuno
  691. Rußland: Zusammenbruch im Krieg 214. – Bolschewistische Revolution 586, und Judentum 751. – Beispiel jüdischer Herrschaft 358, 743. – Deutschland und Rußland 726; vor dem
  692. Krieg 753. – Sozialdemokratische Hetze gegen R. 176. – Mit
  693. England gegen R. 154. – Bündnis mit R.? 748. – Deutscher
  694. Bodenerwerb in Europa nur auf Kosten R. möglich 154. –
  695. Ostlandpolitik 742
  696. SA. s. Nationalsozialismus
  697. Schlageter, Leo, deutscher Freiheitsheld: durch einen Regierungsvertreter an Frankreich verraten 2
  698. Schönerer, Georg von, Begründer der Alldeutschen und Los-vonRom-Bewegung in Österreich 107 f., 120
  699. Schönheitsideal, griechisches 453
  700. Schopenhauer, deutscher Philosoph, über die Juden 335 (253)
  701. Schüßler, erster Geschäftsführer der NSDAP., 663
  702. Schule s. Erziehung
  703. Schulbildung, wissenschaftliche, im völkischen Staat: allgemeine
  704. Richtlinien464. – Humanistische Sch. 469. – Fremdsprachen
  705. 465. – Geschichtsunterricht 467. – Weckung des Nationalstolzes 473. – Vgl. Erziehung
  706. Schutzparagraph gegen Syphilis 281
  707. Schutz- und Trutzbund gegen die Juden 628 – s. Antisemitismus
  708. Schwarz-Rot-Gold 552, 640. – Schwarz-Weiß-Rot 553
  709. Sechsundsechziger Krieg: Habsburger Politik danach 102
  710. Selbstvertrauen: Suggestivkraft des S. 456
  711. Sendung des deutschen Volkes 439
  712. Simon, Reichsminister, 771
  713. Skagerrak, Seeschlacht am 300
  714. Sklavenstaat: Deutschland, ein internationaler S. 640
  715. Personen- und Sachverzeichnis
  716. XXIII
  717. Sozialdemokratie: Wesen ihrer Lehre 53. – Ursachen des Erfolgs 44. – Werbekraft 376. – Organisation 509. – Juden
  718. ihre Führer 64. – Presse 43, 529; von Juden geleitet 65. –
  719. Taktik: Terror 45, 46. – Verbürgerlicht 589. – Spaltung
  720. im Krieg (Unabhängige und Spartakusbund) 590. – Unabhängige soz.-dem. Partei 590. – In Österreich deutschtumfeindlich 82. – Hetze gegen Rußland 176. – Bismarcks Kampf
  721. gegen die S. 170. – Sozialistengesetze 189. – s. Marxismus
  722. Soziale Frage: Unsicherheit des Verdienstes und seine Folgen 25. – Soziale Hebung der Massen Vorbedingung für
  723. ihre nationale Erziehung 370. – Soziale Gerechtigkeit: enge
  724. Verbindung mit dem Nationalsozialismus 474. – Lügenhafte Auffassung von „Volksgemeinschaft“ 374. – Richtige
  725. soziale Tätigkeit 30
  726. Sozialistengesetzgebung 189. – Vgl. Bismrack
  727. Spartakusbund 590
  728. Sport: Zweck 455. – Wert des Boxens 454. – Vgl. Erziehung
  729. Sprache: Falsche Auffassung über Staatssprache 427. – Spr.
  730. Und Eroberervolk 428. – Rasse liegt nicht in der Spr., sondern im Blut 428. – Fremdsprachen im völkischen Staat 465
  731. Sprachgrenze gegen Frankreich: ihr Wandern 766
  732. Staat 425. – Drei Auffassungen vom Wesen des Staates 426.
  733. Marxistische 419, nationalsozialistische 433, 434, 436. – St.
  734. nicht Selbstzweck 431. – Menschenrecht bricht Staatsrecht
  735. 105. – Zweck des St. 164, 421, 434. – Aufgabe 430, 436, 439.
  736. – Bewertung 435. – Staatsbildende und staatserhaltende
  737. Kräfte 166, 167. – Beste Verfassung 500. – Parlament 501.
  738. Staatsbürgerrechte:
  739. Staatsangehöriger
  740. und
  741. Staatsbürger 488. – St. und Wirtschaft 164. – St. und Presse 264. –
  742. St. und Sprache 427. – Bundesstaat oder Einheitsstaat?
  743. 633 f. – Bildung des preußischen St., der preußische Staatsgedanke 734. – Jüdischer Staat 165. – Schwäche des St.
  744. gegenüber einer Weltanschauung 598. – Vgl. Flagge, Unitarismus, Völkischer Staat
  745. Staatsautorität nicht Selbstzweck 104, 309, 426, 440. – Vgl.
  746. Autorität, Staat
  747. „Staatsmann“ 87, 762
  748. Stadt im Mittelalter 290 – s. Großstadt
  749. Ständekammern im völkischen Staat 672, 677 – s. Gewerkschaften, Völkischer Staat
  750. Sterilisation s. Unfruchtbarmachung
  751. Sterneckerbräu, Leiberzimmer: Gründung der Deutschen Arbeiterpartei 237
  752. Stinnes, Großindustrieller, 257
  753. Streicher, Julius, Pg., Lehrer in Nürnberg, 575
  754. Streik: Stellung der nationalsozialistischen Gewerkschaften zum
  755. St. 676
  756. XXIV
  757. Personen- und Sachverzeichnis
  758. Südtiroler Frage 520 (688), 707. – Wer hat Südtirol verraten?
  759. 710. – Hitler und Südtirol 707, 710. – Wiener Legitimisten
  760. und Südtirol 709
  761. Syphilis 269. – Schutzparagraph 281
  762. Talmud, jüdische Religionslehre, 336
  763. Theater: Verfall 284
  764. Tirpitz: Kritik an T. 301
  765. Tuberkulose 269
  766. Ultimatum, das österreichische an Serbien, 174
  767. Ultramontanismus: Jüdischer Schachzug gegen Antisemitismus
  768. 629 f.
  769. Unabhängige Sozialdemokratische Partei Deutschlands 590
  770. Unfruchtbarmachung (Sterilisation) Unheilbarer 279
  771. Unitarismus: aus Erfüllungspolitik 637. – Kampf gegen den
  772. U. 643. – Parteiwirtschaft und U. 644
  773. Verantwortungsgefühl: soziales 29. – Mangel an V. im Parlamentarismus 85, 262
  774. Verantwortlichkeit des Führers: in der NSDAP. 661, im völkischen Staat 502, 661
  775. Vereinigte Staaten von Amerika, USA.: Bundesstaat 634. –
  776. Jüdischer Einfluß 723. – Wilson 315
  777. Verfallserscheinungen im Vorkriegsdeutschland 169, 254. – Ursachen: Marxismus 169. – Letzte Ursache 360. – Scheinblüte
  778. 360. – Die Niederlage eine V. 250. – Wirtschaftliche V. 255. –
  779. Herrschaft des Geldes 256. – Halbheit in allen Dingen 258,
  780. 280, 297. – Erziehungsfehler 258 (vgl. Erziehung). – Kriecherei 258. – Herabsinken der allgemeinen Kulturhöhe 282. –
  781. Schmähung großer Vergangenheit 285. – Feigheit 287
  782. Verfassung: Weimarer: ihre Väter 627. – V. des alten Reiches:
  783. bundesstaatlich 635
  784. Verreichlichung nach der Revolution 636, 637. – Vereinheitlichungstendenzen 641. – Vgl. Unitarismus
  785. Versailles s. Friedensvertrag
  786. Versammlungen s. Massenversammlungen
  787. „Verwirtschaftung“ des deutschen Volkes 257
  788. Volk und Rasse 311
  789. Völkisch: Was ist v.? 419. – Der Begriff v. zu wenig faßbar
  790. 397, 415, 417. – Deutsch-völkische Wanderscholaren 195. –
  791. V. in Parteinamen 515. – Ursachen der völkischen Zersplitterung 573
  792. Völkischer Beobachter 664
  793. Völkischer Staat: Germanischer Staat deutscher Nation 362. –
  794. Aristokratisches Prinzip 492 f. – Führerverantwortlichkeit
  795. 502, 661. – Persönlichkeit und V. St. 492. Förderung der
  796. Persönlichkeit 496. – Parlamente als Beratungskörper 501.
  797. Personen- und Sachverzeichnis
  798. XXV
  799. – Wirtschaftsparlamente 672, 677. – Ständekammern 672, 677.
  800. – Nationalgerichtshof 610. – Rassenhygiene 444, 446. – Gesundheitsbescheinigung
  801. 459.
  802. Staatsangehörigkeit
  803. 490.
  804. Staatsbürgerrecht 491. – Staatsbürgerdiplom 459. – Erziehungsfragen 451 f., s. Erziehung. – Heer 459, 476. Zentralisation des Heeres 647. – Auslese 477. – Wertung der
  805. Arbeit 482. – Staffelung der Verdienste 486. – Zweck der
  806. Außenpolitik des V. St. 728. – Rassenreine Randkolonien 448.
  807. – Staatshoheit des Reiches 645. – Über Aufgabe, Wesen,
  808. Zweck vgl. auch Staat
  809. Völkische Weltanschauung: Staatsauffassung 421. – Schätzung
  810. der Persönlichkeit 421. Aristokratisch 492. – NSDAP. ein
  811. Instrument der V. W. 423, 514. – V. W. und NSDAP.-Programm 423. – V. W. von der NSDAP. geistig zu vertreten 598.
  812. – Vgl. auch Nationalsozialismus
  813. Volksgemeinschaft: Lügenhafte Auffassung von V. 374
  814. Volksgesundheit 278. – Unfruchtbarmachung Unheilbarer 279.
  815. – Schutzparagraph gegen Syphilis 281
  816. Volkskörper: Drei Menschenklassen im V. 580. – Das Opfer
  817. der Besten im Krieg 581. – Überwuchern der Schlechten als
  818. Folge davon 582
  819. Volksversammlung s. Massenversammlung
  820. „Volksvertreter“ 96, 113, 411
  821. Vorkriegsdeutschland: Scheinblüte 360. – Schwächung des
  822. Bauernstandes 255. – Religiöse Zustände 292. – Deutsche
  823. Vorzüge 302 f. – Unvergleichliches Beamtentum 308. – Vgl.
  824. Verfallserscheinungen, Zusammenbruch
  825. Vorwärts, führende sozialdemokratische Zeitung: das Zentralorgan aller Landesverräter 248
  826. Wagner, Richard, Komponist: Hitlers Begeisterung für W. 15
  827. Wehrverbände: ihre Mängel 603
  828. Weimarer Verfassung s. Verfassung
  829. Weltanschauung: W.skampf vordringlich gegenüber Wirtschaftskampf 680. – Unduldsamkeit 506, 678. – Mangel einer allgemein anerkannten W. 292. – W. im Angriff 189. – W.
  830. und Gewalt 186 f. – Schwäche des Staates gegenüber einer
  831. W. 598. – Bedeutung der Organisation für eine W. 422. –
  832. W. und Partei 409, 422. – Vgl. Nationalsozialismus. Völkische
  833. Weltanschauung
  834. Weltfinanz, internationale jüdische: Ziel 163. – s. Börse,
  835. Judentum
  836. Weltherrschaftspläne des Judentums 343, 351, 703, 738, 751. –
  837. Vgl. Judentum
  838. Weltkrieg 172 f. – Sinn für Deutschland 178. – Frankreichs
  839. Kriegsziel 763. – Das deutsche Heer 182. – Das Opfer der
  840. Besten, Überwuchern der Schlechten 581/582. – Propaganda 193,
  841. XXVI
  842. Personen- und Sachverzeichnis
  843. deutsche 194, 198, 199; feindliche 193, 199, 203; englische 201.
  844. Greuelpr. 201; Flugblätter 206. – Österreichisches Ultimatum
  845. an Serbien 174. – Skagerrak 300. – Rußlands Zusammenbruch 214. – Munitionsstreik 203, 216, 217. – Zersetzung des
  846. Heeres 218. – s. auch Friedensverträge, Kriegsgesellschaften,
  847. Kriegsschuld, Preußenhetze, Revolution, Verfallserscheinungen
  848. im Vorkriegsdeutschland. Zusammenbruch
  849. Wetterlé, lothringischer Deutschenhetzer 297
  850. Wiedergeburt: Anzeichen deutscher W. 712
  851. Wien: Mittelpunkt Österreichs 74. – Bürgermeister Lueger 74.
  852. – Soziale Gegensätze 22. – Arbeitslosigkeit 23. – Wohnungselend 28. – W. und München 138. – Kaiserinsignien 11. –
  853. Wiener Weltpresse Byzantinismus 56. – Frankreichkult 58
  854. Wilhelm II., Deutscher Kaiser. Kampf des Reichstages gegen
  855. ihn 57. – Fördert die Herrschaft des Geldes 256
  856. Wilson, Präsident der Vereinigten Staaten, 315
  857. Wirtschaft: Verhältnis zum Staat 164. – Keine staatsbildende
  858. und staatserhaltende Kraft 167. – Aktiengesellschaften eine
  859. Verfallserscheinung 256. – Internationalisierung der deutschen W. 257. – „Verwirtschaftung“ des deutschen Volkes 257.
  860. – Erst Weltanschauungskampf, dann W.skampf 680. – W.
  861. und Bürgertum 681
  862. „Wirtschaftsfriedliche Eroberung“ als Grundsatz deutscher Vorkriegspolitik 158, 693
  863. Wirtschaftsparlamente im völkischen Staat 672, 677
  864. Wissenserwerb eine Kunst 36
  865. Wohnungselend in Wien 28
  866. Wort, das gesprochene: Bedeutung 518. – Wirkung 116, 525 f. –
  867. Psychologie 530. – Massenversammlung 535. – Flugblatt
  868. 535. – Erfolge des Marxismus durch das gespr. W. 528. –
  869. Vorbereitung der Revolution durch das gespr. W. 532. –
  870. Lloyd George und Bethmann Hollweg als Redner 533
  871. Ze i t u n g s . P r e s s e . – Z e i t u n g s l e s e r , d r e i G r u p p e n 2 6 2
  872. Zentralisation: Unaufrichtiges Geschrei gegen die Z. 642. –
  873. Kampf der NSDAP. gegen die Z. 643. – Z. und Günstlingswirtschaft 644. – Z. des Heeres notwendig 647. – s. Verreichlichung
  874. Zentrum: Hinneigung zu Österreich aus religiösen Gründen 176.
  875. – Verbindung von Religion und Politik 294. – Landesverräter im Z. 297. – Kampf der NSDAP. gegen das Z. 632
  876. Zinsknechtschaft: Brechung der Z. 232, 233. – Vgl. Feder
  877. Zionismus 60, 356. – Protokolle der Weisen von Zion 337
  878. Zusammenbruch, der deutsche, 1918: Ursachen 245. Tiefste Ursachen: rassisch 310. Jüdische Gefahr 359. – Nicht: der Verlust
  879. des Krieges 247. – Die Schuldigen 249. – Ziellosigkeit der
  880. deutschen Politik 295. – Psychologische Fehler der Regierung
  881. 304. – Vgl. Verfallserscheinungen.
  882. Vorwort
  883. Am
  884. 1.April 1924 hatte ich, auf Grund des Urteilsspruches des Münchner Volksgerichts von diesem Tage,
  885. meine Festungshaft zu Landsberg am Lech anzutreten.
  886. Damit bot sich mir nach Jahren ununterbrochener Arbeit
  887. zum ersten Male die Möglichkeit, an ein Werk heranzugehen, das von vielen gefordert und von mir selbst als
  888. zweckmäßig für die Bewegung empfunden wurde. So habe
  889. ich mich entschlossen, in zwei Bänden nicht nur die Ziele
  890. unserer Bewegung klarzulegen, sondern auch ein Bild der
  891. Entwicklung derselben zu zeichnen. Aus ihr wird mehr zu
  892. lernen sein als aus jeder rein doktrinären Abhandlung.
  893. Ich hatte dabei auch die Gelegenheit, eine Darstellung
  894. meines eigenen Werdens zu geben, soweit dies zum Verständnis sowohl des ersten als auch des zweiten Bandes
  895. nötig ist und zur Zerstörung der von der jüdischen Presse
  896. betriebenen üblen Legendenbildung über meine Person
  897. dienen kann.
  898. Ich wende mich dabei mit diesem Werk nicht an Fremde,
  899. sondern an diejenigen Anhänger der Bewegung, die mit
  900. dem Herzen ihr gehören und deren Verstand nun nach
  901. innigerer Aufklärung strebt.
  902. Ich weiß, daß man Menschen weniger durch das geschriebene Wort als vielmehr durch das gesprochene zu
  903. gewinnen vermag, daß jede große Bewegung auf dieser
  904. Erde ihr Wachsen den großen Rednern und nicht den
  905. großen Schreibern verdankt.
  906. Dennoch muß zur gleichmäßigen und einheitlichen Vertretung einer Lehre das Grundsätzliche derselben niedergelegt werden für immer. Hierbei sollen diese beiden Bände
  907. als Bausteine gelten, die ich dem gemeinsamen Werke
  908. beifüge.
  909. Landsberg am Lech,
  910. Festungshaftanstalt.
  911. Der Verfasser
  912. Am
  913. 9.November 1923, 12 Uhr 30 Minuten nachmittags, fielen vor der
  914. Feldherrnhalle sowie im Hofe des ehemaligen Kriegsministeriums
  915. zu München folgende Männer im treuen Glauben an die Wiederauferstehung ihres Volkes.
  916. Alfarth, Felix, Kaufmann, geb. 5. Juli 1901
  917. Bauriedl, Andreas, Hutmacher, geb. 4. Mai 1879
  918. Casella, Theodor, Bankbeamter, geb. 8. Aug. 1900
  919. Ehrlich, Wilhelm, Bankbeamter, geb. 19. Aug. 1894
  920. Faust, Martin, Bankbeamter, geb. 27. Januar 1901
  921. Hechenberger, Ant., Schlosser, geb. 28. Sept. 1902
  922. Körner, Oskar, Kaufmann, geb. 4. Januar 1875
  923. Kuhn, Karl, Oberkellner, geb. 26. Juli 1897
  924. Laforce, Karl, stud. ing., geb. 28. Oktober 1904
  925. Neubauer, Kurt, Diener, geb. 27. März 1899
  926. Pape, Claus von, Kaufmann, geb. 16. Aug. 1904
  927. Pfordten, Theodor von der, Rat am obersten Landesgericht, geb. 14. Mai 1873
  928. Rickmers, Joh., Rittmeister a.D., geb. 7. Mai 1881
  929. Scheubner-Richter, Max Erwin von, Dr. ing.,
  930. geb. 9. Januar 1884
  931. Stransky, Lorenz, Ritter von, Ingenieur,
  932. geb. 14. März 1899
  933. Wolf, Wilhelm, Kaufmann, geb. 19. Oktober 1898
  934. Sogenannte nationale Behörden
  935. verweigerten den toten Helden
  936. ein gemeinsames Grab.
  937. So widme ich ihnen zur gemeinsamen Erinnerung den ersten Band
  938. dieses Werkes, als dessen Blutzeugen sie den Anhängern unserer
  939. Bewegung dauernd voranleuchten mögen.
  940. Landsberg a.L., Festungshaftanstalt, 16.Oktober 1924
  941. Adolf Hitler
  942. Erster Band
  943. EINE ABRECHNUNG
  944. 1. Kapitel
  945. Im Elternhaus
  946. A ls glückliche Bestimmung gilt es mir heute, daß das
  947. Schicksal mir zum Geburtsort gerade Braunau am Inn
  948. zuwies. Liegt doch dieses Städtchen an der Grenze jener
  949. zwei deutschen Staaten, deren Wiedervereinigung mindestens uns Jüngeren als eine mit allen Mitteln durchzuführende Lebensaufgabe erscheint!
  950. Deutschösterreich muß wieder zurück zum großen deutschen Mutterlande, und zwar nicht aus Gründen irgendwelcher wirtschaftlichen Erwägungen heraus. Nein, nein: Auch
  951. wenn diese Vereinigung, wirtschaftlich gedacht, gleichgültig,
  952. ja selbst wenn sie schädlich wäre, sie müßte dennoch stattfinden. G l e i c h e s B l u t g e h ö r t i n e i n g e m e i n s a m e s
  953. R e i c h . Das deutsche Volk besitzt solange kein moralisches
  954. Recht zu kolonialpolitischer Tätigkeit, solange es nicht einmal seine eigenen Söhne in einem gemeinsamen Staat zu
  955. fassen vermag. Erst wenn des Reiches Grenze auch den letzten Deutschen umschließt, ohne mehr die Sicherheit seiner
  956. Ernährung bieten zu können, ersteht aus der Not des
  957. eigenen Volkes das moralische Recht zur Erwerbung fremden Grund und Bodens. Der Pflug ist dann das Schwert,
  958. und aus den Tränen des Krieges erwächst für die Nachwelt das tägliche Brot. So scheint mir dieses kleine Grenzstädtchen das Symbol einer großen Aufgabe zu sein. Allein
  959. auch noch in einer anderen Hinsicht ragt es mahnend in
  960. unsere heutige Zeit. Vor mehr als hundert Jahren hatte
  961. dieses unscheinbare Nest, als Schauplatz eines die ganze
  962. deutsche Nation ergreifenden tragischen Unglücks, den Vorzug, für immer in den Annalen wenigstens der deutschen
  963. Geschichte verewigt zu werden. In der Zeit der tiefsten Er-
  964. 2 Hitler, Mein Kampf
  965. 2
  966. Im Elternhaus
  967. niedrigung unseres Vaterlandes fiel dort für sein auch im
  968. Unglück heißgeliebtes Deutschland der Nürnberger Johannes Palm, bürgerlicher Buchhändler, verstockter „Nationalist“ und Franzosenfeind. Hartnäckig hatte er sich geweigert,
  969. seine Mit-, besser Hauptschuldigen anzugeben. Also wie Leo
  970. Schlageter. Er wurde allerdings auch, genau wie dieser,
  971. durch einen Regierungsvertreter an Frankreich denunziert.
  972. Ein Augsburger Polizeidirektor erwarb sich diesen traurigen
  973. Ruhm und gab so das Vorbild neudeutscher Behörden
  974. im Reiche des Herrn Severing.
  975. In diesem von den Strahlen deutschen Märtyrertums
  976. vergoldeten Innstädtchen, bayerisch dem Blute, österreichisch
  977. dem Staate nach, wohnten am Ende der achtziger Jahre
  978. des vergangenen Jahrhunderts meine Eltern; der Vater
  979. als pflichtgetreuer Staatsbeamter, die Mutter im Haushalt aufgehend und vor allem uns Kindern in ewig gleicher
  980. liebevoller Sorge zugetan. Nur wenig haftet aus dieser
  981. Zeit noch in meiner Erinnerung, denn schon nach wenigen
  982. Jahren mußte der Vater das liebgewonnene Grenzstädtchen
  983. wieder verlassen, um innabwärts zu gehen und in Passau
  984. eine neue Stelle zu beziehen; also in Deutschland selber.
  985. Allein das Los eines österreichischen Zollbeamten hieß
  986. damals häufig „wandern“. Schon kurze Zeit später kam der
  987. Vater nach Linz und ging endlich dort auch in Pension.
  988. Freilich „Ruhe“ sollte dies für den alten Herrn nicht bedeuten. Als Sohn eines armen, kleinen Häuslers hatte es
  989. ihn schon einst nicht zu Hause gelitten. Mit noch nicht einmal dreizehn Jahren schnürte der damalige kleine Junge
  990. sein Ränzlein und lief aus der Heimat, dem Waldviertel,
  991. fort. Trotz des Abratens „erfahrener“ Dorfinsassen war er
  992. nach Wien gewandert, um dort ein Handwerk zu lernen.
  993. Das war in den fünfziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Ein bitterer Entschluß, sich mit drei Gulden Wegzehrung so auf die Straße zu machen ins Ungewisse hinein.
  994. Als der Dreizehnjährige aber siebzehn alt geworden war,
  995. hatte er seine Gesellenprüfung abgelegt, jedoch nicht die
  996. Zufriedenheit gewonnen. Eher das Gegenteil. Die lange
  997. Zeit der damaligen Not, des ewigen Elends und Jammers
  998. Der kleine Rädelsführer
  999. 3
  1000. festigte den Entschluß, das Handwerk nun doch wieder aufzugeben, um etwas „Höheres“ zu werden. Wenn einst dem
  1001. armen Jungen im Dorfe der Herr Pfarrer als Inbegriff
  1002. aller menschlich erreichbaren Höhe erschien, so nun in der
  1003. den Gesichtskreis mächtig erweiternden Großstadt die Würde
  1004. eines Staatsbeamten. Mit der ganzen Zähigkeit eines durch
  1005. Not und Harm schon in halber Kindheit „alt“ Gewordenen
  1006. verbohrte sich der Siebzehnjährige in seinen neuen Entschluß
  1007. – und wurde Beamter. Nach fast dreiundzwanzig Jahren,
  1008. glaube ich, war das Ziel erreicht. Nun schien auch die Voraussetzung zu einem Gelübde erfüllt, das sich der arme
  1009. Junge einst gelobt hatte, nämlich nicht eher in das liebe
  1010. väterliche Dorf zurückzukehren, als bis er etwas geworden
  1011. wäre.
  1012. Jetzt war das Ziel erreicht, allein aus dem Dorfe konnte
  1013. sich niemand mehr des einstigen kleinen Knaben erinnern,
  1014. und ihm selber war das Dorf fremd geworden.
  1015. Da er endlich als Sechsundfünfzigjähriger in den Ruhestand ging, hätte er doch diese Ruhe keinen Tag als „Nichtstuer“ zu ertragen vermocht. Er kaufte in der Nähe des oberösterreichischen Marktfleckens Lambach ein Gut, bewirtschaftete es und kehrte so im Kreislauf eines langen, arbeitsreichen Lebens wieder zum Ursprung seiner Väter zurück.
  1016. In dieser Zeit bildeten sich mir wohl die ersten Ideale.
  1017. Das viele Herumtollen im Freien, der weite Weg zur
  1018. Schule, sowie ein besonders die Mutter manchmal mit bitterer Sorge erfüllender Umgang mit äußerst robusten Jungen, ließ mich zu allem anderen eher werden als zu einem
  1019. Stubenhocker. Wenn ich mir also auch damals kaum ernstliche Gedanken über meinen einstigen Lebensberuf machte,
  1020. so lag doch von vornherein meine Sympathie auf keinen
  1021. Fall in der Linie des Lebenslaufes meines Vaters. Ich
  1022. glaube, daß schon damals mein rednerisches Talent sich in
  1023. Form mehr oder minder eindringlicher Auseinandersetzungen mit meinen Kameraden schulte. Ich war ein kleiner
  1024. Rädelsführer geworden, der in der Schule leicht und damals auch sehr gut lernte, sonst aber ziemlich schwierig zu
  1025. behandeln war. Da ich in meiner freien Zeit im Chor-
  1026. 4
  1027. Kriegsbegeisterung
  1028. herrenstift zu Lambach Gesangsunterricht erhielt, hatte ich
  1029. beste Gelegenheit, mich oft und oft am feierlichen Prunke
  1030. der äußerst glanzvollen kirchlichen Feste zu berauschen. Was
  1031. war natürlicher, als daß, genau so wie einst dem Vater
  1032. der kleine Herr Dorfpfarrer nun mir der Herr Abt als
  1033. höchst erstrebenswertes Ideal erschien. Wenigstens zeitweise
  1034. war dies der Fall Nachdem aber der Herr Vater bei seinem streitsüchtigen Jungen die rednerischen Talente aus
  1035. begreiflichen Gründen nicht so zu schätzen vermochte, um
  1036. aus ihnen etwas günstige Schlüsse für die Zukunft seines
  1037. Sprößlings zu ziehen, konnte er natürlich auch ein Verständnis für solche Jugendgedanken nicht gewinnen. Besorgt beobachtete er wohl diesen Zwiespalt der Natur.
  1038. Tatsächlich verlor sich denn auch die zeitweilige Sehnsucht
  1039. nach diesem Berufe sehr bald, um nun meinem Temperamente besser entsprechenden Hoffnungen Platz zu machen.
  1040. Beim Durchstöbern der väterlichen Bibliothek war ich über
  1041. verschiedene Bücher militärischen Inhalts gekommen, darunter eine Volksausgabe des Deutsch-Französischen Krieges
  1042. 1870/71. Es waren zwei Bände einer illustrierten Zeitschrift aus diesen Jahren, die nun meine Lieblingslektüre
  1043. wurden. Nicht lange dauerte es, und der große Heldenkampf war mir zum größten inneren Erlebnis geworden.
  1044. Von nun an schwärmte ich mehr und mehr für alles, was
  1045. irgendwie mit Krieg oder doch mit Soldatentum zusammenhing.
  1046. Aber auch in anderer Hinsicht sollte dies von Bedeutung
  1047. für mich werden. Zum ersten Male wurde mir, wenn auch
  1048. in noch so unklarer Vorstellung, die Frage aufgedrängt, ob
  1049. und welch ein Unterschied denn zwischen den diese Schlachten schlagenden Deutschen und den anderen sei? Warum
  1050. hat denn nicht auch Österreich mitgekämpft in diesem
  1051. Kriege, warum nicht der Vater und nicht all die anderen
  1052. auch?
  1053. Sind wir denn nicht auch dasselbe wie eben alle anderen
  1054. Deutschen?
  1055. Gehören wir denn nicht alle zusammen? Dieses Problem
  1056. begann zum ersten Male in meinem kleinen Gehirn zu
  1057. Berufs-„Wahl“
  1058. 5
  1059. wühlen. Mit innerem Neide mußte ich auf vorsichtige Fragen die Antwort vernehmen, daß nicht jeder Deutsche das
  1060. Glück besitze, dem Reich Bismarcks anzugehören.
  1061. Ich konnte dies nicht begreifen.
  1062. Ich sollte studieren.
  1063. Aus meinem ganzen Wesen und noch mehr aus meinem
  1064. Temperament glaubte der Vater den Schluß ziehen zu können, daß das humanistische Gymnasium einen Widerspruch
  1065. zu meiner Veranlagung darstellen würde. Besser schien ihm
  1066. eine Realschule zu entsprechen. Besonders wurde er in dieser
  1067. Meinung noch bestärkt durch eine ersichtliche Fähigkeit
  1068. zum Zeichnen; ein Gegenstand, der in den österreichischen
  1069. Gymnasien seiner Überzeugung nach vernachlässigt wurde.
  1070. Vielleicht war aber auch seine eigene schwere Lebensarbeit
  1071. noch mitbestimmend, die ihn das humanistische Studium,
  1072. als in seinen Augen unpraktisch, weniger schätzen ließ.
  1073. Grundsätzlich war er aber der Willensmeinung, daß, so wie
  1074. er, natürlich auch sein Sohn Staatsbeamter werden würde,
  1075. ja müßte. Seine bittere Jugend ließ ihm ganz natürlich das
  1076. später Erreichte um so größer erscheinen, als dieses doch
  1077. nur ausschließliches Ergebnis seines eisernen Fleißes und
  1078. eigener Tatkraft war. Es war der Stolz des Selbstgewordenen, der ihn bewog, auch seinen Sohn in die gleiche,
  1079. wenn möglich natürlich höhere Lebensstellung bringen zu
  1080. wollen, um so mehr, als er doch durch den Fleiß des eigenen
  1081. Lebens seinem Kinde das Werden um so viel zu erleichtern
  1082. vermochte.
  1083. Der Gedanke einer Ablehnung dessen, was ihm einst zum
  1084. Inhalt eines ganzen Lebens wurde, erschien ihm doch als
  1085. unfaßbar. So war der Entschluß des Vaters einfach, bestimmt und klar, in seinen eigenen Augen selbstverständlich.
  1086. Endlich wäre es seiner in dem bitteren Existenzkampfe
  1087. eines ganzen Lebens herrisch gewordenen Natur aber auch
  1088. ganz unerträglich vorgekommen, in solchen Dingen etwa die
  1089. letzte Entscheidung dem in seinen Augen unerfahrenen und
  1090. damit eben noch nicht verantwortlichen Jungen selber zu
  1091. 6
  1092. Niemals Staatsbeamter
  1093. überlassen. Es würde dies auch als schlecht und verwerfliche Schwäche in der Ausübung der ihm zukommenden
  1094. väterlichen Autorität und Verantwortung für das spätere
  1095. Leben seines Kindes unmöglich zu seiner sonstigen Auffassung von Pflichterfüllung gepaßt haben.
  1096. Und dennoch sollte es anders kommen.
  1097. Zum ersten Male in meinem Leben wurde ich, als damals noch kaum Elfjähriger, in Opposition gedrängt. So
  1098. hart und entschlossen auch der Vater sein mochte in der
  1099. Durchsetzung einmal ins Auge gefaßter Pläne und Absichten, so verbohrt und widerspenstig war aber auch sein
  1100. Junge in der Ablehnung eines ihm nicht oder nur wenig
  1101. zusagenden Gedankens.
  1102. Ich wollte nicht Beamter werden.
  1103. Weder Zureden noch „ernste“ Vorstellungen vermochten
  1104. an diesem Widerstande etwas zu ändern. Ich wollte nicht
  1105. Beamter werden, nein und nochmals nein. Alle Versuche,
  1106. mir durch Schilderungen aus des Vaters eigenem Leben
  1107. Liebe oder Lust zu diesem Berufe erwecken zu wollen,
  1108. schlugen in das Gegenteil um. Mir wurde gähnend übel
  1109. bei dem Gedanken, als unfreier Mann einst in einem Bureau
  1110. sitzen zu dürfen; nicht Herr sein zu können der eigenen
  1111. Zeit, sondern in auszufüllende Formulare den Inhalt eines
  1112. ganzen Leben zwängen zu müssen.
  1113. Welche Gedanken konnte dies auch erwecken bei einem
  1114. Jungen, der wirklich alles andere war, aber nur nicht
  1115. „brav“ im landläufigen Sinne! Das lächerliche leichte Lernen in der Schule gab mir so viel freie Zeit, daß mich
  1116. mehr die Sonne als das Zimmer sah. Wenn mir heute
  1117. durch meine politischen Gegner in liebevoller Aufmerksamkeit mein Leben durchgeprüft wird bis in die Zeit meiner
  1118. damaligen Jugend, um endlich mit Erleichterung feststellen
  1119. zu können, welch unerträgliche Streiche dieser „Hitler“
  1120. schon in seiner Jugend verübt hatte, so danke ich dem Himmel, daß er mir so auch jetzt noch etwas abgibt aus den
  1121. Erinnerungen dieser glückseligen Zeit. Wiese und Wald
  1122. waren damals der Fechtboden, auf dem die immer vorhandenen „Gegensätze“ zur Austragung kamen.
  1123. Sondern Kunstmaler
  1124. 7
  1125. Auch der nun erfolgende Besuch der Realschule konnte
  1126. dem wenig Einhalt tun.
  1127. Freilich mußte nun aber auch ein anderer Gegensatz ausgefochten werden.
  1128. Solange der Absicht des Vaters, mich Staatsbeamter
  1129. werden zu lassen, nur meine prinzipielle Abneigung zum
  1130. Beamtenberuf an sich gegenüber stand, war der Konflikt
  1131. leicht erträglich. Ich konnte solange auch mit meinen inneren Anschauungen etwas zurückhalten, brauchte ja nicht
  1132. immer gleich zu widersprechen. Es genügte mein eigener
  1133. fester Entschluß, später einmal nicht Beamter zu werden,
  1134. um mich innerlich vollständig zu beruhigen. Diesen Entschluß besaß ich aber unabänderlich. Schwerer wurde die
  1135. Frage, wenn dem Plane des Vaters ein eigener gegenübertrat. Schon mit zwölf Jahren traf dies ein. Wie es
  1136. nun kam, weiß ich heute selber nicht, aber eines Tages
  1137. war mir klar, daß ich Maler werden würde, Kunstmaler.
  1138. Mein Talent zum Zeichnen stand allerdings fest, war es
  1139. doch sogar mit ein Grund für den Vater, mich auf die
  1140. Realschule zu schicken, allein nie und niemals hätte dieser
  1141. daran gedacht, mich etwa beruflich in einer solchen Richtung ausbilden zu lassen. Im Gegenteil. Als ich zum ersten
  1142. Male, nach erneuter Ablehnung des väterlichen Lieblingsgedankens, die Frage gestellt bekam, was ich denn nun
  1143. eigentlich selber werden wollte und ziemlich unvermittelt
  1144. mit meinem unterdessen fest gefaßten Entschluß herausplatzte, war der Vater zunächst sprachlos.
  1145. „Maler? Kunstmaler?“
  1146. Er zweifelte an meiner Vernunft, glaubte vielleicht auch
  1147. nicht recht gehört oder verstanden zu haben. Nachdem er
  1148. allerdings darüber aufgeklärt war und besonders die Ernsthaftigkeit meiner Absicht fühlte, warf er sich denn auch mit
  1149. der ganzen Entschlossenheit seines Wesens dagegen. Seine
  1150. Entscheidung war hier nur sehr einfach, wobei irgendein
  1151. Abwägen meiner etwa wirklich vorhandenen Fähigkeiten
  1152. gar nicht in Frage kommen konnte.
  1153. „Kunstmaler, nein, solange ich lebe, niemals.“ Da nun
  1154. aber sein Sohn eben mit verschiedenen sonstigen Eigen-
  1155. 8
  1156. Der junge Nationalist
  1157. schaften wohl auch die einer ähnlichen Starrheit geerbt
  1158. haben mochte, so kam auch eine ähnliche Antwort zurück.
  1159. Nur natürlich umgekehrt den Sinne nach.
  1160. Auf beiden Seiten blieb es dabei bestehen. Der Vater
  1161. verließ nicht sein "Niemals" und ich verstärkte mein
  1162. „Trotzdem“.
  1163. Freilich hatte dies nun nicht sehr erfreuliche Folgen. Der
  1164. alte Herr ward verbittert und, so sehr ich ihn auch liebte,
  1165. ich auch. Der Vater verbat sich jede Hoffnung, daß ich jemals zum Maler ausgebildet werden würde. Ich ging einen
  1166. Schritt weiter und erklärte, daß ich dann überhaupt nicht
  1167. mehr lernen wollte. Da ich nun natürlich mit solchen „Erklärungen“ doch den Kürzeren zog, insofern der alte Herr
  1168. jetzt seine Autorität rücksichtslos durchzusetzen sich anschickte, schwieg ich künftig, setzte meine Drohung aber in
  1169. die Wirklichkeit um. Ich glaubte, daß, wenn der Vater erst
  1170. den mangelnden Fortschritt in der Realschule sähe, er gut
  1171. oder übel eben doch mich meinem erträumten Glück würde
  1172. zugehen lassen.
  1173. Ich weiß nicht, ob diese Rechnung gestimmt hätte. Sicher
  1174. war zunächst nur mein ersichtlicher Mißerfolg in der Schule.
  1175. Was mich freute, lernte ich, vor allem auch alles, was ich
  1176. meiner Meinung nach später als Maler brauchen würde.
  1177. Was mir in dieser Hinsicht bedeutungslos erschien, oder
  1178. mich auch sonst nicht so anzog, sabotierte ich vollkommen.
  1179. Meine Zeugnisse dieser Zeit stellten, je nach dem Gegenstande und seiner Einschätzung, immer Extreme dar. Neben
  1180. „lobenswert“ und „vorzüglich“ „genügend“ oder auch „nicht
  1181. genügend“. Am weitaus besten waren meine Leistungen in
  1182. Geographie und mehr noch in Weltgeschichte. Die beiden
  1183. Lieblingsfächer, in denen ich der Klasse vorschoß.
  1184. Wenn ich nun nach so viel Jahren mir das Ergebnis dieser Zeit prüfend vor Augen halte, so sehe ich zwei hervorstechende Tatsachen als besonders bedeutungsvoll an:
  1185. Erstens: i c h w u r d e N a t i o n a l i s t .
  1186. Zweitens: i c h l e r n t e G e s c h i c h t e i h r e m S i n n e
  1187. nach verstehen und begreifen.
  1188. Die deutsche Ostmark
  1189. 9
  1190. Das alte Österreich war ein „N a t i o n a l i t ä t e n s t a a t“.
  1191. Der Angehörige des Deutschen Reiches konnte im Grunde
  1192. genommen, wenigstens damals, gar nicht erfassen, welche
  1193. Bedeutung dies Tatsache für das alltägliche Leben des einzelnen in einem solchen Staate besitzt. Man hatte sich nach
  1194. dem wundervollen Siegeszuge der Heldenheere im DeutschFranzösischen Kriege allmählich immer mehr dem Deutschtum des Auslandes entfremdet, zum Teil dieses auch gar
  1195. nicht mehr zu würdigen vermocht oder wohl auch nicht
  1196. mehr gekonnt. Man verwechselte besonders in bezug auf
  1197. den Deutschösterreicher nur zu leicht die verkommene Dynastie mit dem im Kerne urgesunden Volke.
  1198. Man begriff nicht, daß, wäre nicht der Deutsche in Österreich wirklich noch von bestem Blute, er niemand die Kraft
  1199. hätte besitzen können, einem 52-Millionen-Staate so sehr
  1200. seinen Stempel aufzuprägen, daß ja gerade in Deutschland
  1201. sogar die irrige Meinung entstehen konnte, Österreich wäre
  1202. ein deutscher Staat. Ein Unsinn von schwersten Folgen, aber
  1203. ein doch glänzendes Zeugnis für die zehn Millionen Deutschen der Ostmark. Von dem ewigen unerbittlichen Kampfe
  1204. um die deutsche Sprache, um deutsche Schule und deutsches
  1205. Wesen hatten nur ganz wenige Deutsche aus dem Reiche
  1206. eine Ahnung. Erst heut, da diese traurige Not vielen Millionen unseres Volkes aus dem Reiche selber aufgezwungen
  1207. ist, die unter fremder Herrschaft vom gemeinsamen Vaterlande träumen und, sich sehnend nach ihm, wenigstens das
  1208. heilige Anspruchsrecht der Muttersprache zu erhalten versuchen, versteht man in größerem Kreise, was es heißt, für
  1209. sein Volkstum kämpfen zu müssen. Nun vermag auch vielleicht der eine oder andere die Größe des Deutschtums aus
  1210. der alten Ostmark des Reiches zu messen, das, nur auf sich
  1211. selbst gestellt, Jahrhunderte lang das Reich erst nach Osten
  1212. beschirmte, um endlich in zermürbendem Kleinkrieg die
  1213. deutsche Sprachgrenze zu halten, in einer Zeit, da das
  1214. Reich sich wohl für Kolonien interessierte, aber nicht für
  1215. das eigene Fleisch und Blut vor seinen Toren.
  1216. Wie überall und immer, in jeglichem Kampf, gab es
  1217. 10
  1218. Der Kampf ums Deutschtum
  1219. auch im Sprachenkampf des alten Österreich drei Schichten:
  1220. die Kämpfer, die Lauen und die Verräter.
  1221. Schon in der Schule begann diese Siebung einzutreten.
  1222. Denn es ist das Bemerkenswerte des Sprachenkampfes wohl
  1223. überhaupt, daß seine Wellen vielleicht am schwersten gerade
  1224. die Schule, als Pflanzstätte der kommenden Generation,
  1225. umspülen. Um das Kind wird dieser Kampf geführt, und
  1226. an das Kind richtet sich der erste Appell dieses Streites:
  1227. „Deutscher Knabe, vergiß nicht, daß du ein Deutscher
  1228. bist“, und „Mädchen, gedenke, daß du eine deutsche
  1229. Mutter werden sollst!“
  1230. Wer der Jugend Seele kennt, der wird verstehen können,
  1231. daß gerade sie am freudigsten die Ohren für einen solchen
  1232. Kampfruf öffnet. In hunderterlei Formen pflegt sie diesen
  1233. Kampf dann zu führen, auf ihre Art und mit ihren Waffen.
  1234. Sie lehnt es ab, undeutsche Lieder zu singen, schwärmt um
  1235. so mehr für deutsche Heldengröße, je mehr man versucht,
  1236. sie dieser zu entfremden; sammelt an vom Munde abgesparten Hellern zu Kampfschatz der Großen; sie ist unglaublich hellhörig dem undeutschen Lehrer gegenüber und
  1237. widerhaarig zugleich; trägt die verbotenen Abzeichen des
  1238. eigenen Volkstums und ist glücklich, dafür bestraft oder gar
  1239. geschlagen zu werden. Sie ist also im kleinen ein getreues
  1240. Spiegelbild der Großen, nur oft in besserer und aufrichtigerer Gesinnung.
  1241. Auch ich hatte so einst die Möglichkeit, schon in verhältnismäßig früher Jugend am Nationalitätenkampf des alten
  1242. Österreich teilzunehmen. Für Südmark und Schulverein
  1243. wurde da gesammelt, durch Kornblumen und schwarzrotgoldne Farben die Gesinnung betont, mit „Heil“ begrüßt,
  1244. und statt des Kaiserliedes lieber „Deutschland über alles“
  1245. gesungen, trotz Verwarnung und Strafen. Der Junge ward
  1246. dabei politisch geschult in einer Zeit, da der Angehörige
  1247. seines sogenannten Nationalstaates meist noch von seinem
  1248. Volkstum wenig mehr als die Sprache kennt. Daß ich damals schon nicht zu den Lauen gehört habe, versteht sich
  1249. von selbst. In kurzer Zeit war ich zum fanatischen „Deutsch-
  1250. Der Kampf ums Deutschtum
  1251. 11
  1252. nationalen“ geworden, wobei dies allerdings nicht identisch
  1253. ist mit unserem heutigen Parteibegriff.
  1254. Diese Entwicklung machte bei mir sehr schnelle Fortschritte, so daß ich schon mit fünfzehn Jahren zum Verständnis des Unterschiedes von dynastischem „P a t r i o t i s m u s“ und völkischem „N a t i o n a l i s m u s“ gelangte; und
  1255. ich kannte damals schon nur mehr den letzteren.
  1256. Für den, der sich niemals die Mühe nahm, die inneren
  1257. Verhältnisse der Habsburgermonarchie zu studieren, mag
  1258. ein solcher Vorgang vielleicht nicht ganz erklärlich sein. Nur
  1259. der Unterricht in der Schule über die Weltgeschichte mußte
  1260. in diesem Staate schon den Keim zu dieser Entwicklung
  1261. legen, gibt es doch eine spezifisch österreichische Geschichte
  1262. nur in kleinsten Maße. Das Schicksal dieses Staates ist so
  1263. sehr mit dem Leben und Wachsen des ganzen Deutschtums
  1264. verbunden, daß eine Scheidung der Geschichte etwa in eine
  1265. deutsche und österreichische gar nicht denkbar erscheint. Ja,
  1266. als endlich Deutschland sich in zwei Machtbereiche zu trennen begann, wurde eben diese Trennung zur deutschen
  1267. Geschichte.
  1268. Die zu Wien bewahrten Kaiserinsignien einstiger Reichsherrlichkeit scheinen als wundervoller Zauber weiter zu
  1269. wirken als Unterpfand einer ewigen Gemeinschaft.
  1270. Der elementare Aufschrei des deutschösterreichischen Volkes in den Tagen des Zusammenbruches des Habsburgerstaates nach Vereinigung mit dem deutschen Mutterland
  1271. war ja nur das Ergebnis eines tief im Herzen des gesamten Volkes schlummernden Gefühls der Sehnsucht nach
  1272. dieser Rückkehr in das nie vergessene Vaterhaus. Niemals
  1273. aber würde dies erklärlich sein, wenn nicht die geschichtliche
  1274. Erziehung des einzelnen Deutschösterreichers Ursache einer
  1275. solchen allgemeinen Sehnsucht gewesen wäre. In ihr liegt
  1276. ein Brunnen, der nie versiegt; der besonders in Zeiten des
  1277. Vergessens als stiller Mahner, über augenblickliches Wohlleben hinweg, immer wieder durch die Erinnerung an die
  1278. Vergangenheit von neuer Zukunft raunen wird.
  1279. Der Unterricht über Weltgeschichte in den sogenannten
  1280. Mittelschulen liegt nun freilich auch heute noch sehr im
  1281. 12
  1282. Geschichtsunterricht
  1283. argen. Wenige Lehrer begreifen, daß das Ziel gerade des
  1284. geschichtlichen Unterrichtes nie und nimmer im Auswendiglernen und Herunterhaspeln geschichtlicher Daten und Ereignisse liegen kann; daß es nicht darauf ankommt, ob der
  1285. Junge nun genau weiß, wann dies oder jene Schlacht geschlagen, ein Feldherr geboren wurde, oder gar ein (meistens sehr unbedeutender) Monarch die Krone seiner Ahnen
  1286. auf das Haupt gesetzt erhielt. Nein, wahrhaftiger Gott,
  1287. darauf kommt es wenig an.
  1288. Geschichte „lernen“ heißt die Kräfte suchen und finden,
  1289. die als Ursachen zu jenen Wirkungen führen, die wir dann
  1290. als geschichtliche Ereignisse vor unseren Augen sehen.
  1291. Die Kunst des Lesens wie des Lernens ist auch hier:
  1292. Wesentliches behalten, Unwesentliches vergessen.
  1293. Es wurde vielleicht bestimmend für mein ganzes späteres
  1294. Leben, daß mir das Glück einst gerade für Geschichte einen
  1295. Lehrer gab, der es als einer der ganz wenigen verstand,
  1296. für Unterricht und Prüfung diesen Gesichtspunkt zum beherrschenden zu machen. In meinem damaligen Professor
  1297. Dr. Leopold Pötsch, an der Realschule zu Linz, war diese
  1298. Forderung in wahrhaft idealer Weise verkörpert. Ein alter
  1299. Herr, von ebenso gütigem als aber auch bestimmten Auftreten, vermocht er besonders durch eine blendende Beredsamkeit uns nicht nur zu fesseln, sondern wahrhaft mitzureißen. Noch heute erinnere ich mich mit leiser Rührung an
  1300. den grauen Mann, der uns im Feuer seiner Darstellung
  1301. manchmal die Gegenwart vergessen ließ, uns zurückzauberte
  1302. in vergangene Zeiten und aus dem Nebelschleier der Jahrtausende die trockene geschichtliche Erinnerung zur lebendigen Wirklichkeit formte. Wir saßen dann da, oft zu heller
  1303. Glut begeistert, mitunter sogar zu Tränen gerührt.
  1304. Das Glück ward um so größer, als dieser Lehrer es verstand, aus Gegenwart Vergangenes zu erleuchten, aus Vergangenheit aber die Konsequenzen für die Gegenwart zu
  1305. ziehen. So brachte er denn auch, mehr als sonst einer, Verständnis für all die Tagesprobleme, die uns damals
  1306. in Atem hielten. Unser kleiner nationaler Fanatismus
  1307. Geschichte Lieblingsfach
  1308. 13
  1309. ward ihm ein Mittel zu unserer Erziehung, indem er, öfter
  1310. als einmal an das nationale Ehrgefühl appellierend, dadurch allein uns Rangen schneller in Ordnung brachte, als
  1311. dies durch andere Mittel je möglich gewesen wäre.
  1312. Mir hat dieser Lehrer Geschichte zum Lieblingsfach gemacht.
  1313. Freilich wurde ich, wohl ungewollt von ihm, auch damals
  1314. schon zum jungen Revolutionär.
  1315. Wer konnte auch unter einem solchen Lehrer deutsche Geschichte studieren, ohne zum Feinde des Staates zu werden,
  1316. der durch sein Herrscherhaus in so unheilvoller Weise die
  1317. Schicksale der Nation beeinflußte?
  1318. Wer endlich konnte noch Kaisertreue bewahren einer
  1319. Dynastie gegenüber, die in Vergangenheit und Gegenwart
  1320. die Belange des deutschen Volkes immer und immer wieder
  1321. um schmählicher eigener Vorteile wegen verriet?
  1322. Wußten wir nicht als Jungen schon, daß dieser österreichische Staat keine Liebe zu uns Deutschen besaß, ja überhaupt gar nicht besitzen konnte?
  1323. Die geschichtliche Erkenntnis des Wirkens des Habsburgerhauses wurde noch unterstützt durch die tägliche Erfahrung. Im Norden und im Süden fraß das fremde Völkergift am Körper unseres Volkstums, und selbst Wien wurde
  1324. zusehends mehr und mehr zur undeutschen Stadt. Das „Erzhaus“ tschechisierte, wo immer nur möglich, und es war die
  1325. Faust der Göttin ewigen Rechtes und unerbittlicher Vergeltung, die den tödlichsten Feind des österreichischen
  1326. Deutschtums, Erzherzog Franz Ferdinand, gerade durch die
  1327. Kugeln fallen ließ, die er selber mithalf zu gießen. War er
  1328. doch der Patronatsherr der von oben herunter betätigten
  1329. Slawisierung Österreichs.
  1330. Ungeheuer waren die Lasten, die man dem deutschen
  1331. Volke zumutete, unerhört seine Opfer an Steuern und an
  1332. Blut, und dennoch mußte jeder nicht gänzlich Blinde erkennen, daß dieses alles umsonst sein würde. Was uns dabei
  1333. am meisten schmerzte, war noch die Tatsache, daß dieses
  1334. ganze System moralisch gedeckt wurde durch das Bündnis
  1335. mit Deutschland, womit der langsamen Ausrottung des
  1336. 14
  1337. Geschichtliche Erkenntnisse
  1338. Deutschtums in der alten Monarchie auch noch gewissermaßen von Deutschland aus selber die Sanktion erteilt
  1339. wurde. Die habsburgische Heuchelei, mit der man es verstand, nach außen den Anschein zu erwecken, als ob Österreich noch immer ein deutscher Staat wäre, steigerte den
  1340. Haß gegen dieses Haus zur hellen Empörung und Verachtung zugleich.
  1341. Nur im Reiche selber sahen die auch damals schon allein
  1342. „Berufenen“ von all dem nichts. Wie mit Blindheit geschlagen wandelten sie an der Seite eines Leichnams und
  1343. glaubten in den Anzeichen der Verwesung gar noch Merkmale „neuen“ Lebens zu entdecken.
  1344. In der unseligen Verbindung des jungen Reiches mit
  1345. dem österreichischen Scheinstaat lag der Keim zum späteren
  1346. Weltkrieg, aber auch zum Zusammenbruch.
  1347. Ich werde im Verlaufe dieses Buches mich noch gründlich
  1348. mit diesem Problem zu beschäftigen haben. Es genügt hier,
  1349. nur festzustellen, daß ich im Grunde genommen schon in der
  1350. frühesten Jugend zu einer Einsicht kam, die mich niemals
  1351. mehr verließ, sondern sich nur noch vertiefte:
  1352. Daß nämlich die Sicherung des Deutschtums die Vernichtung Österreichs voraussetzte, und daß weiter Nationalgefühl in
  1353. nicht
  1354. identisch
  1355. ist
  1356. mit
  1357. dynastischem
  1358. Patriotismus; daß vor allem das habsburgische
  1359. Erzhaus
  1360. zum
  1361. Unglück
  1362. der
  1363. deutschen Nation bestimmt war.
  1364. Ich hatte schon damals die Konsequenzen aus dieser Erkenntnis gezogen: heiße Liebe zu meiner deutsch-österreichischen Heimat, tiefen Haß gegen den österreichischen Staat.
  1365. Die Art des geschichtlichen Denkens, die mir so in der
  1366. Schule beigebracht wurde, hat mich in der Folgezeit nicht
  1367. mehr verlassen. Weltgeschichte ward mir immer mehr zu
  1368. einem unerschöpflichen Quell des Verständnisses für das
  1369. geschichtliche Handeln der Gegenwart, also für Politik. Ich
  1370. will sie dabei nicht „lernen“, sondern sie soll mich lehren.
  1371. Wagner-Verehrung
  1372. 15
  1373. War ich so frühzeitig zum politischen „Revolutionär“ geworden, so nicht minder früh auch zum künstlerischen.
  1374. Die österreichische Landeshauptstadt besaß damals
  1375. ein verhältnismäßig nicht schlechtes Theater. Gespielt wurde
  1376. so ziemlich alles. Mit zwölf Jahren sah ich da zum ersten
  1377. Male „Wilhelm Tell“, wenige Monate darauf als erste
  1378. Oper meines Lebens „Lohengrin“. Mit einem Schlage war
  1379. ich gefesselt. Die jugendliche Begeisterung für den Bayreuther Meister kannte keine Grenzen. Immer wieder zog
  1380. es mich zu seinen Werken, und ich empfinde es heute als
  1381. besonderes Glück, daß mir durch die Bescheidenheit der
  1382. provinzialen Aufführung die Möglichkeit einer späteren
  1383. Steigerung erhalten blieb.
  1384. Dies alles festigte, besonders nach Überwindung der Flegeljahre (was bei mir sich nur sehr schmerzlich vollzog),
  1385. meine tiefinnere Abneigung gegen einen Beruf, wie ihn
  1386. der Vater für mich erwählt hatte. Immer mehr kam ich
  1387. zur Überzeugung, daß ich als Beamter niemals glücklich
  1388. werden würde. Seit nun auch in der Realschule meine
  1389. zeichnerische Begabung anerkannt wurde, stand mein Entschluß nur noch fester.
  1390. Daran konnte weder Bitten noch Drohungen mehr
  1391. etwas ändern.
  1392. Ich wollte Maler werden und um keine Macht der
  1393. Welt Beamter.
  1394. Eigentümlich war es nur, daß mit steigenden Jahren sich
  1395. immer mehr Interesse für Baukunst einstellte.
  1396. Ich hielt dies damals für die selbstverständliche Ergänzung meiner malerischen Befähigung und freute mich nur
  1397. innerlich über die Erweiterung meines künstlerischen
  1398. Rahmens.
  1399. Daß es einmal anders kommen sollte, ahnte ich nicht.
  1400. Die Frage meines Berufes sollte nun doch schneller entschieden werden, als ich vorher erwarten durfte.
  1401. Mit dem dreizehnten Lebensjahr verlor ich urplötzlich den
  1402. Vater. Ein Schlaganfall traf den sonst noch so rüstigen Herrn
  1403. 16
  1404. Tod der Eltern
  1405. und beendete auf schmerzloseste Weise seine irdische Wanderung, uns alle in tiefstes Leid versenken. Was er am
  1406. meisten ersehnte, seinem Kinde die Existenz mitzuschaffen,
  1407. um es so vor dem eigenen bitteren Werdegang zu bewahren,
  1408. schien ihm damals wohl nicht gelungen zu sein. Allein er
  1409. legte, wenn auch gänzlich unbewußt, die Keime für eine
  1410. Zukunft, die damals weder er noch ich begriffen hätte.
  1411. Zunächst änderte sich ja äußerlich nichts.
  1412. Die Mutter fühlte sich wohl verpflichtet, gemäß dem
  1413. Wunsche des Vaters meine Erziehung weiter zu leiten, d.h.
  1414. also mich für die Beamtenlaufbahn studieren zu lassen. Ich
  1415. selber war mehr als je zuvor entschlossen, unter keinen Umständen Beamter zu werden. In eben dem Maße nun, in
  1416. dem die Mittelschule sich in Lehrstoff und Ausbildung von
  1417. meinem Ideal entfernte, wurde ich innerlich gleichgültiger.
  1418. Da kam mir plötzlich eine Krankheit zu Hilfe und entschied
  1419. die Streitfrage des väterlichen Hauses. Mein schweres Lungenleiden ließ einen Arzt der Mutter auf das dringendste anraten, mich später einmal unter keinen Umständen in ein
  1420. Bureau zu geben. Der Besuch der Realschule mußte ebenfalls auf mindestens ein Jahr eingestellt werden. Was ich
  1421. so lange im stillen ersehnt, für was ich immer gestritten
  1422. hatte, war nun durch dieses Ereignis mit einem Male fast
  1423. von selber zur Wirklichkeit geworden.
  1424. Unter dem Eindruck meiner Erkrankung willigte die
  1425. Mutter endlich ein, mich später aus der Realschule nehmen
  1426. zu wollen und die Akademie besuchen zu lassen.
  1427. Es waren die glücklichsten Tage, die mir nahezu als ein
  1428. schöner Traum erschienen; und ein Traum sollte es ja auch
  1429. nur sein. Zwei Jahre später machte der Tod der Mutter
  1430. all den schönen Plänen ein jähes Ende.
  1431. Es war der Abschluß einer langen, schmerzhaften Krankheit, die von Anfang an wenig Aussicht auf Genesung ließ.
  1432. Dennoch traf besonders mich der Schlag entsetzlich. Ich hatte
  1433. den Vater verehrt, die Mutter jedoch geliebt.
  1434. Not und harte Wirklichkeit zwangen mich nun, einen
  1435. schnellen Entschluß zu fassen. Die geringen väterlichen
  1436. Übersiedlung nach Wien
  1437. 17
  1438. Mittel waren durch die schwere Krankheit der Mutter zum
  1439. großen Teile verbraucht worden; die mir zukommende
  1440. Waisenpension genügte nicht, um auch nur leben zu können,
  1441. als war ich nun angewiesen, mir irgendwie mein Brot
  1442. selber zu verdienen.
  1443. Einen Koffer mit Kleidern und Wäsche in den Händen,
  1444. mit einem unerschütterlichen Willen im Herzen, fuhr ich so
  1445. nach Wien. Was dem Vater 50 Jahre vorher gelungen,
  1446. hoffte auch ich dem Schicksal abzujagen; auch ich wollte
  1447. „etwas“ werden, allerdings – auf keinen Fall Beamter.
  1448. 2. Kapitel
  1449. Wiener Lehr- und Leidensjahre
  1450. A ls die Mutter starb, hatte das Schicksal in einer Hinsicht bereits seine Entscheidung getroffen.
  1451. In deren letzten Leidensmonaten war ich nach Wien
  1452. gefahren, um die Aufnahmeprüfung in die Akademie zu
  1453. machen. Ausgerüstet mit einem dicken Pack von Zeichnungen, hatte ich mich damals auf den Weg gemacht, überzeugt,
  1454. die Prüfung spielend leicht bestehen zu können. In der
  1455. Realschule war ich schon weitaus der beste Zeichner meiner
  1456. Klasse gewesen; seitdem war meine Fähigkeit noch ganz
  1457. außerordentlich weiter entwickelt worden, so daß meine
  1458. eigene Zufriedenheit mich stolz und glücklich das Beste
  1459. hoffen ließ.
  1460. Eine einzige Trübung trat manchmal ein: mein malerisches Talent schien übertroffen zu werden von meinem
  1461. zeichnerischen, besonders auf fast allen Gebieten der Architektur. Ebenso aber wuchs auch mein Interesse für die Baukunst an und für sich immer mehr. Beschleunigt wurde dies
  1462. noch, seit ich, noch nicht 16 Jahre alt, zum ersten Male
  1463. zu einem Besuche auf zwei Wochen nach Wien fahren durfte.
  1464. Ich fuhr hin, um die Gemäldegalerie des Hofmuseums zu
  1465. studieren, hatte aber fast nur Augen für das Museum selber. Ich lief die Tage vom frühen Morgen bis in die späte
  1466. Nacht von einer Sehenswürdigkeit zu anderen, allein es
  1467. waren immer nur Bauten, die mich in erster Linie fesselten. Stundenlang konnte ich so vor der Oper stehen, stundenlang das Parlament bewundern; die ganze Ringstraße
  1468. wirkte auf mich wie ein Zauber aus Tausendundeiner
  1469. Nacht.
  1470. Nun also war ich zum zweiten Male in der schönen Stadt
  1471. und wartete mit brennender Ungeduld, aber auch stolzer
  1472. Befähigung zum Baumeister
  1473. 19
  1474. Zuversicht auf das Ergebnis meiner Aufnahmeprüfung. Ich
  1475. war vom Erfolge so überzeugt, daß die mir verkündete Ablehnung mich wie ein jäher Schlag aus heiterem Himmel
  1476. traf. Und doch war es so. Als ich mich dem Rektor vorstellen ließ und die Bitte um Erklärung der Gründe wegen
  1477. meiner Nichtaufnahme in die allgemeine Malerschule der
  1478. Akademie vorbrachte, versicherte mir der Herr, daß aus
  1479. meinen mitgebrachten Zeichnungen einwandfrei meine Nichteignung zum Maler hervorgehe, sondern meine Fähigkeit
  1480. doch ersichtlich auf dem Gebiete der Architektur liege; für
  1481. mich käme niemals die Malerschule, sondern nur die Architekturschule der Akademie in Frage. Daß ich bisher
  1482. weder eine Bauschule besucht noch sonst einen Unterricht in
  1483. Architektur erhalten hatte, konnte man zunächst gar nicht
  1484. verstehen.
  1485. Geschlagen verließ ich den Hansenschen Prachtbau am
  1486. Schillerplatz, zum ersten Male in meinem jungen Leben
  1487. uneins mit mir selber. Denn was ich über meine Fähigkeit
  1488. gehört hatte, schien mir nun auf einmal wie ein greller
  1489. Blitz einen Zwiespalt aufzudecken, unter dem ich schon
  1490. längst gelitten hatte, ohne bisher mir eine klare Rechenschaft über das Warum und Weshalb geben zu können.
  1491. In wenigen Tagen wußte ich nun auch selber, daß ich
  1492. einst Baumeister werden würde.
  1493. Freilich war der Weg unerhört schwer; denn was ich bisher aus Trotz in der Realschule versäumt hatte, sollte sich nun
  1494. bitter rächen. Der Besuch der Architekturschule der
  1495. Akademie war abhängig vom Besuch der Bauschule der
  1496. Technik, und den Eintritt in diese bedingte eine vorher
  1497. abgelegte Matura an einer Mittelschule. Dieses alles fehlte
  1498. mir vollständig. Nach menschlichem Ermessen also war eine
  1499. Erfüllung meines Künstlertraumes nicht mehr möglich.
  1500. Als ich nun nach dem Tode der Mutter zum dritten Male
  1501. nach Wien und dieses Mal für viele Jahre zog, war bei mir
  1502. mit der unterdessen verstrichenen Zeit Ruhe und Entschlossenheit zurückgekehrt. Der frühere Trotz war wieder gekommen, und mein Ziel endgültig ins Auge gefaßt. Ich wollte
  1503. Baumeister werden, und Widerstände sind nicht da, daß
  1504. 20
  1505. Fünf Jahre Elend
  1506. man vor ihnen kapituliert, sondern daß man sie bricht. Und
  1507. brechen wollte ich diese Widerstände, immer das Bild des
  1508. Vaters vor Augen, der sich einst vom armen Dorf- und
  1509. Schusterjungen zum Staatsbeamten emporgerungen hatte.
  1510. Da war mein Boden doch schon besser, die Möglichkeit des
  1511. Kampfes um so viel leichter; und was damals mir als
  1512. Härte des Schicksals erschien, preise ich heute als Weisheit
  1513. der Vorsehung. Indem mich die Göttin der Not in ihre
  1514. Arme nahm und mich oft zu zerbrechen drohte, wuchs
  1515. der Wille zum Widerstand, und endlich blieb der Wille
  1516. Sieger.
  1517. Das danke ich der damaligen Zeit, daß ich hart geworden
  1518. bin und hart sein kann. Und mehr noch als dieses preise
  1519. ich sie dafür, daß sie mich losriß von der Hohlheit des gemächlichen Lebens, daß sie das Muttersöhnchen aus den
  1520. weichen Daunen zog und ihm Frau Sorge zur neuen Mutter gab, daß sie den Widerstrebenden hineinwarf in die
  1521. Welt des Elends und der Armut und ihn so die kennenlernen ließ, für die er später kämpfen sollte.
  1522. In dieser Zeit sollte mir auch da Auge geöffnet werden
  1523. für zwei Gefahren, die ich beide vordem kaum dem Namen
  1524. nach kannte, auf keinen Fall aber in ihrer entsetzlichen
  1525. Bedeutung für die Existenz des deutschen Volkes begriff:
  1526. Marxismus und Judentum.
  1527. Wien, die Stadt, die so vielen als Inbegriff harmloser
  1528. Fröhlichkeit gilt, als festlicher Raum vergnügter Menschen,
  1529. ist für mich leider nur die lebendige Erinnerung an die
  1530. traurigste Zeit meines Lebens.
  1531. Auch heute noch kann diese Stadt nur trübe Gedanken in
  1532. mir erwecken. Fünf Jahre Elend und Jammer sind im Namen dieser Phäakenstadt für mich enthalten. Fünf Jahre, in
  1533. denen ich erst als Hilfsarbeiter, dann als kleiner Maler mir
  1534. mein Brot verdienen mußte; mein wahrhaft kärglich Brot,
  1535. das doch nie langte, um auch nur den gewöhnlichen Hunger
  1536. zu stillen. Er war damals mein getreuer Wächter, der mich
  1537. als einziger fast nie verließ, der in allem redlich mit mir
  1538. Bildung der Weltanschauung
  1539. 21
  1540. teilte. Jedes Buch, das ich mir erwarb, erregte seine Teilnahme; ein Besuch der Oper ließ ihn mir dann wieder
  1541. Gesellschaft leisten auf Tage hinaus; es war ein dauernder
  1542. Kampf mit meinem mitleidslosen Freunde. Und doch habe
  1543. ich in dieser Zeit gelernt, wie nie zuvor. Außer meiner
  1544. Baukunst, dem seltenen, vom Munde abgesparten Besuch
  1545. der Oper, hatte ich als einzige Freude nur mehr Bücher.
  1546. Ich las damals unendlich viel, und zwar gründlich. Was mir
  1547. so an freier Zeit von meiner Arbeit übrig blieb, ging restlos für
  1548. mein Studium auf. In wenigen Jahren schuf ich mir damit die
  1549. Grundlagen meines Wissens, von denen ich auch heute noch
  1550. zehre.
  1551. Aber mehr noch als dieses.
  1552. In dieser Zeit bildete sich mir ein Weltbild und eine
  1553. Weltanschauung, die zum granitenen Fundament meines
  1554. derzeitigen Handelns wurden. Ich habe zu dem, was ich
  1555. mir so einst schuf, nur weniges hinzulernen müssen, zu
  1556. ändern brauchte ich nichts.
  1557. Im Gegenteil.
  1558. Ich glaube heute fest daran, daß im allgemeinen sämtliche schöpferischen Gedanken schon in der Jugend grundsätzlich erscheinen, soferne solche überhaupt vorhanden sind. Ich
  1559. unterscheide zwischen der Weisheit des Alters, die nur in
  1560. einer größeren Gründlichkeit und Vorsicht als Ergebnis der
  1561. Erfahrungen eines langen Lebens gelten kann, und der
  1562. Genialität der Jugend, die in unerschöpflicher Fruchtbarkeit
  1563. Gedanken und Ideen ausschüttet, ohne sie zunächst auch nur
  1564. verarbeiten zu könne, infolge der Fülle ihrer Zahl. Sie
  1565. liefert die Baustoffe und Zukunftspläne, aus denen das
  1566. weisere Alter die Steine nimmt, behaut und den Bau aufführt, soweit nicht die sogenannte Weisheit des Alters die
  1567. Genialität der Jugend erstickt hat.
  1568. Das Leben, das ich bis dorthin im väterlichen Hause
  1569. geführt hatte, unterschied sich eben wenig oder in nichts von
  1570. dem all der anderen. Sorgenlos konnte ich den neuen Tag
  1571. erwarten, und ein soziales Problem gab es für mich nicht.
  1572. 22
  1573. Ablegen kleinbürgerlicher Scheuklappen
  1574. Die Umgebung meiner Jugend setzte sich zusammen aus
  1575. den Kreisen kleinen Bürgertums, also aus einer Welt, die
  1576. zu dem reinen Handarbeiter nur sehr wenig Beziehungen
  1577. besitzt. Denn so sonderbar es auch auf den ersten Blick scheinen mag, so ist doch die Kluft gerade zwischen diesen durchaus wirtschaftlich nicht glänzend gestellten Schichten und
  1578. dem Arbeiter der Faust oft tiefer, als man denkt. Der
  1579. Grund dieser, sagen wir fast Feindschaft, liegt in der Furcht
  1580. einer Gesellschaftsgruppe, die sich erst ganz kurze Zeit aus
  1581. dem Niveau der Handarbeiter herausgehoben hat, wieder
  1582. zurückzusinken in den alten, wenig geachteten Stand, oder
  1583. wenigstens noch zu ihm gerechnet zu werden. Dazu kommt
  1584. noch bei vielen die widerliche Erinnerung an das kulturelle
  1585. Elend dieser unteren Klasse, die häufige Roheit des Umgangs unter einander, wobei die eigene, auch noch so geringe
  1586. Stellung im gesellschaftlichen Leben jede Berührung mit
  1587. dieser überwundenen Kultur- und Lebensstufe zu einer
  1588. unerträglichen Belastung werden läßt.
  1589. So kommt es, daß häufig der Höherstehende unbefangener
  1590. zu seinem letzten Mitmenschen herabsteigt, als es dem
  1591. „Emporkömmling“ auch nur möglich erscheint.
  1592. Denn Emporkömmling ist nun einmal jeder, der sich
  1593. durch eigene Tatkraft aus einer bisherigen Lebensstellung
  1594. in eine höhere emporringt.
  1595. Endlich aber läßt dieser häufig sehr herbe Kampf das
  1596. Mitleid absterben. Das eigene schmerzliche Ringen um das
  1597. Dasein tötet die Empfindung für das Elend der Zurückgebliebenen.
  1598. Mit mir besaß das Schicksal in dieser Hinsicht Erbarmen.
  1599. Indem es mich zwang, wieder in diese Welt der Armut und
  1600. der Unsicherheit zurückzukehren, die einst der Vater im
  1601. Laufe seines Lebens schon verlassen hatte, zog es mir die
  1602. Scheuklappen einer beschränkten kleinbürgerlichen Erziehung von den Augen. Nun erst lernte ich die Menschen
  1603. kennen; lernte unterscheiden zwischen hohlem Scheine oder
  1604. brutalem Äußeren und ihrem inneren Wesen.
  1605. Wien gehörte nach der Jahrhundertwende schon zu den
  1606. sozial ungünstigsten Städtchen.
  1607. Soziale Gegensätze Wiens
  1608. 23
  1609. Strahlender Reichtum und abstoßende Armut lösten
  1610. einander in schroffem Wechsel ab. Im Zentrum und in den
  1611. inneren Bezirken fühlte man so recht den Pulsschlag des
  1612. 52-Millionen-Reiches, mit all dem bedenklichen Zauber des
  1613. Nationalitätenstaates. Der Hof in seiner blendenden Pracht
  1614. wirkte ähnlich einem Magneten auf Reichtum und Intelligenz des übrigen Staates. Dazu kam noch die starke Zentralisierung der Habsburgermonarchie an und für sich.
  1615. In ihr bot sich die einzige Möglichkeit, diesen Völkerbrei
  1616. in fester Form zusammenzuhalten. Die Folge davon aber
  1617. war eine außerordentliche Konzentration von hohen und
  1618. höchsten Behörden in der Haupt- und Residenzstadt.
  1619. Doch Wien war nicht nur politisch und geistig die Zentrale der alten Donaumonarchie, sondern auch wirtschaftlich.
  1620. Dem Heer von hohen Offizieren, Staatsbeamten, Künstlern
  1621. und Gelehrten stand eine noch größere Armee von Arbeitern gegenüber, dem Reichtum der Aristokratie und des
  1622. Handels eine blutige Armut. Vor den Palästen der Ringstraße lungerten Tausende von Arbeitslosen, und unter
  1623. dieser via triumphalis des alten Österreich hausten im
  1624. Zwielicht und Schlamm der Kanäle die Obdachlosen.
  1625. Kaum in einer deutschen Stadt war die soziale Frage
  1626. besser zu studieren als in Wien. Aber man täusche sich nicht.
  1627. Dieses „Studieren“ kann nicht von oben herunter geschehen.
  1628. Wer nicht selber in den Klammern dieser würgenden Natter sich befindet, lernt ihre Giftzähne niemals kennen. Im
  1629. anderen Falle kommt nichts heraus als oberflächliches
  1630. Geschwätz oder verlogene Sentimentalität. Beides ist von
  1631. Schaden. Das eine, weil nie bis zum Kerne des Problems zu dringen vermag, das andere, weil es an ihm vorübergeht. Ich weiß nicht, was verheerender ist: die Nichtbeachtung der sozialen Not, wie dies die Mehrzahl der vom
  1632. Glück Begünstigten oder auch durch eigenes Verdienst Gehobenen tagtäglich sehen läßt, oder jene ebenso hochnäsige
  1633. wie manchmal wieder zudringlich taktlose, aber immer gnädige Herablassung gewisser mit dem „Volk empfindender“
  1634. Modeweiber in Röcken und Hosen. Diese Menschen sündigen
  1635. jedenfalls mehr, als sie in ihrem instinktlosen Verstande
  1636. 24
  1637. Der Hilfsarbeiter
  1638. überhaupt nur zu begreifen vermögen. Daher ist dann zu
  1639. ihrem eigenen Erstaunen das Ergebnis einer durch sie betätigten sozialen "Gesinnung" immer null, häufig aber
  1640. sogar empörte Ablehnung; was dann freilich als Beweis
  1641. der Undankbarkeit des Volkes gilt.
  1642. Daß eine soziale Tätigkeit damit gar
  1643. nichts zu tun hat, vor allem auf Dank
  1644. überhaupt keinen Anspruch erheben darf,
  1645. da sie ja nicht Gnaden verteilen, sondern
  1646. Rechte herstellen soll, leuchtet einer solchen Art von Köpfen nur ungern ein.
  1647. Ich wurde bewahrt davor, die soziale Frage in solcher
  1648. Weise zu lernen. Indem sie mich in den Bannkreis ihres
  1649. Leidens zog, schien sie mich nicht zum „Lernen“ einzuladen,
  1650. als vielmehr sich an mir selber erproben zu wollen. Es
  1651. war nicht ihr Verdienst, daß das Kaninchen dennoch heil
  1652. und gesund die Operationen überstand.
  1653. Wenn ich nun versuchen will, die Reihe meiner damaligen Empfindungen heute wiederzugeben, so kann dies
  1654. niemals auch nur annähernd vollständig sein; nur die
  1655. wesentlichsten und für mich oft erschütterndsten Eindrücke
  1656. sollen hier dargestellt werden mit den wenigen Lehren,
  1657. wie ich sie in dieser Zeit schon zog.
  1658. Es wurde mir damals meist nicht sehr schwer, Arbeit an
  1659. sich zu finden, da ich ja nicht gelernter Handwerker war,
  1660. sondern nur als sogenannter Hilfsarbeiter und manches
  1661. Mal als Gelegenheitsarbeiter versuchen mußte, mir das
  1662. tägliche Brot zu schaffen.
  1663. Ich stellte mich dabei auf den Standpunkt aller jener, die
  1664. den Staub Europas von den Füßen schütteln, mit dem unerbittlichen Vorsatz, sich in der Neuen Welt auch eine neue
  1665. Existenz zu gründen, eine neue Heimat zu erobern. Losgelöst von allen bisherigen lähmenden Vorstellungen des Be-
  1666. Die Unsicherheit des Brotverdienstes
  1667. 25
  1668. rufes und Standes, von Umgebung und Tradition, greifen sie nun nach jedem Verdienst, der sich ihnen bietet,
  1669. packen jede Arbeit an, sich so immer mehr zur Auffassung
  1670. durchringend, daß ehrliche Arbeit niemals schändet, ganz
  1671. gleich, welcher Art sie auch sein möge. So war auch ich
  1672. entschlossen, mit beiden Füßen in die für mich neue Welt
  1673. hineinzuspringen und mich durchzuschlagen.
  1674. Daß es da irgendeine Arbeit immer gibt, lernte ich bald
  1675. kennen, allein ebenso schnell auch, wie leicht sie wieder zu
  1676. verlieren ist.
  1677. Die Unsicherheit des täglichen Brotverdienstes erschien
  1678. mir in kurzer Zeit als eine der schwersten Schattenseiten
  1679. des neuen Lebens.
  1680. Wohl wird der „gelernte“ Arbeiter nicht so häufig auf
  1681. die Straße gesetzt sein, als dies beim ungelernten der Fall
  1682. ist; allein ganz ist doch auch er nicht vor diesem Schicksal
  1683. gefeit. Bei ihm tritt eben an Stelle des Brotverlustes aus
  1684. Arbeitsmangel die Aussperrung oder sein eigener Streik.
  1685. Hier rächt sich die Unsicherheit des täglichen Verdienstes
  1686. schon auf das bitterste an der ganzen Wirtschaft selber.
  1687. Der Bauernbursche, der in die Großstadt wandert, angezogen von der vermeintlich oder wohl auch wirklich leichteren Arbeit, der kürzeren Arbeitszeit, am meisten aber durch
  1688. das blendende Licht, das die Großstadt nun einmal auszustrahlen vermag, ist noch an eine gewisse Sicherheit des Verdienstes gewähnt. Er pflegt den alten Posten auch nur dann
  1689. zu verlassen, wenn ein neuer mindestens in Aussicht steht.
  1690. Endlich ist der Mangel an Landarbeitern groß, die Wahrscheinlichkeit eines längeren Arbeitsmangels also an und
  1691. für sich sehr gering. Es ist nun ein Fehler, zu glauben, daß
  1692. der sich in die Großstadt begebende junge Bursche etwa schon
  1693. von vornherein aus schlechterem Holze geschnitzt wäre als
  1694. der sich auch weiter redlich auf der bäuerlichen Scholle ernährende. Nein, im Gegenteil: die Erfahrung zeigt, daß
  1695. alle auswandernden Elemente eher aus den gesündesten
  1696. und tatkräftigsten Naturen bestehen, als etwa umgekehrt.
  1697. Zu diesen „Auswanderern“ aber zählt nicht nur der
  1698. Amerikawanderer, sondern auch schon der junge Knecht, der
  1699. 26
  1700. Das Schicksal des Arbeiters
  1701. sich entschließt, das heimatliche Dorf zu verlassen, um nach
  1702. der fremden Großstadt zu ziehen. Auch er ist bereit, ein
  1703. ungewisses Schicksal auf sich zu nehmen. Meist kommt er mit
  1704. etwas Geld in die große Stadt, braucht also nicht schon am
  1705. ersten Tage zu verzagen, wenn das Unglück ihn längere
  1706. Zeit keine Arbeit finden läßt. Schlimmer aber wird es,
  1707. wenn er eine gefundene Arbeitsstelle in kurzer Zeit wieder
  1708. verliert. Das Finden einer neuen ist besonders im Winter
  1709. häufig schwer, wenn nicht unmöglich. Die ersten Wochen
  1710. geht es dann noch. Er erhält Arbeitslosenunterstützung aus
  1711. den Kassen seiner Gewerkschaft und schlägt sich durch so
  1712. gut als eben möglich. Allein, wenn der letzte eigene Heller und
  1713. Pfennig verbraucht ist, die Kasse infolge der langen Dauer
  1714. der Arbeitslosigkeit die Unterstützung auch einstellt, kommt
  1715. die große Not. Nun lungert er hungernd herum, versetzt
  1716. und verkauft oft noch das Letzte, kommt so in seiner Kleidung immer mehr herunter und sinkt damit auch äußerlich
  1717. in eine Umgebung herab, die ihn nun zum körperlichen
  1718. Unglück noch seelisch vergiftet. Wird er dann noch obdachlos,
  1719. und ist dies (wie es oft der Fall zu sein pflegt) im Winter,
  1720. so wird der Jammer schon sehr groß. Endlich findet er
  1721. wieder irgendeine Arbeit. Allein, das Spiel wiederholt sich.
  1722. Ein zweites Mal trifft es ihn ähnlich, ein drittes Mal
  1723. vielleicht noch schwerer, so daß er das ewig Unsichere nach
  1724. und nach gleichgültiger ertragen lernt. Endlich wird die
  1725. Wiederholung zur Gewohnheit.
  1726. So lockert sich der sonst fleißige Mensch in seiner ganzen
  1727. Lebensauffassung, um allmählich zum Instrument jener
  1728. heranzureifen, die sich seiner nur bedienen um niedriger
  1729. Vorteile willen. Er war so oft ohne eigenes Verschulden
  1730. arbeitslos, daß es nun auf einmal mehr oder weniger auch
  1731. nicht ankommt, selbst wenn es sich dabei nicht mehr um das
  1732. Erkämpfen wirtschaftlicher Rechte, sondern um das Vernichten staatlicher, gesellschaftlicher oder allgemein kultureller Werte handelt. Er wird, wenn schon nicht streiklustig, so doch streikgleichgültig sein.
  1733. Diesen Prozeß konnte ich an tausend Beispielen mit offenen Augen verfolgen. Je länger ich das Spiel sah, um so
  1734. Das Schicksal des Arbeiters
  1735. 27
  1736. mehr wuchs meine Abneigung gegen die Millionenstadt,
  1737. die die Menschen erst gierig an sich zog, um sie dann so
  1738. grausam zu zerreiben.
  1739. Wenn sie kamen, zählten sie noch immer zu ihrem Volke;
  1740. wenn sie blieben, gingen sie ihm verloren.
  1741. Auch ich war so vom Leben in der Weltstadt herumgeworfen worden und konnte also am eigenen Leibe die
  1742. Wirkungen dieses Schicksals erproben und seelisch durchkosten. Ich sah da noch eines: der schnelle Wechsel von
  1743. Arbeit zur Nichtarbeit und umgekehrt, sowie die dadurch
  1744. bedingte ewige Schwankung des Ein- und Auskommens,
  1745. zerstört auf die Dauer bei vielen das Gefühl für Sparsamkeit ebenso wie das Verständnis für eine kluge Lebenseinteilung. Der Körper gewöhnt sich scheinbar langsam
  1746. daran, in guten Zeiten aus dem Vollen zu leben und in
  1747. schlechten zu hungern. Ja, der Hunger wirft jeden Vorsatz
  1748. für spätere vernünftige Einteilung in der besseren Zeit des
  1749. Verdienstes um, indem er dem von ihm Gequälten in einer
  1750. dauernden Fata Morgana die Bilder eines satten Wohllebens vorgaukelt und diesen Traum zu einer solchen Sehnsucht zu steigern versteht, daß solch ein krankhaftes Verlangen zum Ende jeder Selbstbeschränkung wird, sobald Verdienst und Lohn dies irgendwie gestatten. Daher kommt es,
  1751. daß der kaum eine Arbeit Erlangende sofort auf das unvernünftigste jede Einteilung vergißt, um statt dessen aus vollen Zügen in
  1752. den Tag hinein zu leben. Dies führt selbst bis zur Umstoßung des kleinen Wochenhaushaltes, da sogar hier die
  1753. kluge Einteilung ausbleibt; es langt anfangs noch für fünf
  1754. Tage statt für sieben, später nur mehr für drei, endlich
  1755. für kaum noch einen Tag, um am Schlusse in der ersten
  1756. Nacht schon verjubelt zu werden.
  1757. Zu Hause sind dann oft Weib und Kinder. Manches Mal
  1758. werden auch sie von diesem Leben angesteckt, besonders
  1759. wenn der Mann zu ihnen an und für sich gut ist, ja sie auf
  1760. seine Art und Weise sogar liebt. Dann wird der Wochenlohn in zwei, drei Tagen zu Hause gemeinsam vertan; es
  1761. wird gegessen und getrunken, solange das Geld hält, und
  1762. die letzten Tage werden ebenso gemeinsam durchgehungert.
  1763. 28
  1764. Das Schicksal des Arbeiters
  1765. Dann schleicht die Frau in die Nachbarschaft und Umgebung,
  1766. borgt sich ein weniges aus, macht kleine Schulden beim
  1767. Krämer und sucht so die bösen letzten Tage der Woche durchzuhalten. Mittags sitzen sie alle beisammen vor mageren
  1768. Schüsseln, manchmal auch vor nichts, und warten auf den
  1769. kommenden Lohntag, reden von ihm, machen Pläne, und
  1770. während sie hungern, träumen sie schon wieder vom kommenden Glück.
  1771. So werden die kleinen Kinder in ihrer frühesten Jugend
  1772. mit diesem Jammer vertraut gemacht.
  1773. Übel aber endet es, wenn der Mann von Anfang an
  1774. seine eigenen Wege geht und das Weib, gerade den Kindern
  1775. zuliebe, dagegen auftritt. Dann gibt es Streit und Hader,
  1776. und in dem Maße, in dem der Mann der Frau nun
  1777. fremder wird, kommt er dem Alkohol näher. Jeden Samstag ist er nun betrunken, und im Selbsterhaltungstrieb für
  1778. sich und ihre Kinder rauft sich das Weib und die wenigen
  1779. Groschen, die sie ihm, noch dazu meistens auf dem Wege von
  1780. der Fabrik zur Spelunke, abjagen muß. Kommt er endlich
  1781. Sonntag oder Montag nachts selber nach Hause, betrunken
  1782. und brutal, immer aber befreit vom letzten Heller und
  1783. Pfennig, dann spielen sich oft Szenen ab, daß Gott erbarm.
  1784. In Hunderten von Beispielen habe ich dieses alles miterlebt, anfangs angewidert oder wohl auch empört, um
  1785. später die ganze Tragik dieses Leides zu begreifen, die
  1786. tieferen Ursachen zu verstehen. Unglückliche Opfer schlechter Verhältnisse.
  1787. Fast trüber noch waren damals die Wohnungsverhältnisse. das Wohnungselend des Wiener Hilfsarbeiters war
  1788. ein entsetzliches. Mich schaudert noch heute, wenn ich an
  1789. diese jammervollen Wohnhöhlen denke, an Herberge und
  1790. Massenquartier, an dies düsteren Bilder von Unrat,
  1791. widerlichem Schmutz und Ärgerem.
  1792. Wie mußte und wie muß dies einst werden, wenn aus
  1793. diesen Elendshöhlen der Strom losgelassener Sklaven über
  1794. die andere, so gedankenlose Mitwelt und Mitmenschen sich
  1795. ergießt!
  1796. Denn gedankenlos ist diese andere Welt.
  1797. Der Weg zur Besserung
  1798. 29
  1799. Gedankenlos läßt sie die Dinge eben treiben, ohne in
  1800. ihrer Instinktlosigkeit auch nur zu ahnen, daß früher oder
  1801. später das Schicksal zur Vergeltung schreiten muß, wenn
  1802. nicht die Menschen zur Zeit noch das Schicksal versöhnen.
  1803. Wie bin ich heute dankbar jener Vorsehung, die mich in
  1804. diese Schule gehen ließ. In ihr konnte ich nicht mehr sabotieren, was mir nicht gefiel. Sie hat mich schnell und
  1805. gründlich erzogen.
  1806. Wollte ich nicht verzweifeln an den Menschen meiner
  1807. Umgebung von damals, mußte ich unterscheiden lernen
  1808. zwischen ihrem äußeren Wesen und Leben und den Gründen ihrer Entwicklung. Nur dann ließ sich dies alles ertragen, ohne verzagen zu müssen. Dann wuchsen aus all
  1809. dem Unglück und Jammer, aus Unrat und äußerer Verkommenheit nicht mehr Menschen heraus, sondern traurige
  1810. Ergebnisse trauriger Gesetze; wobei mich die Schwere des
  1811. eigenen, doch nicht leichteren Lebenskampfes davor bewahrte, nun etwa in jämmerlicher Sentimentalität vor
  1812. den verkommenen Schlußprodukten dieses Entwicklungsprozesses zu kapitulieren.
  1813. Nein, so soll dies nicht verstanden werden.
  1814. Schon damals ersah ich, daß hier nur ein doppelter
  1815. Weg zum Ziele einer Besserung dieser Zustände führen
  1816. könne:
  1817. Tiefstes soziales Verantwortungsgefühl
  1818. zur Herstellung besserer Grundlagen unserer Entwicklung, gepaart mit brutaler
  1819. Entschlossenheit in der Niederbrechung
  1820. unverbesserlicher Auswüchslinge.
  1821. So wie die Natur ihre größte Aufmerksamkeit nicht auf
  1822. die Erhaltung des Bestehenden, sondern auf die Züchtung
  1823. des Nachwuchses, als des Trägers der Art, konzentriert, so
  1824. kann es sich auch im menschlichen Leben weniger darum
  1825. handeln, bestehendes Schlechtes künstlich zu veredeln, was
  1826. bei der Veranlagung des Menschen zu neunundneunzig
  1827. Prozent unmöglich ist, als darum, einer kommenden Entwicklung gesündere Bahnen von Anfang an zu sichern.
  1828. 30
  1829. Das Wesen sozialer Tätigkeit
  1830. Schon währen meines Wiener Existenzkampfes war mir
  1831. klar geworden, daß
  1832. die soziale Tätigkeit nie und nimmer in
  1833. ebenso lächerlichen wie zwecklosen Wohlfahrtsduseleien ihre Aufgabe zu erblicken
  1834. hat, als vielmehr in der Beseitigung solcher grundsätzlicher Mängel in der Organisation unseres Wirtschafts- und Kulturlebens, die zu Entartungen einzelner
  1835. führen müssen oder wenigstens verleiten
  1836. können.
  1837. Die Schwierigkeit des Vorgehens mit letzten und brutalsten Mitteln gegen das staatsfeindliche Verbrechertum
  1838. liegt ja nicht zu wenigsten gerade in der Unsicherheit des
  1839. Urteils über die inneren Beweggründe oder Ursachen solcher
  1840. Zeiterscheinungen.
  1841. Diese Unsicherheit ist nur zu begründet im Gefühl einer
  1842. eigenen Schuld an solchen Tragödien der Verkommenheit;
  1843. sie lähmt aber nun jeden ernsten und festen Entschluß und
  1844. hilft so mit an der, weil schwankend, auch schwachen und
  1845. halben Durchführung selbst der notwendigsten Maßnahmen
  1846. der Selbsterhaltung.
  1847. Erst wenn einmal eine Zeit nicht mehr von den Schatten
  1848. des eigenen Schuldbewußtseins umgeistert ist, erhält sie mit
  1849. der inneren Ruhe auch die äußere Kraft, brutal und rücksichtslos die wilden Schößlinge herauszuschneiden, das Unkraut auszujäten.
  1850. Da der österreichische Staat eine soziale Rechtsprechung
  1851. und Gesetzgebung überhaupt so gut als gar nicht kannte,
  1852. war auch seine Schwäche in der Niederkämpfung selbst
  1853. böser Auswüchse in die Augen springend groß.
  1854. Ich weiß nicht, was mich nun zu dieser Zeit am meisten
  1855. entsetzte: das wirtschaftliche Elend meiner damaligen Mitgefährten, dies sittliche und moralische Rohheit oder der Tiefstand ihrer geistigen Kultur.
  1856. Der Mangel an „Nationalstolz“
  1857. 31
  1858. Wie oft fährt nicht unser Bürgertum in aller moralischen
  1859. Entrüstung empor, wenn es aus dem Munde irgendeines
  1860. jämmerlichen Landstreichers die Äußerung vernimmt, daß
  1861. es sich ihm gleich bleibe, Deutscher zu sein oder auch nicht,
  1862. daß er sich überall gleich wohl fühle, sofern er nur sein
  1863. nötiges Auskommen habe.
  1864. Dieser Mangel an „Nationalstolz“ wird dann auf das
  1865. tiefste beklagt und dem Abscheu vor einer solchen Gesinnung kräftig Ausdruck gegeben.
  1866. Wie viele haben sich aber schon die Frage vorgelegt, was
  1867. denn nun eigentlich bei ihnen selber die Ursache ihrer
  1868. besseren Gesinnung bildet?
  1869. Wie viele begreifen denn die Unzahl einzelner Erinnerungen an die Größe des Vaterlandes, der Nation, auf
  1870. allen Gebieten des kulturellen und künstlerischen Lebens,
  1871. die ihnen als Sammelergebnis eben den berechtigten Stolz
  1872. vermitteln, Angehörige eines so begnadeten Volkes sein zu
  1873. dürfen?
  1874. Wie viele ahnen denn, wie sehr der Stolz auf das Vaterland abhängig ist von der Kenntnis der Größe desselben
  1875. auf allen diesen Gebieten?
  1876. Denken nun unsere bürgerlichen Kreise darüber nach, in
  1877. welch lächerlichem Umfange diese Voraussetzung zum Stolz
  1878. auf das Vaterland dem „Volke“ vermittelt wird?
  1879. Man rede sich nicht darauf hinaus, daß in „anderen
  1880. Ländern dies ja auch nicht anders“ sei, der Arbeiter dort
  1881. aber „dennoch“ zu seinem Volkstum stände. Selbst wenn
  1882. dies so wäre, würde es nicht zur Entschuldigung eigener
  1883. Versäumnisse dienen können. Es ist aber nicht so. Denn
  1884. was wir immer mit einer „chauvinistischen“ Erziehung
  1885. z.B. des französischen Volkes bezeichnen, ist doch nichts
  1886. anderes, als das übermäßige Herausheben der Größe
  1887. Frankreichs auf allen Gebieten der Kultur, oder wie der
  1888. Franzose zu sagen pflegt, der „Zivilisation“. Der junge
  1889. Franzose wird eben nicht zur Objektivität erzogen, sondern
  1890. zur subjektivsten Ansicht, die man sich nur denken kann,
  1891. soferne es sich um die Bedeutung der politischen oder
  1892. kulturellen
  1893. Größe
  1894. seines
  1895. Vaterlandes
  1896. handelt.
  1897. 32
  1898. Der Leidensweg des Arbeiterkindes
  1899. Diese Erziehung wird sich dabei immer auf allgemeine,
  1900. ganz große Gesichtspunkte zu beschränken haben, die, wenn
  1901. nötig, in ewiger Wiederholung dem Gedächtnis und dem
  1902. Empfinden des Volkes einzuprägen sind.
  1903. Nun kommt aber bei uns zur negativen Unterlassungssünde noch die positive Zerstörung des Wenigen, das der
  1904. einzelne das Glück hat, in der Schule zu lernen. Die Ratten
  1905. der politischen Vergiftung unseres Volkes fressen auch dieses Wenige noch aus dem Herzen und der Erinnerung der
  1906. breiten masse heraus, soweit nicht Not und Jammer schon
  1907. das ihrige besorgten.
  1908. Man stelle sich doch einmal folgendes vor:
  1909. In einer Kellerwohnung, aus zwei dumpfen Zimmern
  1910. bestehend, haust eine siebenköpfige Arbeiterfamilie. Unter
  1911. den fünf Kindern auch ein Junge von, nehmen wir an,
  1912. drei Jahren. Es ist dies das Alter, in dem die ersten Eindrücke einem Kinde zum Bewußtsein kommen. Bei Begabten finden sich noch bis in das hohe Alter Spuren der Erinnerung aus dieser Zeit. Schon die Enge und Überfüllung
  1913. des Raumes führt nicht zu günstigen Verhältnissen. Streit
  1914. und Hader werden sehr häufig schon auf diese Weise entstehen. Die Menschen leben ja so nicht miteinander, sondern
  1915. drücken aufeinander. Jede, wenn auch kleinste Auseinandersetzung, die in geräumiger Wohnung schon durch ein leichtes
  1916. Absondern ausgeglichen werden kann, sich so von selbst
  1917. wieder löst, führt hier zu einem nicht mehr ausgehenden
  1918. widerlichen Streit. Bei den Kindern ist dies natürlich
  1919. noch erträglich; sie streiten in solchen Verhältnissen ja
  1920. immer und vergessen es untereinander wieder schnell und
  1921. gründlich. Wenn dieser Kampf unter den Eltern selber
  1922. ausgefochten wird, und zwar fast jeden Tag, in Formen,
  1923. die an innerer Roheit oft wirklich nichts zu wünschen übriglassen, dann müssen sich, wenn auch noch so langsam, endlich die Resultate eines solchen Anschauungsunterrichtes
  1924. bei den Kleinen zeigen. Welcher Art sie sein müssen,
  1925. wenn dieser gegenseitige Zwist die Form roher Ausschreitungen des Vaters gegen die Mutter annimmt, zu
  1926. Mißhandlungen in betrunkenem Zustande führt, kann sich
  1927. Junge Autoritätsverächter
  1928. 33
  1929. der ein solches Milieu eben nicht Kennende nur schwer
  1930. vorstellen. Mit sechs Jahren ahnt der kleine, zu bedauernde
  1931. Junge Dinge, vor denen auch ein Erwachsener nur Grauen
  1932. empfinden kann. Moralisch angegiftet, körperlich unterernährt, das arme Köpfchen verlaust, so wandert der junge
  1933. „Staatsbürger“ in die Volksschule. Das es mit Ach und
  1934. Krach bis zum Lesen und Schreiben kommt, ist auch so
  1935. ziemlich alles. Von einem Lernen zu Hause kann keine
  1936. Rede sein. Im Gegenteil. Mutter und Vater reden ja selbst,
  1937. und zwar den Kindern gegenüber, in nicht wiederzugebender Weise über Lehrer und Schule, sind viel eher bereit,
  1938. jenen Grobheiten zu sagen, als etwa ihren kleinen Sprößling über da Knie zu legen und zur Vernunft zu bringen.
  1939. Was der kleine Kerl sonst noch alles zu Hause hört, führt
  1940. auch nicht zu einer Stärkung der Achtung vor der lieben
  1941. Mitwelt. Nichts Gutes wird hier an der Menschheit gelassen, keine Institution bleibt unangefochten; vom Lehrer
  1942. angefangen bis hinauf zur Spitze des Staates. Mag es sich
  1943. um Religion handeln oder um Moral an sich, um den Staat
  1944. oder die Gesellschaft, einerlei, es wird alles beschimpft, in
  1945. der unflätigsten Weise in den Schmutz einer niedrigsten
  1946. Gesinnung gezerrt. Wenn der junge Mensch nun mit vierzehn Jahren aus der Schule entlassen wird, ist es schon
  1947. schwer mehr zu entscheiden, was größer ist an ihm: die unglaubliche Dummheit, insofern es sich um wirkliches Wissen
  1948. und Können handelt, oder die ätzende Frechheit seines
  1949. Auftretens, verbunden mit einer Unmoral schon in diesem
  1950. Alter, daß einem die Haare zu Berge stehen könnten.
  1951. Welche Stellung aber kann dieser Mensch, dem jetzt schon
  1952. kaum mehr etwas heilig ist, der eben so sehr nichts Großes
  1953. kennen gelernt hat, wie er umgekehrt jede Niederung des
  1954. Lebens ahnt und weiß, im Leben einnehmen, in das er ja
  1955. nun hinauszutreten sich anschickt?
  1956. Aus dem dreijährigen Kinde ist ein fünfzehnjähriger Verächter jeder Autorität geworden. Der junge Mensch ist nur
  1957. mit Schmutz und Unrat in Berührung gekommen und hat
  1958. noch nichts kennengelernt, das ihn zu irgendeiner höheren
  1959. Begeisterung anzuregen vermöchte.
  1960. 3
  1961. 34
  1962. Die Vorbedingung der „Nationalisierung“
  1963. Jetzt aber kommt er erst noch in die hohe Schule dieses
  1964. Daseins.
  1965. Nun setzt das gleiche Leben ein, daß er vom Vater die
  1966. Jahre der Kindheit entlang in sich aufgenommen hatte. Er
  1967. streunt herum und kommt weiß Gott wann nach Hause,
  1968. prügelt zur Abwechslung auch noch selber das zusammengerissene Wesen, das einst seine Mutter war, flucht über
  1969. Gott und die Welt und wird endlich aus irgendeinem besonderen Anlaß verurteilt und in ein Jugendlichengefängnis verbracht.
  1970. Dort erhält er den letzten Schliff.
  1971. Die liebe bürgerliche Mitwelt aber ist ganz erstaunt über
  1972. die mangelnde „nationale Begeisterung“ dieses jungen
  1973. „Staatsbürgers“.
  1974. Sie sieht, wie in Theater und Kino, in Schundliteratur
  1975. und Schmutzpresse Tag für Tag das Gift kübelweise in das
  1976. Volk hineingeschüttet wird und staunt dann über den
  1977. geringen „sittlichen Gehalt“, die „nationale Gleichgültigkeit“ der Massen dieses Volkes. Als ob Kinokitsch, Schundpresse und Ähnliches die Grundlagen der Erkenntnis vaterländischer Größe abgeben würden. Von der früheren Erziehung des einzelnen ganz abgesehen.
  1978. Was ich ehedem nie geahnt hatte, lernte ich damals
  1979. schnell und gründlich verstehen:
  1980. Die Frage der „Nationalisierung“ eines
  1981. Volkes ist mit in erster Linie eine Frage
  1982. der Schaffung gesunder sozialer Verhältnisse als Fundament einer Erziehungsmöglichkeit des einzelnen. Denn nur wer
  1983. durch Erziehung und Schule die kulturelle,
  1984. wirtschaftliche,
  1985. vor
  1986. allem
  1987. aber
  1988. politische Größe des eigenen Vaterlandes kennen lernt, vermag und wird auch
  1989. jenen inneren Stolz gewinnen, Angehöriger eines solchen Volkes sein zu dürfen.
  1990. Und
  1991. kämpfen
  1992. kann
  1993. ich
  1994. nur
  1995. für
  1996. etwas, das ich liebe, lieben nur, was ich
  1997. Zeichner und Aquarellist
  1998. achte,
  1999. kenne.
  2000. und
  2001. achten,
  2002. was
  2003. ich
  2004. 35
  2005. mindestens
  2006. Soweit mein Interesse für die soziale Frage erweckt war,
  2007. begann ich sie auch mit aller Gründlichkeit zu studieren.
  2008. Es war eine neue, bisher unbekannte Welt, die sich mir
  2009. so erschloß.
  2010. In den Jahren 1909 auf 1910 hatte sich auch meine eigene
  2011. Lage insofern etwas geändert, als ich nun selber nicht
  2012. mehr als Hilfsarbeiter mir mein tägliches Brot zu verdienen brauchte. Ich arbeitete damals schon selbständig als
  2013. kleiner Zeichner und Aquarellist. So bitter dies in bezug
  2014. auf den Verdienst war – es langte wirklich kaum zum
  2015. Leben – so gut war es aber für meinen erwählten Beruf.
  2016. Nun war ich nicht mehr wie früher des Abends nach der
  2017. Rückkehr von der Arbeitsstelle todmüde, unfähig, in ein
  2018. Buch zu sehen, ohne in kurzer Zeit einzunicken. Meine jetzige
  2019. Arbeit verlief ja parallel meinem künftigen Berufe. Auch
  2020. konnte ich nun als Herr meiner eigenen Zeit mir diese
  2021. wesentlich besser einteilen, als dies früher möglich war.
  2022. Ich malte zum Brotverdienen und lernte zur Freude.
  2023. So war es mir auch möglich, zu meinem Anschauungsunterricht über das soziale Problem die notwendige theoretische Ergänzung gewinnen zu können. Ich studierte so
  2024. ziemlich alles, was ich über dieses ganze Gebiet an Büchern
  2025. erhalten konnte, und vertiefte mich im übrigen in meine
  2026. eigenen Gedanken.
  2027. Ich glaube, meine Umgebung von damals hielt mich
  2028. wohl für einen Sonderling.
  2029. Daß ich dabei mit Feuereifer meiner Liebe zur Baukunst
  2030. diente, war natürlich. Sie erschien mir neben der Musik
  2031. als die Königin der Künste: meine Beschäftigung mit ihr
  2032. war unter solchen Umständen auch keine „Arbeit“, sondern
  2033. höchstes Glück. Ich konnte bis in die späte Nacht hinein
  2034. lesen oder zeichnen, müde wurde ich da nie. So verstärkte
  2035. sich mein Glaube, daß mir mein schöner Zukunftstraum,
  2036. wenn auch nach langen Jahren, doch Wirklichkeit werden
  2037. 36
  2038. Die Kunst des Lesens
  2039. würde. Ich war fest überzeugt, als Baumeister mir dereinst
  2040. einen Namen zu machen.
  2041. Daß ich nebenbei auch das größte Interesse für alles, was
  2042. mit Politik zusammenhing, besaß, schien mir nicht viel zu
  2043. bedeuten. Im Gegenteil: dies war in meinen Augen ja die
  2044. selbstverständliche Pflicht jedes denkenden Menschen überhaupt. Wer dafür kein Verständnis besaß, verlor eben das
  2045. Recht zu jeglicher Kritik und jeglicher Beschwerde.
  2046. Auch hier las und lernte ich also viel.
  2047. Freilich verstehe ich unter „lesen“ vielleicht etwas anderes als der große Durchschnitt unserer sogenannten „Intelligenz“.
  2048. Ich kenne Menschen, die unendlich viel „lesen“, und zwar
  2049. Buch für Buch, Buchstaben um Buchstaben, und die ich doch
  2050. nicht als „belesen“ bezeichnen möchte. Sie besitzen freilich
  2051. eine Unmenge von „Wissen“, allein ihr Gehirn versteht
  2052. nicht, eine Einteilung und Registratur dieses in sich aufgenommenen Materials durchzuführen. Es fehlt ihnen die
  2053. Kunst, im Buche das für sie Wertvolle vom Wertlosen zu
  2054. sondern, das eine dann im Kopfe zu behalten für immer,
  2055. das andere, wenn möglich, gar nicht zu sehen, auf jeden
  2056. Fall aber nicht als zwecklosen Ballast mitzuschleppen. Auch
  2057. das Lesen ist ja nicht Selbstzweck, sondern Mittel zu einem
  2058. solchen. Es soll in erster Linie mithelfen, den Rahmen zu
  2059. füllen, den Veranlagung und Befähigung jedem ziehen;
  2060. mithin soll es Werkzeug und Baustoffe liefern, die der einzelne in seinem Lebensberuf nötig hat, ganz gleich, ob
  2061. dieser nur dem primitiven Broterwerb dient oder die Befriedigung einer höheren Bestimmung darstellt; in zweiter
  2062. Linie aber soll es ein allgemeines Weltbild vermitteln.
  2063. In beiden Fällen ist es aber nötig, daß der Inhalt des
  2064. jeweilig Gelesenen nicht in der Reihenfolge des Buches
  2065. oder gar der Bücherfolge dem Gedächtnis zur Aufbewahrung übergeben wird, sondern als Mosaiksteinchen in dem
  2066. allgemeinen Weltbilde seinen Platz an der ihm zukommenden Stelle erhält und so eben mithilft, dieses Bild im
  2067. Kopfe des Lesers zu formen. Im anderen Falle entsteht ein
  2068. wirres Durcheinander von eingelerntem Zeug, das ebenso
  2069. Die Kunst des Lesens
  2070. 37
  2071. wertlos ist, wie es andererseits den unglücklichen Besitzer
  2072. eingebildet macht. Denn dieser glaubt nun wirklich allen
  2073. Ernstes, „gebildet“ zu sein, vom Leben etwas zu verstehen,
  2074. Kenntnisse zu besitzen, während er mit jedem neuen Zuwachs dieser Art von „Bildung“ in Wahrheit der Welt sich
  2075. mehr und mehr entfremdet, bis er nicht selten entweder in
  2076. einem Sanatorium oder als „Politiker“ in einem Parlament endet.
  2077. Niemals wird es so einem Kopfe gelingen, aus dem
  2078. Durcheinander seines „Wissens“ das für die Forderung
  2079. einer Stunde Passende herauszuholen, da ja sein geistiger
  2080. Ballast nicht in den Linien des Lebens geordnet liegt, sondern in der Reihenfolge der Bücher, wie er sie las und wie
  2081. ihr Inhalt ihm nun im Kopf sitzt. Würde das Schicksal
  2082. bei seinen Anforderungen des täglichen Lebens ihn immer
  2083. an die richtige Anwendung des einst Gelesenen erinnern,
  2084. so müßte es aber auch noch Buch und Seitenzahl erwähnen,
  2085. da der arme Tropf sonst in aller Ewigkeit das Richtige
  2086. nicht finden würde. Da es dies nun aber nicht tut, geraten
  2087. diese neunmal Klugen bei jeder kritischen Stunde in die
  2088. schrecklichste Verlegenheit, suchen krampfhaft nach analogen Fällen und erwischen mit tödlicher Sicherheit natürlich die falschen Rezepte.
  2089. Wäre es nicht so, könnte man die politischen Leistungen
  2090. unserer gelehrten Regierungsheroen in höchsten Stellen
  2091. nicht begreifen, außer man entschlösse sich, anstatt pathologischer Veranlagung schurkenhaft Niedertracht anzunehmen.
  2092. Wer aber die Kunst des richtigen Lesens inne hat, den
  2093. wird das Gefühl beim Studieren jedes Buches, jeder Zeitschrift oder Broschüre augenblicklich auf all das aufmerksam machen, was seiner Meinung nach für ihn zur dauernden Festhaltung geeignet ist, weil entweder zweckmäßig
  2094. oder allgemein wissenswert. Sowie das auf solche Weise
  2095. Gewonnene seine sinngemäße Eingliederung in das immer
  2096. schon irgendwie vorhandene Bild, das sich die Vorstellung von dieser oder jener Sache geschaffen hat, findet,
  2097. wird es entweder korrigierend oder ergänzend wirken, also
  2098. 38
  2099. Die Kunst des Lesens
  2100. entweder die Richtigkeit oder Deutlichkeit desselben erhöhen. Legt nun das Leben plötzlich irgendeine Frage zur
  2101. Prüfung oder Beantwortung vor, so wird bei einer solchen
  2102. Art des Lesens das Gedächtnis augenblicklich zum Maßstabe des schon vorhandenen Anschauungsbildes greifen und
  2103. aus ihm alle die in Jahrzehnten gesammelten einzelnen
  2104. diese Fragen betreffenden Beiträge herausholen, dem Verstande unterbreiten zur Prüfung und neuen Einsichtnahme,
  2105. bis die Frage geklärt oder beantwortet ist.
  2106. Nur so hat das Lesen dann Sinn und Zweck.
  2107. Ein Redner zum Beispiel, der nicht auf solche Weise
  2108. seinem Verstande die nötigen Unterlagen liefert, wird nie
  2109. in der Lage sein, bei Widerspruch zwingend seine Ansicht
  2110. zu vertreten, mag sie auch tausendmal der Wahrheit oder
  2111. Wirklichkeit entsprechen. Bei jeder Diskussion wird ihn das
  2112. Gedächtnis schnöde im Stiche lassen: er wird weder Gründe
  2113. zur Erhärtung des von ihm Behaupteten, noch solche
  2114. zur Widerlegung des Gegners finden. Solange es sich
  2115. dabei, wie bei einem Redner, in erster Linie nur um die
  2116. Blamage der eigenen Person handelt, mag dies noch hingehen, böse aber wird es, wenn das Schicksal einen solchen
  2117. Vielwisser aber Nichtskönner zum Leiter eines Staates
  2118. bestellt.
  2119. Ich habe mich seit früher Jugend bemüht, auf richtige
  2120. Art zu lesen und wurde dabei in glücklichster Weise von
  2121. Gedächtnis und Verstand unterstützt. Und in solchem Sinne
  2122. betrachtet, war für mich besonders die Wiener Zeit fruchtbar und wertvoll. Die Erfahrungen des täglichen Lebens
  2123. bildeten die Anregung zu immer neuem Studium der verschiedensten Probleme. Indem ich endlich so in der Lage
  2124. war, die Wirklichkeit theoretisch zu begründen, die Theorie
  2125. an der Wirklichkeit zu prüfen, wurde ich davor bewahrt,
  2126. entweder in der Theorie zu ersticken oder in der Wirklichkeit zu verflachen.
  2127. So wurde in dieser Zeit in zwei wichtigsten Fragen,
  2128. außer der sozialen, die Erfahrung des täglichen Lebens
  2129. bestimmend und anregend für gründlichstes theoretisches
  2130. Studium.
  2131. Die Sozialdemokratie
  2132. 39
  2133. Wer weiß, wann ich mich in die Lehren und das Wesen
  2134. des Marxismus einmal vertieft hätte, wenn mich nicht die
  2135. damalige Zeit förmlich mit dem Kopfe auf dieses Problem
  2136. gestoßen hätte!
  2137. Was ich in meiner Jugend von der Sozialdemokratie
  2138. wußte, war herzlich wenig und reichlich unrichtig.
  2139. Daß sie den Kampf um das allgemeine und geheime
  2140. Wahlrecht führte, freute mich innerlich. Sagte mir doch
  2141. mein Verstand schon damals, daß dies zu einer Schwächung
  2142. des mir so sehr verhaßten Habsburgerregiments führen
  2143. müßte. In der Überzeugung, daß der Donaustaat, außer
  2144. unter Opferung des Deutschtums, doch nie zu halten sein
  2145. werde, daß aber selbst der Preis einer langsamen Slawisierung des deutschen Elements noch keineswegs die Garantie eines dann auch wirklich lebensfähigen Reiches bedeutet hätte, da die staatserhaltende Kraft des Slawentums
  2146. höchst zweifelhaft eingeschätzt werden muß, begrüßte ich
  2147. jede Entwicklung, die meiner Überzeugung nach zum Zusammenbruch dieses unmöglichen, das Deutschtum in zehn
  2148. Millionen Menschen zum Tode verurteilenden Staates
  2149. führen mußte. Je mehr das Sprachentohuwabohu auch das
  2150. Parlament zerfraß und zerfetzte, mußte die Stunde des
  2151. Zerfalles dieses babylonischen Reiches näherrücken und
  2152. damit aber auch die Stunde der Freiheit meines deutschösterreichischen Volkes. Nur so konnte dann dereinst der
  2153. Anschluß an das alte Mutterland wieder kommen.
  2154. So war mir also diese Tätigkeit der Sozialdemokratie
  2155. nicht unsympathisch. Daß sie endlich, wie mein damaliges
  2156. harmloses Gemüt noch dumm genug war zu glauben, die
  2157. Lebensbedingungen des Arbeiters zu heben trachtete, schien
  2158. mir ebenfalls eher für sie als gegen sie zu sprechen. Was
  2159. mich am meisten abstieß, war ihre feindselige Stellung
  2160. gegenüber dem Kampf um die Erhaltung des Deutschtums,
  2161. das jämmerliche Buhlen um die Gunst der slawischen „Genossen“, die diese Liebeswerbung, sofern sie mit praktischen Zugeständnissen verbunden war, wohl entgegen-
  2162. 40
  2163. Erstes Zusammentreffen mit Sozialdemokraten
  2164. nahmen, sonst sich aber arrogant hochnäsig zurückhielten,
  2165. den zudringlichen Bettlern auf diese Weise den verdienten
  2166. Lohn gebend.
  2167. So war mir im Alter von siebzehn Jahren das Wort
  2168. „Marxismus“ noch wenig bekannt, während mir „Sozialdemokratie“ und Sozialismus als identische Begriffe erschienen. Es bedurfte auch hier erst der Faust des Schicksals, um mir das Auge über diesen unerhörtesten Völkerbetrug zu öffnen.
  2169. Hatte ich bis dorthin die sozialdemokratische Partei nur
  2170. als Zuschauer bei einigen Massendemonstrationen kennengelernt, ohne auch nur den geringsten Einblick in die Mentalität ihrer Anhänger oder gar in das Wesen der Lehre zu
  2171. besitzen, so kam ich nun mit einem Schlage mit den Produkten ihrer Erziehung und „Weltanschauung“ in Berührung.
  2172. Und was sonst vielleicht erst nach Jahrzehnten eingetreten
  2173. wäre, erhielt ich jetzt im Laufe weniger Monate: das Verständnis für eine unter der Larve sozialer Tugend und
  2174. Nächstenliebe wandelnde Pestilenz, von der möglichst die
  2175. Menschheit schnell die Erde befreien möge, da sonst gar
  2176. leicht die Erde von der Menschheit frei werden könnte.
  2177. Am Bau fand mein erstes Zusammentreffen mit Sozialdemokraten statt.
  2178. Es war schon von Anfang an nicht sehr erfreulich. Meine
  2179. Kleidung war noch etwas in Ordnung, meine Sprache gepflegt und mein Wesen zurückhaltend. Ich hatte mit meinem
  2180. Schicksal noch so viel zu tun, daß ich mich um meine Umwelt nur wenig zu kümmern vermochte. Ich suchte nur nach
  2181. Arbeit, um nicht zu verhungern, um damit die Möglichkeit
  2182. einer, wenn auch noch so langsamen, Weiterbildung zu erhalten. Ich würde mich um meine neue Umgebung vielleicht überhaupt nicht gekümmert haben, wenn nicht schon
  2183. am dritten oder vierten Tage ein Ereignis eingetreten
  2184. wäre, das mich sofort zu einer Stellungnahme zwang. Ich
  2185. wurde aufgefordert, in die Organisation einzutreten.
  2186. Meine Kenntnisse der gewerkschaftlichen Organisation
  2187. waren damals noch gleich Null. Weder die Zweckmäßigkeit
  2188. noch die Unzweckmäßigkeit ihres Bestehens hätte ich zu be-
  2189. Erstes Zusammentreffen mit Sozialdemokraten
  2190. 41
  2191. weisen vermocht. Da man mir erklärte, daß ich eintreten
  2192. müsse, lehnte ich ab. Ich begründete dies damit, daß ich die
  2193. Sache nicht verstünde, mich aber überhaupt zu nichts zwingen lasse. Vielleicht war das erstere der Grund, warum man
  2194. mich nicht sofort hinauswarf. Man mochte vielleicht hoffen,
  2195. mich in einigen Tagen bekehrt oder mürbe gemacht zu
  2196. haben. Jedenfalls hatte man sich darin gründlich getäuscht.
  2197. Nach vierzehn Tagen konnte ich dann aber nicht mehr,
  2198. auch wenn ich sonst noch gewollt hätte. In diesen vierzehn
  2199. Tagen lernte ich meine Umgebung näher kennen, so daß
  2200. mich keine Macht der Welt mehr zum Eintritt in eine
  2201. Organisation hätte bewegen können deren Träger mir inzwischen in so ungünstigem Lichte erschienen waren.
  2202. Die ersten Tage war ich ärgerlich.
  2203. Mittags ging ein Teil in die zunächst gelegenen Wirtshäuser, während ein anderer am Bauplatz verblieb und
  2204. dort ein meist sehr ärmliches Mittagsmahl verzehrte. Es
  2205. waren dies die Verheirateten, denen ihre Frauen in armseligen Geschirren die Mittagssuppe brachten. Gegen Ende
  2206. der Woche wurde diese Zahl immer größer; warum, begriff
  2207. ich erst später. Nun wurde politisiert.
  2208. Ich trank meine Flasche Milch und aß mein Stück Brot
  2209. irgendwo seitwärts und studierte vorsichtig meine neue
  2210. Umgebung oder dachte über mein elendes Los nach. Dennoch
  2211. hörte ich mehr als genug; auch schien es mir oft, als ob
  2212. man mit Absicht an mich heranrückte, um mich so vielleicht
  2213. zu einer Stellungnahme zu veranlassen. Jedenfalls war das,
  2214. was ich so vernahm, geeignet, mich aufs äußerste aufzureizen. Man lehnte da alles ab: die Nation, als eine
  2215. Erfindung der „kapitalistischen“ – wie oft mußte ich nur
  2216. allein dieses Wort hören! – Klassen; das Vaterland, als
  2217. Instrument der Bourgeoisie zur Ausbeutung der Arbeiterschaft; die Autorität des Gesetzes als Mittel zur Unterdrückung des Proletariats; die Schule, als Institut zur
  2218. Züchtung des Sklavenmaterials, aber auch der Sklavenhalter; die Religion, als Mittel der Verblödung des zur
  2219. Ausbeutung bestimmten Volkes; die Moral, als Zeichen
  2220. dummer Schafsgeduld usw. Es gab da aber rein gar nichts,
  2221. 42
  2222. Der erste Terror
  2223. was nicht in den Kot einer entsetzlichen Tiefe gezogen
  2224. wurde.
  2225. Anfangs versuchte ich zu schweigen. Endlich ging es aber
  2226. nicht mehr. Ich begann Stellung zu nehmen, begann zu
  2227. widersprechen. Da mußte ich allerdings erkennen, daß dies
  2228. so lange vollkommen aussichtslos war, solange ich nicht
  2229. wenigstens bestimmte Kenntnisse über die nun einmal umstrittenen Punkte besaß. So begann ich in den Quellen zu
  2230. spüren, aus denen sie ihre vermeintliche Weisheit zogen.
  2231. Buch um Buch, Broschüre um Broschüre kam jetzt an die
  2232. Reihe.
  2233. Am Bau aber ging es nun oft heiß her. Ich stritt, von
  2234. Tag zu Tag besser auch über ihr eigenes Wissen informiert
  2235. als meine Widersacher selber, bis eines Tages jenes Mittel
  2236. zur Anwendung kam, das freilich die Vernunft am leichtesten
  2237. besiegt: der Terror, die Gewalt. Einige der Wortführer
  2238. der Gegenseite zwangen mich, entweder den Bau sofort zu
  2239. verlassen oder vom Gerüst hinunterzufliegen. Da ich allein
  2240. war, Widerstand aussichtslos erschien, zog ich es, um eine
  2241. Erfahrung reicher, vor, dem ersten Rat zu folgen.
  2242. Ich ging, von Ekel erfüllt, aber zugleich doch so ergriffen,
  2243. daß es mir ganz unmöglich gewesen wäre, der ganzen
  2244. Sache nun den Rücken zu kehren. Nein, nach dem Aufschießen der ersten Empörung gewann die Halsstarrigkeit
  2245. wieder die Oberhand. Ich war fest entschlossen, dennoch
  2246. wieder auf einen Bau zu gehen. Bestärkt wurde ich in diesem Entschlusse noch durch die Not, die einige Wochen später, nach dem Verzehren des geringen ersparten Lohnes,
  2247. mich in ihre herzlosen Arme schloß. Nun mußte ich, ob ich
  2248. wollte oder nicht. Und das Spiel ging denn auch wieder
  2249. von vorne los, um ähnlich wie beim ersten Male zu enden.
  2250. Damals rang ich in meinem Innern: Sind dies noch
  2251. Menschen, wert, einem großen Volke anzugehören?
  2252. Eine qualvolle Frage; denn wird sie mit Ja beantwortet,
  2253. so ist der Kampf um ein Volkstum wirklich nicht mehr der
  2254. Mühen und Opfer wert, die die Besten für einen solchen
  2255. Auswurf zu bringen haben; heißt die Antwort aber Nein,
  2256. dann ist unser Volk schon arm an M e n s c h e n .
  2257. Die sozialdemokratische Presse
  2258. 43
  2259. Mit unruhiger Beklommenheit sah ich in solchen Tagen
  2260. des Grübelns und Hineinbohrens die Masse der nicht mehr
  2261. zu ihrem Volke zu Rechnenden anschwellen zu einem bedrohlichen Heere.
  2262. Mit welch anderen Gefühlen starrte ich nun in die
  2263. endlosen Viererreihen einer eines Tages stattfindenden
  2264. Massendemonstration Wiener Arbeiter! Fast zwei Stunden
  2265. lang stand ich so da und beobachtete mit angehaltenem
  2266. Atem den ungeheuren menschlichen Drachenwurm, der sich
  2267. da langsam vorbeiwälzte. In banger Gedrücktheit verließ ich
  2268. endlich den Platz und wanderte heimwärts. Unterwegs
  2269. erblickte ich in einem Tabakladen die „Arbeiterzeitung“,
  2270. das Zentralorgan der alten österreichischen Sozialdemokratie.
  2271. In einem billigen Volkscafé, in das ich öfters ging, um
  2272. Zeitungen zu lesen, lag sie auch auf; allein ich konnte es
  2273. bisher nicht über mich bringen, in das elende Blatt, dessen
  2274. ganzer Ton auf mich wie geistiges Vitriol wirkte, länger als
  2275. zwei Minuten hineinzusehen. Unter dem deprimierenden
  2276. Eindruck der Demonstration trieb mich nun eine innere
  2277. Stimme an, das Blatt einmal zu kaufen und es dann gründlich zu lesen. Abends besorgte ich dies denn auch unter
  2278. Überwindung des in mir manchmal aufsteigenden Jähzorns
  2279. über diese konzentrierte Lügenlösung.
  2280. Mehr als aus aller theoretischen Literatur konnte ich
  2281. nun aus dem täglichen Lesen der sozialdemokratischen Presse
  2282. das innere Wesen dieser Gedankengänge studieren.
  2283. Denn welch ein Unterschied zwischen den in der theore
  2284. tischen Literatur schillernden Phrasen von Freiheit, Schönheit und Würde, dem irrlichternden, scheinbar tiefste Weisheit mühsam ausdrückenden Wortgeflunker, der widerlich
  2285. humanen Moral – alles mit der eisernen Stirne einer
  2286. prophetischen Sicherheit hingeschrieben – und der brutalen, vor keiner Niedertracht zurückschreckenden, mit jedem
  2287. Mittel der Verleumdung und einer wahrhaft balkenbiegenden Lügenvirtuosität arbeitenden Tagespresse dieser Heilslehre der neuen Menschheit! Das eine ist bestimmt für die
  2288. dummen Gimpel aus mittleren und natürlich auch höheren
  2289. „Intelligenzschichten“, das andere für die Masse.
  2290. 44
  2291. Die Psyche der Masse
  2292. Für mich bedeutete das Vertiefen in Literatur und Presse
  2293. dieser Lehre und Organisation das Wiederfinden zu meinem Volke.
  2294. Was mir erst als unüberbrückbare Kluft erschien, sollte
  2295. nun Anlaß zu einer größeren Liebe als jemals zuvor
  2296. werden.
  2297. Nur ein Narr vermag bei Kenntnis dieser ungeheuren
  2298. Vergiftungsarbeit das Opfer auch noch zu verdammen. Je
  2299. mehr ich mich in den nächsten Jahren selbständig machte,
  2300. um so mehr wuchs mit steigender Entfernung der Blick für
  2301. die inneren Ursachen der sozialdemokratischen Erfolge. Nun
  2302. begriff ich die Bedeutung der brutalen Forderung, nur rote
  2303. Zeitungen zu halten, nur rote Versammlungen zu besuchen,
  2304. rote Bücher zu lesen usw. In plastischer Klarheit sah ich
  2305. das zwangsläufige Ergebnis dieser Lehre der Unduldsamkeit vor Augen.
  2306. Die Psyche der breiten Masse ist nicht empfänglich für
  2307. alles Halbe und Schwache.
  2308. Gleich dem Weibe, dessen seelisches Empfinden weniger
  2309. durch Gründe abstrakter Vernunft bestimmt wird als durch
  2310. solche einer undefinierbaren, gefühlsmäßigen Sehnsucht nach
  2311. ergänzender Kraft, und das sich deshalb lieber dem Starken beugt als den Schwächling beherrscht, liebt auch die
  2312. Masse mehr den Herrscher als den Bittenden und fühlt
  2313. sich im Innern mehr befriedigt durch eine Lehre, die keine
  2314. andere neben sich duldet, als durch die Genehmigung liberaler Freiheit; sie weiß mit ihr auch meist nur wenig anzufangen und fühlt sich sogar leicht verlassen. Die Unverschämtheit ihrer geistigen Terrorisierung kommt ihr ebensowenig zum Bewußtsein wie die empörende Mißhandlung
  2315. ihrer menschlichen Freiheit, ahnt sie doch den inneren Irrsinn der ganzen Lehre in keiner Weise. So sieht sie nur
  2316. die rücksichtslose Kraft und Brutalität ihrer zielbewußten
  2317. Äußerungen, der sie sich endlich immer beugt.
  2318. Wird der Sozialdemokratie eine Lehre
  2319. von besserer Wahrhaftigkeit, aber gleicher
  2320. Brutalität
  2321. der
  2322. Durchführung
  2323. entgegen-
  2324. Die Taktik der Sozialdemokratie
  2325. 45
  2326. g e s t e l l t , w i r d d i e s e s i e g e n , wenn auch nach
  2327. schwerstem Kampfe.
  2328. Ehe nur zwei Jahre vergangen waren, war mir sowohl
  2329. die Lehre als auch das technische Werkzeug der Sozialdemokratie klar.
  2330. Ich begriff den infamen geistigen Terror, den diese Bewegung vor allem auf das solchen Angriffen weder moralisch noch seelisch gewachsene Bürgertum ausübt, indem sie
  2331. auf ein gegebenes Zeichen immer ein förmliches Trommelfeuer von Lügen und Verleumdungen gegen den ihr am
  2332. gefährlichsten erscheinenden Gegner losprasseln läßt, so
  2333. lange, bis die Nerven der Angegriffenen brechen und sie,
  2334. um nur wieder Ruhe zu haben, den Verhaßten opfern.
  2335. Allein die Ruhe erhalten diese Toren dennoch nicht.
  2336. Das Spiel beginnt von neuem und wird so oft wiederholt, bis die Furcht vor dem wilden Köter zur suggestiven
  2337. Lähmung wird.
  2338. Da die Sozialdemokratie den Wert der Kraft aus eigener
  2339. Erfahrung am besten kennt, läuft sie auch am meisten
  2340. Sturm gegen diejenigen, in deren Wesen sie etwas von
  2341. diesem ohnehin so seltenen Stoffe wittert. Umgekehrt lobt
  2342. sie jeden Schwächling der anderen Seite, bald vorsichtig,
  2343. bald lauter, je nach der erkannten oder vermuteten geistigen Qualität.
  2344. Sie fürchtet ein ohnmächtiges, willenloses Genie weniger
  2345. als eine Kraftnatur, wenn auch bescheidenen Geistes.
  2346. Am eindringlichsten empfiehlt sie Schwächlinge an Geist
  2347. und Kraft zusammen.
  2348. Sie versteht den Anschein zu erwecken, als ob nur so
  2349. die Ruhe zu erhalten wäre, während sie dabei in kluger
  2350. Vorsicht, aber dennoch unentwegt, eine Position nach der
  2351. anderen erobert, bald durch stille Erpressung, bald durch
  2352. tatsächlichen Diebstahl in Momenten, da die allgemeine
  2353. Aufmerksamkeit anderen Dingen zugewendet, entweder
  2354. nicht gestört sein will oder die Angelegenheit für zu klein
  2355. hält, um großes Aufsehen zu erregen und den bösen
  2356. Gegner neu zu reizen.
  2357. Es ist eine unter genauer Berechnung aller menschlichen
  2358. 46
  2359. Die Taktik der Sozialdemokratie
  2360. Schwächen gefundene Taktik, deren Ergebnis fast mathematisch zum Erfolge führen muß, wenn eben nicht auch die
  2361. Gegenseite lernt, gegen Giftgas mit Giftgas zu kämpfen.
  2362. Schwächlichen Naturen muß dabei gesagt werden, daß es
  2363. sich hierbei eben um Sein oder Nichtsein handelt.
  2364. Nicht minder verständlich wurde mir die Bedeutung des
  2365. körperlichen Terrors dem einzelnen, der Masse gegenüber.
  2366. Auch hier genaue Berechnung der psychologischen Wirkung.
  2367. Der Terror auf der Arbeitsstätte, in der
  2368. Fabrik,
  2369. im
  2370. Versammlungslokal
  2371. und
  2372. anläßlich von Massenkundgebung wird immer
  2373. von Erfolg begleitet sein, solange ihm nicht
  2374. ein gleich großer Terror entgegentritt.
  2375. Dann freilich wird die Partei in entsetzlichem Geschrei
  2376. Zeter und Mordio jammern, wird als alte Verächterin
  2377. jeder Staatsautorität kreischend nach dieser rufen, um in
  2378. den meisten Fällen in der allgemeinen Verwirrung tatsächlich das Ziel zu erreichen – nämlich: sie wird das
  2379. Hornvieh eines höheren Beamten finden, der, in der blödseligen Hoffnung, sich vielleicht dadurch für später den
  2380. gefürchteten Gegner geneigt zu machen, den Widersacher
  2381. dieser Weltpest brechen hilft.
  2382. Welchen Eindruck ein solcher Schlag auf die Sinne der
  2383. breiten Masse sowohl der Anhänger als auch der Gegner
  2384. ausübt, kann dann nur der ermessen, der die Seele eines
  2385. Volkes nicht aus Büchern, sondern aus dem Leben kennt.
  2386. Denn während in den Reihen ihrer Anhänger der erlangte Sieg nunmehr als ein Triumph des Rechtes der
  2387. eigenen Sache gilt, verzweifelt der geschlagene Gegner in
  2388. den meisten Fällen am Gelingen eines weiteren Widerstandes überhaupt.
  2389. Je mehr ich vor allem die Methoden des körperlichen
  2390. Terrors kennenlernte, um so größer wurde meine Abbitte
  2391. den Hunderttausenden gegenüber, die ihm erlagen.
  2392. Das danke ich am inständigsten meiner damaligen
  2393. Lebenszeit, daß sie allein mir mein Volk wiedergegeben
  2394. Die Sünden des Bürgertums
  2395. 47
  2396. hat, daß ich die Opfer unterscheiden lernte von den Verführern.
  2397. Anders als Opfer sind die Ergebnisse dieser Menschenverführung nicht zu bezeichnen. Denn wenn ich nun in
  2398. einigen Bildern mich bemühte, das Wesen dieser „untersten“ Schichten aus dem Leben heraus zu zeichnen, so würde
  2399. dies nicht vollständig sein, ohne die Versicherung, daß ich
  2400. aber in diesen Tiefen auch wieder Lichter fand in den
  2401. Formen einer oft seltenen Opferwilligkeit, treuester Kameradschaft, außerordentlicher Genügsamkeit und zurückhaltender Bescheidenheit, besonders soweit es die damals ältere
  2402. Arbeiterschaft betraf. Wenn auch diese Tugenden in der
  2403. jungen Generation mehr und mehr, schon durch die allgemeinen Einwirkungen der Großstadt, verloren wurden, so
  2404. gab es selbst hier noch viele, bei denen das vorhandene
  2405. kerngesunde Blut über die gemeinen Niederträchtigkeiten
  2406. des Lebens Herr wurde. Wenn dann diese oft seelenguten,
  2407. braven Menschen in ihrer politischen Betätigung dennoch
  2408. in die Reihen der Todfeinde unseres Volkstums eintraten
  2409. und diese so schließen halfen, dann lag dies daran, daß sie
  2410. ja die Niedertracht der neuen Lehre weder verstanden noch
  2411. verstehen konnten, daß niemand sonst sich die Mühe nahm,
  2412. sich um sie zu kümmern, und daß endlich die sozialen Verhältnisse stärker waren als aller sonstige etwa vorhandene gegenteilige Wille. Die Not, der sie eines Tages so
  2413. oder so verfielen, trieb sie in das Lager der Sozialdemokratie doch noch hinein.
  2414. Da nun das Bürgertum unzählige Male in
  2415. der ungeschicktesten, aber auch unmoralischsten Weise gegen selbst allgemein menschlich berechtigte Forderungen Front machte,
  2416. ja oft ohne einen Nutzen aus einer solchen
  2417. Haltung zu erlangen oder gar überhaupt
  2418. erwarten zu dürfen, wurde selbst der anständigste Arbeiter aus der gewerkschaftlichen Organisation in die politische Tätigkeit hineingetrieben.
  2419. Millionen von Arbeitern waren sicher in ihrem Inneren
  2420. 48
  2421. Die Gewerkschaftsfrage
  2422. anfangs Feinde der sozialdemokratischen Partei, wurden
  2423. aber in ihrem Widerstande besiegt durch eine manches Mal
  2424. denn doch irrsinnige Art und Weise, in der seitens der bürgerlichen Parteien gegen jede Forderung sozialer Art Stellung genommen wurde. Die einfach bornierte Ablehnung
  2425. aller Versuche einer Besserung der Arbeitsverhältnisse, der
  2426. Schutzvorrichtungen an Maschinen, der Unterbindung von
  2427. Kinderarbeit sowie des Schutzes der Frau wenigstens in
  2428. den Monaten, da sie unter dem Herzen schon den kommenden Volksgenossen trägt, half mit, der Sozialdemokratie, die dankbar jeden solchen Fall erbärmlicher Gesinnung
  2429. aufgriff, die Massen in das Netz zu treiben. Niemals kann
  2430. unser politisches „Bürgertum“ wieder gut machen, was so
  2431. gesündigt wurde. Denn indem es gegen alle Versuche einer
  2432. Beseitigung sozialer Mißstände Widerstand leistete, säte es
  2433. Haß und rechtfertigte scheinbar selber die Behauptungen
  2434. der Todfeinde des ganzen Volkstums, daß nur die sozialdemokratische Partei allein die Interessen des schaffenden
  2435. Volkes verträte.
  2436. Es schuf so in erster Linie die moralische Begründung
  2437. für den tatsächlichen Bestand der Gewerkschaften, der Organisation, die der politischen Partei die größten Zutreiberdienste von jeher geleistet hat.
  2438. In meinen Wiener Lehrjahren wurde ich gezwungen, ob
  2439. ich wollte oder nicht, auch zur Frage der Gewerkschaften
  2440. Stellung zu nehmen.
  2441. Da ich sie als einen unzertrennlichen Bestandteil der
  2442. sozialdemokratischen Partei an sich ansah, war meine Entscheidung schnell und – falsch.
  2443. Ich lehnte sie selbstverständlich glatt ab.
  2444. Auch in dieser so unendlich wichtigen Frage gab mir das
  2445. Schicksal selber Unterricht.
  2446. Das Ergebnis war ein Umsturz meines ersten Urteils.
  2447. Mit zwanzig Jahren hatte ich unterscheiden gelernt zwischen der Gewerkschaft als Mittel zur Verteidigung allgemeiner sozialer Rechte des Arbeitnehmers und zur Erkämpfung besserer Lebensbedingungen desselben im einzelnen
  2448. Die Gewerkschaftsfrage
  2449. 49
  2450. und der Gewerkschaft als Instrument der Partei des politischen Klassenkampfes.
  2451. Daß die Sozialdemokratie die enorme Bedeutung der gewerkschaftlichen Bewegung begriff, sicherte ihr das Instrument und damit den Erfolg; daß das Bürgertum dies nicht
  2452. verstand, kostete es seine politische Stellung. Es glaubte,
  2453. mit einer naseweisen „Ablehnung“ einer logischen Entwicklung den Garaus machen zu können, um in Wirklichkeit
  2454. dieselbe nun in unlogische Bahnen zu zwingen. Denn daß
  2455. die Gewerkschaftsbewegung etwa an sich vaterlandsfeindlich
  2456. sei, ist ein Unsinn und außerdem eine Unwahrheit. Richtig
  2457. ist eher das Gegenteil. Wenn eine gewerkschaftliche Betätigung als Ziel die Besserstellung eines mit zu den Grundpfeilern der Nation gehörenden Standes im Auge hat und
  2458. durchführt, wirkt sie nicht nur nicht vaterlands- oder staatsfeindlich, sondern im wahrsten Sinne des Wortes „national“. Hilft sie doch so mit, die sozialen Voraussetzungen zu
  2459. schaffen, ohne die eine allgemeine nationale Erziehung gar
  2460. nicht zu denken ist. Sie erwirbt sich höchstes Verdienst, indem sie durch Beseitigung sozialer Krebsschäden sowohl
  2461. geistigen als aber auch körperlichen Krankheitserregern
  2462. an den Leib rückt und so zu einer allgemeinen Gesundheit
  2463. des Volkskörpers mit beiträgt.
  2464. Die Frage nach ihrer Notwendigkeit also ist wirklich
  2465. überflüssig.
  2466. Solange es unter Arbeitgebern Menschen mit geringem
  2467. sozialen Verständnis oder gar mangelndem Rechts- und
  2468. Billigkeitsgefühl gibt, ist es nicht nur das Recht, sondern
  2469. die Pflicht der von ihnen Angestellten, die doch einen Teil
  2470. unseres Volkstums bilden, die Interessen der Allgemeinheit gegenüber der Habsucht oder der Unvernunft eines
  2471. einzelnen zu schützen; denn die Erhaltung von Treu und
  2472. Glauben an einem Volkskörper ist im Interesse der Nation
  2473. genau so wie die Erhaltung der Gesundheit des Volkes.
  2474. Beides wird durch unwürdige Unternehmer, die sich nicht
  2475. als Glied der ganzen Volksgemeinschaft fühlen, schwer bedroht. Aus dem üblen Wirken ihrer Habsucht oder Rücksichtslosigkeit erwachsen tiefe Schäden für die Zukunft.
  2476. 50
  2477. Die Gewerkschaftsfrage
  2478. Die Ursachen einer solchen Entwicklung beseitigen, heißt
  2479. sich ein Verdienst um die Nation erwerben, und nicht etwa
  2480. umgekehrt.
  2481. Man sage dabei nicht, daß es ja jedem einzelnen freistünde, die Folgerungen aus einem ihm tatsächlich oder vermeintlich zugefügten Unrecht zu ziehen, also zu gehen. Nein!
  2482. Dies ist Spiegelfechterei und muß als Versuch angesehen
  2483. werden, die Aufmerksamkeit abzulenken. Entweder ist die
  2484. Beseitigung schlechter, unsozialer Vorgänge im Interesse der
  2485. Nation gelegen oder nicht. Wenn ja, dann muß der Kampf
  2486. gegen sie mit den Waffen aufgenommen werden, die die
  2487. Aussicht auf Erfolg bieten. Der einzelne Arbeiter aber ist
  2488. niemals in der Lage, sich gegenüber der Macht des großen
  2489. Unternehmers durchzusetzen, da es sich hier nicht um eine
  2490. Frage des Sieges des höheren Rechtes handeln kann – da
  2491. ja bei Anerkennung desselben der ganze Streit infolge des
  2492. Mangels jeder Veranlassung gar nicht vorhanden wäre –,
  2493. sondern um die Frage der größeren Macht. Im anderen
  2494. Falle würde das vorhandene Rechtsgefühl allein schon den
  2495. Streit in ehrlicher Weise beenden, oder richtiger, es könnte
  2496. nie zu einem solchen kommen.
  2497. Nein,
  2498. wenn
  2499. unsoziale
  2500. oder
  2501. unwürdige
  2502. Behandlung
  2503. von
  2504. Menschen
  2505. zum
  2506. Widerstande auffordert, dann kann dieser Kampf,
  2507. solange nicht gesetzliche, richterliche Behörden zur Beseitigung dieser Schäden geschaffen werden, nur durch die größere
  2508. Macht zur Entscheidung kommen. Damit
  2509. aber ist es selbstverständlich, daß der Einzelperson und mithin konzentrierten Kraft
  2510. des Unternehmens allein die zur Einzelperson zusammengefaßte Zahl der Arbeitnehmer gegenübertreten kann, um nicht
  2511. von Anbeginn schon auf die Möglichkeit
  2512. des Sieges verzichten zu müssen.
  2513. So kann die gewerkschaftliche Organisation zu einer Stärkung des sozialen Gedankens in dessen praktischer Auswirkung im täglichen Leben führen und damit zu einer Be-
  2514. Die Politisierung der Gewerkschaften
  2515. 51
  2516. seitigung von Reizursachen, die immer wieder die Veranlassung zur Unzufriedenheit und zu Klagen geben.
  2517. Daß es nicht so ist, kommt zu einem sehr großen Teil
  2518. auf das Schuldkonto derjenigen, die jeder gesetzlichen Regelung sozialer Mißstände Hindernisse in den Weg zu legen
  2519. verstanden oder sie mittels ihres politischen Einflusses
  2520. unterbanden.
  2521. In eben dem Maße, in dem das politische Bürgertum
  2522. dann die Bedeutung der gewerkschaftlichen Organisation
  2523. nicht verstand oder, besser, nicht verstehen wollte und sich
  2524. zum Widerstand dagegen stemmte, nahm sich die Sozialdemokratie der umstrittenen Bewegung an. Sie schuf damit weitschauend eine feste Unterlage, die sich schon einigemal in kritischen Stunden als letzte Stütze bewährte. Freilich ging damit der innere Zweck allmählich unter, um
  2525. neuen Zielen Raum zu geben.
  2526. Die Sozialdemokratie dachte nie daran, die von ihr umfaßte Berufsbewegung der ursprünglichen Aufgabe zu erhalten.
  2527. Nein, so meinte sie dies allerdings nicht.
  2528. In wenigen Jahrzehnten war unter ihrer kundigen Hand
  2529. aus dem Hilfsmittel einer Verteidigung sozialer Menschenrechte das Instrument zur Zertrümmerung der nationalen
  2530. Wirtschaft geworden. Die Interessen der Arbeiter sollten
  2531. sie dabei nicht im geringsten behindern. Denn auch politisch gestattet die Anwendung wirtschaftlicher Druckmittel,
  2532. jederzeit Erpressungen auszuüben, sowie nur die nötige Gewissenlosigkeit auf der einen und dumme Schafsgeduld auf
  2533. der anderen Seite in ausreichendem Maße vorhanden ist.
  2534. Etwas, das in diesem Falle beiderseits zutrifft.
  2535. Schon um die Jahrhundertwende hatte die Gewerkschaftsbewegung längst aufgehört, ihrer früheren Aufgabe zu dienen. Von Jahr zu Jahr war sie mehr und mehr in den
  2536. Bannkreis sozialdemokratischer Politik geraten, um endlich
  2537. nur noch als Ramme des Klassenkampfes Anwendung zu
  2538. finden. Sie sollte den ganzen, mühselig aufgebauten Wirt-
  2539. 52
  2540. Die Politisierung der Gewerkschaften
  2541. schaftskörper durch dauernde Stöße endlich zum Einsturz
  2542. bringen, um so dem Staatsbau, nach Entzug seiner wirtschaftlichen Grundmauern, das gleiche Schicksal leichter zufügen zu können. Die Vertretung aller wirklichen Bedürfnisse der Arbeiterschaft kam damit immer weniger in
  2543. Frage, bis die politische Klugheit es endlich überhaupt
  2544. nicht mehr als wünschenswert erscheinen ließ, die sozialen
  2545. und gar kulturellen Nöte der breiten Masse zu beheben,
  2546. da man sonst ja Gefahr lief, diese, in ihren Wünschen
  2547. befriedigt, nicht mehr als willenlose Kampftruppe ewig
  2548. weiterbenützen zu können.
  2549. Eine derartige, ahnungsvoll gewitterte Entwicklung jagte
  2550. den klassenkämpferischen Führern solche Furcht ein, daß
  2551. sie endlich kurzerhand jede wirklich segensvolle soziale
  2552. Hebung ablehnten, ja auf das entschlossenste dagegen Stellung nahmen.
  2553. Um eine Begründung eines vermeintlich so unverständlichen Verhaltens brauchte ihnen dabei nie bange zu sein.
  2554. Indem man die Forderungen immer höher spannte, erschien die mögliche Erfüllung derselben so klein und unbedeutend, daß man der Masse jederzeit einzureden vermochte, es handle sich hierbei nur um den teuflischen Versuch, durch solch eine lächerliche Befriedigung heiligster
  2555. Anrechte die Stoßkraft der Arbeiterschaft auf billige Weise
  2556. zu schwächen, ja wenn möglich lahmzulegen. Bei der geringen Denkfähigkeit der breiten Masse wundere man sich
  2557. nicht über den Erfolg.
  2558. Im bürgerlichen Lager war man empört über solche ersichtliche Unwahrhaftigkeit sozialdemokratischer Taktik,
  2559. ohne daraus aber auch nur die geringsten Schlüsse zu ziehen
  2560. für die Richtlinien eines eigenen Handelns. Gerade die
  2561. Furcht der Sozialdemokratie vor jeder tatsächlichen Hebung
  2562. der Arbeiterschaft aus der Tiefe ihres bisherigen kulturellen
  2563. und sozialen Elends hätte zu größten Anstrengungen eben
  2564. in dieser Zielrichtung führen müssen, um nach und nach
  2565. den Vertretern des Klassenkampfes das Instrument aus der
  2566. Hand zu winden.
  2567. Dies geschah jedoch nicht.
  2568. Der Schlüssel zur Sozialdemokratie
  2569. 53
  2570. Statt in eigenem Angriff die gegnerische Stellung zu
  2571. nehmen, ließ man sich lieber drücken und drängen, um endlich zu gänzlich unzureichenden Aushilfen zu greifen, die,
  2572. weil zu spät, wirkungslos blieben, weil zu unbedeutend,
  2573. auch noch leicht abzulehnen waren. So blieb in Wahrheit
  2574. alles beim alten, nur die Unzufriedenheit war größer als
  2575. vorher.
  2576. Gleich einer drohenden Gewitterwolke hing schon damals
  2577. die „freie Gewerkschaft“ über dem politischen Horizont
  2578. und über dem Dasein des einzelnen.
  2579. Sie war eines jener fürchterlichen Terrorinstrumente
  2580. gegen die Sicherheit und Unabhängigkeit der nationalen
  2581. Wirtschaft, die Festigkeit des Staates und die Freiheit der
  2582. Person.
  2583. Sie war es vor allem, die den Begriff der Demokratie
  2584. zu einer widerlich-lächerlichen Phrase machte, die Freiheit
  2585. schändete und die Brüderlichkeit in dem Satze „Und willst
  2586. du nicht Genosse sein, so schlagen wir dir den Schädel ein“
  2587. unsterblich verhöhnte.
  2588. So lernte ich damals diese Menschheitsfreundin kennen.
  2589. Im Laufe der Jahre hat sich meine Anschauung über sie
  2590. erweitert und vertieft, zu ändern brauchte ich sie nicht.
  2591. Je mehr ich Einblick in das äußere Wesen der Sozialdemokratie erhielt, um so größer wurde die Sehnsucht, den
  2592. inneren Kern dieser Lehre zu erfassen.
  2593. Die offizielle Parteiliteratur konnte hierbei freilich nur
  2594. wenig nützen. Sie ist, soweit es sich um wirtschaftliche Fragen handelt, unrichtig in Behauptung und Beweis; soweit
  2595. die politischen Ziele behandelt werden, verlogen. Dazu
  2596. kam, daß ich mich besonders von der neueren rabulistischen
  2597. Ausdrucksweise und der Art der Darstellung innerlich abgestoßen fühlte. Mit einem ungeheueren Aufwand von
  2598. Worten unklaren Inhalts oder unverständlicher Bedeutung
  2599. werden da Sätze zusammengestammelt, die ebenso geistreich
  2600. sein sollen, wie sie sinnlos sind. Nur die Dekadenz unserer
  2601. Großstadtbohème mag sich in diesem Irrgarten der Ver-
  2602. 54
  2603. Die Judenfrage
  2604. nunft wohlig zu Hause fühlen, um aus dem Mist dieses
  2605. literarischen Dadaismus „inneres Erleben“ herauszuklauben, unterstützt von der sprichwörtlichen Bescheidenheit
  2606. eines Teiles unseres Volkes, die im persönlich Unverständlichsten immer um so tiefere Weisheit wittert.
  2607. Allein, indem ich so theoretische Unwahrheiten und Unsinn
  2608. dieser Lehre abwog mit der Wirklichkeit ihrer Erscheinung,
  2609. bekam ich allmählich ein klares Bild ihres inneren Wollens.
  2610. In solchen Stunden beschlichen mich trübe Ahnungen und
  2611. böse Furcht. Ich sah dann eine Lehre vor mir, bestehend
  2612. aus Egoismus und Haß, die nach mathematischen Gesetzen
  2613. zum Siege führen kann, der Menschheit aber damit auch
  2614. das Ende bringen muß.
  2615. Ich hatte ja unterdessen den Zusammenhang zwischen
  2616. dieser Lehre der Zerstörung und dem Wesen eines Volkes
  2617. verstehen gelernt, das mir bis dahin so gut wie unbekannt
  2618. war.
  2619. Nur die Kenntnis des Judentums allein
  2620. bietet den Schlüssel zum Erfassen der inneren und damit wirklichen Absichten der
  2621. Sozialdemokratie.
  2622. Wer diese Volk kennt, dem sinken die Schleier irriger
  2623. Vorstellungen über Ziel und Sinn dieser Partei vom Auge,
  2624. und aus dem Dunst und Nebel sozialer Phrasen erhebt sich
  2625. grinsend die Fratze des Marxismus.
  2626. Es ist für mich heute schwer, wenn nicht unmöglich, zu
  2627. sagen, wann mir zum ersten Mal das Wort „Jude“ Anlaß zu besonderen Gedanken gab. Im väterlichen Hause erinnere ich mich überhaupt nicht, zu Lebzeiten des Vaters
  2628. das Wort auch nur gehört zu haben. Ich glaube, der alte
  2629. Herr würde schon in der besonderen Betonung dieser Bezeichnung eine kulturelle Rückständigkeit erblickt haben.
  2630. Er war im Laufe seines Lebens zu mehr oder minder weltbürgerlichen Anschauungen gelangt, die sich bei schroffster
  2631. nationaler Gesinnung nicht nur erhalten hatten, sondern auch
  2632. auf mich abfärbten.
  2633. Die Judenfrage
  2634. 55
  2635. Auch in der Schule fand sich keine Veranlassung, die bei
  2636. mir zu einer Veränderung diese übernommenen Bildes
  2637. hätte führen können.
  2638. In der Realschule lernte ich wohl einen jüdischen Knaben
  2639. kennen, der von uns allen mit Vorsicht behandelt wurde,
  2640. jedoch nur, weil wir ihm in bezug auf seine Schweigsamkeit, durch verschiedene Erfahrungen gewitzigt, nicht sonderlich vertrauten; irgendein Gedanke kam mir dabei so wenig
  2641. wie den anderen.
  2642. Erst in meinem vierzehnten bis fünfzehnten Jahre stieß
  2643. ich öfters auf das Wort Jude, zum Teil im Zusammenhange mit politischen Gesprächen. Ich empfand dagegen eine
  2644. leichte Abneigung und konnte mich eines unangenehmen
  2645. Gefühls nicht erwehren, das mich immer beschlich, wenn
  2646. konfessionelle Stänkereien vor mir ausgetragen wurden.
  2647. Als etwas anderes sah ich aber damals die Frage
  2648. nicht an.
  2649. Linz besaß nur sehr wenig Juden. Im Laufe der Jahrhunderte hatte sich ihr Äußeres europäisiert und war
  2650. menschlich geworden; ja, ich hielt sie sogar für Deutsche.
  2651. Der Unsinn dieser Einbildung war mir wenig klar, weil ich
  2652. das einzige Unterscheidungsmerkmal ja nur in der
  2653. fremden Konfession erblickte. Daß sie deshalb verfolgt
  2654. worden waren, wie ich glaubte, ließ manchmal meine Abneigung gegenüber ungünstigen Äußerungen über sie fast
  2655. zum Abscheu werden.
  2656. Vom Vorhandensein einer planmäßigen Judengegnerschaft ahnte ich überhaupt noch nichts.
  2657. So kam ich nach Wien.
  2658. Befangen von der Fülle der Eindrücke auf architektonischem Gebiete, niedergedrückt von der Schwere des eigenen
  2659. Loses, besaß ich in der ersten Zeit keinen Blick für die
  2660. innere Schichtung des Volkes in der Riesenstadt. Trotzdem
  2661. Wien in diesen Jahren schon nahe an die zweihunderttausend Juden unter seinen zwei Millionen Menschen
  2662. zählte, sah ich diese nicht. Mein Auge und mein Sinn
  2663. waren dem Einstürmen so vieler Werte und Gedanken
  2664. in den ersten Wochen noch nicht gewachsen. Erst als all-
  2665. 56
  2666. Die sogenannte Weltpresse
  2667. mählich die Ruhe wiederkehrte und sich das aufgeregte Bild
  2668. zu klären begann, sah ich mich in meiner neuen Welt
  2669. gründlicher um und stieß nun auch auf die Judenfrage.
  2670. Ich will nicht behaupten, daß die Art und Weise, in der
  2671. ich sie kennenlernen sollte, mir besonders angenehm erschien. Noch sah ich im Juden nur die Konfession und
  2672. hielt deshalb aus Gründen menschlicher Toleranz die Ablehnung religiöser Bekämpfung auch in diesem Falle aufrecht. So erschien mir der Ton, vor allem der, den die
  2673. antisemitische Wiener Presse anschlug, unwürdig der kulturellen Überlieferung eines großen Volkes. Mich bedrückte
  2674. die Erinnerung an gewisse Vorgänge des Mittelalters, die
  2675. ich nicht gerne wiederholt sehen wollte. Da die betreffenden Zeitungen allgemein als nicht hervorragend galten
  2676. – woher dies kam, wußte ich damals selber nicht genau –,
  2677. sah ich in ihnen mehr die Produkte ärgerlichen Neides
  2678. als Ergebnisse einer grundsätzlichen, wenn auch falschen
  2679. Anschauung überhaupt.
  2680. Bestärkt wurde ich in dieser meiner Meinung durch die,
  2681. wie mir schien, unendlich würdigere Form, in der die wirklich große Presse auf all diese Angriffe antwortete oder sie,
  2682. was mir noch dankenswerter vorkam, gar nicht erwähnte,
  2683. sondern einfach totschwieg.
  2684. Ich las eifrig die sogenannte Weltpresse („Neue Freie
  2685. Presse“, „Wiener Tagblatt“ usw.) und erstaunte über den
  2686. Umfang des in ihr dem Leser Gebotenen sowie über die
  2687. Objektivität der Darstellung im einzelnen. Ich würdigte
  2688. den vornehmen Ton und war eigentlich nur von der Überschwenglichkeit des Stils manches Mal innerlich nicht recht
  2689. befriedigt oder selbst unangenehm berührt. Doch mochte
  2690. dies im Schwunge der ganzen Weltstadt liegen.
  2691. Da ich Wien damals für eine solche hielt, glaubte ich
  2692. diese mir selbst gegebene Erklärung wohl aus Entschuldigung gelten lassen zu dürfen.
  2693. Was mich aber wiederholt abstieß, war die unwürdige
  2694. Form, in der diese Presse den Hof umbuhlte. Es gab kaum
  2695. ein Ereignis in der Hofburg, das da nicht dem Leser entweder in Tönen verzückter Begeisterung oder klagender
  2696. Die Kritik an Wilhelm II.
  2697. 57
  2698. Betroffenheit mitgeteilt wurde, ein Getue, das besonders,
  2699. wenn es sich um den „weisesten Monarchen“ aller Zeiten
  2700. selber handelte, fast dem Balzen eines Auerhahnes glich.
  2701. Mir schien die Sache gemacht.
  2702. Damit erhielt die liberale Demokratie in meinen Augen
  2703. Flecken.
  2704. Um die Gunst dieses Hofes buhlen und in so unanständigen Formen, hieß die Würde der Nation preisgeben.
  2705. Dies war der erste Schatten, der mein geistiges Verhältnis zur „großen“ Wiener Presse trüben sollte.
  2706. Wie vorher schon immer, verfolgte ich auch in Wien alle
  2707. Ereignisse in Deutschland mit größtem Feuereifer, ganz
  2708. gleich, ob es sich dabei um politische oder kulturelle Fragen
  2709. handeln mochte. In stolzer Bewunderung verglich ich den
  2710. Aufstieg des Reiches mit dem Dahinsiechen des österreichischen Staates. Wenn aber die außenpolitischen Vorgänge
  2711. meist ungeteilte Freude erregten, dann die nicht so erfreulichen des innerpolitischen Lebens oft trübe Bekümmernis.
  2712. Der Kampf, der zu dieser Zeit gegen Wilhelm II. geführt
  2713. wurde, fand damals nicht meine Billigung. Ich sah in
  2714. ihm nicht nur den Deutschen Kaiser, sondern in erster
  2715. Linie den Schöpfer einer deutschen Flotte. Die Redeverbote,
  2716. die dem Kaiser vom Reichstag auferlegt wurden, ärgerten
  2717. mich deshalb so außerordentlich, weil sie von einer Stelle
  2718. ausgingen, die in meinen Augen dazu aber auch wirklich
  2719. keine Veranlassung besaß, sintemalen doch in einer einzigen Sitzungsperiode diese parlamentarischen Gänseriche
  2720. mehr Unsinn zusammenschnatterten, als dies einer ganzen
  2721. Dynastie von Kaisern in Jahrhunderten, eingerechnet ihre
  2722. allerschwächsten Nummern, je gelingen konnte.
  2723. Ich war empört, daß in einem Staat, in dem jeder Halbnarr nicht nur das Wort zu seiner Kritik für sich in Anspruch nahm, ja im Reichstag sogar als „Gesetzgeber“ auf
  2724. die Nation losgelassen wurde, der Träger der Kaiserkrone
  2725. von der seichtesten Schwätzerinstitution aller Zeiten „Verweise“ erhalten konnte.
  2726. Ich war aber noch mehr entrüstet, daß die gleiche Wiener
  2727. Presse, die doch vor dem letzten Hofgaul noch die ehr-
  2728. 58
  2729. Frankreichkult der Presse
  2730. erbietigste Verbeugung riß und über ein zufälliges Schweifwedeln außer Rand und Band geriet, nun mit scheinbar
  2731. besorgter Miene, aber, wie mir schien, schlecht verhehlter
  2732. Boshaftigkeit ihren Bedenken gegen den Deutschen Kaiser
  2733. Ausdruck verlieh. Es läge ihr ferne, sich etwa in die Verhältnisse des Deutschen Reiches einmischen zu wollen –
  2734. nein, Gott bewahre –, aber indem man in so freundschaftlicher Weise die Finger auf diese Wunden lege, erfülle
  2735. man ebensosehr die Pflicht, die der Geist des gegenseitigen
  2736. Bündnisses auferlege, wie man umgekehrt auch der journalistischen Wahrheit genüge usw. Und nun bohrte dann
  2737. dieser Finger in der Wunde nach Herzenslust herum.
  2738. Mir schoß in solchen Fällen das Blut in den Kopf.
  2739. Das war es, was mich die große Presse schon nach und
  2740. nach vorsichtiger betrachten ließ.
  2741. Daß eine der antisemitischen Zeitungen, das „Deutsche
  2742. Volksblatt“, anläßlich einer solchen Angelegenheit sich anständiger verhielt, mußte ich einmal anerkennen.
  2743. Was mir weiter auf die Nerven ging, war der doch widerliche Kult, den die große Presse schon damals mit Frankreich trieb. Man mußte sich geradezu schämen, Deutscher zu
  2744. sein, wenn man diese süßlichen Lobeshymnen auf die „große
  2745. Kulturnation“ zu Gesicht bekam. Dieses erbärmliche Französeln ließ mich öfter als einmal eine dieser „Weltzeitungen“ aus der Hand legen. Ich griff nun überhaupt
  2746. manchmal nach dem „Volksblatt“, das mir freilich viel
  2747. kleiner, aber in diesen Dingen etwas reinlicher vorkam.
  2748. Mit dem scharfen antisemitischen Tone war ich nicht einverstanden, allein ich las auch hin und wieder Begründungen, die mir einiges Nachdenken verursachten.
  2749. Jedenfalls lernte ich aus solchen Anlässen langsam den
  2750. Mann und die Bewegung kennen, die damals Wiens
  2751. Schicksal bestimmten: Dr. Karl Lueger und die christlichsoziale Partei.
  2752. Als ich nach Wien kam, stand ich beiden feindselig gegenüber.
  2753. Der Mann und die Bewegung galten in meinen Augen
  2754. als
  2755. „reaktionär“.
  2756. Wandlung zum Antisemiten
  2757. 59
  2758. Das gewöhnliche Gerechtigkeitsgefühl aber mußte dieses
  2759. Urteil in eben dem Maße abändern, in dem ich Gelegenheit erhielt, Mann und Werk kennenzulernen; und langsam wuchs die gerechte Beurteilung zur unverhohlenen
  2760. Bewunderung. Heute sehe ich in dem Manne mehr noch
  2761. als früher den gewaltigsten deutschen Bürgermeister aller
  2762. Zeiten.
  2763. Wie viele meiner vorsätzlichen Anschauungen wurden
  2764. aber durch eine solche Änderung meiner Stellungnahme
  2765. zur christlich-sozialen Bewegung umgeworfen!
  2766. Wenn dadurch langsam auch meine Ansichten in bezug
  2767. auf den Antisemitismus dem Wechsel der Zeit unterlagen,
  2768. dann war dies wohl meine schwerste Wandlung überhaupt.
  2769. Sie hat mir die meisten inneren seelischen Kämpfe gekostet, und erst nach monatelangem Ringen zwischen Verstand und Gefühl begann der Sieg sich auf die Seite des
  2770. Verstandes zu schlagen. Zwei Jahre später war das Gefühl dem Verstande gefolgt, um von nun an dessen treuester
  2771. Wächter und Warner zu sein.
  2772. In der Zeit dieses bitteren Ringens zwischen seelischer
  2773. Erziehung und kalter Vernunft hatte mir der Anschauungsunterricht der Wiener Straße unschätzbare Dienste geleistet.
  2774. Es kam die Zeit, da ich nicht mehr wie in den ersten Tagen
  2775. blind durch die mächtige Stadt wandelte, sondern mit
  2776. offenem Auge außer den Bauten auch die Menschen besah.
  2777. Als ich einmal so durch die innere Stadt strich, stieß
  2778. ich plötzlich auf eine Erscheinung in langem Kaftan mit
  2779. schwarzen Locken.
  2780. Ist dies auch ein Jude? war mein erster Gedanke.
  2781. So sahen sie freilich in Linz nicht aus. Ich beobachtete
  2782. den Mann verstohlen und vorsichtig, allein je länger ich
  2783. in dieses fremde Gesicht starrte und forschend Zug um Zug
  2784. prüfte, um so mehr wandelte sich in meinem Gehirn die
  2785. erste Frage zu einer anderen Frage:
  2786. Ist dies auch ein Deutscher?
  2787. Wie immer in solchen Fällen begann ich nun zu versuchen, mir die Zweifel durch Bücher zu beheben. Ich kaufte
  2788. mir damals um wenige Heller die ersten antisemitischen
  2789. 60
  2790. Wandlung zum Antisemiten
  2791. Broschüren meines Lebens. Sie gingen leider nur alle von
  2792. dem Standpunkt aus, daß im Prinzip der Leser wohl schon
  2793. die Judenfrage bis zu einem gewissen Grade mindestens
  2794. kenne oder gar begreife. Endlich war die Tonart meistens
  2795. so, daß mir wieder Zweifel kamen infolge der zum Teil
  2796. so flachen und außerordentlich unwissenschaftlichen Beweisführung für die Behauptung.
  2797. Ich wurde dann wieder rückfällig auf Wochen, ja einmal
  2798. auf Monate hinaus.
  2799. Die Sache schien mir so ungeheuerlich, die Bezichtigung
  2800. so maßlos zu sein, daß ich, gequält von der Furcht, Unrecht
  2801. zu tun, wieder ängstlich und unsicher wurde.
  2802. Freilich daran, daß es sich hier nicht um Deutsche einer
  2803. besonderen Konfession handelte, sondern um ein Volk für
  2804. sich, konnte auch ich nicht mehr gut zweifeln; denn seit ich
  2805. mich mit dieser Frage zu beschäftigen begonnen hatte, auf
  2806. den Juden erst einmal aufmerksam wurde, erschien mir
  2807. Wien in einem anderen Lichte als vorher. Wo immer ich
  2808. ging, sah ich nun Juden, und je mehr ich sah, um so schärfer sonderten sie sich für das Auge von den anderen Menschen ab. Besonders die innere Stadt und die Bezirke
  2809. nördlich des Donaukanals wimmelten von einem Volke,
  2810. das schon äußerlich eine Ähnlichkeit mit dem deutschen nicht
  2811. mehr besaß.
  2812. Aber wenn ich daran noch gezweifelt hätte, so wurde das
  2813. Schwanken endgültig behoben durch die Stellungnahme
  2814. eines Teiles der Juden selber.
  2815. Eine große Bewegung unter ihnen, die in Wien nicht
  2816. wenig umfangreich war, trat auf das schärfste für die
  2817. Bestätigung des völkischen Charakters der Judenschaft ein:
  2818. der Zionismus.
  2819. Wohl hatte es den Anschein, als ob nur ein Teil der
  2820. Juden diese Stellungnahme billigen würde, die große
  2821. Mehrheit aber eine solche Festlegung verurteile, ja innerlich ablehne. Bei näherem Hinsehen zerflatterte aber dieser
  2822. Anschein in einen üblen Dunst von aus reinen Zweckmäßigkeitsgründen vorgebrachten Ausreden, um nicht zu
  2823. sagen Lügen. Denn das sogenannte Judentum liberaler
  2824. Wandlung zum Antisemiten
  2825. 61
  2826. Denkart lehnte ja die Zionisten nicht als Nichtjuden ab,
  2827. sondern nur als Juden von einem unpraktischen, ja vielleicht sogar gefährlichen öffentlichen Bekenntnis zu ihrem
  2828. Judentum.
  2829. An ihrer inneren Zusammengehörigkeit änderte sich gar
  2830. nichts.
  2831. Dieser scheinbare Kampf zwischen zionistischen und liberalen Juden ekelte mich in kurzer Zeit schon an; war er
  2832. doch durch und durch unwahr, mithin verlogen und dann
  2833. aber wenig passend zu der immer behaupteten sittlichen
  2834. Höhe und Reinheit dieses Volkes.
  2835. Überhaupt war die sittliche und sonstige Reinlichkeit
  2836. dieses Volkes ein Punkt für sich. Daß es sich hier um keine
  2837. Wasserliebhaber handelte, konnte man ihnen ja schon am
  2838. Äußeren ansehen, leider sehr oft sogar bei geschlossenem
  2839. Auge. Mir wurde bei dem Geruche dieser Kaftanträger
  2840. später manchmal übel. Dazu kam noch die unsaubere
  2841. Kleidung und die wenig heldische Erscheinung.
  2842. Dies alles konnte schon nicht sehr anziehend wirken; abgestoßen mußte man aber werden, wenn man über die
  2843. körperliche Unsauberkeit hinaus plötzlich die moralischen
  2844. Schmutzflecken des auserwählten Volkes entdeckte.
  2845. Nichts hatte mich in kurzer Zeit so nachdenklich gestimmt
  2846. als die langsam aufsteigende Einsicht in die Art der Betätigung der Juden auf gewissen Gebieten.
  2847. Gab es denn da einen Unrat, eine Schamlosigkeit in
  2848. irgendeiner Form, vor allem des kulturellen Lebens, an
  2849. der nicht wenigstens ein Jude beteiligt gewesen wäre?
  2850. Sowie man nur vorsichtig in eine solche Geschwulst
  2851. hineinschnitt, fand man, wie die Made im faulenden Leibe,
  2852. oft ganz geblendet vom plötzlichen Lichte, ein Jüdlein.
  2853. Es war eine schwere Belastung, die das Judentum in
  2854. meinen Augen erhielt, als ich seine Tätigkeit in der Presse,
  2855. in Kunst, Literatur und Theater kennenlernte. Da konnten
  2856. nun alle salbungsvollen Beteuerungen wenig oder nichts
  2857. mehr nützen. Es genügte schon, eine der Anschlagsäulen zu
  2858. betrachten, die Namen der geistigen Erzeuger dieser gräßlichen Machwerke für Kino und Theater, die da ange-
  2859. 62
  2860. Wandlung zum Antisemiten
  2861. priesen wurden, zu studieren, um auf längere Zeit hart zu
  2862. werden. Das war Pestilenz, geistige Pestilenz, schlimmer
  2863. als der schwarze Tod von einst, mit der man da das Volk
  2864. infizierte. Und in welcher Menge dabei dieses Gift erzeugt
  2865. und verbreitet wurde! Natürlich, je niedriger das geistige
  2866. und sittliche Niveau eines solchen Kunstfabrikanten ist, um
  2867. so unbegrenzter aber seine Fruchtbarkeit, bis so ein Bursche
  2868. schon mehr wie eine Schleudermaschine seinen Unrat der
  2869. anderen Menschheit ins Antlitz spritzt. Dabei bedenke man
  2870. noch die Unbegrenztheit ihrer Zahl; man bedenke, daß
  2871. auf einen Goethe die Natur immer noch leicht zehntausend solcher Schmierer der Mitwelt in den Pelz setzt,
  2872. die nun als Bazillenträger schlimmster Art die Seelen
  2873. vergiften.
  2874. Es war entsetzlich, aber nicht zu übersehen, daß gerade
  2875. der Jude in überreichlicher Anzahl von der Natur zu dieser
  2876. schmachvollen Bestimmung auserlesen schien.
  2877. Sollte seine Auserwähltheit darin zu suchen sein?
  2878. Ich begann damals sorgfältig die Namen all der Erzeuger dieser unsauberen Produkte des öffentlichen Kunstlebens zu prüfen. Das Ergebnis war ein immer böseres für
  2879. meine bisherige Haltung der Juden gegenüber. Mochte sich
  2880. da das Gefühl auch noch tausendmal sträuben, der Verstand
  2881. mußte seine Schlüsse ziehen.
  2882. Die Tatsache, daß neun Zehntel alles literarischen
  2883. Schmutzes, künstlerischen Kitsches und theatralischen Blödsinns auf das Schuldkonto eines Volkes zu schreiben sind,
  2884. das kaum ein Hundertstel aller Einwohner im Lande beträgt, ließ sich einfach nicht wegleugnen; es war eben so.
  2885. Auch meine liebe „Weltpresse“ begann ich nun von
  2886. solchen Gesichtspunkten aus zu prüfen.
  2887. Je gründlicher ich aber hier die Sonde anlegte, um so
  2888. mehr schrumpfte der Gegenstand meiner einstigen Bewunderung zusammen. Der Stil war immer unerträglicher,
  2889. den Inhalt mußte ich als innerlich seicht und flach ablehnen, die Objektivität der Darstellung schien mir nun
  2890. mehr Lüge zu sein als ehrliche Wahrheit; die Verfasser
  2891. aber waren – Juden.
  2892. Wandlung zum Antisemiten
  2893. 63
  2894. Tausend Dinge, die ich früher kaum gesehen, fielen mir
  2895. nun als bemerkenswert auf, andere wieder, die mir schon
  2896. einst zu denken gaben, lernte ich begreifen und verstehen.
  2897. Die liberale Gesinnung dieser Presse sah ich nun in
  2898. einem anderen Lichte, ihr vornehmer Ton im Beantworten
  2899. von Angriffen sowie das Totschweigen derselben enthüllte
  2900. sich mir jetzt als ebenso kluger wie niederträchtiger Trick;
  2901. ihre verklärt geschriebenen Theaterkritiken galten immer
  2902. dem jüdischen Verfasser, und nie traf ihre Ablehnung jemand anderen als den Deutschen. Das leise Sticheln gegen
  2903. Wilhelm II. ließ in der Beharrlichkeit die Methode erkennen, genau so wie das Empfehlen französischer Kultur
  2904. und Zivilisation. Der kitschige Inhalt der Novelle wurde
  2905. nun zur Unanständigkeit, und aus der Sprache vernahm ich
  2906. Laute eines fremden Volkes; der Sinn des Ganzen aber
  2907. war dem Deutschtum so ersichtlich abträglich, daß dies nur
  2908. gewollt sein konnte.
  2909. Wer aber besaß daran ein Interesse?
  2910. War dies alles nur Zufall?
  2911. So wurde ich langsam unsicher.
  2912. Beschleunigt wurde die Entwicklung aber durch Einblicke,
  2913. die ich in eine Reihe anderer Vorgänge erhielt. Es war
  2914. dies die allgemeine Auffassung von Sitte und Moral, wie
  2915. man sie von einem großen Teil des Judentums ganz offen
  2916. zur Schau getragen und betätigt sehen konnte.
  2917. Hier bot wieder die Straße einen manchmal wahrhaft
  2918. bösen Anschauungsunterricht.
  2919. Das Verhältnis des Judentums zur Prostitution und
  2920. mehr noch zum Mädchenhandel selber konnte man in Wien
  2921. studieren wie wohl in keiner sonstigen westeuropäischen
  2922. Stadt, südfranzösische Hafenorte vielleicht ausgenommen.
  2923. Wenn man abends so durch die Straßen und Gassen der
  2924. Leopoldstadt lief, wurde man auf Schritt und Tritt, ob
  2925. man wollte oder nicht, Zeuge von Vorgängen, die dem
  2926. Großteil des deutschen Volkes verborgen geblieben waren,
  2927. bis der Krieg den Kämpfern an der Ostfront Gelegenheit
  2928. gab, Ähnliches ansehen zu können, besser gesagt, ansehen
  2929. zu müssen.
  2930. 64
  2931. Der Jude als Führer der Sozialdemokratie
  2932. Als ich zum ersten Male den Juden in solcher Weise als
  2933. den ebenso eisig kalten wie schamlos geschäftstüchtigen
  2934. Dirigenten dieses empörenden Lasterbetriebes des Auswurfes der Großstadt erkannte, lief mir ein leichtes Frösteln über den Rücken.
  2935. Dann aber flammte es auf.
  2936. Nun wich ich der Erörterung der Judenfrage mich nicht mehr
  2937. aus, nein, nun wollte ich sie. Wie ich aber so in allen Richtungen des kulturellen und künstlerischen Lebens und seinen
  2938. verschiedenen Äußerungen nach dem Juden suchen lernte,
  2939. stieß ich plötzlich an einer Stelle auf ihn, an der ich ihn am
  2940. wenigsten vermutet hätte.
  2941. Indem ich den Juden als Führer der Sozialdemokratie
  2942. erkannte, begann es mir wie Schuppen von den Augen zu
  2943. fallen. Ein langer innerer Seelenkampf fand damit seinen
  2944. Abschluß.
  2945. Schon im tagtäglichen Verkehr mit meinen Arbeitsgenossen fiel mir die erstaunliche Wandlungsfähigkeit auf,
  2946. mit der sie zu einer gleichen Frage verschiedene Stellungen
  2947. einnahmen, manchmal in einem Zeitraume von wenigen
  2948. Tagen, oft auch nur wenigen Stunden. Ich konnte schwer
  2949. verstehen, wie Menschen, die, allein gesprochen, immer noch
  2950. vernünftige Anschauungen besaßen, diese plötzlich verloren,
  2951. sowie sie in den Bannkreis der Masse gelangten. Es war
  2952. oft zum Verzweifeln. Wenn ich nach stundenlangem Zureden schon überzeugt war, dieses Mal endlich das Eis
  2953. gebrochen oder einen Unsinn aufgeklärt zu haben und mich
  2954. schon des Erfolges herzlich freute, dann mußte ich zu meinem Jammer am nächsten Tage wieder von vorne beginnen; es war alles umsonst gewesen. Wie ein ewiges Pendel schien der Wahnsinn ihrer Anschauungen immer von
  2955. neuem zurückzuschlagen.
  2956. Alles vermochte ich dabei noch zu begreifen: daß sie mit
  2957. ihrem Lose unzufrieden waren, das Schicksal verdammten,
  2958. welches sie oft so herbe schlug; die Unternehmer haßten,
  2959. die ihnen als herzlose Zwangsvollstrecker dieses Schicksals
  2960. erschienen; auf die Behörden schimpften, die in ihren Augen
  2961. kein Gefühl für die Lage besaßen; daß sie gegen Lebens-
  2962. Der Jude als Führer der Sozialdemokratie
  2963. 65
  2964. mittelpreise demonstrierten und für ihre Forderungen auf
  2965. die Straße zogen, alles dies konnte man mit Rücksicht auf
  2966. Vernunft mindestens noch verstehen. Was aber unverständlich bleiben mußte, war der grenzenlose Haß, mit dem sie
  2967. ihr eigenes Volkstum belegten, die Größe desselben schmähten, seine Geschichte verunreinigten und große Männer in
  2968. die Gosse zogen.
  2969. Dieser Kampf gegen die eigene Art, das eigene Nest, die
  2970. eigene Heimat war ebenso sinnlos wie unbegreiflich. Das
  2971. war unnatürlich.
  2972. Man konnte sie von diesem Laster vorübergehend heilen,
  2973. jedoch nur auf Tage, höchstens Wochen. Traf man aber
  2974. später den vermeintlich Bekehrten, dann war er wieder
  2975. der alte geworden.
  2976. Die Unnatur hatte ihn wieder in ihrem Besitze.
  2977. Daß die sozialdemokratische Presse überwiegend von
  2978. Juden geleitet war, lernte ich allmählich kennen; allein,
  2979. ich schrieb diesem Umstande keine besondere Bedeutung
  2980. zu, lagen doch die Verhältnisse bei den anderen Zeitungen
  2981. genau so. Nur eines war vielleicht auffallend: es gab nicht
  2982. ein Blatt, bei dem sich Juden befanden, das als wirklich
  2983. national angesprochen hätte werden können, so wie
  2984. dies in der Linie meiner Erziehung und Auffassung gelegen war.
  2985. Da ich mich nun überwand und diese Art von marxistischen Presseerzeugnissen zu lesen versuchte, die Abneigung
  2986. aber in eben diesem Maße ins Unendliche wuchs, suchte ich
  2987. nun auch die Fabrikanten dieser zusammengefaßten Schurkereien näher kennenzulernen.
  2988. Es waren, vom Herausgeber angefangen, lauter Juden.
  2989. Ich nahm die mir irgendwie erreichbaren sozialdemokratischen Broschüren und suchte die Namen ihrer Verfasser:
  2990. Juden. Ich merkte mir die Namen fast aller Führer; es
  2991. waren zum weitaus größten Teil ebenfalls Angehörige des
  2992. „auserwählten Volkes“, mochte es sich dabei um die Vertreter im Reichsrat handeln oder um die Sekretäre der
  2993. 4
  2994. 66
  2995. Jüdische Dialektik
  2996. Gewerkschaften, die Vorsitzenden der Organisationen oder
  2997. die Agitatoren der Straße. Es ergab sich immer das gleiche
  2998. unheimliche Bild. Die Namen der Austerlitz, David, Adler,
  2999. Ellenbogen usw. werden mir ewig in Erinnerung bleiben.
  3000. Das eine war mir nun klar geworden: die Partei, mit
  3001. deren kleinen Vertretern ich seit Monaten den heftigsten
  3002. Kampf auszufechten hatte, lag in ihrer Führung fast ausschließlich in den Händen eines fremden Volkes; denn daß
  3003. der Jude kein Deutscher war, wußte ich zu meiner inneren
  3004. glücklichen Zufriedenheit schon endgültig.
  3005. Nun aber erst lernte ich den Verführer unseres Volkes
  3006. ganz kennen.
  3007. Schon ein Jahr meines Wiener Aufenthaltes hatte genügt, um mir die Überzeugung beizubringen, daß kein
  3008. Arbeiter so verbohrt sein konnte, als daß er nicht besserem
  3009. Wissen und besserer Erklärung erlegen wäre. Ich war
  3010. langsam Kenner ihrer eigenen Lehre geworden und verwendete sie als Waffe im Kampfe für meine innere Überzeugung.
  3011. Fast immer legte sich nun der Erfolg auf meine Seite.
  3012. Die große Masse war zu retten, wenn auch nur nach
  3013. schwersten Opfern an Zeit und Geduld.
  3014. Niemals aber war ein Jude von seiner Anschauung zu
  3015. befreien.
  3016. Ich war damals noch kindlich genug, ihnen den Wahnsinn ihrer Lehre klarmachen zu wollen, redete mir in meinem kleinen Kreise die Zunge wund und die Kehle heiser,
  3017. und vermeinte, es müßte mir gelingen, sie von der Verderblichkeit ihres marxistischen Irrsinns zu überzeugen;
  3018. allein dann erreichte ich erst recht nur das Gegenteil. Es
  3019. schien, als ob die steigende Einsicht von der vernichtenden
  3020. Wirkung sozialdemokratischer Theorien und ihrer Erfüllung
  3021. nur zur Verstärkung ihrer Entschlossenheit dienen würde.
  3022. Je mehr ich dann so mit ihnen stritt, um so mehr lernte
  3023. ich ihre Dialektik kennen. Erst rechneten sie mit der Dummheit ihres Gegners, um dann, wenn sich ein Ausweg nicht
  3024. mehr fand, sich selber einfach dumm zu stellen. Nützte alles
  3025. nichts, so verstanden sie nicht recht oder sprangen, gestellt,
  3026. Jüdische Dialektik
  3027. 67
  3028. augenblicklich auf ein anderes Gebiet über, brachten nun
  3029. Selbstverständlichkeiten, deren Annahme sie aber sofort
  3030. wieder auf wesentlich andere Stoffe bezogen, um nun,
  3031. wieder angefaßt, auszuweichen und nichts Genaues zu
  3032. wissen. Wo immer man so einen Apostel angriff, umschloß
  3033. die Hand qualligen Schleim; das quoll einem geteilt durch
  3034. die Finger, um sich im nächsten Moment schon wieder zusammenzuschließen. Schlug man aber einen wirklich so vernichtend, daß er, von der Umgebung beobachtet, nicht mehr
  3035. anders als zustimmen konnte, und glaubte man, so wenigstens einen Schritt vorwärtsgekommen zu sein, so war das
  3036. Erstaunen am nächsten Tag groß. Der Jude wußte nun
  3037. von gestern nicht mehr das geringste, erzählte seinen alten
  3038. Unfug wieder weiter, als ob überhaupt nichts vorgefallen
  3039. wäre, und tat, empört zur Rede gestellt, erstaunt, konnte
  3040. sich an rein gar nichts erinnern, außer an die doch schon
  3041. am Vortage bewiesene Richtigkeit seiner Behauptungen.
  3042. Ich stand manches Mal starr da.
  3043. Man wußte nicht, was man mehr bestaunen sollte, ihre
  3044. Zungenfertigkeit oder ihre Kunst der Lüge.
  3045. Ich begann sie allmählich zu hassen.
  3046. Dies alles hatte nun das eine Gute, daß in eben dem
  3047. Umfange, in dem mir die eigentlichen Träger oder wenigstens die Verbreiter der Sozialdemokratie ins Auge fielen,
  3048. die Liebe zu meinem Volke wachsen mußte. Wer konnte
  3049. auch bei der teuflischen Gewandtheit dieser Verführer das
  3050. unselige Opfer verfluchen? Wie schwer war es doch mir
  3051. selber, der dialektischen Verlogenheit dieser Rasse Herr zu
  3052. werden! Wie vergeblich aber war ein solcher Erfolg bei
  3053. Menschen, die die Wahrheit im Munde verdrehen, das
  3054. soeben gesprochene Wort glatt verleugnen, um es schon in
  3055. der nächsten Minute für sich selbst in Anspruch zu nehmen!
  3056. Nein. Je mehr ich den Juden kennenlernte, um so mehr
  3057. mußte ich dem Arbeiter verzeihen.
  3058. Die schwerste Schuld lag nun in meinen Augen nicht
  3059. mehr bei ihm, sondern bei all denen, die es nicht der Mühe
  3060. wert fanden, sich seiner zu erbarmen, in eiserner Gerechtigkeit dem Sohne des Volkes zu geben, was ihm gebührt,
  3061. 68
  3062. Studium der Grundlagen des Marxismus
  3063. den Verführer und Verderber aber an die Wand zu
  3064. schlagen.
  3065. Von der Erfahrung des täglichen Lebens angeregt, begann ich nunmehr, den Quellen der marxistischen Lehre
  3066. selber nachzuspüren. Ihr Wirken war mir im einzelnen klar
  3067. geworden, der Erfolg davon zeigte sich mir täglich vor dem
  3068. aufmerksamen Blick, die Folgen vermochte ich bei einiger
  3069. Phantasie mir auszumalen. Die Frage war nur noch, ob
  3070. den Begründern das Ergebnis ihrer Schöpfung, schon in
  3071. seiner letzten Form gesehen, vorschwebte, oder ob sie selber
  3072. das Opfer eines Irrtums wurden.
  3073. Beides war nach meinem Empfinden möglich.
  3074. Im einen Falle war es Pflicht eines jeden denkenden
  3075. Menschen, sich in die Front der unseligen Bewegung zu
  3076. drängen, um so vielleicht doch das Äußerste zu verhindern, im anderen aber mußten die einstigen Urheber
  3077. dieser Völkerkrankheit wahre Teufel gewesen sein; denn
  3078. nur in dem Gehirne eines Ungeheuers – nicht eines
  3079. Menschen – konnte dann der Plan zu einer Organisation
  3080. sinnvolle Gestalt annehmen, deren Tätigkeit als Schlußergebnis zum Zusammenbruch der menschlichen Kultur und
  3081. damit zur Verödung der Welt führen muß.
  3082. In diesem Falle blieb als letzte Rettung noch der Kampf,
  3083. der Kampf mit allen Waffen, die menschlicher Geist, Verstand und Wille zu erfassen vermögen, ganz gleich, wem
  3084. das Schicksal dann seinen Segen in die Waagschale senkt.
  3085. So begann ich nun, mich mit den Begründern dieser
  3086. Lehre vertraut zu machen, um so die Grundlagen der Bewegung zu studieren. Daß ich hier schneller zum Ziele kam,
  3087. als ich vielleicht erst selber zu denken wagte, hatte ich
  3088. allein meiner nun gewonnenen, wenn auch damals noch
  3089. wenig vertieften Kenntnis der Judenfrage zu danken. Sie
  3090. allein ermöglichte mir den praktischen Vergleich der Wirklichkeit mit dem theoretischen Geflunker der Gründungsapostel der Sozialdemokratie, da sie mich die Sprache des
  3091. jüdischen Volkes verstehen gelehrt hatte; das redet, um die
  3092. Gedanken zu verbergen oder mindestens zu verschleiern;
  3093. Marxismus als Zerstörer der Kultur
  3094. 69
  3095. und sein wirkliches Ziel ist mithin nicht in den Zeilen zu
  3096. finden, sondern schlummert wohlverborgen zwischen ihnen.
  3097. Es war für mich die Zeit der größten Umwälzung gekommen, die ich im Inneren jemals durchzumachen hatte.
  3098. Ich war vom schwächlichen Weltbürger zum fanatischen
  3099. Antisemiten geworden.
  3100. Nur einmal noch – es war das letztemal – kamen mir
  3101. in tiefster Beklommenheit ängstlich drückende Gedanken.
  3102. Als ich so durch lange Perioden menschlicher Geschichte
  3103. das Wirken des jüdischen Volkes forschend betrachtete,
  3104. stieg mir plötzlich die bange Frage auf, ob nicht doch vielleicht das unerforschliche Schicksal aus Gründen, die uns
  3105. armseligen Menschen unbekannt, den Endsieg dieses kleinen
  3106. Volkes in ewig unabänderlichem Beschlusse wünsche?
  3107. Sollte diesem Volke, das ewig nur auf dieser lebt, die
  3108. Erde als Belohnung zugesprochen sein?
  3109. Haben wir objektives Recht zum Kampf für unsere
  3110. Selbsterhaltung, oder ist auch dies nur subjektiv in uns
  3111. begründet?
  3112. Indem ich mich in die Lehre des Marxismus vertiefte
  3113. und so das Wirken des jüdischen Volkes in ruhiger Klarheit einer Betrachtung unterzog, gab mir das Schicksal
  3114. selber seine Antwort.
  3115. Die jüdische Lehre des Marxismus lehnt das aristokratische Prinzip der Natur ab und setzt an Stelle des ewigen
  3116. Vorrechts der Kraft und Stärke die Masse der Zahl und
  3117. ihr totes Gewicht. Sie leugnet so im Menschen den Wert
  3118. der Person, bestreitet die Bedeutung von Volkstum und
  3119. Rasse und entzieht der Menschheit damit die Voraussetzung
  3120. ihres Bestehens und ihrer Kultur. Sie würde als Grundlage des Universums zum Ende jeder gedanklich für Menschen faßlichen Ordnung führen. Und so wie in diesem
  3121. größten erkennbaren Organismus nur Chaos das Ergebnis
  3122. der Anwendung eines solchen Gesetzes sein könnte, so auf
  3123. der Erde für die Bewohner dieses Sternes nur ihr eigener
  3124. Untergang.
  3125. Siegt der Jude mit Hilfe seines marxistischen Glaubensbekenntnisses über die Völker dieser Welt, dann wird seine
  3126. 70
  3127. Marxismus als Zerstörer der Kultur
  3128. Krone der Totentanz der Menschheit sein, dann wird
  3129. dieser Planet wieder wie einst vor Jahrmillionen menschenleer durch den Äther ziehen.
  3130. Die ewige Natur rächt unerbittlich die Übertretung ihrer
  3131. Gebote.
  3132. So glaube ich heute im Sinne des allmächtigen Schöpfers
  3133. zu handeln: I n d e m i c h m i c h d e s J u d e n e r w e h r e ,
  3134. k ä m p f e i c h f ü r d a s W e r k d e s H e r r n.
  3135. 3. Kapitel
  3136. Allgemeine politische Betrachtungen
  3137. aus meiner Wiener Zeit
  3138. I ch bin heute der Überzeugung, daß der Mann sich im
  3139. allgemeinen, Fälle ganz besonderer Begabung ausgenommen, nicht vor seinem dreißigsten Jahre in der Politik öffentlich betätigen soll. Er soll dies nicht, da ja bis
  3140. in diese Zeit hinein zumeist erst die Bildung einer allgemeinen Plattform stattfindet, von der aus er nun die verschiedenen politischen Probleme prüft und seine eigene
  3141. Stellung zu ihnen endgültig festlegt. Erst nach dem Gewinnen einer solchen grundlegenden Weltanschauung und
  3142. der dadurch erreichten Stetigkeit der eigenen Betrachtungsweise gegenüber den einzelnen Fragen des Tages soll oder
  3143. darf der nun wenigstens innerlich ausgereifte Mann sich
  3144. an der politischen Führung des Gemeinwesens beteiligen.
  3145. Ist dies anders, so läuft er Gefahr, eines Tages seine
  3146. bisherige Stellung in wesentlichen Fragen entweder ändern
  3147. zu müssen oder wider sein besseres Wissen und Erkennen
  3148. bei einer Anschauung stehenzubleiben, die Verstand und
  3149. Überzeugung bereits längst ablehnen. Im ersteren Falle
  3150. ist dies sehr peinlich für ihn persönlich, da er nun, als
  3151. selber schwankend, mit Recht nicht mehr erwarten darf, daß
  3152. der Glaube seiner Anhänger ihm in gleicher unerschütterlicher Festigkeit gehöre wie vordem; für die von ihm Geführten jedoch bedeutet ein solcher Umfall des Führers
  3153. Ratlosigkeit sowie nicht selten das Gefühl einer gewissen
  3154. Beschämung den bisher von ihnen Bekämpften gegenüber.
  3155. Im zweiten Falle aber tritt ein, was wir besonders heute
  3156. so oft sehen: in eben dem Maße, in dem der Führer nicht
  3157. mehr an das von ihm Gesagt glaubt, wird seine Ver-
  3158. 72
  3159. Der Politiker
  3160. teidigung hohl und flach, dafür aber gemein in der Wahl
  3161. der Mittel. Während er selber nicht mehr daran denkt,
  3162. für seine politischen Offenbarungen ernstlich einzutreten
  3163. (man stirbt nicht für etwas, an das man selber nicht
  3164. glaubt), werden die Anforderungen an seine Anhänger
  3165. jedoch in eben diesem Verhältnis immer größer und unverschämter, bis er endlich den letzten Rest des Führers
  3166. opfert, um beim „Politiker“ zu landen; das heißt bei jener
  3167. Sorte von Menschen, deren einzige wirkliche Gesinnung die
  3168. Gesinnungslosigkeit ist, gepaart mit frecher Aufdringlichkeit und einer oft schamlos entwickelten Kunst der Lüge.
  3169. Kommt so ein Bursche dann zum Unglück der anständigen
  3170. Menschheit auch noch in ein Parlament, so soll man schon
  3171. von Anfang an wissen, daß das Wesen der Politik für ihn
  3172. nur noch im heroischen Kampf um den dauernden Besitz
  3173. dieser Milchflasche seines Lebens und seiner Familie besteht. Je mehr dann Weib und Kind an ihr hängen, um
  3174. so zäher wird er für sein Mandat streiten. Jeder sonstige
  3175. Mensch mit politischen Instinkten ist damit allein schon
  3176. sein persönlicher Feind; in jeder neuen Bewegung wittert
  3177. er den möglichen Beginn seines Endes und in jedem
  3178. größeren Manne die wahrscheinlich von diesem noch einmal drohende Gefahr.
  3179. Ich werde auf diese Sorte von Parlamentswanzen noch
  3180. gründlich zu sprechen kommen.
  3181. Auch der Dreißigjährige wird im Laufe seines Lebens
  3182. noch vieles zu lernen haben, allein es wird dies nur eine
  3183. Ergänzung und Ausfüllung des Rahmens sein, den die
  3184. grundsätzlich angenommene Weltanschauung ihm vorlegt.
  3185. Sein Lernen wird kein prinzipielles Umlernen mehr sein,
  3186. sondern ein Hinzulernen, und seine Anhänger werden nicht
  3187. das beklommene Gefühl hinunterwürgen müssen, von ihm
  3188. bisher falsch unterrichtet worden zu sein, sondern im
  3189. Gegenteil: das ersichtliche organische Wachsen des Führers
  3190. wird ihnen Befriedigung gewähren, da sein Lernen ja nur
  3191. die Vertiefung ihrer eigenen Lehre bedeutet. Dies aber ist
  3192. in ihren Augen ein Beweis für die Richtigkeit ihrer bisherigen Anschauungen.
  3193. Das politische Denken
  3194. 73
  3195. Ein Führer, der die Plattform seiner allgemeinen Weltanschauung an sich, weil als falsch erkannt, verlassen muß,
  3196. handelt nur dann mit Anstand, wenn er in der Erkenntnis
  3197. seiner bisherigen fehlerhaften Einsicht die letzte Folgerung
  3198. zu ziehen bereit ist. Er muß in einem solchen Falle mindestens der öffentlichen Ausübung einer weiteren politischen Betätigung entsagen. Denn da er schon einmal in
  3199. grundlegenden Erkenntnissen einem Irrtum verfiel, ist die
  3200. Möglichkeit auch ein zweites Mal gegeben. Auf keinen Fall
  3201. aber hat er noch das Recht, weiterhin das Vertrauen der
  3202. Mitbürger in Anspruch zu nehmen oder gar ein solches zu
  3203. fordern.
  3204. Wie wenig nun allerdings heute einem solchen Anstand
  3205. entsprochen wird, bezeugt nur die allgemeine Verworfenheit des Packs, das sich zur Zeit berufen fühlt, in Politik
  3206. zu „machen“.
  3207. Auserwählt dazu ist von ihnen kaum einer.
  3208. Ich hatte mich einst gehütet, irgendwie öffentlich aufzutreten, obwohl ich glaube, mich mehr mit Politik beschäftigt zu haben als so viele andere. Nur im kleinsten Kreise
  3209. sprach ich von dem, was mich innerlich bewegte oder anzog.
  3210. Dieses Sprechen im engsten Rahmen hatte viel Gutes für
  3211. sich: ich lernte so wohl weniger „reden“, dafür aber die
  3212. Menschen in ihren oft unendlich primitiven Anschauungen
  3213. und Einwänden kennen. Dabei schulte ich mich, ohne Zeit
  3214. und Möglichkeit zu verlieren, zur eigenen Weiterbildung.
  3215. Die Gelegenheit dazu war sicher nirgends in Deutschland so
  3216. günstig wie damals in Wien.
  3217. Das allgemeine politische Denken in der alten Donaumonarchie war zunächst seinem Umfange nach größer und
  3218. umspannender als im alten Deutschland der gleichen
  3219. Zeit – Teile von Preußen, Hamburg und die Küste der
  3220. Nordsee ausgenommen. Ich verstehe nun allerdings unter
  3221. der Bezeichnung „Österreich“ in diesem Falle jenes Gebiet
  3222. des großen Habsburgerreiches, das infolge seiner deutschen
  3223. Besiedelung in jeglicher Hinsicht nicht nur die historische
  3224. 74
  3225. Wiens letzter Aufschwung
  3226. Veranlassung der Bildung dieses Staates überhaupt war,
  3227. sondern das in seiner Bevölkerung auch ausschließlich jene
  3228. Kraft aufwies, die diesem politisch so künstlichen Gebilde
  3229. das innere kulturelle Leben auf viele Jahrhunderte zu
  3230. schenken vermochte. Je mehr die Zeit Fortschritt, um so
  3231. mehr war Bestand und Zukunft dieses Staates gerade von
  3232. der Erhaltung dieser Keimzelle des Reiches abhängig.
  3233. Waren die alten Erblande das Herz des Reiches, das
  3234. immer wieder frisches Blut in den Kreislauf des staatlichen und kulturellen Lebens trieb, dann aber war Wien
  3235. Gehirn und Wille zugleich.
  3236. Schon in ihrer äußeren Aufmachung durfte man dieser
  3237. Stadt die Kraft zusprechen, in einem solchen Völkerkonglomerat als einigende Königin zu thronen, um so durch die
  3238. Pracht der eigenen Schönheit die bösen Alterserscheinungen
  3239. des Gesamten vergessen zu lassen.
  3240. Mochte das Reich in seinem Inneren noch so heftig zucken
  3241. unter den blutigen Kämpfen der einzelnen Nationalitäten,
  3242. das Ausland, und besonders Deutschland, sah nur das
  3243. liebenswürdige Bild dieser Stadt. Die Täuschung war um
  3244. so größer, als Wien in dieser Zeit vielleicht den letzten
  3245. und größten sichtbaren Aufschwung zu nehmen schien. Unter
  3246. der Herrschaft eines wahrhaft genialen Bürgermeisters
  3247. erwachte die ehrwürdige Residenz der Kaiser des alten
  3248. Reiches noch einmal zu einem wundersamen jungen Leben.
  3249. Der letzte große Deutsche, den das Kolonistenvolk der
  3250. Ostmark aus seinen Reihen gebar, zählte offiziell nicht zu
  3251. den sogenannten „Staatsmännern“; aber indem dieser
  3252. Dr. Lueger als Bürgermeister der „Reichshaupt- und Residenzstadt“ Wien eine unerhörte Leistung nach der anderen
  3253. auf, man darf sagen, allen Gebieten kommunaler Wirtschafts- und Kulturpolitik hervorzauberte, stärkte er das
  3254. Herz des gesamten Reiches und wurde über diesen Umweg
  3255. zum größeren Staatsmann, als die sogenannten „Diplomaten“ es alle zusammen damals waren.
  3256. Wenn das Völkergebilde, „Österreich“ genannt, endlich
  3257. dennoch zugrunde ging, dann spricht dies nicht im geringsten gegen die politische Fähigkeit des Deutschtums in der
  3258. Das Deutschtum in Österreich
  3259. 75
  3260. alten Ostmark, sondern war das zwangsläufige Ergebnis
  3261. der Unmöglichkeit, mit zehn Millionen Menschen einen
  3262. Fünfzig-Millionen-Staat von verschiedenen Nationen auf
  3263. die Dauer halten zu können, wenn eben nicht ganz bestimmte Voraussetzungen rechtzeitig gegeben wurden.
  3264. Der Deutschösterreicher dachte mehr als groß.
  3265. Er war immer gewohnt, im Rahmen eines großen
  3266. Reiches zu leben und hatte das Gefühl für die damit verbundenen Aufgaben nie verloren. Er war der einzige in
  3267. diesem Staate, der über die Grenzen des engeren Kronlaubes hinaus noch die Reichsgrenze sah; ja, als das Schicksal ihn schließlich vom gemeinsamen Vaterlande trennen
  3268. sollte, da versuchte er immer noch der ungeheuren Aufgabe
  3269. Herr zu werden und dem Deutschtum zu erhalten, was
  3270. die Väter in unendlichen Kämpfen dem Osten einst abgerungen hatten. Wobei noch zu bedenken ist, daß dies
  3271. nur noch mit geteilter Kraft geschehen konnte; denn Herz
  3272. und Erinnerung der Besten hörten niemals auf, für das
  3273. gemeinsame Mutterland zu empfinden, und nur ein Rest
  3274. blieb der Heimat.
  3275. Schon der allgemeine Gesichtskreis des Deutschösterreichers war ein verhältnismäßig weiter. Seine wirtschaftlichen Beziehungen umfaßten häufig nahezu das ganze
  3276. vielgestaltige Reich. Fast alle wirklich großen Unternehmungen befanden sich in seinen Händen, das leitende Personal an Technikern und Beamten ward zum größten Teil
  3277. von ihm gestellt. Er war aber auch der Träger des Außenhandels, soweit nicht das Judentum auf diese ureigenste
  3278. Domäne seine Hand gelegt hatte. Politisch hielt er allein
  3279. noch den Staat zusammen. Schon die Dienstzeit beim Heere
  3280. war ihn über die engen Grenzen der Heimat weit hinaus.
  3281. Der deutschösterreichische Rekrut rückte wohl vielleicht bei
  3282. einem deutschen Regimente ein, allein das Regiment selber
  3283. konnte ebensogut in der Herzegowina liegen wie in Wien
  3284. oder Galizien. Das Offizierskorps war immer noch deutsch,
  3285. das höhere Beamtentum vorherrschend. Deutsch aber waren
  3286. endlich Kunst und Wissenschaft. Abgesehen vom Kitsch der
  3287. neueren Kunstentwicklung, dessen Produktion allerdings
  3288. 76
  3289. Das Deutschtum in Österreich
  3290. auch einem Negervolke ohne weiteres möglich sein dürfte,
  3291. war der Besitzer und auch Verbreiter wahrer Kunstgesinnung nur der Deutsche allein. In Musik, Baukunst, Bildhauerei und Malerei war Wien der Brunnen, der in unerschöpflicher Fülle die ganze Doppelmonarchie versorgte,
  3292. ohne jemals selber sichtlich zu versiegen.
  3293. Das Deutschtum war endlich noch der Träger der gesamten Außenpolitik, wenn man von den der Zahl nach
  3294. wenigen Ungarn absieht.
  3295. Dennoch war jeder Versuch, dieses Reich zu erhalten,
  3296. vergeblich, da die wesentlichste Voraussetzung fehlte.
  3297. Für den österreichischen Völkerstaat gab es nur eine
  3298. Möglichkeit, die zentrifugalen Kräfte bei den einzelnen
  3299. Nationen zu überwinden. Der Staat wurde entweder zentral regiert und damit aber auch ebenso innerlich organisiert, oder er war überhaupt nicht denkbar.
  3300. In verschiedenen lichten Augenblicken kam diese Einsicht
  3301. auch der „Allerhöchsten“ Stelle, um aber zumeist schon
  3302. nach kurzer Zeit vergessen oder als schwer durchführbar
  3303. wieder beiseitegetan zu werden. Jeder Gedanke einer mehr
  3304. föderativen Ausgestaltung des Reiches mußte zwangsläufig infolge des Fehlens einer starken staatlichen Keimzelle von überragender Macht fehlschlagen. Dazu kamen
  3305. noch die wesentlich anderen inneren Voraussetzungen des
  3306. österreichischen Staates gegenüber dem Deutschen Reiche
  3307. Bismarckscher Fassung. In Deutschland handelte es sich nur
  3308. darum, politische Traditionen zu überwinden, da kulturell
  3309. eine gemeinsame Grundlage immer vorlag. Vor allem
  3310. besaß das Reich, von kleinen fremden Splittern abgesehen,
  3311. nur Angehörige eines Volkes.
  3312. In Österreich lagen die Verhältnisse umgekehrt.
  3313. Hier fiel die politische Erinnerung eigener Größe bei den
  3314. einzelnen Ländern, von Ungarn abgesehen, entweder ganz
  3315. fort, oder sie war vom Schwamm der Zeit gelöscht, mindestens aber verwischt und undeutlich. Dafür entwickelten sich
  3316. nun im Zeitalter des Nationalitätenprinzips in den verschiedenen Ländern völkische Kräfte, deren Überwindung in
  3317. eben dem Maße schwer werden mußte, als sich am Rande
  3318. Zentrifugale Kräfte der Völker Österreichs
  3319. 77
  3320. der Monarchie Nationalstaaten zu bilden begannen, deren
  3321. Staatsvölker, rassisch mit den einzelnen österreichischen
  3322. Volkssplittern verwandt oder gleich, nunmehr ihrerseits
  3323. mehr Anziehungskraft auszuüben vermochten, als dies umgekehrt dem Deutschösterreicher noch möglich war.
  3324. Selbst Wien konnte auf die Dauer diesen Kampf nicht
  3325. mehr bestehen.
  3326. Mit der Entwicklung von Budapest zur Großstadt hatte
  3327. es zum ersten Male eine Rivalin erhalten, deren Aufgabe
  3328. nicht mehr die Zusammenfassung der Gesamtmonarchie war,
  3329. sondern vielmehr die Stärkung eines Teiles derselben. In
  3330. kurzer Zeit schon sollte Prag dem Beispiel folgen, dann
  3331. Lemberg, Laibach usw. Mit dem Aufstieg dieser einstmaligen Provinzstädte zu nationalen Hauptstädten einzelner
  3332. Länder bildeten sich nun auch Mittelpunkte für ein mehr
  3333. und mehr selbständiges Kulturleben derselben. Erst dadurch aber erhielten die völkisch-politischen Instinkte ihre
  3334. geistige Grundlage und Vertiefung. Es mußte so einmal der
  3335. Zeitpunkt herannahen, da diese Triebkräfte der einzelnen
  3336. Völker mächtiger wurden als die Kraft der gemeinsamen
  3337. Interessen, und dann war es um Österreich geschehen.
  3338. Diese Entwicklung ließ sich seit dem Tode Josephs II. in
  3339. ihrem Laufe sehr deutlich feststellen. Ihre Schnelligkeit war
  3340. von einer Reihe von Faktoren abhängig, die zum Teil in
  3341. der Monarchie selber lagen, zum anderen Teil aber das
  3342. Ergebnis der jeweiligen außenpolitischen Stellung des
  3343. Reiches bildeten.
  3344. Wollte man den Kampf für die Erhaltung dieses Staates
  3345. ernstlich aufnehmen und durchfechten, dann konnte nur eine
  3346. ebenso rücksichtslose wie beharrliche Zentralisierung allein
  3347. zum Ziele führen. Dann mußte aber vor allem durch die
  3348. prinzipielle Festlegung einer einheitlichen Staatssprache die
  3349. rein formelle Zusammengehörigkeit betont, der Verwaltung
  3350. aber das technische Hilfsmittel in die Hand gedrückt werden, ohne das ein einheitlicher Staat nun einmal nicht zu
  3351. bestehen vermag. Ebenso konnte nur dann auf die Dauer
  3352. durch Schule und Unterricht eine einheitliche Staatsgesinnung herangezüchtet werden. Dies war nicht in zehn oder
  3353. 78
  3354. Folgen blutsmäßiger Verschiedenheit
  3355. zwanzig Jahren zu erreichen, sondern hier mußte man mit
  3356. Jahrhunderten rechnen, wie denn überhaupt in allen kolonisatorischen Fragen der Beharrlichkeit eine größere Bedeutung zukommt als der Energie des Augenblicks.
  3357. Daß dann die Verwaltung sowohl als auch die politische
  3358. Leitung in strengster Einheitlichkeit zu führen sind, versteht sich von selbst.
  3359. Es war nun für mich unendlich lehrreich, festzustellen,
  3360. warum dies nicht geschah, oder besser, warum man dies
  3361. nicht getan. Nur der Schuldige an dieser Unterlassung war
  3362. der Schuldige am Zusammenbruche des Reiches.
  3363. Das alte Österreich war mehr als ein anderer Staat gebunden an die Größe seiner Leitung. Hier fehlte ja das
  3364. Fundament des Nationalstaates, der in der völkischen
  3365. Grundlage immer noch eine Kraft der Erhaltung besitzt,
  3366. wenn die Führung als solche auch noch so sehr versagt. Der
  3367. einheitliche Volksstaat kann vermöge der natürlichen Trägheit seiner Bewohner und der damit verbundenen Widerstandskraft manchmal erstaunlich lange Perioden schlechtester Verwaltung oder Leitung ertragen, ohne daran innerlich zugrunde zu gehen. Es ist dann oft so, als befinde sich
  3368. in einem solchen Körper keinerlei Leben mehr, als wäre er
  3369. tot und abgestorben, bis plötzlich der Totgewähnte sich wieder erhebt und nun staunenswerte Zeichen seiner unverwüstlichen Lebenskraft der übrigen Menschheit gibt.
  3370. Anders aber ist dies bei einem Reiche, das, aus nicht gleichen Völkern zusammengesetzt, nicht durch das gemeinsame
  3371. Blut, als vielmehr durch eine gemeinsame Faust gehalten
  3372. wird. Hier wird jede Schwäche der Leitung nicht zu einem
  3373. Winterschlaf des Staates führen, sondern zu einem Erwachen all der individuellen Instinkte Anlaß geben, die
  3374. blutsmäßig vorhanden sind, ohne sich in Zeiten eines überragenden Willens entfalten zu können. Nur durch jahrhundertelange gemeinsame Erziehung, durch gemeinsame
  3375. Tradition, gemeinsame Interessen usw. kann diese Gefahr
  3376. gemildert werden. Daher werden solche Staatsgebilde, je
  3377. jünger sie sind, um so mehr von der Größe der Führung
  3378. abhängen, ja als Werk überragender Gewaltmenschen und
  3379. Joseph II.
  3380. 79
  3381. Geistesheroen oft schon nach dem Tode des einsamen großen
  3382. Begründers wieder zerfallen. Aber noch nach Jahrhunderten können diese Gefahren nicht als überwunden gelten, sie
  3383. schlummern nur, um oft ganz plötzlich zu erwachen, sobald die
  3384. Schwäche der gemeinsamen Leitung und die Kraft der Erziehung, die Erhabenheit aller Tradition, nicht mehr den
  3385. Schwung des eigenen Lebensdranges der verschiedenen
  3386. Stämme zu überwinden vermag.
  3387. Dies nicht begriffen zu haben, ist die vielleicht tragische
  3388. Schuld des Hauses Habsburg.
  3389. Einem einzigen unter ihnen hielt das Schicksal noch einmal die Fackel über die Zukunft seines Landes empor, dann
  3390. verlosch sie für immer.
  3391. Joseph II., römischer Kaiser der deutschen Nation, sah in
  3392. fliegender Angst, wie sein Haus, auf die äußerste Kante des
  3393. Reiches gedrängt, dereinst im Strudel eines Völkerbabylons verschwinden müßte, wenn nicht in letzter Stunde das
  3394. Versäumte der Väter wieder gutgemacht würde. Mit übermenschlicher Kraft stemmte sich der „Freund der Menschen“
  3395. gegen die Fahrlässigkeit der Vorfahren und suchte in einem
  3396. Jahrzehnt einzuholen, was Jahrhunderte vordem versäumten. Wären ihm nur vierzig Jahre vergönnt gewesen zu
  3397. seiner Arbeit und hätten nach ihm auch nur zwei Generationen in gleicher Weise das begonnene Werk fortgeführt,
  3398. so würde das Wunder wahrscheinlich gelungen sein. Als er
  3399. aber nach kaum zehn Jahren Regierung, zermürbt an Leib
  3400. und Seele, starb, sank mit ihm auch sein Werk in das Grab,
  3401. um, nicht mehr wiedererweckt, in der Kapuzinergruft auf
  3402. ewig zu entschlafen.
  3403. Seine Nachfolger waren der Aufgabe weder geistig noch
  3404. willensmäßig gewachsen.
  3405. Als nun durch Europa die ersten revolutionären Wetterzeichen einer neuen Zeit flammten, da begann auch Österreich langsam nach und nach Feuer zu fangen. Allein als
  3406. der Brand endlich ausbrach, da wurde die Glut schon weniger durch soziale, gesellschaftliche oder auch allgemeine
  3407. politische Ursachen angefacht als vielmehr durch Triebkräfte völkischen Ursprungs.
  3408. 80
  3409. Die Auflösung der Donaumonarchie
  3410. Die Revolution des Jahres 1848 konnte überall Klassenkampf sein, in Österreich jedoch war sie schon der Beginn
  3411. eines neuen Rassenstreites. Indem damals der Deutsche,
  3412. diesen Ursprung vergessend oder nicht erkennend, sich in
  3413. den Dienst der revolutionären Erhebung stellte, besiegelte
  3414. er damit sein eigenes Los. Er half mit, den Geist der westlichen Demokratie zu erwecken, der in kurzer Zeit ihm die
  3415. Grundlagen der eigenen Existenz entzog.
  3416. Mit der Bildung eines parlamentarischen Vertretungskörpers ohne die vorhergehende Niederlegung und Festigung einer gemeinsamen Staatssprache war der Grundstein zum Ende der Vorherrschaft des Deutschtums in der
  3417. Monarchie gelegt worden. Von diesem Augenblick an war
  3418. damit aber auch der Staat selber verloren. Alles, was
  3419. nun noch folgte, war nur die historische Abwicklung eines
  3420. Reiches.
  3421. Diese Auflösung zu verfolgen, war ebenso erschütternd
  3422. wie lehrreich. In tausend und aber tausend Formen vollzog
  3423. sich im einzelnen diese Vollstreckung eines geschichtlichen
  3424. Urteils. Daß ein großer Teil der Menschen blind durch die
  3425. Erscheinungen des Zerfalls wandelte, bewies nur den Willen der Götter zu Österreichs Vernichtung.
  3426. Ich will hier nicht in Einzelheiten mich verlieren, da
  3427. dies nicht die Aufgabe dieses Buches ist. Ich will nur jene
  3428. Vorgänge in den Kreis einer gründlicheren Betrachtung
  3429. ziehen, die als immer gleichbleibende Ursachen des Verfalles von Völkern und Staaten auch für unsere heutige
  3430. Zeit Bedeutung besitzen, und die endlich mithalfen, meiner
  3431. politischen Denkweise die Grundlagen zu sichern.
  3432. Unter den Einrichtungen, die am deutlichsten die Zerfressung der österreichischen Monarchie auch dem sonst nicht mit
  3433. scharfen Augen gesegneten Spießbürger aufzeigen konnten,
  3434. befand sich an der Spitze diejenige, die am meisten Stärke
  3435. ihr eigen nennen sollte – das Parlament oder, wie es in
  3436. Österreich hieß, der Reichsrat.
  3437. Der Parlamentarismus
  3438. 81
  3439. Ersichtlich war das Muster dieser Körperschaft in England, dem Lande der klassischen „Demokratie“, gelegen.
  3440. Von dort übernahm man die ganze beglückende Anordnung
  3441. und setzte sie so unverändert als möglich nach Wien.
  3442. Im Abgeordneten- und Herrenhaus feierte das englische
  3443. Zweikammersystem seine Wiederauferstehung. Nur die
  3444. „Häuser“ selber waren etwas verschieden. Als Barry einst
  3445. seinen Parlamentspalast aus den Fluten der Themse herauswachsen ließ, da griff er in die Geschichte des britischen
  3446. Weltreichs hinein und holte sich aus ihr den Schmuck für
  3447. die 1200 Nischen, Konsolen und Säulen seines Prachtbaues
  3448. heraus. In Bildwerk und Malerkunst wurde so das Haus
  3449. der Lords und des Volkes zum Ruhmestempel der Nation.
  3450. Hier kam die erste Schwierigkeit für Wien. Denn als der
  3451. Däne Hansen die letzten Giebel am Marmorhaus der neuen
  3452. Volksvertretung vollendet hatte, da blieb ihm auch zur
  3453. Zierde nichts anderes übrig, als Entlehnungen bei der Antike zu versuchen. Römische und griechische Staatsmänner
  3454. und Philosophen verschönern nun dieses Theatergebäude
  3455. der „westlichen Demokratie“, und in symbolischer Ironie
  3456. ziehen über den zwei Häusern die Quadrigen nach den vier
  3457. Himmelsrichtungen auseinander, auf solche Art dem damaligen Treiben im Innern auch nach außen den besten
  3458. Ausdruck verleihend.
  3459. Die „Nationalitäten“ hatten es sich als Beleidigung und
  3460. Provokation verbeten, daß in diesem Werke österreichische
  3461. Geschichte verherrlicht würde, so wie man im Reiche selbst
  3462. ja auch erst unter dem Donner der Weltkriegsschlachten
  3463. wagte, den Wallotschen Bau des Reichstags durch Inschrift
  3464. dem deutschen Volke zu weihen.
  3465. Als ich, noch nicht zwanzig Jahre alt, zum erstem Male
  3466. in den Prachtbau am Franzensring ging, um als Zuschauer
  3467. und Hörer einer Sitzung des Abgeordnetenhauses beizuwohnen, ward ich von den widerstrebendsten Gefühlen erfaßt.
  3468. Ich hatte schon von jeher das Parlament gehaßt, jedoch
  3469. durchaus nicht als Institution an sich. Im Gegenteil, als
  3470. freiheitlich empfindender Mensch konnte ich mir eine andere
  3471. 82
  3472. Der Parlamentarismus
  3473. Möglichkeit der Regierung gar nicht vorstellen, denn der
  3474. Gedanke irgendeiner Diktatur wäre mir bei meiner Haltung zum Hause Habsburg als Verbrechen wider die Freiheit und gegen jede Vernunft vorgekommen.
  3475. Nicht wenig trug dazu bei, daß mir als jungem Menschen infolge meines vielen Zeitungslesens, ohne daß ich
  3476. dies wohl selber ahnte, eine gewisse Bewunderung für das
  3477. englische Parlament eingeimpft worden war, die ich nicht
  3478. so ohne weiteres zu verlieren vermochte. Die Würde, mit
  3479. der dort auch das Unterhaus seinen Aufgaben oblag (wie
  3480. dies unsere Presse so schön zu schildern verstand), imponierte mir mächtig. Konnte es denn überhaupt eine erhabenere Form der Selbstregierung eines Volkstums geben?
  3481. Gerade deshalb aber war ich ein Feind des österreichischen Parlaments. Ich hielt die Form des ganzen Auftretens für unwürdig des großen Vorbildes. Nun trat aber
  3482. noch folgendes hinzu:
  3483. Das Schicksal des Deutschtums im österreichischen Staate
  3484. war abhängig von seiner Stellung im Reichsrat. Bis zur
  3485. Einführung des allgemeinen und geheimen Wahlrechts war
  3486. noch eine, wenn auch unbedeutende deutsche Majorität im
  3487. Parlament vorhanden. Schon dieser Zustand war bedenklich, da bei der national unzuverlässigen Haltung der Sozialdemokratie diese in kritischen, das Deutschtum betreffenden Fragen – um sich nicht die Anhänger in den einzelnen Fremdvölkern abspenstig zu machen – immer gegen
  3488. die deutschen Belange auftrat. Die Sozialdemokratie konnte
  3489. schon damals nicht als deutsche Partei betrachtet werden.
  3490. Mit der Einführung des allgemeinen Wahlrechts aber
  3491. hörte die deutsche Überlegenheit auch rein ziffernmäßig
  3492. auf. Nun war der weiteren Entdeutschung des Staates kein
  3493. Hindernis mehr im Wege.
  3494. Der nationale Selbsterhaltungstrieb ließ mich schon damals aus diesem Grunde eine Volksv e r t r e t u n g wenig
  3495. lieben, in der das Deutschtum immer s t a t t v e r t r e t e n
  3496. v e r r a t e n wurde. Allein dies waren Mängel, die, wie so
  3497. vieles andere eben auch, nicht der Sache an sich, sondern
  3498. dem österreichischen Staate zuzuschreiben waren. Ich
  3499. Der Parlamentarismus
  3500. 83
  3501. glaubte früher noch, daß mit einer Wiederherstellung der
  3502. deutschen Mehrheit in den Vertretungskörpern zu einer
  3503. prinzipiellen Stellungnahme dagegen kein Anlaß mehr vorhanden wäre, solange der alte Staat eben überhaupt noch
  3504. bestünde.
  3505. So also innerlich eingestellt, betrat ich zum ersten Male
  3506. die ebenso geheiligten wie umstrittenen Räume. Allerdings
  3507. waren sie mir nur geheiligt durch die erhabene Schönheit
  3508. des herrlichen Baues. Ein hellenisches Wunderwerk auf
  3509. deutschem Boden.
  3510. In wie kurzer Zeit aber war ich empört, als ich das
  3511. jämmerliche Schauspiel sah, das sich nun unter meinen
  3512. Augen abrollte!
  3513. Es waren einige Hundert dieser Volksvertreter anwesend, die eben zu einer Frage von wichtiger wirtschaftlicher Bedeutung Stellung zu nehmen hatten.
  3514. Mir genügte schon dieser erste Tag, um mich zum Denken
  3515. auf Wochen hindurch anzuregen.
  3516. Der geistige Gehalt des Vorgebrachten lag auf einer
  3517. wahrhaft niederdrückenden „Höhe“, soweit man das Gerede überhaupt verstehen konnte; denn einige der Herren
  3518. sprachen nicht deutsch, sondern in ihren slawischen Muttersprachen oder besser Dialekten. Was ich bis dahin nur aus
  3519. dem Lesen der Zeitungen wußte, hatte ich nun Gelegenheit, mit meinen eigenen Ohren zu hören. Eine gestikulierende, in allen Tonarten durcheinander schreiende, wildbewegte Masse, darüber einen harmlosen alten Onkel, der
  3520. sich im Schweiße seines Angesichts bemühte, durch heftiges
  3521. Schwingen einer Glocke und bald begütigende, bald ermahnende ernste Zurufe die Würde des Hauses wieder in Fluß
  3522. zu bringen.
  3523. Ich mußte lachen.
  3524. Einige Wochen später war ich neuerdings in dem Hause.
  3525. Das Bild war verändert, nicht zum Wiedererkennen. Der
  3526. Saal ganz leer. Man schlief da unten. Einige Abgeordnete
  3527. waren auf ihrem Plätzen und gähnten sich gegenseitig an,
  3528. einer „redete“. Ein Vizepräsident des Hauses war anwesend und sah ersichtlich gelangweilt in den Saal.
  3529. 84
  3530. Der Parlamentarismus
  3531. Die ersten Bedenken stiegen mir auf. Nun lief ich, wenn
  3532. mir die Zeit nur irgendwie die Möglichkeit bot, immer wieder hin und betrachtete mir still und aufmerksam das
  3533. jeweilige Bild, hörte die Reden an, soweit sie zu verstehen
  3534. waren, studierte die mehr oder minder intelligenten Gesichter dieser Auserkorenen der Nationen dieses traurigen
  3535. Staates – und machte mir dann allmählich meine eigenen
  3536. Gedanken.
  3537. Ein Jahr dieser ruhigen Beobachtung genügte, um meine
  3538. frühere Ansicht über das Wesen dieser Institution aber auch
  3539. restlos zu ändern oder zu beseitigen. Mein Inneres nahm
  3540. nicht mehr Stellung gegen die mißgestaltete Form, die dieser Gedanke in Österreich angenommen hatte; nein, nun
  3541. konnte ich das Parlament als solches nicht mehr anerkennen. Bis dahin sah ich das Unglück des österreichischen Parlaments im Fehlen einer deutschen Majorität, nun aber
  3542. sah ich das Verhängnis in der ganzen Art und dem Wesen
  3543. dieser Einrichtung überhaupt.
  3544. Eine ganze Reihe von Fragen stieg mir damals auf.
  3545. Ich begann mich mit dem demokratischen Prinzip der
  3546. Mehrheitsbestimmung, als der Grundlage dieser ganzen
  3547. Einrichtung, vertraut zu machen, schenkte aber auch nicht
  3548. weniger Aufmerksamkeit den geistigen und moralischen
  3549. Werten der Herren, die als Auserwählte der Nationen
  3550. diesem Zwecke dienen sollten.
  3551. So lernte ich Institutionen und Träger derselben zugleich
  3552. kennen.
  3553. Im Verlauf einiger Jahre bildete sich mir dann in
  3554. Erkenntnis und Einsicht der Typ der würdevollsten Erscheinung der neueren Zeit in plastischer Deutlichkeit aus:
  3555. der Parlamentarier. Er begann sich mir einzuprägen in
  3556. einer Form, die niemals mehr einer wesentlichen Änderung unterworfen wurde.
  3557. Auch dieses Mal hatte mich der Anschauungsunterricht
  3558. der praktischen Wirklichkeit davor bewahrt, in einer Theorie
  3559. zu ersticken, die auf den ersten Blick so vielen verführerisch erscheint, die aber nichtsdestoweniger zu den Verfallserscheinungen der Menschheit zu rechnen ist.
  3560. Der Parlamentarismus
  3561. 85
  3562. Die Demokratie des heutigen Westens ist der Vorläufer
  3563. des Marxismus, der ohne sie gar nicht denkbar wäre. Sie
  3564. gibt erst dieser Weltpest den Nährboden, auf dem sich dann
  3565. die Seuche auszubreiten vermag. In ihrer äußeren Ausdrucksform, dem Parlamentarismus, schuf sie sich noch
  3566. eine „Spottgeburt aus Dreck und Feuer“, bei der mir
  3567. nur leider das „Feuer“ im Augenblick ausgebrannt zu
  3568. sein scheint.
  3569. Ich muß dem Schicksal mehr als dankbar sein, daß es
  3570. mir auch diese Frage noch in Wien zur Prüfung vorlegte,
  3571. denn ich fürchte, daß ich mir in Deutschland damals die
  3572. Antwort zu leicht gemacht haben würde. Hätte ich die Lächerlichkeit dieser Institution, „Parlament“ genannt, zuerst
  3573. in Berlin kennengelernt, so würde ich vielleicht in das
  3574. Gegenteil verfallen sein und mich, nicht ohne scheinbar guten
  3575. Grund, auf die Seite derjenigen gestellt haben, die des
  3576. Volkes und Reiches Heil in der ausschließlichen Förderung
  3577. der Macht des Kaisergedankens allein erblickten und so der
  3578. Zeit und den Menschen dennoch fremd und blind zugleich
  3579. gegenüberstanden.
  3580. In Österreich war dies unmöglich.
  3581. Hier konnte man nicht so leicht von einem Fehler in den
  3582. anderen verfallen. Wenn das Parlament nichts taugte,
  3583. dann taugten die Habsburger noch viel weniger – auf gar
  3584. keinen Fall mehr. Mit der Ablehnung des „Parlamentarismus“ war es hier allein nicht getan; denn dann blieb immer noch die Frage offen: Was nun? Die Ablehnung und
  3585. Beseitigung des Reichsrates würde als einzige Regierungsgewalt ja nur das Haus Habsburg übriggelassen haben,
  3586. ein besonders für mich ganz unerträglicher Gedanke.
  3587. Die Schwierigkeit dieses besonderen Falles führte mich
  3588. zu einer gründlicheren Betrachtung des Problems an sich,
  3589. als dies sonst wohl in so jungen Jahren eingetreten wäre.
  3590. Was mir zuallererst und am allermeisten zu denken gab,
  3591. war das ersichtliche Fehlen jeder Verantwortlichkeit einer
  3592. einzelnen Person.
  3593. Das Parlament faßt irgendeinen Beschluß, dessen Folgen
  3594. noch so verheerend sein mögen – niemand trägt dafür eine
  3595. 86
  3596. Der Mangel an Verantwortung
  3597. Verantwortung, niemand kann je zur Rechenschaft gezogen
  3598. werden. Denn heißt dies etwa Verantwortung übernehmen, wenn nach einem Zusammenbruch sondergleichen die
  3599. schuldige Regierung zurücktritt? Oder die Koalition sich
  3600. ändert, ja das Parlament sich auflöst?
  3601. Kann den überhaupt eine schwankende Mehrheit von
  3602. Menschen jemals verantwortlich gemacht werden?
  3603. Ist denn nicht der Gedanke jeder Verantwortlichkeit an
  3604. die Person gebunden?
  3605. Kann man aber praktisch die leitende Person einer Regierung haftbar machen für Handlungen, deren Werden
  3606. und Durchführung ausschließlich auf das Konto des Wollens und der Geneigtheit einer Vielheit von Menschen zu
  3607. setzen sind?
  3608. Oder: Wird nicht die Aufgabe des leitenden Staatsmannes, statt in der Geburt des schöpferischen Gedankens
  3609. oder Planes an sich, vielmehr nur in der Kunst gesehen,
  3610. die Genialität seiner Entwürfe einer Hammelherde von
  3611. Hohlköpfen verständlich zu machen, um dann deren gütige
  3612. Zustimmung zu erbetteln?
  3613. Ist dies das Kriterium des Staatsmannes, daß er die
  3614. Kunst der Überredung in ebenso hohem Maße besitze wie
  3615. die der staatsmännischen Klugheit im Fassen großer Richtlinien oder Entscheidungen?
  3616. Ist die Unfähigkeit eines Führers dadurch bewiesen, daß
  3617. es ihm nicht gelingt, die Mehrheit eines durch mehr oder
  3618. minder saubere Zufälle zusammengebeulten Haufens für
  3619. eine bestimmte Idee zu gewinnen?
  3620. Ja, hat denn dieser Haufe überhaupt schon einmal eine
  3621. Idee begriffen, ehe der Erfolg zum Verkünder ihrer Größe
  3622. wurde?
  3623. Ist nicht jede geniale Tat auf dieser Welt der sichtbare
  3624. Protest des Genies gegen die Trägheit der Masse?
  3625. Was aber soll der Staatsmann tun, dem es nicht gelingt,
  3626. die Gunst dieses Haufens für seine Pläne zu erschmeicheln?
  3627. Soll er sie erkaufen?
  3628. Oder soll er angesichts der Dummheit seiner Mitbürger
  3629. auf die Durchführung der als Lebensnotwendigkeiten er-
  3630. Die Zerstörung des Führergedankens
  3631. 87
  3632. kannten Aufgaben verzichten, sich zurückziehen, oder soll
  3633. er dennoch bleiben?
  3634. Kommt nicht in einem solchen Falle der wirkliche Charakter in einen unlösbaren Konflikt zwischen Erkenntnis
  3635. und Anstand oder, besser gesagt, ehrlicher Gesinnung?
  3636. Wo liegt hier die Grenze, die die Pflicht der Allgemeinheit gegenüber scheidet von der Verpflichtung der persönlichen Ehre?
  3637. Muß nicht jeder wahrhaftige Führer es sich verbitten,
  3638. auf solche Weise zum politischen Schieber degradiert zu
  3639. werden?
  3640. Und muß nicht umgekehrt jeder Schieber sich nun berufen fühlen, in Politik zu „machen“, da die letzte Verantwortung niemals er, sondern irgendein unfaßbarer Haufe
  3641. zu tragen hat?
  3642. Muß nicht unser parlamentarisches Mehrheitsprinzip zur
  3643. Demolierung des Führergedankens überhaupt führen?
  3644. Glaubt man aber, daß der Fortschritt dieser Welt etwa
  3645. aus dem Gehirn von Mehrheiten stammt und nicht aus
  3646. den Köpfen einzelner?
  3647. Oder vermeint man, vielleicht für die Zukunft dieser
  3648. Voraussetzung menschlicher Kultur entbehren zu können?
  3649. Scheint sie nicht im Gegenteil heute nötiger zu sein
  3650. als je?
  3651. Indem das parlamentarische Prinzip der Majoritätsbestimmung die Autorität der Person ablehnt und an deren
  3652. Stelle die Zahl des jeweiligen Haufens setzt, sündigt es
  3653. wider den aristokratischen Grundgedanken der Natur, wobei allerdings deren Anschauung vom Adel in keinerlei
  3654. Weise etwa in der heutigen Dekadenz unserer oberen Zehntausend verkörpert zu sein braucht.
  3655. Welche Verwüstungen diese Einrichtung moderner demokratischer Parlamentsherrschaft anrichtet, kann sich freilich
  3656. der Leser jüdischer Zeitungen schwer vorstellen, sofern er
  3657. nicht selbständig denken und prüfen gelernt hat. Sie ist in
  3658. erster Linie der Anlaß für die unglaubliche Überschwemmung des gesamten politischen Lebens mit den minderwertigsten Erscheinungen unserer Tage. So sehr sich der
  3659. 88
  3660. Die Ausschaltung von Köpfen
  3661. wahrhaftige Führer von einer politischen Betätigung zurückziehen wird, die zu ihrem größten Teile nicht in schöpferischer Leistung und Arbeit bestehen kann, als vielmehr
  3662. im Feilschen und Handeln um die Gunst einer Mehrheit,
  3663. so sehr wird gerade diese Tätigkeit dem kleinen Geist entsprechen und diesen mithin auch anziehen.
  3664. Je zwergenhafter ein solcher Lederhändler heute an Geist
  3665. und Können ist, je klarer ihm die eigene Einsicht die
  3666. Jämmerlichkeit seiner tatsächlichen Erscheinung zum Bewußtsein bringt, um so mehr wird er ein System preisen,
  3667. das von ihm gar nicht die Kraft und Genialität eines
  3668. Riesen verlangt, sondern vielmehr mit der Pfiffigkeit eines
  3669. Dorfschulzen vorliebnimmt, ja, eine solche Art von Weisheit lieber sieht als die eines Perikles. Dabei braucht solch
  3670. ein Tropf sich nie mit der Verantwortung seines Wirkens
  3671. abzuquälen. Er ist dieser Sorge schon deshalb gründlich
  3672. enthoben, da er ja genau weiß, daß, ganz gleich, wie
  3673. immer auch das Ergebnis seiner „staatsmännischen“ Murkserei sein wird, sein Ende ja doch schon längst in den
  3674. Sternen verzeichnet steht: er wird eines Tages einem anderen, ebenso großen Geist den Platz zu räumen haben.
  3675. Denn dies ist mit ein Kennzeichen eines solchen Verfalls,
  3676. daß die Menge großer Staatsmänner in eben dem Maße
  3677. zunimmt, in dem der Maßstab des einzelnen zusammenschrumpft. Er wird aber mit zunehmender Abhängigkeit
  3678. von parlamentarischen Mehrheiten immer kleiner werden
  3679. müssen, da sowohl die großen Geister es ablehnen werden,
  3680. die Büttel blöder Nichtskönner und Schwätzer zu sein, wie
  3681. umgekehrt die Repräsentanten der Majorität, das ist also
  3682. der Dummheit, nicht inständiger hassen als den überlegenen Kopf.
  3683. Es ist immer ein tröstliches Gefühl für solch eine Ratsversammlung Schildaer Stadtverordneter, einen Führer an
  3684. der Spitze zu wissen, dessen Weisheit dem Niveau der Anwesenden entspricht: hat doch so jeder die Freude, von Zeit
  3685. zu Zeit auch seinen Geist dazwischen blitzen lassen zu können – und vor allem aber, wenn Hinze Meister sein kann,
  3686. warum dann nicht auch einmal Peter?
  3687. Die Ausschaltung von Köpfen
  3688. 89
  3689. Am innigsten entspricht diese Erfindung der Demokratie
  3690. aber einer Eigenschaft, die in letzter Zeit zu einer wahren
  3691. Schande ausgewachsen ist, nämlich der Feigheit eines großen Teils unseres sogenannten „Führertums“. Welch ein
  3692. Glück, sich in allen wirklichen Entscheidungen von einiger
  3693. Bedeutung hinter den Rockschößen einer sogenannten Majorität verstecken zu können!
  3694. Man sehe sich nur solch einen politischen Strauchdieb einmal an, wie er besorgt zu jeder Verrichtung sich die Zustimmung der Mehrheit erbettelt, um sich so die notwendigen Spießgesellen zu sichern und damit jederzeit die Verantwortung abladen zu können. Dies aber ist mit der
  3695. Hauptgrund, warum eine solche Art von politischer Betätigung einem innerlich anständigen und damit aber auch
  3696. mutigen Mann widerlich und verhaßt ist, während es alle
  3697. elenden Charaktere – und wer nicht für seine Handlung
  3698. persönlich auch die Verantwortung übernehmen will, sondern nach Deckung sucht, ist ein feiger Lump – anzieht.
  3699. Sowie aber erst einmal die Leiter einer Nation aus solchen
  3700. Jämmerlingen bestehen, dann wird sich dies schon in kurzer
  3701. Zeit böse rächen. Man wird dann zu keiner entschlossenen
  3702. Handlung mehr den Mut aufbringen, wird jede, auch noch
  3703. so schmähliche Entehrung lieber hinnehmen, als sich zu
  3704. einem Entschlusse aufzuraffen; ist doch niemand mehr da,
  3705. der von sich aus bereit ist, seine Person und seinen Kopf
  3706. für die Durchführung einer rücksichtslosen Entscheidung
  3707. einzusetzen.
  3708. Denn eines soll und darf man nie vergessen: Die Majorität kann auch hier den Mann niemals ersetzen. Sie ist
  3709. nicht nur immer eine Vertreterin der Dummheit, sondern
  3710. auch der Feigheit. Und so wenig hundert Hohlköpfe einen
  3711. Weisen ergeben, so wenig kommt aus hundert Feiglingen
  3712. ein heldenhafter Entschluß.
  3713. Je leichter aber die Verantwortung des einzelnen Führers ist, um so mehr wird die Zahl derjenigen wachsen, die
  3714. selbst bei jämmerlichsten Ausmaßen sich berufen fühlen
  3715. werden, ebenfalls der Nation ihre unsterblichen Kräfte zur
  3716. Verfügung zu stellen. Ja, sie werden es gar nicht mehr er-
  3717. 90
  3718. Die Ausschaltung von Köpfen
  3719. warten können, endlich einmal auch an die Reihe zu kommen; sie stehen an in einer langen Kolonne und zählen
  3720. mit schmerzlichem Bedauern die Zahl der vor ihnen Wartenden und rechnen die Stunde fast aus, die menschlichem
  3721. Ermessen nach sie zum Zuge bringen wird. Daher ersehnen
  3722. sie jeden Wechsel in dem ihnen vorschwebenden Amte und
  3723. sind dankbar für jeden Skandal, der die Reihe vor ihnen
  3724. lichtet. Will jedoch einmal einer nicht von der eingenommenen Stelle wieder weichen, so empfinden sie dies fast
  3725. als Bruch eines heiligen Abkommens gemeinsamer Solidarität. Dann werden sie bösartig und ruhen nicht eher,
  3726. als bis der Unverschämte, endlich gestürzt, seinen warmen
  3727. Platz der Allgemeinheit wieder zur Verfügung stellt. Er
  3728. wird dafür nicht so schnell wieder an diese Stelle gelangen.
  3729. Denn sowie eine dieser Kreaturen ihren Posten aufzugeben
  3730. gezwungen ist, wird sie sich sofort wieder in die allgemeine
  3731. Reihe der Wartenden einzuschieben versuchen, sofern nicht
  3732. das dann anhebende Geschrei und Geschimpfe der anderen
  3733. sie davon abhält.
  3734. Die Folge von dem allen ist der erschreckend schnelle
  3735. Wechsel in den wichtigsten Stellen und Ämtern eines solchen
  3736. Staatswesens, ein Ergebnis, das in jedem Falle ungünstig,
  3737. manchmal aber geradezu katastrophal wirkt. Denn nun
  3738. wird ja nicht nur der Dummkopf und Unfähige dieser
  3739. Sitte zum Opfer fallen, sondern noch mehr der wirkliche
  3740. Führer, wenn das Schicksal einen solchen an diese Stelle zu
  3741. setzen überhaupt noch fertigbringt. Sowie man nur einmal
  3742. dieses erkannt hat, wird sich sofort eine geschlossene Front
  3743. zur Abwehr bilden, besonders, wenn ein solcher Kopf, ohne
  3744. aus den eigenen Reihen zu stammen, dennoch sich untersteht, in diese erhabene Gesellschaft einzudringen. Man will
  3745. da grundsätzlich nur unter sich sein und haßt als gemeinsamen Feind jeden Schädel, der unter den Nullen etwa
  3746. einen Einser ergeben könnte. Und in dieser Richtung ist
  3747. der Instinkt um so schärfer, je mehr er auch in allem anderen fehlen mag.
  3748. So wird die Folge eine immer mehr um sich greifende
  3749. geistige Verarmung der führenden Schichten sein. Was da-
  3750. Die Ausschaltung von Köpfen
  3751. 91
  3752. bei für die Nation und den Staat herauskommt, kann jeder
  3753. selbst ermessen, soweit er nicht persönlich zu dieser Sorte
  3754. von „Führern“ gehört.
  3755. Das alte Österreich besaß das parlamentarische Regiment
  3756. bereits in Reinkultur.
  3757. Wohl wurden die jeweiligen Ministerpräsidenten vom
  3758. Kaiser und König ernannt, allein schon diese Ernennung
  3759. war nichts anderes als die Vollstreckung parlamentarischen
  3760. Wollens. Das Feilschen und Handeln aber um die einzelnen Ministerposten war schon westliche Demokratie von
  3761. reinstem Wasser. Die Ergebnisse entsprachen auch den angewandten Grundsätzen. Besonders der Wechsel der einzelnen Persönlichkeiten trat schon in immer kürzeren Fristen ein, um endlich zu einem wahrhaftigen Jagen zu werden.
  3762. In demselben Maße sank die Größe der jeweiligen „Staatsmänner“ immer mehr zusammen, bis endlich überhaupt nur
  3763. jener kleine Typ von parlamentarischen Schiebern übrigblieb, deren staatsmännischer Wert nur mehr nach ihrer
  3764. Fähigkeit gemessen und anerkannt wurde, mit der es ihnen
  3765. gelang, die jeweiligen Koalitionen zusammenzukleistern,
  3766. also jene kleinsten politischen Handelsgeschäfte durchzuführen, die ja allein die Eignung dieser Volksvertreter für
  3767. praktische Arbeit zu begründen vermögen.
  3768. So konnte einem die Wiener Schule auf diesem Gebiete
  3769. die besten Eindrücke vermitteln.
  3770. Was mich nicht weniger anzog, war der Vergleich zwischen dem vorhandenen Können und Wissen dieser Volksvertreter und den Aufgaben, die ihrer harrten. Freilich
  3771. mußte man sich dann aber, man mochte wollen oder nicht,
  3772. mit dem geistigen Horizont dieser Auserwählten der Völker selber näher beschäftigen, wobei es sich dann gar
  3773. nicht mehr umgehen ließ, auch den Vorgängen, die zur
  3774. Entdeckung dieser Prachterscheinungen unseres öffentlichen
  3775. Lebens führen, die nötige Beachtung zu schenken.
  3776. Auch die Art und Weise, in der das wirkliche Können
  3777. dieser Herren in den Dienst des Vaterlandes gestellt und
  3778. angewendet wurde, also der technische Vorgang ihrer Be-
  3779. 92
  3780. Die „öffentliche Meinung“
  3781. tätigung, war wert, gründlich untersucht und geprüft zu
  3782. werden.
  3783. Das gesamte Bild des parlamentarischen Lebens ward
  3784. dann um so jämmerlicher, je mehr man sich entschloß, in
  3785. diese inneren Verhältnisse einzudringen, Personen und
  3786. fachliche Grundlagen mit rücksichtslos scharfer Objektivität
  3787. zu studieren. Ja, dies ist sehr angezeigt einer Institution
  3788. gegenüber, die sich veranlaßt sieht, durch ihre Träger in
  3789. jedem zweiten Satz auf „Objektivität“ als die einzige gerechte Grundlage zu jeglicher Prüfung und Stellungnahme
  3790. überhaupt hinzuweisen. Man prüfe diese Herren selber
  3791. und die Gesetze ihres bitteren Daseins, und man wird über
  3792. das Ergebnis nur staunen.
  3793. Es gibt gar kein Prinzip, das, objektiv betrachtet, so
  3794. unrichtig ist wie das parlamentarische.
  3795. Man darf dabei noch ganz absehen von der Art, in der
  3796. die Wahl der Herren Volksvertreter stattfindet, wie sie
  3797. überhaupt zu ihrem Amte und zu ihrer neuen Würde gelangen. Daß es sich herbei nur zu einem wahrhaft winzigen Bruchteil um die Erfüllung eines allgemeinen Wunsches oder gar eines Bedürfnisses handelt, wird jedem sofort einleuchten, der sich klarmacht, daß das politische Verständnis der breiten Masse gar nicht so entwickelt ist, um
  3798. von sich aus zu bestimmten allgemein politischen Anschauungen zu gelangen und die dafür in Frage kommenden
  3799. Personen auszusuchen.
  3800. Was wir immer mit dem Worte „öffentliche Meinung“
  3801. bezeichnen, beruht nur zu einem kleinen Teile auf selbstgewonnenen Erfahrungen oder gar Erkenntnissen der einzelnen, zum größten Teil dagegen auf der Vorstellung, die
  3802. durch eine oft ganz unendlich eindringliche und beharrliche
  3803. Art von sogenannter „Aufklärung“ hervorgerufen wird.
  3804. So wie die konfessionelle Einstellung das Ergebnis der
  3805. Erziehung ist und nur das religiöse Bedürfnis an sich im
  3806. Innern des Menschen schlummert, so stellt auch die politische Meinung der Masse nur das Endresultat einer manchmal ganz unglaublich zähen und gründlichen Bearbeitung
  3807. von Seele und Verstand dar.
  3808. Die „öffentliche Meinung“
  3809. 93
  3810. Der weitaus gewaltigste Anteil an der politischen „Erziehung“, die man in diesem Falle mit dem Wort Propaganda sehr treffend bezeichnet, fällt auf das Konto der
  3811. Presse. Sie besorgt in erster Linie diese „Aufklärungsarbeit“ und stellt damit eine Art von Schule für die Erwachsenen dar. Nur liegt dieser Unterricht nicht in der
  3812. Hand des Staates, sondern in den Klauen von zum Teil
  3813. höchst minderwertigen Kräften. Ich hatte gerade in Wien
  3814. schon als junger Mensch die allerbeste Gelegenheit, Inhaber und geistige Fabrikanten dieser Massenerziehungsmaschine richtig kennenzulernen. Ich mußte im Anfang staunen, in wie kurzer Zeit es dieser schlimmen Großmacht im
  3815. Staate möglich wurde, eine bestimmte Meinung zu erzeugen, auch wenn es sich dabei um die vollständige Umfälschung sicher vorhandener innerer Wünsche und Anschauungen der Allgemeinheit handeln mochte. In wenigen
  3816. Tagen war da aus einer lächerlichen Sache eine bedeutungsvolle Staatsaktion gemacht, während umgekehrt zu
  3817. gleicher Zeit lebenswichtige Probleme dem allgemeinen
  3818. Vergessen anheimfielen, besser aber einfach aus dem Gedächtnis und der Erinnerung der Masse gestohlen wurden.
  3819. So gelang es, im Verlaufe weniger Wochen Namen
  3820. aus dem Nichts hervorzuzaubern, unglaubliche Hoffnungen
  3821. der breiten Öffentlichkeit an sie zu knüpfen, ja ihnen Popularität zu verschaffen, die dem wirklich bedeutenden Manne
  3822. oft in seinem ganzen Leben nicht zuteil zu werden vermag;
  3823. Namen, die dabei noch vor einem Monat überhaupt kein
  3824. Mensch aber auch nur dem Hören nach kannte, während
  3825. in der gleichen Zeit alte, bewährte Erscheinungen des
  3826. staatlichen oder sonstigen öffentlichen Lebens bei bester
  3827. Gesundheit einfach für die Mitwelt abstarben oder mit
  3828. solch elenden Schmähungen überhäuft wurde, daß ihr
  3829. Name in kurzem drohte, zum Symbol einer ganz bestimmten Niedertracht oder Schurkerei zu werden. Man muß
  3830. diese infame jüdische Art, ehrlichen Menschen mit einem
  3831. Male und wie auf Zauberspruch zugleich von hundert und
  3832. aller hundert Stellen aus die Schmutzkübel niedrigster Verleumdungen und Ehrabschneidungen über das saubere Kleid
  3833. 94
  3834. Die „öffentliche Meinung“
  3835. zu gießen, studieren, um die ganze Gefahr dieser Presselumpen richtig würdigen zu können.
  3836. Es gibt dann nichts, das solch einem geistigen Raubritter nicht passend wäre, um zu seinen sauberen Zielen zu
  3837. kommen.
  3838. Er wird dann bis in die geheimsten Familienangelegenheiten hineinschnüffeln und nicht eher ruhen, als bis sein
  3839. Trüffelsuchinstinkt irgendeinen armseligen Vorfall aufstöbert, der dann bestimmt ist, dem unglücklichen Opfer den
  3840. Garaus zu machen. Findet sich aber weder im öffentlichen
  3841. noch im privaten Leben selbst bei gründlichstem Abriechen
  3842. rein gar nichts, dann greift so ein Bursche einfach zur
  3843. Verleumdung in der festen Überzeugung, daß nicht nur an
  3844. und für sich auch bei tausendfältigem Widerrufe doch immer
  3845. etwas hängen bleibt, sondern daß infolge der hundertfachen
  3846. Wiederholung, die die Ehrabschneidung durch alle seine
  3847. sonstigen Spießgesellen sofort findet, ein Kampf des Opfers
  3848. dagegen in den meisten Fällen gar nicht möglich ist; wobei
  3849. aber dieses Lumpenpack niemals etwa aus Motiven, wie
  3850. sie vielleicht bei der anderen Menschheit glaubhaft oder
  3851. wenigstens verständlich wären, etwas unternimmt. Gott
  3852. bewahre! Indem so ein Strolch die liebe Mitwelt in der
  3853. schurkenhaftesten Weise angreift, hüllt sich dieser Tintenfisch in eine wahre Wolke von Biederkeit und salbungsvollen Phrasen, schwatzt von „journalistischer Pflicht“ und
  3854. ähnlichem verlogenen Zeug, ja versteigt sich sogar noch
  3855. dazu, bei Tagungen und Kongressen, also Anlässen, die
  3856. diese Plage in größerer Zahl beisammensehen, von einer
  3857. ganz besonderen, nämlich der journalistischen „Ehre“ zu
  3858. salbadern, die sich das versammelte Gesindel dann gravitätisch gegenseitig bestätigt.
  3859. Dieses Pack aber fabriziert zu mehr als zwei Dritteln die
  3860. sogenannte „öffentliche Meinung“, deren Schaum dann die
  3861. parlamentarische Aphrodite entsteigt.
  3862. Um dieses Verfahren richtig zu schildern und in seiner
  3863. ganzen verlogenen Unwahrhaftigkeit darzustellen, müßte
  3864. man Bände schreiben. Allein, auch wenn man von dem
  3865. ganz absieht und nur das gegebene Produkt samt seiner
  3866. Das Mehrheitsprinzip
  3867. 95
  3868. Tätigkeit betrachtet, so scheint mir dies genügend, um den
  3869. objektiven Irrsinn dieser Einrichtung auch für das strenggläubige Gemüt aufdämmern zu lassen.
  3870. Man wird diese ebenso unsinnige wie gefährliche menschliche Verwirrung am ehesten und auch am leichtesten verstehen, sobald man den demokratischen Parlamentarismus
  3871. in Vergleich bringt mit einer wahrhaften germanischen
  3872. Demokratie.
  3873. Das Bemerkenswerte des ersteren liegt darin, daß eine
  3874. Zahl von sagen wir fünfhundert Männern, oder in letzter
  3875. Zeit auch Frauen, gewählt wird, denen nun in allem und
  3876. jedem auch die endgültige Entscheidung zu treffen obliegt. Sie
  3877. sind so praktisch allein die Regierung; denn wenn auch von
  3878. ihnen ein Kabinett gewählt wird, das nach außen hin die
  3879. Leitung der Staatsgeschäfte vornimmt, so ist dies trotzdem
  3880. nur zum Scheine da. In Wirklichkeit kann diese sogenannte
  3881. Regierung nicht einen Schritt tun, ohne sich nicht vorher
  3882. erst die Genehmigung von der allgemeinen Versammlung
  3883. geholt zu haben. Sie ist aber damit auch für gar nichts
  3884. verantwortlich zu machen, da die letzte Entscheidung ja niemals bei ihr liegt, sondern bei der Majorität des Parlaments. Sie ist in jedem Falle nur die Vollstreckerin des
  3885. jeweiligen Mehrheitswillens. Man könnte ihre politische
  3886. Fähigkeit eigentlich nur beurteilen nach der Kunst, mit der
  3887. sie es versteht, sich entweder dem Willen der Mehrheit anzupassen oder die Mehrheit zu sich herüberzuziehen. Sie
  3888. sinkt damit aber von der Höhe einer tatsächlichen Regierung herunter zu einer Bettlerin gegenüber der jeweiligen
  3889. Majorität. Ja, ihre vordringlichste Aufgabe hat nun überhaupt nur mehr darin zu bestehen, von Fall zu Fall sich
  3890. entweder die Gunst der bestehenden Mehrheit zu sichern
  3891. oder die Bildung einer besser geneigten neuen zu übernehmen. Gelingt dies, dann darf sie wieder eine kleine
  3892. Zeit weiter „regieren“, gelingt es nicht, dann kann sie
  3893. gehen. Die Richtigkeit ihrer Absichten an und für sich spielt
  3894. dabei gar keine Rolle.
  3895. Damit aber wird jede Verantwortlichkeit praktisch ausgeschaltet.
  3896. 96
  3897. Das Mehrheitsprinzip
  3898. Zu welchen Folgen die führt, geht schon aus einer ganz
  3899. einfachen Betrachtung hervor:
  3900. Die innere Zusammensetzung der fünfhundert gewählten Volksvertreter nach Beruf oder gar nach den Fähigkeiten der einzelnen ergibt ein ebenso zerrissenes wie meist
  3901. auch noch kümmerliches Bild. Denn man wird doch nicht
  3902. etwa glauben, daß diese Auserwählten der Nation auch
  3903. ebenso Auserwählte des Geistes oder auch nur des Verstandes sind! Man wird hoffentlich nicht meinen, daß aus
  3904. den Stimmzetteln einer alles eher als geistreichen Wählerschaft die Staatsmänner gleich zu Hunderten herauswachsen.
  3905. Überhaupt kann man dem Unsinn gar nicht scharf genug
  3906. entgegentreten, daß aus allgemeinen Wahlen Genies geboren würden. Zum ersten gibt es in einer Nation nur
  3907. alle heiligen Zeiten einmal einen wirklichen Staatsmann
  3908. und nicht gleich an die hundert und mehr auf einmal; und
  3909. zum zweiten ist die Abneigung der Masse gegen jedes überragende Genie eine geradezu instinktive. Eher geht auch
  3910. ein Kamel durch ein Nadelöhr, ehe ein großer Mensch durch
  3911. eine Wahl „entdeckt“ wird.
  3912. Was wirklich über das Normalmaß des breiten Durchschnitts hinausragt, pflegt sich in der Weltgeschichte meistens persönlich anzumelden.
  3913. So aber stimmen fünfhundert Menschen von mehr als
  3914. bescheidenen Ausmaßen über die wichtigsten Belange der
  3915. Nation ab, setzen Regierungen ein, die sich dann selber
  3916. wieder in jedem einzelnen Falle und jeder besonderen
  3917. Frage die Zustimmung der erlauchten Ratsversammlung
  3918. zu holen haben, mithin wird also tatsächlich die Politik von
  3919. fünfhundert gemacht.
  3920. Und danach sieht sie auch meistens aus.
  3921. Aber selbst die Genialität dieser Volksvertreter ganz aus
  3922. dem Spiele gelassen, bedenke man doch, welch verschiedener
  3923. Art die Probleme sind, die einer Erledigung harren, auf
  3924. welch auseinanderliegenden Gebieten Lösungen und Entscheidungen getroffen werden müssen, und man wird wohl
  3925. begreifen, wie untauglich hierzu eine Regierungseinrichtung sein muß, die das letzte Bestimmungsrecht einer
  3926. Das Mehrheitsprinzip
  3927. 97
  3928. Massenversammlung von Menschen überträgt, von der
  3929. immer nur ein ganz winziger Bruchteil Kenntnisse und
  3930. Erfahrung in der zur Behandlung stehenden Angelegenheit besitzt. Die wichtigsten wirtschaftlichen Maßnahmen
  3931. werden so einem Forum unterbreitet, das nur zu einem
  3932. Zehntel seiner Mitglieder wirtschaftliche Vorbildung aufzuweisen hat. Das heißt aber doch nichts anderes, als die
  3933. letzte Entscheidung in einer Sache in die Hände von Männern legen, denen jegliche Voraussetzung hierzu vollkommen
  3934. fehlt.
  3935. So ist es aber mit jeder anderen Frage auch. Immer
  3936. wird durch eine Mehrheit von Nichtswissern und Nichtskönnern der Ausschlag gegeben werden, da ja die Zusammensetzung dieser Einrichtung unverändert bleibt, während sich die zur Behandlung stehenden Probleme auf fast
  3937. alle Gebiete des öffentlichen Lebens erstrecken, mithin einen
  3938. dauernden Wechsel der über sie urteilenden und bestimmenden Abgeordneten voraussetzen würden. Es ist doch
  3939. unmöglich, über Verkehrsangelegenheiten dieselben Menschen verfügen zu lassen wie, sagen wir, über eine Frage
  3940. hoher Außenpolitik. Es müßten dies anders denn lauter
  3941. Universalgenies sein, wie sie in Jahrhunderten kaum einmal in wirkliche Erscheinung treten. Leider handelt es sich
  3942. hier aber zumeist überhaupt um keine „Köpfe“, sondern
  3943. um ebenso beschränkte wie eingebildete und aufgeblasene
  3944. Dilettanten, geistige Halbwelt übelster Sorte. Daher kommt
  3945. auch die so oft unverständliche Leichtsinnigkeit, mit der
  3946. diese Herrschaften über Dinge reden und beschließen, die
  3947. selbst den größten Geistern sorgenvolle Überlegung bereiten
  3948. würden. Maßnahmen von der schwersten Bedeutung für die
  3949. Zukunft eines ganzen Staates, ja einer Nation werden da
  3950. getroffen, als ob eine ihnen sicher besser zustehende Partie
  3951. Schafskopf oder Tarock auf dem Tische läge und nicht das
  3952. Schicksal einer Rasse.
  3953. Nun wäre es sicher ungerecht, zu glauben, daß jeder
  3954. der Abgeordneten eines solchen Parlaments von sich aus
  3955. schon immer mit so geringen Gefühlen für Verantwortung
  3956. behaftet gewesen sei.
  3957. 5
  3958. 98
  3959. Das Verderben des Charakters
  3960. Nein, durchaus nicht.
  3961. Aber indem dieses System den einzelnen zwingt, zu solchen ihm gar nicht liegenden Fragen Stellung zu nehmen,
  3962. verdirbt es allmählich den Charakter. Keiner wird den
  3963. Mut aufzubringen vermögen, zu erklären: „Meine Herren,
  3964. ich glaube, wir verstehen von dieser Angelegenheit nichts.
  3965. Ich persönlich wenigstens auf keinen Fall.“ (Im übrigen
  3966. würde dies nur wenig ändern, denn sicher bliebe diese
  3967. Art von Aufrichtigkeit nicht nur gänzlich unverstanden, sondern man ließe sich auch wohl kaum durch solch einen ehrlichen Esel das allgemeine Spiel verderben.) Wer die Menschen nun aber kennt, wird begreifen, daß in einer so
  3968. illustren Gesellschaft nicht gerne einer der Dümmste sein
  3969. möchte, und in gewissen Kreisen ist Ehrlichkeit immer
  3970. gleichbedeutend mit Dummheit.
  3971. So wird auch der zunächst noch ehrenhafte Vertreter
  3972. zwangsläufig in diese Bahn der allgemeinen Verlogenheit
  3973. und Betrügerei geworfen. Gerade die Überzeugung, daß
  3974. das Nichtmittun eines einzelnen an der Sache an und für
  3975. sich gar nichts ändern würde, tötet jede ehrliche Regung,
  3976. die dem einen oder anderen etwa noch aufsteigen mag. Er
  3977. wird sich zum Schlusse noch einreden, daß er persönlich noch
  3978. lange nicht der Schlechteste unter den anderen sei und
  3979. durch sein Mittun nur vielleicht Ärgeres verhüte.
  3980. Freilich wird man den Einwand bringen, daß allerdings
  3981. der einzelne Abgeordnete in dieser oder jener Sache kein
  3982. besonderes Verständnis besitze, aber seine Stellungnahme
  3983. ja von der Fraktion als Leiterin der Politik des betreffenden Herrn doch beraten werde; diese habe ihre besonderen
  3984. Ausschüsse, die von Sachverständigen ohnehin mehr als genügend erleuchtet würden.
  3985. Dies scheint auf den ersten Blick zu stimmen. Aber die
  3986. Frage wäre doch dann die: warum wählt man fünfhundert, wenn doch nur einige die nötige Weisheit zur Stellungnahme in den wichtigsten Belangen besitzen?
  3987. Ja, darin liegt eben des Pudels Kern.
  3988. Es ist nicht das Ziel unseres heutigen demokratischen
  3989. Parlamentarismus, etwa eine Versammlung von Weisen
  3990. Die jüdische Demokratie
  3991. 99
  3992. zu bilden, als vielmehr eine Schar geistig abhängiger Nullen zusammenzustellen, deren Leitung nach bestimmten
  3993. Richtlinien um so leichter wird, je größer die persönliche Beschränktheit des einzelnen ist. Nur so kann Parteipolitik im heutigen üblen Sinne gemacht werden. Nur so
  3994. aber ist es auch möglich, daß der eigentliche Drahtzieher
  3995. immer vorsichtig im Hintergrund zu bleiben vermag, ohne
  3996. jemals persönlich zur Verantwortung gezogen werden zu
  3997. können. Denn nun wird jede der Nation auch noch so schädliche Entscheidung ja nicht auf das Konto eines allen sichtbaren Lumpen kommen, sondern auf die Schultern einer
  3998. ganzen Fraktion abgeladen werden.
  3999. Damit aber fällt jede praktische Verantwortung weg,
  4000. denn diese kann nur in der Verpflichtung einer einzelnen
  4001. Person liegen und nicht in der einer parlamentarischen
  4002. Schwätzervereinigung.
  4003. Diese Einrichtung kann nur den allerverlogensten und
  4004. zugleich besonders das Tageslicht scheuenden Schliefern lieb
  4005. und wert sein, während sie jedem ehrlichen, geradlinigen,
  4006. zur persönlichen Verantwortung bereiten Kerl verhaßt sein
  4007. muß.
  4008. Daher ist diese Art von Demokratie auch das Instrument
  4009. derjenigen Rasse geworden, die ihren inneren Zielen nach
  4010. die Sonne zu scheuen hat, jetzt und in allen Zeiten der
  4011. Zukunft. Nur der Jude kann eine Einrichtung preisen, die
  4012. schmutzig und unwahr ist wie er selber.
  4013. Dem steht gegenüber die wahrhaftige germanische Demokratie der freien Wahl des Führers, mit dessen Verpflichtung zur vollen Übernahme aller Verantwortung für sein
  4014. Tun und Lassen. In ihr gibt es keine Abstimmung einer
  4015. Majorität zu einzelnen Fragen, sondern nur die Bestimmung eines einzigen, der dann mit Vermögen und Leben
  4016. für seine Entscheidung einzutreten hat.
  4017. Wenn man mit dem Einwand kommen wird, daß unter
  4018. solchen Voraussetzungen sich schwerlich jemand bereitfinden
  4019. 100
  4020. Die germanische Demokratie
  4021. dürfte, seine Person einer so riskanten Aufgabe zu widmen,
  4022. so muß darauf nur eines geantwortet werden:
  4023. Gott sei gedankt, darin liegt ja eben der Sinn einer germanischen Demokratie, daß nicht der nächstbeste unwürdige
  4024. Streber und moralische Drückeberger auf Umwegen zur
  4025. Regierung seiner Volksgenossen kommt, sondern daß schon
  4026. durch die Größe der zu übernehmenden Verantwortung
  4027. Nichtskönner und Schwächlinge zurückgeschreckt werden.
  4028. Sollte sich aber dennoch einmal ein solcher Bursche einzustehlen versuchen, dann kann man ihn leichter finden und
  4029. rücksichtslos anfahren: Hinweg, feiger Lump! Ziehe den
  4030. Fuß zurück, du beschmutzest die Stufen; denn der Vorderaufstieg in das Pantheon der Geschichte ist nicht für Schleicher da, sondern für Helden!
  4031. Zu dieser Anschauung hatte ich mich nach zweijährigem
  4032. Besuch des Wiener Parlaments durchgerungen.
  4033. Ich ging dann nicht mehr weiter hinein.
  4034. Das parlamentarische Regiment hatte mit ein Hauptverdienst an der in den letzten Jahren immer mehr zunehmenden Schwäche des alten habsburgischen Staates. Je
  4035. mehr durch sein Wirken die Vorherrschaft des Deutschtums
  4036. gebrochen wurde, um so mehr verfiel man nun einem
  4037. System der Ausspielung der Nationalitäten untereinander.
  4038. Im Reichsrat selber ging dies immer auf Kosten der Deutschen und damit allerdings in letzter Linie auf Kosten des
  4039. Reiches; denn um die Jahrhundertwende schon mußte auch
  4040. dem Allereinfältigsten einleuchten, daß die Anziehungskraft der Monarchie die Loslösungsbestrebungen der Länder nicht mehr zu bannen vermochte.
  4041. Im Gegenteil.
  4042. Je armseliger die Mittel wurden, die der Staat zu seiner
  4043. Erhaltung aufzuwenden hatte, um so mehr stieg die allgemeine Verachtung für ihn. Nicht nur in Ungarn, sondern
  4044. auch in den einzelnen slawischen Provinzen fühlte man sich
  4045. mit der gemeinsamen Monarchie so wenig mehr identisch,
  4046. daß ihre Schwäche keineswegs als eigene Schande emp-
  4047. Die zusammenbrechende Doppelmonarchie
  4048. 101
  4049. funden wurde. Man freute sich eher noch über solche Anzeichen des eintretenden Alters; hoffte man doch mehr auf
  4050. ihren Tod als auf ihre Gesundung.
  4051. Im Parlament wurde der vollkommene Zusammenbruch
  4052. noch verhindert durch ein würdeloses Nachgeben und Erfüllen aber auch jeder Erpressung, die dann der Deutsche zu
  4053. bezahlen hatte; im Lande durch ein möglichst geschicktes
  4054. Ausspielen der einzelnen Völker gegeneinander. Allein die
  4055. allgemeine Linie der Entwicklung war dennoch gegen die
  4056. Deutschen gerichtet. Besonders, seit die Thronfolgerschaft
  4057. dem Erzherzog Franz Ferdinand einen gewissen Einfluß einzuräumen begann, kam in die von oben herunter betriebene Tschechisierung Plan und Ordnung. Mit allen nur
  4058. möglichen Mitteln versuchte dieser zukünftige Herrscher der
  4059. Doppelmonarchie der Entdeutschung Vorschub zu leisten
  4060. oder sie selber zu fördern, mindestens aber zu decken. Rein
  4061. deutsche Orte wurden so über den Umweg der staatlichen
  4062. Beamtenschaft langsam, aber unbeirrt sicher in die gemischtsprachliche Gefahrenzone hineingeschoben. Selbst in Niederösterreich begann dieser Prozeß immer schnellere Fortschritte zu machen, und Wien galt vielen Tschechen schon
  4063. als ihr größte Stadt.
  4064. Der leitende Gedanke dieses neuen Habsburgers, dessen
  4065. Familie nur mehr tschechisch sprach (die Gemahlin des Erzherzogs war als ehemalige tschechische Gräfin dem Prinzen
  4066. morganatisch angetraut; sie stammte aus Kreisen, deren
  4067. deutschfeindliche Stellung Tradition bildete), war, in
  4068. Mitteleuropa allmählich einen slawischen Staat aufzurichten, der zum Schutz gegen das orthodoxe Rußland auf
  4069. streng katholische Grundlage gestellt werden sollte. Damit
  4070. wurde, wie schon öfters bei den Habsburgern, die Religion
  4071. wieder einmal in den Dienst eines rein politischen Gedankens, noch dazu eines – wenigstens von deutschen Gesichtspunkten aus betrachtet – unseligen Gedankens, gestellt.
  4072. Das Ergebnis war ein mehr als trauriges in vielfacher
  4073. Hinsicht.
  4074. Weder das Haus Habsburg noch die katholische Kirche
  4075. bekamen den erwarteten Lohn.
  4076. 102
  4077. Habsburg und Deutschtum
  4078. Habsburg verlor den Thron, Rom einen großen Staat.
  4079. Denn indem die Krone auch religiöse Momente in den
  4080. Dienst ihrer politischen Erwägungen stellte, rief sie einen
  4081. Geist wach, den sie selber zunächst freilich nicht für möglich gehalten hatte.
  4082. Aus dem Versuch, mit allen Mitteln das Deutschtum in
  4083. der alten Monarchie auszurotten, erwuchs als Antwort die
  4084. alldeutsche Bewegung in Österreich.
  4085. Mit den achtziger Jahren hatte der manchesterliche Lieberalismus jüdischer Grundeinstellung auch in der Monarchie
  4086. den Höhepunkt erreicht, wenn nicht schon überschritten.
  4087. Die Reaktion dagegen kam jedoch, wie bei allem im alten
  4088. Österreich, nicht aus in erster Linie sozialen Gesichtspunkten
  4089. heraus, sondern aus nationalen. Der Selbsterhaltungstrieb
  4090. zwang das Deutschtum, in schärfster Form sich zur Wehr zu
  4091. setzen. Erst in zweiter Linie begannen langsam auch wirtschaftliche Erwägungen maßgebenden Einfluß zu gewinnen.
  4092. So schälten sich zwei Parteigebilde aus dem allgemeinen
  4093. politischen Durcheinander heraus, das eine mehr national,
  4094. das andere mehr sozial eingestellt, beide aber hochinteressant und lehrreich für die Zukunft.
  4095. Nach dem niederdrückenden Ende des Krieges 1866 trug
  4096. das Haus Habsburg sich mit dem Gedanken einer Wiedervergeltung auf dem Schlachtfelde. Nur der Tod des Kaisers
  4097. Max von Mexiko, dessen unglückliche Expedition man in
  4098. erster Linie Napoleon III. zuschrieb, und dessen Fallenlassen
  4099. durch den Franzosen allgemeine Empörung wachrief, verhinderte ein engeres Zusammengehen mit Frankreich. Dennoch lag Habsburg damals auf der Lauer. Wäre der Krieg
  4100. von 1870/71 nicht zu einem so einzigartigen Siegeszug geworden, so hätte der Wiener Hof wohl doch noch das blutige Spiel um die Rache für Sadowa gewagt. Als aber die
  4101. ersten Heldenmären von den Schlachtfeldern eintrafen,
  4102. wundersam und kaum zu glauben, aber dennoch wahr, da
  4103. erkannte der „weiseste“ aller Monarchen die unpassende
  4104. Stunde und machte eine möglichst gute Miene zum bösen
  4105. Spiel.
  4106. Der Heldenkampf dieser beiden Jahre hatte aber noch ein
  4107. Rebellion der Deutschösterreicher
  4108. 103
  4109. viel gewaltigeres Wunder vollbracht; denn bei den Habsburgern entsprach die veränderte Stellungnahme niemals
  4110. dem Drang des inneren Herzens, sondern dem Zwang der
  4111. Verhältnisse. Das deutsche Volk in der alten Ostmark aber
  4112. wurde von dem Siegesrausche des Reiches mitgerissen und
  4113. sah mit tiefer Ergriffenheit das Wiederauferstehen des
  4114. Traumes der Väter zur herrlichsten Wirklichkeit.
  4115. Denn man täusche sich nicht: der wahrhaft deutschgesinnte
  4116. Österreicher hatte auch in Königgrätz von diesen Stunden
  4117. an nur mehr die ebenso tragische wie aber auch notwendige
  4118. Voraussetzung erkannt zur Wiederaufrichtung eines Reiches,
  4119. das nicht mehr mit dem fauligen Marasmus des alten
  4120. Bundes behaftet sein sollte – und es auch nicht mehr war.
  4121. Er lernte vor allem auch am gründlichsten am eigenen
  4122. Leibe zu fühlen, daß das Haus Habsburg seine geschichtliche
  4123. Sendung endlich beendet hatte und das neue Reich nur
  4124. mehr den zum Kaiser küren dürfe, der in seiner heldischen
  4125. Gesinnung der „Krone des Rheines“ ein würdiges Haupt
  4126. zu bieten habe. Wieviel mehr noch aber war das Schicksal
  4127. zu preisen, da es diese Belehnung an dem Sprossen eines
  4128. Hauses vollzog, das in Friedrich dem Großen schon einmal
  4129. der Nation in verschwommener Zeit ein leuchtendes Sinnbild zur Erhebung für immer geschenkt hatte.
  4130. Als aber nach dem großen Kriege das Haus Habsburg
  4131. mit der letzten Entschlossenheit daranging, das gefährliche
  4132. Deutschtum der Doppelmonarchie (dessen innere Gesinnung
  4133. nicht zweifelhaft sein konnte) langsam, aber unerbittlich
  4134. auszurotten – denn dies mußte das Ende der Slawisierungspolitik sein –, da brannte der Widerstand des zum
  4135. Ende bestimmten Volkes empor in einer Art, wie die
  4136. deutsche Geschichte der neueren Zeit dies noch nicht kannte.
  4137. Zum ersten Male wurden national und patriotisch gesinnte Männer Rebellen.
  4138. Rebellen nicht gegen die Nation, auch nicht gegen den
  4139. Staat an sich, sondern Rebellen gegen eine Art der Regierung, die ihrer Überzeugung nach zum Untergang des
  4140. eigenen Volkstums führen mußte.
  4141. Zum ersten Male in der neueren deutschen Geschichte
  4142. 104
  4143. Staatsautorität nicht Selbstzweck
  4144. schied sich der landläufige dynastische Patriotismus von
  4145. nationaler Vaterlands- und Volksliebe.
  4146. Es ist das Verdienst der alldeutschen Bewegung Deutschösterreichs der neunziger Jahre gewesen, in klarer und eindeutiger Weise festgestellt zu haben, daß eine Staatsautorität nur dann das Recht hat, Achtung und Schutz zu verlangen, wenn sie den Belangen eines Volkstums entspricht,
  4147. mindestens ihm nicht Schaden zufügt.
  4148. Staatsautorität als Selbstzweck kann es nicht geben, da
  4149. in diesem Falle jede Tyrannei auf dieser Welt unangreifbar und geheiligt wäre.
  4150. Wenn durch die Hilfsmittel der Regierungsgewalt ein
  4151. Volkstum dem Untergang entgegengeführt wird, dann ist
  4152. die Rebellion eines jeden Angehörigen eines solchen Volkes
  4153. nicht nur Recht, sondern Pflicht.
  4154. Die Frage aber, wann ein solcher Fall gegeben sei, wird
  4155. nicht entschieden durch theoretische Abhandlungen, sondern
  4156. durch die Gewalt und – den Erfolg.
  4157. Da jede Regierungsgewalt selbstverständlich die Pflicht
  4158. der Erhaltung der Staatsautorität für sich in Anspruch
  4159. nimmt, mag sie auch noch so schlecht sein und die Belange
  4160. eines Volkstums tausendmal verraten, so wird der völkische
  4161. Selbsterhaltungstrieb bei Niederkämpfung einer solchen
  4162. Macht, zur Erringung der Freiheit oder Unabhängigkeit,
  4163. dieselben Waffen zu führen haben, mittels deren der Gegner sich zu halten versucht. Der Kampf wird demnach so
  4164. lange mit „legalen“ Mitteln gekämpft werden, solange auch
  4165. die zu stürzende Gewalt sich solcher bedient; es wird aber
  4166. auch nicht vor illegalen zurückzuschrecken sein, wenn auch
  4167. der Unterdrücker solche anwendet.
  4168. Im allgemeinen aber soll nie vergessen werden, daß nicht
  4169. die Erhaltung eines Staates oder gar die einer Regierung
  4170. höchster Zweck des Daseins der Menschen ist, sondern die
  4171. Bewahrung ihrer Art.
  4172. Ist aber einmal diese selber in Gefahr, unterdrückt oder
  4173. gar beseitigt zu werden, dann spielt die Frage der Legalität nur mehr eine untergeordnete Rolle. Es mag dann sein,
  4174. daß sich die herrschende Macht tausendmal sogenannter
  4175. Menschenrecht bricht Staatsrecht
  4176. 105
  4177. „legaler“ Mittel in ihrem Vorgehen bedient, so ist dennoch
  4178. der Selbsterhaltungstrieb der Unterdrückten immer die erhabenste Rechtfertigung für ihren Kampf mit allen Waffen.
  4179. Nur aus der Anerkennung dieses Satzes allein sind die
  4180. Freiheitskämpfe gegen innere und auch äußere Versklavung
  4181. von Völkern auf dieser Erde in so gewaltigen historischen
  4182. Beispielen geliefert worden.
  4183. Menschenrecht bricht Staatsrecht.
  4184. Unterliegt aber ein Volk in seinem Kampf um die Rechte
  4185. des Menschen, dann wurde es eben auf der Schicksalswaage
  4186. zu leicht befunden für das Glück der Forterhaltung auf der
  4187. irdischen Welt. Denn wer nicht bereit oder fähig ist, für
  4188. sein Dasein zu streiten, dem hat die ewig gerechte Vorsehung schon das Ende bestimmt.
  4189. Die Welt ist nicht da für feige Völker.
  4190. Wie leicht es einer Tyrannei aber ist, sich das Mäntelchen einer sogenannten „Legalität“ umzuhängen, zeigte
  4191. wieder am klarsten und eindringlichsten das Beispiel Österreichs.
  4192. Die legale Staatsgewalt fußte damals auf dem deutschfeindlichen Boden des Parlaments mit seinen nichtdeutschen
  4193. Majoritäten – und dem ebenso deutschfeindlichen Herrscherhaus. In diesen beiden Faktoren war die gesamte
  4194. Staatsautorität verkörpert. Von dieser Stelle aus das Los
  4195. des deutschösterreichischen Volkes ändern zu wollen, war
  4196. Unsinn. Damit aber wäre nun nach den Meinungen unserer
  4197. Anbeter des einzig möglichen „legalen“ Weges und der
  4198. Staatsautorität an sich jeder Widerstand, weil mit legalen
  4199. Mitteln nicht durchführbar, zu unterlassen gewesen. Dieses
  4200. aber würde das Ende des deutschen Volkes in der Monarchie mit zwingender Notwendigkeit – und zwar in kurzer Zeit – bedeutet haben. Tatsächlich ist das Deutschtum
  4201. vor diesem Schicksal auch nur durch den Zusammenbruch
  4202. dieses Staates allein gerettet worden.
  4203. Der bebrillte Theoretiker freilich würde immer noch lieber für seine Doktrin sterben als für sein Volk.
  4204. 106
  4205. Die alldeutsche Bewegung
  4206. Da die Menschen sich erst Gesetze schaffen, glaubt er, sie
  4207. wären später für diese da.
  4208. Mit diesem Unsinn zum Entsetzen aller theoretischen
  4209. Prinzipienreiter sowie sonstiger staatlicher Fetischinsulaner
  4210. gründlich aufgeräumt zu haben, war das Verdienst der
  4211. damaligen alldeutschen Bewegung in Österreich.
  4212. Indem die Habsburger versuchten, mit allen Mitteln dem
  4213. Deutschtum auf den Leib zu rücken, griff diese Partei das
  4214. „erhabene“ Herrscherhaus selber, und zwar rücksichtslos an.
  4215. Sie hat zum ersten Male die Sonde an diesen faulen Staat
  4216. gelegt und Hunderttausenden die Augen geöffnet. Es ist ihr
  4217. Verdienst, den herrlichen Begriff der Vaterlandsliebe aus
  4218. der Umarmung dieser traurigen Dynastie erlöst zu haben.
  4219. Ihr Anhang war in der ersten Zeit ihres Auftretens
  4220. außerordentlich groß, ja drohte zu einer förmlichen Lawine
  4221. zu werden. Allein, der Erfolg hielt nicht an. Als ich nach
  4222. Wien kam, war die Bewegung schon längst von der inzwischen zur Macht gelangten christlich-sozialen Partei überflügelt, ja zu einer nahezu vollständigen Bedeutungslosigkeit herabgedrückt worden.
  4223. Dieser ganze Vorgang des Werdens und Vergehens der
  4224. alldeutschen Bewegung einerseits und des unerhörten Aufstiegs der christlich-sozialen Partei andererseits sollte als
  4225. klassisches Studienobjekt für mich von tiefster Bedeutung
  4226. werden.
  4227. Als ich nach Wien kam, standen meine Sympathien voll
  4228. und ganz auf der Seite der alldeutschen Richtung.
  4229. Daß man den Mut aufbrachte, im Parlament den Ruf
  4230. „Hoch Hohenzollern“ auszustoßen, imponierte mir ebenso
  4231. sehr, wie es mich freute; daß man sich immer noch als bloß
  4232. vorübergehend getrennten Bestandteil des Deutschen Reiches betrachtete und keinen Augenblick vergehen ließ, um
  4233. dieses auch öffentlich zu bekunden, erweckte in mir freudige
  4234. Zuversicht; daß man in allen das Deutschtum betreffenden
  4235. Fragen rücksichtslos Farbe bekannte und niemals zu Kompromissen sich herbeiließ, schien mir der einzige noch gangbare Weg zur Rettung unseres Volkes zu sein; daß aber
  4236. die Bewegung nach ihrem erst so herrlichen Aufstieg nun
  4237. Schönerer und Lueger
  4238. 107
  4239. so sehr niedersank, konnte ich nicht verstehen. Noch weniger
  4240. aber, daß die christlich-soziale Partei in dieser gleichen Zeit
  4241. zu so ungeheurer Macht zu gelangen vermochte. Sie war
  4242. damals gerade am Gipfel ihres Ruhmes angelangt.
  4243. Indem ich daranging, beide Bewegungen zu vergleichen,
  4244. gab mir auch hier das Schicksal, durch meine sonstige traurige Lage beschleunigt, den besten Unterricht zum Verständnis der Ursachen dieses Rätsels.
  4245. Ich beginne mein Abwägen zuerst bei den beiden Männern, die als Führer und Begründer der zwei Parteien
  4246. anzusehen sind: Georg v. Schönerer und Dr. Karl Lueger.
  4247. Rein menschlich genommen ragen sie, einer wie der andere, weit über den Rahmen und das Ausmaß der sogenannten parlamentarischen Erscheinungen hinaus. Im
  4248. Sumpfe einer allgemeinen politischen Korruption blieb ihr
  4249. ganzes Leben rein und unantastbar. Dennoch lag meine
  4250. persönliche Sympathie zuerst auf seiten des Alldeutschen
  4251. Schönerer, um sich nur nach und nach dem christlich-sozialen
  4252. Führer ebenfalls zuzuwenden.
  4253. In ihren Fähigkeiten verglichen schien mir schon damals
  4254. Schönerer als der bessere und gründlichere Denker in prinzipiellen Problemen zu sein. Er hat das zwangsläufige
  4255. Ende des österreichischen Staates richtiger und klarer erkannt als irgendein anderer. Würde man besonders im
  4256. Reiche seine Warnungen vor der Habsburgermonarchie
  4257. besser gehört haben, so wäre das Unglück des Weltkrieges
  4258. Deutschlands gegen ganz Europa nie gekommen.
  4259. Allein wenn Schönerer die Probleme ihrem inneren
  4260. Wesen nach erkannte, dann irrte er sich um so mehr in den
  4261. Menschen.
  4262. Hier lag wieder die Stärke Dr. Luegers.
  4263. Dieser war ein seltener Menschenkenner, der sich besonders hütete, die Menschen besser zu sehen, als sie nun einmal sind. Daher rechnete er auch mehr mit den realen
  4264. Möglichkeiten des Lebens, während Schönerer hierfür nur
  4265. wenig Verständnis aufbrachte. Alles, was der Alldeutsche
  4266. auch dachte, war, theoretisch genommen, richtig, allein indem
  4267. die Kraft und das Verständnis fehlte, die theoretische Er-
  4268. 108
  4269. Schönerer und Lueger
  4270. kenntnis der Masse zu vermitteln, sie also in solche Form
  4271. zu bringen, daß sie damit der Aufnahmefähigkeit des breiten Volkes, die nun einmal eine begrenzte ist und bleibt,
  4272. entsprach, war eben alles Erkennen nur seherische Weisheit, ohne jemals praktische Wirklichkeit werden zu können.
  4273. Dieses Fehlen tatsächlicher Menschenkenntnis führte aber
  4274. im weiteren Verlaufe zu einem Irrtum in der Krafteinschätzung ganzer Bewegungen sowie uralter Institutionen.
  4275. Endlich hat Schönerer allerdings erkannt, daß es sich
  4276. hier um Weltanschauungsfragen handelt, aber nicht begriffen, daß sich zum Träger solcher nahezu religiöser Überzeugungen in erster Linie immer nur die breiten Massen
  4277. eines Volkes eignen.
  4278. Er sah in leider nur sehr kleinem Umfang die außerordentliche Begrenztheit des Kampfwillens der sogenannten
  4279. „bürgerlichen“ Kreise schon infolge ihrer wirtschaftlichen
  4280. Stellung, die den einzelnen zuviel zu verlieren befürchten
  4281. läßt und ihn deshalb auch mehr zurückhält.
  4282. Und doch wird im allgemeinen eine Weltanschauung nur
  4283. dann Aussicht auf den Sieg haben, wenn sich die breite
  4284. Masse als Trägerin der neuen Lehre bereit erklärt, den
  4285. notwendigen Kampf auf sich zu nehmen.
  4286. Diesem Mangel an Verständnis für die Bedeutung der
  4287. unteren Volksschichten entsprang dann aber auch die vollständig unzureichende Auffassung über die soziale Frage.
  4288. In all dem war Dr. Lueger das Gegenteil Schönerers.
  4289. Die gründliche Menschenkenntnis ließ ihn die möglichen
  4290. Kräfte ebenso richtig beurteilen, wie er dadurch aber auch
  4291. bewahrt blieb vor einer zu niederen Einschätzung vorhandener Institutionen, ja vielleicht gerade aus diesem Grunde
  4292. sich eher noch solcher als Hilfsmittel zur Erreichung seiner
  4293. Absichten bedienen lernte.
  4294. Er verstand auch nur zu genau, daß die politische Kampfkraft des oberen Bürgertums in der heutigen Zeit nur gering und nicht ausreichend war, einer neuen großen Bewegung den Sieg zu erkämpfen. Daher legte er das Hauptgewicht seiner politischen Tätigkeit auf die Gewinnung von
  4295. Schichten, deren Dasein bedroht war und mithin eher zu
  4296. Schönerer und Lueger
  4297. 109
  4298. einem Ansporn als zu einer Lähmung des Kampfwillens
  4299. wurde. Ebenso war er geneigt, sich all der einmal schon
  4300. vorhandenen Machtmittel zu bedienen, bestehende mächtige
  4301. Einrichtungen sich geneigt zu machen, um aus solchen alten
  4302. Kraftquellen für die eigene Bewegung möglichst großen
  4303. Nutzen ziehen zu können.
  4304. So stellte er seine neue Partei in erster Linie auf den
  4305. vom Untergang bedrohten Mittelstand ein und sicherte
  4306. sich dadurch eine nur sehr schwer zu erschütternde Anhängerschaft von ebenso großer Opferwilligkeit wie zäher Kampfkraft. Sein unendlich klug ausgestaltetes Verhältnis zur
  4307. katholischen Kirche aber gewann ihm in kurzer Zeit die
  4308. jüngere Geistlichkeit in einem Umfange, daß die alte klerikale Partei entweder das Kampffeld zu räumen gezwungen
  4309. war, oder, noch klüger, sich der neuen Partei anschloß, um
  4310. so langsam Position um Position wieder zu gewinnen.
  4311. Würde aber dies allein als das charakteristische Wesen
  4312. des Mannes angesehen werden, dann geschähe ihm schweres Unrecht. Denn zum klugen Taktiker kamen auch die
  4313. Eigenschaften eines wahrhaft großen und genialen Reformators. Freilich auch hier begrenzt durch eine genaue Kenntnis der nun einmal vorhandenen Möglichkeiten sowie auch
  4314. der Fähigkeit der eigenen Person.
  4315. Es war ein unendlich praktisches Ziel, daß sich dieser
  4316. wahrhaft bedeutende Mann gestellt hatte. Er wollte Wien
  4317. erobern. Wien war das Herz der Monarchie, von dieser
  4318. Stadt ging noch das letzte Leben in den krankhaft und alt
  4319. gewordenen Körper des morschen Reiches hinaus. Je gesünder das Herz würde, um so frischer mußte auch der
  4320. übrige Körper aufleben. Ein prinzipiell richtiger Gedanke,
  4321. der aber doch nur eine bestimmte, begrenzte Zeit zur Anwendung kommen konnte.
  4322. Und hierin lag die Schwäche dieses Mannes.
  4323. Was er als Bürgermeister der Stadt Wien geleistet hat,
  4324. ist im besten Sinne des Wortes unsterblich; die Monarchie
  4325. aber vermochte er dadurch nicht mehr zu retten – es war
  4326. zu spät.
  4327. Dieses hatte sein Widersacher Schönerer klarer gesehen.
  4328. 110
  4329. Ursachen des Mißerfolgs Schönerers
  4330. Was Dr. Lueger praktisch angriff, gelang in wundervoller
  4331. Weise; was er sich davon erhoffte, blieb aus.
  4332. Was Schönerer wollte, gelang ihm nicht, was er befürchtete, traf aber leider in furchtbarer Weise ein.
  4333. So haben beide Männer ihr weiteres Ziel nicht erreicht.
  4334. Lueger konnte Österreich nicht mehr retten und Schönerer
  4335. das deutsche Volk nicht mehr vor dem Niedergang bewahren.
  4336. Es ist unendlich lehrreich für unsere heutige Zeit, die
  4337. Ursachen des Versagens beider Parteien zu studieren. Es
  4338. ist dies besonders für meine Freunde zweckmäßig, da in
  4339. vielen Punkten die Verhältnisse heute ähnliche sind wie
  4340. damals und Fehler dadurch vermieden werden können,
  4341. die schon einst zum Ende der einen Bewegung und zur
  4342. Fruchtlosigkeit der anderen geführt hatten.
  4343. Der Zusammenbruch der alldeutschen Bewegung in Österreich hatte in meinen Augen drei Ursachen:
  4344. Erstens die unklare Vorstellung der Bedeutung des
  4345. sozialen Problems gerade für eine neue, ihrem inneren
  4346. Wesen nach revolutionäre Partei.
  4347. Indem sich Schönerer und sein Anhang in erster Linie
  4348. an die bürgerlichen Schichten wandten, konnte das Ergebnis nur ein sehr schwächliches, zahmes sein.
  4349. Das deutsche Bürgertum ist besonders in seinen höheren
  4350. Kreisen, wenn auch von einzelnen ungeahnt, pazifistisch
  4351. bis zur förmlichen Selbstverleugnung, wenn es sich um
  4352. innere Angelegenheiten der Nation oder des Staates handelt. In guten Zeiten, das heißt in diesem Falle also in
  4353. Zeiten einer guten Regierung, ist eine solche Gesinnung ein
  4354. Grund des außerordentlichen Wertes dieser Schichten für
  4355. den Staat; in Zeiten schlechterer Herrschaft aber wirkt sie
  4356. geradezu verheerend. Schon um die Durchführung eines
  4357. wirklich ernsten Kampfes überhaupt zu ermöglichen, mußte
  4358. die alldeutsche Bewegung sich vor allem der Gewinnung der
  4359. Massen widmen. Daß sie dies nicht tat, nahm ihr von vornherein den elementaren Schwung, den eine solche Welle
  4360. nun einmal braucht, wenn sie nicht in kurzer Zeit schon
  4361. verebben soll.
  4362. Ursachen des Mißerfolgs Schönerers
  4363. 111
  4364. Sowie aber dieser Grundsatz nicht von Anfang an ins Auge
  4365. gefaßt und auch durchgeführt wird, verliert die neue
  4366. Partei für später jede Möglichkeit eines Nachholens des
  4367. Versäumten. Denn mit der Aufnahme überaus zahlreicher
  4368. gemäßigt-bürgerlicher Elemente wird sich die innere Einstellung der Bewegung immer nach diesen richten und so
  4369. jede weitere Aussicht zum Gewinnen nennenswerter Kräfte
  4370. aus dem breiten Volke einbüßen. Damit aber wird eine
  4371. solche Bewegung über bloßes Nörgeln und Kritisieren nicht
  4372. mehr hinauskommen. Der mehr oder minder fast religiöse
  4373. Glaube, verbunden mit einer ebensolchen Opferwilligkeit,
  4374. wird nimmermehr zu finden sein; an dessen Stelle wird
  4375. aber das Bestreben treten, durch „positive“ Mitarbeit, das
  4376. heißt in diesem Falle aber durch Anerkennung des Gegebenen, die Härten des Kampfes allmählich abzuschleifen,
  4377. um endlich bei einem faulen Frieden zu landen.
  4378. So ging es auch der alldeutschen Bewegung, weil sie nicht
  4379. von vornherein das Hauptgewicht auf die Gewinnung ihrer
  4380. Anhänger aus den Kreisen der breiten Masse gelegt hatte.
  4381. Sie wurde „bürgerlich, vornehm, gedämpft radikal“.
  4382. Aus diesem Fehler erwuchs ihr aber die zweite Ursache
  4383. des schnellen Untergangs.
  4384. Die Lage in Österreich für das Deutschtum war zur Zeit
  4385. des Auftretens der alldeutschen Bewegung schon verzweifelt.
  4386. Von Jahr zu Jahr war das Parlament mehr zu einer Einrichtung der langsamen Vernichtung des deutschen Volkes
  4387. geworden. Jeder Versuch einer Rettung in zwölfter Stunde
  4388. konnte nur in der Beseitigung dieser Institution eine wenn
  4389. auch kleine Aussicht auf Erfolg bieten.
  4390. Damit trat an die Bewegung eine Frage von prinzipieller Bedeutung heran:
  4391. Sollte man, um das Parlament zu vernichten, in das
  4392. Parlament gehen, um dasselbe, wie man sich auszudrücken
  4393. pflegte, „von innen heraus auszuhöhlen“, oder sollte man
  4394. diesen Kampf von außen angriffsweise gegen diese Einrichtung an und für sich führen?
  4395. Man ging hinein und kam geschlagen heraus.
  4396. Freilich, man mußte hineingehen.
  4397. 112
  4398. Alldeutsche und Parlament
  4399. Den Kampf gegen eine solche Macht von außen durchführen, heißt, sich mit unerschütterlichem Mute rüsten, aber
  4400. auch zu unendlichen Opfern bereit sein. Man greift den
  4401. Stier damit an den Hörnern an und wird viele schwere
  4402. Stöße erhalten, wird manchmal zu Boden stürzen, um sich
  4403. vielleicht einmal nur mit gebrochenen Gliedern wieder erheben zu können, und erst nach schwerstem Ringen wird sich
  4404. der Sieg dem kühnen Angreifer zuwenden. Nur die Größe
  4405. der Opfer wird neue Kämpfer der Sache gewinnen, bis
  4406. endlich der Beharrlichkeit der Lohn des Erfolges wird.
  4407. Dazu aber braucht man die Kinder des Volkes aus den
  4408. breiten Massen.
  4409. Sie allein sind entschlossen und zähe genug, diesen Streit
  4410. bis zum blutigen Ende durchzufechten.
  4411. Diese breite Masse aber besaß die alldeutsche Bewegung
  4412. eben nicht; so blieb ihr auch nichts anderes übrig, als in
  4413. das Parlament zu gehen.
  4414. Es wäre falsch, zu glauben, daß dieser Entschluß das Ergebnis langer innerer seelischer Qualen oder auch nur Überlegungen gewesen wäre; nein, man dachte an gar nichts
  4415. anderes. Die Teilnahme an diesem Unsinn war nur der
  4416. Niederschlag allgemeiner, unklarer Vorstellungen über die
  4417. Bedeutung und die Wirkung einer solchen eigenen Beteiligung an der im Prinzip ja schon als falsch erkannten Einrichtung. Im allgemeinen erhoffte man sich wohl eine Erleichterung der Aufklärung breiterer Volksmassen, indem
  4418. man ja nun vor dem „Forum der ganzen Nation“ zu sprechen Gelegenheit bekam. Auch schien es einzuleuchten, daß
  4419. der Angriff an der Wurzel des Übels erfolgreicher sein
  4420. müsse als das Anstürmen von außen. Durch den Schutz der
  4421. Immunität glaubte man die Sicherheit des einzelnen Vorkämpfers gestärkt, so daß die Kraft des Angriffes sich dadurch nur erhöhen konnte.
  4422. In der Wirklichkeit allerdings kamen die Dinge wesentlich anders.
  4423. Das Forum, vor dem die alldeutschen Abgeordneten sprachen, war nicht größer, sondern eher kleiner geworden; denn
  4424. es spricht jeder nur vor dem Kreis, der ihn zu hören ver-
  4425. Alldeutsche und Parlament
  4426. 113
  4427. mag, oder der durch die Berichte der Presse eine Wiedergabe des Gesprochenen erhält.
  4428. Das größte unmittelbare Forum von Zuhörern stellt aber
  4429. nicht der Hörsaal eines Parlamentes dar, sondern die große
  4430. öffentliche Volksversammlung.
  4431. Denn in ihr befinden sich Tausende von Menschen, die
  4432. nur gekommen sind, um zu vernehmen, was der Redner
  4433. ihnen zu sagen habe, während im Sitzungssaale des Abgeordnetenhauses nur wenige hundert sind, zumeist auch
  4434. nur da, um Diäten in Empfang zu nehmen, keineswegs,
  4435. um etwa die Weisheit des einen oder anderen Herrn
  4436. „Volksvertreters“ in sich hineinleuchten zu lassen.
  4437. Vor allem aber: Es ist dies ja immer das gleiche Publikum, das niemals mehr etwas hinzulernen wird, da ihm
  4438. außer dem Verstande ja auch der hierzu nötige, wenn auch
  4439. noch so bescheidene Wille fehlt.
  4440. Niemals wird einer dieser Volksvertreter von sich aus
  4441. der besseren Wahrheit die Ehre geben, um sich dann auch
  4442. in ihren Dienst zu stellen. Nein, dies wird nicht ein einziger
  4443. tun, außer er hat Grund zu hoffen, durch eine solche Wendung sein Mandat für eine weitere Session noch retten zu
  4444. können. Erst also, wenn es in der Luft liegt, daß die bisherige Partei bei einer kommenden Wahl schlecht abschneiden wird, werden sich diese Zierden von Mannhaftigkeit auf
  4445. den Weg machen und sehen, ob und wie sie zur anderen,
  4446. vermutlich besser abschneidenden Partei oder Richtung zu
  4447. kommen vermögen, wobei dieser Positionswechsel allerdings
  4448. unter einem Wolkenbruch moralischer Begründungen vor
  4449. sich zu gehen pflegt. Daher wird immer, wenn eine bestehende Partei der Ungunst des Volkes in so großem Umfange verfallen erscheint, daß die Wahrscheinlichkeit einer
  4450. vernichtenden Niederlage droht, ein großes Wandern anheben: die parlamentarischen Ratten verlassen das Parteischiff.
  4451. Mit besserem Wissen oder Wollen aber hat dies nichts
  4452. zu tun, sondern nur mit jener hellseherischen Begabung,
  4453. die solch eine Parlamentswanze gerade noch zur rechten
  4454. Zeit warnt und so immer wieder auf ein anderes warmes
  4455. Parteibett fallen läßt.
  4456. 114
  4457. Alldeutsche und Parlament
  4458. Vor einem solchen „Forum“ zu sprechen, heißt aber doch
  4459. wirklich Perlen vor die bekannten Tiere werfen. Das lohnt
  4460. sich wahrhaftig nicht! Der Erfolg kann hier gar nicht anders
  4461. als Null sein.
  4462. Und so war es auch. Die alldeutschen Abgeordneten
  4463. mochten sich die Kehlen heiser reden: die Wirkung blieb
  4464. völlig aus.
  4465. Die Presse aber schwieg sie entweder tot oder zerriß ihre
  4466. Reden so, daß jeglicher Zusammenhang, ja oft sogar der
  4467. Sinn verdreht wurde oder ganz verlorenging und dadurch
  4468. die öffentliche Meinung ein nur sehr schlechtes Bild von den
  4469. Absichten der neuen Bewegung erhielt. Es war ganz bedeutungslos, was die einzelnen Herren sprachen; die Bedeutung lag in dem, was man von ihnen zu lesen bekam.
  4470. Dies aber war ein Auszug aus ihren Reden, der in seiner
  4471. Zerrissenheit nur unsinnig wirken konnte und – sollte.
  4472. Dabei aber bestand das einzige Forum, vor dem sie nun
  4473. in Wahrheit sprachen, aus knapp fünfhundert Parlamentariern, und dies besagt genug.
  4474. Das schlimmste aber war folgendes:
  4475. Die alldeutsche Bewegung konnte nur dann auf Erfolg
  4476. rechnen, wenn sie vom ersten Tage an begriff, daß es sich
  4477. hier nicht um eine neue Partei handeln durfte, als vielmehr um eine neue Weltanschauung. Nur eine solche allein
  4478. vermochte die innere Kraft aufzubringen, diesen riesenhaften Kampf auszufechten. Dazu aber taugen nun einmal
  4479. als Führer nur die allerbesten und auch mutigsten Köpfe.
  4480. Wenn der Kampf für eine Weltanschauung nicht von
  4481. aufopferungsbereiten Helden geführt wird, werden sich in
  4482. kurzer Zeit auch keine todesmutigen Kämpfer mehr finden.
  4483. Wer hier für sein eigenes Dasein ficht, kann für die Allgemeinheit nicht mehr viel übrig haben.
  4484. Um aber diese Voraussetzung sich zu erhalten, ist es notwendig für jedermann, zu wissen, daß die neue Bewegung
  4485. Ehre und Ruhm vor der Nachwelt, in der Gegenwart aber
  4486. nichts bieten kann. Je mehr eine Bewegung zu vergeben
  4487. hat an leicht zu erringenden Posten und Stellen, um so
  4488. größer wird der Zulauf an Minderwertigen sein, bis endlich
  4489. Alldeutsche und Parlament
  4490. 115
  4491. diese politischen Gelegenheitsarbeiter eine erfolgreiche Partei in solcher Zahl überwuchern, daß der redliche Kämpfer
  4492. von einst die alte Bewegung gar nicht mehr wiedererkennt
  4493. und die neu Hinzugekommenen ihn selber als lästigen
  4494. „Unberufenen“ entschieden ablehnen. Damit aber ist die
  4495. „Mission“ einer solchen Bewegung erledigt.
  4496. Sowie die alldeutsche Bewegung sich dem Parlament verschrieb, erhielt sie eben auch „Parlamentarier“ statt Führer
  4497. und Kämpfer. Sie sank damit auf das Niveau einer der
  4498. gewöhnlichen politischen Tagesparteien hinab und verlor
  4499. die Kraft, einem verhängnisvollen Schicksal mit dem Trotz
  4500. des Märtyrertums entgegenzutreten. Statt zu fechten,
  4501. lernte sie nun auch „reden“ und „verhandeln“. Der neue
  4502. Parlamentarier aber empfand es schon in kurzer Zeit als
  4503. schönere, weil risikolosere, Pflicht, die neue Weltanschauung
  4504. mit den „geistigen“ Waffen parlamentarischer Beredsamkeit auszufechten, als sich, wenn nötig, unter Einsatz des
  4505. eigenen Lebens in einen Kampf zu stürzen, dessen Ausgang
  4506. unsicher war, auf alle Fälle jedoch nichts einbringen konnte.
  4507. Da man nun einmal im Parlamente saß, begannen die
  4508. Anhänger draußen auf Wunder zu hoffen und zu warten,
  4509. die natürlich nicht eintraten und auch gar nicht eintreten
  4510. konnten. Man wurde deshalb schon in kurzer Zeit ungeduldig; denn auch das, was man so von den eigenen Abgeordneten zu hören bekam, entsprach in keiner Weise den Erwartungen der Wähler. Dies war leicht erklärlich, da sich
  4511. die feindliche Presse wohl hütete, ein wahrheitsgetreues
  4512. Bild des Wirkens der alldeutschen Vertreter dem Volke zu
  4513. vermitteln.
  4514. Je mehr aber die neuen Volksvertreter Geschmack an der
  4515. doch etwas milderen Art des „revolutionären“ Kampfes
  4516. in Parlament und Landtagen erhielten, um so weniger
  4517. fanden sie sich noch bereit, in die gefährlichere Aufklärungsarbeit der breiten Schichten des Volkes zurückzukehren.
  4518. Die Massenversammlung, der einzige Weg einer wirklich
  4519. wirkungsvollen, weil unmittelbar persönlichen Beeinflussung und dadurch allein möglichen Gewinnung großer
  4520. Volksteile, wurde daher immer mehr zurückgestellt.
  4521. 116
  4522. Die Bedeutung der Rede
  4523. Sowie der Biertisch des Versammlungssaales endgültig
  4524. mit der Tribüne des Parlaments vertauscht war, um von
  4525. diesem Forum aus die Reden statt in das Volk in die
  4526. Häupter seiner sogenannten „Auserwählten“ zu gießen,
  4527. hörte die alldeutsche Bewegung auch auf, eine Volksbewegung zu sein und sank in kurzer Zeit zu einem mehr oder
  4528. minder ernst zu nehmenden Klub akademischer Erörterungen zusammen.
  4529. Der durch die Presse vermittelte schlechte Eindruck wurde
  4530. demgemäß in keiner Weise mehr durch persönliche Versammlungstätigkeit der einzelnen Herren berichtigt, so daß
  4531. endlich das Wort „alldeutsch“ einen sehr üblen Klang in
  4532. den Ohren des breiten Volkes bekam.
  4533. Denn das mögen sich alle die schriftstellernden Ritter und
  4534. Gecken von heute besonders gesagt sein lassen: die größten
  4535. Umwälzungen auf dieser Welt sind nie durch einen Gänsekiel geleitet worden!
  4536. Nein, der Feder blieb es immer nur vorbehalten, sie
  4537. theoretisch zu begründen.
  4538. Die Macht aber, die die großen historischen Lawinen
  4539. religiöser und politischer Art ins Rollen brachte, war seit
  4540. urewig nur die Zauberkraft des gesprochenen Wortes.
  4541. Die breite Masse eines Volkes vor allem unterliegt immer nur der Gewalt der Rede. Alle großen Bewegungen
  4542. aber sind Volksbewegungen, sind Vulkanausbrüche menschlicher Leidenschaften und seelischer Empfindungen, aufgerührt entweder durch die grausame Göttin der Not oder
  4543. durch die Brandfackel des unter die Masse geschleuderten
  4544. Wortes und sind nicht limonadige Ergüsse ästhetisierender
  4545. Literaten und Salonhelden.
  4546. Völkerschicksale vermag nur ein Sturm von heißer Leidenschaft zu wenden, Leidenschaft erwecken aber kann nur,
  4547. wer sie selbst im Innern trägt.
  4548. Sie allein schenkt dann dem von ihr Erwählten die
  4549. Worte, die Hammerschlägen ähnlich die Tore zum Herzen
  4550. eines Volkes zu öffnen vermögen.
  4551. Wem aber Leidenschaft versagt und der Mund verschlos-
  4552. Wirkung auf die Masse
  4553. 117
  4554. sen bleibt, den hat der Himmel nicht zum Verkünder seines
  4555. Willens ausersehen.
  4556. Daher möge jeder Schreiber bei seinem Tintenfasse bleiben, um sich „theoretisch“ zu betätigen, wenn Verstand und
  4557. Können hierfür genügen; zum Führer aber ist er weder
  4558. geboren noch erwählt.
  4559. Eine Bewegung mit großen zielen muß deshalb ängstlich
  4560. bemüht sein, den Zusammenhang mit dem breiten Volke
  4561. nicht zu verlieren.
  4562. Sie hat jede Frage in erster Linie von diesem Gesichtspunkte aus zu prüfen und in dieser Richtung ihre Entscheidung zu treffen.
  4563. Sie muß weiter alles vermeiden, was ihre Fähigkeit,
  4564. auf die Masse zu wirken, mindern oder auch nur schwächen
  4565. könnte, nicht etwa aus „demagogischen“ Gründen heraus,
  4566. nein, sondern aus der einfachen Erkenntnis, daß ohne die
  4567. gewaltige Kraft der Masse eines Volkes keine große Idee,
  4568. mag sie auch noch so hehr und hoch erscheinen, zu verwirklichen ist.
  4569. Die harte Wirklichkeit allein muß den Weg zum Ziel
  4570. bestimmen; unangenehme Wege nicht gehen wollen, heißt
  4571. auf dieser Welt nur zu oft auf das Ziel verzichten; man
  4572. mag dann dies wollen oder nicht.
  4573. Sowie die alldeutsche Bewegung durch ihre parlamentarische Einstellung das Schwergewicht ihrer Tätigkeit statt
  4574. in das Volk in das Parlament verlegte, verlor sie die Zukunft und gewann dafür billige Erfolge des Augenblicks.
  4575. Sie wählte den leichteren Kampf und war damit aber
  4576. des letzten Sieges nicht mehr wert.
  4577. Ich habe gerade diese Fragen schon in Wien auf das
  4578. gründlichste durchgedacht und in ihrem Nichterkennen eine
  4579. der Hauptursachen des Zusammenbruches der Bewegung
  4580. gesehen, die in meinen Augen damals berufen war, die
  4581. Führung des Deutschtums in ihre Hand zu nehmen.
  4582. Die beiden ersten Fehler, die die alldeutsche Bewegung
  4583. scheitern ließen, standen in verwandtschaftlichem Verhältnis zueinander. Die mangelnde Kenntnis der inneren
  4584. Triebkräfte großer Umwälzungen führte zu einer unge-
  4585. 118
  4586. Die Los-von-Rom-Bewegung
  4587. nügenden Einschätzung der Bedeutung der breiten Massen
  4588. des Volkes; daraus ergab sich das geringe Interesse an der
  4589. sozialen Frage, das mangelhafte und ungenügende Werben um die Seele der unteren Schichten der Nation sowie
  4590. auch die dies nur begünstigende Einstellung zum Parlament.
  4591. Hätte man die unerhörte Macht erkannt, die der Masse
  4592. als Trägerin revolutionären Widerstandes zu allen Zeiten
  4593. zukommt, so würde man in sozialer wie in propagandistischer Richtung anders gearbeitet haben. Dann wäre auch
  4594. nicht das Hauptgewicht der Bewegung in das Parlament
  4595. verlegt worden, sondern auf Werkstatt und Straße.
  4596. Aber auch der dritte Fehler trägt den letzten Keim in
  4597. der Nichterkenntnis des Wertes der Masse, die, durch überlegene Geister erst einmal in einer bestimmten Richtung
  4598. in Bewegung gesetzt, dann aber auch, einem Schwungrade
  4599. ähnlich, der Stärke des Angriffs Wucht und gleichmäßige
  4600. Beharrlichkeit gibt.
  4601. Der schwere Kampf, den die alldeutsche Bewegung mit
  4602. der katholischen Kirche ausfocht, ist nur erklärlich aus dem
  4603. ungenügenden Verständnis, das man der seelischen Veranlagung des Volkes entgegenzubringen vermochte.
  4604. Die Ursachen des heftigen Angriffs der neuen Partei
  4605. gegen Rom lagen in folgendem:
  4606. Sobald das Haus Habsburg sich endgültig entschlossen
  4607. hatte, Österreich zu einem slawischen Staate umzugestalten,
  4608. griff man zu jedem Mittel, das in dieser Richtung als
  4609. irgendwie geeignet erschien. Auch religiöse Institutionen
  4610. wurden von diesem gewissenlosesten Herrscherhaus skrupellos in den Dienst der neuen „Staatsidee“ gestellt.
  4611. Die Verwendung tschechischer Pfarreien und ihrer geistlichen Seelsorger war nur eines der vielen Mittel, um zu
  4612. diesem Ziele, einer allgemeinen Verslawung Österreichs, zu
  4613. kommen.
  4614. Der Vorgang spielte sich etwa wie folgt ab:
  4615. In rein deutschen Gemeinden wurden tschechische Pfarrer
  4616. eingesetzt, die langsam aber sicher die Interessen des tschechischen Volkes über die Interessen der Kirchen zu stellen be-
  4617. Die Los-von-Rom-Bewegung
  4618. 119
  4619. gannen und zu Keimzellen des Entdeutschungsprozesses
  4620. wurden.
  4621. Die deutsche Geistlichkeit versagte einem solchen Vorgehen
  4622. gegenüber leider fast vollständig. Nicht nur, daß sie selber
  4623. zu einem ähnlichen Kampfe im deutschen Sinne gänzlich
  4624. unbrauchbar war, vermochte sie auch den Angriffen der anderen nicht mit dem nötigen Widerstande zu begegnen. So
  4625. wurde das Deutschtum, über den Umweg konfessionellen
  4626. Mißbrauchs auf der einen Seite und durch ungenügende
  4627. Abwehr auf der anderen, langsam aber unaufhörlich zurückgedrängt.
  4628. Fand dies im kleinen wie dargelegt statt, so lagen leider
  4629. die Verhältnisse im großen nicht viel anders.
  4630. Auch hier erfuhren die antideutschen Versuche der Habsburger, durch den höheren Klerus vor allem, nicht die gebotene Abwehr, während die Vertretung der deutschen Interessen selber vollständig in den Hintergrund trat.
  4631. Der allgemeine Eindruck konnte nicht anders sein, als
  4632. daß hier eine grobe Verletzung deutscher Rechte durch die
  4633. katholische Geistlichkeit als solche vorläge.
  4634. Damit aber schien die Kirche eben nicht mit dem deutschen
  4635. Volke zu fühlen, sondern sich in ungerechter Weise auf die
  4636. Seite der Feinde desselben zu stellen. Die Wurzel des ganzen Übels aber lag, vor allem nach der Meinung Schönerers,
  4637. in der nicht in Deutschland befindlichen Leitung der katholischen Kirche sowie der dadurch schon allein bedingten
  4638. Feindseligkeit den Belangen unseres Volkstums gegenüber.
  4639. Die sogenannten kulturellen Probleme traten dabei, wie
  4640. damals fast bei allem in Österreich, beinahe ganz in den
  4641. Hintergrund. Maßgebend für die Einstellung der alldeutschen Bewegung zur katholischen Kirche war viel weniger
  4642. die Haltung derselben etwa zur Wissenschaft usw. als vielmehr ihre ungenügende Vertretung deutscher Rechte und
  4643. umgekehrt dauernde Förderung besonders slawischer Anmaßung und Begehrlichkeit.
  4644. Georg Schönerer war nun nicht der Mann, eine Sache
  4645. halb zu tun. Er nahm den Kampf gegen die Kirche auf in
  4646. der Überzeugung, nur durch ihn allein das deutsche Volk
  4647. 120
  4648. Die Los-von-Rom-Bewegung
  4649. noch retten zu können. Die „Los-von-Rom-Bewegung“
  4650. schien das gewaltigste, aber freilich auch schwerste Angriffsverfahren, das die feindliche Hochburg zertrümmern mußte.
  4651. War es erfolgreich, dann war auch die unselige Kirchenspaltung in Deutschland überwunden, und die innere Kraft
  4652. des Reiches und der deutschen Nation konnte durch einen
  4653. solchen Sieg nur auf das ungeheuerlichste gewinnen.
  4654. Allein weder die Voraussetzung noch die Schlußfolgerung
  4655. dieses Kampfes war richtig.
  4656. Ohne Zweifel war die nationale Widerstandskraft der
  4657. katholischen Geistlichkeit deutscher Nationalität in allen das
  4658. Deutschtum betreffenden Fragen geringer als die ihrer
  4659. nichtdeutschen, besonders tschechischen Amtsbrüder.
  4660. Ebenso konnte nur ein Ignorant nicht sehen, daß dem
  4661. deutschen Klerus eine offensive Vertretung deutscher Interessen fast nie auch nur einfiel.
  4662. Allein ebenso mußte jeder nicht Verblendete zugeben, daß
  4663. dies in erster Linie einem Umstande zuzuschreiben ist, unter
  4664. dem wir Deutsche alle insgesamt auf das schwerste zu leiden
  4665. haben: es ist dies unsere Objektivität in der Einstellung zu
  4666. unserem Volkstum genau so wie zu irgend etwas anderem.
  4667. So wie der tschechische Geistliche subjektiv seinem Volke
  4668. gegenüberstand und nur objektiv der Kirche, so war der
  4669. deutsche Pfarrer subjektiv der Kirche ergeben und blieb objektiv gegenüber der Nation. Eine Erscheinung, die wir in
  4670. tausend anderen Fällen zu unserem Unglück genau so beobachten können.
  4671. Es ist dies keineswegs nur ein besonderes Erbteil des
  4672. Katholizismus, sondern frißt bei uns in kurzer Zeit fast
  4673. jede, besonders staatliche oder ideelle Einrichtung an.
  4674. Man vergleiche nur die Stellung, die z.B. unser Beamtentum gegenüber den Versuchen einer nationalen Wiedergeburt einnimmt, mit der, wie sie in solchem Falle die
  4675. Beamtenschaft eines anderen Volkes einnehmen würde.
  4676. Oder glaubt man, daß das Offizierskorps der ganzen anderen Welt etwa in ähnlicher Weise die Belange der Nation
  4677. unter der Phrase der „Staatsautorität“ zurückstellen würde,
  4678. wie dies bei uns seit fünf Jahren selbstverständlich ist, ja
  4679. Die Los-von-Rom-Bewegung
  4680. 121
  4681. sogar noch als besonders verdienstvoll gilt? Nehmen z.B.
  4682. in der Judenfrage nicht beide Konfessionen heute einen
  4683. Standpunkt ein, der weder den Belangen der Nation noch
  4684. den wirklichen Bedürfnissen der Religion entspricht? Man
  4685. vergleiche doch die Haltung eines jüdischen Rabbiners in
  4686. allen Fragen von nur einiger Bedeutung für das Judentum als Rasse mit der Einstellung des weitaus größten
  4687. Teils unserer Geistlichkeit, aber gefälligst beider Konfessionen!
  4688. Wir haben diese Erscheinung immer dann, wenn es sich
  4689. um die Vertretung einer abstrakten Idee an sich handelt.
  4690. „Staatsautorität“, „Demokratie“, „Pazifismus“, „Internationale Solidarität“ usw. sind lauter Begriffe, die bei
  4691. uns fast immer zu so starren, rein doktrinären Vorstellungen werden, daß jede Beurteilung allgemeiner nationaler
  4692. Lebensnotwendigkeiten ausschließlich nur mehr von ihrem
  4693. Gesichtspunkte aus erfolgt.
  4694. Diese unselige Art der Betrachtung aller Belange unter
  4695. dem Gesichtswinkel einer einmal vorgefaßten Meinung
  4696. tötet jedes Vermögen, sich in eine Sache subjektiv hineinzudenken, die objektiv der eigenen Doktrin widerspricht, und
  4697. führt am Ende zu einer vollständigen Umkehrung von Mittel und Zweck. Man wird sich gegen jeden Versuch einer
  4698. nationalen Erhebung wenden, wenn diese nur unter vorhergehender Beseitigung eines schlechten, verderblichen Regiments stattfinden könnte, da dies ja ein Verstoß gegen
  4699. die „Staatsautorität“ wäre, die „Staatsautorität“ aber
  4700. nicht ein Mittel zum Zweck ist, als vielmehr in den Augen
  4701. eines solchen Objektivitäts-Fanatikers den Zweck selber
  4702. darstellt, der genügend ist, um sein ganzes klägliches Leben
  4703. auszufüllen. So würde man sich z.B. mit Entrüstung gegen
  4704. den Versuch einer Diktatur stemmen, selbst wenn ihr Träger
  4705. ein Friedrich der Große und die augenblicklichen Staatskünstler einer Parlamentsmehrheit nur unfähige Zwerge
  4706. oder gar minderwertige Subjekte wären, weil das Gesetz
  4707. der Demokratie einem solchen Prinzipienbock eben heiliger
  4708. erscheint als die Wohlfahrt einer Nation. Es wird also der
  4709. eine die schlechteste Tyrannei, die ein Volk zugrunde richtet,
  4710. 122
  4711. Die Los-von-Rom-Bewegung
  4712. beschirmen, da die „Staatsautorität“ sich augenblicklich in
  4713. ihr verkörpert, während der andere selbst die segensreichste
  4714. Regierung ablehnt, sowie sie nicht seiner Vorstellung von
  4715. „Demokratie“ entspricht.
  4716. Genau so wird unser deutscher Pazifist zu jeder auch noch
  4717. so blutigen Vergewaltigung der Nation, sie mag ruhig von
  4718. den ärgsten Militärgewalten ausgehen, schweigen, wenn
  4719. eine Änderung dieses Loses nur durch Widerstand, also Gewalt, zu erreichen wäre, denn dieses würde ja dem Geiste
  4720. seiner Friedensgesellschaft widersprechen. Der internationale deutsche Sozialist aber kann von der anderen Welt solidarisch ausgeplündert werden, er selber quittiert es mit brüderlicher Zuneigung und denkt nicht an Vergeltung oder
  4721. auch nur Verwahrung, weil er eben ein – Deutscher ist. –
  4722. Dies mag traurig sein, aber eine Sache ändern wollen,
  4723. heißt, sie vorher erkennen müssen.
  4724. Ebenso verhält es sich mit der schwächlichen Vertretung
  4725. deutscher Belange durch einen Teil des Klerus.
  4726. Es ist dies weder boshafter, schlechter Wille an sich, noch
  4727. bedingt durch, sagen wir Befehle von „oben“, sondern wir
  4728. sehen in einer solchen mangelhaften nationalen Entschlossenheit nur die Ergebnisse einer ebenso mangelhaften Erziehung zum Deutschtum von Jugend auf, wie andererseits
  4729. aber einer restlosen Unterwerfung unter die zum Idol gewordene Idee.
  4730. Die Erziehung zur Demokratie, zum Sozialismus internationaler Art, zum Pazifismus usw. ist eine so starre und
  4731. ausschließliche, mithin, von ihnen aus betrachtet, rein subjektive, daß damit auch das allgemeine Bild der übrigen
  4732. Welt unter dieser grundsätzlichen Vorstellung beeinflußt
  4733. wird, während die Stellung zum Deutschtum ja von Jugend
  4734. auf nur eine sehr objektive war. So war der Pazifist,
  4735. indem er sich subjektiv seiner Idee restlos ergibt, bei jeder
  4736. auch noch so ungerechten und schweren Bedrohung seines
  4737. Volkes (sofern er eben ein Deutscher ist) immer erst nach
  4738. dem objektiven Recht suchen und niemals aus reinem
  4739. Selbsterhaltungstrieb sich in die Reihe seiner Herde stellen
  4740. und mitfechten.
  4741. Die Los-von-Rom-Bewegung
  4742. 123
  4743. Wie sehr dies auch für die einzelnen Konfessionen gilt,
  4744. mag noch folgendes zeigen:
  4745. Der Protestantismus vertritt von sich aus die Belange
  4746. des Deutschtums besser, soweit dies in seiner Geburt und
  4747. späteren Tradition überhaupt schon begründet liegt; er versagt jedoch in dem Augenblick, wo diese Verteidigung nationaler Interessen auf einem Gebiete stattfinden müßte, das
  4748. in der allgemeinen Linie seiner Vorstellungswelt und traditionellen Entwicklung entweder fehlt oder gar aus irgendeinem Grunde abgelehnt wird.
  4749. So wird der Protestantismus immer für die Förderung
  4750. alles Deutschtums an sich eintreten, sobald es sich um Dinge
  4751. der inneren Sauberkeit oder auch nationalen Vertiefung,
  4752. um die Verteidigung deutschen Wesens, deutscher Sprache
  4753. und auch deutscher Freiheit handelt, da dieses alles ja fest
  4754. in ihm selber mit begründet liegt; er bekämpft aber sofort
  4755. auf das feindseligste jeden Versuch, die Nation aus der
  4756. Umklammerung ihres tödlichsten Feindes zu retten, da seine
  4757. Stellung zum Judentum nun einmal mehr oder weniger
  4758. fest dogmatisch festgelegt ist. Dabei aber dreht es sich hierbei um die Frage, ohne deren Lösung alle anderen Versuche einer deutschen Wiedergeburt oder einer Erhebung
  4759. vollkommen unsinnig und unmöglich sind und bleiben.
  4760. Ich besaß in meiner Wiener Zeit Muße und Gelegenheit
  4761. genug, auch diese Frage unvoreingenommen zu prüfen und
  4762. konnte dabei noch im täglichen Verkehr die Richtigkeit dieser Anschauung tausendfältig feststellen.
  4763. In diesem Brennpunkt der verschiedensten Nationalitäten
  4764. zeigte sich sofort am klarsten, daß eben nur der deutsche
  4765. Pazifist die Belange der eigenen Nation immer objektiv zu
  4766. betrachten versucht, aber niemals der Jude etwa die des
  4767. jüdischen Volkes; daß nur der deutsche Sozialist „international“ in einem Sinne ist, der ihm dann verbietet, seinem eigenen Volke Gerechtigkeit anders als durch Winseln
  4768. und Flennen bei den internationalen Genossen zu erbetteln, niemals aber auch der Tscheche oder Pole usw.; kurz,
  4769. ich erkannte schon damals, daß das Unglück nur zum Teil
  4770. in diesen Lehren an sich liegt, zum anderen Teil aber in
  4771. 124
  4772. Die Los-von-Rom-Bewegung
  4773. unserer gänzlich ungenügenden Erziehung zum eigenen
  4774. Volkstum überhaupt und in einer dadurch bedingten minderen Hingabe an dasselbe.
  4775. Damit entfiel die erste rein theoretische Begründung des
  4776. Kampfes der alldeutschen Bewegung gegen den Katholizismus an sich.
  4777. Man erziehe das deutsche Volk schon von Jugend an mit
  4778. jener ausschließlichen Anerkennung der Rechte des eigenen
  4779. Volkstums und verpeste nicht schon die Kinderherzen mit
  4780. dem Fluche unserer „Objektivität“ auch in Dingen der Erhaltung des eigenen Ichs, so wird es sich in kurzer Zeit
  4781. zeigen, daß (eine dann aber auch radikale nationale Regierung vorausgesetzt) ebenso wie in Irland, Polen oder
  4782. Frankreich, auch in Deutschland der Katholik immer Deutscher sein wird.
  4783. Den gewaltigsten Beweis hierfür hat aber jene Zeit geliefert, die zum letzten Male unser Volk zum Schutze seines
  4784. Daseins vor dem Richterstuhl der Geschichte antreten ließ
  4785. zu seinem Kampfe auf Leben und Tod.
  4786. Solange nicht die Führung damals von oben fehlte, hat
  4787. das Volk seine Pflicht und Schuldigkeit in überwältigendster Weise erfüllt. Ob protestantischer Pastor oder katholischer Pfarrer, sie trugen beide gemeinsam unendlich bei
  4788. zum so langen Erhalten unserer Widerstandskraft, nicht
  4789. nur an der Front, sondern noch mehr zu Hause. In diesen
  4790. Jahren, und besonders im ersten Aufflammen, gab es
  4791. wirklich in beiden Lagern nur ein einziges heiliges Deutsches Reich, für dessen Bestehen und Zukunft sich jeder
  4792. eben an seinen Himmel wandte.
  4793. Eine Frage hätte sich die alldeutsche Bewegung in Österreich einst vorlegen müssen: Ist die Erhaltung des österreichischen Deutschtums unter einem katholischen Glauben
  4794. möglich oder nicht? Wenn ja, dann durfte sich die politische
  4795. Partei nicht um religiöse oder gar konfessionelle Dinge
  4796. kümmern; wenn aber nein, dann mußte eine religiöse Reformation einsetzen und niemals eine politische Partei.
  4797. Wer über den Umweg einer politischen Organisation zu
  4798. einer religiösen Reformation kommen zu können glaubt,
  4799. Die Los-von-Rom-Bewegung
  4800. 125
  4801. zeigt nur, daß ihm auch jeder Schimmer vom Werden
  4802. religiöser Vorstellungen oder gar Glaubenslehren und deren
  4803. kirchlichen Auswirkungen abgeht.
  4804. Man kann hier wirklich nicht zwei Herren dienen. Wobei
  4805. ich die Gründung oder Zerstörung einer Religion denn
  4806. doch als wesentlich größer halte als die Gründung oder
  4807. Zerstörung eines Staates, geschweige denn einer Partei.
  4808. Man sage ja nicht, daß besagte Angriffe nur die Abwehr
  4809. von Angriffen der anderen Seite waren!
  4810. Sicherlich haben zu allen Zeiten gewissenlose Kerle sich
  4811. nicht gescheut, auch die Religion zum Instrument ihrer politischen Geschäfte (denn um dies handelt es sich bei solchen
  4812. Burschen fast immer und ausschließlich) zu machen; allein
  4813. ebenso sicher ist es falsch, die Religion oder auch die Konfession für eine Anzahl von Lumpen, die mit ihr genau so
  4814. Mißbrauch treiben, wie sie sonst eben wahrscheinlich irgend
  4815. etwas anderes in den Dienst ihrer niederen Instinkte stellen
  4816. würden, verantwortlich zu machen.
  4817. Nichts kann solch einem parlamentarischen Taugenichts
  4818. und Tagedieb besser passen, als wenn ihm so Gelegenheit
  4819. geboten wird, wenigstens nachträglich noch die Rechtfertigung zu seiner politischen Schiebung zu erlangen. Denn sobald man die Religion oder auch die Konfession für seine
  4820. persönliche Schlechtigkeit verantwortlich macht und sie deshalb angreift, ruft der verlogene Bursche sofort unter riesigem Geschrei alle Welt zum Zeugen an, wie berechtigt sein
  4821. Vorgehen bisher war, und wie nur ihm und seiner Mundfertigkeit allein die Rettung von Religion und Kirche zu
  4822. danken sei. Die ebenso dumme wie vergeßliche Mitwelt erkennt dann den wahren Urheber des ganzen Kampfes schon
  4823. des großen Geschreies wegen meistens nicht oder erinnert
  4824. sich seiner nicht mehr, und der Lump hat ja nun eigentlich
  4825. sein Ziel erreicht.
  4826. Daß dies mit Religion gar nichts zu tun hat, weiß so ein
  4827. listiger Fuchs ganz genau; er wird also um so mehr im
  4828. stillen in das Fäustchen lachen, während sein ehrlicher, aber
  4829. ungeschickter Gegner das Spiel verliert, um eines Tages,
  4830. 126
  4831. Die Los-von-Rom-Bewegung
  4832. an Treu und Glauben der Menschheit verzweifelnd, sich
  4833. von allem zurückzuziehen.
  4834. Es wäre aber auch in anderer Hinsicht nur unrecht, die
  4835. Religion als solche oder selbst die Kirche für die Verfehlungen einzelner verantwortlich zu machen. Man vergleiche
  4836. die Größe der vor dem Auge stehenden sichtbaren Organisation mit der durchschnittlichen Fehlerhaftigkeit der Menschen im allgemeinen und wird zugeben müssen, daß das
  4837. Verhältnis von Gutem und Schlechtem dabei besser ist als
  4838. wohl irgendwo anders. Sicher gibt es auch unter den Priestern selber solche, denen ihr heiliges Amt nur ein Mittel
  4839. zur Befriedigung ihres politischen Ehrgeizes ist, ja, die im
  4840. politischen Kampfe in oft mehr als beklagenswerter Weise
  4841. vergessen, daß sie denn doch die Hüter einer höheren
  4842. Wahrheit sein sollten und nicht Vertreter von Lüge und
  4843. Verleumdung – allein auf einen solchen Unwürdigen
  4844. treffen doch auch wieder tausend und mehr ehrenhafte,
  4845. ihrer Mission auf das treueste ergebene Seelsorger, die in
  4846. unserer heutigen ebenso verlogenen als verkommenen
  4847. Zeit wie kleine Inseln aus einem allgemeinen Sumpfe
  4848. herausragen.
  4849. So wenig ich die Kirche als solche verurteile und verurteilen darf, wenn einmal ein verkommenes Subjekt im
  4850. Priesterrock sich in schmutziger Weise an der Sittlichkeit verfehlt, so wenig aber auch, wenn ein anderer unter den vielen sein Volkstum besudelt und verrät, in Zeitläuften, in
  4851. denen dies ohnehin geradezu alltäglich ist. Besonders heute
  4852. möge man dann nicht vergessen, daß auf einen solchen
  4853. Ephialtes auch Tausende treffen, die mit blutendem Herzen
  4854. das Unglück ihres Volkes mitempfinden und genau so wie
  4855. die Besten unserer Nation die Stunde herbeisehnen, in der
  4856. auch uns der Himmel wieder einmal lächeln wird.
  4857. Wer aber zur Antwort gibt, daß es sich hier nicht um so
  4858. kleine Probleme des Alltags handelt, sondern um Fragen
  4859. grundsätzlicher Wahrhaftigkeit oder dogmatischen Inhalts
  4860. überhaupt, dem kann man nur mit einer anderen Frage
  4861. die nötige Antwort geben:
  4862. Glaubst du dich vom Schicksal ausersehen, hier die Wahr-
  4863. Die Los-von-Rom-Bewegung
  4864. 127
  4865. heit zu verkünden, dann tue es; aber habe dann auch den
  4866. Mut, dies nicht über den Umweg einer politischen Partei
  4867. tun zu wollen – denn dies ist auch eine Schiebung –, sondern stelle eben an Stelle des Schlechteren von jetzt dein
  4868. Besseres der Zukunft auf.
  4869. Fehlt es dir hier an Mut, oder ist dir dein Besseres selber nicht ganz klar, dann lasse die Finger davon; auf
  4870. alle Fälle aber versuche nicht, was du mit offenem Visier
  4871. nicht zu tun dir getraust, über den Umweg einer politischen
  4872. Bewegung zu erschleichen.
  4873. Politische Parteien haben mit religiösen Problemen, solange sie nicht als volksfremd die Sitte und Moral der
  4874. eigenen Rasse untergraben, nichts zu schaffen; genau so wie
  4875. Religion nicht mit politischem Parteiunfug zu verquicken ist.
  4876. Wenn kirchliche Würdenträger sich religiöser Einrichtungen oder auch Lehren bedienen, um ihr Volkstum zu
  4877. schädigen, so darf man ihnen auf diesem Wege niemals
  4878. folgen und mit gleichen Waffen kämpfen.
  4879. Dem politischen Führer haben religiöse
  4880. Lehren und Einrichtungen seines Volkes
  4881. immer unantastbar zu sein, sonst darf er
  4882. nicht Politiker sein, sondern soll Reformator werden, wenn er das Zeug hierzu
  4883. besitzt!
  4884. Eine andere Haltung würde vor allem in Deutschland
  4885. zu einer Katastrophe führen.
  4886. Bei dem Studium der alldeutschen Bewegung und ihres
  4887. Kampfes gegen Rom bin ich damals und besonders im
  4888. Laufe späterer Jahre zu folgender Überzeugung gelangt:
  4889. Das geringe Verständnis dieser Bewegung für die Bedeutung des sozialen Problems kostete sie die wahrhaft
  4890. kampfkräftige Masse des Volkes; das Hineingehen in das
  4891. Parlament nahm ihr den gewaltigen Schwung und belastete sie mit allen dieser Institution eigenen Schwächen;
  4892. der Kampf gegen die katholische Kirche machte sie in zahlreichen kleinen und mittleren Kreisen unmöglich und
  4893. raubte ihr damit unzählige der besten Elemente, die die
  4894. Nation überhaupt ihr eigen nennen kann.
  4895. 128
  4896. Die Los-von-Rom-Bewegung
  4897. Das praktische Ergebnis des österreichischen Kulturkampfes war fast gleich Null.
  4898. Wohl gelang es, der Kirche gegen hunderttausend Mitglieder zu entreißen, allein ohne daß diese dadurch auch nur
  4899. einen besonderen Schaden erlitten hätte. Sie brauchte den
  4900. verlorenen „Schäflein“ in diesem Falle wirklich keine Träne
  4901. nachzuweinen; denn sie verlor nur, was ihr vorher schon
  4902. längst innerlich nicht mehr voll gehörte. Dies war der
  4903. Unterschied der neuen Reformation gegenüber der einstigen: daß einst viele der Besten der Kirche sich von ihr
  4904. wendeten aus innerer religiöser Überzeugung heraus,
  4905. während jetzt nur die ohnehin Lauen gingen, und zwar
  4906. aus „Erwägungen“ politischer Natur.
  4907. Gerade vom politischen Gesichtspunkte aus aber war das Ergebnis ebenso lächerlich wie doch wieder traurig.
  4908. Wieder war eine erfolgversprechende politische Heilsbewegung der deutschen Nation zugrunde gegangen, weil
  4909. sie nicht mit der nötigen rücksichtslosen Nüchternheit geführt worden war, sondern sich auf Gebiete verlor, die nur
  4910. zu einer Zersplitterung führen mußten.
  4911. Denn eines ist sicher wahr:
  4912. Die alldeutsche Bewegung würde diesen Fehler wohl nie
  4913. gemacht haben, wenn sie nicht zu wenig Verständnis für
  4914. die Psyche der breiten Masse besessen hätte. Würde ihren
  4915. Führern bekannt gewesen sein, daß man, um überhaupt
  4916. Erfolge erringen zu können, schon aus rein seelischen Erwägungen heraus der Masse niemals zwei und mehr Gegner zeigen darf, da dies sonst zu einer vollständigen Zersplitterung der Kampfkraft führt, so wäre schon aus diesem
  4917. Grunde die Stoßrichtung der alldeutschen Bewegung nur
  4918. auf einen Gegner allein eingestellt worden. Es ist nichts
  4919. gefährlicher für eine politische Partei, als wenn sie sich in
  4920. ihren Entschließungen von jenen Hansdampfgesellen in
  4921. allen Gassen leiten läßt, die alles wollen, ohne auch nur
  4922. das Geringste je wirklich erreichen zu können.
  4923. Auch wenn an der einzelnen Konfession noch soviel wirklich auszustellen wäre, so darf die politische Partei doch
  4924. nicht einen Augenblick die Tatsache aus dem Auge ver-
  4925. Konzentration auf einen Gegner
  4926. 129
  4927. lieren, daß es nach aller bisherigen Erfahrung der Geschichte noch niemals einer rein politischen Partei in ähnlichen Lagen gelungen war, zu einer religiösen Reformation zu kommen. Man studiert aber nicht Geschichte, um
  4928. dann, wenn sie zur praktischen Anwendung kommen sollte,
  4929. sich ihrer Lehren nicht zu erinnern oder zu glauben, daß
  4930. nun die Dinge eben anders lägen, mithin ihre urewigen
  4931. Wahrheiten nicht mehr anzuwenden wären, sondern man
  4932. lernt aus ihr gerade die Nutzanwendung für die Gegenwart. Wer dies nicht fertigbringt, der bilde sich nicht ein,
  4933. politischer Führer zu sein; er ist in Wahrheit ein seichter,
  4934. wenn auch meist sehr eingebildeter Tropf, und aller gute
  4935. Wille entschuldigt nicht seine praktische Unfähigkeit.
  4936. Überhaupt besteht die Kunst aller wahrhaft großen
  4937. Volksführer zu allen Zeiten in erster Linie mit darin,
  4938. die Aufmerksamkeit eines Volkes nicht zu zersplittern, sondern immer auf einen einzigen Gegner zu konzentrieren.
  4939. Je einheitlicher dieser Einsatz des Kampfwillens eines
  4940. Volkes stattfindet, um so größer wird die magnetische Anziehungskraft einer Bewegung sein, und um so gewaltiger
  4941. die Wucht des Stoßes. Es gehört zur Genialität eines
  4942. großen Führers, selbst auseinanderliegende Gegner immer
  4943. als nur zu einer Kategorie gehörend erscheinen zu lassen,
  4944. weil die Erkenntnis verschiedener Feinde bei schwächlichen
  4945. und unsicheren Charakteren nur zu leicht zum Anfang des
  4946. Zweifels am eigenen Rechte führt.
  4947. Sowie die schwankende Masse sich im Kampfe gegen zu
  4948. viele Feinde sieht, wird sich sofort die Objektivität einstellen und die Frage aufwerfen, ob wirklich alle anderen
  4949. unrecht haben und nur das eigene Volk oder die eigene
  4950. Bewegung allein sich im Rechte befinde.
  4951. Damit aber kommt auch schon die erste Lähmung der
  4952. eigenen Kraft. Daher muß eine Vielzahl von innerlich verschiedenen Gegnern immer zusammengefaßt werden, so daß
  4953. in der Einsicht der Masse der eigenen Anhänger der Kampf
  4954. nur gegen einen Feind allein geführt wird. Dies stärkt den
  4955. Glauben an das eigene Recht und steigert die Erbitterung
  4956. gegen den Angreifer auf dasselbe.
  4957. 6
  4958. 130
  4959. Der Weg der Christlich-Sozialen
  4960. Daß die alldeutsche Bewegung von einst dies nicht begriff, kostete sie den Erfolg.
  4961. Ihr Ziel war richtig gesehen, das Wollen rein, der eingeschlagene Weg aber falsch. Sie glich einem Bergsteiger,
  4962. der den zu erklimmenden Gipfel wohl im Auge behält, auch
  4963. mit größter Entschiedenheit und Kraft sich auf den Weg
  4964. macht, allein diesem selber keine Beachtung schenkt, sondern, immer den Blick auf das Ziel gerichtet, die Beschaffenheit des Aufstiegs weder sieht noch prüft und daran
  4965. endlich scheitert.
  4966. Umgekehrt schien das Verhältnis bei der großen Konkurrentin, der christlich-sozialen Partei, zu liegen.
  4967. Der Weg, den sie einschlug, war klug und richtig gewählt, allein es fehlte die klare Erkenntnis über das Ziel.
  4968. In fast allen Belangen, in denen die alldeutsche Bewegung fehlte, war die Einstellung der christlich-sozialen Partei richtig und planvoll.
  4969. Sie besaß das nötige Verständnis für die Bedeutung
  4970. der Masse und sicherte sich wenigstens einen Teil derselben
  4971. durch offensichtliche Betonung ihres sozialen Charakters
  4972. vom ersten Tage an. Indem sie sich in wesentlicher Weise
  4973. auf die Gewinnung des kleinen und unteren Mittel- und
  4974. Handwerkerstandes einstellte, erhielt sie eine ebenso treue
  4975. wie ausdauernde und opferwillige Gefolgschaft. Sie vermied jeden Kampf gegen eine religiöse Einrichtung und
  4976. sicherte sich dadurch die Unterstützung einer so mächtigen
  4977. Organisation, wie sie die Kirche nun einmal darstellt. Sie
  4978. besaß demzufolge auch nur einen einzigen wahrhaft großen
  4979. Hauptgegner. Sie erkannte den Wert einer großzügigen
  4980. Propaganda und war Virtuosin im Einwirken auf die
  4981. seelischen Instinkte der breiten Masse ihrer Anhänger.
  4982. Daß auch sie dennoch nicht das erträumte Ziel einer
  4983. Rettung Österreichs zu erreichen vermochte, lag in zwei
  4984. Mängeln ihres Weges sowie in der Unklarheit über das Ziel
  4985. selber.
  4986. Der Antisemitismus der neuen Bewegung war statt auf
  4987. rassischer Erkenntnis auf religiöser Vorstellung aufgebaut.
  4988. Judenbekämpfung auf religiöser Grundlage
  4989. 131
  4990. Der Grund, warum dieser Fehler unterlief, war der gleiche,
  4991. der auch den zweiten Irrtum veranlaßte.
  4992. Wollte die christlich-soziale Partei Österreich retten, dann
  4993. durfte sie sich, nach der Meinung ihrer Begründer, nicht auf
  4994. den Standpunkt des Rassenprinzips stellen, da sonst in kurzer Zeit eine allgemeine Auflösung des Staates eintreten
  4995. mußte. Besonders aber die Lage in Wien selber erforderte,
  4996. nach der Ansicht der Führer der Partei, eine möglichst
  4997. große Beiseitelassung aller trennenden Momente und an
  4998. deren Stelle ein Hervorheben aller einigenden Gesichtspunkte.
  4999. Wien war zu dieser Zeit schon so stark, besonders mit
  5000. tschechischen Elementen, durchsetzt, daß nur größte Toleranz
  5001. in bezug auf alle Rassenprobleme diese noch in einer nicht
  5002. von vornherein deutsch-feindlichen Partei zu halten vermochte. Wollte man Österreich retten, durfte auf sie nicht
  5003. verzichtet werden. So versuchte man die besonders sehr
  5004. zahlreichen tschechischen Kleingewerbetreibenden in Wien
  5005. zu gewinnen durch den Kampf gegen das liberale Manchestertum und glaubte dabei eine über alle Völkerunterschiede des alten Österreich hinwegführende Parole im
  5006. Kampf gegen das Judentum auf religiöser Grundlage gefunden zu haben.
  5007. Daß eine solche Bekämpfung auf solcher Grundlage der
  5008. Judenheit nur begrenzte Sorge bereitete, liegt auf der
  5009. Hand. Im schlimmsten Falle rettete ein Guß Taufwasser
  5010. immer noch Geschäft und Judentum zugleich.
  5011. Mit einer solchen oberflächlichen Begründung kam man
  5012. auch niemals zu einer ernstlichen wissenschaftlichen Behandlung des ganzen Problems und stieß dadurch nur zu viele,
  5013. denen diese Art von Antisemitismus unverständlich sein
  5014. mußte, überhaupt zurück. Die werbende Kraft der Idee war
  5015. damit fast ausschließlich an geistig beschränkte Kreise gebunden, wenn man nicht vom rein gefühlsmäßigen Empfinden hinweg zu einer wirklichen Erkenntnis kommen
  5016. wollte. Die Intelligenz verhielt sich grundsätzlich ablehnend.
  5017. Die Sache erhielt so mehr und mehr den Anstrich, als
  5018. handle es sich bei der ganzen Angelegenheit nur um den
  5019. 6*
  5020. 132
  5021. Judenbekämpfung auf religiöser Grundlage
  5022. Versuch einer neuen Judenbekehrung oder gar um den
  5023. Ausdruck eines gewissen Konkurrenzneides. Damit aber
  5024. verlor der Kampf das Merkmal einer inneren und höheren
  5025. Weihe und erschien vielen, und nicht gerade den Schlechtesten, als unmoralisch und verwerflich. Es fehlte die Überzeugung, daß es sich hier um eine Lebensfrage der gesamten Menschheit handle, von deren Lösung das Schicksal aller
  5026. nichtjüdischen Völker abhänge.
  5027. An dieser Halbheit ging der Wert der antisemitischen
  5028. Einstellung der christlich-sozialen Partei verloren.
  5029. Es war ein Scheinantisemitismus, der fast schlimmer
  5030. war als überhaupt keiner; denn so wurde man in Sicherheit eingelullt, glaubte den Gegner an den Ohren zu haben,
  5031. wurde jedoch selbst an der Nase geführt.
  5032. Der Jude aber hatte sich schon in kurzer Zeit auch an
  5033. diese Art von Antisemitismus so gewähnt, daß ihm sein
  5034. Wegfall sicher mehr gefehlt haben würde, als ihn sein Vorhandensein behinderte.
  5035. Mußte man hier schon dem Nationalitätenstaat ein
  5036. schweres Opfer bringen, so noch viel mehr der Vertretung
  5037. des Deutschtums an sich.
  5038. Man durfte nicht „nationalistisch“ sein, wollte man nicht
  5039. in Wien selber den Boden unter den Füßen verlieren.
  5040. Man hoffte durch ein sanftes Umgehen dieser Frage den
  5041. Habsburgerstaat noch zu retten und trieb ihn gerade dadurch in das Verderben. Die Bewegung aber verlor damit
  5042. die gewaltige Kraftquelle, die allein auf die Dauer eine
  5043. politische Partei mit innerer Triebkraft aufzufüllen vermag. Die christlich-soziale Bewegung wurde gerade dadurch
  5044. zu einer Partei wie eben jede andere auch.
  5045. Ich habe beide Bewegungen einst auf das aufmerksamste
  5046. verfolgt, die eine aus dem Pulsschlag des inneren Herzens heraus, die andere, hingerissen von Bewunderung
  5047. für den seltenen Mann, der mir schon damals wie ein
  5048. bitteres Symbol des ganzen österreichischen Deutschtums
  5049. erschien.
  5050. Als der gewaltige Leichenzug den toten Bürgermeister
  5051. vom Rathaus hinweg der Ringstraße zu fuhr, befand auch
  5052. Alldeutsche und Christlich-Soziale
  5053. 133
  5054. ich mich unter den vielen Hunderttausenden, die dem
  5055. Trauerspiel zusahen. In innerer Ergriffenheit sagte mir
  5056. dabei das Gefühl, daß auch das Werk dieses Mannes vergeblich sein müßte durch das Verhängnis, das diesen Staat
  5057. unweigerlich dem Untergang entgegenführen würde. Hätte
  5058. Dr. Karl Lueger in Deutschland gelebt, würde er in die
  5059. Reihe der großen Köpfe unseres Volkes gestellt worden
  5060. sein; daß er in diesem unmöglichen Staate wirkte, war das
  5061. Unglück seines Werkes und seiner selbst.
  5062. Als er starb, zuckten bereits die Flämmchen auf dem
  5063. Balkan von Monat zu Monat gieriger hervor, so daß ihm
  5064. das Schicksal gnädig das zu sehen erließ, was er noch
  5065. glaubte verhüten zu können.
  5066. Ich aber versuchte, aus dem Versagen der einen Bewegung und dem Mißlingen der zweiten die Ursachen herauszufinden und kam zur sicheren Überzeugung, daß, ganz
  5067. abgesehen von der Unmöglichkeit, im alten Österreich noch
  5068. eine Festigung des Staates zu erreichen, die Fehler der
  5069. beiden Parteien folgende waren:
  5070. Die alldeutsche Bewegung hatte wohl recht in ihrer prinzipiellen Ansicht über das Ziel einer deutschen Erneuerung,
  5071. war jedoch unglücklich in der Wahl des Weges. Sie war
  5072. nationalistisch, allein leider nicht sozial genug, um die
  5073. Masse zu gewinnen. Ihr Antisemitismus aber beruhte auf
  5074. der richtigen Erkenntnis der Bedeutung des Rassenproblems und nicht auf religiösen Vorstellungen. Ihr Kampf
  5075. gegen eine bestimmte Konfession war dagegen tatsächlich
  5076. und taktisch falsch.
  5077. Die christlich-soziale Bewegung besaß eine unklare Vorstellung über das Ziel einer deutschen Wiedergeburt, hatte
  5078. aber Verstand und Glück beim Suchen ihrer Wege als Partei. Sie begriff die Bedeutung der sozialen Frage, irrte in
  5079. ihrem Kampf gegen das Judentum und besaß keine Ahnung
  5080. von der Macht des nationalen Gedanken.
  5081. Hätte die christlich-soziale Partei zu ihrer klugen
  5082. Kenntnis der breiten Masse noch die richtige Vorstellung
  5083. von der Bedeutung des Rassenproblems, wie dies die alldeutsche Bewegung erfaßt hatte, besessen, und wäre sie selber
  5084. 134 Wachsende Abneigung gegen den Habsburgerstaat
  5085. endlich nationalistisch gewesen, oder würde die alldeutsche
  5086. Bewegung zu ihrer richtigen Erkenntnis des Zieles der
  5087. Judenfrage und der Bedeutung des Nationalgedankens
  5088. noch die praktische Klugheit der christlich-sozialen Partei,
  5089. besonders aber deren Einstellung zum Sozialismus, angenommen haben, dann würde dies jene Bewegung ergeben haben, die schon damals meiner Überzeugung nach
  5090. mit Erfolg in das deutsche Schicksal hätte eingreifen
  5091. können.
  5092. Daß dies nicht so war, lag zum weitaus größten Teil
  5093. aber am Wesen des österreichischen Staates.
  5094. Da ich meine Überzeugung in keiner anderen Partei
  5095. verwirklicht sah, konnte ich mich in der Folgezeit auch
  5096. nicht mehr entschließen, in eine der bestehenden Organisationen einzutreten oder gar mitzukämpfen. Ich hielt schon
  5097. damals sämtliche der politischen Bewegungen für verfehlt
  5098. und für unfähig, eine nationale Wiedergeburt des deutschen Volkes in größerem und nicht äußerlichem Umfange
  5099. durchzuführen.
  5100. Meine innere Abneigung aber dem habsburgischen Staate
  5101. gegenüber wuchs in dieser Zeit immer mehr an.
  5102. Je mehr ich mich besonders auch mit außenpolitischen
  5103. Fragen zu beschäftigen begann, um so mehr gewann meine
  5104. Überzeugung Boden, daß dieses Staatsgebilde n u r zum
  5105. Unglück des Deutschtums werden müßte. Immer klarer
  5106. sah ich endlich auch, daß das Schicksal der deutschen Nation
  5107. nicht mehr von dieser Stelle aus entschieden würde, sondern
  5108. im Reiche selber. Dies galt aber nicht nur für allgemeine
  5109. politische Fragen, sondern nicht minder auch für alle Erscheinungen des gesamten Kulturlebens überhaupt.
  5110. Der österreichische Staat zeigte auch hier auf dem Gebiete rein kultureller oder künstlerischer Angelegenheiten
  5111. alle Merkmale der Erschlaffung, mindestens aber der Bedeutungslosigkeit für die deutsche Nation. Am meisten galt
  5112. dies für das Gebiet der Architektur. Die neuere Baukunst
  5113. konnte schon deshalb in Österreich nicht zu besonders großen Erfolgen kommen, weil die Aufgaben seit dem Ausbau der Ringstraße wenigstens in Wien nur mehr unbe-
  5114. Österreich – ein altes Mosaikbild
  5115. 135
  5116. deutende waren gegenüber den in Deutschland aufsteigenden Plänen.
  5117. So begann ich immer mehr ein Doppelleben zu führen;
  5118. Verstand und Wirklichkeit hießen mich in Österreich eine
  5119. ebenso bittere wie segensreiche Schule durchmachen, allein
  5120. das Herz weilte wo anders.
  5121. Eine beklemmende Unzufriedenheit hatte damals von
  5122. mir Besitz ergriffen, je mehr ich die innere Hohlheit dieses Staates erkannte, die Unmöglichkeit, ihn noch zu retten, aber dabei mit aller Sicherheit empfand, daß er in
  5123. allem und jedem nur noch das Unglück des deutschen Volkes darstellen konnte.
  5124. Ich war überzeugt, daß dieser Staat jeden wahrhaft großen Deutschen ebenso beengen und behindern mußte, wie
  5125. er umgekehrt jede undeutsche Erscheinung fördern würde.
  5126. Widerwärtig war mir das Rassenkonglomerat, das die
  5127. Reichshauptstadt zeigte, widerwärtig dieses ganze Völkergemisch von Tschechen, Polen, Ungarn, Ruthenen, Serben
  5128. und Kroaten usw., zwischen allem aber als ewiger Spaltpilz der Menschheit – Juden und wieder Juden.
  5129. Mir erschien die Riesenstadt als die Verkörperung der
  5130. Blutschande.
  5131. Mein Deutsch der Jugendzeit war der Dialekt, den auch
  5132. Niederbayern spricht; ich vermochte ihn weder zu vergessen,
  5133. noch den Wiener Jargon zu lernen. Je länger ich in dieser
  5134. Stadt weilte, um so mehr stieg mein Haß gegen das fremde
  5135. Völkergemisch, das diese alte deutsche Kulturstätte zu zerfressen begann.
  5136. Der Gedanke aber, daß dieser Staat noch längere Zeit
  5137. zu halten wäre, erschien mir geradezu lächerlich.
  5138. Österreich war damals wie ein altes Mosaikbild, dessen
  5139. Kitt, der die einzelnen Steinchen zusammenbindet, alt und
  5140. bröcklig geworden; solange das Kunstwerk nicht berührt
  5141. wird, vermag es noch sein Dasein weiter vorzutäuschen,
  5142. sowie es jedoch einen Stoß erhält, bricht es in tausend
  5143. Scherbchen auseinander. Die Frage war also nur die, wann
  5144. der Stoß kommen würde. –
  5145. Da mein Herz niemals für eine österreichische Monarchie,
  5146. 136
  5147. Die Schule meines Lebens
  5148. sondern immer nur für ein Deutsches Reich schlug, konnte
  5149. mir die Stunde des Zerfalls dieses Staates nur als der
  5150. Beginn der Erlösung der deutschen Nation erscheinen.
  5151. Aus all diesen Gründen entstand immer stärker die
  5152. Sehnsucht, endlich dorthin zu gehen, wo seit so früher
  5153. Jugend mich heimliche Wünsche und heimliche Liebe hinzogen.
  5154. Ich hoffte, dereinst als Baumeister mir einen Namen
  5155. zu machen und so, in kleinem oder großem Rahmen, den
  5156. mir das Schicksal dann eben schon zuweisen würde, der
  5157. Nation meinen redlichen Dienst zu weihen.
  5158. Endlich aber wollte ich das Glücks teilhaftig werden,
  5159. an der Stelle sein und wirken zu dürfen, von der einst ja
  5160. auch mein brennendster Herzenswunsch in Erfüllung gehen
  5161. mußte: der Anschluß meiner geliebten Heimat an das gemeinsame Vaterland, das Deutsche Reich.
  5162. Viele werden die Größe einer solchen Sehnsucht auch
  5163. heute noch nicht begreifen vermögen, allein ich wende
  5164. mich an die, denen das Schicksal entweder bisher dieses
  5165. Glück verweigert oder in grausamer Härte wieder genommen hat; ich wende mich an alle die, die, losgelöst vom
  5166. Mutterlande, selbst um das heilige Gut der Sprache zu
  5167. kämpfen haben, die wegen ihrer Gesinnung der Treue dem
  5168. Vaterlande gegenüber verfolgt und gepeinigt werden,
  5169. und die nun im schmerzlicher Ergriffenheit die Stunde
  5170. ersehnen, die sie wieder an das Herz der teuren Mutter
  5171. zurückkehren läßt; ich wende mich an alle diese und weiß:
  5172. Sie werden mich verstehen!
  5173. Nur wer selber am eigenen Leibe fühlt, was es heißt,
  5174. Deutscher zu sein, ohne dem lieben Vaterlande angehören
  5175. zu dürfen, vermag die tiefe Sehnsucht zu ermessen, die zu
  5176. allen Zeiten im Herzen der vom Mutterlande getrennten
  5177. Kinder brennt. Sie quält die von ihr Erfaßten und verweigert ihnen Zufriedenheit und Glück so lange, bis die
  5178. Tore des Vaterhauses sich öffnen und im gemeinsamen
  5179. Reiche das gemeinsame Blut Frieden und Ruhe wiederfindet.
  5180. Die Schule meines Lebens
  5181. 137
  5182. Wien aber war und blieb für mich die schwerste, wenn
  5183. auch gründlichste Schule meines Lebens. Ich hatte diese
  5184. Stadt einst betreten als ein halber Junge noch und verließ sie als still und ernst gewordener Mensch. Ich erhielt
  5185. in ihr die Grundlagen für eine Weltanschauung im großen und eine politische Betrachtungsweise im kleinen, die
  5186. ich später nur noch im einzelnen zu ergänzen brauchte, die
  5187. mich aber nie mehr verließen. Den rechten Wert der damaligen Lehrjahre vermag ich freilich selber erst heute
  5188. voll zu schätzen.
  5189. Deshalb habe ich diese Zeit etwas ausführlicher behandelt, da sie mir gerade in jenen Fragen den ersten Anschauungsunterricht erteilte, die mit zu den Grundlagen
  5190. der Partei gehören, die, aus kleinsten Anfängen entstehend,
  5191. sich im Laufe von kaum fünf Jahren zu einer großen
  5192. Massenbewegung zu entwickeln anschickt. Ich weiß nicht,
  5193. wie meine Stellung zum Judentum, zur Sozialdemokratie,
  5194. besser zum gesamten Marxismus, zur sozialen Frage usw.
  5195. heute wäre, wenn nicht schon ein Grundstock persönlicher
  5196. Anschauungen in so früher Zeit durch den Druck des Schicksals – und durch eigenes Lernen sich gebildet hätte.
  5197. Denn, wenn auch das Unglück des Vaterlandes Tausende
  5198. und aber Tausende zum Denken anzuregen vermag über
  5199. die inneren Gründe des Zusammenbruches, so kann dies
  5200. doch niemals zu jener Gründlichkeit und tieferen Einsicht
  5201. führen, die sich dem erschließt, der selber erst nach jahrelangem Ringen Herr des Schicksals wurde.
  5202. 4. Kapitel
  5203. München
  5204. I m Frühjahr 1912 kam ich endgültig nach München.
  5205. Die Stadt selber war mir so gut bekannt, als ob
  5206. ich schon seit Jahren in ihrem Mauern geweilt hätte. Es
  5207. lag dies begründet in meinem Studium, das mich auf
  5208. Schritt und Tritt ja auf diese Metropole der deutschen
  5209. Kunst hinwies. Man hat nicht nur Deutschland nicht gesehen, wenn man München nicht kennt, nein, man kennt
  5210. vor allem die deutsche Kunst nicht, wenn man München
  5211. nicht sah.
  5212. Jedenfalls war diese Zeit vor dem Kriege die glücklichste
  5213. und weitaus zufriedenste meines Lebens. Wenn auch mein
  5214. Verdienst immer noch sehr kärglich war, so lebte ich ja nicht,
  5215. um malen zu können, sondern malte, um mir dadurch nur
  5216. die Möglichkeit meines Lebens zu sichern, besser, um mir
  5217. damit mein weiteres Studium zu gestatten. Ich besaß die
  5218. Überzeugung, mein Ziel, das ich mir gesteckt hatte, einst
  5219. eben dennoch zu erreichen. Und dies ließ mich allein schon
  5220. alle sonstigen kleinen Sorgen des täglichen Daseins leicht
  5221. und unbekümmert ertragen.
  5222. Dazu aber kam noch die innere Liebe, die mich zu dieser
  5223. Stadt mehr als zu einem anderen mir bekannten Orte
  5224. fast schon von der ersten Stunde meines Aufenthaltes erfaßte. Eine d e u t s c h e Stadt!! Welch ein Unterschied gegen
  5225. Wien! Mir wurde schlecht, wenn ich an dieses Rassenbabylon auch nur zurückdachte. Dazu der mir viel näher
  5226. liegende Dialekt, der mich besonders im Umgang mit Niederbayern an meine einstige Jugendzeit erinnern konnte.
  5227. Es gab wohl tausend und mehr Dinge, die mir innerlich
  5228. lieb und teuer waren oder wurden. Am meisten aber zog
  5229. Deutschlands falsche Bündnispolitik
  5230. 139
  5231. mich die wunderbare Vermählung von urwüchsiger Kraft
  5232. und seiner künstlerischer Stimmung, diese einzige Linie
  5233. vom Hofbräuhaus zum Odeon, Oktoberfest zur Pinakothek
  5234. usw. an. Daß ich heute an dieser Stadt hänge, mehr als
  5235. an irgendeinem anderen Flecken Erde auf dieser Welt,
  5236. liegt wohl mitbegründet in der Tatsache, daß sie mit der
  5237. Entwicklung meines eigenen Lebens unzertrennlich verbunden ist und bleibt; daß ich aber damals schon das Glück
  5238. einer wahrhaft inneren Zufriedenheit erhielt, war nur
  5239. dem Zauber zuzuschreiben, den die wunderbare Wittelsbacherresidenz wohl auf jeden nicht nur mit einem rechnerischen Verstande, sondern auch mit gefühlvollem Gemüte gesegneten Menschen ausübt.
  5240. Was mich außer meiner beruflichen Arbeit am meisten
  5241. anzog, war auch hier wieder das Studium der politischen
  5242. Tagesereignisse, darunter besonders außenpolitischer Vorgänge. Ich kam zu den letzteren über den Umweg der deutschen Bündnispolitik, die ich von meinen österreichischen
  5243. Zeiten her schon für unbedingt falsch hielt. Immerhin war
  5244. mir in Wien der volle Umfang dieser Selbsttäuschung des
  5245. Reiches noch nicht ganz klar geworden. Ich war damals
  5246. geneigt, anzunehmen – oder redete mir es vielleicht auch
  5247. selber bloß als Entschuldigung vor –, daß man möglicherweise in Berlin schon wisse, wie schwach und wenig verläßlich der Bundesgenosse in Wirklichkeit sein würde,
  5248. jedoch aus mehr oder minder geheimnisvollen Gründen
  5249. mit dieser Einsicht zurückhalte, um eine Bündnispolitik
  5250. zu stützen, die ja Bismarck selber einst begründet hatte
  5251. und deren plötzlicher Abbruch nicht wünschenswert sein
  5252. konnte, schon um das lauernde Ausland nicht irgendwie
  5253. aufzuschrecken oder den inneren Spießer zu beunruhigen.
  5254. Freilich, der Umgang, vor allem im Volke selber, ließ
  5255. mich zu meinem Entsetzen schon in kurzer Zeit sehen, daß
  5256. dieser Glaube falsch war. Zu meinem Erstaunen mußte ich
  5257. überall feststellen, daß über das Wesen der Habsburgermonarchie selbst in den sonst gut unterrichteten Kreisen
  5258. aber auch kein blasser Schimmer vorhanden war. Gerade
  5259. 140
  5260. Deutschlands falsche Bündnispolitik
  5261. im Volke war man in dem Wahne verfangen, den Bundesgenossen als eine ernste Macht ansehen zu dürfen, die
  5262. in der Stunde der Not sicher sofort ihren Mann stellen
  5263. würde. Man hielt in der Masse die Monarchie immer
  5264. für einen „deutschen“ Staat und glaubte darauf auch
  5265. bauen zu können. Man war der Meinung, daß die Kraft
  5266. auch hier nach den Millionen gemessen werden könnte, so
  5267. wie etwa in Deutschland selber, und vergaß vollständig,
  5268. daß ersten: Österreich schon längst aufgehört hatte, ein
  5269. deutsches Staatswesen zu sein; daß aber zweitens: die
  5270. inneren Verhältnisse dieses Reiches von Stunde zu Stunde
  5271. mehr der Auflösung entgegendrängten.
  5272. Ich hatte damals dieses Staatsgebilde besser gekannt
  5273. als diese sogenannte offizielle „Diplomatie“, die blind, wie
  5274. fast immer, dem Verhängnis entgegentaumelte; denn die
  5275. Stimmung des Volkes war immer nur der Ausfluß dessen,
  5276. was man von oben in die öffentliche Meinung hineintrichterte. Von oben aber trieb man mit dem „Bundesgenossen“ einen Kult wie um das goldene Kalb. Man
  5277. hoffte wohl, durch Liebenswürdigkeit zu ersetzen, was an
  5278. Aufrichtigkeit fehlte. Dabei nahm man immer Worte für
  5279. bare Werte.
  5280. Mich packte schon in Wien der Zorn, wenn ich den
  5281. Unterschied betrachtete, der zwischen den Reden der offiziellen Staatsmänner und dem Inhalt der Wiener Presse
  5282. von Zeit zu Zeit in Erscheinung trat. Dabei war Wien
  5283. aber doch noch, wenigstens dem Scheine nach, eine deutsche
  5284. Stadt. Wie anders aber lagen die Dinge, wenn man von
  5285. Wien oder besser von Deutschösterreich weg, in die slawischen Provinzen des Reiches kam! Man brauchte nur Prager Zeitungen in die Hand zu nehmen, um zu wissen, wie
  5286. das ganze erhabene Gaukelspiel des Dreibundes dort beurteilt wurde. Da war für dieses „staatsmännische Meisterwerk“ schon nichts mehr vorhanden als blutiger Spott und
  5287. Hohn. Man machte im tiefsten Frieden, als die beiden
  5288. Kaiser gerade die Freundschaftsküsse einander auf die
  5289. Stirne drückten, gar kein Hehl daraus, daß dieses Bündnis
  5290. erledigt sei an dem Tage, an dem man versuchen würde,
  5291. Deutschlands falsche Bündnispolitik
  5292. 141
  5293. es aus dem Schimmer des Nibelungen-Ideals in die praktische Wirklichkeit zu überführen.
  5294. Wie hatte man sich doch einige Jahre später aufgeregt,
  5295. als in der endlich gekommenen Stunde, da die Bündnisse
  5296. sich bewähren sollten, Italien aus dem Dreibunde aussprang und die beiden Genossen ziehen ließ, ja zum Schlusse
  5297. noch selber zum Feinde wurde! Daß man überhaupt auch
  5298. nur eine Minute an die Möglichkeit eines solchen Wunders
  5299. früher zu glauben wagte, nämlich an das Wunder, daß
  5300. Italien mit Österreich gemeinsam kämpfen würde, konnte
  5301. jedem eben nicht mit diplomatischer Blindheit Geschlagenen nur einfach unverständlich sein. Allein die Dinge
  5302. lagen ja in Österreich selber um kein Haar anders.
  5303. Träger des Bündnisgedankens waren in Österreich nur
  5304. die Habsburger und die Deutschen. Die Habsburger aus
  5305. Berechnung und Zwang, die Deutschen aus gutem Glauben und politischer – Dummheit. Aus gutem Glauben,
  5306. denn sie vermeinten, durch den Dreibund dem Deutschen
  5307. Reiche selber einen großen Dienst zu erweisen, es stärken
  5308. und sichern zu helfen; aus politischer Dummheit aber, weil
  5309. weder das erst Gemeinte zutraf, sondern im Gegenteil sie
  5310. dadurch mithalfen, das Reich an einen Staatskadaver zu
  5311. ketten, der beide in den Abgrund reißen mußte, vor allem
  5312. aber, weil sie ja selber nur durch dieses Bündnis immer
  5313. mehr der Entdeutschung anheimfielen. Denn indem die
  5314. Habsburger durch das Bündnis mit dem Reiche vor einer
  5315. Einmengung von dieser Seite aus sicher sein zu können
  5316. glaubten und leider auch mit Recht sein konnten, vermochten sie ihre innere Politik der langsamen Verdrängung des
  5317. Deutschtums schon wesentlich leichter und risikoloser durchzuführen. Nicht nur, daß man bei der bekannten „Objektivität“ einen Einspruch von seiten der Reichsregierung gar
  5318. nicht zu befürchten brauchte, konnte man auch dem österreichischen Deutschtum selber jederzeit mit dem Hinweis
  5319. auf das Bündnis den vorlauten Mund, der gegen eine etwa
  5320. zu niederträchtige Art der Slawisierung sich auftun wollte,
  5321. sofort zum Schweigen zu bringen.
  5322. Was sollte denn auch der Deutsche in Österreich noch
  5323. 142
  5324. Deutschlands falsche Bündnispolitik
  5325. tun, wenn doch das Deutschtum des Reiches selber der
  5326. Habsburgerregierung Anerkennung und Vertrauen aussprach? Sollte er Widerstand leisten, um dann in der
  5327. ganzen deutschen Öffentlichkeit als Verräter am eigenen
  5328. Volkstum gebrandmarkt zu werden? Er, der seit Jahrzehnten die unerhörtesten Opfer gerade für sein Volkstum gebracht hatte?
  5329. Was aber besaß dieses Bündnis für einen Wert, wenn
  5330. erst das Deutschtum der Habsburger Monarchie ausgerottet
  5331. worden wäre? War nicht der Wert des Dreibundes für
  5332. Deutschland geradezu abhängig von der Erhaltung der deutschen Vormachtstellung in Österreich? Oder glaubte man
  5333. wirklich, auch mit einem slawischen Habsburgerreich noch
  5334. in einem Bündnis leben zu können?
  5335. Die Einstellung der offiziellen deutschen Diplomatie sowie auch die der ganzen öffentlichen Meinung zum innerösterreichischen Nationalitätenproblem war schon nicht
  5336. mehr dumm, sondern einfach irrsinnig! Man baute auf
  5337. ein Bündnis, stellte die Zukunft und Sicherheit eines
  5338. Siebzig-Millionen-Volkes darauf ein – und sah zu, wie
  5339. die einzige Grundlage für diesen Bund beim Partner von
  5340. Jahr zu Jahr planmäßig und unbeirrt sicher zerstört wurde.
  5341. Eines Tages mußte dann ein „Vertrag“ mit der Wiener
  5342. Diplomatie übrigbleiben, die Bundeshilfe eines Reiches
  5343. aber verloren sein.
  5344. Bei Italien war dies ohnehin von Anfang an der Fall.
  5345. Hätte man in Deutschland nur etwas klarer Geschichte
  5346. studiert und Völkerpsychologie getrieben, dann hätte man
  5347. wohl keine Stunde glauben können, daß jemals Quirinal
  5348. und Wiener Hofburg in einer gemeinsamen Kampffront
  5349. stehen würden. Italien wäre ja eher zu einem Vulkan
  5350. geworden, ehe eine Regierung es hätte wagen dürfen, dem
  5351. so fanatisch verhaßten Habsburgerstaat aber auch nur einen
  5352. einzigen Italiener auf das Schlachtfeld zu stellen, außer
  5353. als Feind. Ich habe die leidenschaftliche Verachtung sowie
  5354. den bodenlosen Haß, mit dem der Italiener dem österreichischen Staate „zugetan“ war, öfter als einmal in
  5355. Wien aufbrennen sehen. Was das Haus Habsburg an der
  5356. Deutschlands falsche Bündnispolitik
  5357. 143
  5358. italienischen Freiheit und Unabhängigkeit im Laufe der
  5359. Jahrhunderte gesündigt hatte, war zu groß, als daß man
  5360. dies hätte vergessen können, auch wenn der Wille dazu
  5361. vorhanden gewesen wäre. Er war aber gar nicht vorhanden; weder im Volke noch bei der italienischen Regierung. Für Italien gab es deshalb auch nur zwei Möglichkeiten im Zusammenleben mit Österreich: entweder
  5362. Bündnis oder Krieg.
  5363. Indem man das erstere wählte, vermochte man sich in
  5364. Ruhe zum zweiten vorzubereiten.
  5365. Besonders seitdem das Verhältnis Österreichs zu Rußland immer mehr einer kriegerischen Auseinandersetzung
  5366. entgegentrieb, war die deutsche Bündnispolitik ebenso sinnlos wie gefährlich.
  5367. Es war dies ein klassischer Fall, an dem sich das Fehlen jeder großen und richtigen Linie des Denkens aufzeigen ließ.
  5368. Warum schloß man denn überhaupt ein Bündnis? Doch
  5369. nur, um so die Zukunft des Reiches besser wahren zu können, als es, auf sich allein gestellt, in der Lage gewesen
  5370. wäre. Diese Zukunft des Reiches aber war doch nichts anderes als die Frage der Erhaltung der Existenzmöglichkeit
  5371. des deutschen Volkes.
  5372. Mithin aber konnte die Frage dann nur lauten: Wie
  5373. muß das Leben der deutschen Nation in einer greifbaren
  5374. Zukunft sich gestalten, und wie kann man dieser Entwicklung dann die nötigen Grundlagen und die erforderliche
  5375. Sicherheit gewährleisten im Rahmen der allgemeinen
  5376. europäischen Machtverhältnisse?
  5377. Bei klarer Betrachtung der Voraussetzungen für die
  5378. außenpolitische Betätigung der deutschen Staatskunst mußte
  5379. man zu folgender Überzeugung gelangen:
  5380. Deutschland hat eine jährliche Bevölkerungszunahme von
  5381. nahezu neunhunderttausend Seelen. Die Schwierigkeit der
  5382. Ernährung dieser Armee von neuen Staatsbürgern muß von
  5383. Jahr zu Jahr größer werden und einmal bei einer Katastrophe enden, falls eben nicht Mittel und Wege gefunden
  5384. 144
  5385. Die vier Wege deutscher Politik
  5386. werden, noch rechtzeitig der Gefahr dieser Hungerverelendung vorzubeugen.
  5387. Es gab vier Wege, um einer solchen entsetzlichen Zukunftsentwicklung zu entgehen:
  5388. 1. Man konnte, nach französischem Vorbilde, die Zunahme der Geburten künstlich einschränken und damit
  5389. einer Überbevölkerung begegnen.
  5390. Die Natur selber pflegt ja in Zeiten großer Not oder
  5391. böser klimatischer Verhältnisse sowie bei armem Bodenertrag ebenfalls zu einer Einschränkung der Vermehrung
  5392. der Bevölkerung von bestimmten Ländern oder Rassen
  5393. zu schreiten; allerdings in ebenso weiser wie rücksichtsloser
  5394. Methode. Sie behindert nicht die Zeugungsfähigkeit an
  5395. sich, wohl aber die Forterhaltung des Gezeugten, indem
  5396. sie dieses so schweren Prüfungen und Entbehrungen aussetzt, daß alles minder Starke, weniger Gesunde, wieder in
  5397. den Schoß des ewig Unbekannten zurückzukehren gezwungen wird. Was sie dann dennoch die Unbilden des Daseins
  5398. überdauern läßt, ist tausendfältig erprobt, hart und wohl
  5399. geeignet, wieder weiter zu zeugen, auf daß die gründliche
  5400. Auslese von vorne wieder zu beginnen vermag. Indem sie
  5401. so gegen den einzelnen brutal vorgeht und ihn augenblicklich wieder zu sich ruft, sowie er dem Sturme des Lebens
  5402. nicht gewachsen ist, erhält sie die Rasse und Art selber
  5403. kraftvoll, ja steigert sie zu höchsten Leistungen.
  5404. Damit ist aber die Verminderung der Zahl eine Stärkung der Person, mithin aber letzten Endes eine Kräftigung der Art.
  5405. Anders ist es, wenn der Mensch eine Beschränkung seiner Zahl vorzunehmen sich anschickt. Er ist nicht aus dem
  5406. Holze der Natur geschnitzt, sonder „human“. Er versteht
  5407. es besser als diese grausame Königin aller Weisheit. Er
  5408. beschränkt nicht die Forterhaltung des einzelnen als vielmehr die Fortpflanzung selber. Dieses erscheint ihm, der
  5409. ja immer nur sich selbst und nie die Rasse sieht, menschlicher und gerechtfertigter zu sein als der umgekehrte Weg.
  5410. Allein leider sind auch die Folgen umgekehrt:
  5411. Während die Natur, indem sie die Zeugung freigibt,
  5412. Die vier Wege deutscher Politik
  5413. 145
  5414. jedoch die Forterhaltung einer schwersten Prüfung unterwirft, aus einer Überzahl der Einzelwesen die besten sich
  5415. als wert zum Leben auserwählt, sie also allein erhält
  5416. und ebenso zu Trägern der Forterhaltung ihrer Art werden läßt, schränkt der Mensch die Zeugung ein, sorgt jedoch
  5417. krampfhaft dafür, daß jedes einmal geborene Wesen um
  5418. jeden Preis auch erhalten werde. Diese Korrektur des göttlichen Willens scheint ihm ebenso weise wie human zu sein,
  5419. und er freut sich, wieder einmal in einer Sache die Natur
  5420. übertrumpft, ja ihre Unzulänglichkeit bewiesen zu haben.
  5421. Daß in Wirklichkeit allerdings wohl die Zahl eingeschränkt,
  5422. aber dafür auch der Wert des einzelnen vermindert wurde,
  5423. will das liebe Äffchen des Allvaters freilich nur ungern
  5424. sehen oder hören.
  5425. Denn sowie erst einmal die Zeugung als solche eingeschränkt und die Zahl der Geburten vermindert wird, tritt
  5426. an Stelle des natürlichen Kampfes um das Dasein, der nur
  5427. den Allerstärksten und Gesündesten am Leben läßt, die
  5428. selbstverständliche Sucht, auch das Schwächlichste, ja Krankhafteste um jeden Preis zu „retten“, womit der Keim zu
  5429. einer Nachkommenschaft gelegt wird, die immer jämmerlicher werden muß, je länger diese Verhöhnung der Natur
  5430. und ihres Willens anhält.
  5431. Das Ende aber wird sein, daß einem solchen Volke eines
  5432. Tages das Dasein auf dieser Welt genommen werden wird;
  5433. denn der Mensch kann wohl eine gewisse Zeit den ewigen
  5434. Gesetzen des Forterhaltungswillens trotzen, allein die Rache
  5435. kommt früher oder später doch. Ein stärkeres Geschlecht
  5436. wird die Schwachen verjagen, da der Drang zum Leben in
  5437. seiner letzten Form alle lächerlichen Fesseln einer sogenannten Humanität der einzelnen immer wieder zerbrechen wird,
  5438. um an seine Stelle die Humanität der Natur treten zu
  5439. lassen, die die Schwäche vernichtet, um der Stärke den Platz
  5440. zu schenken.
  5441. Wer also dem deutschen Volke das Dasein sichern will
  5442. auf dem Wege einer Selbstbeschränkung seiner Vermehrung, raubt ihm damit die Zukunft.
  5443. 2. Ein zweiter Weg wäre der, den wir auch heute wieder
  5444. 146
  5445. Die vier Wege deutscher Politik
  5446. oft und oft vorgeschlagen und angepriesen hören: die innere
  5447. Kolonisation. Es ist dies ein Vorschlag, der von ebenso
  5448. vielen gut gemeint ist, als er von den meisten aber
  5449. schlecht verstanden zu werden pflegt, um den denkbar
  5450. größten Schaden anzurichten, den man sich nur vorzustellen vermag.
  5451. Ohne Zweifel kann die Erträgnisfähigkeit eines Bodens
  5452. bis zu einer bestimmten Grenze erhöht werden. Allein eben
  5453. nur bis zu einer bestimmten Grenze und nicht endlos
  5454. weiter. Eine gewisse Zeit wird man also ohne Hungersgefahr die Vermehrung des deutschen Volkes durch eine
  5455. Nutzungssteigerung unseres Bodens auszugleichen vermögen. Allein dem steht die Tatsache gegenüber, daß die Anforderungen an das Leben im allgemeinen schneller steigen
  5456. als selbst die Zahl der Bevölkerung. Die Anforderungen
  5457. der Menschen in bezug auf Nahrung und Kleidung werden
  5458. von Jahr zu Jahr größer und stehen schon jetzt zum
  5459. Beispiel in keinem Verhältnis mehr zu den Bedürfnissen
  5460. unserer Vorfahren etwa vor hundert Jahren. Es ist also
  5461. irrig, zu meinen, daß jede Erhöhung der Produktion
  5462. einer Vermehrung der Bevölkerung die Voraussetzung
  5463. schaffe: Nein; dies trifft nur bis zu einem gewissen Grad
  5464. zu, indem mindestens ein Teil der Mehrerzeugnisse des
  5465. Bodens zur Befriedigung der erhöhten Bedürfnisse der
  5466. Menschen aufgebraucht wird. Allein selbst bei größter Einschränkung einerseits und emsigstem Fleiße andererseits
  5467. wird dennoch auch hier einmal eine Grenze kommen,
  5468. die durch den Boden dann selber gezogen wird. Es
  5469. wird bei allem Fleiße nicht mehr gelingen, mehr aus
  5470. ihm herauszuwirtschaften, und dann tritt, wenn auch
  5471. eine gewisse Zeit hinausgeschoben, das Verhängnis abermals in Erscheinung. Der Hunger wird zunächst von Zeit
  5472. zu Zeit, wenn Mißernten usw. kommen, sich wieder einstellen. Er wird dies mit steigender Volkszahl immer öfter
  5473. tun, so daß er endlich nur dann nicht mehr auftritt,
  5474. wenn seltene reichste Jahre die Speicher füllen. Aber es
  5475. naht endlich die Zeit, in der auch dann die Not nicht mehr
  5476. zu befriedigen sein wird und der Hunger zum ewigen
  5477. Die vier Wege deutscher Politik
  5478. 147
  5479. Begleiter eines solchen Volkes geworden ist. Nun muß
  5480. wieder die Natur helfen und Auswahl treffen unter den
  5481. von ihr zum Leben Auserwählten; oder es hilft sich der
  5482. Mensch wieder selbst, das heißt, er greift zur künstlichen
  5483. Behinderung seiner Vermehrung mit allen ihren schon
  5484. angedeuteten schweren Folgen für Rasse und Art.
  5485. Man wird noch einzuwenden vermögen, daß diese Zukunft ja der ganzen Menschheit einmal so oder so bevorstehe, mithin auch das einzelne Volk diesem Verhängnis
  5486. natürlich nicht zu entgehen vermöge.
  5487. Dies ist auf den ersten Blick ohne weiteres richtig. Dennoch ist aber hier folgendes zu bedenken:
  5488. Sicherlich wird zu einem bestimmten Zeitpunkt die gesamte Menschheit gezwungen sein, infolge der Unmöglichkeit, die Fruchtbarkeit des Bodens der weitersteigenden
  5489. Volkszahl noch länger anzugleichen, die Vermehrung des
  5490. menschlichen Geschlechtes einzustellen und entweder die
  5491. Natur wieder entscheiden zu lassen oder durch Selbsthilfe,
  5492. wenn möglich, dann freilich schon auf dem richtigeren Wege
  5493. als heute, den notwendigen Ausgleich zu schaffen. Allein
  5494. dieses wird dann eben alle Völker treffen, während zur
  5495. Zeit nur diejenigen Rassen von solcher Not betroffen werden, die nicht mehr Kraft und Stärke genug besitzen, um
  5496. sich den für sie nötigen Boden auf dieser Welt zu sichern.
  5497. Denn die Dinge liegen doch so, daß auf dieser Erde zur
  5498. Zeit noch immer Boden in ganz ungeheuren Flächen
  5499. ungenützt vorhanden ist und nur des Bebauers harrt.
  5500. Ebenso aber ist es auch richtig, daß dieser Boden nicht von
  5501. der Natur an und für sich einer bestimmten Nation oder
  5502. Rasse als Reservatfläche für die Zukunft aufgehoben wurde,
  5503. sondern er ist Land und Boden für das Volk, daß die
  5504. Kraft besitzt, ihn zu nehmen, und den Fleiß, ihn zu bebauen.
  5505. Die Natur kennt keine politischen Grenzen. Sie setzt
  5506. die Lebewesen zunächst auf diesen Erdball und sieht dem
  5507. freien Spiel der Kräfte zu. Der Stärkste an Mut und
  5508. Fleiß erhält dann als ihr liebstes Kind das Herrenrecht
  5509. des Daseins zugesprochen.
  5510. 148
  5511. Die vier Wege deutscher Politik
  5512. Wenn ein Volk sich auf innere Kolonisation beschränkt,
  5513. da andere Rassen sich auf immer größeren Bodenflächen
  5514. dieser Erde festklammern, wird es zur Selbstbeschränkung
  5515. schon zu einer Zeit zu greifen gezwungen sein, da die übrigen Völker sich noch dauernd fortvermehren. Einmal tritt
  5516. aber dieser Fall ein, und zwar um so früher, je kleiner der
  5517. zur Verfügung stehende Lebensraum eines Volkes ist. Da
  5518. im allgemeinen leider nur zu häufig die besten Nationen
  5519. oder, noch richtiger, die einzigen wahrhaften Kulturrassen,
  5520. die Träger alles menschlichen Fortschrittes, sich in ihrer
  5521. pazifistischen Verblendung entschließen, auf neuen Bodenerwerb Verzicht zu leisten, um sich mit „innerer“ Kolonisation zu begnügen, minderwertige Nationen aber ungeheure
  5522. Lebensflächen auf dieser Welt sich zu sichern verstehen,
  5523. würde dies zu folgendem Endergebnis führen:
  5524. Die kulturell besseren, allein minder rücksichtslosen Rassen müßten schon zu einer Zeit ihre Vermehrung infolge
  5525. ihres beschränkten Bodens begrenzen, da die kulturell tieferen, aber naturhaft-brutaleren Völker infolge größter
  5526. Lebensflächen noch ins Unbegrenzte hinein sich fortzuvermehren in der Lage sein würden. Mit anderen Worten:
  5527. Die Welt wird damit eines Tages in den Besitz der kulturell minderwertigeren, jedoch tatkräftigeren Menschheit
  5528. kommen.
  5529. Dann gibt es in einer, wenn auch noch so fernen Zukunft
  5530. nur zwei Möglichkeiten: Entweder die Welt wird regiert
  5531. nach den Vorstellungen unserer modernen Demokratie,
  5532. dann fällt das Schwergewicht jeder Entscheidung zugunsten
  5533. der zahlenmäßig stärkeren Rassen aus, oder die Welt wird
  5534. beherrscht nach den Gesetzen der natürlichen Kraftordnung,
  5535. dann siegen die Völker des brutalen Willens und mithin
  5536. eben wieder nicht die Nation der Selbstbeschränkung.
  5537. Daß aber diese Welt dereinst noch schwersten Kämpfen
  5538. um das Dasein der Menschheit ausgesetzt sein wird, kann
  5539. niemand bezweifeln. Am Ende siegt ewig nur die Sucht der
  5540. Selbsterhaltung. Unter ihr schmilzt die sogenannte Humanität als Ausdruck einer Mischung von Dummheit, Feigheit und eingebildetem Besserwissen, wie Schnee in der
  5541. Die vier Wege deutscher Politik
  5542. 149
  5543. Märzensonne. Im ewigen Kampfe ist die Menschheit groß
  5544. geworden – im ewigen Frieden geht sie zugrunde.
  5545. Für uns Deutsche aber ist die Parole der „inneren Kolonisation“ schon deshalb unselig, da sie bei uns sofort die
  5546. Meinung verstärkt, ein Mittel gefunden zu haben, das der
  5547. pazifistischen Gesinnung entsprechend gestattet, in sanftem
  5548. Schlummerleben sich das Dasein „erarbeiten“ zu können.
  5549. Diese Lehre, bei uns erst einmal ernst genommen, bedeutet das Ende jeder Anstrengung, sich auf dieser Welt
  5550. den Platz zu bewahren, der auch uns gebührt. Sowie erst
  5551. der Durchschnittsdeutsche die Überzeugung erhielte, auch auf
  5552. solchem Wege sich das Leben und die Zukunft sichern zu
  5553. können, würde jeder Versuch einer aktiven und damit allein
  5554. fruchtbaren Vertretung deutscher Lebensnotwendigkeiten
  5555. erledigt sein. Jede wirklich nützliche Außenpolitik aber
  5556. könnte durch eine solche Einstellung der Nation als begraben angesehen werden und mit ihr die Zukunft des
  5557. deutschen Volkes überhaupt.
  5558. In Erkenntnis dieser Folgen ist es nicht zufällig in
  5559. erster Linie immer der Jude, der solche todgefährlichen Gedankengänge in unser Volk hineinzupflanzen versucht und
  5560. versteht. Er kennt seine Pappenheimer nur zu gut, um
  5561. nicht zu wissen, daß sie dankbar jedem spanischen Schatzschwindler zum Opfer fallen, der ihnen weiszumachen versteht, daß das Mittel gefunden wäre, der Natur ein
  5562. Schnippchen zu schlagen, den harten, unerbittlichen Kampf
  5563. ums Dasein überflüssig zu machen, um an seiner Stelle
  5564. bald durch Arbeit, manchmal auch schon durch bloßes Nichtstun, je nachdem „wie's trefft“, zum Herrn des Planeten
  5565. aufzusteigen.
  5566. Es kann nicht scharf genug betont werden, d a ß j e d e
  5567. deutsche innere Kolonisation in erster
  5568. Linie nur dazu zu dienen hat, soziale
  5569. Mißstände zu beseitigen, vor allem den
  5570. Boden der allgemeinen Spekulation zu
  5571. entziehen, niemals aber genügen kann,
  5572. etwa die Zukunft der Nation ohne neuen
  5573. Grund und Boden sicherzustellen.
  5574. 150
  5575. Die vier Wege deutscher Politik
  5576. Handeln wir anders, so werden wir in kurzer Zeit nicht
  5577. nur am Ende unseres Bodens angelangt sein, sondern auch
  5578. am Ende unserer Kraft.
  5579. Schließlich muß noch folgendes festgestellt werden:
  5580. Die in der inneren Kolonisation liegende Beschränkung
  5581. auf eine bestimmte kleine Bodenfläche sowie auch die durch
  5582. Einengung der Fortpflanzung erfolgende gleiche Schlußwirkung führt zu einer außerordentlich ungünstigen militärpolitischen Lage der betreffenden Nation.
  5583. In der Größe des Wohnsitzes eines Volkes liegt allein
  5584. schon ein wesentlicher Faktor zur Bestimmung seiner äußeren Sicherheit. Je größer die Raummenge ist, die einem
  5585. Volk zur Verfügung steht, um so größer ist auch dessen
  5586. natürlicher Schutz; denn noch immer ließen sich militärische
  5587. Entscheidungen gegen Völker auf kleiner zusammengepreßter Bodenfläche in schnellerer und damit aber auch leichterer und besonders wirksamerer und vollständigerer Weise
  5588. erzielen, wie dies umgekehrt gegen territorial umfangreiche
  5589. Staaten möglich sein kann. In der Größe des Staatsgebietes liegt damit immer noch ein gewisser Schutz gegen
  5590. leichtfertige Angriffe, da ein Erfolg dabei nur nach langen,
  5591. schweren Kämpfen zu erzielen ist, mithin das Risiko eines
  5592. übermütigen Überfalles zu groß erscheinen wird, sofern
  5593. nicht ganz außerordentliche Gründe vorliegen. Daher liegt
  5594. schon in der Größe des Staates an sich ein Grund zur
  5595. leichteren Erhaltung der Freiheit und Unabhängigkeit
  5596. eines Volkes, während umgekehrt die Kleinheit eines solchen Gebildes zur Inbesitznahme geradezu herausfordert.
  5597. Tatsächlich wurden auch die beiden ersten Möglichkeiten
  5598. zur Schaffung eines Ausgleiches zwischen der steigenden
  5599. Volkszahl und dem gleichgroß bleibenden Boden in den
  5600. sogenannten nationalen Kreisen des Reiches abgelehnt. Die
  5601. Gründe zu dieser Stellungnahme waren freilich andere als
  5602. die oben angeführten: Zur Einschränkung der Geburten
  5603. verhielt man sich in erster Linie ablehnend aus einem
  5604. gewissen moralischen Gefühl heraus; die innere Kolonisation wies man mit Entrüstung zurück, da man in ihr
  5605. einen Angriff gegen den Großgrundbesitz witterte und
  5606. Die vier Wege deutscher Politik
  5607. 151
  5608. darin den Beginn eines allgemeinen Kampfes gegen das
  5609. Privateigentum überhaupt sah. Bei der Form, in der
  5610. besonders diese letztere Heilslehre empfohlen wurde, konnte
  5611. man auch ohne weiteres mit einer solchen Annahme recht
  5612. haben.
  5613. Im allgemeinem war die Abwehr der breiten Masse
  5614. gegenüber nicht sehr geschickt und traf auch in keinerlei
  5615. Weise den Kern des Problems.
  5616. Somit blieben nur noch zwei Wege, der steigenden Volkszahl Arbeit und Brot zu sichern.
  5617. 3. Man konnte entweder neuen Boden erwerben, um
  5618. die überschüssigen Millionen jährlich abzuschieben, und so
  5619. die Nation auch weiter auf der Grundlage einer Selbsternährung erhalten, oder man ging
  5620. 4. dazu über, durch Industrie und Handel für fremden
  5621. Bedarf zu schaffen, um vom Erlös das Leben zu bestreiten.
  5622. Also: entweder Boden- oder Kolonial- und Handelspolitik.
  5623. Beide Wege wurden von verschiedenen Richtungen ins
  5624. Auge gefaßt, geprüft, empfohlen und bekämpft, bis endlich
  5625. der letzte endgültig gegangen wurde.
  5626. Der gesündere Weg von beiden wäre freilich der erstere
  5627. gewesen.
  5628. Die Erwerbung von neuem Grund und Boden zur Ansiedelung der überlaufenden Volkszahl besitzt unendlich viel
  5629. Vorzüge, besonders wenn man nicht die Gegenwart, sondern
  5630. die Zukunft ins Auge faßt.
  5631. Schon die Möglichkeit der Erhaltung eines gesunden
  5632. Bauernstandes als Fundament der gesamten Nation kann
  5633. niemals hoch genug eingeschätzt werden. Viele unserer heutigen Leiden sind nur die Folge des ungesunden Verhältnisses zwischen Land- und Stadtvolk. Ein fester Stock kleiner
  5634. und mittlerer Bauern war noch zu allen Zeiten der beste
  5635. Schutz gegen soziale Erkrankungen, wie wir sie heute besitzen. Dies ist aber auch die einzige Lösung, die eine Nation
  5636. das tägliche Brot im inneren Kreislauf einer Wirtschaft
  5637. finden läßt. Industrie und Handel treten von ihrer ungesunden führenden Stellung zurück und gliedern sich in den
  5638. 152
  5639. Erwerb neuen Bodens
  5640. allgemeinen Rahmen einer nationalen Bedarfs- und Ausgleichswirtschaft ein. Beide sind damit nicht mehr die
  5641. Grundlage der Ernährung der Nation, sondern ein Hilfsmittel derselben. Indem sie nur mehr den Ausgleich zwischen eigener Produktion und Bedarf auf allen Gebieten
  5642. zur Aufgabe haben, machen sie die gesamte Volksernährung
  5643. mehr oder weniger unabhängig vom Auslande, helfen also
  5644. mit, die Freiheit des Staates und die Unabhängigkeit der
  5645. Nation, besonders in schweren Tagen, sicherzustellen.
  5646. Allerdings, eine solche Bodenpolitik kann nicht etwa in
  5647. Kamerun ihre Erfüllung finden, sondern heute fast ausschließlich nur mehr in Europa. Man muß sich damit kühl
  5648. und nüchtern auf den Standpunkt stellen, daß es sicher nicht
  5649. Absicht des Himmels sein kann, dem einen Volke fünfzigmal so viel an Grund und Boden auf dieser Welt zu geben
  5650. als dem anderen. Man darf in diesem Falle sich nicht durch
  5651. politische Grenzen von den Grenzen des ewigen Rechtes abbringen lassen. Wenn diese Erde wirklich für alle Raum
  5652. zum Leben hat, dann möge man uns also den uns zum
  5653. Leben notwendigen Boden geben.
  5654. Man wird das freilich nicht gerne tun. Dann jedoch tritt
  5655. das Recht der Selbsterhaltung in seine Wirkung; und was
  5656. der Güte verweigert wird, hat eben die Faust sich zu
  5657. nehmen. Hätten unsere Vorfahren einst ihre Entscheidungen
  5658. von dem gleichen pazifistischen Unsinn abhängig gemacht
  5659. wie die heutige Gegenwart, dann würden wir überhaupt
  5660. nur ein Drittel unseres jetzigen Bodens zu eigen besitzen;
  5661. ein deutsches Volk aber dürfte dann kaum mehr Sorgen
  5662. in Europa zu tragen haben. Nein – der natürlichen Entschlossenheit zum Kampfe für das eigene Dasein verdanken
  5663. wir die beiden Ostmarken des Reiches und damit jene
  5664. innere Stärke der Größe unseres Staats- und Volksgebietes, die überhaupt allein uns bis heute bestehen ließ.
  5665. Auch aus einem anderen Grunde wäre diese Lösung die
  5666. richtige gewesen:
  5667. Viele europäischen Staaten gleichen heute auf die Spitze
  5668. gestellten Pyramiden. Ihre europäische Grundfläche ist
  5669. lächerlich klein gegenüber ihrer übrigen Belastung in Kolo-
  5670. Erwerb neuen Bodens
  5671. 153
  5672. nien, Außenhandel usw. Man darf sagen: Spitze in Europa,
  5673. Basis in der ganzen Welt; zum Unterschiede der amerikanischen Union, die die Basis noch im eigenen Kontinent besitzt
  5674. und nur mit der Spitze die übrige Erde berührt. Daher
  5675. kommt aber auch die unerhörte innere Kraft dieses Staates
  5676. und die Schwäche der meisten europäischen Kolonialmächte.
  5677. Auch England ist kein Beweis dagegen, da man nur zu
  5678. leicht angesichts des britischen Imperiums die angelsächsische
  5679. Welt als solche vergißt. Die Stellung Englands kann infolge
  5680. seiner Sprach- und Kulturgemeinschaft mit der amerikanischen Union allein schon mit keinem sonstigen Staat in
  5681. Europa verglichen werden.
  5682. Für Deutschland lag demnach die einzige Möglichkeit zur
  5683. Durchführung einer gesunden Bodenpolitik nur in der Erwerbung von neuem Lande in Europa selber. Kolonien
  5684. können diesem Zwecke so lange nicht dienen, als sie nicht zur
  5685. Besiedelung mit Europäern in größtem Maße geeignet erscheinen. Auf friedlichem Wege aber waren solche Kolonialgebiete im neunzehnten Jahrhundert nicht mehr zu erlangen. Es würde mithin auch eine solche Kolonialpolitik
  5686. nur auf dem Wege eines schweren Kampfes durchzuführen
  5687. gewesen sein, der aber dann zweckmäßiger nicht für außereuropäische Gebiete, sondern vielmehr für Land im Heimatkontinent selbst ausgefochten worden wäre.
  5688. Ein solcher Entschluß erfordert dann freilich ungeteilte
  5689. Hingabe. Es geht nicht an, mit halben Mitteln oder auch
  5690. nur zögernd an eine Aufgabe heranzutreten, deren Durchführung nur unter Anspannung aber auch der letzten Energie möglich erscheint. Dann mußte auch die gesamte politische Leitung des Reiches diesem ausschließlichen Zwecke
  5691. huldigen; niemals durfte ein Schritt erfolgen, von anderen
  5692. Erwägungen geleitet, als von der Erkenntnis dieser Aufgabe
  5693. und ihrer Bedingungen. Man hatte sich Klarheit zu verschaffen, daß dieses Ziel nur unter Kampf zu erreichen war,
  5694. und mußte dem Waffengange dann aber auch ruhig und gefaßt ins Auge sehen.
  5695. So waren die gesamten Bündnisse ausschließlich von diesem Gesichtspunkte aus zu prüfen und ihrer Verwertbarkeit
  5696. 154
  5697. Mit England gegen Rußland
  5698. nach zu schätzen. Wollte man in Europa Grund und Boden,
  5699. dann konnte dies im großen und ganzen nur auf Kosten
  5700. Rußlands geschehen, dann mußte sich das neue Reich
  5701. wieder auf der Straße der einstigen Ordensritter in
  5702. Marsch setzen, um mit dem deutschen Schwert dem deutschen Pflug die Scholle, der Nation aber das tägliche Brot
  5703. zu geben.
  5704. Für eine solche Politik allerdings gab es in Europa nur
  5705. einen einzigen Bundesgenossen: England.
  5706. Nur mit England allein vermochte man, den Rücken gedeckt, den neuen Germanenzug zu beginnen. Das Recht
  5707. hierzu wäre nicht geringer gewesen als das Recht unserer
  5708. Vorfahren. Keiner unserer Pazifisten weigert sich, das Brot
  5709. des Ostens zu essen, obwohl der erste Pflug einst „Schwert“
  5710. hieß!
  5711. Englands Geneigtheit zu gewinnen, durfte dann aber
  5712. kein Opfer zu groß sein. Es war auf Kolonien und Seegeltung zu verzichten, der britischen Industrie aber die
  5713. Konkurrenz zu ersparen.
  5714. Nur unbedingte klare Einstellung allein konnte zu einem
  5715. solchen Ziele führen. Verzicht auf Welthandel und Kolonien, Verzicht auf eine deutsche Kriegsflotte, Konzentration
  5716. der gesamten Machtmittel des Staates auf das Landheer.
  5717. Das Ergebnis wäre wohl eine augenblickliche Beschränkung gewesen, allein eine große und mächtige Zukunft.
  5718. Es gab eine Zeit, da England in diesem Sinne hätte mit
  5719. sich reden lassen. Da es sehr wohl begriffen hatte, daß
  5720. Deutschland infolge seiner Bevölkerungszunahme nach
  5721. irgendeinem Ausweg suchen müsse und entweder mit England diesen in Europa fände oder ohne England in der
  5722. Welt.
  5723. Dieser Ahnung war es wohl auch in erster Linie zuzuschreiben, wenn um die Jahrhundertwende von London
  5724. selber aus versucht wurde, Deutschland näherzutreten. Zum
  5725. ersten Male zeigte sich damals, was wir in den letzten
  5726. Jahren in wahrhaft erschreckender Weise beobachten konnten. Man war unangenehm berührt bei dem Gedanken,
  5727. für England Kastanien aus dem Feuer holen zu müssen;
  5728. Lösung des österreichischen Bündnisses
  5729. 155
  5730. als ob es überhaupt ein Bündnis auf einer anderen
  5731. Grundlage als der eines gegenseitigen Geschäftes geben
  5732. könnte. Mit England ließ sich aber ein solches Geschäft sehr
  5733. wohl machen. Die britische Diplomatie war noch immer
  5734. klug genug, zu wissen, daß ohne Gegenleistung keine Leistung zu erwarten ist.
  5735. Man stelle sich aber vor, daß eine kluge deutsche Außenpolitik die Rolle Japans im Jahre 1904 übernommen
  5736. hätte, und man kann kaum ermessen, welche Folgen dies
  5737. für Deutschland gehabt haben würde.
  5738. Es wäre niemals zu einem „Weltkriege“ gekommen.
  5739. Das Blut im Jahre 1904 hätte das Zehnfache der Jahre
  5740. 1914 bis 1918 erspart.
  5741. Welche Stellung aber würde Deutschland heute in der
  5742. Welt einnehmen!
  5743. Allerdings, das Bündnis mit Österreich war dann ein
  5744. Unsinn.
  5745. Denn diese staatliche Mumie verband sich mit Deutschland
  5746. nicht zum Durchfechten eines Krieges, sondern zur Erhaltung eines ewigen Friedens, der dann in kluger Weise zur
  5747. langsamen, aber sicheren Ausrottung des Deutschtums der
  5748. Monarchie verwendet werden konnte.
  5749. Dieses Bündnis aber war auch deshalb eine Unmöglichkeit, weil man doch mit einem Staate so lange gar keine
  5750. offensive Vertretung nationaler deutscher Interessen erwarten durfte, als dieser nicht einmal die Kraft und Entschlossenheit besaß, dem Entdeutschungsprozeß an seiner unmittelbaren Grenze ein Ende zu bereiten. Wenn Deutschland nicht soviel nationale Besinnung und auch Rücksichtslosigkeit besaß, dem unmöglichen Habsburgerstaat die Verfügung über das Schicksal der zehn Millionen Stammesgenossen zu entreißen, dann durfte man wahrlich nicht erwarten, daß es jemals zu solch weitausschauenden und verwegenen Plänen die Hand bieten würde. Die Haltung des
  5751. alten Reiches zur österreichischen Frage war der Prüfstein
  5752. für sein Verhalten im Schicksalskampf der ganzen Nation.
  5753. Auf alle Fälle durfte man nicht zusehen, wie Jahr um
  5754. Jahr das Deutschtum mehr zurückgedrängt wurde, da ja
  5755. 156
  5756. Wirtschafts-Expansions-Politik
  5757. der Wert der Bündnisfähigkeit Österreichs ausschließlich von
  5758. der Erhaltung des deutschen Elements bestimmt wurde.
  5759. Allein, man beschritt diesen Weg ja überhaupt nicht.
  5760. Man fürchtete nichts so sehr als den Kampf, um endlich
  5761. in der ungünstigsten Stunde dennoch zu ihm gezwungen zu
  5762. werden.
  5763. Man wollte dem Schicksal enteilen und wurde von ihm
  5764. ereilt. Man räumte von der Erhaltung des Weltfriedens
  5765. und landete beim Weltkrieg.
  5766. Und dies war der bedeutendste Grund, warum man
  5767. diesen dritten Weg der Gestaltung einer deutschen Zukunft
  5768. gar nicht einmal ins Auge faßte. Man wußte, daß die Gewinnung neuen Bodens nur im Osten zu erreichen war,
  5769. sah den dann nötigen Kampf und wollte um jeden Preis
  5770. doch den Frieden; denn die Parole der deutschen Außenpolitik hieß schon längst nicht mehr: Erhaltung der deutschen Nation auf allen Wegen, als vielmehr: Erhaltung
  5771. des Weltfriedens mit allen Mitteln. Wie dies dann gelang,
  5772. ist bekannt.
  5773. Ich werde darauf noch besonders zurückkommen.
  5774. So blieb also noch die vierte Möglichkeit: Industrie und
  5775. Welthandel, Seemacht und Kolonien.
  5776. Eine solche Entwicklung war allerdings zunächst leichter
  5777. und auch wohl schneller zu erreichen. Die Besiedelung von
  5778. Grund und Boden ist ein langsamer Prozeß, der oft Jahrhunderte dauert; ja, darin ist gerade seine innere Stärke
  5779. zu suchen, daß es sich dabei nicht um ein plötzliches Aufflammen, sondern um ein allmähliches, aber gründliches
  5780. und andauerndes Wachsen handelt, zum Unterschiede von
  5781. einer industriellen Entwicklung, die im Laufe weniger Jahre
  5782. aufgeblasen werden kann, um dann aber auch mehr einer
  5783. Seifenblase als einer gediegenen Stärke zu ähneln. Eine
  5784. Flotte ist freilich schneller zu bauen, als im zähen Kampfe
  5785. Bauernhöfe aufzurichten und mit Farmern zu besiedeln;
  5786. allein, sie ist auch schneller zu vernichten als letztere.
  5787. Wenn Deutschland dennoch diesen Weg beschritt, dann
  5788. mußte man aber wenigstens klar erkennen, daß auch diese
  5789. Entwicklung eines Tages beim Kampfe enden würde. Nur
  5790. Mit Rußland gegen England
  5791. 157
  5792. Kinder konnten vermeinen, durch freundliches und gesittetes
  5793. Betragen und dauerndes Betonen friedlicher Gesinnung
  5794. ihre Bananen holen zu können im „friedlichen Wettbewerb
  5795. der Völker“, wie man so schön und salbungsvoll daherschwätzte; ohne also je zur Waffe greifen zu müssen.
  5796. Nein, wenn wir diesen Weg beschritten, dann mußte
  5797. eines Tages England unser Feind werden. Es war mehr
  5798. als unsinnig, sich darüber zu entrüsten – entsprach aber
  5799. ganz unserer eigenen Harmlosigkeit –, daß England sich
  5800. die Freiheit nahm, eines Tages unserem friedlichen Treiben
  5801. mit der Roheit des gewalttätigen Egoisten entgegenzutreten.
  5802. Wir hätten dies allerdings nie getan.
  5803. Wenn europäische Bodenpolitik nur zu treiben war gegen
  5804. Rußland mit England im Bunde, dann war aber umgekehrt
  5805. Kolonial- und Welthandelspolitik nur denkbar gegen England mit Rußland. Dann mußte man aber auch hier rücksichtslos die Konsequenzen ziehen – und vor allem Österreich schleunigst fahren lassen.
  5806. Nach jeder Richtung hin betrachtet war dieses Bündnis
  5807. mit Österreich um die Jahrhundertwende schon ein wahrer
  5808. Wahnsinn.
  5809. Allein man dachte ja auch gar nicht daran, sich mit Rußland gegen England zu verbünden, so wenig wie mit England gegen Rußland, denn in beiden Fällen wäre das Ende
  5810. ja Krieg gewesen, und um diesen zu verhindern, entschloß
  5811. man sich ja doch überhaupt erst zur Handels- und Industriepolitik. Man besaß ja nun in der „wirtschaftsfriedlichen“
  5812. Eroberung der Welt eine Gebrauchsanweisung, die der bisherigen Gewaltpolitik ein für allemal das Genick brechen
  5813. sollte. Man war sich manchmal der Sache vielleicht doch
  5814. wieder nicht ganz sicher, besonders, wenn aus England von
  5815. Zeit zu Zeit ganz unmißverständliche Drohungen herüberkamen; darum entschloß man sich auch zum Bau einer
  5816. Flotte, jedoch auch wieder nicht zum Angriff und zur Vernichtung Englands, sondern zur „Verteidigung“ des schon
  5817. benannten „Weltfriedens“ und der „friedlichen“ Eroberung
  5818. der Welt. Daher wurde sie auch in allem und jedem etwas
  5819. bescheidener gehalten, nicht nur der Zahl, sondern auch
  5820. 158
  5821. „Wirtschaftsfriedliche“ Eroberung
  5822. dem Tonnengehalt der einzelnen Schiffe sowie der Armierung nach, um auch so wieder die letzten Endes doch „friedliche“ Absicht durchleuchten zu lassen.
  5823. Das Gerede der „wirtschaftsfriedlichen“ Eroberung der
  5824. Welt war wohl der größte Unsinn, der jemals zum leitenden Prinzip der Staatspolitik erhoben wurde. Dieser Unsinn
  5825. wurde noch größer dadurch, daß man sich nicht scheute, England als Kronzeugen für die Möglichkeit einer solchen Leistung anzurufen. Was dabei unsere professorale Geschichtslehre und Geschichtsauffassung mitverbrochen hat, kann
  5826. kaum wieder gutgemacht werden und ist nur der schlagende
  5827. Beweis dafür, wie viele Leute Geschichte „lernen“, ohne sie
  5828. zu verstehen oder gar zu begreifen. Gerade in England
  5829. hätte man die schlagende Widerlegung dieser Theorie erkennen müssen; hat doch kein Volk mit größter Brutalität
  5830. seine wirtschaftlichen Eroberungen mit dem Schwerte besser
  5831. vorbereitet und später rücksichtslos verteidigt, als das englische. Ist es nicht geradezu das Merkmal britischer Staatskunst, aus politischer Kraft wirtschaftliche Erwerbungen zu
  5832. ziehen und jede wirtschaftliche Stärkung sofort wieder in
  5833. politische Macht umzugießen? Dabei welch ein Irrtum, zu
  5834. meinen, daß England etwa persönlich zu f e i g e wäre, für
  5835. seine Wirtschaftspolitik auch das eigene Blut einzusetzen!
  5836. Daß das englische Volk kein „Volksheer“ besaß, bewies hier
  5837. in keiner Weise das Gegenteil; denn nicht auf die jeweilige
  5838. militärische Form der Wehrmacht kommt es hierbei an, als
  5839. vielmehr auf den Willen und die Entschlossenheit, die vorhandene einzusetzen. England besaß immer die Rüstung, die
  5840. es eben nötig hatte. Es kämpfte immer mit den Waffen, die
  5841. der Erfolg verlangte. Es schlug sich mit Söldnern, solange
  5842. Söldner genügten; es griff aber auch tief hinein in das wertvolle Blut der ganzen Nation, wenn nur mehr ein solches
  5843. Opfer den Sieg bringen konnte; immer aber blieb die Entschlossenheit zum Kampf und die Zähigkeit wie rücksichtslose Führung desselben die gleiche.
  5844. In Deutschland aber züchtete man allmählich über den
  5845. Weg der Schule, Presse und Witzblätter von dem Wesen
  5846. des Engländers und noch mehr fast seines Reiches eine
  5847. Die Engländer in deutscher Karikatur
  5848. 159
  5849. Vorstellung, die zu einer der bösesten Selbsttäuschungen
  5850. führen mußte; denn von diesem Unsinn ward langsam alles
  5851. angesteckt, und die Folge dessen war eine Unterschätzung, die
  5852. sich dann auch auf das bitterste rächte. Die Tiefe dieser Fälschung war so groß, daß man überzeugt war, im Engländer
  5853. den ebenso gerissenen wie aber persönlich ganz unglaublich
  5854. feigen Geschäftsmann vor sich zu haben. Daß man ein
  5855. Weltreich von der Größe des englischen nicht gut nur zusammenschleichen und -schwindeln konnte, leuchtete unseren
  5856. erhabenen Lehrern professoraler Wissenschaft leider nicht
  5857. ein. Die wenigen Warner wurden überhört oder totgeschwiegen. Ich erinnere mich noch genau, wie erstaunt
  5858. bei meinen Kameraden die Gesichter waren, als wir nun
  5859. in Flandern den Tommies persönlich gegenübertraten.
  5860. Schon nach den ersten Schlachttagen dämmerte da wohl
  5861. im Gehirn eines jeden die Überzeugung auf, daß diese
  5862. Schottländer nicht gerade denen entsprachen, die man uns
  5863. in Witzblättern und Depeschenberichten vorzumalen für
  5864. richtig gefunden hatte.
  5865. Ich habe damals meine ersten Betrachtungen über die
  5866. Zweckmäßigkeit der Form der Propaganda angestellt.
  5867. Diese Fälschung aber hatte für die Verbreiter freilich
  5868. etwas Gutes: man vermochte an diesem, wenn auch unrichtigen Beispiel ja die Richtigkeit der wirtschaftlichen Eroberung der Welt zu demonstrieren. Was dem Engländer
  5869. gelang, mußte auch uns gelingen, wobei dann als ein ganz
  5870. besonderes Plus unsere doch bedeutend größere Redlichkeit,
  5871. das Fehlen jener spezifisch englischen „Perfidie“, angesehen
  5872. wurde. Hoffte man doch, dadurch die Zuneigung vor allem
  5873. der kleineren Nationen sowie das Vertrauen der großen
  5874. nur um so leichter zu gewinnen.
  5875. Daß unsere Redlichkeit den anderen ein innerer Greuel
  5876. war, leuchtete uns dabei schon deshalb nicht ein, weil wir dieses alles ganz ernsthaft selber glaubten, während die andere
  5877. Welt ein solches Gebaren als Ausdruck einer ganz geriebenen
  5878. Verlogenheit ansah, bis erst, wohl zum größten Erstaunen,
  5879. die Revolution einen tieferen Einblick in die unbegrenzte
  5880. Dummheit unserer „aufrichtigen“ Gesinnung vermittelte.
  5881. 160
  5882. Innere Schwäche des Dreibundes
  5883. Allein aus dem Unsinn dieser „wirtschaftsfriedlichen
  5884. Eroberung“ der Welt heraus war auch sofort der Unsinn des
  5885. Dreibundes klar und verständlich. Mit welchem Staate
  5886. konnte man sich denn da überhaupt sonst verbünden? Mit
  5887. Österreich zusammen vermochte man allerdings nicht auf
  5888. kriegerische Eroberung, selbst nur in Europa, auszugehen.
  5889. Gerade darin aber bestand ja vom ersten Tage an die innere
  5890. Schwäche des Bundes. Ein Bismarck konnte sich diesen
  5891. Notbehelf erlauben, allein dann noch lange nicht jeder stümperhafte Nachfolger, am wenigsten jedoch zu einer Zeit, da
  5892. wesentliche Voraussetzungen auch zu dem Bismarckschen
  5893. Bündnis längst nicht mehr vorhanden waren; denn Bismarck glaube noch in Österreich einen deutschen Staat vor
  5894. sich zu haben. Mit der allmählichen Einführung des allgemeinen Wahlrechtes aber war dieses Land zu einem parlamentarisch regierten, undeutschen Wirrwarr herabgesunken.
  5895. Nun war das Bündnis mit Österreich auch rassepolitisch
  5896. einfach verderblich. Man duldete das Werden einer neuen
  5897. slawischen Großmacht an der Grenze des Reiches, die sich
  5898. früher oder später ganz anders gegen Deutschland einstellen mußte als z.B. Rußland. Dabei mußte das Bündnis selber von Jahr zu Jahr innerlich hohler und schwächer
  5899. werden, in demselben Verhältnis, in dem die einzigen
  5900. Träger dieses Gedankens in der Monarchie an Einfluß
  5901. verloren und aus den maßgebendsten Stellen verdrängt
  5902. wurden.
  5903. Schon um die Jahrhundertwende war das Bündnis mit
  5904. Österreich in genau das gleiche Stadium eingetreten wie
  5905. der Bund Österreichs mit Italien.
  5906. Auch hier gab es nur zwei Möglichkeiten: Entweder man
  5907. war im Bunde mit der Habsburgermonarchie, oder man
  5908. mußte gegen die Verdrängung des Deutschtums Einspruch
  5909. erheben. Wenn man aber mit so etwas erst einmal beginnt,
  5910. pflegt das Ende meistens der offene Kampf zu sein.
  5911. Der Wert des Dreibundes war auch schon psychologisch
  5912. ein bescheidener, da die Festigkeit eines Bundes in eben
  5913. dem Maße abnimmt, je mehr er sich auf die Erhaltung
  5914. eines bestehenden Zustandes an sich beschränkt. Ein Bund
  5915. Ludendorffs Denkschrift 1912
  5916. 161
  5917. wird aber umgekehrt um so stärker sein, je mehr die einzelnen Kontrahenten zu hoffen vermögen, durch ihn bestimmte,
  5918. greifbare, expansive Ziele erreichen zu können. Auch hier
  5919. wie überall liegt die Stärke nicht in der Abwehr, sondern
  5920. im Angriff.
  5921. Dies wurde auch von verschiedenen Seiten schon damals
  5922. erkannt, leider nur nicht von den sogenannten „Berufenen“. Besonders der damalige Oberst Ludendorff, Offizier
  5923. im Großen Generalstab, wies in einer Denkschrift des
  5924. Jahres 1912 auf diese Schwächen hin. Natürlich wurde der
  5925. Sache von seiten der „Staatsmänner“ keinerlei Wert und
  5926. Bedeutung zuerkannt; wie denn überhaupt klare Vernunft
  5927. anscheinend nur für gewöhnliche Sterbliche zweckmäßig in
  5928. Erscheinung zu treten hat, grundsätzlich aber ausscheiden
  5929. darf, soweit es sich um „Diplomaten“ handelt.
  5930. Es war für Deutschland nur ein Glück, daß der Krieg im
  5931. Jahre 1914 auf dem Umwege über Österreich ausbrach, die
  5932. Habsburger also mitmachen mußten; wäre es nämlich umgekehrt gekommen, so wäre Deutschland allein gewesen.
  5933. Niemals hätte der Habsburgerstaat sich an einem Kampfe
  5934. zu beteiligen vermocht oder auch selbst beteiligen wollen,
  5935. der durch Deutschland entstanden wäre. Was man später
  5936. an Italien so verurteilte, wäre dann schon früher bei Österreich eingetreten: man würde „neutral“ geblieben sein,
  5937. um so wenigstens den Staat vor einer Revolution gleich zu
  5938. Beginn zu retten. Das österreichische Slawentum würde
  5939. eher die Monarchie schon im Jahre 1914 zerschlagen haben,
  5940. als daß es die Hilfe für Deutschland zugelassen hätte.
  5941. Wie groß aber die Gefahren und Erschwerungen, die der
  5942. Bund mit der Donaumonarchie mit sich brachte, waren, vermochten damals nur sehr wenige zu begreifen.
  5943. Erstens besaß Österreich zu viel Feinde, die den morschen
  5944. Staat zu beerben gedachten, als daß nicht im Laufe der
  5945. Zeit ein gewisser Haß gegen Deutschland entstehen mußte,
  5946. in dem man nun einmal die Ursache der Verhinderung des
  5947. allseits erhofften und ersehnten Zerfalles der Monarchie
  5948. erblickte. Man kam zur Überzeugung, daß Wien zum
  5949. 7
  5950. 162
  5951. Österreich als verlockendes Erbe
  5952. Schlusse eben nur auf dem Umweg über Berlin zu erreichen sei.
  5953. Damit aber verlor zweitens Deutschland die besten und
  5954. aussichtsreichsten Bundesmöglichkeiten. Ja, an ihre Stelle
  5955. trat immer größere Spannung mit Rußland und selbst
  5956. Italien. Dabei war in Rom die allgemeine Stimmung
  5957. ebensosehr deutschfreundlich, wie sie österreichfeindlich im
  5958. Herzen auch des letzten Italieners schlummerte, öfters sogar hellauf brannte.
  5959. Weil man sich nun einmal auf Handels- und Industriepolitik geworfen hatte, war zu einem Kampfe gegen Rußland ebenfalls nicht der leiseste Anstoß mehr vorhanden.
  5960. Nur die Feinde beider Nationen konnten daran noch ein
  5961. lebendiges Interesse besitzen. Tatsächlich waren es auch in
  5962. erster Linie Juden und Marxisten, die hier mit allen Mitteln
  5963. zum Kriege zwischen den zwei Staaten schürten und hetzten.
  5964. Endlich aber mußte drittens dieser Bund für Deutschland
  5965. eine ganz unendliche Gefahr deshalb in sich bergen, weil es
  5966. nun einer dem Bismarckschen Reiche tatsächlich feindlich
  5967. gegenüberstehenden Großmacht jederzeit mit Leichtigkeit gelingen konnte, eine ganze Reiche von Staaten gegen Deutschland mobil zu machen, indem man ja für jeden auf Kosten
  5968. des österreichischen Verbündeten Bereicherungen in Aussicht zu stellen in der Lage war.
  5969. Gegen die Donaumonarchie war der gesamte Osten Europas in Aufruhr zu bringen, insbesondere aber Rußland
  5970. und Italien. Niemals würde die sich seit König Eduards
  5971. einleitendem Wirken bildende Weltkoalition zustande gekommen sein, wenn eben nicht Österreich als der Verbündete Deutschlands ein zu verlockendes Erbe dargestellt hätte.
  5972. Nur so ward es möglich, Staaten mit sonst heterogenen
  5973. Wünschen und Zielen in eine einzige Angriffsfront zu
  5974. bringen. Jeder konnte hoffen, bei einem allgemeinen Vorgehen gegen Deutschland auch seinerseits eine Bereicherung
  5975. auf Kosten Österreichs zu erhalten. Daß nun diesem Unglücksbunde auch noch die Türkei als stiller Teilhaber anzugehören schien, verstärkte diese Gefahr auf das außerordentlichste.
  5976. Österreich als verlockendes Erbe
  5977. 163
  5978. Die internationale jüdische Weltfinanz brauchte aber
  5979. diese Lockmittel, um den langersehnten Plan einer Vernichtung des in die allgemeine überstaatliche Finanz- und Wirtschaftskontrolle noch nicht sich fügenden Deutschlands durchführen zu können. Nur damit konnte man eine Koalition
  5980. zusammenschmieden, stark und mutig gemacht durch die
  5981. reine Zahl der nun marschierenden Millionenheere, bereit,
  5982. dem gehörnten Siegfried endlich auf den Leib zu rücken.
  5983. Das Bündnis mit der Habsburgermonarchie, das mich
  5984. schon in Österreich immer mit Mißmut erfüllt hatte, begann nun zur Ursache langer innerer Prüfungen zu werden, die mich in der Folgezeit nur noch mehr in der schon
  5985. vorgefaßten Meinung bestärkten.
  5986. Ich machte schon damals in den kleinen Kreisen, in denen
  5987. ich überhaupt verkehrte, kein Hehl aus meiner Überzeugung,
  5988. daß dieser unselige Vertrag mit einem zum Untergange bestimmten Staat auch zu einem katastrophalen Zusammenbruch Deutschlands führen werde, wenn man sich nicht noch
  5989. zur rechten Zeit loszulösen verstünde. Ich habe in dieser
  5990. meiner felsenfesten Überzeugung auch keinen Augenblick
  5991. geschwankt, als endlich der Sturm des Weltkrieges jede vernünftige Überlegung ausgeschaltet zu haben schien und der
  5992. Taumel der Begeisterung die Stellen mitergriffen hatte, für
  5993. die es nur kälteste Wirklichkeitsbetrachtung geben durfte.
  5994. Auch während ich selbst an der Front stand, vertrat ich, wo
  5995. immer über diese Probleme gesprochen wurde, meine Meinung, daß der Bund je schneller desto besser für die deutsche
  5996. Nation abgebrochen werden müßte, und daß die Preisgabe der habsburgischen Monarchie überhaupt kein Opfer
  5997. wäre, wenn Deutschland dadurch eine Beschränkung seiner
  5998. Gegner erreichen könnte; denn nicht für die Erhaltung
  5999. einer verluderten Dynastie hatten sich die Millionen den
  6000. Stahlhelm aufgebunden, sondern vielmehr für die Rettung
  6001. der deutschen Nation.
  6002. Einige Male vor dem Kriege schien es, als ob wenigstens
  6003. in einem Lager ein leiser Zweifel an der Richtigkeit der
  6004. eingeschlagenen Bündnispolitik auftauchen wollte. Deutschkonservative Kreise begannen von Zeit zu Zeit vor zu großer
  6005. 164
  6006. Staat und Wirtschaft
  6007. Vertrauensseligkeit zu warnen, allein es war dies, wie eben
  6008. alles Vernünftige, in den Wind geschlagen worden. Man
  6009. war überzeugt, auf dem rechten Weg zu einer „Eroberung“
  6010. der Welt zu sein, deren Erfolg ungeheuer, deren Opfer
  6011. gleich Null sein würden.
  6012. Den bekannten „Unberufenen“ aber blieb wieder einmal
  6013. nichts anderes übrig, als schweigend zuzusehen, warum und
  6014. wie die „Berufenen“ geradewegs in das Verderben marschierten, das liebe Volk wie der Rattenfänger von Hameln
  6015. hinter sich herziehend.
  6016. Die tiefere Ursache für die Möglichkeit, den Unsinn einer
  6017. „wirtschaftlichen Eroberung“ als praktischen politischen
  6018. Weg, die Erhaltung des „Weltfriedens“ aber als politisches Ziel einem ganzen Volke hinzustellen, ja begreiflich
  6019. zu machen, lag in der allgemeinen Erkrankung unseres gesamten politischen Denkens überhaupt.
  6020. Mit dem Siegeszuge der deutschen Technik und Industrie, den aufstrebenden Erfolgen des deutschen Handels
  6021. verlor sich immer mehr die Erkenntnis, daß dies alles
  6022. doch nur unter der Voraussetzung eines starken Staates
  6023. möglich sei. Im Gegenteil, man ging schon in vielen Kreisen so weit, die Überzeugung zu vertreten, daß der Staat
  6024. selber nur diesen Erscheinungen sein Dasein verdanke, daß
  6025. er selber in erster Linie eine wirtschaftliche Institution darstelle, nach wirtschaftlichen Belangen zu regieren sei und
  6026. demgemäß auch in seinem Bestande von der Wirtschaft abhänge, welcher Zustand dann als der weitaus gesündeste
  6027. wie natürlichste angesehen und gepriesen wurde.
  6028. Der Staat hat aber mit einer bestimmten Wirtschaftsauffassung oder Wirtschaftsentwicklung gar nichts zu tun.
  6029. Er ist nicht eine Zusammenfassung wirtschaftlicher Kontrahenten in einem bestimmt umgrenzten Lebensraum zur
  6030. Erfüllung wirtschaftlicher Aufgaben, sondern die Organisation einer Gemeinschaft physisch und seelisch gleicher Lebewesen zur besseren Ermöglichung der Forterhaltung ihrer
  6031. Art sowie der Erreichung des dieser von der Vorsehung
  6032. Staat und Wirtschaft
  6033. 165
  6034. vorgezeichneten Zieles ihres Daseins. Dies und nichts anderes ist der Zweck und Sinn eines Staates. Die Wirtschaft
  6035. ist dabei nur eines der vielen Hilfsmittel, die zur Erreichung
  6036. dieses Zieles eben erforderlich sind. Sie ist aber niemals
  6037. Ursache oder Zweck eines Staates, sofern eben dieser nicht
  6038. von vornherein auf falscher, weil unnatürlicher Grundlage
  6039. beruht. Nur so ist es erklärlich, daß der Staat als solcher
  6040. nicht einmal eine territoriale Begrenzung als Voraussetzung
  6041. zu haben braucht. Es wird dies nur bei den Völkern vonnöten sein, die aus sich selbst heraus die Ernährung der
  6042. Artgenossen sicherstellen wollen, also durch eigene Arbeit
  6043. den Kampf mit dem Dasein auszufechten bereit sind. Völker, die sich als Drohnen in die übrige Menschheit einzuschleichen vermögen, um diese unter allerlei Vorwänden
  6044. für sich schaffen zu lassen, können selbst ohne jeden eigenen, bestimmt begrenzten Lebensraum Staaten bilden. Dies
  6045. trifft in erster Linie zu bei dem Volke, unter dessen Parasitentum besonders heute die ganze ehrliche Menschheit zu
  6046. leiden hat: dem Judentum.
  6047. Der jüdische Staat war nie in sich räumlich begrenzt,
  6048. sondern universell unbegrenzt auf den Raum, aber beschränkt auf die Zusammenfassung einer Rasse. Daher bildete dieses Volk auch immer einen Staat innerhalb der
  6049. Staaten. Es gehört zu den genialsten Tricks, die jemals
  6050. erfunden worden sind, diesen Staat als „Religion“ segeln
  6051. zu lassen und ihn dadurch der Toleranz zu versichern, die
  6052. der Arier dem religiösen Bekenntnis immer zuzubilligen
  6053. bereit ist. Denn tatsächlich ist die mosaische Religion nichts
  6054. anderes als eine Lehre der Erhaltung der jüdischen Rasse.
  6055. Sie umfaßt daher auch nahezu alle soziologischen, politischen sowie wirtschaftlichen Wissensgebiete, die hierfür
  6056. überhaupt nur in Frage zu kommen vermögen.
  6057. Der Trieb der Arterhaltung ist die erste Ursache zur Bildung menschlicher Gemeinschaften. Damit aber ist der Staat
  6058. ein völkischer Organismus und nicht eine wirtschaftliche
  6059. Organisation. Ein Unterschied, der ebenso groß ist, als er
  6060. besonders den heutigen sogenannten „Staatsmännern“ allerdings unverständlich bleibt. Daher glauben dann diese auch,
  6061. 166
  6062. Staat und Wirtschaft
  6063. den Staat durch Wirtschaft aufbauen zu können, während
  6064. er in Wahrheit ewig nur das Ergebnis der Betätigung
  6065. jener Eigenschaften ist, die in der Linie des Erhaltungswillens der Art und Rasse liegen. Diese sind aber immer
  6066. heldische Tugenden und niemals krämerischer Egoismus, da
  6067. ja die Erhaltung des Daseins einer Art die Bereitwilligkeit zur Aufopferung des einzelnen voraussetzt. Darin liegt
  6068. ja eben der Sinn des Dichterwortes „Und setzet ihr nicht
  6069. das Leben ein, nie wird euch das Leben gewonnen sein“,
  6070. daß die Hingabe des persönlichen Daseins notwendig ist, um
  6071. die Erhaltung der Art zu sichern. Somit aber ist die wesentlichste Voraussetzung zur Bildung und Erhaltung eines
  6072. Staates das Vorhandensein eines bestimmten Zusammengehörigkeitsgefühls auf Grund gleichen Wesens und gleicher
  6073. Art sowie die Bereitwilligkeit, dafür sich mit allen Mitteln
  6074. einzusetzen. Dies wird bei Völkern auf eigenem Boden zur
  6075. Bildung heldischer Tugenden, bei Schmarotzern zu verlogener Heuchelei und heimtückischer Grausamkeit führen, wenn
  6076. nicht diese Eigenschaften schon als Voraussetzung ihres der
  6077. Form nach so verschiedenen staatlichen Daseins nachweisbar vorhanden sein müssen. Immer aber wird schon die
  6078. Bildung eines Staates nur durch den Einsatz dieser Eigenschaften mindestens ursprünglich erfolgen, wobei dann im
  6079. Ringen um die Selbsterhaltung diejenigen Völker unterliegen werden, das heißt der Unterjochung und damit dem
  6080. früheren oder späteren Aussterben anheimfallen, die im
  6081. gegenseitigen Kampf das wenigste an heldischen Tugenden
  6082. ihr eigen nennen oder der verlogenen List des feindlichen
  6083. Schmarotzers nicht gewachsen sind. Aber auch in diesem
  6084. Falle ist dies fast immer nicht so sehr einem Mangel an
  6085. Klugheit als vielmehr einem Mangel an Entschlossenheit
  6086. und Mut zuzuschreiben, der sich nur unter dem Mantel
  6087. humaner Gesinnung zu verbergen trachtet.
  6088. Wie wenig aber die staatsbildenden und staatserhaltenden Eigenschaften mit Wirtschaft im Zusammenhang stehen,
  6089. zeigt am klarsten die Tatsache, daß die innere Stärke eines
  6090. Staates nur in den allerseltensten Fällen mit der sogenannten wirtschaftlichen Blüte zusammenfällt, wohl aber diese
  6091. 168
  6092. Staat und Wirtschaft
  6093. in unendlich vielen Beispielen den bereits nahenden Verfall des Staates anzuzeigen scheint. Würde nun aber die
  6094. Bildung menschlicher Gemeinwesen in erster Linie wirtschaftlichen Kräften oder auch Antrieben zuzuschreiben
  6095. sein, dann müßte die höchste wirtschaftliche Entfaltung
  6096. auch zugleich die gewaltigste Stärke des Staates bedeuten
  6097. und nicht umgekehrt.
  6098. Der Glaube an die staatsbildende und staatserhaltende
  6099. Kraft der Wirtschaft mutet besonders unverständlich an,
  6100. wenn er in einem Lande Geltung hat, das in allem und
  6101. jedem das geschichtliche Gegenteil klar und eindringlich
  6102. aufzeigt. Gerade Preußen erweist in wundervoller
  6103. Schärfe, daß nicht materielle Eigenschaften, sondern ideelle
  6104. Tugenden allein zur Bildung eines Staates befähigen. Erst
  6105. unter ihrem Schutze vermag dann auch die Wirtschaft
  6106. emporzublühen, so lange, bis mit dem Zusammenbruche
  6107. der reinen staatsbildenden Fähigkeiten auch die Wirtschaft
  6108. wieder zusammenbricht; ein Vorgang, den wir gerade jetzt
  6109. in so entsetzlich trauriger Weise beobachten können. Immer
  6110. vermögen die materiellen Interessen der Menschen so lange
  6111. am besten zu gedeihen, als sie im Schatten heldischer
  6112. Tugenden bleiben; sowie sie aber in den ersten Kreis des
  6113. Daseins zu treten versuchen, zerstören sie sich die Voraussetzung zum eigenen Bestand.
  6114. Stets, wenn in Deutschland ein Aufschwung machtpolitischer Art stattfand, begann sich auch die Wirtschaft
  6115. zu heben; immer aber, wenn die Wirtschaft zum einzigen
  6116. Inhalt des Lebens unseres Volkes wurde und darunter die
  6117. ideellen Tugenden erstickte, brach der Staat wieder zusammen und riß in einiger Zeit die Wirtschaft mit sich.
  6118. Wenn man sich jedoch die Frage vorlegt, was nun die
  6119. staatsbildenden oder auch nur staatserhaltenden Kräfte in
  6120. Wirklichkeit sind, so kann man sie unter einer einzigen
  6121. Bezeichnung zusammenfassen: Aufopferungsfähigkeit und
  6122. Aufopferungswille des einzelnen für die Gesamtheit. Daß
  6123. diese Tugenden mit Wirtschaft auch nicht das geringste zu
  6124. tun haben, geht aus der einfachen Erkenntnis hervor, daß
  6125. der Mensch sich ja nie für diese aufopfert, das heißt: man
  6126. 168
  6127. Staat und Wirtschaft
  6128. stirbt nicht für Geschäfte, sondern nur für Ideale. Nichts
  6129. bewies die psychologische Überlegenheit des Engländers in
  6130. der Erkenntnis der Volksseele besser als die Motivierung,
  6131. die er seinem Kampfe zu geben verstand. Während wir für
  6132. Brot fochten, stritt England für die „Freiheit“, und nicht
  6133. einmal für die eigene, nein, für die der kleinen Nationen.
  6134. Man lachte bei uns über diese Frechheit oder ärgerte sich
  6135. darüber und bewies damit, wie gedankenlos dumm die sogenannte Staatskunst Deutschlands schon vor dem Kriege
  6136. geworden war. Keine blasse Ahnung war mehr vorhanden
  6137. über das Wesen der Kraft, die Männer aus freiem Willen
  6138. und Entschluß in den Tod zu führen vermag.
  6139. Solange das deutsche Volk im Jahre 1914 noch für Ideale
  6140. zu fechten glaube, hielt es stand; sowie man es nur mehr um
  6141. das tägliche Brot kämpfen ließ, gab es das Spiel lieber auf.
  6142. Unsere geistvollen „Staatsmänner“ aber staunten über
  6143. diesen Wechsel der Gesinnung. Es wurde ihnen niemals
  6144. klar, daß ein Mensch von dem Augenblick an, in dem er
  6145. für ein wirtschaftliches Interesse ficht, den Tod möglichst
  6146. meidet, da ja dieser ihn um den Genuß des Lohnes seines
  6147. Kampfes für immer bringen würde. Die Sorge um die
  6148. Rettung des eigenen Kindes läßt die schwächlichste Mutter
  6149. zur Heldin werden, und nur der Kampf um die Erhaltung
  6150. der Art und des sie schützenden Herdes oder auch Staates
  6151. trieb die Männer zu allen Zeiten in die Speere der Feinde.
  6152. Man darf folgenden Satz als ewig gültige Wahrheit aufstellen:
  6153. Noch niemals wurde ein Staat durch friedliche Wirtschaft
  6154. gegründet, sondern immer nur durch die Instinkte der
  6155. Erhaltung der Art, mögen diese nun auf dem Gebiete
  6156. heldischer Tugend oder listiger Verschlagenheit liegen; das
  6157. eine ergibt dann eben arische Arbeits- und Kulturstaaten,
  6158. das andere jüdische Schmarotzerkolonien. Sowie jedoch erst
  6159. bei einem Volke oder in einem Staate die Wirtschaft als
  6160. solche diese Triebe zu überwuchern beginnt, wird sie selber
  6161. zur lockenden Ursache der Unterjochung und Unterdrückung.
  6162. Der Glaube der Vorkriegszeit, durch Handels- und Kolonialpolitik auf friedlichem Wege die Welt dem deutschen
  6163. Verfallsmomente
  6164. 169
  6165. Volke erschließen oder gar erobern zu können, war ein
  6166. klassisches Zeichen für den Verlust der wirklichen staatsbildenden und staatserhaltenden Tugenden und aller daraus folgenden Einsicht, Willenskraft und Tatentschlossenheit; die naturgesetzliche Quittung hierfür aber war der
  6167. Weltkrieg mit seinen Folgen.
  6168. Für den nicht tiefer Forschenden konnte allerdings diese
  6169. Einstellung der deutschen Nation – denn sie war wirklich
  6170. so gut als allgemein – nur ein unlösbares Rätsel darstellen: war doch gerade Deutschland ein ganz wundervolles
  6171. Beispiel eines aus rein machtpolitischen Grundlagen hervorgegangenen Reiches. Preußen, des Reiches Keimzelle,
  6172. entstand durch strahlendes Heldentum und nicht durch
  6173. Finanzoperationen oder Handelsgeschäfte, und das Reich
  6174. selber war wieder nur der herrlichste Lohn machtpolitischer
  6175. Führung und soldatischen Todesmutes. Wie konnte gerade
  6176. das deutsche Volk zu einer solchen Erkrankung seines politischen Instinkts kommen? Denn hier handelte es sich nicht
  6177. um eine einzelne Erscheinung, sondern um Verfallsmomente, die in wahrhaft erschreckender Unzahl bald wie
  6178. Irrlichter aufflackerten und dem Volkskörper auf und ab
  6179. strichen oder als giftige Geschwüre bald da, bald dort die
  6180. Nation anfraßen. Es schien, als ob ein immerwährender
  6181. Giftstrom bis in die äußersten Blutgefäße dieses einstigen
  6182. Heldenleibes von einer geheimnisvollen Macht getrieben
  6183. würde, um nun zu immer größeren Lähmungen der gesunden Vernunft, des einfachen Selbsterhaltungstriebes zu
  6184. führen.
  6185. Indem ich alle dies Fragen, bedingt durch meine Stellungnahme zur deutschen Bündnispolitik und Wirtschaftspolitik des Reiches, in den Jahren 1912 bis 1914 zahllose
  6186. Male an mir vorüberziehen ließ, blieb als des Rätsels
  6187. Lösung immer mehr jene Macht übrig, die ich schon vordem
  6188. in Wien, von ganz anderen Gesichtspunkten bestimmt, kennengelernt hatte: die marxistische Lehre und Weltanschauung sowie ihre organisatorische Auswirkung.
  6189. Zum zweiten Male in meinem Leben bohrte ich mich in
  6190. diese Lehre der Zerstörung hinein – und diesmal freilich
  6191. 170
  6192. Deutschlands Verhalten zum Marxismus
  6193. nicht mehr geleitet durch die Eindrücke und Wirkungen
  6194. meiner tagtäglichen Umgebung, sondern hingewiesen durch
  6195. die Beobachtung allgemeiner Vorgänge des politischen
  6196. Lebens. Indem ich neuerdings mich in die theoretische Literatur dieser neuen Welt vertiefte und mir deren mögliche
  6197. Auswirkungen klarzumachen versuchte, verglich ich diese
  6198. dann mit den tatsächlichen Erscheinungen und Ereignissen
  6199. ihrer Wirksamkeit im politischen, kulturellen und auch
  6200. wirtschaftlichen Leben.
  6201. Zum ersten Male aber wendete ich nun meine Aufmerksamkeit auch den Versuchen zu, dieser Weltpest Herr zu
  6202. werden.
  6203. Ich studierte die Bismarcksche Ausnahmegesetzgebung in
  6204. Absicht, Kampf und Erfolg. Allmählich erhielt ich dann
  6205. eine für meine eigene Überzeugung allerdings geradezu
  6206. granitene Grundlage, so daß ich seit dieser Zeit eine Umstellung meiner inneren Anschauung in dieser Frage niemals mehr vorzunehmen gezwungen wurde. Ebenso ward
  6207. das Verhältnis von Marxismus und Judentum einer weiteren gründlichen Prüfung unterzogen.
  6208. Wenn mir aber früher in Wien vor allem Deutschland
  6209. als ein unerschütterlicher Koloß erschienen war, so begannen nun doch manchmal bange Bedenken bei mir einzutreten. Ich haderte im stillen und in den kleinen Kreisen meiner Bekannten mit der deutschen Außenpolitik ebenso wie
  6210. mit der, wie mir schien, unglaublich leichtfertigen Art, in
  6211. der man das wichtigste Problem, das es überhaupt für
  6212. Deutschland damals gab, den Marxismus, behandelte. Ich
  6213. konnte wirklich nicht begreifen, wie man nur so blind
  6214. einer Gefahr entgegenzutaumeln vermochte, deren Auswirkungen der eigenen Absicht des Marxismus entsprechend
  6215. einst ungeheuerliche sein mußten. Ich habe schon damals in
  6216. meiner Umgebung, genau so wie heute im großen, vor
  6217. dem Beruhigungsspruch aller feigen Jämmerlinge „Uns
  6218. kann nichts geschehen!“ gewarnt. Eine ähnliche GesinnungsPestilenz hatte schon einst ein Riesenreich zerstört. Sollte
  6219. Deutschland allein nicht genau den gleichen Gesetzen unterworfen sein wie alle anderen menschlichen Gemeinschaften?
  6220. Deutschlands Verhalten zum Marxismus
  6221. 171
  6222. In den Jahren 1913 und 1914 habe ich denn auch zum
  6223. ersten Male in verschiedenen Kreisen, die heute zum Teil
  6224. treu zur nationalsozialistischen Bewegung stehen, die Überzeugung ausgesprochen, daß die Frage der Zukunft der
  6225. deutschen Nation die Frage der Vernichtung des Marxismus ist.
  6226. In der unseligen deutschen Bündnispolitik sah ich nur
  6227. eine der durch die Zersetzungsarbeit dieser Lehre hervorgerufenen Folgeerscheinungen; denn das Fürchterliche war
  6228. ja eben, daß dieses Gift fast unsichtbar sämtliche Grundlagen einer gesunden Wirtschafts- und Staatsauffassung
  6229. zerstörte, ohne daß die davon Ergriffenen häufig auch nur
  6230. selber ahnten, wie sehr ihr Handeln und Wollen bereits
  6231. der Ausfluß dieser sonst auf das schärfste abgelehnten Weltanschauung war.
  6232. Der innere Niedergang des deutschen Volkes hatte damals schon längst begonnen, ohne daß die Menschen, wie so
  6233. oft im Leben, sich über den Vernichter ihres Daseins klargeworden wären. Manchmal dokterte man wohl auch an der
  6234. Krankheit herum, verwechselte jedoch dann die Formen der
  6235. Erscheinung mit dem Erreger. Da man diesen nicht kannte
  6236. oder erkennen wollte, besaß aber auch der Kampf gegen
  6237. den Marxismus nur den Wert einer kurpfuscherischen
  6238. Salbaderei.
  6239. 5. Kapitel
  6240. Der Weltkrieg
  6241. A ls jungen Wildfang hatte mich in meinen ausgelassenen
  6242. Jahren nichts so sehr betrübt, als gerade in einer Zeit
  6243. geboren zu sein, die ersichtlich ihre Ruhmestempel nur mehr
  6244. Krämern oder Staatsbeamten errichten würde. Die Wogen
  6245. der geschichtlichen Ereignisse schienen sich schon so gelegt
  6246. zu haben, daß wirklich nur dem „friedlichen Wettbewerb
  6247. der Völker“, das heißt also einer geruhsamen gegenseitigen
  6248. Begaunerung unter Ausschaltung gewaltsamer Methoden
  6249. der Abwehr, die Zukunft gehören zu schien. Die einzelnen
  6250. Staaten begannen immer mehr Unternehmen zu gleichen,
  6251. die sich gegenseitig den Boden abgraben, die Kunden und
  6252. Aufträge wegfangen und einander auf jede Weise zu übervorteilen versuchen, und dies alles unter einem ebenso
  6253. großen wie harmlosen Geschrei in Szene setzen. Diese Entwicklung aber schien nicht nur anzuhalten, sondern sollte
  6254. dereinst (nach allgemeiner Empfehlung) die ganze Welt
  6255. zu einem einzigen großen Warenhaus ummodeln, in dessen
  6256. Vorhallen dann die Büsten der geriebensten Schieber und
  6257. harmlosesten Verwaltungsbeamten der Unsterblichkeit aufgespeichert würden. Die Kaufleute könnten dann die Engländer stellen, die Verwaltungsbeamten die Deutschen,
  6258. zu Inhabern aber müßten sich wohl die Juden aufopfern,
  6259. da sie nach eigenem Geständnis doch nie etwas verdienen,
  6260. sondern ewig nur „bezahlen“ und außerdem die meisten
  6261. Sprachen sprechen.
  6262. Warum konnte man denn nicht hundert Jahre früher geboren sein? Etwa zur Zeit der Befreiungskriege, da der
  6263. Mann wirklich, auch ohne „Geschäft“, noch etwas wert
  6264. war?!
  6265. Die herannahende Katastrophe
  6266. 173
  6267. Ich hatte mir so über meine, wie mir vorkam, zu spät angetretene irdische Wanderschaft oft ärgerliche Gedanken
  6268. gemacht und die mir bevorstehende Zeit „der Ruhe und
  6269. Ordnung“ als eine unverdiente Niedertracht des Schicksals
  6270. angesehen. Ich war eben schon als Junge kein „Pazifist“,
  6271. und alle erzieherischen Versuche in dieser Richtung wurden
  6272. zu Nieten.
  6273. Wie ein Wetterleuchten kam mir da der Burenkrieg vor.
  6274. Ich lauerte jeden Tag auf die Zeitungen und verschlang
  6275. Depeschen und Berichte und war schon glücklich, Zeuge
  6276. dieses Heldenkampfes wenigstens aus der Ferne sein zu
  6277. dürfen.
  6278. Der Russisch-Japanische Krieg sah mich schon wesentlich
  6279. reifer, allein auch aufmerksamer. Ich hatte dort bereits aus
  6280. mehr nationalen Gründen Partei ergriffen und mich damals beim Austrag unserer Meinungen sofort auf Seite der
  6281. Japaner gestellt. Ich sah in einer Niederlage der Russen
  6282. auch eine Niederlage des österreichischen Slawentums.
  6283. Seitdem waren viele Jahre verflossen, und was mir einst
  6284. als Junge wie faules Siechtum erschien, empfand ich nun
  6285. als Ruhe vor dem Sturme. Schon während meiner Wiener
  6286. Zeit lag über dem Balkan jene fahle Schwüle, die den
  6287. Orkan anzuzeigen pflegt, und schon zuckte manchmal auch
  6288. ein hellerer Lichtschein auf, um jedoch rasch in das unheimliche Dunkel sich wieder zuzückzuverlieren. Dann aber kam
  6289. der Balkankrieg, und mit ihm fegte der erste Windstoß über
  6290. das nervös gewordene Europa hinweg. Die nun kommende
  6291. Zeit lag wie ein schwerer Alpdruck auf den Menschen,
  6292. brütend wie fiebrige Tropenglut, so daß das Gefühl der
  6293. herannahenden Katastrophe infolge der ewigen Sorge endlich zur Sehnsucht wurde: der Himmel möge endlich dem
  6294. Schicksal, das nicht mehr zu hemmen war, den freien Lauf
  6295. gewähren. Da fuhr denn auch schon der erste gewaltige
  6296. Blitzstrahl auf die Erde nieder: das Wetter brach los, und
  6297. in den Donner des Himmels mengte sich das Dröhnen der
  6298. Batterien des Weltkrieges.
  6299. Als die Nachricht von der Ermordung des Erzherzogs
  6300. Franz Ferdinand in München eintraf (ich saß gerade zu
  6301. 174
  6302. Der größte Slawenfreund ermordet
  6303. Hause und hörte nur ungenau den Hergang der Tat), faßte
  6304. mich zunächst Sorge, die Kugeln möchten vielleicht aus
  6305. den Pistolen deutscher Studenten stammen, die aus Empörung über die dauernde Verslawungsarbeit des Thronfolgers das deutsche Volk von diesem inneren Feinde befreien
  6306. wollten. Was die Folge davon gewesen wäre, konnte man
  6307. sich sofort ausdenken: eine neue Welle von Verfolgungen,
  6308. die nun vor der ganzen Welt „gerechtfertigt“ und „begründet“ gewesen wären. Als ich jedoch gleich darauf schon die
  6309. Namen der vermutlichen Täter hörte und außerdem ihre
  6310. Feststellung als Serben las, begann mich leises Grauen zu
  6311. beschleichen über diese Rache des unerforschlichen Schicksals.
  6312. Der größte Slawenfreund fiel unter den Kugeln slawischer Fanatiker.
  6313. Wer in den letzten Jahren das Verhältnis Österreichs zu
  6314. Serbien dauernd zu beobachten Gelegenheit besaß, der
  6315. konnte wohl kaum einen Augenblick darüber im Zweifel
  6316. sein, daß der Stein in das Rollen gekommen war, bei dem es
  6317. ein Aufhalten nicht mehr geben konnte.
  6318. Man tut der Wiener Regierung Unrecht, sie heute mit
  6319. Vorwürfen zu überschütten über Form und Inhalt des von
  6320. ihr gestellten Ultimatums. Keine andere Macht der Welt
  6321. hätte an gleicher Stelle und in gleicher Lage anders zu
  6322. handeln vermocht. Österreich besaß an seiner Südgrenze
  6323. einen unerbittlichen Todfeind, der in immer kürzeren
  6324. Perioden die Monarchie herausforderte, und der nimmer
  6325. locker gelassen hätte, bis endlich der günstige Augenblick
  6326. zur Zertrümmerung des Reiches doch eingetreten wäre. Man
  6327. hatte Grund zur Befürchtung, daß dieser Fall spätestens
  6328. mit dem Tode des alten Kaisers kommen mußte; dann aber
  6329. war die Monarchie vielleicht überhaupt nicht mehr in der
  6330. Lage, ernstlichen Widerstand zu leisten. Der ganze Staat
  6331. stand in den letzten Jahren schon so sehr auf den beiden
  6332. Augen Franz Josephs, daß der Tod dieser uralten Verkörperung des Reiches in dem Gefühl der breiten Masse
  6333. von vornherein als der Tod des Reiches selber galt. Ja, es gehörte mit zu den schlauesten Künsten besonders slawischer
  6334. Politik, den Anschein zu erwecken, daß der österreichische
  6335. Das österreichische Ultimatum
  6336. 175
  6337. Staat ohnehin nur mehr der ganz wundervollen, einzigartigen Kunst dieses Monarchen sein Dasein verdanke; eine
  6338. Schmeichelei, die in der Hofburg um so wohler tat, als sie
  6339. den wirklichen Verdiensten dieses Kaisers am wenigsten
  6340. entsprach. Den Stachel, der in dieser Lobpreisung versteckt
  6341. lauerte, vermochte man nicht herauszufinden. Man sah
  6342. nicht oder wollte vielleicht auch dort nicht mehr sehen, dass,
  6343. je mehr die Monarchie nur noch auf die überragende Regierungskunst, wie man sich auszudrücken pflegte, dieses
  6344. „weisesten Monarchen“ aller Zeiten eingestellt war, um so
  6345. katastrophaler die Lage werden mußte, wenn eines Tages
  6346. auch hier das Schicksal an die Türe pochte, um seinen Tribut zu holen.
  6347. War das alte Österreich ohne den alten Kaiser dann
  6348. überhaupt noch denkbar?!
  6349. Würde sich nicht sofort die Tragödie, die einst Maria
  6350. Theresia betroffen hatte, wiederholt haben?
  6351. Nein, man tut den Wiener Regierungskreisen wirklich
  6352. Unrecht, wenn ihnen der Vorwurf gemacht wird, daß sie
  6353. nun zum Kriege trieben, der sonst vielleicht doch noch zu
  6354. vermeiden gewesen wäre. Er war nicht mehr zu vermeiden,
  6355. sondern konnte höchstens noch ein oder zwei Jahre hinausgeschoben werden. Allein dies war ja der Fluch der deutschen sowohl als auch der österreichischen Diplomatie, daß
  6356. sie eben immer schon versucht hatte, die unausbleibliche Abrechnung hinauszuschieben, bis sie endlich gezwungen war,
  6357. zu der unglücklichsten Stunde loszuschlagen. Man kann überzeugt sein, daß ein nochmaliger Versuch, den Frieden zu
  6358. retten, den Krieg zu noch ungünstigerer Zeit erst recht gebracht haben würde.
  6359. Nein, wer diesen Krieg nicht wollte, mußte auch den Mut
  6360. aufbringen, die Konsequenzen zu ziehen. Diese aber hätten
  6361. nur in der Opferung Österreichs bestehen können. Der Krieg
  6362. wäre auch dann noch gekommen, allein wohl nicht mehr
  6363. als Kampf aller gegen uns, dafür jedoch in der Form
  6364. einer Zerreißung der Habsburgermonarchie. Dabei mußte
  6365. man sich dann entschließen, mitzutun oder eben zuzusehen,
  6366. um mit leeren Händen dem Schicksal seinen Lauf zu lassen.
  6367. 176
  6368. Das österreichische Ultimatum
  6369. Gerade diejenigen aber, die heute über den Beginn des
  6370. Krieges am allermeisten fluchen und am weisesten urteilen,
  6371. waren diejenigen, die am verhängnisvollsten mithalfen, in
  6372. ihn hineinzusteuern.
  6373. Die Sozialdemokratie hatte seit Jahrzehnten die schurkenhafteste Kriegshetze gegen Rußland getrieben, das Zentrum
  6374. aber hatte aus religiösen Gesichtspunkten den österreichischen Staat am meisten zum Angel- und Drehpunkt der deutschen Politik gemacht. Nun hatte man die Folgen dieses Irrsinns zu tragen. Was kam, mußte kommen und war unter
  6375. keinen Umständen mehr zu vermeiden. Die Schuld der deutschen Regierung war dabei, daß sie, um den Frieden nur ja
  6376. zu erhalten, die günstigen Stunden des Losschlagens immer
  6377. versäumte, sich in das Bündnis zur Erhaltung des Weltfriedens verstrickte und so endlich das Opfer einer Weltkoalition wurde, die eben dem Drang nach Erhaltung des
  6378. Weltfriedens die Entschlossenheit zum Weltkrieg entgegenstemmte.
  6379. Hätte aber die Wiener Regierung damals dem Ultimatum eine andere, mildere Form gegeben, so würde dies an
  6380. der Lage gar nichts mehr geändert haben als höchstens das
  6381. eine, daß sie selber von der Empörung des Volkes weggefegt worden wäre. Denn in den Augen der breiten Masse
  6382. war der Ton des Ultimatums noch viel zu rücksichtsvoll und
  6383. keineswegs etwa zu weitgehend oder gar zu brutal. Wer
  6384. dies heute wegzuleugnen versucht, ist entweder ein vergeßlicher Hohlkopf oder ein ganz bewußter Lügner.
  6385. Der Kampf des Jahres 1914 wurde den Massen, wahrhaftiger Gott, nicht aufgezwungen, sondern von dem gesamten Volke selbst begehrt.
  6386. Man wollte einer allgemeinen Unsicherheit endlich ein
  6387. Ende bereiten. Nur so kann man auch verstehen, daß zu
  6388. diesem schwersten Ringen sich über zwei Millionen deutscher Männer und Knaben freiwillig zur Fahne stellten,
  6389. bereit, sie zu schirmen mit dem letzten Tropfen Blutes.
  6390. Der deutsche Freiheitskampf
  6391. 177
  6392. Mir selber kamen die damaligen Stunden wie eine Erlösung aus den ärgerlichen Empfindungen der Jugend vor.
  6393. Ich schäme mich auch heute nicht, es zu sagen, daß ich, überwältigt von stürmischer Begeisterung, in die Knie gesunken
  6394. war und dem Himmel aus übervollem Herzen dankte, daß
  6395. er mir das Glück geschenkt, in dieser Zeit leben zu dürfen.
  6396. Ein Freiheitskampf war angebrochen, wie die Erde noch
  6397. keinen gewaltigeren bisher gesehen; denn sowie das Verhängnis seinen Lauf auch nur begonnen hatte, dämmerte
  6398. auch schon den breitesten Massen die Überzeugung auf, daß
  6399. es sich dieses Mal nicht um Serbiens oder auch Österreichs
  6400. Schicksal handelte, sondern um Sein oder Nichtsein der
  6401. deutschen Nation.
  6402. Zum letzten Male auf viele Jahre war das Volk hellseherisch über seine eigene Zukunft geworden. So kam
  6403. denn auch gleich zu Beginn des ungeheueren Ringens in den
  6404. Rausch einer überschwenglichen Begeisterung der nötige
  6405. ernste Unterton: denn diese Erkenntnis allein ließ die
  6406. nationale Erhebung mehr werden als ein bloßes Strohfeuer. Der Ernst aber war nur zu sehr erforderlich; machte
  6407. man sich doch damals allgemein auch nicht die geringste
  6408. Vorstellung von der möglichen Länge und Dauer des nun
  6409. beginnenden Kampfes. Man träumte, den Winter wieder
  6410. zu Hause zu sein, um dann in erneuter friedlicher Arbeit
  6411. fortzufahren.
  6412. Was der Mensch will, das hofft und glaubt er. Die überwältigende Mehrheit der Nation war des ewigen unsicheren
  6413. Zustandes schon längst überdrüssig; so war es auch nur zu
  6414. verständlich, daß man an eine friedliche Beilegung des
  6415. österreichisch-serbischen Konfliktes gar nicht mehr glaubte,
  6416. die endgültige Auseinandersetzung aber erhoffte. Zu diesen
  6417. Millionen gehörte auch ich.
  6418. Kaum war die Kunde des Attentats in München bekannt geworden, so zuckten mir auch sofort zwei Gedanken durch den Kopf: erstens, daß der Krieg endlich
  6419. unvermeidlich sein würde, weiter aber, daß nun der
  6420. habsburgische Staat gezwungen sei, den Bund auch zu
  6421. halten; denn was ich immer am meisten gefürchtet hatte,
  6422. 178
  6423. Der Sinn des Freiheitskampfes
  6424. war die Möglichkeit, daß Deutschland selber eines Tages,
  6425. vielleicht gerade infolge dieses Bündnisses, in einen Konflikt geraten konnte, ohne daß aber Österreich die direkte
  6426. Veranlassung hierzu gegeben hätte, und so der österreichische Staat aus innerpolitischen Gründen nicht die
  6427. Kraft des Entschlusses aufbringen würde, sich hinter den
  6428. Bundesgenossen zu stellen. Die slawische Majorität des
  6429. Reiches würde eine solche selbst gefaßte Absicht sofort zu
  6430. sabotieren begonnen haben und hätte immer noch lieber
  6431. den ganzen Staat in Trümmer geschlagen, als dem Bundesgenossen die geforderte Hilfe gewährt. Diese Gefahr
  6432. war nun aber beseitigt. Der alte Staat mußte fechten, man
  6433. mochte wollen oder nicht.
  6434. Meine eigene Stellung zum Konflikt war mir ebenfalls
  6435. sehr einfach und klar; für mich stritt nicht Österreich für
  6436. irgendeine serbische Genugtuung, sondern Deutschland um
  6437. seinen Bestand, die deutsche Nation um Sein oder Nichtsein, um Freiheit und Zukunft. Bismarcks Werk mußte sich
  6438. nun schlagen; was die Väter einst mit ihrem Heldenblute
  6439. in den Schlachten von Weißenburg bis Sedan und Paris
  6440. erstritten hatten, mußte nun das junge Deutschland sich
  6441. aufs neue verdienen. Wenn dieser Kampf aber siegreich
  6442. bestanden wurde, dann war unser Volk in den Kreis der
  6443. großen Nationen auch wieder an äußerer Macht eingetreten, dann erst wieder konnte das Deutsche Reich als ein
  6444. mächtiger Hort des Friedens sich bewähren, ohne seinen
  6445. Kindern das tägliche Brot um des lieben Friedens willen
  6446. kürzen zu müssen.
  6447. Ich hatte einst als Junge und junger Mensch so oft
  6448. den Wunsch gehabt, doch wenigstens einmal auch durch
  6449. Taten bezeugen zu können, daß mir die nationale Begeisterung kein leerer Wahn sei. Mir kam es oft fast als Sünde
  6450. vor, Hurra zu schreien, ohne vielleicht auch nur das innere
  6451. Recht hierzu zu besitzen; denn wer durfte dieses Wort gebrauchen, ohne es einmal dort erprobt zu haben, wo alle
  6452. Spielerei zu Ende ist und die unerbittliche Hand der
  6453. Schicksalsgöttin Völker und Menschen zu wägen beginnt auf
  6454. Wahrheit und Bestand ihrer Gesinnung? So quoll mir,
  6455. Eintritt in ein bayerisches Regiment
  6456. 179
  6457. wie Millionen anderen, denn auch das Herz über vor
  6458. stolzem Glück, mich nun endlich von dieser lähmenden
  6459. Empfindung erlösen zu können. Ich hatte so oft „Deutschland über alles“ gesungen und aus voller Kehle Heil gerufen, daß es mir fast wie eine nachträglich gewährte Gnade
  6460. erschien, nun im Gottesdienst des ewigen Richters als
  6461. Zeuge antreten zu dürfen zur Bekundung der Wahrhaftigkeit dieser Gesinnung. Denn es stand bei mir von der ersten
  6462. Stunde an fest, daß ich im Falle eines Krieges – der mir
  6463. unausbleiblich schien – so oder so die Bücher sofort verlassen würde. Ebenso aber wußte ich auch, daß mein Platz
  6464. dann dort sein mußte, wo mich die innere Stimme nun
  6465. einmal hinwies.
  6466. Aus politischen Gründen hatte ich Österreich in erster
  6467. Linie verlassen; was war aber selbstverständlicher, als daß
  6468. ich nun, da der Kampf begann, dieser Gesinnung erst recht
  6469. Rechnung tragen mußte! Ich wollte nicht für den habsburgischen Staat fechten, war aber bereit, für mein Volk und
  6470. das dieses verkörpernde Reich jederzeit zu sterben.
  6471. Am 3. August reichte ich ein Immediatgesuch an Seine
  6472. Majestät König Ludwig III. ein mit der Bitte, in ein
  6473. bayerisches Regiment eintreten zu dürfen. Die Kabinettskanzlei hatte in diesen Tagen sicherlich nicht wenig zu tun;
  6474. um so größer war meine Freude, als ich schon am Tage
  6475. darauf die Erledigung meines Ansuchens erhielt. Als ich
  6476. mit zitternden Händen das Schreiben geöffnet hatte und
  6477. die Genehmigung meiner Bitte mit der Aufforderung las,
  6478. mich bei einem bayerischen Regiment zu melden, kannten
  6479. Jubel und Dankbarkeit keine Grenzen. Wenige Tage später
  6480. trug ich dann den Rock, den ich erst nach nahezu sechs
  6481. Jahren wieder ausziehen sollte.
  6482. So, wie wohl für jeden Deutschen, begann nun auch für
  6483. mich die unvergeßlichste und größte Zeit meines irdischen
  6484. Lebens. Gegenüber den Ereignissen dieses gewaltigsten
  6485. Ringens fiel alles Vergangene in ein schales Nichts zurück.
  6486. Mit stolzer Wehmut denke ich gerade in diesen Tagen, da
  6487. sich zum zehnten Male das gewaltige Geschehen jährt,
  6488. zurück an diese Wochen des beginnenden Heldenkampfes
  6489. 180
  6490. Die Feuertaufe
  6491. unseres Volkes, den mitzumachen mir das Schicksal gnädig
  6492. erlaubte.
  6493. Wie gestern erst zieht an mir Bild um Bild vorbei, sehe
  6494. ich mich im Kreise meiner lieben Kameraden eingekleidet,
  6495. dann zum ersten Male ausrücken, exerzieren usw., bis endlich der Tag des Ausmarsches kam.
  6496. Eine einzige Sorge quälte mich in dieser Zeit, mich wie
  6497. so viele andere auch, ob wir nicht zu spät zur Front
  6498. kommen würden. Dies allein ließ mich oft und oft nicht
  6499. Ruhe finden. So blieb in jedem Siegesjubel über eine
  6500. neue Heldentat ein leiser Tropfen Bitternis verborgen,
  6501. schien doch mit jedem neuen Siege die Gefahr unseres
  6502. Zuspätkommens zu steigen.
  6503. Und so kam endlich der Tag, an dem wir München verließen, um anzutreten zur Erfüllung unserer Pflicht. Zum
  6504. ersten Male sah ich so den Rhein, als wir an seinen stillen
  6505. Wellen entlang dem Westen entgegenfuhren, um ihn, den
  6506. deutschen Strom der Ströme, zu schirmen vor der Habgier
  6507. des alten Feindes. Als durch den zarten Schleier des Frühnebels die milden Strahlen der ersten Sonne das Niederwalddenkmal auf uns herabschimmern ließen, da brauste
  6508. aus dem endlos langen Transportzuge die alte Wacht am
  6509. Rhein in den Morgenhimmel hinaus, und mir wollte die
  6510. Brust zu enge werden.
  6511. Und dann kommt eine feuchte, kalte Nacht in Flandern,
  6512. durch die wir schweigend marschieren, und als der Tag sich
  6513. dann aus den Nebeln zu lösen beginnt, da zischt plötzlich
  6514. ein eiserner Gruß über unsere Köpfe uns entgegen und
  6515. schlägt in scharfem Knall die kleinen Kugeln zwischen
  6516. unsere Reihen, den nassen Boden aufpeitschend; ehe aber
  6517. die kleine Wolke sich noch verzogen, dröhnt aus zweihundert
  6518. Kehlen dem ersten Boten des Todes das erste Hurra entgegen. Dann aber begann es zu knattern und zu dröhnen,
  6519. zu singen und zu heulen, und mit fiebrigen Augen zog es
  6520. nun jeden nach vorne, immer schneller, bis plötzlich über
  6521. Rübenfelder und Hecken hinweg der Kampf einsetzte, der
  6522. Kampf Mann gegen Mann. Aus der Ferne aber drangen
  6523. die Klänge eines Liedes an unser Ohr und kamen immer
  6524. Vom Kriegsfreiwilligen zum alten Soldaten
  6525. 181
  6526. näher und näher, sprangen über von Kompanie zu Kompanie, und da, als der Tod gerade geschäftig hineingriff
  6527. in unsere Reihen, da erreichte das Lied auch uns, und wir
  6528. gaben es nun wieder weiter: Deutschland, Deutschland über
  6529. alles, über alles in der Welt!
  6530. Nach vier Tagen kehrten wir zurück. Selbst der Tritt war
  6531. jetzt anders geworden. Siebzehnjährige Knaben sahen nun
  6532. Männern ähnlich.
  6533. Die Freiwilligen des Regiments List hatten vielleicht
  6534. nicht recht kämpfen gelernt, allein zu sterben wußten sie
  6535. wie alte Soldaten.
  6536. Das war der Beginn.
  6537. So ging es nun weiter Jahr für Jahr; an Stelle der
  6538. Schlachtenromantik aber war das Grauen getreten. Die Begeisterung kühlte allmählich ab, und der überschwengliche
  6539. Jubel wurde erstickt von der Todesangst. Es kam die Zeit,
  6540. da jeder zu ringen hatte zwischen dem Trieb der Selbsterhaltung und dem Mahnen der Pflicht. Auch mir blieb
  6541. dieser Kampf nicht erspart. Immer, wenn der Tod auf
  6542. Jagd war, versuchte ein unbestimmtes Etwas zu revoltieren, war bemüht, sich als Vernunft dem schwachen Körper vorzustellen und war aber doch nur die Feigheit, die
  6543. unter solchen Verkleidungen den einzelnen zu umstricken
  6544. versuchte. Ein schweres Ziehen und Warnen hub dann an,
  6545. und nur der letzte Rest des Gewissens gab oft noch den
  6546. Ausschlag. Je mehr sich aber diese Stimme, die zur Vorsicht mahnte, mühte, je lauter und eindringlicher sie lockte,
  6547. um so schärfer ward dann der Widerstand, bis endlich nach
  6548. langem innerem Streite das Pflichtbewußtsein den Sieg
  6549. davontrug. Schon im Winter 1915/16 war bei mir dieser
  6550. Kampf entschieden. Der Wille war endlich restlos Herr geworden. Konnte ich die ersten Tage mit Jubel und Lachen
  6551. mitstürmen, so war ich jetzt ruhig und entschlossen. Dieses
  6552. aber war das Dauerhafte. Nun erst konnte das Schicksal
  6553. zu den letzten Proben schreiten, ohne daß die Nerven rissen
  6554. oder der Verstand versagte.
  6555. Aus dem jungen Kriegsfreiwilligen war ein alter Soldat geworden.
  6556. 182
  6557. Ein Mahnmal der Unsterblichkeit
  6558. Dieser Wandel aber hatte sich in der ganzen Armee vollzogen. Sie war alt und hart aus den ewigen Kämpfen
  6559. hervorgegangen, und was dem Sturme nicht standzuhalten
  6560. vermochte, wurde eben von ihm gebrochen.
  6561. Nun aber erst mußte man dieses Heer beurteilen. Nun,
  6562. nach zwei, drei Jahren, während deren es von einer
  6563. Schlacht heraus in die andere hineingeworfen wurde, immer fechtend gegen Übermacht an Zahl und Waffen, Hunger leidend und Entbehrungen ertragend, nun war die
  6564. Zeit, die Güte dieses einzigen Heeres zu prüfen.
  6565. Mögen Jahrtausende vergehen, so wird man nie von
  6566. Heldentum reden und sagen dürfen, ohne des deutschen
  6567. Heeres des Weltkrieges zu gedenken. Dann wird aus dem
  6568. Schleier der Vergangenheit heraus die eiserne Front des
  6569. grauen Stahlhelms sichtbar werden, nicht wankend und
  6570. nicht weichend, ein Mahnmal der Unsterblichkeit. Solange
  6571. aber Deutsche leben, werden sie bedenken, daß dies einst
  6572. Söhne ihres Volkes waren.
  6573. Ich war damals Soldat und wollte nicht politisieren. Es
  6574. war hierzu auch wirklich nicht die Zeit. Ich hege heute
  6575. noch die Überzeugung, daß der letzte Fuhrknecht dem Vaterlande noch immer mehr an wertvollen Diensten geleistet
  6576. hat als selbst der erste, sagen wir „Parlamentarier“. Ich
  6577. haßte diese Schwätzer niemals mehr als gerade in der
  6578. Zeit, da jeder wahrhaftige Kerl, der etwas zu sagen
  6579. hatte, dies dem Feinde in das Gesicht schrie oder sonst
  6580. zweckmäßig sein Mundwerk zu Hause ließ und schweigend irgendwo seine Pflicht tat. Ja, ich haßte damals alle
  6581. diese „Politiker“, und wäre es auf mich angekommen, so
  6582. würde sofort ein parlamentarisches Schipperbataillon gebildet worden sein; dann hätten sie unter sich nach Herzenslust und Bedürfnis zu schwätzen vermocht, ohne die
  6583. anständige und ehrliche Menschheit zu ärgern oder gar
  6584. zu schädigen.
  6585. Ich wollte also damals von Politik nichts wissen, konnte
  6586. aber doch nicht anders, als zu gewissen Erscheinungen
  6587. Stellung zu nehmen, die nun einmal die ganze Nation
  6588. betrafen, besonders aber uns Soldaten angingen.
  6589. Künstliche Dämpfung der Begeisterung
  6590. 183
  6591. Zwei Dinge waren es, die mich damals innerlich ärgerten
  6592. und die ich für schädlich hielt.
  6593. Schon nach den ersten Siegesnachrichten begann eine gewisse Presse langsam und vielleicht für viele zunächst unerkennbar einige Wermuttropfen in die allgemeine Begeisterung fallen zu lassen. Es geschah dies unter der
  6594. Maske eines gewissen Wohlwollens und Gutmeinens, ja
  6595. einer gewissen Besorgtheit sogar. Man hatte Bedenken
  6596. gegen eine zu große Überschwenglichkeit im Feiern der
  6597. Siege. Man befürchtete, daß dieses in dieser Form einer so
  6598. großen Nation nicht würdig und damit auch nicht entsprechend sei. Die Tapferkeit und der Heldenmut des deutschen Soldaten wären ja etwas ganz Selbstverständliches,
  6599. so daß man darüber sich nicht so sehr von unüberlegten
  6600. Freudenausbrüchen hinreißen lassen dürfe, schon um des
  6601. Auslandes willen, dem eine stille und würdige Form der
  6602. Freude mehr zusage als ein unbändiges Jauchzen usw. Endlich sollten wir Deutsche doch auch jetzt nicht vergessen, daß
  6603. der Krieg nicht unsere Absicht war, mithin wir auch uns
  6604. nicht zu schämen hätten, offen und männlich zu gestehen,
  6605. daß wir jederzeit zu einer Versöhnung der Menschheit
  6606. unseren Teil beitragen würden. Deshalb aber wäre es
  6607. nicht klug, die Reinheit der Taten des Heeres durch zu
  6608. großes Geschrei zu verrußen, da ja die übrige Welt für ein
  6609. solches Gehaben nur wenig Verständnis aufbringen würde.
  6610. Nichts bewundere man mehr als die Bescheidenheit, mit der
  6611. ein wahrer Held seine Taten schweigend und ruhig – vergesse, denn darauf kam das Ganze hinaus.
  6612. Statt daß man nun so einen Burschen bei seinen langen
  6613. Ohren nahm und zu einem langen Pfahl hin- und an einem
  6614. Strick aufzog, damit dem Tintenritter die feiernde Nation
  6615. nicht mehr sein ästhetisches Empfinden zu beleidigen vermochte, begann man tatsächlich gegen die „unpassende“ Art
  6616. des Siegesjubels mit Ermahnungen vorzugehen.
  6617. Man hatte keine blasse Ahnung, daß die Begeisterung,
  6618. erst einmal geknickt, nicht mehr nach Bedarf zu erwecken
  6619. ist. Sie ist ein Rausch und ist in diesem Zustande weiter
  6620. zu erhalten. Wie aber sollte man ohne diese Macht der Be-
  6621. 184
  6622. Das Verkennen des Marxismus
  6623. geisterung einen Kampf bestehen, der nach menschlichem
  6624. Ermessen die ungeheuersten Anforderungen an die seelischen Eigenschaften der Nation stellen würde?
  6625. Ich kannte die Psyche der breiten Masse nur zu genau,
  6626. um nicht zu wissen, daß man hier mit „ästhetischer“ Gehobenheit nicht das Feuer würde schüren können, das notwendig war, um dieses Eisen in Wärme zu halten. Man
  6627. war in meinen Augen verrückt, daß man nichts tat, um
  6628. die Siedehitze der Leidenschaft zu steigern; daß man aber
  6629. die glücklich vorhandene auch noch beschnitt, vermochte ich
  6630. schlechterdings nicht zu verstehen.
  6631. Was mich dann zum zweiten ärgerte, war die Art und
  6632. Weise, in der man nun für gut hielt, sich dem Marxismus
  6633. gegenüberzustellen. Man bewies damit in meinen Augen
  6634. nur, daß man von dieser Pestilenz aber auch nicht die geringste Ahnung besaß. Man schien allen Ernstes zu glauben, durch die Versicherung, nun keine Parteien mehr zu
  6635. kennen, den Marxismus zur Einsicht und Zurückhaltung
  6636. gebracht zu haben.
  6637. Daß es sich hier überhaupt um keine Partei handelt, sondern um eine Lehre, die zur Zerstörung der gesamten
  6638. Menschheit führen muß, begriff man um so weniger, als
  6639. dies ja nicht auf den verjudeten Universitäten zu hören
  6640. ist, sonst aber nur zu viele, besonders unserer höheren Beamten aus anerzogenem blödem Dünkel es ja nicht der
  6641. Mühe wert finden, ein Buch zur Hand zu nehmen und
  6642. etwas zu lernen, was eben nicht zum Unterrichtsstoff ihrer
  6643. Hochschule gehörte. Die gewaltigste Umwälzung geht an
  6644. diesen „Köpfen“ gänzlich spurlos vorüber, weshalb auch die
  6645. staatlichen Einrichtungen zumeist den privaten nachhinken. Von ihnen gilt, wahrhaftiger Gott, am allermeisten
  6646. das Volkssprichwort: Was der Bauer nicht kennt, das
  6647. frißt er nicht. Wenige Ausnahmen bestätigen auch hier nur
  6648. die Regel.
  6649. Es war ein Unsinn sondergleichen, in den Tagen des
  6650. August 1914 den deutschen Arbeiter mit dem Marxismus
  6651. zu identifizieren. Der deutsche Arbeiter hatte in den damaligen Stunden sich ja aus der Umarmung dieser giftigen
  6652. Was man hätte tun müssen
  6653. 185
  6654. Seuche gelöst, da er sonst eben niemals hätte zum Kampf
  6655. überhaupt auch nur anzutreten vermocht. Man war aber
  6656. dumm genug, zu vermeinen, daß nun vielleicht der Marxismus „national“ geworden sei; ein Geistesblitz, der nur
  6657. zeigt, daß in diesen langen Jahren es niemand von diesen
  6658. beamteten Staatslenkern auch nur der Mühe wert gefunden
  6659. hatte, das Wesen dieser Lehre zu studieren, da sonst denn
  6660. doch ein solcher Irrsinn schwerlich unterlaufen sein würde.
  6661. Der Marxismus, dessen letztes Ziel die Vernichtung aller
  6662. nichtjüdischen Nationalstaaten ist und bleibt, mußte zu seinem Entsetzen sehen, daß in den Julitagen des Jahres 1914
  6663. die von ihm umgarnte deutsche Arbeiterschaft erwachte und
  6664. sich von Stunde zu Stunde schneller in den Dienst des
  6665. Vaterlandes zu stellen begann. In wenigen Tagen war der
  6666. ganze Dunst und Schwindel dieses infamen Volksbetruges
  6667. zerflattert, und einsam und verlassen stand das jüdische
  6668. Führerpack nun plötzlich da, als ob nicht eine Spur von dem
  6669. in sechzig Jahren den Massen eingetrichterten Unsinn und
  6670. Irrwahn mehr vorhanden gewesen wäre. Es war ein böser
  6671. Augenblick für die Betrüger der Arbeiterschaft des deutschen Volkes. Sowie aber erst die Führer die ihnen drohende Gefahr erkannten, zogen sie schleunigst die Tarnkappe der Lüge über die Ohren und mimten frech die
  6672. nationale Erhebung mit.
  6673. Nun wäre aber der Zeitpunkt gekommen gewesen, gegen
  6674. die ganze betrügerische Genossenschaft dieser jüdischen
  6675. Volksvergifter vorzugehen. Jetzt mußte ihnen kurzerhand
  6676. der Prozeß gemacht werden, ohne die geringste Rücksicht
  6677. auf etwa einsetzendes Geschrei und Gejammer. Im August
  6678. des Jahres 1914 war das Gemauschel der internationalen
  6679. Solidarität mit einem Schlage aus den Köpfen der deutschen Arbeiterschaft verschwunden, und statt dessen begannen schon wenige Wochen später amerikanische Schrapnells
  6680. die Segnungen der Brüderlichkeit über die Helme der
  6681. Marschkolonnen hinabzugießen. Es wäre die Pflicht einer
  6682. besorgten Staatsregierung gewesen, nun, da der deutsche
  6683. Arbeiter wieder den Weg zum Volkstum gefunden hatte,
  6684. die Verhetzer dieses Volkstums unbarmherzig auszurotten.
  6685. 186
  6686. Die Anwendung nackter Gewalt
  6687. Wenn an der Front die Besten fielen, dann konnte man
  6688. zu Hause wenigstens das Ungeziefer vertilgen.
  6689. Statt dessen aber streckte Seine Majestät der Kaiser selber den alten Verbrechern die Hand entgegen und gab den
  6690. hinterlistigen Meuchelmördern der Nation damit Schonung
  6691. und Möglichkeit der inneren Fassung.
  6692. Nun konnte also die Schlange wieder weiterarbeiten,
  6693. vorsichtiger als früher, allein nur desto gefährlicher. Während die Ehrlichen vom Burgfrieden träumten, organisierten die meineidigen Verbrecher die Revolution.
  6694. Daß man damals sich zu dieser entsetzlichen Halbheit entschloß, machte mich innerlich immer unzufriedener; daß das
  6695. Ende dessen aber ein so entsetzliches sein würde, hätte auch
  6696. ich damals noch nicht für möglich gehalten.
  6697. Was aber mußte man nun tun? Die Führer der ganzen
  6698. Bewegung sofort hinter Schloß und Riegel setzen, ihnen
  6699. den Prozeß machen und sie der Nation vom Halse schaffen.
  6700. Man mußte rücksichtslos die gesamten militärischen Machtmittel einsetzen zur Ausrottung dieser Pestilenz. Die Parteien waren aufzulösen, der Reichstag wenn nötig mit
  6701. Bajonetten zur Vernunft zu bringen, am besten aber sofort aufzuheben. So wie die Republik heute Parteien aufzulösen vermag, so hätte man damals mit mehr Grund zu
  6702. diesem Mittel greifen müssen. Stand doch Sein oder Nichtsein eines ganzen Volkes auf dem Spiele!
  6703. Freilich kam dann aber eine Frage zur Geltung: Kann
  6704. man denn geistige Ideen überhaupt mit dem Schwerte
  6705. ausrotten? Kann man mit der Anwendung roher Gewalt
  6706. „Weltanschauungen“ bekämpfen?
  6707. Ich habe mir diese Frage schon zu jener Zeit öfter als
  6708. einmal vorgelegt.
  6709. Beim Durchdenken analoger Fälle, die sich besonders auf
  6710. religiöser Grundlage in der Geschichte auffinden lassen, ergibt sich folgende grundsätzliche Erkenntnis:
  6711. Vorstellungen und Ideen sowie Bewegungen mit bestimmter geistiger Grundlage, mag diese nun falsch sein
  6712. oder wahr, können von einem gewissen Zeitpunkt ihres
  6713. Werdens an mit Machtmitteln technischer Art nur mehr
  6714. Die Anwendung nackter Gewalt
  6715. 187
  6716. dann gebrochen werden, wenn diese körperlichen Waffen
  6717. zugleich selber Träger eines neuen zündenden Gedankens,
  6718. einer Idee oder Weltanschauung sind.
  6719. Die Anwendung von Gewalt allein, ohne die Triebkraft
  6720. einer geistigen Grundvorstellung als Voraussetzung, kann
  6721. niemals zur Vernichtung einer Idee und deren Verbreitung führen, außer in Form einer restlosen Ausrottung
  6722. aber auch des letzten Trägers und der Zerstörung der letzten Überlieferung. Dies bedeutet jedoch zumeist das Ausscheiden eines solchen Staatskörpers aus dem Kreise machtpolitischer Bedeutung auf oft endlose Zeit, manchmal auch
  6723. für immer; denn ein solches Blutopfer trifft ja erfahrungsgemäß den besten Teil des Volkstums, da nämlich jede Verfolgung, die ohne geistige Voraussetzung stattfindet, als sittlich nicht berechtigt erscheint und nun die gerade wertvolleren Bestände eines Volkes zum Protest aufpeitscht, der sich
  6724. aber in einer Aneignung des geistigen Inhalts der ungerecht
  6725. verfolgten Bewegung auswirkt. Dies geschieht bei vielen
  6726. dann einfach aus dem Gefühl der Opposition gegen den Versuch der Niederknüppelung einer Idee durch brutale Gewalt.
  6727. Dadurch aber wächst die Zahl der inneren Anhänger in
  6728. eben dem Maße, in dem die Verfolgung zunimmt. Mithin
  6729. wird die restlose Vernichtung der neuen Lehre nur auf dem
  6730. Wege einer so großen und sich immer steigernden Ausrottung durchzuführen sein, daß darüber endlich dem betreffenden Volke oder auch Staate alles wahrhaft wertvolle
  6731. Blut überhaupt entzogen wird. Dies aber rächt sich, indem
  6732. nun wohl eine sogenannte „innere“ Reinigung stattfinden
  6733. kann, allein auf Kosten einer allgemeinen Ohnmacht. Immer aber wird ein solcher Vorgang von vornherein schon
  6734. vergeblich sein, wenn die zu bekämpfende Lehre einen gewissen kleinen Kreis schon überschritten hat.
  6735. Daher ist auch hier, wie bei allem Wachstum, die erste
  6736. Zeit der Kindheit noch am ehesten der Möglichkeit einer
  6737. Vernichtung ausgesetzt, während mit steigenden Jahren die
  6738. Widerstandskraft zunimmt, um erst bei herannahender
  6739. Altersschwäche wieder neuer Jugend zu weichen, wenn auch
  6740. in anderer Form und aus anderen Gründen.
  6741. 188
  6742. Die Anwendung nackter Gewalt
  6743. Tatsächlich führen aber fast sämtliche Versuche, durch
  6744. Gewalt ohne geistige Grundlage eine Lehre und deren
  6745. organisatorische Auswirkung auszurotten, zu Mißerfolgen,
  6746. ja enden nicht selten gerade mit dem Gegenteil des Gewünschten aus folgendem Grunde:
  6747. Die allererste Voraussetzung zu einer Kampfesweise mit
  6748. den Waffen der nackten Gewalt ist und bleibt die Beharrlichkeit. Das heißt, daß nur in der dauernd gleichmäßigen Anwendung der Methoden zur Unterdrückung
  6749. einer Lehre usw. die Möglichkeit des Gelingens der Absicht liegt. Sobald hier aber auch nur schwankend Gewalt
  6750. mit Nachsicht wechselt, wird nicht nur die zu unterdrückende
  6751. Lehre sich immer wieder erholen, sondern sie wird sogar
  6752. aus jeder Verfolgung neue Werte zu ziehen in der Lage
  6753. sein, indem nach Abflauen einer solchen Welle des Druckes
  6754. die Empörung über das erduldete Leid der alten Lehre
  6755. neue Anhänger zuführt, die bereits vorhandenen aber mit
  6756. größerem Trotz und tieferem Haß als vordem an ihr
  6757. hängen werden, ja schon abgesplitterte Abtrünnige wieder
  6758. nach Beseitigung der Gefahr zur alten Einstellung zurückzukehren versuchen. In der ewig gleichmäßigen Anwendung der Gewalt allein liegt die allererste Voraussetzung
  6759. zum Erfolge. Diese Beharrlichkeit jedoch ist immer nur
  6760. das Ergebnis einer bestimmten geistigen Überzeugung.
  6761. Jede Gewalt, die nicht einer festen geistigen Grundlage
  6762. entsprießt, wird schwankend und unsicher sein. Ihr fehlt
  6763. die Stabilität, die nur in einer fanatischen Weltanschauung zu ruhen vermag. Sie ist der Ausfluß der jeweiligen
  6764. Energie und brutalen Entschlossenheit eines einzelnen,
  6765. mithin aber eben dem Wechsel der Persönlichkeit und ihrer
  6766. Wesensart und Stärke unterworfen.
  6767. Es kommt aber hierzu noch etwas anderes:
  6768. Jede Weltanschauung, mag sie mehr religiöser oder politischer Art sein – manchmal ist hier die Grenze nur schwer
  6769. festzustellen –, kämpft weniger für die negative Vernichtung der gegnerischen Ideenwelt, als vielmehr für die
  6770. positive Durchsetzung der eigenen. Damit aber ist ihr
  6771. Kampf weniger Abwehr als Angriff. Sie ist dabei schon
  6772. Der Angriff einer Weltanschauung
  6773. 189
  6774. in der Bestimmung des Zieles im Vorteil, da ja dieses Ziel
  6775. den Sieg der eigenen Idee darstellt, während umgekehrt
  6776. es nur schwer zu bestimmen ist, wann das negative Ziel
  6777. der Vernichtung einer feindlichen Lehre als erreicht und
  6778. gesichert angesehen werden darf. Schon deshalb wird der
  6779. Angriff der Weltanschauung planvoller, aber auch gewaltiger sein als die Abwehr einer solchen; wie denn
  6780. überhaupt auch hier die Entscheidung dem Angriff zukommt
  6781. und nicht der Verteidigung. Der Kampf gegen eine geistige
  6782. Macht mit Mitteln der Gewalt ist aber solange nur Verteidigung, als das Schwert nicht selber als Träger, Verkünder und Verbreiter einer neuen geistigen Lehre auftritt.
  6783. Man kann also zusammenfassend folgendes festhalten:
  6784. Jeder Versuch, eine Weltanschauung mit Machtmitteln
  6785. zu bekämpfen, scheitert am Ende, solange nicht der Kampf
  6786. die Form des Angriffes für eine neue geistige Einstellung
  6787. erhält. Nur im Ringen zweier Weltanschauungen miteinander vermag die Waffe der brutalen Gewalt, beharrlich
  6788. und rücksichtslos eingesetzt, die Entscheidung für die von
  6789. ihr unterstützte Seite herbeizuführen.
  6790. Daran aber war bislang noch immer die Bekämpfung
  6791. des Marxismus gescheitert.
  6792. Das war der Grund, warum auch Bismarcks Sozialistengesetzgebung endlich trotz allem versagte und versagen
  6793. mußte. Es fehlte die Plattform einer neuen Weltanschauung, für deren Aufstieg der Kampf hätte gekämpft werden
  6794. können. Denn daß das Gefasel von einer sogenannten
  6795. „Staatsautorität“ oder der „Ruhe und Ordnung“ eine geeignete Grundlage für den geistigen Antrieb eines Kampfes auf Leben und Tod sein könnte, wird nur die sprichwörtliche Weisheit höherer Ministerialbeamter zu vermeinen fertigbringen.
  6796. Weil aber eine wirklich geistige Trägerin dieses Kampfes fehlte, mußte Bismarck auch die Durchführung seiner
  6797. Sozialistengesetzgebung dem Ermessen und Wollen derjenigen Institution anheimstellen, die selber schon Ausgeburt marxistischer Denkart war. Indem der eiserne Kanzler das Schicksal seines Marxistenkrieges dem Wohlwollen
  6798. 190
  6799. Bürgerliche Klassenparteien
  6800. der bürgerlichen Demokratie überantwortete, macht er
  6801. den Bock zum Gärtner.
  6802. Dieses alles aber war nur die zwangsläufige Folge des
  6803. Fehlens einer grundsätzlichen, dem Marxismus entgegengesetzten neuen Weltanschauung von stürmischem Eroberungswillen.
  6804. So war das Ergebnis des Bismarckschen Kampfes nur
  6805. eine schwere Enttäuschung.
  6806. Lagen aber die Verhältnisse während des Weltkrieges
  6807. oder zu Beginn desselben etwa anders? Leider nein.
  6808. Je mehr ich mich damals mit dem Gedanken einer notwendigen Änderung der Haltung der staatlichen Regierung zur Sozialdemokratie als der augenblicklichen Verkörperung des Marxismus beschäftige, um so mehr erkannte ich das Fehlen eines brauchbaren Ersatzes für diese
  6809. Lehre. Was wollte man denn den Massen geben, wenn,
  6810. angenommen, die Sozialdemokratie gebrochen worden
  6811. wäre? Nicht eine Bewegung war vorhanden, von der man
  6812. hätte erwarten können, daß es ihr gelingen würde, die
  6813. großen Scharen der nun mehr oder weniger führerlos gewordenen Arbeiter in ihren Bann zu ziehen. Es ist unsinnig und mehr als dumm, zu meinen, daß der aus der
  6814. Klassenpartei ausgeschiedene internationale Fanatiker nun
  6815. augenblicklich in eine bürgerliche Partei, also in eine neue
  6816. Klassenorganisation, einrücken werde. Denn so unangenehm dies verschiedenen Organisationen auch sein mag, so
  6817. kann doch nicht weggeleugnet werden, daß den bürgerlichen
  6818. Politikern die Klassenscheidung zu einem sehr großen Teile
  6819. so lange als ganz selbstverständlich erscheint, solange sie
  6820. sich nicht politisch zu ihren Ungunsten auszuwirken beginnt.
  6821. Das Ableugnen dieser Tatsache beweist nur die Frechheit, aber auch die Dummheit der Lügner.
  6822. Man soll sich überhaupt hüten, die breite Masse für
  6823. dümmer zu halten, als sie ist. In politischen Angelegenheiten entscheidet nicht selten das Gefühl richtiger als der
  6824. Verstand. Die Meinung aber, daß für die Unrichtigkeit
  6825. dieses Gefühls der Masse doch deren dumme internationale
  6826. Einstellung genügend spräche, kann sofort auf das gründ-
  6827. Kein Ersatz für die Sozialdemokratie
  6828. 191
  6829. lichste widerlegt werden durch den einfachen Hinweis, daß
  6830. die pazifistische Demokratie nicht minder irrsinnig ist, ihre
  6831. Träger aber fast ausschließlich dem bürgerlichen Lager entstammen. Solange noch Millionen von Bürgern jeden
  6832. Morgen andächtig ihre jüdische Demokratenpresse anbeten,
  6833. steht es den Herrschaften sehr schlecht an, über die Dummheit des „Genossen“ zu witzeln, der zum Schluß nur den
  6834. gleichen Mist, wenn auch eben in anderer Aufmachung,
  6835. verschlingt. In beiden Fällen ist der Fabrikant ein und
  6836. derselbe Jude.
  6837. Man soll sich also sehr wohl hüten, Dinge abzustreiten,
  6838. die nun einmal sind. Die Tatsache, daß es sich bei der
  6839. Klassenfrage keinesfalls nur um ideelle Probleme handelt,
  6840. wie man besonders vor Wahlen immer gerne weismachen
  6841. möchte, kann nicht weggeleugnet werden. Der Standesdünkel eines großen Teiles unseres Volkes ist, ebenso wie
  6842. vor allem die mindere Einschätzung des Handarbeiters, eine
  6843. Erscheinung, die nicht aus der Phantasie eines Mondsüchtigen stammt.
  6844. Es zeigt aber, ganz abgesehen davon, die geringe Denkfähigkeit unserer sogenannten Intelligenz an, wenn gerade
  6845. in diesen Kreisen nicht begriffen wird, daß ein Zustand,
  6846. der das Emporkommen einer Pest, wie sie der Marxismus
  6847. nun einmal ist, nicht zu verhindern vermochte, jetzt aber
  6848. erst recht nicht mehr in der Lage sein wird, das Verlorene
  6849. wieder zurückzugewinnen.
  6850. Die „bürgerlichen“ Parteien, wie sie sich selbst bezeichnen, werden niemals mehr die „proletarischen“ Massen an
  6851. ihr Lager zu fesseln vermögen, da sich hier zwei Welten
  6852. gegenüberstehen, teils natürlich, teils künstlich getrennt,
  6853. deren Verhaltungszustand zueinander nur der Kampf sein
  6854. kann. Siegen aber wird hier der Jüngere – und dies wäre
  6855. der Marxismus.
  6856. Tatsächlich war ein Kampf gegen die Sozialdemokratie
  6857. im Jahre 1914 wohl denkbar, allein, wie lange dieser Zustand bei dem Fehlen jedes praktischen Ersatzes aufrechtzuerhalten gewesen wäre, konnte zweifelhaft sein.
  6858. Hier war eine große Lücke vorhanden.
  6859. 192
  6860. Erste Gedanken an politische Betätigung
  6861. Ich besaß diese Meinung schon längst vor dem Kriege
  6862. und konnte mich deshalb auch nicht entschließen, an eine
  6863. der bestehenden Parteien heranzutreten. Im Verlaufe der
  6864. Ereignisse des Weltkrieges wurde ich in dieser Meinung
  6865. noch bestärkt durch die ersichtliche Unmöglichkeit, gerade
  6866. infolge dieses Fehlens einer Bewegung, die eben mehr
  6867. sein mußte als „parlamentarische“ Partei, den Kampf
  6868. gegen die Sozialdemokratie rücksichtslos aufzunehmen.
  6869. Ich habe mich gegenüber meinen engeren Kameraden
  6870. offen darüber ausgesprochen.
  6871. Im übrigen kamen mir nun auch die ersten Gedanken,
  6872. mich später einmal doch noch politisch zu betätigen.
  6873. Gerade dieses aber war der Anlaß, daß ich nun öfters
  6874. dem kleinen Kreise meiner Freunde versicherte, nach dem
  6875. Kriege als Redner neben meinem Berufe wirken zu wollen.
  6876. Ich glaube, es war mir damit auch sehr ernst.
  6877. 6. Kapitel
  6878. Kriegspropaganda
  6879. B ei meinem aufmerksamen Verfolgen aller politischen
  6880. Vorgänge hatte mich schon immer die Tätigkeit der
  6881. Propaganda außerordentlich interessiert. Ich sah in ihr
  6882. ein Instrument, das gerade die sozialistisch-marxistischen
  6883. Organisationen mit meisterhafter Geschicklichkeit beherrschten und zur Anwendung zu bringen verstanden. Ich lernte
  6884. dabei schon frühzeitig verstehen, daß die richtige Verwendung der Propaganda eine wirkliche Kunst darstellt, die
  6885. den bürgerlichen Parteien fast so gut wie unbekannt war
  6886. und blieb. Nur die christlich-soziale Bewegung, besonders
  6887. zu Luegers Zeit, brachte es auch auf diesem Instrument zu
  6888. einer gewissen Virtuosität und verdankte dem auch sehr
  6889. viele ihrer Erfolge.
  6890. Zu welch ungeheuren Ergebnissen aber eine richtig angewendete Propaganda zu führen vermag, konnte man
  6891. erst während des Krieges ersehen. Leider war jedoch hier
  6892. wieder alles auf der anderen Seite zu studieren, denn die
  6893. Tätigkeit auf unserer Seite blieb ja in dieser Beziehung
  6894. mehr als bescheiden. Allein, gerade das so vollständige Versagen der gesamten Aufklärung auf deutscher Seite, das
  6895. besonders jedem Soldaten grell in die Augen springen
  6896. mußte, wurde bei mir der Anlaß, mich nun noch viel eindringlicher mit der Propagandafrage zu beschäftigen.
  6897. Zeit zum Denken war dabei oft mehr als genug vorhanden, den praktischen Unterricht aber erteilte uns der
  6898. Feind, leider nur zu gut.
  6899. Denn was bei uns hier versäumt ward, holte der Gegner
  6900. mit unerhörter Geschicklichkeit und wahrhaft genialer Berechnung ein. An dieser feindlichen Kriegspropaganda habe
  6901. 8
  6902. 194
  6903. Propaganda ein Mittel
  6904. auch ich unendlich gelernt. An den Köpfen derjenigen allerdings, die am ehesten sich dies zur Lehre hätten sein lassen
  6905. müssen, ging die Zeit spurlos vorüber; man dünkte sich
  6906. dort zum Teil zu klug, um von den anderen Belehrungen
  6907. entgegenzunehmen, zum anderen Teil aber fehlte der ehrliche Wille hierzu.
  6908. Gab es bei uns überhaupt eine Propaganda?
  6909. Leider kann ich darauf nur mit Nein antworten. Alles,
  6910. was in dieser Richtung wirklich unternommen wurde, war
  6911. so unzulänglich und falsch von Anfang an, daß es zum
  6912. mindesten nichts nützte, manchmal aber geradezu Schaden
  6913. anstiftete.
  6914. In der Form ungenügend, im Wesen psychologisch falsch:
  6915. dies mußte das Ergebnis einer aufmerksamen Prüfung der
  6916. deutschen Kriegspropaganda sein.
  6917. Schon über die erste Frage scheint man sich nicht ganz
  6918. klar geworden zu sein, nämlich: Ist die Propaganda Mittel
  6919. oder Zweck?
  6920. Sie ist ein Mittel und muß demgemäß beurteilt werden
  6921. vom Gesichtspunkt des Zweckes aus. Ihre Form wird mithin eine der Unterstützung des Zieles, dem sie dient, zweckmäßig angepaßte sein müssen. Es ist auch klar, daß die
  6922. Bedeutung des Zieles eine verschiedene sein kann vom
  6923. Standpunkte des allgemeinen Bedürfnisses aus, und daß
  6924. damit auch die Propaganda in ihrem inneren Wert verschieden bestimmt wird. Das Ziel, für das im Verlaufe des
  6925. Krieges aber gekämpft wurde, war das erhabenste und
  6926. gewaltigste, das sich für Menschen denken läßt: es war die
  6927. Freiheit und Unabhängigkeit unseres Volkes, die Sicherheit
  6928. der Ernährung für die Zukunft und – die Ehre der Nation;
  6929. etwas, das trotz der gegenteiligen Meinung von heute
  6930. dennoch vorhanden ist oder besser sein sollte, da eben Völker ohne Ehre die Freiheit und Unabhängigkeit früher oder
  6931. später zu verlieren pflegen, was wieder nur einer höheren
  6932. Gerechtigkeit entspricht, da ehrlose Lumpengenerationen
  6933. keine Freiheit verdienen. Wer aber feiger Sklave sein will,
  6934. darf und kann gar keine Ehre haben, da ja diese sonst der
  6935. allgemeinen Mißachtung in kürzester Zeit anheimfiele.
  6936. Der Zweck der Propaganda
  6937. 195
  6938. Im Streit für ein menschliches Dasein kämpfte das
  6939. deutsche Volk, und diesen Streit zu unterstützen, wäre der
  6940. Zweck der Propaganda des Krieges gewesen; ihm zum
  6941. Siege zu verhelfen, mußte das Ziel sein.
  6942. Wenn aber Völker um ihre Existenz auf diesem Planeten
  6943. kämpfen, mithin die Schicksalsfrage von Sein oder Nichtsein
  6944. an sie herantritt, fallen alle Erwägungen von Humanität
  6945. oder Ästhetik in ein Nichts zusammen; denn alle diese Vorstellungen schweben nicht im Weltäther, sondern stammen
  6946. aus der Phantasie des Menschen und sind an ihn gebunden.
  6947. Sein Scheiden von dieser Welt löst auch diese Begriffe
  6948. wieder in Nichts auf, denn die Natur kennt sie nicht. Sie
  6949. sind aber auch unter den Menschen nur wenigen Völkern
  6950. oder besser Rassen zu eigen, und zwar in jenem Maße, in
  6951. dem sie dem Gefühl derselben selbst entstammen. Humanität und Ästhetik würden sogar in einer menschlich bewohnten Welt vergehen, sowie diese die Rassen verlöre,
  6952. die Schöpfer und Träger dieser Begriffe sind.
  6953. Damit haben aber alle diese Begriffe beim Kampfe
  6954. eines Volkes um sein Dasein auf dieser Welt nur untergeordnete Bedeutung, ja scheiden als bestimmend für die
  6955. Formen des Kampfes vollständig aus, sobald durch sie die
  6956. Selbsterhaltungskraft eines im Kampfe liegenden Volkes
  6957. gelähmt werden könnte. Das aber ist immer das einzig
  6958. sichtbare Ergebnis.
  6959. Was die Frage der Humanität betrifft, so hat sich schon
  6960. Moltke dahin geäußert, daß diese beim Kriege immer in
  6961. der Kürze des Verfahrens liege, also daß ihr die schärfste
  6962. Kampfesweise am meisten entspräche.
  6963. Wenn man aber versucht, in solchen Dingen mit dem
  6964. Gefasel von Ästhetik usw. anzurücken, dann kann es darauf
  6965. wirklich nur eine Antwort geben: Schicksalsfragen von der
  6966. Bedeutung des Existenzkampfes eines Volkes heben jede
  6967. Verpflichtung zur Schönheit auf. Das Unschönste, was es
  6968. im menschlichen Leben geben kann, ist und bleibt das Joch
  6969. der Sklaverei. Oder empfindet diese Schwabinger Dekadenz etwa das heutige Los der deutschen Nation als „ästhetisch“? Mit den Juden, als den modernen Erfindern dieses
  6970. 196
  6971. Propaganda nur für die Masse
  6972. Kulturparfüms, braucht man sich aber darüber wahrhaftig
  6973. nicht zu unterhalten. Ihr ganzes Dasein ist der fleischgewordene Protest gegen die Ästhetik des Ebenbildes des
  6974. Herrn.
  6975. Wenn aber diese Gesichtspunkte von Humanität und
  6976. Schönheit für den Kampf erst einmal ausscheiden, dann
  6977. können sie auch nicht als Maßstab für Propaganda Verwendung finden.
  6978. Die Propaganda war im Kriege ein Mittel zum Zweck,
  6979. dieser aber war der Kampf um das Dasein des deutschen
  6980. Volkes, und somit konnte die Propaganda auch nur von
  6981. den hierfür gültigen Grundsätzen aus betrachtet werden.
  6982. Die grausamsten Waffen waren dann human, wenn sie den
  6983. schnelleren Sieg bedingten, und schön waren nur die Methoden allein, die der Nation die Würde der Freiheit sichern
  6984. halfen.
  6985. Dies war die einzig mögliche Stellung in einem solchen
  6986. Kampf auf Leben und Tod zur Frage der Kriegspropaganda.
  6987. Wäre man sich darüber an den sogenannten maßgebenden Stellen klargeworden, so hätte man niemals in jene
  6988. Unsicherheit über die Form und Anwendung dieser Waffe
  6989. kommen können; denn auch dies ist nur eine Waffe, wenn
  6990. auch eine wahrhaft fürchterliche in der Hand des Kenners.
  6991. Die zweite Frage von geradezu ausschlaggebender Bedeutung war folgende: An wen hat sich die Propaganda zu
  6992. wenden? An die wissenschaftliche Intelligenz oder an die
  6993. weniger gebildete Masse?
  6994. Sie hat sich ewig nur an die Masse zu richten!
  6995. Für die Intelligenz, oder was sich heute leider häufig
  6996. so nennt, ist nicht Propaganda da, sondern wissenschaftliche Belehrung. Propaganda aber ist so wenig Wissenschaft
  6997. ihrem Inhalte nach, wie etwa ein Plakat Kunst in seiner
  6998. Darstellung an sich. Die Kunst des Plakates liegt in der
  6999. Fähigkeit des Entwerfers, durch Form und Farbe die
  7000. Menge aufmerksam zu machen. Das Kunstausstellungsplakat
  7001. hat nur auf die Kunst der Ausstellung hinzuweisen; je
  7002. mehr ihm dies gelingt, um so größer ist dann die Kunst
  7003. Die Aufgabe der Propaganda
  7004. 197
  7005. des Plakates selber. Das Plakat soll weiter der Masse eine
  7006. Vorstellung von der Bedeutung der Ausstellung vermitteln, keineswegs aber ein Ersatz der in dieser gebotenen
  7007. Kunst sein. Wer sich deshalb mit der Kunst selber beschäftigen will, muß schon mehr als das Plakat studieren, ja,
  7008. für den genügt auch keineswegs bloßes „Durchwandern“ der Ausstellung. Von ihm darf erwartet werden, daß
  7009. er in gründlichem Schauen sich in die einzelnen Werke vertiefe und sich dann langsam ein gerechtes Urteil bilde.
  7010. Ähnlich liegen die Verhältnisse auch bei dem, was wir
  7011. heute mit dem Wort Propaganda bezeichnen.
  7012. Die Aufgabe der Propaganda liegt nicht in einer wissenschaftlichen Ausbildung des einzelnen, sondern in einem
  7013. Hinweisen der Masse auf bestimmte Tatsachen, Vorgänge,
  7014. Notwendigkeiten usw., deren Bedeutung dadurch erst in
  7015. den Gesichtskreis der Masse gerückt werden soll.
  7016. Die Kunst liegt nun ausschließlich darin, dies in so
  7017. vorzüglicher Weise zu tun, daß eine allgemeine Überzeugung von der Wirklichkeit einer Tatsache, der Notwendigkeit eines Vorganges, der Richtigkeit von etwas Notwendigem usw. entsteht. Da sie aber nicht Notwendigkeit an
  7018. sich ist und sein kann, da ihre Aufgabe ja genau wie bei
  7019. dem Plakat im Aufmerksammachen der Menge zu bestehen
  7020. hat und nicht in der Belehrung der wissenschaftlich ohnehin
  7021. Erfahrenen oder nach Bildung und Einsicht Strebenden,
  7022. so muß ihr Wirken auch immer mehr auf das Gefühl gerichtet sein und nur sehr bedingt auf den sogenannten Verstand.
  7023. Jede Propaganda hat volkstümlich zu sein und ihr geistiges Niveau einzustellen nach der Aufnahmefähigkeit des
  7024. Beschränktesten unter denen, an die sie sich zu richten gedenkt. Damit wird ihre rein geistige Höhe um so tiefer zu
  7025. stellen sein, je größer die zu erfassende Masse der Menschen
  7026. sein soll. Handelt es sich aber, wie bei der Propaganda für
  7027. die Durchhaltung eines Krieges, darum, ein ganzes Volk
  7028. in ihren Wirkungsbereich zu ziehen, so kann die Vorsicht
  7029. bei der Vermeidung zu hoher geistiger Voraussetzungen
  7030. gar nicht groß genug sein.
  7031. 198
  7032. Die Psychologie der Propaganda
  7033. Je bescheidener dann ihr wissenschaftlicher Ballast ist, und
  7034. je mehr sie ausschließlich auf das Fühlen der Masse Rücksicht nimmt, um so durchschlagender der Erfolg. Dieser aber
  7035. ist der beste Beweis für die Richtigkeit oder Unrichtigkeit
  7036. einer Propaganda und nicht die gelungene Befriedigung
  7037. einiger Gelehrter oder ästhetischer Jünglinge.
  7038. Gerade darin liegt die Kunst der Propaganda, daß sie,
  7039. die gefühlsmäßige Vorstellungswelt der großen Masse begreifend, in psychologisch richtiger Form den Weg zur Aufmerksamkeit und weiter zum Herzen der breiten Masse findet. Daß dies von unseren Neunmalklugen nicht begriffen
  7040. wird, beweist nur deren Denkfaulheit oder Einbildung.
  7041. Versteht man aber die Notwendigkeit der Einstellung der
  7042. Werbekunst der Propaganda auf die breite Masse, so ergibt
  7043. sich weiter schon daraus folgende Lehre:
  7044. Es ist falsch, der Propaganda die Vielseitigkeit etwa des
  7045. wissenschaftlichen Unterrichts geben zu wollen.
  7046. Die Aufnahmefähigkeit der großen Masse ist nur sehr
  7047. beschränkt, das Verständnis klein, dafür jedoch die Vergeßlichkeit groß. Aus diesen Tatsachen heraus hat sich jede
  7048. wirkungsvolle Propaganda auf nur sehr wenige Punkte
  7049. zu beschränken und diese schlagwortartig so lange zu verwerten, bis auch bestimmt der Letzte unter einem solchen
  7050. Worte das Gewollte sich vorzustellen vermag. Sowie man
  7051. diesen Grundsatz opfert und vielseitig werden will, wird
  7052. man die Wirkung zum Zerflattern bringen, da die Menge
  7053. den gebotenen Stoff weder zu verdauen noch zu behalten
  7054. vermag. Damit aber wird das Ergebnis wieder abgeschwächt und endlich aufgehoben.
  7055. Je größer so die Linie ihrer Darstellung zu sein hat, um
  7056. so psychologisch richtiger muß die Feststellung ihrer Taktik
  7057. sein.
  7058. Es war zum Beispiel grundfalsch, den Gegner lächerlich
  7059. zu machen, wie dies die österreichische und deutsche Witzblattpropaganda vor allem besorgte. Grundfalsch deshalb,
  7060. weil das Zusammentreffen in der Wirklichkeit dem Manne
  7061. vom Gegner sofort eine ganz andere Überzeugung beibringen mußte, etwas, was sich dann auf das fürchterlichste
  7062. Die Psychologie der Propaganda
  7063. 199
  7064. rächte; denn nun fühlte sich der deutsche Staat unter dem
  7065. unmittelbaren Eindruck des Widerstandes des Gegners von
  7066. den Machern seiner bisherigen Aufklärung getäuscht, und
  7067. an Stelle einer Stärkung seiner Kampfeslust oder auch nur
  7068. Festigkeit trat das Gegenteil ein. Der Mann verzagte.
  7069. Demgegenüber war die Kriegspropaganda der Engländer
  7070. und Amerikaner psychologisch richtig. Indem sie dem eigenen Volke den Deutschen als Barbaren und Hunnen vorstellte, bereitete sie den einzelnen Soldaten schon auf die
  7071. Schrecken des Krieges vor und half so mit, ihn vor Enttäuschungen zu bewahren. Die entsetzlichste Waffe, die nun
  7072. gegen ihn zur Anwendung kam, erschien ihm nur mehr als
  7073. die Bestätigung seiner schon gewordenen Aufklärung und
  7074. stärkte ebenso den Glauben an die Richtigkeit der Behauptungen seiner Regierung, wie sie andererseits Wut und Haß
  7075. gegen den verruchten Feind steigerte. Denn die grausame
  7076. Wirkung der Waffe, die er ja nun an sich von seien des
  7077. Gegners kennenlernte, erschien ihm allmählich als Beweis
  7078. der ihm schon bekannten „hunnenhaften“ Brutalität des
  7079. barbarischen Feindes, ohne daß er auch nur einen Augenblick so weit zum Nachdenken gebracht worden wäre, daß
  7080. seine Waffen vielleicht, ja sogar wahrscheinlich, noch entsetzlicher wirken könnten.
  7081. So konnte sich der englische Soldat vor allem nie als
  7082. von zu Hause unwahr unterrichtet fühlen, was leider beim
  7083. deutschen so sehr der Fall war, daß er endlich überhaupt
  7084. alles, was von dieser Seite kam, als „Schwindel“
  7085. und „Krampf“ ablehnte. Lauter Folgen davon, daß man
  7086. glaubte, zur Propaganda den nächstbesten Esel (oder selbst
  7087. „sonst“ gescheiten Menschen) abkommandieren zu können,
  7088. statt zu begreifen, daß hierfür die allergenialsten Seelenkenner gerade noch gut genug sind.
  7089. So bot die deutsche Kriegspropaganda ein unübertreffliches Lehr- und Unterrichtsbeispiel für eine in den Wirkungen geradezu umgekehrt arbeitende „Aufklärung“ infolge vollkommenen Fehlens jeder psychologisch richtigen
  7090. Überlegung.
  7091. Am Gegner aber war unendlich viel zu lernen für den,
  7092. 200
  7093. Subjektiv – einseitig – unbedingt!
  7094. der mit offenen Augen und unverkalktem Empfinden die
  7095. viereinhalb Jahre lang anstürmende Flutwelle der feindlichen Propaganda für sich verarbeitete.
  7096. Am allerschlechtesten jedoch begriff man die allererste
  7097. Voraussetzung jeder propagandistischen Tätigkeit überhaupt: nämlich die grundsätzlich subjektiv einseitige Stellungnahme derselben zu jeder von ihr bearbeiteten Frage.
  7098. Auf diesem Gebiete wurde in einer Weise gesündigt, und
  7099. zwar gleich zu Beginn des Krieges von oben herunter, daß
  7100. man wohl das Recht erhielt, zu zweifeln, ob soviel Unsinn
  7101. wirklich nur reiner Dummheit zugeschrieben werden konnte.
  7102. Was würde man zum Beispiel über ein Plakat sagen,
  7103. das eine neue Seife anpreisen soll, dabei jedoch auch andere
  7104. Seifen als „gut“ bezeichnet?
  7105. Man würde darüber nur den Kopf schütteln.
  7106. Genau so verhält es sich aber auch mit politischer Reklame.
  7107. Die Aufgabe der Propaganda ist z.B. nicht ein Abwägen
  7108. der verschiedenen Rechte, sondern das ausschließliche Betonen des einen eben durch sie zu vertretenden. Sie hat
  7109. nicht objektiv auch die Wahrheit, soweit sie den anderen
  7110. günstig ist, zu erforschen, um sie dann der Masse in doktrinärer Aufrichtigkeit vorzusetzen, sondern ununterbrochen
  7111. der eigenen zu dienen.
  7112. Es war grundfalsch, die Schuld am Kriege von dem
  7113. Standpunkt aus zu erörtern, daß nicht nur Deutschland
  7114. allein verantwortlich gemacht werden könnte für den Ausbruch dieser Katastrophe, sondern es wäre richtig gewesen,
  7115. diese Schuld restlos dem Gegner aufzubürden, selbst wenn
  7116. dies wirklich nicht so dem wahren Hergange entsprochen
  7117. hätte, wie es doch nun tatsächlich der Fall war.
  7118. Was aber war die Folge dieser Halbheit?
  7119. Die breite Masse eines Volkes besteht nicht aus Diplomaten oder auch nur Staatsrechtslehrern, ja nicht einmal
  7120. aus lauter vernünftig Urteilsfähigen, sondern aus ebenso
  7121. schwankenden wie zu Zweifel und Unsicherheit geneigten
  7122. Menschenkindern. Sowie durch die eigene Propaganda erst
  7123. einmal nur der Schimmer eines Rechtes auch auf der anderen Seite zugegeben wird, ist der Grund zum Zweifel an
  7124. Der deutsche Objektivitätsfimmel
  7125. 201
  7126. dem eigenen Rechte schon gelegt. Die Masse ist nicht in der
  7127. Lage, nun zu unterscheiden, wo das fremde Unrecht endet
  7128. und das eigene beginnt. Sie wird in einem solchen Falle
  7129. unsicher und mißtrauisch, besonders dann, wenn der
  7130. Gegner eben nicht den gleichen Unsinn macht, sondern
  7131. seinerseits alle und jede Schuld dem Feinde aufbürdet. Was
  7132. ist da erklärlicher, als daß endlich das eigene Volk der
  7133. feindlichen Propaganda, die geschlossener, einheitlicher vorgeht, sogar mehr glaubt als der eigenen? Und noch dazu
  7134. bei einem Volke, das ohnehin so sehr am Objektivitätsfimmel leidet wie das deutsche! Denn bei ihm wird nun
  7135. jeder sich bemühen, nur ja dem Feinde nicht Unrecht zu
  7136. tun, selbst auf die Gefahr der schwersten Belastung, ja Vernichtung des eigenen Volkes und Staates.
  7137. Daß an den maßgebenden Stellen dies natürlich nicht so
  7138. gedacht ist, kommt der Masse gar nicht zum Bewußtsein.
  7139. Das Volk ist in seiner überwiegenden Mehrheit so feminin veranlagt und eingestellt, daß weniger nüchterne Überlegung als vielmehr gefühlsmäßige Empfindung sein Denken und Handeln bestimmt.
  7140. Diese Empfindung aber ist nicht kompliziert, sondern sehr
  7141. einfach und geschlossen. Sie gibt hierbei nicht viel Differenzierungen, sondern ein Positiv oder ein Negativ, Liebe oder
  7142. Haß, Recht oder Unrecht, Wahrheit oder Lüge, niemals
  7143. aber halb so und halb so oder teilweise usw.
  7144. Das alles hat besonders die englische Propaganda in
  7145. der wahrhaft genialsten Weise verstanden – und berücksichtigt. Dort gab es wirklich keine Halbheiten, die etwa
  7146. zu Zweifeln hätten anregen können.
  7147. Das Zeichen für die glänzende Kenntnis der Primitivität
  7148. der Empfindung der breiten Masse lag in der diesem Zustande angepaßten Greuelpropaganda, die in ebenso rücksichtsloser wie genialer Art die Vorbedingungen für das
  7149. moralische Standhalten an der Front sicherte, selbst bei
  7150. größten tatsächlichen Niederlagen, sowie weiter in der ebenso
  7151. schlagenden Festnagelung des deutschen Feindes als des allein
  7152. schuldigen Teils am Ausbruch des Krieges: eine Lüge, die
  7153. nur durch die unbedingte, freche, einseitige Sturheit, mit der
  7154. 202
  7155. Beschränkung auf Beharrlichkeit
  7156. sie vorgetragen wurde, der gefühlsmäßigen, immer extremen Einstellung des großen Volkes Rechnung trug und
  7157. deshalb auch geglaubt wurde.
  7158. Wie sehr diese Art von Propaganda wirksam war, zeigte
  7159. am schlagendsten die Tatsache, daß sie nach vier Jahren nicht
  7160. nur den Gegner noch streng an der Stange zu halten vermochte, sondern sogar unser eigenes Volk anzufressen begann.
  7161. Daß unserer Propaganda dieser Erfolg nicht beschieden
  7162. war, durfte einen wirklich nicht wundern. Sie trug den
  7163. Keim der Unwirksamkeit schon in ihrer inneren Zweideutigkeit. Endlich war es schon infolge ihres Inhalts wenig
  7164. wahrscheinlich, daß sie bei den Massen den notwendigen
  7165. Eindruck erwecken würde. Zu hoffen, daß es mit diesem
  7166. faden Pazifistenspülwasser gelingen könnte, Menschen zum
  7167. Sterben zu berauschen, brachten nur unsere geistfreien
  7168. „Staatsmänner“ fertig.
  7169. So war dies elende Produkt zwecklos, ja sogar schädlich.
  7170. Aber alle Genialität der Aufmachung der Propaganda
  7171. wird zu keinem Erfolg führen, wenn nicht ein fundamentaler Grundsatz immer gleich scharf berücksichtigt wird. Sie
  7172. hat sich auf wenig zu beschränken und dieses ewig zu wiederholen. Die Beharrlichkeit ist hier wie bei so vielem auf der
  7173. Welt die erste und wichtigste Voraussetzung zum Erfolg.
  7174. Gerade auf dem Gebiete der Propaganda darf man sich
  7175. niemals von Ästheten oder Blasierten leiten lassen: Von den
  7176. ersteren nicht, weil sonst der Inhalt in Form und Ausdruck
  7177. in kurzer Zeit, statt für die Masse sich zu eignen, nur mehr
  7178. für literarische Teegesellschaften Zugkraft entwickelt; vor
  7179. den zweiten aber hüte man sich deshalb ängstlich, weil ihr
  7180. Mangel an eigenem frischem Empfinden immer nach neuen
  7181. Reizen sucht. Diesen Leuten wird in kurzer Zeit alles überdrüssig; sie wünschen Abwechslung und verstehen niemals,
  7182. sich in die Bedürfnisse ihrer noch nicht so abgebrühten Mitwelt hineinzuversetzen oder diese gar zu begreifen. Sie sind
  7183. immer die ersten Kritiker der Propaganda oder besser ihres
  7184. Inhaltes, der ihnen zu althergebracht, zu abgedroschen, dann
  7185. wieder zu überlebt usw. erscheint. Sie wollen immer Neues,
  7186. suchen Abwechslung und werden dadurch zu wahren Tod-
  7187. Die feindliche Kriegspropaganda
  7188. 203
  7189. feinden jeder wirksamen politischen Massengewinnung.
  7190. Denn sowie sich die Organisation und der Inhalt einer
  7191. Propaganda nach ihren Bedürfnissen zu richten beginnen,
  7192. verlieren sie jede Geschlossenheit und zerflattern statt dessen vollständig.
  7193. Propaganda ist jedoch nicht dazu da, blasierten Herrchen laufend interessante Abwechslung zu verschaffen, sondern zu überzeugen, und zwar die Masse zu überzeugen.
  7194. Diese aber braucht in ihrer Schwerfälligkeit immer eine bestimmte Zeit, ehe sie auch nur von einer Sache Kenntnis zu
  7195. nehmen bereit ist, und nur einer tausendfachen Wiederholung einfachster Begriffe wird sie endlich ihr Gedächtnis
  7196. schenken.
  7197. Jede Abwechslung darf nie den Inhalt des durch die
  7198. Propaganda zu Bringenden verändern, sondern muß stets
  7199. zum Schlusse das gleiche besagen. So muß das Schlagwort
  7200. wohl von verschiedenen Seiten aus beleuchtet werden,
  7201. allein das Ende jeder Betrachtung hat immer von neuem
  7202. beim Schlagwort selber zu liegen. Nur so kann und wird
  7203. die Propaganda einheitlich und geschlossen wirken.
  7204. Diese große Linie allein, die nie verlassen werden darf,
  7205. läßt bei immer gleichbleibender konsequenter Betonung
  7206. den endgültigen Erfolg heranreifen. Dann aber wird man
  7207. mit Staunen feststellen können, zu welch ungeheuren, kaum
  7208. verständlichen Ergebnissen solch eine Beharrlichkeit führt.
  7209. Jede Reklame, mag sie auf dem Gebiete des Geschäftes
  7210. oder der Politik liegen, trägt den Erfolg in der Dauer und
  7211. gleichmäßigen Einheitlichkeit ihrer Anwendung.
  7212. Auch hier war das Beispiel der feindlichen Kriegspropaganda vorbildlich: auf wenige Gesichtspunkte beschränkt,
  7213. ausschließlich berechnet für die Masse, mit unermüdlicher
  7214. Beharrlichkeit betrieben. Während des ganzen Krieges
  7215. wurden die einmal als richtig erkannten Grundgedanken
  7216. und Ausführungsformen angewendet, ohne daß auch nur
  7217. die geringste Änderung jemals vorgenommen worden wäre.
  7218. Sie war im Anfang scheinbar verrückt in der Frechheit
  7219. ihrer Behauptungen, wurde später unangenehm und ward
  7220. endlich geglaubt. Nach viereinhalb Jahren brach in Deutsch-
  7221. 204
  7222. Die feindliche Kriegspropaganda
  7223. land eine Revolution aus, deren Schlagworte der feindlichen Kriegspropaganda entstammten.
  7224. In England aber begriff man noch etwas: daß nämlich
  7225. für diese geistige Waffe der mögliche Erfolg nur in der
  7226. Masse ihrer Anwendung liegt, der Erfolg jedoch alle Kosten
  7227. reichlich deckt.
  7228. Die Propaganda galt dort als Waffe ersten Ranges,
  7229. während sie bei uns das letzte Brot stellenloser Politiker
  7230. und Druckpöstchen bescheidener Helden darstellte.
  7231. Ihr Erfolg war denn auch, alles in allem genommen,
  7232. gleich Null.
  7233. 7. Kapitel
  7234. Die Revolution
  7235. M it dem Jahre 1915 hat die feindliche Propaganda bei
  7236. uns eingesetzt, seit 1916 wurde sie immer intensiver,
  7237. um endlich zu Beginn des Jahres 1918 zu einer förmlichen
  7238. Flut anzuschwellen. Nun ließen sich auch schon auf Schritt
  7239. und Tritt die Wirkungen dieses Seelenfanges erkennen. Die
  7240. Armee lernte allmählich denken, wie der Feind es wollte.
  7241. Die deutsche Gegenwirkung aber versagte vollständig.
  7242. Die Armee besaß in ihrem damaligen geistigen und
  7243. willensmäßigen Leiter wohl die Absicht und Entschlossenheit, den Kampf auch auf diesem Felde aufzunehmen, allein
  7244. ihr fehlte das Instrument, das hierfür nötig gewesen wäre.
  7245. Auch psychologisch war es falsch, diese Aufklärung durch
  7246. die Truppe selber vornehmen zu lassen. Sie mußte, wenn
  7247. sie wirkungsvoll sein sollte, aus der Heimat kommen. Nur
  7248. dann durfte man auf Erfolg bei Männern rechnen, die zum
  7249. Schlusse ja für diese Heimat unsterbliche Taten des Heldenmutes und der Entbehrungen seit schon bald vier Jahren
  7250. vollbracht hatten.
  7251. Allein, was kam aus der Heimat?
  7252. War dieses Versagen Dummheit oder Verbrechen?
  7253. Im Hochsommer 1918, nach dem Räumen des südlichen
  7254. Marneufers, benahm sich vor allem die deutsche Presse
  7255. schon so elend ungeschickt, ja verbrecherisch dumm, daß mir
  7256. mit täglich sich mehrendem Grimme die Frage aufstieg, ob
  7257. denn wirklich gar niemand da wäre, der dieser geistigen
  7258. Verprassung des Heldentums der Armee ein Ende bereiten
  7259. würde.
  7260. Was geschah in Frankreich, als wir im Jahre 1914 in unerhörtem Siegessturme in dieses Land hineinfegten? Was
  7261. tat Italien in den Tagen des Zusammenbruches seiner
  7262. 206
  7263. Psychologischer Massenmord
  7264. Isonzofront? Was Frankreich wieder im Frühjahr 1918,
  7265. als der Angriff der deutschen Divisionen die Stellungen
  7266. aus den Angeln zu heben schien, und der weitreichende
  7267. Arm der schweren Fernkampfbatterien an Paris zu klopfen
  7268. begann?
  7269. Wie war dort immer den zurückhastenden Regimentern
  7270. die Siedehitze nationaler Leidenschaft in die Gesichter gepeitscht worden! Wie arbeiteten dann die Propaganda und geniale Massenbeeinflussung, um den Glauben an den endgültigen Sieg erst recht in die Herzen der gebrochenen
  7271. Fronten wieder hineinzuhämmern!
  7272. Was geschah indessen bei uns?
  7273. Nichts oder gar noch Schlechteres als dieses!
  7274. Damals stiegen mir oft Zorn und Empörung auf, wenn
  7275. ich die neuesten Zeitungen zu lesen erhielt und man diesen
  7276. psychologischen Massenmord, der da verbrochen wurde, zu
  7277. Gesicht bekam.
  7278. Öfter als einmal quälte mich der Gedanke, daß, wenn
  7279. mich die Vorsehung an die Stelle dieser unfähigen oder
  7280. verbrecherischen Nichtskönner oder Nichtwoller unseres
  7281. Propagandadienstes gestellt hätte, dem Schicksal der Kampf
  7282. anders angesagt worden wäre.
  7283. In diesen Monaten empfand ich zum ersten Male die
  7284. ganze Tücke des Verhängnisses, das mich an der Front und
  7285. in einer Stelle hielt, in der mich der Zufallsgriff jedes
  7286. Negers zusammenschießen konnte, während ich dem Vaterlande an anderem Orte andere Dienste zu leisten vermocht
  7287. hätte!
  7288. Denn daß mir dieses gelungen sein würde, war ich schon
  7289. damals vermessen genug zu glauben.
  7290. Allein ich war ein Namenloser, einer unter acht Millionen!
  7291. So war es besser, den Mund zu halten und so gut als
  7292. möglich seine Pflicht an dieser Stelle zu tun.
  7293. Im Sommer 1915 fielen uns die ersten feindlichen Flugblätter in die Hand.
  7294. Die ersten feindlichen Flugblätter
  7295. 207
  7296. Ihr Inhalt war fast stets, wenn auch mit einigen Abwechslungen in der Form der Darstellung, derselbe, nämlich: daß die Not in Deutschland immer größer werde; die
  7297. Dauer des Krieges endlos sei, während die Aussicht, ihn zu
  7298. gewinnen, immer mehr schwinde; das Volk in der Heimat
  7299. sehne sich deshalb auch nach Frieden, allein der „Militarismus“, sowie der „Kaiser“ erlaubten dies nicht; die ganze
  7300. Welt – der dies sehr wohl bekannt sei – führe deshalb
  7301. auch nicht den Krieg gegen das deutsche Volk, sondern vielmehr ausschließlich gegen den einzig Schuldigen, den Kaiser;
  7302. der Kampf werde daher nicht früher ein Ende nehmen, bis
  7303. dieser Feind der friedlichen Menschheit beseitigt sei; die
  7304. freiheitlichen und demokratischen Nationen würden aber
  7305. nach Beendigung des Krieges das deutsche Volk in den
  7306. Bund des ewigen Welttfriedens aufnehmen, der von der
  7307. Stunde der Vernichtung des „preußischen Militarismus“ an
  7308. gesichert sei.
  7309. Zur besseren Illustration des so Vorgebrachten wurden
  7310. dann nicht selten „Briefe aus der Heimat“ abgedruckt,
  7311. deren Inhalt diese Behauptungen zu bestätigen schien.
  7312. Im allgemeinen lachte man damals nur über alle diese
  7313. Versuche. Die Flugblätter wurden gelesen, dann nach rückwärts geschickt zu den höheren Stäben und meist wieder
  7314. vergessen, bis der Wind abermals eine Ladung von oben in
  7315. die Gräben hineinbeförderte; es waren nämlich meistens
  7316. Flugzeuge, die zum Herüberbringen der Blätter dienten.
  7317. Eines mußte bei dieser Art von Propaganda bald auffallen, daß nämlich in jedem Frontabschnitt, in dem sich
  7318. Bayern befanden, mit außerordentlicher Konsequenz immer
  7319. gegen Preußen Front gemacht wurde, mit der Versicherung,
  7320. daß nicht nur einerseits Preußen der eigentlich Schuldige
  7321. und Verantwortliche für den ganzen Krieg sei, sondern daß
  7322. andererseits gegen Bayern im besonderen auch nicht das
  7323. geringste an Feindschaft vorhanden wäre; freilich könnte
  7324. man ihm aber auch nicht helfen, solange es eben im Dienste
  7325. des preußischen Militarismus mittue, diesem die Kastanien
  7326. aus dem Feuer zu holen.
  7327. Die Art der Beeinflussung begann tatsächlich schon im
  7328. 208
  7329. Die Jammerbriefe aus der Heimat
  7330. Jahre 1915 bestimmte Wirkungen zu erzielen. Die Stimmung gegen Preußen wuchs unter der Truppe ganz ersichtlich – ohne daß von oben herunter auch nur ein einziges
  7331. Mal dagegen eingeschritten worden wäre. Dies war schon
  7332. mehr als eine bloße Unterlassungssünde, die sich früher
  7333. oder später einmal auf das unseligste rächen mußte, und
  7334. zwar nicht an den „Preußen“, sondern an dem deutschen
  7335. Volke, und dazu gehört nicht zum allerletzten denn doch
  7336. auch Bayern selber.
  7337. In dieser Richtung begann die feindliche Propaganda
  7338. schon vom Jahre 1916 an unbedingte Erfolge zu zeitigen.
  7339. Ebenso übten die Jammerbriefe direkt aus der Heimat
  7340. längst ihre Wirkung aus. Es war nun gar nicht mehr notwendig, daß der Gegner sie noch besonders durch Flugblätter usw. der Front übermittelte. Auch dagegen geschah,
  7341. außer einigen psychologisch blitzdummen „Ermahnungen“
  7342. von „Regierungsseite“, nichts. Die Front wurde nach wie vor
  7343. mit diesem Gift überschwemmt, das gedankenlose Weiber
  7344. zu Hause zusammenfabrizierten, ohne natürlich zu ahnen,
  7345. daß dies das Mittel war, dem Gegner die Siegeszuversicht
  7346. auf das äußerste zu stärken, also mithin die Leiden ihrer Angehörigen an der Kampffront zu verlängern und zu verschärfen. Die sinnlosen Briefe deutscher Frauen kosteten in
  7347. der Folgezeit Hunderttausenden von Männern das Leben.
  7348. So zeigten sich im Jahre 1916 bereits verschiedene
  7349. bedenkliche Erscheinungen. Die Front schimpfte und „masselte“, war schon in vielen Dingen unzufrieden und manchmal auch mit Recht empört. Während sie hungerte und
  7350. duldete, die Angehörigen zu Hause im Elend saßen, gab
  7351. es an anderer Stelle Überfluß und Prasserei. Ja, sogar an
  7352. der Kampffront selber war in dieser Richtung nicht alles
  7353. in Ordnung.
  7354. So kriselte es schon damals ganz leicht – allein, dies
  7355. waren noch immer „interne“ Angelegenheiten. Der gleiche
  7356. Mann, der erst geschimpft und geknurrt hatte, tat wenige
  7357. Minuten später schweigend seine Pflicht, als ob es selbstverständlich gewesen wäre. Dieselbe Kompanie, die erst
  7358. unzufrieden war, klammerte sich an das Stück Graben, das
  7359. Verwundet
  7360. 209
  7361. sie zu schützen hatte, wie wenn Deutschlands Schicksal von
  7362. diesen hundert Metern Schlammlöchern abhängig gewesen
  7363. wäre. Es war noch die Front der alten, herrlichen Heldenarmee!
  7364. Den Unterschied zwischen ihr und der Heimat sollte ich
  7365. in grellem Wechsel kennenlernen.
  7366. Ende September 1916 rückte meine Division in die Sommeschlacht ab. Sie war für uns die erste der nun folgenden ungeheuren Materialschlachten und der Eindruck denn
  7367. auch ein nur schwer zu beschreibender – mehr Hölle als
  7368. Krieg.
  7369. In wochenlangem Wirbelsturm des Trommelfeuers hielt
  7370. die deutsche Front stand, manchmal etwas zurückgedrängt,
  7371. dann wieder vorstoßend, niemals aber weichend.
  7372. Am 7. Oktober 1916 wurde ich verwundet.
  7373. Ich kam glücklich nach rückwärts und sollte mit einem
  7374. Transport nach Deutschland.
  7375. Es waren nun zwei Jahre verflossen, seit ich die Heimat
  7376. nicht mehr gesehen hatte, eine unter solchen Verhältnissen
  7377. fast endlose Zeit. Ich konnte mir kaum mehr vorstellen, wie
  7378. Deutsche aussehen, die nicht in Uniform stecken. Als ich in
  7379. Hermies im Verwundeten-Sammellazarett lag, zuckte ich
  7380. fast wie im Schreck zusammen, als plötzlich die Stimme
  7381. einer deutschen Frau als Krankenschwester einen neben
  7382. mir Liegenden ansprach.
  7383. Nach zwei Jahren zum erstenmal ein solcher Laut!
  7384. Je näher dann aber der Zug, der uns in die Heimat
  7385. bringen sollte, der Grenze kam, um so unruhiger wurde es
  7386. nun im Innern eines jeden. Alle die Orte zogen vorüber,
  7387. durch die wir zwei Jahre vordem als junge Soldaten gefahren waren: Brüssel, Löwen, Lüttich, und endlich glaubten wir das erste deutsche Haus am hohen Giebel und
  7388. seinen schönen Läden zu erkennen.
  7389. Das Vaterland!
  7390. Im Oktober 1914 brannten wir vor stürmischer Begeisterung, als wir die Grenze überfuhren, nun herrschte Stille
  7391. und Ergriffenheit. Jeder war glücklich, daß ihn das Schicksal noch einmal schauen ließ, was er mit seinem Leben so
  7392. 210
  7393. Das Rühmen der eigenen Feigheit
  7394. schwer zu schützen hatte; und jeder schämte sich fast, den
  7395. andern in sein Auge sehen zu lassen.
  7396. Fast am Jahrestage meines Ausmarsches kam ich in das
  7397. Lazarett zu Beelitz bei Berlin.
  7398. Welcher Wandel! Vom Schlamm der Sommeschlacht in
  7399. die weißen Betten dieses Wunderbaues! Man wagte ja
  7400. anfangs kaum, sich richtig hineinzulegen. Erst langsam vermochte man sich an diese neue Welt wieder zu gewöhnen.
  7401. Leider aber war diese Welt auch in anderer Hinsicht neu.
  7402. Der Geist des Heeres an der Front schien hier schon kein
  7403. Gast mehr zu sein. Etwas, das an der Front noch unbekannt war, hörte ich hier zum ersten Male: das Rühmen
  7404. der eigenen Feigheit. Denn was man auch draußen schimpfen und „masseln“ hören konnte, so war dies doch nie eine
  7405. Aufforderung zur Pflichtverletzung oder gar eine Verherrlichung des Angsthasen. Nein! Der Feigling galt noch
  7406. immer als Feigling, und sonst eben als weiter nichts; und
  7407. die Verachtung, die ihn traf, war noch immer allgemein, genau so wie die Bewunderung, die man dem wirklichen Helden zollte. Hier aber im Lazarett war es schon zum Teil fast
  7408. umgekehrt: Die gesinnungslosesten Hetzer führten das große
  7409. Wort und versuchten mit allen Mitteln ihrer jämmerlichen
  7410. Beredsamkeit, die Begriffe des anständigen Soldaten als
  7411. lächerlich und die Charakterlosigkeit des Feiglings als vorbildlich hinzustellen. Ein paar elende Burschen vor allem
  7412. gaben den Ton an. Der eine davon rühmte sich, die Hand
  7413. selber durch das Drahtverhau gezogen zu haben, um so in
  7414. das Lazarett zu kommen; er schien nun trotz dieser lächerlichen Verletzung schon endlose Zeit hier zu sein, wie er
  7415. denn ja überhaupt nur durch einen Schwindel in den
  7416. Transport nach Deutschland kam. Dieser giftige Kerl
  7417. aber brachte es schon so weit, die eigene Feigheit mit
  7418. frecher Stirne als den Ausfluß höherer Tapferkeit als
  7419. den Heldentod des ehrlichen Soldaten hinzustellen. Viele
  7420. hörten schweigend zu, andere gingen, einige aber stimmten
  7421. auch bei.
  7422. Mir kroch der Ekel zum Halse herauf, allein der Hetzer
  7423. wurde ruhig in der Anstalt geduldet. Was sollte man
  7424. Die Drückebergerei
  7425. 211
  7426. machen? Wer und was er war, mußte man bei der Leitung
  7427. genau wissen und wußte es auch. Dennoch geschah nichts.
  7428. Als ich wieder richtig gehen konnte, erhielt ich Erlaubnis, nach Berlin fahren zu dürfen.
  7429. Die Not war ersichtlich überall sehr herbe. Die Millionenstadt litt Hunger. Die Unzufriedenheit war groß. In verschiedenen, von Soldaten besuchten Heimen war der Ton
  7430. ähnlich dem des Lazaretts. Es machte ganz den Eindruck,
  7431. als ob mit Absicht diese Burschen gerade solche Stellen aufsuchen würden, um ihre Anschauungen weiterzuverbreiten.
  7432. Noch viel, viel ärger waren jedoch die Verhältnisse in
  7433. München selber!
  7434. Als ich nach Ausheilung aus dem Lazarett entlassen und
  7435. dem Ersatzbataillon überwiesen wurde, glaubte ich, die Stadt
  7436. nicht mehr wiederzuerkennen. Ärger, Mißmut und Geschimpfe, wohin man nur kam! Beim Ersatzbataillon selber
  7437. war die Stimmung unter jeder Kritik. Hier wirkte noch mit
  7438. die unendlich ungeschickte Art der Behandlung der Feldsoldaten von seiten alter Instruktionsoffiziere, die noch keine
  7439. Stunde im Felde waren und schon aus diesem Grunde nur
  7440. zu einem Teil ein anständiges Verhältnis zu den alten
  7441. Soldaten herzustellen vermochten. Diese besaßen nun einmal
  7442. gewisse Eigenheiten, die aus dem Dienst an der Front erklärlich waren, den Leitern dieser Ersatztruppenteile indessen gänzlich unverständlich blieben, während sie der ebenfalls von der Front gekommene Offizier sich wenigstens zu
  7443. erklären wußte. Letzterer selbst war von den Mannschaften
  7444. natürlich auch ganz anders geachtet als der Etappenkommandeur. Aber von dem ganz abgesehen, war die allgemeine Stimmung miserabel; die Drückebergerei galt schon
  7445. fast als Zeichen höherer Klugheit, das treue Ausharren
  7446. aber als Merkmal innerer Schwäche und Borniertheit. Die
  7447. Kanzleien waren mit Juden besetzt. Fast jeder Schreiber
  7448. ein Jude und jeder Jude ein Schreiber. Ich staunte über die
  7449. Fülle von Kämpfern des auserwählten Volkes und konnte
  7450. nicht anders, als sie mit den spärlichen Vertretern an der
  7451. Front zu vergleichen.
  7452. Noch schlimmer lagen die Dinge bei der Wirtschaft. Hier
  7453. 212
  7454. Die Preußenhetze
  7455. war das jüdische Volk tatsächlich „unabkömmlich“ geworden. Die Spinne begann, dem Volke langsam das Blut aus
  7456. den Poren zu saugen. Auf dem Umwege über die Kriegsgesellschaften hatte man das Instrument gefunden, um der
  7457. nationalen und freien Wirtschaft nach und nach den Garaus
  7458. zu machen.
  7459. Es wurde die Notwendigkeit einer schrankenlosen Zentralisation betont.
  7460. So befand sich tatsächlich schon im Jahre 1916/17 fast
  7461. die gesamte Produktion unter der Kontrolle des Finanzjudentums.
  7462. Gegen wen aber richtete sich aber nun der Haß des Volkes?
  7463. In dieser Zeit sah ich mit Entsetzen ein Verhängnis herannahen, das, nicht zur richtigen Stunde noch abgewendet,
  7464. zum Zusammenbruch führen mußte.
  7465. Während der Jude die gesamte Nation bestahl und unter
  7466. seine Herrschaft preßte, hetzte man gegen die „Preußen“.
  7467. Genau wie an der Front geschah auch zu Hause von oben
  7468. gegen diese Giftpropaganda nichts. Man schien gar nicht zu
  7469. ahnen, daß der Zusammenbruch Preußens noch lange keinen Aufschwung Bayerns mit sich bringe, ja, daß im Gegenteil jeder Sturz des einen den anderen rettungslos mit sich
  7470. in den Abgrund reißen mußte.
  7471. Mir tat dies Gebaren unendlich leid. Ich konnte in ihm
  7472. nur den genialsten Trick des Juden sehen, der die allgemeine Aufmerksamkeit von sich ab- und auf andere hinlenken sollte. Während Bayer und Preuße stritten, zog er
  7473. beiden die Existenz unter der Nase fort; während man in
  7474. Bayern gegen den Preußen schimpfte, organisierte der Jude
  7475. die Revolution und zerschlug Preußen und Bayern zugleich.
  7476. Ich konnte diesen verfluchten Hader unter den deutschen
  7477. Stämmen nicht leiden und war froh, wieder an die Front
  7478. zu kommen, zu der ich mich sofort nach meiner Ankunft
  7479. in München von neuem meldete.
  7480. Anfang März 1917 war ich denn auch wieder bei meinem
  7481. Regiment.
  7482. Neues Hoffen des Heeres
  7483. 213
  7484. Gegen Ende des Jahres 1917 schien der Tiefpunkt der
  7485. Niedergeschlagenheit des Heeres überwunden zu sein. Die
  7486. ganze Armee schöpfte nach dem russischen Zusammenbruch
  7487. wieder frische Hoffnung und frischen Mut. Die Überzeugung, daß der Kampf nun dennoch mit einem Siege Deutschlands enden würde, begann die Truppe immer mehr zu erfassen. Man konnte wieder singen hören, und die Unglücksraben wurden seltener. Man glaubte wieder an die Zukunft
  7488. des Vaterlandes.
  7489. Besonders der italienische Zusammenbruch des Herbstes
  7490. 1917 hatte die wundervollste Wirkung ausgeübt; sah man
  7491. doch in diesem Siege den Beweis für die Möglichkeit, auch
  7492. abseits des russischen Kriegsschauplatzes die Front durchbrechen zu können. Ein herrlicher Glaube strömte nun wieder in die Herzen der Millionen und ließ sie mit aufatmender Zuversicht dem Frühjahr 1918 entgegenharren. Der
  7493. Gegner aber war ersichtlich deprimiert. In diesem Winter
  7494. blieb es etwas ruhiger als sonst. Es trat die Ruhe vor dem
  7495. Sturme ein.
  7496. Doch während gerade die Front die letzten Vorbereitungen zur endlichen Beendigung des ewigen Kampfes vornahm, endlose Transporte an Menschen und Material an
  7497. die Westfront rollten und die Truppe die Ausbildung zum
  7498. großen Angriff erhielt, brach in Deutschland das größte
  7499. Gaunerstück des ganzen Krieges aus.
  7500. Deutschland sollte nicht siegen: in letzter Stunde, da der
  7501. Sieg sich schon an die deutschen Fahnen zu heften drohte,
  7502. griff man zu einem Mittel, das geeignet erschien, mit einem
  7503. Schlage den deutschen Angriff des Frühjahrs im Keime zu
  7504. ersticken, den Sieg unmöglich zu machen:
  7505. Man organisierte den Munitionsstreik.
  7506. Wenn er gelang, mußte die deutsche Front zusammenbrechen und der Wunsch des „Vorwärts“, daß der Sieg sich
  7507. dieses Mal nicht mehr an die deutschen Fahnen heften
  7508. möge, in Erfüllung gehen. Die Front mußte unter dem
  7509. Mangel an Munition in wenigen Wochen durchstoßen sein;
  7510. die Offensive war damit verhindert, die Entente gerettet;
  7511. das internationale Kapital aber zum Herrn Deutschlands
  7512. 214
  7513. Rußlands Zusammenbruch
  7514. gemacht, das innere Ziel des marxistischen Völkerbetruges
  7515. erreicht.
  7516. Zerbrechung der nationalen Wirtschaft zur Aufrichtung
  7517. der Herrschaft des internationalen Kapitals – ein Ziel,
  7518. das dank der Dummheit und Gutgläubigkeit der einen
  7519. Seite und der bodenlosen Feigheit der anderen ja auch
  7520. erreicht ist.
  7521. Allerdings hatte der Munitionsstreik in bezug auf die
  7522. Aushungerung der Front an Waffen nicht den letzten
  7523. gehofften Erfolg: er brach zu frühzeitig zusammen, als daß
  7524. der Munitionsmangel als solcher – so wie der Plan vorhanden war – das Heer zum Untergange verdammt hätte.
  7525. Allein um wieviel entsetzlicher war der moralische Schaden,
  7526. der angerichtet war!
  7527. Erstens: Für was kämpfte das Heer noch, wenn die
  7528. Heimat selber den Sieg gar nicht wollte? Für wen die
  7529. ungeheuren Opfer und Entbehrungen? Der Soldat soll für
  7530. den Sieg fechten, und die Heimat streikt dagegen?
  7531. Zweitens aber: Wie war die Wirkung auf den Feind?
  7532. Im Winter 1917/18 stiegen zum ersten Male trübe Wolken am Firmament der alliierten Welt auf. Fast vier Jahre
  7533. lang war man gegen den deutschen Recken angerannt und
  7534. konnte ihn nicht zum Sturze bringen; dabei war es aber
  7535. nur der Schildarm, den dieser frei zur Abwehr hatte, während das Schwert bald im Osten, bald im Süden zum Hiebe
  7536. ausholen mußte. Nun endlich war der Riese im Rücken frei.
  7537. Ströme von Blut waren geflossen, bis es ihm gelang, den
  7538. einen der Gegner endgültig niederzuschlagen. Jetzt sollte
  7539. im Westen zum Schild das Schwert kommen, und wenn es
  7540. dem Feinde bisher nicht glückte, die Abwehr zu brechen,
  7541. nun sollte der Angriff ihn selber treffen.
  7542. Man fürchtete ihn und bangte um den Sieg.
  7543. In London und Paris jagte eine Beratung die andere.
  7544. Selbst die feindliche Propaganda tat sich schon schwer; es
  7545. war nicht mehr so leicht, die Aussichtslosigkeit des deutschen Sieges nachzuweisen.
  7546. Das gleiche jedoch galt an den Fronten, an denen dösiges Schweigen herrschte, auch für die alliierten Truppen
  7547. Niedergeschlagenheit der Alliierten
  7548. 215
  7549. selber. Den Herrschaften war die Frechheit plötzlich vergangen. Auch ihnen begann langsam ein unheimliches
  7550. Licht aufzugehen. Ihre innere Stellung zum deutschen Soldaten hatte sich jetzt geändert. Bisher mochte er ihnen
  7551. als ein ja doch zur Niederlage bestimmter Narr gelten;
  7552. nun aber stand vor ihnen der Vernichter des russischen
  7553. Verbündeten. Die aus der Not geborene Beschränkung der
  7554. deutschen Offensiven auf den Osten erschien nunmehr als
  7555. geniale Taktik. Drei Jahre waren diese Deutschen gegen
  7556. Rußland angerannt, anfangs scheinbar ohne auch nur den
  7557. geringsten Erfolg. Man lachte fast über dieses zwecklose
  7558. Beginnen; denn endlich mußte ja doch der russische Riese
  7559. in der Überzahl seiner Menschen Sieger bleiben, Deutschland aber an Verblutung niederbrechen. Die Wirklichkeit
  7560. schien dieses Hoffen zu bestätigen.
  7561. Seit den Septembertagen 1914, da sich zum ersten Male
  7562. die endlosen Haufen russischer Gefangener aus der Schlacht
  7563. von Tannenberg auf Straßen und Bahnen nach Deutschland zu wälzen begannen, nahm dieser Strom kaum mehr
  7564. ein Ende – allein für jede geschlagene und vernichtete
  7565. Armee stand eine neue auf. Unerschöpflich gab das Riesenreich dem Zaren immer neue Soldaten und dem Kriege
  7566. seine neuen Opfer. Wie lange konnte Deutschland dieses
  7567. Rennen mitmachen? Mußte nicht einmal der Tag kommen,
  7568. an dem nach einem letzten deutschen Siege immer noch nicht
  7569. die letzten russischen Armeen zur allerletzten Schlacht antreten würden? Und was dann? Nach menschlichem Ermessen konnte der Sieg Rußlands wohl hinausgeschoben
  7570. werden, aber er mußte kommen.
  7571. Jetzt waren alle diese Hoffnungen zu Ende: der Verbündete, der die größten Blutopfer auf dem Altar der
  7572. gemeinsamen Interessen niedergelegt hatte, war am Ende
  7573. seiner Kraft und lag vor dem unerbittlichen Angreifer auf
  7574. dem Boden. Furcht und Grauen schlichen in die Herzen der
  7575. bisher blindgläubigen Soldaten ein. Man fürchtete das
  7576. kommende Frühjahr. Denn wenn es bisher nicht gelang,
  7577. den Deutschen zu besiegen, da er nur zum Teil sich auf der
  7578. Westfront zu stellen vermochte, wie sollte man jetzt noch
  7579. 216
  7580. „Deutschland vor der Revolution!“
  7581. mit dem Siege rechnen, da die gesamte Kraft des unheimlichen Heldenstaates sich zum Angriff gegen den Westen
  7582. zusammenzuballen schien?
  7583. Die Schatten der Südtiroler Berge legten sich beklemmend
  7584. auf die Phantasie; bis in die flandrischen Nebel gaukelten
  7585. die geschlagenen Heere Cadornas trübe Gesichte vor, und
  7586. der Glaube an den Sieg wich der Furcht vor der kommenden Niederlage.
  7587. Da – als man aus den kühlen Nächten schon das gleichmäßige Rollen der anrückenden Sturmarmeen des deutschen
  7588. Heeres zu vernehmen glaubte und in banger Sorge dem
  7589. kommenden Gericht entgegenstarrte, da zuckte plötzlich ein
  7590. grellrotes Licht aus Deutschland auf und warf den Schein
  7591. bis in den letzten Granattrichter der feindlichen Front: im
  7592. Augenblick, da die deutschen Divisionen den letzten Unterricht zum großen Angriff erhielten, brach in Deutschland
  7593. der Generalstreik aus.
  7594. Zunächst war die Welt sprachlos. Dann aber stürzte sich
  7595. die feindliche Propaganda erlöst aufatmend auf diese Hilfe
  7596. in zwölfter Stunde. Mit einem Schlage war das Mittel gefunden, die sinkende Zuversicht der alliierten Soldaten
  7597. wieder zu heben, die Wahrscheinlichkeit des Sieges aufs
  7598. neue als sicher hinstellen zu lassen und die bange Sorge vor
  7599. den kommenden Ereignissen in entschlossene Zuversicht
  7600. umzuverwandeln. Nun durfte man den des deutschen Angriffs
  7601. harrenden Regimentern die Überzeugung in die größte
  7602. Schlacht aller Zeiten mitgeben, daß nicht der Verwegenheit
  7603. des deutschen Sturmes die Entscheidung über das Ende
  7604. dieses Krieges zukomme, sondern der Ausdauer seiner Abwehr. Mochten die Deutschen nun Siege erringen soviel sie
  7605. noch wollten, in ihrer Heimat stand die Revolution vor
  7606. dem Einzug und nicht die siegreiche Armee.
  7607. Diesen Glauben begannen englische, französische und
  7608. amerikanische Zeitungen in die Herzen ihrer Leser zu
  7609. pflanzen, während eine unendliche geschickte Propaganda
  7610. die Truppen der Front emporriß.
  7611. „Deutschland vor der Revolution! Der Sieg der Alliierten
  7612. unaufhaltbar!“ Dies war die beste Medizin, um dem schwan-
  7613. Die Folgen des Munitionsstreiks
  7614. 217
  7615. kenden Poilu und Tommy auf die Beine zu helfen. Nun
  7616. konnten Gewehre und Maschinengewehre noch einmal zum
  7617. Feuern gebracht werden, und an Stelle einer in panischem
  7618. Schrecken davonjagenden Flucht trat hoffnungsvoller Widerstand.
  7619. Dieses war das Ergebnis des Munitionstreiks. Er stärkte
  7620. den Siegesglauben der feindlichen Völker und behob die
  7621. lähmende Verzweiflung der alliierten Front – in der Folge
  7622. hatten Tausende von deutschen Soldaten dies mit ihrem
  7623. Blute zu bezahlen. Die Urheber dieses niederträchtigsten
  7624. Schurkenstreiches aber waren die Anwärter auf die höchsten Staatsstellen des Deutschlands der Revolution.
  7625. Wohl konnte auf deutscher Seite zunächst die sichtbare
  7626. Rückwirkung dieser Tat scheinbar überwunden werden, auf
  7627. der Seite des Gegners jedoch blieben die Folgen nicht aus.
  7628. Der Widerstand hatte die Ziellosigkeit einer alles verlorengebenden Armee verloren, und an seine Stelle trat die Erbitterung eines Kampfes um den Sieg.
  7629. Denn der Sieg mußte nun nach menschlichem Ermessen
  7630. kommen, wenn die Westfront dem deutschen Angriff auch
  7631. nur wenige Monate standhielt. In den Parlamenten der
  7632. Entente aber erkannte man die Möglichkeit der Zukunft
  7633. und bewilligte unerhörte Mittel zur Fortführung der Propaganda zur Zersetzung Deutschlands.
  7634. Ich hatte das Glück, die beiden ersten und die letzte
  7635. Offensive mitmachen zu können.
  7636. Es sind dies die ungeheuersten Eindrücke meines Lebens
  7637. geworden; ungeheuer deshalb, weil nun zum letzten Male
  7638. ähnlich wie im Jahre 1914 der Kampf den Charakter der
  7639. Abwehr verlor und den des Angriffs übernahm. Ein Aufatmen ging durch die Gräben und Stollen des deutschen
  7640. Heeres, als endlich nach mehr als dreijährigem Ausharren
  7641. in der feindlichen Hölle der Tag der Vergeltung kam. Noch
  7642. einmal jauchzten die siegreichen Bataillone, und die letzten
  7643. Kränze unsterblichen Lorbeers hingen sie an die siegumwitterten Fahnen. Noch einmal brausten die Lieder des Vater-
  7644. 218
  7645. Letzte Kränze unsterblichen Lorbeers
  7646. landes die endlosen Marschkolonnen entlang zum Himmel
  7647. empor, und zum letzten Male lächelte die Gnade des Herrn
  7648. seinen undankbaren Kindern.
  7649. Im Hochsommer des Jahres 1918 lag dumpfe Schwüle
  7650. über der Front. Die Heimat stritt sich. Um was? Man erzählte sich vieles in den einzelnen Truppenteilen des Feldheeres. Der Krieg wäre nun aussichtslos, und nur Narren
  7651. könnten noch an den Sieg glauben. Das Volk besäße kein
  7652. Interesse mehr am weiteren Aushalten, sondern nur mehr
  7653. das Kapital und die Monarchie – dies kam aus der Heimat
  7654. und wurde auch an der Front besprochen.
  7655. Sie reagierte zunächst nur sehr wenig darauf. Was ging
  7656. uns das allgemeine Wahlrecht an? Hatten wir etwa deshalb vier Jahre lang gekämpft? Es war ein niederträchtiger Banditenstreich, auf solche Weise den toten Helden
  7657. das Kriegsziel im Grabe zu stehlen. Nicht mit dem
  7658. Rufe „Es lebe das allgemeine und geheime Wahlrecht“
  7659. waren die jungen Regimenter einst in Flandern in den
  7660. Tod gegangen, sondern mit dem Schrei „Deutschland über
  7661. alles in der Welt“. Ein kleiner, aber doch nicht ganz unbedeutender Unterschied. Die aber nach dem Wahlrecht
  7662. riefen, waren zum größten Teil nicht dort gewesen, wo sie
  7663. dieses nun erkämpfen wollten. Die Front kannte das ganze
  7664. politische Parteipack nicht. Man sah die Herren Parlamentarier nur zu einem Bruchteil dort, wo die anständigen
  7665. Deutschen, wenn sie nur gerade Glieder besaßen, sich damals aufhielten.
  7666. So war denn die Front in ihren alten Beständen für
  7667. dieses neue Kriegsziel der Herren Ebert, Scheidemann,
  7668. Barth, Liebknecht usw. nur sehr wenig empfänglich. Man
  7669. verstand gar nicht, warum auf einmal die Drückeberger das
  7670. Recht besitzen konnten, über das Heer hinweg sich die Herrschaft im Staate anzumaßen.
  7671. Meine persönliche Einstellung war von Anfang an fest:
  7672. Ich haßte das ganze Pack dieser elenden, volksbetrügerischen Parteilumpen auf das äußerste. Ich war mir längst
  7673. Die Zunahme der Zersetzungserscheinungen
  7674. 219
  7675. darüber im klaren, daß es sich bei diesem Gelichter wahrlich nicht um das Wohl der Nation handelte, sondern um
  7676. die Füllung leerer Taschen. Und daß sie jetzt selbst bereit
  7677. waren, dafür das ganze Volk zu opfern und wenn nötig
  7678. Deutschland zugrunde gehen zu lassen, machte sie in meinen
  7679. Augen reif für den Strick. Auf ihre Wünsche Rücksicht nehmen, hieß die Interessen das arbeitenden Volkes zugunsten
  7680. einer Anzahl von Taschendieben opfern, sie aber erfüllen
  7681. konnte man nur dann, wenn man bereit war, Deutschland
  7682. aufzugeben.
  7683. So aber dachten noch immer die weitaus meisten des
  7684. kämpfenden Heeres. Nur der aus der Heimat kommende
  7685. Nachschub wurde rapid schlechter und schlechter, so daß sein
  7686. Kommen keine Verstärkung, sondern eine Schwächung der
  7687. Kampfkraft bedeutete. Besonders der junge Nachschub war
  7688. zum großen Teil wertlos. Es war oft nur schwer zu glauben, daß dies Söhne desselben Volkes sein sollten, das
  7689. einst seine Jugend zum Kampf um Ypern ausgeschickt
  7690. hatte.
  7691. Im August und September nahmen die Zersetzungserscheinungen immer schneller zu, trotzdem die feindliche
  7692. Angriffswirkung mit dem Schrecken unserer Abwehrschlachten von einst nicht zu vergleichen war. Sommeschlacht und
  7693. Flandern lagen demgegenüber grauenerregend in der Vergangenheit.
  7694. Ende September kam meine Division zum drittenmal an
  7695. die Stellen, die wir einst als junge KriegsfreiwilligenRegimenter gestürmt hatten.
  7696. Welch eine Erinnerung!
  7697. Im Oktober und November 1914 hatten wir dort die
  7698. Feuertaufe erhalten. Vaterlandsliebe im Herzen und Lieder
  7699. auf den Lippen war unser junges Regiment in die Schlacht
  7700. gegangen wie in den Tanz. Teuerstes Blut gab sich da
  7701. freudig hin im Glauben, dem Vaterlande so seine Unabhängigkeit und Freiheit zu bewahren.
  7702. Im Juli 1917 betraten wir zum zweiten Male den für
  7703. uns alle geheiligten Boden. Schlummerten doch in ihm die
  7704. besten Kameraden, Kinder noch fast, die einst mit strah-
  7705. 220
  7706. Der jüngere Nachschub versagt
  7707. lenden Augen für das einzige teure Vaterland in den Tod
  7708. hineingelaufen waren.
  7709. Wir Alten, die mit dem Regiment einst ausgezogen, standen in ehrfürchtiger Ergriffenheit an dieser Schwurstätte
  7710. von „Treue und Gehorsam bis in den Tod“.
  7711. Diesen Boden, den das Regiment drei Jahre vorher gestürmt, sollte es nun in schwerer Abwehrschlacht verteidigen.
  7712. In dreiwöchigem Trommelfeuer bereitete der Engländer
  7713. die große Flandernoffensive vor. Da schienen die Geister
  7714. der Verstorbenen lebendig zu werden; das Regiment krallte
  7715. sich in den schmutzigen Schlamm und biß sich hinein in die
  7716. einzelnen Löcher und Krater und wich nicht und wankte
  7717. nicht und wurde so wie schon einmal an dieser Stelle immer
  7718. kleiner und dünner, bis der Angriff des Engländers am
  7719. 31. Juli 1917 endlich losbrach.
  7720. In den ersten Augusttagen wurden wir abgelöst.
  7721. Aus dem Regiment waren einige Kompanien geworden:
  7722. die schwankten schlammüberkrustet zurück, mehr Gespenstern als Menschen ähnlich. Allein außer einigen hundert
  7723. Meter Granatlöchern hatte der Engländer sich nur den Tod
  7724. geholt.
  7725. Nun, im Herbste des Jahres 1918, standen wir zum
  7726. drittenmal auf dem Sturmboden von 1914. Unser einstiges
  7727. Ruhestädtchen Comines war jetzt zum Kampffeld geworden. Freilich, wenn auch das Kampfgelände das gleiche war,
  7728. die Menschen hatten sich geändert: es wurde nunmehr in
  7729. der Truppe auch „politisiert“. Das Gift der Heimat begann,
  7730. wie überall, so auch hier wirksam zu werden. Der jüngere
  7731. Nachschub aber versagte vollständig – er kam von zu Hause.
  7732. In der Nacht vom 13. zum 14. Oktober ging das englische Gasschießen auf der Südfront vor Ypern los; man
  7733. verwendete dabei Gelbkreuz, das uns in der Wirkung noch
  7734. unbekannt war, soweit es sich um die Erprobung am eigenen Leibe handelte. Ich sollte es noch in dieser Nacht selbst
  7735. kennenlernen. Auf einem Hügel südlich von Wervick waren
  7736. wir noch am Abend des 13. Oktober in ein mehrstündiges
  7737. Trommelfeuer von Gasgranaten gekommen, das sich dann
  7738. die ganze Nacht hindurch in mehr oder minder heftiger
  7739. Vergiftet durch Gelbkreuzgas
  7740. 221
  7741. Weise fortsetzte. Schon gegen Mitternacht schied ein Teil
  7742. von uns aus, darunter einige Kameraden gleich für immer.
  7743. Gegen Morgen erfaßte auch mich der Schmerz von Viertelstunde zu Viertelstunde ärger, und um sieben Uhr früh
  7744. stolperte und schwankte ich mit brennenden Augen zurück,
  7745. meine letzte Meldung im Kriege noch mitnehmend.
  7746. Schon einige Stunden später waren die Augen in
  7747. glühende Kohlen verwandelt, es war finster um mich geworden.
  7748. So kam ich in das Lazarett Pasewalk in Pommern, und
  7749. dort mußte ich – die Revolution erleben!
  7750. Es lag etwas Unbestimmtes, aber Widerliches schon lange
  7751. in der Luft. Man erzählte sich, daß es in den nächsten
  7752. Wochen „los“ gehe – ich vermochte mir nur nicht vorzustellen, was darunter zu verstehen sei. Ich dachte in erster
  7753. Linie an einen Streik, ähnlich dem des Frühjahrs. Ungünstige Gerüchte kamen dauernd aus der Marine, in der es
  7754. gären sollte. Allein auch dieses schien mir mehr die Ausgeburt der Phantasie einzelner Burschen als Angelegenheit
  7755. größerer Massen zu sein. Im Lazarett selbst redete wohl
  7756. jeder von der hoffentlich doch bald herbeieilenden Beendigung des Krieges, allein auf ein „Sofort“ rechnete niemand. Zeitungen konnte ich nicht lesen.
  7757. Im November nahm die allgemeine Spannung zu.
  7758. Und dann brach eines Tages plötzlich und unvermittelt
  7759. das Unglück herein. Matrosen kamen auf Lastkraftwagen
  7760. und riefen zur Revolution auf, ein paar Judenjungen
  7761. waren die „Führer“ in diesem Kampf um die „Freiheit,
  7762. Schönheit und Würde“ unseres Volksdaseins. Keiner von
  7763. ihnen war an der Front gewesen. Auf dem Umweg eines
  7764. sogenannten „Tripperlazaretts“ waren die drei Orientalen
  7765. aus der Etappe der Heimat zurückgegeben worden. Nun
  7766. zogen sie in ihr den roten Fetzen auf.
  7767. Mir war es in der letzten Zeit etwas besser ergangen.
  7768. Der bohrende Schmerz in den Augenhöhlen ließ nach; es
  7769. gelang mir langsam, meine Umgebung in groben Umrissen
  7770. 222
  7771. „Republik“
  7772. wieder unterscheiden zu lernen. Ich durfte Hoffnung hegen,
  7773. wenigstens so weit wieder sehend zu werden, um später
  7774. irgendeinem Berufe nachgehen zu können. Freilich, daß
  7775. ich jemals wieder würde zeichnen können, durfte ich nicht
  7776. mehr hoffen. So befand ich mich immerhin auf dem Wege
  7777. der Besserung, als das Ungeheuerliche geschah.
  7778. Meine erste Hoffnung war noch immer, daß es sich bei
  7779. dem Landesverrat nur um eine mehr oder minder örtliche
  7780. Sache handeln konnte. Ich versuchte auch einige Kameraden in dieser Richtung zu bestärken. Besonders meine bayerischen Lazarettgenossen waren dem mehr als zugänglich.
  7781. Die Stimmung war da alles andere eher als „revolutionär“. Ich konnte mir nicht vorstellen, daß auch in München
  7782. der Wahnsinn ausbrechen würde. Die Treue zum ehrwürdigen Hause Wittelsbach schien mir denn doch fester zu
  7783. sein als der Wille einiger Juden. So konnte ich nicht anders
  7784. als glauben, daß es sich um einen Putsch der Marine
  7785. handle, der in den nächsten Tagen niedergeschlagen werden
  7786. würde.
  7787. Die nächsten Tage kamen, und mit ihnen die entsetzlichste
  7788. Gewißheit meines Lebens. Immer drückender wurden nun
  7789. die Gerüchte. Was ich für eine lokale Sache gehalten hatte,
  7790. sollte eine allgemeine Revolution sein. Dazu kamen die
  7791. schmachvollen Nachrichten von der Front. Man wollte kapitulieren. Ja, war so etwas überhaupt auch nur möglich?
  7792. Am 10. November kam der Pastor in das Lazarett zu
  7793. einer kleinen Ansprache; nun erfuhren wir alles.
  7794. Ich war, auf das äußerste erregt, auch bei der kurzen
  7795. Rede anwesend. Der alte, würdige Herr schien sehr zu zittern, als er uns mitteilte, daß das Haus Hohenzollern nun
  7796. die deutsche Kaiserkrone nicht mehr tragen dürfe, daß das
  7797. Vaterland „Republik“ geworden sei, daß man den Allmächtigen bitten müsse, diesem Wandel seinen Segen nicht
  7798. zu versagen und unser Volk in den kommenden Zeiten
  7799. nicht verlassen zu wollen. Er konnte dabei wohl nicht anders, er mußte in wenigen Worten des königlichen Hauses
  7800. gedenken, wollte dessen Verdienste in Pommern, in Preußen, nein, um das deutsche Vaterland würdigen, und – da
  7801. Umsonst alle Opfer
  7802. 223
  7803. begann er leise in sich hineinzuweinen – in dem kleinen
  7804. Saale aber legte sich tiefste Niedergeschlagenheit wohl
  7805. auf alle Herzen, und ich glaube, daß kein Auge die Tränen
  7806. zurückzuhalten vermochte. Als aber der alte Herr weiter
  7807. zu erzählen versuchte und mitzuteilen begann, daß wir den
  7808. langen Krieg nun beenden müßten, ja, daß unser Vaterland für die Zukunft, da der Krieg jetzt verloren wäre
  7809. und wir uns in die Gnade der Sieger begäben, schweren
  7810. Bedrückungen ausgesetzt sein würde, daß der Waffenstillstand im Vertrauen auf die Großmut unserer bisherigen
  7811. Feinde angenommen werden sollte – da hielt ich es nicht
  7812. mehr aus. Mir wurde es unmöglich, noch länger zu bleiben. Während es mir um die Augen wieder schwarz ward,
  7813. tastete und taumelte ich zum Schlafsaal zurück, warf mich
  7814. auf mein Lager und grub den brennenden Kopf in Decke
  7815. und Kissen.
  7816. Seit dem Tage, da ich am Grabe der Mutter gestanden,
  7817. hatte ich nicht mehr geweint. Wenn mich in meiner Jugend
  7818. das Schicksal unbarmherzig hart anfaßte, wuchs mein Trotz.
  7819. Als sich in den langen Kriegsjahren der Tod so manchen
  7820. lieben Kameraden und Freund aus unseren Reihen holte,
  7821. wäre es mir fast wie eine Sünde erschienen, zu klagen –
  7822. starben sie doch für Deutschland! Und als mich endlich selbst
  7823. – noch in den letzten Tagen des fürchterlichen Ringens –
  7824. das schleichende Gas anfiel und sich in die Augen zu fressen
  7825. begann und ich unter dem Schrecken, für immer zu erblinden, einen Augenblick verzagen wollte, da donnerte mich
  7826. die Stimme des Gewissens an: Elender Jämmerling, du
  7827. willst wohl heulen, während es Tausenden hundertmal
  7828. schlechter geht als dir. Und so trug ich denn stumpf und
  7829. stumm mein Los. Nun aber konnte ich nicht mehr anders.
  7830. Nun sah ich erst, wie sehr alles persönliche Leid versinkt
  7831. gegenüber dem Unglück des Vaterlandes.
  7832. Es war also alles umsonst gewesen. Umsonst all die Opfer
  7833. und Entbehrungen, umsonst der Hunger und Durst von
  7834. manchmal endlosen Monaten, vergeblich die Stunden, in
  7835. denen wir, von Todesangst umkrallt, dennoch unsere Pflicht
  7836. taten, und vergeblich der Tod von zwei Millionen, die da-
  7837. 224
  7838. Umsonst alle Opfer
  7839. bei starben. Mußten sich nicht die Gräber all der Hunderttausende öffnen, die im Glauben an das Vaterland einst
  7840. hinausgezogen waren, um niemals wiederzukehren? Mußten sie sich nicht öffnen und die stummen, schlamm- und
  7841. blutbedeckten Helden als Rachegeister in die Heimat senden, die sie um das höchste Opfer, das auf dieser Welt der
  7842. Mann seinem Volke zu bringen vermag, so hohnvoll betrogen hatte? Waren sie dafür gestorben, die Soldaten des
  7843. August und September 1914, zogen dafür die FreiwilligenRegimenter im Herbst desselben Jahres den alten Kameraden nach? Sanken dafür diese Knaben von siebzehn Jahren in die flandrische Erde? War dies der Sinn des Opfers,
  7844. das die deutsche Mutter dem Vaterlande darbrachte, als sie
  7845. mit wehem Herzen die liebsten Jungen damals ziehen ließ,
  7846. um sie niemals wiederzusehen? Geschah dies alles dafür,
  7847. daß nun ein Haufen elender Verbrecher die Hand an das
  7848. Vaterland zu legen vermochte?
  7849. Hatte also dafür der deutsche Soldat im Sonnenbrand
  7850. und Schneesturm hungernd, dürstend und frierend, müde
  7851. von schlaflosen Nächten und endlosen Märschen ausgeharrt?
  7852. Hatte er dafür in der Hölle des Trommelfeuers und im
  7853. Fieber das Gaskampfes gelegen, ohne zu weichen, immer
  7854. eingedenk der einzigen Pflicht, das Vaterland vor dem Einfall des Feindes zu bewahren?
  7855. Wahrlich, auch diese Helden verdienten einen Stein:
  7856. „Wanderer, der du nach Deutschland kommst, melde der
  7857. Heimat, daß wir hier liegen, treu dem Vaterlande und
  7858. gehorsam der Pflicht.“
  7859. Und die Heimat – ?
  7860. Allein – war es nur das einzige Opfer, das wir zu
  7861. wägen hatten? War das vergangene Deutschland weniger
  7862. wert? Gab es nicht auch einer Verpflichtung der eigenen
  7863. Geschichte gegenüber? Waren wir noch wert, den Ruhm
  7864. der Vergangenheit auch auf uns zu beziehen? Wie aber
  7865. war diese Tat der Zukunft zur Rechtfertigung zu unterbreiten?
  7866. Elende und verkommene Verbrecher!
  7867. Je mehr ich mir in dieser Stunde über das ungeheuere
  7868. Beschluß, Politiker zu werden
  7869. 225
  7870. Ereignis klar zu werden versuchte, um so mehr brannte
  7871. mir die Scham der Empörung und der Schande in der
  7872. Stirn. Was war der ganze Schmerz der Augen gegen
  7873. diesen Jammer?
  7874. Was folgte, waren entsetzliche Tage und noch bösere
  7875. Nächte – ich wußte, daß alles verloren war. Auf die
  7876. Gnade des Feindes zu hoffen, konnten höchstens Narren
  7877. fertigbringen oder – Lügner und Verbrecher. In diesen
  7878. Nächten wuchs mir der Haß, der Haß gegen die Urheber
  7879. dieser Tat.
  7880. In den Tagen darauf wurde mir auch mein Schicksal
  7881. bewußt. Ich mußte nun lachen bei dem Gedanken an meine
  7882. eigene Zukunft, die mir vor kurzer Zeit noch so bittere
  7883. Sorgen bereitet hatte. War es nicht zum Lachen, Häuser
  7884. bauen zu wollen auf solchem Grunde? Endlich wurde mir
  7885. auch klar, daß doch nur eingetreten war, was ich so oft
  7886. schon befürchtete, nur gefühlsmäßig nie zu glauben vermochte.
  7887. Kaiser Wilhelm II. hatte als erster deutscher Kaiser den
  7888. Führern des Marxismus die Hand zur Versöhnung gereicht, ohne zu ahnen, daß Schurken keine Ehre besitzen.
  7889. Während sie die kaiserliche Hand noch in der ihren hielten,
  7890. suchte die andere schon nach dem Dolche.
  7891. Mit dem Juden gibt es kein Paktieren, sondern nur das
  7892. harte Entweder-Oder.
  7893. Ich aber beschloß, Politiker zu werden.
  7894. 9
  7895. 8. Kapitel
  7896. Beginn meiner politischen Tätigkeit
  7897. N och Ende November 1918 kam ich nach München zurück. Ich fuhr wieder zum Ersatzbataillon meines Regiments, das sich in der Hand von „Soldatenräten“ befand. Der ganze Betrieb war mir so widerlich, daß ich
  7898. mich sofort entschloß, wenn möglich wieder fortzugehen.
  7899. Mit einem treuen Feldzugskameraden, Schmiedt Ernst,
  7900. kam ich nach Traunstein und blieb bis zur Auflösung des
  7901. Lagers dort.
  7902. Im März 1919 gingen wir wider nach München zurück.
  7903. Die Lage war unhaltbar und drängte zwangsläufig zu
  7904. einer weiteren Fortsetzung der Revolution. Der Tod Eisners beschleunigte nur die Entwicklung und führte endlich
  7905. zur Rätediktatur, besser ausgedrückt: zu einer vorübergehenden Judenherrschaft, wie sie ursprünglich den Urhebern der ganzen Revolution als Ziel vor Augen schwebte.
  7906. In dieser Zeit jagten in meinem Kopfe endlose Pläne
  7907. einander. Tagelang überlegte ich, was man nur überhaupt
  7908. tun könne, allein immer war das Ende jeder Erwägung die
  7909. nüchterne Feststellung, daß ich als Namenloser selbst die
  7910. geringste Voraussetzung zu irgendeinem zweckmäßigen Handeln nicht besaß. Auf die Gründe, warum ich auch damals
  7911. mich nicht entschließen konnte, zu einer der bestehenden
  7912. Parteien zu gehen, werde ich noch zu sprechen kommen.
  7913. Im Laufe der neuen Räterevolution trat ich zum ersten
  7914. Male so auf, daß ich mir das Mißfallen des Zentralrates
  7915. zuzog. Am 27. April 1919 frühmorgens sollte ich verhaftet
  7916. werden – die drei Burschen aber besaßen angesichts des
  7917. vorgehaltenen Karabiners nicht den nötigen Mut und zogen
  7918. wieder ab, wie sie gekommen waren.
  7919. Erörterung der Bildung einer neuen Partei
  7920. 227
  7921. Wenige Tage nach der Befreiung Münchens wurde ich
  7922. zur Untersuchungskommission über die Revolutionsvorgänge beim 2. Infanterieregiment kommandiert.
  7923. Dies war meine erste mehr oder weniger rein politische
  7924. aktive Tätigkeit.
  7925. Schon wenige Wochen darauf erhielt ich den Befehl, an
  7926. einem „Kurs“ teilzunehmen, der für Angehörige der Wehrmacht abgehalten wurde. In ihm sollte der Soldat bestimmte Grundlagen zu staatsbürgerlichem Denken erhalten. Für mich lag der Wert der ganzen Veranstaltung
  7927. darin, daß ich nun die Möglichkeit erhielt, einige gleichgesinnte Kameraden kennenzulernen, mit denen ich die
  7928. augenblickliche Lage gründlich durchzusprechen vermochte.
  7929. Wir waren alle mehr oder minder fest überzeugt, daß
  7930. Deutschland durch die Parteien des Novemberverbrechens,
  7931. Zentrum und Sozialdemokratie, nicht mehr aus dem heranreifenden Zusammenbruche gerettet werden würde, daß
  7932. aber auch die sogenannten „bürgerlich- nationalen“ Gebilde
  7933. selbst bei bestem Wollen niemals mehr gutzumachen verständen, was geschehen. Hier fehlte eine ganze Reihe von
  7934. Voraussetzungen, ohne die eine solche Arbeit eben nicht gelingen konnte. Die Folgezeit hat unserer damaligen Ansicht
  7935. recht gegeben.
  7936. So wurde denn in unserem kleinen Kreise die Bildung
  7937. einer neuen Partei erörtert. Die Grundgedanken, die uns
  7938. dabei vorschwebten, waren dieselben, die dann später in
  7939. der „Deutschen Arbeiterpartei“ zur Verwirklichung kamen.
  7940. Der Name der neuzugründenden Bewegung mußte von Anfang an die Möglichkeit bieten, an die breite Masse heranzukommen; denn ohne diese Eigenschaft schien die ganze
  7941. Arbeit zwecklos und überflüssig. So kamen wir auf den
  7942. Namen „Sozialrevolutionäre Partei“; dies deshalb, weil ja
  7943. die sozialen Anschauungen der neuen Gründung tatsächlich
  7944. eine Revolution bedeuteten.
  7945. Der tiefere Grund hierzu lag aber in folgendem:
  7946. Wie sehr ich mich auch schon früher mit wirtschaftlichen
  7947. Problemen beschäftigt hatte, so war es doch mehr oder
  7948. weniger immer in den Grenzen geblieben, die sich aus der
  7949. 9*
  7950. 228
  7951. Die beiden Kapitalsarten
  7952. Betrachtung der sozialen Fragen an sich ergaben. Erst später erweiterte sich dieser Rahmen infolge der Prüfung der
  7953. deutschen Bündnispolitik. Sie war ja zu einem sehr großen
  7954. Teil das Ergebnis einer falschen Einschätzung der Wirtschaft sowohl wie der Unklarheit über die möglichen
  7955. Grundlagen einer Ernährung des deutschen Volkes in der
  7956. Zukunft. Alle diese Gedanken aber fußten noch auf der
  7957. Meinung, daß das Kapital in jedem Falle nur das Ergebnis der Arbeit wäre und mithin, wie diese selbst, der Korrektur all jener Faktoren unterläge, die die menschliche
  7958. Tätigkeit entweder zu fördern oder zu hemmen vermögen.
  7959. Darin läge dann auch die nationale Bedeutung des Kapitals, daß es selber so vollständig von Größe, Freiheit und
  7960. Macht des Staates, also der Nation, abhänge, daß diese
  7961. Gebundenheit allein schon zu einer Förderung des Staates
  7962. und der Nation von seiten dieses Kapitals führen müsse,
  7963. aus dem einfachen Trieb der Selbsterhaltung, bzw. der
  7964. Weitervermehrung heraus. Dieses Angewiesensein des Kapitals auf den unabhängigen freien Staat zwänge dieses
  7965. also seinerseits, für diese Freiheit, Macht, Stärke usw. der
  7966. Nation einzutreten.
  7967. Damit war auch die Aufgabe des Staates dem Kapital
  7968. gegenüber eine verhältnismäßig einfache und klare: er
  7969. hatte nur dafür zu sorgen, daß es Dienerin des Staates
  7970. bliebe und sich nicht einbilde, Herrin der Nation zu sein.
  7971. Diese Stellungnahme konnte sich dann in zwei Grenzlinien
  7972. halten: Erhaltung einer lebensfähigen nationalen und
  7973. unabhängigen Wirtschaft auf der einen Seite, Sicherung der
  7974. sozialen Rechte der Arbeitnehmer auf der anderen.
  7975. Den Unterschied dieses reinen Kapitals als letztes Ergebnis der schaffenden Arbeit gegenüber einem Kapital,
  7976. dessen Existenz und Wesen ausschließlich auf Spekulation
  7977. beruhen, vermochte ich früher noch nicht mit der wünschenswerten Klarheit zu erkennen. Es fehlte mir hierzu die erste
  7978. Anregung, die eben nicht an mich herankam.
  7979. Dieses wurde nun auf das gründlichste besorgt von einem
  7980. der verschiedenen in dem schon erwähnten Kurse vortragenden Herren: Gottfried Feder.
  7981. Die Aufgabe des Programmatikers
  7982. 229
  7983. Zum ersten Male in meinem Leben vernahm ich eine
  7984. prinzipielle Auseinandersetzung mit dem internationalen
  7985. Börsen- und Leihkapital.
  7986. Nachdem ich den ersten Vortrag Feders angehört hatte,
  7987. zuckte mir auch sofort der Gedanke durch den Kopf, nun
  7988. den Weg zu einer der wesentlichsten Voraussetzungen zur
  7989. Gründung einer neuen Partei gefunden zu haben.
  7990. Das Verdienst Feders beruhte in meinen Augen darin,
  7991. mit rücksichtsloser Brutalität den ebenso spekulativen wie
  7992. volkswirtschaftlichen Charakter des Börsen- und Leihkapitals festgelegt, seine urewige Voraussetzung des Zinses
  7993. aber bloßgelegt zu haben. Seine Ausführungen waren in
  7994. allen grundsätzlichen Fragen so richtig, daß die Kritiker
  7995. derselben von vorneherein weniger die theoretische Richtigkeit der Idee bestritten, als vielmehr die praktische Möglichkeit ihrer Durchführung anzweifelten. Allein was so in
  7996. den Augen anderer eine Schwäche der Federschen Darlegungen war, bildete in den meinen ihre Stärke.
  7997. Die Aufgabe des Programmatikers ist nicht, die verschiedenen Grade der Erfüllbarkeit einer Sache festzustellen,
  7998. sondern die Sache als solche klarzulegen; das heißt: er hat
  7999. sich weniger um den Weg als das Ziel zu kümmern. Hierbei aber entscheidet die prinzipielle Richtigkeit einer Idee
  8000. und nicht die Schwierigkeit ihrer Durchführung. Sowie
  8001. der Programmatiker versucht, an Stelle der absoluten
  8002. Wahrheit der sogenannten „Zweckmäßigkeit“ und „Wirklichkeit“ Rechnung zu tragen, wird seine Arbeit aufhören,
  8003. ein Polarstern der suchenden Menschheit zu sein, um statt
  8004. dessen zu einem Rezept des Alltags zu werden. Der Programmatiker einer Bewegung hat das Ziel derselben festzulegen, der Politiker seine Erfüllung anzustreben. Der eine
  8005. wird demgemäß in seinem Denken von der ewigen Wahrheit bestimmt, der andere in seinem Handeln mehr von der
  8006. jeweiligen praktischen Wirklichkeit. Die Größe des einen
  8007. 230
  8008. Programmatiker und Politiker
  8009. liegt in der absoluten abstrakten Richtigkeit seiner Idee, die
  8010. des anderen in der richtigen Einstellung zu den gegebenen
  8011. Tatsachen und einer nützlichen Verwendung derselben, wobei ihm als Leitstern das Ziel des Programmatikers zu
  8012. dienen hat. Während man als Prüfstein für die Bedeutung
  8013. eines Politikers den Erfolg seiner Pläne und Taten ansehen darf, das heißt also das Zur-Wirklichkeit-Werden
  8014. derselben, kann die Verwirklichung der letzten Absicht des
  8015. Programmatikers nie erfolgen, da wohl der menschliche
  8016. Gedanke Wahrheiten zu erfassen, kristallklare Ziele aufzustellen vermag, allein die restlose Erfüllung derselben an
  8017. der allgemein menschlichen Unvollständigkeit und Unzulänglichkeit scheitern wird. Je abstrakt richtiger und damit
  8018. gewaltiger die Idee sein wird, um so unmöglicher bleibt
  8019. deren vollständige Erfüllung, solange sie nun einmal von
  8020. Menschen abhängt. Daher darf auch die Bedeutung des Programmatikers nicht an der Erfüllung seiner Ziele gemessen
  8021. werden, sondern an der Richtigkeit derselben und dem
  8022. Einfluß, den sie auf die Entwicklung der Menschheit genommen haben. Wäre es anders, dürften nicht die Begründer von Religionen zu den größten Menschen auf dieser
  8023. Erde gerechnet werden, da ja die Erfüllung ihrer ethischen
  8024. Absichten niemals eine auch nur annähernd vollständige
  8025. sein wird. Selbst die Religion der Liebe ist in ihrem
  8026. Wirken nur ein schwacher Abglanz des Wollens ihres erhabenen Begründers; allein ihre Bedeutung liegt in der
  8027. Richtung, die sie einer allgemeinen menschlichen Kultur-,
  8028. Sittlichkeits- und Moralentwicklung zu geben versuchte.
  8029. Die überaus große Verschiedenheit der Aufgaben des
  8030. Programmatikers und des Politikers ist auch die Ursache,
  8031. warum fast nie eine Vereinigung von beiden in einer Person zu finden ist. Es gilt dies besonders vom sogenannten
  8032. „erfolgreichen“ Politiker kleine Formats, dessen Tätigkeit
  8033. zumeist wirklich nur eine „Kunst des Möglichen“ ist, wie
  8034. Bismarck die Politik überhaupt etwas bescheiden bezeichnete. Je freier ein solcher „Politiker“ sich von großen Ideen
  8035. hält, um so leichter und häufig auch sichtbarer, immer
  8036. jedoch schneller werden seine Erfolge sein. Freilich, sie sind
  8037. Programmatiker und Politiker
  8038. 231
  8039. damit auch der irdischen Vergänglichkeit geweiht und überleben manchmal nicht den Tod ihrer Väter. Das Werk
  8040. solcher Politiker ist im großen und ganzen für die Nachwelt bedeutungslos, da ihre Erfolge in der Gegenwart ja
  8041. nur auf dem Fernhalten aller wirklich großen und einschneidenden Probleme und Gedanken beruhen, die als
  8042. solche auch für die späteren Generationen von Wert gewesen sein würden.
  8043. Die Durchführung derartiger Ziele, die noch für die
  8044. fernsten Zeiten Wert und Bedeutung haben, ist für den
  8045. Verfechter derselben meistens wenig lohnend und findet
  8046. nur selten Verständnis bei der großen Masse, der Bierund Milcherlasse zunächst besser einleuchten als weitschauende Zukunftspläne, deren Verwirklichung erst später
  8047. eintreten kann, deren Nutzen aber überhaupt erst der Nachwelt zugute kommt.
  8048. So wird schon aus einer gewissen Eitelkeit heraus, die
  8049. immer eine Verwandte der Dummheit ist, die große Masse
  8050. der Politiker sich fernhalten von allen wirklich schweren
  8051. Zukunftsentwürfen, um nicht der Augenblickssympathie
  8052. des großen Haufens verlustig zu gehen. Der Erfolg und die
  8053. Bedeutung eines solchen Politikers liegen dann ausschließlich in der Gegenwart und sind für die Nachwelt nicht vorhanden. Die kleinen Köpfe pflegt dies ja auch wenig zu
  8054. genieren; sie sind damit zufrieden.
  8055. Anders liegen die Verhältnisse bei dem Programmatiker.
  8056. Seine Bedeutung liegt fast immer nur in der Zukunft, da
  8057. er ja nicht selten das ist, was man mit dem Worte „weltfremd“ bezeichnet. Denn wenn die Kunst des Politikers
  8058. wirklich als eine Kunst des Möglichen gilt, dann gehört
  8059. der Programmatiker zu jenen, von denen es heißt, daß sie
  8060. den Göttern nur gefallen, wenn sie Unmögliches verlangen
  8061. und wollen. Er wird auf die Anerkennung der Gegenwart
  8062. fast immer Verzicht zu leisten haben, erntet aber dafür,
  8063. falls seine Gedanken unsterblich sind, den Ruhm der
  8064. Nachwelt.
  8065. Innerhalb langer Perioden der Menschheit kann es einmal vorkommen, daß sich der Politiker mit dem Program-
  8066. 232
  8067. Die Marathonläufer der Geschichte
  8068. matiker vermählt. Je inniger aber diese Verschmelzung ist,
  8069. um so größer sind die Widerstände, die sich dem Wirken
  8070. des Politikers dann entgegenstemmen. Er arbeitet nicht
  8071. mehr für Erfordernisse, die jedem nächstbesten Spießbürger einleuchten, sondern für Ziele, die nur die wenigsten
  8072. begreifen. Daher ist dann sein Leben zerrissen von Liebe
  8073. und Haß. Der Protest der Gegenwart, die den Mann nicht
  8074. begreift, ringt mit der Anerkennung der Nachwelt, für die
  8075. er ja auch arbeitet.
  8076. Denn je größer die Werke eines Menschen für die Zukunft sind, um so schwerer vermag sie die Gegenwart zu erfassen, um so schwerer ist auch der Kampf und um so seltener der Erfolg. Blüht er aber dennoch in Jahrhunderten
  8077. einem, dann kann ihn vielleicht in seinen späten Tagen
  8078. schon ein leiser Schimmer des kommenden Ruhmes umstrahlen. Freilich sind diese Großen nur die Marathonläufer
  8079. der Geschichte; der Lorbeerkranz der Gegenwart berührt
  8080. nur mehr die Schläfen des sterbenden Helden.
  8081. Zu ihnen aber sind zu rechnen die großen Kämpfer auf
  8082. dieser Welt, die, von der Gegenwart nicht verstanden,
  8083. dennoch den Streit um ihre Idee und Ideale durchzufechten bereit sind. Sie sind diejenigen, die einst am meisten
  8084. dem Herzen des Volkes nahestehen werden; es scheint fast
  8085. so, als fühlte jeder einzelne dann die Pflicht, an der Vergangenheit gutzumachen, was die Gegenwart einst an
  8086. den Großen gesündigt hatte. Ihr Leben und Wirken wird
  8087. in rührend dankbarer Bewunderung verfolgt und vermag
  8088. besonders in trüben Tagen gebrochene Herzen und verzweifelnde Seelen wieder zu erheben.
  8089. Hierzu gehören aber nicht nur die wirklich großen
  8090. Staatsmänner, sondern auch alle sonstigen großen Reformatoren. Neben Friedrich dem Großen stehen hier Martin
  8091. Luther sowie Richard Wagner.
  8092. Als ich den ersten Vortrag Gottfried Feders über die
  8093. „Brechung der Zinsknechtschaft“ anhörte, wußte ich sofort,
  8094. daß es sich hier um eine theoretische Wahrheit handelt,
  8095. die von immenser Bedeutung für die Zukunft des deutschen Volkes werden müßte. Die scharfe Scheidung des
  8096. Kampf gegen internationales Finanzkapital
  8097. 233
  8098. Börsenkapitals von der nationalen Wirtschaft bot die Möglichkeit, der Verinternationalisierung der deutschen Wirtschaft entgegenzutreten, ohne zugleich mit dem Kampf
  8099. gegen das Kapital überhaupt die Grundlage einer unabhängigen völkischen Selbsterhaltung zu bedrohen. Mir stand
  8100. die Entwicklung Deutschlands schon viel zu klar vor Augen,
  8101. als daß ich nicht gewußt hätte, daß der schwerste Kampf
  8102. nicht mehr gegen die feindlichen Völker, sondern gegen das
  8103. internationale Kapital ausgefochten werden mußte. In
  8104. Feders Vortrag spürte ich eine gewaltige Parole für dieses
  8105. kommende Ringen.
  8106. Und auch hier bewies die spätere Entwicklung, wie richtig
  8107. unsere damalige Empfindung war. Heute werden wir nicht
  8108. mehr verlacht von den Schlauköpfen unserer bürgerlichen
  8109. Politiker; heute sehen selbst diese, soweit sie nicht bewußte
  8110. Lügner sind, daß das internationale Börsenkapital nicht
  8111. nur der größte Hetzer zum Kriege war, sondern gerade jetzt
  8112. nach des Kampfes Beendigung nichts unterläßt, den Frieden zur Hölle zu verwandeln.
  8113. Der Kampf gegen das internationale Finanz- und Leihkapital ist zum wichtigsten Programmpunkt des Kampfes
  8114. der deutschen Nation um ihre wirtschaftliche Unabhängigkeit und Freiheit geworden.
  8115. Was aber die Einwände der sogenannten Praktiker betrifft, so kann ihnen folgendes geantwortet werden: Alle
  8116. Befürchtungen über die entsetzlichen wirtschaftlichen Folgen
  8117. einer Durchführung der „Brechung der Zinsknechtschaft“
  8118. sind überflüssig; denn erstens sind die bisherigen Wirtschaftsrezepte dem deutschen Volke sehr schlecht bekommen,
  8119. die Stellungnahmen zu den Fragen der nationalen Selbstbehauptung erinnern uns sehr stark an die Gutachten ähnlicher Sachverständiger in früheren Zeiten, zum Beispiel
  8120. des bayerischen Medizinalkollegiums anläßlich der Frage
  8121. der Einführung der Eisenbahn. Alle Befürchtungen dieser erlauchten Korporation von damals sind später bekanntlich nicht eingetroffen; die Reisenden in den Zügen des
  8122. neuen „Dampfrosses“ wurden nicht schwindlig, die Zuschauer auch nicht krank, und auf die Bretterzäune, um die
  8123. 234
  8124. Nur eine Doktrin: Volk und Vaterland
  8125. neue Einrichtung unsichtbar zu machen, hat man verzichtet –
  8126. nur die Bretterwände vor den Köpfen aller sogenannten
  8127. „Sachverständigen“ blieben auch der Nachwelt erhalten.
  8128. Zweitens aber soll man sich folgendes merken: Jede und
  8129. auch die beste Idee wird zur Gefahr, wenn sie sich einbildet,
  8130. Selbstzweck zu sein, in Wirklichkeit jedoch nur ein Mittel
  8131. zu einem solchen darstellt – für mich aber und alle wahrhaftigen Nationalsozialisten gibt es nur eine Doktrin: Volk
  8132. und Vaterland.
  8133. Für was wir zu kämpfen haben, ist die
  8134. Sicherung des Bestehens und der Vermehrung unserer Rasse und unseres Volkes,
  8135. die Ernährung seiner Kinder und Reinhaltung des Blutes, die Freiheit und Unabhängigkeit des Vaterlandes, auf daß unser
  8136. Volk zur Erfüllung der auch ihm vom
  8137. Schöpfer des Universums zugewiesenen
  8138. Mission heranzureifen vermag.
  8139. Jeder Gedanke und jede Idee, jede Lehre und alles
  8140. Wissen haben diesem Zweck zu dienen. Von diesem Gesichtspunkte aus ist auch alles zu prüfen und nach seiner
  8141. Zweckmäßigkeit zu verwenden oder abzulehnen. So kann
  8142. keine Theorie zur tödlichen Doktrin erstarren, da alles ja
  8143. nur dem Leben zu dienen hat.
  8144. So waren die Erkenntnisse Gottfried Feders die Veranlassung, mich in gründlicher Weise mit diesem mir ja bis
  8145. dahin noch wenig vertrauten Gebiete überhaupt zu befassen.
  8146. Ich begann wieder zu lernen und kam nun erst recht zum
  8147. Verständnis des Inhaltes des Wollens der Lebensarbeit des
  8148. Juden Karl Marx. Sein „Kapital“ wurde mir jetzt erst recht
  8149. verständlich, genau so wie der Kampf der Sozialdemokratie gegen die nationale Wirtschaft, der nur den Boden
  8150. für die Herrschaft des wirklich internationalen Finanzund Börsenkapitals vorzubereiten hat.
  8151. Allein noch in einer anderen Hinsicht waren diese Kurse
  8152. für mich von größter Folgewirkung.
  8153. Der „Bildungsoffizier“
  8154. 235
  8155. Ich meldete mich eines Tages zur Aussprache. Einer der
  8156. Teilnehmer glaubte, für die Juden eine Lanze brechen zu
  8157. müssen und begann sie in längeren Ausführungen zu verteidigen. Dieses reizte mich zu einer Entgegnung. Die weitaus überwiegende Anzahl der anwesenden Kursteilnehmer
  8158. stellte sich auf meinen Standpunkt. Das Ergebnis aber war,
  8159. daß ich wenige Tage später dazu bestimmt wurde, zu einem
  8160. damaligen Münchener Regiment als sogenannter „Bildungsoffizier“ einzurücken.
  8161. Die Disziplin der Truppe war zu dieser Zeit noch ziemlich
  8162. schwach. Sie litt unter den Nachwirkungen der Soldatenratsperiode. Nur ganz langsam und vorsichtig konnte man dazu
  8163. übergehen, an Stelle des „freiwilligen“ Gehorsams – wie
  8164. man den Saustall unter Kurt Eisner so schön zu bezeichnen
  8165. pflegte – wieder die militärische Disziplin und Unterordnung einzuführen. Ebenso sollte die Truppe selber national
  8166. und vaterländisch fühlen und denken lernen. In diesen beiden Richtungen lagen die Gebiete meiner neuen Tätigkeit.
  8167. Ich begann mit aller Lust und Liebe. Bot sich mir doch
  8168. jetzt mit einem Male die Gelegenheit, vor einer größeren Zuhörerschaft zu sprechen; und was ich früher immer, ohne es
  8169. zu wissen, aus dem reinen Gefühl heraus einfach angenommen
  8170. hatte, traf nun ein: ich konnte „reden“. Auch die Stimme
  8171. war schon so viel besser geworden, daß ich wenigstens in
  8172. kleinen Mannschaftszimmern überall genügend verständlich blieb.
  8173. Keine Aufgabe konnte mich glücklicher machen als diese,
  8174. denn nun vermochte ich noch vor meiner Entlassung in der
  8175. Institution nützliche Dienste zu leisten, die mir unendlich
  8176. am Herzen gelegen hatte: im Heere.
  8177. Ich durfte auch von Erfolg sprechen: Viele Hunderte, ja
  8178. wohl Tausende von Kameraden habe ich im Verlaufe meiner
  8179. Vorträge wieder zu ihrem Volk und Vaterland zurückgeführt.
  8180. Ich „nationalisierte“ die Truppe und konnte auf diesem
  8181. Wege mithelfen, die allgemeine Disziplin zu stärken.
  8182. Wieder lernte ich dabei eine Anzahl von gleichgesinnten
  8183. Kameraden kennen, die später mit den Grundstock der
  8184. neuen Bewegung zu bilden begannen.
  8185. 9. Kapitel
  8186. Die „Deutsche Arbeiterpartei“
  8187. E ines Tages erhielt ich von der mir vorgesetzten Dienststelle den Befehl, nachzusehen, was es für eine Bewandtnis mit einem anscheinend politischen Verein habe,
  8188. der unter dem Namen „Deutsche Arbeiterpartei“ in den
  8189. nächsten Tagen eine Versammlung abzuhalten beabsichtige,
  8190. und in der ebenfalls Gottfried Feder sprechen sollte; ich
  8191. müßte hingehen und mir den Verband einmal ansehen und
  8192. dann Bericht erstatten.
  8193. Die Neugierde, die von seiten des Heeres damals den
  8194. politischen Parteien entgegengebracht wurde, war mehr als
  8195. verständlich. Die Revolution hatte dem Soldaten das Recht
  8196. der politischen Betätigung gegeben, von dem nun auch gerade die Unerfahrensten den reichlichsten Gebrauch machten.
  8197. Erst in dem Augenblick, da Zentrum und Sozialdemokratie
  8198. zum eigenen Leidwesen erkennen mußten, daß die Sympathien der Soldaten sich von den revolutionären Parteien
  8199. weg der nationalen Bewegung und Wiedererhebung zuzuwenden begannen, sah man sich veranlaßt, der Truppe das
  8200. Wahlrecht wieder zu entziehen und die politische Betätigung zu untersagen.
  8201. Daß Zentrum und Marxismus zu dieser Maßnahme
  8202. griffen, war einleuchtend, denn würde man diese Beschneidung der „staatsbürgerlichen Rechte“ – wie man die politische Gleichberechtigung des Soldaten nach der Revolution
  8203. nannte – nicht vorgenommen haben, hätte es schon wenige
  8204. Jahre später keinen Novemberstaat, aber damit auch keine
  8205. weitere nationale Entehrung und Schande mehr gegeben.
  8206. Die Truppe war damals auf dem besten Wege, der Nation
  8207. ihre Blutsauger und Handlanger der Entente im Innern
  8208. Die „Deutsche Arbeiterpartei“
  8209. 237
  8210. vom Halse zu schaffen. Daß aber auch die sogenannten
  8211. „nationalen“ Parteien begeistert für die Korrektur der bisherigen Anschauungen der Novemberverbrecher stimmten
  8212. und so mithalfen, das Instrument einer nationalen Erhebung unschädlich zu machen, zeigte wieder, wohin die
  8213. immer nur doktrinären Vorstellungen dieser Harmlosesten
  8214. der Harmlosen zu führen vermögen. Dieses wirklich an
  8215. geistiger Altersschwäche krankende Bürgertum war allen
  8216. Ernstes der Meinung, daß die Armee wieder das werde,
  8217. was sie war, nämlich ein Hort deutscher Wehrhaftigkeit,
  8218. während Zentrum und Marxismus ihr nur den gefährlichen nationalen Giftzahn auszubrechen gedachten, ohne
  8219. den nun aber einmal eine Armee ewig Polizei bleibt,
  8220. jedoch keine Truppe ist, die vor dem Feind zu kämpfen
  8221. vermag; etwas, was sich in der Folgezeit wohl zur Genüge
  8222. bewiesen hat.
  8223. Oder glaubten etwa unsere „nationalen Politiker“, daß
  8224. die Entwicklung der Armee anders als eine nationale
  8225. hätte sein können? Das sähe diesen Herren verflucht ähnlich und kommt davon, wenn man im Kriege, statt Soldat
  8226. zu sein, Schwätzer, also Parlamentarier ist und keine
  8227. Ahnung mehr hat, was in der Brust von Männern vorgehen mag, die die gewaltigste Vergangenheit erinnert,
  8228. einst die ersten Soldaten der Welt gewesen zu sein.
  8229. So entschloß ich mich, in die schon erwähnte Versammlung dieser mir bis dahin ebenfalls noch ganz unbekannten
  8230. Partei zu gehen.
  8231. Als ich abends in das für uns später historisch gewordene
  8232. „Leiberzimmer“ des ehemaligen Sterneckerbräues in München kam, traf ich dort etwa 20 bis 25 Anwesende, hauptsächlich aus den unteren Schichten der Bevölkerung.
  8233. Der Vortrag Feders war mir schon von den Kursen her
  8234. bekannt, so daß ich mich mehr der Betrachtung des Vereines selber widmen konnte.
  8235. Der Eindruck auf mich war weder gut noch schlecht; eine
  8236. Neugründung, wie eben so viele andere auch. Es war gerade damals die Zeit, in der sich jeder berufen fühlte, eine
  8237. neue Partei aufzumachen, der mit der bisherigen Entwick-
  8238. 238
  8239. Die „Deutsche Arbeiterpartei“
  8240. lung nicht zufrieden war und zu den gegebenen Parteien
  8241. kein Vertrauen mehr besaß. So schossen denn überall diese
  8242. Vereine nur so aus dem Boden, um nach einiger Zeit sangund klanglos wieder zu verschwinden. Die Begründer besaßen zumeist keine Ahnung davon, was es heißt, aus
  8243. einem Verein eine Partei oder gar eine Bewegung zu
  8244. machen. So erstickten diese Gründungen fast immer von
  8245. selbst in ihrer lächerlichen Spießerhaftigkeit.
  8246. Nicht anders beurteilte ich nach etwa zweistündigem Zuhören die „Deutsche Arbeiterpartei“. Als Feder endlich
  8247. schloß, war ich froh. Ich hatte genug gesehen und wollte
  8248. schon gehen, als die nun verkündete freie Aussprache mich
  8249. doch bewog, noch zu bleiben. Allein auch hier schien alles
  8250. bedeutungslos zu verlaufen, bis plötzlich ein „Professor“ zu
  8251. Worte kam, der erst an der Richtigkeit der Federschen
  8252. Gründe zweifelte, sich dann aber – nach einer sehr guten
  8253. Erwiderung Feders – plötzlich auf den „Boden der Tatsachen“ stellte, nicht aber ohne der jungen Partei auf das
  8254. angelegentlichste zu empfehlen, als besonders wichtigen Programmpunkt den Kampf um die „Lostrennung“ Bayerns
  8255. von „Preußen“ aufzunehmen. Der Mann behauptete mit
  8256. frecher Stirne, daß in diesem Falle sich besonders DeutschÖsterreich sofort an Bayern anschließen würde, daß der
  8257. Friede dann viel besser würde und ähnlichen Unsinn mehr.
  8258. Da konnte ich denn nicht anders, als mich ebenfalls zum
  8259. Wort zu melden und dem gelahrten Herrn meine Meinung
  8260. über diesen Punkt zu sagen – mit dem Erfolg, daß der
  8261. Herr Vorredner, noch ehe ich fertig war, wie ein begossener
  8262. Pudel das Lokal verließ. Als ich sprach, hatte man mit erstaunten Gesichtern zugehört, und erst als ich mich anschickte, der Versammlung gute Nacht zu sagen und mich zu
  8263. entfernen, kam mir noch ein Mann nachgesprungen, stellte
  8264. sich vor (ich hatte den Namen gar nicht richtig verstanden)
  8265. und drückte mir ein kleines Heftchen, ersichtlich eine politische Broschüre, in die Hand, mit der dringenden Bitte,
  8266. diese doch ja zu lesen.
  8267. Das war mir sehr angenehm, denn nun durfte ich hoffen,
  8268. vielleicht auf einfachere Weise den langweiligen Verein
  8269. Die „Deutsche Arbeiterpartei“
  8270. 239
  8271. kennenzulernen, ohne noch weiterhin so interessante Versammlungen besuchen zu müssen. Im übrigen hatte dieser
  8272. augenscheinliche Arbeiter auf mich einen guten Eindruck
  8273. gemacht. Damit also ging ich.
  8274. Ich wohnte zu jener Zeit noch in der Kaserne des 2. Infanterieregiments, in einem kleinen Stübchen, das die
  8275. Spuren der Revolution noch sehr deutlich an sich trug. Tagsüber war ich fort, meistens bei dem Schützenregiment 41
  8276. oder auch in Versammlungen, auf Vorträgen bei irgendeinem anderen Truppenteil usw. Nur nachts schlief ich in
  8277. meiner Behausung. Da ich jeden Morgen früh schon vor
  8278. 5 Uhr aufzuwachen pflegte, hatte ich mir die Spielerei angewöhnt, den Mäuslein, die in der kleinen Stube ihre
  8279. Unterhaltung trieben, ein paar Stücklein harte Brotreste
  8280. oder -rinden auf den Fußboden zu legen und nun zuzusehen, wie sich die possierlichen Tierchen um diese paar
  8281. Leckerbissen herumjagten. Ich hatte in meinem Leben
  8282. schon so viel Not gehabt, daß ich mir den Hunger und daher
  8283. auch das Vergnügen der kleinen Wesen nur zu gut vorzustellen vermochte.
  8284. Auch am Morgen nach dieser Versammlung lag ich gegen
  8285. 5 Uhr wach in der Klappe und sah dem Treiben und Gehusche zu. Da ich nicht mehr einschlafen konnte, erinnerte ich
  8286. mich plötzlich des vergangenen Abends, und nun fiel mir
  8287. das Heft ein, das mir der eine Arbeiter mitgegeben hatte.
  8288. So begann ich zu lesen. Es war eine kleine Broschüre, in der
  8289. der Verfasser, eben dieser Arbeiter, schilderte, wie er aus
  8290. dem Wirrwarr marxistischer und gewerkschaftlicher Phrasen
  8291. wieder zu nationalem Denken gelangte; daher auch der
  8292. Titel „Mein politisches Erwachen“. Da ich erst angefangen
  8293. hatte, las ich das Schriftchen mit Interesse durch; spiegelte
  8294. sich ja in ihm ein Vorgang ab, den ich ähnlich zwölf Jahre
  8295. vorher am eigenen Leibe auch durchzumachen hatte. Unwillkürlich sah ich meine eigene Entwicklung wieder vor mir
  8296. lebendig werden. Ich dachte im Laufe des Tages noch einige
  8297. Male über die Sache nach und wollte sie endlich schon wieder beiseitelegen, als ich noch keine Woche später zu meinem
  8298. Erstaunen eine Postkarte erhielt des Inhalts, daß ich in
  8299. 240
  8300. Die „Ausschußsitzung“
  8301. die „Deutsche Arbeiterpartei“ aufgenommen wäre: ich
  8302. möchte mich dazu äußern und deshalb am nächsten Mittwoch zu einer Ausschußsitzung dieser Partei kommen.
  8303. Ich war über diese Art, Mitglieder zu „gewinnen“, allerdings mehr als erstaunt und wußte nicht, ob ich mich darüber ärgern oder ob ich dazu lachen sollte. Ich dachte ja
  8304. gar nicht daran, zu einer fertigen Partei zu gehen, sondern
  8305. wollte meine eigene gründen. Dieses Ansinnen kam für
  8306. mich wirklich nicht in Frage.
  8307. Schon wollte ich meine Antwort den Herren schriftlich
  8308. zugehen lassen, als die Neugierde siegte und ich mich entschloß, am festgelegten Tage zu erscheinen, um meine
  8309. Gründe mündlich auseinanderzulegen.
  8310. Der Mittwoch kam. Der Gasthof, in dem die bewußte
  8311. Sitzung stattfinden sollte, war das „Alte Rosenbad“ in der
  8312. Herrnstraße; ein sehr ärmliches Lokal, in das sich nur alle
  8313. heiligen Zeiten jemand zu verirren schien. Kein Wunder
  8314. im Jahre 1919, da der Speisezettel auch der größeren Gaststätten nur sehr bescheiden und dürftig anzulocken vermochte. Diese Wirtschaft aber kannte ich bis dorthin überhaupt nicht.
  8315. Ich ging durch das schlecht beleuchtete Gastzimmer, in dem
  8316. kein Mensch saß, suchte die Türe zum Nebenraum und hatte
  8317. dann die „Tagung“ vor mir. Im Zwielicht einer halb demolierten Gaslampe saßen an einem Tisch vier junge Menschen, darunter auch der Verfasser der kleinen Broschüre,
  8318. der mich sofort auf das freudigste begrüßte und als neues
  8319. Mitglied der „Deutschen Arbeiterpartei“ willkommen hieß.
  8320. Ich war nun doch etwas verblüfft. Da mir mitgeteilt
  8321. wurde, daß der eigentliche „Reichsvorsitzende“ erst komme,
  8322. so wollte ich auch mit meiner Erklärung noch warten. Endlich erschien dieser. Es war der Leitende der Versammlung
  8323. im Sterneckerbräu anläßlich des Federschen Vortrags.
  8324. Ich war unterdessen wieder neugierig geworden und
  8325. harrte der Dinge, die da kommen sollten. Nun lernte ich
  8326. wenigstens die Namen der einzelnen Herren kennen. Der
  8327. Vorsitzende der „Reichsorganisation“ war ein Herr Harrer,
  8328. der von München Anton Drexler.
  8329. Die „Ausschußsitzung“
  8330. 241
  8331. Es wurde nun das Protokoll der letzten Sitzung verlesen
  8332. und dem Schriftführer das Vertrauen ausgesprochen. Dann
  8333. kam der Kassenbericht an die Reihe – es befanden sich in
  8334. dem Besitze des Vereins insgesamt 7 Mark und 50 Pfennig –, wofür der Kassier die Versicherung allseitigen Vertrauens erhielt. Dies wurde wieder zu Protokoll gebracht.
  8335. Dann kamen vom 1. Vorsitzenden die Antworten auf einen
  8336. Brief aus Kiel, einen aus Düsseldorf und einen aus Berlin zur Verlesung, alles war mit ihnen einverstanden. Nun
  8337. wurde der Einlauf mitgeteilt: ein Brief aus Berlin, einer
  8338. aus Düsseldorf und einer aus Kiel, deren Ankunft mit großer Befriedigung aufgenommen zu werden schien. Man erklärte diesen steigenden Briefverkehr als bestes und sichtbares Zeichen der umsichgreifenden Bedeutung der „Deutschen Arbeiterpartei“, und dann – dann fand eine lange
  8339. Beratung über die zu erteilenden neuen Antworten statt.
  8340. Fürchterlich, fürchterlich! Das war ja eine Vereinsmeierei
  8341. allerärgster Art und Weise. In diesen Klub also sollte ich
  8342. eintreten?
  8343. Dann kamen die Neuaufnahmen zur Sprache, das heißt:
  8344. es kam meine Einfangung zur Behandlung.
  8345. Ich begann nun zu fragen – jedoch außer einigen Leitsätzen war nichts vorhanden, kein Programm, kein Flugblatt, überhaupt nichts Gedrucktes, keine Mitgliedskarten,
  8346. ja nicht einmal ein armseliger Stempel, nur ersichtlich
  8347. guter Glaube und guter Wille.
  8348. Mir war das Lächeln wieder vergangen, denn was war
  8349. dies anderes als das typische Zeichen der vollkommenen
  8350. Ratlosigkeit und des gänzlichen Verzagtseins über alle
  8351. die bisherigen Parteien, ihr Programme, ihre Absichten
  8352. und ihre Tätigkeit? Was diese paar jungen Menschen da
  8353. zusammentrieb, zu einem äußerlich so lächerlichen Tun, war
  8354. doch nur der Ausfluß ihrer inneren Stimme, die ihnen,
  8355. wohl mehr gefühlsmäßig als bewußt, das ganze bisherige
  8356. Parteiwesen als nicht mehr geeignet zu einer Erhebung der
  8357. deutschen Nation sowie zur Heilung ihrer inneren Schäden
  8358. erscheinen ließ. Ich las mir schnell die Leitsätze durch, die in
  8359. Maschinenschrift vorlagen, und ersah auch aus ihnen mehr
  8360. 242
  8361. Eine Entscheidung für immer
  8362. ein Suchen als ein Wissen. Vieles war da verschwommen
  8363. oder unklar, manches fehlte, aber nichts war vorhanden,
  8364. das nicht wieder als Zeichen einer ringenden Erkenntnis
  8365. hätte gelten können.
  8366. Was diese Menschen empfanden, das kannte auch ich: es
  8367. war die Sehnsucht nach einer neuen Bewegung, die mehr
  8368. sein sollte als Partei im bisherigen Sinne des Wortes.
  8369. Als ich an diesem Abend wieder nach der Kaserne ging,
  8370. hatte ich mir mein Urteil über diesen Verein schon gebildet.
  8371. Ich stand vor der wohl schwersten Frage meines Lebens:
  8372. sollte ich hier beitreten, oder sollte ich ablehnen?
  8373. Die Vernunft konnte nur zur Ablehnung raten, das Gefühl aber ließ mich nicht zur Ruhe kommen, und je öfter ich
  8374. mir die Unsinnigkeit dieses ganzen Klubs vor Augen zu
  8375. halten versuchte, um so öfter sprach wieder das Gefühl dafür.
  8376. In den nächsten Tagen war ich ruhelos.
  8377. Ich begann hin und her zu überlegen. Mich politisch zu
  8378. betätigen, war ich schon längst entschlossen; daß dies nur in
  8379. einer neuen Bewegung zu geschehen vermochte, war mir
  8380. ebenso klar, nur der Anstoß zur Tat hatte mir bis dahin
  8381. immer noch gefehlt. Ich gehörte nicht zu den Menschen, die
  8382. heute etwas beginnen, um morgen wieder zu enden und,
  8383. wenn möglich, zu einer neuen Sache überzugehen. Gerade
  8384. diese Überzeugung aber war mit der Hauptgrund, warum
  8385. ich mich so schwer zu einer solchen neuen Gründung zu entschließen vermochte, die entweder alles werden mußte oder
  8386. sonst zweckmäßigerweise überhaupt unterblieb. Ich wußte,
  8387. daß dies für mich eine Entscheidung für immer werden
  8388. würde, bei der es ein „Zurück“ niemals geben könnte.
  8389. Für mich war es dann keine vorübergehende Spielerei, sondern blutiger Ernst. Ich habe schon damals immer eine instinktive Abneigung gegenüber Menschen besessen, die alles
  8390. beginnen, ohne auch nur etwas durchzuführen. Diese Hansdampfe in allen Gassen waren mir verhaßt. Ich hielt die
  8391. Tätigkeit dieser Leute für schlechter als Nichtstun.
  8392. Das Schicksal selbst schien mir jetzt einen Fingerzeig zu
  8393. geben. Ich wäre nie zu einer der bestehenden großen Parteien gegangen und werde die Gründe dafür noch näher
  8394. Ein Namenloser
  8395. 243
  8396. klarlegen. Diese lächerliche kleine Schöpfung mit ihren paar
  8397. Mitgliedern schien mir den einen Vorzug zu besitzen, noch
  8398. nicht zu einer „Organisation“ erstarrt zu sein, sondern die
  8399. Möglichkeit einer wirklichen persönlichen Tätigkeit dem einzelnen freizustellen. Hier konnte man noch arbeiten, und je
  8400. kleiner die Bewegung war, um so eher war sie noch in die
  8401. richtige Form zu bringen. Hier konnte noch der Inhalt,
  8402. das Ziel und der Weg bestimmt werden, was bei den bestehenden großen Parteien von Anfang an schon wegfiel.
  8403. Je länger ich nachzudenken versuchte, um so mehr wuchs
  8404. in mir die Überzeugung, daß gerade aus einer solchen
  8405. kleinen Bewegung heraus dereinst die Erhebung der Nation
  8406. vorbereitet werden konnte – niemals aber mehr aus den
  8407. viel zu sehr an alten Vorstellungen hängenden oder gar
  8408. am Nutzen des neuen Regiments teilnehmenden politischen
  8409. Parlamentsparteien. Denn was hier verkündet werden
  8410. mußte, war eine neue Weltanschauung und nicht eine neue
  8411. Wahlparole.
  8412. Allerdings ein unendlich schwerer Entschluß, diese Absicht in die Wirklichkeit umsetzen zu wollen.
  8413. Welche Vorbedingungen brachte ich denn selber zu dieser
  8414. Aufgabe mit?
  8415. Daß ich mittellos und arm war, schien mir noch das am
  8416. leichtesten zu Ertragende zu sein, aber schwerer war es,
  8417. daß ich nun einmal zu den Namenlosen zählte, einer von
  8418. den Millionen war, die der Zufall eben leben läßt oder
  8419. aus dem Dasein wieder ruft, ohne daß auch nur die nächste
  8420. Umwelt davon Kenntnis zu nehmen geruht. Dazu kam
  8421. noch die Schwierigkeit, die sich aus meinem Mangel an
  8422. Schulen ergeben mußte.
  8423. Die sogenannte „Intelligenz“ sieht ja ohnehin immer mit
  8424. einer wahrhaft unendlichen Herablassung auf jeden herunter, der nicht durch die obligaten Schulen durchgezogen
  8425. wurde und sich das nötige Wissen einpumpen ließ. Die
  8426. Frage lautet ja doch nie: Was kann der Mensch, sondern:
  8427. Was hat er gelernt? Diesen „Gebildeten“ gilt der größte
  8428. Hohlkopf, wenn er nur in genügend Zeugnisse eingewickelt
  8429. ist, mehr als der hellste Junge, dem diese kostbaren Tüten
  8430. 244
  8431. Mitglied Nummer sieben
  8432. eben fehlen. Ich konnte mir also leicht vorstellen, wie mir
  8433. diese „gebildete“ Welt entgegentreten würde, und habe
  8434. mich dabei auch nur insofern getäuscht, als ich die Menschen damals doch noch für besser hielt, als sie leider in der
  8435. nüchternen Wirklichkeit zum großen Teil sind. So wie sie
  8436. sind, erstrahlen freilich die Ausnahmen, wie überall, immer
  8437. heller. Ich aber lernte dadurch immer zwischen den ewigen
  8438. Schülern und dem wirklichen Könnern zu unterscheiden.
  8439. Nach zweitägigem qualvollen Nachgrübeln und Überlegen kam ich endlich zur Überzeugung, den Schritt tun zu
  8440. müssen.
  8441. Es war der entscheidendste Entschluß meines Lebens.
  8442. Ein Zurück konnte und durfte es nicht mehr geben.
  8443. So meldete ich mich als Mitglied der „Deutschen Arbeiterpartei“ an und erhielt einen provisorischen Mitgliedsschein mit der Nummer: sieben.
  8444. 10. Kapitel
  8445. Ursachen des Zusammenbruchs
  8446. D ie Tiefe des Falles irgendeines Körpers ist immer
  8447. das Maß der Entfernung seiner augenblicklichen Lage
  8448. von der ursprünglich eingenommenen. Dasselbe gilt auch
  8449. über den Sturz von Völkern und Staaten. Damit aber
  8450. kommt der vorherigen Lage oder besser Höhe eine ausschlaggebende Bedeutung zu. Nur was sich über die allgemeine Grenze zu heben pflegt, kann auch ersichtlich tief
  8451. fallen und stürzen. Das macht für jeden Denkenden und
  8452. Fühlenden den Zusammenbruch des Reiches so schwer und
  8453. entsetzlich, daß er den Sturz aus einer Höhe brachte, die
  8454. heute, angesichts des Jammers der jetzigen Erniedrigung,
  8455. kaum mehr vorstellbar ist.
  8456. Schon die Begründung des Reiches schien umgoldet vom
  8457. Zauber eines die ganze Nation erhebenden Geschehens.
  8458. Nach einem Siegeslauf ohnegleichen erwächst endlich als
  8459. Lohn unsterblichen Heldentums den Söhnen und Enkeln
  8460. ein Reich. Ob bewußt oder unbewußt, ganz einerlei, die
  8461. Deutschen hatten alle das Gefühl, daß dieses Reich, das sein
  8462. Dasein nicht dem Gemogel parlamentarischer Fraktionen
  8463. verdankte, eben schon durch die erhabene Art der Gründung über das Maß sonstiger Staaten emporragte; denn
  8464. nicht im Geschnatter einer parlamentarischen Redeschlacht,
  8465. sondern im Donner und Dröhnen der Pariser Einschließungsfront vollzog sich der feierliche Akt einer Willensbekundung, daß die Deutschen, Fürsten und Volk, entschlossen seien, in Zukunft ein Reich zu bilden und aufs
  8466. neue die Kaiserkrone zum Symbol zu erheben. Und nicht
  8467. durch Meuchelmord war es geschehen, nicht Deserteure und
  8468. Drückeberger waren die Begründer des Bismarckschen
  8469. Staates, sondern die Regimenter der Front.
  8470. 246
  8471. Die Vorzeichen des Zusammenbruchs
  8472. Diese einzige Geburt und feurige Taufe allein schon umwoben das Reich mit dem Schimmer eines historischen Ruhmes, wie er nur den ältesten Staaten – selten – zuteil zu
  8473. werden vermochte.
  8474. Und welch ein Aufstieg setzte nun ein!
  8475. Die Freiheit nach Außen gab das tägliche Brot im
  8476. Innern. Die Nation wurde reich an Zahl und irdischen
  8477. Gütern. Die Ehre des Staates aber und mit ihr die des
  8478. ganzen Volkes war gehütet und beschirmt durch ein Heer,
  8479. das am sichtbarsten den Unterschied zum einstigen deutschen Bunde aufzuzeigen vermochte.
  8480. So tief ist der Sturz, der das Reich und das deutsche
  8481. Volk trifft, daß alles, wie vom Schwindel erfaßt, zunächst
  8482. Gefühl und Besinnung verloren zu haben scheint; man kann
  8483. sich kaum mehr der früheren Höhe erinnern, so traumhaft
  8484. unwirklich gegenüber dem heutigen Elend erscheint die
  8485. damalige Größe und Herrlichkeit.
  8486. So ist es denn auch erklärlich, daß man nur zu sehr geblendet wird vom Erhabenen und dabei vergißt, nach den
  8487. Vorzeichen des ungeheuren Zusammenbruchs zu suchen, die
  8488. doch irgendwie schon vorhanden gewesen sein mußten.
  8489. Natürlich gilt das nur für die, denen Deutschland mehr
  8490. war als ein reiner Aufenthaltsraum zum Geldverdienen
  8491. und -verzehren, da ja nur sie den heutigen Zustand als
  8492. Zusammenbruch zu empfinden vermögen, während er den
  8493. anderen die längst ersehnte Erfüllung ihrer bisher ungestillten Wünsche ist.
  8494. Die Vorzeichen aber waren damals sichtbar vorhanden,
  8495. wenn auch nur sehr wenige versuchten, aus ihnen eine
  8496. gewisse Lehre zu ziehen.
  8497. Heute aber ist dies nötiger denn je.
  8498. So wie man zur Heilung einer Krankheit nur zu kommen vermag, wenn der Erreger derselben bekannt ist, so
  8499. gilt das gleiche auch vom Heilen politischer Schäden. Freilich pflegt man die äußere Form einer Krankheit, ihre in
  8500. das Auge stechende Erscheinung, leichter zu sehen und zu
  8501. entdecken als die innere Ursache. Dies ist ja der Grund,
  8502. warum so viele Menschen über die Erkenntnis äußerer
  8503. Die Vorzeichen des Zusammenbruchs
  8504. 247
  8505. Wirkungen überhaupt nicht hinauskommen und sie sogar mit
  8506. der Ursache verwechseln, ja das Vorhandensein einer solchen am liebsten ganz zu leugnen versuchen. So sehen auch
  8507. jetzt die meisten unter uns den deutschen Zusammenbruch
  8508. in erster Linie nur in der allgemeinen wirtschaftlichen Not
  8509. und den daraus sich ergebenden Folgen. Diese hat fast
  8510. jeder persönlich mit zu tragen – ein triftiger Grund also
  8511. zum Verstehen der Katastrophe für jeden einzelnen. Viel
  8512. weniger aber sieht die große Masse den Zusammenbruch
  8513. in politischer, kultureller, sittlich-moralischer Hinsicht. Hier
  8514. versagen bei vielen das Gefühl und auch der Verstand
  8515. vollkommen.
  8516. Daß dies bei der großen Masse so ist, mag noch hingehen,
  8517. daß aber auch in Kreisen der Intelligenz der deutsche
  8518. Zusammenbruch in erster Linie als „wirtschaftliche Katastrophe“ angesehen und mithin die Heilung von der Wirtschaft erwartet wird, ist mit eine der Ursachen, warum es
  8519. bisher gar nicht zu einer Genesung kommen konnte. Erst
  8520. dann, wenn man begreift, daß auch hier der Wirtschaft nur
  8521. die zweite oder gar dritte Rolle zufällt und politischen,
  8522. sittlich-moralischen sowie blutsmäßigen Faktoren die erste,
  8523. wird man zu einem Verstehen der Ursachen des heutigen
  8524. Unglücks kommen und damit auch die Mittel und Wege zu
  8525. einer Heilung zu finden vermögen.
  8526. Die Frage nach den Ursachen des deutschen Zusammenbruchs ist mithin von ausschlaggebender Bedeutung, vor
  8527. allem für eine politische Bewegung, deren Ziel ja eben
  8528. die Überwindung der Niederlage sein soll.
  8529. Aber auch bei einem solchen Forschen in der Vergangenheit muß man sich sehr hüten, die mehr in das Auge springenden Wirkungen mit den weniger sichtbaren Ursachen zu
  8530. verwechseln.
  8531. Die leichteste und daher auch am meisten verbreitete Begründung des heutigen Unglücks ist die, daß es sich dabei
  8532. um die Folgen des eben verlorenen Krieges handle, mithin dieser die Ursache des jetzigen Unheils sei.
  8533. Es mag viele geben, die diesem Unsinn ernstlich glauben
  8534. werden, es gibt aber noch mehr, aus deren Munde eine
  8535. 248
  8536. Die Vorzeichen des Zusammenbruchs
  8537. solche Begründung nur Lüge und bewußte Unwahrheit sein
  8538. kann. Dieses letztere gilt für alle heute an den Futterkrippen der Regierung Befindlichen. Denn haben nicht gerade die Verkünder der Revolution einst dem Volke immer
  8539. wieder auf das angelegentlichste vorgehalten, daß es sich
  8540. für die breite Masse ganz gleichbleibe, wie dieser Krieg
  8541. ausgehe? Haben sie nicht im Gegenteil auf das ernsteste
  8542. versichert, daß höchstens der „Großkapitalist“ ein Interesse
  8543. an der siegreichen Beendigung des ungeheuren Völkerringens haben könne, niemals aber das deutsche Volk an
  8544. sich oder gar der deutsche Arbeiter? Ja, erklärten denn
  8545. diese Weltversöhnungsapostel nicht gerade im Gegenteil,
  8546. daß durch die deutsche Niederlage nur der „Militarismus“
  8547. vernichtet, das deutsche Volk aber seine herrlichste Auferstehung feiern würde? Pries man denn nicht in diesen
  8548. Kreisen die Güte der Entente und schob man dort nicht
  8549. die Schuld des ganzen blutigen Ringens auf Deutschland?
  8550. Hätte man es aber zu tun vermocht ohne die Erklärung,
  8551. daß auch die militärische Niederlage für die Nation ohne
  8552. besondere Folgen sein würde? War denn nicht die ganze
  8553. Revolution mit der Phrase verbrämt, daß durch sie der
  8554. Sieg der deutschen Fahne verhindert würde, dadurch aber
  8555. das deutsche Volk seiner inneren und auch äußeren Freiheit erst recht entgegengehen werde?
  8556. War dies etwa nicht so, ihr elenden und verlogenen
  8557. Burschen?
  8558. Es gehört schon eine wahrhaft jüdische Frechheit dazu,
  8559. nun der militärischen Niederlage die Schuld am Zusammenbruch beizumessen, während das Zentralorgan aller
  8560. Landesverräter, der Berliner „Vorwärts“, doch schrieb,
  8561. daß das deutsche Volk dieses Mal seine Fahne nicht mehr
  8562. siegreich nach Hause bringen dürfe!
  8563. Und jetzt soll es der Grund unseres Zusammenbruches
  8564. sein?
  8565. Es wäre natürlich ganz wertlos, mit solchen vergeßlichen
  8566. Lügnern streiten zu wollen, und ich würde deshalb auch
  8567. gar keine Worte darüber verlieren, wenn nicht dieser Unsinn leider auch von so vielen völlig gedankenlosen Men-
  8568. Die Schuldigen am Zusammenbruch
  8569. 249
  8570. schen nachgeplappert würde, ohne daß gerade Bosheit oder
  8571. bewußte Unwahrhaftigkeit dazu die Veranlassung gäben.
  8572. Weiter auch sollen diese Erörterungen für unsere Kämpfer
  8573. der Aufklärung Hilfsmittel bieten, die ohnehin sehr nötig
  8574. sind in einer Zeit, da einem das gesprochene Wort oft schon
  8575. im Munde verdreht zu werden pflegt.
  8576. So ist zu der Behauptung, der verlorene Krieg trage
  8577. die Schuld am deutschen Zusammenbruche, folgendes zu
  8578. sagen:
  8579. Allerdings war der Verlust des Krieges von einer entsetzlichen Bedeutung für die Zukunft unseres Vaterlandes,
  8580. allein sein Verlust ist nicht eine Ursache, sondern selber nur
  8581. wieder eine Folge von Ursachen. Daß ein unglückliches
  8582. Ende dieses Kampfes auf Leben und Tod zu sehr verheerenden Folgen führen mußte, war ja jedem Einsichtigen
  8583. und nicht Böswilligen vollkommen klar. Leider aber gab
  8584. es auch Menschen, denen diese Einsicht zur richtigen Zeit zu
  8585. fehlen schien, oder die, entgegen ihrem besseren Wissen,
  8586. dennoch diese Wahrheit erst abstritten und wegleugneten.
  8587. Das waren zum größten Teil diejenigen, die nach der
  8588. Erfüllung ihres geheimen Wunsches auf einmal die späte
  8589. Einsicht in die Katastrophe, die durch sie mit angerichtet
  8590. wurde, erhielten. Sie aber sind die Schuldigen am Zusammenbruch und nicht der verlorene Krieg, wie sie plötzlich
  8591. zu sagen und zu wissen belieben. Denn der Verlust desselben war ja nur die Folge ihres Wirkens und nicht, wie sie
  8592. jetzt behaupten wollen, das Ergebnis einer „schlechten“
  8593. Führung. Auch der Gegner bestand nicht aus Feiglingen,
  8594. auch er wußte zu sterben, seine Zahl war vom ersten Tage
  8595. an größer als die des deutschen Heeres, und seiner technischen Rüstung standen die Arsenale der ganzen Welt zur
  8596. Verfügung; mithin kann die Tatsache, daß die deutschen
  8597. Siege, die vier Jahre lang gegen eine ganze Welt erfochten wurden, bei allem Heldenmut und aller „Organisation“, nur der überlegenen Führung zu verdanken waren,
  8598. nicht aus der Welt geleugnet werden. Die Organisation
  8599. und Leitung des deutschen Heeres waren das Gewaltigste,
  8600. was die Erde bisher je gesehen. Ihre Mängel lagen in
  8601. 250
  8602. Gehen Völker an verlorenen Kriegen zugrunde?
  8603. der Grenze der allgemeinen menschlichen Zulänglichkeit
  8604. überhaupt.
  8605. Daß dieses Heer zusammenbrach, war nicht die Ursache
  8606. unseres heutigen Unglücks, sondern nur die Folge anderer
  8607. Verbrechen, eine Folge, die allerdings selber wieder den
  8608. Beginn eines weiteren und dieses Mal sichtbaren Zusammenbruchs einleitete.
  8609. Daß dem so ist, geht aus folgendem hervor:
  8610. Muß eine militärische Niederlage zu einem so restlosen
  8611. Niederbruch einer Nation und eines Staates führen? Seit
  8612. wann ist dies das Ergebnis eines unglücklichen Krieges?
  8613. Gehen denn überhaupt Völker an verlorenen Kriegen an
  8614. und für sich zugrunde?
  8615. Die Antwort darauf kann sehr kurz sein: Immer dann,
  8616. wenn Völker in ihrer militärischen Niederlage die Quittung für ihre innere Fäulnis, Feigheit, Charakterlosigkeit,
  8617. kurz Unwürdigkeit erhalten. Ist es nicht so, dann wird die
  8618. militärische Niederlage eher zum Antrieb eines kommenden
  8619. größeren Aufstieges als zum Leichenstein eines Völkerdaseins.
  8620. Die Geschichte bietet unendlich viele Beispiele für die
  8621. Richtigkeit dieser Behauptung.
  8622. Leider ist die militärische Niederlage des deutschen
  8623. Volkes nicht eine unverdiente Katastrophe, sondern eine
  8624. verdiente Züchtigung der ewigen Vergeltung. Wir haben
  8625. diese Niederlage mehr als verdient. Sie ist nur die größte
  8626. äußere Verfallserscheinung unter einer Reihe von
  8627. inneren, die vielleicht in ihrer Sichtbarkeit den Augen der
  8628. meisten Menschen verborgen geblieben waren, oder die
  8629. man nach der Vogel-Strauß-Manier nicht sehen wollte.
  8630. Man beachte doch einmal die Begleiterscheinungen, unter
  8631. denen das deutsche Volk diese Niederlage entgegennahm.
  8632. Hatte man nicht in vielen Kreisen in der schamlosesten
  8633. Weise geradezu Freude über das Unglück des Vaterlandes
  8634. geäußert? Wer aber tut dieses, wenn er nicht wirklich
  8635. eine solche Strafe verdient? Ja, ging man nicht noch
  8636. weiter und rühmte sich, die Front endlich zum Weichen
  8637. gebracht zu haben? Und diese tat nicht etwa der Feind,
  8638. nein, nein, solche Schande luden Deutsche auf ihr Haupt!
  8639. Von den Deutschen jeder Dritte ein Verräter
  8640. 251
  8641. Traf sie etwa das Unglück zu Unrecht? Seit wann aber geht
  8642. man dann noch her und mißt sich selbst auch noch die Schuld
  8643. am Kriege zu? Und zwar wider bessere Erkenntnis und
  8644. besseres Wissen!
  8645. Nein und nochmals nein: In der Art und Weise, in der
  8646. das deutsche Volk seine Niederlage entgegennahm, vermag
  8647. man am deutlichsten zu erkennen, daß die wahre Ursache
  8648. unseres Zusammenbruches ganz woanders zu suchen ist
  8649. als in dem rein militärischen Verlust einiger Stellungen
  8650. oder dem Mißlingen einer Offensive; denn hätte wirklich
  8651. die Front als solche versagt und wäre durch ihr Unglück
  8652. das Verhängnis des Vaterlandes hervorgerufen worden,
  8653. so würde das deutsche Volk die Niederlage ganz anders aufgenommen haben. Dann hätte man das nun folgende Unglück mit zusammengebissenen Zähnen ertragen oder von
  8654. Schmerz überwältigt beklagt; dann würden Wut und Zorn
  8655. die Herzen erfüllt haben gegen den durch die Tücke des
  8656. Zufalls oder auch des Schicksals Willen zum Sieger gewordenen Feind; dann wäre die Nation ähnlich dem römischen
  8657. Senat den geschlagenen Divisionen entgegengetreten mit
  8658. dem Danke des Vaterlandes für die bisherigen Opfer
  8659. und der Bitte, am Reiche nicht zu verzweifeln. Selbst die
  8660. Kapitulation aber wäre nur mit dem Verstande unterzeichnet worden, während das Herz schon der kommenden
  8661. Erhebung geschlagen hätte.
  8662. So würde eine Niederlage aufgenommen worden sein,
  8663. die nur dem Verhängnis allein zu danken gewesen wäre.
  8664. Dann hätte man nicht gelacht und getanzt, hätte sich nicht
  8665. der Feigheit gerühmt und die Niederlage verherrlicht, hätte
  8666. nicht die kämpfende Truppe verhöhnt und ihre Fahne und
  8667. Kokarde in den Schmutz gezerrt, vor allem aber: dann
  8668. wäre es nie zu jener entsetzlichen Erscheinung gekommen,
  8669. die einen englischen Offizier, Oberst Repington, zu der verächtlichen Äußerung veranlaßte: „Von den Deutschen ist
  8670. jeder dritte Mann ein Verräter.“ Nein, diese Pest hätte
  8671. dann niemals zu jener erstickenden Flut anzusteigen vermocht, die nun seit fünf Jahren aber auch den letzten Rest
  8672. von Achtung auf seiten der übrigen Welt für uns ertränkte.
  8673. 252 Moralische Entwaffnung des gefährlichen Anklägers
  8674. Daran sieht man die Lüge der Behauptung, daß der verlorene Krieg die Ursache des deutschen Zusammenbruchs
  8675. wäre, am allerbesten. Nein, dieser militärische Zusammenbruch war selber nur die Folge einer ganzen Reihe von
  8676. Krankheitserscheinungen und ihrer Erreger, die schon in
  8677. der Zeit des Friedens die deutsche Nation heimgesucht
  8678. hatten. Es war dies die erste allen sichtbare katastrophale
  8679. Folge einer sittlichen und moralischen Vergiftung, einer
  8680. Minderung des Selbsterhaltungstriebes und der Voraussetzungen hierzu, die schon seit vielen Jahren die Fundamente des Volkes und Reiches zu unterhöhlen begonnen
  8681. hatten.
  8682. Es gehörte aber die ganze bodenlose Verlogenheit des
  8683. Judentums und seiner marxistischen Kampforganisation
  8684. dazu, die Schuld am Zusammenbruche gerade dem Manne
  8685. aufzubürden, der als einziger mit übermenschlicher Willens- und Tatkraft versuchte, die von ihm vorausgesehene
  8686. Katastrophe zu verhüten und der Nation die Zeit der tiefsten Erniedrigung und Schmach zu ersparen. Indem man
  8687. Ludendorff zum Schuldigen am Verluste des Weltkrieges
  8688. stempelte, nahm man dem einzigen gefährlichen Ankläger,
  8689. der gegen die Verräter des Vaterlandes aufzustehen vermochte, die Waffen des moralischen Rechtes aus der Hand.
  8690. Man ging dabei von dem sehr richtigen Grundsatze aus,
  8691. daß in der Größe der Lüge immer ein gewisser Faktor des
  8692. Geglaubtwerdens liegt, da die breite Masse eines Volkes
  8693. im tiefsten Grunde ihres Herzens leichter verdorben als
  8694. bewußt und absichtlich schlecht sein wird, mithin bei der
  8695. primitiven Einfalt ihres Gemütes einer großen Lüge leichter zum Opfer fällt als einer kleinen, da sie selber ja wohl
  8696. manchmal im kleinen lügt, jedoch vor zu großen Lügen sich
  8697. doch zu sehr schämen würde. Eine solche Unwahrheit wird
  8698. ihr gar nicht in den Kopf kommen, und sie wird an die
  8699. Möglichkeit einer so ungeheuren Frechheit der infamsten
  8700. Verdrehung auch bei anderen nicht glauben können, ja
  8701. selbst bei Aufklärung darüber noch lange zweifeln und
  8702. schwanken und wenigstens irgendeine Ursache doch noch
  8703. als wahr annehmen; daher denn auch von der frechsten
  8704. Katastrophe besser als schleichende Krankheit
  8705. 253
  8706. Lüge immer noch etwas übrig und hängen bleiben wird –
  8707. eine Tatsache, die alle großen Lügenkünstler und Lügenvereine dieser Welt nur zu genau kennen und deshalb auch
  8708. niederträchtig zur Anwendung bringen.
  8709. Die besten Kenner aber dieser Wahrheit über die Möglichkeiten der der Anwendung von Unwahrheit und Verleumdungen waren zu allen Zeiten die Juden; ist doch ihr ganzes
  8710. Dasein schon auf einer einzigen großen Lüge aufgebaut,
  8711. nämlich der, daß es sich bei ihnen um eine Religionsgenossenschaft handle, während es sich um eine Rasse – und
  8712. zwar was für eine – dreht. Als solche aber hat sie einer
  8713. der größten Geister der Menschheit für immer festgenagelt
  8714. in einem ewig richtigen Satze von fundamentaler Wahrheit: er nannte sie „die großen Meister der Lüge“. Wer
  8715. dieses nicht erkennt oder nicht glauben will, der wird nimmermehr auf dieser Welt der Wahrheit zum Siege zu verhelfen vermögen.
  8716. Für das deutsche Volk darf man es fast als ein großes
  8717. Glück betrachten, daß die Zeit seiner schleichenden Erkrankung plötzlich in einer so furchtbaren Katastrophe abgekürzt wurde, denn im anderen Falle wäre die Nation
  8718. wohl langsamer, aber um so sicherer zugrunde gegangen.
  8719. Die Krankheit wäre zu einer chronischen geworden, während sie in der akuten Form des Zusammenbruches mindestens den Augen einer größeren Menge klar und deutlich
  8720. erkennbar wurde. Der Mensch wurde nicht durch Zufall der
  8721. Pest leichter Herr als der Tuberkulose. Die eine kommt
  8722. in schrecklichen, die Menschheit aufrüttelnden Todeswellen,
  8723. die andere im langsamem Schleichen; die eine führt zur entsetzlichen Furcht, die andere zur allmählichen Gleichgültigkeit. Die Folge aber ist, daß der Mensch der einen mit der
  8724. ganzen Rücksichtslosigkeit seiner Energie entgegentrat,
  8725. während er die Schwindsucht mit schwächlichen Mitteln
  8726. einzudämmen versucht. So wurde er der Pest Herr, während
  8727. die Tuberkulose ihn selber beherrscht.
  8728. Genau so verhält es sich auch mit Erkrankungen von
  8729. Volkskörpern. Wenn sie nicht katastrophal auftreten, beginnt sich der Mensch langsam an sie zu gewöhnen und geht
  8730. 254
  8731. Krankheitserreger und -erscheinungen
  8732. endlich an ihnen, wenn auch erst nach Zeiten, so doch um
  8733. so gewisser, zugrunde. Es ist dann schon ein – freilich bitteres – Glück, wenn das Schicksal sich entschließt, in diesen
  8734. langsamen Fäulnisprozeß einzugreifen und mit plötzlichem
  8735. Schlage das Ende der Krankheit dem von ihr Erfaßten vor
  8736. Augen führt. Denn darauf kommt eine solche Katastrophe
  8737. öfter als einmal hinaus. Sie kann dann leicht zur Ursache einer nun mit äußerster Entschlossenheit einsetzenden
  8738. Heilung werden.
  8739. Aber auch in einem solchen Falle ist die Voraussetzung doch wieder das Erkennen der inneren Gründe,
  8740. die zu der in Frage stehenden Erkrankung die Veranlassung gaben.
  8741. Das Wichtigste bleibt auch hier die Unterscheidung der
  8742. Erreger von den durch sie hervorgerufenen Zuständen.
  8743. Diese wird um so schwerer werden, je länger die Krankheitsstoffe in dem Volkskörper sich befinden und je mehr
  8744. sie diesem schon zu einer selbstverständlichen Zugehörigkeit geworden waren. Denn es kann sehr leicht vorkommen, daß man nach einer bestimmten Zeit unbedingt schädliche Gifte als Bestandteil des eigenen Volkstums ansieht
  8745. oder doch höchstens als notwendiges Übel duldet, so daß
  8746. ein Suchen nach dem fremden Erreger gar nicht mehr für
  8747. notwendig erachtet wird.
  8748. So waren im langen Frieden der Vorkriegsjahre sehr
  8749. wohl gewisse Schäden aufgetreten und als solche erkannt
  8750. worden, obwohl man sich um den Erreger derselben so gut
  8751. wie gar nicht kümmerte, von einigen Ausnahmen abgesehen.
  8752. Diese Ausnahmen waren auch hier wieder in erster Linie
  8753. die Erscheinungen des wirtschaftlichen Lebens, die dem einzelnen stärker zum Bewußtsein kamen als etwa die Schäden
  8754. auf einer ganzen Reihe von anderen Gebieten.
  8755. Es gab viele Verfallszeichen, die zum ernsten Nachdenken hätten anregen müssen.
  8756. In wirtschaftlicher Hinsicht wäre hierzu folgendes zu
  8757. sagen:
  8758. Verfallszeichen im Vorkriegsdeutschland
  8759. 255
  8760. Durch die rasende Vermehrung der deutschen Volkszahl
  8761. vor dem Kriege trat die Frage der Schaffung des nötigen
  8762. täglichen Brotes in immer schärfer werdender Weise in den
  8763. Vordergrund alles politischen und wirtschaftlichen Denkens
  8764. und Handelns. Leider konnte man sich nicht entschließen,
  8765. auf billigerem Wege das Ziel auch erreichen zu können.
  8766. Der Verzicht auf die Gewinnung neuen Bodens und ihr
  8767. Ersatz durch den Wahn einer weltwirtschaftlichen Eroberung mußte am Ende zu einer ebenso schrankenlosen wie
  8768. schädlichen Industrialisierung führen.
  8769. Die erste Folge von schwerster Bedeutung war die dadurch hervorgerufene Schwächung des Bauernstandes. In
  8770. dem gleichen Maße, in dem dieser zurückging, wuchs die
  8771. Masse des großstädtischen Proletariats immer mehr an, bis
  8772. endlich das Gleichgewicht vollständig verloren wurde.
  8773. Nun kam auch der schroffe Wechsel von arm und reich so
  8774. beieinander, daß die Folgen davon sehr traurige sein
  8775. konnten und mußten. Not und häufige Arbeitslosigkeit begannen ihr Spiel mit den Menschen und ließen als Erinnerung Unzufriedenheit und Erbitterung zurück. Die
  8776. Folge davon schien die politische Klassenspaltung zu sein.
  8777. Bei aller wirtschaftlichen Blüte wurde so der Unmut dennoch immer größer und tiefer, ja es kam so weit, daß die
  8778. Überzeugung „es könne so nicht mehr lange weitergehen“,
  8779. eine allgemeine wurde, ohne daß aber die Menschen sich
  8780. eine bestimmte Vorstellung von dem, was hätte kommen
  8781. sollen, machten oder gar nur machen konnten.
  8782. Es waren die typischen Zeichen einer tiefen Unzufriedenheit, die auf solche Weise sich zu äußern versuchten.
  8783. Schlimmer als diese aber waren andere Folgeerscheinungen, die die Verwirtschaftlichung der Nation mit sich
  8784. brachte.
  8785. In eben dem Maße, in dem die Wirtschaft zur bestimmenden Herrin des Staates aufstieg, wurde das Geld der
  8786. Gott, dem alles zu dienen und vor dem sich jeder zu
  8787. beugen hatte. Immer mehr wurden die himmlischen Götter
  8788. 256
  8789. Die Herrschaft des Geldes
  8790. als veraltet und überlebt in die Ecke gestellt und statt
  8791. ihnen der Weihrauch dem Götzen Mammon dargebracht.
  8792. Eine wahrhaft schlimme Entartung setzte ein, schlimm besonders deshalb, weil sie zu einer Zeit eintrat, da die
  8793. Nation höchste heldische Gesinnung nötiger denn je brauchen konnte. Deutschland mußte sich gefaßt machen, eines
  8794. Tages mit dem Schwert für seinen Versuch, auf dem Wege
  8795. einer „friedlichen, wirtschaftlichen Arbeit“ sich das tägliche
  8796. Brot zu sichern, einzustehen.
  8797. Die Herrschaft des Geldes wurde leider auch von der
  8798. Stelle aus sanktioniert, die sich am meisten dagegen hätte
  8799. auflehnen müssen: Seine Majestät der Kaiser handelte unglücklich, als er besonders den Adel in den Bannkreis des
  8800. neuen Finanzkapitals hineinzog. Freilich mußte man ihm
  8801. zugute rechnen, daß leider selbst Bismarck in dieser Hinsicht die drohende Gefahr nicht erkannte. Damit aber waren
  8802. die ideellen Tugenden praktisch hinter den Wert des Geldes getreten, denn es war klar, daß, auf solchem Wege erst
  8803. begonnen, der Schwertadel in kurzer Zeit schon hinter dem
  8804. Finanzadel zurücktreten mußte. Geldoperationen gelingen
  8805. leichter als Schlachten. So war es auch nicht mehr einladend
  8806. für den wirklichen Helden oder auch Staatsmann, in Beziehung zum nächstbesten Bankjuden gebracht zu werden;
  8807. der wirklich verdienstvolle Mann konnte kein Interesse an
  8808. der Verleihung billiger Dekorationen mehr besitzen, sondern lehnte dankend für sich ab. Aber auch rein blutsmäßig
  8809. betrachtet war eine solche Entwicklung tief traurig: der
  8810. Adel verlor immer mehr die rassische Voraussetzung zu seinem Dasein, und zu einem großen Teile wäre viel eher die
  8811. Bezeichnung „Unadel“ für ihn am Platze gewesen.
  8812. Eine schwere wirtschaftliche Verfallserscheinung war das langsame Ausscheiden des persönlichen Besitzrechtes und
  8813. allmähliche Übergehen der gesamten Wirtschaft in das Eigentum von Aktiengesellschaften.
  8814. Damit erst war die Arbeit so recht zum Spekulations-
  8815. Internationalisierung über die Aktie
  8816. 257
  8817. objekt gewissenloser Schacherer herabgesunken; die Entfremdung des Besitzes gegenüber dem Arbeitnehmer aber
  8818. wurde in das unendliche gesteigert. Die Börse begann zu
  8819. triumphieren und schickte sich an, langsam, aber sicher das
  8820. Leben der Nation in ihre Obhut und Kontrolle zu nehmen.
  8821. Die Internationalisierung der deutschen Wirtschaft war
  8822. schon vor dem Kriege über dem Umwege der Aktie in die
  8823. Wege geleitet worden. Freilich versuchte ein Teil der deutschen Industrie, sich noch mit Entschiedenheit vor diesem
  8824. Schicksale zu bewahren. Sie fiel schließlich aber auch dem
  8825. vereinigten Angriff des gierigen Finanzkapitals, das diesen
  8826. Kampf besonders mit Hilfe seines treuesten Genossen, der
  8827. marxistischen Bewegung, ausfocht, zum Opfer.
  8828. Der dauernde Krieg gegen die deutsche „Schwerindustrie“
  8829. war der sichtbare Beginn der durch den Marxismus erstrebten Internationalisierung der deutschen Wirtschaft,
  8830. die allerdings erst durch den Sieg des Marxismus in der
  8831. Revolution ganz zu Ende geführt werden konnte. Während ich dieses niederschreibe, ist ja endlich auch der
  8832. Generalangriff gegen die deutsche Reichsbahn gelungen,
  8833. die nun zu Händen des internationalen Finanzkapitals
  8834. überwiesen wird. Die „internationale“ Sozialdemokratie
  8835. hat damit wieder eines ihrer Hochziele erreicht.
  8836. Wie weit diese „Verwirtschaftung“ des deutschen Volkes
  8837. gelungen war, geht wohl am ersichtlichsten daraus hervor,
  8838. daß endlich nach dem Kriege einer der führenden Köpfe
  8839. der deutschen Industrie und vor allem des Handels die
  8840. Meinung zu äußern vermochte, daß die Wirtschaft als solche
  8841. allein in der Lage wäre, Deutschland wieder aufzurichten.
  8842. Dieser Unsinn wurde in dem Augenblick verzapft, da Frankreich den Unterricht seiner Lehranstalten in erster Linie
  8843. wieder auf die humanistischen Grundlagen stellte, um so
  8844. dem Irrtum vorzubeugen, als ob die Nation und der Staat
  8845. ihr Fortbestehen etwa der Wirtschaft und nicht ewigen
  8846. ideellen Werten verdanken. Die Äußerung, die damals
  8847. ein Stinnes in die Welt setzte, richtete die unglaublichste
  8848. Verwirrung an; wurde sie doch sofort aufgegriffen, um nun
  8849. in staunenswerter Schnelligkeit zum Leitmotiv all der Kur10
  8850. 258
  8851. Halbheit – Erziehungsfehler
  8852. pfuscher und Salbader zu werden, die das Schicksal seit der
  8853. Revolution als „Staatsmänner“ über Deutschland losgelassen hatte.
  8854. Eine der bösesten Verfallserscheinungen war im Deutschland der Vorkriegszeit
  8855. die allenthalben immer mehr um sich greif e n d e H a l b h e i t i n a l l e m u n d j e d e m . Sie ist
  8856. immer eine Folge von eigener Unsicherheit über irgendeine Sache, sowie einer aus diesen und anderen Gründen
  8857. resultierenden Feigheit. Gefördert wurde diese Krankheit
  8858. noch durch die Erziehung.
  8859. Die deutsche Erziehung vor dem Kriege war mit außerordentlich vielen Schwächen behaftet. Sie war in sehr einseitiger Weise auf die Anzüchtung von reinem „Wissen“
  8860. zugeschnitten und weniger auf das „Können“ eingestellt.
  8861. Noch weniger Wert wurde auf die Ausbildung des Charakters des einzelnen gelegt – soweit diese überhaupt möglich –, ganz wenig auf die Förderung der Verantwortungsfreudigkeit und gar nicht auf die Erziehung des
  8862. Willens und der Entschlußkraft. Ihre Ergebnisse waren
  8863. wirklich nicht die starken Menschen, sondern vielmehr die
  8864. gefügigen „Vielwisser“, als die wir Deutsche vor dem
  8865. Kriege ja allgemein galten und demgemäß auch eingeschätzt
  8866. wurden. Man liebte den Deutschen, da er sehr gut zu verwenden war, allein man achtete ihn wenig, gerade infolge
  8867. seiner willensmäßigen Schwäche. Nicht umsonst verlor gerade er am leichtesten unter fast allen Völkern Nationalität und Vaterland. Das schöne Sprichwort „Mit dem Hute
  8868. in der Hand kommt man durch das ganze Land“ besagt
  8869. alles.
  8870. Geradezu verhängnisvoll wurde diese Gesellschaft aber,
  8871. als sie auch die Form bestimmte, unter der allein es gestattet war, dem Monarchen entgegenzutreten. Die Form
  8872. verlangte demgemäß: Nie widersprechen, sondern alles und
  8873. jedes gutheißen, was Seine Majestät zu geruhen beliebt.
  8874. Gerade an dieser Stelle aber war freie Manneswürde
  8875. Totengräber der Monarchie
  8876. 259
  8877. am nötigsten, die monarchische Institution mußte sonst
  8878. eines Tages an dieser Kriecherei zugrunde gehen; denn es
  8879. war Kriecherei und sonst nichts weiter! Und nur elenden
  8880. Kriechern und Schliefern, kurz, der ganzen Dekadenz, die
  8881. sich an den allerhöchsten Thronen von jeher wohler gefühlt hatte als die redlichen und anständig ehrlichen
  8882. Seelen, vermag dies als die allein gegebene Form des
  8883. Verkehrs mit den Trägern einer Krone zu gelten! Diese
  8884. „alleruntertänigsten“ Kreaturen haben allerdings, bei aller
  8885. Demut vor ihrem Herrn und Brotgeber, schon von jeher die
  8886. größte Unverfrorenheit der anderen Menschheit gegenüber
  8887. bewiesen, am stärksten dann, wenn sie sich mit frecher Stirn
  8888. als einzig „monarchisch“ den übrigen Sündern vorzustellen
  8889. beliebten; eine wirkliche Unverschämtheit, wie sie nur so
  8890. ein geadelter oder auch ungeadelter Spulwurm fertigbringt!
  8891. Denn in Wahrheit sind diese Menschen noch immer die
  8892. Totengräber der Monarchie und besonders des monarchischen Gedankens gewesen. Es ist dies auch gar nicht anders
  8893. denkbar: ein Mann, der bereit ist, für eine Sache einzustehen, wird und kann niemals ein Schleicher und charakterloser Kriecher sein. Wem es wirklich ernst ist um die Erhaltung und Förderung einer Institution, der wird mit
  8894. der letzten Faser seines Herzens an ihr hängen und es
  8895. gar nicht zu verwinden vermögen, wenn sich in ihr irgendwelche Schäden zeigen. Der wird dann allerdings nicht in
  8896. aller Öffentlichkeit herumschreien, wie dies in genau so
  8897. verlogener Weise die demokratischen „Freunde“ der Monarchie taten, wohl aber Seine Majestät, den Träger der
  8898. Krone selber, auf das ernstlichste warnen und zu bestimmen versuchen. Er wird sich dabei nicht auf den Standpunkt
  8899. stellen und stellen dürfen, daß es Seiner Majestät dabei frei
  8900. bleibe, doch noch nach seinem Willen zu handeln, auch wenn
  8901. dies ersichtlich zu einem Unheil führen muß und wird, sondern er wird in einem solchen Falle die Monarchie vor
  8902. dem Monarchen in Schutz zu nehmen haben, und zwar
  8903. auf jede Gefahr hin. Wenn der Wert dieser Einrichtung
  8904. in der jeweiligen Person des Monarchen läge, dann wäre
  8905. dies die schlechteste Institution, die sich nur denken läßt;
  8906. 260
  8907. Die monarchische Idee
  8908. denn die Monarchen sind nur in den seltensten Fällen Auslesen der Weisheit und Vernunft oder auch nur des Charakters, wie man dies gerne hinstellen möchte. Das glauben nur die berufsmäßigen Kriecher und Schleicher, aber
  8909. alle geraden Menschen – und dies sind denn doch noch die
  8910. wertvollsten des Staates – werden sich durch das Vertreten eines solchen Unsinns nur zurückgestoßen fühlen. Für
  8911. sie ist eben Geschichte Geschichte und Wahrheit Wahrheit,
  8912. auch wenn es sich dabei um Monarchen handelt. Nein, das
  8913. Glück, einen großen Monarchen als großen Menschen zu
  8914. besitzen, wird den Völkern so selten zuteil, daß sie schon
  8915. zufrieden sein müssen, wenn die Bosheit des Schicksals
  8916. wenigstens vom allerärgsten Mißgriff absieht.
  8917. Somit kann der Wert und die Bedeutung der monarchischen Idee nicht in der Person des Monarchen selber liegen,
  8918. außer der Himmel entschließt sich, die Krone einem genialen
  8919. Helden wie Friedrich dem Großen oder einem weisen
  8920. Charakter wie Wilhelm I. auf die Schläfen zu drücken. Dies
  8921. kommt in Jahrhunderten einmal vor und kaum öfters.
  8922. Sonst aber tritt die Idee hier vor die Person, indem nun
  8923. der Sinn dieser Einrichtung ausschließlich in der Institution an sich zu liegen hat. Damit aber fällt der Monarch
  8924. selber in den Kreis des Dienens. Auch er ist nun nur mehr
  8925. ein Rad in diesem Werke und ist als solches demselben verpflichtet. Auch er hat sich nun dem höheren Zweck zu fügen
  8926. und „monarchisch“ ist dann nicht mehr, wer den Träger
  8927. der Krone schweigend an derselben freveln läßt, sondern
  8928. wer dies verhütet. Läge nicht der Sinn in der Idee, sondern in der „geheiligten“ Person um jeden Preis, dürfte
  8929. ja nicht einmal die Absetzung eines ersichtlich geisteskranken Fürsten vorgenommen werden.
  8930. Es ist notwendig, heute schon dies niederzulegen, tauchen
  8931. doch in letzter Zeit immer mehr die Erscheinungen wieder
  8932. aus dem Verborgenen hervor, deren jämmerlicher Haltung
  8933. der Zusammenbruch der Monarchie nicht am wenigsten
  8934. mit zuzuschreiben ist. Mit einer gewissen naiven Unverfrorenheit reden diese Leute jetzt wieder nur mehr
  8935. von „ihrem“ König – den sie aber denn doch vor wenigen
  8936. Die „Kämpfer für die Monarchie“
  8937. 261
  8938. Jahren erst in der kritischen Stunde auf das allerjämmerlichste im Stiche gelassen hatten – und beginnen, jeden
  8939. Menschen, der es nicht fertigbringen will, in ihre verlogenen Tiraden mit einzustimmen, als schlechten Deutschen
  8940. hinzustellen. Und in Wahrheit sind dies doch genau dieselben Hasenfüße, die im Jahre 1918 vor jeder roten Armbinde auseinander- und auf- und davonsausten, ihren König
  8941. König sein ließen, die Hellebarde schleunigst mit einem
  8942. Spazierstock vertauschten, neutrale Krawatten umbanden
  8943. und als friedliche „Bürger“ aber auch schon spurlos verschwanden! Mit einem Schlage waren sie damals weg, diese
  8944. königlichen Kämpen, und erst nachdem sich der revolutionäre Sturmwind, dank der Tätigkeit anderer, so weit wieder
  8945. gelegt hatte, daß man sein „Heil dem König, Heil“ wieder
  8946. in die Lüfte hinausschmettern konnte, begannen diese
  8947. „Diener und Ratgeber“ der Krone wieder vorsichtig aufzutauchen. Nun aber sind sie alle da und äugen sehnsuchtsvoll
  8948. nach den Fleischtöpfen Ägyptens zurück, können sich kaum
  8949. mehr halten vor Königstreue und Tatendrang, bis wohl
  8950. wieder die erste rote Binde eines Tages auftauchen wird und
  8951. der ganze Interessentenspuk der alten Monarchie aufs neue,
  8952. wie die Mäuse vor der Katze, ausreißt!
  8953. Wären die Monarchen nicht selber schuld an diesen Dingen, könnte man sie nur auf das herzlichste bedauern ob
  8954. ihrer Verteidiger von heute. Sie dürfen aber jedenfalls
  8955. überzeugt sein, daß man mit solchen Rittern wohl Throne
  8956. verliert, aber keine Kronen erficht.
  8957. Diese Devotheit jedoch war ein Fehler unserer ganzen
  8958. Erziehung, der sich nun an dieser Stelle in besonders entsetzlicher Weise rächte. Denn ihr zufolge konnten sich diese
  8959. jammervollen Erscheinungen an allen Höfen halten und
  8960. die Grundlagen der Monarchie allmählich aushöhlen. Als
  8961. das Gebäude dann endlich ins Wanken kam, waren sie wie
  8962. weggeblasen. Natürlich: Kriecher und Speichellecker lassen
  8963. sich für ihren Herrn nicht totschlagen. Daß die Monarchen
  8964. dies niemals wissen und fast grundsätzlich auch nicht lernen,
  8965. ist von jeher zu ihrem Verderben geworden.
  8966. 262
  8967. Die Feigheit vor der Verantwortung
  8968. Eine
  8969. Folgeerscheinung
  8970. verkehrter
  8971. Erziehung war Feigheit vor der Verantwortung und die daraus sich ergebende Schwäche
  8972. in der Behandlung selbst lebenswichtiger Probleme.
  8973. Der Ausgangspunkt dieser Seuche liegt bei uns allerdings zu einem großen Teile in der parlamentarischen
  8974. Institution, in der die Verantwortungslosigkeit geradezu
  8975. in Reinkultur gezüchtet wird. Leider ging diese Erkrankung langsam aber auch auf das gesamte sonstige Leben
  8976. über, am stärksten auf das staatliche. Man begann überall
  8977. der Verantwortung auszuweichen und griff aus diesem
  8978. Grunde am liebsten zu halben und ungenügenden Maßregeln; erscheint doch bei ihrer Anwendung das Maß der
  8979. persönlich zu tragenden Verantwortung immer auf den
  8980. kleinsten Umfang herabgedrückt.
  8981. Man betrachte nur die Haltung der einzelnen Regierungen gegenüber einer Reihe von wahrhaft schädlichen
  8982. Erscheinungen unseres öffentlichen Lebens, und man wird
  8983. die fürchterliche Bedeutung dieser allgemeinen Halbheit
  8984. und Feigheit vor der Verantwortung leicht erkennen.
  8985. Ich nehme nur einige Fälle aus der Unmasse vorhandener
  8986. Beispiele heraus:
  8987. Man pflegt gerade in Journalistenkreisen die Presse
  8988. gerne als eine „Großmacht“ im Staate zu bezeichnen. Tatsächlich ist ihre Bedeutung denn auch eine wahrhaft ungeheuerliche. Sie kann überhaupt gar nicht überschätzt werden; bewirkt sie doch wirklich die Fortsetzung der Erziehung im späteren Alter.
  8989. Man kann dabei ihre Leser im großen und ganzen in
  8990. drei Gruppen einteilen:
  8991. erstens in die, die alles, was sie lesen, glauben;
  8992. zweitens in solche, die gar nichts mehr glauben;
  8993. drittens in die Köpfe, welche das Gelesene kritisch prüfen und danach beurteilen.
  8994. Die erste Gruppe ist ziffernmäßig die weitaus größte.
  8995. Sie besteht aus der großen Masse des Volkes und stellt
  8996. demgemäß den geistig einfachsten Teil der Nation vor.
  8997. Die drei Zeitungslesergruppen
  8998. 263
  8999. Sie kann aber nicht etwa in Berufen benannt werden,
  9000. sondern höchstens in allgemeinen Intelligenzgraden. Ihr
  9001. gehören alle an, denen selbständiges Denken weder angeboren noch anerzogen ist, und die teils aus Unfähigkeit,
  9002. teils aus Nichtkönnen alles glauben, was man ihnen
  9003. schwarz auf weiß gedruckt vorsetzt. Auch jene Sorte von
  9004. Faulpelzen gehört dazu, die wohl selber denken könnte,
  9005. aber aus reiner Denkfaulheit heraus dankbar alles aufgreift, was ein anderer schon gedacht hat, in der bescheidenen Voraussetzung, daß dieser sich schon richtig angestrengt haben wird. Bei all diesen Menschen nun, die die
  9006. große Masse vorstellen, wird der Einfluß der Presse ein
  9007. ganz ungeheurer sein. Sie sind nicht in der Lage oder
  9008. nicht willens, das ihnen Dargebotene selber zu prüfen,
  9009. so daß ihre gesamte Einstellung zu allen Tagesproblemen
  9010. nahezu ausschließlich auf die äußere Beeinflussung durch
  9011. andere zurückzuführen ist. Dies kann von Vorteil sein
  9012. dann, wenn ihre Aufklärung von ernster und wahrheitsliebender Seite vorgenommen wird, ist jedoch von Unheil,
  9013. sowie dies Lumpen und Lügner besorgen.
  9014. Die zweite Gruppe ist in der Zahl schon wesentlich kleiner. Sie ist zum Teil aus Elementen zusammengesetzt, die
  9015. erst zur ersten Gruppe gehörten, um nach langen bitteren
  9016. Enttäuschungen nun in das Gegenteil umzuschlagen und
  9017. überhaupt nichts mehr zu glauben, soferne es nur gedruckt
  9018. vor ihr Auge kommt. Sie hassen jede Zeitung, lesen sie
  9019. entweder überhaupt nicht oder ärgern sich ausnahmslos
  9020. über den Inhalt, da er ihrer Meinung nach ja doch nur
  9021. aus Lüge und Unwahrheit zusammengesetzt ist. Diese Menschen sind sehr schwer zu behandeln, da sie auch der Wahrheit immer mißtrauisch gegenüberstehen werden. Sie sind
  9022. damit für jede positive Arbeit verloren.
  9023. Die dritte Gruppe endlich ist die weitaus kleinste; sie
  9024. besteht aus den geistig wirklich feinen Köpfen, die natürliche Veranlagung und Erziehung selbständig denken gelehrt hat, die sich über alles ihr eigenes Urteil zu bilden
  9025. versuchen und die alles Gelesene auf das gründlichste noch
  9026. einmal einer eigenen Prüfung und Weiterentwicklung
  9027. 264
  9028. Staat und Presse
  9029. unterziehen. Sie werden keine Zeitung anschauen, ohne in
  9030. ihrem Gehirn dauernd mitzuarbeiten, und der Verfasser
  9031. hat dann keinen leichten Stand. Die Journalisten lieben
  9032. solche Leser denn auch nur mit Zurückhaltung.
  9033. Für die Angehörigen dieser dritten Gruppe ist allerdings
  9034. der Unsinn, den eine Zeitung zusammenschmieren mag,
  9035. wenig gefährlich oder auch nur bedeutungsvoll. Sie haben
  9036. sich ohnehin zumeist im Laufe eines Lebens angewöhnt, in
  9037. jedem Journalisten grundsätzlich eine Spitzbuben zu sehen,
  9038. der nur manches Mal die Wahrheit spricht. Leider aber
  9039. liegt die Bedeutung dieser prachtvollen Menschen eben nur
  9040. in ihrer Intelligenz und nicht in der Zahl – ein Unglück
  9041. in einer Zeit, in der die Weisheit nichts und die Majorität alles ist! Heute, da der Stimmzettel der Masse entscheidet, liegt der ausschlaggebende Wert eben bei der zahlreichsten Gruppe, und diese ist die erste: der Haufe der
  9042. Einfältigen oder Leichtgläubigen.
  9043. Es ist ein Staats- und Volksinteresse ersten Ranges, zu
  9044. verhindern, daß diese Menschen in die Hände schlechter,
  9045. unwissender oder gar übelwollender Erzieher geraten. Der
  9046. Staat hat deshalb die Pflicht, ihre Erziehung zu überwachen und jeden Unfug zu verhindern. Er muß dabei
  9047. besonders der Presse auf die Finger sehen; denn ihr Einfluß ist auf diese Menschen der weitaus stärkste und eindringlichste, da er nicht vorübergehend, sondern fortgesetzt
  9048. zur Anwendung kommt. In der Gleichmäßigkeit und ewigen
  9049. Wiederholung dieses Unterrichts liegt seine ganz unerhörte Bedeutung. Wenn also irgendwo, dann darf gerade
  9050. hier der Staat nicht vergessen, daß alle Mittel einem
  9051. Zwecke zu dienen haben; er darf sich nicht durch das Geflunker einer sogenannten „Pressefreiheit“ beirren und beschwätzen lassen, seine Pflicht zu versäumen und der Nation
  9052. die Kost vorzuenthalten, die sie braucht und die ihr gut
  9053. tut; er muß mit rücksichtsloser Entschlossenheit sich dieses
  9054. Mittels der Volkserziehung versichern und es in den Dienst
  9055. des Staates und der Nation stellen.
  9056. Welche Kost aber hat die deutsche Presse der Vorkriegszeit den Menschen vorgesetzt? War es nicht das ärgste
  9057. Staat und Presse
  9058. 265
  9059. Gift, das man sich nur vorzustellen vermag? Wurde dem
  9060. Herzen unseres Volkes nicht schlimmster Pazifismus zu
  9061. einer Zeit eingeimpft, da die andere Welt sich schon anschickte, Deutschland langsam, aber sicher abzudrosseln?
  9062. Hatte die Presse nicht schon im Frieden dem Gehirn des
  9063. Volkes den Zweifel an das Recht des eigenen Staates
  9064. eingeflößt, um es so in der Wahl der Mittel zu seiner
  9065. Verteidigung von vornherein zu beschränken? War es nicht
  9066. die deutsche Presse, die den Unsinn der „westlichen Demokratie“ unserem Volke schmackhaft zu machen verstand, bis
  9067. dieses endlich, von all den begeisterten Tiraden gefangen,
  9068. glaubte, seine Zukunft einem Völkerbunde anzuvertrauen zu
  9069. können? Hat sie nicht mitgeholfen, unser Volk zu einer
  9070. elenden Sittenlosigkeit zu erziehen? Wurden nicht Moral
  9071. und Sitte von ihr lächerlich gemacht, als rückständig und
  9072. spießig gedeutet, bis endlich auch unser Volk „modern“
  9073. wurde? Hat sie nicht in dauerndem Angriff die Grundfesten der Staatsautorität so lange unterhöhlt, bis ein
  9074. einziger Stoß genügte, um dieses Gebäude zum Einsturz zu bringen? Hat sie nicht einst gegen jeden Willen,
  9075. dem Staate zu geben, was des Staates ist, mit allen Mitteln angekämpft, nicht in dauernder Kritik das Heer herabgesetzt, die allgemeine Wehrpflicht sabotiert, zur Verweigerung der militärischen Kredite aufgefordert usw., bis
  9076. der Erfolg nicht mehr ausbleiben konnte?
  9077. Die Tätigkeit der sogenannten liberalen Presse war
  9078. Totengräberarbeit am deutschen Volk und Deutschen Reich.
  9079. Von den marxistischen Lügenblättern kann man dabei
  9080. überhaupt schweigen; ihnen ist das Lügen genau so
  9081. Lebensnotwendigkeit wie der Katze das Mausen; ist doch
  9082. ihre Aufgabe nur, dem Volke das völkische und nationale
  9083. Rückgrat zu brechen, um es so reif zu machen für das Sklavenjoch des internationalen Kapitals und seiner Herren,
  9084. der Juden.
  9085. Was aber hat der Staat gegen diese Massenvergiftung
  9086. der Nation unternommen? Nichts, aber rein gar nichts!
  9087. Ein paar lächerliche Erlasse, ein paar Strafen gegen allzu
  9088. heftige Niederträchtigkeit, und damit war Schluß. Dafür
  9089. 266
  9090. Die jüdische Pressetaktik
  9091. aber hoffte man, sich diese Seuche wohlgeneigt zu machen
  9092. durch Schmeicheleien, durch Anerkennung des „Wertes“
  9093. der Presse, ihre „Bedeutung“, ihrer „erzieherischen Mission“ und ähnlichen Blödsinns mehr – die Juden aber
  9094. nahmen es schlau lächelnd entgegen und quittierten mit
  9095. verschmitztem Dank.
  9096. Der Grund jedoch zu diesem schmählichen Versagen des
  9097. Staates lag nicht so sehr im Nichterkennen der Gefahr, als
  9098. vielmehr in einer zum Himmel schreienden Feigheit und
  9099. der daraus geborenen Halbheit aller Entschlüsse und Maßnahmen. Es hatte niemand den Mut, durchgreifende Radikalmittel anzuwenden, sondern man pfuschte hier wie überall mit lauter halben Rezepten herum, und statt den Stoß
  9100. ins Herz hinein zu führen, reizte man die Viper höchstens – mit dem Ergebnis, daß nicht nur alles beim alten
  9101. blieb, sondern im Gegenteil die Macht der zu bekämpfenden Institutionen von Jahr zu Jahr zunahm.
  9102. Der Abwehrkampf der damaligen deutschen Regierung
  9103. gegen die die Nation langsam verderbende Presse, hauptsächlich jüdischer Herkunft, war ohne jede gerade Linie,
  9104. ohne Entschlossenheit, vor allem aber ohne jedes sichtbare
  9105. Ziel. Hier versagte der geheimrätliche Verstand vollständig,
  9106. sowohl in der Einschätzung der Bedeutung dieses Kampfes
  9107. wie auch in der Wahl der Mittel und der Festlegung
  9108. eines klaren Planes. Planlos dokterte man herum, sperrte
  9109. manchmal, wenn man zu sehr gebissen wurde, eine solche
  9110. journalistische Kreuzotter auf einige Wochen oder auch
  9111. Monate ein, das Schlangennest als solches aber ließ man
  9112. schön in Ruhe.
  9113. Freilich – zum Teil war dies auch die Folge der unendlich schlauen Taktik der Judenheit auf der einen und
  9114. einer wirklich geheimrätlichen Dummheit oder Harmlosigkeit auf der anderen Seite. Der Jude war viel zu klug, als
  9115. daß er seine gesamte Presse gleichmäßig hätte angreifen
  9116. lassen. Nein, ein Teil derselben war da, um den anderen zu
  9117. decken. Während die marxistischen Zeitungen in der gemeinsten Weise gegen alles, was Menschen heilig zu sein vermag,
  9118. in das Feld zogen, Staat und Regierung in der infamsten
  9119. Die „antändige“ Presse
  9120. 267
  9121. Weise angriffen und große Volksteile gegeneinander hetzten, verstanden es die bürgerlich-demokratischen Judenblätter, sich den Anschein der berühmten Objektivität zu
  9122. geben, mieden peinlich alle Kraftworte, genau wissend, daß
  9123. alle Hohlköpfe nur nach dem Äußeren zu urteilen vermögen und nie die Fähigkeit besitzen, in das Innere einzudringen, so daß für sie der Wert einer Sache nach diesem
  9124. Äußeren bemessen wird statt nach dem Inhalt; eine menschliche Schwäche, der sie auch die eigene Beachtung verdanken.
  9125. Für diese Leute war und ist freilich die „Frankfurter
  9126. Zeitung“ der Inbegriff aller Anständigkeit. Verwendet sie
  9127. doch niemals rohe Ausdrücke, lehnt jede körperliche Brutalität ab und appelliert immer an den Kampf mit den
  9128. „geistigen“ Waffen, der eigentümlicherweise gerade den
  9129. geistlosesten Menschen am meisten am Herzen liegt. Das
  9130. ist ein Ergebnis unserer Halbbildung, die die Menschen
  9131. von dem Instinkt der Natur loslöst, ihnen ein gewisses
  9132. Wissen einpumpt, ohne sie aber zur letzten Erkenntnis
  9133. führen zu können, da hierzu Fleiß und guter Wille allein
  9134. nichts zu nützen vermögen, sondern der nötige Verstand,
  9135. und zwar als angeboren, da sein muß. Die letzte Erkenntnis aber ist immer das Verstehen der Instinktursachen
  9136. – das heißt: der Mensch darf niemals in den Irrsinn
  9137. verfallen, zu glauben, daß er wirklich zum Herrn und
  9138. Meister der Natur aufgerückt sei – wie der Dünkel einer
  9139. Halbbildung dies so leicht vermittelt –, sondern er muß
  9140. die fundamentale Notwendigkeit des Waltens der Natur
  9141. verstehen und begreifen, wie sehr auch sein Dasein diesen Gesetzen des ewigen Kampfes und Ringens nach oben
  9142. unterworfen ist. Er wird dann fühlen, daß in einer Welt,
  9143. in der Planeten und Sonnen kreisen, Monde um Planeten
  9144. ziehen, in der immer nur die Kraft Herrin der Schwäche
  9145. ist und sie zum gehorsamen Diener zwingt oder zerbricht,
  9146. für den Menschen nicht Sondergesetze gelten können. Auch
  9147. für ihn walten die ewigen Grundsätze dieser letzten Weisheit. Er kann sie zu erfassen versuchen, sich von ihnen zu
  9148. lösen vermag er niemals.
  9149. Gerade für unsere geistige Halbwelt aber schreibt der
  9150. 268
  9151. Die „antändige“ Presse
  9152. Jude seine sogenannte Intelligenzpresse. Für sie sind die
  9153. „Frankfurter Zeitung“ und das „Berliner Tageblatt“ gemacht, für sie ist ihr Ton abgestimmt, und auf diese üben
  9154. sie ihre Wirkung aus. Indem sie alle scheinbar äußerlich
  9155. rohen Formen auf das sorgfältigste vermeiden, gießen sie
  9156. das Gift aus anderen Gefäßen dennoch in die Herzen
  9157. ihrer Leser. Unter einem Geseire von schönen Tönen und
  9158. Redensarten lullen sie dieselben in den Glauben ein, als
  9159. ob wirklich reine Wissenschaft oder gar Moral die Triebkräfte ihres Handelns seien, während es in Wahrheit nur
  9160. die ebenso geniale wie gerissene Kunst ist, dem Gegner auf
  9161. solche Weise die Waffe gegen die Presse überhaupt aus der
  9162. Hand zu stehlen. Denn indem die einen vor Anstand triefen,
  9163. glauben ihnen alle Schwachköpfe um so lieber, daß es sich
  9164. bei den anderen nur um leichte Auswüchse handle, die
  9165. aber niemals zu einer Verletzung der Pressefreiheit – wie
  9166. man den Unfug dieser straflosen Volksbelügung und Volksvergiftung bezeichnet – führen dürften. So scheut man sich,
  9167. gegen dieses Banditentum vorzugehen, fürchtet man doch,
  9168. in einem solchen Falle auch sofort die „anständige“ Presse
  9169. gegen sich zu haben; eine Furcht, die auch nur zu begründet
  9170. ist. Denn sobald man versucht, gegen eine dieser Schandzeitungen vorzugehen, werden sofort alle anderen deren
  9171. Partei ergreifen, beileibe nicht etwa, um ihre Art des
  9172. Kampfes gutzuheißen, Gott bewahre – nur um das Prinzip der Pressefreiheit und der Freiheit der öffentlichen
  9173. Meinung dreht es sich; allein dieses soll verteidigt werden.
  9174. Vor diesem Geschrei aber werden die stärksten Männer
  9175. schwach, kommt es doch aus dem Munde von lauter „anständigen“ Blättern.
  9176. So konnte dieses Gift ungehindert in den Blutlauf unseres Volkes eindringen und wirken, ohne daß der Staat die
  9177. Kraft besaß, der Krankheit Herr zu werden. In den lächerlichen halben Mitteln, die er dagegen anwandte, zeigte sich
  9178. der bereits drohende Verfall des Reiches. D e n n e i n e
  9179. Institution, die nicht mehr entschlossen ist,
  9180. sich selbst mit allen Waffen zu schützen, gibt
  9181. s i c h p r a k t i s c h a u f . Jede Halbheit ist das sichtbare
  9182. Die Syphilis
  9183. 269
  9184. Zeichen des inneren Verfalls, dem der äußere Zusammenbruch früher oder später folgen muß und wird.
  9185. Ich glaube, daß die heutige Generation, richtig geleitet,
  9186. dieser Gefahr leichter Herr werden wird. Sie hat verschiedene Dinge miterlebt, die die Nerven bei dem, der sie
  9187. nicht überhaupt verlor, etwas zu stärken vermochten. Sicher
  9188. wird auch in kommender Zeit der Jude in seinen Zeitungen
  9189. ein gewaltiges Geschrei erheben, wenn sich erst einmal die
  9190. Hand auf sein Lieblingsnest legt, dem Presseunfug ein
  9191. Ende macht, auch dieses Erziehungsmittel in den Dienst
  9192. des Staates stellt und nicht mehr in der Hand von Volksfremden und Volksfeinden beläßt. Allein ich glaube, daß
  9193. dies uns Jüngere weniger belästigen wird als einstens
  9194. unsere Väter. Eine Dreißig-Zentimeter-Granate zischte immer noch mehr als tausend jüdische Zeitungsvipern – also
  9195. laßt sie denn nur zischen!
  9196. Ein weiteres Beispiel für Halbheit und Schwäche in
  9197. den wichtigsten Lebensfragen der Nation bei der Leitung
  9198. des Vorkriegsdeutschlands ist folgendes: Parallel der politischen, sittlichen und moralischen Verseuchung des Volkes
  9199. lief schon seit vielen Jahren eine nicht minder entsetzliche
  9200. gesundheitliche Vergiftung des Volkskörpers. Die Syphilis
  9201. begann besonders in den Großstädten immer mehr zu grassieren, während die Tuberkulose gleichmäßig fast im ganzen Lande ihre Todesernte hielt.
  9202. Trotzdem in beiden Fällen die Folgen für die Nation
  9203. entsetzliche waren, vermochte man sich nicht zu entscheidenden Maßnahmen dagegen aufzuraffen.
  9204. Besonders der Syphilis gegenüber kann man das Verhalten der Volks- und Staatsleitung nur mit vollkommener
  9205. Kapitulation bezeichnen. Bei einer ernstgemeinten Bekämpfung mußte man schon etwas weiter ausgreifen, als
  9206. dies in Wirklichkeit geschah. Die Erfindung eines Heilmittels fraglicher Art sowie dessen geschäftstüchtige
  9207. Anwendung vermögen bei dieser Seuche nur wenig mehr
  9208. 270
  9209. Mißachtung der natürlichen Ehevoraussetzungen
  9210. zu helfen. Auch hier konnte nur der Kampf gegen die
  9211. Ursachen in Frage kommen und nicht die Beseitigung der
  9212. Erscheinungen. Die Ursache aber liegt in erster Linie in
  9213. unserer Prostituierung der Liebe. Auch wenn ihr Ergebnis
  9214. nicht diese natürliche Seuche wäre, wäre sie dennoch von
  9215. tiefstem Schaden für das Volk, denn es genügen schon die
  9216. moralischen Verheerungen, die diese Entartung mit sich
  9217. bringt, um ein Volk langsam, aber sicher zugrunde zu
  9218. richten. Diese Verjudung unseres Seelenlebens und
  9219. Mammonisierung unseres Paarungstriebes werden früher
  9220. oder später unseren gesamten Nachwuchs verderben, denn
  9221. an Stelle kraftvoller Kinder eines natürlichen Gefühls
  9222. werden nur mehr die Jammererscheinungen finanzieller
  9223. Zweckmäßigkeit treten. Denn diese wird immer mehr die
  9224. Grundlage und einzige Voraussetzung unserer Ehen. Die
  9225. Liebe aber tobt sich wo anders aus.
  9226. Eine gewisse Zeit kann man natürlich auch hier die
  9227. Natur verhöhnen, allein die Rache bleibt nicht aus, sie
  9228. tritt hier nur später in Erscheinung, oder besser: sie wird
  9229. von den Menschen oft zu spät erkannt.
  9230. Wie verheerend aber die Folgen einer dauernden Mißachtung der natürlichen Voraussetzungen für die Ehe sind,
  9231. mag man an unserem Adel erkennen. Hier hat man die
  9232. Ergebnisse einer Fortpflanzung vor sich, die zu einem Teile
  9233. auf rein gesellschaftlichem Zwang, zum anderen auf finanziellen Gründen beruhte. Das eine führte zur Schwächung
  9234. überhaupt, das andere zur Blutvergiftung, da jede
  9235. Warenhausjüdin als geeignet gilt, die Nachkommenschaft
  9236. Seiner Durchlaucht – die allerdings dann danach aussieht – zu ergänzen. In beiden Fällen ist vollkommene
  9237. Degeneration die Folge.
  9238. Unser Bürgertum bemüht sich heute, den gleichen Weg
  9239. zu gehen, und wird am gleichen Ziele enden.
  9240. Mit gleichgültiger Hast versucht man, an den unangenehmen Wahrheiten vorüberzugehen, als ob man durch
  9241. ein solches Gehaben die Dinge selber ungeschehen machen
  9242. könnte. Nein, die Tatsache, daß unsere großstädtische Bevölkerung immer mehr in ihrem Liebesleben prostituiert
  9243. Die „Stellungnahme“ zum Eheproblem
  9244. 271
  9245. wird und gerade dadurch in immer weiterem Kreise der
  9246. syphilistischen Seuche anheimfällt, kann nicht einfach weggeleugnet werden, sondern sie ist da. Die sichtbarsten Resultate dieser Massenverseuchung kann man auf der einen
  9247. Seite in den Irrenanstalten finden, auf der anderen aber
  9248. leider in unseren – Kindern. Besonders diese sind das
  9249. traurige Elendserzeugnis der unaufhaltsam fortschreitenden Verpestung unseres Sexuallebens, in den Krankheiten
  9250. der Kinder offenbaren sich die Laster der Eltern.
  9251. Es gibt verschiedene Wege, sich mit dieser unangeneh
  9252. men, ja schrecklichen Tatsache abzufinden: Die einen sehen
  9253. überhaupt nichts oder wollen, besser gesagt, nichts sehen;
  9254. dieses ist natürlich die weitaus einfachste und billigste
  9255. „Stellungnahme“. Die anderen hüllen sich in den Heiligenmantel einer ebenso lächerlichen wie noch dazu verlogenen
  9256. Prüderie, reden von dem ganzen Gebiete überhaupt nur
  9257. als von einer großen Sünde und äußern vor allem vor
  9258. jedem ertappten Sünder ihre tiefinnerlichste Entrüstung,
  9259. um dann vor dieser gottlosen Seuche die Augen in frommer
  9260. Abscheu zu schließen und den lieben Gott zu bitten, er
  9261. möchte doch – wenn möglich nach ihrem eigenen Tode –
  9262. in dieses ganze Sodom und Gomorrha Schwefel und Pech
  9263. hineinregnen lassen, um so wieder einmal an dieser schamlosen Menschheit ein erbauliches Exempel zu statuieren. Die
  9264. dritten endlich sehen sehr wohl die entsetzlichen Folgen, die
  9265. diese Seuche dereinst mit sich bringen muß und wird, allein
  9266. sie zucken nur mit den Achseln, überzeugt, ohnehin nichts
  9267. gegen die Gefahr unternehmen zu können, so daß man die
  9268. Dinge laufen lassen müsse, wie sie eben laufen.
  9269. Dieses alles ist freilich bequem und einfach, nur darf
  9270. nicht vergessen werden, daß einer solchen Bequemlichkeit
  9271. eine Nation zum Opfer fallen wird. Die Ausrede, daß es
  9272. den anderen Völkern ja auch nicht besser gehe, vermag
  9273. natürlich auch an der Tatsache des eigenen Untergangs
  9274. kaum etwas zu ändern, es wäre denn, daß das Gefühl,
  9275. auch andere vom Unglück betroffen zu sehen, allein schon
  9276. für viele eine Milderung der eigenen Schmerzen mit sich
  9277. brächte. Aber die Frage ist dann ja eben erst recht die,
  9278. 272
  9279. Die Sünde wider Blut und Rasse
  9280. welches Volk von sich aus als erstes und selbst einziges
  9281. dieser Pest Herr zu werden vermag, und welche Nationen
  9282. daran zugrunde gehen. Darauf aber kommt es am Schlusse
  9283. hinaus. Auch dies ist nur ein Prüfstein des Rassenwertes – die Rasse, welche die Probe nicht besteht, wird eben
  9284. sterben und gesünderen oder doch zäheren und widerstandsfähigeren den Platz räumen. Denn da diese Frage in
  9285. erster Linie den Nachwuchs betrifft, gehört sie zu denen,
  9286. von welchen es mit so furchtbarem Recht heißt, daß die
  9287. Sünden der Väter sich rächen bis in das zehnte Glied –
  9288. eine Wahrheit, die nur von Freveln am Blute und an der
  9289. Rasse gilt.
  9290. Die Sünde wider Blut und Rasse ist die
  9291. Erbsünde dieser Welt und das Ende einer
  9292. sich ihr ergebenden Menschheit.
  9293. Wie wahrhaft jammervoll aber stand das Vorkriegsdeutschland gerade dieser einen Frage gegenüber. Was geschah, um der Verpestung unserer Jugend in den Großstädten Einhalt zu gebieten? Was, um der Verseuchung
  9294. und Mammonisierung unseres Liebeslebens auf den Leib
  9295. zu rücken? Was, um die daraus resultierende Versyphilitisierung des Volkskörpers zu bekämpfen?
  9296. Die Antwort ergibt sich am leichtesten durch die Feststellung dessen, was hätte geschehen müssen.
  9297. Man durfte diese Frage zunächst nicht auf die leichte
  9298. Schulter nehmen, sondern mußte verstehen, daß von ihrer
  9299. Lösung das Glück oder Unglück von Generationen abhängen
  9300. würde, ja, daß sie bestimmend für die ganze Zukunft unseres Volkes sein konnte, wenn nicht sein mußte. Eine solche
  9301. Erkenntnis aber verpflichtete zu rücksichtslosen Maßnahmen
  9302. und Eingriffen. An die Spitze aller Erwägungen hatte die
  9303. Überzeugung zu treten, daß zu allererst die Aufmerksamkeit der gesamten Nation auf die entsetzliche Gefahr zu
  9304. konzentrieren war, so daß jeder einzelne sich der Bedeutung
  9305. dieses Kampfes innerlich bewußt zu werden vermochte. Man
  9306. kann wahrhaft einschneidende und manchmal schwer zu
  9307. ertragende Verpflichtungen und Lasten nur dann zu einer
  9308. allgemeinen Wirksamkeit bringen, wenn dem einzelnen
  9309. Die Konzentration auf e i n e Aufgabe
  9310. 273
  9311. außer dem Zwang auch noch die Erkenntnis der Notwendigkeit vermittelt wird. Dazu gehört aber eine ungeheure
  9312. Aufklärung unter Ausschaltung aller sonst noch ablenkend
  9313. wirkenden Tagesfragen.
  9314. Es muß in allen Fällen, in denen es sich
  9315. um die Erfüllung scheinbar unmöglicher
  9316. Forderungen oder Aufgaben handelt, die
  9317. gesamte Aufmerksamkeit eines Volkes nur
  9318. auf diese eine Frage geschlossen vereinigt
  9319. werden, so, als ob von ihrer Lösung tats ä c h l i c h S e i n o d e r N i c h t s e i n a b h ä n g e . Nur
  9320. so wird man ein Volk zu wahrhaft großen Leistungen und
  9321. Anstrengungen willig und fähig machen.
  9322. Dieser Grundsatz gilt auch für den einzelnen Menschen,
  9323. sofern er große Ziele erreichen will. Auch er wird dies nur
  9324. in stufenförmigen Abschnitten zu tun vermögen, auch er
  9325. wird dann immer seine gesamten Anstrengungen auf die
  9326. Erreichung einer bestimmt begrenzten Aufgabe zu vereinigen haben, so lange, bis diese Erfüllung erscheint und
  9327. die Absteckung eines neuen Abschnittes vorgenommen werden kann. Wer nicht diese Teilung des zu erobernden Weges
  9328. in einzelne Etappen vornimmt und diese dann planmäßig
  9329. unter schärfster Zusammenfassung aller Kräfte einzeln zu
  9330. überwinden trachtet, wird niemals bis zum Schlußziel zu
  9331. gelangen vermögen, sondern irgendwo auf dem Wege, vielleicht sogar abseits desselben, liegen bleiben. Dieses Heranarbeiten an das Ziel ist eine Kunst und erfordert jeweils
  9332. den Einsatz aber auch der letzten Energie, um so Schritt
  9333. für Schritt den Weg zu überwinden.
  9334. Die allererste Vorbedingung also, die zum Angriff auf
  9335. eine so schwere Teilstrecke des menschlichen Weges not tut,
  9336. ist die, daß es der Führung gelingt, der Masse des Volkes
  9337. gerade das jetzt zu erreichende, besser zu erkämpfende Teilziel als das einzig und allein der menschlichen Aufmerksamkeit würdige, von dessen Eroberung alles abhänge,
  9338. hinzustellen. Die große Menge des Volkes kann ohnehin
  9339. nie den ganzen Weg vor sich sehen, ohne zu ermüden und
  9340. an der Aufgabe zu verzweifeln. Sie wird in einem gewissen
  9341. 274
  9342. Syphilisbekämpfung als d i e Aufgabe
  9343. Umfang das Ziel im Auge behalten, den Weg aber nur in
  9344. kleinen Teilstrecken zu übersehen vermögen, ähnlich dem
  9345. Wanderer, der ebenfalls wohl das Ende seiner Reise weiß
  9346. und kennt, der aber die endlose Straße besser überwindet,
  9347. wenn er sich dieselbe in Abschnitte zerlegt und auf jeden
  9348. einzelnen losmarschiert, als ob er schon das ersehnte Ziel
  9349. selber wäre. Nur so kommt er, ohne zu verzagen, dennoch
  9350. vorwärts.
  9351. So hätte man unter Anwendung aller propagandistischen
  9352. Hilfsmittel die Frage der Bekämpfung der Syphilis als
  9353. d i e Aufgabe der Nation erscheinen lassen müssen, nicht
  9354. als a u c h eine Aufgabe. Man hätte zu diesem Zwecke ihre
  9355. Schäden als das entsetzlichste Unglück in vollem Umfange,
  9356. und zwar unter Anwendung aller Hilfsmittel, den Menschen einhämmern müssen, bis die ganze Nation zur Überzeugung gekommen wäre, daß von der Lösung dieser Frage
  9357. eben alles abhänge, Zukunft oder Untergang.
  9358. Erst nach einer solchen, wenn nötig, jahrelangen Vorbereitung wird die Aufmerksamkeit und damit aber auch
  9359. Entschlossenheit eines ganzen Volkes so sehr geweckt sein,
  9360. daß man nun auch zu sehr schweren und opfervollen Maßnahmen wird greifen können, ohne Gefahr laufen zu müssen, vielleicht nicht verstanden oder plötzlich vom Wollen
  9361. der Masse im Stiche gelassen zu werden.
  9362. Denn um dieser Pest ernstlich an den Leib zu rücken,
  9363. sind ungeheure Opfer und ebenso große Arbeiten nötig.
  9364. Der Kampf gegen die Syphilis erfordert einen Kampf
  9365. gegen die Prostitution, gegen Vorurteile, alte Gewohnheiten, gegen bisherige Vorstellungen, allgemeine Ansichten, darunter nicht zum letzten gegen die verlogene Prüderie in gewissen Kreisen.
  9366. Die erste Voraussetzung zu einem, aber auch nur moralischen Rechte, gegen diese Dinge anzukämpfen, ist die
  9367. Ermöglichung einer frühen Verehelichung der kommenden
  9368. Generationen. Im späten Heiraten liegt allein schon der
  9369. Zwang zur Beibehaltung einer Einrichtung, die, da kann
  9370. man sich winden wie man will, eine Schande der Mensch-
  9371. Kampf gegen die Prostitution
  9372. 275
  9373. heit ist und bleibt, eine Einrichtung, die verflucht schlecht
  9374. einem Wesen ansteht, das sich in sonstiger Bescheidenheit
  9375. gern als das „Ebenbild“ Gottes ansieht.
  9376. Die Prostitution ist eine Schmach der Menschheit, allein
  9377. man kann sie nicht beseitigen durch moralische Vorlesungen, frommes Wollen usw., sondern ihre Einschränkung und
  9378. ihr endlicher Abbau setzen eine Unzahl von Vorbedingungen voraus. Die erste aber ist und bleibt die Schaffung der
  9379. Möglichkeit einer der menschlichen Natur entsprechenden
  9380. frühzeitigen Heirat vor allem des Mannes, denn die Frau
  9381. ist ja hier ohnehin nur der passive Teil.
  9382. Wie verirrt, ja unverständlich aber die Menschen heute
  9383. zum Teil schon geworden sind, mag daraus hervorgehen,
  9384. daß man nicht selten Mütter der sogenannten „besseren“
  9385. Gesellschaft reden hört, sie wären dankbar, für ihr Kind
  9386. einen Mann zu finden, der sich die „Hörner bereits abgestoßen habe“ usw. Da daran meistens weniger Mangel ist
  9387. als umgekehrt, so wird das arme Mädel schon glücklich
  9388. einen solchen enthörnten Siegfried finden, und die Kinder
  9389. werden das sichtbare Ergebnis dieser vernünftigen Ehe sein.
  9390. Wenn man bedenkt, daß außerdem noch eine möglichst
  9391. große Einschränkung der Zeugung an sich erfolgt, so daß der
  9392. Natur jede Auslese unterbunden wird, da natürlich jedes
  9393. auch noch so elende Wesen erhalten werden muß, so bleibt
  9394. wirklich nur die Frage, warum eine solche Institution überhaupt noch besteht und welchen Zweck sie haben soll? Ist
  9395. es dann nicht genau dasselbe wie die Prostitution an sich?
  9396. Spielt die Pflicht der Nachwelt gegenüber überhaupt keine
  9397. Rolle mehr? Oder weiß man nicht, welchen Fluch man
  9398. sich bei Kind und Kindeskind aufladet durch eine derartige verbrecherisch leichtsinnige Weise in der Wahrung des letzten Naturrechtes, aber auch der letzten Naturverpflichtung?
  9399. So entarten die Kulturvölker und gehen allmählich
  9400. unter.
  9401. Auch die Ehe kann nicht Selbstzweck sein, sondern muß
  9402. dem einen größeren Ziele, der Vermehrung und Erhaltung
  9403. 276
  9404. Frühzeitige Heirat
  9405. der Art und Rasse, dienen. Nur das ist ihr Sinn und ihre
  9406. Aufgabe.
  9407. Unter diesen Voraussetzungen aber kann ihre Richtigkeit nur an der Art gemessen werden, in der sie diese Aufgabe erfüllt. Daher schon ist die frühe Heirat richtig, gibt
  9408. sie doch der jungen Ehe noch jene Kraft, aus der allein
  9409. ein gesunder und widerstandsfähiger Nachwuchs zu kommen vermag. Freilich ist zu ihrer Ermöglichung eine ganze
  9410. Reihe von sozialen Voraussetzungen nötig, ohne die an eine
  9411. frühe Verehelichung gar nicht zu denken ist. Mithin kann
  9412. eine Lösung dieser nur so kleinen Frage schon nicht stattfinden ohne einschneidende Maßnahmen in sozialer Hinsicht. Welche Bedeutung diesen zukommt, sollte man am
  9413. meisten in einer Zeit begreifen, da die sogenannte „soziale“
  9414. Republik durch ihre Unfähigkeit in der Lösung der Wohnungsfrage allein zahlreiche Ehen einfach verhindert und
  9415. der Prostitution auf solche Weise Vorschub leistet.
  9416. Der Unsinn unserer Art der Gehaltseinteilung, die viel
  9417. zu wenig Rücksicht nimmt auf die Frage der Familie und
  9418. ihre Ernährung, ist ebenfalls ein Grund, der so manche
  9419. frühe Ehe unmöglich macht.
  9420. Es kann also an eine wirkliche Bekämpfung der Prostitution nur herangegangen werden, wenn durch eine grundsätzliche Änderung der sozialen Verhältnisse eine frühere
  9421. Verheiratung, als sie jetzt im allgemeinen stattfinden kann,
  9422. ermöglicht wird. Dies ist die allerbeste Voraussetzung zu
  9423. einer Lösung dieser Frage.
  9424. In zweiter Linie aber hat Erziehung und Ausbildung
  9425. eine ganze Reihe von Schäden auszumerzen, um die man
  9426. sich heute überhaupt fast nicht kümmert. Vor allem muß in
  9427. der bisherigen Erziehung ein Ausgleich zwischen geistigem
  9428. Unterricht und körperlicher Ertüchtigung eintreten. Was
  9429. heute Gymnasium heißt, ist ein Hohn auf das griechische
  9430. Vorbild. Man hat bei unserer Erziehung vollkommen vergessen, daß auf die Dauer ein gesunder Geist auch nur in
  9431. einem gesunden Körper zu wohnen vermag. Besonders
  9432. wenn man, von einzelnen Ausnahmen abgesehen, die große
  9433. Gesunder Geist nur im gesunden Körper
  9434. 277
  9435. Masse eines Volkes ins Auge faßt, erhält dieser Satz unbedingte Gültigkeit.
  9436. Es gab im Vorkriegsdeutschland eine Zeit, in der man
  9437. sich überhaupt um diese Wahrheit nicht mehr kümmerte.
  9438. Man sündigte einfach auf den Körper los und vermeinte,
  9439. in der einseitigen Ausbildung des „Geistes“ eine sichere
  9440. Gewähr für die Größe der Nation zu besitzen. Ein Irrtum,
  9441. der sich schneller zu rächen begann, als man dachte. Es
  9442. ist kein Zufall, daß die bolschewistische Welle nirgends besser Boden fand als dort, wo eine durch Hunger und dauernde Unterernährung degenerierte Bevölkerung haust: in
  9443. Mitteldeutschland, Sachsen und im Ruhrgebiet. In allen
  9444. diesen Gebieten findet aber auch von der sogenannten Intelligenz ein ernstlicher Widerstand gegen diese Judenkrankheit kaum mehr statt, aus dem einfachen Grunde, weil
  9445. ja auch die Intelligenz selber körperlich vollständig verkommen ist, wenn auch weniger durch Gründe der Not als
  9446. durch Gründe der Erziehung. Die ausschließlich geistige
  9447. Einstellung unserer Bildung in den oberen Schichten macht
  9448. diese unfähig in Zeiten, in denen nicht der Geist, sondern
  9449. die Faust entscheidet, sich auch nur zu halten, geschweige
  9450. denn durchzusetzen. In körperlichen Gebrechen liegt nicht
  9451. selten der erste Grund zur persönlichen Feigheit.
  9452. Die übermäßige Betonung des rein geistigen Unterrichtes
  9453. und die Vernachlässigung der körperlichen Ausbildung fördern aber auch in viel zu früher Jugend die Entstehung
  9454. sexueller Vorstellungen. Der Junge, der in Sport und Turnen zu einer eisernen Abhärtung gebracht wird, unterliegt
  9455. dem Bedürfnis sinnlicher Befriedigungen weniger als der
  9456. ausschließlich mit geistiger Kost gefütterte Stubenhocker.
  9457. Eine vernünftige Erziehung aber hat dies zu berücksichtigen.
  9458. Sie darf ferner nicht aus dem Auge verlieren, daß die
  9459. Erwartungen des gesunden jungen Mannes von der Frau
  9460. andere sein werden als die eines vorzeitig verdorbenen
  9461. Schwächlings.
  9462. So muß die ganze Erziehung darauf eingestellt werden,
  9463. die freie Zeit des Jungen zu einer nützlichen Ertüchtigung
  9464. seines Körpers zu verwenden. Er hat kein Recht, in diesen
  9465. 278
  9466. Kampf gegen Seelenvergiftung
  9467. Jahren müßig herumzulungern, Straßen und Kinos unsicher
  9468. zu machen, sondern soll nach seinem sonstigen Tageswerk
  9469. den jungen Leib stählen und hart machen, auf daß ihn dereinst auch das Leben nicht zu weich finden möge. Dies
  9470. anzubahnen und auch durchzuführen, zu lenken und zu
  9471. leiten ist die Aufgabe der Jugenderziehung, und nicht das
  9472. ausschließliche Einpumpen sogenannter Weisheit. Sie hat
  9473. auch mit der Vorstellung aufzuräumen, als ob die Behandlung seines Körpers jedes einzelnen Sache selber wäre.
  9474. Es gibt keine Freiheit, auf Kosten der Nachwelt und damit der Rasse zu sündigen.
  9475. Gleichlaufend mit der Erziehung des Körpers hat der
  9476. Kampf gegen die Vergiftung der Seele einzusetzen. Unser
  9477. gesamtes öffentliches Leben gleicht heute einem Treibhaus
  9478. sexueller Vorstellungen und Reize. Man betrachte doch den
  9479. Speisezettel unserer Kinos, Varietés und Theater, und man
  9480. kann wohl kaum leugnen, daß dies nicht die richtige Kost,
  9481. vor allem für die Jugend, ist. In Auslagen und an Anschlagsäulen wird mit den niedrigsten Mitteln gearbeitet,
  9482. um die Aufmerksamkeit der Menge auf sich zu ziehen. Daß
  9483. dies für die Jugend zu außerordentlich schweren Schädigungen führen muß, ist wohl jedem, der nicht die Fähigkeit, sich
  9484. in ihre Seele hineinzudenken, verloren hat, verständlich.
  9485. Diese sinnlich schwüle Atmosphäre führt zu Vorstellungen
  9486. und Erregungen in einer Zeit, da der Knabe für solche
  9487. Dinge noch gar kein Verständnis haben dürfte. Das Ergebnis dieser Art von Erziehung kann man an der heutigen Jugend in nicht gerade erfreulicher Weise studieren.
  9488. Sie ist frühreif und damit auch vorzeitig alt geworden. Aus
  9489. den Gerichtssälen dringen manches Mal Vorgänge an die
  9490. Öffentlichkeit, die grauenhafte Einblicke in das Seelenleben
  9491. unserer 14- und 15jährigen gestatten. Wer will sich da wundern, daß schon in diesen Alterskreisen die Syphilis ihre
  9492. Opfer zu suchen beginnt? Und ist es nicht ein Jammer, zu
  9493. sehen, wie so mancher körperlich schwächliche, geistig aber
  9494. verdorbene junge Mensch seine Einführung in die Ehe durch
  9495. eine großstädtische Hure vermittelt erhält?
  9496. Nein, wer der Prostitution zu Leibe gehen will, muß in
  9497. Sterilisation Unheilbarer
  9498. 279
  9499. erster Linie die geistige Voraussetzung zu derselben beseitigen helfen. Er muß mit dem Unrat unserer sittlichen Verpestung der großstädtischen „Kultur“ aufräumen, und zwar
  9500. rücksichtslos und ohne Schwanken vor allem Geschrei und
  9501. Gezeter, das natürlich losgelassen werden wird. Wenn wir
  9502. die Jugend nicht aus dem Morast ihrer heutigen Umgebung
  9503. herausheben, wird sie in demselben untersinken. Wer diese
  9504. Dinge nicht sehen will, unterstützt sie und macht sich dadurch
  9505. zum Mitschuldigen an der langsamen Prostituierung unserer Zukunft, die nun einmal in der werdenden Generation
  9506. liegt. Dieses Reinemachen unserer Kultur hat sich auf fast
  9507. alle Gebiete zu erstrecken. Theater, Kunst, Literatur, Kino,
  9508. Presse, Plakat und Auslagen sind von den Erscheinungen
  9509. einer verfaulenden Welt zu säubern und in den Dienst
  9510. einer sittlichen Staats- und Kulturidee zu stellen. Das
  9511. öffentliche Leben muß von dem erstickenden Parfüm unserer modernen Erotik befreit werden, genau so wie von
  9512. jeder unmännlichen prüden Unaufrichtigkeit. In allen
  9513. diesen Dingen muß das Ziel und der Weg bestimmt werden
  9514. von der Sorge für die Erhaltung der Gesundheit unseres
  9515. Volkes an Leib und Seele. Das Recht der persönlichen
  9516. Freiheit tritt zurück gegenüber der Pflicht der Erhaltung
  9517. der Rasse.
  9518. Erst nach der Durchführung dieser Maßnahmen kann der
  9519. medizinische Kampf gegen die Seuche selber mit einiger
  9520. Aussicht auf Erfolg durchgeführt werden. Allein auch dabei
  9521. kann es sich nicht um halbe Maßregeln handeln, sondern
  9522. auch hier wird man zu den schwersten und einschneidendsten
  9523. Entschlüssen kommen müssen. Es ist eine Halbheit, unheilbar kranken Menschen die dauernde Möglichkeit einer Verseuchung der übrigen gesunden zu gewähren. Es entspricht
  9524. dies einer Humanität, die, um dem einen nicht wehe zu
  9525. tun, hundert andere zugrunde gehen läßt. Die Forderung,
  9526. daß defekten Menschen die Zeugung anderer ebenso defekter
  9527. Nachkommen unmöglich gemacht wird, ist eine Forderung
  9528. klarster Vernunft und bedeutet in ihrer planmäßigen
  9529. Durchführung die humanste Tat der Menschheit. Sie wird
  9530. Millionen von Unglücklichen unverdiente Leiden ersparen,
  9531. 280
  9532. Versagen des alten Deutschlands
  9533. in der Folge aber zu einer steigenden Gesundung überhaupt
  9534. führen. Die Entschlossenheit, in dieser Richtung vorzugehen,
  9535. wird auch der Weiterverbreitung der Geschlechtskrankheiten
  9536. einen Damm entgegensetzen. Denn hier wird man, wenn
  9537. nötig, zur unbarmherzigen Absonderung unheilbar Erkrankter schreiten müssen – eine barbarische Maßnahme für
  9538. den unglücklich davon Betroffenen, aber ein Segen für die
  9539. Mit- und Nachwelt. Der vorübergehende Schmerz eines
  9540. Jahrhunderts kann und wird Jahrtausende vom Leid erlösen.
  9541. Der Kampf gegen die Syphilis und ihre Schrittmacherin,
  9542. die Prostitution, ist eine der ungeheuersten Aufgaben der
  9543. Menschheit, ungeheuer deshalb, weil es sich dabei nicht um
  9544. die Lösung einer einzelnen Frage an sich handelt, sondern
  9545. um die Beseitigung einer ganzen Reihe von Schäden, die
  9546. eben als Folgeerscheinung zu dieser Seuche Veranlassung
  9547. geben. Denn die Erkrankung des Leibes ist hier nur das
  9548. Ergebnis einer Erkrankung der sittlichen, sozialen und
  9549. rassischen Instinkte.
  9550. Wird dieser Kampf aber aus Bequemlichkeit oder auch
  9551. Feigheit nicht ausgefochten, dann möge man sich in fünfhundert Jahren die Völker ansehen. Ebenbilder Gottes
  9552. dürfte man nur mehr sehr wenige finden, ohne des Allerhöchsten freveln zu wollen.
  9553. Wie aber hatte man im alten Deutschland versucht, sich
  9554. mit dieser Seuche auseinanderzusetzen? Bei ruhiger Prüfung ergibt sich darauf eine wirklich betrübliche Antwort.
  9555. Sicher erkannte man in den Kreisen der Regierungen die
  9556. entsetzlichen Schäden dieser Krankheit sehr wohl, wenn man
  9557. sich auch vielleicht die Folgen nicht ganz zu überlegen vermochte; allein im Kampfe dagegen versagte man vollständig und griff statt zu durchgreifenden Reformen lieber zu
  9558. jämmerlichen Maßnahmen. Man dokterte an der Krankheit herum und ließ die Ursachen Ursachen sein. Man unterzog die einzelne Prostituierte einer ärztlichen Untersuchung, beaufsichtigte sie, so gut es eben gehen mochte, und
  9559. steckte sie im Falle einer festgestellten Krankheit in irgendein Lazarett, aus dem sie nach äußerlich erfolgter Heilung
  9560. wieder auf die andere Menschheit losgelassen wurde.
  9561. Der „Schutzparagraph“
  9562. 281
  9563. Man hatte freilich einen „Schutzparagraphen“ eingeführt,
  9564. nach dem der nicht ganz Gesunde oder Geheilte bei Strafe
  9565. den sexuellen Verkehr zu meiden habe. Sicher ist diese Maßnahme an sich richtig, allein in der praktischen Durchführung
  9566. versagte sie so gut wie vollständig. Erstens wird es die
  9567. Frau im Falle eines sie dadurch treffenden Unglückes
  9568. – schon infolge unserer oder besser ihrer Erziehung – in
  9569. den meisten Fällen wohl ablehnen, sich als Zeugin gegen
  9570. den elenden Dieb ihrer Gesundheit – unter doch oft peinlichen Begleitumständen – auch noch in den Gerichtssaal
  9571. hineinzerren zu lassen. Gerade ihr nützt dies sehr wenig,
  9572. sie wird ohnehin in den meisten Fällen die darunter am
  9573. meisten Leidende sein – trifft sie doch die Verachtung ihrer
  9574. lieblosen Umgebung noch viel schwerer, als dies beim
  9575. Manne der Fall wäre. Endlich stelle man sich ihre Lage
  9576. vor, wenn der Überbringer der Krankheit der eigene Gatte
  9577. ist! Soll sie nun klagen? Oder was soll sie dann tun?
  9578. Bei dem Manne aber kommt die Tatsache hinzu, daß er
  9579. leider nur zu häufig gerade nach reichlichem Alkoholgenuß
  9580. dieser Pest in den Weg läuft, da er in diesem Zustande am
  9581. wenigsten in der Lage ist, die Qualitäten seiner „Schönen“
  9582. zu beurteilen, was der ohnehin kranken Prostituierten auch
  9583. nur zu genau bekannt ist und sie deshalb immer veranlaßt,
  9584. gerade nach Männern in diesem idealen Zustande zu
  9585. angeln. Das Ende aber ist, daß der später unangenehm
  9586. Überraschte auch bei eifrigstem Nachdenken sich seiner barmherzigen Beglückerin nicht mehr zu erinnern vermag, was
  9587. einen in einer Stadt wie Berlin oder selbst München nicht
  9588. wundernehmen darf. Dazu kommt noch, daß es sich oft um
  9589. Besucher aus der Provinz handelt, die dem ganzen Großstadtzauber ohnehin vollkommen ratlos gegenüberstehen.
  9590. Endlich aber: Wer kann denn wissen, ob er nun krank
  9591. oder gesund ist? Kommen nicht zahlreiche Fälle vor, in
  9592. denen ein scheinbar Geheilter wieder rückfällig wird und
  9593. nun entsetzliches Unheil anrichtet, ohne es zunächst auch
  9594. nur selber zu ahnen?
  9595. So ist also die praktische Wirkung dieses Schutzes durch
  9596. die gesetzliche Bestrafung einer schuldigen Ansteckung in
  9597. 282
  9598. Die Verprostituierung der Volksseele
  9599. Wirklichkeit gleich Null. Ganz das gleiche gilt von der
  9600. Beaufsichtigung der Prostituierten, und endlich ist auch die
  9601. Heilung selber sogar heute noch unsicher und zweifelhaft.
  9602. Sicher ist nur eines: die Seuche griff trotz aller Maßnahmen immer weiter um sich. Dadurch aber wird auf das
  9603. schlagendste die Wirkungslosigkeit derselben bestärkt.
  9604. Denn alles, was sonst noch geschah, war ebenso ungenügend wie lächerlich. Die seelische Prostituierung des Volkes
  9605. wurde nicht verhindert; man tat auch überhaupt nichts
  9606. zur Verhinderung.
  9607. Wer aber geneigt ist, dies alles auf die leichte Schulter
  9608. zu nehmen, der studiere nur einmal die statistischen Grundlagen über die Verbreitung dieser Pest, vergleiche ihr
  9609. Wachstum seit den letzten hundert Jahren, denke sich dann
  9610. in diese Weiterentwicklung hinein – und er müßte schon
  9611. die Einfalt eines Esels besitzen, wenn ihm nicht ein unangenehmes Frösteln über den Rücken liefe!
  9612. Die Schwäche und Halbheit, mit der man schon im alten
  9613. Deutschland zu einer so furchtbaren Erscheinung Stellung
  9614. nahm, darf als sichtbares Verfallszeichen eines Volkes
  9615. gewertet werden. W e n n d i e K r a f t z u m K a m p f e
  9616. um die eigene Gesundheit nicht mehr vorhanden ist, endet das Recht zum Leben in
  9617. d i e s e r W e l t d e s K a m p f e s . Sie gehört nur dem
  9618. kraftvollen „Ganzen“ und nicht dem schwachen „Halben“.
  9619. Eine der ersichtlichsten Verfallserscheinungen des alten
  9620. Reiches war das langsame Herabsinken der allgemeinen
  9621. Kulturhöhe, wobei ich unter Kultur nicht das meine, was
  9622. man heute mit dem Worte Zivilisation bezeichnet. Diese
  9623. scheint im Gegenteil eher eine Feindin wahrer Geistes- und
  9624. Lebenshöhe zu sein.
  9625. Schon vor der Jahrhundertwende begann sich in unsere
  9626. Kunst ein Element einzuschieben, das bis dorthin als vollkommen fremd und unbekannt gelten durfte. Wohl fanden
  9627. auch in früheren Zeiten manchmal Verirrungen des Geschmackes statt, allein es handelte sich in solchen Fällen doch
  9628. mehr um künstlerische Entgleisungen, denen die Nachwelt
  9629. wenigstens einen gewissen historischen Wert zuzubilligen
  9630. Der Bolschewismus der Kunst
  9631. 283
  9632. vermochte, als um Erzeugnisse einer überhaupt nicht mehr
  9633. künstlerischen, sondern vielmehr geistigen Entartung bis zur
  9634. Geistlosigkeit. In ihnen begann sich der später freilich besser
  9635. sichtbar werdende politische Zusammenbruch schon kulturell
  9636. anzuzeigen.
  9637. Der Bolschewismus der Kunst ist die einzig mögliche
  9638. kulturelle Lebensform und geistige Äußerung des Bolschewismus überhaupt.
  9639. Wem dieses befremdlich vorkommt, der braucht nur die
  9640. Kunst der glücklich bolschewisierten Staaten einer Betrachtung zu unterziehen, und er wird mit Schrecken die krankhaften Auswüchse irrsinniger und verkommener Menschen,
  9641. die wir unter den Sammelbegriffen des Kubismus und
  9642. Dadaismus seit der Jahrhundertwende kennenlernten, dort
  9643. als die offiziell staatlich anerkannte Kunst bewundern
  9644. können. Selbst in der kurzen Periode der bayerischen Räterepublik war diese Erscheinung schon zutage getreten. Schon
  9645. hier konnte man sehen, wie die gesamten offiziellen Plakate,
  9646. Propagandazeichnungen in den Zeitungen usw. den Stempel
  9647. nicht nur des politischen Verfalls, sondern auch den des
  9648. kulturellen an sich trugen.
  9649. So wenig etwa noch vor sechzig Jahren ein politischer
  9650. Zusammenbruch von der jetzt erreichten Größe denkbar
  9651. gewesen wäre, so wenig auch ein kultureller, wie er sich in
  9652. futuristischen und kubistischen Darstellungen seit 1900 zu
  9653. zeigen begann. Vor sechzig Jahren wäre eine Ausstellung
  9654. von sogenannten dadaistischen „Erlebnissen“ als einfach
  9655. unmöglich erschienen, und die Veranstalter würden in das
  9656. Narrenhaus gekommen sein, während sie heute sogar in
  9657. Kunstverbänden präsidieren. Diese Seuche konnte damals
  9658. nicht auftauchen, weil weder die öffentliche Meinung dies
  9659. geduldet, noch der Staat ruhig zugesehen hätte. Denn es ist
  9660. Sache der Staatsleitung, zu verhindern, daß ein Volk dem
  9661. geistigen Wahnsinn in die Arme getrieben wird. Bei diesem aber müßte eine derartige Entwicklung doch eines
  9662. Tages enden. An dem Tage nämlich, an dem diese Art von
  9663. Kunst wirklich der allgemeinen Auffassung entspräche, wäre
  9664. eine der schwerwiegendsten Wandlungen der Menschheit
  9665. 284
  9666. Der Verfall des Theaters
  9667. eingetreten; die Rückentwicklung des menschlichen Gehirns
  9668. hätte damit begonnen, das Ende aber vermöchte man sich
  9669. kaum auszudenken.
  9670. Sobald man erst von diesem Gesichtspunkte aus die Entwicklung unseres Kulturlebens seit den letzten fünfundzwanzig Jahren vor dem Auge vorbeiziehen läßt, wird man mit
  9671. Schrecken sehen, wie sehr wir bereits in dieser Rückbildung
  9672. begriffen sind. Überall stoßen wir auf Keime, die den Beginn von Wucherungen verursachen, an denen unsere Kultur
  9673. früher oder später zugrunde gehen muß. Auch in ihnen
  9674. können wir die Verfallserscheinungen einer langsam abfaulenden Welt erkennen. Wehe den Völkern, die dieser
  9675. Krankheit nicht mehr Herr zu werden vermögen!
  9676. Solche Erkrankungen konnte man in Deutschland fast auf
  9677. allen Gebieten der Kunst und Kultur überhaupt feststellen. Alles schien hier den Höhepunkt schon überschritten
  9678. zu haben und dem Abgrunde zuzueilen. Das Theater sank
  9679. zusehends tiefer und wäre wohl schon damals restlos als
  9680. Kulturfaktor ausgeschieden, hätten nicht wenigstens die
  9681. Hoftheater sich noch gegen die Prostituierung der Kunst gewendet. Sieht man von ihnen und einigen weiteren rühmenswerten Ausnahmen ab, so waren die Darbietungen
  9682. der Schaubühne derart, daß es für die Nation zweckmäßiger
  9683. gewesen wäre, ihren Besuch ganz zu meiden. Es war ein
  9684. trauriges Zeichen des inneren Verfalls, daß man die
  9685. Jugend in die meisten dieser sogenannten „Kunststätten“
  9686. gar nicht mehr schicken durfte, was auch ganz schamlos
  9687. offen zugegeben wurde mit der allgemeinen PanoptikumWarnung: „Jugendliche haben keinen Zutritt!“
  9688. Man bedenke, daß man solche Vorsichtsmaßnahmen an
  9689. den Stätten üben mußte, die in erster Linie für die Bildung der Jugend da sein müßten und nicht zur Ergötzung
  9690. alter, blasierter Lebensschichten dienen dürften. Was
  9691. würden wohl die großen Dramatiker aller Zeiten zu einer
  9692. derartigen Maßregel gesagt haben, und was vor allem zu
  9693. den Umständen, die dazu die Veranlassung gaben? Wie
  9694. wäre Schiller aufgeflammt, wie würde sich Goethe empört
  9695. abgewendet haben!
  9696. Die Schmähung großer Vergangenheit
  9697. 285
  9698. Aber freilich, was sind denn Schiller, Goethe oder Shakespeare gegenüber den Heroen der neueren deutschen Dichtkunst! Alte, abgetragene und überlebte, nein, überwundene
  9699. Erscheinungen. Denn das war das Charakteristische dieser
  9700. Zeit: nicht daß sie selber nur mehr Schmutz produzierte, besudelte sie obendrein alles wirklich Große der Vergangenheit. Das ist allerdings eine Erscheinung, die man immer
  9701. zu solchen Zeiten beobachten kann. Je niederträchtiger und
  9702. elender die Erzeugnisse einer Zeit und ihrer Menschen sind,
  9703. um so mehr haßt man die Zeugen einer einstigen größeren
  9704. Höhe und Würde. Am liebsten möchte man in solchen Zeiten
  9705. die Erinnerung an die Vergangenheit der Menschheit überhaupt tilgen, um durch die Ausschaltung jeder Vergleichsmöglichkeit den eigenen Kitsch immerhin noch als „Kunst“
  9706. vorzutäuschen. Daher wird jede neue Institution, je elender und miserabler sie ist, um so mehr die letzten Spuren
  9707. der vergangenen Zeit zu löschen trachten, während jede
  9708. wirklich wertvolle Erneuerung der Menschheit auch unbekümmert an die guten Errungenschaften vergangener Generationen anknüpfen kann, ja diese oft erst zur Geltung
  9709. zu bringen versucht. Sie braucht nicht zu befürchten, etwa
  9710. vor der Vergangenheit zu verblassen, sondern sie gibt von
  9711. sich aus dem allgemeinen Schatz der menschlichen Kultur
  9712. einen so wertvollen Beitrag, daß sie oft gerade zu dessen
  9713. voller Würdigung die Erinnerung an die früheren Leistungen selber wachhalten möchte, um so der neuen Gabe erst
  9714. recht das volle Verständnis der Gegenwart zu sichern. Nur
  9715. wer der Welt von sich aus gar nichts Wertvolles zu
  9716. schenken vermag, aber zu tun versucht, als ob er ihr weiß
  9717. Gott was geben wollte, wird alles wirklich schon Gegebene
  9718. hassen und am liebsten verneinen oder gar vernichten.
  9719. Dies gilt keineswegs bloß für Neuerscheinungen auf dem
  9720. Gebiete der allgemeinen Kultur, sondern auch für solche der
  9721. Politik. Revolutionäre neue Bewegungen werden die alten
  9722. Formen um so mehr hassen, je minderwertiger sie selber
  9723. sind. Auch hier kann man sehen, wie die Sorge, den eigenen
  9724. Kitsch als etwas Beachtenswertes erscheinen zu lassen, zum
  9725. blinden Haß gegen das überlegene Gute der Vergangen-
  9726. 286
  9727. Die Schmähung großer Vergangenheit
  9728. heit führt. Solange zum Beispiel die geschichtliche Erinnerung an Friedrich den Großen nicht erstorben ist, vermag
  9729. Friedrich Ebert nur bedingtes Erstaunen hervorzurufen.
  9730. Der Held von Sanssouci verhält sich zum ehemaligen Bremenser Kneipenwirt ungefähr wie die Sonne zum Mond;
  9731. erst wenn die Strahlen der Sonne verlöschen, vermag der
  9732. Mond zu glänzen. Es ist deshalb auch der Haß aller Neumonde der Menschheit gegen die Fixsterne nur zu begreiflich. Im politischen Leben pflegen solche Nullen, wenn ihnen
  9733. das Schicksal die Herrschaft vorübergehend in den Schoß
  9734. wirft, nicht nur mit unermüdlichem Eifer die Vergangenheit zu besudeln und zu beschmutzen, sondern sich selbst auch
  9735. mit äußeren Mitteln der allgemeinen Kritik zu entziehen.
  9736. Als Beispiel hierfür kann die Republik-Schutzgesetzgebung
  9737. des neuen Deutschen Reiches gelten.
  9738. Wenn daher irgendeine neue Idee, eine Lehre, eine neue
  9739. Weltanschauung oder auch politische sowie wirtschaftliche
  9740. Bewegung die gesamte Vergangenheit zu leugnen versucht,
  9741. sie schlecht und wertlos machen will, so muß man schon aus
  9742. diesem Anlaß äußerst vorsichtig und mißtrauisch sein. Meistens ist der Grund zu solchem Haß entweder nur die eigene
  9743. Minderwertigkeit oder gar eine schlechte Absicht an sich.
  9744. Eine wirklich segensreiche Erneuerung der Menschheit wird
  9745. immer und ewig dort weiter zu bauen haben, wo das
  9746. letzte gute Fundament aufhört. Sie wird sich der Verwendung bereits bestehender Wahrheiten nicht zu schämen brauchen. Ist doch die gesamte menschliche Kultur sowie auch der
  9747. Mensch selber nur das Ergebnis einer einzigen langen
  9748. Entwicklung, in der jede Generation ihren Baustein zutrug
  9749. und einfügte. Der Sinn und Zweck von Revolutionen ist
  9750. dann nicht der, das ganze Gebäude einzureißen, sondern
  9751. schlecht Gefügtes oder Unpassendes zu entfernen und an
  9752. der dann wieder freigelegten gesunden Stelle weiter- und
  9753. anzubauen.
  9754. So allein wird man von einem Fortschritt der Menschheit
  9755. sprechen können und dürfen. Im anderen Falle würde die
  9756. Welt vom Chaos nie erlöst, da ja das Recht zur Ablehnung der Vergangenheit jeder Generation zukäme und mit-
  9757. Die geistige Vorbereitung des Bolschewismus
  9758. 287
  9759. hin jede als Voraussetzung der eigenen Arbeit die Werke
  9760. der Vergangenheit zerstören dürfte.
  9761. So war das Traurigste am Zustand unserer Gesamtkultur der Vorkriegszeit nicht nur die vollkommene Impotenz der künstlerischen und allgemeine kulturellen Schöpferkraft, sondern der Haß, mit dem die Erinnerung der
  9762. größeren Vergangenheit besudelt und ausgelöscht wurde.
  9763. Fast auf allen Gebieten der Kunst, besonders in Theater
  9764. und Literatur, begann man um die Jahrhundertwende
  9765. weniger bedeutendes Neues zu produzieren, als vielmehr
  9766. das beste Alte herunterzusetzen und als minderwertig und
  9767. überwunden hinzustellen; als ob diese Zeit der beschämendsten Minderwertigkeit überhaupt etwas zu überwinden vermöchte. Aus diesem Streben aber, die Vergangenheit dem
  9768. Auge der Gegenwart zu entziehen, ging die böse Absicht
  9769. dieser Apostel der Zukunft klar und deutlich hervor. Daran
  9770. hätte man erkennen sollen, daß es sich hier nicht um neue,
  9771. wenn auch falsche kulturelle Auffassungen handelte, sondern
  9772. um einen Prozeß der Zerstörung der Grundlagen der Kultur überhaupt, um eine dadurch möglich werdende Vernarrung des gesunden Kunstempfindens – und um die
  9773. geistige Vorbereitung des politischen Bolschewismus. Denn
  9774. wenn das Perikleische Zeitalter durch den Parthenon verkörpert erscheint, dann die bolschewistische Gegenwart
  9775. durch eine kubistische Fratze.
  9776. In diesem Zusammenhange muß auch auf die hierbei
  9777. wieder sichtbare Feigheit bei dem Teil unseres Volkes hingewiesen werden, der auf Grund seiner Bildung und seiner
  9778. Stellung verpflichtet gewesen wäre, gegen diese Kulturschande Front zu machen. Aus lauter Furcht vor dem Geschrei der bolschewistischen Kunstapostel, die jeden, der nicht
  9779. in ihnen die Krone der Schöpfung erkennen wollte, auf
  9780. das heftigste angriffen und als rückständigen Spießer festnagelten, verzichtete man auf allen ernstlichen Widerstand und fügte sich in das, wie es eben schien, ja doch Unvermeidliche. Man bekam förmlich Angst, von diesen Halbnarren oder Gaunern der Verständnislosigkeit geziehen zu
  9781. werden; als ob es eine Schande wäre, die Produkte gei-
  9782. 288
  9783. „Inneres Erleben“
  9784. stiger Degeneraten oder gerissener Betrüger nicht zu verstehen. Diese Kulturjünger besaßen freilich ein sehr einfaches Mittel, ihren Unsinn zu einer weiß Gott wie gewaltigen Sache zu stempeln; sie stellten jedes unverständliche
  9785. und ersichtlich verrückte Zeug als sogenanntes inneres Erleben der staunenden Mitwelt vor, auf so billige Weise den
  9786. meisten Menschen das Wort der Entgegnung von vornherein aus dem Munde nehmend. Denn daran, daß auch
  9787. dies ein inneres Erleben sein könnte, war ja gar nicht
  9788. zu zweifeln, wohl aber daran, ob es angängig ist, der
  9789. gesunden Welt die Halluzinationen von Geisteskranken
  9790. oder Verbrechern vorzusetzen. Die Werke eines Moritz von
  9791. Schwind oder eines Böcklin waren auch inneres Erleben,
  9792. nur eben von Künstlern gottbegnadeter Art und nicht von
  9793. Hanswursten.
  9794. Da aber konnte man so recht die jammervolle Feigheit
  9795. unserer sogenannten Intelligenz studieren, die sich um jeden
  9796. ernstlichen Widerstand gegen diese Vergiftung des gesunden Instinktes unseres Volkes herumdrückte, und es dem
  9797. Volke selber überließ, sich mit diesem frechen Unsinn abzufinden. Um nicht als kunstunverständig zu gelten, nahm
  9798. man jede Kunstverhöhnung in Kauf, um endlich in der Beurteilung von gut und schlecht wirklich unsicher zu werden.
  9799. Alles in allem genommen aber waren dies Zeichen einer
  9800. böse werdenden Zeit.
  9801. Als bedenkliches Merkmal muß noch folgendes festgestellt
  9802. werden:
  9803. Im neunzehnten Jahrhundert begannen unsere Städte
  9804. immer mehr den Charakter von Kulturstätten zu verlieren
  9805. und zu reinen Menschenansiedlungen herabzusinken. Die
  9806. geringe Verbundenheit, die unser heutiges Großstadtproletariat mit seinem Wohnort besitzt, ist die Folge davon, daß
  9807. es sich hier wirklich nur um den zufälligen örtlichen Aufenthaltsraum des einzelnen handelt und um weiter nichts.
  9808. Zum Teil hängt dies mit dem durch die sozialen Verhältnisse bedingten häufigen Wechsel des Wohnortes zusam-
  9809. Moderne Menschenanhäufungen
  9810. 289
  9811. men, die dem Menschen nicht die Zeit zu einer engeren
  9812. Verbindung mit seiner Stadt gibt, zum anderen aber ist
  9813. die Ursache hierfür auch in der allgemeinen kulturellen Bedeutungslosigkeit und Ärmlichkeit unserer heutigen Städte
  9814. an sich zu suchen.
  9815. Noch zur Zeit der Befreiungskriege waren die deutschen
  9816. Städte nicht nur der Zahl nach gering, sondern auch der
  9817. Größe nach bescheiden. Die wenigen wirklichen Großstädte
  9818. waren zum größten Teil Residenzen und besaßen als solche
  9819. fast immer einen bestimmten kulturellen Wert und meist
  9820. auch ein bestimmtes künstlerisches Bild. Die paar Orte von
  9821. mehr als fünfzigtausend Einwohnern waren gegen Städte
  9822. mit gleicher Bevölkerung von heute reich an wissenschaftlichen und künstlerischen Schätzen. Als München sechzigtausend Seelen zählte, schickte es sich schon an, eine der
  9823. ersten deutschen Kunsststätten zu werden; heute hat fast jeder
  9824. Fabrikort diese Zahl erreicht, wenn nicht schon vielfach überschritten, ohne manchmal aber auch nur das geringste an
  9825. wirklichen Werten sein eigen nennen zu können. Reine Ansammlungen von Wohn- und Mietskasernen, weiter nichts.
  9826. Wie bei derartiger Bedeutungslosigkeit eine besondere Verbundenheit mit einem solchen Ort entstehen soll, muß ein
  9827. Rätsel sein. Niemand wird an einer Stadt besonders hängen, die nichts weiter zu bieten hat als eben jede andere
  9828. auch, der jede individuelle Note fehlt, und in der peinlich
  9829. alles vermieden wurde, was nach Kunst oder ähnlichem
  9830. auch nur aussehen könnte.
  9831. Aber nicht genug an dem, auch die wirklichen Großstädte
  9832. werden mit der steigenden Zunahme der Volkszahl im
  9833. Verhältnis immer ärmer an wirklichen Kunstwerken. Sie
  9834. erscheinen immer abgeschliffener und ergeben ganz das
  9835. gleiche Bild, wenn auch in größerem Umfange, wie die
  9836. kleinen armseligen Fabrikorte. Was die neuere Zeit zu
  9837. dem kulturellen Inhalt unserer Großstädte hinzugefügt hat,
  9838. ist vollkommen unzulänglich. Alle unsere Städte zehren
  9839. vom Ruhme und den Schätzen der Vergangenheit. Man
  9840. nehme aus dem jetzigen München doch einmal alles weg,
  9841. was unter Ludwig I. geschaffen wurde, und man wird mit
  9842. 11 Hitler, Mein Kampf
  9843. 290
  9844. Monumentale Staatsbauten von einst
  9845. Entsetzen sehen, wie armselig der Zuwachs seit dieser Zeit
  9846. an bedeutenden künstlerischen Schöpfungen ist. Das gleiche
  9847. gilt auch für Berlin und die meisten anderen Großstädte.
  9848. Das Wesentliche aber ist doch noch folgendes: Unsere
  9849. heutigen Großstädte besitzen keine das ganze Stadtbild
  9850. beherrschenden Denkmäler, die irgendwie als Wahrzeichen
  9851. der ganzen Zeit angesprochen werden könnten. Dies aber
  9852. war in den Städten des Altertums der Fall, da fast jede
  9853. ein besonderes Monument ihres Stolzes besaß. Nicht in den
  9854. Privatbauten lag das Charakteristische der antiken Stadt,
  9855. sondern in den Denkmälern der Allgemeinheit, die nicht
  9856. für den Augenblick, sondern für die Ewigkeit bestimmt
  9857. schienen, weil sich in ihnen nicht der Reichtum eines einzelnen Besitzers, sondern die Größe und Bedeutung der
  9858. Allgemeinheit widerspiegeln sollte. So entstanden Denkmäler, die sehr wohl geeignet waren, den einzelnen Bewohner in einer Weise mit seiner Stadt zu verbinden, die
  9859. uns heute manchmal fast unverständlich vorkommt. Denn
  9860. was dieser vor Augen hatte, waren weniger die ärmlichen
  9861. Häuser privater Besitzer als die Prachtbauten der ganzen
  9862. Gemeinschaft. Ihnen gegenüber sank das Wohnhaus wirklich zu einer unbedeutenden Nebensächlichkeit zusammen.
  9863. Wenn man die Größenverhältnisse der antiken Staatsbauten mit den gleichzeitigen Wohnhäusern vergleicht, so
  9864. wird man erst die überragende Wucht und Gewalt dieser
  9865. Betonung des Grundsatzes, den Werken der Öffentlichkeit
  9866. in die erste Stellung zuzuweisen, verstehen. Was wir heute in
  9867. den Trümmerhaufen und Ruinenfeldern der antiken Welt
  9868. als wenige noch aufragende Kolosse bewundern, sind nicht
  9869. einstige Geschäftspaläste, sondern Tempel und Staatsbauten; also Werke, deren Besitzer die Allgemeinheit war.
  9870. Selbst im Prunke des Roms der Spätzeit nahmen den
  9871. ersten Platz nicht die Villen und Paläste einzelner Bürger,
  9872. sondern die Tempel und Thermen, die Stadien, Zirkusse,
  9873. Aquädukte, Basiliken usw. des Staates, also des ganzen
  9874. Volkes ein.
  9875. Sogar das germanische Mittelalter hielt den gleichen
  9876. leitenden Grundsatz, wenn auch unter gänzlich anderen
  9877. Warenhaus und Hotel – moderner Kulturausdruck
  9878. 291
  9879. Kunstauffassungen, aufrecht. Was im Altertum in der Akropolis oder dem Pantheon seinen Ausdruck fand, hüllte sich
  9880. nun in die Formen des gotischen Domes. Wie Riesen ragten
  9881. diese Monumentalbauten über das kleine Gewimmel von
  9882. Fachwerk-, Holz- oder Ziegelbauten der mittelalterlichen
  9883. Stadt empor und wurden zu Wahrzeichen, die selbst heute
  9884. noch, da neben ihnen die Mietskasernen immer höher
  9885. emporklettern, den Charakter und das Bild dieser Orte
  9886. bestimmen. Münster, Rathäuser und Schrannenhallen sowie
  9887. Wehrtürme sind das sichtbare Zeichen einer Auffassung,
  9888. die im letzten Grunde wieder nur der der Antike entsprach.
  9889. Wie wahrhaft jammervoll aber ist das Verhältnis zwischen Staats- und Privatbau heute geworden! Würde das
  9890. Schicksal Roms Berlin treffen, so könnten die Nachkommen
  9891. als gewaltigste Werke unserer Zeit dereinst die Warenhäuser einiger Juden und die Hotels einiger Gesellschaften
  9892. als charakteristischen Ausdruck der Kultur unserer Tage
  9893. bewundern. Man vergleiche doch das böse Mißverhältnis,
  9894. das in einer Stadt wie selbst Berlin zwischen den Bauten des
  9895. Reiches und denen der Finanz und des Handels herrscht.
  9896. Schon der für die Staatsbauten aufgewendete Betrag ist
  9897. meistens wahrhaft lächerlich und ungenügend. Es werden
  9898. nicht Werke für die Ewigkeit geschaffen, sondern meistens
  9899. nur für den augenblicklichen Bedarf. Irgendein höherer
  9900. Gedanke herrscht dabei überhaupt nicht vor. Das Berliner
  9901. Schloß war zur Zeit seiner Erbauung ein Werk von anderer
  9902. Bedeutung als es etwa die neue Bibliothek im Rahmen
  9903. der Gegenwart ist. Während ein einziges Schlachtschiff
  9904. einen Wert von rund sechzig Millionen darstellte, wurde
  9905. für den ersten Prachtbau des Reiches, der für die Ewigkeit bestimmt sein sollte, das Reichstagsgebäude, kaum die
  9906. Hälfte bewilligt. Ja, als die Frage der inneren Ausstattung
  9907. zur Entscheidung kam, stimmte das Hohe Haus gegen die
  9908. Verwendung von Stein und befahl, die Wände mit Gips
  9909. zu verkleiden; dieses Mal allerdings hatten die Parlamentarier ausnahmsweise wirklich recht gehandelt; Gipsköpfe gehören auch nicht zwischen Steinmauern.
  9910. 292
  9911. Religiöse Verhältnisse
  9912. So fehlt unseren Städten der Gegenwart das überragende Wahrzeichen der Volksgemeinschaft, und man darf
  9913. sich deshalb auch nicht wundern, wenn diese in ihren Städten kein Wahrzeichen ihrer selbst sieht. Es muß zu einer
  9914. Verödung kommen, die sich in der gänzlichen Teilnahmslosigkeit des heutigen Großstädters am Schicksal seiner Stadt
  9915. praktisch auswirkt.
  9916. Auch dieses ist ein Zeichen unserer sinkenden Kultur und
  9917. unseres allgemeinen Zusammenbruches. Die Zeit erstickt in
  9918. kleinster Zweckmäßigkeit, besser gesagt, im Dienste des
  9919. Geldes. Da aber darf man sich auch nicht wundern, wenn
  9920. unter einer solchen Gottheit wenig Sinn für Heroismus
  9921. übrigbleibt. Die heutige Gegenwart erntet nur, was die
  9922. letzte Vergangenheit gesät hat.
  9923. Alle diese Verfallserscheinungen sind im letzten Grunde
  9924. nur Folgen des Mangels einer bestimmten, gleichmäßig
  9925. anerkannten Weltanschauung sowie der daraus sich ergebenden allgemeinen Unsicherheit in der Beurteilung und
  9926. der Stellungnahme zu den einzelnen großen Fragen der
  9927. Zeit. Daher ist auch, angefangen bei der Erziehung, alles
  9928. halb und schwankend, scheut die Verantwortung und endet
  9929. so in feiger Duldung selbst erkannter Schäden. Der Humanitätsdusel wird Mode, und indem man den Auswüchsen
  9930. schwächlich nachgibt und einzelne schont, opfert man die
  9931. Zukunft von Millionen.
  9932. Wie sehr die allgemeine Zerrissenheit um sich greift, zeigt
  9933. eine Betrachtung der religiösen Zustände vor dem Kriege.
  9934. Auch hier war eine einheitliche und wirksame weltanschauungsmäßige Überzeugung in großen Teilen der Nation
  9935. längst verlorengegangen. Dabei spielen die sich offiziell von
  9936. den Kirchen lösenden Anhänger eine kleinere Rolle als die
  9937. überhaupt Gleichgültigen. Während die beiden Konfessionen in Asien und Afrika Missionen aufrechterhalten,
  9938. um neue Anhänger ihrer Lehre zuzuführen – eine Tätigkeit, die gegenüber dem Vordringen besonders des mohammedanischen Glaubens nur sehr bescheidene Erfolge aufzu-
  9939. Religiöse Verhältnisse
  9940. 293
  9941. weisen hat –, verlieren sie in Europa selber Millionen und
  9942. abermals Millionen von innerlichen Anhängern, die dem
  9943. religiösen Leben entweder überhaupt fremd gegenüberstehen oder doch ihre eigenen Wege wandeln. Die Folgen
  9944. sind besonders in sittlicher Hinsicht keine günstigen.
  9945. Bemerkenswert ist auch der immer heftiger einsetzende
  9946. Kampf gegen die dogmatischen Grundlagen der einzelnen
  9947. Kirchen, ohne die aber auf dieser Welt von Menschen der
  9948. praktische Bestand eines religiösen Glaubens nicht denkbar
  9949. ist. Die breite Masse eines Volkes besteht nicht aus Philosophen; gerade aber für die Masse ist der Glaube häufig die
  9950. einzige Grundlage einer sittlichen Weltanschauung überhaupt. Die verschiedenen Ersatzmittel haben sich im Erfolg
  9951. nicht so zweckmäßig erwiesen, als daß man in ihnen eine
  9952. nützliche Ablösung der bisherigen religiösen Bekenntnisse
  9953. zu erblicken vermöchte. Sollen aber die religiöse Lehre und
  9954. der Glaube die breiten Schichten wirklich erfassen, dann ist
  9955. die unbedingte Autorität des Inhalts dieses Glaubens das
  9956. Fundament jeder Wirksamkeit. Was dann für das allgemeine Leben der jeweilige Lebensstil ist, ohne den sicherlich
  9957. auch Hunderttausende von hochstehenden Menschen vernünftig und klug leben würden, Millionen andere aber
  9958. eben nicht, das sind für den Staat die Staatsgrundgesetze
  9959. und für die jeweilige Religion die Dogmen. Durch sie erst
  9960. wird die schwankende und unendlich auslegbare, rein geistige Idee bestimmt abgesteckt und in eine Form gebracht,
  9961. ohne die sie niemals Glauben werden könnte. Im anderen
  9962. Falle würde die Idee über eine metaphysische Anschauung,
  9963. ja, kurz gesagt, philosophische Meinung nie hinauswachsen.
  9964. Der Angriff gegen die Dogmen an sich gleicht deshalb auch
  9965. sehr stark dem Kampfe gegen die allgemeinen gesetzlichen
  9966. Grundlagen des Staates, und so wie dieser sein Ende in
  9967. einer vollständigen staatlichen Anarchie finden würde, so
  9968. der andere in einem wertlosen religiösen Nihilismus.
  9969. Für den Politiker aber darf die Abschätzung des Wertes
  9970. einer Religion weniger durch die ihr etwa anhaftenden
  9971. Mängel bestimmt werden als vielmehr durch die Güte
  9972. eines ersichtlich besseren Ersatzes. Solange aber ein solcher
  9973. 294
  9974. Politischer Mißbrauch der Religion
  9975. anscheinend fehlt, kann das Vorhandene nur von Narren
  9976. oder Verbrechern demoliert werden.
  9977. Freilich haben nicht die kleinste Schuld an den nicht sehr
  9978. erfreulichen religiösen Zuständen diejenigen, die die religiöse Vorstellung zu sehr mit rein irdischen Dingen belasten und so häufig in einen gänzlich unnötigen Konflikt
  9979. mit der sogenannten exakten Wissenschaft bringen. Hier
  9980. wird der Sieg, wenn auch nach schwerem Kampfe, der letzteren fast immer zufallen, die Religion aber in den Augen
  9981. all derjenigen, die sich über ein rein äußerliches Wissen
  9982. nicht zu erheben vermögen, schweren Schaden leiden.
  9983. Am ärgsten sind jedoch die Verwüstungen, die durch den
  9984. Mißbrauch der religiösen Überzeugung zu politischen Zwekken hervorgerufen werden. Man kann wirklich gar nicht
  9985. scharf genug gegen jene elenden Schieber auftreten, die in
  9986. der Religion ein Mittel sehen wollen, das ihnen politische,
  9987. besser geschäftliche Dienste zu leisten habe. Diese frechen
  9988. Lügenmäuler schreien freilich mit Stentorstimme, damit es
  9989. ja die anderen Sünder hören können, ihr Glaubensbekenntnis in alle Welt hinaus, allein nicht, um dafür, wenn
  9990. nötig, auch zu sterben, sondern um besser leben zu können.
  9991. Für eine einzige politische Schiebung von entsprechendem
  9992. Werte ist ihnen der Sinn eines ganzen Glaubens feil; für
  9993. zehn Parlamentsmandate verbinden sie sich mit den marxistischen Todfeinden jeder Religion – und für einen Ministerstuhl gingen sie wohl auch die Ehe mit dem Teufel
  9994. ein, sofern diesen nicht noch ein Rest von Anstand verscheuchen würde.
  9995. Wenn in Deutschland vor dem Kriege das religiöse Leben für viele einen unangenehmen Beigeschmack erhielt, so
  9996. war dies dem Mißbrauch zuzuschreiben, der von seiten einer
  9997. sogenannten „christlichen“ Partei mit dem Christentum getrieben wurde, sowie der Unverschämtheit, mit der man den
  9998. katholischen Glauben mit einer politischen Partei zu identifizieren versuchte.
  9999. Diese Unterschiebung war ein Verhängnis, das einer
  10000. Reihe von Nichtsnutzen wohl Parlamentsmandate, der
  10001. Kirche aber Schaden einbrachte.
  10002. Ziellosigkeit der deutschen Politik
  10003. 295
  10004. Das Ergebnis jedoch hatte die gesamte Nation zu tragen,
  10005. indem die Folgen der dadurch bedingten Lockerung des
  10006. religiösen Lebens gerade in eine Zeit fielen, in der ohnehin alles zu weichen und zu wanken begann und die überlieferten Grundlagen von Sitte und Moral zusammenzubrechen drohten.
  10007. Auch dieses waren Risse und Sprünge in unserem Volkskörper, die so lange gefahrlos sein konnten, als keine
  10008. besondere Belastung entstand, die aber zum Unheil werden
  10009. mußten, wenn durch die Wucht großer Ereignisse die Frage
  10010. der inneren Festigkeit der Nation eine ausschlaggebende
  10011. Bedeutung erhielt.
  10012. Ebenso waren auf dem Gebiete der Politik für aufmerksame Augen Schäden vorhanden, die, wenn nicht in absehbarer Zeit eine Besserung oder Änderung vorgenommen
  10013. wurde, als Zeichen eines kommenden Verfalls des Reiches
  10014. gelten durften und mußten. Die Ziellosigkeit der deutschen
  10015. Innen- und Außenpolitik war für jeden sichtbar, der nicht
  10016. absichtlich blind sein wollte. Die Kompromißwirtschaft
  10017. schien am meisten der Bismarckschen Auffassung zu entsprechen, daß „die Politik eine Kunst des Möglichen“ wäre.
  10018. Nun war aber zwischen Bismarck und den späteren deutschen Kanzlern ein kleiner Unterschied vorhanden, der dem
  10019. ersteren gestattete, eine solche Äußerung über das Wesen
  10020. der Politik fallen zu lassen, während die gleiche Auffassung
  10021. aus dem Munde seiner Nachfolger eine ganz andere Bedeutung erlangen mußte. Denn Bismarck wollte mit diesem Satze
  10022. nur besagen, daß zur Erreichung eines bestimmten politischen Zieles alle Möglichkeiten zu verwenden bzw. nach
  10023. allen Möglichkeiten zu verfahren wäre; seine Nachfolger aber sahen in dieser Äußerung die feierliche Entbindung von der Notwendigkeit, überhaupt politische Gedanken oder gar Ziele zu haben. Und politische Ziele
  10024. waren für die Leitung des Reiches zu dieser Zeit wirklich
  10025. nicht mehr vorhanden; fehlte hierzu doch die nötige Unterlage einer bestimmten Weltanschauung sowie die notwen-
  10026. 296
  10027. Versagen des Vorkriegsparlamentarismus
  10028. dige Klarheit über die inneren Entwicklungsgesetze des
  10029. politischen Lebens überhaupt.
  10030. Es gab nicht wenige, die in dieser Richtung trübe sahen
  10031. und die Plan- und Gedankenlosigkeit der Reichspolitik geißelten, ihre innere Schwäche und Hohlheit also sehr wohl
  10032. erkannten, allein es waren dies nur die Außenseiter im
  10033. politischen Leben; die offiziellen Stellen der Regierung
  10034. gingen an den Erkenntnissen eines Houston Stewart Chamberlain genau so gleichgültig vorüber, wie es heute noch
  10035. geschieht. Diese Leute sind zu dumm, selbst etwas zu denken, und zu eingebildet, von anderen das Nötige zu lernen – eine urewige Wahrheit, die Oxenstierna zu dem
  10036. Ausruf veranlaßte: „Die Welt wird nur von einem Bruchteil der Weisheit regiert“, von welchem Bruchteil freilich
  10037. fast jeder Ministerialrat nur ein Atom verkörpert. Seit
  10038. Deutschland Republik geworden, trifft dies allerdings nicht
  10039. mehr zu – es ist deshalb auch durch das Republik-Schutzgesetz verboten worden, so etwas zu glauben oder gar auszusprechen. Für Oxenstierna aber war es ein Glück, schon
  10040. damals und nicht in dieser gescheiten Republik von heute
  10041. zu leben.
  10042. Als größtes Schwächemoment wurde schon in der Vorkriegszeit vielfach die Institution erkannt, in der sich die
  10043. Stärke des Reiches verkörpern sollte: das Parlament, der
  10044. Reichstag. Feigheit und Verantwortungslosigkeit gesellten
  10045. sich hier in vollendeter Weise.
  10046. Es ist eine der Gedankenlosigkeiten, die man heute nicht
  10047. selten zu hören bekommt, daß der Parlamentarismus in
  10048. Deutschland „seit der Revolution“ versagt habe. Es wird
  10049. dadurch nur zu leicht der Anschein erweckt, als ob es etwa
  10050. vor der Revolution anders gewesen wäre. In Wirklichkeit
  10051. kann diese Einrichtung gar nicht anders als vernichtend
  10052. wirken – und sie tat dies auch schon zu jener Zeit, da die
  10053. meisten, noch mit Scheuklappen behangen, nichts sahen oder
  10054. sehen wollten. Denn daß Deutschland gestürzt wurde, ist
  10055. nicht zum kleinsten Teile dieser Einrichtung zu verdanken;
  10056. daß aber die Katastrophe nicht schon früher eintrat, kann
  10057. nicht als Verdienst des Reichstages gelten, sondern ist dem
  10058. Parlamentarische Halbheiten
  10059. 297
  10060. Widerstande zuzuschreiben, der sich der Tätigkeit dieses
  10061. Totengräbers der deutschen Nation und des Deutschen Reiches in den Friedensjahren noch entgegenstemmte.
  10062. Aus der Unsumme der verheerenden Schäden, die dieser
  10063. Institution direkt oder indirekt zu verdanken sind, will
  10064. ich nur ein einziges Unheil herausgreifen, das am meisten
  10065. dem inneren Wesen dieser verantwortungslosesten Einrichtung aller Zeit entspricht: die schauderhafte Halbheit und
  10066. Schwäche der politischen Leitung des Reiches nach innen
  10067. und außen, die, in erster Linie dem Wirken des Reichstages zuzuschreiben, zu einer Hauptursache des politischen
  10068. Zusammenbruches wurde.
  10069. Halb war alles, was irgendwie dem Einfluß dieses Parlaments unterstand, man mag betrachten, was man nur will.
  10070. Halb und schwach war die Bündnispolitik des Reiches
  10071. nach außen. Indem man den Frieden erhalten wollte, mußte
  10072. man unweigerlich zum Kriege steuern.
  10073. Halb war die Polenpolitik. Man reizte, ohne jemals
  10074. ernstlich durchzugreifen. Das Ergebnis war weder ein Sieg
  10075. des Deutschtums noch eine Versöhnung der Polen, dafür
  10076. aber Feindschaft mit Rußland.
  10077. Halb war die Lösung der elsaß-lothringischen Frage.
  10078. Statt mit brutaler Faust einmal für immer der französischen Hydra den Kopf zu zermalmen, dem Elsässer aber
  10079. dann gleiche Rechte zuzubilligen, tat man keines von
  10080. beiden. Man konnte es auch gar nicht, saßen doch in den
  10081. Reihen der größten Parteien auch die größten Landesverräter – im Zentrum z.B. Herr Wetterlé.
  10082. Alles dies aber wäre noch zu ertragen gewesen, wenn
  10083. der allgemeinen Halbheit nicht auch die Macht zum Opfer
  10084. gefallen wäre, von deren Dasein am Ende der Bestand des
  10085. Reiches abhing: das Heer.
  10086. Was der sogenannte „Deutsche Reichstag“ hier gesündigt
  10087. hatte, genügt allein, um ihn für alle Zeiten mit dem Fluche
  10088. der deutschen Nation zu beladen. Aus den erbärmlichsten
  10089. Gründen haben diese parlamentarischen Parteilumpen der
  10090. Nation die Waffe der Selbsterhaltung, den einzigen Schutz
  10091. der Freiheit und Unabhängigkeit unseres Volkes, aus der
  10092. 298
  10093. Verbrechen des Parlamentarismus am Heer
  10094. Hand gestohlen und geschlagen. Öffneten sich heute die
  10095. Gräber der flandrischen Ebene, so würden sich aus ihnen
  10096. die blutigen Ankläger erheben, Hunderttausende der besten
  10097. jungen Deutschen, die durch die Gewissenlosigkeit dieser
  10098. parlamentarischen Verbrecher schlecht und halb ausgebildet
  10099. dem Tod in die Arme getrieben wurden; sie und Millionen
  10100. von Männern, die zu den Toten hinsanken oder zu Krüppeln wurden, hat das Vaterland verloren, einzig und allein,
  10101. um einigen hundert Volksbetrügern politische Schiebungen,
  10102. Erpressungen oder selbst das Herunterleiern doktrinärer
  10103. Theorien zu ermöglichen.
  10104. Während das Judentum durch seine marxistische und
  10105. demokratische Presse die Lüge vom deutschen „Militarismus“ in die ganze Welt hinausrief und Deutschland so mit
  10106. allen Mitteln zu belasten trachtete, verweigerten marxistische und demokratische Parteien jede umfassende Ausbildung der deutschen Volkskraft. Dabei mußte das ungeheure Verbrechen, das dadurch begangen wurde, jedem sofort klar werden, der nur bedachte, daß im Falle eines
  10107. kommenden Krieges ja doch die gesamte Nation unter Waffen treten müsse, mithin also durch die Lumperei dieser
  10108. sauberen Repräsentanten der eigenen sogenannten „Volksvertretung“ Millionen von Deutschen in schlechter, halber
  10109. Ausbildung vor den Feind getrieben würden. Aber selbst
  10110. wenn man die hierdurch sich ergebenden Folgen der brutalen und rohen Gewissenlosigkeit dieser parlamentarischen
  10111. Zuhälter ganz außer Betracht ließ: dieser Mangel an ausgebildeten Soldaten zu Beginn des Krieges konnte nur zu
  10112. leicht zum Verlust desselben führen, was dann auch im großen Weltkrieg in so furchtbarer Weise sich bestätigte.
  10113. Der Verlust des Kampfes um die Freiheit und Unabhängigkeit der deutschen Nation ist das Ergebnis der schon
  10114. im Frieden betätigten Halbheit und Schwäche in der Heranziehung der gesamten Volkskraft zur Verteidigung des
  10115. Vaterlandes.
  10116. Wenn im Lande zu wenig Rekruten ausgebildet wurden,
  10117. so war zur See die gleiche Halbheit am Werke, die Waffe
  10118. Falsche Flottenbaupolitik
  10119. 299
  10120. der nationalen Selbsterhaltung mehr oder weniger wertlos
  10121. zu machen. Leider aber wurde die Leitung der Marine selber vom Geist der Halbheit angesteckt. Die Tendenz, alle
  10122. auf Stapel gelegten Schiffe, immer etwas kleiner als die
  10123. zur gleichen Zeit vom Stapel gelassenen englischen zu
  10124. bauen, war wenig weitschauend und noch weniger genial.
  10125. Gerade eine Flotte, die von Anfang an rein zahlenmäßig
  10126. nicht auf gleiche Höhe mit ihrem voraussichtlichen Gegner
  10127. gebracht werden kann, muß den Mangel der Zahl zu ersetzen trachten durch die überragende Kampfkraft der einzelnen Schiffe. Auf die überlegene Kampfkraft kommt es
  10128. an und nicht auf eine sagenhafte Überlegenheit an „Güte“.
  10129. Tatsächlich ist die moderne Technik so fortgeschritten und
  10130. zu so großer Übereinstimmung in den einzelnen Kulturstaaten gekommen, daß es als unmöglich gelten muß, Schiffe der einen Macht einen wesentlich größeren Gefechtswert zu geben als den Schiffen gleichen Tonnengehalts
  10131. eines anderen Staates. Noch viel weniger aber ist es denkbar, eine Überlegenheit bei kleinerem Deplacement gegenüber einem größeren zu erzielen.
  10132. Tatsächlich konnte der kleine Tonnengehalt der deutschen Schiffe nur auf Kosten der Schnelligkeit und Armierung erfolgen. Die Phrase, mit der man diese Tatsache zu
  10133. rechtfertigen versuchte, zeigte allerdings schon einen sehr
  10134. bösen Mangel an Logik bei der hierfür im Frieden maßgebenden Stelle. Man erklärte nämlich, daß das deutsche
  10135. Geschützmaterial dem britischen so ernstlich überlegen sei,
  10136. daß das deutsche 28-Zentimeter-Rohr dem britischen 30,5Zentimeter-Rohr an Schußleistung gar nicht nachstehe!!
  10137. Gerade deshalb aber wäre es Pflicht gewesen, nun ebenfalls zum 30,5-Zentimeter-Geschütz überzugehen, da das
  10138. Ziel nicht die Erreichung gleicher, sondern überlegener
  10139. Kampfkraft hätte sein müssen. Sonst wäre ja auch die Beistellung des 42-Zentimeter-Mörsers beim Heer überflüssig
  10140. gewesen, da der deutsche 21-Zentimeter-Mörser jedem damals vorhandenen französischen Steilfeuergeschütz an und
  10141. für sich schon weit überlegen war, die Festungen aber wohl
  10142. auch dem 30,5-Zentimeter-Mörser ebenfalls zum Opfer ge-
  10143. 300
  10144. Falsche Flottenbaupolitik
  10145. fallen wären. Allein die Leitung der Landarmee dachte
  10146. richtig und die der Marine leider nicht.
  10147. Der Verzicht auf überragende Artilleriewirkung sowie
  10148. auf überlegene Schnelligkeit lag aber ganz im grundfalschen
  10149. sogenannten „Risikogedanken“ begründet. Man verzichtete
  10150. in der Marineleitung schon durch die Form des Ausbaues
  10151. der Flotte auf den Angriff und verlegte sich so von Anfang
  10152. an zwangsläufig auf die Defensive. Damit aber verzichtete
  10153. man auch auf den letzten Erfolg, der doch ewig nur im
  10154. Angriff liegt und liegen kann.
  10155. Ein Schiff mit kleinerer Schnelligkeit und schwächerer
  10156. Armierung wird vom schnelleren und stärker bestückten
  10157. Gegner meist in der für diesen günstigen Schußentfernung
  10158. in den Grund geschossen werden. Das mußte eine ganze
  10159. Anzahl unserer Kreuzer in der bittersten Weise fühlen.
  10160. Wie grundfalsch die Friedensansicht der Marineleitung
  10161. war, zeigte der Krieg, der, wo es nur anging, zur Umarmierung alter und Besserarmierung der neuen Schiffe
  10162. zwang. Würden aber in der Seeschlacht am Skagerrak die
  10163. deutschen Schiffe gleichen Tonnengehalt, gleiche Armierung
  10164. und gleiche Schnelligkeit wie die englischen besessen haben,
  10165. dann wäre unter dem Orkan der treffsicheren und wirkungsvolleren deutschen 38-Zentimeter-Granaten die britische
  10166. Flotte ins nasse Grab gesunken.
  10167. Japan hat einst eine andere Flottenpolitik getrieben.
  10168. Dort wurde grundsätzlich aller Wert darauf gelegt, in
  10169. jedem einzelnen neuen Schiff eine überlegene Kampfkraft
  10170. gegenüber dem voraussichtlichen Gegner zu gewinnen. Dem
  10171. entsprach dann aber auch die dadurch ermöglichte offensive
  10172. Einsetzung der Flotte.
  10173. Während sich das Landheer in seiner Leitung von so
  10174. prinzipiell falschen Gedankengängen noch frei hielt, unterlag die Marine, die „parlamentarisch“ leider schon besser
  10175. vertreten war, dem Geiste des Parlaments. Sie war von
  10176. halben Gesichtspunkten aus organisiert und wurde später
  10177. nach ähnlichen eingesetzt. Was die Marine dann dennoch an
  10178. unsterblichem Ruhm sich erwarb, war nur mehr dem Konto
  10179. der guten deutschen Wehrmannsarbeit sowie der Fähigkeit
  10180. Kampf des Landheeres gegen Halbheit
  10181. 301
  10182. und dem unvergleichlichen Heldentum der einzelnen Offiziere und Mannschaften gutzuschreiben. Hätte die frühere
  10183. Oberste Leitung der Marine dem an Genialität entsprochen, so wären die Opfer nicht vergeblich gewesen.
  10184. So wurde vielleicht gerade die überlegene parlamentarische Geschicklichkeit des führenden Kopfes der Marine
  10185. im Frieden zum Unheil derselben, indem leider auch in
  10186. ihrem Aufbau statt rein militärischer parlamentarische
  10187. Gesichtspunkte die maßgebende Rolle zu spielen begannen.
  10188. Die Halbheit und Schwäche sowie die geringe Logik im
  10189. Denken, die der parlamentarischen Institution zu eigen ist,
  10190. färbten auf die Leitung der Flotte ab.
  10191. Das Landheer hielt sich, wie schon betont, von solchen
  10192. grundsätzlich falschen Gedankengängen noch zurück. Besonders der damalige Oberst im Großen Generalstab, Ludendorff, führte einen verzweifelten Kampf gegen die verbrecherische Halbheit und Schwäche, mit der der Reichstag
  10193. den Lebensfragen der Nation gegenübertrat und sie
  10194. meistens verneinte. Wenn der Kampf, den dieser Offizier
  10195. damals ausfocht, dennoch vergeblich war, so trug die Schuld
  10196. zur einen Hälfte eben das Parlament, zur anderen aber
  10197. die wenn möglich noch elendere Haltung und Schwäche
  10198. des Reichskanzlers Bethmann Hollweg. Dieses hindert die
  10199. Schuldigen am deutschen Zusammenbruch jedoch nicht im
  10200. geringsten, heute gerade dem die Schuld zuschieben zu wollen, der als einziger sich gegen diese Verwahrlosung der
  10201. nationalen Interessen wandte – auf einen Betrug mehr
  10202. oder weniger kommt es diesen geborenen Schiebern niemals an.
  10203. Wer all die Opfer überdenkt, die durch den sträflichen
  10204. Leichtsinn dieser Verantwortungslosesten der Nation aufgebürdet wurden, all die zwecklos geopferten Millionen von
  10205. gesunden Männern sich vor Augen führt sowie die grenzenlose Schmach und Schande, das unermeßliche Elend, das uns
  10206. jetzt getroffen hat, und weiß, daß dieses alles nur kam, um
  10207. einem Haufen gewissenloser Streber und Stellenjäger die
  10208. Bahn zu Ministerstühlen freizumachen, der wird verstehen,
  10209. daß man diese Kreaturen wirklich nur mit Worten wie
  10210. 302
  10211. Die deutschen Vorzüge
  10212. Schuft, Schurke, Lump und Verbrecher bezeichnen kann,
  10213. sonst wären der Sinn und Zweck des Vorhandenseins dieser
  10214. Ausdrücke im Sprachgebrauch ja unverständlich. Denn diesen Verrätern an der Nation gegenüber ist jeder Zuhälter
  10215. noch ein Ehrenmann.
  10216. Alle wirklichen Schattenseiten des alten Deutschlands
  10217. fielen aber eigentümlicherweise nur dann ins Auge, wenn
  10218. dadurch die innere Festigkeit der Nation Schaden erleiden
  10219. mußte. Ja, in solchen Fällen wurden die unangenehmen
  10220. Wahrheiten geradezu in die breite Masse hinausgeschrien,
  10221. während man sonst viele Dinge lieber schamhaft verschwieg,
  10222. ja zum Teil einfach ableugnete. Dies war der Fall, wenn
  10223. es durch die offene Behandlung einer Frage vielleicht zu
  10224. einer Besserung hätte kommen können. Dabei verstanden
  10225. die maßgebenden Stellen der Regierung soviel wie nichts
  10226. vom Werte und vom Wesen der Propaganda. Daß durch
  10227. kluge und dauernde Anwendung von Propaganda einem
  10228. Volke selbst der Himmel als Hölle vorgemacht werden
  10229. kann und umgekehrt das elendeste Leben als Paradies,
  10230. wußte nur der Jude, der auch dementsprechend handelte;
  10231. der Deutsche, besser seine Regierung, besaß davon keine
  10232. blasse Ahnung.
  10233. Am schwersten sollte sich dies während des Krieges
  10234. rächen.
  10235. Allen hier angedeuteten und zahllosen weiteren Schäden
  10236. im deutschen Leben vor dem Kriege standen auch wieder
  10237. viele Vorzüge gegenüber. Bei einer gerechten Prüfung muß
  10238. man sogar erkennen, daß die meisten unserer Gebrechen
  10239. zum größten Teile auch die anderen Länder und Völker
  10240. ihr eigen nannten, ja in manchen uns noch weitaus in den
  10241. Schatten stellten, während sie viele unserer tatsächlichen
  10242. Vorzüge nicht besaßen.
  10243. An die Spitze dieser Vorzüge kann man unter anderem
  10244. die Tatsache stellen, daß das deutsche Volk unter fast allen
  10245. Repräsentanten des alten und neuen Regiments
  10246. 303
  10247. europäischen Völkern sich immer noch am meisten den
  10248. nationalen Charakter seiner Wirtschaft zu bewahren versuchte und trotz mancher bösen Vorzeichen noch am wenigsten der internationalen Finanzkontrolle unterstand. Allerdings ein gefährlicher Vorzug, der später zum größten Erreger des Weltkrieges wurde.
  10249. Sieht man von dem und vielem anderen aber ab, so müssen drei Einrichtungen aus der Unzahl von gesunden Kraftquellen der Nation herausgenommen werden, die in ihrer
  10250. Art als mustergültig, ja zum Teil unerreicht dastanden.
  10251. Als erstes die Staatsform an sich und die Ausprägung,
  10252. die sie im Deutschland der neuen Zeit gefunden hatte.
  10253. Man darf hier wirklich von einzelnen Monarchen absehen, die als Menschen allen Schwächen unterworfen waren, die diese Erde und ihre Kinder heimzusuchen pflegen
  10254. – wäre man hier nicht nachsichtig, müßte man sonst an
  10255. der Gegenwart überhaupt verzweifeln: sind doch die Repräsentanten des jetzigen Regiments, gerade als Persönlichkeit betrachtet, wohl das geistig und moralisch Bescheidenste, das man sich selbst bei langem Nachdenken auch
  10256. nur vorzustellen vermag. Wer den „Wert“ der deutschen
  10257. Revolution an dem Werte und der Größe der Personen
  10258. mißt, die sie dem deutschen Volke seit dem November 1918
  10259. geschenkt hat, der wird sein Haupt verhüllen aus Scham vor
  10260. dem Urteil der Nachwelt, der man nicht mehr das Maul
  10261. wird verbinden können durch Schutzgesetze usw., und die
  10262. deshalb das sagen wird, was wir ja doch alle schon heute
  10263. erkennen, nämlich, daß Gehirn und Tugend bei unseren
  10264. neudeutschen Führern im umgekehrten Verhältnis stehen
  10265. zu ihren Mäulern und Lastern.
  10266. Gewiß war die Monarchie vielen, dem breiten Volke vor
  10267. allem, entfremdet. Das war die Folge der Tatsache, daß
  10268. die Monarchen nicht immer von den – sagen wir – hellsten und besonders nicht von den aufrichtigsten Köpfen
  10269. umgeben waren. Sie liebten leider zum Teil die Schmeichler mehr als die geraden Naturen, und so wurden sie auch
  10270. von diesen „unterrichtet“. Ein sehr schwerer Schaden in
  10271. 304
  10272. Psychologische Fehler des alten Regiments
  10273. einer Zeit, in der die Welt einen großen Wandel in vielen
  10274. alten Anschauungen durchgemacht hatte, der natürlich auch
  10275. nicht vor der Beurteilung mancher althergebrachten Überlieferungen der Höfe haltmachte.
  10276. So konnte um die Jahrhundertwende der gewöhnliche
  10277. Mann und Mensch keine besondere Bewunderung mehr
  10278. finden für die an der Front in Uniform entlang reitende
  10279. Prinzessin. Über die Wirkung einer solchen Parade in den
  10280. Augen des Volkes konnte man sich anscheinend gar keine
  10281. richtige Vorstellung machen, denn sonst wäre es zu so unglücklichen Auftritten wohl nie gekommen. Auch die nicht
  10282. immer ganz echte Humanitätsduselei dieser Kreise wirkte
  10283. eher abstoßend als anziehend. Wenn zum Beispiel die Prinzessin X. geruhte, die Kostprobe in einer Volksküche mit
  10284. dem bekannten Resultat vorzunehmen, so konnte das früher
  10285. vielleicht ganz gut aussehen, damals aber war der Erfolg
  10286. ein gegenteiliger. Es kann dabei ohne weiteres angenommen werden, daß die Hoheit wirklich keine Ahnung davon
  10287. besaß, daß das Essen am Tage ihrer Prüfung eben ein
  10288. klein wenig anders war, als es sonst zu sein pflegte; allein
  10289. es genügte vollkommen, daß die Leute dies wußten.
  10290. So wurde die möglicherweise beste Absicht lächerlich,
  10291. wenn nicht gerade aufreizend.
  10292. Schilderungen über die immer sprichwörtliche Genügsamkeit des Monarchen, sein viel zu frühes Aufstehen sowie
  10293. sein förmliches Schuften bis in die späte Nacht hinein, noch
  10294. dazu bei der dauernden Gefahr seiner drohenden Unterernährung, riefen doch sehr bedenkliche Äußerungen hervor. Man verlangte ja gar nicht zu wissen, was und wieviel
  10295. der Monarch zu sich zu nehmen geruhte; man gönnte ihm
  10296. schon eine „auskömmliche“ Mahlzeit; man war auch nicht
  10297. darauf aus, ihm etwa den nötigen Schlaf verweigern zu
  10298. wollen; man war zufrieden, wenn er nur sonst als Mensch
  10299. und Charakter dem Namen seines Geschlechtes und der Nation Ehre bereitete und als Regent seine Pflichten erfüllte.
  10300. Das Märchenerzählen nützte nur wenig, schadete aber dafür
  10301. um so mehr.
  10302. Dieses und vieles Ähnliche waren aber doch nur Kleinig-
  10303. Die Stabilität der monarchischen Staatsform
  10304. 305
  10305. keiten. Schlimmer wirkte sich in leider sehr großen Teilen
  10306. der Nation immer mehr die Überzeugung aus, daß man
  10307. ohnehin von oben regiert werde und der einzelne sich mithin auch um nichts weiter zu kümmern habe. Solange die
  10308. Regierung wirklich gut war oder doch wenigstens das Beste
  10309. wollte, ging die Sache noch an. Aber wehe, wenn einmal
  10310. an Stelle der an sich Gutes wollenden alten Regierung eine
  10311. neue, weniger ordentliche, treten sollte; dann waren die
  10312. willenlose Fügsamkeit und der kindliche Glaube das
  10313. schwerste Unheil, das man sich nur auszudenken vermochte.
  10314. Allen diesen und vielen anderen Schwächen aber standen
  10315. unbestreitbare Werte gegenüber.
  10316. Einmal die durch die monarchische Staatsform bedingte
  10317. Stabilität der gesamten Staatsleitung sowie das Herausziehen der letzten Staatsstellen aus dem Trubel der Spekulation ehrgeiziger Politiker. Weiter die Ehrwürdigkeit
  10318. der Institution an sich sowie die schon dadurch begründete
  10319. Autorität derselben, ebenso das Emporheben des Beamtenkörpers und besonders des Heeres über das Niveau parteipolitischer Verpflichtungen. Dazu kam noch der Vorzug der
  10320. persönlichen Verkörperung der Staatsspitze durch den Monarchen als Person und das Vorbild einer Verantwortung,
  10321. die der Monarch stärker zu tragen hat als der Zufallshaufe
  10322. einer parlamentarischen Majorität – die sprichwörtliche
  10323. Sauberkeit der deutschen Verwaltung war in erster Linie
  10324. dem zuzuschreiben. Endlich aber war der kulturelle Wert
  10325. der Monarchie für das deutsche Volk ein hoher und vermochte sehr wohl andere Nachteile auszugleichen. Die deutschen Residenzen waren noch immer der Hort einer Kunstgesinnung, die in unserer vermaterialisierten Zeit ohnehin
  10326. immer mehr auszusterben droht. Was die deutschen Fürsten
  10327. für Kunst und Wissenschaft gerade im neunzehnten Jahrhundert taten, war vorbildlich. Die heutige Zeit darf jedenfalls damit nicht verglichen werden.
  10328. Als größten Wertfaktor in dieser Zeit der beginnenden
  10329. und sich langsam weiterverbreitenden Zersetzung unseres
  10330. 306
  10331. Das Heer – die unersetzliche Schule
  10332. Volkskörpers haben wir jedoch das Heer zu buchen. Es war
  10333. die gewaltigste Schule der deutschen Nation, und nicht umsonst richtete sich der Haß aller Feinde gerade gegen diesen
  10334. Schirm der nationalen Selbstverwaltung und Freiheit. Kein
  10335. herrlicheres Denkmal kann dieser einzigen Einrichtung geschenkt werden als die Feststellung der Wahrheit, daß sie
  10336. von allen Minderwertigen verleumdet, gehaßt, bekämpft,
  10337. aber auch gefürchtet wurde. Daß sich die Wut der internationalen Volksausbeuter zu Versailles in erster Linie
  10338. gegen das alte deutsche Heer richtete, läßt dieses erst recht
  10339. als Hort der Freiheit unseres Volkes vor der Macht der
  10340. Börse erkennen. Ohne diese warnende Macht wäre der Sinn
  10341. von Versailles an unserem Volk schon längst vollzogen worden. Was das deutsche Volk dem Heere verdankt, läßt sich
  10342. kurz zusammenfassen in ein einziges Wort, nämlich: Alles.
  10343. Das Heer erzog zur unbedingten Verantwortlichkeit in
  10344. einer Zeit, da diese Eigenschaft schon sehr selten geworden
  10345. war und das Drücken von derselben immer mehr an die
  10346. Tagesordnung kam, ausgehend von dem Mustervorbild aller
  10347. Verantwortungslosigkeit, dem Parlament; es erzog weiter
  10348. zum persönlichen Mut in einem Zeitalter, da die Feigheit
  10349. zu einer grassierenden Krankheit zu werden drohte und die
  10350. Opferwilligkeit, sich für das allgemeine Wohl einzusetzen,
  10351. schon fast als Dummheit angesehen wurde, und klug nur
  10352. mehr derjenige zu sein schien, der das eigene „Ich“ am
  10353. besten zu schonen und zu fördern verstand; es war die
  10354. Schule, die den einzelnen Deutschen noch lehrte, das Heil
  10355. der Nation nicht in den verlogenen Phrasen einer internationalen Verbrüderung zwischen Negern, Deutschen,
  10356. Chinesen, Franzosen, Engländern usw. zu suchen, sondern
  10357. in der Kraft und Geschlossenheit des eigenen Volkstums.
  10358. Das Heer erzog zur Entschlußkraft, während im sonstigen Leben schon Entschlußlosigkeit und Zweifel die Handlungen der Menschen zu bestimmen begannen. Es wollte
  10359. etwas heißen, in einem Zeitalter, da die Neunmalklugen
  10360. überall den Ton angaben, den Grundsatz hochzuhalten, daß
  10361. ein Befehl immer besser ist als keiner. In diesem einzigen
  10362. Das Heer – die unersetzliche Schule
  10363. 307
  10364. Grundsatze steckte eine noch unverdorbene, robuste Gesundheit, die unserem sonstigen Leben schon längst abhanden
  10365. gekommen wäre, wenn nicht das Heer und seine Erziehung
  10366. für die immerwährende Erneuerung dieser Urkraft gesorgt
  10367. hätten. Man braucht ja nur die entsetzliche Entschlußlosigkeit unserer jetzigen Reichsführung zu sehen, die sich zu
  10368. keiner Tat aufzuraffen vermag, außer es handelt sich um
  10369. die erzwungene Unterschreibung eines neuen Ausplünderungsdiktates; in diesem Falle lehnt sie dann freilich jede
  10370. Verantwortung ab und unterschreibt mit der Fixigkeit
  10371. eines Kammerstenographen alles, was man ihr auch nur
  10372. vorzulegen für gut befindet, denn in diesem Falle ist der
  10373. Entschluß leicht zu fassen: er wird ihr ja diktiert.
  10374. Das Heer erzog zum Idealismus und zur Hingabe an das
  10375. Vaterland und seine Größe, während im sonstigen Leben
  10376. Habsucht und Materialismus um sich gegriffen hatten.
  10377. Es erzog ein einiges Volk gegenüber der Trennung in
  10378. Klassen und hatte hier vielleicht als einzigen Fehler die
  10379. Einjährigfreiwilligen-Einrichtung aufzuweisen. Fehler deshalb, weil durch sie das Prinzip der unbedingten Gleichheit durchbrochen und das Höhergebildete wieder außerhalb des Rahmens der allgemeinen Umgebung gestellt
  10380. wurde, während gerade das Umgekehrte von Vorteil gewesen wäre. Bei der ohnehin so großen Weltfremdheit
  10381. unserer oberen Schichten und der immer größer werdenden
  10382. Entfremdung dem eigenen Volke gegenüber hätte gerade
  10383. das Heer besonders segensreich zu wirken vermocht, wenn
  10384. es wenigstens in seinen Reihen jede Absonderung der sogenannten Intelligenz vermied. Daß man dies nicht tat,
  10385. war ein Fehler; allein welche Institution auf dieser Welt
  10386. wird fehlerlos sein? Bei dieser aber überwog ohnehin
  10387. das Gute so sehr, daß die wenigen Gebrechen weit unter
  10388. dem Durchschnittsgrade der menschlichen Unzulänglichkeit
  10389. lagen.
  10390. Als höchstes Verdienst aber muß dem Heere des alten
  10391. Reiches angerechnet werden, daß es in einer Zeit der allgemeinen Majorisierung der Köpfe die Köpfe über die
  10392. Majorität stellte. Das Heer hielt gegenüber dem jüdisch-
  10393. 308
  10394. Der unvergleichliche Beamtenkörper
  10395. demokratischen Gedanken einer blinden Anbetung der Zahl
  10396. den Glauben an die Persönlichkeit hoch. So erzog es denn
  10397. auch das, was die neuere Zeit am nötigsten brauchte: Männer. – Im Sumpfe einer allgemein um sich greifenden Verweichlichung und Verweibung schossen aus den Reihen des
  10398. Heeres alljährlich dreihundertfünfzigtausend kraftstrotzende
  10399. junge Männer heraus, die in zweijähriger Ausbildung die
  10400. Weichheit der Jugend verloren und stahlharte Körper gewonnen hatten. Der junge Mensch aber, der während dieser
  10401. Zeit Gehorchen übte, konnte darauf erste Befehlen lernen.
  10402. Am Tritt schon erkannte man den gedienten Soldaten.
  10403. Dies war die hohe Schule der deutschen Nation, und nicht
  10404. umsonst konzentrierte sich auf sie der grimmige Haß derjenigen, die aus Neid und Habsucht die Ohnmacht des
  10405. Reiches und die Wehrlosigkeit seiner Bürger brauchten und
  10406. wünschten. Was viele Deutsche in Verblendung oder bösem
  10407. Willen nicht sehen wollten, erkannte die fremde Welt: das
  10408. deutsche Heer war die gewaltigste Waffe im Dienste der
  10409. Freiheit der deutschen Nation und der Ernährung ihrer
  10410. Kinder.
  10411. Zur Staatsform und zum Heere kam als Drittes im
  10412. Bunde der unvergleichliche Beamtenkörper des alten Reiches.
  10413. Deutschland war das bestorganisierte und bestverwaltete
  10414. Land der Welt. Man mochte dem deutschen Staatsbeamten
  10415. leicht bürokratische Zopfigkeit nachsagen, in den anderen
  10416. Staaten stand es darum nicht besser, eher sogar noch
  10417. schlechter. Was aber die anderen Staaten nicht besaßen, das
  10418. war die wundervolle Solidarität dieses Apparates sowie die
  10419. unbestechlich ehrenhafte Gesinnung seiner Träger. Lieber
  10420. noch etwas zopfig, aber redlich und treu, als aufgeklärt und
  10421. modern, aber minderwertig von Charakter und, wie es sich
  10422. heute häufig zeigt, unwissend und nichtskönnend. Denn
  10423. wenn man jetzt gerne so tut, als ob die deutsche Verwaltung
  10424. der Vorkriegszeit wohl bürokratisch gediegen, allein kaufmännisch schlecht gewesen wäre, so kann man darauf nur
  10425. folgendes antworten: Welches Land der Welt hatte einen
  10426. Die Staatsautorität
  10427. 309
  10428. besser geleiteten und kaufmännischer organisierten Betrieb
  10429. als Deutschland in seinen Staatsbahnen? Erst der Revolution blieb es vorbehalten, diesen Musterapparat so lange
  10430. zu zerstören, bis er endlich reif zu sein schien, aus den
  10431. Händen der Nation genommen und im Sinne der Begründer dieser Republik sozialisiert zu werden, das heißt,
  10432. dem internationalen Börsenkapital, als dem Auftraggeber
  10433. der deutschen Revolution, zu dienen.
  10434. Was dabei den deutschen Beamtenkörper und Verwaltungsapparat besonders auszeichnete, war seine Unabhängigkeit von den einzelnen Regierungen, deren jeweilige
  10435. politische Gesinnung auf die Stellung des deutschen Staatsbeamten keinen Einfluß auszuüben vermochte. Seit der
  10436. Revolution allerdings hat sich dies gründlich geändert. An
  10437. Stelle des Könnens und der Fähigkeit trat die Parteistellung, und ein selbständiger, unabhängiger Charakter
  10438. wurde eher hinderlich als fördernd.
  10439. Auf der Staatsform, dem Heere und dem Beamtenkörper
  10440. beruhte die wundervolle Kraft und Stärke des alten Reiches. Diese waren in erster Linie die Ursachen einer Eigenschaft, die dem heutigen Staate vollkommen fehlt: der
  10441. Staatsautorität! Denn diese beruht nicht auf Schwätzereien in den Parlamenten oder Landtagen, auch nicht auf
  10442. Gesetzen zu ihrem Schutze oder Gerichtsurteilen zur Abschreckung frecher Leugner derselben usw., sondern auf dem
  10443. allgemeinen Vertrauen, das der Leitung und Verwaltung
  10444. eines Gemeinwesens entgegengebracht werden darf und
  10445. kann. Dieses Vertrauen jedoch ist wieder nur das Ergebnis
  10446. einer unerschütterlichen inneren Überzeugung von der Uneigennützigkeit und Redlichkeit der Regierung und Verwaltung eines Landes sowie die Übereinstimmung des Sinnes
  10447. der Gesetze mit dem Gefühl der allgemeinen Moralanschauung. Denn auf die Dauer werden Regierungssysteme nicht
  10448. gehalten durch den Druck der Gewalt, sondern durch den
  10449. Glauben an ihre Güte und an die Wahrhaftigkeit in der
  10450. Vertretung und Förderung der Interessen eines Volkes.
  10451. 310
  10452. Die tiefste Ursache des Zusammenbruchs
  10453. So schwer also gewisse Schäden in der Vorkriegszeit die
  10454. innere Stärke der Nation auch anfraßen und auszuhöhlen
  10455. drohten, so darf man nicht vergessen, daß andere Staaten
  10456. an den meisten dieser Krankheiten noch mehr litten als
  10457. Deutschland und dennoch in der kritischen Stunde der Gefahr nicht versagten und zugrunde gingen. Wenn man aber
  10458. bedenkt, daß den deutschen Schwächen vor dem Kriege auch
  10459. ebenso große Stärken gegenüberstanden, so kann und muß
  10460. die letzte Ursache des Zusammenbruches noch auf einem
  10461. anderen Gebiete liegen; und dies ist auch der Fall.
  10462. Der tiefste und letzte Grund des Unterganges des alten
  10463. Reiches lag im Nichterkennen des Rasseproblems und seiner
  10464. Bedeutung für die geschichtliche Entwicklung der Völker.
  10465. Denn alle Geschehnisse im Völkerleben sind nicht Äußerungen des Zufalls, sondern naturgesetzliche Vorgänge des
  10466. Dranges der Selbsterhaltung und Mehrung von Art und
  10467. Rasse, auch wenn sich die Menschen des inneren Grundes
  10468. ihres Handelns nicht bewußt zu werden vermögen.
  10469. 11. Kapitel
  10470. Volk und Rasse
  10471. E s gibt Wahrheiten, die so sehr auf der Straße liegen,
  10472. daß sie gerade deshalb von der gewöhnlichen Welt
  10473. nicht gesehen oder wenigstens nicht erkannt werden. Sie
  10474. geht an solchen Binsenwahrheiten manchmal wie blind vorbei und ist auf das höchste erstaunt, wenn plötzlich jemand
  10475. entdeckt, was doch alle wissen müßten. Es liegen die Eier
  10476. des Kolumbus zu Hunderttausenden herum, nur die Kolumbusse sind eben seltener zu finden.
  10477. So wandern die Menschen ausnahmslos im Garten der
  10478. Natur umher, bilden sich ein, fast alles zu kennen und zu
  10479. wissen, und gehen doch mit wenigen Ausnahmen wie blind
  10480. an einem der hervorstechendsten Grundsätze ihres Waltens
  10481. vorbei: der inneren Abgeschlossenheit der Arten sämtlicher
  10482. Lebewesen dieser Erde.
  10483. Schon die oberflächliche Betrachtung zeigt als nahezu
  10484. ehernes Grundgesetz all der unzähligen Ausdrucksformen
  10485. des Lebenswillens der Natur ihre in sich begrenzte Form
  10486. der Fortpflanzung und Vermehrung. Jedes Tier paart sich
  10487. nur mit einem Genossen der gleichen Art. Meise geht zu
  10488. Meise, Fink zu Fink, der Storch zur Störchin, Feldmaus
  10489. zu Feldmaus, Hausmaus zu Hausmaus, der Wolf zur Wölfin usw.
  10490. Nur außerordentliche Umstände vermögen dies zu ändern,
  10491. in erster Linie der Zwang der Gefangenschaft sowie eine
  10492. sonstige Unmöglichkeit der Paarung innerhalb der gleichen
  10493. Art. Dann aber beginnt die Natur sich auch mit allen Mitteln dagegen zu stemmen, und ihr sichtbarster Protest besteht entweder in der Verweigerung der weiteren Zeugungsfähigkeit für die Bastarde, oder sie schränkt die Fruchtbar-
  10494. 312
  10495. Die Rasse
  10496. keit der späteren Nachkommen ein; in den meisten Fällen
  10497. aber raubt sie die Widerstandsfähigkeit gegen Krankheit
  10498. oder feindliche Angriffe.
  10499. Das ist nur zu natürlich.
  10500. Jede Kreuzung zweier nicht ganz gleich hoher Wesen gibt
  10501. als Produkt ein Mittelding zwischen der Höhe der beiden
  10502. Eltern. Das heißt also: das Junge wird höher stehen
  10503. als die rassisch niedrigere Hälfte des Elternpaares, allein
  10504. nicht so hoch wie die höhere. Folglich wird es im Kampf
  10505. gegen diese höhere später unterliegen. Solche Paarung
  10506. widerspricht aber dem Willen der Natur zur Höherzüchtung des Lebens überhaupt. Die Voraussetzung hierzu liegt
  10507. nicht im Verbinden von Höher- und Minderwertigem, sondern im restlosen Siege des ersteren. Der Stärkere hat zu
  10508. herrschen und sich nicht mit dem Schwächeren zu verschmelzen, um so die eigene Größe zu opfern. Nur der geborene
  10509. Schwächling kann dies als grausam empfinden, dafür aber
  10510. ist er auch nur ein schwacher und beschränkter Mensch;
  10511. denn würde dieses Gesetz nicht herrschen, wäre ja jede vorstellbare Höherentwicklung aller organischen Lebewesen
  10512. undenkbar.
  10513. Die Folge dieses in der Natur allgemein gültigen Triebes zur Rassenreinheit ist nicht nur die scharfe Abgrenzung
  10514. der einzelnen Rassen nach außen, sondern auch ihre gleichmäßige Wesensart in sich selber. Der Fuchs ist immer ein
  10515. Fuchs, die Gans eine Gans, der Tiger ein Tiger usw., und
  10516. der Unterschied kann höchstens im verschiedenen Maße der
  10517. Kraft, der Stärke, der Klugheit, Gewandtheit, Ausdauer
  10518. usw. der einzelnen Exemplare liegen. Es wird aber nie
  10519. ein Fuchs zu finden sein, der seiner inneren Gesinnung
  10520. nach etwa humane Anwandlungen Gänsen gegenüber haben
  10521. könnte, wie es ebenso auch keine Katze gibt mit freundlicher Zuneigung zu Mäusen.
  10522. Daher entsteht auch hier der Kampf untereinander weniger infolge innerer Abneigung etwa als vielmehr aus
  10523. Hunger und Liebe. In beiden Fällen sieht die Natur ruhig,
  10524. ja befriedigt zu. Der Kampf um das tägliche Brot läßt
  10525. alles Schwache und Kränkliche, weniger Entschlossene un-
  10526. Die Rasse
  10527. 313
  10528. terliegen, während der Kampf der Männchen um das
  10529. Weibchen nur dem Gesündesten das Zeugungsrecht oder
  10530. doch die Möglichkeit hierzu gewährt. Immer aber ist der
  10531. Kampf ein Mittel zur Förderung der Gesundheit und
  10532. Widerstandskraft der Art und mithin eine Ursache zur
  10533. Höherentwicklung derselben.
  10534. Wäre der Vorgang ein anderer, würde jede Weiter- und
  10535. Höherbildung aufhören und eher das Gegenteil eintreten.
  10536. Denn da das Minderwertige der Zahl nach gegenüber dem
  10537. Besten immer überwiegt, würde bei gleicher Lebenserhaltung und Fortpflanzungsmöglichkeit das Schlechtere sich so
  10538. viel schneller vermehren, daß endlich das Beste zwangsläufig in den Hintergrund treten müßte. Eine Korrektur
  10539. zugunsten des Besseren muß also vorgenommen werden.
  10540. Diese aber besorgt die Natur, indem sie den schwächeren
  10541. Teil so schweren Lebensbedingungen unterwirft, daß schon
  10542. durch sie die Zahl beschränkt wird, den Überrest aber endlich
  10543. nicht wahllos zur Vermehrung zuläßt, sondern hier eine
  10544. neue, rücksichtslose Auswahl nach Kraft und Gesundheit trifft.
  10545. So wenig sie aber schon eine Paarung von schwächeren
  10546. Einzelwesen mit stärkeren wünscht, soviel weniger noch die
  10547. Verschmelzung von höherer Rasse mit niederer, da ja andernfalls ihre ganze sonstige, vielleicht jahrhunderttausendelange Arbeit der Höherzüchtung mit einem Schlage
  10548. wieder hinfällig wäre.
  10549. Die geschichtliche Erfahrung bietet hierfür zahllose Belege. Sie zeigt in erschreckender Deutlichkeit, daß bei jeder
  10550. Blutsvermengung des Ariers mit niedrigeren Völkern als
  10551. Ergebnis das Ende des Kulturträgers herauskam. Nordamerika, dessen Bevölkerung zum weitaus größten Teile
  10552. aus germanischen Elementen besteht, die sich nur sehr wenig
  10553. mit niedrigeren farbigen Völkern vermischten, zeigt eine andere Menschheit und Kultur als Zentral- und Südamerika,
  10554. in dem die hauptsächlich romanischen Einwanderer sich in
  10555. manchmal großem Umfange mit den Ureinwohnern vermengt hatten. An diesem einen Beispiele schon vermag man
  10556. die Wirkung der Rassenvermischung klar und deutlich zu erkennen. Der rassisch rein und unvermischt gebliebene Ger-
  10557. 314
  10558. Das Ergebnis der Rassenkreuzung
  10559. mane des amerikanischen Kontinents ist zum Herrn desselben aufgestiegen; er wird der Herr so lange bleiben, so
  10560. lange nicht auch er der Blutschande zum Opfer fällt.
  10561. Das Ergebnis jeder Rassenkreuzung ist also, ganz kurz
  10562. gesagt, immer folgendes:
  10563. a) Niedersenkung des Niveaus der höheren Rasse,
  10564. b) körperlicher und geistiger Rückgang und damit der
  10565. Beginn eines, wenn auch langsam, so doch sicher fortschreitenden Siechtums.
  10566. Eine solche Entwicklung herbeiführen, heißt aber denn
  10567. doch nichts anderes, als Sünde treiben wider den Willen
  10568. des ewigen Schöpfers.
  10569. Als Sünde aber wird diese Tat auch gelohnt.
  10570. Indem der Mensch versucht, sich gegen die eiserne Logik
  10571. der Natur aufzubäumen, gerät er in Kampf mit den
  10572. Grundsätzen, denen auch er selber sein Dasein als Mensch
  10573. allein verdankt. So muß sein Handeln gegen die Natur zu
  10574. seinem eigenen Untergang führen.
  10575. Hier freilich kommt der echt judenhaft freche, aber
  10576. ebenso dumme Einwand des modernen Pazifisten: „Der
  10577. Mensch überwindet eben die Natur!“
  10578. Millionen plappern diesen jüdischen Unsinn gedankenlos
  10579. nach und bilden sich am Ende wirklich ein, selbst eine Art
  10580. von Naturüberwindern darzustellen; wobei ihnen jedoch
  10581. als Waffe nichts weiter als eine Idee zur Verfügung steht,
  10582. noch dazu aber eine so miserable, daß sich nach ihr wirklich
  10583. keine Welt vorstellen ließe.
  10584. Allein ganz abgesehen davon, daß der Mensch die Natur
  10585. noch in keiner Sache überwunden hat, sondern höchstens
  10586. das eine oder andere Zipfelchen ihres ungeheuren, riesenhaften Schleiers von ewigen Rätseln und Geheimnissen erwischte und emporzuheben versuchte, daß er in Wahrheit
  10587. nichts erfindet, sondern alles nur entdeckt, daß er nicht die
  10588. Natur beherrscht, sondern nur auf Grund der Kenntnis einzelner Naturgesetze und Geheimnisse zum Herrn derjenigen
  10589. anderen Lebewesen aufgestiegen ist, denen dieses Wissen
  10590. eben fehlt – also ganz abgesehen davon, kann eine Idee nicht
  10591. die Voraussetzungen zum Werden und Sein der Menschheit
  10592. Mensch und Idee
  10593. 315
  10594. ü b e r w i n d e n , da die Idee selber ja nur vom Menschen
  10595. abhängt. Ohne Menschen gibt es keine menschliche Idee auf
  10596. dieser Welt, mithin ist die Idee als solche doch immer bedingt durch das Vorhandensein der Menschen und damit all
  10597. der Gesetze, die zu diesem Dasein die Voraussetzung schufen.
  10598. Und nicht nur das! Bestimmte Ideen sind sogar an
  10599. bestimmte Menschen gebunden. Dies gilt am allermeisten
  10600. gerade für solche Gedanken, deren Inhalt nicht in einer
  10601. exakten wissenschaftlichen Wahrheit, sondern in der Welt
  10602. des Gefühls seinen Ursprung hat oder, wie man sich heute
  10603. so schön und klar auszudrücken pflegt, ein „inneres Erleben“ wiedergibt. All diese Ideen, die mit kalter Logik an
  10604. sich nichts zu tun haben, sondern reine Gefühlsäußerungen,
  10605. ethische Vorstellungen usw. darstellen, sind gefesselt an das
  10606. Dasein der Menschen, deren geistiger Vorstellungs- und
  10607. Schöpferkraft sie ihre eigene Existenz verdanken. Gerade
  10608. dann aber ist doch die Erhaltung dieser bestimmten Rassen
  10609. und Menschen die Vorbedingung zum Bestande dieser
  10610. Ideen. Wer z. B. den Sieg des pazifistischen Gedankens in
  10611. dieser Welt wirklich von Herzen wünschen wollte, müßte sich
  10612. mit allen Mitteln für die Eroberung der Welt durch die
  10613. Deutschen einsetzen; denn wenn es umgekehrt kommen sollte,
  10614. würde sehr leicht mit dem letzten Deutschen auch der letzte
  10615. Pazifist aussterben, da die andere Welt auf diesen naturund vernunftwidrigen Unsinn kaum je so tief hereingefallen
  10616. ist als leider unser eigenes Volk. Man müßte sich also wohl
  10617. oder übel bei ernstem Willen entschließen, Kriege zu führen,
  10618. um zum Pazifismus zu kommen. Dies und nichts anderes
  10619. hatte der amerikanische Weltheiland Wilson auch beabsichtigt, so wenigstens glaubten unsere deutschen Phantasten
  10620. – womit ja dann der Zweck erreicht war.
  10621. Tatsächlich ist die pazifistisch-humane Idee vielleicht ganz
  10622. gut dann, wenn der höchststehende Mensch sich vorher die
  10623. Welt in einem Umfange erobert und unterworfen hat, der
  10624. ihn zum alleinigen Herrn dieser Erde macht. Es fehlt dieser Idee dann die Möglichkeit einer schädlichen Auswirkung
  10625. in eben dem Maße, in dem ihre praktische Anwendung
  10626. selten und endlich unmöglich wird. Also erst Kampf und
  10627. 316
  10628. Rasse und Kultur
  10629. dann vielleicht Pazifismus. Im anderen Falle hat die
  10630. Menschheit den Höhepunkt ihrer Entwicklung überschritten,
  10631. und das Ende ist nicht die Herrschaft irgendeiner ethischen
  10632. Idee, sondern Barbarei und in der Folge Chaos. Es
  10633. mag hier natürlich der eine oder andere lachen, allein
  10634. dieser Planet zog schon Jahrmillionen durch den Äther ohne
  10635. Menschen, und er kann einst wieder so dahinziehen, wenn
  10636. die Menschen vergessen, daß sie ihr höheres Dasein nicht
  10637. den Ideen einiger verrückter Ideologen, sondern der Erkenntnis und rücksichtslosen Anwendung eherner Naturgesetze verdanken.
  10638. Alles, was wir heute auf dieser Erde bewundern –
  10639. Wissenschaft und Kunst, Technik und Erfindungen – ist
  10640. nur das schöpferische Produkt weniger Völker und vielleicht
  10641. ursprünglich e i n e r Rasse. Von ihnen hängt auch der
  10642. Bestand dieser ganzen Kultur ab. Gehen sie zugrunde, so
  10643. sinkt mit ihnen die Schönheit dieser Erde ins Grab.
  10644. Wie sehr auch zum Beispiel der Boden die Menschen zu
  10645. beeinflussen vermag, so wird doch das Ergebnis des Einflusses immer verschieden sein, je nach den in Betracht
  10646. kommenden Rassen. Die geringe Fruchtbarkeit eines Lebensraumes mag die eine Rasse zu höchsten Leistungen
  10647. anspornen, bei einer anderen wird sie nur die Ursache zu
  10648. bitterster Armut und endlicher Unterernährung mit all
  10649. ihren Folgen. Immer ist die innere Veranlagung der Völker bestimmend für die Art der Auswirkung äußerer Einflüsse. Was bei den einen zum Verhungern führt, erzieht
  10650. die anderen zu harter Arbeit.
  10651. Alle großen Kulturen der Vergangenheit gingen nur
  10652. zugrunde, weil die ursprünglich schöpferische Rasse an
  10653. Blutvergiftung abstarb.
  10654. Immer war die letzte Ursache eines solchen Unterganges
  10655. das Vergessen, daß alle Kultur von Menschen abhängt und
  10656. nicht umgekehrt, daß also, um eine bestimmte Kultur zu bewahren, der sie erschaffende Mensch erhalten werden muß.
  10657. Diese Erhaltung aber ist gebunden an das eherne Gesetz
  10658. der Notwendigkeit und des Rechtes des Sieges des Besten
  10659. und Stärkeren.
  10660. Der Arier als Kulturbegründer
  10661. 317
  10662. Wer leben will, der kämpfe also, und wer nicht streiten
  10663. will in dieser Welt des ewigen Ringens, verdient das
  10664. Leben nicht.
  10665. Selbst wenn dies hart wäre – es ist nun einmal so!
  10666. Sicher jedoch ist das weitaus härteste Schicksal jenes, das
  10667. d e n Menschen trifft, der die Natur glaubt überwinden zu
  10668. können und sie im Grunde genommen doch nur verhöhnt.
  10669. Not, Unglück und Krankheiten sind dann ihre Antwort!
  10670. Der Mensch, der die Rassengesetze verkennt und mißachtet, bringt sich wirklich um das Glück, das ihm bestimmt
  10671. erscheint. Er verhindert den Siegeszug der besten Rasse
  10672. und damit aber auch die Vorbedingung zu allem menschlichen Fortschritt. Er begibt sich in der Folge, belastet mit
  10673. der Empfindlichkeit des Menschen, ins Bereich des hilflosen
  10674. Tieres.
  10675. Es ist ein müßiges Beginnen, darüber zu streiten, welche
  10676. Rasse oder Rassen die ursprünglichen Träger der menschlichen Kultur waren und damit die wirklichen Begründer
  10677. dessen, was wir mit dem Worte Menschheit alles umfassen.
  10678. Einfacher ist es, sich diese Frage für die Gegenwart zu stellen, und hier ergibt sich auch die Antwort leicht und deutlich. Was wir heute an menschlicher Kultur, an Ergebnissen
  10679. von Kunst, Wissenschaft und Technik vor uns sehen, ist
  10680. nahezu ausschließlich schöpferisches Produkt des Ariers. Gerade diese Tatsache aber läßt den nicht unbegründeten Rückschluß zu, daß er allein der Begründer höheren Menschentums überhaupt war, mithin den Urtyp dessen darstellt, was
  10681. wir unter dem Worte „Mensch“ verstehen. Er ist der Prometheus der Menschheit, aus dessen lichter Stirne der göttliche Funke des Genies zu allen Zeiten hervorsprang, immer
  10682. von neuem jenes Feuer entzündend, das als Erkenntnis die
  10683. Nacht der schweigenden Geheimnisse aufhellte und den Menschen so den Weg zum Beherrscher der anderen Wesen dieser Erde emporsteigen ließ. Man schalte ihn aus – und tiefe
  10684. Dunkelheit wird vielleicht schon nach wenigen Jahrtausen-
  10685. 318
  10686. Der Arier als Kulturbegründer
  10687. den sich abermals auf die Erde senken, die menschliche Kultur würde vergehen und die Welt veröden.
  10688. Würde man die Menschheit in drei Arten einteilen: in
  10689. Kulturbegründer, Kulturträger und Kulturzerstörer, dann
  10690. käme als Vertreter der ersten wohl nur der Arier in Frage.
  10691. Von ihm stammen die Fundamente und Mauern aller
  10692. menschlichen Schöpfungen, und nur die äußere Form und
  10693. Farbe sind bedingt durch die jeweiligen Charakterzüge der
  10694. einzelnen Völker. Er liefert die gewaltigen Bausteine und
  10695. Pläne zu allem menschlichen Fortschritt, und nur die Ausführung entspricht der Wesensart der jeweiligen Rassen.
  10696. In wenigen Jahrzehnten wird zum Beispiel der ganze Osten
  10697. Asiens eine Kultur sein eigen nennen, deren letzte Grundlage ebenso hellenischer Geist und germanische Technik sein
  10698. wird wie dies bei uns der Fall ist. Nur die ä u ß e r e
  10699. Form wird – zum Teil wenigstens – die Züge asiatischer
  10700. Wesensart tragen. Es ist nicht so, wie manche meinen, daß
  10701. Japan zu seiner Kultur europäische Technik nimmt, sondern die europäische Wissenschaft und Technik wird mit
  10702. japanischen Eigenarten verbrämt. Die Grundlage des tatsächlichen Lebens ist nicht mehr die besondere japanische
  10703. Kultur, obwohl sie – weil äußerlich infolge des inneren
  10704. Unterschiedes für den Europäer mehr in die Augen springend – die Farbe des Lebens bestimmt, sondern die gewaltige wissenschaftlich-technische Arbeit Europas und Amerikas, also arischer Völker. Auf diesen Leistungen allein kann
  10705. auch der Osten dem allgemeinen menschlichen Fortschritt
  10706. folgen. Dies ergibt die Grundlage des Kampfes um das tägliche Brot, schafft Waffen und Werkzeuge dafür, und nur
  10707. die äußere Aufmachung wird allmählich dem japanischen
  10708. Wesen angepaßt.
  10709. Würde ab heute jede weitere arische Einwirkung auf
  10710. Japan unterbleiben, angenommen Europa und Amerika
  10711. zugrunde gehen, so könnte eine kurze Zeit noch der heutige Aufstieg Japans in Wissenschaft und Technik anhalten; allein schon in wenigen Jahren würde der Bronnen
  10712. versiegen, die japanische Eigenart gewinnen, aber die heutige Kultur erstarren und wieder in den Schlaf zurück-
  10713. Der Arier als Kulturbegründer
  10714. 319
  10715. sinken, aus dem sie vor sieben Jahrzehnten durch die arische
  10716. Kulturwelle aufgescheucht wurde. Daher ist, genau so wie
  10717. die heutige japanische Entwicklung arischem Ursprung das
  10718. Leben verdankt, auch einst in grauer Vergangenheit fremder Einfluß und fremder Geist der Erwecker der damaligen
  10719. japanischen Kultur gewesen. Den besten Beweis hierfür
  10720. liefert die Tatsache der späteren Verknöcherung und vollkommenen Erstarrung derselben. Sie kann bei einem Volke
  10721. nur eintreten, wenn der ursprünglich schöpferische Rassekern verlorenging oder die äußere Einwirkung später
  10722. fehlte, die den Anstoß und das Material zur ersten Entwicklung auf kulturellem Gebiet gab. Steht aber fest, daß
  10723. ein Volk seine Kultur in den wesentlichsten Grundstoffen
  10724. von fremden Rassen erhält, aufnimmt und verarbeitet, um
  10725. dann nach dem Ausbleiben weiteren äußeren Einflusses
  10726. immer wieder zu erstarren, kann man solch eine Rasse
  10727. wohl als eine „k u l t u r t r a g e n d e “, aber niemals als
  10728. eine „k u l t u r s c h ö p f e r i s c h e “ bezeichnen.
  10729. Eine Prüfung der einzelnen Völker von diesem Gesichtspunkte aus ergibt die Tatsache, daß es sich fast durchweg
  10730. nicht um ursprünglich k u l t u r b e g r ü n d e n d e , sondern fast immer um k u l t u r t r a g e n d e handelt.
  10731. Immer ergibt sich etwa folgendes Bild ihrer Entwicklung:
  10732. Arische Stämme unterwerfen – häufig in wahrhaft
  10733. lächerlich geringer Volkszahl – fremde Völker und entwickeln nun, angeregt durch die besonderen Lebensverhältnisse des neuen Gebietes (Fruchtbarkeit, klimatische Zustände usw.) sowie begünstigt durch die Menge der zur
  10734. Verfügung stehenden Hilfskräfte an Menschen niederer Art,
  10735. ihre in ihnen schlummernden geistigen und organisatorischen
  10736. Fähigkeiten. Sie erschaffen in oft wenigen Jahrtausenden,
  10737. ja Jahrhunderten, Kulturen, die ursprünglich vollständig
  10738. die inneren Züge ihres Wesens tragen, angepaßt den oben
  10739. schon angedeuteten besonderen Eigenschaften des Bodens
  10740. sowie der unterworfenen Menschen. Endlich aber vergehen
  10741. sich die Eroberer gegen das im Anfang eingehaltene Prinzip der Reinhaltung ihres Blutes, beginnen sich mit den
  10742. unterjochten Einwohnern zu vermischen und beenden da-
  10743. 320
  10744. Der Arier als Kulturbegründer
  10745. mit ihr eigenes Dasein; denn dem Sündenfall im Paradiese folgte noch immer die Vertreibung aus demselben.
  10746. Nach tausend Jahren und mehr zeigt sich dann oft die
  10747. letzte sichtbare Spur des einstigen Herrenvolkes im helleren
  10748. Hautton, den sein Blut der unterjochten Rasse hinterließ, und in einer erstarrten Kultur, die es als ursprüngliche Schöpferin einst begründet hatte. Denn so wie der
  10749. tatsächliche und geistige Eroberer im Blut der Unterworfenen verlorenging, verlor sich auch der Brennstoff für
  10750. die Fackel des menschlichen Kulturfortschrittes! Wie die
  10751. Farbe durch das Blut der ehemaligen Herren einen leisen
  10752. Schimmer als Erinnerung an diese beibehielt, so ist auch
  10753. die Nacht des kulturellen Lebens milde aufgehellt durch
  10754. die gebliebenen Schöpfungen der einstigen Lichtbringer. Die
  10755. leuchten durch all die wiedergekommene Barbarei hindurch
  10756. und erwecken bei dem gedankenlosen Betrachter des Augenblickes nur zu oft die Meinung, das Bild des jetzigen Volkes
  10757. vor sich zu sehen, während es nur der Spiegel der Vergangenheit ist, in den er blickt.
  10758. Es kann dann vorkommen, daß solch ein Volk ein zweites
  10759. Mal, ja selbst noch öfter, während seiner Geschichte mit der
  10760. Rasse seiner einstigen Kulturbringer in Berührung gerät,
  10761. ohne daß eine Erinnerung an frühere Begegnungen noch
  10762. vorhanden zu sein braucht. Unbewußt wird der Rest des
  10763. einstigen Herrenblutes sich der neuen Erscheinung zuwenden, und was erst nur dem Zwange möglich war, kann nun
  10764. dem eigenen Willen gelingen. Eine neue Kulturwelle hält
  10765. ihren Einzug und dauert so lange an, bis ihre Träger wieder im Blute fremder Völker untergehen.
  10766. Es wird die Aufgabe einer künftigen Kultur- und Weltgeschichte sein, in diesem Sinne zu forschen und nicht in
  10767. der Wiedergabe äußerer Tatsachen zu ersticken, wie dies
  10768. bei unserer heutigen Geschichtswissenschaft leider nur zu
  10769. oft der Fall ist.
  10770. Schon aus dieser Skizze der Entwicklung „kulturtragender“ Nationen ergibt sich aber auch das Bild des Werdens,
  10771. Wirkens und – Vergehens der wahrhaften Kulturbegründer dieser Erde, der Arier selber.
  10772. Der Arier als Kulturbegründer
  10773. 321
  10774. So wie im täglichen Leben das sogenannte Genie eines
  10775. besonderen Anlassen, ja oft eines förmlichen Anstoßes bedarf, um zum Leuchten gebracht zu werden, so im Völkerleben auch die geniale Rasse. Im Einerlei des Alltags
  10776. pflegen oft auch bedeutende Menschen unbedeutend zu erscheinen und kaum über den Durchschnitt ihrer Umgebung
  10777. herauszuragen; sobald jedoch eine Lage an sie herantritt,
  10778. in der andere verzagen oder irre würden, wächst aus
  10779. dem unscheinbaren Durchschnittskind die geniale Natur ersichtlich empor, nicht selten zum Erstaunen aller derjenigen, die es bisher in der Kleinheit des bürgerlichen Lebens
  10780. sahen – daher denn auch der Prophet im eigenen Lande
  10781. selten etwas zu gelten pflegt. Dies zu beobachten, hat
  10782. man nirgends mehr Gelegenheit als im Kriege. Aus scheinbar harmlosen Kindern schießen plötzlich in Stunden der
  10783. Not, da andere verzagen, Helden empor von todesmutiger
  10784. Entschlossenheit und eisiger Kühle der Überlegung. Wäre
  10785. diese Stunde der Prüfung nicht gekommen, so hätte kaum
  10786. jemand geahnt, daß in dem bartlosen Knaben ein junger
  10787. Held verborgen ist. Fast immer bedarf es irgendeines
  10788. Anstoßes, um das Genie auf den Plan zu rufen. Der Hammerschlag des Schicksals, der den einen zu Boden wirft,
  10789. schlägt bei dem anderen plötzlich auf Stahl, und indem die
  10790. Hülle des Alltags zerbricht, liegt vor den Augen der staunenden Welt der bisher verborgene Kern offen zutage.
  10791. Diese sträubt sich dann und will es nicht glauben, daß die
  10792. ihr scheinbar gleiche Art plötzlich ein anderes Wesen sein
  10793. soll; ein Vorgang, der sich wohl bei jedem bedeutenden
  10794. Menschenkinde wiederholt.
  10795. Obwohl ein Erfinder zum Beispiel seinen Ruhm erst am
  10796. Tage seiner Erfindung begründet, so ist es doch irrig, zu
  10797. denken, daß auch die Genialität an sich erst zu dieser
  10798. Stunde in den Mann gefahren wäre – der Funke des
  10799. Genies ist seit der Stunde der Geburt in der Stirne des
  10800. wahrhaft schöpferisch veranlagten Menschen vorhanden.
  10801. Wahre Genialität ist immer angeboren und niemals anerzogen oder gar angelernt.
  10802. Dies gilt aber, wie schon betont, nicht nur für den ein12 Hitler, Mein Kampf
  10803. 322
  10804. Der Arier als Kulturbegründer
  10805. zelnen Menschen, sondern auch für dir Rasse. Schöpferisch
  10806. tätige Völker sind von jeher und von Grund aus schöpferisch veranlagt, auch wenn dies den Augen oberflächlicher
  10807. Betrachter nicht erkenntlich sein sollte. Auch hier ist die
  10808. äußere Anerkennung immer nur im Gefolge vollbrachter
  10809. Taten möglich, da die übrige Welt ja nicht fähig ist, die
  10810. Genialität an sich zu erkennen, sondern nur deren sichtbare Äußerungen in der Form von Erfindungen, Entdeckungen, Bauten, Bildern usw. sieht; aber auch hier dauert es
  10811. oft noch lange Zeit, bis sie sich zu dieser Kenntnis durchzuringen vermag. Genau so wie im Leben des einzelnen bedeutenden Menschen die geniale oder doch außerordentliche
  10812. Veranlagung, erst durch besondere Anlässe angetrieben,
  10813. nach ihrer praktischen Verwirklichung strebt, kann auch im
  10814. Leben der Völker die wirkliche Verwertung vorhandener
  10815. schöpferischer Kräfte und Fähigkeiten oft erst erfolgen,
  10816. wenn bestimmte Voraussetzungen hierzu einladen.
  10817. Am deutlichsten sehen wir dieses an d e r Rasse, die Träger der menschlichen Kulturentwicklung war und ist – an
  10818. den Ariern. Sobald sie das Schicksal besonderen Verhältnissen entgegenführt, beginnen sich ihre vorhandenen Fähigkeiten in immer schnellerer Folge zu entwickeln und in
  10819. greifbare Formen zu gießen. Die Kulturen, die sie in solchen Fällen begründen, werden fast immer maßgebend bestimmt durch den vorhandenen Boden, das gegebene Klima
  10820. und – die unterworfenen Menschen. Dieses letzte allerdings
  10821. ist fast das ausschlaggebendste. Je primitiver die technischen
  10822. Voraussetzungen zu einer Kulturbetätigung sind, um so notwendiger ist das Vorhandensein menschlicher Hilfskräfte,
  10823. die dann, organisatorisch zusammengefaßt und angewandt,
  10824. die Kraft der Maschine zu ersetzen haben. Ohne diese Möglichkeit der Verwendung niederer Menschen hätte der Arier
  10825. niemals die ersten Schritte zu seiner späteren Kultur zu
  10826. machen vermocht; genau so, wie er ohne die Hilfe einzelner
  10827. geeigneter Tiere, die er sich zu zähmen verstand, nicht zu
  10828. einer Technik gekommen wäre, die ihm jetzt gerade diese
  10829. Tiere langsam zu entbehren gestattet. Das Wort: „Der
  10830. Mohr hat seine Schuldigkeit getan, der Mohr kann gehen“
  10831. Der Arier als Kulturbegründer
  10832. 323
  10833. hat leider seine nur zu tiefe Bedeutung. Jahrtausendelang
  10834. mußte das Pferd dem Menschen dienen und mithelfen, die
  10835. Grundlagen einer Entwicklung zu legen, die nun infolge
  10836. des Kraftwagens das Pferd selber überflüssig macht. In
  10837. wenigen Jahren wird es seine Tätigkeit eingestellt haben,
  10838. allein ohne seine frühere Mitarbeit wäre der Mensch vielleicht nur schwer dorthin gekommen, wo er heute ist.
  10839. So war für die Bildung höherer Kulturen das Vorhandensein niederer Menschen eine der wesentlichsten Voraussetzungen, indem nur sie den Mangel technischer Hilfsmittel, ohne die aber eine höhere Entwicklung gar nicht
  10840. denkbar ist, zu ersetzen vermochten. Sicher fußte die erste
  10841. Kultur der Menschheit weniger auf dem gezähmten Tier
  10842. als vielmehr auf der Verwendung niederer Menschen.
  10843. Erst nach der Versklavung unterworfener Rassen begann
  10844. das gleiche Schicksal auch Tiere zu treffen und nicht umgekehrt, wie manche wohl glauben möchten. Denn zuerst
  10845. ging der Besiegte vor dem Pfluge – und erst nach ihm das
  10846. Pferd. Nur pazifistische Narren aber vermögen dies wieder
  10847. als Zeichen menschlicher Verworfenheit anzusehen, ohne
  10848. sich darüber klar zu werden, daß diese Entwicklung eben
  10849. stattfinden mußte, um endlich an die Stelle zu gelangen,
  10850. von wo aus heute diese Apostel ihre Salbaderei in die Welt
  10851. setzen können.
  10852. Der Fortschritt der Menschheit gleicht dem Aufstiege auf
  10853. einer endlosen Leiter; man kommt eben nicht höher, ohne
  10854. erst die unteren Stufen genommen zu haben. So mußte
  10855. der Arier den Weg schreiten, den ihm die Wirklichkeit
  10856. wies, und nicht den, von dem die Phantasie eines modernen
  10857. Pazifisten träumt. Der Weg der Wirklichkeit aber ist hart
  10858. und schwer, allein er führt endlich dorthin, wo der andere
  10859. die Menschen gerne hinträumen möchte, von wo er sie
  10860. aber leider in Wahrheit eher noch entfernt, als daß er
  10861. sie näherbringt.
  10862. Es ist also kein Zufall, daß die ersten Kulturen dort entstanden, wo der Arier im Zusammentreffen mit niederen
  10863. Völkern diese unterjochte und seinem Willen untertan
  10864. 324
  10865. Folgen der Blutsvermischung
  10866. machte. Sie waren dann das erste technische Instrument im
  10867. Dienste einer werdenden Kultur.
  10868. Damit aber war der Weg, den der Arier zu gehen hatte,
  10869. klar vorgezeichnet. Als Eroberer unterwarf er sich die
  10870. niederen Menschen und regelte dann deren praktische Betätigung unter seinem Befehl, nach seinem Wollen und für
  10871. seine Ziele. Allein, indem er sie so einer nützlichen, wenn
  10872. auch harten Tätigkeit zuführte, schonte er nicht nur das Leben der Unterworfenen, sondern gab ihnen vielleicht sogar
  10873. ein Los, das besser war als das ihrer früheren sogenannten
  10874. „Freiheit“. Solange er den Herrenstandpunkt rücksichtslos
  10875. aufrechterhielt, blieb er nicht nur wirklich der Herr, sondern
  10876. auch der Erhalter und Vermehrer der Kultur. Denn diese
  10877. beruhte ausschließlich auf seinen Fähigkeiten und damit auf
  10878. seiner Erhaltung an sich. Sowie die Unterworfenen sich selber zu heben begannen und wahrscheinlich auch sprachlich
  10879. dem Eroberer näherten, fiel die scharfe Scheidewand
  10880. zwischen Herr und Knecht. Der Arier gab die Reinheit seines
  10881. Blutes auf und verlor dafür den Aufenthalt im Paradiese, das
  10882. er sich selbst geschaffen hatte. Er sank unter in der Rassenvermischung, verlor allmählich immer mehr seine kulturelle
  10883. Fähigkeit, bis er endlich nicht nur geistig, sondern auch körperlich den Unterworfenen und Ureinwohnern mehr zu gleichen begann als seinen Vorfahren. Eine Zeitlang konnte er
  10884. noch von den vorhandenen Kulturgütern zehren, dann aber
  10885. trat Erstarrung ein, und er verfiel endlich der Vergessenheit.
  10886. So brechen Kulturen und Reiche zusammen, um neuen
  10887. Gebilden den Platz freizugeben.
  10888. Die Blutsvermischung und das dadurch bedingte Senken
  10889. des Rassenniveaus ist die alleinige Ursache des Absterbens
  10890. aller Kulturen; denn die Menschen gehen nicht an verlorenen Kriegen zugrunde, sondern am Verlust jener Widerstandskraft, die nur dem reinen Blute zu eigen ist.
  10891. Was nicht gute Rasse ist auf dieser Welt, ist Spreu.
  10892. Alles weltgeschichtliche Geschehen ist aber nur die Äußerung des Selbsterhaltungstriebes der Rassen im guten oder
  10893. schlechten Sinne.
  10894. Ursachen der Bedeutung des Ariers
  10895. 325
  10896. Die Frage nach den inneren Ursachen der überragenden
  10897. Bedeutung des Ariertums kann dahin beantwortet werden,
  10898. daß diese weniger in einer stärkeren Veranlagung des
  10899. Selbsterhaltungstriebes an sich zu suchen sind, als vielmehr
  10900. in der besonderen Art der Äußerung desselben. Der Wille
  10901. zum Leben ist, subjektiv betrachtet, überall gleich groß und
  10902. nur in der Form der tatsächlichen Auswirkung verschieden.
  10903. Bei den ursprünglichsten Lebewesen geht der Selbsterhaltungstrieb über die Sorge um das eigene Ich nicht hinaus. Der Egoismus, wie wir diese Sucht bezeichnen, geht
  10904. hier so weit, daß er selbst die Zeit umfaßt, so daß der
  10905. Augenblick selber wieder alles beansprucht und nichts den
  10906. kommenden Stunden gönnen will. Das Tier lebt in diesem
  10907. Zustande nur für sich, sucht Futter nur für den jeweiligen
  10908. Hunger und kämpft nur um das eigene Leben. Solange
  10909. sich aber der Selbsterhaltungstrieb in dieser Weise äußert,
  10910. fehlt jede Grundlage zur Bildung eines Gemeinwesens,
  10911. und wäre es selbst die primitivste Form der Familie. Schon
  10912. die Gemeinschaft zwischen Männchen und Weibchen über
  10913. die reine Paarung hinaus fordert eine Erweiterung des
  10914. Selbsterhaltungstriebes, indem die Sorge und der Kampf
  10915. um das eigene Ich sich auch dem zweiten Teile zuwendet;
  10916. das Männchen sucht manchmal auch für das Weibchen
  10917. Futter, meist aber suchen beide für die Jungen Nahrung.
  10918. Für den Schutz des einen tritt fast immer das andere ein,
  10919. so daß sich hier die ersten, wenn auch unendlich einfachen
  10920. Formen eines Opfersinnes ergeben. Sowie sich dieser Sinn
  10921. über die Grenzen des engen Rahmens der Familie erweitert, ergibt sich die Voraussetzung zur Bildung größerer
  10922. Verbände und endlich förmlicher Staaten.
  10923. Bei den niedrigsten Menschen der Erde ist diese Eigenschaft nur in sehr geringem Umfange vorhanden, so daß
  10924. es über Bildung der Familie nicht hinauskommt. Je
  10925. größer dann die Bereitwilligkeit des Zurückstellens rein
  10926. persönlicher Interessen wird, um so mehr steigt auch die
  10927. Fähigkeit zur Errichtung umfassender Gemeinwesen.
  10928. Dieser Aufopferungswille zum Einsatz der persönlichen
  10929. Arbeit und, wenn nötig, des eigenen Lebens für andere ist
  10930. 326
  10931. Dienst an der Gemeinschaft
  10932. am stärksten beim Arier ausgebildet. Der Arier ist nicht
  10933. in seinen geistigen Eigenschaften an sich am größten, sondern im Ausmaße der Bereitwilligkeit, alle Fähigkeiten
  10934. in den Dienst der Gemeinschaft zu stellen. Der Selbsterhaltungstrieb hat bei ihm die edelste Form erreicht,
  10935. indem er das eigene Ich dem Leben der Gesamtheit willig
  10936. unterordnet und, wenn die Stunde es erfordert, auch zum
  10937. Opfer bringt.
  10938. Nicht in den intellektuellen Gaben liegt die Ursache der
  10939. kulturbildenden und -aufbauenden Fähigkeit des Ariers.
  10940. Hätte er nur diese allein, würde er damit immer nur zerstörend wirken können, auf keinen Fall aber organisierend;
  10941. denn das innerste Wesen jeder Organisation beruht darauf,
  10942. daß der einzelne auf die Vertretung seiner persönlichen
  10943. Meinung sowohl als seiner Interessen verrichtet und beides
  10944. zugunsten einer Mehrzahl von Menschen opfert. Erst über
  10945. dem Umweg dieser Allgemeinheit erhält er dann seinen Teil
  10946. wieder zurück. Er arbeitet nun z. B. nicht mehr unmittelbar
  10947. für sich selbst, sondern gliedert sich mit seiner Tätigkeit in
  10948. den Rahmen der Gesamtheit ein, nicht nur zum eigenen
  10949. Nutzen, sondern zum Nutzen aller. Die wunderbarste Erläuterung dieser Gesinnung bietet sein Wort „Arbeit“,
  10950. unter dem er keineswegs eine Tätigkeit zum Lebenserhalt an sich versteht, sondern nur ein Schaffen, das nicht
  10951. den Interessen der Allgemeinheit widerspricht. Im anderen
  10952. Falle bezeichnet er das menschliche Wirken, sofern es dem
  10953. Selbsterhaltungstriebe ohne Rücksicht auf das Wohl der
  10954. Mitwelt dient, als Diebstahl, Wucher, Raub, Einbruch usw.
  10955. Diese Gesinnung, die das Interesse des eigenen Ichs zugunsten der Erhaltung der Gemeinschaft zurücktreten läßt,
  10956. ist wirklich die erste Voraussetzung für jede wahrhaft
  10957. menschliche Kultur. Nur aus ihr heraus vermögen alle die
  10958. großen Werke der Menschheit zu entstehen, die dem Gründer wenig Lohn, der Nachwelt aber reichsten Segen bringen.
  10959. Ja, aus ihr allein heraus kann man verstehen, wie so
  10960. viele ein kärgliches Leben in Redlichkeit zu ertragen vermögen, das ihnen selber nur Armut und Bescheidenheit
  10961. auferlegt, der Gesamtheit aber die Grundlagen des Daseins
  10962. Aufopferungsfähigkeit für die Gesamtheit
  10963. 327
  10964. sichert. Jeder Arbeiter, jeder Bauer, jeder Erfinder, Beamte usw., der schafft, ohne selber je zu Glück und Wohlstand gelangen zu können, ist ein Träger dieser hohen Idee,
  10965. auch wenn der tiefere Sinn seines Handelns ihm immer
  10966. verborgen bliebe.
  10967. Was aber für die Arbeit als Grundlage menschlicher
  10968. Ernährung und alles menschlichen Fortschrittes gilt, trifft
  10969. in noch höherem Maße zu für den Schutz des Menschen und
  10970. seiner Kultur. In der Hingabe des eigenen Lebens für die
  10971. Existenz der Gemeinschaft liegt die Krönung alles Opfersinnes. Nur dadurch wird verhindert, daß, was Menschenhände bauten, Menschenhände wieder stürzen oder die Natur
  10972. vernichtet.
  10973. Gerade unsere deutsche Sprache aber besitzt ein Wort,
  10974. das in herrlicher Weise das Handeln nach diesem Sinne
  10975. bezeichnet: Pflichterfüllung, das heißt, nicht sich selbst genügen, sondern der Allgemeinheit dienen.
  10976. Die grundsätzliche Gesinnung, aus der ein solches Handeln erwächst, nennen wir zum Unterschied vom Egoismus,
  10977. vom Eigennutz – Idealismus. Wir verstehen darunter nur
  10978. die Aufopferungsfähigkeit des einzelnen für die Gesamtheit, für seine Mitmenschen.
  10979. Wie nötig aber ist es, immer wieder zu erkennen, daß
  10980. der Idealismus nicht etwa eine überflüssige Gefühlsäußerung darstellt, sondern daß er in Wahrheit die Voraussetzung zu dem war, ist und sein wird, was wir mit menschlicher Kultur bezeichnen, ja, daß er allein erst den Begriff
  10981. „Mensch“ geschaffen hat. Dieser inneren Gesinnung verdankt der Arier seine Stellung auf dieser Welt, und ihr verdankt die Welt den Menschen; denn sie allein hat aus dem
  10982. reinen Geist die schöpferische Kraft geformt, die in einzigartiger Vermählung von roher Faust und genialem Intellekt
  10983. die Denkmäler der menschlichen Kultur erschuf.
  10984. Ohne seine ideale Gesinnung wären alle, auch die
  10985. blendendsten Fähigkeiten des Geistes nur Geist an sich,
  10986. äußerer Schein ohne inneren Wert, jedoch niemals
  10987. schöpferische Kraft.
  10988. Da aber wahrer Idealismus nichts weiter ist als die
  10989. 328
  10990. Reinster Idealismus, tiefste Erkenntnis
  10991. Unterordnung der Interessen und des Lebens des einzelnen unter die Gesamtheit, dies aber wieder die Voraussetzung für die Bildung organisatorischer Formen jeder
  10992. Art darstellt, entspricht er im innersten Grunde dem letzten
  10993. Wollen der Natur. Er allein führt die Menschen zur freiwilligen Anerkennung des Vorrechtes der Kraft und der
  10994. Stärke und läßt sie so zu einem Stäubchen jener Ordnung
  10995. werden, die das ganze Universum formt und bildet.
  10996. Reinster Idealismus deckt sich unbewußt mit tiefster
  10997. Erkenntnis.
  10998. Wie sehr dies zutrifft und wie wenig wahrer Idealismus mit spielerischer Phantasterei zu tun hat, kann man
  10999. sofort erkennen, wenn man das unverdorbene Kind, den
  11000. gesunden Knaben z. B., urteilen läßt. Der gleiche Junge,
  11001. der den Tiraden eines „idealen“ Pazifisten verständnislos
  11002. und ablehnend gegenübersteht, ist bereit, für das Ideal
  11003. seines Volkstums das junge Leben hinzuwerfen.
  11004. Unbewußt gehorcht hier der Instinkt der Erkenntnis
  11005. der tieferen Notwendigkeit der Erhaltung der Art, wenn
  11006. nötig auf Kosten des einzelnen, und protestiert gegen die
  11007. Phantasterei des pazifistischen Schwätzers, der in Wahrheit
  11008. als, wenn auch geschminkter, so doch feiger Egoist wider die
  11009. Gesetze der Entwicklung verstößt; denn diese ist bedingt
  11010. durch die Opferwilligkeit des einzelnen zugunsten der Allgemeinheit und nicht durch krankhafte Vorstellungen feiger
  11011. Besserwisser und Kritiker der Natur.
  11012. Gerade in Zeiten, in denen die ideale Gesinnung zu verschwinden droht, können wir deshalb auch sofort ein Sinken jener Kraft erkennen, die die Gemeinschaft bildet und
  11013. so der Kultur die Voraussetzungen schafft. Sowie erst der
  11014. Egoismus zum Regenten eines Volkes wird, lösen sich die
  11015. Bande der Ordnung, und im Jagen nach dem eigenen
  11016. Glück stürzen die Menschen aus dem Himmel erst recht in
  11017. die Hölle.
  11018. Ja, selbst die Nachwelt vergißt der Männer, die nur dem
  11019. eigenen Nutzen dienten, und rühmt die Helden, welche auf
  11020. eigenes Glück verzichteten.
  11021. Arier und Jude
  11022. 329
  11023. Den gewaltigsten Gegensatz zum Arier bildet der Jude.
  11024. Bei kaum einem Volke der Welt ist der Selbsterhaltungstrieb stärker entwickelt als beim sogenannten auserwählten.
  11025. Als bester Beweis hierfür darf die einfache Tatsache des
  11026. Bestehens dieser Rasse allein schon gelten. Wo ist das
  11027. Volk, das in den letzten zweitausend Jahren so wenigen
  11028. Veränderungen der inneren Veranlagung, des Charakters
  11029. usw. ausgesetzt gewesen wäre als das jüdische? Welches
  11030. Volk endlich hat größere Umwälzungen mitgemacht als
  11031. dieses – und ist dennoch immer als dasselbe aus den gewaltigsten Katastrophen der Menschheit hervorgegangen?
  11032. Welch ein unendlich zäher Wille zum Leben, zur Erhaltung der Art spricht aus diesen Tatsachen!
  11033. Die intellektuellen Eigenschaften des Juden haben sich
  11034. im Verlaufe der Jahrtausende geschult. Er gilt heute als
  11035. „gescheit“ und war es in einem gewissen Sinne zu allen
  11036. Zeiten. Allein sein Verstand ist nicht das Ergebnis eigener
  11037. Entwicklung, sondern eines Anschauungsunterrichtes durch
  11038. Fremde. Auch der menschliche Geist vermag nicht ohne
  11039. Stufen zur Höhe emporzuklimmen; er braucht zu jedem
  11040. Schritt nach aufwärts das Fundament der Vergangenheit,
  11041. und zwar in jenem umfassenden Sinne, in dem es sich nur in
  11042. der allgemeinen Kultur zu offenbaren vermag. Alles
  11043. Denken beruht nur zum geringen Teile auf eigener Erkenntnis, zum größten aber auf den Erfahrungen der vorhergegangenen Zeit. Das allgemeine Kulturniveau versorgt
  11044. den einzelnen Menschen, ohne daß es dieser meistens
  11045. beachtet, mit einer solchen Fülle von Vorkenntnissen, daß
  11046. er, so gerüstet, leichter weiter eigene Schritte machen kann.
  11047. Der Knabe von heute zum Beispiel wächst unter einer
  11048. wahren Unmenge technischer Errungenschaften der letzten
  11049. Jahrhunderte auf, so daß er vieles, das vor hundert Jahren noch den größten Geistern ein Rätsel war, als selbstverständlich gar nicht mehr beachtet, obwohl es für ihn
  11050. zum Verfolgen und Verstehen unserer Fortschritte auf dem
  11051. betreffenden Gebiete von ausschlaggebender Bedeutung
  11052. ist. Würde selbst ein genialer Kopf aus den zwanziger
  11053. Jahren des vorigen Jahrhunderts heute plötzlich sein Grab
  11054. 330
  11055. Arier und Jude
  11056. verlassen, so wäre sein auch nur geistiges Zurechtfinden in
  11057. der jetzigen Zeit schwerer, als dies für einen mittelmäßig
  11058. begabten fünfzehnjährigen Knaben von heute der Fall ist.
  11059. Denn ihm würde all die unendliche Vorbildung fehlen,
  11060. die der Zeitgenosse von heute während seines Aufwachsens
  11061. inmitten der Erscheinungen der jeweiligen allgemeinen
  11062. Kultur sozusagen unbewußt in sich aufnimmt.
  11063. Da nun der Jude – aus Gründen, die sich sofort ergeben
  11064. werden – niemals im Besitze einer eigenen Kultur war,
  11065. sind die Grundlagen seines geistigen Arbeitens immer von
  11066. anderen gegeben worden. Sein Intellekt hat sich zu allen
  11067. Zeiten an der ihn umgebenden Kulturwelt entwickelt.
  11068. Niemals fand der umgekehrte Vorgang statt.
  11069. Denn wenn auch der Selbsterhaltungstrieb des jüdischen
  11070. Volkes nicht kleiner, sondern eher noch größer ist als der
  11071. anderer Völker, wenn auch seine geistigen Fähigkeiten
  11072. sehr leicht den Eindruck zu erwecken vermögen, daß sie der
  11073. intellektuellen Veranlagung der übrigen Rassen ebenbürtig wären, so fehlt doch vollständig die allerwesentlichste
  11074. Voraussetzung für ein Kulturvolk, die idealistische Gesinnung.
  11075. Der Aufopferungswille im jüdischen Volke geht über den
  11076. nackten Selbsterhaltungstrieb des einzelnen nicht hinaus.
  11077. Das scheinbar große Zusammengehörigkeitsgefühl ist in
  11078. einem sehr primitiven Herdeninstinkt begründet, wie er sich
  11079. ähnlich bei vielen anderen Lebewesen auf dieser Welt zeigt.
  11080. Bemerkenswert ist dabei die Tatsache, daß Herdentrieb
  11081. stets nur so lange zu gegenseitiger Unterstützung führt, als
  11082. eine gemeinsame Gefahr dies zweckmäßig oder unvermeidlich erscheinen läßt. Das gleiche Rudel Wölfe, das soeben
  11083. noch gemeinsam seinen Raub überfällt, löst sich bei nachlassendem Hunger wieder in seine einzelnen Tiere auf. Das
  11084. gleiche gilt von Pferden, die sich des Angreifers geschlossen zu erwehren suchen, um nach überstandener Gefahr wieder auseinanderzustieben.
  11085. Ähnlich verhält es sich auch beim Juden. Sein Aufopferungssinn ist nur ein scheinbarer. Es besteht nur so lange,
  11086. als die Existenz jedes einzelnen dies unbedingt erforderlich
  11087. Folgen des jüdischen Egoismus
  11088. 331
  11089. macht. Sobald jedoch der gemeinsame Feind besiegt, die
  11090. allen drohende Gefahr beseitigt, der Raub geborgen ist,
  11091. hört die scheinbare Harmonie der Juden untereinander auf,
  11092. um den ursächlich vorhandenen Anlagen wider Platz zu
  11093. geben. Der Jude ist nur einig, wenn eine gemeinsame
  11094. Gefahr ihn dazu zwingt oder eine gemeinsame Beute lockt;
  11095. fallen beide Gründe weg, so treten die Eigenschaften eines
  11096. krassesten Egoismus in ihre Rechte, und aus dem einigen
  11097. Volk wird im Handumdrehen eine sich blutig bekämpfende
  11098. Rotte von Ratten.
  11099. Wären die Juden auf dieser Welt allein, so würden sie
  11100. ebensosehr in Schmutz und Unrat ersticken wie in haßerfülltem Kampfe sich gegenseitig zu übervorteilen und auszurotten versuchen, sofern nicht der sich in ihrer Feigheit
  11101. ausdrückende restlose Mangel jedes Aufopferungssinnes
  11102. auch hier den Kampf zum Theater werden ließe.
  11103. Es ist also grundfalsch, aus der Tatsache des Zusammenstehens der Juden im Kampfe, richtiger ausgedrückt in der
  11104. Ausplünderung ihrer Mitmenschen, bei ihnen auf einen
  11105. gewissen idealen Aufopferungssinn schließen zu wollen.
  11106. Auch hier leitet den Juden weiter nichts als nackter
  11107. Egoismus des einzelnen.
  11108. Daher ist auch der jüdische Staat – der der lebendige
  11109. Organismus zur Erhaltung und Vermehrung einer Rasse
  11110. sein soll – territorial vollständig unbegrenzt. Denn eine
  11111. bestimmte räumliche Fassung eines Staatsgebildes setzt
  11112. immer eine idealistische Gesinnung der Staatsrasse voraus,
  11113. besonders aber eine richtige Auffassung des Begriffes Arbeit. In eben dem Maße, in dem es an dieser Einstellung mangelt, versagt auch jeder Versuch zur Bildung, ja
  11114. sogar zur Erhaltung eines räumlich begrenzten Staates.
  11115. Damit entfällt jedoch die Grundlage, auf der eine Kultur
  11116. allein entstehen kann.
  11117. Daher ist das jüdische Volk bei allen scheinbaren intellektuellen Eigenschaften dennoch ohne jede wahre Kultur, besonders aber ohne jede eigene. Denn was der Jude heute
  11118. an Scheinkultur besitzt, ist das unter seinen Händen meist
  11119. schon verdorbene Gut der anderen Völker.
  11120. 332
  11121. Die Scheinkultur des Juden
  11122. Als wesentliches Merkmal bei der Beurteilung des Judentums in seiner Stellung zur Frage der menschlichen Kultur
  11123. muß man sich immer vor Augen halten, daß es eine jüdische
  11124. Kunst niemals gab und demgemäß auch heute nicht gibt,
  11125. daß vor allem die beiden Königinnen aller Künste, Architektur und Musik, dem Judentum nichts Ursprüngliches
  11126. zu verdanken haben. Was es auf dem Gebiete der Kunst
  11127. leistet, ist entweder Verbalhornung oder geistiger Diebstahl. Damit aber fehlen dem Juden jene Eigenschaften,
  11128. die schöpferisch und damit kulturell begnadete Rassen auszeichnen.
  11129. Wie sehr der Jude nur nachempfindend, besser aber verderbend fremde Kultur übernimmt, geht daraus hervor,
  11130. daß er am meisten in der Kunst zu finden ist, die auch am
  11131. wenigsten auf eigene Erfindung eingestellt erscheint, der
  11132. Schauspielkunst. Allein selbst hier ist er wirklich nur der
  11133. „Gaukler“, besser der Nachäffer; denn selbst hier fehlt ihm
  11134. der allerletzte Wurf zur wirklichen Größe; selbst hier ist er
  11135. nicht der geniale Gestalter, sondern äußerlicher Nachahmer,
  11136. wobei alle dabei angewendeten Mätzchen und Tricks eben
  11137. doch nicht über die innere Leblosigkeit seiner Gestaltungsgabe hinwegzutäuschen vermögen. Hier hilft nur die jüdische
  11138. Presse in liebevollster Weise nach, indem sie über jeden,
  11139. aber auch den mittelmäßigsten Stümper, sofern er eben
  11140. nur Jude ist, ein solches Hosiannnageschrei erhebt, daß die
  11141. übrige Mitwelt endlich wirklich vermeint, einen Künstler
  11142. vor sich zu sehen, während es sich in Wahrheit nur um
  11143. einen jammervollen Komödianten handelt.
  11144. Nein, der Jude besitzt keine irgendwie kulturbildende
  11145. Kraft, da der Idealismus, ohne den es eine wahrhafte
  11146. Höherentwicklung des Menschen nicht gibt, bei ihm nicht
  11147. vorhanden ist und nie vorhanden war. Daher wird sein
  11148. Intellekt niemals aufbauend wirken, sondern zerstörend und
  11149. in ganz seltenen Fällen vielleicht höchstens aufpeitschend,
  11150. dann aber als das Urbild der „Kraft, die stets das Böse
  11151. will und stets das Gute schafft“. Nicht durch ihn findet
  11152. irgendein Fortschritt der Menschheit statt, sondern trotz ihm.
  11153. Da der Jude niemals einen Staat mit bestimmter terri-
  11154. Der Jude ist kein Nomade
  11155. 333
  11156. torialer Begrenzung besaß und damit auch nie eine Kultur
  11157. sein eigen nannte, entstand die Vorstellung, als handle es
  11158. sich hier um ein Volk, das in die Reihe der N o m a d e n
  11159. zu rechnen wäre. Dies ist ein ebenso großer wie gefährlicher
  11160. Irrtum. Der Nomade besitzt sehr wohl einen bestimmt umgrenzten Lebensraum, nur bebaut er ihn nicht als seßhafter
  11161. Bauer, sondern lebt vom Ertrage seiner Herden, mit denen
  11162. er in seinem Gebiete wandert. Der äußere Grund hierfür
  11163. ist in der geringen Fruchtbarkeit eines Bodens zu sehen,
  11164. der eine Ansiedlung einfach nicht gestattet. Die tiefere Ursache aber liegt im Mißverhältnis zwischen der technischen
  11165. Kultur einer Zeit oder eines Volkes und der natürlichen
  11166. Armut eines Lebensraumes. Es gibt Gebiete, in denen auch
  11167. der Arier nur durch seine im Laufe von mehr denn tausend
  11168. Jahren entwickelte Technik in der Lage ist, in geschlossenen
  11169. Siedelungen des weiten Bodens Herr zu werden und die
  11170. Erfordernisse des Lebens aus ihm zu bestreiten. Besäße er
  11171. diese Technik nicht, so müßte er entweder diese Gebiete meiden oder ebenfalls als Nomade in dauernder Wanderschaft das Leben fristen, vorausgesetzt, daß nicht seine
  11172. tausendjährige Erziehung und Gewöhnung an Seßhaftigkeit
  11173. dies für ihn einfach unerträglich erscheinen ließe. Man muß
  11174. bedenken, daß in der Zeit der Erschließung des amerikanischen Kontinents zahlreiche Arier sich ihr Leben als Fallensteller, Jäger usw. erkämpften, und zwar häufig in größeren
  11175. Trupps mit Weib und Kind, immer herumziehend, so daß
  11176. ihr Dasein vollkommen dem der Nomaden glich. Sobald
  11177. aber ihre steigende Zahl und bessere Hilfsmittel gestatteten, den wilden Boden auszuroden und den Ureinwohnern
  11178. standzuhalten, schossen immer mehr Siedlungen in dem
  11179. Lande empor.
  11180. Wahrscheinlich war auch der Arier erst Nomade und
  11181. wurde im Laufe der Zeit seßhaft, allein deshalb war er
  11182. doch niemals Jude! Nein, der Jude ist kein Nomade; denn
  11183. auch der Nomade hatte schon eine bestimmte Stellung zum
  11184. Begriffe „Arbeit“, die als Grundlage für eine spätere Entwicklung dienen konnte, sofern die notwendigen geistigen
  11185. Voraussetzungen hierzu vorhanden waren. Die idealistische
  11186. 334
  11187. Der Jude ein Parasit
  11188. Grundanschauung aber ist bei ihm, wenn auch in unendlicher Verdünnung, gegeben, daher erscheint er auch in seinem ganzen Wesen den arischen Völkern vielleicht fremd,
  11189. allein nicht unsympathisch. Bei den Juden hingegen ist
  11190. diese Einstellung überhaupt nicht vorhanden; er war deshalb auch nie Nomade, sondern immer nur P a r a s i t im
  11191. Körper anderer Völker. Daß er dabei manchmal seinen bisherigen Lebensraum verläßt, hängt nicht mit seiner Absicht
  11192. zusammen, sondern ist das Ergebnis des Hinauswurfes,
  11193. den er von Zeit zu Zeit durch die mißbrauchten Gastvölker
  11194. erfährt. Sein Sich-Weiterverbreiten aber ist eine typische
  11195. Erscheinung für alle Parasiten; er sucht immer neuen Nährboden für seine Rasse.
  11196. Dies hat aber mit Nomadentum deshalb nichts zu tun,
  11197. weil der Jude gar nicht daran denkt, ein von ihm besetztes
  11198. Gebiet wieder zu räumen, sondern bleibt, wo er sitzt, und
  11199. zwar so seßhaft, daß er selbst mit Gewalt nur mehr sehr
  11200. schwer zu vertreiben ist. Sein Ausdehnen auf immer neue
  11201. Länder erfolgt erst in dem Augenblick, in dem dort gewisse
  11202. Bedingungen für sein Dasein gegeben sind, ohne daß er dadurch – wie der Nomade – seinen bisherigen Wohnsitz
  11203. verändern würde. Er ist und bleibt der ewige Parasit, ein
  11204. Schmarotzer, der wie ein schädlicher Bazillus sich immer
  11205. mehr ausbreitet, sowie nur ein günstiger Nährboden dazu
  11206. einlädt. Die Wirkung seines Daseins aber gleicht ebenfalls
  11207. der von Schmarotzern: wo er auftritt, stirbt das Wirtsvolk
  11208. nach kürzerer oder längerer Zeit ab.
  11209. So lebte der Jude zu allen Zeiten in den Staaten anderer
  11210. Völker und bildete dort seinen eigenen Staat, der allerdings so lange unter der Bezeichnung „Religionsgemeinschaft“ maskiert zu segeln pflegte, als die äußeren Umstände
  11211. kein vollständiges Enthüllen seines Wesens angezeigt sein
  11212. ließen. Glaubte er sich aber einmal stark genug, um der
  11213. Schutzdecke entbehren zu können, dann ließ er noch immer
  11214. den Schleier fallen und war plötzlich das, was so viele
  11215. andere früher nicht glauben und sehen wollten: der Jude.
  11216. Im Leben des Juden als Parasit im Körper anderer
  11217. Nationen und Staaten liegt eine Eigenart begründet, die
  11218. Jüdische „Religionsgemeinschaft“
  11219. 335
  11220. Schopenhauer einst zu dem schon erwähnten Ausspruch veranlaßte, der Jude sei der „große Meister im Lügen“. Das
  11221. Dasein treibt den Juden zur Lüge, und zwar zur immerwährenden Lüge, wie es den Nordländer zur warmen Kleidung zwingt.
  11222. Sein Leben innerhalb anderer Völker kann auf die Dauer
  11223. nur währen, wenn es ihm gelingt, die Meinung zu erwecken, als handle es sich bei ihm um kein Volk, sondern
  11224. um eine, wenn auch besondere „Religionsgemeinschaft“.
  11225. Dies ist aber die erste große Lüge.
  11226. Er muß, um sein Dasein als Völkerparasit führen zu können, zur Verleugnung seiner inneren Wesensart greifen.
  11227. Je intelligenter der einzelne Jude ist, um so mehr wird ihm
  11228. diese Täuschung auch gelingen. Ja, es kann so weit kommen, daß große Teile des Wirtsvolkes endlich ernstlich glauben werden, der Jude sei wirklich ein Franzose oder Engländer, ein Deutscher oder Italiener, wenn auch von besonderer Konfession. Besonders staatliche Stellen, die ja
  11229. immer von dem historischen Bruchteil der Weisheit beseelt
  11230. zu sein scheinen, fallen diesem infamen Betrug am leichtesten zum Opfer. Das selbständige Denken gilt in diesen
  11231. Kreisen ja manchmal als eine wahre Sünde wider das heilige Fortkommen, so daß es einen nicht wundernehmen darf,
  11232. wenn z. B. ein bayerisches Staatsministerium auch heute
  11233. noch keine Blasse Ahnung davon besitzt, daß die Juden Angehörige eines V o l k e s sind und nicht einer „K o n f e s s i o n “, obwohl nur ein Blick in die dem Judentum eigene
  11234. Zeitungswelt dies selbst dem bescheidensten Geist sofort
  11235. aufzeigen müßte. Allerdings ist das „Jüdische Echo“ ja noch
  11236. nicht das Amtsblatt und folglich für den Verstand eines
  11237. solchen Regierungspotentaten unmaßgeblich.
  11238. Das Judentum war immer ein Volk mit bestimmten rassischen Eigenarten und niemals eine Religion, nur sein
  11239. Fortkommen ließ es schon frühzeitig nach einem Mittel
  11240. suchen, das die unangenehme Aufmerksamkeit in bezug auf
  11241. seine Angehörigen zu zerstreuen vermochte. Welches Mittel
  11242. aber wäre zweckmäßiger und zugleich harmloser gewesen
  11243. als die Einschiebung des geborgten Begriffs der Religions-
  11244. 336
  11245. Die jüdische Religionslehre
  11246. gemeinschaft? Denn auch hier ist alles entlehnt, besser
  11247. gestohlen – aus dem ursprünglichen eigenen Wesen kann
  11248. der Jude eine religiöse Einrichtung schon deshalb nicht
  11249. besitzen, da ihm der Idealismus in jeder Form fehlt und
  11250. damit auch der Glaube an ein Jenseits vollkommen fremd
  11251. ist. Man kann sich aber eine Religion nach arischer Auffassung nicht vorstellen, der die Überzeugung des Fortlebens nach dem Tode in irgendeiner Form mangelt. Tatsächlich ist auch der Talmud kein Buch zur Vorbereitung
  11252. für das Jenseits, sondern nur für ein praktisches und
  11253. erträgliches Leben im Diesseits.
  11254. Die jüdische Religionslehre ist in erster Linie eine Anweisung zur Reinhaltung des Blutes des Judentums sowie
  11255. zur Regelung des Verkehrs der Juden untereinander, mehr
  11256. aber noch mit der übrigen Welt, mit den Nichtjuden also.
  11257. Aber auch hier handelt es sich keineswegs um ethische Probleme, sondern um außerordentlich bescheidene wirtschaftliche. Über den sittlichen Wert des jüdischen Religionsunterrichtes gibt es heute und gab es zu allen Zeiten schon ziemlich eingehende Studien (nicht jüdischerseits; die Schwafeleien der Juden selber darüber sind natürlich dem Zweck angepaßt), die diese Art von Religion nach arischen Begriffen
  11258. als geradezu unheimlich erscheinen lassen. Die beste Kennzeichnung jedoch gibt das Produkt dieser religiösen Erziehung, der Jude selber. Sein Leben ist nur von dieser
  11259. Welt, und sein Geist ist dem wahren Christentum innerlich
  11260. so fremd, wie sein Wesen es zweitausend Jahre vorher dem
  11261. großen Gründer der neuen Lehre selber war. Freilich
  11262. machte dieser aus seiner Gesinnung dem jüdischen Volke
  11263. gegenüber kein Hehl, griff, wenn nötig, sogar zur Peitsche,
  11264. um aus dem Tempel des Herrn diesen Widersacher jedes
  11265. Menschentums zu treiben, der auch damals wie immer in
  11266. der Religion nur ein Mittel zur geschäftlichen Existenz sah.
  11267. Dafür wurde dann Christus freilich an das Kreuz geschlagen,
  11268. während unser heutiges Parteichristentum sich herabwürdigt,
  11269. bei den Wahlen um jüdische Stimmen zu betteln und später
  11270. mit atheistischen Judenparteien politische Schiebungen zu
  11271. vereinbaren sucht, und zwar gegen das eigene Volkstum.
  11272. Die „Weisen von Zion“
  11273. 337
  11274. Auf dieser ersten und größten Lüge, das Judentum sei
  11275. nicht eine Rasse, sondern eine Religion, bauen sich dann in
  11276. zwangsläufiger Folge immer weitere Lügen auf. Zu ihnen
  11277. gehört auch die Lüge hinsichtlich der Sprache des Juden.
  11278. Sie ist ihm nicht das Mittel, seine Gedanken auszudrücken,
  11279. sondern das Mittel, sie zu verbergen. Indem er französisch
  11280. redet, denkt er jüdisch, und während er deutsche Verse
  11281. drechselt, lebt er nur das Wesen seines Volkstums aus.
  11282. Solange der Jude nicht der Herr der anderen Völker geworden ist, muß er wohl oder übel deren Sprachen sprechen, sobald diese jedoch seine Knechte wären, hätten sie
  11283. alle eine Universalsprache (z.B. Esperanto!) zu lernen, so
  11284. daß auch durch dieses Mittel das Judentum sie leichter beherrschen könnte!
  11285. Wie sehr das ganze Dasein dieses Volkes auf einer fortlaufenden Lüge beruht, wird in unvergleichlicher Art in
  11286. den von den Juden so unendlich gehaßten „Protokollen der
  11287. Weisen von Zion“ gezeigt. Sie sollen auf einer Fälschung
  11288. beruhen, stöhnt immer wieder die „Frankfurter Zeitung“
  11289. in die Welt hinaus: der beste Beweis dafür, daß sie echt
  11290. sind. Was viele Juden unbewußt tun mögen, ist hier bewußt klargelegt. Darauf aber kommt es an. Es ist ganz
  11291. gleich, aus wessen Judenkopf diese Enthüllungen stammen,
  11292. maßgebend aber ist, daß sie mit geradezu grauenerregender
  11293. Sicherheit das Wesen und die Tätigkeit des Judenvolkes
  11294. aufdecken und in ihren inneren Zusammenhängen sowie
  11295. den letzten Schlußzielen darlegen. Die beste Kritik an ihnen
  11296. jedoch bildet die Wirklichkeit. Wer die geschichtliche Entwicklung der letzten hundert Jahre von den Gesichtspunkten
  11297. dieses Buches aus überprüft, dem wird auch das Geschrei
  11298. der jüdischen Presse sofort verständlich werden. Denn wenn
  11299. dieses Buch erst einmal Gemeingut des Volkes geworden
  11300. sein wird, darf die jüdische Gefahr auch schon als gebrochen gelten.
  11301. Um den Juden kennenzulernen, ist es am besten, seinen
  11302. Weg zu studieren, den er innerhalb der anderen Völker und
  11303. 338
  11304. Der Werdegang des Judentums
  11305. im Laufe der Jahrhunderte genommen hat. Es genügt dabei, dies nur an einem Beispiele zu verfolgen, um zu den
  11306. nötigen Erkenntnissen zu kommen. Da sein Werdegang
  11307. immer und zu allen Zeiten derselbe war, wie ja auch die
  11308. von ihm aufgefressenen Völker immer die gleichen sind, so
  11309. empfiehlt es sich, bei einer solchen Betrachtung seine Entwicklung in bestimmte Abschnitte zu zerlegen, die ich in diesem Falle der Einfachheit halber mit Buchstaben bezeichne.
  11310. Die ersten Juden sind nach Germanien im Verlaufe des
  11311. Vordringens der Römer gekommen, und zwar wie immer
  11312. als Händler. In den Stürmen der Völkerwanderung aber
  11313. sind sie anscheinend wieder verschwunden, und so darf als
  11314. Beginn einer neuen und nun bleibenden Verjudung Mittel- und Nordeuropas die Zeit der ersten germanischen
  11315. Staatenbildung angesehen werden. Eine Entwicklung setzt
  11316. ein, die immer dieselbe oder eine ähnliche war, wenn
  11317. irgendwo Juden auf arische Völker stießen.
  11318. a) Mit dem Entstehen der ersten festen Siedelungen ist
  11319. der Jude plötzlich „da“. Er kommt als Händler und legt
  11320. anfangs noch wenig Wert auf die Verschleierung seines
  11321. Volkstums. Er ist noch Jude, zum Teil vielleicht auch deshalb, weil der äußere Rassenunterschied zwischen ihm und
  11322. dem Gastvolk zu groß, seine sprachlichen Kenntnisse noch zu
  11323. gering, die Abgeschlossenheit des Gastvolkes jedoch zu scharf
  11324. sind, als daß er es wagen dürfte, als etwas anderes denn
  11325. ein fremder Händler erscheinen zu wollen. Bei seiner Geschmeidigkeit und der Unerfahrenheit des Gastvolkes bedeutet die Beibehaltung seines Charakters als Jude auch
  11326. keinen Nachteil für ihn, sondern eher einen Vorteil; man
  11327. kommt dem Fremden freundlich entgegen.
  11328. b) Allmählich beginnt er sich langsam in der Wirtschaft
  11329. zu betätigen, nicht als Produzent, sondern ausschließlich als
  11330. Zwischenglied. In seiner tausendjährigen händlerischen Gewandtheit ist er den noch unbeholfenen, besonders aber
  11331. grenzenlos ehrlichen Ariern weit überlegen, so daß schon
  11332. in kurzer Zeit der Handel sein Monopol zu werden droht.
  11333. Der Werdegang des Judentums
  11334. 339
  11335. Er beginnt mit dem Verleihen von Geld, und zwar wie
  11336. immer zu Wucherzinsen. Tatsächlich führt er den Zins auch
  11337. dadurch ein. Die Gefahr dieser neuen Einrichtung wird zunächst nicht erkannt, sondern um der augenblicklichen Vorteile wegen sogar begrüßt.
  11338. c) Der Jude ist vollkommen seßhaft geworden, d.h. er
  11339. besiedelt in den Städten und Flecken besondere Viertel und
  11340. bildet immer mehr einen Staat im Staate. Den Handel sowohl als sämtliche Geldgeschäfte faßt er als sein eigenstes
  11341. Privileg auf, das er rücksichtslos auswertet.
  11342. d) Das Geldgeschäft und der Handel sind restlos sein
  11343. Monopol geworden. Seine Wucherzinsen erregen endlich
  11344. Widerstand, seine zunehmende sonstige Frechheit aber Empörung, sein Reichtum Neid. Das Maß wird übervoll, als
  11345. er auch den Grund und Boden in den Kreis seiner händlerischen Objekte einbezieht und ihn zur verkäuflichen, besser, handelbaren Ware erniedrigt. Da er selber den Boden
  11346. nie bebaut, sondern bloß als ein Ausbeutungsgut betrachtet,
  11347. auf dem der Bauer sehr wohl bleiben kann, allein unter
  11348. den elendesten Erpressungen seitens seines nunmehrigen
  11349. Herrn, steigert sich die Abneigung gegen ihn allmählich
  11350. zum offenen Haß. Seine blutsaugerische Tyrannei wird so
  11351. groß, daß es zu Ausschreitungen gegen ihn kommt. Man
  11352. beginnt sich den Fremden immer näher anzusehen und entdeckt immer neue abstoßende Züge und Wesensarten an
  11353. ihm, bis die Kluft unüberbrückbar wird.
  11354. In Zeiten bitterster Not bricht endlich die Wut gegen
  11355. ihn aus, und die ausgeplünderten und zugrunde gerichteten
  11356. Massen greifen zur Selbsthilfe, um sich der Gottesgeißel zu
  11357. erwehren. Sie haben ihn im Laufe einiger Jahrhunderte
  11358. kennengelernt und empfinden schon sein bloßes Dasein als
  11359. gleiche Not wie die Pest.
  11360. e) Nun beginnt der Jude aber seine wahren Eigenschaften zu enthüllen. Mit widerlicher Schmeichelei macht er sich
  11361. an die Regierungen heran, läßt sein Geld arbeiten und
  11362. sichert sich auf solche Art immer wieder den Freibrief zu
  11363. neuer Ausplünderung seiner Opfer. Wenn auch manchmal
  11364. die Wut des Volkes gegen den ewigen Blutegel lichterloh
  11365. 340
  11366. Der Werdegang des Judentums
  11367. aufbrennt, so hindert ihn dies nicht im geringsten, in
  11368. wenigen Jahren schon wieder in dem kaum verlassenen Orte
  11369. neuerdings aufzutauchen und das alte Leben von vorne zu
  11370. beginnen. Keine Verfolgung kann ihn von seiner Art der
  11371. Menschenausbeutung abbringen, keine ihn vertreiben, nach
  11372. jeder ist er in kurzer Zeit wieder da, und zwar als der alte.
  11373. Um wenigstens das Allerärgste zu verhindern, beginnt
  11374. man, den Boden seiner wucherischen Hand zu entziehen,
  11375. indem man ihm die Erwerbung desselben einfach gesetzlich
  11376. unmöglich macht.
  11377. f) In dem Maße, in dem die Macht der Fürsten zu steigen
  11378. beginnt, drängt er sich immer näher an diese heran. Er
  11379. bettelt um „Freibriefe“ und „Privilegien“, die er von den
  11380. stets in Finanznöten befindlichen Herren gegen entsprechende Bezahlung gerne erhält. Was ihn dieses auch kostet,
  11381. er bringt in wenigen Jahren das ausgegebene Geld mit
  11382. Zins und Zinseszins wieder herein. Ein wahrer Blutegel,
  11383. der sich an den Körper des unglücklichen Volkes ansetzt und
  11384. nicht wegzubringen ist, bis die Fürsten selber wieder Geld
  11385. brauchen und ihm das ausgesogene Blut höchst persönlich
  11386. abzapfen.
  11387. Dieses Spiel wiederholt sich immer von neuem, wobei
  11388. die Rolle der sogenannten „deutschen Fürsten“ genau so
  11389. erbärmlich wie die der Juden selber ist. Sie waren wirklich
  11390. die Strafe Gottes für ihre lieben Völker, diese Herren, und
  11391. finden ihre Parallele nur in verschiedenen Ministern der
  11392. heutigen Zeit.
  11393. Den deutschen Fürsten ist es zu danken, daß die deutsche
  11394. Nation sich von der jüdischen Gefahr nicht endgültig zu erlösen vermochte. Leider hat sich darin auch später nichts
  11395. geändert, so daß ihnen vom Juden nur der tausendfach
  11396. verdiente Lohn zuteil wurde für die Sünden, die sie an
  11397. ihren Völkern einst verbrochen haben. Sie verbündeten sich
  11398. mit dem Teufel und landeten bei ihm.
  11399. g) So führt seine Umgarnung der Fürsten zu deren Verderben. Langsam aber sicher lockert sich ihre Stellung zu den
  11400. Völkern in dem Maße, in dem sie aufhören, den Interessen
  11401. derselben zu dienen, und statt dessen zu Nutznießern ihrer
  11402. Der Werdegang des Judentums
  11403. 341
  11404. Untertanen werden. Der Jude weiß ihr Ende genau und
  11405. sucht es nach Möglichkeit zu beschleunigen. Er selber fördert
  11406. ihre ewige Finanznot, indem er sie den wahren Aufgaben
  11407. immer mehr entfremdet, in übelster Schmeichelei umkriecht,
  11408. zu Lastern anleitet und sich dadurch immer unentbehrlicher
  11409. macht. Seine Gewandtheit, besser Skrupellosigkeit in allen
  11410. Geldangelegenheiten versteht es, immer neue Mittel aus
  11411. den ausgeplünderten Untertanen herauszupressen, ja herauszuschinden, die in immer kürzeren Zeiträumen den Weg
  11412. alles Irdischen gehen. So hat jeder Hof seinen „Hofjuden“
  11413. – wie die Scheusale heißen, die das liebe Volk bis zur
  11414. Verzweiflung quälen und den Fürsten das ewige Vergnügen bereiten. Wen will es da wundernehmen, daß diese
  11415. Zierden des menschlichen Geschlechtes endlich auch äußerlich
  11416. geziert werden und in den erblichen Adelsstand emporsteigen, so mithelfend, auch diese Einrichtung nicht nur der
  11417. Lächerlichkeit preiszugeben, sondern sogar zu vergiften?
  11418. Nun vermag er natürlich erst recht seine Stellung zugunsten seines Fortkommens zu verwenden.
  11419. Endlich braucht er sich ja nur taufen zu lassen, um in
  11420. den Besitz aller Möglichkeiten und Rechte der Landeskinder
  11421. selber kommen zu können. Er besorgt dieses Geschäft denn
  11422. auch nicht selten zur Freude der Kirchen über den gewonnenen Sohn und Israels über den gelungenen Schwindel.
  11423. h) In der Judenheit beginnt sich jetzt ein Wandel zu
  11424. vollziehen. Sie waren bisher Juden, d.h. man legte keinen
  11425. Wert darauf, als etwas anderes erscheinen zu wollen, und
  11426. konnte dies auch nicht bei den so überaus ausgeprägten
  11427. Rassemerkmalen auf beiden Seiten. Noch in der Zeit Friedrichs des Großen fällt es keinem Menschen ein, in den
  11428. Juden etwas anderes als das „fremde“ Volk zu sehen, und
  11429. noch Goethe ist entsetzt bei dem Gedanken, daß künftig die
  11430. Ehe zwischen Christen und Juden nicht mehr gesetzlich verboten sein soll. Goethe aber war denn doch, wahrhaftiger
  11431. Gott, kein Rückschrittler oder gar Zelot; was aus ihm
  11432. sprach, war nichts anderes als die Stimme des Blutes
  11433. und der Vernunft. So erblickte – trotz aller schmachvollen
  11434. Handlungen der Höfe – das Volk im Juden instinktiv
  11435. 342
  11436. Der Werdegang des Judentums
  11437. den fremden Körper im eigenen Leibe und stellte sich
  11438. demgemäß auch zu ihm ein.
  11439. Nun aber sollte dies anders werden. Im Laufe von mehr
  11440. als tausend Jahren hat er die Sprache des Gastvolkes so
  11441. weit beherrschen gelernt, daß er es nun wagen zu können
  11442. glaubt, sein Judentum künftig etwas weniger zu betonen
  11443. und sein „Deutschtum“ mehr in den Vordergrund zu stellen; denn so lächerlich, ja aberwitzig es zunächst auch erscheinen mag, nimmt er sich dennoch die Frechheit heraus
  11444. und verwandelt sich in einen „Germanen“, in diesem
  11445. Falle also in einen „Deutschen“. Damit wetzt eine der infamsten Täuschungen ein, die sich denken läßt. Da er vom
  11446. Deutschtum wirklich nichts besitzt als die Kunst, seine
  11447. Sprache – noch dazu in fürchterlicher Weise – zu radebrechen, im übrigen aber niemals sich mit ihm vermengte,
  11448. beruht mithin sein ganzes Deutschtum nur auf der Sprache
  11449. allein. Die Rasse aber liegt nicht in der Sprache, sondern
  11450. ausschließlich im Blute, etwas, das niemand besser weiß als
  11451. der Jude, der gerade auf die Erhaltung seiner Sprache
  11452. nur sehr wenig Wert legt, hingegen allen Wert auf die
  11453. Reinhaltung seines Blutes. Ein Mensch kann ohne weiteres die Sprache ändern, d.h. er kann sich einer anderen
  11454. bedienen; allein er wird dann in seiner neuen Sprache
  11455. die alten Gedanken ausdrücken; sein inneres Wesen wird
  11456. nicht verändert. Dies zeigt am allerbesten der Jude, der in
  11457. tausend Sprachen reden kann und dennoch immer der eine
  11458. Jude bleibt. Seine Charaktereigenschaften sind dieselben
  11459. geblieben, mochte er vor zweitausend Jahren als Getreidehändler in Ostia römisch sprechen oder mag er als Mehlschieber von heute deutsch mauscheln. Es ist immer der
  11460. gleiche Jude. Daß diese Selbstverständlichkeit von einem
  11461. normalen heutigen Ministerialrat oder höheren Polizeibeamten nicht begriffen wird, ist freilich auch selbstverständlich, läuft doch etwas Instinkt- und Geistloseres schwerlich herum als diese Diener unserer vorbildlichen Staatsautorität der Gegenwart.
  11462. Der Grund, warum sich der Jude entschließt, auf einmal
  11463. zum „Deutschen“ zu werden, liegt auf der Hand. Er fühlt,
  11464. Der Werdegang des Judentums
  11465. 343
  11466. wie die Macht der Fürsten langsam ins Wanken gerät, und
  11467. sucht deshalb frühzeitig eine Plattform unter seine Füße
  11468. zu bekommen. Weiter aber ist seine geldliche Beherrschung
  11469. der gesamten Wirtschaft schon so fortgeschritten, daß er
  11470. ohne den Besitz aller „staatsbürgerlichen“ Rechte das ganze
  11471. ungeheure Gebäude nicht mehr länger zu stützen vermag,
  11472. auf alle Fälle keine weitere Steigerung seines Einflusses
  11473. mehr stattfinden kann. Beides aber wünscht er; denn je
  11474. höher er klimmt, um so lockender steigt aus dem Schleier
  11475. der Vergangenheit sein altes, ihm einst verheißenes Ziel
  11476. heraus, und mit fiebernder Gier sehen seine hellsten Köpfe
  11477. den Traum der Weltherrschaft schon wieder in faßbare
  11478. Nähe rücken. So ist sein einziges Streben darauf gerichtet,
  11479. sich in den Vollbesitz der „staatsbürgerlichen“ Rechte zu
  11480. setzen.
  11481. Dies ist der Grund der Emanzipation aus dem Ghetto.
  11482. i) So entwickelt sich aus dem Hofjuden langsam der
  11483. Volksjude, das heißt natürlich: der Jude bleibt nach wie
  11484. vor in der Umgebung der hohen Herren, ja, er sucht sich
  11485. eher noch mehr in deren Kreis hineinzuschieben, allein zu
  11486. gleicher Zeit biedert sich ein anderer Teil seiner Rasse an
  11487. das liebe Volk an. Wenn man bedenkt, wie sehr er an der
  11488. Masse im Laufe der Jahrhunderte gesündigt hatte, wie er
  11489. sie immer von neuem unbarmherzig auspreßte und aussog,
  11490. wenn man weiter bedenkt, wie ihn das Volk dafür allmählich hassen lernte und am Ende in seinem Dasein wirklich
  11491. nur mehr eine Strafe des Himmels für die anderen Völker
  11492. erblickte, so kann man verstehen, wie schwer dem Juden
  11493. diese Umstellung werden muß. Ja, es ist eine mühsame Arbeit, sich den abgehäuteten Opfern auf einmal als „Freund
  11494. der Menschen“ vorzustellen.
  11495. Er geht denn auch zunächst daran, in den Augen des Volkes wieder gutzumachen, was er bisher an ihm verbrochen
  11496. hatte. Er beginnt seine Wandlung als „Wohltäter“ der
  11497. Menschheit. Da seine neue Güte einen realen Grund hat,
  11498. kann er sich auch nicht gut an das alte Bibelwort halten,
  11499. daß die Linke nicht wissen solle, was die Rechte gibt, sondern er muß sich wohl oder übel damit abfinden, möglichst
  11500. 344
  11501. Der Werdegang des Judentums
  11502. viele wissen zu lassen, wie sehr er die Leiden der Masse
  11503. empfindet, und was alles er dagegen persönlich an Opfern
  11504. bringt. In dieser ihm nun einmal angeborenen Bescheidenheit trommelt er seine Verdienste in die übrige Welt so
  11505. lange hinaus, bis diese wirklich daran zu glauben beginnt.
  11506. Wer nicht daran glaubt, tut ihm bitter Unrecht. In kurzer
  11507. Zeit schon fängt er an, die Dinge so zu drehen, als ob bisher überhaupt nur ihm immer Unrecht zugefügt worden
  11508. wäre und nicht umgekehrt. Besondere Dumme glauben dies
  11509. und können dann nicht anders, als den armen „Unglücklichen“ zu bedauern.
  11510. Im übrigen wäre hier noch zu bemerken, daß der Jude
  11511. bei aller Opferfreudigkeit persönlich natürlich dennoch nie
  11512. verarmt. Er versteht schon einzuteilen; ja, manchmal ist
  11513. seine Wohltat wirklich nur mit dem Dünger zu vergleichen,
  11514. der auch nicht aus Liebe zum Feld auf dieses gestreut
  11515. wird, sondern aus Voraussicht für das spätere eigene Wohl.
  11516. Auf jeden Fall aber weiß in verhältnismäßig kurzer Zeit
  11517. alles, daß der Jude ein „Wohltäter und Menschenfreund“
  11518. geworden ist. Welch ein eigentümlicher Wandel!
  11519. Was aber bei anderen mehr oder weniger als selbstverständlich gilt, erweckt schon deshalb höchstes Erstaunen, ja
  11520. bei vielen ersichtliche Bewunderung, weil es bei ihm eben
  11521. nicht selbstverständlich ist. So kommt es, daß man ihm auch
  11522. jede solche Tat noch um vieles höher anrechnet als der
  11523. übrigen Menschheit.
  11524. Aber noch mehr: Der Jude wird auf einmal auch liberal
  11525. und fängt an, vom notwendigen Fortschritt der Menschheit
  11526. zu schwärmen.
  11527. Langsam macht er sich so zum Wortführer einer neuen
  11528. Zeit.
  11529. Freilich zerstört er auch immer gründlicher die Grundlagen einer wahrhaft volksnützlichen Wirtschaft. Über
  11530. dem Umwege der Aktie schiebt er sich in den Kreislauf der
  11531. nationalen Produktion ein, macht diese zum käuflichen, besser handelbaren Schacherobjekt und raubt damit den Betrieben die Grundlagen einer persönlichen Besitzerschaft. Damit erst tritt zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer jene
  11532. Der Werdegang des Judentums
  11533. 345
  11534. innere Entfremdung ein, die zur späteren politischen
  11535. Klassenspaltung hinüberleitet.
  11536. Endlich aber wächst die jüdische Einflußnahme auf wirtschaftliche Belange über die Börse nun unheimlich schnell
  11537. an. Er wird zum Besitzer oder doch zum Kontrolleur der
  11538. nationalen Arbeitskraft.
  11539. Zur Stärkung seiner politischen Stellung versucht er, die
  11540. rassischen und staatsbürgerlichen Schranken einzureißen, die
  11541. ihn zunächst noch auf Schritt und Tritt beengen. Er kämpft
  11542. zu diesem Zwecke mit aller ihm eigenen Zähigkeit für die
  11543. religiöse Toleranz – und hat in der ihm vollständig verfallenen Freimaurerei ein vorzügliches Instrument zur
  11544. Verfechtung wie aber auch zur Durchschiebung seiner Ziele.
  11545. Die Kreise der Regierenden sowie die höheren Schichten
  11546. des politischen und wirtschaftlichen Bürgertums gelangen
  11547. durch maurerische Fäden in seine Schlingen, ohne daß sie
  11548. es auch nur zu ahnen brauchen.
  11549. Nur das Volk als solches oder besser der Stand, der, im
  11550. Erwachen begriffen, sich selber seine Rechte und die Freiheit erkämpft, kann dadurch in tieferen und breiteren
  11551. Schichten noch nicht genügend erfaßt werden. Dieses aber
  11552. ist nötiger als alles andere; denn der Jude fühlt, daß
  11553. die Möglichkeit seines Aufstieges zu einer beherrschenden
  11554. Rolle nur gegeben ist, wenn sich vor ihm ein „Schrittmacher“ befindet; den aber vermeint er im Bürgertum,
  11555. und zwar in den breitesten Schichten desselben, erkennen zu
  11556. können. Die Handschuhmacher und Leineweber aber kann
  11557. man nicht mit dem feinen Netz der Freimaurerei einfangen,
  11558. sondern es müssen hier schon gröbere und dabei aber nicht
  11559. minder eindringliche Mittel angesetzt werden. So kommt
  11560. zur Freimaurerei als zweite Waffe im Dienste des Judentums: die P r e s s e . In ihren Besitz setzt er sich mit aller
  11561. Zähigkeit und Geschicklichkeit. Mit ihr beginnt er langsam
  11562. das ganze öffentliche Leben zu umklammern und zu umgarnen, zu leiten und zu schieben, da er in der Lage ist,
  11563. jene Macht zu erzeugen und zu dirigieren, die man unter
  11564. der Bezeichnung „öffentliche Meinung“ heute besser kennt
  11565. als noch vor wenigen Jahrzehnten.
  11566. 346
  11567. Der Werdegang des Judentums
  11568. Dabei stellt er sich persönlich immer als unendlich wissensdurstig hin, lobt jeden Fortschritt, am meisten freilich
  11569. den, der zum Verderben der anderen führt; denn jedes
  11570. Wissen und jede Entwicklung beurteilt er immer nur nach
  11571. der Möglichkeit der Förderung seines Volkstums, und wo
  11572. diese fehlt, ist er der unerbittliche Todfeind jedes Lichtes,
  11573. der Hasser jeder wahren Kultur. So verwendet er alles
  11574. Wissen, das er in den Schulen der anderen aufnimmt, nur
  11575. im Dienste seiner Rasse.
  11576. Dieses Volkstum aber hütet er wie nie zuvor. Während
  11577. er von „Aufklärung“, „Fortschritt“, „Freiheit“, „Menschentum“ usw. überzufließen scheint, übt er selber strengste
  11578. Abschließung seiner Rasse. Wohl hängt er seine Frauen
  11579. manchmal einflußreichen Christen an, allein, er erhält seinen
  11580. männlichen Stamm grundsätzlich immer rein. Er vergiftet
  11581. das Blut der anderen, wahrt aber sein eigenes. Der Jude
  11582. heiratet fast nie eine Christin, sondern der Christ die
  11583. Jüdin. Die Bastarde aber schlagen dennoch nach der
  11584. jüdischen Seite aus. Besonders ein Teil des höheren Adels
  11585. verkommt vollständig. Der Jude weiß das ganz genau und
  11586. betreibt deshalb diese Art der „Entwaffnung“ der geistigen Führerschicht seiner rassischen Gegner planmäßig. Zur
  11587. Maskierung des Treibens und zur Einschläferung seiner
  11588. Opfer jedoch redet er immer mehr von der Gleichheit aller
  11589. Menschen, ohne Rücksicht auf Rasse und Farbe. Die Dummen beginnen es ihm zu glauben.
  11590. Da jedoch sein ganzes Wesen immer noch zu stark den
  11591. Geruch des allzu Fremden an sich haften hat, als daß besonders die breite Masse des Volkes ohne weiteres in sein
  11592. Garn gehen würde, läßt er durch seine Presse ein Bild von
  11593. sich geben, das der Wirklichkeit so wenig entspricht, wie es
  11594. umgekehrt seinem verfolgten Zwecke dient. In Witzblättern
  11595. besonders bemüht man sich, die Juden als ein harmloses
  11596. Völkchen hinzustellen, das nun einmal seine Eigenarten
  11597. besitzt – wie eben andere auch –, das aber doch, selbst in seinem vielleicht etwas fremd anmutenden Gebaren, Anzeichen
  11598. einer möglicherweise komischen, jedoch immer grundehrlichen und gütigen Seele von sich gebe. Wie man sich überhaupt
  11599. Der Werdegang des Judentums
  11600. 347
  11601. bemüht, ihn immer mehr unbedeutend als gefährlich erscheinen zu lassen.
  11602. Sein Endziel in diesem Stadium aber ist der Sieg der
  11603. Demokratie oder, wie er es versteht: die Herrschaft des
  11604. Parlamentarismus. Sie entspricht am meisten seinen Bedürfnissen; schaltet sie doch die Persönlichkeit aus – und
  11605. setzt an ihre Stelle die Majorität der Dummheit, Unfähigkeit und nicht zum letzten aber der Feigheit.
  11606. Das Endergebnis wird der Sturz der Monarchie sein,
  11607. der nun früher oder später eintreten muß.
  11608. j) Die ungeheure wirtschaftliche Entwicklung führt zu
  11609. einer Änderung der sozialen Schichtung des Volkes. Indem
  11610. das kleine Handwerk langsam abstirbt und damit die Möglichkeit der Gewinnung einer selbständigen Existenz für den
  11611. Arbeiter immer seltener wird, verproletarisiert dieser zusehends. Es entsteht der industrielle „Fabrikarbeiter“, dessen wesentlichstes Merkmal darin zu suchen ist, daß er kaum
  11612. je in die Lage kommt, sich im späteren Leben eine eigene
  11613. Existenz gründen zu können. Er ist im wahrsten Sinne des
  11614. Wortes besitzlos, seine alten Tage sind eine Qual und kaum
  11615. mehr mit Leben zu bezeichnen.
  11616. Schon früher wurde einmal eine ähnliche Lage geschaffen, die gebieterisch einer Lösung zudrängte und sie auch
  11617. fand. Zum Bauern und Handwerker waren als weiterer
  11618. Stand langsam der Beamte und Angestellte – besonders
  11619. des Staates – gekommen. Auch sie waren Besitzlose im
  11620. wahrsten Sinne des Wortes. Der Staat fand aus diesem
  11621. ungesunden Zustand endlich dadurch einen Ausweg, daß er
  11622. die Versorgung des Staatsangestellten, der selbst für seine
  11623. alten Tage nicht vorbeugen konnte, übernahm und die Pension, das Ruhegehalt, einführte. Langsam folgten immer
  11624. mehr private Betriebe diesem Beispiele, so daß heute fast
  11625. jeder geistige Festangestellte seine spätere Pension bezieht,
  11626. sofern der Betrieb eine bestimmte Größe schon erreicht oder
  11627. überschritten hat. Und erst die Sicherung des Staatsbeamten im Alter vermochte diesen zu jener selbstlosen Pflichttreue zu erziehen, die in der Vorkriegszeit die vornehmste
  11628. Eigenschaft des deutschen Beamtentums war.
  11629. 348
  11630. Der Stand des Fabrikarbeiters
  11631. So wurde ein ganzer Stand, der eigentumslos blieb, in
  11632. kluge Weise dem sozialen Elend entrissen und damit dem
  11633. Volksganzen eingegliedert.
  11634. Nun war diese Frage neuerdings und diesmal in viel
  11635. größerem Umfange an den Staat und die Nation herangetreten. Immer neue, in die Millionen gehende Menschenmassen siedelten aus den bäuerlichen Orten in die größeren
  11636. Städte über, um als Fabrikarbeiter in den neugegründeten
  11637. Industrien das tägliche Brot zu verdienen. Arbeits- und
  11638. Lebensverhältnisse des neuen Standes waren schlimmer als
  11639. traurig. Schon die mehr oder minder mechanische Übertragung der früheren Arbeitsmethoden des alten Handwerkers oder auch Bauern auf die neue Form paßte in
  11640. keinerlei Weise. Die Tätigkeit des einen wie des anderen
  11641. ließ sich nicht mehr vergleichen mit den Anstrengungen, die
  11642. der industrielle Fabrikarbeiter zu leisten hat. Bei dem alten
  11643. Handwerk mochte die Zeit vielleicht weniger eine Rolle
  11644. spielen, aber bei den neuen Arbeitsmethoden spielte sie diese
  11645. um so mehr. Die formale Übernahme der alten Arbeitszeiten in den industriellen Großbetrieb wirkte geradezu
  11646. verhängnisvoll; denn die tatsächliche Arbeitsleistung von
  11647. einst war infolge des Fehlens der heutigen intensiven
  11648. Arbeitsmethoden nur klein. Wenn man also vorher den
  11649. Vierzehn- oder Fünfzehnstunden-Arbeitstag noch ertragen
  11650. konnte, dann vermochte man ihn sicher nicht mehr zu ertragen in einer Zeit, da jede Minute auf das äußerste ausgenützt wird. Wirklich war das Ergebnis dieser sinnlosen
  11651. Übertragung alter Arbeitszeiten auf die neue industrielle
  11652. Tätigkeit nach zwei Richtungen unglückselig: die Gesundheit
  11653. wurde vernichtet und der Glauben an ein höheres Recht
  11654. zerstört. Endlich kam hierzu noch die jämmerliche Entlohnung einerseits und die demgemäß ersichtlich um so viel
  11655. bessere Stellung des Arbeitgebers andererseits.
  11656. Auf dem Lande konnte es eine soziale Frage nicht geben,
  11657. da Herr und Knecht die gleiche Arbeit taten und vor allem
  11658. aus gleicher Schüssel aßen. Aber auch dies änderte sich.
  11659. Die Trennung des Arbeitnehmers vom Arbeitgeber erscheint jetzt auf allen Gebieten des Lebens vollzogen. Wie
  11660. Der Stand des Fabrikarbeiters
  11661. 349
  11662. weit dabei die innere Verjudung unseres Volkes schon fortgeschritten ist, kann man an der geringen Achtung, wenn
  11663. nicht schon Verachtung ersehen, die man der Handarbeit
  11664. an sich zollt. Deutsch ist dies nicht. Erst die Verwelschung
  11665. unseres Lebens, die aber in Wahrheit eine Verjudung war,
  11666. wandelte die einstige Achtung vor dem Handwerk in eine
  11667. gewisse Verachtung jeder körperlichen Arbeit überhaupt.
  11668. So entsteht tatsächlich ein neuer, nur sehr wenig geachteter Stand, und es muß eines Tages die Frage auftauchen, ob die Nation die Kraft besitzen würde, von sich
  11669. aus den neuen Stand in die allgemeine Gesellschaft wieder
  11670. einzugliedern, oder ob sich der standesmäßige Unterschied
  11671. zur klassenartigen Kluft erweitern würde.
  11672. Eines aber ist sicher: der neue Stand besaß nicht die
  11673. schlechtesten Elemente in seinen Reihen, sondern im Gegenteil auf alle Fälle die tatkräftigsten. Die Überfeinerungen
  11674. der sogenannten Kultur hatten hier noch nicht ihre zersetzenden und zerstörenden Wirkungen ausgeübt. Der neue
  11675. Stand war in seiner breiten Masse noch nicht von dem
  11676. Gifte pazifistischer Schwäche angekränkelt, sondern robust
  11677. und, wenn nötig, auch brutal.
  11678. Während sich das Bürgertum um diese so schwerwiegende
  11679. Frage überhaupt nicht kümmert, sondern gleichgültig die
  11680. Dinge laufen läßt, erfaßt der Jude die unübersehbare Möglichkeit, die sich hier für die Zukunft bietet, und indem er
  11681. auf der einen Seite die kapitalistischen Methoden der Menschenausbeutung bis zur letzten Konsequenz organisiert,
  11682. macht er sich an die Opfer seines Geistes und Waltens selber heran und wird in kurzer Zeit schon der Führer ihres
  11683. Kampfes gegen sich selbst. Das heißt freilich, nur bildlich gesprochen, „gegen sich selbst“, denn der große Meister
  11684. im Lügen versteht es, sich wie immer als den Reinen erscheinen zu lassen und die Schuld den anderen aufzubürden.
  11685. Da er die Frechheit besitzt, die Masse selber zu führen,
  11686. kommt diese auch gar nicht auf den Gedanken, daß es sich
  11687. um den infamsten Betrug aller Zeiten handeln könnte.
  11688. Und doch war es so.
  11689. Kaum daß der neue Stand sich aus der allgemeinen wirt-
  11690. 350
  11691. Die Taktik des Judentums
  11692. schaftlichen Umbildung herausentwickelt, sieht auch der
  11693. Jude schon den neuen Schrittmacher zu seinem eigenen
  11694. weiteren Fortkommen klar und deutlich vor sich. Erst
  11695. benützte er das Bürgertum als Sturmbock gegen die feudale
  11696. Welt, nun den Arbeiter gegen die bürgerliche. Wußte er
  11697. aber einst im Schatten des Bürgertums sich die bürgerlichen Rechte zu erschleichen, so hofft er nun, im Kampfe
  11698. des Arbeiters ums Dasein, den Weg zur eigenen Herrschaft
  11699. zu finden.
  11700. Von jetzt ab hat der Arbeiter nur mehr die Aufgabe, für
  11701. die Zukunft des jüdischen Volkes zu fechten. Unbewußt
  11702. wird er in den Dienst der Macht gestellt, die er zu bekämpfen vermeint. Man läßt ihn scheinbar gegen das Kapital anrennen und kann ihn so am leichtesten gerade für dieses
  11703. kämpfen lassen. Man schreit dabei immer gegen das internationale Kapital und meint in Wahrheit die nationale
  11704. Wirtschaft. Diese soll demoliert werden, damit auf ihrem
  11705. Leichenfeld die internationale Börse triumphieren kann.
  11706. Das Vorgehen des Juden dabei ist folgendes:
  11707. Er macht sich an den Arbeiter heran, heuchelt Mitleid
  11708. mit dessen Schicksal oder gar Empörung über dessen Los
  11709. des Elends und der Armut, um auf diesem Wege das Vertrauen zu gewinnen. Er bemüht sich, alle die einzelnen
  11710. tatsächlichen oder auch eingebildeten Härten seines Lebens zu studieren – und die Sehnsucht nach Änderung
  11711. eines solchen Daseins zu erwecken. Das in jedem arischen
  11712. Menschen irgendwie schlummernde Bedürfnis nach sozialer
  11713. Gerechtigkeit steigert er in unendlich kluger Weise zum
  11714. Haß gegen die vom Glück besser Bedachten und gibt dabei
  11715. dem Kampfe um die Beseitigung sozialer Schäden ein ganz
  11716. bestimmtes weltanschauungsgemäßes Gepräge. Er begründet die marxistische Lehre.
  11717. Indem er sie als mit einer ganzen Anzahl von sozial gerechten Forderungen unzertrennlich verknüpft hinstellt, fördert er ebenso ihre Verbreitung wie umgekehrt die Abneigung der anständigen Menschheit, Forderungen nachzukommen, die, in solcher Form und Begleitung vorgebracht, von
  11718. Anfang an als ungerecht, ja unmöglich erfüllbar erscheinen.
  11719. Der Kern der marxistischen Weltanschauung
  11720. 351
  11721. Denn unter diesem Mantel rein sozialer Gedanken liegen
  11722. wahrhaft teuflische Absichten verborgen, ja, sie werden mit
  11723. frechster Deutlichkeit auch wohl in voller Öffentlichkeit vorgetragen. Diese Lehre stellt ein unzertrennliches Gemisch
  11724. von Vernunft und menschlichem Aberwitz dar, aber immer
  11725. so, daß nur der Wahnsinn zur Wirklichkeit zu werden vermag, niemals die Vernunft. Durch die kategorische Ablehnung der Persönlichkeit und damit der Nation und ihres
  11726. rassischen Inhalts zerstört sie die elementaren Grundlagen
  11727. der gesamten menschlichen Kultur, die gerade von diesen
  11728. Faktoren abhängig ist. Dieses ist der wahre innere Kern
  11729. der marxistischen Weltanschauung, sofern man diese Ausgeburt eines verbrecherischen Gehirns als „Weltanschauung“ bezeichnen darf. Mit der Zertrümmerung der Persönlichkeit und der Rasse fällt das wesentliche Hindernis
  11730. für die Herrschaft des Minderwertigen – dieses aber ist
  11731. der Jude.
  11732. Gerade im wirtschaftlichen und politischen Wahnwitz liegt
  11733. der Sinn dieser Lehre. Denn durch ihn werden alle wahrhaft Intelligenten abgehalten, sich in ihren Dienst zu stellen, während die minder geistig Tätigen und wirtschaftlich
  11734. schlecht Gebildeten mit fliegenden Fahnen ihr zueilen. Die
  11735. Intelligenz für die Bewegung aber – denn auch diese Bewegung braucht zu ihrem Bestehen Intelligenz – „opfert“
  11736. der Jude aus seinen eigenen Reihen.
  11737. So entsteht eine reine Handarbeiterbewegung unter jüdischer Führung, scheinbar darauf ausgehend, die Lage des
  11738. Arbeiters zu verbessern, in Wahrheit aber die Versklavung
  11739. und damit die Vernichtung aller nichtjüdischen Völker beabsichtigend.
  11740. Was die Freimaurerei in den Kreisen der sogenannten
  11741. Intelligenz an allgemein pazifistischer Lähmung des nationalen Selbsterhaltungstriebes einleitet, wird durch die
  11742. Tätigkeit der großen, heute immer jüdischen Presse der breiteren Masse, vor allem aber dem Bürgertum, vermittelt.
  11743. Zu diesen beiden Waffen der Zersetzung kommt nun als
  11744. dritte und weitaus furchtbarste die Organisation der rohen
  11745. Gewalt. Der Marxismus soll als Angriffs- und Sturm-
  11746. 352
  11747. Die Organisation der marxistischen Weltlehre
  11748. kolonne vollenden, was die Zermürbungsarbeit der beiden
  11749. ersten Waffen vorbereitend schon zum Zusammenbruch heranreifen ließ.
  11750. Es vollzieht sich damit ein wahrhaft meisterhaftes Zusammenspiel, so daß man sich wirklich nicht zu wundern
  11751. braucht, wenn demgegenüber gerade diejenigen Institutionen am meisten versagen, die sich immer so gerne als die
  11752. Träger der mehr oder minder sagenhaften staatlichen
  11753. Autorität vorzustellen belieben. In unserem hohen und höchsten Beamtentum des Staates hat der Jude zu allen Zeiten
  11754. (von wenigen Ausnahmen abgesehen) den willfährigsten
  11755. Förderer seiner Zerstörungsarbeit gefunden. Kriechende
  11756. Unterwürfigkeit nach „oben“ und arrogante Hochnäsigkeit
  11757. nach „unten“ zeichnen diesen Stand ebensosehr aus wie
  11758. eine oft himmelschreiende Borniertheit, die nur durch die
  11759. manchmal geradezu erstaunliche Einbildung übertroffen wird.
  11760. Dieses aber sind Eigenschaften, die der Jude bei unseren
  11761. Behörden braucht und demgemäß auch liebt.
  11762. Der praktische Kampf, der nun einsetzt, verläuft, in groben Strichen gezeichnet, folgendermaßen:
  11763. Entsprechend den Schlußzielen des jüdischen Kampfes, die
  11764. sich nicht nur in der wirtschaftlichen Eroberung der Welt
  11765. erschöpfen, sondern auch deren politische Unterjochung
  11766. fordern, teilt der Jude die Organisation seiner marxistischen Weltlehre in zwei Hälften, die, scheinbar voneinander
  11767. getrennt, in Wahrheit aber ein untrennbares Ganzes bilden: in die politische und die gewerkschaftliche Bewegung.
  11768. Die gewerkschaftliche Bewegung ist die werbende. Sie
  11769. bietet dem Arbeiter in seinem schweren Existenzkampf,
  11770. den er dank der Habgier und Kurzsichtigkeit vieler Unternehmer zu führen hat, Hilfe und Schutz und damit die
  11771. Möglichkeit der Erkämpfung besserer Lebensbedingungen.
  11772. Will der Arbeiter die Vertretung seiner menschlichen Lebensrechte in einer Zeit, da die organisierte Volksgemeinschaft, der Staat, sich um ihn so gut wie gar nicht kümmert,
  11773. nicht der blinden Willkür von zum Teil wenig verantwortungsbewußten, oft auch herzlosen Menschen ausliefern,
  11774. muß er deren Verteidigung selber in die Hand nehmen.
  11775. Die Organisation der marxistischen Weltlehre
  11776. 353
  11777. In eben dem Maße nun, in dem das sogenannte nationale
  11778. Bürgertum, von Geldinteressen geblendet, diesem Lebenskampfe die schwersten Hindernisse in den Weg legt, all den
  11779. Versuchen um Kürzung der unmenschlich langen Arbeitszeit, Beendigung von Kinderarbeit, Sicherung und Schutz
  11780. der Frau, Hebung der gesundheitlichen Verhältnisse in
  11781. Werkstätten und Wohnungen, nicht nur Widerstand entgegensetzt, sondern sie häufig und tatsächlich sabotiert,
  11782. nimmt sich der klügere Jude der so Unterdrückten an. Er
  11783. wird allmählich zum Führer der Gewerkschaftsbewegung,
  11784. und dies um so leichter, als es ihm nicht um eine wirkliche
  11785. Behebung sozialer Schäden im ehrlichen Sinne zu tun ist,
  11786. sondern nur um die Heranbildung einer ihm blind ergebenen wirtschaftlichen Kampftruppe zur Zertrümmerung
  11787. der nationalen wirtschaftlichen Unabhängigkeit. Denn während die Führung einer gesunden Sozialpolitik dauernd
  11788. zwischen den Richtlinien der Erhaltung der Volksgesundheit einerseits und der Sicherung einer unabhängigen nationalen Wirtschaft andererseits sich bewegen wird, fallen
  11789. für den Juden in seinem Kampfe diese beiden Gesichtspunkte nicht nur weg, sondern ihre Beseitigung ist mit sein
  11790. Lebensziel. Er wünscht nicht die Erhaltung einer unabhängigen nationalen Wirtschaft, sondern deren Vernichtung. Infolgedessen können ihn keinerlei Gewissensbisse davor bewahren, als Führer der Gewerkschaftsbewegung Forderungen zu stellen, die nicht nur über das Ziel hinausschießen,
  11791. sondern deren Erfüllung praktisch entweder unmöglich
  11792. ist oder den Ruin der nationalen Wirtschaft bedeutet. Er
  11793. will aber auch kein gesundes, stämmiges Geschlecht vor sich
  11794. haben, sondern eine morsche, unterjochungsfähige Herde.
  11795. Dieser Wunsch gestattet ihm abermals, Forderungen sinnlosester Art zu stellen, deren praktische Erfüllung nach
  11796. seinem eigenen Wissen unmöglich ist, die mithin zu gar
  11797. keinem Wechsel der Dinge zu führen vermöchten, sondern
  11798. höchstens zu einer wüsten Aufpeitschung der Masse. Darum
  11799. aber ist es ihm zu tun und nicht um die wirkliche und ehrliche Verbesserung ihrer sozialen Lage.
  11800. Somit ist die Führung des Judentums in gewerkschaft13
  11801. 354
  11802. Die Organisation der marxistischen Weltlehre
  11803. lichen Dingen so lange eine unbestrittene, als nicht eine
  11804. enorme Aufklärungsarbeit die breiten Massen beeinflußt,
  11805. sie über ihr vermeintlich niemals endendes Elend eines Besseren belehrt, oder der Staat den Juden und seine Arbeit
  11806. erledigt. Denn solange die Einsicht der Masse so gering
  11807. bleibt wie jetzt und der Staat so gleichgültig wie heute, wird
  11808. diese Masse stets dem am ersten folgen, der in wirtschaftlichen Dingen zunächst die unverschämtesten Versprechungen bietet. Darin aber ist der Jude Meister. Wird doch seine
  11809. gesamte Tätigkeit durch keinerlei moralische Bedenken
  11810. gehemmt.
  11811. So schlägt er denn auf diesem Gebiete zwangsläufig in
  11812. kurzer Zeit jeden Konkurrenten aus dem Felde. Seiner
  11813. ganzen inneren raubgierigen Brutalität entsprechend stellt
  11814. er die gewerkschaftliche Bewegung zugleich auf brutalste
  11815. Gewaltanwendung ein. Wessen Einsicht der jüdischen Lokkung widersteht, dessen Trotz und Erkenntnis wird durch
  11816. den Terror gebrochen. Die Erfolge einer solchen Tätigkeit
  11817. sind ungeheuer.
  11818. Tatsächlich zertrümmert der Jude mittels der Gewerkschaft, die ein Segen für die Nation sein könnte, die Grundlagen der nationalen Wirtschaft.
  11819. Parallel damit schreitet die politische Organisation fort.
  11820. Sie spielt mit der Gewerkschaftsbewegung insofern zusammen, als diese die Massen auf die politische Organisation
  11821. vorbereitet, ja sie mit Gewalt und Zwang in diese hineinpeitscht. Sie ist weiter die dauernde Finanzquelle, aus der
  11822. die politische Organisation ihren enormen Apparat speist.
  11823. Sie ist das Kontrollorgan für die politische Betätigung des
  11824. einzelnen und leistet bei allen großen Demonstrationen
  11825. politischer Art den Zutreiberdienst. Endlich aber tritt sie
  11826. überhaupt nicht mehr für wirtschaftliche Belange ein, sondern stellt ihr Hauptkampfmittel, die Arbeitsniederlegung,
  11827. als Massen- und Generalstreik der politischen Idee zur
  11828. Verfügung.
  11829. Durch die Schaffung einer Presse, deren Inhalt dem
  11830. geistigen Horizont der am wenigsten gebildeten Menschen
  11831. angepaßt ist, erhält die politische und gewerkschaftliche
  11832. Die Organisation der marxistischen Weltlehre
  11833. 355
  11834. Organisation endlich die aufpeitschende Einrichtung, durch
  11835. welche die untersten Schichten der Nation zu den verwegensten Taten reif gemacht werden. Ihre Aufgabe ist es nicht,
  11836. die Menschen aus dem Sumpfe einer niederen Gesinnung
  11837. heraus- und auf eine höhere Stufe emporzuführen, sondern
  11838. ihren niedersten Instinkten entgegenzukommen. Ein ebenso
  11839. spekulatives wie einträgliches Geschäft bei der ebenso denkfaulen wie manchmal anmaßenden Masse.
  11840. Diese Presse ist es vor allem, die in einem geradezu
  11841. fanatischen Verleumdungskampf alles herunterreißt, was
  11842. als Stütze der nationalen Unabhängigkeit, kulturellen Höhe
  11843. und wirtschaftlichen Selbständigkeit der Nation angesehen
  11844. werden kann.
  11845. Sie trommelt vor allem auf alle die Charaktere los, die
  11846. sich der jüdischen Herrschaftsanmaßung nicht beugen wollen, oder deren geniale Fähigkeit dem Juden an sich schon
  11847. als Gefahr erscheint. Denn um vom Juden gehaßt zu
  11848. werden, ist es nicht nötig, daß man ihn bekämpft, sondern es genügt schon der Verdacht, daß der andere entweder einmal auf den Gedanken der Bekämpfung kommen
  11849. könnte oder auf Grund seiner überlegenen Genialität ein
  11850. Mehrer der Kraft und Größe eines dem Juden feindlichen
  11851. Volkstums ist.
  11852. Sein in diesen Dingen untrüglicher Instinkt wittert in
  11853. jedem die ursprüngliche Seele, und seine Feindschaft ist
  11854. demjenigen sicher, der nicht Geist ist von seinem Geiste. Da
  11855. nicht der Jude der Angegriffene, sondern der Angreifer ist,
  11856. gilt als sein Feind nicht nur der, der angreift, sondern
  11857. auch der, der ihm Widerstand leistet. Das Mittel aber, mit
  11858. dem er so vermessene, aber aufrechte Seelen zu brechen
  11859. versucht, heißt nicht ehrlicher Kampf, sondern Lüge und
  11860. Verleumdung.
  11861. Hier schreckt er vor gar nichts zurück und wird in seiner
  11862. Gemeinheit so riesengroß, daß sich niemand zu wundern
  11863. braucht, wenn in unserem Volke die Personifikation des
  11864. Teufels als Sinnbild alles Bösen die leibhaftige Gestalt
  11865. des Juden annimmt.
  11866. Die Unkenntnis der breiten Masse über das innere
  11867. 356
  11868. Palästina als Organisationszentrale
  11869. Wesen des Juden, die instinktlose Borniertheit unserer
  11870. oberen Schichten lassen das Volk leicht zum Opfer dieses
  11871. jüdischen Lügenfeldzuges werden.
  11872. Während sich die oberen Schichten aus angeborener Feigheit heraus von einem Menschen abwenden, den der Jude
  11873. auf solche Weise mit Lüge und Verleumdung angreift,
  11874. pflegt die breite Masse aus Dummheit oder Einfalt alles zu
  11875. glauben. Die staatlichen Behörden aber hüllen sich entweder in Schweigen, oder, was meist zutrifft, um dem jüdischen Pressefeldzug ein Ende zu bereiten, sie verfolgen
  11876. den ungerecht Angegriffenen, was in den Augen eines solchen beamteten Esels als Wahrung der Staatsautorität und
  11877. Sicherung der Ruhe und Ordnung erscheint.
  11878. Langsam legt sich die Furcht vor der marxistischen Waffe
  11879. des Judentums wie ein Alpdruck auf Hirn und Seele der
  11880. anständigen Menschen.
  11881. Man beginnt vor dem furchtbaren Feinde zu zittern und
  11882. ist damit sein endgültiges Opfer geworden.
  11883. k) Die Herrschaft des Juden im Staate erscheint schon
  11884. so gesichert, daß er sich jetzt nicht nur wieder als Jude bezeichnen darf, sondern auch seine völkischen und politischen
  11885. letzten Gedankengänge rücksichtslos zugibt. Ein Teil seiner
  11886. Rasse bekennt sich schon ganz offen als fremdes Volk, nicht
  11887. ohne dabei auch wieder zu lügen. Denn indem der Zionismus der anderen Welt weiszumachen versucht, daß die völkische Selbstbesinnung des Juden in der Schaffung eines
  11888. palästinensischen Staates seine Befriedigung fände, betölpeln die Juden abermals die dummen Gojim auf das
  11889. gerissenste. Sie denken gar nicht daran, in Palästina einen
  11890. jüdischen Staat aufzubauen, um ihn etwa zu bewohnen,
  11891. sondern sie wünschen nur eine mit eigenen Hoheitsrechten
  11892. ausgestattete, dem Zugriff anderer Staaten entzogene Organisationszentrale ihrer internationalen Weltbegaunerei;
  11893. einen Zufluchtsort überführter Lumpen und eine Hochschule werdender Gauner.
  11894. Aber es ist das Zeichen nicht nur ihrer steigenden Zuversicht, sondern auch des Gefühls ihrer Sicherheit, wenn
  11895. frech und offen zu einer Zeit, da der eine Teil noch ver-
  11896. Die Diktatur des Proletariats
  11897. 357
  11898. logen den Deutschen, Franzosen oder Engländern mimt, der
  11899. andere sich als jüdische Rasse dokumentiert.
  11900. Wie sehr sie den nahenden Sieg schon vor Augen sehen,
  11901. geht aus der furchtbaren Art hervor, die ihr Verkehr mit
  11902. den Angehörigen der anderen Völker annimmt.
  11903. Der schwarzhaarige Judenjunge lauert stundenlang, satanische Freude in seinem Gesicht, auf das ahnungslose Mädchen, das er mit seinem Blute schändet und damit seinem,
  11904. des Mädchens, Volke raubt. Mit allen Mitteln versucht er
  11905. die rassischen Grundlagen des zu unterjochenden Volkes zu
  11906. verderben. So wie er selber planmäßig Frauen und Mädchen verdirbt, so schreckt er auch nicht davor zurück, selbst
  11907. im größeren Umfange die Blutschranken für andere einzureißen. Juden waren und sind es, die den Neger an den
  11908. Rhein bringen, immer mit dem gleichen Hintergedanken
  11909. und klaren Ziele, durch die dadurch zwangsläufig eintretende Bastardierung die ihnen verhaßte weiße Rasse zu
  11910. zerstören, von ihrer kulturellen und politischen Höhe zu
  11911. stürzen und selber zu ihren Herren aufzusteigen.
  11912. Denn ein rassereines Volk, das sich seines Blutes bewußt
  11913. ist, wird vom Juden niemals unterjocht werden können.
  11914. Er wird auf dieser Welt ewig nur der Herr von Bastarden sein.
  11915. So versucht er planmäßig, das Rassenniveau durch eine
  11916. dauernde Vergiftung der einzelnen zu senken.
  11917. Politisch aber beginnt er, den Gedanken der Demokratie
  11918. abzulösen durch den der Diktatur des Proletariats.
  11919. In der organisierten Masse des Marxismus hat er die
  11920. Waffe gefunden, die ihn die Demokratie entbehren läßt
  11921. und ihm an Stelle dessen gestattet, die Völker diktatorisch
  11922. mit brutaler Faust zu unterjochen und zu regieren.
  11923. Planmäßig arbeitet er auf die Revolutionierung in doppelter Richtung hin: in wirtschaftlicher und politischer.
  11924. Völker, die dem Angriff von innen zu heftigen Widerstand entgegensetzen, umspinnt er dank seiner internationalen Einflüsse mit einem Netz von Feinden, hetzt sie in
  11925. Kriege und pflanzt endlich, wenn nötig, noch auf die
  11926. Schlachtfelder die Flagge der Revolution.
  11927. 358
  11928. Vom Volksjuden zum Blutjuden
  11929. Wirtschaftlich erschüttert er die Staaten so lange, bis die
  11930. unrentabel gewordenen sozialen Betriebe entstaatlicht und
  11931. seiner Finanzkontrolle unterstellt werden.
  11932. Politisch verweigert er dem Staate die Mittel zu seiner
  11933. Selbsterhaltung, zerstört die Grundlagen jeder nationalen
  11934. Selbstbehauptung und Verteidigung, vernichtet den Glauben an die Führung, schmäht die Geschichte und Vergangenheit und zieht alles wahrhaft Große in die Gosse.
  11935. Kulturell verseucht er Kunst, Literatur, Theater, vernarrt das natürliche Empfinden, stürzt alle Begriffe von
  11936. Schönheit und Erhabenheit, von Edel und Gut und zerrt
  11937. dafür die Menschen herab in den Bannkreis seiner eigenen
  11938. niedrigen Wesensart.
  11939. Die Religion wird lächerlich gemacht, Sitte und Moral
  11940. als überlebt hingestellt, so lange, bis die letzten Stützen
  11941. eines Volkstums im Kampfe um das Dasein auf dieser
  11942. Welt gefallen sind.
  11943. l) Nun beginnt die große, letzte Revolution. Indem der
  11944. Jude die politische Macht erringt, wirft er die wenigen
  11945. Hüllen, die er noch trägt, von sich. Aus dem demokratischen
  11946. Volksjuden wird der Blutjude und Völkertyrann. In wenigen Jahren versucht er, die nationalen Träger der Intelligenz auszurotten, und macht die Völker, indem er sie ihrer
  11947. natürlichen geistigen Führer beraubt, reif zum Sklavenlos einer dauernden Unterjochung.
  11948. Das furchtbarste Beispiel dieser Art bildet Rußland, wo
  11949. er an dreißig Millionen Menschen in wahrhaft fanatischer
  11950. Wildheit teilweise unter unmenschlichen Qualen tötete oder
  11951. verhungern ließ, um einem Haufen jüdischer Literaten
  11952. und Börsenbanditen die Herrschaft über ein großes Volk
  11953. zu sichern.
  11954. Das Ende aber ist nicht nur das Ende der Freiheit der
  11955. vom Juden unterdrückten Völker, sondern auch das Ende
  11956. dieses Völkerparasiten selber. Nach dem Tode des Opfers
  11957. stirbt auch früher oder später der Vampir.
  11958. Bastardierte Völker
  11959. 359
  11960. Wenn wir all die Ursachen des deutschen Zusammenbruches vor unserem Auge vorbeiziehen lassen, dann bleibt
  11961. als die letzte und ausschlaggebende das Nichterkennen
  11962. des Rasseproblems und besonders der jüdischen Gefahr
  11963. übrig.
  11964. Die Niederlagen auf dem Schlachtfelde im August 1918
  11965. wären spielend leicht zu ertragen gewesen. Sie standen in
  11966. keinem Verhältnis zu den Siegen unseres Volkes. Nicht
  11967. sie haben uns gestürzt, sondern gestürzt wurden wir von
  11968. jener Macht, die diese Niederlagen vorbereitete, indem sie
  11969. seit vielen Jahrzehnten planmäßig unserem Volke die politischen und moralischen Instinkte und Kräfte raubte, die
  11970. allein Völker zum Dasein befähigen und damit auch berechtigen.
  11971. Indem das alte Reich an der Frage der Erhaltung der
  11972. rassischen Grundlagen unseres Volkstums achtlos vorüberging, mißachtete es auch das alleinige Recht, das auf dieser
  11973. Welt Leben gibt. Völker, die sich bastardieren oder bastardieren lassen, sündigen gegen den Willen der ewigen Vorsehung, und ihr durch einen Stärkeren herbeigeführter
  11974. Untergang ist dann nicht ein Unrecht, das ihnen zugefügt
  11975. wird, sondern nur die Wiederherstellung des Rechtes. Wenn
  11976. ein Volk die ihm von der Natur gegebenen und in seinem
  11977. Blute wurzelnden Eigenschaften seines Wesens nicht mehr
  11978. achten will, hat es kein Recht mehr zur Klage über den
  11979. Verlust seines irdischen Daseins.
  11980. Alles auf der Erde ist zu bessern. Jede Niederlage kann
  11981. zum Vater eines späteren Sieges werden. Jede verlorene
  11982. Krieg kann zur Ursache einer späteren Erhebung, jede Not zur
  11983. Befruchtung menschlicher Energie, und aus jeder Unterdrückung vermögen die Kräfte zu einer neuen seelischen
  11984. Wiedergeburt zu kommen – solange das Blut rein erhalten bleibt.
  11985. Die verlorene Blutsreinheit allein zerstört das innere
  11986. Glück für immer, senkt den Menschen für ewig nieder, und
  11987. die Folgen sind niemals mehr aus Körper und Geist zu
  11988. beseitigen.
  11989. Wenn man dieser einzigen Frage gegenüber alle anderen
  11990. 360
  11991. Die Scheinblüte des alten Reichs
  11992. Probleme des Lebens prüft und vergleicht, dann wird man
  11993. erst sehen, wie lächerlich klein sie, hieran gemessen, sind.
  11994. Sie alle sind zeitlich beschränkt – die Frage der BlutsReinerhaltung oder -Nichtreinerhaltung aber wird bestehen,
  11995. solange es Menschen gibt.
  11996. Alle wirklich bedeutungsvollen Verfallserscheinungen der
  11997. Vorkriegszeit gehen im letzten Grunde auf rassische Ursachen zurück.
  11998. Mag es sich um Fragen des allgemeinen Rechtes handeln oder um Auswüchse des wirtschaftlichen Lebens, um
  11999. kulturelle Niedergangserscheinungen oder politische Entartungsvorgänge, um Fragen einer verfehlten Schulerziehung oder einer schlechten Beeinflussung der Erwachsenen durch Presse usw., immer und überall ist es im
  12000. tiefsten Grunde die Nichtbeachtung rassischer Belange des
  12001. eigenen Volkes oder das Nichtsehen einer fremden, rassischen Gefahr.
  12002. Daher waren auch alle Reformversuche, alle sozialen
  12003. Hilfswerke und politischen Anstrengungen, aller wirtschaftliche Aufstieg und jede scheinbare Zunahme des geistigen
  12004. Wissens in ihrer Folgeerscheinung dennoch belanglos. Die
  12005. Nation und ihr das Leben auf dieser Erde befähigender
  12006. und erhaltender Organismus, der Staat, wurden innerlich
  12007. nicht gesünder, sondern krankten zusehends immer mehr
  12008. dahin. Alle Scheinblüte des alten Reiches konnte die innere
  12009. Schwäche nicht verbergen, und jeder Versuch einer wahrhaften Stärkung des Reiches scheiterte immer wieder am
  12010. Vorbeigehen an der bedeutungsvollsten Frage.
  12011. Es wäre verfehlt, zu glauben, daß die Anhänger der verschiedenen politischen Richtungen, die am deutschen Volkskörper herumdokterten, ja selbst die Führer zu einem gewissen Teile, an sich schlechte oder übelwollende Menschen
  12012. gewesen wären. Ihre Tätigkeit war nur deshalb zur Unfruchtbarkeit verdammt, weil sie im günstigsten Falle höchstens die Erscheinungsformen unserer allgemeinen Erkrankung sahen und diese zu bekämpfen versuchten, an dem Erreger aber blind vorübergingen. Wer die Linie der poli-
  12013. Nichterkennen des inneren Feindes
  12014. 361
  12015. tischen Entwicklung des alten Reiches planvoll verfolgt,
  12016. muß bei ruhiger Überprüfung zu der Einsicht kommen, daß
  12017. selbst in der Zeit der Einigung und damit des Aufstiegs
  12018. der deutschen Nation der innere Verfall bereits im vollen
  12019. Gang war, und daß trotz aller scheinbaren politischen
  12020. Erfolge und trotz steigenden wirtschaftlichen Reichtums die
  12021. allgemeine Lage sich von Jahr zu Jahr verschlechterte.
  12022. Selbst die Wahlen zum Reichstage zeigten in ihrem äußerlichen Anschwellen der marxistischen Stimmen den immer
  12023. näher rückenden inneren und damit auch äußeren Zusammenbruch an. Alle Erfolge der sogenannten bürgerlichen
  12024. Parteien waren wertlos, nicht nur weil sie das ziffernmäßige
  12025. Anwachsen der marxistischen Flut selbst bei sogenannten
  12026. bürgerlichen Wahlsiegen nicht zu hemmen vermochten, sondern weil sie vor allem selber schon die Fermente der Zersetzung in sich trugen. Ohne es zu ahnen, war die bürgerliche Welt vom Leichengift marxistischer Vorstellungen
  12027. innerlich selbst schon angesteckt, und ihr Widerstand entsprang häufig mehr dem Konkurrenzneid ehrgeiziger Führer als einer prinzipiellen Ablehnung zum äußersten Kampf
  12028. entschlossener Gegner. Ein einziger focht in diesen langen
  12029. Jahren mit unerschütterlicher Gleichmäßigkeit, und dies
  12030. war der J u d e . Sein Davidstern stieg im selben Maße
  12031. immer höher, in dem der Wille zur Selbsterhaltung unseres
  12032. Volkes schwand.
  12033. Im August 1914 stürmte deshalb auch nicht ein zum
  12034. Angriff entschlossenes Volk auf die Walstatt, sondern es
  12035. erfolgte nur das letzte Aufflackern des nationalen Selbsterhaltungstriebes gegenüber der fortschreitenden pazifistisch-marxistischen Lähmung unseres Volkskörpers. Da
  12036. man auch in diesen Schicksalstagen den inneren Feind nicht
  12037. erkannte, war aller äußere Widerstand vergeblich, und die
  12038. Vorsehung gab ihren Lohn nicht dem siegreichen Schwert,
  12039. sondern folgte dem Gesetz der ewigen Vergeltung.
  12040. Aus dieser inneren Erkenntnis heraus sollten sich für uns
  12041. die Leitsätze sowie die Tendenz der neuen Bewegung formen, die unserer Überzeugung nach allein befähigt waren,
  12042. den Niedergang des deutschen Volkes nicht nur zum Still-
  12043. 362
  12044. Ein germanischer Staat deutscher Nation
  12045. stand zu bringen, sondern das granitene Fundament zu
  12046. schaffen, auf dem dereinst ein Staat bestehen kann, der
  12047. nicht einen volksfremden Mechanismus wirtschaftlicher Belange und Interessen, sondern einen völkischen Organismus
  12048. darstellt:
  12049. Einen germanischen Staat
  12050. deutscher Nation.
  12051. 12. Kapitel
  12052. Die erste Entwicklungszeit der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei
  12053. W enn ich am Schlusse diese Bandes die erste Entwicklungszeit unserer Bewegung schildere und eine Reihe
  12054. von dadurch bedingten Fragen kurz erörtere, so geschieht
  12055. dies nicht, um eine Abhandlung über die geistigen Ziele
  12056. der Bewegung zu geben. Ziele und Aufgaben der neuen
  12057. Bewegung sind so gewaltige, daß sie nur in einem eigenen
  12058. Bande behandelt werden können. So werde ich in einem
  12059. zweiten Bande die programmatischen Grundlagen der Bewegung eingehend erörtern und versuchen, ein Bild dessen
  12060. zu zeichnen, was wir unter dem Worte „Staat“ uns vorstellen. Ich meine dabei unter „uns“ all die Hunderttausende, die im Grunde genommen das gleiche ersehnen,
  12061. ohne im einzelnen die Worte zu finden, das innerlich vor
  12062. Augen Schwebende zu schildern. Denn es ist das Bemerkenswerte aller großen Reformen, daß sie als Verfechter zunächst oft nur einen einzigen besitzen, als Träger
  12063. jedoch viele Millionen. Ihr Ziel ist oft schon seit Jahrhunderten der innere, sehnsuchtsvolle Wunsch von Hunderttausenden, bis einer sich zum Verkünder eines solchen
  12064. allgemeinen Wollens aufwirft und als Bannerträger der
  12065. alten Sehnsucht in einer neuen Idee zum Siege verhilft.
  12066. Daß aber Millionen im Herzen den Wunsch nach einer
  12067. grundsätzlichen Änderung der heute gegebenen Verhältnisse tragen, beweist die tiefe Unzufriedenheit, unter der
  12068. sie leiden. Sie äußert sich in tausendfachen Erscheinungsformen, bei dem einen in Verzagtheit und Hoffnungslosigkeit, beim anderen in Widerwillen, in Zorn und Empörung, bei diesem in Gleichgültigkeit und bei jenem wieder
  12069. 364
  12070. Die Lage nach der Revolution
  12071. in wütendem Überschwange. Als Zeugen für diese innere
  12072. Unzufriedenheit dürfen ebenso die Wahlmüden gelten wie
  12073. auch die vielen zum fanatischsten Extrem der linken Seite
  12074. sich Neigenden.
  12075. Und an diese sollte sich auch die junge Bewegung in
  12076. erster Linie wenden. Sie soll nicht eine Organisation der
  12077. Zufriedenen, Satten bilden, sondern sie soll die Leidgequälten und Friedlosen, die Unglücklichen und Unzufriedenen zusammenfassen, und sie soll vor allem nicht
  12078. auf der Oberfläche des Volkskörpers schwimmen, sondern
  12079. im Grunde desselben wurzeln.
  12080. Rein politisch genommen, ergab sich im Jahre 1918 folgendes Bild: Ein Volk ist in zwei Teile zerrissen. Der
  12081. eine, weitaus kleinere, umfaßt die Schichten der nationalen
  12082. Intelligenz unter Ausschluß aller körperlich Tätigen. Sie
  12083. ist äußerlich national, vermag sich aber unter diesem Worte
  12084. etwas anderes als eine sehr fade und schwächliche Vertretung sogenannter staatlicher Interessen, die wieder identisch erscheinen mit dynastischen, nicht vorzustellen. Sie
  12085. versucht, ihre Gedanken und Ziele mit geistigen Waffen zu
  12086. verfechten, die ebenso lückenhaft wie oberflächlich sind, der
  12087. Brutalität des Gegners gegenüber aber an sich schon versagen. Mit einem einzigen furchtbaren Hieb wird diese
  12088. kurz vorher noch regierende Klasse zu Boden gestreckt und
  12089. erträgt in zitternder Feigheit jede Demütigung von seiten
  12090. des rücksichtslosen Siegers.
  12091. Ihr steht als zweite Klasse gegenüber die breite Masse der
  12092. handarbeitenden Bevölkerung. Sie ist in mehr oder minder
  12093. radikalmarxistischen Bewegungen zusammengefaßt, entschlossen, jeden geistigen Widerstand durch die Macht der
  12094. Gewalt zu brechen. Sie will nicht national sein, sondern
  12095. lehnt bewußt jede Förderung nationaler Interessen ebenso
  12096. ab, wie sie umgekehrt jeder fremden Unterdrückung Vorschub leistet. Sie ist ziffernmäßig die stärkere, umfaßt aber
  12097. vor allem diejenigen Elemente der Nation, ohne die eine
  12098. nationale Wiedererhebung undenkbar und unmöglich ist.
  12099. Die Lage nach der Revolution
  12100. 365
  12101. Denn darüber mußte man sich im Jahre 1918 doch schon
  12102. klar sein: Jeder Wiederaufstieg des deutschen Volkes führt
  12103. nur über die Wiedergewinnung äußerer Macht. Die Voraussetzungen hierzu sind aber nicht, wie unsere bürgerlichen
  12104. „Staatsmänner“ immer herumschwätzen, Waffen, sondern
  12105. die Kräfte des Willens. Waffen besaß das deutsche Volk
  12106. einst mehr als genug. Sie haben die Freiheit nicht zu
  12107. sichern vermocht, weil die Energien des nationalen Selbsterhaltungstriebes, der Selbsterhaltungswille, fehlten. Die
  12108. beste Waffe ist totes, wertloses Material, solange der Geist
  12109. fehlt, der bereit, gewillt und entschlossen ist, sie zu führen.
  12110. Deutschland wurde wehrlos, nicht weil Waffen mangelten,
  12111. sondern weil der Wille fehlte, die Waffe für die völkische
  12112. Forterhaltung zu wahren.
  12113. Wenn heute besonders unsere linksseitigen Politiker auf
  12114. die Waffenlosigkeit als die zwangsläufige Ursache ihrer
  12115. willenlosen, nachgiebigen, in Wahrheit aber verräterischen
  12116. Politik nach außen hinzuweisen sich bemühen, muß man
  12117. ihnen darauf nur eines antworten: Nein, umgekehrt ist
  12118. es richtig. Durch eure antinationale, verbrecherische Politik
  12119. der Aufgabe nationaler Interessen habt ihr einst die Waffen ausgeliefert. Jetzt versucht ihr den Mangel an Waffen
  12120. als begründende Ursache eurer elenden Jämmerlichkeit hinzustellen. Dies ist, wie alles an eurem Tun, L ü g e und
  12121. Fälschung.
  12122. Allein dieser Vorwurf trifft genau so die Politiker von
  12123. rechts. Denn dank ihrer jämmerlichen Feigheit vermochte
  12124. im Jahre 1918 das zur Herrschaft gekommene jüdische Gesindel der Nation die Waffen zu stehlen. Auch diese haben
  12125. mithin keinen Grund und kein Recht, die heutige Waffenlosigkeit als Zwang zu ihrer klugen Vorsicht (sprich „Feigheit“) anzuführen, sondern die Wehrlosigkeit ist die Folge
  12126. ihrer Feigheit.
  12127. Damit aber lautet die Frage einer Wiedergewinnung
  12128. deutscher Macht nicht etwa: Wie fabrizieren wir Waffen?,
  12129. sondern: Wie erzeugen wir den Geist, der ein Volk befähigt, Waffen zu tragen? Wenn dieser Geist ein Volk beherrscht, findet der Wille tausend Wege, von denen jeder
  12130. 366
  12131. Die Wiedergewinnung der politischen Macht
  12132. bei einer Waffe endet! Man gebe aber einem Feigling
  12133. zehn Pistolen, und er wird bei einem Angriff dennoch
  12134. nicht einen Schuß abzufeuern vermögen. Sie sind für ihn
  12135. damit wertloser als für den mutigen Mann ein bloßer
  12136. Knotenstock.
  12137. Die Frage der Wiedergewinnung der politischen Macht
  12138. unseres Volkes ist schon deshalb in erster Linie eine Frage
  12139. der Gesundung unseres nationalen Selbsterhaltungstriebes,
  12140. weil jede vorbereitende Außenpolitik sowie jede Bewertung eines Staates an sich erfahrungsgemäß sich weniger
  12141. nach den vorhandenen Waffen richtet als nach der erkannten oder doch vermuteten moralischen Widerstandsfähigkeit einer Nation. Die Bündnisfähigkeit eines Volkes wird
  12142. viel weniger bestimmt durch vorhandene tote Waffenmengen als durch das ersichtliche Vorhandensein eines flammenden nationalen Selbsterhaltungswillens und heroischen
  12143. Todesmutes. Denn ein Bund wird nicht mit Waffen geschlossen, sondern mit Menschen. So wird das englische Volk so
  12144. lange als wertvollster Bundesgenosse auf der Welt zu gelten
  12145. haben, solange es in seiner Führung und im Geiste der
  12146. breiten Masse jene Brutalität und Zähigkeit erwarten läßt,
  12147. die entschlossen sind, einen einmal begonnenen Kampf ohne
  12148. Rücksicht auf Zeit und Opfer mit allen Mitteln bis zum
  12149. siegreichen Ende durchzufechten, wobei die augenblicklich
  12150. vorhandene militärische Rüstung in keinem Verhältnis zu
  12151. der anderer Staaten zu stehen braucht.
  12152. Begreift man aber, daß die Wiedererhebung der deutschen Nation eine Frage der Wiedergewinnung unseres
  12153. politischen Selbsterhaltungswillen darstellt, so ist es auch
  12154. klar, daß dem nicht genügt wird durch eine Gewinnung
  12155. von an sich schon wenigstens dem Wollen nach nationalen
  12156. Elementen, sondern nur durch die Nationalisierung der
  12157. bewußt antinationalen Masse.
  12158. Eine junge Bewegung, die sich als Ziel die Wiederaufrichtung eines deutschen Staates mit eigener Souveränität stellt, wird mithin ihren Kampf restlos auf die Gewinnung der breiten Massen einzustellen haben. So jämmerlich auch im allgemeinen unser sogenanntes „nationales
  12159. Die Gewinnung der breiten Massen
  12160. 367
  12161. Bürgertum“ ist, so unzulänglich seine nationale Gesinnung
  12162. auch erscheint, so sicher ist von dieser Seite ein ernstlicher
  12163. Widerstand gegen eine kraftvolle nationale Innen- und
  12164. Außenpolitik einst nicht zu erwarten. Selbst wenn aus den
  12165. bekannt borniert-kurzsichtigen Gründen heraus das deutsche
  12166. Bürgertum wie schon einst einem Bismarck gegenüber in
  12167. der Stunde einer kommenden Befreiung in passiver Resistenz verharren sollte, so ist doch ein aktiver Widerstand
  12168. dagegen bei seiner anerkannt sprichwörtlichen Feigheit
  12169. niemals zu befürchten.
  12170. Anders verhält es sich bei der Masse unserer international eingestellten Volksgenossen. Sie sind nicht nur in
  12171. ihrer primitiven Urwüchsigkeit mehr auf den Gedanken
  12172. der Gewalt eingestellt, sondern ihre jüdische Führung ist
  12173. brutaler und rücksichtsloser. Sie werden jede deutsche Erhebung genau so niederschlagen, wie sie einst dem deutschen
  12174. Heer das Rückgrat zerbrachen. Vor allem aber: sie werden
  12175. in diesem parlamentarisch regierten Staat kraft ihrer
  12176. Majorität der Zahl jede nationale Außenpolitik nicht nur
  12177. verhindern, sondern auch jede höhere Einschätzung der
  12178. deutschen Kraft und damit jede Bündnisfähigkeit ausschließen. Denn wir sind uns des Schwächemoments, das in unseren 15 Millionen Marxisten, Demokraten, Pazifisten und
  12179. Zentrümlern liegt, nicht nur selbst bewußt, sondern es
  12180. wird noch mehr vom Ausland erkannt, das den Wert eines
  12181. möglichen Bündnisses mit uns mißt nach dem Gewichte
  12182. dieser Belastung. Man verbündet sich nicht mit einem Staat,
  12183. dessen aktiver Volksteil jeder entschlossenen Außenpolitik
  12184. zumindest passiv gegenübersteht.
  12185. Dazu kommt noch die Tatsache, daß die Führung dieser
  12186. Parteien des nationalen Verrats jeder Erhebung schon
  12187. aus bloßem Selbsterhaltungstrieb feindlich gegenüberstehen
  12188. muß und wird. Es ist geschichtlich einfach nicht denkbar,
  12189. daß das deutsche Volk noch einmal seine frühere Stellung
  12190. einnehmen könnte, ohne mit denen abzurechnen, die die
  12191. Ursache und Veranlassung zu dem unerhörten Zusammenbruch gaben, der unseren Staat heimsuchte. Denn vor dem
  12192. 368
  12193. Die Gewinnung der breiten Massen
  12194. Richterstuhle der Nachwelt wird der November 1918 nicht
  12195. als Hoch-, sondern als Landesverrat gewertet werden.
  12196. So ist jede Wiedergewinnung einer deutschen Selbständigkeit nach außen in erster Linie gebunden an die Wiedergewinnung der inneren willensmäßigen Geschlossenheit
  12197. unseres Volkes.
  12198. Allein auch rein technisch betrachtet, erscheint der Gedanke einer deutschen Befreiung nach außen so lange als
  12199. unsinnig, solange nicht in den Dienst dieses Freiheitsgedankens auch die breite Masse zu treten bereit ist. Rein
  12200. militärisch gesehen, wird es vor allem jedem Offizier bei
  12201. einigem Nachdenken einleuchten, daß man einen Kampf
  12202. nach außen mit Studentenbataillonen nicht zu führen vermag, sondern daß man dazu außer den Gehirnen eines
  12203. Volkes auch die Fäuste braucht. Man muß sich dabei noch
  12204. vor Augen halten, daß eine Nationalverteidigung, die sich
  12205. nur auf die Kreise der sogenannten Intelligenz stützte, einen
  12206. wahren Raubbau an unersetzlichem Gute triebe. Die junge
  12207. deutsche Intelligenz, die in den Kriegsfreiwilligenregimentern im Herbste 1914 in der flandrischen Ebene den Tod
  12208. fand, fehlte später bitter. Sie war das beste Gut, das die
  12209. Nation besaß, und ihr Verlust war im Verlaufe des Krieges nicht mehr zu ersetzen. Allein nicht nur der Kampf
  12210. selbst ist undurchführbar, wenn die stürmenden Bataillone
  12211. nicht die Massen der Arbeiter in ihren Reihen sehen,
  12212. sondern auch die Vorbereitung technischer Art ist ohne
  12213. die innere willensmäßige Einheit unseres Volkskörpers
  12214. unausführbar. Gerade unser Volk, das unter den tausend
  12215. Augen des Friedensvertrages von Versailles entwaffnet
  12216. dahinleben muß, vermag irgendwelche technische Vorbereitungen zur Erringung der Freiheit und menschlichen Unabhängigkeit nur dann zu treffen, wenn das Heer innerer
  12217. Spitzel auf diejenigen dezimiert wird, denen angeborene
  12218. Charakterlosigkeit gestattet, für die bekannten dreißig Silberlinge alles und jedes zu verraten. Mit diesen aber wird
  12219. man fertig. Unüberwindbar hingegen erscheinen die Millionen, die aus politischer Überzeugung der nationalen
  12220. Erhebung entgegentreten – unüberwindbar so lange, als
  12221. Die Nationalisierung der Massen
  12222. 369
  12223. nicht die Ursache ihrer Gegnerschaft, die internationale
  12224. marxistische Weltanschauung, bekämpft und ihnen aus
  12225. Herz und Hirn gerissen wird.
  12226. Ganz gleich also, von welchem Gesichtspunkte aus man
  12227. die Möglichkeit der Wiedererringung unserer staatlichen
  12228. und völkischen Unabhängigkeit prüft, ob von dem der
  12229. außenpolitischen Vorbereitung, dem der technischen Rüstung oder dem des Kampfes selber, immer bleibt als Voraussetzung zu allem die vorherige Gewinnung der breiten
  12230. Masse unseres Volkes für den Gedanken unserer nationalen
  12231. Selbständigkeit übrig.
  12232. Ohne die Wiedererlangung der äußeren Freiheit bedeutet
  12233. aber jede innere Reform selbst im günstigsten Falle nur die
  12234. Steigerung unserer Erträgnisfähigkeit als Kolonie. Die
  12235. Überschüsse jeder sogenannten wirtschaftlichen Hebung
  12236. kommen unseren internationalen Kontrollherren zugute,
  12237. und jede soziale Besserung steigert im günstigsten Falle
  12238. die Arbeitsleistung für diese. Kulturelle Fortschritte werden der deutschen Nation überhaupt nicht beschieden sein,
  12239. sie sind zu sehr gebunden an die politische Unabhängigkeit
  12240. und Würde eines Volkstums.
  12241. Wenn also die günstige Lösung der deutschen Zukunft
  12242. gebunden ist an die nationale Gewinnung der breiten Masse
  12243. unseres Volkes, dann muß diese auch die höchste und gewaltigste Aufgabe einer Bewegung sein, deren Tätigkeit
  12244. sich nicht in der Befriedigung des Augenblickes erschöpfen
  12245. soll, sondern die all ihr Tun und Lassen nur zu prüfen hat
  12246. an den voraussichtlichen Folgen in der Zukunft.
  12247. So waren wir uns bereits im Jahre 1919 darüber klar,
  12248. daß die neue Bewegung als oberstes Ziel zunächst die Nationalisierung der Massen durchführen muß.
  12249. Daraus ergab sich in taktischer Hinsicht eine Reihe von
  12250. Forderungen.
  12251. 1. Um die Masse der nationalen Erhebung zu gewinnen,
  12252. ist kein soziales Opfer zu schwer.
  12253. Was auch immer unseren Arbeitnehmern heute für wirt-
  12254. 370
  12255. Die Nationalisierung der Massen
  12256. schaftliche Konzessionen gemacht werden, so stehen diese
  12257. in keinem Verhältnis zum Gewinne der gesamten Nation,
  12258. wenn sie mithelfen, die breiten Schichten wieder ihrem
  12259. Volkstume zu schenken. Nur kurzsichtige Borniertheit, wie
  12260. man sie leider häufig in unseren Unternehmerkreisen findet, kann verkennen, daß es auf die Dauer keinen wirtschaftlichen Aufschwung für sie gibt und damit auch keinen
  12261. wirtschaftlichen Nutzen mehr, wenn die innere völkische
  12262. Solidarität unserer Nation nicht wiederhergestellt wird.
  12263. Hätten die deutschen Gewerkschaften im Kriege die Interessen der Arbeiterschaft auf das rücksichtsloseste gewahrt, hätten sie selbst während des Krieges dem damaligen dividendenhungrigen Unternehmertum tausendmal
  12264. durch Streik die Bewilligung der Forderungen der von ihnen
  12265. vertretenen Arbeiter abgepreßt, hätten sie aber in den Belangen der nationalen Verteidigung sich ebenso fanatisch
  12266. zu ihrem Deutschtum bekannt, und hätten sie mit gleicher
  12267. Rücksichtslosigkeit dem Vaterlande gegeben, was des Vaterlandes ist, so wäre der Krieg nicht verlorengegangen.
  12268. Wie lächerlich aber würden alle und selbst die größten
  12269. wirtschaftlichen Konzessionen gewesen sein gegenüber der
  12270. ungeheuren Bedeutung des gewonnenen Krieges!
  12271. So hat eine Bewegung, die beabsichtigt, den deutschen
  12272. Arbeiter wieder dem deutschen Volke zu geben, sich darüber klar zu werden, daß wirtschaftliche Opfer bei dieser
  12273. Frage überhaupt keine Rolle spielen, solange nicht die Erhaltung und Unabhängigkeit der nationalen Wirtschaft
  12274. durch sie bedroht werden.
  12275. 2. Die nationale Erziehung der breiten Masse kann nur
  12276. über den Umweg einer sozialen Hebung stattfinden, da
  12277. ausschließlich durch sie jene allgemein wirtschaftlichen Voraussetzungen geschaffen werden, die dem einzelnen gestatten, auch an den kulturellen Gütern der Nation teilzunehmen.
  12278. 3. Die Nationalisierung der breiten Masse kann niemals
  12279. erfolgen durch Halbheiten, durch schwaches Betonen eines
  12280. sogenannten Objektivitätsstandpunktes, sondern durch rücksichtslose und fanatisch einseitige Einstellung auf das nun
  12281. Die Nationalisierung der Massen
  12282. 371
  12283. einmal zu erstrebende Ziel. Das heißt also, man kann ein
  12284. Volk nicht „national“ machen im Sinne unseres heutigen
  12285. Bürgertums, also mit soundso viel Einschränkungen, sondern nur nationalistisch mit der ganzen Vehemenz, die dem
  12286. Extrem innewohnt. Gift wird nur durch Gegengift gebrochen, und nur die Schalheit eines bürgerlichen Gemüts
  12287. kann die mittlere Linie als den Weg ins Himmelreich
  12288. betrachten.
  12289. Die breite Masse eines Volkes besteht weder aus Professoren noch aus Diplomaten. Das geringe abstrakte Wissen, das sie besitzt, weist ihre Empfindungen mehr in die
  12290. Welt des Gefühls. Dort ruht ihre entweder positive oder
  12291. negative Einstellung. Sie ist nur empfänglich für eine
  12292. Kraftäußerung in einer dieser beiden Richtungen und niemals für eine zwischen beiden schwebende Halbheit. Ihre
  12293. gefühlsmäßige Einstellung aber bedingt zugleich ihre außerordentliche Stabilität. Der Glaube ist schwerer zu erschüttern als das Wissen, Liebe unterliegt weniger dem Wechsel
  12294. als Achtung, Haß ist dauerhafter als Abneigung, und die
  12295. Triebkraft zu den gewaltigsten Umwälzungen auf dieser
  12296. Erde lag zu allen Zeiten weniger in einer die Masse beherrschenden wissenschaftlichen Erkenntnis als in einem
  12297. sie beseelenden Fanatismus und manchmal in einer sie vorwärtsjagenden Hysterie.
  12298. Wer die breite Masse gewinnen will, muß den Schlüssel
  12299. kennen, der das Tor zu ihrem Herzen öffnet. Er heißt nicht
  12300. Objektivität, also Schwäche, sondern Wille und Kraft.
  12301. 4. Die Gewinnung der Seele des Volkes kann nur gelingen, wenn man neben der Führung des positiven
  12302. Kampfes für die eigenen Ziele den Gegner dieser Ziele
  12303. vernichtet.
  12304. Das Volk sieht zu allen Zeiten im rücksichtslosen Angriff
  12305. auf einen Widersacher den Beweis des eigenen Rechtes,
  12306. und es empfindet den Verzicht auf die Vernichtung des
  12307. anderen als Unsicherheit in bezug auf das eigene Recht,
  12308. wenn nicht als Zeichen des eigenen Unrechtes.
  12309. Die breite Masse ist nur ein Stück der Natur, und ihr
  12310. Empfinden versteht nicht den gegenseitigen Händedruck von
  12311. 372
  12312. Die Nationalisierung der Massen
  12313. Menschen, die behaupten, Gegensätzliches zu wollen. Was
  12314. sie wünscht, ist der Sieg des Stärkeren und die Vernichtung
  12315. des Schwachen oder seine bedingungslose Unterwerfung.
  12316. Die Nationalisierung unserer Masse wird nur gelingen,
  12317. wenn bei allem positiven Kampf um die Seele unseres
  12318. Volkes ihre internationalen Vergifter ausgerottet werden.
  12319. 5. Alle großen Fragen der Zeit sind Fragen des Augenblicks und stellen nur Folgeerscheinungen bestimmter Ursachen dar. Ursächliche Bedeutung besitzt aber unter ihnen
  12320. allen nur eine, die Frage der rassischen Erhaltung des
  12321. Volkstums. Im Blute allein liegt sowohl die Kraft als auch
  12322. die Schwäche des Menschen begründet. Völker, welche nicht
  12323. die Bedeutung ihrer rassischen Grundlage erkennen und
  12324. beachten, gleichen Menschen, die Möpsen die Eigenschaften
  12325. von Windhunden anlernen möchten, ohne zu begreifen,
  12326. daß die Schnelligkeit des Windhundes wie die Gelehrigkeit des Pudels keine angelernten, sondern in der Rasse
  12327. liegende Eigenschaften sind. Völker, die auf die Erhaltung ihrer rassischen Reinheit verzichten, leisten damit auch
  12328. Verzicht auf die Einheit ihrer Seele in all ihren Äußerungen. Die Zerrissenheit ihres Wesens ist die naturnotwendige Folge der Zerrissenheit ihres Blutes, und die Veränderung ihrer geistigen und schöpferischen Kraft ist nur die
  12329. Wirkung der Änderung ihrer rassischen Grundlagen.
  12330. Wer das deutsche Volk von seinen ihm ursprünglich
  12331. wesensfremden Äußerungen und Untugenden von heute
  12332. befreien will, wird es erst erlösen müssen vom fremden
  12333. Erreger dieser Äußerungen und Untugenden.
  12334. Ohne klarste Erkenntnis des Rassenproblems und damit
  12335. der Judenfrage wird ein Wiederaufstieg der deutschen
  12336. Nation nicht mehr erfolgen.
  12337. Die Rassenfrage gibt nicht nur den Schlüssel zur Weltgeschichte, sondern auch zur menschlichen Kultur überhaupt.
  12338. 6. Die Eingliederung der heute im internationalen Lager
  12339. stehenden breiten Masse unseres Volkes in eine nationale
  12340. Volksgemeinschaft bedeutet keinen Verzicht auf die Vertretung berechtigter Standesinteressen. Auseinandergehende
  12341. Standes- und Berufsinteressen sind nicht gleichbedeutend
  12342. Die Nationalisierung der Massen
  12343. 373
  12344. mit Klassenspaltung, sondern sind selbstverständlich Folgeerscheinungen unseres wirtschaftlichen Lebens. Die Berufsgruppierung steht in keinerlei Weise einer wahrhaften
  12345. Volksgemeinschaft entgegen, denn diese besteht in der Einheit des Volkstums in allen jenen Fragen, die dieses Volkstum an sich betreffen.
  12346. Die Eingliederung eines Klasse gewordenen Standes in
  12347. die Volksgemeinschaft oder auch nur in den Staat erfolgt
  12348. nicht durch Herabsteigen höherer Klassen, sondern durch
  12349. das Hinaufheben der unteren. Träger dieses Prozesses kann
  12350. wieder niemals die höhere Klasse sein, sondern die für ihre
  12351. Gleichberechtigung kämpfende untere. Das heutige Bürgertum wurde nicht durch Maßnahmen des Adels dem Staate
  12352. eingegliedert, sondern durch eigene Tatkraft unter eigener
  12353. Führung.
  12354. Der deutsche Arbeiter wird nicht über den Umweg
  12355. schwächlicher Verbrüderungsszenen in den Rahmen der
  12356. deutschen Volksgemeinschaft gehoben, sondern durch bewußtes Heben seiner sozialen und kulturellen Lage, so
  12357. lange, bis die schwerwiegendsten Unterschiede als überbrückt gelten dürfen. Eine Bewegung, die sich diese Entwicklung zum Ziele setzt, wird ihre Anhängerschaft dabei
  12358. in erster Linie aus dem Arbeiterlager zu holen haben. Sie
  12359. darf auf Intelligenz nur in dem Maße zurückgreifen, in
  12360. dem diese das zu erstrebende Ziel bereits restlos erfaßt hat.
  12361. Dieser Umwandlungs- und Annäherungsprozeß wird nicht
  12362. in zehn oder zwanzig Jahren beendet sein, sondern umschließt erfahrungsgemäß viele Generationen.
  12363. Das schwere Hindernis für die Annäherung des heutigen Arbeiters an die nationale Volksgemeinschaft liegt
  12364. nicht in seiner standesmäßigen Interessenvertretung, sondern in seiner internationalen volks- und vaterlandsfeindlichen Führung und Einstellung. Die gleichen Gewerkschaften, fanatisch national in politischen und völkischen Belangen geleitet, würden Millionen Arbeiter zu wertvollsten Gliedern ihres Volkstums machen ohne Rücksicht auf
  12365. die im einzelnen stattfindenden Kämpfe in rein wirtschaftlichen Belangen.
  12366. 374
  12367. Die Nationalisierung der Massen
  12368. Eine Bewegung, die den deutschen Arbeiter in ehrlicher
  12369. Weise seinem Volke wiedergeben und dem internationalen
  12370. Wahn entreißen will, muß auf das schärfste Front machen
  12371. gegen eine vor allem in Unternehmerkreisen herrschende
  12372. Auffassung, die unter Volksgemeinschaft die widerstandslose wirtschaftliche Auslieferung des Arbeitnehmers dem
  12373. Arbeitgeber gegenüber versteht, und die in jedem Versuch
  12374. der Wahrung selbst berechtigter wirtschaftlicher Existenzinteressen des Arbeitnehmers einen Angriff auf die Volksgemeinschaft sehen will. Das Vertreten dieser Auffassung
  12375. stellt das Vertreten einer bewußten Lüge dar; die Volksgemeinschaft legt ja nicht nur der einen Seite, sondern auch
  12376. den anderen ihre Verpflichtungen auf.
  12377. So sicher ein Arbeiter wider den Geist einer wirklichen
  12378. Volksgemeinschaft sündigt, wenn er ohne Rücksicht auf das
  12379. gemeinsame Wohl und den Bestand einer nationalen Wirtschaft, gestützt auf seine Macht, erpresserisch Forderungen
  12380. stellt, so sehr aber bricht auch ein Unternehmer diese Gemeinschaft, wenn er durch unmenschliche und ausbeuterische
  12381. Art seiner Betriebsführung die nationale Arbeitskraft mißbraucht und aus ihrem Schweiße Millionen erwuchert. Er
  12382. hat dann kein Recht, sich als national zu bezeichnen, kein
  12383. Recht, von einer Volksgemeinschaft zu sprechen, sondern
  12384. er ist ein egoistischer Lump, der durch das Hereintragen
  12385. des sozialen Unfriedens spätere Kämpfe provoziert, die so
  12386. oder so der Nation zum Schaden gereichen müssen.
  12387. Das Reservoir, aus dem die junge Bewegung ihre Anhänger schöpfen soll, wird also in erster Linie die Masse
  12388. unserer Arbeitnehmer sein. Diese gilt es dem internationalen Wahne zu entreißen, aus ihrer sozialen Not zu
  12389. befreien, dem kulturellen Elend zu entheben und als geschlossenen, wertvollen, national fühlenden und national
  12390. sein wollenden Faktor in die Volksgemeinschaft zu überführen.
  12391. Finden sich in den Kreisen der nationalen Intelligenz
  12392. Menschen mit wärmsten Herzen für ihr Volk und seine
  12393. Zukunft, erfüllt von tiefster Erkenntnis für die Bedeutung
  12394. des Kampfes um die Seele dieser Masse, sind sie in den
  12395. Die Nationalisierung der Massen
  12396. 375
  12397. Reihen dieser Bewegung als wertvolles geistiges Rückgrat
  12398. hochwillkommen. Ein Gewinnen des bürgerlichen Wahlstimmviehs aber darf niemals das Ziel dieser Bewegung
  12399. sein. Sie würde sich in einem solchen Falle mit einer Masse
  12400. belasten, die ihrer ganzen Wesensart nach die Werbekraft
  12401. den breiten Schichten gegenüber zum Erlahmen brächte.
  12402. Denn ungeachtet der theoretischen Schönheit des Gedankens einer Zusammenführung breitester Massen von unten
  12403. und oben schon innerhalb des Rahmens der Bewegung, steht
  12404. dem doch die Tatsache gegenüber, daß man durch psychologische Beeinflussung bürgerlicher Massen in allgemeinen
  12405. Kundgebungen wohl Stimmungen zu erzeugen, ja selbst
  12406. Einsicht zu verbreiten vermag, aber nicht Charaktereigenschaften, oder besser gesagt, Untugenden zum Verschwinden bringt, deren Werden und Entstehen Jahrhunderte
  12407. umfaßte. Der Unterschied in bezug auf das beiderseitige
  12408. kulturelle Niveau und die beiderseitige Stellung zu den
  12409. Fragen wirtschaftlicher Belange ist zur Zeit noch so groß,
  12410. daß er, sobald der Rausch der Kundgebungen vergangen
  12411. ist, sofort als hemmend in Erscheinung treten würde.
  12412. Endlich aber ist es nicht das Ziel, eine Umschichtung im
  12413. an sich nationalen Lager vorzunehmen, sondern ein Gewinnen des antinationalen.
  12414. Und dieser Gesichtspunkt ist auch schließlich maßgebend
  12415. für die taktische Einstellung der gesamten Bewegung.
  12416. 7. Diese einseitige, aber dadurch klare Stellungnahme hat
  12417. sich auch in der Propaganda der Bewegung auszudrücken
  12418. und wird anderseits selber wieder durch propagandistische
  12419. Gründe gefordert.
  12420. Soll die Propaganda für die Bewegung wirksam sein,
  12421. muß sie sich nach einer Seite allein wenden, da sie im anderen Fall bei der Verschiedenheit der geistigen Vorbildung
  12422. der beiden in Frage kommenden Lager entweder von der
  12423. einen Seite nicht verstanden oder von der anderen als
  12424. selbstverständlich und damit uninteressant abgelehnt würde.
  12425. Selbst die Ausdrucksweise und der Ton im einzelnen
  12426. kann nicht für zwei so extreme Schichten gleich wirksam
  12427. sein. Verzichtet die Propaganda auf die Urwüchsigkeit der
  12428. 376
  12429. Die Nationalisierung der Massen
  12430. Ausdrucksweise, findet sie nicht den Weg zum Empfinden
  12431. der breiten Masse. Verwendet sie hingegen in Wort und
  12432. Gebärde die Derbheit des Gefühls der Masse und seiner
  12433. Äußerungen, so wird sie von der sogenannten Intelligenz
  12434. als roh und ordinär abgelehnt. Es gibt unter hundert
  12435. sogenannten Rednern kaum zehn, die in der Lage wären,
  12436. gleich wirksam heute vor einem Publikum aus Straßenfegern, Schlossern, Kanalräumern usw. zu sprechen und
  12437. morgen einen Vortrag mit notwendigerweise gleichem gedanklichem Inhalt vor einem Auditorium von Hochschulprofessoren und Studenten zu halten. Es gibt aber unter
  12438. tausend Rednern vielleicht nur einen einzigen, der es fertigbringt, vor Schlossern und Hochschulprofessoren zugleich
  12439. in einer Form zu sprechen, die beiden Teilen in ihrem
  12440. Auffassungsvermögen nicht nur entspricht, sondern beide
  12441. Teile auch gleich wirksam beeinflußt oder gar zum rauschenden Sturm des Beifalls mitreißt. Man muß sich aber
  12442. immer vor Augen halten, daß selbst der schönste Gedanke
  12443. einer erhabenen Theorie in den meisten Fällen seine Verbreitung nur durch kleine und kleinste Geister finden kann.
  12444. Nicht darauf kommt es an, was der geniale Schöpfer einer
  12445. Idee im Auge hat, sondern auf die Form und den Erfolg,
  12446. mit denen die Verkünder dieser Idee der breiten Masse
  12447. vermitteln.
  12448. Die starke werbende Kraft der Sozialdemokratie, ja der
  12449. gesamten marxistischen Bewegung überhaupt, beruhte zum
  12450. großen Teil in der Einheit und damit Einseitigkeit des
  12451. Publikums, an das sie sich wandte. Je scheinbar beschränkter, ja bornierter ihre Gedankengänge dabei waren, um
  12452. so leichter wurden sie von einer Masse aufgenommen und
  12453. verarbeitet, deren geistiges Niveau dem des Vorgebrachten entsprach.
  12454. Damit aber ergab sich für diese neue Bewegung ebenfalls eine einfache und klare Linie:
  12455. Die Propaganda ist in Inhalt und Form auf die breite
  12456. Masse anzusetzen und ihre Richtigkeit ist ausschließlich zu
  12457. messen an ihrem wirksamen Erfolg.
  12458. In einer Volksversammlung der breiten Schichten spricht
  12459. Die Nationalisierung der Massen
  12460. 377
  12461. nicht der Redner am besten, der der anwesenden Intelligenz
  12462. geistig am nächsten steht, sondern derjenige, der das Herz
  12463. der Masse erobert.
  12464. Ein in solch einer Versammlung anwesender Intelligenzler, welcher trotz der ersichtlichen Wirkung des Redners
  12465. auf die zu erobernden unteren Schichten die Rede hinsichtlich der geistigen Höhe bekrittelt, beweist die vollständige
  12466. Unfähigkeit seines Denkens und die Wertlosigkeit seiner
  12467. Person für die junge Bewegung. Für sie kommt nur derjenige Intellektuelle in Frage, der Aufgabe und Ziel der
  12468. Bewegung schon so sehr erfaßt, daß er die Tätigkeit auch
  12469. der Propaganda ausschließlich nach ihrem Erfolge zu beurteilen gelernt hat und nicht nach den Eindrücken, die sie
  12470. auf ihn selber hinterläßt. Denn nicht zur Unterhaltung von
  12471. an sich schon nationalgesinnten Menschen hat die Propaganda zu dienen, sondern zur Gewinnung der Feinde unseres Volkstums, sofern sie unseres Blutes sind.
  12472. Im allgemeinen sollten nun für die junge Bewegung
  12473. jene Gedankengänge, die ich unter der Kriegspropaganda
  12474. schon kurz zusammenfaßte, bestimmend und maßgebend
  12475. werden für die Art und Durchführung ihrer eigenen Aufklärungsarbeit.
  12476. Daß sie richtig war, hat ihr Erfolg bewiesen.
  12477. 8. Das Ziel einer politischen Reformbewegung wird nie
  12478. erreicht werden durch Aufklärungsarbeit oder durch Beeinflussung herrschender Gewalten, sondern nur durch die
  12479. Erringung der politischen Macht. Jede weltbewegende Idee
  12480. hat nicht nur das Recht, sondern die Pflicht, sich derjenigen
  12481. Mittel zu versichern, die die Durchführung ihrer Gedankengänge ermöglichen. Der Erfolg ist der einzige irdische
  12482. Richter über das Recht oder Unrecht eines solchen Beginnens, wobei unter Erfolg nicht wie im Jahre 1918 die Erringung der Macht an sich zu verstehen ist, sondern die für
  12483. ein Volkstum segensreiche Auswirkung derselben. So ist ein
  12484. Staatsstreich nicht dann als gelungen anzusehen, wenn,
  12485. wie gedankenlose Staatsanwälte in Deutschland heute
  12486. meinen, den Revolutionären die Inbesitznahme der Staatsgewalt gelang, sondern nur dann, wenn in der Ver-
  12487. 378
  12488. Höchste Autorität – höchste Verantwortung
  12489. wirklichung der einer solchen revolutionären Handlung zugrunde gelegten Absichten und Ziele der Nation mehr Heil
  12490. erwächst als unter dem vergangenen Regiment. Etwas,
  12491. das von der deutschen Revolution, wie sich der Banditenstreich des Herbstes 1918 bezeichnet, nicht gut behauptet
  12492. werden kann.
  12493. Wenn aber die Erringung der politischen Macht die Voraussetzung für die praktische Durchführung reformatorischer
  12494. Absichten bildet, dann muß eine Bewegung mit reformatorischen Absichten sich vom ersten Tage ihres Bestehens
  12495. an als Bewegung der Masse fühlen und nicht als literarischer Teeklub oder spießbürgerliche Kegelgesellschaft.
  12496. 9. Die junge Bewegung ist ihrem Wesen und ihrer inneren Organisation nach antiparlamentarisch, d.h. sie lehnt
  12497. im allgemeinen wie in ihrem eigenen inneren Aufbau
  12498. ein Prinzip der Majoritätsbestimmung ab, in dem der
  12499. Führer nur zum Vollstrecker des Willens und der Meinung anderer degradiert wird. Die Bewegung vertritt im
  12500. kleinsten wie im größten den Grundsatz der unbedingten
  12501. Führerautorität, gepaart mit höchster Verantwortung.
  12502. Die praktischen Folgen dieses Grundsatzes in der Bewegung sind nachstehende:
  12503. Der erste Vorsitzende einer Ortsgruppe wird durch den
  12504. nächsthöheren Führer eingesetzt, er ist der verantwortliche
  12505. Leiter der Ortsgruppe. Sämtliche Ausschüsse unterstehen
  12506. ihm und nicht er umgekehrt einem Ausschuß. AbstimmungsAusschüsse gibt es nicht, sondern nur Arbeits-Ausschüsse.
  12507. Die Arbeit teilt der verantwortliche Leiter, der erste Vorsitzende, ein. Der gleiche Grundsatz gilt für die nächsthöhere
  12508. Organisation, den Bezirk, den Kreis oder den Gau. Immer
  12509. wird der Führer von oben eingesetzt und gleichzeitig mit
  12510. unbeschränkter Vollmacht und Autorität bekleidet. Nur der
  12511. Führer der Gesamtpartei wird aus vereinsgesetzlichen Gründen in der Generalmitgliederversammlung gewählt. Er ist
  12512. aber der ausschließliche Führer der Bewegung. Sämtliche
  12513. Ausschüsse unterstehen ihm und nicht er den Ausschüssen.
  12514. Er bestimmt und trägt damit aber auch auf seinen Schultern die Verantwortung. Es steht den Anhängern der
  12515. Ablehnung von Religionsstreitigkeiten
  12516. 379
  12517. Bewegung frei, vor dem Forum einer neuen Wahl ihn
  12518. zur Verantwortung zu ziehen, ihn seines Amtes zu
  12519. entkleiden, insofern er gegen die Grundsätze der Bewegung verstoßen oder ihren Interessen schlecht gedient hat.
  12520. An seine Stelle tritt dann der besserkönnende, neue Mann,
  12521. jedoch mit gleicher Autorität und mit gleicher Verantwortlichkeit.
  12522. Es ist eine der obersten Aufgaben der Bewegung, dieses
  12523. Prinzip zum bestimmenden nicht nur innerhalb ihrer
  12524. eigenen Reihen, sondern auch für den gesamten Staat zu
  12525. machen.
  12526. Wer Führer sein will, trägt bei höchster unumschränkter
  12527. Autorität auch die letzte und schwerste Verantwortung.
  12528. Wer dazu nicht fähig oder für das Ertragen der Folgen
  12529. seines Tuns zu feige ist, taugt nicht zum Führer. Nur der
  12530. Held ist dazu berufen.
  12531. Der Fortschritt und die Kultur der Menschheit sind nicht
  12532. ein Produkt der Majorität, sondern beruhen ausschließlich
  12533. auf der Genialität und der Tatkraft der Persönlichkeit.
  12534. Diese heranzuzüchten und in ihre Rechte einzusetzen, ist
  12535. eine der Vorbedingungen zur Wiedergewinnung der Größe
  12536. und Macht unseres Volkstums.
  12537. Damit ist die Bewegung aber antiparlamentarisch, und
  12538. selbst ihre Beteiligung an einer parlamentarischen Institution kann nur den Sinn einer Tätigkeit zu deren Zertrümmerung besitzen, zur Beseitigung einer Einrichtung,
  12539. in der wir eine der schwersten Verfallserscheinungen der
  12540. Menschheit zu erblicken haben.
  12541. 10. Die Bewegung lehnt jede Stellungnahme zu Fragen,
  12542. die entweder außerhalb des Rahmens ihrer politischen Arbeit liegen oder für sie als nicht von grundsätzlicher Bedeutung belanglos sind, entschieden ab. Ihre Aufgabe ist
  12543. nicht die einer religiösen Reformation, sondern die einer
  12544. politischen Reorganisation unseres Volkes. Sie sieht in beiden religiösen Bekenntnissen gleich wertvolle Stützen für
  12545. den Bestand unseres Volkes und bekämpft deshalb diejenigen Parteien, die dieses Fundament einer sittlich-religiösen
  12546. 380
  12547. Weder monarchisch noch republikanisch
  12548. und moralischen Festigung unseres Volkskörpers zum Instrument ihrer Parteiinteressen herabwürdigen wollen.
  12549. Die Bewegung sieht endlich ihre Aufgabe nicht in der
  12550. Wiederherstellung einer bestimmten Staatsform und im
  12551. Kampfe gegen eine andere, sondern in der Schaffung derjenigen grundsätzlichen Fundamente, ohne die auf die
  12552. Dauer weder Republik noch Monarchie bestehen können.
  12553. Ihre Mission liegt nicht in der Begründung einer Monarchie oder der Festigung einer Republik, sondern in der
  12554. Schaffung eines germanischen Staates.
  12555. Die Frage der äußeren Ausgestaltung dieses Staates,
  12556. also seine Krönung, ist nicht von grundsätzlicher Bedeutung, sondern wird nur bedingt durch Fragen praktischer
  12557. Zweckmäßigkeit.
  12558. Bei einem Volk, das erst die großen Probleme und Aufgaben seines Daseins begriffen hat, werden die Fragen
  12559. äußerer Formalitäten nicht mehr zu inneren Kämpfen
  12560. führen.
  12561. 11. Die Frage der inneren Organisation der Bewegung
  12562. ist eine solche der Zweckmäßigkeit und nicht des Prinzips.
  12563. Die beste Organisation ist nicht diejenige, die zwischen
  12564. der Führung einer Bewegung und den einzelnen Anhängern den größten, sondern diejenige, die den kleinsten Vermittlerapparat einschiebt. Denn die Aufgabe der Organisation ist die Vermittlung einer bestimmten Idee – die zunächst immer dem Kopfe eines einzelnen entspringt – an
  12565. eine Vielheit von Menschen sowie die Überwachung ihrer
  12566. Umsetzung in die Wirklichkeit.
  12567. Die Organisation ist damit in allem und jedem nur ein
  12568. notwendiges übel. Sie ist im besten Falle ein Mittel zum
  12569. Zweck, im schlimmsten Falle Selbstzweck.
  12570. Da die Welt mehr mechanische Naturen hervorbringt als
  12571. ideelle, pflegen sich die Formen der Organisation zumeist
  12572. leichter zu bilden als Ideen an sich.
  12573. Der Gang jeder nach Verwirklichung strebenden Idee,
  12574. besonders mit reformatorischem Charakter, ist in großen
  12575. Zügen folgender:
  12576. Irgendein genialer Gedanke entsteht im Gehirn eines
  12577. Das notwendige Übel der Organisation
  12578. 381
  12579. Menschen, der sich berufen fühlt, seine Erkenntnis der
  12580. übrigen Menschheit zu vermitteln. Er predigt seine Anschauung und gewinnt allmählich einen bestimmten Kreis
  12581. von Anhängern. Dieser Vorgang der direkten und persönlichen Übermittlung der Ideen eines Menschen auf die
  12582. andere Mitwelt ist der idealste und natürlichste. Bei steigender Zunahme von Anhängern der neuen Lehre ergibt
  12583. sich allmählich die Unmöglichkeit für den Träger der Idee,
  12584. persönlich auf die zahllosen Anhänger weiter direkt einzuwirken, sie zu führen und zu leiten. In eben dem Maße,
  12585. in dem infolge des Wachstums der Gemeinde der direkte
  12586. und kürzeste Verkehr ausgeschaltet wird, tritt die Notwendigkeit einer verbindenden Gliederung ein: der ideale
  12587. Zustand wird damit beendet, und an seine Stelle tritt das
  12588. notwendige Übel der Organisation. Es bilden sich kleine
  12589. Untergruppen, die in der politischen Bewegung beispielsweise als Ortsgruppen die Keimzellen der späteren Organisation darstellen.
  12590. Diese Untergliederung darf jedoch, wenn nicht die Einheit der Lehre verlorengehen soll, immer erst dann stattfinden, wenn die Autorität des geistigen Begründers und
  12591. der von ihm herangebildeten Schule als unbedingt anerkannt gelten darf. Die geopolitische Bedeutung eines
  12592. zentralen Mittelpunktes einer Bewegung kann dabei nicht
  12593. überschätzt werden. Nur das Vorhandensein eines solchen,
  12594. mit dem magischen Zauber eines Mekka oder Rom umgebenen Ortes kann auf die Dauer einer Bewegung die
  12595. Kraft schenken, die in der inneren Einheit und der Anerkennung einer diese Einheit repräsentierenden Spitze begründet liegt.
  12596. So darf bei der Bildung der ersten organisatorischen
  12597. Keimzellen nie die Sorge aus dem Auge verloren werden,
  12598. dem ursprünglichen Ausgangsort der Idee die Bedeutung
  12599. nicht nur zu erhalten, sondern zu einer überragenden zu
  12600. steigern. Diese Steigerung der ideellen, moralischen und
  12601. tatsächlichen Übergröße des Ausgangs- und Leitpunktes der
  12602. Bewegung muß in eben dem Maße stattfinden, in dem
  12603. die zahllos gewordenen untersten Keimzellen der Bewe-
  12604. 382
  12605. Die Autorität der Zentrale
  12606. gung neue Zusammenschlüsse in organisatorischen Formen
  12607. erfordern.
  12608. Denn wie die zunehmende Zahl einzelner Anhänger und
  12609. die Unmöglichkeit eines weiteren direkten Verkehrs mit
  12610. ihnen zur Bildung der untersten Zusammenfassungen führt,
  12611. so zwingt die endliche zahllose Vermehrung dieser untersten
  12612. Organisationsformen wieder zu höheren Zusammenschlüssen, die man politisch etwa als Gau- oder Bezirksverbände
  12613. ansprechen kann.
  12614. So leicht es vielleicht noch ist, die Autorität der ursprünglichen Zentrale gegenüber den untersten Ortsgruppen
  12615. aufrechtzuerhalten, so schwer wird es schon sein, diese Stellung den nunmehr sich bildenden höheren Organisationsformen gegenüber zu bewahren. Dieses aber ist die Voraussetzung für den einheitlichen Bestand einer Bewegung und
  12616. damit für die Durchführung einer Idee.
  12617. Wenn endlich auch diese größeren Zwischengliederungen
  12618. zu neuerlichen Organisationsformen zusammengeschlossen
  12619. werden, steigert sich auch weiter die Schwierigkeit, selbst
  12620. ihnen gegenüber den unbedingt führenden Charakter des
  12621. ursprünglichen Gründungsortes, seiner Schule usw. sicherzustellen.
  12622. Deshalb dürfen die mechanischen Formen einer Organisation nur in eben dem Maße ausgebaut werden, in dem
  12623. die geistige ideelle Autorität einer Zentrale bedingungslos gewahrt erscheint. Bei politischen Gebilden kann diese
  12624. Garantie oft nur durch die praktische Macht als gegeben
  12625. erscheinen.
  12626. Hieraus ergaben sich folgende Richtlinien für den inneren
  12627. Aufbau der Bewegung:
  12628. a) Konzentration der gesamten Arbeit zunächst auf einen
  12629. einzigen Ort: München. Heranbildung einer Gemeinde von
  12630. unbedingt verläßlichen Anhängern und Ausbildung einer
  12631. Schule für die spätere Verbreitung der Idee. Gewinnung
  12632. der notwendigen Autorität für später durch möglichst große
  12633. sichtbare Erfolge an diesem einen Ort.
  12634. Um die Bewegung und ihre Führer bekannt zu machen,
  12635. war es nötig, den Glauben an die Unbesiegbarkeit der mar-
  12636. Der innere Aufbau der Bewegung
  12637. 383
  12638. xistischen Lehre an einem Orte für alle sichtbar nicht nur zu
  12639. erschüttern, sondern die Möglichkeit einer entgegengesetzten
  12640. Bewegung zu beweisen.
  12641. b) Bildung von Ortsgruppen erst dann, wenn die Autorität der Zentralleitung in München als unbedingt anerkannt gelten darf.
  12642. c) Die Bildung von Bezirks-, Gau- oder Landesverbänden erfolgt ebenfalls nicht nur nach dem Bedarf an sich,
  12643. sondern nach Erreichung der Sicherheit einer bedingungslosen Anerkennung der Zentrale.
  12644. Weiter aber ist die Bildung organisatorischer Formen
  12645. abhängig von den vorhandenen, als Führer in Betracht
  12646. kommenden Köpfen.
  12647. Es gibt dabei zwei Wege:
  12648. a) Die Bewegung verfügt über die notwendigen finanziellen Mittel zur Heran- und Ausbildung befähigter Köpfe
  12649. zum späteren Führertum. Sie setzt das dabei gewonnene
  12650. Material dann planmäßig nach den Gesichtspunkten taktischer und sonstiger Zweckmäßigkeiten ein.
  12651. Dieser Weg ist der leichtere und schnellere; er erfordert
  12652. jedoch große Geldmittel, da dieses Führermaterial nur besoldet in der Lage ist, für die Bewegung arbeiten zu können.
  12653. b) Die Bewegung ist infolge des Mangels an Geldmitteln nicht in der Lage, beamtete Führer einzusetzen, sondern ist zunächst auf ehrenamtlich tätige angewiesen.
  12654. Dieser Weg ist der langsamere und schwerere.
  12655. Die Führung der Bewegung muß große Gebiete unter
  12656. Umständen brachliegen lassen, sofern sich nicht aus den
  12657. Anhängern ein Kopf herausschält, fähig und gewillt, sich
  12658. der Leitung zur Verfügung zu stellen und die Bewegung
  12659. in dem betreffenden Gebiete zu organisieren und zu führen.
  12660. Es kann vorkommen, daß sich dann in großen Gebieten
  12661. niemand findet, in anderen Orten dagegen wieder zwei
  12662. oder gar drei annähernd gleich Fähige sind. Die Schwierigkeit, die in einer solchen Entwicklung liegt, ist groß und
  12663. kann nur nach Jahren überwunden werden.
  12664. Immer aber ist und bleibt die Voraussetzung für die
  12665. 384
  12666. Der innere Aufbau der Bewegung
  12667. Bildung einer organisatorischen Form der zu ihrer Führung fähige Kopf.
  12668. So wertlos eine Armee in all ihren organisatorischen
  12669. Formen ohne Offiziere ist, so wertlos ist eine politische
  12670. Organisation ohne den entsprechenden Führer.
  12671. Für die Bewegung ist das Unterlassen der Bildung einer
  12672. Ortsgruppe besser als das Mißglücken ihrer Organisierung,
  12673. wenn eine leitende und vorwärtstreibende Führerpersönlichkeit fehlt.
  12674. Zum Führertum selber gehört nicht nur Wille, sondern
  12675. auch Fähigkeit, wobei jedoch der Willens- und Tatkraft
  12676. eine größere Bedeutung zugemessen werden muß als der
  12677. Genialität an sich, und am wertvollsten eine Verbindung
  12678. von Fähigkeit, Entschlußkraft und Beharrlichkeit ist.
  12679. 12. Die Zukunft einer Bewegung wird bedingt durch den
  12680. Fanatismus, ja die Unduldsamkeit, mit der ihre Anhänger
  12681. sie als die allein richtige vertreten und anderen Gebilden
  12682. ähnlicher Art gegenüber durchsetzen.
  12683. Es ist der größte Fehler, zu glauben, daß die Stärke einer
  12684. Bewegung zunimmt durch die Vereinigung mit einer anderen, ähnlich beschaffenen. Jede Vergrößerung auf solchem
  12685. Weg bedeutet zunächst freilich eine Zunahme an äußerem
  12686. Umfang und damit in den Augen oberflächlicher Betrachter auch an Macht, in Wahrheit jedoch übernimmt sie
  12687. nur die Keime einer später wirksam werdenden inneren
  12688. Schwächung.
  12689. Denn was immer man von der Gleichartigkeit zweier
  12690. Bewegungen reden mag, so ist sie in Wirklichkeit doch nie
  12691. vorhanden. Denn im anderen Falle gäbe es eben praktisch
  12692. nicht zwei, sondern nur eine Bewegung. Und ganz gleich,
  12693. worin die Unterschiede liegen – und wären sie nur begründet in den verschiedenen Fähigkeiten der Führung –, sie
  12694. sind da. Dem Naturgesetz aller Entwicklung aber entspricht
  12695. nicht das Verkuppeln zweier eben nicht gleicher Gebilde,
  12696. sondern der Sieg des stärkeren und die durch den dadurch
  12697. bedingten Kampf allein ermöglichte Höherzüchtung der
  12698. Kraft und Stärke des Siegers.
  12699. Es mögen durch die Vereinigung zweier annähernd glei-
  12700. Unduldsamer Fanatismus
  12701. 385
  12702. cher politischer Parteigebilde augenblickliche Vorteile erwachsen, auf die Dauer ist doch jeder auf solche Weise gewonnene Erfolg die Ursache später auftretender innerer
  12703. Schwächen.
  12704. Die Größe einer Bewegung wird ausschließlich gewährleistet durch die ungebundene Entwicklung ihrer inneren
  12705. Kraft und durch deren dauernde Steigerung bis zum endgültigen Siege über alle Konkurrenten.
  12706. Ja, man kann sagen, daß ihre Stärke und damit ihre
  12707. Lebensberechtigung überhaupt nur so lange in Zunahme
  12708. begriffen ist, solange sie den Grundsatz des Kampfes als die
  12709. Voraussetzung ihres Werdens anerkennt, und daß sie in
  12710. demselben Augenblick den Höhepunkt ihrer Kraft überschritten hat, in dem sich der vollkommene Sieg auf ihre
  12711. Seite neigt.
  12712. Es ist mithin einer Bewegung nur nützlich, diesem Siege
  12713. in einer Form nachzustreben, die zeitlich nicht zum augenblicklichen Erfolge führt, sondern die in einer durch unbedingte Unduldsamkeit herbeigeführten langen Kampfdauer auch ein langes Wachstum schenkt.
  12714. Bewegungen, die ihre Zunahme nur dem sogenannten
  12715. Zusammenschluß ähnlicher Gebilde, also ihre Stärke Kompromissen verdanken, gleichen Treibhauspflanzen. Sie schießen empor, allein ihnen fehlt die Kraft, Jahrhunderten
  12716. zu trotzen und schweren Stürmen zu widerstehen.
  12717. Die Größe jeder gewaltigen Organisation als Verkörperung einer Idee auf dieser Welt liegt im religiösen Fanatismus, in der sie sich unduldsam gegen alles andere, fanatisch überzeugt vom eigenen Recht, durchsetzt. Wenn eine
  12718. Idee an sich richtig ist und, in solcher Weise gerüstet, den
  12719. Kampf auf dieser Erde aufnimmt, ist sie unbesiegbar, und
  12720. jede Verfolgung wird nur zu ihrer inneren Stärke führen.
  12721. Die Größe des Christentums lag nicht in versuchten Vergleichsverhandlungen mit etwa ähnlich gearteten philosophischen Meinungen der Antike, sondern in der unerbittlichen fanatischen Verkündung und Vertretung der eigenen
  12722. Lehre.
  12723. Der scheinbare Vorsprung, den Bewegungen durch Zu14
  12724. 386
  12725. Erziehung zum Kampf
  12726. sammenschlüsse erreichen, wird reichlich eingeholt durch die
  12727. dauernde Zunahme der Kraft einer unabhängig bleibenden, sich selbst verfechtenden Lehre und ihrer Organisation.
  12728. 13. Die Bewegung hat grundsätzlich ihre Mitglieder so zu
  12729. erziehen, daß sie im Kampfe nicht etwas lässig Auferzogenes, sondern das selbst Erstrebte erblicken. Sie haben die
  12730. Feindschaft der Gegner mithin nicht zu fürchten, sondern
  12731. als Voraussetzung zur eigenen Daseinsberechtigung zu empfinden. Sie haben den Haß der Feinde unseres Volkstums
  12732. und unserer Weltanschauung und seine Äußerungen nicht zu
  12733. scheuen, sondern zu ersehen. Zu den Äußerungen dieses
  12734. Hasses aber gehören auch Lüge und Verleumdung.
  12735. Wer in den jüdischen Zeitungen nicht bekämpft, also verleumdet und verlästert wird, ist kein anständiger Deutscher
  12736. und kein wahrer Nationalsozialist. Der beste Gradmesser
  12737. für den Wert seiner Gesinnung, die Aufrichtigkeit seiner
  12738. Überzeugung und die Kraft seines Wollens ist die Feindschaft, die ihm von seiten des Todfeindes unseres Volkes
  12739. entgegengebracht wird.
  12740. Die Anhänger der Bewegung und in weiterem Sinne das
  12741. ganze Volk müssen immer und immer wieder darauf hingewiesen werden, daß der Jude in seinen Zeitungen stets
  12742. lügt, und daß selbst eine einmalige Wahrheit nur zur
  12743. Deckung einer größeren Fälschung bestimmt und damit
  12744. selber wieder gewollte Unwahrheit ist. Der Jude ist der
  12745. große Meister im Lügen, und Lug und Trug sind seine
  12746. Waffen im Kampfe.
  12747. Jede jüdische Verleumdung und jede jüdische Lüge ist
  12748. eine Ehrennarbe am Körper unserer Kämpfer.
  12749. Wen sie am meisten verlästern, der steht uns am nächsten,
  12750. und wen sie am tödlichsten hassen, der ist unser bester
  12751. Freund.
  12752. Wer des Morgens die jüdische Zeitung ergreift, ohne sich
  12753. in ihr verleumdet zu sehen, hat den vergangenen Tag nicht
  12754. nützlich verwertet; denn wäre es so, würde er vom Juden
  12755. verfolgt, gelästert, verleumdet, beschimpft, beschmutzt werden. Und nur wer diesen Todfeind unseres Volkstums und
  12756. jeder arischen Menschheit und Kultur am wirksamsten
  12757. Erziehung zur Achtung vor der Person
  12758. 387
  12759. gegenübertritt, darf erwarten, die Verleumdungen dieser
  12760. Rasse und damit den Kampf dieses Volkes auch gegen sich
  12761. gerichtet zu sehen.
  12762. Wenn diese Grundsätze in Fleisch und Blut unserer Anhänger übergehen, wird die Bewegung unerschütterlich und
  12763. unbesiegbar werden.
  12764. 14. Die Bewegung hat die Achtung vor der Person mit
  12765. allen Mitteln zu fördern; sie hat nie zu vergessen, daß im
  12766. persönlichen Wert der Wert alles Menschlichen liegt, daß
  12767. jede Idee und jede Leistung das Ergebnis der schöpferischen Kraft eines Menschen ist, und daß die Bewunderung
  12768. vor der Größe nicht nur einen Dankeszoll an diese darstellt, sondern auch ein einigendes Band um die Dankenden
  12769. schlingt.
  12770. Die Person ist nicht zu ersetzen; sie ist es besonders dann
  12771. nicht, wenn sie nicht das mechanische, sondern das kulturellschöpferische Element verkörpert. So wenig ein berühmter
  12772. Meister ersetzt werden kann und ein anderer die Vollendung seines halbfertig hinterlassenen Gemäldes zu übernehmen vermag, so wenig ist der große Dichter und Denker, der große Staatsmann und der große Feldherr zu
  12773. ersetzen. Denn deren Tätigkeit liegt immer auf dem Gebiete der Kunst; sie ist nicht mechanisch anerzogen, sondern
  12774. durch göttliche Gnade angeboren.
  12775. Die größten Umwälzungen und Errungenschaften dieser
  12776. Erde, ihre größten kulturellen Leistungen, die unsterblichen Taten auf dem Gebiete der Staatskunst usw., sie
  12777. sind für ewig unzertrennbar verknüpft mit einem Namen
  12778. und werden durch ihn repräsentiert. Der Verzicht auf die
  12779. Huldigung vor einem großen Geist bedeutet den Verlust
  12780. einer immensen Kraft, die aus dem Namen aller großen
  12781. Männer und Frauen strömt.
  12782. Dies weiß am besten der Jude. Gerade er, dessen Größen
  12783. nur groß sind in der Zerstörung der Menschheit und ihrer
  12784. Kultur, sorgt für ihre abgöttische Bewunderung. Nur die
  12785. Verehrung der Völker für ihre eigenen Geister versucht
  12786. er als unwürdig hinzustellen und stempelt sie zum „Personenkult“.
  12787. 388
  12788. Die Gefahr der Nichtbeachtung der Bewegung
  12789. Sobald ein Volk so feige wird, dieser jüdischen Anmaßung und Frechheit zu unterliegen, verzichtet es auf die
  12790. gewaltige Kraft, die es besitzt; denn diese beruht nicht in
  12791. der Achtung vor der Masse, sondern in der Verehrung des
  12792. Genies und in der Erhebung und Erbauung an ihm.
  12793. Wenn Menschenherzen brechen und Menschenseelen verzweifeln, dann blicken aus dem Dämmerlicht der Vergangenheit die großen Überwinder von Not und Sorge,
  12794. von Schmach und Elend, von geistiger Unfreiheit und körperlichem Zwange auf sie hernieder und reichen den verzagenden Sterblichen ihre ewigen Hände!
  12795. Wehe dem Volke, das sich schämt, sie zu erfassen!
  12796. In der ersten Zeit des Werdens unserer Bewegung hatten wir unter nichts so sehr zu leiden wie unter der Bedeutungslosigkeit und dem Nichtbekanntsein unserer Namen.
  12797. Das schwerste in dieser ersten Zeit, da sich oft nur sechs,
  12798. sieben und acht Köpfe zusammenfanden, um den Worten
  12799. eines Redners zu lauschen, war, in diesem kleinsten Kreise
  12800. den Glauben an die gewaltige Zukunft der Bewegung zu
  12801. erwecken und zu erhalten.
  12802. Man bedenke, daß sich sechs oder sieben Männer, lauter
  12803. namenlose, arme Teufel zusammenschließen mit der Absicht,
  12804. eine Bewegung zu bilden, der es dereinst gelingen soll,
  12805. was bisher den gewaltigen, großen Massenparteien mißlang, die Wiederaufrichtung eines Deutschen Reiches erhöhter Macht und Herrlichkeit. Hätte man uns damals angegriffen, ja, hätte man uns auch nur verlacht, wir wären
  12806. glücklich gewesen in beiden Fällen. Denn das Niederdrükkende lag nur in der vollständigen Nichtbeachtung, die
  12807. wir damals fanden, und unter der ich am meisten damals litt.
  12808. Als ich in den Kreis der paar Männer eintrat, konnte
  12809. weder von einer Partei noch von einer Bewegung die Rede
  12810. sein. Ich habe meine Eindrücke anläßlich meines ersten Zusammentreffens mit diesem kleinen Gebilde schon geschil-
  12811. Jämmerliche sogenannte „Versammlungen“
  12812. 389
  12813. dert. Ich hatte in den damals folgenden Wochen dann Zeit
  12814. und Gelegenheit, die zunächst unmögliche Erscheinung dieser sogenannten Partei zu studieren. Das Bild war, wahrhaftiger Gott, ein beklemmend niederdrückendes. Es war
  12815. nichts, aber auch schon rein gar nichts vorhanden. Der
  12816. Name einer Partei, deren Ausschuß praktisch die ganze
  12817. Mitgliedschaft repräsentierte, war so oder so das, was
  12818. sie zu bekämpfen versuchte, ein Parlament im kleinsten.
  12819. Auch hier herrschte die Abstimmung, und wenn sich die
  12820. großen Parlamente wenigstens noch über größere Probleme
  12821. monatelang die Kehlen heiser schreien, in diesem kleinen
  12822. Zirkel ging schon über die Beantwortung eines glücklich
  12823. eingelaufenen Briefes endloses Zwiegespräch los!
  12824. Die Öffentlichkeit wußte von dem allem natürlich überhaupt nichts. Kein Mensch in München kannte die Partei
  12825. auch nur dem Namen nach, außer ihren paar Anhängern
  12826. und den wenigen Bekannten derselben.
  12827. Jeden Mittwoch fand in einem Münchener Café eine
  12828. sogenannte Ausschußsitzung statt, einmal in der Woche ein
  12829. Sprechabend. Da die gesamte Mitgliedschaft der „Bewegung“ zunächst im Ausschuß vertreten war, waren die Personen natürlich immer dieselben. Es mußte sich jetzt darum
  12830. handeln, endlich den kleinen Zirkel zu sprengen, neue
  12831. Anhänger zu gewinnen, vor allem aber den Namen der
  12832. Bewegung um jeden Preis bekanntzumachen.
  12833. Wir bedienten uns dabei folgender Technik:
  12834. In jedem Monat, später alle vierzehn Tage, versuchten
  12835. wir eine „Versammlung“ abzuhalten. Die Einladungen
  12836. hierzu wurden auf einer Schreibmaschine oder zum Teil
  12837. auch mit der Hand auf Zettel geschrieben und die ersten
  12838. Male von uns selber verteilt bzw. ausgetragen. Jeder wendete sich an seinen Bekanntenkreis, um den einen oder anderen zu bewegen, eine dieser Veranstaltungen zu besuchen.
  12839. Der Erfolg war ein jämmerlicher.
  12840. Ich erinnere mich noch, wie ich selber in dieser ersten
  12841. Zeit einmal an die achtzig dieser Zettel ausgetragen hatte,
  12842. und wie wir nun am Abend auf die Volksmassen warteten,
  12843. die da kommen sollten.
  12844. 390
  12845. Die erste Versammlung
  12846. Mit einstündiger Verspätung mußte endlich der „Vorsitzende“ die „Versammlung“ eröffnen. Wir waren wieder
  12847. sieben Mann, die alten Sieben.
  12848. Wir gingen dazu über, die Einladungszettel in einem
  12849. Münchener Schreibwarengeschäft auf der Maschine schreiben
  12850. und vervielfältigen zu lassen. Der Erfolg bestand bei der
  12851. nächsten Versammlung in einigen Zuhörern mehr. So stieg
  12852. die Zahl langsam von elf auf dreizehn, endlich auf siebzehn,
  12853. auf dreiundzwanzig, auf vierundzwanzig Zuhörer.
  12854. Durch ganz kleine Geldsammlungen im Kreise von uns
  12855. armen Teufeln wurden die Mittel aufgebracht, um endlich
  12856. eine Versammlung durch eine Anzeige des damals unabhängigen „Münchener Beobachters“ in München ankündigen lassen zu können. Der Erfolg war dieses Mal allerdings erstaunlich. Wir hatten die Versammlung im Münchener Hofbräuhauskeller angesetzt (nicht zu verwechseln
  12857. mit dem Münchener Hofbräuhausfestsaal), einem kleinen
  12858. Saal von knapp einhundertdreißig Personen Fassungsraum. Mir selber erschien der Raum wie eine große Halle,
  12859. und jeder von uns bangte, ob es gelingen würde, an dem
  12860. betreffenden Abend dieses „mächtige“ Gebäude mit Menschen zu füllen.
  12861. Um sieben Uhr waren einhundertelf Personen anwesend,
  12862. und die Versammlung wurde eröffnet.
  12863. Ein Münchener Professor hielt das Hauptreferat, und
  12864. ich sollte als zweiter zum ersten Male öffentlich sprechen.
  12865. Dem damaligen ersten Vorsitzenden der Partei, Herrn
  12866. Harrer, erschien die Sache als ein großes Wagnis. Der
  12867. sonst sicherlich redliche Herr hatte nun einmal die Überzeugung, daß ich wohl verschiedenes könnte, aber nur nicht
  12868. reden. Von dieser Meinung war er auch in der Folgezeit
  12869. nicht abzubringen.
  12870. Die Sache kam anders. Mir waren in dieser ersten als
  12871. öffentlich anzusprechenden Versammlung zwanzig Minuten
  12872. Redezeit zugebilligt worden.
  12873. Ich sprach dreißig Minuten, und was ich früher, ohne es
  12874. irgendwie zu wissen, einfach innerlich gefühlt hatte, wurde
  12875. nun durch die Wirklichkeit bewiesen: ich konnte reden! Nach
  12876. Die erste Versammlung
  12877. 391
  12878. dreißig Minuten waren die Menschen in dem kleinen Raum
  12879. elektrisiert, und die Begeisterung äußerte sich zunächst darin,
  12880. daß mein Appell an die Opferwilligkeit der Anwesenden
  12881. zur Spende von dreihundert Mark führte. Damit aber war
  12882. eine große Sorge von uns genommen. Die finanzielle Beschränkung war ja in dieser Zeit so groß, daß wir nicht
  12883. einmal die Möglichkeit besaßen, für die Bewegung Leitsätze
  12884. drucken zu lassen oder gar Flugblätter herauszugeben. Nun
  12885. war der Grundstock gelegt zu einem kleinen Fonds, aus
  12886. dem dann wenigstens das Notdürftigste und Notwendigste
  12887. bestritten werden konnte.
  12888. Allein auch in einer anderen Hinsicht war der Erfolg
  12889. dieser ersten größeren Versammlung bedeutend.
  12890. Ich hatte damals begonnen, dem Ausschuß eine Anzahl
  12891. frischer junger Kräfte zuzuführen. Während meiner langjährigen Militärzeit hatte ich eine größere Menge treuer
  12892. Kameraden kennengelernt, die nun langsam auf Grund
  12893. meines Zuredens in die Bewegung einzutreten begannen.
  12894. Es waren lauter tatkräftige junge Menschen, an Disziplin
  12895. gewöhnt und von ihrer Dienstzeit her in dem Grundsatz
  12896. aufgewachsen: Unmöglich ist gar nichts, und es geht alles,
  12897. wenn man will.
  12898. Wie nötig aber ein solcher Blutzufluß war, konnte ich
  12899. selber schon nach wenigen Wochen Mitarbeit erkennen.
  12900. Der damalige erste Vorsitzende der Partei, Herr Harrer,
  12901. war eigentlich Journalist und als solcher sicher umfassend
  12902. gebildet. Doch hatte er eine für einen Parteiführer außerordentlich schwere Belastung: er war kein Redner für die
  12903. Masse. So peinlich gewissenhaft und genau seine Arbeit
  12904. an sich war, so fehlte ihr jedoch – vielleicht gerade infolge
  12905. der fehlenden großen rednerischen Begabung – auch der
  12906. größere Schwung. Herr Drexler, damals Vorsitzender der
  12907. Ortsgruppe München, war einfacher Arbeiter, als Redner
  12908. ebenfalls wenig bedeutend, im übrigen aber kein Soldat.
  12909. Er hatte nicht beim Heer gedient, war auch während des
  12910. Krieges nicht Soldat, so daß ihm, der seinem ganzen Wesen
  12911. nach an sich schwächlich und unsicher war, die einzige Schule
  12912. fehlte, die es fertigbringen konnte, aus unsicheren und
  12913. 392
  12914. Soldaten als Grundstock der Bewegung
  12915. weichlichen Naturen Männer zu machen. So waren beide
  12916. Männer nicht aus einem Holz geschnitzt, daß sie befähigt
  12917. hätte, nicht nur den fanatischen Glauben an den Sieg
  12918. einer Bewegung im Herzen zu tragen, sondern auch
  12919. mit unerschütterlicher Willensenergie und, wenn nötig,
  12920. mit brutalster Rücksichtslosigkeit die Widerstände zu beseitigen, die sich dem Emporsteigen der neuen Idee in die
  12921. Wege stellen mochten. Dazu paßten nur Wesen, in denen
  12922. sich Geist und Körper jene militärischen Tugenden zu eigen
  12923. gemachte hatten, die man vielleicht am besten so bezeichnen
  12924. kann: Flink wie Windhunde, zäh wie Leder und hart wie
  12925. Kruppstahl.
  12926. Ich war damals selber noch Soldat. Mein Äußeres und
  12927. Inneres war nahezu sechs Jahre lang geschliffen worden,
  12928. so daß ich zunächst in diesem Kreise wohl als fremd empfunden werden mußte. Auch ich hatte das Wort verlernt: Das
  12929. geht nicht, oder das wird nicht gehen; das darf man nicht
  12930. wagen, das ist noch zu gefährlich usw.
  12931. Denn gefährlich war die Sache natürlich. Im Jahre 1920
  12932. war in vielen Gegenden Deutschlands eine nationale Versammlung, die es wagte, ihren Appell an die breiten Massen zu richten und öffentlich zu ihrem Besuche einzuladen,
  12933. einfach unmöglich. Die Teilnehmer an einer solchen wurden
  12934. mit blutigen Köpfen auseinandergeschlagen und verjagt.
  12935. Viel gehörte freilich zu einem solchen Kunststück nicht:
  12936. pflegte doch die größte sogenannte bürgerliche Massenversammlung vor einem Dutzend Kommunisten auseinanderzulaufen und auszureißen wie die Hasen vor dem Hunde.
  12937. Doch so wenig die Roten von einem solchen bürgerlichen
  12938. Trätäklub Notiz nahmen, dessen innere Harmlosigkeit und
  12939. damit Ungefährlichkeit für sich selbst sie besser kannten als
  12940. dessen Mitglieder selber, so entschlossen waren sie aber, eine
  12941. Bewegung mit allen Mitteln zu erledigen, die ihnen gefährlich schien – das Wirksamste in solchen Fällen bildete
  12942. jedoch zu allen Zeiten der Terror, die Gewalt.
  12943. Am verhaßtesten aber mußte den marxistischen Volksbetrügern eine Bewegung sein, deren ausgesprochenes Ziel
  12944. die Gewinnung derjenigen Masse war, die bisher im aus-
  12945. Die zweite Versammlung
  12946. 393
  12947. schließlichen Dienste der internationalen marxistischen Juden- und Börsenparteien stand. Schon der Titel „Deutsche
  12948. Arbeiterpartei“ wirkte aufreizend. So konnte man sich leicht
  12949. vorstellen, daß bei der ersten passenden Gelegenheit die
  12950. Auseinandersetzung mit den damals noch siegestrunkenen
  12951. marxistischen Antreibern beginnen würde.
  12952. Im kleinen Kreis der damaligen Bewegung hatte man
  12953. vor einem solchen Kampfe denn auch eine gewisse Angst.
  12954. Man wollte möglichst wenig an die Öffentlichkeit treten,
  12955. aus Furcht, geschlagen zu werden. Man sah die erste große
  12956. Versammlung im Geiste schon gesprengt und die Bewegung
  12957. dann vielleicht für immer erledigt. Ich hatte einen schweren
  12958. Stand mit meiner Auffassung, daß man diesem Kampf
  12959. nicht ausweichen, sondern daß man ihm entgegentreten und
  12960. sich deshalb diejenige Rüstung zulegen müsse, die allein den
  12961. Schutz vor der Gewalt gewährt. Terror bricht man nicht
  12962. durch Geist, sondern durch Terror. Der Erfolg der ersten
  12963. Versammlung stärkte in dieser Richtung meine Stellung.
  12964. Man bekam Mut zu einer zweiten, schon etwas größer aufgezogenen.
  12965. Etwa Oktober 1919 fand im Eberlbräukeller die
  12966. zweite größere Versammlung statt. Thema: Brest-Litowsk
  12967. und Versailles. Als Redner traten vier Herren auf. Ich
  12968. selber sprach nahezu eine Stunde, und der Erfolg war größer als bei der ersten Kundgebung. Die Besucherzahl war
  12969. auf über einhundertdreißig gestiegen. Ein Störungsversuch
  12970. wurde durch meine Kameraden sofort im Keime erstickt.
  12971. Die Unruhestifter flogen mit zerbeulten Köpfen die Treppe
  12972. hinunter.
  12973. Vierzehn Tage darauf fand eine weitere Versammlung
  12974. im gleichen Saale statt. Die Besucherzahl war auf über einhundertsiebzig gestiegen – eine gute Besetzung des Raumes. Ich hatte wieder gesprochen, und wieder war der Erfolg größer als bei der vorhergegangenen Versammlung.
  12975. Ich drängte nach einem größeren Saal. Endlich fanden
  12976. wir einen solchen am anderen Ende der Stadt, im „Deutschen Reich“ an der Dachauer Straße. Die erste Versammlung im neuen Raum war schwächer besucht als die vorher-
  12977. 394
  12978. Die innere Formgebung der Bewegung
  12979. gegangene: knapp einhundertvierzig Personen. Im Ausschuß begann die Hoffnung wieder zu sinken, und die ewigen Zweifler glaubten, als Ursache des schlechten Besuches
  12980. die zu häufige Wiederholung unserer „Kundgebungen“ ansehen zu müssen. Es gab heftige Auseinandersetzungen, in
  12981. denen ich den Standpunkt vertrat, daß eine Siebenhunderttausend-Einwohner-Stadt nicht nur alle vierzehn Tage
  12982. eine, sondern jede Woche zehn Versammlungen vertragen
  12983. müßte, daß man sich durch Rückschläge nicht irre machen
  12984. lassen dürfe, daß die eingeschlagene Bahn die richtige sei,
  12985. und daß früher oder später bei immer gleichbleibender Beharrlichkeit der Erfolg kommen müsse. Überhaupt war diese
  12986. ganze Zeit des Winters 1919/20 ein einziger Kampf, das
  12987. Vertrauen in die siegende Gewalt der jungen Bewegung
  12988. zu stärken und zu jenem Fanatismus zu steigern, der als
  12989. Glaube dann Berge zu versetzen vermag.
  12990. Die nächste Versammlung im gleichen Saale gab mir
  12991. schon wieder recht. Die Zahl der Besucher war auf über
  12992. zweihundert gestiegen, der äußere sowohl als der finanzielle Erfolg glänzend.
  12993. Ich trieb zur sofortigen Ansetzung einer weiteren Veranstaltung. Sie fand kaum vierzehn Tage später statt, und
  12994. die Zuhörermenge stieg auf über zweihundertsiebzig Köpfe.
  12995. Vierzehn Tage später riefen wir zum siebenten Male Anhänger und Freunde der jungen Bewegung zusammen, und
  12996. derselbe Raum konnte die Menschen nur mehr schwer fassen, es waren über vierhundert geworden.
  12997. In dieser Zeit erfolgte die innere Formgebung der jungen Bewegung. Es gab dabei in dem kleinen Kreis manches
  12998. Mal mehr oder weniger heftige Auseinandersetzungen. Von
  12999. verschiedenen Seiten – wie auch heute, so schon damals –
  13000. wurde die Bezeichnung der jungen Bewegung als Partei
  13001. bekrittelt. Ich habe in einer solchen Auffassung immer nur
  13002. den Beweis für die praktische Unfähigkeit und geistige
  13003. Kleinheit des Betreffenden gesehen. Es waren und sind
  13004. immer die Menschen, die Äußeres von Innerem nicht zu
  13005. unterscheiden vermögen und die den Wert einer Bewegung nach möglichst schwulstig klingenden Bezeichnungen
  13006. Deutschvölkische Wanderscholaren
  13007. 395
  13008. abzuschätzen versuchen, wobei zu allem Unglück der Wortschatz unserer Urväter am meisten herhalten muß.
  13009. Es war damals schwer, den Leuten begreiflich zu machen,
  13010. daß jede Bewegung, solange sie nicht den Sieg ihrer Ideen
  13011. und damit ihr Ziel erreicht hat, Partei ist, auch wenn sie
  13012. sich tausendmal einen anderen Namen beilegt.
  13013. Wenn irgendein Mensch einen kühnen Gedanken, dessen
  13014. Verwirklichung im Interesse seiner Mitmenschen nützlich
  13015. erscheint, zur praktischen Durchführung bringen will, so
  13016. wird er sich zunächst Anhänger zu suchen haben, die bereit
  13017. sind, für seine Absichten einzutreten. Und wenn diese Absicht nur darin bestünde, das zur Zeit bestehende Parteiwesen zu vernichten, die Zersplitterung zu beenden, so sind
  13018. die Vertreter dieser Anschauung und Verkünder dieses Entschlusses eben selber Partei, so lange, bis nicht das Ziel errungen ist. Es ist Wortklauberei und Spiegelfechterei, wenn
  13019. irgendein bezopfter völkischer Theoretiker, dessen praktische Erfolge im umgekehrten Verhältnis zu seiner Weisheit
  13020. stehen, sich einbildet, den Charakter, den jede junge Bewegung als Partei besitzt, zu ändern durch eine Änderung
  13021. ihrer Bezeichnung.
  13022. Im Gegenteil.
  13023. Wenn irgend etwas unvölkisch ist, dann ist es dieses Herumwerfen mit besonders altgermanischen Ausdrücken, die
  13024. weder in die heutige Zeit passen noch etwas Bestimmtes
  13025. vorstellen, sondern leicht dazu führen können, die Bedeutung einer Bewegung im äußeren Sprachschatz derselben
  13026. zu sehen. Das ist ein wahrer Unfug, den man aber heute
  13027. unzählige Male beobachten kann.
  13028. Überhaupt habe ich schon damals und auch in der Folgezeit immer wieder vor jenen deutschvölkischen Wanderscholaren warnen müssen, deren positive Leistung immer
  13029. gleich Null ist, deren Einbildung aber kaum übertroffen zu
  13030. werden vermag. Die junge Bewegung mußte und muß sich
  13031. vor einem Zustrom an Menschen hüten, deren einzige Empfehlung zumeist in ihrer Erklärung liegt, daß sie schon dreißig oder gar vierzig Jahre lang für die gleiche Idee gekämpft hätten. Wer aber vierzig Jahre lang für eine soge-
  13032. 396
  13033. Blechschwerter und präparierte Bärenfelle
  13034. nannte Idee eintritt, ohne selbst den geringsten Erfolg herbeiführen zu können, ja ohne den Sieg des Gegenteils verhindert zu haben, hat den Wahrheitsbeweis für die eigene
  13035. Unfähigkeit in vierzigjähriger Tätigkeit erbracht. Das Gefährliche liegt vor allem darin, daß solche Naturen sich nicht
  13036. als Glieder in die Bewegung einfügen wollen, sondern von
  13037. Führerkreisen faseln, in denen sie auf Grund ihrer uralten Tätigkeit allein eine passende Stelle zur weiteren
  13038. Betätigung zu erblicken vermögen. Wehe aber, wenn man
  13039. solchen Leuten eine junge Bewegung ausliefert! So wenig
  13040. ein Geschäftsmann, der in vierzigjähriger Tätigkeit ein
  13041. großes Geschäft konsequent vernichtete, zum Begründer
  13042. eines neuen taugt, so wenig paßt ein völkischer Methusalem,
  13043. der in eben dieser Zeit eine große Idee verkorkste und zum
  13044. Verkalken brachte, zur Führung einer neuen, jungen Bewegung!
  13045. Im übrigen kommen alle diese Menschen nur zu einem
  13046. Bruchteil in die neue Bewegung, um ihr zu dienen und
  13047. der Idee der neuen Lehre zu nützen, in den meisten Fällen
  13048. aber, um unter ihrem Schutze oder durch die Möglichkeiten,
  13049. die sie bietet, die Menschheit noch einmal mit ihren eigenen
  13050. Ideen unglücklich zu machen. Was aber das für Ideen sind,
  13051. läßt sich nur schwer wiedergeben.
  13052. Es ist das Charakteristische dieser Naturen, daß sie von
  13053. altgermanischem Heldentum, von grauer Vorzeit, Steinäxten, Ger und Schild schwärmen, in Wirklichkeit aber die
  13054. größten Feiglinge sind, die man sich vorstellen kann. Denn
  13055. die gleichen Leute, die mit altdeutschen, vorsorglich nachgemachten Blechschwertern in den Lüften herumfuchteln,
  13056. ein präpariertes Bärenfell mit Stierhörnern über dem bärtigen Haupte, predigen für die Gegenwart immer nur den
  13057. Kampf mit geistigen Waffen und fliehen vor jedem kommunistischen Gummiknüppel eiligst von dannen. Die Nachwelt
  13058. wird einmal wenig Veranlassung besitzen, das Heldendasein
  13059. dieser Rauschebärte in einem neuen Epos zu verherrlichen.
  13060. Ich habe diese Leute zu gut kennengelernt, um nicht vor
  13061. ihrer elenden Schauspielerei den tiefsten Ekel zu empfinden. Auf die breite Masse aber wirken sie lächerlich, und
  13062. Ablehnung des Wortes „völkisch“
  13063. 397
  13064. der Jude hat allen Grund, diese völkischen Komödianten zu
  13065. schonen, sie sogar den wirklichen Verfechtern eines kommenden deutschen Staates vorzuziehen. Dabei sind diese Menschen noch maßlos eingebildet, wollen, trotz aller Beweise
  13066. ihrer vollkommenen Unfähigkeit, alles besser verstehen und
  13067. werden zu einer wahren Plage für die geradlinigen und
  13068. ehrlichen Kämpfer, denen Heldentum nicht nur in der Vergangenheit verehrungswürdig erscheint, sondern die sich
  13069. auch bemühen, der Nachwelt durch eigenes Handeln ein
  13070. gleiches Bild zu geben.
  13071. Auch läßt es sich oft nur schwer unterscheiden, wer von
  13072. diesen Leuten aus innerer Dummheit oder Unfähigkeit
  13073. handelt, oder wer aus bestimmten Gründen nur so tut.
  13074. Besonders bei den sogenannten religiösen Reformatoren auf
  13075. altgermanischer Grundlage habe ich immer die Empfindung,
  13076. als seien sie von jenen Mächten geschickt, die den Wiederaufstieg unseres Volkes nicht wünschen. Führt doch ihre
  13077. ganze Tätigkeit das Volk vom gemeinsamen Kampf gegen
  13078. den gemeinsamen Feind, den Juden, weg, um es statt
  13079. dessen seine Kräfte in ebenso unsinnigen wie unseligen
  13080. inneren Religionsstreitigkeiten verzehren zu lassen. Gerade
  13081. aus diesen Gründen aber ist die Aufrichtung einer starken
  13082. Zentralgewalt im Sinne der unbedingten Autorität der
  13083. Führung in der Bewegung nötig. Nur durch sie allein kann
  13084. solchen verderblichen Elementen das Handwerk gelegt
  13085. werden. Allerdings sind aus diesem Grunde die größten
  13086. Feinde einer einheitlichen, stramm geführten und geleiteten
  13087. Bewegung auch in den kreisen dieser völkischen Ahasvere
  13088. zu finden. Sie hassen in der Bewegung die Macht, die
  13089. ihren Unfug steuert.
  13090. Nicht umsonst hat die junge Bewegung sich einst auf ein
  13091. bestimmtes Programm festgelegt und das Wort „völkisch“
  13092. dabei nicht verwendet. Der Begriff völkisch ist infolge seiner
  13093. begrifflichen Unbegrenztheit keine mögliche Grundlage für
  13094. eine Bewegung und bietet keinen Maßstab für die Zugehörigkeit zu einer solchen. Je undefinierbarer dieser Begriff
  13095. praktisch ist, je mehr und umfangreichere Deutungen er
  13096. zuläßt, um so mehr steigt aber auch die Möglichkeit, sich
  13097. 398
  13098. Ablehnung des Wortes „völkisch“
  13099. auf ihn zu berufen. Die Einschiebung eines derart unbestimmbaren und so vielseitig auslegbaren Begriffes in
  13100. den politischen Kampf führt zur Aufhebung jeder strammen
  13101. Kampfgemeinschaft, da diese es nicht verträgt, dem einzelnen die Bestimmung seines Glaubens und Wollens selbst
  13102. zu überlassen.
  13103. Es ist auch schandbar, wer sich heute alles mit dem Wort
  13104. „völkisch“ auf der Kappe herumtreibt, wieviel Leute ihre
  13105. eigene Auffassung über diesen Begriff haben. Ein bekannter Professor in Bayern, ein berühmter Kämpfer mit geistigen Waffen und reich an ebenso geistigen Marschleistungen nach Berlin, setzt den Begriff völkisch monarchischer
  13106. Einstellung gleich. Das gelahrte Haupt hat freilich bisher
  13107. vergessen, die Identität unserer deutschen Monarchen der
  13108. Vergangenheit mit einer völkischen Auffassung von heute
  13109. näher zu erklären. ich fürchte auch, daß dies dem Herrn
  13110. schwer gelingen würde. Denn etwas Unvölkischeres als die
  13111. meisten deutschen monarchischen Staatsgebilde kann man
  13112. sich gar nicht vorstellen. Wäre es anders, sie wären nie
  13113. verschwunden, oder aber ihr Verschwinden böte den Beweis
  13114. für die Unrichtigkeit der völkischen Weltanschauung.
  13115. So legt jeder diesen Begriff aus, wie er es eben versteht.
  13116. Als Grundlage aber für eine politische Kampfbewegung
  13117. kann eine solche Vielfältigkeit der Meinungen nicht in
  13118. Frage kommen.
  13119. Von der Weltfremdheit und besonders der Unkenntnis
  13120. der Volksseele dieser völkischen Johannesse des zwanzigsten
  13121. Jahrhunderts will ich dabei ganz absehen. Sie wird genügend illustriert durch die Lächerlichkeit, mit der sie von
  13122. links behandelt werden. Man läßt sie schwätzen und lacht
  13123. sie aus.
  13124. Wer es aber auf dieser Welt nicht fertigbringt, von
  13125. seinen Gegnern gehaßt zu werden, scheint mir als Freund
  13126. nicht viel wert zu sein. Und so war auch die Freundschaft
  13127. dieser Menschen für unsere Bewegung nicht nur
  13128. wertlos, sondern immer nur schädlich, und es war auch der
  13129. Hauptgrund, warum wir erstens den Namen „Partei“
  13130. wählten – wir durften hoffen, daß dadurch allein schon ein
  13131. „Geistige Waffen“ – „Stille Arbeiter“
  13132. 399
  13133. ganzer Schwarm dieser völkischen Schlafwandler von uns
  13134. zurückgescheucht würde –, und warum wir uns zweitens als
  13135. Nationalsozialistische
  13136. Deutsche
  13137. Arbeit e r p a r t e i bezeichneten.
  13138. Der erste Ausdruck brachte uns die Altertumsschwärmer
  13139. vom Leibe, die Wortmenschen und äußerlichen Sprücheklopfer der sogenannten „völkischen Idee“, der zweite aber
  13140. befreite uns von dem ganzen Troß der Ritter mit dem „geistigen Schwert“, all der Jammerlappen, die die „geistige
  13141. Waffe“ als Schutzschild vor ihre tatsächliche Feigheit halten.
  13142. Es versteht sich von selbst, daß wir in der Folgezeit besonders von diesen letzteren am schwersten angegriffen wurden, natürlich nicht tätlich, sondern nur mit der Feder, wie
  13143. dies von einem solchen völkischen Gänsekiel ja nicht anders
  13144. zu erwarten ist. Für sie hatte freilich unser Grundsatz „Wer
  13145. uns mit Gewalt entgegentritt, dessen erwehren wir uns
  13146. mit Gewalt“ etwas Unheimliches an sich. Sie warfen uns
  13147. nicht nur die rohe Anbetung des Gummiknüppels, sondern
  13148. den mangelnden Geist an sich auf das eindringlichste vor.
  13149. Daß in einer Volksversammlung ein Demosthenes zum
  13150. Schweigen gebracht werden kann, wenn nur fünfzig Idioten, gestützt auf ihr Mundwerk und ihre Fäuste, ihn nicht
  13151. sprechen lassen wollen, berührt einen solchen Quacksalber
  13152. allerdings nicht im geringsten. Die angeborene Feigheit
  13153. läßt ihn nie in eine solche Gefahr geraten. Denn er
  13154. arbeitet nicht „lärmend“ und „aufdringlich“, sondern im
  13155. „stillen“.
  13156. Ich kann auch heute unsere junge Bewegung nicht genug
  13157. davor warnen, in das Netz dieser sogenannten „stillen
  13158. Arbeiter“ zu kommen. Sie sind nicht nur Feiglinge, sondern
  13159. auch immer Nichtskönner und Nichtstuer. Ein Mensch, der
  13160. eine Sache weiß, eine gegebene Gefahr kennt, die Möglichkeit einer Abhilfe mit seinen Augen sieht, hat die verdammte Pflicht und Schuldigkeit, nicht im „stillen“ zu
  13161. arbeiten, sondern vor der Öffentlichkeit gegen das Übel
  13162. auf- und für seine Heilung einzutreten. Tut er das nicht,
  13163. dann ist er ein pflichtvergessener, elender Schwächling, der
  13164. entweder aus Feigheit versagt oder aus Faulheit und Un-
  13165. 400
  13166. Die erste große Massenversammlung
  13167. vermögen. Der Großteil dieser „stillen Arbeiter“ aber tut
  13168. meistens nur so, als ob er weiß Gott was wüßte. Sie alle
  13169. können nichts, versuchen aber die ganze Welt mit ihren
  13170. Kunststücken zu bemogeln; sie sind faul, erwecken aber mit
  13171. ihrer behaupteten „stillen“ Arbeit den Eindruck einer ebenso enormen wie emsigen Tätigkeit, kurz und gut, sie sind
  13172. Schwindler, politische Schiebernaturen, denen die ehrliche
  13173. Arbeit der anderen verhaßt ist. Sobald solch ein völkischer
  13174. Nachtfalter sich auf den Wert der „Stille“ beruft, kann man
  13175. tausend gegen eins wetten, daß er in ihr nicht produziert,
  13176. sondern stiehlt, stiehlt von den Früchten der Arbeit anderer.
  13177. Dazu kommt noch die Arroganz, Einbildung und Frechheit, mit der dieses praktisch faulenzende, lichtscheue Gesindel über die Arbeit anderer herfällt, von oben herunter
  13178. zu bekritteln versucht und so in Wahrheit den Todfeinden
  13179. unseres Volkes hilft.
  13180. Jeder letzte Agitator, der den Mut besitzt, auf dem Wirtstisch unter seinen Gegnern stehend, männlich und offen seine
  13181. Anschauung zu vertreten, leistet mehr als tausend dieser
  13182. verlogenen, heimtückischen Duckmäuser. Er wird sicherlich
  13183. den einen oder anderen bekehren und für die Bewegung gewinnen können. Man wird seine Leistung überprüfen und am Erfolg die Wirkung seines Tuns festzustellen vermögen. Nur die feigen Schwindler, die ihre Arbeit
  13184. in der „Stille“ preisen und sich mithin in den Schutzmantel
  13185. einer zu verachtenden Anonymität hüllen, taugen zu gar
  13186. nichts und dürfen im wahrsten Sinne des Wortes als Drohnen bei der Wiedererhebung unseres Volkes gelten.
  13187. Anfang des Jahres 1920 trieb ich zur Abhaltung der
  13188. ersten ganz großen Massenversammlung. Darüber kam es
  13189. zu Meinungsverschiedenheiten. Einige führende Parteimitglieder hielten die Sache für viel zu verfrüht und damit
  13190. in der Wirkung für verhängnisvoll. Die rote Presse hatte
  13191. sich mit uns zu beschäftigen angefangen, und wir waren
  13192. glücklich genug, allmählich ihren Haß zu erringen. Wir
  13193. Die erste große Massenversammlung
  13194. 401
  13195. hatten begonnen, als Diskussionsredner in anderen Versammlungen aufzutreten. Natürlich wurde jeder von uns
  13196. sofort niedergeschrien. Allein ein Erfolg war doch vorhanden. Man lernte uns kennen, und in eben dem Maße, in
  13197. dem sich diese Kenntnis vertiefte, stiegen die Abneigung
  13198. und Wut gegen uns. So durften wir also wohl darauf hoffen, bei unserer ersten großen Massenversammlung den
  13199. Besuch unserer Freunde aus dem roten Lager in größtem
  13200. Umfange zu erhalten.
  13201. Auch ich war mir klar darüber, daß die Wahrscheinlichkeit einer Sprengung groß war. Allein der Kampf mußte
  13202. eben ausgetragen werden, wenn nicht jetzt, dann einige
  13203. Monate später. Es lag ganz bei uns, schon am ersten Tage
  13204. die Bewegung durch blindes, rücksichtsloses Einstehen für
  13205. sie zu verewigen. Ich kannte vor allem die Mentalität der
  13206. Anhänger der roten Seiten nur zu gut, um nicht zu wissen,
  13207. daß ein Widerstand bis zum äußersten am ehesten nicht
  13208. nur Eindruck erweckt, sondern auch Anhänger gewinnt. Zu
  13209. diesem Widerstand mußte man eben entschlossen sein.
  13210. Der damalige erste Vorsitzende der Partei, Herr Harrer,
  13211. glaubte, meinen Ansichten in bezug auf den gewählten Zeitpunkt nicht beipflichten zu können und trat in der Folge
  13212. als ehrlicher, aufrechter Mann von der Führung der Bewegung zurück. An seine Stelle rückte Herr Anton Drexler
  13213. vor. Ich selber hatte mir die Organisation der Propaganda
  13214. vorbehalten und führte diese nun auch rücksichtslos durch.
  13215. So wurde als Termin für die Abhaltung
  13216. dieser ersten großen Volksversammlung
  13217. der noch unbekannten Bewegung der 24. Februar 1920 bestimmt.
  13218. Die Vorbereitungen leitete ich persönlich. Sie waren sehr
  13219. kurz. Überhaupt wurde der ganze Apparat darauf eingestellt, blitzschnelle Entscheidungen treffen zu können. Zu
  13220. Tagesfragen sollte in Form von Massenversammlungen
  13221. innerhalb vierundzwanzig Stunden Stellung genommen
  13222. werden. Die Ankündigung derselben sollte durch Plakate
  13223. und Flugblätter stattfinden, deren Tendenz nach jenen
  13224. Gesichtspunkten bestimmt wurde, die ich in meiner Ab-
  13225. 402
  13226. Verbrüderung zwischen Marxismus und Zentrum
  13227. handlung über Propaganda in groben Umrissen schon
  13228. niedergelegt habe. Wirkung auf die breite Masse, Konzentration auf wenige Punkte, immerwährende Wiederholung
  13229. derselben, selbstsichere und selbstbewußte Fassung des
  13230. Textes in den Formen einer apodiktischen Behauptung,
  13231. größte Beharrlichkeit in der Verbreitung und Geduld im
  13232. Erwarten der Wirkung.
  13233. Als Farbe wurde grundsätzlich Rot gewählt, sie ist die
  13234. aufpeitschendste und mußte unsere Gegner am meisten
  13235. empören und aufreizen und uns ihnen dadurch so oder so
  13236. zur Kenntnis und in Erinnerung bringen.
  13237. In der Folgezeit zeigte sich auch in Bayern die innere
  13238. Verbrüderung zwischen Marxismus und Zentrum als politischer Partei am klarsten in der Sorge, mit der die hier
  13239. regierende Bayerische Volkspartei die Wirkung unserer
  13240. Plakate auf die roten Arbeitermassen abzuschwächen und
  13241. später zu unterbinden versuchte. Fand die Polizei kein
  13242. anderes Mittel, dagegen einzuschreiten, dann mußten zum
  13243. Schluß „Verkehrsrücksichten“ herhalten, bis man endlich
  13244. dem inneren, stillen, roten Bundesgenossen zuliebe unter
  13245. fördernder Beihilfe einer sogenannten Deutschnationalen
  13246. Volkspartei diese Plakate, die Hunderttausende von internationalen, verhetzten und verführten Arbeitern dem deutschen Volkstum wiedergegeben hatten, gänzlich verbot.
  13247. Diese Plakate – der ersten und zweiten Auflage dieses
  13248. Buches als Anhang beigefügt – können am besten das gewaltige Ringen belegen, das die junge Bewegung in dieser
  13249. Zeit ausfocht. Sie werden aber auch vor der Nachwelt Zeugnis ablegen für das Wollen und die Aufrichtigkeit unserer
  13250. Gesinnung und die Willkür sogenannter nationaler Behörden in der Unterbindung einer ihnen unbequemen Nationalisierung und damit Wiedergewinnung breiter Massen unseres Volkstums.
  13251. Sie werden auch die Meinung zerstören helfen, als ob
  13252. sich in Bayern eine nationale Regierung an sich befände,
  13253. und vor der Nachwelt noch dokumentieren, daß das nationale Bayern der Jahre 1919, 1920, 1921, 1922 und 1923
  13254. nicht etwa das Ergebnis einer nationalen Regierung war,
  13255. Pöhner und Frick
  13256. 403
  13257. sondern diese nur gezwungenerweise Rücksicht nehmen
  13258. mußte auf ein allmählich national fühlendes Volk.
  13259. Die Regierungen selber taten alles, um diesen Gesundungsprozeß zu unterbinden und unmöglich zu machen.
  13260. Zwei Männer nur muß man dabei ausnehmen:
  13261. Der damalige Polizeipräsident E r n s t P ö h n e r und
  13262. sein treuer Berater, Oberamtmann F r i c k , waren die einzigen höheren Staatsbeamten, die schon damals den Mut
  13263. besaßen, erste Deutsche und dann Beamte zu sein. An verantwortlicher Stelle war Ernst Pöhner der einzige, der
  13264. nicht um die Gunst der Massen buhlte, sondern sich seinem
  13265. Volkstum verantwortlich fühlte und bereit war, für die
  13266. Wiederauferstehung des von ihm über alles geliebten
  13267. deutschen Volkes alles, auch, wenn nötig, seine persönliche
  13268. Existenz auf das Spiel zu setzen und zu opfern. Er war
  13269. denn auch immer der lästige Dorn in den Augen jener
  13270. käuflichen Beamtenkreaturen, denen nicht das Interesse
  13271. ihres Volkes und die notwendige Freiheitserhebung desselben, sondern der Befehl des Brotgebers das Gesetz des
  13272. Handelns vorschreibt, ohne Rücksicht auf das Wohl des
  13273. ihnen anvertrauten nationalen Gutes.
  13274. Vor allem aber gehörte er zu jenen Naturen, die im Unterschied zu den meisten Hütern unserer sogenannten Staatsautorität die Feindschaft der Volks- und Landesverräter
  13275. nicht fürchten, sondern sie als selbstverständliches Gut des
  13276. anständigen Mannes ersehnen. Der Haß von Juden und
  13277. Marxisten, ihr ganzer Kampf voll Lüge und Verleumdung
  13278. waren für ihn das einzige Glück inmitten des Elends
  13279. unseres Volkes.
  13280. Ein Mann von granitener Redlichkeit, von antiker
  13281. Schlichtheit und deutscher Geradlinigkeit, bei dem das
  13282. Wort „lieber tot als Sklave“ keine Phrase, sondern den
  13283. Inbegriff seines ganzen Wesens bildete.
  13284. Er und sein Mitarbeiter Dr. Frick sind in meinen Augen
  13285. die einzigen, die von Männern in staatlicher Stellung das
  13286. Recht besitzen, als Mithersteller eines nationalen Bayerns
  13287. zu gelten. –
  13288. Ehe wir nun zur Abhaltung unserer ersten Massen-
  13289. 404
  13290. Die Abfassung des Programms
  13291. versammlung schritten, mußte nicht nur das notwendige
  13292. Propagandamaterial bereitgestellt, sondern mußten auch
  13293. die Leitsätze des Programms im Druck niedergelegt werden.
  13294. Ich werde die Richtlinien, die uns besonders bei der Abfassung des Programms vor Augen schwebten, im zweiten
  13295. Bande auf das gründlichste entwickeln. Ich will hier nur
  13296. feststellen, daß es geschaffen wurde, nicht nur um der
  13297. jungen Bewegung Form und Inhalt zu geben, sondern um
  13298. deren Ziele der breiten Masse verständlich zu machen.
  13299. Aus sogenannten Intelligenzkreisen hat man darüber gewitzelt und gespöttelt und versucht, daran Kritik zu üben.
  13300. Die Richtigkeit unserer damaligen Auffassung aber hat die
  13301. Wirksamkeit dieses Programms ergeben.
  13302. Ich habe in diesen Jahren Dutzende von neuen Bewegungen erstehen sehen, und sie alle sind wieder spurlos verschwunden und verweht. Eine einzige blieb: die
  13303. Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei. Und heute
  13304. hege ich mehr denn je die Überzeugung, daß man sie bekämpfen kann, daß man versuchen mag, sie zu lähmen, daß
  13305. kleine Parteiminister uns die Rede und das Wort verbieten können, den Sieg unserer Gedanken werden sie
  13306. nimmermehr verhindern.
  13307. Wenn von der gesamten heutigen Staatsauffassung und
  13308. ihren Vertretern nicht einmal die Erinnerung mehr die
  13309. Namen künden wird, werden die Grundlagen des nationalsozialistischen Programms die Fundamente eines kommenden Staates sein.
  13310. Die viermonatige Versammlungstätigkeit vor dem Januar 1920 hatte uns langsam die kleinen Mittel erübrigen
  13311. lassen, die wir zur Drucklegung unserer ersten Flugschrift,
  13312. unseres ersten Plakates und unseres Programms benötigten.
  13313. Wenn ich als Abschluß dieses Bandes diese erste große
  13314. Massenversammlung der Bewegung nehme, so geschieht es
  13315. deshalb, weil mit ihr die Partei den engen Rahmen eines
  13316. kleinen Vereins sprengte und an Stelle dessen zum ersten
  13317. Male bestimmend auf den gewaltigen Faktor unserer Zeit,
  13318. die öffentliche Meinung, einwirkte.
  13319. Erstmalige Erläuterung des Programms
  13320. 405
  13321. Ich selbst besaß damals nur eine einzige Sorge: Wird
  13322. der Saal gefüllt sein, oder werden wir vor gähnender
  13323. Leere sprechen? Ich hatte die felsenfeste innere Überzeugung, daß, wenn die Menschen kommen würden, der
  13324. Tag ein großer Erfolg für die junge Bewegung werden
  13325. müsse. So bangte ich dem damaligen Abend entgegen.
  13326. Um 7.30 Uhr sollte die Eröffnung stattfinden. 7.15 Uhr
  13327. betrat ich den Festsaal des Hofbräuhauses am Platzl in
  13328. München, und das Herz wollte mir fast vor Freude zerspringen. Der gewaltige Raum, denn gewaltig kam er mir
  13329. damals noch vor, war mit Menschen überfüllt, Kopf an
  13330. Kopf, eine fast zweitausend Menschen zählende Masse. Und
  13331. vor allem – es waren die gekommen, an die wir uns
  13332. wenden wollten. Weit über die Hälfte des Saales schien
  13333. von Kommunisten und Unabhängigen besetzt. Unsere erste
  13334. große Kundgebung war von ihnen zu einem schnellen Ende
  13335. bestimmt worden.
  13336. Allein es kam anders. Nachdem der erste Redner geendet,
  13337. ergriff ich das Wort. Wenige Minuten später hagelte es
  13338. Zwischenrufe, im Saal kam es zu heftigen Zusammenstößen.
  13339. Eine Handvoll treuester Kriegskameraden und sonstige Anhänger schlugen sich mit den Störenfrieden und vermochten
  13340. erst nach und nach einige Ruhe herzustellen. Ich konnte
  13341. wieder weitersprechen. Nach einer halben Stunde begann
  13342. der Beifall das Schreien und Brüllen langsam zu übertönen.
  13343. Und nun ergriff ich das Programm und begann es zum
  13344. ersten Male zu erläutern.
  13345. Von Viertelstunde zu Viertelstunde wurden die Zwischenrufe mehr und mehr zurückgedrängt von beifälligen Zurufen. Und als ich endlich die fünfundzwanzig Thesen
  13346. Punkt für Punkt der Masse vorlegte und sie bat, selber das
  13347. Urteil über sie zu sprechen, da wurden sie nun eine nach
  13348. der anderen unter immer mehr sich erhebendem Jubel angenommen, einstimmig und immer wieder einstimmig, und
  13349. als die letzte These so den Weg zum Herzen der Masse gefunden hatte, stand ein Saal voll Menschen vor mir, zusammengeschlossen von einer neuen Überzeugung, einem
  13350. neuen Glauben, von einem neuen Willen.
  13351. 406
  13352. Die Bewegung nimmt ihren Lauf
  13353. Als sich nach fast vier Stunden der Raum zu leeren begann und die Masse sich Kopf an Kopf wie ein langsamer
  13354. Strom dem Ausgange zuwälzte, zuschob und zudrängte, da
  13355. wußte ich, daß nun die Grundsätze einer Bewegung in das
  13356. deutsche Volk hinauswanderten, die nicht mehr zum Vergessen zu bringen waren.
  13357. Ein Feuer war entzündet, aus dessen Glut dereinst das
  13358. Schwert kommen muß, das dem germanischen Siegfried die
  13359. Freiheit, der deutschen Nation das Leben wiedergewinnen
  13360. soll.
  13361. Und neben der kommenden Erhebung fühlte ich die Göttin der unerbittlichen Rache schreiten für die Meineidstat
  13362. des 9. November 1918.
  13363. So leerte sich langsam der Saal.
  13364. Die Bewegung nahm ihren Lauf.
  13365. Zweiter Band
  13366. DIE NATIONALSOZIALISTISCHE
  13367. BEWEGUNG
  13368. 1. Kapitel
  13369. Weltanschauung und Partei
  13370. A m 24. Februar 1920 fand die erste große öffentliche
  13371. Massenkundgebung unserer jungen Bewegung statt. Im
  13372. Festsaale des Münchener Hofbräuhauses wurden die fünfundzwanzig Thesen des Programms der neuen Partei einer
  13373. fast zweitausendköpfigen Menschenmenge unterbreitet und
  13374. jeder einzelne Punkt unter jubelnder Zustimmung angenommen.
  13375. Damit waren die ersten Leitsätze und Richtlinien für
  13376. einen Kampf ausgegeben, der mit einem wahren Wust
  13377. althergebrachter Vorstellungen und Ansichten und mit unklaren, ja schädlichen Zielen aufräumen sollte. In die faule
  13378. und feige bürgerliche Welt sowohl wie in den Siegeszug
  13379. der marxistischen Eroberungswelle sollte eine neue Machterscheinung treten, um den Wagen des Verhängnisses in
  13380. letzter Stunde zum Stehen zu bringen.
  13381. Es war selbstverständlich, daß die neue Bewegung nur
  13382. dann hoffen durfte, die nötige Bedeutung und die erforderliche Stärke für diesen Riesenkampf zu erhalten, wenn es
  13383. ihr vom ersten Tage an gelang, in den Herzen ihrer Anhänger die heilige Überzeugung zu erwecken, daß mit ihr
  13384. dem politischen Leben nicht eine neue Wahlparole oktroyiert, sondern eine neue Weltanschauung von prinzipieller Bedeutung vorangestellt werden sollte.
  13385. Man muß bedenken, aus welch jämmerlichen Gesichtspunkten heraus sogenannte „Parteiprogramme“ normal zusammengeschustert und von Zeit zu Zeit aufgeputzt oder umgemodelt werden. Man muß die treibenden Motive besonders dieser bürgerlichen „Programm-Kommissionen“ unter
  13386. die Lupe nehmen, um das nötige Verständnis für die Be-
  13387. 410
  13388. Die bürgerlichen „Programm-Kommissionen“
  13389. wertung dieser programmatischen Ausgeburten zu gewinnen.
  13390. Es ist immer eine einzige Sorge, die entweder zur Neuaufstellung von Programmen oder zur Abänderung der
  13391. vorhandenen antreibt: die Sorge um den nächsten Wahlausgang. Sowie in den Köpfen dieser parlamentarischen
  13392. Staatskünstler die Ahnung aufzudämmern pflegt, daß das
  13393. liebe Volk wieder einmal revoltiert und aus dem Geschirr
  13394. des alten Parteiwagens entschlüpfen will, pflegen sie die
  13395. Deichseln neu anzustreichen. Dann kommen die Sterngucker und Parteiastrologen, die sogenannten „erfahrenen“
  13396. und „gewiegten“, meistens alten Parlamentarier, die in
  13397. ihrer „reichen politischen Lehrzeit“ sich analoger Fälle zu
  13398. erinnern vermögen, da auch der Masse endlich die Stränge
  13399. ihrer Geduld gerissen, und die Ähnliches wieder bedrohlich nahe fühlen. So greifen sie zu den alten Rezepten,
  13400. bilden eine „Kommission“, horchen im lieben Volk herum,
  13401. beschnüffeln die Presseerzeugnisse und riechen so langsam
  13402. heraus, was das liebe breite Volk gerne haben möchte, was
  13403. es verabscheut und was es sich erhofft. Jede Berufsgruppe,
  13404. ja jede Angestelltenklasse wird genauestens studiert und
  13405. in ihren geheimsten Wünschen erforscht. Auch die „üblen
  13406. Schlagworte“ der gefährlichen Opposition pflegen dann
  13407. plötzlich reif für eine Überprüfung zu sein und tauchen
  13408. nicht selten, zum größten Erstaunen ihrer ursprünglichen
  13409. Erfinder und Verbreiter, ganz harmlos, wie selbstverständlich im Wissensschatz der alten Parteien auf.
  13410. So treten die Kommissionen zusammen und „revidieren“ das alte Programm und verfassen ein neues (die
  13411. Herrschaften wechseln dabei ihre Überzeugungen wie der
  13412. Soldat im Felde das Hemd, nämlich immer dann, wenn
  13413. das alte verlaust ist!), in dem jedem das Seine gegeben
  13414. wird. Der Bauer erhält den Schutz seiner Landwirtschaft,
  13415. der Industrielle den Schutz seiner Ware, der Konsument
  13416. den Schutz seines Einkaufs, den Lehrern werden die Gehälter erhöht, den Beamten die Pensionen aufgebessert,
  13417. Witwen und Waisen soll in reichlichstem Umfang der
  13418. Staat versorgen, der Verkehr wird gefördert, die Tarife
  13419. Aus dem Leben der „Volksvertreter“
  13420. 411
  13421. sollen erniedrigt und gar die Steuern, wenn auch nicht
  13422. ganz, aber doch so ziemlich abgeschafft werden. Manches
  13423. Mal passiert es, daß man doch einen Stand vergessen oder
  13424. von einer im Volk umlaufenden Forderung nichts gehört
  13425. hat. Dann wird in letzter Eile noch hineingeflickt, was
  13426. Platz hat, so lange, bis man mit gutem Gewissen hoffen
  13427. darf, das Heer der normalen Spießer samt ihren Weibern wieder beruhigt zu haben und hochbefriedigt zu sehen.
  13428. So kann man innerlich also gerüstet im Vertrauen auf den
  13429. lieben Gott und die unerschütterliche Dummheit der wahlberechtigten Bürger den Kampf um die „neue Gestaltung“
  13430. des Reiches, wie man sagt, beginnen.
  13431. Wenn dann der Wahltag vorbei ist, die Parlamentarier
  13432. für fünf Jahre ihre letzte Volksversammlung abgehalten
  13433. haben, um sich von der Dressur des Plebs hinweg zur Erfüllung ihrer höheren und angenehmeren Aufgaben zu begeben, löst sich die Programm-Kommission wieder auf, und
  13434. der Kampf um die Neugestaltung der Dinge erhält wieder
  13435. die Formen des Ringens um das liebe tägliche Brot: Dieses heißt aber beim Parlamentarier Diäten.
  13436. Jeden Morgen begibt sich der Herr Volksvertreter in
  13437. das Hohe Haus, und wenn schon nicht ganz hinein, so doch
  13438. wenigstens bis in den Vorraum, in dem die Anwesenheitslisten aufliegen. Im angreifenden Dienste für das
  13439. Volk trägt er dort seinen Namen ein und nimmt als wohlverdienten Lohn eine kleine Entschädigung für diese fortgesetzten zermürbenden Anstrengungen entgegen.
  13440. Nach vier Jahren oder in sonstigen kritischen Wochen,
  13441. wenn die Auflösung der parlamentarischen Körperschaften
  13442. wieder näher und näher zu rücken beginnt, beschleicht die
  13443. Herren plötzlich ein unbezähmbarer Drang. So wie der
  13444. Engerling nicht anders kann, als sich zum Maikäfer zu
  13445. verwandeln, so verlassen diese parlamentarischen Raupen
  13446. das große gemeinsame Puppenhaus und flattern flügelbegabt hinaus zum lieben Volk. Sie reden wieder zu
  13447. ihren Wählern, erzählen von der eigenen enormen Arbeit
  13448. und der böswilligen Verstocktheit der anderen, bekommen
  13449. aber von der unverständigen Masse statt dankbaren Bei-
  13450. 412
  13451. Marxismus und demokratisches Prinzip
  13452. falls manches Mal rohe, ja gehässige Ausdrücke an den
  13453. Kopf geworfen. Wenn sich diese Undankbarkeit des Volkes
  13454. bis zu einem gewissen Grade steigert, kann nur ein einziges
  13455. Mittel helfen: der Glanz der Partei muß wieder aufgebügelt werden, das Programm ist verbesserungsbedürftig,
  13456. die Kommission tritt erneut ins Leben, und der Schwindel beginnt von vorne. Bei der granitenen Dummheit
  13457. unserer Menschheit wundere man sich nicht über den Erfolg. Geleitet durch seine Presse und geblendet vom neuen
  13458. verlockenden Programm, kehrt das „bürgerliche“ wie das
  13459. „proletarische“ Stimmvieh wieder in den gemeinsamen
  13460. Stall zurück und wählt seine alten Betrüger.
  13461. Damit verwandelt sich der Volksmann und Kandidat
  13462. der schaffenden Stände wieder in die parlamentarische
  13463. Raupe und frißt sich am Gezweig des staatlichen Lebens
  13464. weiter dick und fett, um sich nach vier Jahren wieder in
  13465. den schillernden Schmetterling zu verwandeln.
  13466. Es gibt kaum etwas Deprimierenderes, als diesen ganzen
  13467. Vorgang in der nüchternen Wirklichkeit zu beobachten, diesem sich immer wiederholenden Betrug zusehen zu müssen.
  13468. Aus solchem geistigen Nährboden schöpft man im bürgerlichen Lager freilich nicht die Kraft, den Kampf mit der
  13469. organisierten Macht des Marxismus auszufechten.
  13470. Ernstlich denken die Herrschaften auch nie daran. Bei
  13471. aller zugegebenen Beschränktheit und geistigen Inferiorität
  13472. dieser parlamentarischen Medizinmänner der weißen Rasse
  13473. können sie selber sich nicht im Ernste einbilden, auf dem
  13474. Wege einer westlichen Demokratie gegen eine Lehre anzukämpfen, für welche die Demokratie samt allem, was drum
  13475. und dran hängt, im besten Falle ein Mittel zum Zweck
  13476. ist, das man anwendet, um den Gegner zu lähmen und
  13477. dem eigenen Handeln freie Bahn zu schaffen. Wenn nämlich ein Teil des Marxismus zur Zeit auch in äußerst
  13478. kluger Weise die unzertrennliche Verbindung mit den
  13479. Grundsätzen der Demokratie vorzutäuschen versucht, dann
  13480. möge man doch gefälligst nicht vergessen, daß in der kritischen Stunde diese Herrschaften sich um eine Majoritätsentscheidung nach westlich-demokratischer Auffassung einen
  13481. Marxismus und demokratisches Prinzip
  13482. 413
  13483. Pfifferling kümmerten! Es war dies in den Tagen, als
  13484. die bürgerlichen Parlamentarier die Sicherheit des Reiches
  13485. in der monumentalen Borniertheit einer überragenden
  13486. Zahl garantiert sahen, während der Marxismus mit einem
  13487. Haufen von Straßenstrolchen, Deserteuren, Parteibonzen
  13488. und jüdischen Literaten kurzerhand die Macht an sich riß,
  13489. der Demokratie solcher Art eine schallende Maulschelle
  13490. versetzend. Daher gehört dann schon das gläubige Gemüt
  13491. eines solchen parlamentarischen Zauberpriesters bürgerlicher Demokratie dazu, um zu wähnen, daß jetzt oder in
  13492. der Zukunft die brutale Entschlossenheit der Interessenten
  13493. und Träger jener Weltpest einfach durch die Beschwörungsformeln eines westlichen Parlamentarismus gebannt
  13494. werden könnte.
  13495. Der Marxismus wird so lange mit der Demokratie marschieren, bis es ihm gelingt, auf indirektem Wege für seine
  13496. verbrecherischen Ziele sogar noch die Unterstützung der von
  13497. ihm zur Ausrottung bestimmten nationalen geistigen Welt
  13498. zu erhalten. Käme er aber heute zu der Überzeugung, daß
  13499. sich aus dem Hexenkessel unserer parlamentarischen Demokratie plötzlich eine Majorität zusammenbrauen ließe, die
  13500. – und wäre es nur auf Grund ihrer zur Gesetzgebung berechtigten Mehrzahl – dem Marxismus ernstlich auf den
  13501. Leib rückte, so wäre das parlamentarische Gaukelspiel gleich
  13502. zu Ende. Die Bannerträger der roten Internationale würden dann, statt einen Appell an das demokratische Gewissen zu richten, einen brandigen Aufruf an die proletarischen Massen erlassen, und ihr Kampf würde sich mit
  13503. einem Schlage aus der muffigen Luft der Sitzungsäle unserer Parlamente in die Fabriken und auf die Straße verpflanzen. Die Demokratie wäre damit sofort erledigt; und
  13504. was der geistigen Gelenkigkeit jener Völkerapostel in den
  13505. Parlamenten mißlungen war, würde dem Brecheisen und
  13506. Schmiedehammer aufgehetzter Proletariermassen genau wie
  13507. im Herbst 1918 blitzschnell gelingen: sie würden der bürgerlichen Welt schlagend beibringen, wie verrückt es ist,
  13508. sich einzubilden, mit dem Mittel westlicher Demokratie
  13509. der jüdischen Welteroberung entgegentreten zu können.
  13510. 414
  13511. Weltanschauung gegen Weltanschauung
  13512. Wie gesagt, es gehört schon ein gläubiges Gemüt dazu,
  13513. sich einem solchen Spieler gegenüber an Regeln zu binden,
  13514. die für diesen immer nur zum Bluff oder zum eigenen
  13515. Nutzen vorhanden sind, die über Bord geschleudert werden,
  13516. sobald sie seinen Vorteilen nicht mehr entsprechen.
  13517. Da bei allen Parteien sogenannter bürgerlicher Einstellung in Wirklichkeit der ganze politische Kampf tatsächlich
  13518. nur im Raufen um einzelne Parlamentsstühle besteht, wobei Einstellungen und Grundsätze je nach Zweckmäßigkeit
  13519. wie Sandballast über Bord geworfen werden, so sind natürlich auch ihre Programme demgemäß abgestimmt und
  13520. – umgekehrt allerdings – auch ihre Kräfte danach bemessen. Es fehlt ihnen jene große magnetische Anziehung,
  13521. der die breite Masse immer nur folgt unter dem zwingenden Eindruck großer überragender Gesichtspunkte, der
  13522. Überzeugungskraft bedingungslosen Glaubens an dieselben,
  13523. gepaart mit dem fanatischen Kampfesmut, für sie einzustehen.
  13524. In einer Zeit aber, in welcher die eine
  13525. Seite, ausgerüstet mit allen Waffen einer,
  13526. wenn auch tausendmal verbrecherischen
  13527. Weltanschauung zum Sturm gegen eine bestehende Ordnung antritt, kann die andere
  13528. ewig nur Widerstand leisten, wenn sich dieser selber in den Formen eines neuen, in
  13529. unserem Falle politischen Glaubens kleidet und die Parole einer schwächlichen und
  13530. feigen Verteidigung mit dem Schlachtruf
  13531. mutigen und brutalen Angriffs vertauscht.
  13532. Wenn daher heute unserer Bewegung, besonders von seiten
  13533. sogenannter nationaler bürgerlicher Minister, etwa des
  13534. bayerischen Zentrums, der geistreiche Vorwurf gemacht
  13535. wird, daß sie auf eine „Umwälzung“ hinarbeite, kann
  13536. man einem solchen politisierenden Dreikäsehoch nur eines
  13537. zur Antwort geben: Jawohl, wir versuchen nachzuholen,
  13538. was ihr in eurer verbrecherischen Dummheit versäumt
  13539. habt. Ihr habt durch die Grundsätze eures parlamentarischen Kuhhandels mitgeholfen, die Nation in den Abgrund
  13540. Der Begriff „völkisch“
  13541. 415
  13542. zu zerren; wir aber werden, und zwar in den Formen des
  13543. Angriffs, durch die Aufstellung einer neuen Weltanschauung und der fanatischen unerschütterlichen Verteidigung
  13544. ihrer Grundsätze unserem Volke die Stufen bauen, auf
  13545. denen es dereinst in den Tempel der Freiheit wieder emporzusteigen vermag.
  13546. So mußte in der Gründungszeit unserer Bewegung
  13547. unsere erste Sorge immer darauf gerichtet sein, zu verhüten, daß aus der Heerschar von Kämpfern für eine neue
  13548. hehre Überzeugung bloß ein Verein zur Förderung parlamentarischer Interessen werde.
  13549. Die erste vorbeugende Maßnahme war die Schaffung
  13550. eines Programms, das zielmäßig zu einer Entwicklung
  13551. drängte, die schon in ihrer inneren Größe geeignet erschien,
  13552. die kleinen und schwächlichen Geister unserer heutigen Parteipolitiker zu verscheuchen.
  13553. Wie richtig aber unsere Auffassung von der Notwendigkeit programmatischer Zielpunkte schärfster Prägung gewesen ist, ging am klarsten aus jenen verhängnisvollen
  13554. Gebrechen hervor, die endlich zum Zusammenbruche Deutschlands geführt haben.
  13555. Aus ihrer Erkenntnis heraus mußte sich eine neue
  13556. Staatsauffassung formen, die selber wieder ein wesentlicher
  13557. Bestandteil einer neuen Weltauffassung ist.
  13558. Ich habe mich schon im ersten Bande mit dem Worte
  13559. „völkisch“ insofern auseinandergesetzt, als ich feststellen
  13560. mußte, daß diese Bezeichnung begrifflich zu wenig begrenzt
  13561. erscheint, um die Bildung einer geschlossenen Kampfgemeinschaft zu gestatten. Alles Mögliche, das in allem Wesentlichen seiner Ansichten himmelweit auseinanderklafft, treibt
  13562. sich zur Zeit unter dem Deckwort „völkisch“ herum. Ehe
  13563. ich daher nun zu den Aufgaben und Zielen der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei übergehe, möchte
  13564. ich eine Klarstellung des Begriffes „völkisch“ sowie seines
  13565. Verhältnisses zur Parteibewegung geben.
  13566. 416
  13567. Der Begriff „völkisch“
  13568. Der Begriff „völkisch“ erscheint so wenig klar abgesteckt,
  13569. so vielseitig auslegbar und so unbeschränkt in der praktischen Anwendung wie etwa das Wort „religiös“. Man
  13570. kann sich schwer auch unter dieser Bezeichnung etwas
  13571. ganz Präzises vorstellen, weder im Sinne gedanklichen
  13572. Erfassens noch in dem praktischen Auswirkens. Faßlich
  13573. vorstellbar wird die Bezeichnung „religiös“ erst in dem
  13574. Augenblick, in dem sie sich mit einer bestimmt umrissenen
  13575. Form dieses ihres Auswirkens verbindet. Es ist eine sehr
  13576. schöne, meist aber auch billige Erklärung, wenn man das
  13577. Wesen eines Menschen als „tiefinnerlich religiös“ bezeichnet. Es wird vielleicht auch einige wenige geben, die durch
  13578. eine solche ganz allgemeine Bezeichnung sich selbst befriedigt fühlen, ja, denen sie sogar ein bestimmtes, mehr oder
  13579. minder scharfes Bild jenes Seelenzustandes zu vermitteln
  13580. vermag. Da aber die große Masse weder aus Philosophen
  13581. noch aus Heiligen besteht, wird eine solche ganz allgemeine
  13582. religiöse Idee dem einzelnen meist nur die Freigabe seines
  13583. individuellen Denkens und Handelns bedeuten, ohne indes
  13584. zu jener Wirksamkeit zu führen, welche der religiösen inneren Sehnsucht in dem Augenblicke erwächst, da sich aus der
  13585. rein metaphysischen unbegrenzten Gedankenwelt ein klar
  13586. umgrenzter Glaube formt. Sicherlich ist dieser nicht der
  13587. Zweck an sich, sondern nur ein Mittel zum Zweck; doch ist
  13588. er das unumgänglich notwendige Mittel, um den Zweck
  13589. überhaupt erreichen zu können. Dieser Zweck aber ist nicht
  13590. nur ein ideeller, sondern im letzten Grunde genommen auch
  13591. ein eminent praktischer. Wie man sich überhaupt darüber
  13592. klar werden muß, daß die höchsten Ideale immer einer tiefsten Lebensnotwendigkeit entsprechen, genau so wie der
  13593. Adel der erhabensten Schönheit im letzten Grunde auch nur
  13594. im logisch Zweckmäßigsten liegt.
  13595. Indem der Glaube mithilft, den Menschen über das
  13596. Niveau eines tierischen Dahinlebens zu erheben, trägt er
  13597. in Wahrheit zur Festigung und Sicherung seiner Existenz
  13598. bei. Man nehme der heutigen Menschheit die durch ihre
  13599. Erziehung gestützten religiös-glaubensmäßigen, in ihrer
  13600. praktischen Bedeutung aber sittlich-moralischen Grundsätze
  13601. Vom religiösen Fühlen zum apodiktischen Glauben 417
  13602. durch Ausscheidung dieser religiösen Erziehung und ohne
  13603. dieselbe durch Gleichwertiges zu ersetzen, und man wird
  13604. das Ergebnis in einer schweren Erschütterung der Fundamente ihres Daseins vor sich haben. Man darf also wohl
  13605. feststellen, daß nicht nur der Mensch lebt, um höheren
  13606. Idealen zu dienen, sondern daß diese höheren Ideale umgekehrt auch die Voraussetzung zu seinem Dasein als
  13607. Mensch geben. So schließt sich der Kreis.
  13608. Natürlich liegen auch schon in der allgemeinen Bezeichnung „religiös“ einzelne grundsätzliche Gedanken oder
  13609. Überzeugungen, zum Beispiel die der Unzerstörbarkeit der
  13610. Seele, der Ewigkeit ihres Daseins, der Existenz eines
  13611. höheren Wesens usw. Allein alle diese Gedanken, und
  13612. mögen sie für den einzelnen noch so überzeugend sein, unterliegen so lange der kritischen Prüfung dieses einzelnen
  13613. und damit so lange einer schwankenden Bejahung oder Verneinung, bis eben nicht die gefühlsmäßige Ahnung oder
  13614. Erkenntnis die gesetzmäßige Kraft apodiktischen Glaubens
  13615. annimmt. Dieser vor allem ist der Kampffaktor, der der
  13616. Anerkennung religiöser Grundanschauungen Bresche schlägt
  13617. und die Bahn frei macht.
  13618. Ohne den klar begrenzten Glauben würde die Religiosität in ihrer unklaren Vielgestaltigkeit für das menschliche Leben nicht nur wertlos sein, sondern wahrscheinlich
  13619. zur allgemeinen Zerrüttung beitragen.
  13620. Ähnlich wie mit dem Begriff „religiös“ verhält es sich
  13621. mit der Bezeichnung „völkisch“. Auch in ihr liegen schon
  13622. einzelne grundsätzliche Erkenntnisse. Sie sind jedoch, wenn
  13623. auch von eminentester Bedeutung, ihrer Form nach so
  13624. wenig klar bestimmt, daß sie sich über den Wert einer mehr
  13625. oder minder anzuerkennenden Meinung erst dann erheben,
  13626. wenn sie als Grundelemente in den Rahmen einer politischen Partei gefaßt werden. D e n n d i e V e r w i r k lichung
  13627. weltanschauungsmäßiger
  13628. Ideale
  13629. und der aus ihnen abgeleiteten Forderungen erfolgt ebensowenig durch das reine
  13630. Gefühl oder das innere Wollen der Menschen an sich, als etwa die Erringung der
  13631. 15
  13632. 418 Vom völkischen Fühlen zum politischen Bekenntnis
  13633. Freiheit durch die allgemeine Sehnsucht
  13634. nach ihr. Nein, erst wenn der ideale Drang
  13635. nach Unabhängigkeit in den Formen militärischer Machtmittel die kampfesmäßige
  13636. Organisation erhält, kann der drängende
  13637. Wunsch eines Volkes in herrliche Wirklichkeit umgesetzt werden.
  13638. Jede Weltanschauung, sie mag tausendmal richtig und von höchstem Nutzen für die
  13639. Menschheit sein, wird so lange für die praktische Ausgestaltung eines Völkerlebens
  13640. ohne Bedeutung bleiben, als ihre Grundsätze nicht zum Panier einer Kampfbewegung geworden sind, die ihrerseits wieder
  13641. so lange Partei sein wird, als sich ihr Wirken nicht im Siege ihrer Ideen vollendet
  13642. hat und ihre Parteidogmen die neuen Staatsgrundsätze der Gemeinschaft eines Volkes
  13643. bilden.
  13644. Wenn aber eine geistige Vorstellung allgemeiner Art
  13645. einer kommenden Entwicklung als Fundament dienen will,
  13646. dann ist die erste Voraussetzung die Schaffung unbedingter
  13647. Klarheit über Wesen, Art und Umfang dieser Vorstellung,
  13648. da sich nur auf solcher Basis eine Bewegung bilden läßt,
  13649. die in der inneren Homogenität ihrer Überzeugungen die
  13650. nötige Kraft zum Kampfe zu entwickeln vermag. Aus allgemeinen Vorstellungen muß ein politisches Programm,
  13651. aus einer allgemeinen Weltanschauung ein bestimmter politischer Glaube geprägt werden. Dieser wird, da sein Ziel
  13652. ein praktisch erreichbares sein soll, nicht nur der Idee an
  13653. sich zu dienen haben, sondern auch Rücksicht nehmen müssen auf die Kampfmittel, die zur Erringung des Sieges dieser Idee vorhanden sind und Verwendung finden müssen. Zu
  13654. einer abstrakt richtigen geistigen Vorstellung, die der Programmatiker zu verkünden hat, muß sich die praktische
  13655. Erkenntnis des Politikers gesellen. So muß sich ein ewiges
  13656. Ideal als Leitstern einer Menschheit leider damit abfinden,
  13657. die Schwächen dieser Menschheit zu berücksichtigen, um nicht
  13658. Vom politischen Bekenntnis zur Kampfgemeinschaft 419
  13659. an der allgemeinen menschlichen Unzulänglichkeit von vornherein zu scheitern. Zum Erforscher der Wahrheit hat sich
  13660. der Kenner der Volkspsychose zu gesellen, um aus dem
  13661. Reiche des Ewig-Wahren und Idealen das menschlich Mögliche für kleine Sterbliche herauszuholen und Gestalt werden zu lassen.
  13662. Diese Umsetzung einer allgemeinen weltanschauungsmäßigen idealen Vorstellung von höchster Wahrhaftigkeit
  13663. in eine bestimmt begrenzte, straff organisierte, geistig und
  13664. willensmäßig einheitliche politische Glaubens- und Kampfgemeinschaft ist die bedeutungsvollste Leistung, da von
  13665. ihrer glücklichen Lösung allein die Möglichkeit eines Sieges
  13666. der Idee abhängt. Hier muß aus dem Heer von oft Millionen Menschen, die im einzelnen mehr oder weniger klar
  13667. und bestimmt diese Wahrheiten ahnen, zum Teil vielleicht
  13668. begreifen, e i n e r hervortreten, um mit apodiktischer Kraft
  13669. aus der schwankenden Vorstellungswelt der breiten Masse
  13670. granitene Grundsätze zu formen und so lange den Kampf
  13671. für ihre alleinige Richtigkeit aufzunehmen, bis sich aus
  13672. dem Wellenspiel einer freien Gedankenwelt ein eherner
  13673. Fels einheitlicher glaubens- und willensmäßiger Verbundenheit erhebt.
  13674. Das allgemeine Recht zu einer solchen Handlung liegt
  13675. begründet in ihrer Notwendigkeit, das persönliche Recht
  13676. im Erfolg.
  13677. Wenn wir versuchen, aus dem Worte „völkisch“ den sinngemäßen innersten Kern herauszuschälen, kommen wir zu
  13678. folgender Feststellung:
  13679. Unsere heutige landläufige politische Weltauffassung beruht im allgemeinen auf der Vorstellung, daß dem Staate
  13680. zwar an sich schöpferische, kulturbildende Kraft zuzusprechen sei, daß er aber mit rassischen Voraussetzungen nichts
  13681. zu tun habe, sondern eher noch ein Produkt wirtschaftlicher
  13682. Notwendigkeiten, bestenfalls aber das natürliche Ergebnis
  13683. politischen Machtdranges sei. Diese Grundanschauung führt
  13684. in ihrer logisch-konsequenten Weiterbildung nicht nur zu
  13685. 420
  13686. Marxismus gegen Rasse und Persönlichkeit
  13687. einer Verkennung rassischer Urkräfte, sondern auch zu einer
  13688. Minderbewertung der Person. Denn die Ableugnung der
  13689. Verschiedenheit der einzelnen Rassen in bezug auf ihre allgemeinen kulturbildenden Kräfte muß zwangsläufig diesen
  13690. größten Irrtum auch auf die Beurteilung der Einzelperson
  13691. übertragen. Die Annahme von der Gleichartigkeit der
  13692. Rassen wird dann zur Grundlage einer gleichen Betrachtungsweise für die Völker und weiterhin für die einzelnen
  13693. Menschen. Daher ist auch der internationale Marxismus
  13694. selbst nur die durch den Juden Karl Marx vorgenommene
  13695. Übertragung einer tatsächlich schon längst vorhandenen
  13696. weltanschauungsmäßigen Einstellung und Auffassung in
  13697. die Form eines bestimmten politischen Glaubensbekenntnisses. Ohne den Untergrund einer derartigen, allgemein
  13698. bereits vorhandenen Vergiftung wäre der staunenswerte
  13699. politische Erfolg dieser Lehre auch niemals möglich gewesen. Karl Marx war wirklich nur der e i n e unter den
  13700. Millionen, der in dem Sumpfe einer langsam verkommenden Welt mit dem sicheren Blick des Propheten die wesentlichsten Giftstoffe erkannte, sie herausgriff, um sie, einem
  13701. Schwarzkünstler gleich, in eine konzentrierte Lösung zur
  13702. schnelleren Vernichtung des unabhängigen Daseins freier
  13703. Nationen auf dieser Erde zu bringen. Dieses alles aber
  13704. im Dienste seiner Rasse.
  13705. So ist die marxistische Lehre der kurzgefaßte geistige
  13706. Extrakt der heute allgemein gültigen Weltanschauung. Schon
  13707. aus diesem Grunde ist auch jeder Kampf unserer sogenannten bürgerlichen Welt gegen sie unmöglich, ja lächerlich, da
  13708. auch diese bürgerliche Welt im wesentlichen von all diesen
  13709. Giftstoffen durchsetzt ist und einer Weltanschauung huldigt,
  13710. die sich von der marxistischen im allgemeinen nur mehr
  13711. durch Grade und Personen unterscheidet. Die bürgerliche
  13712. Welt ist marxistisch, glaubt aber an die Möglichkeit der
  13713. Herrschaft bestimmter Menschengruppen (Bürgertum), während der Marxismus selbst die Welt planmäßig in die
  13714. Hand des Judentums überzuführen trachtet.
  13715. Demgegenüber erkennt die völkische Weltanschauung die
  13716. Bedeutung der Menschheit in deren rassischen Urelementen.
  13717. Völkische Einstellung auf Rasse und Persönlichkeit 421
  13718. Sie sieht im Staat prinzipiell nur ein Mittel zum Zweck
  13719. und faßt als seinen Zweck die Erhaltung des rassischen
  13720. Daseins der Menschen auf. Sie glaubt somit keineswegs an
  13721. eine Gleichheit der Rassen, sondern erkennt mit ihrer Verschiedenheit auch ihren höheren oder minderen Wert und
  13722. fühlt sich durch diese Erkenntnis verpflichtet, gemäß dem
  13723. ewigen Wollen, das dieses Universum beherrscht, den Sieg
  13724. des Besseren, Stärkeren zu fördern, die Unterordnung des
  13725. Schlechteren und Schwächeren zu verlangen. Sie huldigt
  13726. damit prinzipiell dem aristokratischen Grundgedanken der
  13727. Natur und glaubt an die Geltung dieses Gesetzes bis herab
  13728. zum letzten Einzelwesen. Sie sieht nicht nur den verschiedenen Wert der Rassen, sondern auch den verschiedenen Wert der Einzelmenschen. Aus der Masse schält sich
  13729. für sie die Bedeutung der Person heraus, dadurch aber
  13730. wirkt sie gegenüber dem desorganisierenden Marxismus
  13731. organisatorisch. Sie glaubt an die Notwendigkeit einer Idealisierung des Menschentums, da sie wiederum nur in dieser
  13732. die Voraussetzung für das Dasein der Menschheit erblickt.
  13733. Allein sie kann auch einer ethischen Idee das Existenzrecht
  13734. nicht zubilligen, sofern diese Idee eine Gefahr für das
  13735. rassische Leben der Träger einer höheren Ethik darstellt;
  13736. denn in einer verbastardierten und vernegerten Welt wären
  13737. auch alle Begriffe des menschlich Schönen und Erhabenen
  13738. sowie alle Vorstellungen einer idealisierten Zukunft unseres
  13739. Menschentums für immer verloren.
  13740. Menschliche Kultur und Zivilisation sind auf diesem Erdteil unzertrennlich gebunden an das Vorhandensein des
  13741. Ariers. Sein Aussterben oder Untergehen wird auf diesen
  13742. Erdball wieder die dunklen Schleier einer kulturlosen Zeit
  13743. senken.
  13744. Das Untergraben des Bestandes der menschlichen Kultur
  13745. durch die Vernichtung ihres Trägers aber erscheint in den
  13746. Augen einer völkischen Weltanschauung als das fluchwürdigste Verbrechen. Wer die Hand an das höchste Ebenbild
  13747. des Herrn zu legen wagt, frevelt am gütigen Schöpfer
  13748. dieses Wunders und hilft mit an der Vertreibung aus dem
  13749. Paradies.
  13750. 422
  13751. Forderung des freien Kräftespiels
  13752. Damit entspricht die völkische Weltanschauung dem
  13753. innersten Wollen der Natur, da sie jenes freie Spiel der
  13754. Kräfte wiederherstellt, das zu einer dauernden gegenseitigen Höherzüchtung führen muß, bis endlich dem besten
  13755. Menschentum, durch den erworbenen Besitz dieser Erde,
  13756. freie Bahn gegeben wird zur Betätigung auf Gebieten, die
  13757. teils über, teils außer ihr liegen werden.
  13758. Wir alle ahnen, daß in ferner Zukunft Probleme an den
  13759. Menschen herantreten können, zu deren Bewältigung nur
  13760. eine höchste Rasse als Herrenvolk, gestützt auf die Mittel
  13761. und Möglichkeiten eines ganzen Erdballs, berufen sein
  13762. wird.
  13763. Es ist selbstverständlich, daß eine so allgemeine Feststellung des sinngemäßen Inhalts einer völkischen Weltanschauung zu tausendfältiger Auslegung führen kann. Tatsächlich finden wir ja auch kaum eine unserer jüngeren
  13764. politischen Neugründungen, die sich nicht irgendwie auf
  13765. diese Weltauffassung beruft. Sie beweist jedoch gerade
  13766. durch ihre eigene Existenz gegenüber den vielen anderen
  13767. die Unterschiedlichkeit ihrer Auffassungen. So tritt der von
  13768. einer einheitlichen Spitzenorganisation geführten marxistischen Weltanschauung ein Gemengsel von Anschauungen
  13769. entgegen, das schon ideenmäßig gegenüber der geschlossenen feindlichen Front wenig eindrucksvoll ist. Siege werden
  13770. durch so schwächliche Waffen nicht erfochten! Erst wenn
  13771. der – politisch durch den organisierten Marxismus geführten – internationalen Weltanschauung eine ebenso
  13772. einheitlich organisierte und geleitete völkische gegenübertritt, wird sich bei gleicher Kampfesenergie der Erfolg auf
  13773. die Seite der ewigen Wahrheit schlagen.
  13774. Die
  13775. organisatorische
  13776. Erfassung
  13777. einer
  13778. Weltanschauung kann aber ewig nur auf
  13779. Grund
  13780. einer
  13781. bestimmten
  13782. Formulierung
  13783. derselben stattfinden, und was für den
  13784. Glauben die Dogmen darstellen, sind für
  13785. Zusammenfassung der Partei
  13786. 423
  13787. die sich bildende politische Partei die
  13788. Parteigrundsätze.
  13789. Damit muß also der völkischen Weltanschauung
  13790. ein
  13791. Instrument
  13792. geschaffen
  13793. werden, das ihr die Möglichkeit einer
  13794. kampfesmäßigen Vertretung gewährt, ähnlich wie die marxistische Parteiorganisation für den Internationalismus freie Bahn
  13795. schafft.
  13796. Dieses Ziel verfolgt die Nationalsozialistische Deutsche
  13797. Arbeiterpartei.
  13798. Daß eine solche parteimäßige Festlegung des völkischen
  13799. Begriffes die Voraussetzung zum Siege der völkischen Weltanschauung ist, wird am schärfsten bewiesen durch eine
  13800. Tatsache, die selbst von den Gegnern einer solchen parteimäßigen Bindung, wenigstens indirekt, zugegeben wird.
  13801. Gerade diejenigen, die nicht müde werden zu betonen, daß
  13802. die völkische Weltanschauung keineswegs „Erbpacht“ eines
  13803. einzelnen sei, sondern im Herzen von weiß Gott wie vielen
  13804. Millionen schlummert oder „lebt“, dokumentieren doch damit, daß die Tatsache des allgemeinen Vorhandenseins solcher Vorstellungen den Sieg der feindlichen Weltanschauung, die allerdings parteipolitisch klassisch vertreten wird,
  13805. eben nicht im geringsten zu hindern vermochte. Wäre es
  13806. anders, so müßte das deutsche Volk heute schon einen
  13807. gigantischen Sieg errungen haben und nicht am Rande eines
  13808. Abgrundes stehen. Was der internationalen Weltauffassung den Erfolg gab, war ihre Vertretung durch eine sturmabteilungsmäßig organisierte politische Partei; was die
  13809. gegenteilige Weltanschauung unterliegen ließ, war der bisherige Mangel einer einheitlich geformten Vertretung derselben. Nicht in einer unbegrenzten Freigabe der Auslegung einer allgemeinen Anschauung, sondern nur in der
  13810. begrenzten und damit zusammenfassenden Form einer politischen Organisation kann eine Weltanschauung kämpfen
  13811. und siegen.
  13812. Deshalb sah ich meine eigene Aufgabe besonders darin,
  13813. aus dem umfangreichen und ungestalteten Stoff einer
  13814. 424
  13815. Bildung des politischen Glaubensbekenntnisses
  13816. allgemeinen Weltanschauung diejenigen Kernideen herauszuschälen und in mehr oder minder dogmatische Formen
  13817. umzugießen, die in ihrer klaren Begrenztheit sich dazu
  13818. eignen, jene Menschen, die sich darauf verpflichten, einheitlich zusammenzufassen. Mit anderen Worten: D i e
  13819. Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei übernimmt aus dem Grundgedankengang einer allgemeinen völkischen Weltvorstellung die wesentlichen Grundzüge,
  13820. bildet aus denselben, unter Berücksichtigung der praktischen Wirklichkeit, der
  13821. Zeit und des vorhandenen Menschenmaterials sowie seiner Schwächen, ein politisches Glaubensbekenntnis, das nun seinerseits in der so ermöglichten straffen organisatorischen Erfassung großer Menschenmassen die Voraussetzung für die siegreiche
  13822. Durchfechtung
  13823. dieser
  13824. Weltanschauung
  13825. selber schafft.
  13826. 2. Kapitel
  13827. Der Staat
  13828. S chon in den Jahren 1920/21 wurde unserer jungen
  13829. Bewegung aus den Kreisen der heutigen überlebten
  13830. bürgerlichen Welt immer wieder vorgehalten, daß unsere
  13831. Stellung zum heutigen Staat eine ablehnende sei, woraus
  13832. das parteipolitische Strauchrittertum aller Richtungen die
  13833. Berechtigung ableitete, den Unterdrückungskampf gegen
  13834. die junge, unbequeme Verkünderin einer neuen Weltanschauung mit allen Mitteln aufnehmen zu dürfen. Man
  13835. hat dabei freilich mit Absicht vergessen, daß sich die heutige
  13836. bürgerliche Welt selber unter dem Begriff Staat gar nichts
  13837. Einheitliches mehr vorzustellen vermag, daß es eine einheitliche Definition dafür nicht gibt und auch nicht geben
  13838. kann. Pflegen doch die Erklärer auf unseren staatlichen
  13839. Hochschulen oft in Gestalt von Staatsrechtslehrern zu sitzen,
  13840. deren höchste Aufgabe es sein muß, für die jeweilige
  13841. mehr oder minder glückliche Existenz ihres brotspendenden Nährquells Erklärungen und Deutungen zu finden. Je
  13842. unmöglicher ein Staat beschaffen ist, um so undurchsichtiger, gekünstelter und unverständlicher sind die Definitionen über seinen Daseinszweck. Was sollte z. B. ein kaiserlich-königlicher Universitätsprofessor über Sinn und
  13843. Zweck des Staates schreiben in einem Lande, dessen
  13844. staatliches Dasein wohl die größte Mißgeburt aller
  13845. Zeiten verkörperte? Eine schwere Aufgabe, wenn man
  13846. bedenkt, daß es für den heutigen Lehrer in staatsrechtlichen Dingen weniger eine Verpflichtung zur Wahrheit, als vielmehr eine Bindung an einen bestimmten
  13847. Zweck gibt. Der Zweck aber lautet: Erhaltung um jeden
  13848. Preis des jeweils in Frage kommenden Monstrums von
  13849. 426
  13850. Drei herrschende Auffassungen vom Staat
  13851. menschlichem Mechanismus, jetzt Staat genannt. Da wundere man sich dann nicht, wenn man bei der Erörterung
  13852. dieses Problems reale Gesichtspunkte möglichst vermeidet,
  13853. um sich statt dessen in ein Gemengsel von „ethischen“, „sittlichen“, „moralischen“ und sonstigen ideellen Werten, Aufgaben und Zielen einzugraben.
  13854. Ganz allgemein kann man drei Auffassungen unterscheiden:
  13855. a) Die Gruppe derjenigen, die im Staat einfach eine
  13856. mehr oder weniger f r e i w i l l i g e Z u s a m m e n f a s sung von Menschen unter einer Regierungsgewalt erblicken.
  13857. Diese Gruppe ist die zahlreichste. In ihren Reihen befinden sich besonders die Anbeter unseres heutigen Legitimitätsprinzips, in deren Augen der Wille der Menschen
  13858. bei dieser ganzen Angelegenheit überhaupt keine Rolle
  13859. spielt. In der Tatsache des Bestehens eines Staates liegt
  13860. für sie allein schon eine geweihte Unverletzlichkeit begründet. Um diesen Wahnsinn menschlicher Gehirne zu schützen,
  13861. braucht man eine geradezu hündische Verehrung der sogenannten S t a a t s a u t o r i t ä t . In den Köpfen solcher
  13862. Leute wird im Handumdrehen aus einem Mittel der endgültige Zweck gemacht. Der Staat ist nicht mehr da, um
  13863. den Menschen zu dienen, sondern die Menschen sind da,
  13864. um eine Staatsautorität, die noch den letzten, irgendwie
  13865. beamteten Geist umschließt, anzubeten. Damit der Zustand dieser stillen, verzückten Verehrung sich nicht in
  13866. einen solchen der Unruhe verwandle, ist die Staatsautorität ihrerseits nur dazu da, die Ruhe und Ordnung aufrechtzuerhalten. Auch sie ist jetzt kein Zweck und kein
  13867. Mittel mehr. Die Staatsautorität hat für Ruhe und Ordnung zu sorgen, und die Ruhe und Ordnung hat der
  13868. Staatsautorität umgekehrt wieder das Dasein zu ermöglichen. Innerhalb dieser beiden Pole hat das ganze Leben
  13869. zu kreisen.
  13870. In Bayern wird eine solche Auffassung in erster Linie
  13871. von den Staatskünstlern des bayerischen Zentrums, genannt „Bayerische Volkspartei“, vertreten; in Österreich
  13872. Drei herrschende Auffassungen vom Staat
  13873. 427
  13874. waren es die schwarz-gelben Legitimisten, im Reiche selber
  13875. sind es leider häufig sogenannte konservative Elemente,
  13876. deren Vorstellung über den Staat sich in diesen Bahnen
  13877. bewegt.
  13878. b) Die zweite Gruppe von Menschen ist der Zahl nach
  13879. schon etwas kleiner, da zu ihr diejenigen gerechnet werden
  13880. müssen, die an das Vorhandensein eines Staates wenigstens einige Bedingungen knüpfen. Sie wünschen nicht nur
  13881. gleiche Verwaltung, sondern auch, wenn möglich, g l e i c h e
  13882. S p r a c h e – wenn auch nur aus allgemein verwaltungstechnischen Gesichtspunkten heraus. Die Staatsautorität ist
  13883. nicht mehr der alleinige und ausschließliche Zweck des
  13884. Staates, sondern die Förderung des Wohles der Untertanen kommt hinzu. Gedanken von „Freiheit“, und zwar
  13885. meist mißverstandener Art, schieben sich in die Staatsauffassung dieser Kreise ein. Die Regierungsform erscheint
  13886. nicht mehr unantastbar durch die Tatsache ihres Bestehens
  13887. an sich, sondern wird auf ihre Zweckmäßigkeit hin geprüft.
  13888. Die Heiligkeit des Alters schützt nicht vor der Kritik der
  13889. Gegenwart. Im übrigen ist es eine Auffassung, die vom
  13890. Staate vor allem die günstige Gestaltung des wirtschaftlichen Lebens des einzelnen erwartet, die mithin von praktischen Gesichtspunkten aus und nach allgemein wirtschaftlichen Rentabilitätsanschauungen urteilt. Die hauptsächlichsten Vertreter dieser Ansichten treffen wir in den Kreisen
  13891. unseres normalen deutschen Bürgertums, besonders in
  13892. denen unserer liberalen Demokratie.
  13893. c) Die dritte Gruppe ist ziffernmäßig die schwächste.
  13894. Sie erblickt im Staat bereits ein Mittel zur Verwirklichung von meist sehr unklar vorgestellten m a c h t p o l i t i s c h e n T e n d e n z e n eines sprachlich ausgeprägten
  13895. und geeinten Staatsvolkes. Der Wille nach einer einheitlichen Staatssprache äußert sich dabei nicht nur in der
  13896. Hoffnung, diesem Staat damit ein tragfähiges Fundament
  13897. für äußeren Machtzuwachs zu schaffen, sondern nicht minder in der – übrigens grundfalschen – Meinung, dadurch
  13898. in einer bestimmten Richtung eine Nationalisierung durchführen zu können.
  13899. 428
  13900. Falsche Vorstellungen von „Germanisation“
  13901. Es war in den letzten hundert Jahren ein wahrer Jammer, sehen zu müssen, wie in diesen Kreisen, manchmal im
  13902. besten Glauben, mit dem Worte „Germanisieren“ gespielt
  13903. wurde. Ich selbst erinnere mich noch daran, wie in meiner
  13904. Jugend gerade diese Bezeichnung zu ganz unglaublich falschen Vorstellungen verleitete. Selbst in alldeutschen Kreisen konnte man damals die Meinung hören, daß dem österreichischen Deutschtum unter fördernder Mithilfe der Regierung sehr wohl eine Germanisation des österreichischen
  13905. Slawentums gelingen könnte, wobei man sich nicht im geringsten darüber klar wurde, daß Germanisation nur am
  13906. Boden vorgenommen werden kann und niemals an Menschen. Denn was man im allgemeinen unter diesem Wort
  13907. verstand, war nur die erzwungene äußerliche Annahme der
  13908. deutschen Sprache. Es ist aber ein kaum faßlicher Denkfehler, zu glauben, daß, sagen wir, aus einem Neger oder
  13909. einem Chinesen ein Germane wird, weil er Deutsch lernt
  13910. und bereit ist, künftighin die deutsche Sprache zu sprechen
  13911. und etwa einer deutschen politischen Partei seine Stimme
  13912. zu geben. Daß jede solche Germanisation in Wirklichkeit
  13913. eine Entgermanisation ist, wurde unserer bürgerlichen
  13914. nationalen Welt niemals klar. Denn wenn heute durch das
  13915. Oktroyieren einer allgemeinen Sprache bisher sichtbar in
  13916. die Augen springende Unterschiede zwischen verschiedenen
  13917. Völkern überbrückt und endlich verwischt werden, so bedeutet dies den Beginn einer Bastardierung und damit in
  13918. unserem Fall nicht eine Germanisierung, sondern eine Vernichtung germanischen Elementes. Es kommt in der Geschichte nur zu häufig vor, daß es den äußeren Machtmitteln
  13919. eines Eroberervolkes zwar gelingt, den Unterdrückten ihre
  13920. Sprache aufzuzwingen, daß aber nach tausend Jahren ihre
  13921. Sprache von einem anderen Volk geredet wird und die
  13922. Sieger dadurch zu den eigentlich Besiegten werden.
  13923. Da das Volkstum, besser die Rasse, eben nicht in der
  13924. Sprache liegt, sondern im Blute, würde man von einer
  13925. Germanisation erst dann sprechen dürfen, wenn es gelänge,
  13926. durch einen solchen Prozeß das Blut der Unterlegenen umzuwandeln. Das aber ist unmöglich. Es sei denn, es er-
  13927. Falsche Vorstellungen von „Germanisation“
  13928. 429
  13929. folge durch eine Blutsvermischung eine Änderung, welche
  13930. aber die Niedersenkung des Niveaus der höheren Rasse bedeutet. Das Endergebnis eines solchen Vorganges wäre
  13931. also die Vernichtung gerade der Eigenschaften, welche das
  13932. Eroberervolk einst zum Siege befähigt hatten. Besonders
  13933. die kulturellen Kräfte würden bei einer Paarung mit einer
  13934. minderen Rasse verschwinden, wenn auch das entstandene
  13935. Mischprodukt tausendmal die Sprache der früher höheren
  13936. Rasse spräche. Es wird eine Zeitlang noch ein gewisser
  13937. Ringkampf der verschiedenen Geister stattfinden, und es
  13938. kann sein, daß das immer tiefer sinkende Volk, gewissermaßen in einem letzten Aufbäumen, überraschende kulturelle Werte zutage fördert. Doch sind es nur die der
  13939. höheren Rasse zugehörigen Einzelelemente oder auch Bastarde, bei denen in erster Kreuzung das bessere Blut noch
  13940. überwiegt und sich durchzuringen versucht; niemals aber
  13941. Schlußprodukte der Mischung. In diesen wird sich immer
  13942. eine kulturell rückläufige Bewegung zeigen.
  13943. Es muß heute als ein Glück betrachtet werden, daß eine
  13944. Germanisation im Sinne Josephs II. in Österreich unterblieb. Ihr Erfolg wäre wahrscheinlich die Erhaltung des
  13945. österreichischen Staates gewesen, allein auch eine durch
  13946. sprachliche Gemeinschaft herbeigeführte Niedersenkung
  13947. des rassischen Niveaus der deutschen Nation. Im Laufe der
  13948. Jahrhundert hätte sich wohl ein gewisser Herdentrieb herauskristallisiert, allein die Herde selbst wäre minderwertig
  13949. geworden. Es wäre vielleicht ein Staatsvolk geboren worden, aber ein Kulturvolk verlorengegangen.
  13950. Für die deutsche Nation war es besser, daß dieser Vermischungsprozeß unterblieb, wenn auch nicht infolge einer
  13951. edlen Einsicht, sondern durch die kurzsichtige Beschränktheit der Habsburger. Wäre es anders gekommen, würde
  13952. das deutsche Volk heute kaum mehr als Kulturfaktor angesprochen werden können.
  13953. Aber nicht nur in Österreich, sondern auch in Deutschland selbst waren und sind die sogenannten nationalen
  13954. Kreise von ähnlich falschen Gedankengängen bewegt. Die
  13955. von so vielen geforderte Polenpolitik im Sinne einer Ger-
  13956. 430
  13957. Nur Boden ist zu germanisieren
  13958. manisation des Ostens fußte leider fast immer auf dem
  13959. gleichen Trugschluß. Auch hier glaubte man eine Germanisation des polnischen Elements durch eine rein sprachliche
  13960. Eindeutschung desselben herbeiführen zu können. Auch hier
  13961. wäre das Ergebnis ein unseliges geworden: ein fremdrassiges Volk in deutscher Sprache seine fremden Gedanken
  13962. ausdrückend, die Höhe und Würde unseres eigenen Volkstums
  13963. durch seine eigene Minderwertigkeit kompromittierend.
  13964. Wie entsetzlich ist doch heute schon der Schaden, der auf
  13965. indirektem Wege unserem Deutschtum zugefügt wird, dadurch, daß das deutsch mauschelnde Judentum beim Betreten des amerikanischen Bodens infolge der Unkenntnis
  13966. vieler Amerikaner auf unser deutsches Konto geschrieben
  13967. wird! Es wird aber doch niemand einfallen, in der rein
  13968. äußerlichen Tatsache, daß diese verlauste Völkerwanderung
  13969. aus dem Osten meistens deutsch spricht, den Beweis für
  13970. ihre deutsche Abstammung und Volkszugehörigkeit zu erblicken.
  13971. Was in der Geschichte nutzbringend germanisiert wurde, war der Boden, den unsere Vorfahren mit dem Schwert erwarben
  13972. und mit deutschen Bauern besiedelten. Soweit sie dabei unserem Volkskörper fremdes Blut zuführten, wirkten sie mit an jener
  13973. unseligen Zersplitterung unseres inneren
  13974. Wesens, die sich in dem – leider vielfach
  13975. sogar noch gepriesenen – deutschen Überindividualismus auswirkt.
  13976. Auch in dieser dritten Gruppe gilt der Staat in gewissem
  13977. Sinne noch immer als Selbstzweck, die Staatserhaltung mithin als die höchste Aufgabe des menschlichen Daseins.
  13978. Zusammenfassend kann festgestellt werden: Alle diese
  13979. Anschauungen haben ihre tiefste Wurzel nicht in der Erkenntnis, daß die kultur- und wertbildenden Kräfte wesentlich auf rassischen Elementen beruhen, und daß der Staat
  13980. also sinngemäß als seine höchste Aufgabe die Erhaltung
  13981. und Steigerung der Rasse zu betrachten hat, diese Grundbedingung aller menschlichen Kulturentwicklung.
  13982. Der Staat nicht Selbstzweck
  13983. 431
  13984. Die äußerste Schlußfolgerung jener falschen Auffassungen und Ansichten über Wesen und Zweck eines Staates
  13985. konnte dann durch den Juden Marx gezogen werden: indem die bürgerliche Welt den Staatsbegriff von rassischen
  13986. Verpflichtungen loslöste, ohne zu irgendeiner anderen,
  13987. gleichmäßig anerkannten Formulierung gelangen zu können, ebnete sie selbst einer Lehre den Weg, die den Staat
  13988. an sich negiert.
  13989. Schon auf diesem Gebiet muß deshalb der Kampf der
  13990. bürgerlichen Welt gegenüber der marxistischen Internationale glatt versagen. Sie hat die Fundamente selbst schon
  13991. längst geopfert, die zur Stützung ihrer eigenen Ideenwelt
  13992. unumgänglich notwendig wären. Ihr gerissener Gegner hat
  13993. die Schwächen ihres eigenen Baues erkannt und stürmt nun
  13994. mit den von ihnen selbst, wenn auch ungewollt, gelieferten
  13995. Waffen dagegen an.
  13996. Es ist deshalb die erste Verpflichtung für eine auf dem
  13997. Boden einer völkischen Weltanschauung beruhende neue
  13998. Bewegung, dafür zu sorgen, daß die Auffassung über das
  13999. Wesen und den Daseinszweck des Staates eine einheitliche
  14000. klare Form erhält.
  14001. Die grundsätzliche Erkenntnis ist dann die, d a ß d e r
  14002. Staat keinen Zweck, sondern ein Mittel
  14003. darstellt. Er ist wohl die Voraussetzung zur
  14004. Bildung einer höheren menschlichen Kultur, allein nicht die Ursache derselben.
  14005. Diese liegt vielmehr ausschließlich im Vorhandensein einer zur Kultur befähigten
  14006. R a s s e . Es könnten sich auf der Erde Hunderte von
  14007. mustergültigen Staaten befinden, im Falle des Aussterbens
  14008. des arischen Kulturträgers würde doch keine Kultur vorhanden sein, die der geistigen Höhe der höchsten Völker
  14009. von heute entspräche. Man kann noch weitergehen und
  14010. sagen, daß die Tatsache menschlicher Staatenbildung nicht
  14011. im geringsten die Möglichkeit der Vernichtung des menschlichen Geschlechtes ausschließen würde, sofern überlegene
  14012. geistige Fähigkeit und Elastizität, infolge des Fehlens des
  14013. rassischen Trägers derselben, verlorengingen.
  14014. 432
  14015. Kulturelle Höhe durch Rasse bedingt
  14016. Würde z.B. heute die Oberfläche der Erde durch irgendein tektonisches Ereignis in Unruhe kommen und aus den
  14017. Fluten des Ozeans sich ein neuer Himalaja erheben, so
  14018. wäre in einer einzigen grausamen Katastrophe der Menschheit Kultur vernichtet. Kein Staat würde mehr bestehen,
  14019. aufgelöst die Bande aller Ordnung, zertrümmert die Dokumente einer tausendjährigen Entwicklung, ein einziges großes, wasser- und schlammüberflutetes Leichenfeld. Allein
  14020. wenn sich aus diesem Chaos des Grauens auch nur wenige
  14021. Menschen einer bestimmten kulturfähigen Rasse erhalten
  14022. hätten, würde, und wenn auch nach tausendjähriger Dauer,
  14023. die Erde nach ihrer Beruhigung wieder Zeugnisse menschlicher, schöpferischer Kraft erhalten. Nur die Vernichtung
  14024. der letzten kulturfähigen Rasse und ihrer einzelnen Träger
  14025. würde die Erde endgültig veröden. Umgekehrt sehen wir
  14026. selbst an Beispielen der Gegenwart, daß Staatsbildungen
  14027. in ihren stammesmäßigen Anfängen bei mangelnder Genialität ihrer rassischen Träger diese nicht vor dem Untergang zu bewahren vermögen. So wie große Tierarten der
  14028. Vorzeit anderen weichen mußten und restlos vergingen, so
  14029. muß auch der Mensch weichen, wenn ihm eine bestimmte
  14030. geistige Kraft fehlt, die ihn allein die nötigen Waffen zu
  14031. seiner Selbsterhaltung finden läßt.
  14032. Nicht der S t a a t an sich schafft eine bestimmte kulturelle Höhe, sondern er kann nur die Rasse erhalten, welche
  14033. diese bedingt. Im anderen Falle mag der Staat als solcher
  14034. jahrhundertelang gleichmäßig weiterbestehen, während in
  14035. der Folge einer vom ihm nicht verhinderten Rassenvermengung die kulturelle Fähigkeit und das dadurch bedingte allgemeine Lebensbild eines Volkes schon längst tiefgehende
  14036. Veränderung erlitten haben. Der heutige Staat beispielsweise kann als formaler Mechanismus sehr wohl noch soundso lange Zeit sein Dasein vortäuschen, die rassenmäßige
  14037. Vergiftung unseres Volkskörpers schafft jedoch einen kulturellen Niedergang, der schon jetzt erschreckend in Erscheinung tritt.
  14038. So ist die Voraussetzung zum Bestehen
  14039. eines höheren Menschentums nicht der
  14040. Nationalsozialistische Auffassung vom Staat
  14041. 433
  14042. Staat, sondern das Volkstum, das hierzu
  14043. befähigt ist.
  14044. Diese Fähigkeit wird grundsätzlich immer vorhanden
  14045. sein und muß nur durch bestimmte äußere Bedingungen
  14046. zur praktischen Auswirkung aufgeweckt werden. Kulturell
  14047. und schöpferisch begabte Nationen oder besser Rassen tragen die Nützlichkeiten latent in sich, auch wenn im Augenblick ungünstige äußere Umstände eine Verwirklichung
  14048. dieser Anlagen nicht zulassen. Daher ist es auch ein unglaublicher Unfug, die Germanen der vorchristlichen Zeit
  14049. als „kulturlos“, als Barbaren hinzustellen. Sie sind es nie
  14050. gewesen. Nur zwang sie die Herbheit ihrer nordischen
  14051. Heimat unter Verhältnisse, die eine Entwicklung ihrer
  14052. schöpferischen Kräfte behinderten. Wären sie, ohne irgendeine antike Welt, in die günstigeren Gefilde des Südens
  14053. gekommen, und hätten sie in dem Material niederer Völker
  14054. die ersten technischen Hilfsmittel erhalten, so würde die
  14055. in ihnen schlummernde kulturbildende Fähigkeit genau so
  14056. zur leuchtendsten Blüte erwachsen sein, wie dies zum Beispiel bei den Hellenen der Fall war. Allein diese kulturschaffende Urkraft selbst entspringt wieder nicht einzig
  14057. ihrem nordischen Klima. Der Lappländer, nach dem Süden
  14058. gebracht, würde so wenig kulturbildend wirken wie etwa
  14059. der Eskimo. Nein, diese herrliche, schöpferisch gestaltende
  14060. Fähigkeit ist eben gerade dem Arier verliehen, ob er sie
  14061. schlummernd noch in sich trägt oder sie dem erwachenden
  14062. Leben schenkt, je nachdem günstige Umstände dies gestatten oder eine unwirtliche Natur verhindert.
  14063. Daraus ergibt sich folgende Erkenntnis:
  14064. Der Staat ist ein Mittel zum Zweck. Sein
  14065. Zweck liegt in der Erhaltung und Förderung einer Gemeinschaft physisch und seelisch gleichartiger Lebewesen. Diese Erhaltung selber umfaßt erstlich den rassenmäßigen Bestand und gestattet dadurch die
  14066. freie Entwicklung aller in dieser Rasse
  14067. schlummernden Kräfte. Von ihnen wird
  14068. immer wieder ein Teil in erster Linie der
  14069. 434
  14070. Nationalsozialistische Auffassung vom Staat
  14071. Erhaltung des physischen Lebens dienen
  14072. und nur der andere der Förderung einer
  14073. geistigen Weiterentwicklung. Tatsächlich
  14074. schafft aber immer der eine die Voraussetzung für das andere.
  14075. Staaten, die nicht diesem Zwecke dienen,
  14076. sind Fehlerscheinungen, ja Mißgeburten.
  14077. Die Tatsache ihres Bestehens ändert so
  14078. wenig daran, als etwa der Erfolg einer Flibustiergemeinschaft die Räuberei zu rechtfertigen vermag.
  14079. Wir Nationalsozialisten dürfen als Verfechter einer
  14080. neuen Weltanschauung uns niemals auf jenen berühmten
  14081. „Boden der – noch dazu falschen – Tatsachen“ stellen.
  14082. Wir wären in diesem Falle nicht mehr die Verfechter einer
  14083. neuen großen Idee, sondern die Kulis der heutigen Lüge.
  14084. Wir haben schärfstens zu unterscheiden zwischen dem Staat
  14085. als einem Gefäß und der Rasse als dem Inhalt. Dieses
  14086. Gefäß hat nur dann einen Sinn, wenn es den Inhalt zu
  14087. erhalten und zu schützen vermag; im anderen Falle ist es
  14088. wertlos.
  14089. Somit ist der höchste Zweck des völkischen Staates die Sorge um die Erhaltung
  14090. derjenigen rassischen Urelemente, die, als
  14091. kulturspendend, die Schönheit und Würde
  14092. eines höheren Menschentums schaffen. Wir,
  14093. als Arier, vermögen uns unter einem Staat
  14094. also nur den lebendigen Organismus eines
  14095. Volkstums vorzustellen, der die Erhaltung dieses Volkstums nicht nur sichert,
  14096. sondern es auch durch Weiterbildung seiner geistigen und ideellen Fähigkeiten
  14097. zur höchsten Freiheit führt.
  14098. Was man uns heute jedoch als Staat aufzudrängen versucht, ist meistens nur die Ausgeburt tiefster menschlicher
  14099. Verirrung mit unsäglichem Leid als Folgeerscheinung.
  14100. Wir Nationalsozialisten wissen, daß wir mit dieser Auffassung als Revolutionäre in der heutigen Zeit stehen
  14101. Gesichtspunkte für Bewertung eines Staates
  14102. 435
  14103. und auch als solche gebrandmarkt werden. Allein unser
  14104. Denken und Handeln soll keineswegs von Beifall oder Ablehnung unserer Zeit bestimmt werden, sondern von der
  14105. bindenden Verpflichtung an eine Wahrheit, die wir erkannten. Dann dürfen wir überzeugt sein, daß die höhere
  14106. Einsicht einer Nachwelt unser heutiges Vorgehen nicht nur
  14107. verstehen, sondern auch als richtig bestätigen und adeln
  14108. wird.
  14109. Daraus ergibt sich für uns Nationalsozialisten auch der
  14110. Maßstab für die Bewertung eines Staates. Dieser Wert
  14111. wird ein relativer sein, vom Gesichtspunkt des einzelnen
  14112. Volkstums aus; ein absoluter von dem der Menschheit an
  14113. sich. Das heißt mit anderen Worten:
  14114. Die Güte eines Staates kann nicht bewertet werden nach der kulturellen Höhe oder
  14115. der
  14116. Machtbedeutung
  14117. dieses
  14118. Staates
  14119. im
  14120. Rahmen der übrigen Welt, sondern ausschließlich nur nach dem Grade der Güte
  14121. dieser Einrichtung für das jeweils in
  14122. Frage kommende Volkstum.
  14123. Ein Staat kann als mustergültig bezeichnet werden, wenn
  14124. er den Lebensbedingungen eines durch ihn zu vertretenden
  14125. Volkstums nicht nur entspricht, sondern dieses Volkstum
  14126. gerade durch seine eigene Existenz praktisch am Leben erhält – ganz gleich, welche allgemein kulturelle Bedeutung
  14127. diesem staatlichen Gebilde im Rahmen der übrigen Welt
  14128. zukommt. Denn die Aufgabe des Staates ist es eben nicht,
  14129. Fähigkeiten zu erzeugen, sondern nur die, vorhandenen
  14130. Kräften freie Bahn zu schaffen. A l s o k a n n u m g e k e h r t
  14131. ein Staat als schlecht bezeichnet werden,
  14132. wenn er, bei aller kulturellen Höhe, den
  14133. Träger dieser Kultur in seiner rassischen
  14134. Zusammensetzung dem Untergange weiht.
  14135. Denn er zerstört damit praktisch die Voraussetzung für das
  14136. Fortbestehen dieser Kultur, die ja nicht er geschaffen, son-
  14137. 436
  14138. Gesichtspunkte für Bewertung eines Staates
  14139. dern welche die Frucht eines durch die lebendige staatliche
  14140. Zusammenfassung gesicherten kulturschöpferischen Volkstums ist. Der Staat stellt eben nicht einen Inhalt dar, sondern eine Form. Es gibt also d i e j e w e i l i g e K u l t u r höhe eines Volkes nicht den Wertmesser
  14141. f ü r d i e G ü t e d e s S t a a t e s a b , in welchem es lebt.
  14142. Es ist sehr begreiflich, daß ein kulturell hochbegnadetes
  14143. Volk ein höherwertiges Bild abgibt als ein Negerstamm;
  14144. trotzdem kann der staatliche Organismus des ersteren, seiner Zweckerfüllung nach betrachtet, schlechter sein als der
  14145. des Negers. Wenngleich der beste Staat und die beste
  14146. Staatsform nicht in der Lage sind, aus einem Volke Fähigkeiten herauszuholen, die einfach fehlen und nie vorhanden waren, so ist ein schlechter Staat sicherlich in der
  14147. Lage, durch eine von ihm zugelassene oder gar geförderte
  14148. Vernichtung des rassischen Kulturträgers ursprünglich vorhandene Fähigkeiten in der Folgezeit zum Absterben zu
  14149. bringen.
  14150. Mithin kann das Urteil über die Güte eines Staates in
  14151. erster Linie nur bestimmt werden von dem relativen
  14152. Nutzen, den er für ein bestimmtes Volkstum besitzt, und
  14153. keineswegs von der Bedeutung, die ihm an sich in der
  14154. Welt zukommt.
  14155. Dieses relative Urteil kann rasch und gut gefällt werden,
  14156. das Urteil über den absoluten Wert nur sehr schwer, da
  14157. dieses absolute Urteil eigentlich schon nicht mehr bloß
  14158. durch den Staat, sondern vielmehr durch die Güte und
  14159. Höhe des jeweiligen Volkstums bestimmt wird.
  14160. Wenn man daher von einer höheren Mission des Staates
  14161. spricht, darf man nie vergessen, daß die höhere Mission
  14162. wesentlich im Volkstum liegt, dem der Staat, durch die
  14163. organische Kraft seines Daseins nur die freie Entwicklung
  14164. zu ermöglichen hat.
  14165. Wenn wir daher die Frage stellen, wie der Staat beschaffen sein soll, den wir Deutsche brauchen, dann müssen
  14166. wir uns erst Klarheit darüber schaffen, was für Menschen
  14167. er erfassen und welchem Zweck er dienen soll.
  14168. Unser deutsches Volkstum beruht leider nicht mehr auf
  14169. Folgen unserer rassischen Zerrissenheit
  14170. 437
  14171. einem einheitlichen rassischen Kern. Der Prozeß der Verschmelzung der verschiedenen Urbestandteile ist auch noch
  14172. nicht so weit fortgeschritten, daß man von einer dadurch
  14173. neugebildeten Rasse sprechen könnte. Im Gegenteil: die
  14174. blutsmäßigen Vergiftungen, die unseren Volkskörper, besonders seit dem Dreißigjährigen Kriege, trafen, führten
  14175. nicht nur zu einer Zersetzung unseres Blutes, sondern auch
  14176. zu einer solchen unserer Seele. Die offenen Grenzen unseres
  14177. Vaterlandes, das Anlehnen an ungermanische Fremdkörper
  14178. längs dieser Grenzgebiete, vor allem aber der starke laufende Zufluß fremden Blutes ins Innere des Reiches selbst,
  14179. lassen infolge seiner dauernden Erneuerung keine Zeit übrig
  14180. für eine absolute Verschmelzung. Es wird keine neue Rasse
  14181. mehr herausgekocht, sondern die Rassebestandteile bleiben
  14182. nebeneinander, mit dem Ergebnis, daß besonders in kritischen Augenblicken, in denen sich sonst eine Herde zu sammeln pflegt, das deutsche Volk nach allen Windrichtungen
  14183. auseinanderläuft. Nicht nur gebietsmäßig sind die rassischen
  14184. Grundelemente verschieden gelagert, sondern auch im einzelnen, innerhalb des gleichen Gebietes. Neben nordischen
  14185. Menschen ostische, neben ostischen dinarische, neben beiden
  14186. westische und dazwischen Mischungen. Dies ist auf der einen
  14187. Seite von großem Nachteil: Es fehlt dem deutschen Volk
  14188. jener sichere Herdeninstinkt, der in der Einheit des Blutes
  14189. begründet liegt und besonders in gefahrdrohenden Momenten Nationen vor dem Untergang bewahrt, insofern bei
  14190. solchen Völkern dann alle kleineren inneren Unterschiede
  14191. sofort zu verschwinden pflegen und dem gemeinsamen
  14192. Feinde die geschlossene Front einer einheitlichen Herde
  14193. gegenübertritt. In dem Nebeneinander unserer unvermischt
  14194. gebliebenen rassischen Grundelemente verschiedenster Art
  14195. liegt das begründet, was man bei uns mit dem Wort Überindividualismus bezeichnet. In friedlichen Zeitläuften mag
  14196. er manchmal gute Dienste leisten, alles in allem genommen
  14197. aber hat er uns um die Weltherrschaft gebracht. Würde
  14198. das deutsche Volk in seiner geschichtlichen Entwicklung jene
  14199. herdenmäßige Einheit besessen haben, wie sie anderen Völkern zugute kam, dann würde das Deutsche Reich heute
  14200. 438
  14201. Folgen unserer rassischen Zerrissenheit
  14202. wohl die Herrin des Erdballs sein. Die Weltgeschichte hätte
  14203. einen anderen Lauf genommen, und kein Mensch vermag
  14204. zu entscheiden, ob dann nicht auf diesem Wege eingetroffen wäre, was so viele verblendete Pazifisten heute durch
  14205. Winseln und Flennen zu erbetteln hoffen: e i n F r i e d e ,
  14206. gestützt nicht durch die Palmwedel tränenreicher pazifistischer Klageweiber, sondern
  14207. begründet
  14208. durch
  14209. das
  14210. siegreiche
  14211. Schwert eines die Welt in den Dienst einer
  14212. höheren Kultur nehmenden Herrenvolkes.
  14213. Die Tatsache des Nichtvorhandenseins eines blutsmäßig
  14214. einheitlichen Volkstums hat uns unsägliches Leid gebracht.
  14215. Sie hat vielen kleinen deutschen Potentaten Residenzen
  14216. geschenkt, dem deutschen Volk aber das Herrenrecht entzogen.
  14217. Auch heute noch leidet unser Volk unter dieser inneren
  14218. Zerrissenheit; allein, was uns in Vergangenheit und Gegenwart Unglück brachte, kann für die Zukunft unser Segen
  14219. sein. Denn so schädlich es auf der einen Seite auch war,
  14220. daß eine restlose Vermischung unserer ursprünglichen Rassenbestandteile unterblieb und dadurch die Bildung eines
  14221. einheitlichen Volkskörpers verhindert wurde, so glücklich
  14222. war es auf der anderen, als hierdurch wenigstens ein Teil
  14223. unseres besten Blutes rein erhalten blieb und der rassischen Senkung entging.
  14224. Sicher würde bei einer restlosen Vermengung unserer
  14225. rassischen Urelemente ein geschlossener Volkskörper entstanden sein, allein er wäre, wie jede Rassenkreuzung beweist, von einer geringeren Kulturfähigkeit erfüllt, als sie
  14226. der höchststehende der Urbestandteile ursprünglich besaß.
  14227. Dies ist der Segen des Unterbleibens restloser Vermischung:
  14228. daß wir auch heute noch in unserem deutschen Volkskörper
  14229. große unvermischt gebliebene Bestände an nordisch-germanischen Menschen besitzen, in denen wir den wertvollsten
  14230. Schatz für unsere Zukunft erblicken dürfen. In der trüben
  14231. Zeit der Unkenntnis aller rassischen Gesetze, da in völliger
  14232. Gleichwertung Mensch eben als Mensch erschien, mochte die
  14233. Klarheit über den verschiedenen Wert der einzelnen Ur-
  14234. Mission des deutschen Volkes
  14235. 439
  14236. elemente fehlen. Heute wissen wir, daß eine restlose Durcheinandermischung der Bestandteile unseres Volkskörpers
  14237. uns infolge der dadurch entstandenen Einheit vielleicht
  14238. zwar die äußere Macht geschenkt hätte, daß jedoch das
  14239. höchste Ziel der Menschheit unerreichbar gewesen wäre,
  14240. da der einzige Träger, den das Schicksal ersichtlich zu dieser Vollendung ausersehen hat, im allgemeinen Rassenbrei
  14241. des Einheitsvolkes untergegangen wäre.
  14242. Was aber ohne unser Zutun durch ein gütiges Schicksal
  14243. verhindert wurde, haben wir heute, vom Gesichtspunkt
  14244. unserer nun gewonnenen Erkenntnis, zu überprüfen und
  14245. zu verwerten.
  14246. Wer von einer Mission des deutschen Volkes auf der Erde redet, muß wissen, daß sie
  14247. nur in der Bildung eines Staates bestehen
  14248. kann, der seine höchste Aufgabe in der Erhaltung und Förderung der unverletzt gebliebenen edelsten Bestandteile unseres
  14249. Volkstums, ja der ganzen Menschheit sieht.
  14250. Damit erhält der Staat zum ersten Male ein inneres
  14251. hohes Ziel. Gegenüber der lächerlichen Parole einer Sicherung von Ruhe und Ordnung zur friedlichen Ermöglichung
  14252. gegenseitiger Begaunerei erscheint die Aufgabe der Erhaltung und Förderung eines durch die Güte des Allmächtigen
  14253. dieser Erde geschenkten höchsten Menschentums als eine
  14254. wahrhaft hohe Mission.
  14255. Aus einem toten Mechanismus, der nur um seiner selbst
  14256. willen da zu sein beansprucht, soll ein lebendiger Organismus geformt werden mit dem ausschließlichen Zwecke:
  14257. einer höheren Idee zu dienen.
  14258. Das Deutsche Reich soll als Staat alle
  14259. Deutschen umschließen mit der Aufgabe,
  14260. aus diesem Volke die wertvollsten Bestände an rassischen Urelementen nicht
  14261. nur zu sammeln und zu erhalten, sondern
  14262. langsam und sicher zur beherrschenden
  14263. Stellung emporzuführen.
  14264. 440
  14265. Der Staat – eine Waffe im Lebenskampf
  14266. Damit tritt an die Stelle eines, im Grunde genommen
  14267. erstarrten Zustandes eine Periode des Kampfes. Doch wie
  14268. immer und in allem auf dieser Welt wird auch hier das
  14269. Wort seine Geltung behalten, daß „wer rastet – rostet“,
  14270. und weiter, daß der Sieg ewig nur im Angriff liegt. Je
  14271. größer dabei das Kampfziel, das uns vor Augen schwebt,
  14272. und je geringer das Verständnis der breiten Masse im
  14273. Augenblick dafür sein mag, um so ungeheurer sind aber,
  14274. den Erfahrungen der Weltgeschichte nach, die Erfolge –
  14275. und die Bedeutung dieser Erfolge dann, wenn das Ziel
  14276. richtig erfaßt und der Kampf mit unerschütterlicher Beharrlichkeit durchgeführt wird.
  14277. Es mag freilich für viele unserer heutigen beamteten
  14278. Staatslenker beruhigender sein, für die Erhaltung eines
  14279. gegebenen Zustandes zu wirken, als für einen kommenden
  14280. kämpfen zu müssen. Sie werden es als viel leichter empfinden, im Staate einen Mechanismus zu sehen, der einfach
  14281. dazu da ist, sich selbst am Leben zu erhalten, so wie wiederum ihr Leben „dem Staate gehört“ – wie sie sich auszudrücken pflegen. Als ob dem Volkstum Entsprossenes logisch
  14282. anderem dienen könnte als eben dem Volkstum, oder der
  14283. Mensch für anderes wirken könnte als eben wieder für den
  14284. Menschen. E s i s t , w i e g e s a g t , n a t ü r l i c h l e i c h ter, in der Staatsautorität nur den formalen Mechanismus einer Organisation zu
  14285. erblicken als die souveräne Verkörperung
  14286. des Selbsterhaltungstriebes eines Volkst u m s a u f d e r E r d e . Denn in dem einen Fall ist für
  14287. diese schwachen Geister der Staat sowohl als die Staatsautorität schon der Zweck an sich, im anderen aber nur die
  14288. gewaltige Waffe im Dienste des großen ewigen Lebenskampfes um das Dasein, eine Waffe, der sich jeder zu fügen
  14289. hat, weil sie nicht formal mechanisch ist, sondern Ausdruck
  14290. eines gemeinsamen Willens zur Lebenserhaltung.
  14291. Daher werden wir auch im Kampfe für unsere neue
  14292. Auffassung, die ganz dem Ursinn der Dinge entspricht,
  14293. nur wenige Kampfgefährten aus einer Gesellschaft finden,
  14294. die nicht nur körperlich, sondern leider nur zu oft auch
  14295. Weltgeschichte wird durch Minoritäten gemacht
  14296. 441
  14297. geistig veraltet ist. Nur Ausnahmen, Greise mit jungen
  14298. Herzen und frisch gebliebenem Sinn, werden aus jenen
  14299. Schichten zu uns kommen, niemals die, welche in der Erhaltung eines gegebenen Zustandes den letzten Sinn ihrer
  14300. Lebensaufgabe erblicken.
  14301. Uns gegenüber steht das unendliche Heer weniger der
  14302. böswillig Schlechten als der denkfaul Gleichgültigen und
  14303. gar der an der Erhaltung des heutigen Zustandes Interessierten. Allein gerade in dieser scheinbaren Aussichtslosigkeit unseres gewaltigen Ringens liegt die Größe unserer Aufgabe und auch die Möglichkeit des Erfolges begründet. Der Schlachtruf, der die kleinen Geister entweder von
  14304. vornherein verscheucht oder bald verzagen läßt, er wird
  14305. zum Signal des Zusammenfindens wirklicher Kampfnaturen.
  14306. Und darüber muß man sich klar sein: W e n n a u s e i n e m
  14307. Volke eine bestimmte Summe höchster Energie und Tatkraft auf ein Ziel vereint erscheint und mithin der Trägheit der breiten Massen endgültig entzogen ist, sind
  14308. diese wenigen Prozente zu Herren der gesamten Zahl emporgestiegen. Weltgeschichte
  14309. wird
  14310. durch
  14311. Minoritäten
  14312. gemacht
  14313. dann,
  14314. wenn sich in dieser Minorität der Zahl die
  14315. Majorität des Willens und der Entschlußkraft verkörpert.
  14316. Was deshalb heute vielen als erschwerend
  14317. gelten mag, ist in Wirklichkeit die Voraussetzung für unseren Sieg. Gerade in der
  14318. Größe und den Schwierigkeiten unserer
  14319. Aufgabe
  14320. liegt
  14321. die
  14322. Wahrscheinlichkeit,
  14323. daß sich zu ihrem Kampfe nur die besten
  14324. Kämpfer finden werden. In dieser Auslese
  14325. aber liegt die Bürgschaft für den Erfolg.
  14326. Im allgemeinen pflegt schon die Natur in der Frage der
  14327. rassischen Reinheit irdischer Lebewesen bestimmte korrigierende Entscheidungen zu treffen. Sie liebt die Bastarde
  14328. 442
  14329. Unterlegenheit des Bastards
  14330. nur wenig. Besonders die ersten Produkte solcher Kreuzungen, etwa im dritten, vierten, fünften Glied, haben bitter zu leiden. Es wird ihnen nicht nur die Bedeutung des
  14331. ursprünglich höchsten Bestandteils der Kreuzung genommen, sondern es fehlt ihnen in der mangelnden Blutseinheit
  14332. auch die Einheit der Willens- und Entschlußkraft zum
  14333. Leben überhaupt. In allen kritischen Augenblicken, in
  14334. denen das rassisch einheitliche Wesen richtige, und zwar
  14335. einheitliche Entschlüsse trifft, wird das rassisch zerrissene
  14336. unsicher werden bzw. zu halben Maßnahmen gelangen.
  14337. Zusammen bedeutet das nicht nur eine gewisse Unterlegenheit des rassisch Zerrissenen gegenüber dem rassisch Einheitlichen, sondern in der Praxis auch die Möglichkeit eines
  14338. schnelleren Unterganges. I n z a h l l o s e n F ä l l e n , i n
  14339. denen die Rasse standhält, bricht der Bas t a r d z u s a m m e n . Darin ist die Korrektur der Natur
  14340. zu sehen. Sie geht aber häufig noch weiter. Sie schränkt
  14341. die Möglichkeit einer Fortpflanzung ein. Dadurch verhindert sie die Fruchtbarkeit weitgehender Kreuzungen überhaupt und bringt sie so zum Aussterben.
  14342. Würde also beispielsweise in einer bestimmten Rasse
  14343. von einem einzelnen Subjekt eine Verbindung mit einem
  14344. rassisch niederstehenden eingegangen, so wäre das Ergebnis zunächst eine Niedersenkung des Niveaus an sich, weiter
  14345. aber eine Schwächung der Nachkommenschaft gegenüber
  14346. der rassisch unvermischt gebliebenen Umgebung. Bei der
  14347. vollständigen Verhinderung eines weiteren Blutzusatzes von
  14348. seiten der höchsten Rasse würden bei dauernder gegenseitiger Kreuzung die Bastarde entweder infolge ihrer
  14349. durch die Natur weise verminderten Widerstandskraft aussterben oder im Laufe von vielen Jahrtausenden eine neue
  14350. Mischung bilden, bei welcher die ursprünglichen Einzelelemente durch tausendfältige Kreuzung restlos vermischt,
  14351. mithin nicht mehr erkennbar sind. Es hätte sich damit ein
  14352. neues Volkstum gebildet von einer bestimmten herdenmäßigen Widerstandsfähigkeit, jedoch gegenüber der bei der
  14353. ersten Kreuzung mitwirkenden höchsten Rasse in seiner
  14354. geistig-kulturellen Bedeutung wesentlich vermindert. Aber
  14355. Natürlicher Regenerationsprozeß der Rassen
  14356. 443
  14357. auch in diesem letzten Falle würde im gegenseitigen Kampf
  14358. um das Dasein das Mischprodukt unterliegen, solange eine
  14359. höherstehende, unvermischt gebliebene Rasseneinheit als
  14360. Gegner noch vorhanden ist. Alle herdenmäßige, im Laufe
  14361. der tausend Jahre gebildete innere Geschlossenheit dieses
  14362. neuen Volkskörpers würde infolge der allgemeinen Senkung des Rassenniveaus und der dadurch bedingten Minderung der geistigen Elastizität und schöpferischen Fähigkeit dennoch nicht genügen, um den Kampf mit einer ebenso einheitlichen, geistig und kulturell jedoch überlegenen
  14363. Rasse siegreich zu bestehen.
  14364. Somit kann man folgenden gültigen Satz aufstellen:
  14365. Jegliche Rassenkreuzung führt zwangsläufig früher oder später zum Untergang
  14366. des Mischproduktes, solange der höherstehende Teil dieser Kreuzung selbst noch
  14367. in einer reinen irgendwie rassenmäßigen
  14368. E i n h e i t v o r h a n d e n i s t . Die Gefahr für das Mischprodukt ist erst beseitigt im Augenblick der Bastardierung
  14369. des letzten höherstehenden Rassereinen.
  14370. Darin liegt ein, wenn auch langsamer natürlicher Regenerationsprozeß begründet, der rassische Vergiftungen
  14371. allmählich wieder ausscheidet, solange noch ein Grundstock
  14372. rassisch reiner Elemente vorhanden ist und eine weitere
  14373. Bastardierung nicht mehr stattfindet.
  14374. Ein solcher Vorgang kann von selbst eintreten bei Lebewesen mit starkem Rasseninstinkt, die nur durch besondere
  14375. Umstände oder irgendeinen besonderen Zwang aus der
  14376. Bahn der normalen rassereinen Vermehrung geworfen wurden. Sowie diese Zwangslage beendet ist, wird der noch
  14377. rein gebliebene Teil sofort wieder nach Paarung unter
  14378. Gleichen streben, der weiteren Vermischung dadurch Einhalt gebietend. Die Bastardierungsergebnisse treten damit
  14379. von selbst wieder in den Hintergrund, es wäre denn, daß
  14380. ihre Zahl sich schon so unendlich vermehrt hätte, daß ein
  14381. ernstlicher Widerstand der reinrassig Übriggebliebenen
  14382. nicht mehr in Frage käme.
  14383. Der Mensch, der einmal instinktlos geworden ist und seine
  14384. 444
  14385. Gefahren der Rassenmischung
  14386. ihm von der Not auferlegte Verpflichtung verkennt, darf
  14387. im allgemeinen jedoch auf solche Korrektur von seiten der
  14388. Natur so lange nicht hoffen, als er seinen verlorenen Instinkt nicht durch sehende Erkenntnis ersetzt hat; an ihr ist
  14389. es dann, die erforderliche Wiedergutmachungsarbeit zu leisten. Doch ist die Gefahr sehr groß, daß der einmal blind
  14390. gewordene Mensch die Rassenschranken immer mehr einreißt, bis endlich auch der letzte Rest seines besten Teiles
  14391. verloren ist. Dann bleibt wirklich nur mehr ein Einheitsbrei übrig, wie er den famosen Weltverbesserern unserer
  14392. Tage als Ideal vorschwebt; er würde aber aus dieser Welt
  14393. in kurzer Zeit die Ideale verjagen. Freilich: e i n e g r o ß e
  14394. Herde könnte so gebildet werden, ein Herdentier kann man zusammenbrauen, einen
  14395. Menschen als Kulturträger aber und besser noch als Kulturbegründer und Kulturschöpfer ergibt eine solche Mischung niem a l s . Die Mission der Menschheit könnte damit als beendigt angesehen werden.
  14396. Wer nicht will, daß die Erde diesem Zustand entgegengeht, muß sich zur Auffassung bekehren, daß es die Aufgabe vor allem der germanischen Staaten ist, in erster
  14397. Linie dafür zu sorgen, daß einer weiteren Bastardierung
  14398. grundsätzlich Einhalt geboten wird.
  14399. Die Generation unserer heutigen notorischen Schwächlinge wird selbstverständlich sofort dagegen aufschreien
  14400. und über Eingriffe in die heiligsten Menschenrechte jammern und klagen. N e i n , e s g i b t n u r e i n h e i l i g stes Menschenrecht, und dieses Recht ist
  14401. zugleich die heiligste Verpflichtung, nämlich: dafür zu sorgen, daß das Blut rein
  14402. erhalten bleibt, um durch die Bewahrung
  14403. des besten Menschentums die Möglichkeit
  14404. einer edleren Entwicklung dieser Wesen
  14405. zu geben.
  14406. Ein völkischer Staat wird damit in erster
  14407. Linie
  14408. die
  14409. Ehe
  14410. aus
  14411. dem
  14412. Niveau
  14413. einer
  14414. dauernden Rassenschande herauszuheben
  14415. Gefahren der Rassenmischung
  14416. 445
  14417. haben, um ihr die Weihe jener Institution
  14418. zu geben, die berufen ist, Ebenbilder des
  14419. Herrn zu zeugen und nicht Mißgeburten
  14420. zwischen Mensch und Affe.
  14421. Der Protest dagegen aus sogenannten h u m a n e n Gründen steht besonders der Zeit verflucht schlecht an, die auf
  14422. der einen Seite jedem verkommenen Degeneraten die Möglichkeit seiner Fortvermehrung gibt, den Produkten selber
  14423. als auch den Zeitgenossen unsägliches Leid aufbürdend,
  14424. während andererseits in jeder Drogerie und sogar bei Straßenhändlern die Hilfsmittel zur Verhinderung der Geburten bei selbst gesündesten Eltern feilgeboten werden.
  14425. In diesem heutigen Staate der Ruhe und Ordnung, in den
  14426. Augen seiner Vertreter, dieser tapferen bürgerlich-nationalen Welt, ist also die Verhinderung der Zeugungsfähigkeit bei Syphilitikern, Tuberkulosen, erblich Belasteten,
  14427. Krüppeln und Kretins ein Verbrechen, dagegen wird die
  14428. praktische Unterbindung der Zeugungsfähigkeit bei Millionen der Allerbesten nicht als etwas Schlechtes angesehen
  14429. und verstößt nicht gegen die guten Sitten dieser scheinheiligen Gesellschaft, nützt vielmehr der kurzsichtigen Denkfaulheit. Denn andernfalls müßte man sich immerhin den
  14430. Kopf wenigstens darüber zerbrechen, wie die Voraussetzungen zu schaffen seien für die Ernährung und Erhaltung
  14431. derjenigen Wesen, die als gesunde Träger unseres Volkstums dereinst der gleichen Aufgabe bezüglich des kommenden Geschlechtes dienen sollen.
  14432. Wie grenzenlos unideal und unedel ist doch dieses ganze
  14433. System! Man bemüht sich nicht mehr, das Beste für die
  14434. Nachwelt heranzuzüchten, sondern läßt die Dinge laufen,
  14435. wie sie eben laufen. Daß sich dabei auch unsere Kirchen am
  14436. Ebenbilde des Herrn versündigen, dessen Bedeutung von
  14437. ihnen noch am allermeisten betont wird, liegt ganz in der
  14438. Linie ihres heutigen Wirkens, das immer vom Geiste redet
  14439. und den Träger desselben, den Menschen, zum verkommenen Proleten degenerieren läßt. Dann allerdings staunt
  14440. man mit blöden Gesichtern über die geringe Wirkung des
  14441. christlichen Glaubens im eigenen Lande, über die entsetz-
  14442. 446
  14443. Völkischer Staat und Rassenhygiene
  14444. liche „Gottlosigkeit“ dieses körperlich verhunzten und damit natürlich auch geistig verlumpten Jammerpacks und
  14445. sucht sich dafür mit Erfolg bei Hottentotten und Zulukaffern mit dem Segen der Kirche zu entschädigen. Während
  14446. unsere europäischen Völker, Gott sei Lob und Dank, in den
  14447. Zustand eines körperlichen und moralischen Aussatzes verfallen, wandert der fromme Missionar nach Zentralafrika
  14448. und errichtet Negermissionen, bis unsere „höhere Kultur“
  14449. aus gesunden, wenn auch primitiven und tiefstehenden
  14450. Menschenkindern auch dort eine faulige Bastardbrut gemacht haben wird.
  14451. Es würde dem Sinne des Edelsten auf dieser Welt mehr
  14452. entsprechen, wenn unsere beiden christlichen Kirchen, statt
  14453. die Neger mit Missionen zu belästigen, die jene weder
  14454. wünschen noch verstehen, unsere europäische Menschheit
  14455. gütig, aber allen Ernstes belehren würden, daß es bei nicht
  14456. gesunden Eltern ein Gott wohlgefälligeres Werk ist, sich
  14457. eines gesunden armen kleinen Waisenkindes zu erbarmen,
  14458. um diesem Vater und Mutter zu schenken, als selber ein
  14459. krankes, sich und der anderen Welt nur Unglück und Leid
  14460. bringendes Kind ins Leben zu setzen.
  14461. Was auf diesem Gebiete heute von allen Seiten versäumt
  14462. wird, hat der völkische Staat nachzuholen. E r h a t d i e
  14463. Rasse in den Mittelpunkt des allgemeinen
  14464. Lebens zu setzen. Er hat für ihre Reinerhaltung zu sorgen. Er hat das Kind zum
  14465. kostbarsten Gut eines Volkes zu erklären.
  14466. Er muß dafür Sorge tragen, daß nur, wer
  14467. gesund ist, Kinder zeugt; daß es nur eine
  14468. Schande gibt: bei eigener Krankheit und
  14469. eigenen Mängeln dennoch Kinder in die
  14470. Welt zu setzen; doch eine höchste Ehre: darauf zu verzichten. Umgekehrt aber muß es
  14471. als verwerflich gelten: gesunde Kinder
  14472. der Nation vorzuenthalten. Der Staat muß
  14473. dabei als Wahrer einer tausendjährigen
  14474. Zukunft
  14475. auftreten,
  14476. der
  14477. gegenüber
  14478. der
  14479. Wunsch und die Eigensucht des einzelnen
  14480. Völkischer Staat und Rassenhygiene
  14481. 447
  14482. als nichts erscheinen und sich zu beugen
  14483. haben. Er hat die modernsten ärztlichen
  14484. Hilfsmittel in den Dienst dieser Erkenntnis zu stellen. Er hat, was irgendwie ersichtlich krank und erblich belastet und damit weiter belastend ist, zeugungsunfähig
  14485. zu erklären und dies praktisch auch durchzusetzen. Er hat umgekehrt dafür zu sorgen,
  14486. daß die Fruchtbarkeit des gesunden Weibes
  14487. nicht beschränkt wird durch die finanzielle
  14488. Luderwirtschaft
  14489. eines
  14490. Staatsregiments,
  14491. das den Kindersegen zu einem Fluch für
  14492. die Eltern gestaltet. Er hat mit jener
  14493. faulen, ja verbrecherischen Gleichgültigkeit, mit der man heute die sozialen Voraussetzungen einer kinderreichen Familie
  14494. behandelt, aufzuräumen und muß sich an
  14495. Stelle dessen als oberster Schirmherr dieses köstlichsten Segens eines Volkes fühlen.
  14496. Seine Sorge gehört mehr dem Kinde als dem
  14497. Erwachsenen.
  14498. Wer körperlich und geistig nicht gesund
  14499. und würdig ist, darf sein Leid nicht im
  14500. Körper seines Kindes verewigen. Der völkische Staat hat hier die ungeheuerste Erziehungsarbeit zu leisten. Sie wird aber
  14501. dereinst auch als eine größere Tat erscheinen als die siegreichsten Kriege unseres
  14502. heutigen
  14503. bürgerlichen
  14504. Zeitalters
  14505. sind.
  14506. Er hat durch Erziehung den einzelnen zu
  14507. belehren, daß es keine Schande, sondern
  14508. nur
  14509. ein
  14510. bedauernswertes
  14511. Unglück
  14512. ist,
  14513. krank und schwächlich zu sein, daß es aber
  14514. ein Verbrechen und daher zugleich eine
  14515. Schande ist, dieses Unglück durch eigenen
  14516. Egoismus zu entehren, indem man es unschuldigen Wesen wieder aufbürdet; daß
  14517. es demgegenüber von einem Adel höch-
  14518. 448
  14519. Völkischer Staat und Rassenhygiene
  14520. ster Gesinnung und bewundernswertester
  14521. Menschlichkeit zeugt, wenn der unschuldig Kranke, unter Verzicht auf ein eigenes
  14522. Kind, seine Liebe und Zärtlichkeit einem
  14523. unbekannten armen, jungen Sprossen seines Volkstums schenkt, der in seiner Gesundheit verspricht, dereinst ein kraftvolles Glied einer kraftvollen Gemeinschaft zu werden. Und der Staat hat in
  14524. dieser Erziehungsarbeit die rein geistige
  14525. Ergänzung seiner praktischen Tätigkeit
  14526. zu leisten. Er muß ohne Rücksicht auf Verständnis oder Unverständnis, Billigung
  14527. oder Mißbilligung in diesem Sinne handeln.
  14528. Eine nur sechshundertjährige Verhinderung der Zeugungsfähigkeit und Zeugungsmöglichkeit seitens körperlich
  14529. Degenerierter und geistig Erkrankter würde die Menschheit nicht nur von einem unermeßlichen Unglück befreien,
  14530. sondern zu einer Gesundung beitragen, die heute kaum
  14531. faßbar erscheint. Wenn so die bewußte planmäßige Förderung der Fruchtbarkeit der gesündesten Träger des Volkstums verwirklicht wird, so wird das Ergebnis eine Rasse
  14532. sein, die, zunächst wenigstens, die Keime unseres heutigen
  14533. körperlichen und damit auch geistigen Verfalls wieder ausgeschieden haben wird.
  14534. Denn hat erst ein Volk und ein Staat diesen Weg einmal
  14535. beschritten, dann wird sich auch von selbst das Augenmerk
  14536. darauf richten, gerade den rassisch wertvollsten Kern des
  14537. Volkes und gerade seine Fruchtbarkeit zu steigern, um endlich das gesamte Volkstum des Segens eines hochgezüchteten Rassengutes teilhaftig werden zu lassen.
  14538. Der Weg hierzu ist vor allem der, daß ein Staat die
  14539. Besiedelung gewonnener Neuländer nicht dem Zufall überläßt, sondern besonderen Normen unterwirft. Eigens gebildete Rassekommissionen haben den einzelnen das Siedlungsattest auszustellen; dieses aber ist gebunden an eine
  14540. festzulegende bestimmte rassische Reinheit. So können all-
  14541. Rassereine Randkolonien
  14542. 449
  14543. mählich Randkolonien begründet werden, deren Bewohner
  14544. ausschließlich Träger höchster Rassenreinheit und damit
  14545. höchster Rassentüchtigkeit sind. Sie sind damit ein kostbarer nationaler Schatz des Volksganzen; ihr Wachsen muß
  14546. jeden einzelnen Volksgenossen mit Stolz und freudiger
  14547. Zuversicht erfüllen, liegt doch in ihnen der Keim zu einer
  14548. letzten großen Zukunftsentwicklung des eigenen Volkes, ja
  14549. der Menschheit geborgen.
  14550. Der völkischen Weltanschauung muß es
  14551. im völkischen Staat endlich gelingen, jenes
  14552. edlere Zeitalter herbeizuführen, in dem
  14553. die Menschen ihre Sorge nicht mehr in der
  14554. Höherzüchtung von Hunden, Pferden und
  14555. Katzen erblicken, sondern im Emporheben
  14556. des Menschen selbst, ein Zeitalter, in dem
  14557. der eine erkennend schweigend verzichtet,
  14558. der andere freudig opfert und gibt.
  14559. Daß dies möglich ist, darf man in einer Welt nicht verneinen, in der sich hunderttausend und aber hunderttausend
  14560. Menschen freiwillig das Zölibat auferlegen, durch nichts
  14561. verpflichtet und gebunden als durch ein kirchliches Gebot.
  14562. Soll der gleiche Verzicht nicht möglich sein, wenn an
  14563. seine Stelle die Mahnung tritt, der dauernd fortwirkenden
  14564. Erbsünde einer Rassenvergiftung endlich Einhalt zu tun
  14565. und dem allmächtigen Schöpfer Wesen zu geben, wie er sie
  14566. selbst erschuf?
  14567. Freilich, das jammervolle Heer unserer heutigen Spießbürger wird dies niemals verstehen. Sie werden darüber
  14568. lachen oder ihre schiefen Achseln zucken und ihre ewige
  14569. Ausrede herausstöhnen: „Das wäre an sich ja ganz schön,
  14570. aber das läßt sich ja doch nicht machen!“ Mit euch läßt
  14571. sich das freilich nicht mehr machen, eure Welt ist dafür
  14572. nicht geeignet! Ihr kennt nur e i n e Sorge: euer persönliches Leben, und e i n e n Gott: euer Geld! Allein, wir
  14573. wenden uns auch nicht an euch, sondern wenden uns an
  14574. die große Armee derjenigen, die zu arm sind, als daß ihr
  14575. persönliches Leben höchstes Glück der Welt bedeuten könnte,
  14576. an diejenigen, die den Regenten ihres Daseins nicht im
  14577. 16
  14578. 450
  14579. Appell an die deutsche Jugend
  14580. Golde sehen, sondern an andere Götter glauben. Vor allem
  14581. wenden wir uns an das gewaltige Heer unserer deutschen
  14582. Jugend. Sie wächst in eine große Zeitwende hinein, und was
  14583. die Trägheit und Gleichgültigkeit ihrer Väter verschuldete,
  14584. wird sie selbst zum Kampfe zwingen. Die deutsche Jugend
  14585. wird dereinst entweder der Bauherr eines neuen völkischen
  14586. Staates sein, oder sie wird als letzter Zeuge den völligen
  14587. Zusammenbruch, das Ende der bürgerlichen Welt erleben.
  14588. Denn wenn eine Generation unter Fehlern leidet, die sie
  14589. erkennt, ja sogar zugibt, um sich dann trotzdem, wie dies
  14590. heute von seiten unserer bürgerlichen Welt geschieht, mit
  14591. der billigen Erklärung zu begnügen, daß dagegen doch
  14592. nichts zu machen sein, dann ist eine solche Gesellschaft dem
  14593. Untergang verfallen. Das Charakteristische an unserer
  14594. bürgerlichen Welt ist es aber gerade, daß sie die Gebrechen
  14595. an sich gar nicht mehr zu leugnen vermag. Sie muß zugeben, daß vieles faul und schlecht ist, aber sie findet den
  14596. Entschluß nicht mehr, sich gegen das Übel aufzubäumen,
  14597. die Kraft eines Sechzig- oder Siebzigmillionenvolkes mit
  14598. verbissener Energie zusammenzuraffen und so der Gefahr
  14599. entgegenzustemmen. Im Gegenteil: wenn es anderswo geschieht, dann werden noch blöde Glossen darüber gerissen,
  14600. und man versucht wenigstens aus der Ferne die theoretische
  14601. Unmöglichkeit des Verfahrens nachzuweisen und den Erfolg
  14602. als undenkbar zu erklären. Kein Grund ist dabei einfältig
  14603. genug, um nicht als Stütze für die eigene Zwerghaftigkeit
  14604. und ihre geistige Einstellung zu dienen. Wenn zum Beispiel ein ganzer Kontinent der Alkoholvergiftung endlich den Kampf ansagt, um ein Volk aus den Klammern
  14605. dieses verheerenden Lasters herauszulösen, dann hat unsere europäische bürgerliche Welt dafür nichts übrig als
  14606. ein nichtssagendes Glotzen und Kopfschütteln, ein überlegenes Lächerlichfinden – das sich bei dieser lächerlichsten Gesellschaft besonders gut ausnimmt. Wenn aber
  14607. alles nichts nützt und dem erhabenen, unantastbaren
  14608. Schlendrian an irgendeiner Stelle der Welt dennoch entgegengetreten wird, und gar mit Erfolg, dann muß, wie
  14609. gesagt, wenigstens d i e s e r angezweifelt und herunter-
  14610. Energielosigkeit des Bürgertums
  14611. 451
  14612. gesetzt werden, wobei man sich nicht einmal scheut, bürgerlich-moralische Gesichtspunkte gegen einen Kampf ins
  14613. Treffen zu bringen, der mit der größten Unmoral aufzuräumen sucht.
  14614. Nein, darüber sollen wir uns alle gar keiner Täuschung
  14615. hingeben: Unser derzeitiges Bürgertum ist für jede erhabene Aufgabe der Menschheit bereits wertlos geworden,
  14616. einfach, weil es qualitätslos, zu schlecht ist; und es ist zu
  14617. schlecht, weniger aus – meinetwegen – g e w o l l t e r
  14618. Schlechtigkeit heraus, als vielmehr infolge der unglaublichen Indolenz und allem, was aus ihr entspringt. Daher
  14619. sind auch jene politischen Klubs, die unter dem Sammelbegriff „bürgerliche Parteien“ sich herumtreiben, schon
  14620. längst nichts anderes mehr als Interessengemeinschaften
  14621. bestimmter Berufsgruppen und Standesklassen, und ihre
  14622. erhabenste Aufgabe ist nur mehr die bestmögliche egoistische Interessenvertretung. Daß eine solche politisierende
  14623. „Bourgeois“-Gilde zu allem eher taugt als zum Kampf,
  14624. liegt auf der Hand; besonders aber, wenn die Gegenseite
  14625. nicht aus vorsichtigen Pfeffersäcken, sondern aus Proletariermassen besteht, die zum äußersten aufgehetzt und
  14626. zum letzten entschlossen sind.
  14627. Wenn wir als erste Aufgabe des Staates im Dienste
  14628. und zum Wohle seines Volkstums die Erhaltung, Pflege
  14629. und Entwicklung der besten rassischen Elemente erkennen,
  14630. so ist es natürlich, daß sich diese Sorgfalt nicht nur bis
  14631. zur Geburt des jeweiligen kleinen jungen Volks- und Rassegenossen zu erstrecken hat, sondern daß sie aus dem jungen
  14632. Sprößling auch ein wertvolles Glied für eine spätere Weitervermehrung erziehen muß.
  14633. Und so wie im allgemeinen die Voraussetzung geistiger
  14634. Leistungsfähigkeit in der rassischen Qualität des gegebenen
  14635. Menschenmaterials liegt, so muß auch im einzelnen die Erziehung zuallererst die körperliche Gesundheit ins Auge
  14636. fassen und fördern; denn in der Masse genommen wird
  14637. 452
  14638. Erziehungsgrundsätze des völkischen Staates
  14639. sich ein gesunder, kraftvoller Geist auch nur in einem gesunden und kraftvollen Körper finden. Die Tatsache, daß
  14640. Genies manches Mal körperlich wenig gutgebildete, ja sogar kranke Wesen sind, hat nichts dagegen zu sagen. Hier
  14641. handelt es sich um Ausnahmen, die – wie überall – die
  14642. Regel nur bestätigen. Wenn ein Volk aber in seiner Masse
  14643. aus körperlichen Degeneraten besteht, so wird sich aus diesem Sumpf nur höchst selten ein wirklich großer Geist erheben. Seinem Wirken aber wird wohl auf keinen Fall
  14644. mehr ein großer Erfolg beschieden sein. Das heruntergekommene Pack wird ihn entweder überhaupt nicht verstehen,
  14645. oder es wird willensmäßig so geschwächt sein, daß es dem
  14646. Höhenflug eines solchen Adlers nicht mehr zu folgen vermag.
  14647. Der völkische Staat hat in dieser Erkenntnis seine gesamte Erziehungsarbeit
  14648. in erster Linie nicht auf das Einpumpen
  14649. bloßen Wissens einzustellen, sondern auf
  14650. das Heranzüchten kerngesunder Körperbildung der geistigen Fähigkeiten. Hier
  14651. aber wieder an der Spitze die Entwicklung
  14652. des Charakters, besonders die Förderung
  14653. der Willens- und Entschlußkraft, verbunden mit der Erziehung zur Verantwortungsfreudigkeit, und erst als letztes die wissenschaftliche Schulung.
  14654. Der völkische Staat muß dabei von der Voraussetzung
  14655. ausgehen, d a ß
  14656. ein
  14657. zwar
  14658. wissenschaftlich
  14659. wenig gebildeter, aber körperlich gesunder Mensch mit gutem, festem Charakter,
  14660. erfüllt von Entschlußfreudigkeit und Willenskraft, für die Volksgemeinschaft wertvoller ist als ein geistreicher Schwächling.
  14661. Ein Volk von Gelehrten wird, wenn diese dabei körperlich
  14662. degenerierte, willensschwache und feige Pazifisten sind, den
  14663. Himmel nicht zu erobern, ja nicht einmal auf dieser Erde sich
  14664. das Dasein zu sichern vermögen. Im schweren Schicksals-
  14665. Erziehungsgrundsätze des völkischen Staates
  14666. 453
  14667. kampf unterliegt selten der, der am wenigsten weiß, sondern immer derjenige, der aus seinem Wissen die schwächsten Konsequenzen zieht und sie am kläglichsten in die Tat
  14668. umsetzt. Endlich muß auch hier eine bestimmte Harmonie
  14669. vorhanden sein. E i n v e r f a u l t e r K ö r p e r w i r d d u r c h
  14670. einen strahlenden Geist nicht im geringsten
  14671. ä s t h e t i s c h e r g e m a c h t , ja, es ließe sich höchste Geistesbildung gar nicht rechtfertigen, wenn ihre Träger gleichzeitig körperlich verkommene und verkrüppelte, im Charakter willensschwache, schwankende und feige Subjekte
  14672. wären. Was das griechische Schönheitsideal unsterblich sein
  14673. läßt, ist die wundervolle Verbindung herrlichster körperlicher Schönheit mit strahlendem Geist und edelster Seele.
  14674. Wenn der Moltkesche Ausspruch: „Glück hat auf die
  14675. Dauer doch nur der Tüchtige“ Geltung besitzt, so sicherlich
  14676. für das Verhältnis von Körper und Geist: Auch der Geist
  14677. wird, wenn er gesund ist, in der Regel und auf die Dauer
  14678. nur in gesundem Körper wohnen.
  14679. Die körperliche Ertüchtigung ist daher im völkischen
  14680. Staat nicht eine Sache des einzelnen, auch nicht eine Angelegenheit, die in erster Linie die Eltern angeht, und die
  14681. erst in zweiter oder dritter die Allgemeinheit interessiert,
  14682. sondern eine Forderung der Selbsterhaltung des durch den
  14683. Staat vertretenen und geschützten Volkstums. So wie der
  14684. Staat, was die rein wissenschaftliche Ausbildung betrifft,
  14685. schon heute in das Selbstbestimmungsrecht des einzelnen
  14686. eingreift und ihm gegenüber das Recht der Gesamtheit
  14687. wahrnimmt, indem er, ohne Befragung des Wollens oder
  14688. Nichtwollens der Eltern, das Kind dem Schulzwang unterwirft, so muß in noch viel höherem Maße der völkische
  14689. Staat dereinst seine Autorität durchsetzen gegenüber der
  14690. Unkenntnis oder dem Unverständnis des einzelnen in den
  14691. Fragen der Erhaltung des Volkstums. Er hat seine Erziehungsarbeit so einzuteilen, daß die jungen Körper schon in
  14692. ihrer frühesten Kindheit zweckentsprechend behandelt werden und die notwendige Stählung für das spätere Leben
  14693. erhalten. Er muß vor allem dafür sorgen, daß nicht eine
  14694. Generation von Stubenhockern herangebildet wird.
  14695. 454
  14696. Erziehungsgrundsätze des völkischen Staates
  14697. Diese Pflege- und Erziehungsarbeit hat schon einzusetzen
  14698. bei der jungen Mutter. So wie es möglich wurde, im Laufe
  14699. einer jahrzehntelangen sorgfältigen Arbeit infektionsfreie
  14700. Reinlichkeit bei der Geburt zu erzielen und das Kindbettfieber auf wenige Fälle zu beschränken, so muß es und wird
  14701. es möglich sein, durch gründliche Ausbildung von Schwestern und der Mütter selber schon in den ersten Jahren
  14702. des Kindes eine Behandlung herbeizuführen, die als vorzügliche Grundlage für die spätere Entwicklung dient.
  14703. Die Schule als solche muß in einem völkischen Staat unendlich mehr Zeit frei machen für die körperliche Ertüchtigung. Es geht nicht an, die jungen Gehirne mit einem
  14704. Ballast zu beladen, den sie erfahrungsgemäß nur zu einem
  14705. Bruchteil behalten, wobei zudem meist anstatt des Wesentlichen die unnötigen Nebensächlichkeiten hängenbleiben, da
  14706. das junge Menschenkind eine vernünftige Siebung des ihm
  14707. eingetrichterten Stoffes gar nicht vorzunehmen vermag.
  14708. Wenn heute, selbst im Lehrplan der Mittelschulen, Turnen
  14709. in einer Woche mit knappen zwei Stunden bedacht und die
  14710. Teilnahme daran sogar als nicht obligatorisch dem einzelnen
  14711. freigegeben wird, so ist dies, verglichen zur rein geistigen
  14712. Ausbildung, ein krasses Mißverhältnis. Es dürfte kein Tag
  14713. vergehen, an dem der junge Mensch nicht mindestens vormittags und abends je eine Stunde lang körperlich geschult
  14714. wird, und zwar in jeder Art von Sport und Turnen. Hierbei darf besonders ein Sport nicht vergessen werden, der
  14715. in den Augen von gerade sehr vielen „Völkischen“ als
  14716. roh und unwürdig gilt: das Boxen. Es ist unglaublich,
  14717. was für falsche Meinungen darüber in den „Gebildeten“kreisen verbreitet sind. Daß der junge Mensch fechten lernt
  14718. und sich dann herumpaukt, gilt als selbstverständlich und
  14719. ehrenwert, daß er aber boxt, das soll roh sein! Warum?
  14720. Es gibt keinen Sport, der wie dieser den Angriffsgeist in
  14721. gleichem Maße fördert, blitzschnelle Entschlußkraft verlangt,
  14722. den Körper zu stählerner Geschmeidigkeit erzieht. Es ist
  14723. nicht roher, wenn zwei junge Menschen eine Meinungsverschiedenheit mit den Fäusten ausfechten als mit einem geschliffenen Stück Eisen. Es ist auch nicht unedler, wenn ein
  14724. Wert des Sportes
  14725. 455
  14726. Angegriffener sich seines Angreifers mit der Faust erwehrt,
  14727. statt davonzulaufen und nach einem Schutzmann zu schreien.
  14728. Vor allem aber, der junge, gesunde Knabe soll auch Schläge
  14729. ertragen lernen. Das mag in den Augen unserer heutigen
  14730. Geisteskämpfer natürlich als wild erscheinen. Doch hat der
  14731. völkische Staat eben nicht die Aufgabe, eine Kolonie friedsamer Ästheten und körperlicher Degeneraten aufzuzüchten. Nicht im ehrbaren Spießbürger oder der tugendsamen
  14732. alten Jungfer sieht er sein Menschheitsideal, sondern in der
  14733. trotzigen Verkörperung männlicher Kraft und in Weibern,
  14734. die wieder Männer zur Welt zu bringen vermögen.
  14735. So ist überhaupt der Sport nicht nur dazu da, den einzelnen stark, gewandt und kühn zu machen, sondern er soll
  14736. auch abhärten und lehren, Unbilden zu ertragen.
  14737. Würde unsere gesamte geistige Oberschicht einst nicht so
  14738. ausschließlich in vornehmen Anstandslehren erzogen worden sein, hätte sie an Stelle dessen durchgehends Boxen gelernt, so wäre eine deutsche Revolution von Zuhältern,
  14739. Deserteuren und ähnlichem Gesindel niemals möglich gewesen; denn was dieser Erfolg schenkte, war nicht die
  14740. kühne, mutige Tatkraft der Revolutionsmacher, sondern die
  14741. feige, jämmerliche Entschlußlosigkeit derjenigen, die den
  14742. Staat leiteten und für ihn verantwortlich waren. Allein
  14743. unsere gesamte geistige Führung war nur mehr „geistig“
  14744. erzogen worden und mußte damit in dem Augenblick wehrlos sein, in dem von der gegnerischen Seite statt geistiger
  14745. Waffen eben das Brecheisen in Aktion trat. Das war aber
  14746. alles nur möglich, weil besonders unsere höhere Schulbildung grundsätzlich nicht Männer heranzog, sondern vielmehr
  14747. Beamte, Ingenieure, Techniker, Chemiker, Juristen, Literaten und, damit diese Geistigkeit nicht ausstirbt, Professoren.
  14748. Unsere geistige Führung hat immer Blendendes geleistet,
  14749. während unsere willensmäßige meist unter aller Kritik
  14750. blieb.
  14751. Sicherlich wird man durch Erziehung aus einem grundsätzlich feig veranlagten Menschen keinen mutigen zu machen
  14752. vermögen, allein ebenso sicher wird auch ein an sich nicht
  14753. mutloser Mensch in der Entfaltung seiner Eigenschaften ge-
  14754. 456
  14755. Suggestive Kraft des Selbstvertrauens
  14756. lähmt, wenn er durch Mängel seiner Erziehung in seiner
  14757. körperlichen Kraft und Gewandtheit dem anderen von vornherein unterlegen ist. Wie sehr die Überzeugung körperlicher Tüchtigkeit das eigene Mutgefühl fördert, ja den Angriffsgeist erweckt, kann man am besten am Heer ermessen.
  14758. Auch hier sind grundsätzlich nicht lauter Helden vorhanden
  14759. gewesen, sondern breiter Durchschnitt. Allein die überlegene
  14760. Ausbildung des deutschen Soldaten in der Friedenszeit
  14761. impfte dem ganzen Riesenorganismus jenen suggestiven
  14762. Glauben an die eigene Überlegenheit in einem Umfange
  14763. ein, den selbst unsere Gegner nicht für möglich gehalten
  14764. hatten. Denn was in den ganzen Monaten des Hochsommers und Herbstes 1914 von den vorwärtsfegenden deutschen Armeen an unsterblichem Angriffsgeist und Angriffsmut geleistet wurde, war das Ergebnis jener unermüdlichen Erziehung, die in den langen, langen Friedensjahren
  14765. aus den oft schwächlichen Körpern die unglaublichsten Leistungen herausholte, und so jenes Selbstvertrauen erzog,
  14766. das auch im Schrecken der größten Schlachten nicht verlorenging.
  14767. Gerade unser deutsches Volk, das heute
  14768. zusammengebrochen
  14769. den
  14770. Fußtritten
  14771. der
  14772. anderen
  14773. Welt
  14774. preisgegeben
  14775. daliegt,
  14776. braucht jene suggestive Kraft, die im
  14777. Selbstvertrauen liegt. Dieses Selbstvertrauen aber muß schon von Kindheit auf
  14778. dem jungen Volksgenossen anerzogen werden. Seine gesamte Erziehung und Ausbildung muß darauf angelegt werden, ihm
  14779. die Überzeugung zu geben, anderen unbedingt überlegen zu sein. Er muß in seiner
  14780. körperlichen Kraft und Gewandtheit den
  14781. Glauben an die Unbesiegbarkeit seines
  14782. ganzen Volkstums wiedergewinnen. Denn
  14783. was die deutsche Armee einst zum Siege
  14784. führte, war die Summe des Vertrauens,
  14785. das jeder einzelne zu sich und alle gemeinsam zu ihrer Führung besaßen. Was das
  14786. Eitelkeit im Dienst der Erziehung
  14787. 457
  14788. deutsche Volk wieder emporrichten wird,
  14789. ist die Überzeugung von der Möglichkeit
  14790. der Wiedererringung der Freiheit. Diese
  14791. Überzeugung aber kann nur das Schlußprodukt der gleichen Empfindung von Millionen einzelner darstellen.
  14792. Auch hier gebe man sich keiner Täuschung hin:
  14793. Ungeheuerlich war der Zusammenbruch unseres Volkes,
  14794. ebenso ungeheuerlich aber wird die Anstrengung sein müssen, um eines Tages diese Not zu beenden. Wer glaubt, daß
  14795. unser Volk aus unserer jetzigen bürgerlichen Erziehungsarbeit zur Ruhe und Ordnung die Kraft erhält, eines
  14796. Tages die heutige Weltordnung, die unseren Untergang
  14797. bedeutet, zu zerbrechen und die Kettenglieder unserer Sklaverei den Gegnern ins Gesicht zu schlagen, der irrt bitter.
  14798. Nur durch ein Übermaß an nationaler Willenskraft, an
  14799. Freiheitsdurst und höchster Leidenschaft wird wieder ausgeglichen werden, was uns einst fehlte.
  14800. Auch die Kleidung der Jugend soll diesem Zwecke angepaßt werden. Es ist ein wahrer Jammer, sehen zu müssen,
  14801. wie auch unsere Jugend bereits einem Modewahnsinn unterworfen ist, der so recht mithilft, den Sinn des alten
  14802. Spruches: „Kleider machen Leute“, in einen verderblichen
  14803. umzukehren.
  14804. Gerade bei der Jugend muß auch die Kleidung in den
  14805. Dienst der Erziehung gestellt werden. Der Junge, der im
  14806. Sommer mit langen Röhrenhosen herumläuft, eingehüllt
  14807. bis an den Hals, verliert schon in seiner Bekleidung ein
  14808. Antriebsmittel für seine körperliche Ertüchtigung. Denn
  14809. auch der Ehrgeiz und, sagen wir es ruhig, die Eitelkeit
  14810. muß herangezogen werden. Nicht die Eitelkeit auf schöne
  14811. Kleider, die sich nicht jeder kaufen kann, sondern die Eitelkeit auf einen schönen, wohlgeformten Körper, den jeder
  14812. mithelfen kann, zu bilden.
  14813. 458
  14814. Beaufsichtigung zwischen Schul- und Militärzeit
  14815. Auch für später ist dies zweckmäßig. Das Mädchen soll
  14816. seinen Ritter kennenlernen. Würde nicht die körperliche
  14817. Schönheit heute vollkommen in den Hintergrund gedrängt
  14818. durch unser laffiges Modewesen, wäre die Verführung von
  14819. Hunderttausenden von Mädchen durch krummbeinige, widerwärtige Judenbankerte gar nicht möglich. Auch dies ist
  14820. im Interesse der Nation, daß sich die schönsten Körper finden und so mithelfen, dem Volkstum neue Schönheit zu
  14821. schenken.
  14822. Heute wäre dies alles freilich am allernötigsten, weil die
  14823. militärische Erziehung fehlt und damit die einzige Einrichtung ausgeschieden ist, die im Frieden wenigstens teilweise
  14824. einholte, was durch unsere sonstige Erziehung versäumt
  14825. wurde. Und auch dort war der Erfolg nicht nur in der Ausbildung des einzelnen an sich zu suchen, sondern in dem
  14826. Einfluß, den er auf das Verhältnis der beiden Geschlechter
  14827. untereinander ausübte. Das junge Mädchen zog den Soldaten dem Nichtsoldaten vor.
  14828. Der völkische Staat hat die körperliche Ertüchtigung nicht
  14829. nur in den offiziellen Schuljahren durchzuführen und zu
  14830. überwachen, er muß auch in der Nachschulzeit dafür Sorge
  14831. tragen, daß, solange ein Junge in der körperlichen Entwicklung begriffen ist, diese Entwicklung zu seinem Segen ausschlägt. Es ist ein Unsinn, zu glauben, daß mit dem Ende
  14832. der Schulzeit das Recht des Staates auf die Beaufsichtigung seiner jungen Bürger plötzlich aussetzt, um mit der
  14833. Militärzeit wiederzukommen. Dieses Recht ist eine Pflicht
  14834. und als solche immer gleichmäßig vorhanden. Der heutige
  14835. Staat, der kein Interesse an gesunden Menschen besitzt, hat
  14836. nur diese Pflicht in verbrecherischer Weise außer acht gelassen. Er läßt die heutige Jugend auf Straßen und in Bordells verkommen, statt sie an die Zügel zu nehmen und körperlich so lange weiterzubilden, bis eines Tages ein gesunder Mann und ein gesundes Weib daraus erwachsen sind.
  14837. In welcher Form der Staat diese Erziehung weiterführt, kann heute gleichgültig sein, das Wesentliche ist, daß
  14838. er’s tut und die Wege sucht, die dem nützen. Der völkische
  14839. Staat wird genau so wie die geistige Erziehung auch die
  14840. Das Heer als letzte und höchste Schule
  14841. 459
  14842. körperliche Ausbildung der Nachschulzeit als staatliche Aufgabe betrachten müssen und durch staatliche Einrichtungen
  14843. durchzuführen haben. Dabei kann diese Erziehung in großen Zügen schon die Vorbildung für den späteren Heeresdienst sein. Das Heer soll dann dem jungen Mann nicht
  14844. mehr wie bisher die Grundbegriffe des einfachsten Exerzierreglements beizubringen haben, es wird auch nicht Rekruten im heutigen Sinne zugeführt erhalten, es soll vielmehr den körperlich bereits tadellos vorgebildeten jungen
  14845. Menschen nur mehr in den Soldaten verwandeln.
  14846. Im völkischen Staat soll also das Heer nicht mehr dem einzelnen Gehen und Stehen beibringen, sondern es hat als die
  14847. letzte und höchste Schule vaterländischer Erziehung zu gelten. Der junge Rekrut soll im Heere die nötige Waffenausbildung erhalten, er soll aber zugleich auch weitergeformt
  14848. werden für sein sonstiges späteres Leben. An der Spitze der
  14849. militärischen Erziehung aber hat das zu stehen, was schon
  14850. dem alten Heer als höchstes Verdienst angerechnet werden
  14851. mußte: In dieser Schule soll der Knabe zum Mann gewandelt werden; und in dieser Schule soll er nicht nur gehorchen lernen, sondern dadurch auch die Voraussetzung zum
  14852. späteren Befehlen erwerben. Er soll lernen zu schweigen,
  14853. nicht nur, wenn er mit R e c h t getadelt wird, sondern soll
  14854. auch lernen, wenn nötig, U n r e c h t schweigend zu ertragen.
  14855. Er soll weiter, gefestigt durch den Glauben an seine eigene
  14856. Kraft, erfaßt von der Stärke des gemeinsam empfundenen
  14857. Korpsgeistes, die Überzeugung von der Unüberwindlichkeit
  14858. seines Volkstums gewinnen.
  14859. Nach Beendigung der Heeresdienstleistung sind ihm zwei
  14860. Dokumente auszustellen: sein S t a a t s b ü r g e r d i p l o m
  14861. als Rechtsurkunde, die ihm nunmehr öffentliche Betätigung
  14862. gestattet, und sein G e s u n d h e i t s a t t e s t als Bestätigung körperlicher Gesundheit für die Ehe.
  14863. Analog der Erziehung des Knaben kann der völkische
  14864. Staat auch die Erziehung des Mädchens von den gleichen
  14865. Gesichtspunkten aus leiten. Auch dort ist das Hauptgewicht
  14866. vor allem auf die körperliche Ausbildung zu legen, erst
  14867. dann auf die Förderung der seelischen und zuletzt der gei-
  14868. 460
  14869. Bildung des Charakters
  14870. stigen Werte. Das Z i e l der weiblichen Erziehung hat
  14871. unverrückbar die kommende Mutter zu sein.
  14872. E r s t i n z w e i t e r L i n i e hat der völkische Staat die
  14873. Bildung des C h a r a k t e r s in jeder Weise zu fördern.
  14874. Sicherlich sind die wesentlichen Charaktereigenschaften im
  14875. einzelnen Menschen grundsätzlich vorgebildet: der egoistisch
  14876. Veranlagte ist und bleibt dies einmal für immer, genau so wie der Idealist im Grunde seines Wesens stets
  14877. Idealist sein wird. Allein zwischen den restlos ausgeprägten
  14878. Charakteren stehen doch Millionen von verschwommen und
  14879. unklar erscheinenden. Der geborene Verbrecher wird Verbrecher sein und bleiben; aber zahlreiche Menschen, bei
  14880. denen bloß eine gewisse Hinneigung zum Verbrecherischen
  14881. vorhanden ist, können durch richtige Erziehung noch zu
  14882. wertvollen Gliedern der Volksgemeinschaft werden; während
  14883. umgekehrt durch schlechte Erziehung aus schwankenden
  14884. Charakteren wirklich schlechte Elemente erwachsen können.
  14885. Wie oft wurde im Kriege Klage darüber geführt, daß
  14886. unser Volk so wenig s c h w e i g e n könne! Wie schwer war
  14887. es dadurch, selbst wichtige Geheimnisse der Kenntnis der
  14888. Feinde zu entziehen! Allein man stelle sich doch die Frage:
  14889. Was hat vor dem Kriege die deutsche Erziehung dafür getan, den einzelnen zur Verschwiegenheit zu bilden? Wurde
  14890. nicht leider schon in der Schule der kleine A n g e b e r manchesmal seinen verschwiegeneren Mitgefährten gegenüber
  14891. vorgezogen? Wurde und wird nicht Angeberei als rühmliche „Offenheit“ und Verschwiegenheit als schmähliche Verstocktheit angesehen? Hat man sich überhaupt bemüht, Verschwiegenheit als männlich wertvolle Tugend hinzustellen?
  14892. Nein, denn in den Augen unserer heutigen Schulerziehung
  14893. sind das Lappalien. Allein diese Lappalien kosten dem
  14894. Staat ungezählte Millionen Gerichtskosten, denn 90 Prozent aller Beleidigungs- und ähnlichen Prozesse entstanden
  14895. nur aus Mangel an Verschwiegenheit. Verantwortungslos
  14896. getane Äußerungen werden ebenso leichtsinnig weiter-
  14897. Erziehung zur Verschwiegenheit
  14898. 461
  14899. getratscht, unsere Volkswirtschaft wird ständig durch leichtfertige Preisgabe wichtiger Fabrikationsmethoden usw. geschädigt, ja sogar alle stillen Vorbereitungen einer Landesverteidigung werden illusorisch gemacht, da das Volk eben
  14900. nicht schweigen gelernt hat, sondern alles weiterredet. Im
  14901. Kriege aber kann diese Schwatzsucht bis zum Verlust von
  14902. Schlachten führen und so wesentlich beitragen zum unglücklichen Ausgang des Kampfes. Man soll auch hier überzeugt
  14903. sein, daß, was in der Jugend nicht geübt wurde, im Alter
  14904. nicht gekonnt wird. Hierher gehört es auch, daß der Lehrer
  14905. z.B. sich grundsätzlich nicht von dummen Jungenstreichen
  14906. Kenntnis zu verschaffen sucht durch das Heranzüchten übler
  14907. Angeberei. Die Jugend hat ihren Staat für sich, sie steht
  14908. dem Erwachsenen in einer gewissen geschlossenen Solidarität
  14909. gegenüber, und dies ist selbstverständlich. Die Bindung
  14910. des Zehnjährigen zu seinem gleich alten Gefährten ist eine
  14911. natürlichere und größere als die zu dem Erwachsenen. Ein
  14912. Junge, der seinen Kameraden angibt, übt V e r r a t und
  14913. betätigt damit eine Gesinnung, die, schroff ausgedrückt und
  14914. ins Große übertragen, der des Landesverräters genau entspricht. So ein Knabe kann keineswegs als „b r a v e s ,
  14915. a n s t ä n d i g e s “ Kind angesehen werden, sondern als ein
  14916. Knabe von wenig wertvollen Charaktereigenschaften. Für
  14917. den Lehrer mag es bequem sein, zur Erhöhung seiner
  14918. Autorität sich derartiger Untugenden zu bedienen, allein in
  14919. das jugendliche Herz wird damit der Keim einer Gesinnung
  14920. gelegt, die sich später verhängnisvoll auswirken kann.
  14921. Schon mehr als einmal ist aus einem kleinen Angeber ein
  14922. großer Schuft geworden!
  14923. Dies soll nur ein Beispiel für viele sein. Heute ist die
  14924. bewußte Entwicklung guter, edler Charaktereigenschaften in
  14925. der Schule gleich Null. Dereinst muß darauf ganz anderes
  14926. Gewicht gelegt werden. T r e u e , O p f e r w i l l i g k e i t ,
  14927. V e r s c h w i e g e n h e i t sind Tugenden, die ein großes
  14928. Volk nötig b r a u c h t , und deren Anerziehung und Ausbildung in der Schule wichtiger ist als manches von dem,
  14929. was zur Zeit unsere Lehrpläne ausfüllt. Auch das Aberziehen von weinerlichem Klagen, von wehleidigem Heu-
  14930. 462
  14931. Ausbildung der Willens- und Entschlußkraft
  14932. len usw. gehört in dieses Gebiet. Wenn eine Erziehung vergißt, schon beim Kinde darauf hinzuwirken, daß auch Leiden
  14933. und Unbill einmal schweigend ertragen werden müssen,
  14934. darf sie sich nicht wundern, wenn später in kritischer Stunde,
  14935. z.B. wenn einst der Mann an der Front steht, der ganze
  14936. Postverkehr einzig der Beförderung von gegenseitigen Jammer- und Winselbriefen dient. Wenn unserer Jugend in
  14937. den Volksschulen etwas weniger Wissen eingetrichert worden wäre und dafür mehr Selbstbeherrschung, so hätte sich
  14938. dies in den Jahren 1915/18 reich gelohnt.
  14939. So hat der völkische Staat in seiner Erziehungsarbeit
  14940. neben der körperlichen gerade auf die charakterliche Ausbildung höchsten Wert zu legen. Zahlreiche moralische Gebrechen, die unser heutiger Volkskörper in sich trägt, können durch eine so eingestellte Erziehung wenn schon nicht
  14941. ganz beseitigt, so doch sehr gemildert werden.
  14942. Von höchster Wichtigkeit ist die Ausbildung der Willens- und Entschlußkraft sowie die Pflege der Verantwortungsfreudigkeit.
  14943. Wenn beim Heer einst der Grundsatz galt, daß ein Befehl immer besser ist als keiner, so muß dies bei der Jugend
  14944. zunächst heißen: Eine Antwort ist immer besser als keine.
  14945. Die Furcht, aus Angst Falsches zu sagen, keine Antwort zu
  14946. geben, muß beschämender sein als eine unrichtig gegebene
  14947. Antwort. Von dieser primitivsten Grundlage aus ist die
  14948. Jugend dahingehend zu erziehen, daß sie den Mut zur Tat
  14949. erhält.
  14950. Man hat sich oft beklagt, daß in den Zeiten des Novembers
  14951. und Dezembers 1918 aber auch alle Stellen versagten,
  14952. daß von den Monarchen angefangen bis herunter zum letzten Divisionär niemand mehr die Kraft zu einem selbständigen Entschluß aufzubringen vermochte. Diese furchtbare
  14953. Tatsache ist ein Menetekel unserer Erziehung, denn in dieser
  14954. grausamen Katastrophe hat sich nur in einem ins Riesengroße verzerrten Maßstab geäußert, was im Kleinen all-
  14955. Pflege zur Verantwortungsfreudigkeit
  14956. 463
  14957. gemein vorhanden war. Dieser Mangel an Wille ist es,
  14958. und nicht der Mangel an Waffen, der uns heute zu jedem
  14959. ernstlichenWiderstand unfähig macht. Er sitzt in unserem
  14960. ganzen Volk drinnen, verhindert jeden Entschluß, mit dem
  14961. ein Risiko verbunden ist, als ob die Größe einer Tat nicht
  14962. gerade im Wagnis bestünde. Ohne es zu ahnen, hat ein
  14963. deutscher General es fertiggebracht, für diese jammervolle
  14964. Willenslosigkeit die klassische Formel zu finden: „Ich handle
  14965. nur, wenn ich mit einundfünfzig Prozent Wahrscheinlichkeit
  14966. des Erfolges zu rechnen vermag.“ In diesen „einundfünfzig
  14967. Prozent“ liegt die Tragik des deutschen Zusammenbruches
  14968. begründet: wer vom Schicksal erst die Bürgschaft für den
  14969. Erfolg fordert, verzichtet damit von selbst auf die Bedeutung einer heroischen Tat. Denn diese liegt darin, daß man
  14970. in der Überzeugung von der Todesgefährlichkeit eines Zustandes den Schritt unternimmt, der vielleicht zum Erfolg
  14971. führen kann. Ein Krebskranker, dessen Tod andernfalls
  14972. gewiß ist, braucht nicht erst einundfünfzig Prozent auszurechnen, um eine Operation zu wagen. Und wenn diese
  14973. auch nur mit einem halben Prozent Wahrscheinlichkeit
  14974. Heilung verspricht, wird ein mutiger Mann sie wagen, im
  14975. anderen Falle mag er nicht ums Leben wimmern.
  14976. Die Seuche der heutigen feigen Willens- und Entschlußlosigkeit ist aber, alles in allem genommen, hauptsächlich
  14977. das Ergebnis unserer grundsätzlich verfehlten Jugenderziehung, deren verheerende Wirkung sich ins spätere Leben
  14978. hinein fortpflanzt und in der mangelnden Zivilcourage
  14979. der leitenden Staatsmänner ihren letzten Abschied und ihre
  14980. letzte Krönung findet.
  14981. In die gleiche Linie fällt auch die heute grassierende
  14982. Feigheit vor Verantwortung. Auch hier liegt der Fehler
  14983. schon in der Jugenderziehung, durchsetzt dann das ganze
  14984. öffentliche Leben und findet in der parlamentarischen
  14985. Regierungsinstitution seine unsterbliche Vollendung.
  14986. Schon in der Schule legt man leider mehr Wert auf das
  14987. „reumütige“ Geständnis und das „zerknirschte Abschwören“
  14988. des kleinen Sünders als auf ein freimütiges Bekenntnis.
  14989. Letzteres erscheint manchem Volksbildner von heute sogar
  14990. 464
  14991. Grundsätze für die wissenschaftliche Schulung
  14992. als sichtbarstes Merkmal einer unverbesserlichen Verworfenheit, und so manchem Jungen wird unglaublicherweise
  14993. der Galgen wegen Eigenschaften prophezeit, die von unschätzbarem Werte wären, bildeten sie das Gemeingut eines
  14994. ganzen Volkes.
  14995. Wie der völkische Staat dereinst der Erziehung des Willens und der Entschlußkraft höchste Aufmerksamkeit zu widmen
  14996. hat, so muß er schon von klein an Verantwortungsfreudigkeit
  14997. und
  14998. Bekenntnismut
  14999. i n d i e H e r z e n d e r J u g e n d s e n k e n . Nur wenn
  15000. er diese Notwendigkeit in ihrer vollen Bedeutung erkennt,
  15001. wird er endlich, nach jahrhundertelanger Bildungsarbeit
  15002. als Ergebnis einen Volkskörper erhalten, der nicht mehr
  15003. jenen Schwächen unterliegen wird, die heute so verhängnisvoll zu unserem Untergange beigetragen haben.
  15004. Die wissenschaftliche Schulbildung, die heutzutage ja
  15005. eigentlich das Um und Auf der gesamten staatlichen Erziehungsarbeit ist, wird mit nur geringen Veränderungen
  15006. vom völkischen Staat übernommen werden können. Diese
  15007. Änderungen liegen auf drei Gebieten.
  15008. Erstens soll das jugendliche Gehirn im
  15009. allgemeinen nicht mit Dingen belastet
  15010. werden, die es zu fünfundneunzig Prozent nicht braucht und daher auch wieder
  15011. v e r g i ß t . Besonders der Lehrplan von Volks- und Mittelschulen stellt heute ein Zwitterding dar; in vielen
  15012. Fällen der einzelnen Lehrgegenstände ist der Stoff des zu
  15013. Lernenden so angeschwollen, daß nur ein Bruchteil davon
  15014. im Kopfe des einzelnen erhalten bleibt und auch nur ein
  15015. Bruchteil dieser Fülle Verwendung finden kann, während
  15016. er anderseits doch wieder nicht für den Bedarf eines in
  15017. einem bestimmten Fach Arbeitenden und sein Brot Verdienenden ausreicht. Man nehme zum Beispiel den normalen
  15018. Staatsbeamten mit absolviertem Gymnasium oder absol-
  15019. Keine Überlastung des Gehirns
  15020. 465
  15021. vierter Oberrealschule in seinem fünfunddreißigsten oder
  15022. vierzigsten Lebensjahr vor und prüfe dessen einst mühsam eingepauktes Schulwissen nach. Wie wenig ist von
  15023. all dem damals eingetrichterten Zeug noch vorhanden!
  15024. Man wird freilich zur Antwort bekommen: „Ja, die
  15025. Menge des damals eingelernten Stoffes hatte eben
  15026. nicht nur den Zweck späteren Besitzes vielfacher Kenntnisse, sondern auch den einer Schulung der geistigen
  15027. Aufnahmefähigkeit, des Denkvermögens und besonders der
  15028. Merkkraft des Gehirns.“ Dies ist zum Teil richtig. Dennoch
  15029. liegt eine Gefahr darin, daß das jugendliche Gehirn mit
  15030. einer Flut von Eindrücken überschwemmt wird, die es in
  15031. den seltensten Fällen zu bewältigen und deren einzelne Elemente es nach ihrer größeren oder geringeren Wichtigkeit
  15032. weder zu sichten noch zu werten versteht; wobei zudem meist
  15033. nicht das Unwesentliche, sondern das Wesentliche vergessen und geopfert wird. So geht der hauptsächliche Zweck
  15034. dieses Viel-Lernens schon wieder verloren; denn er kann
  15035. doch nicht darin bestehen, durch ungemessene Häufung von
  15036. Lehrstoff das Gehirn an sich lernfähig zu machen, sondern
  15037. darin, dem späteren Leben jenen Schatz an Wissen mitzugeben, den der einzelne nötig hat und der durch ihn dann
  15038. wieder der Allgemeinheit zugute kommt. Dies wird aber
  15039. illusorisch, wenn der Mensch infolge der Überfülle des in
  15040. der Jugend ihm aufgedrängten Stoffes diesen später entweder überhaupt nicht mehr oder gerade das Wesentliche
  15041. davon längst nicht mehr besitzt. Es ist zum Beispiel nicht
  15042. einzusehen, warum Millionen von Menschen im Laufe der
  15043. Jahre zwei oder drei fremde Sprachen lernen müssen, die
  15044. sie dann nur zu einem Bruchteil verwerten können und deshalb auch in der Mehrzahl wieder vollkommen vergessen;
  15045. denn von hunderttausend Schülern, die zum Beispiel Französisch lernen, werden kaum zweitausend für diese Kenntnisse später eine ernstliche Verwendung haben, während
  15046. achtundneunzigtausend in ihrem ganzen weiteren Lebenslauf nicht mehr in die Lage kommen, das einst Gelernte
  15047. praktisch zu verwenden. Sie haben in ihrer Jugend mithin
  15048. Tausende von Stunden einer Sache hingegeben, die für
  15049. 466
  15050. Grundsätze für den Sprachunterricht
  15051. sie später ohne Wert und Bedeutung ist. Auch der Einwand, daß dieser Stoff zur allgemeinen Bildung gehört,
  15052. ist unrichtig, nachdem man das nur vertreten könnte, wenn
  15053. die Menschen ihr ganzes Leben hindurch über das Gelernte verfügten. So müssen wirklich wegen der zweitausend Menschen, für welche die Kenntnis dieser Sprache von
  15054. Nutzen ist, achtundneunzigtausend umsonst gequält werden
  15055. und wertvolle Zeit opfern.
  15056. Dabei handelt es sich in diesem Fall um eine Sprache,
  15057. von der man nicht einmal sagen kann, daß sie eine Schulung des scharfen logischen Denkens bedeute, wie es etwa
  15058. auf das Lateinische zutrifft. Daher würde es wesentlich
  15059. zweckmäßiger sein, wenn man dem jungen Studierenden
  15060. eine solche Sprache nur in ihren allgemeinen Umrissen oder,
  15061. besser gesagt, in ihrem inneren Aufriß vermittelte, ihm
  15062. also Kenntnis des hervorstechenden Wesens dieser Sprache
  15063. gäbe, ihn vielleicht einführte in das Grundsätzliche ihrer
  15064. Grammatik und Aussprache, Satzbildung usw. an Musterbeispielen erörterte. Dies genügte für den allgemeinen
  15065. Bedarf und wäre, weil leichter zu überblicken und zu
  15066. merken, wertvoller als das heutige Einpauken der gesamten
  15067. Sprache, die doch nicht wirklich beherrscht und später wieder
  15068. vergessen wird. Dabei würde auch die Gefahr vermieden,
  15069. daß aus der überwältigenden Fülle des Stoffes nur einzelne
  15070. zufällige, unzusammenhängende Brocken im Gedächtnis
  15071. bleiben, da der junge Mensch eben nur das Bemerkenswerteste zu lernen erhielte, mithin die Siebung nach Wert
  15072. oder Unwert bereits vorweggenommen wäre.
  15073. Die hierdurch vermittelte allgemeine Grundlage dürfte
  15074. den meisten überhaupt genügen, auch fürs weitere Leben,
  15075. während sie jenem anderen, der diese Sprache später wirklich braucht, die Möglichkeit gibt, auf ihr weiterzubauen
  15076. und in freier Wahl sich ihrem Erlernen gründlichst zu
  15077. widmen.
  15078. Dadurch wird im Lehrplan die nötige Zeit gewonnen
  15079. für körperliche Ertüchtigung sowie für die gesteigerten
  15080. Forderungen auf den vorher bereits erwähnten Gebieten.
  15081. Besonders muß eine Änderung der bisherigen Unter-
  15082. Grundsätze für den Geschichtsunterricht
  15083. 467
  15084. richtsmethode im Geschichtsunterricht vorgenommen werden. Es dürfte wohl kaum ein Volk mehr an Geschichte lernen als das deutsche; es wird aber kaum ein Volk geben, das
  15085. sie schlechter anwendet als das unsere. Wenn Politik werdende Geschichte ist, dann ist unsere geschichtliche Erziehung
  15086. durch die Art unserer politischen Betätigung gerichtet. Auch
  15087. hier geht es nicht an, über die jämmerlichen Ergebnisse
  15088. unserer politischen Leistungen zu maulen, wenn man nicht
  15089. entschlossen ist, für eine bessere Erziehung zur Politik zu
  15090. sorgen. Das Ergebnis unseres heutigen Geschichtsunterrichtes ist in neunundneunzig von hundert Fällen ein klägliches. Wenige Daten, Geburtsziffern und Namen pflegen
  15091. da übrigzubleiben, während es an einer großen, klaren
  15092. Linie gänzlich fehlt. Alles Wesentliche, auf das es eigentlich ankäme, wird überhaupt nicht gelehrt, sondern es bleibt
  15093. der mehr oder minder genialen Veranlagung des einzelnen
  15094. überlassen, aus der Flut von Daten, aus der Reihenfolge
  15095. von Vorgängen die inneren Beweggründe herauszufinden.
  15096. Man kann sich gegen diese bittere Feststellung sträuben soviel man will; man lese nur die während einer einzigen
  15097. Sitzungsperiode von unseren Herren Parlamentariern zu
  15098. politischen Problemen, etwa außenpolitischen Fragen, gehaltenen Reden aufmerksam durch; man bedenke dabei,
  15099. daß es sich hier – wenigstens behauptungsweise – um die
  15100. Auslese der deutschen Nation handelt, und daß jedenfalls
  15101. ein großer Teil dieser Leute die Bänke unserer Mittelschulen
  15102. drückte, teilweise sogar auf Hochschulen war, und man wird
  15103. daraus so recht ersehen können, wie gänzlich ungenügend
  15104. die geschichtliche Bildung dieser Menschen ist. Wenn sie
  15105. gar nicht Geschichte studiert hätten, sondern nur gesunden
  15106. Instinkt besäßen, würde es wesentlich besser und für die
  15107. Nation von größerem Nutzen sein.
  15108. Gerade im Geschichtsunterricht muß eine Kürzung des
  15109. Stoffes vorgenommen werden. Der Hauptwert liegt im
  15110. Erkennen der großen Entwicklungslinien. Je mehr der
  15111. Unterricht darauf beschränkt wird, um so mehr ist zu hoffen, daß dem einzelnen aus seinem Wissen später ein Vorteil erwächst, der summiert auch der Allgemeinheit zugute
  15112. 468
  15113. Allgemeine Bildung – Fachbildung
  15114. kommt. Denn man lernt eben nicht Geschichte, um nur zu
  15115. wissen, was gewesen ist, sondern man lernt Geschichte, um
  15116. in ihr eine Lehrmeisterin für die Zukunft und für den
  15117. Fortbestand des eigenen Volkstums zu erhalten. Das ist
  15118. der Z w e c k , und der geschichtliche Unterricht ist nur ein
  15119. M i t t e l zu ihm. Heute ist aber auch hier das Mittel zum
  15120. Zweck geworden, der Zweck scheidet vollkommen aus. Man
  15121. sage nicht, daß gründliches Geschichtsstudium die Beschäftigung mit all diesen einzelnen Daten eben erfordere, da ja
  15122. nur aus ihnen heraus eine Festlegung der großen Linie
  15123. stattfinden könne. Diese Festlegung ist Aufgabe der Fachwissenschaft. Der normale Durchschnittsmensch ist aber kein
  15124. Geschichtsprofessor. Für ihn ist die Geschichte in erster Linie
  15125. dazu da, ihm jenes Maß geschichtlichen Einblicks zu vermitteln, das nötig ist für eine eigene Stellungnahme in
  15126. den politischen Angelegenheiten seines Volkstums. Wer Geschichtsprofessor werden will, der mag sich diesem Studium
  15127. später auf das gründlichste widmen. Er wird sich selbstverständlich auch mit allen und selbst den kleinsten Details zu
  15128. beschäftigen haben. Dazu kann aber auch unser heutiger
  15129. Geschichtsunterricht nicht genügen; denn der ist für den
  15130. normalen Durchschnittsmenschen zu umfangreich, für den
  15131. Fachgelehrten aber dennoch viel zu beschränkt.
  15132. Es ist im übrigen die Aufgabe eines völkischen Staates, dafür zu sorgen, daß endlich eine Weltgeschichte geschrieben wird,
  15133. in der die Rassenfrage zur dominierenden
  15134. Stellung erhoben wird.
  15135. Zusammenfassend: Der völkische Staat wird den allgemeinen wissenschaftlichen Unterricht auf eine gekürzte, das
  15136. Wesentliche umschließende Form zu bringen haben. Darüber hinaus soll die Möglichkeit einer gründlichsten
  15137. fachwissenschaftlichen Ausbildung geboten werden. Es genügt, wenn der einzelne Mensch ein allgemeines, in großen
  15138. Zügen gehaltenes Wissen als Grundlage erhält, und nur
  15139. Wert der humanistischen Bildung
  15140. 469
  15141. auf dem Gebiet, welches dasjenige seines späteren Lebens
  15142. wird, gründlichste Fach- und Einzelausbildung genießt.
  15143. Die allgemeine Bildung müßte hierbei in allen Fächern
  15144. obligatorisch sein, die besondere Wahl dem einzelnen überlassen bleiben.
  15145. Die hierdurch erreichte Kürzung des Lehrplans und der
  15146. Stundenzahl kommt der Ausbildung des Körpers, des
  15147. Charakters, der Willens- und Entschlußkraft zugute.
  15148. Wie belanglos unser heutiger Schulunterricht, besonders
  15149. der Mittelschulen, für den Beruf des späteren Lebens ist,
  15150. wird am besten durch die Tatsache bewiesen, daß heute in
  15151. eine gleiche Stellung Menschen aus drei ganz verschieden
  15152. gearteten Schulen kommen können. Ausschlaggebend ist
  15153. eben wirklich nur die allgemeine Bildung und nicht das
  15154. eingetrichterte Spezialwissen. Dort aber, wo – wie schon
  15155. gesagt – wirklich ein Spezialwissen notwendig ist, kann
  15156. es innerhalb der Lehrpläne unserer heutigen Mittelschulen
  15157. selbstverständlich nicht erworben werden.
  15158. Mit solchen Halbheiten muß deshalb der völkische Staat
  15159. einst aufräumen.
  15160. Die zweite Änderung im wissenschaftlichen Lehrplan
  15161. muß für den völkischen Staat folgende sein:
  15162. Es liegt im Zuge unserer heutigen materialisierten Zeit,
  15163. daß unsere wissenschaftliche Ausbildung sich immer mehr den
  15164. nur realen Fächern zuwendet, also der Mathematik, Physik,
  15165. Chemie usw. So nötig dies für eine Zeit auch ist, in welcher
  15166. Technik und Chemie regieren und deren wenigstens äußerlich sichtbarste Merkmale im täglichen Leben sie darstellen,
  15167. so gefährlich ist es aber auch, wenn die allgemeine Bildung
  15168. einer Nation immer ausschließlich darauf eingestellt wird.
  15169. Diese muß im Gegenteil stets eine ideale sein. Sie soll
  15170. mehr den humanistischen Fächern entsprechen und nur die
  15171. Grundlagen für eine spätere fachwissenschaftliche Weiterbildung bieten. Im anderen Fall verzichtet man auf Kräfte,
  15172. welche für die Erhaltung der Nation immer noch wichtiger
  15173. sind als alles technische und sonstige Können. Insbesondere
  15174. 470
  15175. Wert der humanistischen Bildung
  15176. soll man im Geschichtsunterricht sich nicht vom Studium der
  15177. Antike abbringen lassen. Römische Geschichte, in ganz großen Linien richtig aufgefaßt, ist und bleibt die beste Lehrmeisterin nicht nur für heute, sondern wohl für alle Zeiten.
  15178. Auch das hellenische Kulturideal soll uns in seiner vorbildlichen Schönheit erhalten bleiben. Man darf sich nicht durch
  15179. Verschiedenheiten der einzelnen Völker die größere Rassegemeinschaft zerreißen lassen. Der Kampf, der heute tobt,
  15180. geht um ganz große Ziele: eine Kultur kämpft um ihr
  15181. Dasein, die Jahrtausende in sich verbindet und Griechenund Germanentum gemeinsam umschließt.
  15182. Es soll ein scharfer Unterschied zwischen allgemeiner Bildung und besonderem Fachwissen bestehen. Da letzteres
  15183. gerade heute immer mehr in den Dienst des reinen Mammons zu sinken droht, muß die allgemeine Bildung, wenigstens in ihrer mehr idealen Einstellung, als Gegengewicht
  15184. erhalten bleiben. Auch hier muß man unentwegt den
  15185. Grundsatz einprägen, d a ß I n d u s t r i e u n d T e c h n i k ,
  15186. Handel und Gewerbe immer nur zu blühen
  15187. vermögen, solange eine idealistisch veranlagte Volksgemeinschaft die notwendigen Voraussetzungen bietet. Diese aber
  15188. liegen nicht in materiellem Egoismus,
  15189. sondern in verzichtfreudiger Opferbereitschaft.
  15190. Die heutige Ausbildung der Jugend hat sich im großen
  15191. und ganzen als erstes Ziel gesetzt, dem jungen Menschen
  15192. jenes Wissen einzupumpen, das er auf seinem späteren Lebenswege zu eigenem Fortkommen braucht. Man drückt dies
  15193. so aus: „Der Junge muß dereinst ein nützliches Glied der
  15194. menschlichen Gesellschaft werden.“ Darunter aber versteht
  15195. man seine Fähigkeit, sich einmal auf ordentliche Weise sein
  15196. tägliches Brot zu verdienen. Die oberflächliche staatsbürgerliche Ausbildung, die noch nebenherläuft, steht von vornherein auf schwachen Füßen. Da der Staat an sich nur eine
  15197. Landläufige „patriotische“ Erziehung
  15198. 471
  15199. Form darstellt, ist es auch sehr schwer, Menschen auf diese
  15200. hin zu erziehen oder gar zu verpflichten. Eine Form kann
  15201. zu leicht zerbrechen. Einen klaren Inhalt aber besitzt – wie
  15202. wir sahen – der Begriff „Staat“ heute nicht. So bleibt
  15203. nichts übrig als die landläufige „patriotische“ Erziehung.
  15204. Im alten Deutschland lag ihr Hauptgewicht in einer oft
  15205. wenig klugen, aber meist sehr faden Verhimmelung kleiner
  15206. und kleinster Potentaten, deren Menge von vornherein
  15207. zum Verzicht auf eine umfassende Würdigung der wirklich
  15208. Großen unseres Volkes zwang. Das Ergebnis war daher
  15209. bei unseren breiten Massen eine nur sehr ungenügende
  15210. Kenntnis der deutschen Geschichte. Es fehlt auch hier die
  15211. große Linie.
  15212. Daß man auf solche Weise nicht zu einer wahrhaftigen
  15213. Nationalbegeisterung zu kommen vermochte, liegt auf der
  15214. Hand. Es fehlte unserer Erziehung die Kunst, aus dem geschichtlichen Werden unseres Volkes einige wenige Namen
  15215. herauszuheben und sie zum Allgemeingut des gesamten
  15216. deutschen Volkes zu machen, um so durch gleiches Wissen
  15217. und gleiche Begeisterung auch ein gleichmäßig verbindendes
  15218. Band um die ganze Nation zu schlingen. Man hat es nicht
  15219. verstanden, die wirklich bedeutsamen Männer unseres Volkes in den Augen der Gegenwart als überragende Heroen
  15220. erscheinen zu lassen, die allgemeine Aufmerksamkeit auf sie
  15221. zu konzentrieren und dadurch eine geschlossene Stimmung
  15222. zu erzeugen. Man vermochte nicht, aus den verschiedenen
  15223. Unterrichtsstoffen das für die Nation Ruhmvolle über das
  15224. Niveau einer sachlichen Darstellung zu erheben und an solchen leuchtenden Beispielen den Nationalstolz zu entflammen. Es würde dies der damaligen Zeit als übler Chauvinismus erschienen sein, den man in dieser Form wenig
  15225. geliebt hätte. Der biedere dynastische Patriotismus schien
  15226. angenehmer und leichter erträglich als die brausende Leidenschaft höchsten nationalen Stolzes. Jener war immer bereit, zu dienen, diese konnte eines Tages zur Herrin werden. Der monarchistische Patriotismus endete in Veteranenvereinen, die nationale Leidenschaft wäre in ihrem Wege
  15227. schwer zu bestimmen gewesen. Sie ist wie ein edles Pferd,
  15228. 472
  15229. Landläufige „patriotische“ Erziehung
  15230. das nicht jeden im Sattel trägt. Was Wunder, wenn
  15231. man sich von einer solchen Gefahr lieber zurückhielt! Daß
  15232. eines Tages ein Krieg kommen könnte, der in Trommelfeuer und Gasschwaden eine gründliche Prüfung der inneren Haltbarkeit patriotischer Gesinnung vornehmen würde,
  15233. schien niemand für möglich zu halten. Als er dann aber
  15234. da war, rächte sich der Mangel an höchster nationaler
  15235. Leidenschaft und furchtbarster Weise. Für ihre kaiserlichen
  15236. und königlichen Herren zu sterben, hatten die Menschen
  15237. nur mehr wenig Lust, die „Nation“ aber war den meisten
  15238. unbekannt.
  15239. Seit die Revolution in Deutschland ihren Einzug gehalten
  15240. hat und der monarchistische Patriotismus damit von selbst
  15241. erlosch, ist der Zweck des Geschichtsunterrichts wirklich nur
  15242. mehr der bloßer Wissensaneignung. Nationalbegeisterung
  15243. kann dieser Staat nicht brauchen, was er aber gerne möchte,
  15244. wird er nie erhalten. Denn so wenig es einen dynastischen
  15245. Patriotismus von letzter Widerstandsfähigkeit in einem
  15246. Zeitalter geben konnte, da das Nationalitätenprinzip regiert, so noch viel weniger eine republikanische Begeisterung. Denn darüber dürfte wohl kein Zweifel herrschen,
  15247. daß unter dem Motto „Für die Republik“ das deutsche
  15248. Volk keine viereinhalb Jahre auf dem Schlachtfeld bleiben
  15249. würde; am allerwenigsten blieben die, welche dieses Wundergebilde erschaffen haben.
  15250. Tatsächlich verdankt diese Republik ihren
  15251. ungeschorenen Bestand nur der allseits
  15252. versicherten
  15253. Bereitwilligkeit
  15254. zur
  15255. freiwilligen Übernahme jeder Tributleistung
  15256. und
  15257. Unterzeichnung
  15258. jedes
  15259. Landesverz i c h t s . Sie ist der anderen Welt sympathisch; wie
  15260. jeder Schwächling angenehmer empfunden wird von denen,
  15261. die ihn brauchen, als ein knorriger Mann. F r e i l i c h
  15262. liegt
  15263. in
  15264. dieser
  15265. Sympathie
  15266. der
  15267. Feinde
  15268. für gerade diese bestimmte Staatsform
  15269. auch die vernichtendste Kritik derselben.
  15270. Man liebt die deutsche Republik und läßt sie leben, weil
  15271. man einen besseren Verbündeten für die Versklavungs-
  15272. Weckung des Nationalstolzes
  15273. 473
  15274. arbeit an unserem Volke gar nicht finden könnte. Nur
  15275. dieser Tatsache allein verdankt dieses herrliche Gebilde sein
  15276. heutiges Bestehen. Daher kann es Verzicht leisten auf jede
  15277. wirklich nationale Erziehung und sich mit dem „Hoch“geschrei von Reichsbannerhelden begnügen, die übrigens,
  15278. wenn sie dieses Banner mit ihrem Blut schirmen müßten,
  15279. ausreißen würden wie Hasen.
  15280. Der völkische Staat wird für sein Dasein kämpfen müssen. Er wird es durch Dawesunterschriften weder erhalten,
  15281. noch seinen Bestand durch sie verteidigen können. Er wird
  15282. aber zu seiner Existenz und zu seinem Schutz gerade das
  15283. brauchen, auf was man jetzt glaubt verzichten zu können.
  15284. Je unvergleichlicher und wertvoller Form und Inhalt sein
  15285. werden, um so größer auch der Neid und Widerstand der
  15286. Gegner. Der beste Schutz wird dann nicht in seinen Waffen
  15287. liegen, sondern in seinen Bürgern; nicht Festungswälle
  15288. werden ihn beschirmen, sondern die lebendige Mauer von
  15289. Männern und Frauen, erfüllt von höchster Vaterlandsliebe
  15290. und fanatischer Nationalbegeisterung.
  15291. Als Drittes muß daher bei der wissenschaftlichen Erziehung berücksichtigt werden:
  15292. Auch in der Wissenschaft hat der völkische
  15293. Staat ein Hilfsmittel zu erblicken zur
  15294. Förderung des Nationalstolzes. Nicht nur
  15295. die Weltgeschichte, sondern die gesamte
  15296. Kulturgeschichte
  15297. muß
  15298. von
  15299. diesem
  15300. Gesichtspunkte aus gelehrt werden. Es darf
  15301. ein Erfinder nicht nur groß erscheinen
  15302. als Erfinder, sondern muß größer noch
  15303. erscheinen als Volksgenosse. Die Bewunderung jeder großen Tat muß umgegossen
  15304. werden
  15305. in
  15306. Stolz
  15307. auf
  15308. den
  15309. glücklichen
  15310. Vollbringer
  15311. derselben
  15312. als
  15313. Angehörigen
  15314. des eigenen Volkes. Aus der Unzahl all
  15315. der
  15316. großen
  15317. Namen
  15318. der
  15319. deutschen
  15320. Geschichte aber sind die größten herauszugreifen und der Jugend in so eindringlicher
  15321. Weise
  15322. vorzuführen,
  15323. daß
  15324. sie
  15325. zu
  15326. 474
  15327. Weckung des Nationalstolzes
  15328. Säulen eines unerschütterlichen Nationalgefühles werden.
  15329. Planmäßig ist der Lehrstoff nach diesen Gesichtspunkten
  15330. aufzubauen, planmäßig die Erziehung so zu gestalten, daß
  15331. der junge Mensch beim Verlassen seiner Schule nicht ein
  15332. halber Pazifist, Demokrat oder sonst was ist, sondern ein
  15333. ganzer Deutscher.
  15334. Damit dieses Nationalgefühl von Anfang an echt sei und
  15335. nicht bloß in hohlem Schein bestehe, muß schon in der
  15336. Jugend ein eiserner Grundsatz in die noch bildungsfähigen
  15337. Köpfe hineingehämmert werden: W e r s e i n V o l k
  15338. liebt, beweist es einzig durch die Opfer,
  15339. die er für dieses zu bringen bereit ist.
  15340. Nationalgefühl, das nur auf Gewinn ausgeht, gibt es nicht. Nationalismus, der nur
  15341. Klassen umschließt, gibt es ebensowenig.
  15342. Hurraschreien bezeugt nichts und gibt
  15343. kein Recht, sich national zu nennen, wenn
  15344. dahinter nicht die große liebende Sorge
  15345. für die Erhaltung eines allgemeinen, gesunden Volkstums steht. Ein Grund zum
  15346. Stolz auf sein Volk ist erst dann vorhanden, wenn man sich keines Standes mehr
  15347. zu schämen braucht. Ein Volk aber, von
  15348. dem die eine Hälfte elend und abgehärmt
  15349. oder
  15350. gar
  15351. verkommen
  15352. ist,
  15353. gibt
  15354. ein
  15355. so
  15356. schlechtes Bild, daß niemand Stolz darüber empfinden soll. Erst wenn ein Volkstum in allen seinen Gliedern, an Leib und
  15357. Seele gesund ist, kann sich die Freude,
  15358. ihm anzugehören, bei allen mit Recht zu
  15359. jenem hohen Gefühl steigern, das wir mit
  15360. Nationalstolz bezeichnen. Diesen höchsten Stolz aber wird auch nur der empfinden, der eben die Größe seines Volkstums
  15361. kennt.
  15362. Die innige Vermählung von Nationalismus und sozialem Gerechtigkeitssinn ist
  15363. Angst vor Chauvinismus ist Impotenz
  15364. 475
  15365. schon in das junge Herz hineinzupflanzen.
  15366. Dann wird dereinst ein Volk von Staatsbürgern
  15367. erstehen,
  15368. miteinander
  15369. verbunden und zusammengeschmiedet durch eine
  15370. gemeinsame Liebe und einen gemeinsamen
  15371. Stolz, unerschütterlich und unbesiegbar
  15372. für immer.
  15373. Die Angst unserer Zeit vor Chauvinismus
  15374. ist das Zeichen ihrer Impotenz. Da ihr jede
  15375. überschäumende Kraft nicht nur fehlt,
  15376. sondern sogar unangenehm erscheint, ist
  15377. sie auch für eine große Tat vom Schicksal
  15378. nicht mehr ausersehen. Denn die größten
  15379. Umwälzungen auf dieser Erde wären nicht
  15380. denkbar gewesen, wenn ihre Triebkraft
  15381. statt fanatischer, ja hysterischer Leidenschaften nur die bürgerlichen Tugenden
  15382. der Ruhe und Ordnung gewesen wären.
  15383. Sicher aber geht diese Welt einer großen
  15384. Umwälzung entgegen. Und es kann nur die
  15385. eine Frage sein, ob sie zum Heil der arischen
  15386. Menschheit oder zum Nutzen des ewigen
  15387. Juden ausschlägt.
  15388. Der völkische Staat wird dafür sorgen
  15389. müssen, durch eine passende Erziehung der
  15390. Jugend dereinst das für die letzten und
  15391. größten Entscheidungen auf diesem Erdball reife Geschlecht zu erhalten.
  15392. Das Volk aber, das diesen Weg zuerst betritt, wird siegen.
  15393. Die gesamte Bildungs- und Erziehungsarbeit des völkischen Staates muß ihre
  15394. Krönung darin finden, daß sie den Rassesinn und das Rassegefühl instinkt- und
  15395. verstandesmäßig in Herz und Gehirn der
  15396. ihr anvertrauten Jugend hineinbrennt. Es
  15397. 476
  15398. Anerziehung von Rassesinn
  15399. soll kein Knabe und kein Mädchen die
  15400. Schule verlassen, ohne zur letzten Erkenntnis über die Notwendigkeit und das
  15401. Wesen der Blutreinheit geführt worden
  15402. z u s e i n . Damit wird die Voraussetzung geschaffen für
  15403. die Erhaltung der rassenmäßigen Grundlagen unseres
  15404. Volkstums und durch sie wiederum die Sicherung der
  15405. Vorbedingungen für die spätere kulturelle Weiterentwicklung.
  15406. Denn alle körperliche und alle geistige Ausbildung würde
  15407. im letzten Grunde dennoch wertlos bleiben, wenn sie nicht
  15408. einem Wesen zugute käme, das grundsätzlich bereit und
  15409. entschlossen ist, sich selbst und seine Eigenart zu erhalten.
  15410. Im anderen Falle würde das eintreten, was wir Deutschen schon jetzt im großen beklagen müssen, ohne daß vielleicht der ganze Umfang dieses tragischen Unglücks bisher
  15411. begriffen worden wäre: d a ß w i r a u c h i n Z u k u n f t
  15412. nur Kulturdünger bleiben, nicht nur im
  15413. Sinne der begrenzten Auffassung unserer
  15414. heutigen bürgerlichen Anschauung, die im
  15415. einzelnen verlorenen Volksgenossen nur
  15416. den verlorenen Staatsbürger sieht, sondern im Sinne der schmerzlichsten Erkenntnis, daß dann, trotz all unserm Wissen und
  15417. Können, unser Blut doch zur Niedersenkung bestimmt ist. Indem wir uns immer
  15418. wieder mit anderen Rassen paaren, erheben wir wohl diese aus ihrem bisherigen
  15419. Kulturniveau auf eine höhere Stufe, sinken aber von unserer eigenen Höhe für
  15420. ewig herab.
  15421. Übrigens hat auch diese Erziehung unter
  15422. dem Gesichtspunkte der Rasse ihre letzte
  15423. Vollendung im Heeresdienste zu erhalten.
  15424. Wie denn überhaupt die Militärdienstzeit
  15425. als Abschluß der normalen Erziehung des
  15426. durchschnittlichen Deutschen gelten soll.
  15427. Staatliche Auslese der Tüchtigen
  15428. 477
  15429. So große Bedeutung im völkischen Staat
  15430. die Art der körperlichen und geistigen Erziehung haben wird, ebenso wichtig wird
  15431. auch die Menschenauslese an sich für ihn
  15432. s e i n . Heute tut man sich hierin leicht. Im allgemeinen
  15433. sind es die Kinder höherstehender, zur Zeit gut situierter
  15434. Eltern, die wieder einer höheren Ausbildung für würdig
  15435. erachtet werden. Fragen des Talents spielen dabei eine
  15436. untergeordnete Rolle. An sich kann das Talent immer nur
  15437. relativ bewertet werden. Ein Bauernjunge kann weit mehr
  15438. Talente besitzen als das Kind von Eltern aus einer seit
  15439. vielen Generationen gehobenen Lebensstellung, wenn er
  15440. auch im allgemeinen Wissen dem Bürgerkind nachsteht.
  15441. Dessen größeres Wissen hat aber an sich mit größerem oder
  15442. geringerem Talent gar nichts zu tun, sondern wurzelt in
  15443. der wesentlich größeren Fülle von Eindrücken, die das Kind
  15444. infolge seiner vielseitigeren Erziehung und reichen Lebensumgebung ununterbrochen erhält. Würde der talentierte
  15445. Bauernknabe von klein auf ebenfalls in solcher Umgebung
  15446. herangewachsen sein, so wäre seine geistige Leistungsfähigkeit eine ganz andere. Es gibt heute vielleicht ein einziges
  15447. Gebiet, auf dem wirklich weniger die Herkunft als vielmehr
  15448. die eigene angeborene Begabung entscheidet: das Gebiet
  15449. der Kunst. Hier, wo man eben nicht bloß „lernen“ kann,
  15450. sondern alles schon ursprünglich angeboren sein muß und
  15451. nur später einer mehr oder weniger günstigen Entwicklung
  15452. unterliegt, kommt Geld und Gut der Eltern fast nicht in
  15453. Betracht. Daher erweist sich hier auch am besten, daß Genialität nicht an höhere Lebensschichten oder gar an Reichtum gebunden ist. Die größten Künstler stammen nicht
  15454. selten aus den ärmsten Häusern. Und mancher kleine Dorfjunge ward später ein vielseitiger Meister.
  15455. Es spricht nicht gerade für große Gedankentiefe der Zeit,
  15456. daß man solche Erkenntnis nicht für das gesamte geistige
  15457. Leben nützt. Man meint, das, was bei der Kunst nicht geleugnet werden kann, treffe für die sogenannten realen
  15458. Wissenschaften nicht zu. Ohne Zweifel kann man bestimmte
  15459. 478
  15460. Staatliche Auslese der Tüchtigen
  15461. mechanische Fertigkeiten dem Menschen anerziehen, so wie
  15462. es einer geschickten Dressur möglich ist, einem gelehrigen
  15463. Pudel die unglaublichsten Kunststücke beizubringen. Allein,
  15464. wie bei dieser Tierdressur nicht das Verständnis des Tieres
  15465. aus sich selbst heraus zu solchen Übungen führt, so auch
  15466. beim Menschen. Man kann ohne Rücksicht auf ein anderes
  15467. Talent auch dem Menschen bestimmte wissenschaftliche
  15468. Kunststücke beibringen, aber der Vorgang ist dann genau
  15469. der gleich leblose, innerlich unbeseelte wie beim Tier. Man
  15470. kann auf Grund eines bestimmten geistigen Drills einem
  15471. Durchschnittsmenschen sogar Über-Durchschnittswissen einbleuen; allein das bleibt eben totes und, im letzten Grund,
  15472. unfruchtbares Wissen. Es ergibt dann jenen Menschen, der
  15473. zwar ein lebendiges Lexikon sein mag, aber trotzdem in allen
  15474. besonderen Lagen und entscheidenden Augenblicken des Lebens jämmerlich versagt; er wird zu jeder, auch der bescheidensten Anforderung immer erst wieder abgerichtet werden
  15475. müssen, dagegen aus sich heraus nicht imstande sein, den geringsten Beitrag zur Weiterbildung der Menschheit zu geben.
  15476. Solch ein mechanisch eingedrilltes Wissen genügt höchstens
  15477. zur Übernahme von Staatsämtern in unserer heutigen Zeit.
  15478. Es ist selbstverständlich, daß sich in der Gesamtsumme der
  15479. Volkszahl einer Nation für alle möglichen Gebiete des täglichen Lebens Talente finden werden. Es ist weiter selbstverständlich, daß der Wert des Wissens um so größer sein
  15480. wird, je mehr das tote Wissen vom entsprechenden Talent
  15481. des einzelnen beseelt wird. S c h ö p f e r i s c h e L e i s t u n gen selbst können überhaupt nur entstehen,
  15482. wenn Fähigkeit und Wissen eine Ehe bilden.
  15483. Wie grenzenlos die heutige Menschheit in dieser Richtung
  15484. sündigt, mag noch ein Beispiel zeigen. Von Zeit zu Zeit
  15485. wird in illustrierten Blättern dem deutschen Spießer vor
  15486. Augen geführt, daß da und dort zum erstenmal ein Neger
  15487. Advokat, Lehrer, gar Pastor, ja Heldentenor oder dergleichen geworden ist. Während das blödselige Bürgertum eine
  15488. solche Wunderdressur staunend zur Kenntnis nimmt, voll
  15489. von Respekt für dieses fabelhafte Resultat heutiger Erziehungskunst, versteht der Jude sehr schlau, daraus einen
  15490. Staatliche Auslese der Tüchtigen
  15491. 479
  15492. neuen Beweis für die Richtigkeit seiner den Völkern einzutrichternden Theorie von der G l e i c h h e i t d e r M e n s c h e n zu konstruieren. Es dämmert dieser verkommenen
  15493. bürgerlichen Welt nicht auf, daß es sich hier wahrhaftig
  15494. um eine Sünde an jeder Vernunft handelt; daß es ein verbrecherischer Wahnwitz ist, einen geborenen Halbaffen so
  15495. lange zu dressieren, bis man glaubt, aus ihm einen Advokaten gemacht zu haben, während Millionen Angehörige der
  15496. höchsten Kulturrasse in vollkommen unwürdigen Stellungen verbleiben müssen; daß es eine Versündigung am Willen des ewigen Schöpfers ist, wenn man Hunderttausende
  15497. und Hunderttausende seiner begabtesten Wesen im heutigen proletarischen Sumpf verkommen läßt, während man
  15498. Hottentotten und Zulukaffern zu geistigen Berufen hinaufdressiert. Denn um eine Dressur handelt es sich dabei, genau so wie bei der des Pudels, und nicht um eine wissenschaftliche „Ausbildung“. Die gleiche Mühe und Sorgfalt
  15499. auf Intelligenzrassen angewendet, würde jeden einzelnen
  15500. tausendmal eher zu gleichen Leistungen befähigen.
  15501. So unerträglich aber dieser Zustand wäre, wenn es sich
  15502. dabei jemals um mehr als um Ausnahmen handeln würde,
  15503. so unerträglich ist er schon heute da, wo nicht Talent und
  15504. Veranlagung für die höhere Ausbildung entscheiden. Jawohl, unerträglich ist der Gedanke, daß alljährlich Hunderttausende vollständig talentloser Menschen einer höheren
  15505. Ausbildung gewürdigt werden, während andere Hunderttausende von großer Begabung ohne jede höhere Ausbildung bleiben. Der Verlust, den die Nation dadurch erleidet,
  15506. ist nicht abzuschätzen. Wenn in den letzten Jahrzehnten der
  15507. Reichtum an bedeutenden Erfindungen besonders in Nordamerika außerordentlich zunahm, dann nicht zuletzt deshalb, weil dort wesentlich mehr Talente aus untersten
  15508. Schichten die Möglichkeit einer höheren Ausbildung finden,
  15509. als dies in Europa der Fall ist.
  15510. Zum Erfinden genügt eben nicht eingetrichtertes Wissen, sondern nur das vom Talent beseelte. Darauf aber legt
  15511. man bei uns heute keinen Wert; die gute Note allein soll
  15512. es ausmachen.
  15513. 480
  15514. Staatliche Auslese der Tüchtigen
  15515. Auch hier wird der völkische Staat einst erziehend einzugreifen haben. E r h a t n i c h t d i e A u f g a b e , e i n e r
  15516. bestehenden Gesellschaftsklasse den maßgebenden Einfluß zu wahren, sondern die
  15517. Aufgabe, aus der Summe aller Volksgenossen die fähigsten Köpfe herauszuholen und
  15518. z u A m t u n d W ü r d e n z u b r i n g e n . Er hat nicht
  15519. nur die Verpflichtung, dem Durchschnittskind in der Volksschule eine bestimmte Erziehung zu geben, sondern auch die
  15520. Pflicht, das Talent auf die Bahn zu bringen, auf die es gehört. Er hat es vor allem als seine höchste Aufgabe zu betrachten, die Tore der staatlichen höheren Unterrichtsanstalten jeder Begabung zu öffnen, ganz gleich, aus welchen
  15521. Kreisen sie stammen möge. Er muß diese Aufgabe erfüllen,
  15522. da nur so aus der Schicht von Repräsentanten eines toten
  15523. Wissens die geniale Führung der Nation erwachsen kann.
  15524. Auch aus einem weiteren Grunde muß der Staat in dieser Richtung Vorsorge treffen: Unsere geistigen Schichten
  15525. sind besonders in Deutschland so in sich abgeschlossen und
  15526. verkalkt, daß ihnen die lebendige Verbindung nach unten
  15527. fehlt. Dies rächt sich nach zwei Seiten hin: Erstens fehlt
  15528. ihnen dadurch das Verständnis und die Empfindung für
  15529. die breite Masse. Sie sind zu lange schon aus diesem Zusammenhang herausgerissen, als daß sie noch das nötige
  15530. psychologische Verständnis für das Volk besitzen könnten.
  15531. Sie sind volksfremd geworden. Es fehlt diesen oberen
  15532. Schichten aber zweitens auch die nötige Willenskraft. Denn
  15533. diese ist in abgekasteten Intelligenzkreisen immer schwächer als in der Masse des primitiven Volkes. An wissenschaftlicher Bildung aber hat es uns Deutschen wahrhaftiger
  15534. Gott nie gefehlt, desto mehr jedoch an Willens- und Entschlußkraft. Je „geistvoller“ zum Beispiel unsere Staatsmänner waren, um so schwächlicher war meistens ihre wirkliche Leistung. Die politische Vorbereitung sowohl als die
  15535. technische Rüstung für den Weltkrieg war nicht deswegen ungenügend, weil etwa zu w e n i g g e b i l d e t e Köpfe unser Volk
  15536. regierten, sondern vielmehr, weil die Regierenden ü b e r b i l d e t e Menschen waren, vollgepfropft von Wissen und
  15537. Volksverbundenheit der katholischen Kirche
  15538. 481
  15539. Geist, aber bar jedes gesunden Instinkts und ledig jeder
  15540. Energie und Kühnheit. Es war ein Verhängnis, daß unser
  15541. Volk seinen Daseinskampf ausfechten mußte unter der
  15542. Reichskanzlerschaft eines philosophierenden Schwächlings.
  15543. Hätten wir an Stelle eines Bethmann Hollweg einen robusteren Volksmann als Führer besessen, würde das Heldenblut des gemeinen Grenadiers nicht umsonst geflossen sein.
  15544. Ebenso war die übertrieben reingeistige Hochzüchtung unseres Führermaterials der beste Bundesgenosse für die revolutionierenden Novemberlumpen. Indem diese Geistigkeit das ihr anvertraute nationale Gut in der schmählichsten Weise zurückhielt, statt es voll und ganz einzusetzen,
  15545. schuf sie selber die Voraussetzung zum Erfolge der anderen.
  15546. Hier kann die katholische Kirche als vorbildliches Lehrbeispiel gelten. In der Ehelosigkeit ihrer Priester liegt der
  15547. Zwang begründet, den Nachwuchs für die Geistlichkeit
  15548. statt aus den eigenen Reihen immer wieder aus der Masse
  15549. des breiten Volkes holen zu müssen. Gerade diese Bedeutung des Zölibats wird aber von den meisten gar nicht erkannt. Sie ist die Ursache der unglaublich rüstigen Kraft,
  15550. die in dieser uralten Institution wohnt. Denn dadurch, daß
  15551. dieses Riesenheer geistlicher Würdenträger sich ununterbrochen aus den untersten Schichten der Völker heraus ergänzt, erhält sich die Kirche nicht nur die Instinkt-Verbundenheit mit der Gefühlswelt des Volkes, sondern sichert
  15552. sich auch eine Summe von Energie und Tatkraft, die in
  15553. solcher Form ewig nur in der breiten Masse des Volkes
  15554. vorhanden sein wird. Daher stammt die staunenswerte Jugendlichkeit dieses Riesenorganismus, die geistige Schmiegsamkeit und stählerne Willenskraft.
  15555. Es wird die Aufgabe eines völkischen
  15556. Staates sein, in seinem Unterrichtswesen
  15557. dafür Sorge zu tragen, daß eine dauernde
  15558. Erneuerung
  15559. der
  15560. bestehenden
  15561. geistigen
  15562. Schichten durch frische Blutzufuhr von
  15563. u n t e n s t a t t f i n d e t . Der Staat hat die Verpflichtung,
  15564. mit äußerster Sorgfalt und Genauigkeit aus der Gesamtzahl
  15565. der Volksgenossen das von Natur aus ersichtlich befähigte
  15566. 17
  15567. 482
  15568. Wertung der Arbeit
  15569. Menschenmaterial herauszusieben und im Dienste der Allgemeinheit zu verwenden. Denn Staat und Staatsmänner
  15570. sind nicht dazu da, einzelnen Klassen ein Unterkommen zu
  15571. ermöglichen, sondern den ihnen zukommenden Aufgaben
  15572. zu genügen. Das aber wird nur möglich sein, wenn zu
  15573. ihren Trägern grundsätzlich nur fähige und willensstarke
  15574. Persönlichkeiten herangebildet werden. Dies gilt nicht nur
  15575. für alle Beamtenstellen, sondern für die geistige Führung
  15576. der Nation überhaupt auf allen Gebieten. Auch darin liegt
  15577. ein Faktor für die Größe eines Volkes, daß es gelingt, die
  15578. fähigsten Köpfe für die ihnen liegenden Gebiete auszubilden und in den Dienst der Volksgemeinschaft zu stellen.
  15579. Wenn zwei Völker miteinander konkurrieren, die an sich gleich gut veranlagt sind,
  15580. so wird dasjenige den Sieg erringen, das
  15581. in seiner gesamten geistigen Führung seine
  15582. besten Talente vertreten hat, und dasjenige unterliegen, dessen Führung nur
  15583. eine große gemeinsame Futterkrippe für
  15584. bestimmte Stände oder Klassen darstellt,
  15585. ohne Rücksicht auf die angeborenen Fähigkeiten der einzelnen Träger.
  15586. Freilich erscheint dies in unserer heutigen Welt zunächst
  15587. unmöglich. Man wird sofort einwerfen, daß man dem Söhnchen, zum Beispiel eines höheren Staatsbeamten, doch nicht
  15588. zumuten dürfe, sagen wir, Handwerker zu werden, weil
  15589. irgendein anderer, dessen Eltern Handwerker waren, befähigter erscheint. Das mag bei der heutigen Einschätzung
  15590. der Handarbeit zutreffen. Daher wird auch der völkische
  15591. Staat zu einer prinzipiell anderen Einstellung dem Begriff Arbeit gegenüber gelangen müssen. E r w i r d , w e n n
  15592. notwendig selbst durch jahrhundertelange
  15593. Erziehung, mit dem Unfug, körperliche Tätigkeit zu mißachten, brechen müssen. Er
  15594. wird grundsätzlich den einzelnen Menschen
  15595. nicht nach der Art seiner Arbeit, sondern
  15596. nach Form und Güte der Leistung zu bew e r t e n h a b e n . Dies mag einer Zeit ganz ungeheuerlich
  15597. Wertung der Arbeit
  15598. 483
  15599. erscheinen, welcher der geistloseste Kolonnenschreiber nur
  15600. deshalb, weil er mit der Feder arbeitet, mehr gilt als der
  15601. intelligenteste Feinmechaniker. Diese falsche Einschätzung
  15602. liegt aber, wie gesagt, nicht in der Natur der Dinge, sondern ist künstlich anerzogen und war früher nicht vorhanden. Der jetzige unnatürliche Zustand beruht eben auf den
  15603. allgemeinen Krankheitserscheinungen unserer vermaterialisierten Zeit.
  15604. Grundsätzlich ist der Wert jeder Arbeit ein doppelter:
  15605. e i n r e i n m a t e r i e l l e r u n d e i n i d e e l l e r . Der
  15606. materielle Wert beruht in der Bedeutung, und zwar der
  15607. materiellen Bedeutung einer Arbeit für das Leben der Gesamtheit. Je mehr Volksgenossen aus einer bestimmten vollbrachten Leistung Nutzen ziehen, und zwar direkten und indirekten, um so größer ist der materielle Wert einzuschätzen.
  15608. Diese Einschätzung findet ihrerseits den plastischen Ausdruck
  15609. im materiellen Lohn, welchen der einzelne für seine Arbeit
  15610. erhält. Diesem rein materiellen Wert steht nun gegenüber
  15611. der ideelle. Er beruht nicht auf der Bedeutung der geleisteten Arbeit materiell gemessen, sondern auf ihrer Notwendigkeit an sich. So sicher der materielle Nutzen einer Erfindung größer sein kann als der eines alltäglichen Handlangerdienstes, so sicher ist die Gesamtheit doch auf diesen
  15612. kleinsten Dienst genau so angewiesen wie auf jenen größten. Sie mag materiell einen Unterschied treffen in der Bewertung des Nutzens der einzelnen Arbeit für die Gesamtheit und kann dem durch die jeweilige Entlohnung Ausdruck verleihen; sie muß aber ideell die Gleichheit aller feststellen in dem Augenblick, in dem jeder einzelne sich bemüht,
  15613. auf seinem Gebiete – welches immer es auch sein mag –
  15614. sein Bestes zu tun. Darauf aber hat die Wertschätzung
  15615. eines Menschen zu beruhen, und nicht auf der Entlohnung.
  15616. Da in einem vernünftigen Staat die Sorge dahin gehen
  15617. soll, dem einzelnen die Tätigkeit zuzuweisen, die seiner
  15618. Fähigkeit entspricht, oder, anders ausgedrückt, die fähigen
  15619. Köpfe für die ihnen liegende Arbeit auszubilden, die
  15620. Fähigkeit aber prinzipiell nicht anerzogen, sondern angeboren sein muß, mithin ein Geschenk der Natur und nicht
  15621. 484
  15622. Wertung der Arbeit
  15623. ein Verdienst des Menschen ist, so kann sich die allgemeine
  15624. bürgerliche Einschätzung auch nicht nach der dem einzelnen
  15625. gewissermaßen überwiesenen Arbeit richten. Denn diese
  15626. Arbeit fällt auf das Konto seiner Geburt sowie auf die dadurch veranlaßte Ausbildung, die er durch die Allgemeinheit erhielt. Die Wertschätzung des Menschen muß begründet werden auf der Art und Weise, in der er seiner ihm
  15627. von der Allgemeinheit überantworteten Aufgabe gerecht
  15628. wird. Denn die Tätigkeit, welche der einzelne verrichtet,
  15629. ist nicht der Zweck seines Daseins, sondern nur das Mittel
  15630. dazu. Vielmehr soll er sich als Mensch weiterbilden und
  15631. weiterveredeln, kann dies aber nur im Rahmen seiner
  15632. Kulturgemeinschaft, die immer auf dem Fundament eines
  15633. Staates beruhen muß. Zur Erhaltung dieses Fundamentes
  15634. hat er seinen Beitrag zu leisten. Die Form dieses Beitrags
  15635. bestimmt die Natur; an ihm liegt es nur, mit Fleiß und
  15636. Redlichkeit der Volksgemeinschaft zurückzuerstatten, was
  15637. sie ihm selbst gegeben hat. Wer dieses tut, verdient höchste
  15638. Wertschätzung und höchste Achtung. D e r m a t e r i e l l e
  15639. Lohn mag dem zugebilligt werden, dessen
  15640. Leistung für die Gesamtheit entsprechenden Nutzen trägt; der ideelle jedoch muß in
  15641. der Wertschätzung liegen, die jeder beanspruchen kann, der die Kräfte, welche die
  15642. Natur ihm gab und die Volksgemeinschaft
  15643. zur Ausbildung brachte, dem Dienste sein e s V o l k s t u m s w i d m e t . Dann aber ist es keine
  15644. Schande mehr, ein ordentlicher Handwerker zu sein, aber
  15645. wohl eine, als unfähiger Beamter dem lieben Gott den
  15646. Tag und dem guten Volk das tägliche Brot zu stehlen.
  15647. Dann wird man es auch für selbstverständlich halten, daß
  15648. ein Mensch nicht Aufgaben zugewiesen erhält, denen er
  15649. von vornherein nicht gewachsen ist.
  15650. Im übrigen gibt solche Tätigkeit auch den einzigen Maßstab für das Recht bei der allgemeinen gleichen rechtlichen
  15651. bürgerlichen Betätigung.
  15652. Die heutige Zeit baut sich ja selber ab; sie führt ein allgemeines Wahlrecht ein, schwätzt von gleichen Rechten, fin-
  15653. Wertung der Arbeit
  15654. 485
  15655. det aber doch keine Begründung für dieselben. Sie sieht im
  15656. materiellen Lohn den Ausdruck des Wertes eines Menschen
  15657. und zertrümmert sich dadurch die Grundlage für die edelste
  15658. Gleichheit, die es überhaupt geben kann. Denn Gleichheit
  15659. beruht nicht und kann niemals beruhen auf den Leistungen
  15660. der einzelnen an sich, aber sie ist möglich in der Form, in
  15661. der jeder seine besonderen Verpflichtungen erfüllt. Nur dadurch wird der Zufall der Natur bei der Beurteilung des
  15662. Wertes des Menschen ausgeschaltet und der einzelne selbst
  15663. zum Schmied seiner Bedeutung gemacht.
  15664. In der heutigen Zeit, da sich ganze Menschengruppen
  15665. gegenseitig nur mehr nach Gehaltsgruppen zu würdigen wissen, hat man dafür – wie schon gesagt – kein Verständnis. Allein für uns darf dies kein Grund sein, auf die Vertretung unserer Gedanken zu verzichten. Im Gegenteil:
  15666. Wer diese Zeit, die innerlich krank und faul
  15667. ist, heilen will, muß zunächst den Mut aufbringen, die Ursachen dieses Leides klarzulegen. Das aber soll die Sorge der nationalsozialistischen Bewegung sein: über
  15668. alle Spießbürgerei hinweg, aus unserem
  15669. Volkstum heraus, diejenigen Kräfte zu
  15670. sammeln und zu ordnen, die als Vorkämpfer einer neuen Weltanschauung befähigt
  15671. sind.
  15672. Allerdings wird man den Einwand bringen, daß sich
  15673. im allgemeinen die ideelle Einschätzung von der materiellen schwer trennen lasse, ja, daß die sinkende Wertschätzung
  15674. der körperlichen Arbeit gerade durch ihre mindere Entlohnung hervorgerufen würde. Diese mindere Entlohnung
  15675. sei selber wieder die Ursache für eine Beschränkung der
  15676. Teilnahme des einzelnen Menschen an den Kulturgütern
  15677. seiner Nation. Dadurch aber werde gerade die ideelle Kultur des Menschen beeinträchtigt, die mit seiner Tätigkeit
  15678. an sich nichts zu tun haben brauche. Die Scheu vor körperlicher Arbeit sei erst recht darin begründet, daß, infolge der
  15679. 486
  15680. Staffelung des Verdienstes
  15681. schlechteren Entlohnung, das Kulturniveau des Handarbeiters zwangsläufig heruntergedrückt werde und dadurch
  15682. die Rechtfertigung einer allgemeinen minderen Einschätzung
  15683. gegeben sei.
  15684. Darin liegt sehr viel Wahrheit. Gerade deshalb wird man
  15685. aber in der Zukunft sich vor einer zu großen Differenzierung der Lohnverhältnisse hüten müssen. Man sage nicht,
  15686. daß damit die Leistungen ausbleiben würden. Das wäre
  15687. das traurigste Zeichen des Verfalls einer Zeit, wenn der
  15688. Antrieb zu einer höheren geistigen Leistung nur mehr im
  15689. höheren Lohne läge. Wenn dieser Gesichtspunkt bisher auf
  15690. dieser Welt der einzig maßgebende gewesen wäre, würde
  15691. die Menschheit ihre größten wissenschaftlichen und kulturellen Güter niemals empfangen haben. Denn die größten
  15692. Erfindungen, die größten Entdeckungen, die umwälzendsten wissenschaftlichen Arbeiten, die herrlichsten Denkmäler menschlicher Kultur sind nicht aus dem Drange nach
  15693. Geld der Welt gegeben worden. Im Gegenteil, ihre Geburt
  15694. bedeutete nicht selben geradezu den Verzicht auf das irdische Glück des Reichtums.
  15695. Es mag sein, daß heute das Geld der ausschließliche
  15696. Regent des Lebens geworden ist, doch wird dereinst der
  15697. Mensch sich wieder vor höheren Göttern beugen. Vieles
  15698. mag heute nur dem Sehnen nach Geld und Vermögen sein
  15699. Dasein verdanken, aber es ist wohl nur wenig darunter,
  15700. dessen Nichtvorhandensein die Menschheit ärmer sein ließe.
  15701. Auch dies ist eine Aufgabe unserer Bewegung, daß sie
  15702. schon heute von einer Zeit künde, die dem einzelnen das
  15703. geben wird, was er zum Leben braucht, aber dabei den
  15704. Grundsatz hochhält, daß der Mensch nicht ausschließlich um
  15705. materieller Genüsse willen lebt. Dies soll dereinst seinen
  15706. Ausdruck in einer weise beschränkten Staffelung der Verdienste finden, die auch dem letzten redlich Arbeitenden
  15707. auf alle Fälle ein ehrliches, ordentliches Dasein als Volksgenosse und Mensch ermöglicht.
  15708. Man sage ja nicht, daß dies ein Idealzustand sei, wie ihn
  15709. diese Welt praktisch nicht vertrüge und tatsächlich nie erreichen werde.
  15710. Ideal und Wirklichkeit
  15711. 487
  15712. Auch wir sind nicht so einfältig, zu glauben, daß es gelingen könnte, jemals ein
  15713. fehlerloses Zeitalter herbeizuführen. Allein
  15714. dies entbindet nicht von der Verpflichtung, erkannte Fehler zu bekämpfen, Schwächen zu überwinden und dem Ideal zuzustreben. Die herbe Wirklichkeit wird von
  15715. sich aus nur zu viele Einschränkungen herbeiführen. Gerade deshalb aber muß der
  15716. Mensch erst recht versuchen, dem letzten
  15717. Ziel zu dienen, und Fehlschläge dürfen ihn
  15718. von seiner Absicht so wenig abbringen, als
  15719. er auf eine Justiz verzichten kann, nur weil
  15720. ihr auch Irrtümer unterlaufen, und so
  15721. wenig man die Arznei verwirft, weil es
  15722. dennoch immer Krankheit geben wird.
  15723. Man hüte sich, die Kraft eines Ideals zu niedrig einzuschätzen. Wer in dieser Hinsicht heute kleinmütig wird, den
  15724. möchte ich, falls er einst Soldat war, zurückerinnern an eine
  15725. Zeit, deren Heldentum das überwältigendste Bekenntnis
  15726. zur Kraft idealer Motive darstellte. Denn, was die Menschen damals sterben ließ, war nicht die Sorge um das tägliche Brot, sondern die Liebe zum Vaterland, der Glaube
  15727. an die Größe desselben, das allgemeine Gefühl für die Ehre
  15728. der Nation. Und erst als das deutsche Volk sich von diesen
  15729. Idealen entfernte, um den realen Versprechungen der Revolution zu folgen, und die Waffe mit dem Rucksack vertauschte, kam es, statt in einen irdischen Himmel, ins Fegfeuer der allgemeinen Verachtung und nicht minder der
  15730. allgemeinen Not.
  15731. Deshalb ist es aber erst recht notwendig, den Rechenmeistern der derzeitigen r e a l e n R e p u b l i k den Glauben an ein i d e a l e s R e i c h gegenüberzustellen.
  15732. 3. Kapitel
  15733. Staatsangehöriger und Staatsbürger
  15734. I m allgemeinen kennt das Gebilde, das heute fälschlicherweise als Staat bezeichnet wird, nur zwei Arten von
  15735. Menschen: Staatsbürger und Ausländer. Staatsbürger sind
  15736. alle diejenigen, die entweder durch ihre Geburt oder durch
  15737. spätere Einbürgerung das Staatsbürgerrecht besitzen; Ausländer sind alle diejenigen, die dieses gleiche Recht in
  15738. einem anderen Staate genießen. Dazwischen gibt es dann
  15739. noch kometenähnliche Erscheinungen, die sogenannten
  15740. Staatenlosen. Das sind Menschen, die die Ehre haben,
  15741. keinem der heutigen Staaten anzugehören, also nirgends
  15742. ein Staatsbürgerrecht besitzen.
  15743. Das Staatsbürgerrecht wird heute, wie schon oben erwähnt, in erster Linie durch die Geburt i n n e r h a l b der
  15744. Grenzen eines Staates erworben. Rasse oder Volkszugehörigkeit spielen dabei überhaupt keine Rolle. Ein Neger, der
  15745. früher in den deutschen Schutzgebieten lebte, nun in Deutschland seinen Wohnsitz hat, setzt damit in seinem Kind einen
  15746. „deutschen Staatsbürger“ in die Welt. Ebenso kann jedes
  15747. Juden- oder Polen-, Afrikaner- oder Asiatenkind ohne
  15748. weiteres zum deutschen Staatsbürger deklariert werden.
  15749. Außer der Einbürgerung durch Geburt besteht noch die
  15750. Möglichkeit der späteren Einbürgerung. Sie ist an verschiedene Vorbedingungen gebunden, zum Beispiel daran, daß
  15751. der in Aussicht genommene Kandidat wenn möglich kein
  15752. Einbrecher oder Zuhälter ist, daß er weiter politisch unbedenklich, d.h. also ein harmloser politischer Trottel ist, daß
  15753. er endlich nicht seiner neuerlichen staatsbürgerlichen Heimat
  15754. zur Last fällt. Gemeint ist damit in diesem realen Zeitalter natürlich nur die finanzielle Belastung. Ja, es gilt so-
  15755. Wie man heute Staatsbürger wird
  15756. 489
  15757. gar als förderliche Empfehlung, einen vermutlich guten
  15758. künftigen Steuerzahler vorzustellen, um die Erwerbung
  15759. einer heutigen Staatsbürgerschaft zu beschleunigen.
  15760. Rassische Bedenken spielen dabei überhaupt keine Rolle.
  15761. Der ganze Vorgang der Erwerbung des Staatsbürgertums vollzieht sich nicht viel anders als der der Aufnahme
  15762. zum Beispiel in einen Automobilklub. Der Mann macht
  15763. seine Angaben, diese werden geprüft und begutachtet, und
  15764. eines Tages wird ihm dann auf einem Handzettel zur
  15765. Kenntnis gebracht, daß er Staatsbürger geworden sei, wobei man dies noch in eine witzig-ulkige Form kleidet. Man
  15766. teilt dem in Frage kommenden bisherigen Zulukaffer nämlich mit: „Sie sind hiermit Deutscher geworden!“
  15767. Dieses Zauberstück bringt ein Staatspräsident fertig. Was
  15768. kein Himmel schaffen könnte, das verwandelt solch ein beamteter Theophrastus Paracelsus im Handumdrehen. Ein
  15769. einfacher Federwisch, und aus einem mongolischen Wenzel
  15770. ist plötzlich ein richtiger „Deutscher“ geworden.
  15771. Aber nicht nur, daß man sich um die Rasse eines solchen
  15772. neuen Staatsbürgers nicht kümmert, man beachtet nicht
  15773. einmal seine körperliche Gesundheit. Es mag so ein Kerl
  15774. syphilitisch zerfressen sein wie er will, für den heutigen
  15775. Staat ist er dennoch als Bürger hochwillkommen, sofern er,
  15776. wie schon gesagt, finanziell keine Belastung und politisch
  15777. keine Gefahr bedeutet.
  15778. So nehmen alljährlich diese Gebilde, Staat genannt, Giftstoffe in sich auf, die sie kaum mehr zu überwinden vermögen.
  15779. Der Staatsbürger selber unterscheidet sich dann vom
  15780. Ausländer noch dadurch, daß ihm der Weg zu allen öffentlichen Ämtern freigegeben ist, daß er eventuell der Heeresdienstpflicht genügen muß und sich weiter dafür aktiv und
  15781. passiv an Wahlen beteiligen kann. Im großen und ganzen
  15782. ist dies alles. Denn den Schutz der persönlichen Rechte und
  15783. der persönlichen Freiheit genießt der Ausländer ebenso,
  15784. nicht selten sogar mehr; jedenfalls trifft dies in unserer
  15785. heutigen deutschen Republik zu.
  15786. Ich weiß, daß man dieses alles ungern hört; allein
  15787. 490
  15788. Bürger – Staatsangehöriger – Ausländer
  15789. etwas Gedankenloseres, ja Hirnverbrannteres als unser
  15790. heutiges Staatsbürgerrecht ist schwerlich vorhanden. Es gibt
  15791. zur Zeit einen Staat, in dem wenigstens schwache Ansätze
  15792. für eine bessere Auffassung bemerkbar sind. Natürlich ist
  15793. dies nicht unsere vorbildliche deutsche Republik, sondern die
  15794. amerikanische Union, in der man sich bemüht, wenigstens
  15795. teilweise wieder die Vernunft zu Rate zu ziehen. Indem
  15796. die amerikanische Union gesundheitlich schlechten Elementen die Einwanderung grundsätzlich verweigert, von der
  15797. Einbürgerung aber bestimmte Rassen einfach ausschließt,
  15798. bekennt sie sich in leisen Anfängen bereits zu einer Auffassung, die dem völkischen Staatsbegriff zu eigen ist.
  15799. D e r v ö l k i s c h e S t a a t teilt seine Bewohner in drei
  15800. Klassen: in Staatsbürger, Staatsangehörige und Ausländer.
  15801. Durch die Geburt wird grundsätzlich nur die S t a a t s angehörigkeit
  15802. erworben. Die Staatsangehörigkeit
  15803. als solche berechtigt noch nicht zur Führung öffentlicher
  15804. Ämter, auch nicht zur politischen Betätigung im Sinne
  15805. einer Teilnahme an Wahlen, in aktiver sowohl als in passiver Hinsicht. Grundsätzlich ist bei jedem Staatsangehörigen
  15806. Rasse und Nationalität festzustellen. Es steht dem Staatsangehörigen jederzeit frei, auf seine Staatsangehörigkeit
  15807. zu verzichten und Staatsbürger in dem Lande zu werden,
  15808. dessen Nationalität der seinen entspricht. D e r A u s l ä n d e r unterscheidet sich vom Staatsangehörigen nur dadurch,
  15809. daß er eine Staatsangehörigkeit in einem fremden Staate
  15810. besitzt.
  15811. Der junge Staatsangehörige deutscher Nationalität ist
  15812. verpflichtet, die jedem Deutschen vorgeschriebene Schulbildung durchzumachen. Er unterwirft sich damit der Erziehung zum rassen- und nationalbewußten Volksgenossen. Er
  15813. hat später den vom Staate vorgeschriebenen weiteren körperlichen Übungen zu genügen und tritt endlich in das
  15814. Heer ein. Die Ausbildung im Heere ist eine allgemeine; sie
  15815. hat jeden einzelnen Deutschen zu erfassen und für den seiner
  15816. körperlichen und geistigen Fähigkeit nach möglichen militärischen Verwendungsbereich zu erziehen. Dem unbescholte-
  15817. Der Staatsbürger Herr des Reiches
  15818. 491
  15819. nen gesunden jungen Mann wird daraufhin nach Vollendung seiner Heerespflicht in feierlichster Weise das
  15820. S t a a t s b ü r g e r r e c h t verliehen. Es ist die wertvollste
  15821. Urkunde für sein ganzes irdisches Leben. Er tritt damit ein
  15822. in alle Rechte des Staatsbürgers und nimmt teil an allen
  15823. Vorzügen desselben. Denn der Staat muß einen scharfen
  15824. Unterschied zwischen denen machen, die als Volksgenossen
  15825. Ursache und Träger seines Daseins und seiner Größe sind,
  15826. und solchen, die nur als „verdienende“ Elemente innerhalb
  15827. eines Staates ihren Aufenthalt nehmen.
  15828. Die Verleihung der S t a a t s b ü r g e r u r k u n d e ist
  15829. zu verbinden mit einer weihevollen Vereidigung auf die
  15830. Volksgemeinschaft und auf den Staat. In dieser Urkunde
  15831. muß ein alle sonstigen Klüfte überbrückendes gemeinsam
  15832. umschlingendes Band liegen. E s m u ß e i n e g r ö ß e r e
  15833. Ehre sein, als Straßenfeger Bürger dieses Reiches zu sein, als König in einem
  15834. fremden Staate.
  15835. Der
  15836. Staatsbürger
  15837. ist
  15838. gegenüber
  15839. dem
  15840. Ausländer bevorrechtigt. Er ist der Herr
  15841. d e s R e i c h e s . Diese höhere Würde verpflichtet aber
  15842. auch. Der Ehr- oder Charakterlose, der gemeine Verbrecher, der Vaterlandsverräter usw. kann dieser Ehre
  15843. jederzeit entkleidet werden. Er wird damit wieder Staatsangehöriger.
  15844. Das deutsche Mädchen ist Staatsangehörige und wird
  15845. mit ihrer Verheiratung erst Bürgerin. Doch kann auch den
  15846. im Erwerbsleben stehenden weiblichen deutschen Staatsangehörigen das Bürgerrecht verliehen werden.
  15847. Der Staatsbürger Herr des Reiches
  15848. 491
  15849. 4. Kapitel
  15850. Persönlichkeit und völkischer
  15851. Staatsgedanke
  15852. W enn der völkisch-nationalsozialistische Staat seine
  15853. Hauptaufgabe in der H e r a n b i l d u n g
  15854. und
  15855. Erh a l t u n g d e s T r ä g e r s d e s S t a a t e s sieht, dann
  15856. genügt es nicht allein, die rassischen Elemente als solche zu
  15857. fördern, dann zu erziehen und endlich für das praktische
  15858. Leben auszubilden, sondern es ist notwendig, daß er seine
  15859. eigene Organisation mit dieser Aufgabe in Einklang
  15860. bringt.
  15861. Es wäre ein Wahnwitz, den Wert des Menschen nach seiner Rassenzugehörigkeit abschätzen zu wollen, mithin dem
  15862. marxistischen Standpunkt: M e n s c h i s t g l e i c h M e n s c h
  15863. den Krieg zu erklären, wenn man dann doch nicht entschlossen ist, auch die letzten Konsequenzen zu ziehen. Die letzte
  15864. Konsequenz der Anerkennung der Bedeutung des Blutes,
  15865. also der rassenmäßigen Grundlage im allgemeinen, ist aber
  15866. die Übertragung dieser Einschätzung auf die einzelne Person. So wie ich im allgemeinen die Völker auf Grund
  15867. ihrer rassischen Zugehörigkeit verschieden bewerten muß,
  15868. so auch die einzelnen Menschen innerhalb einer Volksgemeinschaft. Die Feststellung, daß Volk nicht gleich Volk
  15869. ist, überträgt sich dann auf den einzelnen Menschen innerhalb einer Volksgemeinschaft etwa in dem Sinne, daß
  15870. Kopf nicht gleich Kopf sein kann, weil auch hier die blutsmäßigen Bestandteile wohl in großen Linien die gleichen
  15871. sind, allein im einzelnen doch tausendfältigen feinsten
  15872. Differenzierungen unterliegen.
  15873. Die erste Konsequenz dieser Erkenntnis ist zugleich die,
  15874. ich möchte sagen, gröbere, nämlich der Versuch, die inner-
  15875. Aufbau nach aristokratischem Prinzip
  15876. 493
  15877. halb der Volksgemeinschaft als rassisch besonders wertvoll
  15878. erkannten Elemente maßgeblichst zu fördern und für ihre
  15879. besondere Vermehrung Sorge zu tragen.
  15880. Gröber ist diese Aufgabe deshalb, weil sie fast mechanisch erkannt und gelöst zu werden vermag. Schwieriger ist
  15881. es, aus der Gesamtheit aller die geistig und ideell wirklich
  15882. wertvollsten Köpfe zu erkennen und ihnen jenen Einfluß
  15883. einzuräumen, der nicht nur diesen überlegenen Geistern an
  15884. sich zukommt, sondern der vor allem der Nation von Nutzen
  15885. ist. Diese Siebung nach Fähigkeit und Tüchtigkeit kann nicht
  15886. mechanisch vorgenommen werden, sondern ist eine Arbeit,
  15887. die der Kampf des täglichen Lebens ununterbrochen besorgt.
  15888. Eine Weltanschauung, die sich bestrebt,
  15889. unter Ablehnung des demokratischen Massengedankens, dem besten Volk, also den
  15890. höchsten Menschen, diese Erde zu geben, muß
  15891. logischerweise auch innerhalb dieses Volkes wieder dem gleichen aristokratischen
  15892. Prinzip gehorchen und den besten Köpfen
  15893. die Führung und den höchsten Einfluß im
  15894. betreffenden Volk sichern. Damit baut sie
  15895. nicht auf dem Gedanken der Majorität, sondern auf dem der Persönlichkeit auf.
  15896. Wer heute glaubt, daß sich ein völkischer, nationalsozialistischer Staat etwa nur rein mechanisch durch eine bessere
  15897. Konstruktion seines Wirtschaftslebens von anderen Staaten
  15898. zu unterscheiden hätte, also durch einen besseren Ausgleich
  15899. von Reichtum und Armut oder durch mehr Mitbestimmungsrecht breiter Schichten am Wirtschaftsprozeß oder durch gerechtere Entlohnung, durch Beseitigung von zu großen Lohndifferenzen, der ist im Alleräußerlichsten steckengeblieben
  15900. und hat keine blasse Ahnung von dem, was wir als Weltanschauung zu bezeichnen haben. All das eben Geschilderte
  15901. bietet nicht die geringste Sicherheit für dauernden Bestand
  15902. und noch viel weniger den Anspruch auf Größe. Ein Volk,
  15903. das nur in diesen wirklich äußeren Reformen haften bliebe,
  15904. würde damit nicht im geringsten eine Garantie für den
  15905. Sieg dieses Volkes im allgemeinen Völkerringen erhalten.
  15906. 494
  15907. Aufbau nach aristokratischem Prinzip
  15908. Eine Bewegung, die nur in einer derartigen allgemein
  15909. ausgleichenden und sicherlich gerechten Entwicklung den
  15910. Inhalt ihrer Mission empfindet, wird in Wahrheit keine
  15911. gewaltige und keine wirkliche, weil nicht tiefe Reform der
  15912. bestehenden Zustände herbeiführen, da ihr ganzes Handeln
  15913. am Ende nur in Äußerlichkeiten steckenbleibt, ohne dem
  15914. Volk jenes innere Gerüstetsein zu verschaffen, das es, ich
  15915. möchte fast sagen, mit zwangsläufiger Sicherheit endgültig
  15916. jene Schwächen überwinden läßt, unter denen wir heute zu
  15917. leiden haben.
  15918. Um dies leichter zu verstehen, ist es vielleicht zweckmäßig,
  15919. noch einmal einen Blick auf die wirklichen Ursprünge und
  15920. Ursachen der menschlichen Kulturentwicklung zu werfen.
  15921. Der erste Schritt, der den Menschen äußerlich sichtbar
  15922. vom Tiere entfernte, war der zur Erfindung. Die Erfindung
  15923. selbst beruht ursprünglich auf dem Finden von Listen und
  15924. Finten, deren Anwendung den Kampf um das Leben mit
  15925. anderen Wesen erleichtert und manchesmal überhaupt erst
  15926. günstig verlaufen läßt. Diese allerprimitivsten Erfindungen
  15927. lassen die Person deshalb noch nicht genügend klar in Erscheinung treten, weil sie dem nachträglichen oder besser
  15928. dem heutigen menschlichen Beobachter natürlich erst als
  15929. Massenerscheinung zum Bewußtsein kommen. Gewisse
  15930. Schliche und schlaue Maßregeln, die der Mensch zum Beispiel am Tier beobachten kann, fallen ihm erst summarisch
  15931. als Tatsache ins Auge, und er ist nicht mehr in der Lage,
  15932. ihren Ursprung festzustellen oder zu erforschen, sondern
  15933. behilft sich einfach damit, daß er solche Vorgänge als „instinktiv“ bezeichnet.
  15934. Dieses letztere Wort besagt nun in unserem Falle gar
  15935. nichts. Denn wer an eine höhere Entwicklung der Lebewesen glaubt, der muß zugeben, daß jede Äußerung ihres
  15936. Lebensdranges und -kampfes einmal einen Beginn gehabt
  15937. haben muß; daß e i n Subjekt damit angefangen haben
  15938. wird, und daß sich dann ein solcher Vorgang immer öfter
  15939. wiederholte und immer mehr ausbreitete, bis er endlich
  15940. fast in das Unterbewußtsein aller Angehörigen einer be-
  15941. Persönlichkeit und Kulturfortschritt
  15942. 495
  15943. stimmten Art überging, um dann als Instinkt in Erscheinung zu treten.
  15944. Leichter wird man dies beim Menschen selbst verstehen
  15945. und glauben. Seine ersten klugen Maßnahmen im Kampfe
  15946. mit anderen Tieren – sie sind sicher ihrem Ursprunge nach
  15947. Handlungen einzelner besonders fähiger Subjekte gewesen.
  15948. Die Persönlichkeit war einst auch hier unbedingt das Veranlassende zu Entschlüssen und Ausführungen, die später
  15949. als ganz selbstverständlich von der ganzen Menschheit übernommen wurden. Genau so wie irgendeine militärische
  15950. Selbstverständlichkeit, die heute meinetwegen die Grundlage jedweder Strategie geworden ist, ursprünglich dennoch
  15951. einem ganz bestimmten Kopf ihre Entstehung verdankte
  15952. und nur im Laufe von vielen, vielleicht sogar Tausenden
  15953. von Jahren einfach als vollkommen selbstverständlich allgemein geltend wurde.
  15954. Dieses erste Empfinden ergänzt der Mensch durch ein
  15955. zweites: er lernt andere Dinge und auch Lebewesen in
  15956. den Dienst seines eigenen Lebenserhaltungskampfes einstellen; und damit beginnt die eigentliche Erfindertätigkeit
  15957. der Menschen, die wir heute allgemein sichtbar vor Augen
  15958. haben. Diese materiellen Erfindungen, die von der Verwendung des Steines als Waffe ausgehen, die zur Zähmung von Tieren führen, das Feuer durch künstliche Erzeugung dem Menschen geben und so fort bis zu den vielfältigen und staunenswerten Erfindungen unserer Tage,
  15959. lassen um so klarer die Person als Träger solchen Schaffens
  15960. erkennen, je näher die einzelnen Erfindungen unserer
  15961. heutigen Zeit liegen oder je bedeutender und einschneidender sie sind. Wir wissen also jedenfalls: Was wir an
  15962. materiellen Erfindungen um uns sehen, ist alles das Ergebnis der schöpferischen Kraft und Fähigkeit der einzelnen
  15963. Person. Und alle diese Erfindungen, sie helfen im letzten
  15964. Grunde mit, den Menschen über das Niveau der Tierwelt mehr und mehr zu erheben, ja ihn endgültig davon
  15965. zu entfernen. Sie dienen somit im tiefsten Grunde der sich
  15966. dauernd vollziehenden höheren Menschwerdung. Aber selbst
  15967. das, was einst als einfachste Finte den im Urwald jagenden
  15968. 496
  15969. Wert der Persönlichkeit
  15970. Menschen den Kampf um das Dasein erleichterte, hilft in
  15971. Gestalt geistvoller wissenschaftlicher Erkenntnisse der Jetztzeit wieder mit, den Kampf der Menschheit um ihr heutiges
  15972. Dasein zu erleichtern und die Waffen zu schmieden für die
  15973. Kämpfe der Zukunft. Alles menschliche Denken und Erfinden dient in seinen letzten Auswirkungen zunächst dem
  15974. Lebenskampf des Menschen auf diesem Planeten, auch
  15975. wenn der sogenannte reale Nutzen einer Erfindung oder
  15976. einer Entdeckung oder einer tiefen wissenschaftlichen Einsicht in das Wesen der Dinge im Augenblicke nicht sichtbar
  15977. ist. Indem alles zusammen mithilft, den Menschen mehr
  15978. und mehr aus dem Rahmen der ihn umgebenden Lebewesen zu erheben, stärkt es und festigt es seine Stellung
  15979. so, daß er in jeglicher Hinsicht zum dominierenden Wesen
  15980. auf dieser Erde sich auswächst.
  15981. Alle Erfindungen sind also das Ergebnis des Schaffens
  15982. einer Person. Alle diese Personen selbst sind, ob gewollt
  15983. oder ungewollt, mehr oder minder große Wohltäter aller
  15984. Menschen. Ihr Wirken gibt Millionen, ja Milliarden von
  15985. menschlichen Lebewesen später Hilfsmittel zur Erleichterung der Durchführung ihres Lebenskampfes in die Hand.
  15986. Wenn wir im Ursprung der heutigen materiellen Kultur
  15987. immer einzelne Personen als Erfinder sehen, die sich dann
  15988. gegenseitig ergänzen und einer auf dem anderen wieder
  15989. weiterbauen, dann aber genau so in der Ausübung und
  15990. Durchführung der von den Erfindern erdachten und entdeckten Dinge. Denn auch sämtliche Produktionsprozesse
  15991. sind in ihrem Ursprung selbst wieder Erfindungen gleichzusetzen und damit abhängig von der Person. Auch die rein
  15992. theoretische gedankliche Arbeit, die, im einzelnen gar nicht
  15993. meßbar, dennoch die Voraussetzung für alle weiteren materiellen Erfindungen ist, erscheint wieder als das ausschließliche Produkt der Einzelperson. Nicht die Masse erfindet
  15994. und nicht die Majorität organisiert oder denkt, sondern in
  15995. allem immer nur der einzelne Mensch, die Person.
  15996. Eine menschliche Gemeinschaft erscheint nur dann als gut
  15997. organisiert, wenn sie diesen schöpferischen Kräften in möglichst entgegenkommender Weise ihre Arbeiten erleichtert
  15998. Wert der Persönlichkeit
  15999. 497
  16000. und nutzbringend für die Gesamtheit anwendet. Das Wertvollste an der Erfindung selbst, mag sie nun im Materiellen oder in der Welt der Gedanken liegen, ist zunächst der
  16001. Erfinder als Person. Ihn also für die Gesamtheit nutzbringend anzusetzen, ist erste und höchste Aufgabe der Organisation einer Volksgemeinschaft. Ja, die Organisation
  16002. selbst hat nur eine Vollstreckung dieses Grundsatzes zu sein.
  16003. Damit wird sie auch erst vom Fluche des Mechanismus
  16004. erlöst und wird selbst zu etwas Lebendigem. S i e m u ß
  16005. in sich selbst eine Verkörperung des Strebens sein, die Köpfe über die Masse zu
  16006. stellen
  16007. und
  16008. diese
  16009. mithin
  16010. den
  16011. Köpfen
  16012. unterzuordnen.
  16013. Die Organisation darf also demnach das Heraustreten
  16014. der Köpfe aus der Masse nicht nur nicht verhindern, sondern sie muß im Gegenteil durch die Art ihres eigenen
  16015. Wesens dies im höchsten Grade ermöglichen und erleichtern.
  16016. Sie hat dabei von dem Grundsatze auszugehen, daß für
  16017. die Menschheit der Segen nie in der Masse lag, sondern in
  16018. ihren schöpferischen Köpfen ruhte, die daher in Wirklichkeit als die Wohltäter des Menschengeschlechts anzusprechen
  16019. sind. Ihnen den maßgebendsten Einfluß zu sichern und
  16020. ihr Wirken zu erleichtern, liegt im Interesse der Gesamtheit. Sicher wird dieses Interesse nicht befriedigt, und es
  16021. wird ihm nicht gedient durch die Herrschaft der nicht denkfähigen oder nicht tüchtigen, auf keinen Fall aber begnadeten Masse, sondern einzig durch die Führung der von
  16022. Natur aus mit besonderen Gaben dazu Befähigten.
  16023. Das Aussuchen dieser Köpfe besorgt, wie schon gesagt,
  16024. vor allem der harte Lebenskampf selbst. Vieles bricht und
  16025. geht zugrunde, erweist sich also doch nicht als zum Letzten
  16026. bestimmt, und wenige nur erscheinen zuletzt als auserwählt.
  16027. Auf den Gebieten des Denkens, des künstlerischen Schaffens, ja selbst denen der Wirtschaft findet dieser Ausleseprozeß auch heute noch statt, obwohl er besonders auf dem
  16028. letzteren schon einer schweren Belastung ausgesetzt ist. Die
  16029. Verwaltung des Staates und ebenso die durch die organisierte Wehrkraft der Nation verkörperte Macht sind gleich-
  16030. 498
  16031. Das Majoritätsprinzip
  16032. falls von diesem Gedanken beherrscht. Überall dominiert
  16033. hier noch die Idee der Persönlichkeit, der Autorität derselben nach unten und der Verantwortlichkeit gegenüber
  16034. der höheren Person nach oben. Nur das politische Leben
  16035. hat sich heute bereits restlos von diesem natürlichsten Prinzip abgewendet. Während die gesamte menschliche Kultur
  16036. nur das Ergebnis der schöpferischen Tätigkeit der Person
  16037. ist, tritt in der gesamten, vor allem aber in der obersten
  16038. Leitung der Volksgemeinschaft das Prinzip des Wertes
  16039. der Majorität ausschlaggebend in Erscheinung und beginnt
  16040. von dort herunter allmählich das ganze Leben zu vergiften,
  16041. d.h. in Wirklichkeit: aufzulösen. Auch die destruktive Wirkung der Tätigkeit des Judentums in anderen Volkskörpern
  16042. ist im Grunde nur seinen ewigen Versuchen zuzuschreiben,
  16043. die Bedeutung der Person bei seinen Gastvölkern zu
  16044. unterhöhlen und die der Masse an ihre Stelle zu setzen.
  16045. Damit aber tritt an Stelle des organisatorischen Prinzips
  16046. der arischen Menschheit das destruktive des Juden. Er wird
  16047. dadurch „zum Ferment der Dekomposition“ von Völkern
  16048. und Rassen und im weiteren Sinne zum Auflöser der
  16049. menschlichen Kultur.
  16050. Der Marxismus aber stellt sich als den in Reinkultur
  16051. gebrachten Versuch des Juden dar, auf allen Gebieten des
  16052. menschlichen Lebens die überragende Bedeutung der Persönlichkeit auszuschalten und durch die Zahl der Masse zu
  16053. ersetzen. Dem entspricht politisch die parlamentarische Regierungsform, die wir, von den kleinsten Keimzellen der Gemeinde angefangen bis zur obersten Leitung des gesamten
  16054. Reiches, so unheilvoll wirken sehen, und wirtschaftlich das
  16055. System einer Gewerkschaftsbewegung, die nicht den wirklichen Interessen des Arbeitnehmers dient, sondern ausschließlich den zerstörenden Absichten des internationalen
  16056. Weltjuden. In eben dem Maße, in welchem die Wirtschaft
  16057. der Wirkung des Persönlichkeitsprinzips entzogen und an
  16058. Stelle dessen nur den Einflüssen und Einwirkungen der
  16059. Masse ausgeliefert wird, muß sie die im Dienste aller
  16060. stehende und für alle wertvolle Leistungsfähigkeit verlieren und allmählich einer sicheren Rückentwicklung ver-
  16061. Der Marxismus verneint den Persönlichkeitswert
  16062. 499
  16063. Fallen. Sämtliche Betriebsratsorganisationen, die, statt die
  16064. Interessen der Arbeiter und Angestellten wahrzunehmen,
  16065. Einfluß auf die Produktion selbst zu gewinnen versuchen,
  16066. dienen dem gleichen zerstörenden Zwecke. Sie schädigen die
  16067. Gesamtleistung, dadurch in Wirklichkeit aber den einzelnen.
  16068. Denn die Befriedigung der Angehörigen eines Volkskörpers
  16069. erfolgt auf die Dauer nicht ausschließlich durch bloße
  16070. theoretische Phrasen, sondern vielmehr durch die auf den
  16071. einzelnen entfallenden Güter des täglichen Lebens und die
  16072. daraus endgültig resultierende Überzeugung, daß eine
  16073. Volksgemeinschaft in ihren gesamten Leistungen die Interessen der einzelnen wahrt.
  16074. Es spielt auch keine Rolle, ob der Marxismus auf Grund
  16075. seiner Massentheorie etwa fähig erscheint, die zur Zeit
  16076. bestehende Wirtschaft zu übernehmen und weiterzuführen.
  16077. Die Kritik über die Richtigkeit oder Unrichtigkeit dieses
  16078. Prinzips wird nicht entschieden durch den Nachweis seiner
  16079. Befähigung, das Bestehende für die Zukunft zu verwalten,
  16080. sondern ausschließlich nur durch den Beweis, selbst eine
  16081. solche Kultur schaffen zu können. Der Marxismus könnte
  16082. tausendmal die heutige Wirtschaft übernehmen und unter
  16083. seiner Führung weiterarbeiten lassen, so würde sogar ein
  16084. Erfolg dieser Tätigkeit doch gar nichts beweisen gegenüber
  16085. der Tatsache, daß er nicht in der Lage wäre, unter Anwendung seines Prinzips das selbst zu schaffen, was er als
  16086. fertig heute unternimmt.
  16087. Und dafür hat der Marxismus den praktischen Beweis
  16088. erbracht. Nicht nur, daß er nirgends eine Kultur oder auch
  16089. nur eine Wirtschaft selbst schöpferisch zu begründen vermochte, er war ja tatsächlich nicht einmal in der Lage, die
  16090. bestehende nach seinen Prinzipien weiter fortzuführen,
  16091. sondern mußte schon nach kürzester Zeit auf dem Wege von
  16092. Konzessionen zu den Gedankengängen des Persönlichkeitsprinzips zurückgreifen, genau so wie er auch in seiner
  16093. eigenen Organisation dieser Grundsätze nicht entraten kann.
  16094. Das hat aber die völkische Weltanschauung von der marxistischen grundsätzlich zu
  16095. unterscheiden, daß sie nicht nur den Wert
  16096. 500
  16097. Die beste Staatsverfassung
  16098. der Rasse, sondern damit auch die Bedeutung der Person erkennt und mithin zu
  16099. den Grundpfeilern ihres ganzen Gebäud e s b e s t i m m t . Das sind die tragenden Faktoren ihrer
  16100. Weltauffassung.
  16101. Würde besonders die nationalsozialistische Bewegung die
  16102. fundamentale Bedeutung dieser grundsätzlichen Erkenntnis
  16103. nicht verstehen, sondern statt dessen am heutigen Staate
  16104. äußerlich herumflicken oder gar den Massenstandpunkt als
  16105. den ihren ansehen, dann würde sie in Wirklichkeit nur eine
  16106. Konkurrenzpartei zum Marxismus darstellen; das Recht,
  16107. sich eine Weltanschauung zu nennen, besäße sie damit nicht.
  16108. Wenn das soziale Programm der Bewegung nur darin bestände, die Persönlichkeit zu verdrängen und an ihre Stelle
  16109. die Masse zu setzen, dann wäre der Nationalsozialismus
  16110. selbst bereits vom Gift des Marxismus angefressen, wie
  16111. unsere bürgerliche Parteienwelt dies ist.
  16112. Der völkische Staat hat für die Wohlfahrt seiner Bürger
  16113. zu sorgen, indem er in allem und jedem die Bedeutung
  16114. des Wertes der Person anerkennt und so auf allen Gebieten
  16115. jenes Höchstmaß produktiver Leistungsfähigkeit einleitet,
  16116. die dem einzelnen auch ein Höchstmaß an Anteil gewährt.
  16117. Und der völkische Staat hat demgemäß die gesamte, besonders aber die oberste, also die politische Leitung restlos
  16118. vom parlamentarischen Prinzip der Majoritäts-, also Massenbestimmung zu befreien, um an Stelle dessen das Recht
  16119. der Person einwandfrei sicherzustellen.
  16120. Daraus ergibt sich folgende Erkenntnis:
  16121. Die beste Staatsverfassung und Staatsform ist diejenige, die mit natürlichster
  16122. Sicherheit die besten Köpfe der Volksgemeinschaft zu führender Bedeutung und
  16123. zu leitendem Einfluß bringt.
  16124. Wie aber im Wirtschaftsleben die fähigen Menschen
  16125. nicht von oben zu bestimmen sind, sondern sich selbst durchzuringen haben und so wie hier die unendliche Schulung
  16126. vom kleinsten Geschäft bis zum größten Unternehmen selbst
  16127. gegeben ist und nur das Leben dann die jeweiligen Prü-
  16128. Die beste Staatsverfassung
  16129. 501
  16130. fungen vornimmt, so können natürlich auch die politischen
  16131. Köpfe nicht plötzlich „entdeckt“ werden. Genies außerordentlicher Art lassen keine Rücksicht auf die normale
  16132. Menschheit zu.
  16133. Der Staat muß in seiner Organisation, bei der kleinsten
  16134. Zelle, der Gemeinde, angefangen bis zur obersten Leitung
  16135. des gesamten Reiches, das Persönlichkeitsprinzip verankert
  16136. haben.
  16137. Es gibt keine Majoritätsentscheidungen, sondern nur
  16138. verantwortliche Personen, und das Wort „Rat“ wird wieder zurückgeführt auf seine ursprüngliche Bedeutung. Jedem
  16139. Manne stehen wohl Berater zur Seite, allein d i e E n t scheidung trifft ein Mann.
  16140. Der Grundsatz, der das preußische Heer seinerzeit zum
  16141. wundervollsten Instrument des deutschen Volkes machte,
  16142. hat in übertragenem Sinne dereinst der Grundsatz des
  16143. Aufbaues unserer ganzen Staatsauffassung zu sein:
  16144. Autorität jedes Führers nach unten und
  16145. Verantwortung nach oben.
  16146. Auch dann wird man nicht jener Korporationen entbehren können, die wir heute als Parlamente bezeichnen.
  16147. Allein ihre Räte werden dann wirklich beraten, aber die
  16148. Verantwortung kann und darf immer nur e i n Träger
  16149. besitzen und mithin auch nur dieser allein die Autorität
  16150. und das Recht des Befehls.
  16151. Die Parlamente an sich sind notwendig, weil ja vor
  16152. allem in ihnen die Köpfe die Möglichkeit haben, sich langsam emporzuheben, denen man später besondere verantwortliche Aufgaben überweisen kann.
  16153. Damit ergibt sich folgendes Bild:
  16154. Der völkische Staat hat, angefangen bei der Gemeinde
  16155. bis hinauf zur Leitung des Reiches, keinen Vertretungskörper, der etwas durch Majorität beschließt, sondern nur
  16156. Beratungskörper, die dem jeweilig gewählten Führer
  16157. zur Seite stehen und von ihm in die Arbeit eingeteilt
  16158. werden, um nach Bedarf selber auf gewissen Gebieten
  16159. wieder unbedingte Verantwortung zu übernehmen, genau
  16160. 502
  16161. Beratende Kammern – verantwortliche Führer
  16162. so, wie sie im größeren der Führer oder Vorsitzende der
  16163. jeweiligen Korporation selbst besitzt.
  16164. Der völkische Staat duldet grundsätzlich nicht, daß über
  16165. Belange besonderer, zum Beispiel wirtschaftlicher Art
  16166. Menschen um Rat oder Urteil befragt werden, die auf
  16167. Grund ihrer Erziehung und Tätigkeit nichts von der Sache
  16168. verstehen können. Er gliedert deshalb seine Vertretungskörper von vornherein in p o l i t i s c h e u n d b e r u f liche ständische Kammern.
  16169. Um ein ersprießliches Zusammenwirken beider zu gewährleisten, steht über ihnen als Auslese stets ein besonderer Senat.
  16170. In keiner Kammer und in keinem Senate findet jemals
  16171. eine Abstimmung statt. Sie sind Arbeitseinrichtungen und
  16172. keine Abstimmungsmaschinen. Das einzelne Mitglied hat
  16173. beratende Stimme, aber niemals beschließende. Diese kommt
  16174. ausschließlich nur dem jeweils dafür verantwortlichen Vorsitzenden zu.
  16175. Dieser Grundsatz unbedingter Verbindung von absoluter
  16176. Verantwortlichkeit mit absoluter Autorität wird allmählich
  16177. eine Führerauslese heranzuzüchten, wie dies heute im Zeitalter des verantwortungslosen Parlamentarismus gar nicht
  16178. denkbar ist.
  16179. Damit wird die staatliche Verfassung der Nation in Übereinstimmung gebracht mit jenem Gesetz, dem sie schon auf
  16180. kulturellem und wirtschaftlichem Gebiete ihre Größe verdankt.
  16181. Was nun die Durchführbarkeit dieser Erkenntnisse betrifft, so bitte ich, nicht zu vergessen, daß das parlamentarische Prinzip der demokratischen Majoritätsbestimmung
  16182. keineswegs seit jeher die Menschheit beherrscht hat, sondern im Gegenteil nur in ganz kleinen Perioden der Geschichte zu finden ist, die aber immer Zeiträume des Verfalls von Völkern und Staaten sind.
  16183. Allerdings soll man nicht glauben, daß man durch rein
  16184. theoretische Maßnahmen von oben herunter einen solchen
  16185. Nat.-Soz. Bewegung und kommender Staat
  16186. 503
  16187. Wandel herbeiführen könne, da er logischerweise nicht einmal bei der Verfassung des Staates haltmachen darf, sondern auch die gesamte übrige Gesetzgebung, ja das allgemeine bürgerliche Leben durchdringen muß. Solch eine
  16188. Umwälzung kann und wird nur stattfinden durch eine Bewegung, die selbst bereits im Geiste dieser Gedanken aufgebaut ist und somit in sich selbst schon den kommenden
  16189. Staat trägt.
  16190. Daher mag sich die nationalsozialistische Bewegung schon
  16191. heute restlos in diese Gedanken einleben und sie zur praktischen Auswirkung innerhalb ihrer eigenen Organisation
  16192. bringen, auf daß sie dereinst dem Staate nicht nur dieselben
  16193. Richtlinien weisen mag, sondern ihm auch bereits den vollendeten Körper ihres eigenen Staates zur Verfügung
  16194. stellen kann.
  16195. 5. Kapitel
  16196. Weltanschauung und Organisation
  16197. D er völkische Staat, dessen allgemeines Bild ich in großen
  16198. Linien aufzuzeichnen versuchte, wird durch die bloße
  16199. Erkenntnis dessen, was diesem Staat notwendig ist, an sich
  16200. noch nicht verwirklicht. Es genügt nicht, zu wissen, wie ein
  16201. völkischer Staat aussehen soll. Viel wichtiger ist das Problem seiner Entstehung. Man darf nicht erwarten, daß die
  16202. heutigen Parteien, die doch in erster Linie Nutznießer des
  16203. derzeitigen Staates sind, von sich aus zu einer Umstellung
  16204. gelangen und aus freien Stücken eine Änderung ihrer derzeitigen Haltung durchführen. Dies ist um so weniger möglich, als ihre tatsächlich leitenden Elemente ja immer nur
  16205. Juden und wieder Juden sind. Die Entwicklung, die wir
  16206. zur Zeit durchmachen, würde aber, ungehemmt weitergeführt, eines Tages bei der alljüdischen Prophezeiung
  16207. landen – der Jude fräße tatsächlich die Völker der Erde,
  16208. würde ihr Herr.
  16209. So verfolgt er gegenüber den Millionen deutscher „Bourgeois“ und „Proleten“, die größtenteils aus mit Feigheit
  16210. gepaarter Indolenz und Dummheit in ihr Verderben
  16211. trotten, im höchsten Bewußtsein seines Zukunftszieles, unweigerlich seinen Weg. Eine Partei, die von ihm geleitet
  16212. wird, kann also keine anderen als seine Interessen verfechten, mit den Belangen arischer Völker aber haben
  16213. diese nichts gemein.
  16214. Wenn man also versuchen will, das ideale Bild eines
  16215. völkischen Staates in die reale Wirklichkeit zu überführen,
  16216. dann muß man, unabhängig von den bisherigen Mächten
  16217. des öffentlichen Lebens, nach einer neuen Kraft suchen,
  16218. die gewillt und fähig ist, den Kampf für ein solches Ideal
  16219. Kampf und Kritik
  16220. 505
  16221. aufzunehmen. Denn um einen Kampf handelt es sich hierbei, insofern die erste Aufgabe nicht heißt: Schaffung einer
  16222. völkischen Staatsauffassung, sondern vor allem: Beseitigung
  16223. der vorhandenen jüdischen. Wie so oft in der Geschichte
  16224. liegt die Hauptschwierigkeit nicht im Formen des neuen Zustandes, sondern im Platzmachen für denselben. Vorurteile
  16225. und Interessen verbünden sich zu einer geschlossenen Phalanx und versuchen, den Sieg einer ihnen unangenehmen
  16226. oder sie bedrohenden Idee mit allen Mitteln zu verhindern.
  16227. Dadurch ist der Kämpfer für ein solches neues Ideal leider Gottes gezwungen, bei aller positiven Betonung desselben, in erster Linie den negativen Teil des Kampfes
  16228. durchzufechten, den, der zur Beseitigung des gegenwärtigen
  16229. Zustandes führen soll.
  16230. Eine junge Lehre von großer und neuer prinzipieller
  16231. Bedeutung wird, so unangenehm dies dem einzelnen auch
  16232. sein mag, als erste Waffe die Sonde der Kritik in aller
  16233. Schärfe ansetzen müssen.
  16234. Es zeugt von wenig tiefem Einblick in die geschichtlichen
  16235. Entwicklungen, wenn heute von den sogenannten Völkischen immer wieder Wert darauf gelegt wird, zu versichern,
  16236. daß sie sich keineswegs in n e g a t i v e r K r i t i k zu betätigen
  16237. gedenken, sondern nur i n a u f b a u e n d e r A r b e i t ; ein
  16238. ebenso kindlich-blödsinniges als echt „völkisches“ Gestammel und ein Beweis, wie spurlos an diesen Köpfen sogar
  16239. die Geschichte der eigenen Zeit vorübergegangen ist. Auch
  16240. der M a r x i s m u s hatte ein Ziel, und auch er kennt eine
  16241. a u f b a u e n d e T ä t i g k e i t (wenn es sich dabei auch
  16242. nur um die Errichtung einer Despotie des internationalen
  16243. Weltfinanzjudentums handelt!); allein er hat vorher nichtsdestoweniger s i e b z i g J a h r e lang K r i t i k g e ü b t ,
  16244. und zwar vernichtende, zersetzende Kritik und immer
  16245. wieder Kritik, so lange, bis durch diese ewig fressende
  16246. Säure der alte Staat zermürbt und zum Einsturz gebracht war. Dann erst begann sein sogenannter „Aufbau“.
  16247. Und das war selbstverständlich, richtig und logisch. Ein
  16248. bestehender Zustand wird durch die bloße Betonung und
  16249. Vertretung eines künftigen noch nicht beseitigt. Denn es
  16250. 506
  16251. Weltanschauungen sind unduldsam
  16252. ist nicht anzunehmen, daß die Anhänger oder gar die
  16253. Interessenten des zur Zeit bereits bestehenden Zustandes
  16254. allein durch die Festlegung einer Notwendigkeit restlos
  16255. bekehrt und für den neuen gewonnen werden könnten.
  16256. Es kann im Gegenteil nur zu leicht der Fall eintreten, daß
  16257. dann eben zwei Zustände nebeneinander bestehen bleiben und damit die sogenannte W e l t a n s c h a u u n g zur
  16258. P a r t e i wird, aus deren Rahmen sie sich nicht wieder
  16259. zu erheben vermag. Denn die Weltanschauung ist unduldsam und kann sich mit der Rolle einer „Partei neben
  16260. anderen“ nicht begnügen, sondern fordert gebieterisch ihre
  16261. eigene, ausschließliche und restlose Anerkennung sowie die
  16262. vollkommene Umstellung des gesamten öffentlichen Lebens
  16263. nach ihren Anschauungen. Sie kann also das gleichzeitige
  16264. Weiterbestehen einer Vertretung des früheren Zustandes
  16265. nicht dulden.
  16266. Das gilt genau so für Religionen.
  16267. Auch das Christentum konnte sich nicht damit begnügen,
  16268. seinen eigenen Altar aufzubauen, sondern mußte zwangsläufig zur Zerstörung der heidnischen Altäre schreiten. Nur
  16269. aus dieser fanatischen Unduldsamkeit heraus konnte sich
  16270. der apodiktische Glauben bilden; diese Unduldsamkeit ist
  16271. sogar die unbedingte Voraussetzung für ihn.
  16272. Man kann sehr wohl den Einwand bringen, daß es sich
  16273. bei derartigen Erscheinungen in der Weltgeschichte meist
  16274. um solche spezifisch jüdischer Denkart handelt; ja, daß diese
  16275. Art von Unduldsamkeit und Fanatismus geradezu jüdische
  16276. Wesensart verkörpere. Dies mag tausendmal richtig sein,
  16277. und man kann diese Tatsache wohl tief bedauern und mit
  16278. nur allzu berechtigtem Unbehagen ihr Erscheinen in der
  16279. Geschichte der Menschheit als etwas feststellen, was dieser
  16280. bis dahin fremd gewesen war – doch ändert dies nichts
  16281. daran, daß dieser Zustand heute eben d a ist. Die Männer,
  16282. die unser deutsches Volk aus seinem jetzigen Zustand erlösen wollen, haben sich nicht den Kopf darüber zu zerbrechen, wie schön es wäre, wenn dieses und jenes nicht
  16283. wäre, sondern müssen versuchen, festzustellen, wie man das
  16284. Gegebene beseitigt. Eine von infernalischer Unduldsamkeit
  16285. Parteien neigen zu Kompromissen
  16286. 507
  16287. erfüllte Weltanschauung wird aber nur zerbrochen werden
  16288. durch eine vom gleichen Geist vorwärtsgetriebene, vom
  16289. gleichen stärksten Willen verfochtene, dabei aber in sich
  16290. reine und durchaus wahrhafte neue Idee.
  16291. Der einzelne mag heute schmerzlich feststellen, daß in
  16292. die viel freiere antike Welt mit dem Erscheinen des Christentums der erste geistige Terror gekommen ist, er wird
  16293. die Tatsache aber nicht bestreiten können, daß die Welt
  16294. seitdem von diesem Zwange bedrängt und beherrscht wird,
  16295. und daß man Zwang nur wieder durch Zwang bricht und
  16296. Terror nur mit Terror. Erst dann kann aufbauend ein
  16297. neuer Zustand geschaffen werden.
  16298. Politische Parteien sind zu Kompromissen geneigt, Weltanschauungen niemals.
  16299. Politische Parteien rechnen selbst mit
  16300. Gegenspielern, Weltanschauungen proklamieren ihre Unfehlbarkeit.
  16301. Auch politische Parteien haben ursprünglich fast immer
  16302. die Absicht, zu alleiniger despotischer Herrschaft zu kommen; ein kleiner Trieb zu einer Weltanschauung steckt fast
  16303. immer in ihnen. Jedoch schon die Engigkeit ihres Programms raubt ihnen den Heroismus, den eine Weltanschauung fordert. Die Konzilianz ihres Wollens führt ihnen die
  16304. kleinen und schwächlichen Geister zu, mit denen man keine
  16305. Kreuzzüge zu führen imstande ist. So bleiben sie meist
  16306. schon frühzeitig in ihrer eigenen erbärmlichen Kleinheit
  16307. stecken. Damit geben sie aber den Kampf für eine Weltanschauung auf und versuchen, statt dessen durch sogenannte „positive Mitarbeit“ möglichst eilig ein Plätzchen am
  16308. Futtertrog bestehender Einrichtungen zu erobern und möglichst lange daran zu bleiben. Das ist ihr ganzes Streben.
  16309. Und sollten sie je durch einen etwas brutal veranlagten
  16310. konkurrierenden Kostgänger von dieser allgemeinen Futterkrippe weggedrängt werden, dann ist ihr Sinnen und
  16311. Trachten nur darauf eingestellt, sich, sei es durch Gewalt
  16312. oder List, in dem Rudel der Auch-Hungrigen wieder nach
  16313. vorne zu dringen, um endlich, koste es auch ihre heiligste
  16314. 508
  16315. Gemeinschaft auf Grund neuer Weltanschauung
  16316. Überzeugung, sich an der geliebten Nährquelle laben zu
  16317. können. Schakale der Politik!
  16318. Da eine Weltanschauung niemals bereit
  16319. i s t , m i t e i n e r z w e i t e n z u t e i l e n , so kann sie
  16320. auch nicht bereit sein, an einem bestehenden Zustand, den
  16321. sie verurteilt, mitzuarbeiten, sondern fühlt die Verpflichtung, diesen Zustand und die gesamte gegnerische Ideenwelt mit allen Mitteln zu bekämpfen, d.h. deren Einsturz
  16322. vorzubereiten.
  16323. Sowohl dieser rein zersetzende Kampf, der von allen
  16324. anderen sofort in seiner Gefahr erkannt wird und mithin
  16325. auf gemeinsame Abwehr stößt, als auch der positive, der
  16326. zur Durchsetzung der eigenen neuen Gedankenwelt angreift,
  16327. erfordert entschlossene Kämpfer. So wird eine Weltanschauung ihre Idee nur dann zum Siege führen, wenn sie die
  16328. Formen einer kampfkräftigen Organisation bringt. Dazu
  16329. ist es jedoch erforderlich, daß sie, unter Berücksichtigung
  16330. dieser Elemente, aus ihrem allgemeinen Weltbild bestimmte
  16331. Gedanken herausgreift und sie in eine Form kleidet, die
  16332. in ihrer präzisen, schlagwortähnlichen Kürze geeignet erscheint, einer neuen Gemeinschaft von Menschen als
  16333. Glaubensbekenntnis zu dienen. Während das Programm
  16334. einer nur politischen Partei das Rezept für einen gesunden nächsten Wahlausgang ist, bedeutet das Programm
  16335. einer Weltanschauung die Formulierung einer Kriegserklärung gegen eine bestehende Ordnung, gegen einen
  16336. bestehenden Zustand, kurz gegen eine bestehende Weltauffassung überhaupt.
  16337. Es ist dabei nicht nötig, daß jeder einzelne, der für diese
  16338. Weltanschauung kämpft, vollen Einblick und genaue Kenntnis in die letzten Ideen und Gedankengänge der Führer
  16339. der Bewegung erhält. Notwendig ist vielmehr, daß ihm
  16340. einige wenige, ganz große Gesichtspunkte klargemacht werden und die wesentlichen Grundlinien sich ihm unauslöschlich einbrennen, so daß er von der Notwendigkeit des Sieges
  16341. seiner Bewegung und ihrer Lehre restlos durchdrungen ist.
  16342. Führung und Gefolgschaft
  16343. 509
  16344. Es wird auch der einzelne Soldat nicht in die Gedankengänge höherer Strategie eingeweiht. So wie er vielmehr
  16345. zu straffer Disziplin und zur fanatischen Überzeugung von
  16346. dem Recht und der Kraft seiner Sache und zu restloser
  16347. Einstellung auf sie erzogen wird, so muß dies auch beim
  16348. einzelnen Anhänger einer Bewegung von großem Ausmaß
  16349. und großer Zukunft und größtem Wollen geschehen.
  16350. So wenig eine Armee taugen würde, deren einzelne Soldaten durchgehend Generäle wären, und sei es auch nur
  16351. ihrer Bildung und ihrer Einsicht nach, so wenig taugt eine
  16352. politische Bewegung als Vertretung einer Weltanschauung,
  16353. wenn sie nur ein Sammelbecken „geistreicher“ Menschen
  16354. sein möchte. Nein, sie braucht auch den primitiven Soldaten, da sonst eine innere Disziplin nicht zu erzielen ist.
  16355. Es liegt im Wesen einer O r g a n i s a t i o n , daß sie
  16356. nur bestehen kann, wenn einer höchsten geistigen Führung
  16357. eine breite, mehr gefühlsmäßig eingestellte Masse dient.
  16358. Eine Kompanie von zweihundert geistig ganz gleich fähigen
  16359. Menschen wäre auf die Dauer schwerer zu disziplinieren
  16360. als eine solche von hundertneunzig geistig weniger fähigen
  16361. und zehn höhergebildeten.
  16362. Aus dieser Tatsache hat einst die Sozialdemokratie den
  16363. größten Nutzen gezogen. Sie hat die aus dem Heeresdienst
  16364. entlassenen und dort schon zur Disziplin erzogenen Angehörigen der breiten Schichten unseres Volkes erfaßt und in
  16365. ihre ebenso stramme Parteidisziplin genommen. Auch ihre
  16366. Organisation stellte eine Armee von Offizieren und Soldaten dar. Der aus dem Heeresdienst entlassene d e u t s c h e
  16367. H a n d a r b e i t e r wurde der S o l d a t , der j ü d i s c h e
  16368. I n t e l l e k t u e l l e der O f f i z i e r ; die deutschen Gewerkschaftsbeamten kann man dabei als das Unteroffizierkorps ansehen. Was unser Bürgertum immer mit Kopfschütteln betrachtete, die Tatsache, daß dem Marxismus
  16369. nur die sogenannten ungebildeten Massen angehörten, war
  16370. in Wahrheit die Voraussetzung für den Erfolg desselben.
  16371. Denn während die bürgerlichen Parteien in ihrer einseitigen Geistigkeit eine untaugliche, disziplinlose Bande
  16372. darstellen, hatte der Marxismus in seinem weniggeistigen
  16373. 510
  16374. Führung und Gefolgschaft
  16375. Menschenmaterial eine Armee von Parteisoldaten gebildet,
  16376. die dem jüdischen Dirigenten nun genau so blind gehorchten wie einst ihrem deutschen Offizier. Das deutsche Bürgertum, das sich um psychologische Probleme, weil darüber
  16377. hoch erhaben, grundsätzlich nie gekümmert hat, fand es
  16378. auch hier nicht notwendig, nachzudenken, um den tieferen
  16379. Sinn sowie die heimliche Gefahr dieser Tatsache zu erkennen. Man glaubte im Gegenteil, daß eine politische Bewegung, die nur aus Kreisen der „Intelligenz“ gebildet wird,
  16380. schon aus diesem Grunde wertvoller sei und mehr Anspruch,
  16381. ja selbst mehr Wahrscheinlichkeit besitze, an die Regierung
  16382. zu gelangen, als eine ungebildete Masse. M a n b e g r i f f
  16383. nie, daß die Stärke einer politischen Partei
  16384. keineswegs in einer möglichst großen und
  16385. selbständigen Geistigkeit der einzelnen
  16386. Mitglieder liegt, als vielmehr im disziplinierten Gehorsam, mit dem ihre Mitglieder der geistigen Führung Gefolgschaft
  16387. l e i s t e n . Das Entscheidende ist die Führung selbst. Wenn
  16388. zwei Truppenkörper miteinander kämpfen, wird nicht derjenige siegen, bei dem jeder einzelne die höchste strategische Ausbildung erhielt, sondern d e r j e n i g e , der die
  16389. überlegenste Führung und zugleich die disziplinierteste,
  16390. blindgehorsamste, bestgedrillte Truppe hat.
  16391. Das ist eine grundsätzliche Einsicht, die wir bei der Überprüfung der Möglichkeit, eine Weltanschauung in die Tat
  16392. umzusetzen, uns stets vor Augen halten müssen.
  16393. Wenn wir also, um eine Weltanschauung zum Sieg zu
  16394. führen, sie zu einer Kampfbewegung umzustellen haben,
  16395. so muß logischerweise das Programm der Bewegung auf
  16396. das Menschenmaterial Rücksicht nehmen, daß ihr zur Verfügung steht. So unverrückbar die Schlußziele und die
  16397. leitenden Ideen sein müssen, so genial und psychologisch
  16398. richtig muß das Werbeprogramm auf die Seele derjenigen
  16399. eingestellt sein, ohne deren Hilfe die schönste Idee ewig
  16400. nur Idee bleiben würde.
  16401. Wenn die völkische Idee aus dem unklaren Wollen von heute zu einem klaren
  16402. Die Leitsätze der Bewegung
  16403. 511
  16404. Erfolg kommen will, dann muß sie aus
  16405. ihrer
  16406. weiten
  16407. Gedankenwelt
  16408. bestimmte
  16409. Leitsätze herausgreifen, die ihrem Wesen
  16410. und Inhalt nach geeignet sind, eine breitere Menschenmasse auf sich zu verpflichten, und zwar diejenige, die allein den
  16411. weltanschauungsmäßigen
  16412. Kampf
  16413. dieser
  16414. Idee gewährleistet. Dies ist die deutsche
  16415. Arbeiterschaft.
  16416. Deshalb wurde das Programm der neuen Bewegung in
  16417. wenigen, insgesamt f ü n f u n d z w a n z i g L e i t s ä t z e n
  16418. zusammengefaßt. Sie sind bestimmt, in erster Linie dem
  16419. Mann aus dem Volk ein grobes Bild des Wollens der Bewegung zu geben. Sie sind gewissermaßen ein p o l i t i s c h e s G l a u b e n s b e k e n n t n i s , das einerseits für
  16420. die Bewegung wirbt und andererseits sich eignet, die Geworbenen zu verbinden und zusammenzuschweißen durch
  16421. eine gemeinsam anerkannte Verpflichtung.
  16422. Dabei darf uns folgende Einsicht nie verlassen: Da das
  16423. sogenannte P r o g r a m m d e r B e w e g u n g in seinen
  16424. Schlußzielen wohl unbedingt richtig ist, in der Formulierung jedoch Rücksicht auf psychologische Momente nehmen
  16425. mußte, kann im Laufe der Zeit sehr wohl die Überzeugung
  16426. aufkommen, daß im einzelnen vielleicht bestimmte Leitsätze anders gefaßt werden, eine bessere Formulierung erhalten müßten. Jeder Versuch dazu wirkt sich aber meist
  16427. verhängnisvoll aus. Denn damit wird etwas, das unerschütterlich fest sein sollte, der Diskussion anheimgegeben, die,
  16428. sowie einmal ein einzelner Punkt der glaubensmäßig dogmatischen Festlegung entzogen ist, nicht ohne weiteres
  16429. eine neue, bessere und vor allem einheitliche Festlegung ergibt, sondern viel eher zu endlosen Debatten und zu einer
  16430. allgemeinen Wirrnis führen wird. Es bleibt in einem solchen Fall immer abzuwägen, was besser ist: eine neue,
  16431. glücklichere Formulierung, die eine Auseinandersetzung
  16432. innerhalb der Bewegung veranlaßt, oder eine im Augenblick vielleicht nicht allerbeste Form, die aber einen in sich
  16433. geschlossenen, unerschütterlichen, innerlich ganz einheit-
  16434. 512
  16435. Die Leitsätze der Bewegung
  16436. lichen Organismus darstellt. Und jede Prüfung wird ergeben, daß letzteres vorzuziehen ist. Denn da es sich bei
  16437. Abänderungen immer nur um die äußere Formgebung handelt, werden solche Korrekturen immer wieder als möglich
  16438. oder wünschenswert erscheinen. E n d l i c h b e s t e h t a b e r
  16439. bei der Oberflächlichkeit der Menschen
  16440. die große Gefahr, daß sie in dieser rein
  16441. äußeren
  16442. Formulierung
  16443. eines
  16444. Programms
  16445. die wesentliche Aufgabe einer Bewegung
  16446. s e h e n . Damit tritt dann der Wille und die Kraft zur Verfechtung der Idee selbst zurück, und die Aktivität, die sich
  16447. nach außen wenden sollte, wird sich in inneren programmatischen Kämpfen aufreiben.
  16448. Bei einer in großen Zügen tatsächlich richtigen Lehre ist
  16449. es weniger schädlich, eine Fassung, selbst wenn sie der Wirklichkeit nicht mehr ganz entsprechen sollte, beizubehalten,
  16450. als durch eine Verbesserung derselben ein bisher als graniten geltendes Grundgesetz der Bewegung der allgemeinen
  16451. Diskussion mit ihren übelsten Folgeerscheinungen auszuliefern. Unmöglich ist es vor allem so lange, als eine Bewegung
  16452. selbst erst um den Sieg kämpft. Denn wie will man Menschen
  16453. mit blindem Glauben an die Richtigkeit einer Lehre erfüllen, wenn man durch dauernde Veränderungen am äußeren
  16454. Bau derselben selbst Unsicherheit und Zweifel verbreitet?
  16455. Das Wesentliche darf eben nie in der äußeren Fassung,
  16456. sondern stets nur im inneren Sinn gesucht werden. Und
  16457. dieser ist unveränderlich; und in seinem Interesse kann man
  16458. zuletzt nur wünschen, daß sich die Bewegung durch Fernhalten aller zersplitternden und Unsicherheit erzeugenden
  16459. Vorgänge die nötige Kraft zu seiner Verfechtung erhalte.
  16460. Auch hier hat man an der katholischen Kirche zu lernen.
  16461. Obwohl ihr Lehrgebäude in manchen Punkten, und zum
  16462. Teil ganz überflüssigerweise, mit der exakten Wissenschaft
  16463. und der Forschung in Kollision gerät, ist sie dennoch nicht
  16464. bereit, auch nur eine kleine Silbe von ihren Lehrsätzen zu
  16465. opfern. Sie hat sehr richtig erkannt, daß ihre Widerstandskraft nicht in einer mehr oder minder großen Anpassung
  16466. an die jeweiligen wissenschaftlichen Ergebnisse liegt, die in
  16467. Die Leitsätze der Bewegung
  16468. 513
  16469. Wirklichkeit doch ewig schwanken, sondern vielmehr im
  16470. starren Festhalten an einmal niedergelegten Dogmen, die
  16471. dem Ganzen erst den Glaubenscharakter verleihen. So steht
  16472. sie heute fester da als je. Man kann prophezeien, daß in
  16473. eben dem Maße, in dem die Erscheinungen fliehen, sie selbst
  16474. als ruhender Pol in der Erscheinungen Flucht immer mehr
  16475. blinde Anhänglichkeit erringen wird.
  16476. Wer also den Sieg einer völkischen Weltanschauung wirklich und ernstlich wünscht,
  16477. der muß nicht nur erkennen, daß zur Erringung eines solchen Erfolges erstens
  16478. nur eine kampffähige Bewegung geeignet
  16479. ist, sondern daß zweitens eine solche Bewegung selbst nur standhalten wird unter
  16480. Zugrundelegung einer unerschütterlichen
  16481. Sicherheit und Festigkeit ihres Programms.
  16482. Sie darf sich nicht unterstehen, in der
  16483. Formulierung desselben dem jeweiligen
  16484. Zeitgeist Konzessionen zu machen, sondern muß eine einmal als günstig befundene Form für immer beibehalten, auf alle
  16485. Fälle aber so lange, bis sie der Sieg gek r ö n t h a t . Vorher zersplittert j e d e r V e r s u c h ,
  16486. Auseinandersetzungen über die Zweckmäßigkeit des einen
  16487. oder anderen Programmpunktes herbeizuführen, die Geschlossenheit und die Kampfkraft der Bewegung in dem
  16488. Maße, in dem ihre Anhänger sich an einer solchen inneren
  16489. Diskussion beteiligen. Damit ist nicht gesagt, daß eine
  16490. heute durchgeführte „Verbesserung“ nicht schon morgen
  16491. erneut kritischen Prüfungen unterworfen werden könnte,
  16492. um übermorgen abermals einen besseren Ersatz zu finden.
  16493. Wer hier einmal Schranken einreißt, gibt eine Bahn frei,
  16494. deren Anfang man kennt, deren Ende jedoch sich im Uferlosen verliert.
  16495. Diese wichtige Erkenntnis mußte in der jungen nationalsozialistischen Bewegung ihre Verwertung finden. D i e
  16496. Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei erhielt mit ihrem Programm der
  16497. 18
  16498. 514
  16499. Die Leitsätze der Bewegung
  16500. fünfundzwanzig Thesen eine Grundlage,
  16501. d i e u n e r s c h ü t t e r l i c h s e i n m u ß . Die Aufgabe
  16502. der heutigen und der kommenden Mitglieder unserer Bewegung darf nicht in einer kritischen Umarbeitung dieser
  16503. Leitsätze, sondern vielmehr in ihrer Verpflichtung auf sie
  16504. bestehen. Denn sonst könnte die nächste Generation mit
  16505. demselben Recht ihrerseits wieder ihre Kraft für eine solche
  16506. rein formale Arbeit innerhalb der Partei verschwenden,
  16507. anstatt der Bewegung neue Anhänger und dadurch neue
  16508. Kräfte zuzuführen. Für die große Zahl der Anhänger wird
  16509. das Wesen unserer Bewegung weniger im Buchstaben unserer Leitsätze liegen als vielmehr in dem Sinne, den wir
  16510. ihnen zu geben imstande sind.
  16511. Diesen
  16512. Erkenntnissen
  16513. verdankte
  16514. die
  16515. junge Bewegung einst ihren Namen, nach
  16516. ihnen wurde später das Programm verfaßt,
  16517. und in ihnen liegt weiter die Art ihrer
  16518. Verbreitung begründet. Um den völkischen
  16519. Ideen zum Siege zu verhelfen, mußte eine
  16520. Volkspartei geschaffen werden, eine Partei,
  16521. die
  16522. nicht
  16523. nur
  16524. aus
  16525. intellektuellen
  16526. Führern, sondern auch aus Handarbeitern
  16527. besteht!
  16528. Jeder Versuch, ohne eine solche schlagkräftige
  16529. Organisation
  16530. an
  16531. die
  16532. Verwirklichung völkischer Gedankengänge zu schreiten, würde genau so wie in der Vergangenheit, heute und auch in aller Zukunft erfolglos
  16533. s e i n . Damit hat aber die Bewegung nicht nur das R e c h t ,
  16534. sondern die P f l i c h t , sich als Vorkämpferin und damit
  16535. als Repräsentantin dieser Ideen zu fühlen. So sehr die
  16536. G r u n d g e d a n k e n der nationalsozialistischen Bewegung
  16537. v ö l k i s c h e sind, so sehr sind zugleich die v ö l k i s c h e n
  16538. G e d a n k e n n a t i o n a l s o z i a l i s t i s c h . Wenn aber
  16539. der Nationalsozialismus siegen will, so muß er sich zu dieser Feststellung unbedingt und ausschließlich bekennen.
  16540. Er hat hier ebenfalls nicht nur das R e c h t , sondern
  16541. auch die P f l i c h t , die Tatsache schärfstens zu betonen, daß
  16542. Nationalsozialismus und völkische Idee
  16543. 515
  16544. jeder Versuch, außerhalb des Rahmens der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei die völkische Idee
  16545. zu vertreten, unmöglich ist, in den meisten Fällen aber
  16546. geradezu auf Schwindel beruht.
  16547. Wenn jemand heute der Bewegung den Vorwurf macht,
  16548. sie tue, als ob sie die völkische Idee „g e p a c h t e t “ hätte,
  16549. so gibt es darauf nur eine einzige Antwort:
  16550. Nicht nur gepachtet, sondern für die
  16551. Praxis geschaffen.
  16552. Denn was bisher unter diesem Begriff vorhanden war,
  16553. war nicht geeignet, das Schicksal unseres Volkes auch nur
  16554. im geringsten zu beeinflussen, da allen diesen Ideen die
  16555. klare einheitliche Formulierung gefehlt hat. Es handelte
  16556. sich meistens nur um einzelne, zusammenhanglose Erkenntnisse von mehr oder minder großer Richtigkeit, die sich
  16557. nicht selten gegenseitig widersprachen, auf keinen Fall aber
  16558. eine innere Bindung untereinander hatten. Und selbst wenn
  16559. diese vorhanden gewesen wäre, so würde sie doch in ihrer
  16560. Schwäche niemals genügt haben, eine Bewegung darauf einzustellen und aufzubauen.
  16561. Allein die nationalsozialistische Bewegung vollbrachte dies.
  16562. Wenn heute alle möglichen Verbände und Verbändchen,
  16563. Gruppen und Grüppchen und meinetwegen auch „große
  16564. Parteien“ das Wort „völkisch“ für sich in Anspruch nehmen, so ist dies selbst schon eine Folge des Wirkens der
  16565. nationalsozialistischen Bewegung. Ohne
  16566. ihre Arbeit wäre es allen diesen Organis a t i o n e n n i e e i n g e f a l l e n , d a s W o r t „v ö l k i s c h “ a u c h n u r a u s z u s p r e c h e n , sie hätten sich
  16567. unter diesem Worte überhaupt nichts vorgestellt, und besonders ihre leitenden Köpfe würden in keinerlei Beziehung irgendwelcher Art zu diesem Begriffe gestanden sein.
  16568. Erst die Arbeit der NSDAP. hat diesen Begriff zu einem
  16569. inhaltschweren Wort gemacht, das nun von allen möglichen
  16570. Leuten in den Mund genommen wird; vor allem hat sie in
  16571. 516
  16572. Nationalsozialismus und völkische Idee
  16573. ihrer eigenen erfolgreichen Werbetätigkeit die Kraft dieser
  16574. völkischen Gedanken gezeigt und bewiesen, so daß schon
  16575. die eigene Gewinnsucht die anderen zwingt, wenigstens
  16576. behauptungsweise Ähnliches zu wollen.
  16577. So wie sie bisher alles in den Dienst ihrer kleinlichen
  16578. Wahlspekulation gestellt haben, so ist für diese Parteien
  16579. der Begriff völkisch heute auch nur ein ganz äußerliches,
  16580. hohles Schlagwort geblieben, mit dem sie versuchen, die
  16581. werbende Kraft der nationalsozialistischen Bewegung bei
  16582. ihren eigenen Mitgliedern auszugleichen. Denn nur die
  16583. Sorge um ihren eigenen Bestand sowie die Angst vor dem
  16584. Emporkommen unserer von einer neuen Weltanschauung
  16585. getragenen Bewegung, deren universale Bedeutung sie
  16586. ebenso ahnen wie ihre gefährliche Ausschließlichkeit, legt
  16587. ihnen Worte in den Mund, die sie vor acht Jahren nicht
  16588. kannten, vor sieben Jahren verlachten, vor sechs als
  16589. Blödsinn bezeichneten, vor fünf bekämpften, vor vier
  16590. haßten, vor drei verfolgten, um sie nun endlich vor
  16591. zwei Jahren selbst zu annektieren und, vereint mit ihrem
  16592. sonstigen Wortschatz, als Kriegsgeschrei im Kampf zu
  16593. verwenden.
  16594. Und selbst heute muß man immer wieder darauf hinweisen, daß allen diesen Parteien jede Ahnung fehlt, w a s
  16595. d e m d e u t s c h e n V o l k e n o t t u t . Der schlagendste
  16596. Beweis dafür ist die Oberflächlichkeit, mit der sie das
  16597. Wort „völkisch“ in ihre Mäuler nehmen!
  16598. Nicht minder gefährlich sind dabei alle diejenigen, die
  16599. als Scheinvölkische sich herumtollen, phantastische Pläne
  16600. schmieden, meist auf nichts weiter gestützt als auf irgendeine
  16601. fixe Idee, die an sich richtig sein könnte, allein in ihrer
  16602. Isoliertheit dennoch ohne jede Bedeutung für die Bildung
  16603. einer großen einheitlichen Kampfgemeinschaft und auf keinen Fall geeignet sind, eine solche aufzubauen. Diese Leute,
  16604. die teils aus eigenem Denken, teils aus Gelesenem ein
  16605. Programm zusammenbrauen, sind häufig gefährlicher als die
  16606. offenen Feinde der völkischen Idee. Sie sind im günstigsten
  16607. Fall unfruchtbare Theoretiker, meistens aber verheerende
  16608. Schwadroneure und glauben nicht selten, durch wallenden
  16609. Nationalsozialismus und völkische Idee
  16610. 517
  16611. Vollbart und urgermanisches Getue die geistige und gedankliche Hohlheit ihres Handelns und Könnens maskieren
  16612. zu können.
  16613. Im Gegensatz zu all diesen untauglichen Versuchen ist es
  16614. deshalb gut, wenn man sich die Zeit in das Gedächtnis
  16615. zurückruft, in der die junge nationalsozialistische Bewegung
  16616. mit ihrem Kampf begann.
  16617. 6. Kapitel
  16618. Der Kampf der
  16619. ersten Zeit – Die Bedeutung der Rede
  16620. D ie erste große Versammlung am 24. Februar 1920 im
  16621. H o f b r ä u h a u s f e s t s a a l war noch nicht in uns
  16622. verklungen, als schon die Vorbereitungen für die nächste
  16623. getroffen wurden. Während es bis dahin als bedenklich
  16624. galt, in einer Stadt wie München alle Monate oder gar
  16625. alle vierzehn Tage eine kleine Versammlung abhalten zu
  16626. wollen, sollte nun alle acht Tage, also wöchentlich einmal,
  16627. eine große Massenversammlung stattfinden. Ich brauche
  16628. nicht zu versichern, daß uns dabei immer und immer nur
  16629. eine einzige Angst quälte: Würden die Menschen kommen,
  16630. und würden sie uns zuhören? – wenn ich auch persönlich schon damals die unerschütterliche Überzeugung hatte,
  16631. daß, wenn sie erst einmal da sind, die Leute auch bleiben
  16632. und der Rede folgen.
  16633. In dieser Zeit erhielt der Münchener Hofbräuhausfestsaal
  16634. für uns Nationalsozialisten eine fast weihevolle Bedeutung.
  16635. Jede Woche eine Versammlung, fast immer in diesem
  16636. Raum, und jedesmal der Saal besser gefüllt und die Menschen andächtiger! Ausgehend von der „Schuld am Krieg“,
  16637. um die sich damals kein Mensch kümmerte, über die Friedensverträge hinweg, wurde fast alles behandelt, was
  16638. irgendwie agitatorisch zweckmäßig oder ideenmäßig notwendig war. Besonders den Friedensverträgen selbst wurde
  16639. größte Aufmerksamkeit geschenkt. Was hat die junge Bewegung damals den großen Menschenmassen immer und
  16640. immer prophezeit, und wie ist fast alles davon bis jetzt eingetroffen! Heute kann man über diese Dinge leicht reden
  16641. Kampf gegen Vergiftungspropaganda
  16642. 519
  16643. oder schreiben. Damals aber bedeutete eine öffentliche
  16644. Massenversammlung, in der sich nicht bürgerliche Spießer,
  16645. sondern verhetzte Proletarier befanden, mit dem Thema
  16646. „Der Friedensvertrag von Versailles“ einen Angriff gegen
  16647. die Republik und ein Zeichen reaktionärer, wenn nicht
  16648. monarchistischer Gesinnung. Schon beim ersten Satz, der
  16649. eine Kritik von Versailles enthielt, konnte man den stereotypen Zwischenruf entgegengeschleudert erhalten: „Und
  16650. Brest-Litowsk?“ „Brest-Litowsk?“ So brüllte die Masse
  16651. immer wieder und wieder, so lange, bis sie allmählich heiser
  16652. wurde oder der Referent schließlich den Versuch, zu überzeugen, aufgab. Man hätte seinen Kopf gegen die Wand
  16653. stoßen mögen vor Verzweiflung über solch ein Volk! Es
  16654. wollte nicht hören, nicht verstehen, daß Versailles eine
  16655. Schande und Schmach sei, ja nicht einmal, daß dieses Diktat
  16656. eine unerhörte Ausplünderung unseres Volkes bedeute. Die
  16657. marxistische Zerstörungsarbeit und die feindliche Vergiftungspropaganda hatten diese Menschen außer jeder Vernunft gebracht. Und dabei durfte man nicht einmal klagen.
  16658. Denn wie unermeßlich groß war die Schuld auf anderer
  16659. Seite! Was hatte das Bürgertum getan, um dieser furchtbaren Zersetzung Einhalt zu gebieten, ihr entgegenzutreten
  16660. und durch eine bessere und gründlichere Aufklärung der
  16661. Wahrheit die Bahn freizumachen? Nichts und wieder
  16662. nichts! Ich habe sie damals nirgends gesehen, alle die großen völkischen Apostel von heute. Vielleicht sprachen sie
  16663. in Kränzchen, an Teetischen oder in Zirkeln Gleichgesinnter,
  16664. aber da, wo sie hätten sein müssen, unter den Wölfen, dorthin wagten sie sich nicht; außer es fand sich eine Gelegenheit, mit ihnen heulen zu können.
  16665. Mir selbst war aber damals klar, daß für den kleinen
  16666. Grundstock, der zunächst die Bewegung bildete, die Frage
  16667. der Schuld am Kriege bereinigt werden mußte, und zwar
  16668. bereinigt im Sinne der historischen Wahrheit. Daß unsere
  16669. Bewegung breitesten Massen die Kenntnis des Friedensvertrags vermittelte, war eine Voraussetzung zu dem Erfolge der Bewegung in der Zukunft. Damals, als sie in diesem Frieden alle noch einen Erfolg der Demokratie sahen,
  16670. 520
  16671. Gegen den Strom
  16672. mußte man dagegen Front machen und sich den Gehirnen
  16673. der Menschen für immer als Feind dieses Vertrages eingraben, auf daß später, wenn einst die herbe Wirklichkeit
  16674. dieses trügerische Flitterwerk ungeschminkt in seinem nackten Hasse enthüllen würde, die Erinnerung an unsere damalige Einstellung uns ihr Vertrauen erwürbe.
  16675. Schon in jener Zeit habe ich immer dafür Stellung genommen, in wichtigen prinzipiellen Fragen, in denen die
  16676. gesamte öffentliche Meinung eine falsche Haltung einnahm,
  16677. ohne Rücksicht auf Popularität, Haß oder Kampf gegen sie
  16678. Front zu machen. Die NSDAP. durfte nicht ein Büttel
  16679. der öffentlichen Meinung, sondern mußte ein Gebieter derselben werden. Nicht Knecht soll sie der Masse sein, sondern Herr!
  16680. Es besteht natürlich, und besonders für jede noch schwache
  16681. Bewegung, die große Versuchung, in Augenblicken, in denen
  16682. es einem übermächtigen Gegner gelungen ist, das Volk
  16683. durch seine Verführungskünste zu einem wahnsinnigen Entschluß oder zu falscher Haltung zu treiben, auch mitzutun
  16684. und mitzuschreien, zumal dann, wenn ein paar Gründe –
  16685. und wäre es auch nur scheinbar – vom Gesichtspunkte der
  16686. jungen Bewegung selbst angesehen, dafür sprechen könnten.
  16687. Die menschliche Feigheit wird dabei so eifrig nach solchen
  16688. Gründen suchen, daß sie fast stets irgend etwas findet, das
  16689. einen Schein von Recht geben würde, auch vom „eigenen
  16690. Gesichtspunkt“ aus solch ein Verbrechen mitzumachen.
  16691. Ich habe einige Male solche Fälle erlebt, in denen höchste
  16692. Energie notwendig war, um das Schiff der Bewegung nicht
  16693. in den künstlich erregten allgemeinen Strom hineinschwimmen oder besser, mit ihm treiben zu lassen. Das letztemal,
  16694. als es unserer infernalischen Presse, der ja die Existenz des
  16695. deutschen Volkes Hekuba ist, gelang, die Südtiroler Frage
  16696. zu einer Bedeutung emporzutreiben, die dem deutschen Volk
  16697. verhängnisvoll werden mußte. Ohne zu bedenken, wessen
  16698. Dienste sie damit besorgten, haben sich viele sogenannte
  16699. „nationale“ Männer und Parteien und Verbände lediglich
  16700. aus Feigheit vor der von den Juden aufgeführten öffentlichen Meinung dem allgemeinen Geschrei angeschlossen und
  16701. Politik auf weite Sicht
  16702. 521
  16703. sinnlos mitgeholfen, den Kampf gegen ein System zu unterstützen, das wir Deutsche gerade in dieser heutigen Lage
  16704. als den einzigen Lichtblick in dieser verkommenden Welt
  16705. empfinden müßten. Während uns der internationale Weltjude langsam, aber sicher die Gurgel abdrückt, brüllen unsere sogenannten Patrioten gegen den Mann und ein System,
  16706. die es gewagt haben, sich wenigstens an einer Stelle der
  16707. Erde der jüdisch-freimaurerischen Umklammerung zu entziehen und dieser internationalen Weltvergiftung einen
  16708. nationalistischen Widerstand entgegenzusetzen. Es war aber
  16709. zu verlockend für schwache Charaktere, einfach die Segel
  16710. nach dem Wind zu stellen und vor dem Geschrei der öffentlichen Meinung zu kapitulieren. Und um eine Kapitulation
  16711. hat es sich gehandelt! Mögen die Menschen in ihrer inneren
  16712. Verlogenheit und Schlechtigkeit es auch nicht zugeben, vielleicht nicht einmal sich selbst gegenüber, so bleibt es doch
  16713. Wahrheit, daß nur Feigheit und Angst vor der durch den
  16714. Juden in Aufruhr gebrachten Volksabstimmung es war, die
  16715. sie zum Mittun veranlaßte. Alle anderen Begründungen sind
  16716. jämmerliche Ausflüchte des schuldbewußten kleinen Sünders.
  16717. Da war es notwendig, mit eiserner Faust die Bewegung
  16718. herumzureißen, um sie vor dem Verderben durch diese
  16719. Richtung zu bewahren. Eine solche Umstellung in dem
  16720. Augenblick zu versuchen, da die öffentliche Meinung durch
  16721. alle treibenden Kräfte angefacht wie eine große Flamme
  16722. nur nach einer Richtung hin brennt, ist allerdings im Augenblick nicht sehr populär, ja für den Wagemutigen manches
  16723. Mal fast todgefährlich. Aber nicht wenige Männer der Geschichte sind in solchen Augenblicken für ein Handeln gesteinigt worden, für das die Nachwelt später alle Veranlassung hatte, ihnen auf den Knien zu danken.
  16724. Damit aber muß eine Bewegung rechnen und nicht mit
  16725. dem augenblicklichen Beifall der Gegenwart. Es mag dann
  16726. schon so sein, daß in solchen Stunden dem einzelnen ängstlich zumute wird; allein er soll nie vergessen, daß nach
  16727. jeder solchen Stunde einmal auch die Erlösung kommt, und
  16728. daß eine Bewegung, die eine Welt erneuern will, nicht dem
  16729. Augenblick, sondern der Zukunft zu dienen hat.
  16730. 522
  16731. Rednerische Erfahrungen
  16732. Man kann dabei feststellen, daß die größten und nachhaltigsten Erfolge in der Geschichte meistens die zu sein
  16733. pflegen, die bei ihrem Beginne am wenigsten Verständnis
  16734. fanden, weil sie zur allgemeinen öffentlichen Meinung, zu
  16735. ihrer Einsicht und zu ihrem Willen im schärfsten Gegensatz standen.
  16736. Das konnten wir damals schon, am ersten Tage unseres
  16737. öffentlichen Auftretens, erfahren. Wir haben wahrlich nicht
  16738. um die „Gunst der Massen gebuhlt“, sondern sind dem
  16739. Wahnsinn dieses Volkes entgegengetreten, überall. Fast
  16740. immer war es so, daß ich in diesen Jahren vor eine Versammlung von Menschen trat, die an das Gegenteilige von
  16741. dem glaubten, was ich sagen wollte, und das Gegenteil von
  16742. dem wollten, was ich glaubte. Dann war es die Aufgabe
  16743. von zwei Stunden, zwei- bis dreitausend Menschen aus ihrer
  16744. bisherigen Überzeugung herauszuheben, Schlag um Schlag
  16745. das Fundament ihrer bisherigen Einsichten zu zertrümmern
  16746. und sie schließlich hinüberzuleiten auf den Boden unserer
  16747. Überzeugung und unserer Weltanschauung.
  16748. Ich habe damals in kurzer Zeit etwas Wichtiges gelernt,
  16749. nämlich d e m F e i n d e d i e W a f f e s e i n e r E n t g e g nung gleich selber aus der Hand zu schlagen.
  16750. Man merkte bald, daß unsere Gegner, besonders in Gestalt
  16751. ihrer Diskussionsredner, mit einem ganz bestimmten „Repertoire“ auftraten, in welchem immer wiederkehrende
  16752. Einwände gegen unsere Behauptungen erhoben wurden, so
  16753. daß die Gleichartigkeit dieses Vorgangs auf eine zielbewußte
  16754. einheitliche Schulung hinwies. Und so war es ja auch. Wir
  16755. konnten hier die unglaubliche Diszipliniertheit der Propaganda unserer Gegner kennenlernen, und es ist heute noch
  16756. mein Stolz, das Mittel gefunden zu haben, diese Propaganda nicht nur unwirksam zu machen, sondern ihre Macher
  16757. endlich selbst damit zu schlagen. Zwei Jahre später war
  16758. ich Herr dieser Kunst.
  16759. Es war wichtig, sich in jeder einzelnen Rede vorher schon
  16760. klar zu werden über den vermutlichen Inhalt und die Form
  16761. der in der Diskussion zu erwartenden Gegeneinwände und
  16762. diese dann in der eigenen Rede bereits restlos zu zer-
  16763. Aufklärung über die Friedensverträge
  16764. 523
  16765. pflücken. Es war dabei zweckmäßig, die möglichen Einwände
  16766. selbst immer sofort anzuführen und ihre Haltlosigkeit zu
  16767. beweisen; so wurde der Zuhörer, der, wenn auch vollgepfropft mit den ihm angelernten Einwänden, aber sonst
  16768. ehrlichen Herzens gekommen war, durch die vorweggenommene Erledigung der in seinem Gedächtnis eingeprägten
  16769. Bedenken leichter gewonnen. Das ihm eingelernte Zeug
  16770. wurde von selbst widerlegt und seine Aufmerksamkeit
  16771. immer mehr vom Vortrag angezogen.
  16772. Das war der Grund, weshalb ich schon nach meinem ersten
  16773. Vortrag über den „Friedensvertrag von Versailles“, den ich
  16774. noch als sogenannter „Bildungsmensch“ vor der Truppe gehalten hatte, den Vortrag insofern änderte, als ich nunmehr
  16775. über die „Friedensverträge von Brest-Litowsk und Versailles“ sprach. Denn ich konnte schon nach kürzester Zeit, ja
  16776. schon im Verlauf der Aussprache über diesen meinen ersten
  16777. Vortrag, feststellen, daß die Leute über den Friedensvertrag
  16778. von Brest-Litowsk in Wirklichkeit gar nichts wußten, daß
  16779. es aber der geschickten Propaganda ihrer Parteien gelungen war, gerade diesen Vertrag als einen der schändlichsten Vergewaltigungsakte der Welt hinzustellen. Der Beharrlichkeit, mit welcher der breiten Masse diese Lüge immer wieder vorgetragen wurde, war es zuzuschreiben, daß
  16780. Millionen von Deutschen im Friedensvertrag von Versailles
  16781. nur mehr eine gerechte Vergeltung für das zu Brest-Litowsk
  16782. von uns begangene Verbrechen sahen, somit jeden wirklichen Kampf gegen Versailles als Unrecht empfanden und
  16783. in manches Mal ehrlichster, sittlicher Entrüstung verblieben. Und dies war auch mit die Ursache, weshalb sich das
  16784. ebenso unverschämte wie ungeheuerliche Wort „Wiedergutmachung“ in Deutschland einzubürgern vermochte. Diese
  16785. verlogenste Heuchelei erschien Millionen unserer verhetzten
  16786. Volksgenossen wirklich als Vollzug einer höheren Gerechtigkeit. Entsetzlich, aber es war so. Den besten Beweis dafür
  16787. lieferte der Erfolg der nun von mir eingeleiteten Propaganda gegen den Friedensvertrag von Versailles, der ich
  16788. eine Aufklärung über den Vertrag von Brest-Litowsk vorausschickte. Ich stellte die beiden Friedensverträge gegen-
  16789. 524
  16790. Aufklärung über die Friedensverträge
  16791. einander, verglich sie Punkt für Punkt, zeigte die in Wirklichkeit geradezu grenzenlose Humanität des einen Vertrages im Gegensatz zur unmenschlichen Grausamkeit des
  16792. zweiten, und das Ergebnis war ein durchschlagendes. Ich
  16793. habe über dieses Thema damals in Versammlungen von
  16794. zweitausend Menschen gesprochen, in denen mich oft die
  16795. Blicke aus dreitausendsechshundert feindlichen Augen trafen. Und drei Stunden später hatte ich vor mir eine
  16796. wogende Masse voll heiligster Empörung und maßlosestem
  16797. Grimm. Wieder war aus Herzen und Gehirnen einer nach
  16798. Tausenden zählenden Menge eine große Lüge herausgerissen und dafür eine Wahrheit eingepflanzt worden.
  16799. Die beiden Vorträge, nämlich über „Die wahren Ursachen des Weltkrieges“ und über „Die Friedensverträge
  16800. von Brest-Litowsk und Versailles“, hielt ich damals für die
  16801. allerwichtigsten, so daß ich sie Dutzende Male in immer
  16802. neuer Fassung wiederholte und wiederholte, bis wenigstens
  16803. über diesen Punkt eine bestimmte, klare und einheitliche
  16804. Auffassung unter den Menschen verbreitet war, aus denen
  16805. sich die Bewegung ihre ersten Mitglieder holte.
  16806. Diese Versammlungen hatten für mich selbst noch das
  16807. Gute, daß ich mich langsam zum Massenversammlungsredner umstellte, daß mir das Pathos geläufig wurde und
  16808. die Geste, die der große, tausend Menschen fassende Raum
  16809. erfordert.
  16810. Ich habe zu jener Zeit, außer, wie schon betont, in kleinen Zirkeln, keine Aufklärung in dieser Richtung von den
  16811. Parteien gesehen, die heute den Mund voll nehmen und
  16812. tun, als ob s i e einen Wandel in der öffentlichen Meinung
  16813. herbeigeführt hätten. Wenn aber ein sogenannter nationaler Politiker irgendwo einen Vortrag in dieser Richtung
  16814. hielt, dann nur vor Kreisen, die selbst schon meist seiner
  16815. Überzeugung waren, und bei denen das Vorgebrachte höchstens eine Bestärkung der eigenen Gesinnung darstellte.
  16816. Darauf aber kam es damals nicht an, sondern ausschließlich darauf, diejenigen Menschen durch Aufklärung und
  16817. Propaganda zu gewinnen, die bisher ihrer Erziehung und
  16818. Einsicht nach auf gegnerischem Boden standen.
  16819. Rede wirkungsvoller als Schrift
  16820. 525
  16821. Auch das Flugblatt wurde von uns in den Dienst dieser
  16822. Aufklärung gestellt. Schon in der Truppe hatte ich ein
  16823. Flugblatt mit einer Gegenüberstellung der Friedensverträge von B r e s t - L i t o w s k und V e r s a i l l e s verfaßt, das in ganz großen Auflagen zur Verbreitung gelangte. Ich habe dann später für die Partei Bestände
  16824. davon übernommen, und auch hier war die Wirkung wieder eine gute. Die ersten Versammlungen zeichneten sich
  16825. überhaupt dadurch aus, daß die Tische bedeckt waren von
  16826. allen möglichen Flugblättern, Zeitungen, Broschüren usw.
  16827. Doch wurde das Hauptgewicht auf das gesprochene Wort
  16828. gelegt. Und tatsächlich ist auch nur dieses allein in der Lage,
  16829. wirklich große Umwälzungen herbeizuführen, und zwar aus
  16830. allgemein psychologischen Gründen.
  16831. Ich habe schon im ersten Bande ausgeführt, daß alle
  16832. gewaltigen, weltumwälzenden Ereignisse nicht durch Geschriebenes, sondern durch das gesprochene Wort herbeigeführt worden sind. Daran knüpfte sich in einem Teil der
  16833. Presse eine längere Diskussion, in der natürlich besonders
  16834. von unseren bürgerlichen Schlauköpfen sehr scharf gegen
  16835. eine solche Behauptung Stellung genommen wurde. Allein
  16836. schon der Grund, weshalb dies geschah, widerlegt die
  16837. Zweifler. Denn die bürgerliche Intelligenz protestiert gegen
  16838. eine solche Auffassung ja nur, weil ihr selbst die Kraft und
  16839. Fähigkeit der Massenbeeinflussung durch das gesprochene
  16840. Wort ersichtlich fehlt, da man sich immer mehr auf die rein
  16841. schriftstellerische Tätigkeit geworfen hatte und auf die wirklich agitatorische der Rede verzichtete. Eine solche Gepflogenheit führt aber mit der Zeit zwangsläufig zu dem, was
  16842. unser Bürgertum heute auszeichnet, nämlich zum Verlust
  16843. des psychologischen Instinktes für Massenwirkung und
  16844. Massenbeeinflussung.
  16845. Während der Redner aus der Menge heraus, vor welcher er spricht, eine dauernde Korrektur seines Vortrages
  16846. erhält, insofern er unausgesetzt an den Gesichtern seiner
  16847. Zuhörer ermessen kann, inwieweit sie seinen Ausführungen
  16848. mit Verständnis zu folgen vermögen und ob der Eindruck
  16849. und die Wirkung seiner Worte zum gewünschten Ziele
  16850. 526
  16851. Rede wirkungsvoller als Schrift
  16852. führen, kennt der Schriftsteller seine Leser überhaupt nicht.
  16853. Deshalb wird er schon von vornherein nicht auf eine bestimmte ihm vor Augen befindliche Menschenmenge abzielen, sondern seine Ausführungen ganz allgemein halten.
  16854. Er verliert dadurch aber bis zu einem gewissen Grad an
  16855. psychologischer Feinheit und in der Folge an Geschmeidigkeit. So wird im allgemeinen ein glänzender Redner
  16856. immer noch besser zu schreiben vermögen, als ein glänzender Schriftsteller zu reden, außer er übt sich dauernd in
  16857. dieser Kunst. Dazu kommt, daß die Masse der Menschen an
  16858. sich faul ist, träge im Gleise alter Gewohnheiten bleibt und
  16859. von sich selbst aus nur ungern zu etwas Geschriebenem
  16860. greift, wenn es nicht dem entspricht, was man selber glaubt,
  16861. und nicht das bringt, was man sich erhofft. Daher wird
  16862. eine Schrift mit einer bestimmten Tendenz meistens nur
  16863. von Menschen gelesen werden, die selbst dieser Richtung
  16864. schon zuzurechnen sind. Höchstens ein Flugblatt oder ein
  16865. Plakat können durch ihre Kürze damit rechnen, auch bei
  16866. einem Andersdenkenden einen Augenblick lang Beachtung
  16867. zu finden. Größere Aussicht besitzt schon das Bild in allen
  16868. seinen Formen, bis hinauf zum Film. Hier braucht der
  16869. Mensch noch weniger verstandesmäßig zu arbeiten; es genügt, zu schauen, höchstens noch ganz kurze Texte zu lesen,
  16870. und so werden viele eher bereit sein, eine bildliche Darstellung aufzunehmen, als ein längeres Schriftstück zu lesen.
  16871. Das Bild bringt in viel kürzerer Zeit, fast möchte ich sagen
  16872. auf einen Schlag, dem Menschen eine Aufklärung, die er
  16873. aus Geschriebenem erst durch langwieriges Lesen empfängt.
  16874. Das wesentlichste aber ist, daß ein Schriftstück nie weiß,
  16875. in welche Hände es kommt, und doch seine bestimmte Fassung beibehalten muß. Die Wirkung wird im allgemeinen
  16876. um so größer sein, je mehr diese Fassung dem geistigen
  16877. Niveau und der Wesensart gerade derjenigen entspricht, die
  16878. seine Leser sein werden. Ein Buch, das für breite Massen
  16879. bestimmt ist, muß darum von vornherein versuchen, in Stil
  16880. und Höhe anders zu wirken als ein für höhere intellektuelle
  16881. Schichten bestimmtes Werk.
  16882. Nur in dieser Art der Anpassungsfähigkeit nähert das
  16883. Rede wirkungsvoller als Schrift
  16884. 527
  16885. Geschriebene sich dem gesprochenen Wort. Der Redner kann
  16886. meinetwegen das gleiche Thema behandeln wie das
  16887. Buch, er wird doch, wenn er ein großer und genialer
  16888. Volksredner ist, denselben Vorwurf und denselben Stoff
  16889. kaum zweimal in gleicher Form wiederholen. Er wird sich
  16890. von der breiten Masse immer so tragen lassen, daß ihm
  16891. daraus gefühlsmäßig gerade die Worte flüssig werden, die
  16892. er braucht, um seinen jeweiligen Zuhörern zu Herzen zu
  16893. sprechen. Irrt er sich aber noch so leise, so hat er die lebendige Korrektur stets vor sich. Wie schon oben gesagt, vermag er dem Mienenspiel seiner Zuhörer abzulesen, ob sie
  16894. erstens verstehen, was er spricht, ob sie zweitens dem
  16895. Gesamten zu folgen vermögen, und inwieweit er sie drittens
  16896. von der Richtigkeit des Vorgebrachten überzeugt hat. Sieht
  16897. er – erstens –, daß sie ihn nicht verstehen, so wird er in
  16898. seiner Erklärung so primitiv und deutlich werden, daß selbst
  16899. der letzte ihn begreifen muß; fühlt er – zweitens –, daß
  16900. sie ihm nicht zu folgen vermögen, so wird er so vorsichtig
  16901. und langsam seine Gedanken aufbauen, bis selbst der
  16902. Schwächste unter allen nicht mehr zurückbleibt, und er wird
  16903. – drittens –, sowie er ahnt, daß sie von der Richtigkeit
  16904. des Vorgebrachten nicht überzeugt zu sein scheinen, dieses
  16905. so oft und in immer wieder neuen Beispielen wiederholen, ihre Einwände, die er unausgesprochen spürt, selbst
  16906. vorbringen und so lange widerlegen und zersplittern, bis
  16907. endlich die letzte Gruppe einer Opposition schon durch
  16908. ihre Haltung und ihr Mienenspiel ihn die Kapitulation
  16909. vor seiner Beweisführung erkennen läßt.
  16910. Dabei handelt es sich nicht selten bei den Menschen um
  16911. die Überwindung von Voreingenommenheiten, die nicht in
  16912. ihrem Verstand begründet, sondern meist unbewußt, nur
  16913. durch das Gefühl gestützt sind. Diese Schranke instinktiver
  16914. Abneigung, gefühlsmäßigen Hasses, voreingenommener
  16915. Ablehnung zu überwinden, ist tausendmal schwieriger als
  16916. die Richtigstellung einer fehlerhaften und irrigen wissenschaftlichen Meinung. Falsche Begriffe und schlechtes Wissen
  16917. können durch Belehrung beseitigt werden, Widerstände des
  16918. Gefühls niemals. Einzig ein Appell an diese geheimnis-
  16919. 528
  16920. Erfolge des Marxismus durch Rede
  16921. vollen Kräfte selbst kann hier wirken; und das kann kaum
  16922. je der Schriftsteller, sondern fast einzig nur der Redner.
  16923. Den schlagendsten Beweis dafür liefert die Tatsache, daß
  16924. trotz einer oft sehr geschickt aufgemachten bürgerlichen
  16925. Presse, die in unerhörten Millionenauflagen unser Volk
  16926. überschwemmt, diese Presse die breite Masse nicht hindern
  16927. konnte, der schärfste Feind gerade dieser bürgerlichen Welt
  16928. zu werden. Die ganze Zeitungsflut und alle Bücher, die
  16929. vom Intellektualismus Jahr für Jahr produziert werden,
  16930. gleiten an den Millionen der unteren Schichten ab wie
  16931. Wasser vom geölten Leder. Dies kann nur zweierlei beweisen: entweder die Unrichtigkeit des Inhalts dieser gesamten Schreiberleistung unserer bürgerlichen Welt oder
  16932. die Unmöglichkeit, nur durch Schrifttum an das Herz der
  16933. breiten Masse zu gelangen. Allerdings besonders dann,
  16934. wenn dieses Schrifttum selbst so wenig psychologisch eingestellt ist, wie dies hier der Fall ist.
  16935. Man erwidere nur nicht (wie dies eine große deutschnationale Zeitung in Berlin versuchte), daß doch der M a r x i s m u s selbst gerade durch sein Schrifttum, insbesondere
  16936. durch die Wirkung des grundlegenden Werkes von Karl
  16937. Marx, den Gegenbeweis für diese Behauptung liefere.
  16938. Oberflächlicher hat man noch selten eine irrige Anschauung zu stützen versucht. Was dem M a r x i s m u s die
  16939. staunenswerte Macht über die breiten Massen gegeben hat,
  16940. ist keineswegs das formale, schriftlich niedergelegte Werk
  16941. jüdischer Gedankenarbeit, als vielmehr die ungeheuerliche
  16942. rednerische Propagandawelle, die im Laufe der Jahre
  16943. sich der breiten Masse bemächtigte. Von hunderttausend
  16944. deutschen Arbeitern kennen im Durchschnitt noch nicht
  16945. hundert dieses Werk, das seit jeher von tausendmal mehr
  16946. Intellektuellen und besonders Juden studiert wurde als von
  16947. wirklichen Anhängern dieser Bewegung aus den großen
  16948. unteren Schichten. Dieses Werk ist auch gar nicht für die
  16949. breiten Massen geschrieben worden, sondern ausschließlich
  16950. für die intellektuelle Führung jener jüdischen Welteroberungsmaschine; geheizt hat man sie dann mit ganz anderem
  16951. Stoff: der Presse. Denn das ist es, was die marxistische
  16952. Erfolge des Marxismus durch Rede
  16953. 529
  16954. Presse von unserer bürgerlichen unterscheidet. D i e m a r xistische Presse ist geschrieben von Agitatoren, und die bürgerliche möchte gern
  16955. A g i t a t i o n t r e i b e n d u r c h S c h r e i b e r . Der sozialdemokratische Winkelredakteur, der fast stets aus dem
  16956. Versammlungslokal in die Redaktion kommt, kennt seine
  16957. Pappenheimer wie kein zweiter. Der bürgerliche Skribent
  16958. aber, der aus seiner Schreibstube heraus vor die breite
  16959. Masse tritt, wird schon von ihren bloßen Dünsten krank
  16960. und steht ihnen deshalb auch mit dem geschriebenen Wort
  16961. hilflos gegenüber.
  16962. Was dem Marxismus die Millionen von Arbeitern gewonnen hat, das ist weniger die Schreibart marxistischer
  16963. Kirchenväter als vielmehr die unermüdliche und wahrhaft gewaltige Propagandaarbeit von Zehntausenden unermüdlicher Agitatoren, angefangen vom großen Hetzapostel bis herunter zum kleinen Gewerkschaftsbeamten
  16964. und zum Vertrauensmann und Diskussionsredner; das
  16965. sind die Hunderttausende von Versammlungen, bei denen,
  16966. in qualmender Wirtsstube auf dem Tische stehend, diese
  16967. Volksredner auf die Massen einhämmerten und so eine
  16968. fabelhafte Kenntnis dieses Menschenmaterials zu gewinnen
  16969. wußten, was sie erst recht in die Lage versetzte, die richtigsten Angriffswaffen auf die Burg der öffentlichen Meinung
  16970. zu wählen. Und das waren weiter die gigantischen Massendemonstrationen, diese Hunderttausend-Mann-Aufzüge, die
  16971. dem kleinen armseligen Menschen die stolze Überzeugung
  16972. einbrannten, als kleiner Wurm dennoch Glied eines großen
  16973. Drachens zu sein, unter dessen glühendem Atem die verhaßte bürgerliche Welt dereinst in Feuer und Flammen
  16974. aufgehen und die proletarische Diktatur den letzten Endsieg feiern werde.
  16975. Von solcher Propaganda her kamen dann die Menschen,
  16976. die bereit und vorbereitet waren, eine sozialdemokratische
  16977. Presse zu lesen, jedoch eine Presse, die selber wieder nicht
  16978. geschrieben, sondern die geredet ist. Denn während im
  16979. bürgerlichen Lager Professoren und Schriftgelehrte, Theoretiker und Schreiber aller Art zuweilen auch zu reden ver-
  16980. 530
  16981. Psychologische Bedingungen der Redewirkung
  16982. suchen, versuchen im Marxismus die Redner manches Mal
  16983. auch zu schreiben. Und gerade der Jude, der hier noch besonders in Betracht kommt, wird im allgemeinen, kraft
  16984. seiner verlogenen dialektischen Gewandtheit und Geschmeidigkeit, auch noch als Schriftsteller mehr agitierender Redner als schreibender Gestalter sein.
  16985. Das ist der Grund, warum die bürgerliche Zeitungswelt
  16986. (ganz abgesehen davon, daß sie selbst zum größten Teile
  16987. verjudet ist und deshalb kein Interesse hat, die breite Masse
  16988. wirklich zu belehren) nicht den geringsten Einfluß auf die
  16989. Einstellung der breitesten Schichten unseres Volkes auszuüben vermag.
  16990. Wie schwer es ist, gefühlsmäßige Vorurteile, Stimmungen,
  16991. Empfindungen usw. umzustoßen und durch andere zu ersetzen, von wie vielen kaum ermeßbaren Einflüssen und
  16992. Bedingungen der Erfolg abhängt, das kann der feinfühlige
  16993. Redner daran ermessen, daß selbst die Tageszeit, in welcher
  16994. der Vortrag stattfindet, von ausschlaggebendem Einfluß auf
  16995. dessen Wirkung sein kann. Der gleiche Vortrag, der gleiche
  16996. Redner, das gleiche Thema wirken ganz verschieden um zehn
  16997. Uhr vormittags, um drei Uhr nachmittags oder am Abend.
  16998. Ich selbst hatte als Anfänger noch Versammlungen für den
  16999. Vormittag angesetzt und erinnere mich im besonderen an
  17000. eine Kundgebung, die wir als Protest „gegen die Unterdrückung deutscher Gebiete“ im Münchner-Kindl-Keller abhielten. Dies war damals Münchens größter Saal, und das
  17001. Wagnis schien sehr groß zu sein. Um den Anhängern der
  17002. Bewegung und allen, die sonst kamen, den Besuch besonders
  17003. zu erleichtern, setzte ich die Versammlung auf einen Sonntagvormittag, zehn Uhr, an. Das Ergebnis war niederdrückend, doch zugleich außerordentlich belehrend: der Saal
  17004. voll, der Eindruck ein wahrhaft überwältigender, die Stimmung aber eisig kalt; niemand wurde warm, und ich selbst
  17005. als Redner fühlte mich tief unglücklich, keine Verbindung,
  17006. nicht den leisesten Kontakt mit meinen Zuhörern herstellen
  17007. zu können. Ich glaubte nicht schlechter gesprochen zu haben
  17008. als sonst; allein die Wirkung schien gleich Null zu sein.
  17009. Völlig unbefriedigt, wenn auch um eine Erfahrung reicher
  17010. Psychologische Bedingungen der Redewirkung
  17011. 531
  17012. geworden, verließ ich die Versammlung. Proben, die ich
  17013. später in gleicher Art unternahm, führten zu demselben
  17014. Ergebnis.
  17015. Dies darf einen nicht wundernehmen. Man gehe in eine
  17016. Theatervorstellung und besehe sich ein Stück nachmittags
  17017. drei Uhr und das gleiche Stück in gleicher Besetzung abends
  17018. acht Uhr, und man wird erstaunt sein über die Verschiedenartigkeit der Wirkung und des Eindrucks. Ein Mensch mit
  17019. feinem Gefühl und der Fähigkeit, sich selbst über diese
  17020. Stimmung Klarheit zu verschaffen, wird ohne weiteres
  17021. feststellen können, daß der Eindruck der Vorführung nachmittags kein so großer ist wie der abends. Selbst für ein
  17022. Kinostück gilt die gleiche Feststellung. Wichtig ist dies deshalb, weil man beim Theater sagen könnte, daß vielleicht
  17023. der Schauspieler nachmittags sich nicht so müht wie abends.
  17024. Der Film jedoch ist nachmittags kein anderer als um neun
  17025. Uhr abends. Nein, die Zeit selbst übt hier eine bestimmte
  17026. Wirkung aus, genau so wie auf mich der Raum. Es gibt
  17027. Räume, die auch kalt lassen aus Gründen, die man nur
  17028. schwer erkennt, die jeder Erzeugung von Stimmung irgendwie heftigsten Widerstand entgegensetzen. Auch traditionelle
  17029. Erinnerungen und Vorstellungen, die im Menschen vorhanden sind, vermögen einen Eindruck maßgebend zu bestimmen. So wird eine „Parsifal“-Aufführung in Bayreuth
  17030. stets anders wirken als an irgendeiner anderen Stelle der
  17031. Welt. Der geheimnisvolle Zauber des Hauses auf dem
  17032. Festspielhügel der alten Markgrafenstadt kann nicht durch
  17033. Äußeres ersetzt oder auch nur eingeholt werden.
  17034. In allen diesen Fällen handelt es sich um Beeinträchtigungen der Willensfreiheit des Menschen. Am meisten gilt
  17035. dies natürlich für Versammlungen, in die an sich Menschen
  17036. von gegenteiliger Willenseinstellung kommen, und die nunmehr einem neuen Wollen gewonnen werden müssen. Morgens und selbst tagsüber scheinen die willensmäßigen
  17037. Kräfte der Menschen sich noch in höchster Energie gegen
  17038. den Versuch der Aufzwingung eines fremden Willens und
  17039. einer fremden Meinung zu sträuben. Abends dagegen
  17040. unterliegen sie leichter der beherrschenden Kraft eines stär-
  17041. 532
  17042. Redner und Revolution
  17043. keren Wollens. Denn wahrlich stellt jede solche Versammlung einen Ringkampf zweier entgegengesetzter Kräfte dar.
  17044. Der überragenden Redekunst einer beherrschenden Apostelnatur wird es nun leichter gelingen, Menschen dem neuen
  17045. Wollen zu gewinnen, die selbst bereits eine Schwächung
  17046. ihrer Widerstandskraft in natürlichster Weise erfahren
  17047. haben, als solche, die noch im Vollbesitz ihrer geistigen
  17048. und willensmäßigen Spannkraft sind.
  17049. Dem gleichen Zweck dient ja auch der künstlich gemachte
  17050. und doch geheimnisvolle Dämmerschein katholischer Kirchen,
  17051. die brennenden Lichter, Weihrauch, Räucherpfannen usw.
  17052. In diesem Ringkampf des Redners mit den zu bekehrenden Gegnern wird dieser allmählich jene wundervolle Feinfühligkeit für die psychologischen Bedingungen der Propaganda bekommen, die dem Schreibenden fast stets fehlen.
  17053. Daher wird das Geschriebene in seiner begrenzten Wirkung
  17054. im allgemeinen mehr der Erhaltung, Festigung und Vertiefung einer bereits vorhandenen Gesinnung oder Ansicht
  17055. dienen. Alle wirklich großen historischen Umwälzungen sind
  17056. nicht durch das geschriebene Wort herbeigeführt, sondern
  17057. höchstens von ihm begleitet worden.
  17058. Man glaube nicht, daß die Französische Revolution je
  17059. durch philosophische Theorien zustande gekommen wäre,
  17060. hätte sie nicht eine durch Demagogen größten Stils geführte
  17061. Armee von Hetzern gefunden, die die Leidenschaften des
  17062. an sich gequälten Volkes aufpeitschten, bis endlich jener
  17063. furchtbare Vulkanausbruch erfolgte, der ganz Europa in
  17064. Schrecken erstarren ließ. Und ebenso ist die größte revolutionäre Umwälzung der neuesten Zeit, die bolschewistische Revolution in Rußland, nicht durch das Schrifttum Lenins erfolgt, sondern durch die haßaufwühlende
  17065. rednerische Betätigung zahlloser größter und kleinster
  17066. Hetzapostel.
  17067. Das Volk der Analphabeten ist wirklich nicht durch die
  17068. theoretische Lektüre eines Karl Marx zur kommunistischen
  17069. Revolution begeistert worden, sondern nur durch den gleißenden Himmel, den Tausende von Agitatoren, allerdings
  17070. alle im Dienste einer Idee, dem Volke vorredeten.
  17071. Bethmann und Lloyd George als Redner
  17072. 533
  17073. Und das war noch immer so und wird ewig so bleiben.
  17074. Es entspricht ganz der verbohrten Weltfremdheit unserer
  17075. deutschen Intelligenz, zu glauben, daß zwangsläufig der
  17076. Schriftsteller dem Redner an Geist überlegen sein müsse.
  17077. Diese Auffassung wird in köstlichster Weise durch eine
  17078. Kritik der schon einmal erwähnten nationalen Zeitung
  17079. illustriert, in welcher festgestellt wird, daß man so oft enttäuscht sei, die Rede eines anerkannt großen Redners plötzlich im Druck zu sehen. Mich erinnert das an eine andere
  17080. Kritik, die ich im Laufe des Krieges unter die Hände bekam; sie nahm die Reden Lloyd Georges, der damals noch
  17081. Munitionsminister war, peinlichst unter die Lupe, um zur
  17082. geistreichen Feststellung zu kommen, daß es sich bei diesen
  17083. Reden um geistig und wissenschaftlich minderwertige, im
  17084. übrigen banale und selbstverständliche Produkte handle.
  17085. Ich bekam dann in Gestalt eines kleinen Bändleins einige
  17086. dieser Reden selbst in die Hand und mußte hellauf darüber
  17087. lachen, daß für diese psychologischen Meisterstücke seelischer
  17088. Massenbeeinflussung ein normaler deutscher Tintenritter
  17089. kein Verständnis besaß. Dieser Mann beurteilte diese Reden
  17090. eben ausschließlich nach dem Eindruck, den sie auf seine
  17091. eigene Blasiertheit hinterließen, während der große englische Demagoge sich einzig darauf eingestellt hatte, auf die
  17092. Masse seiner Zuhörer und im weitesten Sinne auf das gesamte untere englische Volk eine möglichst große Wirkung
  17093. auszuüben. Von diesem Standpunkt aus betrachtet, waren
  17094. die Reden dieses Engländers aber wunderbarste Leistungen, da sie von einer geradezu staunenswerten Kenntnis
  17095. der Seele der breiten Volksschichten zeugten. Ihre Wirkung
  17096. ist denn auch eine wahrhaft durchschlagende gewesen.
  17097. Man vergleiche damit das hilflose Gestammel eines
  17098. Bethmann Hollweg. Scheinbar waren diese Reden freilich
  17099. geistreicher, in Wirklichkeit aber zeigten sie nur die Unfähigkeit dieses Mannes, zu seinem Volke zu sprechen,
  17100. das er eben nicht kannte. Trotzdem bringt es das durchschnittliche Spatzenhirn einer deutschen, wissenschaftlich
  17101. natürlich höchst gebildeten Schreiberseele fertig, die Geistigkeit des englischen Ministers nach dem Eindruck abzu-
  17102. 534
  17103. Bethmann und Lloyd George als Redner
  17104. schätzen, den eine auf Massenwirkung abzielende Rede auf
  17105. sein vor lauter Wissenschaft verkalktes Innere hinterläßt
  17106. und in Vergleich zu bringen zu der eines deutschen Staatsmannes, dessen geistreiches Geschwätz bei ihm natürlich auf
  17107. einen empfänglicheren Boden trifft. Daß Lloyd George an
  17108. Genialität einem Bethmann Hollweg nicht nur ebenbürtig,
  17109. sondern tausendmal überlegen war, bewies er eben dadurch, daß er in seinen Reden jene Form und jenen Ausdruck fand, die ihm das Herz seines Volkes öffneten und
  17110. dieses Volk endlich restlos seinem Willen dienen ließen.
  17111. Gerade in der Primitivität dieser Sprache, der Ursprünglichkeit ihrer Ausdrucksformen und der Anwendung leicht
  17112. verständlicher, einfachster Beispiele liegt der Beweis für
  17113. die überragende politische Fähigkeit dieses Engländers.
  17114. Denn die Rede eines Staatsmannes zu seinem Volk habe ich nicht zu messen nach dem
  17115. Eindruck, den sie bei einem Universitätsprofessor hinterläßt, sonder an der Wirk u n g , d i e s i e a u f d a s V o l k a u s ü b t . Und dies
  17116. allein gibt auch den Maßstab für die Genialität des
  17117. Redners.
  17118. Die staunenswerte Entwicklung unserer Bewegung, die
  17119. erst vor wenigen Jahren aus einem Nichts heraus gegründet wurde und heute schon für wert gehalten wird, von
  17120. allen inneren und äußeren Feinden unseres Volkes auf
  17121. das schärfste verfolgt zu werden, ist der steten Berücksichtigung und Anwendung dieser Erkenntnisse zuzuschreiben.
  17122. So wichtig auch das Schrifttum der Bewegung sein mag,
  17123. so wird es doch in unserer heutigen Lage größere Bedeutung für die gleiche und einheitliche Erziehung der oberen
  17124. und unteren Führer haben als für die Gewinnung gegnerisch eingestellter Massen. Nur in den seltensten Fällen
  17125. wird ein überzeugter Sozialdemokrat oder ein fanatischer
  17126. Kommunist sich herbeilassen, eine nationalsozialistische Broschüre oder gar ein Buch zu erwerben, dieses zu lesen und
  17127. Notwendigkeit der Massenversammlung
  17128. 535
  17129. daraus einen Einblick in unsere Weltauffassung zu gewinnen oder die Kritik der seinen zu studieren. Selbst eine
  17130. Zeitung wird nur ganz selten gelesen werden, wenn sie
  17131. nicht von vornherein den Stempel der Parteizugehörigkeit
  17132. trägt. Übrigens würde dies auch wenig nutzen, denn das
  17133. Gesamtbild einer einzigen Zeitungsnummer ist ein so zerrissenes und in seiner Wirkung so zersplittertes, daß man
  17134. von einmaliger Kenntnisnahme keinen Einfluß auf den
  17135. Leser erwarten dürfte. Man darf und soll aber niemandem, für den schon Pfennige eine Rolle spielen, zumuten,
  17136. daß er, nur aus dem Drang nach objektiver Aufklärung,
  17137. dauernd eine gegnerische Zeitung abonniert. Es wird dies
  17138. unter Zehntausenden kaum einer tun. Erst wer der Bewegung bereits gewonnen ist, wird das Organ der Partei,
  17139. und zwar als laufenden Nachrichtendienst seiner Bewegung, dauernd lesen.
  17140. Ganz anders ist es schon mit dem „geredeten“ Flugblatt!
  17141. Das wird der eine oder andere, besonders wenn er es unentgeltlich bekommt, viel eher in die Hand nehmen, um so
  17142. mehr, wenn schon in der Überschrift ein Thema, das augenblicklich in aller Leute Mund ist, plastisch behandelt ist.
  17143. Nach mehr oder weniger gründlicher Durchsicht wird er
  17144. vielleicht durch ein solches Flugblatt auf neue Gesichtspunkte und Einstellungen, ja auch auf eine neue Bewegung
  17145. aufmerksam gemacht werden können. Allein auch dadurch
  17146. wird, selbst im günstigsten Fall, nur ein leiser Anstoß gegeben, niemals jedoch eine vollendete Tatsache geschaffen.
  17147. Denn auch das Flugblatt kann nur zu etwas anregen oder
  17148. auf etwas hinweisen, und seine Wirkung wird nur eintreten in Verbindung mit einer nachfolgenden gründlichen Belehrung und Aufklärung seiner Leser. Diese ist
  17149. und bleibt aber immer die M a s s e n v e r s a m m l u n g .
  17150. Die Massenversammlung ist auch schon
  17151. deshalb notwendig, weil in ihr der einzelne, der sich zunächst als werdender Anhänger einer jungen Bewegung vereinsamt fühlt und leicht der Angst verfällt,
  17152. allein zu sein, zum erstenmal das Bild einer
  17153. 536
  17154. Notwendigkeit der Massenversammlung
  17155. größeren Gemeinschaft erhält, was bei den
  17156. meisten Menschen kräftigend und ermutig e n d w i r k t . Der gleiche Mann wird im Rahmen einer
  17157. Kompanie oder eines Bataillons, umgeben von allen seinen Kameraden, leichteren Herzens zum Sturm antreten,
  17158. als er dies, ganz auf sich allein angewiesen, täte. Im Rudel
  17159. fühlt er sich immer noch etwas geborgen und wenn auch in
  17160. der Wirklichkeit tausend Gründe dagegen sprächen.
  17161. Die Gemeinsamkeit der großen Kundgebung aber stärkt
  17162. nicht nur den einzelnen, sondern sie verbindet auch und
  17163. hilft mit, Korpsgeist zu erzeugen. Der Mann, der als erster
  17164. Vertreter einer neuen Lehre in seinem Unternehmen oder
  17165. in seiner Werkstätte schweren Bedrängnissen ausgesetzt ist,
  17166. bedarf notwendig jener Stärkung, die in der Überzeugung
  17167. liegt, ein Glied und Kämpfer einer großen umfassenden
  17168. Körperschaft zu sein. Den Eindruck dieser Körperschaft erhält er jedoch erstmalig nur in der gemeinsamen Massenkundgebung. Wenn er aus seiner kleinen Arbeitsstätte oder
  17169. aus dem großen Betrieb, in dem er sich recht klein fühlt,
  17170. zum ersten Male in die Massenversammlung hineintritt
  17171. und nun Tausende und Tausende von Menschen gleicher
  17172. Gesinnung um sich hat, wenn er als Suchender in die gewaltige Wirkung des suggestiven Rausches und der Begeisterung von drei- bis viertausend anderen mitgerissen wird,
  17173. wenn der sichtbare Erfolg und die Zustimmung von Tausenden ihm die Richtigkeit der neuen Lehre bestätigen und
  17174. zum erstenmal den Zweifel an der Wahrheit seiner bisherigen Überzeugung erwecken – dann unterliegt er selbst
  17175. dem zauberhaften Einfluß dessen, was wir mit dem Wort
  17176. Massensuggestion bezeichnen. Das Wollen, die Sehnsucht,
  17177. aber auch die Kraft von Tausenden akkumuliert sich in
  17178. jedem einzelnen. Der Mann, der zweifelnd und schwankend
  17179. eine solche Versammlung betritt, verläßt sie innerlich gefestigt: er ist zum Glied einer Gemeinschaft geworden.
  17180. Die nationalsozialistische Bewegung darf das nie vergessen und sie darf sich insbesondere nie von jenen bürgerlichen Gimpeln beeinflussen lassen, die alles besser wissen,
  17181. aber nichtsdestoweniger einen großen Staat samt ihrer
  17182. Notwendigkeit der Massenversammlung
  17183. 537
  17184. eigenen Existenz und der Herrschaft ihrer Klasse verspielt
  17185. haben. Ja, sie sind ungeheuer gescheit, können alles, verstehen jedes – nur eines allein haben sie nicht verstanden,
  17186. nämlich zu verhindern, daß das deutsche Volk in die Arme
  17187. des Marxismus falle. Da haben sie erbärmlichst und jämmerlichst versagt, so daß ihre jetzige Eingebildetheit nur
  17188. Dünkel ist, der als Stolz bekanntlich immer neben der
  17189. Dummheit an einem Holz gedeiht.
  17190. Wenn diese Menschen heute dem gesprochenen Wort
  17191. keinen besonderen Wert zubilligen, tun sie dies übrigens
  17192. nur, weil sie von der Wirkungslosigkeit ihrer eigenen
  17193. Redereien sich, Gott sei Lob und Dank, schon selbst gründlichst überzeugt haben.
  17194. 7. Kapitel
  17195. Das Ringen mit der roten Front
  17196. I ch habe 1919/20 und auch 1921 persönlich sogenannte
  17197. bürgerliche Versammlungen besucht. Sie übten auf mich
  17198. immer denselben Eindruck aus wie in meiner Jugend der
  17199. befohlene Löffel Lebertran. Man soll ihn nehmen, und er
  17200. soll sehr gut sein, aber er schmeckt scheußlich! Würde man
  17201. das deutsche Volk mit Stricken zusammenbinden und es mit
  17202. Gewalt in diese bürgerlichen „Kundgebungen“ hineinziehen
  17203. und bis nach Schluß jeder Vorstellung die Türen absperren
  17204. und keinen herauslassen, so könnte das vielleicht in einigen
  17205. Jahrhunderten auch zum Erfolge führen. Allerdings muß
  17206. ich offen gestehen, daß mich dann wahrscheinlich das Leben
  17207. nicht mehr freuen würde und ich dann lieber auch gar kein
  17208. Deutscher mehr sein wollte. Nachdem man aber das, Gott
  17209. sei Lob und Dank, nicht kann, soll man sich nur nicht wundern, wenn das gesunde unverdorbene Volk „bürgerliche
  17210. Massenversammlungen“ meidet wie der Teufel das Weihwasser.
  17211. Ich habe sie kennengelernt, diese Propheten einer bürgerlichen Weltanschauung, und wundere mich wirklich nicht,
  17212. sondern verstehe, warum sie dem gesprochenen Wort keinerlei Bedeutung beimessen. Ich besuchte damals Versammlungen der Demokraten, der Deutschnationalen, der DeutschVolksparteiler und auch der Bayerischen Volksparteiler
  17213. (bayer. Zentrum). Was einem dabei sofort auffiel, war die
  17214. homogene Geschlossenheit der Zuhörer. Es waren fast immer
  17215. nur Parteiangehörige, die an einer solchen Kundgebung
  17216. teilnahmen. Das Ganze, ohne jede Disziplin, glich mehr
  17217. einem gähnenden Kartenspielklub als einer Versammlung
  17218. des Volkes, das soeben seine größte Revolution durchgemacht.
  17219. Bürgerliche „Massenversammlungen“
  17220. 539
  17221. Um diese friedliche Stimmung zu erhalten, geschah denn
  17222. auch von seiten der Referenten alles, was nur geschehen
  17223. konnte. Sie redeten, oder besser, sie lasen meist Reden vor
  17224. im Stil eines geistreichen Zeitungsartikels oder einer wissenschaftlichen Abhandlung, mieden alle Kraftwörter und
  17225. brachten hie und da einen schwächlichen professoralen Witz
  17226. dazwischen, bei dem der ehrenwerte Vorstandstisch pflichtgemäß zu lachen begann; wenn auch nicht laut, also aufreizend zu lachen, so doch vornehm gedämpft und zurückhaltend.
  17227. Und überhaupt schon dieser Vorstandstisch!
  17228. Ich sah einmal eine Versammlung im Wagnersaal zu
  17229. München; es war eine Kundgebung anläßlich der Wiederkehr des Tages der Völkerschlacht bei Leipzig. Die Rede
  17230. hielt oder las ein würdiger alter Herr, Professor an irgendeiner Universität. Auf dem Podium saß der Vorstand. Links
  17231. ein Monokel, rechts ein Monokel und zwischendrin einer
  17232. ohne Monokel. Alle drei im Gehrock, so daß man den Eindruck erhielt entweder eines Gerichtshofes, der soeben eine
  17233. Hinrichtung vorhat, oder einer feierlichen Kindstaufe,
  17234. jedenfalls also eines mehr religiösen Weiheaktes. Die sogenannte Rede, die sich gedruckt vielleicht ganz schön ausgenommen hätte, war in ihrer Wirkung einfach fürchterlich.
  17235. Schon nach dreiviertel Stunden döste die ganze Versammlung in einem Trancezustand dahin, der nur unterbrochen
  17236. wurde von dem Hinausgehen einzelner Männlein und
  17237. Weiblein, dem Geklapper der Kellnerinnen und dem Gähnen immer zahlreicherer Zuhörer. Drei Arbeiter, die, sei
  17238. es aus Neugierde oder als beauftragte Posten, in der
  17239. Versammlung anwesend waren, und hinter denen ich mich
  17240. postierte, blickten sich von Zeit zu Zeit mit schlecht verhehltem Grinsen an und stießen sich endlich gegenseitig mit dem
  17241. Ellbogen, worauf sie ganz leise den Saal verließen. Man
  17242. sah es ihnen an, daß sie um keinen Preis stören wollten.
  17243. Es war dies bei dieser Gesellschaft auch wirklich nicht notwendig. Endlich schien sich die Versammlung dem Ende zuzuneigen. Nachdem der Professor, dessen Stimme unterdessen immer leiser und leiser geworden war, seinen Vortrag
  17244. beschlossen hatte, erhob sich der zwischen beiden Monokel-
  17245. 540
  17246. Bürgerliche „Massenversammlungen“
  17247. trägern sitzende Versammlungsleiter und schmetterte die
  17248. anwesenden „deutschen Schwestern“ und „Brüder“ an, wie
  17249. groß sein Dankgefühl sei und ihre Empfindung in dieser
  17250. Richtung sein müsse für den einzigartigen und herrlichen
  17251. Vortrag, den ihnen Herr Professor X. in ebenso genußreicher
  17252. wie gründlicher und tiefschürfender Art hier gegeben habe,
  17253. und der im wahrsten Sinne des Wortes ein „inneres Erleben“, ja eine „Tat“ gewesen sei. Es würde eine Profanierung dieser weihevollen Stunde bedeuten, wollte man
  17254. an diese lichten Ausführungen noch eine Diskussion anfügen,
  17255. so daß er deshalb im Sinne aller Anwesenden von einer
  17256. solchen Aussprache absehe und statt dessen alle ersuche,
  17257. sich von den Sitzen zu erheben, um einzustimmen in den
  17258. Ruf: „Wir sind ein einig Volk von Brüdern“ usw. Endlich
  17259. forderte er als Abschluß zum Gesange des Deutschlandliedes auf.
  17260. Und dann sangen sie, und mir kam es vor, als ob schon
  17261. bei der zweiten Strophe die Stimmen etwas weniger würden
  17262. und nur beim Refrain wieder mächtig anschwollen, und bei der
  17263. dritten verstärkte sich diese Empfindung, so daß ich glaubte,
  17264. daß nicht alle ganz sicher im Text gewesen sein mögen.
  17265. Allein was tut dies zur Sache, wenn ein solches Lied in
  17266. voller Inbrunst aus dem Herzen einer deutschnationalen
  17267. Seele zum Himmel tönt!
  17268. Daraufhin verlor sich die Versammlung, d.h. es eilte
  17269. jeder, daß er schnell hinauskam, die einen zum Bier, die
  17270. anderen in ein Café und wieder andere in die frische Luft.
  17271. Jawohl, hinaus in die frische Luft, nur hinaus! Das war
  17272. auch meine einzige Empfindung. Und das soll zur Verherrlichung eines heldenmütigen Ringens von Hunderttausenden von Preußen und Deutschen dienen? Pfui Teufel
  17273. und wieder Pfui Teufel!
  17274. So etwas mag die Regierung freilich lieben. Das ist
  17275. natürlich eine „friedliche“ Versammlung. Da braucht der
  17276. Minister für Ruhe und Ordnung wirklich keine Angst zu
  17277. haben, daß die Wogen der Begeisterung plötzlich das behördliche Maß bürgerlicher Anständigkeit sprengen könnten;
  17278. daß plötzlich im Rausche der Begeisterung die Menschen aus
  17279. Nationalsozialistische Massenversammlungen
  17280. 541
  17281. dem Saale strömen, nicht um ins Cafè oder Wirtshaus zu
  17282. eilen, sondern um in Viererreihen im gleichen Schritt und
  17283. Tritt mit „Deutschland hoch in Ehren“ durch die Straßen
  17284. der Stadt zu marschieren und einer ruhebedürftigen Polizei
  17285. dadurch Unannehmlichkeiten zu bereiten.
  17286. Nein, mit solchen Staatsbürgern kann man zufrieden sein.
  17287. Dagegen waren die nationalsozialistischen Versammlungen allerdings keine „friedlichen“ Versammlungen. Da
  17288. prallten ja die Wogen zweier Weltanschauungen gegeneinander, und sie schlossen nicht mit dem faden Herunterleiern irgendeines patriotischen Liedes, sondern mit
  17289. dem fanatischen Ausbruch völkischer und nationaler Leidenschaft.
  17290. Es war gleich von Beginn an wichtig, in unseren Versammlungen blinde Disziplin einzuführen und die Autorität der Versammlungsleitung unbedingt sicherzustellen.
  17291. Denn was wir redeten, war nicht das kraftlose Gewäsch
  17292. eines bürgerlichen „Referenten“, sondern war durch Inhalt
  17293. und Form immer geeignet, den Gegner zur Entgegnung
  17294. zu reizen! Und Gegner waren in unseren Versammlungen!
  17295. Wie oft kamen sie herein in dicken Mengen, einzelne
  17296. Hetzer zwischen ihnen und auf allen Gesichtern die
  17297. Überzeugung widerspiegelnd: Heute machen wir Schluß
  17298. mit euch!
  17299. Ja, wie oft sind sie damals buchstäblich in Kolonnen
  17300. hereingeführt worden, unsere Freunde von der roten Farbe,
  17301. mit der vorher genau eingetrichterten Aufgabe, heute abend
  17302. den ganzen Kram auseinanderzuhauen und der Geschichte
  17303. ein Ende zu machen! Und wie oft stand dann alles auf Spitz
  17304. und Kopf, und nur die rücksichtslose Energie unserer Versammlungsleitung und das brutale Draufgängertum unseres
  17305. Saalschutzes konnte immer wieder die gegnerische Absicht
  17306. vereiteln.
  17307. Und sie hatten allen Grund, gereizt zu sein.
  17308. Schon die rote Farbe unserer Plakate zog sie in unsere
  17309. Versammlungssäle. Das normale Bürgertum war ja ganz
  17310. 542
  17311. Die verdächtig roten Plakate
  17312. entsetzt darüber, daß auch wir zum Rot der Bolschewiken
  17313. gegriffen hatten, und man sah darin eine sehr zweideutige
  17314. Sache. die deutschnationalen Geister flüsterten sich im stillen immer wieder den Verdacht zu, daß wir im Grunde genommen auch nur eine Spielart des Marxismus wären,
  17315. vielleicht überhaupt nur verkappte Marxisten oder besser
  17316. Sozialisten. Denn den Unterschied zwischen Sozialismus und
  17317. Marxismus haben diese Köpfe bis heute noch nicht begriffen. Besonders als man auch noch entdeckte, daß wir in
  17318. unseren Versammlungen grundsätzlich keine „Damen und
  17319. Herren“, sondern nur „Volksgenossen und –genossinnen“
  17320. begrüßten und unter uns nur von Parteigenossen sprachen,
  17321. da schien das marxistische Gespenst für viele unserer Gegner
  17322. erwiesen. Wie oft haben wir uns geschüttelt vor Lachen
  17323. über diese einfältigen bürgerlichen Angsthasen angesichts
  17324. des geistvollen Rätselratens über unsere Herkunft, unsere
  17325. Absichten und unser Ziel.
  17326. Wir haben die rote Farbe unserer Plakate nach genauem
  17327. und gründlichem Überlegen gewählt, um dadurch die linke
  17328. Seite zu reizen, zur Empörung zu bringen und sie zu verleiten, in unsere Versammlungen zu kommen, wenn auch
  17329. nur, um sie zu sprengen, damit wir auf diese Weise überhaupt mit den Leuten reden konnten.
  17330. Es war nun köstlich, in diesen Jahren die Ratlosigkeit
  17331. und auch Hilflosigkeit unserer Gegner an ihrer ewig schwankenden Taktik zu verfolgen. Erst forderten sie ihre Anhänger auf, von uns keine Notiz zu nehmen und unsere
  17332. Versammlungen zu meiden.
  17333. Dies wurde auch im allgemeinen befolgt.
  17334. Da aber im Laufe der Zeit einzelne dennoch kamen und
  17335. diese Zahl sich langsam, aber immer mehr vermehrte und
  17336. der Eindruck unserer Lehre ersichtlich war, wurden die Führer allmählich nervös und unruhig und verbohrten sich in
  17337. die Überzeugung, daß man dieser Entwicklung nicht ewig
  17338. zusehen dürfe, sondern mit Terror ein Ende bereiten müsse.
  17339. Daraufhin kamen nun die Aufforderungen an die „klassenbewußten Proletarier“, in Massen in unsere Versammlungen zu gehen, um die „monarchistische, reaktionäre
  17340. Schwankende Taktik der Marxisten
  17341. 543
  17342. Hetze“ in ihren Vertretern mit den Fäusten des Proletariats zu treffen.
  17343. Da waren auf einmal unsere Versammlungen schon dreiviertel Stunden vor der Zeit gefüllt mit Arbeitern. Sie
  17344. glichen einem Pulverfaß, daß jeden Augenblick in die Luft
  17345. gehen konnte und an dem schon die brennende Lunte lag.
  17346. Doch kam es immer anders. Die Menschen kamen herein
  17347. als unsere Feinde und gingen hinaus, wenn schon nicht als
  17348. unsere Anhänger, so doch als nachdenklich, ja kritisch gewordene Prüfer der Richtigkeit ihrer eigenen Lehre. Allmählich aber wurde es so, daß nach meinem dreistündigen
  17349. Vortrag Anhänger und Gegner in eine einzige begeisterte
  17350. Masse zusammenschmolzen. Da war dann jedes Signal zum
  17351. Sprengen vergeblich. Und da bekamen es die Führer erst
  17352. recht mit der Angst zu tun, und man wendete sich wieder
  17353. denen zu, die gegen diese Taktik schon früher Stellung genommen hatten und die jetzt mit einem gewissen Schein
  17354. von Recht auf ihre Ansicht hinwiesen, das allein Richtige
  17355. sei es, dem Arbeiter grundsätzlich den Besuch unserer Versammlungen zu verbieten.
  17356. Da kamen sie nicht mehr oder doch weniger. Allein schon
  17357. nach kurzer Zeit begann das ganze Spiel erneut von vorne.
  17358. Das Verbot wurde doch nicht gehalten, die Genossen
  17359. kamen immer mehr, und endlich siegten wieder die Anhänger der radikalen Taktik. Wir sollten gesprengt werden.
  17360. Wenn sich dann nach zwei, drei, oft auch acht und zehn
  17361. Versammlungen herausstellte, daß das Sprengen leichter
  17362. gesagt als getan war und das Ergebnis jeder einzelnen Versammlung ein Abbröckeln der roten Kampftruppen bedeutete, dann kam plötzlich wieder die andere Parole: „Proletarier, Genossen und Genossinnen! Meidet die Versammlungen der nationalsozialistischen Hetzer!"
  17363. Die gleiche, ewig schwankende Taktik fand man übrigens
  17364. auch in der roten Presse. Bald versuchte man uns totzuschweigen, um sich dann von der Zwecklosigkeit dieses Versuchs zu überzeugen und wieder zum Gegenteil zu greifen.
  17365. Wir wurden jeden Tag irgendwie „erwähnt“, und zwar
  17366. meistens, um dem Arbeiter die unbedingte Lächerlichkeit
  17367. 544
  17368. Die Gegner machen uns bekannt
  17369. unserer ganzen Existenz klarzumachen. Nach einiger Zeit
  17370. mußten die Herren aber doch fühlen, daß uns das nicht nur
  17371. nicht schadete, sondern im Gegenteil insofern nützte, als
  17372. natürlich viele einzelne sich doch die Frage vorlegen mußten, warum man denn einer Erscheinung soviel Worte
  17373. widme, wenn sie eine so lächerliche war. Die Leute wurden
  17374. neugierig. Darauf schwenkte man plötzlich und begann, uns
  17375. eine Zeitlang als wahre Generalverbrecher der Menschheit
  17376. zu behandeln. Artikel über Artikel, in denen unser Verbrechertum erläutert und immer wieder aufs neue bewiesen
  17377. wurde, Skandalgeschichten, wenn auch von A bis Z aus den
  17378. Fingern gesogen, sollten dann noch ein übriges tun. Allein
  17379. von der Wirkungslosigkeit auch dieser Angriffe schien man
  17380. sich nach kurzer Zeit überzeugt zu haben; im Grunde genommen half dies alles ja nur mit, die allgemeine Aufmerksamkeit erst recht auf uns zu konzentrieren.
  17381. Ich habe damals den Standpunkt eingenommen: Ganz
  17382. gleich, ob sie über uns lachen oder schimpfen, ob sie uns
  17383. als Hanswurste oder als Verbrecher hinstellen; die Hauptsache ist, daß sie uns erwähnen, daß sie sich immer wieder
  17384. mit uns beschäftigen, und daß wir allmählich in den Augen
  17385. der Arbeiter selber wirklich als die Macht erscheinen, mit
  17386. der zur Zeit allein noch eine Auseinandersetzung stattfindet.
  17387. Was wir wirklich sind und was wir wirklich wollen, das
  17388. werden wir eines schönen Tages der jüdischen Pressemeute
  17389. schon zeigen.
  17390. Ein Grund, warum es damals meist nicht zu direkten
  17391. Sprengungen unserer Versammlungen kam, war allerdings
  17392. auch die ganz unglaubliche Feigheit der Führer unserer
  17393. Gegner. In allen kritischen Fällen haben sie kleine Hänschen vorgeschickt, höchstens außerhalb der Säle auf das
  17394. Resultat der Sprengung gewartet.
  17395. Wir waren über die Absichten der Herrschaften fast immer sehr gut unterrichtet. Nicht nur, weil wir aus Zweckmäßigkeitsgründen selbst viele Parteigenossen innerhalb
  17396. der roten Formationen stecken ließen, sondern weil die roten
  17397. Drahtzieher selbst von einer, in diesem Falle uns sehr nützlichen Geschwätzigkeit ergriffen waren, wie man sie in un-
  17398. Rechtswidrige Polizeipraxis
  17399. 545
  17400. serem deutschen Volke leider überhaupt sehr häufig findet.
  17401. Sie konnten nicht dicht halten, wenn sie so etwas ausgebrütet
  17402. hatten, und zwar pflegten sie meistens schon zu gackern,
  17403. ehe noch das Ei gelegt war. So hatten wir oft und oft die
  17404. umfassendsten Vorbereitungen getroffen, ohne daß die
  17405. roten Sprengkommandos selbst auch nur eine Ahnung besaßen, wie nahe ihnen der Hinauswurf bevorstand.
  17406. Diese Zeit zwang uns, den Schutz unserer Versammlungen selbst in die Hand zu nehmen; auf den behördlichen
  17407. Schutz kann man nie rechnen; im Gegenteil, er kommt erfahrungsgemäß immer nur den Störern zugute. Denn der
  17408. einzige tatsächliche Erfolg eines behördlichen Eingreifens,
  17409. und zwar durch Polizei, war höchstens die Auflösung der
  17410. Versammlung, also ihre Schließung. Und das war ja auch
  17411. einzig das Ziel und die Absicht der gegnerischen Störer.
  17412. Überhaupt hat sich hier bei der Polizei eine Praxis herausgebildet, die das Ungeheuerlichste an Rechtswidrigkeit
  17413. darstellt, das man sich vorstellen kann. Wenn nämlich durch
  17414. irgendwelche Drohungen der Behörde bekannt wird, daß
  17415. die Gefahr einer Versammlungssprengung besteht, dann
  17416. verhaftet diese nicht die Droher, sondern verbietet den
  17417. anderen, Unschuldigen, die Versammlung, auf welche Weisheit sich ein normaler Polizeigeist noch kolossal viel einbildet. Sie nennen es eine „vorbeugende Maßnahme zur
  17418. Verhinderung einer Gesetzwidrigkeit“.
  17419. Der entschlossene Bandit hat es also jederzeit in der
  17420. Hand, dem anständigen Menschen seine politische Tätigkeit
  17421. und Betätigung unmöglich zu machen. Im Namen der Ruhe
  17422. und Ordnung beugt sich die Staatsautorität vor dem Banditen und ersucht den anderen, diesen gefälligst nicht zu
  17423. provozieren. Wenn also Nationalsozialisten an gewissen
  17424. Stellen Versammlungen abhalten wollten und die Gewerkschaften erklärten, daß dies zu einem Widerstand seitens
  17425. ihrer Mitglieder führen würde, dann setzte die Polizei beileibe nicht die erpresserischen Burschen hinter Schloß und
  17426. Riegel, sondern verbot uns die Versammlung. Ja, diese
  17427. Organe des Gesetzes besaßen sogar die unglaubliche Schamlosigkeit, uns dies unzählige Male schriftlich mitzuteilen.
  17428. 19
  17429. 546
  17430. Psychologisch richtige Versammlungsleitung
  17431. Wollte man sich vor solchen Eventualitäten schützen,
  17432. mußte man also dafür sorgen, daß jeder Versuch einer
  17433. Störung schon im Keim unmöglich wurde.
  17434. Hierbei kam aber noch folgendes in Betracht: J e d e
  17435. Versammlung,
  17436. die
  17437. ihren
  17438. Schutz
  17439. ausschließlich durch die Polizei erhält, diskreditiert die Veranstalter in den Augen der
  17440. b r e i t e n M a s s e . Versammlungen, deren Abhaltung nur
  17441. durch die Abstellung eines großen Polizeiaufgebotes garantiert werden, wirken nicht werbend, insofern die Voraussetzung zum Gewinnen der unteren Schichten eines Volkes immer eine ersichtlich vorhandene Kraft ist.
  17442. So wie ein mutiger Mann Frauenherzen leichter erobern
  17443. wird als ein Feigling, so gewinnt eine heldenhafte Bewegung auch eher das Herz eines Volkes als eine feige, die nur
  17444. durch polizeilichen Schutz am Leben erhalten wird.
  17445. Besonders aus diesem letzteren Grunde mußte die junge
  17446. Partei dafür sorgen, ihre Existenz selbst zu vertreten, sich
  17447. selbst zu schützen und den gegnerischen Terror selbst zu
  17448. brechen.
  17449. Der Versammlungsschutz wurde aufgebaut:
  17450. 1.auf einer energischen und psychologisch richtigen Leitung der Versammlung;
  17451. 2.auf einem organisierten Ordnertrupp.
  17452. Wenn wir Nationalsozialisten damals eine Versammlung
  17453. abhielten, waren w i r Herren derselben und nicht ein
  17454. anderer. Und wir haben dieses Herrenrecht ununterbrochen
  17455. in jeder Minute schärfstens betont. Unsere Gegner wußten
  17456. ganz genau, daß, wer damals provozierte, unnachsichtlich
  17457. hinausflog, und wären wir selbst nur ein Dutzend gewesen
  17458. unter einem halben Tausend. In den damaligen Versammlungen, besonders außerhalb Münchens, trafen auf fünfzehn, sechzehn Nationalsozialisten fünf-, sechs-, sieben- und
  17459. achthundert Gegner. Allein wir hätten dennoch keine Provokation geduldet, und unsere Versammlungsbesucher wußten sehr gut, daß wir uns lieber hätten totschlagen lassen,
  17460. als zu kapitulieren. Es war auf öfter als einmal, daß
  17461. Marxistische Versammlungstechnik
  17462. 547
  17463. sich eine Handvoll Parteigenossen gegen eine brüllende
  17464. und schlagende rote Übermacht heldenmütig durchgesetzt hat.
  17465. Sicherlich wären in solchen Fällen diese fünfzehn oder
  17466. zwanzig Mann zum Schlusse überwältigt worden. Allein die
  17467. anderen wußten, daß vorher mindestens der doppelten oder
  17468. dreifachen Zahl von ihnen der Schädel eingeschlagen worden wäre, und das riskierten sie nicht gerne.
  17469. Wir haben hier aus dem Studium marxistischer und
  17470. bürgerlicher Versammlungstechnik zu lernen versucht und
  17471. haben auch gelernt.
  17472. Die Marxisten hatten von jeher eine blinde Disziplin,
  17473. so daß der Gedanke der Sprengung einer marxistischen Versammlung wenigstens von bürgerlicher Seite gar nicht kommen konnte. Um so mehr beschäftigten sich immer die Roten
  17474. selbst mit derlei Absichten. Sie hatten es allmählich nicht
  17475. nur zu einer bestimmten Virtuosität auf diesem Gebiete gebracht, sondern gingen endlich so weit, in großen Gebieten
  17476. des Reiches eine nichtmarxistische Versammlung an sich
  17477. schon als Provokation des Proletariats zu bezeichnen; besonders dann, wenn die Drahtzieher witterten, daß bei der
  17478. Versammlung ihr eigenes Sündenregister vielleicht aufgezählt werden könnte, um die Niedertracht ihrer volksbelügenden und volksbetrügerischen Tätigkeit zu enthüllen.
  17479. Sowie dann auch eine solche Versammlung angekündigt
  17480. wurde, erhob die gesamte rote Presse ein wütendes Geschrei, wobei sich diese prinzipiellen Gesetzesverächter nicht
  17481. selten als erste an die Behörden wandten mit der ebenso
  17482. dringenden als drohenden Bitte, diese „Provokation des
  17483. Proletariats“, „auf daß Ärgeres verhütet werde“, sofort zu
  17484. verhindern. Je nach der Größe des beamteten Kalbskopfes
  17485. wählten sie ihre Sprache und erzielten ihren Erfolg. Befand
  17486. sich aber auf einem solchen Posten ausnahmsweise wirklich
  17487. ein deutscher Beamter, nicht eine beamtete Kreatur, und
  17488. lehnte die unverschämte Zumutung ab, dann folgte die bekannte Aufforderung, eine solche „Provokation des Proletariats“ nicht zu dulden, sondern sich am Soundsovielten in
  17489. Massen in der Versammlung einzufinden, um „den bürger-
  17490. 548
  17491. Bürgerliche Versammlungstechnik
  17492. lichen Kreaturen mit Hilfe der schwieligen Faust des Proletariats das schandvolle Handwerk zu legen".
  17493. Nun muß man so eine bürgerliche Versammlung gesehen,
  17494. muß ihre Versammlungsleitung in ihrem ganzen Jammer
  17495. und in ihrer Angst einmal miterlebt haben! Gar oft wurde
  17496. ja auf solche Drohungen hin eine Versammlung glatt abgesagt. Immer war aber die Furcht so groß, daß man statt
  17497. um acht Uhr selten vor drei Viertel neun Uhr oder neun
  17498. Uhr zur Eröffnung kam. Der Vorsitzende bemühte sich dann
  17499. durch neunundneunzig Komplimente, den anwesenden
  17500. „Herren der Opposition“ klarzumachen, wie sehr er und
  17501. auch alle anderen Anwesenden sich innerlich freuten (glatte
  17502. Lüge!) über den Besuch von Männern, die noch nicht auf
  17503. ihrem Boden stünden, weil ja nur durch gegenseitige Aussprache (die er damit gleich von vornherein feierlichst zusagte) die Auffassungen einander nähergebracht, das gegenseitige Verständnis geweckt und eine Brücke geschlagen
  17504. werden könnte. Wobei er nebenbei noch versicherte, daß
  17505. es keineswegs die Absicht der Versammlung wäre, Leute
  17506. ihrer bisherigen Auffassung etwa abspenstig zu machen.
  17507. Beileibe nein, es solle nur jeder nach seiner Fasson selig
  17508. werden, aber auch den anderen selig werden lassen, und
  17509. darum bitte er, daß man den Referenten seine Ausführungen, die ohnedies nicht sehr lang sein würden, zu Ende
  17510. führen lasse und der Welt nicht auch in dieser Versammlung das beschämende Schauspiel des inneren deutschen
  17511. Bruderhaders biete… Brrr.
  17512. Das Brudervolk von links hatte dafür allerdings meist
  17513. kein Verständnis; sondern ehe der Referent noch begonnen
  17514. hatte, mußte er unter den wüstesten Beschimpfungen auch
  17515. schon zusammenpacken, und man erhielt nicht selten den
  17516. Eindruck, als ob er dem Schicksal noch dankbar wäre für
  17517. die schnelle Abkürzung der martervollen Prozedur. Unter
  17518. ungeheurem Spektakel verließen solche bürgerlichen Versammlungstoreadore die Arena, sofern sie nicht mit zerbeulten Köpfen die Treppen hinunterflogen, was sogar oft
  17519. der Fall war.
  17520. So bedeutete es für die Marxisten allerdings etwas Neues,
  17521. Nationalsozialistische Ordnertruppe
  17522. 549
  17523. als wir Nationalsozialisten unsere ersten Versammlungen
  17524. aufzogen, und besonders wie wir sie aufzogen. Sie kamen
  17525. herein in der Überzeugung, das Spielchen, das sie so oft
  17526. gespielt, selbstverständlich auch bei uns wiederholen zu
  17527. können. „Heute machen wir Schluß!“ Wie so mancher hat
  17528. nicht diesen Satz beim Hereingehen in unsere Versammlung
  17529. großmäulig einem anderen zugerufen, um blitzschnell, ehe
  17530. er noch zum zweiten Zwischenruf kam, schon vor dem
  17531. Saaleingang zu sitzen.
  17532. Erstens war schon die Leitung der Versammlung bei uns
  17533. eine andere. Es wurde nicht darum gebettelt, unseren Vortrag gnädigst zu gestatten, auch nicht von vornherein jedem
  17534. eine endlose Aussprache zugesichert, sondern kurzerhand
  17535. festgestellt, daß die Herren der Versammlung wir seien,
  17536. daß wir infolgedessen das Hausrecht besäßen, und daß
  17537. jeder, der es wagen sollte, auch nur einen Zwischenruf zu
  17538. machen, unbarmherzig dort hinausflöge, von wo er hereingekommen sei. Daß wir weiter jede Verantwortung für
  17539. einen solchen Burschen ablehnen müßten; wenn Zeit bleibe
  17540. und es uns paßte, so würden wir eine Diskussion stattfinden
  17541. lassen, wenn nicht, dann keine, und der Herr Referent, Pg.
  17542. Soundso, habe jetzt das Wort.
  17543. Schon darüber staunten sie.
  17544. Zweitens verfügten wir über einen straff organisierten
  17545. Saalschutz. Bei den bürgerlichen Parteien pflegte dieser
  17546. Saalschutz oder besser Ordnerdienst meistens aus Herren
  17547. zu bestehen, die in der Würde ihres Alters ein gewisses
  17548. Anrecht auf Autorität und Respekt zu besitzen glaubten. Da
  17549. sich nun die marxistisch verhetzten Massen um Alter, Autorität und Respekt nicht im geringsten kümmerten, war die
  17550. Existenz dieses bürgerlichen Saalschutzes praktisch sozusagen
  17551. aufgehoben.
  17552. Ich habe gleich zu Beginn unserer großen Versammlungstätigkeit die Organisation eines Saalschutzes eingeleitet als
  17553. einen O r d n e r d i e n s t , der grundsätzlich lauter junge
  17554. Burschen umfaßte. Es waren zum Teil Kameraden, die ich
  17555. vom Militärdienst her kannte, andere erst gewonnene junge
  17556. Parteigenossen, die von allem Anbeginn darüber belehrt
  17557. 550
  17558. Nationalsozialistische Ordnertruppe
  17559. und daraufhin erzogen wurden, daß Terror nur durch
  17560. Terror zu brechen sei, daß auf dieser Erde der Mutige
  17561. und Entschlossene noch stets den Erfolg für sich gehabt
  17562. habe; daß wir für eine gewaltige Idee fechten, so groß und
  17563. erhaben, daß sie sehr wohl verdiene, mit dem letzten Tropfen Blut beschirmt und beschützt zu werden. Sie waren
  17564. durchdrungen von der Lehre, daß, wenn einmal die Vernunft schweige und die Gewalt die letzte Entscheidung
  17565. habe, die beste Waffe der Verteidigung im Angriff liege,
  17566. und daß unserer Ordnertruppe der Ruf schon vorangehen
  17567. müsse, kein Debattierklub, sondern eine zum äußersten
  17568. entschlossene Kampfgemeinschaft zu sein.
  17569. Und wie hatte sich diese Jugend nicht nach einer solchen
  17570. Parole gesehnt!
  17571. Wie ist diese Feldzugsgeneration enttäuscht und entrüstet gewesen, voll Ekel und Abscheu über die bürgerliche
  17572. Schlappschwänzigkeit!
  17573. Da wurde es einem so recht klar, wie die Revolution
  17574. wirklich nur dank der verheerenden bürgerlichen Führung
  17575. unseres Volkes möglich war. Die Fäuste, das deutsche Volk
  17576. zu beschützen, sie wären selbst damals noch dagewesen, nur
  17577. die Schädel für den Einsatz hatten gefehlt. Wie haben mich
  17578. die Augen meiner Jungens damals oft angeleuchtet, wenn ich
  17579. ihnen die Notwendigkeit ihrer Mission auseinandersetzte,
  17580. ihnen immer und immer wieder versicherte, daß alle Weisheit auf dieser Erde erfolglos bleibt, wenn nicht die Kraft
  17581. in ihre Dienste tritt, sie beschirmt und schützt, daß die milde
  17582. Göttin des Friedens nur an der Seite des Kriegsgottes
  17583. wandeln kann, und daß jegliche große Tat dieses Friedens
  17584. des Schutzes und der Hilfe der Kraft bedarf! Wie ist ihnen
  17585. der Gedanke der Wehrpflicht nun in einer viel lebendigeren
  17586. Form aufgegangen! Nicht in dem verkalkten Sinn alter,
  17587. verknöcherter Beamtenseelen, im Dienste der toten Autorität eines toten Staates, sondern in der lebendigen Erkenntnis der Pflicht, durch Hingabe des Lebens des einzelnen
  17588. für das Dasein seines Volkes im gesamten einzutreten,
  17589. immer und jederzeit, an jeder Stelle und an jedem Orte.
  17590. Und wie sind diese Jungen dann eingetreten!
  17591. Bedeutung des einheitlichen Systems
  17592. 551
  17593. Gleich einem Schwarm von Hornissen flogen sie auf die
  17594. Störer unserer Versammlungen los, ohne Rücksicht auf deren
  17595. Übermacht, und mochte sie eine noch so große sein, ohne
  17596. Rücksicht auf Wunden und blutige Opfer, ganz erfüllt von
  17597. dem großen Gedanken, der heiligen Mission unserer Bewegung freie Bahn zu schaffen.
  17598. Schon im Hochsommer 1920 nahm die Organisation der
  17599. Ordnertruppe allmählich bestimmte Formen an, um sich im
  17600. Frühjahr 1921 nach und nach in Hundertschaften zu gliedern, die sich selbst wieder in Gruppen teilten.
  17601. Und dies war dringend notwendig, denn unterdessen
  17602. war die Versammlungstätigkeit dauernd gestiegen. Wohl
  17603. kamen wir auch jetzt noch oft im Münchener Hofbräuhausfestsaal zusammen, allein noch öfter in den größeren Sälen
  17604. der Stadt. Der Bürgerbräufestsaal und der MünchnerKindl-Keller erlebten im Herbst und Winter 1920/21 immer gewaltigere Massenversammlungen, und das Bild war
  17605. immer dasselbe: K u n d g e b u n g e n d e r N S D A P .
  17606. mußten schon damals meist vor Beginn
  17607. wegen Überfüllung polizeilich gesperrt
  17608. werden.
  17609. Die Organisation unserer Ordnertruppe brachte eine sehr
  17610. wichtige Frage zur Klärung. Die Bewegung besaß bis dorthin kein Parteizeichen und auch keine Parteiflagge. Das
  17611. Fehlen solcher Symbole hatte nicht nur augenblicklich Nachteile, sondern war für die Zukunft unerträglich. Die Nachteile bestanden vor allem darin, daß den Parteigenossen
  17612. jedes äußere Kennzeichen ihrer Zusammengehörigkeit fehlte,
  17613. während es für die Zukunft nicht zu ertragen war, eines
  17614. Zeichens entbehren zu müssen, daß den Charakter eines
  17615. Symbols der Bewegung besaß und als solches der Internationale entgegengesetzt werden konnte.
  17616. Welche Bedeutung aber einem solchen Symbol psychologisch zukommt, hatte ich schon in meiner Jugend öfter als
  17617. einmal Gelegenheit zu erkennen und auch gefühlsmäßig zu
  17618. 552
  17619. Altes und neues Schwarz-Rot-Gold
  17620. verstehen. Nach dem Krieg erlebte ich dann in Berlin eine
  17621. Massenkundgebung des Marxismus vor dem Kgl. Schloß
  17622. und Lustgarten. Ein Meer von roten Fahnen, roten Binden
  17623. und roten Blumen gab dieser Kundgebung, an der schätzungsweise hundertzwanzigtausend Personen teilnahmen,
  17624. ein schon rein äußerlich gewaltiges Ansehen. Ich konnte
  17625. selbst fühlen und verstehen, wie leicht der Mann aus dem
  17626. Volke dem suggestiven Zauber eines solchen grandios wirkenden Schauspiels unterliegt.
  17627. Das Bürgertum, das parteipolitisch überhaupt keine Weltanschauung vorstellt oder vertritt, hatte darum auch keine
  17628. eigene Fahne. Es bestand aus „Patrioten“ und lief demnach
  17629. in den Farben des Reiches herum. Wären diese selbst das
  17630. Symbol einer bestimmten Weltanschauung gewesen, dann
  17631. hätte man es verstehen können, daß die Inhaber des
  17632. Staates in dessen Flagge auch die Repräsentantin ihrer
  17633. Weltanschauung erblickten, da ja das Symbol ihrer Weltanschauung durch ihre eigene Tätigkeit Staats- und Reichsflagge geworden war.
  17634. So verhielten sich die Dinge aber nicht.
  17635. Das Reich war ohne Zutun des deutschen Bürgertums
  17636. gezimmert und die Flagge selbst aus dem Schoße des Krieges geboren worden. Somit war sie aber wirklich nur eine
  17637. Staatsflagge und besaß keinerlei Bedeutung im Sinne einer
  17638. besonderen weltanschaulichen Mission.
  17639. Nur an einer Stelle des deutschen Sprachgebietes war
  17640. so etwas wie eine bürgerliche Parteifahne vorhanden, in
  17641. Deutschösterreich. Indem ein Teil des dortigen nationalen
  17642. Bürgertums die Farben der achtundvierziger Jahre,
  17643. Schwarz-Rot-Gold, zu seiner Parteifahne erkoren hatte,
  17644. schuf es ein Symbol, das, wenn auch weltanschaulich ohne
  17645. jede Bedeutung, staatspolitisch dennoch revolutionären Charakter trug. D i e s c h ä r f s t e n F e i n d e d i e s e r F a h n e
  17646. Schwarz-Rot-Gold waren damals – dies
  17647. soll man heute nie vergessen – Sozialdemokraten und Christlich-Soziale bzw.
  17648. K l e r i k a l e . Gerade sie haben damals diese Farben beschimpft und besudelt und beschmutzt, genau so wie sie spä-
  17649. Alte und neue Reichsflagge
  17650. 553
  17651. ter, 1918, Schwarz-Weiß-Rot in die Gosse zogen. Allerdings
  17652. war das Schwarz-Rot-Gold der deutschen Parteien des
  17653. alten Österreichs die Farbe des Jahres 48, also einer Zeit,
  17654. die phantastisch gewesen sein mochte, allein im einzelnen
  17655. die ehrlichsten deutschen Seelen als Vertreter besaß, wenn
  17656. auch unsichtbar im Hintergrunde der Jude als Drahtzieher
  17657. stand. Mithin haben erst der Vaterlandsverrat und die
  17658. schamlose Verschacherung von deutschem Volke und deutschem Gute diese Fahne dem Marxismus und dem Zentrum
  17659. so sympathisch gemacht, daß sie sie heute als höchstes
  17660. Heiligtum verehren und eigene Banner zum Schutze der von
  17661. ihnen einst bespienen Flagge gründen.
  17662. So stand bis zum Jahre 1920 tatsächlich dem Marxismus
  17663. keine Fahne gegenüber, die weltanschaulich den polaren
  17664. Gegensatz zu ihm verkörpert hätte. Denn wenn sich auch
  17665. das deutsche Bürgertum in seinen besseren Parteien nach
  17666. dem Jahre 1918 nicht mehr dazu bequemen wollte, die jetzt
  17667. auf einmal entdeckte schwarzrotgoldene Reichsflagge als
  17668. sein eigenes Symbol zu übernehmen, so hatte man selbst
  17669. doch der neuen Entwicklung kein eigenes Programm für
  17670. die Zukunft entgegenzusetzen, im besten Fall den Gedanken einer Rekonstruktion des vergangenen Reiches.
  17671. Und diesem Gedanken verdankt die schwarzweißrote
  17672. Fahne des alten Reiches ihre Wiederauferstehung als
  17673. Flagge unserer sogenannten nationalen bürgerlichen Parteien.
  17674. Daß nun das Symbol eines Zustandes, der
  17675. vom Marxismus unter wenig rühmlichen
  17676. Umständen
  17677. und
  17678. Begleiterscheinungen
  17679. überwunden werden konnte, schlecht zum
  17680. Zeichen
  17681. taugt,
  17682. unter
  17683. welchem
  17684. dieser
  17685. gleiche Marxismus wieder vernichtet werden soll, liegt auf der Hand. So heilig und
  17686. teuer diese alten einzigschönen Farben in
  17687. ihrer
  17688. jugendfrischen
  17689. Zusammenstellung
  17690. jedem anständigen Deutschen sein müssen,
  17691. der unter ihnen gekämpft und das Opfer von
  17692. so vielen gesehen hat, so wenig gilt diese
  17693. 554
  17694. Alte und neue Reichsflagge
  17695. Fahne als Symbol für einen Kampf der Zukunft.
  17696. Ich habe immer, zum Unterschied von bürgerlichen Politikern, in unserer Bewegung den Standpunkt vertreten,
  17697. daß es für die deutsche Nation ein wahres Glück sei, die
  17698. alte Fahne verloren zu haben. Was die Republik unter ihrer
  17699. Flagge macht, kann uns gleichbleiben. Aus tiefstem Herzen aber sollten wir dem Schicksal danken, daß es gnädig
  17700. genug die ruhmvollste Kriegsflagge aller Zeiten davor bewahrt hat, als Bettuch der schmachvollsten Prostitution verwendet zu werden. Das heutige Reich, das sich und seine
  17701. Bürger verkauft, dürfte niemals die schwarzweißrote
  17702. Ehren- und Heldenfahne führen.
  17703. Solange die Novemberschande währt, mag sie auch ihre
  17704. äußere Hülle tragen und nicht auch diese noch einer redlicheren Vergangenheit zu stehlen versuchen. Unsere bürgerlichen Politiker sollten es sich in das Gewissen rufen,
  17705. daß, wer für den Staat die schwarzweißrote Flagge wünscht,
  17706. einen Diebstahl an unserer Vergangenheit begeht. Die einstige Flagge paßte wirklich auch nur für das einstige Reich,
  17707. genau so wie, Gott sei Lob und Dank, die Republik sich
  17708. die für sie passende wählte.
  17709. Das war auch der Grund, weshalb wir Nationalsozialisten im Aufziehen der alten Fahne kein ausdrucksvolles
  17710. Symbol unserer eigenen Tätigkeit hätten erblicken können.
  17711. Denn wir wollen ja nicht das alte, an seinen eigenen Fehlern zugrunde gegangene Reich wieder vom Tode erwecken,
  17712. sondern einen neuen Staat erbauen.
  17713. Die Bewegung, die heute in diesem Sinne mit dem Marxismus kämpft, muß damit auch in ihrer Fahne schon das
  17714. Symbol des neuen Staates tragen.
  17715. Die Frage der neuen Flagge, d.h. ihr Aussehen, beschäftigte uns damals sehr stark. Es kamen von allen Seiten
  17716. Vorschläge, die allerdings meist besser gemeint als gut gelungen waren. Denn die neue Fahne mußte ebensosehr ein
  17717. Symbol unseres eigenen Kampfes sein, wie sie andererseits
  17718. auch von großer plakatmäßiger Wirkung sein sollte. Wer
  17719. sich selbst viel mit der Masse zu beschäftigen hat, wird in all
  17720. Die nationalsozialistische Flagge
  17721. 555
  17722. diesen scheinbaren Kleinigkeiten doch sehr wichtige Angelegenheiten erkennen. Ein wirkungsvolles Abzeichen
  17723. kann in Hunderttausenden von Fällen den ersten Anstoß
  17724. zum Interesse an einer Bewegung geben.
  17725. Aus diesem Grunde mußten wir alle Vorschläge zurückweisen, unsere Bewegung durch eine weiße Fahne, wie dies
  17726. von vielen Seiten vorgeschlagen wurde, mit dem alten Staat
  17727. oder, richtiger, mit jenen schwächlichen Parteien zu identifizieren, deren einziges politisches Ziel die Wiederherstellung vergangener Zustände ist. Außerdem ist Weiß
  17728. keine mitreißende Farbe. Sie paßt für keusche Jungfrauenvereinigungen, aber nicht für umwälzende Bewegungen
  17729. einer revolutionären Zeit.
  17730. Auch Schwarz kam in Vorschlag: An sich passend für die
  17731. heutige Zeit, war in ihr aber keine irgendwie zu deutende
  17732. Darstellung des Wollens unserer Bewegung gegeben. Endlich wirkt diese Farbe auch nicht mitreißend genug.
  17733. Weiß-Blau schied aus, trotz der ästhetisch wundervollen
  17734. Wirkung, als Farbe eines deutschen Einzelstaates und einer
  17735. leider nicht im besten Rufe stehenden politischen Einstellung auf partikularistische Engherzigkeit. Im übrigen hätte
  17736. man auch hier nur sehr schwer einen Hinweis auf unsere
  17737. Bewegung finden können. Das gleiche galt für Schwarz-Weiß.
  17738. Schwarz-Rot-Gold kam an sich nicht in Frage.
  17739. Auch Schwarz-Weiß-Rot nicht, aus bereits erwähnten
  17740. Gründen, jedenfalls nicht in der bisherigen Fassung. In
  17741. der Wirkung steht diese Farbenzusammenstellung allerdings hoch über allen anderen erhaben. Es ist der strahlendste Akkord, den es gibt.
  17742. Ich selbst trat immer für die Beibehaltung der alten
  17743. Farben ein, nicht nur weil sie mir als Soldat das Heiligste
  17744. sind, das ich kenne, sondern weil sie auch in ihrer ästhetischen Wirkung meinem Gefühl weitaus am meisten entsprechen. Dennoch mußte ich die zahllosen Entwürfe, die
  17745. damals aus den Kreisen der jungen Bewegung einliefen,
  17746. und die meistens das Hakenkreuz in die alte Fahne hineingezeichnet hatten, ausnahmslos ablehnen. Ich selbst
  17747. – als Führer – wollte nicht sofort mit meinem eigenen
  17748. 556
  17749. Die nationalsozialistische Flagge
  17750. Entwurf an die Öffentlichkeit treten, da es ja möglich war,
  17751. daß ein anderer einen ebenso guten oder vielleicht auch
  17752. besseren bringen würde. Tatsächlich hat ein Zahnarzt aus
  17753. Starnberg auch einen gar nicht schlechten Entwurf geliefert, der übrigens dem meinen ziemlich nahekam, nur den
  17754. einen Fehler hatte, daß das Hakenkreuz mit gebogenen
  17755. Haken in eine weiße Scheibe hineinkomponiert war.
  17756. Ich selbst hatte unterdes nach unzähligen Versuchen eine
  17757. endgültige Form niedergelegt; eine Fahne aus rotem
  17758. Grundtuch mit einer weißen Scheibe und in deren Mitte
  17759. ein schwarzes Hakenkreuz. Nach langen Versuchen fand ich
  17760. auch ein bestimmtes Verhältnis zwischen der Größe der
  17761. Fahne und der Größe der weißen Scheibe sowie der Form
  17762. und Stärke des Hakenkreuzes.
  17763. Und dabei ist es dann geblieben.
  17764. In gleichem Sinne wurden nun sofort Armbinden für die
  17765. Ordnungsmannschaften in Auftrag gegeben, und zwar eine
  17766. rote Binde, auf der sich ebenfalls die weiße Scheibe mit
  17767. schwarzem Hakenkreuz befindet.
  17768. Auch das Parteiabzeichen wurde nach gleichen Richtlinien entworfen: eine weiße Scheibe auf rotem Felde und
  17769. in der Mitte das Hakenkreuz. Ein Münchner Goldschmied,
  17770. Füß, lieferte den ersten verwendbaren und dann auch beibehaltenen Entwurf.
  17771. Im Hochsommer 1920 kam zum ersten Male die neue
  17772. Flagge vor die Öffentlichkeit. Sie paßte vorzüglich zu unserer jungen Bewegung. So wie diese jung und neu war,
  17773. war sie es auch. Kein Mensch hatte sie vorher je gesehen;
  17774. sie wirkte damals wie eine Brandfackel. Wir selber empfanden alle eine fast kindliche Freude, als eine treue Parteigenossin den Entwurf zum ersten Male ausgeführt und
  17775. die Fahne abgeliefert hatte. Schon einige Monate später
  17776. besaßen wir in München ein halbes Dutzend davon, und
  17777. die immer mehr und mehr um sich greifende Ordnertruppe
  17778. besonders trug dazu bei, das neue Symbol der Bewegung
  17779. zu verbreiten.
  17780. U n d e i n S y m b o l i s t d i e s w a h r l i c h ! Nicht nur,
  17781. daß durch die einzigen, von uns allen heißgeliebten Farben,
  17782. Deutung des nationalsozialistischen Symbols
  17783. 557
  17784. die einst dem deutschen Volke soviel Ehre errungen hatten,
  17785. unsere Ehrfurcht vor der Vergangenheit bezeugt wird, sie
  17786. war auch die beste Verkörperung des Wollens der Bewegung. Als nationale Sozialisten sehen wir in unserer Flagge
  17787. unser Programm. Im R o t sehen wir den sozialen Gedanken der Bewegung, im W e i ß den nationalistischen, im
  17788. H a k e n k r e u z die Mission des Kampfes für den Sieg
  17789. des arischen Menschen und zugleich mit ihm auch den Sieg
  17790. des Gedankens der schaffenden Arbeit, die selbst ewig antisemitisch war und antisemitisch sein wird.
  17791. Zwei Jahre später, als aus der Ordnertruppe schon längst
  17792. eine viel tausend Mann umfassende Sturmabteilung geworden war, schien es nötig, dieser Wehrorganisation der jungen Weltanschauung noch ein besonderes Symbol des Sieges
  17793. zu geben: d i e S t a n d a r t e . Auch sie habe ich selbst entworfen und dann einem alten, treuen Parteigenossen, dem
  17794. Goldschmiedmeister G a h r , zur Ausführung übergeben.
  17795. Seitdem gehört die Standarte zu den Wahr- und Feldzeichen des nationalsozialistischen Kampfes.
  17796. Die Versammlungstätigkeit, die im Jahre 1920 sich
  17797. immer mehr steigerte, führte endlich dazu, daß wir manche
  17798. Woche sogar zwei Versammlungen abhielten. Vor unseren
  17799. Plakaten stauten sich die Menschen, die größten Säle der
  17800. Stadt waren immer gefüllt, und Zehntausende verführter
  17801. Marxisten fanden den Weg zurück zu ihrer Volksgemeinschaft, um Kämpfer für ein kommendes, freies Deutsches
  17802. Reich zu werden. Die Öffentlichkeit in München hatte uns
  17803. kennengelernt. Man sprach von uns, und das Wort „Nationalsozialist“ wurde vielen geläufig und bedeutete schon ein
  17804. Programm. Auch die Schar der Anhänger, ja selbst der
  17805. Mitglieder begann ununterbrochen zu wachsen, so daß wir
  17806. im Winter 1920/21 schon als starke Partei in München auftreten konnten.
  17807. Es gab damals außer den marxistischen Parteien keine
  17808. Partei, vor allem keine n a t i o n a l e , die auf solche
  17809. Massenkundgebungen hätte hinweisen können wie wir. Der
  17810. 558
  17811. Die erste Zirkusversammlung
  17812. fünftausend Menschen fassende Münchner-Kindl-Keller war
  17813. öfter als einmal zum Brechen voll gewesen, und nur einen
  17814. einzigen Raum gab es, an den wir uns noch nicht herangewagt hatten, und dies war der Zirkus Krone.
  17815. Ende Januar 1921 stiegen für Deutschland wieder schwere
  17816. Sorgen auf. Das Pariser Abkommen, auf Grund dessen sich
  17817. Deutschland zur Zahlung der wahnwitzigen Summe von hundert Milliarden Goldmark verpflichtete, sollte in der Form
  17818. des Londoner Diktats Wirklichkeit werden.
  17819. Eine in München seit langem bestehende Arbeitsgemeinschaft sogenannter völkischer Verbände wollte aus diesem
  17820. Anlaß zu einem größeren gemeinsamen Protest einladen.
  17821. Die Zeit drängte sehr, und ich selbst war angesichts des
  17822. ewigen Zauderns und Zögerns, gefaßte Beschlüsse auch zur
  17823. Durchführung zu bringen, nervös. Man redete zuerst von
  17824. einer Kundgebung am Königsplatz, unterließ dies aber wieder, da man Angst davor hatte, von den Roten auseinandergehauen zu werden, und projektierte eine Protestkundgebung vor der Feldherrnhalle. Allein auch davon kam
  17825. man wieder ab und schlug endlich eine gemeinsame Versammlung im Münchner-Kindl-Keller vor. Unterdes war
  17826. Tag für Tag vergangen, die großen Parteien hatten von
  17827. dem furchtbaren Ereignis überhaupt keine Notiz genommen, und die Arbeitsgemeinschaft selber konnte sich nicht
  17828. entschließen, endlich einen festen Termin für die beabsichtigte Kundgebung zu bestimmen.
  17829. Dienstag, den 1. Februar 1921, forderte ich dringlichst
  17830. einen endgültigen Entscheid. Ich wurde vertröstet auf Mittwoch. Mittwoch verlangte ich nun unbedingt klare Auskunft, ob und wann die Versammlung stattfinden sollte.
  17831. Die Auskunft war wieder unbestimmt und ausweichend;
  17832. es hieß, man „beabsichtige“, die Arbeitsgemeinschaft für
  17833. den Mittwoch in acht Tagen zu einer Kundgebung aufzubieten.
  17834. Damit war mir der Geduldsfaden gerissen, und ich beschloß, die Protestkundgebung nun allein durchzuführen.
  17835. Mittwoch mittags diktierte ich in zehn Minuten das Plakat in die Schreibmaschine und ließ gleichzeitig den Zirkus
  17836. Die erste Zirkusversammlung
  17837. 559
  17838. Krone für den nächsten Tag, Donnerstag, den 3. Februar,
  17839. mieten.
  17840. Damals war dies ein unendlich großes Wagnis. Nicht
  17841. nur, daß es fraglich schien, den riesenhaften Raum füllen
  17842. zu können, lief man auch Gefahr, gesprengt zu werden.
  17843. Unsere Ordnertruppe war für diesen kolossalen Raum
  17844. noch lange nicht ausreichend. Ich hatte auch keine richtige
  17845. Vorstellung über die Art des möglichen Vorgehens im
  17846. Falle einer Sprengung. Ich hielt es damals für viel schwieriger im Zirkusgebäude als in einem normalen Saal. Doch
  17847. war dies, wie es sich dann herausstellte, gerade umgekehrt.
  17848. In dem Riesenraum konnte man tatsächlich leichter einer
  17849. Sprengtruppe Herr werden als in enggepferchten Sälen.
  17850. Sicher war nur eines: jeder Mißerfolg konnte uns auf
  17851. sehr lange Zeit zurückwerfen. Denn eine einzige erfolgreiche Sprengung hätte unseren Nimbus mit einem Schlage
  17852. zerstört und die Gegner ermutigt, das einmal Gelungene
  17853. immer wieder zu versuchen. Das hätte zu einer Sabotage
  17854. unserer ganzen weiteren Versammlungstätigkeit führen
  17855. können, was erst nach vielen Monaten und nach schwersten
  17856. Kämpfen zu überwinden gewesen wäre.
  17857. Wir hatten nur einen Tag Zeit zu plakatieren, nämlich
  17858. den Donnerstag selbst. Leider regnete es schon morgens,
  17859. und die Befürchtung schien begründet, ob unter solchen
  17860. Umständen nicht viele Leute lieber zu Hause bleiben würden, statt bei Regen und Schnee in eine Versammlung zu
  17861. eilen, bei der es möglicherweise Mord und Totschlag geben
  17862. konnte.
  17863. Überhaupt bekam ich Donnerstag vormittag auf einmal
  17864. Angst, der Raum könnte doch nicht voll werden (ich wäre
  17865. damit ja auch vor der Arbeitsgemeinschaft der Blamierte
  17866. gewesen), so daß ich nun schleunigst einige Flugblätter diktierte und in Druck gab, um sie nachmittags verbreiten zu
  17867. lassen. Die enthielten natürlich die Aufforderung zum
  17868. Besuch der Versammlung.
  17869. Zwei Lastkraftwagen, die ich mieten ließ, wurden in
  17870. möglichst viel R o t eingehüllt, darauf ein paar unserer
  17871. Fahnen gepflanzt und jeder mit fünfzehn bis zwanzig
  17872. 560
  17873. Die erste Zirkusversammlung
  17874. Parteigenossen besetzt; sie erhielten den Befehl, fleißig durch
  17875. die Straßen der Stadt zu fahren, Flugblätter abzuwerfen,
  17876. kurz, Propaganda für die Massenkundgebung am Abend zu
  17877. machen. Es war zum erstenmal, daß Lastkraftwagen mit
  17878. Fahnen durch die Stadt fuhren, auf denen sich keine Marxisten befanden. Das Bürgertum starrte daher den rot
  17879. dekorierten und mit flatternden Hakenkreuzfahnen geschmückten Wagen mit offenen Mäulern nach, während in
  17880. den äußeren Vierteln sich auch zahllose geballte Fäuste erhoben, deren Besitzer ersichtlich wutentbrannt schienen über
  17881. die neueste „Provokation des Proletariats“. Denn Versammlungen abzuhalten, hatte nur der Marxismus das Recht,
  17882. genau so wie auf Lastkraftwagen herumzufahren.
  17883. Um sieben Uhr abends war der Zirkus noch nicht gut besetzt. Ich wurde alle zehn Minuten telephonisch verständigt
  17884. und war selbst ziemlich unruhig; denn um sieben Uhr oder
  17885. ein Viertel nach sieben Uhr waren die anderen Säle meistens schon halb, ja oft schon fast voll gewesen. Allerdings
  17886. klärte sich dies bald auf. Ich hatte nicht mit den riesigen
  17887. Dimensionen des neuen Raumes gerechnet: tausend Personen ließen den Hofbräuhausfestsaal schon sehr schön besetzt erscheinen, während sie vom Zirkus Krone einfach verschluckt wurden. Man sah sie kaum. Kurze Zeit darauf
  17888. kamen jedoch günstigere Meldungen, und um drei Viertel
  17889. acht Uhr hieß es, daß der Raum zu drei Vierteln gefüllt sei
  17890. und sehr große Massen vor den Kassenschaltern stünden.
  17891. Daraufhin fuhr ich los.
  17892. Zwei Minuten nach acht Uhr kam ich vor dem Zirkus an.
  17893. Es war noch immer eine Menschenmenge vor ihm zu sehen,
  17894. zum Teil bloß Neugierige, auch viele Gegner darunter, die
  17895. die Ereignisse außen abwarten wollten.
  17896. Als ich die mächtige Halle betrat, erfaßte mich die gleiche
  17897. Freude wie ein Jahr vordem in der ersten Versammlung
  17898. im Münchener Hofbräuhausfestsaal. Aber erst nachdem ich
  17899. mich durch die Menschenmauern hindurchgedrückt und das
  17900. hochgelegene Podium erreicht hatte, sah ich den Erfolg in
  17901. seiner ganzen Größe. Wie eine Riesenmuschel lag dieser
  17902. Saal vor mir, angefüllt mit Tausenden und Tausenden
  17903. Die erste Zirkusversammlung
  17904. 561
  17905. von Menschen. Selbst die Manege war schwarz besetzt. Über
  17906. fünftausendsechshundert Karten waren ausgegeben worden, und rechnete man die gesamte Zahl der Arbeitslosen,
  17907. der armen Studenten und unsere Ordnungsmannschaften
  17908. mit ein, so dürften etwa sechseinhalbtausend Personen dagewesen sein.
  17909. „Zukunft oder Untergang“ lautete das Thema, und mir
  17910. jubelte das Herz auf angesichts der Überzeugung, daß die
  17911. Zukunft da unten vor mir lag.
  17912. Ich begann zu sprechen und redete gegen zweieinhalb
  17913. Stunden, und das Gefühl sagte mir schon nach der ersten
  17914. halben Stunde, daß die Versammlung ein großer Erfolg
  17915. werden würde. Die Verbindung zu all diesen tausend einzelnen war hergestellt. Schon nach der ersten Stunde begann der Beifall in immer größeren spontanen Ausbrüchen
  17916. mich zu unterbrechen, um nach zwei Stunden wieder abzuebben und in jene weihevolle Stille überzugehen, die
  17917. ich später in diesem Raume so oft und oft erlebt habe und
  17918. die jedem einzelnen wohl unvergeßlich bleiben wird. Man
  17919. hörte dann kaum mehr als den Atemzug dieser Riesenmenge, und erst als ich das letzte Wort gesprochen, brandete es plötzlich auf, um in dem in höchster Inbrunst gesungenen „Deutschland“-Lied seinen erlösenden Abschluß
  17920. zu finden.
  17921. Ich verfolgte es noch, wie sich langsam der Riesenraum
  17922. zu leeren begann und ein ungeheueres Menschenmeer durch
  17923. den gewaltigen mittleren Ausgang fast zwanzig Minuten
  17924. lang hinausdrängte. Erst dann verließ ich selbst, überglücklich, meinen Platz, um mich nach Hause zu begeben.
  17925. Von dieser ersten Versammlung im Zirkus Krone zu
  17926. München wurden Aufnahmen gemacht. Sie zeigen besser als
  17927. Worte die Größe der Kundgebung. Bürgerliche Blätter
  17928. brachten Abbildungen und Notizen, erwähnten jedoch nur,
  17929. daß es sich um eine „nationale“ Kundgebung gehandelt
  17930. hätte, verschwiegen aber in üblich bescheidener Weise die
  17931. Veranstalter.
  17932. Damit waren wir zum ersten Male aus dem Rahmen einer
  17933. gewöhnlichen Tagespartei weit hinausgetreten. Man konnte
  17934. 562
  17935. Versammlung folgt auf Versammlung
  17936. jetzt nicht mehr an uns vorbeigehen. Um nun ja nicht den
  17937. Eindruck aufkommen zu lassen, als handle es sich bei diesem
  17938. Versammlungserfolg nur um eine Eintagsfliege, setzte ich
  17939. augenblicklich für die kommende Woche zum zweiten Male
  17940. eine Kundgebung im Zirkus an, und der Erfolg war derselbe. Wieder war der Riesenraum zum Brechen mit Menschenmassen gefüllt, so daß ich mich entschloß, in der kommenden Woche zum drittenmal eine Versammlung im gleichen Stil abzuhalten. Und zum drittenmal war der Riesenzirkus von unten bis oben gepreßt voll von Menschen.
  17941. Nach dieser Einleitung des Jahres 1921 steigerte ich die
  17942. Versammlungstätigkeit in München noch mehr. Ich ging
  17943. nun dazu über, nicht nur jede Woche eine, sondern manche
  17944. Wochen zwei Massenversammlungen abzuhalten, ja, im
  17945. Hochsommer und im Spätherbst wurden es manchmal drei.
  17946. Wir versammelten uns nun immer im Zirkus und konnten
  17947. zu unserer Genugtuung feststellen, daß alle unsere Abende
  17948. den gleichen Erfolg brachten.
  17949. Das Ergebnis war eine immer steigende Anhängerzahl
  17950. der Bewegung und eine große Zunahme der Mitglieder.
  17951. Solche Erfolge ließen natürlich auch unsere Gegner nicht
  17952. ruhen. Nachdem sie in ihrer Taktik immer schwankend sich
  17953. bald zum Terror und bald zum Totschweigen bekannten,
  17954. konnten sie die Entwicklung der Bewegung, wie sie selbst
  17955. erkennen mußten, weder mit dem einen noch mit dem anderen irgendwie hemmen. So entschlossen sie sich in einer
  17956. letzten Anstrengung zu einem Terrorakt, um unserer weiteren Versammlungstätigkeit damit endgültig einen Riegel
  17957. vorzuschieben.
  17958. Als äußeren Anlaß zu der Aktion benützte man ein höchst
  17959. geheimnisvolles Attentat auf einen Landtagsabgeordneten
  17960. namens Erhard Auer. Besagter Erhard Auer sollte abends
  17961. von irgend jemand angeschossen worden sein. Das heißt, er
  17962. war es nicht tatsächlich, aber es sei versucht worden, auf
  17963. ihn zu schießen. Fabelhafte Geistesgegenwart sowie der
  17964. Der vergebliche Sprengungsversuch
  17965. 563
  17966. sprichwörtliche Mut des sozialdemokratischen Parteiführers
  17967. hätten aber den frevelhaften Angriff nicht nur vereitelt,
  17968. sondern die verruchten Täter selbst in schmählichste Flucht
  17969. geschlagen. Sie waren so eilig und so weit geflohen, daß
  17970. die Polizei auch später von ihnen nicht mehr die leiseste
  17971. Spur erwischen konnte. Dieser geheimnisvolle Vorgang
  17972. wurde von dem Organ der sozialdemokratischen Partei in
  17973. München nun benützt, um in maßlosester Weise gegen die
  17974. Bewegung zu hetzen und darunter auch in altgewohnter
  17975. Geschwätzigkeit anzudeuten, was demnächst kommen müsse.
  17976. Es sei dafür gesorgt, daß unsere Bäume nicht in den Himmel wüchsen, sondern daß von proletarischen Fäusten nun
  17977. rechtzeitig eingegriffen würde.
  17978. Und wenige Tage später war schon der Tag des Eingriffs da.
  17979. Eine Versammlung im Münchener Hofbräuhausfestsaal,
  17980. in der ich selber sprechen sollte, war zur endgültigen Auseinandersetzung gewählt worden.
  17981. Am 4. November 1921 erhielt ich nachmittags zwischen
  17982. sechs und sieben Uhr die ersten positiven Nachrichten, daß
  17983. die Versammlung unbedingt gesprengt werden würde, und
  17984. daß man zu diesem Zweck besonders aus einigen roten Betrieben große Arbeitermassen in die Versammlung zu schikken beabsichtige.
  17985. Einem unglücklichen Zufall war es zuzuschreiben, daß
  17986. wir diese Verständigung nicht schon früher bekamen. Wir
  17987. hatten am selben Tage unsere alte ehrwürdige Geschäftsstelle in der Sterneckergasse in München aufgegeben und
  17988. waren in eine neue übersiedelt, das heißt, wir waren aus
  17989. der alten fort, konnten aber in die neue nicht hinein, weil
  17990. in ihr noch gearbeitet wurde. Da auch das Telephon in der
  17991. einen abgerissen und in der zweiten noch nicht eingebaut
  17992. war, sind an diesem Tage eine ganze Anzahl telephonischer
  17993. Versuche, die beabsichtigte Sprengung uns mitzuteilen, vergeblich gewesen.
  17994. Dies hatte zur Folge, daß die Versammlung selbst nur
  17995. durch sehr schwache Ordnertruppen geschützt war. Nur
  17996. eine zahlenmäßig wenig starke Hundertschaft von sechs-
  17997. 564
  17998. Der vergebliche Sprengungsversuch
  17999. undvierzig Köpfen war anwesend, der Alarmapparat aber
  18000. noch nicht so ausgebaut, um abends im Verlauf von einer
  18001. Stunde eine ausgiebige Verstärkung herbeizuholen. Dazu
  18002. kam noch, daß ja derartige alarmierende Gerüchte schon
  18003. unzählige Male uns zu Ohren gekommen waren, ohne daß
  18004. dann irgend etwas Besonderes geschehen war. Der alte
  18005. Spruch, daß angekündigte Revolutionen meist ausbleiben,
  18006. hatte sich auch bei uns bis dahin noch immer als richtig
  18007. erwiesen.
  18008. So geschah auch aus diesem Grunde vielleicht nicht alles,
  18009. was an dem Tage hätte geschehen können, um mit brutalster Entschlossenheit einer Sprengung entgegenzutreten.
  18010. Endlich hielten wir den Münchener Hofbräuhausfestsaal
  18011. für eine Sprengung als denkbar ungeeignet. Wir hatten sie
  18012. mehr für die größten Säle befürchtet, besonders für den
  18013. Zirkus. Insofern hat uns dieser Tag eine wertvolle Lehre
  18014. gegeben. Wir haben später die ganzen Fragen, ich darf
  18015. schon sagen, mit wissenschaftlicher Methodik studiert und
  18016. sind zu Resultaten gekommen, die zum Teil ebenso unglaublich wie interessant waren und in der Folgezeit für
  18017. die organisatorische und taktische Leitung unserer Sturmabteilungen von grundlegender Bedeutung waren.
  18018. Als ich um drei Viertel acht Uhr in die Vorhalle des Hofbräuhauses kam, konnte allerdings ein Zweifel über die
  18019. vorhandene Absicht nicht mehr bestehen. Der Saal war
  18020. übervoll und deshalb polizeilich gesperrt worden. Die Gegner, die sehr früh erschienen waren, befanden sich im Saal
  18021. und unsere Anhänger zum größten Teil draußen. Die kleine
  18022. SA. erwartete mich in der Vorhalle. Ich ließ die Türen
  18023. zum großen Saal schließen und hieß dann die fünfundvierzig oder sechsundvierzig Mann antreten. Ich habe den
  18024. Jungen vorgestellt, daß sie wahrscheinlich heute der Bewegung zum ersten Male auf Biegen und Brechen die Treue
  18025. halten müßten, und daß keiner von uns den Saal verlassen
  18026. dürfe, außer sie trügen uns als Tote hinaus; ich würde
  18027. selbst im Saale bleiben, glaubte nicht, daß mich auch nur
  18028. einer von ihnen verlassen würde; erblickte ich aber selber
  18029. einen, der sich als Feigling erweise, so würde ich ihm
  18030. Der vergebliche Sprengungsversuch
  18031. 565
  18032. persönlich die Binde herunterreißen und das Abzeichen fortnehmen. Dann forderte ich sie auf, beim geringsten Versuch zur Sprengung augenblicklich vorzugehen und dessen
  18033. eingedenk zu sein, daß man sich am besten verteidigt, indem man selbst angreift.
  18034. Ein dreifaches Heil, das dieses Mal rauher und heiserer
  18035. klang als sonst, war die Antwort.
  18036. Dann ging ich in den Saal hinein und konnte nun mit
  18037. eigenen Augen die Lage überblicken. Sie saßen dick herinnen und suchten mich schon mit Augen zu durchbohren.
  18038. Zahllose Gesichter waren mit verbissenem Haß mir zugewandt, während andere wieder, unter höhnischen Grimassen, sehr eindeutige Zurufe losließen. Man würde heute
  18039. „Schluß machen mit uns“, wir sollten auf unsere Gedärme
  18040. achtgeben, man würde uns das Maul endgültig verstopfen,
  18041. und was es solcher schönen Redensarten sonst noch gab. Sie
  18042. waren sich ihrer Übermacht bewußt und fühlten sich danach.
  18043. Dennoch konnte die Versammlung eröffnet werden, und
  18044. ich begann zu sprechen. Ich stand im Hofbräuhausfestsaal
  18045. immer an einer der Längsfronten des Saales, und mein
  18046. Podium war ein Biertisch. Ich befand mich also eigentlich
  18047. mitten unter den Leuten. Vielleicht trug dieser Umstand
  18048. dazu bei, um gerade in diesem Saale immer eine Stimmung entstehen zu lassen, wie ich sie sonst an keiner Stelle
  18049. ähnlich wieder gefunden habe.
  18050. Vor mir, besonders links vor mir, saßen und standen
  18051. lauter Gegner. Es waren durchaus robuste Männer und
  18052. Burschen, zu einem großen Teil aus der Maffei-Fabrik, von
  18053. Kustermann, aus den Isariazählerwerken usw. Die linke
  18054. Saalwand entlang hatten sie sich bereits ganz dicht bis an
  18055. meinen Tisch vorgeschoben und begannen nun Maßkrüge
  18056. zu sammeln, d.h. sie bestellten immer wieder Bier und
  18057. stellten die ausgetrunkenen Krüge unter den Tisch. Ganze
  18058. Batterien entstanden so, und es hätte mich wundergenommen, wenn die Sache heute wieder gut ausgegangen wäre.
  18059. Nach ungefähr eineinhalb Stunden – solange konnte ich
  18060. trotz aller Zwischenrufe sprechen – war es fast so, als ob
  18061. ich Herr der Lage würde. Die Führer der Sprengtrupps
  18062. 566
  18063. Der vergebliche Sprengungsversuch
  18064. schienen dies selbst auch zu fühlen; denn sie wurden immer
  18065. unruhiger, gingen öfters hinaus, kamen wieder herein und
  18066. redeten sichtlich nervös auf ihre Leute ein.
  18067. Ein psychologischer kleiner Fehler, den ich in der Abwehr
  18068. eines Zwischenrufes beging und der mir, kaum, daß ich das
  18069. Wort aus dem Munde hatte, selbst zum Bewußtsein kam,
  18070. gab das Signal zum Losschlagen.
  18071. Ein paar zornige Zwischenrufe, und ein Mann sprang
  18072. plötzlich auf einen Stuhl und brüllte in den Saal hinein:
  18073. „F r e i h e i t ! “ Auf welches Signal hin die Freiheitskämpfer mit ihrer Arbeit begannen.
  18074. In wenigen Sekunden war der ganze Raum erfüllt von
  18075. einer brüllenden und schreienden Menschenmenge, über die,
  18076. Haubitzenschüssen ähnlich, unzählige Maßkrüge flogen; dazwischen das Krachen von Stuhlbeinen, das Zerplatschen
  18077. der Krüge, Gröhlen und Johlen und Aufschreien.
  18078. Es war ein blödsinniger Spektakel.
  18079. Ich blieb auf meinem Platz stehen und konnte beobachten,
  18080. wie restlos meine Jungen ihre Pflicht erfüllten.
  18081. Da hätte ich eine bürgerliche Versammlung sehen mögen!
  18082. Der Tanz hatte noch nicht begonnen, als auch schon meine
  18083. Sturmtruppler, denn so hießen sie von diesem Tage an, angriffen. Wie Wölfe stürzten sie in Rudeln von acht oder
  18084. zehn immer wieder auf ihre Gegner los und begannen sie
  18085. nach und nach tatsächlich aus dem Saale zu dreschen. Schon
  18086. nach fünf Minuten sah ich kaum mehr einen von ihnen, der
  18087. nicht schon blutüberströmt gewesen wäre. Wie viele habe ich
  18088. damals erst so recht kennengelernt; an der Spitze meinen
  18089. braven Maurice, meinen heutigen Privatsekretär Heß und
  18090. viele andere, die, selbst schon schwer verletzt, immer wieder
  18091. angriffen, solange sie sich nur auf den Beinen halten konnten. Zwanzig Minuten lang dauerte der Höllenlärm, dann
  18092. aber waren die Gegner, die vielleicht sieben- und achthundert Mann zählen mochten, von meinen nicht einmal fünfzig Mann zum größten Teil aus dem Saale geschlagen und
  18093. die Treppen hinuntergejagt. Nur in der linken rückwärtigen
  18094. Saalecke hielt sich noch ein großer Haufen und leistete erbittertsten Widerstand. Da vielen plötzlich vom Saaleingang
  18095. „Die Versammlung geht weiter“
  18096. 567
  18097. zum Podium her zwei Pistolenschüsse, und nun ging eine
  18098. wilde Knallerei los. Fast jubelte einem doch wieder das
  18099. Herz angesichts solcher Auffrischung alter Kriegserlebnisse.
  18100. Wer schoß, ließ sich von da ab nicht mehr unterscheiden;
  18101. nur das eine konnte man feststellen, daß von dem Augenblick an sich die Wut meiner blutenden Jungen noch mächtig gesteigert hatte und endlich die letzten Störer, überwältigt, aus dem Saal hinausgetrieben wurden.
  18102. Es waren ungefähr fünfundzwanzig Minuten vergangen;
  18103. der Saal selbst sah aus, als ob eine Granate eingeschlagen
  18104. hätte. Viele meiner Anhänger wurden gerade verbunden,
  18105. andere mußten weggefahren werden, allein wir waren die
  18106. Herren der Lage geblieben. Hermann Esser, der an diesem
  18107. Abend die Versammlungsleitung übernommen hatte, erklärte: „D i e V e r s a m m l u n g g e h t w e i t e r . D a s
  18108. W o r t h a t d e r R e f e r e n t “, und ich sprach dann
  18109. wieder.
  18110. Nachdem wir die Versammlung selbst schon geschlossen
  18111. hatten, kam plötzlich ein aufgeregter Polizeileutnant hereingestürzt und krähte mit wildfuchtelnden Armen in den Saal
  18112. hinein: „Die Versammlung ist aufgelöst.“
  18113. Unwillkürlich mußte ich über diesen Nachzügler der
  18114. Ereignisse lachen; echt polizeiliche Wichtigtuerei. Je kleiner
  18115. sie sind, um so größer müssen sie wenigstens scheinen.
  18116. Wir hatten an dem Abend wirklich viel gelernt, und auch
  18117. unsere Gegner haben die Lehre, die sie ihrerseits empfangen
  18118. hatten, nicht mehr vergessen.
  18119. Bis zum Herbst 1923 hat uns seitdem die „Münchener
  18120. Post“ keine Fäuste des Proletariats mehr angekündigt.
  18121. 8. Kapitel
  18122. Der Starke ist am mächtigsten allein
  18123. I ch habe im vorhergehenden das Bestehen einer A r beitsgemeinschaft
  18124. deutschvölkischer
  18125. V e r b ä n d e erwähnt und möchte an dieser Stelle das
  18126. Problem dieser Arbeitsgemeinschaften kurz erörtern.
  18127. Im allgemeinen versteht man unter einer Arbeitsgemeinschaft eine Gruppe von Verbänden, die zur Erleichterung
  18128. ihrer Arbeit in ein gewisses gegenseitiges Verhältnis treten,
  18129. eine gemeinsame Führung von mehr oder minder großer
  18130. Kompetenz wählen und nun gemeinsame Aktionen gemeinsam durchführen. Schon daraus geht hervor, daß es sich
  18131. hierbei um Vereine, Verbände oder Parteien handeln muß,
  18132. deren Ziele und Wege nicht zu weit auseinanderliegen. Es
  18133. wird behauptet, dies sei auch immer der Fall. Es wirkt nun
  18134. für den normalen Durchschnittsbürger ebenso erfreulich wie
  18135. beruhigend, zu hören, daß solche Verbände endlich, indem sie
  18136. sich in solcher „Arbeitsgemeinschaft“ zusammenfinden, das
  18137. „Gemeinsam-Verbindende“ entdeckt haben und das „Trennende zurückstellen“. Dabei herrscht die allgemeine Überzeugung, daß einer solchen Vereinigung dann eine enorme
  18138. Kraftsteigerung zukomme, und daß die ansonst schwachen
  18139. Grüppchen dadurch plötzlich zu einer Macht geworden seien.
  18140. Dies ist jedoch meistens falsch!
  18141. Es ist interessant und in meinen Augen zum besseren
  18142. Verständnis dieser Frage wichtig, sich Klarheit darüber zu
  18143. verschaffen, wieso es denn überhaupt zur Bildung von Verbänden, Vereinen oder dergleichen kommen kann, die alle
  18144. behaupten, das gleiche Ziel verfolgen zu wollen. An und
  18145. für sich wäre es doch logisch, daß e i n Ziel auch nur von
  18146. Prioritätsrecht einer Bewegung
  18147. 569
  18148. e i n e m Verband verfochten wird und daß vernünftigerweise nicht mehrere Verbände das gleiche Ziel verfechten.
  18149. Ohne Zweifel war jenes Ziel zuerst nur von e i n e m
  18150. Verband ins Auge gefaßt worden. Ein Mann verkündet
  18151. an irgendeiner Stelle eine Wahrheit, ruft zur Lösung einer
  18152. bestimmten Frage auf, setzt ein Ziel und bildet eine Bewegung, die der Verwirklichung seiner Absicht dienen soll.
  18153. Es wird somit ein Verein oder eine Partei gegründet,
  18154. die, je nach ihrem Programm, entweder die Beseitigung
  18155. bestehender Mißstände oder die Erreichung eines besonderen Zustandes in der Zukunft herbeiführen soll.
  18156. Sowie einmal eine solche Bewegung ins Leben getreten
  18157. ist, besitzt sie damit praktisch ein gewisses P r i o r i t ä t s r e c h t . Es wäre nun eigentlich selbstverständlich, daß alle
  18158. Menschen, die das gleiche Ziel wie sie zu verfechten gedenken, sich in eine solche Bewegung einfügen und deren
  18159. Kraft dadurch stärken, um so der gemeinsamen Arbeit besser dienen zu können. Besonders jeder geistig regsame
  18160. Kopf müßte gerade in einer solchen Eingliederung die Voraussetzung zum wirklichen Erfolg gemeinsamen Ringens
  18161. empfinden. Mithin müßte es vernünftigerweise und bei
  18162. einer gewissen Redlichkeit (auf die kommt, wie ich später
  18163. nachweisen will, sehr viel an) für ein Ziel auch nur eine Bewegung geben.
  18164. Daß dem nicht so ist, kann zwei Ursachen zugeschrieben
  18165. werden. Die eine davon möchte ich fast als eine tragische
  18166. bezeichnen, während die zweite erbärmlich und in der
  18167. menschlichen Schwäche selbst zu suchen ist. Im tiefsten
  18168. Grund sehe ich aber in beiden nur Tatsachen, die geeignet
  18169. sind, das Wollen an sich, die Energie und Intensität desselben zu steigern und durch diese Höherzüchtung menschlicher Tatkraft die Lösung des in Frage stehenden Problems endlich zu ermöglichen.
  18170. Die tragische Ursache, warum es bei der Lösung einer
  18171. bestimmten Aufgabe meist nicht bei einem einzigen Verbande bleibt, ist folgende: Jede Tat großen Stils auf dieser
  18172. Erde wird im allgemeinen die Erfüllung eines in Millionen Menschen schon längst vorhanden gewesenen Wunsches,
  18173. 570
  18174. Das Ringen um die Führung
  18175. einer im stillen von vielen gehegten Sehnsucht sein. Ja,
  18176. es kann vorkommen, daß Jahrhunderte sehnsuchtsvoll die
  18177. Lösung einer bestimmten Frage herbeiwünschen, weil sie
  18178. unter der Unerträglichkeit eines bestehenden Zustandes
  18179. seufzen, ohne daß die Erfüllung dieses allgemeinen Sehnens
  18180. in Erscheinung träte. Völker, die aus einer solchen Not
  18181. überhaupt keine heroische Lösung mehr finden, kann man
  18182. als impotent bezeichnen, während wir die Lebenskraft
  18183. eines Volkes und die durch sie noch verbürgte Bestimmung
  18184. zum Leben am schlagendsten dann bewiesen sehen, wenn
  18185. ihm für die Befreiung aus einem großen Zwange oder zur
  18186. Beseitigung einer bitteren Not oder zur Befriedigung seiner
  18187. ruhelos, weil unsicher gewordenen Seele vom Schicksal eines
  18188. Tages der dafür begnadete Mann geschenkt wird, der endlich die lang ersehnte Erfüllung bringt.
  18189. Es liegt nun ganz im Wesen sogenannter großer Zeitfragen, daß sich an ihrer Lösung Tausende betätigen, daß
  18190. viele sich berufen glauben, ja, daß das Schicksal selbst verschiedene zur Wahl vorschlägt, um nun im freien Spiel
  18191. der Kräfte dem Stärkeren, Tüchtigeren endgültig den Sieg
  18192. zu geben und ihm die Lösung des Problems anzuvertrauen.
  18193. So mag es sein, daß Jahrhunderte, unzufrieden mit der
  18194. Gestaltung ihres religiösen Lebens, sich nach einer Erneuerung sehnen, und daß aus diesem seelischen Drange
  18195. heraus Dutzende und mehr Männer erstehen, die sich auf
  18196. Grund ihrer Einsicht und ihres Wissens zur Lösung dieser
  18197. religiösen Not berufen glauben, um als Propheten einer
  18198. neuen Lehre oder wenigstens als Kämpfer gegen eine bestehende in Erscheinung zu treten.
  18199. Sicher wird auch hier, kraft natürlicher Ordnung, der
  18200. Stärkste dazu bestimmt sein, die große Mission zu erfüllen;
  18201. allein die Erkenntnis, daß eben dieser e i n e der ausschließlich Berufene sei, pflegt den anderen meistens erst
  18202. sehr spät zu kommen. Sie sehen sich im Gegenteil alle
  18203. als gleichberechtigt und berufen zur Lösung der Aufgabe
  18204. an, und die Mitwelt vermag gewöhnlich am allerwenigsten zu unterscheiden, wer von ihnen – weil allein zum
  18205. Höchsten befähigt – einzig ihre Unterstützung verdient.
  18206. Das Ringen um die Führung
  18207. 571
  18208. So treten im Laufe von Jahrhunderten, ja oft innerhalb eines gleichen Zeitabschnittes verschiedene Männer
  18209. auf, gründen Bewegungen, um Ziele zu verfechten, die,
  18210. wenigstens behauptungsweise, die gleichen sind oder doch
  18211. von der großen Masse als gleich empfunden werden. Das
  18212. Volk selbst hegt wohl unbestimmte Wünsche und hat allgemeine Überzeugungen, ohne sich indes über das eigentliche Wesen des Zieles oder des eigenen Wunsches oder
  18213. gar der Möglichkeit ihrer Erfüllung genau klar werden zu
  18214. können.
  18215. Die Tragik liegt darin, daß jene Männer auf ganz verschiedenen Wegen einem gleichen Ziele zustreben, ohne sich
  18216. zu kennen, und daher, im reinsten Glauben an ihre eigene
  18217. Mission, sich für verpflichtet halten, ohne Rücksicht auf
  18218. andere ihre eigenen Wege zu gehen.
  18219. Daß solche Bewegungen, Parteien, religiöse Gruppen
  18220. vollkommen unabhängig voneinander, allein aus dem allgemeinen Zeitwollen heraus, entstehen, um sich nach einer
  18221. gleichen Richtung zu betätigen, ist das, was wenigstens
  18222. auf den ersten Blick als tragisch erscheint, weil man allzusehr zu der Meinung neigt, die auf verschiedene Wege zerstreute Kraft könnte, auf einen einzigen zusammengefaßt,
  18223. schneller und sicherer zum Erfolge führen. Dies ist aber
  18224. nicht der Fall. Sondern die Natur selbst trifft in ihrer unerbittlichen Logik den Entscheid, indem sie die verschiedenen
  18225. Gruppen miteinander in den Wettbewerb treten und um
  18226. die Siegespalme ringen läßt und die Bewegung ans Ziel
  18227. führt, die den klarsten, nächsten und sichersten Weg gewählt hat.
  18228. Wie aber sollte die Richtigkeit oder Unrichtigkeit eines
  18229. Weges von außen her bestimmt werden, wenn nicht dem
  18230. Spiel der Kräfte freie Bahn gegeben, die letzte Bestimmung dem doktrinären Entscheid menschlicher Besserwisser
  18231. entzogen und der untrügerischen Beweisführung des sichtbaren Erfolges überantwortet worden wäre, der schließlich
  18232. der Richtigkeit einer Handlung immer die letzte Bestätigung
  18233. geben wird!
  18234. Marschieren also verschiedene Gruppen auf getrennten
  18235. 572
  18236. Österreich und Preußen
  18237. Wegen dem gleichen Ziele zu, so werden sie, soweit sie von
  18238. dem Vorhandensein ähnlicher Bestrebungen Kenntnis genommen haben, die Art ihres Weges gründlicher überprüfen, denselben womöglich abkürzen und unter Anspannung ihrer äußersten Energie versuchen, das Ziel schneller
  18239. zu erreichen.
  18240. So ergibt sich aus diesem Wettkampf eine Höherzüchtung
  18241. des einzelnen Kämpfers, und die Menschheit hat ihre Erfolge nicht selten mit den Lehren zu verdanken, die aus
  18242. dem Mißgeschick gescheiterter früherer Versuche gezogen
  18243. wurden.
  18244. So können wir in der auf den ersten Blick tragisch erscheinenden Tatsache anfänglicher, ohne bewußtes Verschulden einzelner entstandener Zersplitterung das Mittel erkennen, durch welches schließlich das beste Verfahren erzielt wurde.
  18245. Wir sehen in der Geschichte, daß nach Anschauung der
  18246. meisten die beiden Wege, welche dereinst zur Lösung der
  18247. deutschen Frage einzuschlagen möglich waren und deren
  18248. hauptsächlichste Repräsentanten und Verfechter Österreich
  18249. und Preußen, Habsburg und Hohenzollern gewesen sind,
  18250. von vornherein hätten zusammengelegt werden müssen;
  18251. man hätte sich nach ihrer Ansicht dem einen oder dem
  18252. anderen Weg in vereinigter Kraft anvertrauen sollen.
  18253. Dann aber würde damals der Weg des zuletzt bedeutenderen Vertreters beschritten worden sein; die österreichische
  18254. Absicht hätte jedoch niemals zu einem Deutschen Reich
  18255. geführt.
  18256. Und nun erstand das Reich stärkster deutscher Einigkeit gerade aus dem, was Millionen Deutsche blutenden Herzens als
  18257. letztes und furchtbarstes Zeichen unseres
  18258. Bruderzwistes empfunden: die deutsche
  18259. Kaiserkrone wurde in Wahrheit auf dem
  18260. Schlachtfelde von Königgrätz geholt und
  18261. nicht in den Kämpfen vor Paris, wie man
  18262. nachträglich meinte.
  18263. So war die Gründung des Deutschen Reiches an sich
  18264. Ursachen der völkischen Zersplitterung
  18265. 573
  18266. nicht das Ergebnis irgendeines gemeinsamen Wollens auf
  18267. gemeinsamen Wegen, sondern vielmehr das Ergebnis bewußten, manchmal auch unbewußten Ringens nach der
  18268. Hegemonie, aus welchem Ringen Preußen endlich als Sieger hervorging. Und wer nicht in parteipolitischer Verblendung der Wahrheit entsagt, der wird bestätigen müssen,
  18269. daß die sogenannte Weisheit der Menschen niemals den
  18270. gleichen weisen Entschluß gefaßt haben würde, wie ihn die
  18271. Weisheit des Lebens, d.h. des freien Spiels der Kräfte,
  18272. endlich Wirklichkeit hat werden lassen. Denn wer hätte in
  18273. deutschen Landen vor zweihundert Jahren wohl ernstlich
  18274. geglaubt, daß das Hohenzollernsche Preußen dereinst Keimzelle, Gründer und Lehrer des neuen Reiches sein würde
  18275. und nicht Habsburg?! Wer wollte dagegen heute noch
  18276. leugnen, daß das Schicksal so besser gehandelt hat; ja, wer
  18277. könnte sich heute überhaupt noch ein Deutsches Reich vorstellen, getragen von den Grundsätzen einer fauligen und
  18278. verkommenen Dynastie?
  18279. Nein, die natürliche Entwicklung hat, wenn auch nach
  18280. jahrhundertelangem Kampf, endlich doch den Besten auf
  18281. d i e Stelle gebracht, auf die er gehörte.
  18282. Das wird immer so sein, wird ewig so bleiben, wie es
  18283. bisher immer so war.
  18284. Deshalb ist es nicht zu beklagen, wenn sich verschiedene
  18285. Leute auf den Weg begeben, um ans gleiche Ziel zu gelangen: Der Kräftigste und Schnellste wird auf solche Weise
  18286. erkannt und wird Sieger werden.
  18287. Es gibt nun noch eine zweite Ursache dafür, warum im
  18288. Völkerleben häufig Bewegungen scheinbar gleicher Art das
  18289. scheinbar gleiche Ziel dennoch auf verschiedenen Wegen zu
  18290. erreichen suchen. D i e s e Ursache ist nicht nur nicht tragisch,
  18291. sondern sogar recht erbärmlich. Sie liegt in der traurigen
  18292. Mischung von Neid, Eifersucht, Ehrgeiz und diebischer Gesinnung, die man leider in einzelnen Subjekten der Menschheit manches Mal vereinigt findet.
  18293. Sowie nämlich ein Mann auftritt, der die Not seines
  18294. Volkes tief erkennt und nun, nachdem er sich über das
  18295. Wesen der Krankheit letzte Klarheit verschafft hat, ernstlich
  18296. 574
  18297. Ursachen der völkischen Zersplitterung
  18298. versucht, sie zu beheben, wenn er ein Ziel fixiert und den
  18299. Weg gewählt hat, der zu diesem Ziele führen kann –
  18300. dann werden sofort kleine und kleinste Geister aufmerksam
  18301. und verfolgen nun eifrig das Tun dieses Mannes, der die
  18302. Augen der Öffentlichkeit auf sich gezogen hat. Genau wie
  18303. Sperlinge, die, scheinbar gänzlich uninteressiert, in Wirklichkeit aber dennoch aufs äußerste gespannt, einen glücklicheren Genossen, der ein Stückchen Brot gefunden hat,
  18304. dauernd beobachten, um plötzlich in einem unbedachten
  18305. Augenblick zu räubern, so auch diese Menschen. Es braucht
  18306. einer nur sich auf einen neuen Weg zu begeben, so werden
  18307. schon viele faule Herumlungerer stutzig und wittern irgendeinen lohnenden Bissen, der vielleicht am Ende dieses
  18308. Weges liegen könnte. Sowie sie dann herausgebracht, wo
  18309. er etwa zu finden ist, machen sie sich eifrig auf die Beine,
  18310. um auf einem anderen, womöglich schnelleren Weg zum
  18311. Ziele zu kommen.
  18312. Ist nun die neue Bewegung gegründet und hat sie ihr
  18313. bestimmtes Programm empfangen, dann kommen jene Menschen und behaupten, dieses gleiche Ziel zu verfechten; doch
  18314. beileibe nicht, indem sie sich redlich in die Reihen einer solchen Bewegung stellen und so die Priorität derselben anerkennen, sondern sie bestehlen das Programm und gründen darauf eine eigene Partei. Sie sind dabei unverschämt
  18315. genug, der gedankenlosen Mitwelt zu versichern, daß sie
  18316. schon lange vorher genau dasselbe gewollt hätten wie der
  18317. andere, und nicht selten gelingt es ihnen, sich damit in
  18318. günstiges Licht zu setzen, anstatt berechtigterweise der allgemeinen Verachtung zu verfallen. Denn ist es nicht eine
  18319. große Unverfrorenheit, vorzugeben, die Aufgabe, die ein
  18320. anderer auf seine Fahne geschrieben hat, auf die eigene zu
  18321. schreiben, dessen programmatische Richtpunkte zu entlehnen, dann aber, als hätte man selbst dies alles geschaffen,
  18322. seine eigenen Wege zu gehen? Diese Unverfrorenheit zeigt
  18323. sich aber besonders darin, daß dieselben Elemente, die zuerst durch ihre Neugründungen die Zersplitterung verursacht haben, erfahrungsgemäß am allermeisten von der
  18324. Notwendigkeit der Einigkeit und Einheit reden, sobald sie
  18325. Ursachen der völkischen Zersplitterung
  18326. 575
  18327. zu bemerken glauben, daß der Vorsprung des Gegners doch
  18328. nicht mehr eingeholt werden kann.
  18329. Solchem Vorgang ist die sogenannte „völkische Zersplitterung“ zu verdanken.
  18330. Allerdings war die Bildung einer ganzen Reihe als
  18331. völkisch bezeichneter Gruppen, Parteien usw. im Jahre
  18332. 1918/19 von den Gründern gänzlich unverschuldet aus der
  18333. natürlichen Entwicklung der Dinge heraus erfolgt. Aus
  18334. ihnen allen hatte sich schon im Jahre 1920 die NSDAP.
  18335. als Siegerin langsam herauskristallisiert. Die grundsätzliche Redlichkeit jener einzelnen Gründer konnte nun durch
  18336. nichts glänzender bewiesen werden als durch den bei vielen
  18337. wahrhaft bewundernswerten Entschluß, der stärkeren Bewegung die eigene, ersichtlich weniger erfolgreiche zum
  18338. Opfer zu bringen, d.h. sie aufzulösen oder bedingungslos
  18339. einzugliedern.
  18340. Dies gilt besonders für den Hauptkämpfer der damaligen Deutschsozialistischen Partei in Nürnberg, Julius Streicher. Die NSDAP. und die DSP. waren mit gleichen
  18341. Schlußzielen, jedoch gänzlich unabhängig voneinander,
  18342. entstanden. Hauptsächlichster Vorkämpfer der DSP. war,
  18343. wie gesagt, der damalige Lehrer Julius Streicher in Nürnberg. Zunächst war auch er von der Mission und der Zukunft seiner Bewegung heilig überzeugt. Sowie er aber die
  18344. größere Kraft und das stärkere Wachstum der NSDAP.
  18345. klar und zweifelsfrei erkennen konnte, stellte er seine
  18346. Tätigkeit für die DSP. und die Werkgemeinschaft ein und
  18347. forderte seine Anhänger auf, sich der aus dem gegenseitigen
  18348. Ringen siegreich hervorgegangenen NSDAP. einzuordnen
  18349. und nun in ihren Reihen für das gemeinsame Ziel weiterzufechten. Ein persönlich ebenso schwerer als grundanständiger Entschluß.
  18350. Aus dieser ersten Zeit der Bewegung ist denn auch
  18351. keinerlei Zersplitterung übriggeblieben, sondern fast durchwegs hat das ehrliche Wollen der damaligen Männer auch
  18352. zum ehrlichen, geraden und richtigen Ende geführt. Das,
  18353. was wir heute mit dem Wort „völkische Zersplitterung“ belegen, verdankt seine Existenz, wie schon betont, ausnahms-
  18354. 576
  18355. „Arbeitsgemeinschaften“
  18356. los der zweiten der von mir angeführten Ursachen: Ehrgeizige Männer, die vordem nie eigene Gedanken, noch viel
  18357. weniger eigene Ziele gehabt hatten, fühlten sich genau in
  18358. dem Moment „berufen“, in welchem sie den Erfolg der
  18359. NSDAP. unleugbar reifen sahen.
  18360. Plötzlich entstanden Programme, die restlos von dem
  18361. unseren abgeschrieben waren, Ideen wurden verfochten, die
  18362. man von uns entlehnt, Ziele aufgestellt, für die wir schon
  18363. seit Jahren gekämpft, Wege gewählt, welche die NSDAP.
  18364. schon längst beschritten hatte. Man versuchte mit allen
  18365. Mitteln zu begründen, warum man diese neuen Parteien,
  18366. trotz der längst bestehenden NSDAP., zu bilden gezwungen gewesen sei; allein, je edlere Motive man unterschob, um so unwahrer waren jene Phrasen.
  18367. In
  18368. Wahrheit
  18369. war
  18370. ein
  18371. einziger
  18372. Grund
  18373. maßgebend gewesen: der persönliche Ehrgeiz der Begründer, eine Rolle spielen
  18374. zu wollen, zu der die eigene zwergenhafte
  18375. Erscheinung von sich aus wirklich nichts
  18376. mitbrachte
  18377. als
  18378. eine
  18379. große
  18380. Kühnheit,
  18381. fremde Gedanken zu übernehmen, eine
  18382. Kühnheit, die man im sonstigen bürgerlichen Leben als diebisch zu bezeichnen
  18383. pflegt.
  18384. Es gab damals nichts an Vorstellungen und Ideen
  18385. anderer, was ein solcher politischer Kleptomane nicht in
  18386. kürzester Zeit für sein neues Geschäft angesammelt hätte.
  18387. Die solches taten, waren aber dieselben Leute, die dann
  18388. später tränenden Auges die „völkische Zersplitterung“ tief
  18389. beklagten und unausgesetzt von der „Notwendigkeit der
  18390. Einheit“ redeten, in der stillen Hoffnung, die anderen endlich doch so weit übertölpeln zu können, daß sie, des
  18391. ewigen anklagenden Geschreies müde, zu den bisher gestohlenen Ideen auch noch die für deren Durchführung geschaffenen Bewegungen den Dieben hinwerfen würden.
  18392. Gelang ihnen dies jedoch nicht und hielt die Rentabilität
  18393. der neuen Unternehmungen, dank der geringen geistigen
  18394. Ausmaße ihrer Besitzer, nicht das, was man sich von ihr
  18395. „Arbeitsgemeinschaften“
  18396. 577
  18397. versprochen hatte, dann pflegte man es allerdings billiger
  18398. zu geben und war schon glücklich, wenn man in einer der
  18399. sogenannten Arbeitsgemeinschaften landen konnte.
  18400. Alles, was damals nicht auf eigenen Beinen zu stehen
  18401. vermochte, schloß sich zu solchen Arbeitsgemeinschaften zusammen; wohl von dem Glauben ausgehend, daß acht
  18402. Lahme, ineinander eingehängt, sicherlich einen Gladiator
  18403. ergeben.
  18404. Befand sich aber unter den Lahmen wirklich ein Gesunder, dann brauchte er schon seine ganze Kraft, nur um
  18405. die anderen auf den Beinen zu halten, und wurde dadurch
  18406. endlich selbst gelähmt.
  18407. Das Zusammengehen in sogenannten Arbeitsgemeinschaften haben wir immer als eine Frage der Taktik anzusehen; doch dürfen wir uns dabei von folgender grundsätzlichen Erkenntnis niemals trennen:
  18408. Durch die Bildung einer Arbeitsgemeinschaft werden schwache Verbände niemals
  18409. in kräftige verwandelt, wohl aber kann
  18410. und wird ein kräftiger Verband durch sie
  18411. nicht selten eine Schwächung erleiden. Die
  18412. Meinung, daß aus der Zusammenstellung
  18413. schwacher Gruppen sich ein Kraftfaktor ergeben müsse, ist unrichtig, da die Majorität in jeglicher Form und unter allen
  18414. Voraussetzungen
  18415. erfahrungsgemäß
  18416. die
  18417. Repräsentantin
  18418. der
  18419. Dummheit
  18420. und
  18421. der
  18422. Feigheit
  18423. sein
  18424. wird
  18425. und
  18426. mithin
  18427. jede
  18428. Vielheit von Verbänden, sowie sie durch
  18429. eine selbstgewählte mehrköpfige Leitung
  18430. dirigiert wird, der Feigheit und Schwäche
  18431. ausgeliefert ist. Auch wird durch solchen
  18432. Zusammenschluß
  18433. das
  18434. freie
  18435. Spiel
  18436. der
  18437. Kräfte
  18438. unterbunden,
  18439. der
  18440. Kampf
  18441. zur
  18442. Auslese der Besten abgestellt und somit
  18443. der notwendige und endgültige Sieg des
  18444. Gesünderen und Stärkeren für immer verh i n d e r t . Es sind also derartige Zusammenschlüsse Feinde
  18445. 20
  18446. 578
  18447. „Arbeitsgemeinschaften“
  18448. der natürlichen Entwicklung, denn meist hindern sie die
  18449. Lösung des Problems, für das gekämpft wird, weit mehr,
  18450. als sie sie fördern.
  18451. Es kann vorkommen, daß aus rein taktischen Erwägungen
  18452. heraus die oberste Leitung einer Bewegung, die in die
  18453. Zukunft sieht, dennoch mit ähnlichen Verbänden über die
  18454. Behandlung bestimmter Fragen auf ganz kurze Zeit eine
  18455. Einigung eingeht und vielleicht auch gemeinsame Schritte
  18456. unternimmt. Allein dies darf nie zur Verewigung solchen
  18457. Zustandes führen, will nicht die Bewegung selbst damit
  18458. auf ihre erlösende Mission Verzicht leisten. Denn hat sie
  18459. sich erst endgültig in einer solchen Vereinigung verstrickt,
  18460. verliert sie die Möglichkeit und auch das Recht, im Sinne
  18461. einer natürlichen Entwicklung ihre eigene Kraft sich voll
  18462. auswirken zu lassen, so die Rivalen zu überwinden und
  18463. als Siegerin das gesteckte Ziel zu erreichen.
  18464. Man vergesse niemals, daß alles wirklich Große auf dieser Welt nicht erkämpft
  18465. wurde von Koalitionen, sondern daß es
  18466. stets der Erfolg eines einzelnen Siegers
  18467. war. Koalitionserfolge tragen schon durch
  18468. die Art ihrer Herkunft den Keim zu künftigem Abbröckeln, ja zum Verlust des schon
  18469. Erreichten. Große, wahrhaft weltumwälzende Revolutionen geistiger Art sind
  18470. überhaupt nur denkbar und zu verwirklichen
  18471. als
  18472. Titanenkämpfe
  18473. von
  18474. Einzelgebilden, niemals aber als Unternehmen
  18475. von Koalitionen.
  18476. So wird auch vor allem der völkische
  18477. Staat niemals geschaffen werden durch das
  18478. kompromißhafte Wollen einer völkischen
  18479. Arbeitsgemeinschaft, sondern nur durch
  18480. den
  18481. stahlharten
  18482. Willen
  18483. einer
  18484. einzigen
  18485. Bewegung, die sich durchgerungen hat
  18486. gegen alle.
  18487. 9. Kapitel
  18488. Grundgedanken über Sinn und
  18489. Organisation der SA.
  18490. D ie Stärke des alten Staates ruhte auf drei Säulen:
  18491. der
  18492. monarchischen
  18493. Staatsform,
  18494. dem
  18495. Verwaltungskörper und dem Heer. Die Revolution des Jahres 1918 hat
  18496. die Staatsform beseitigt, das Heer zersetzt und den Verwaltungskörper der Parteikorruption ausgeliefert. Damit
  18497. sind aber die wesentlichsten Stützen einer sogenannten
  18498. Staatsautorität zerschlagen worden. Diese beruht an sich
  18499. fast immer auf drei Elementen, die grundsätzlich jeder
  18500. Autorität zugrunde liegen.
  18501. Das erste Fundament zur Bildung von
  18502. A u t o r i t ä t b i e t e t s t e t s d i e P o p u l a r i t ä t . Eine
  18503. Autorität jedoch, die allein auf diesem Fundamente ruht,
  18504. ist noch äußerlich schwach, unsicher und schwankend. Jeder
  18505. Träger einer solchen rein auf Popularität fußenden Autorität muß deshalb trachten, die Grundlage dieser Autorität
  18506. zu verbessern und zu sichern durch Bildung von Macht. I n
  18507. der Macht also, in der Gewalt, sehen wir
  18508. die
  18509. zweite
  18510. Grundlage
  18511. jeder
  18512. Autorität.
  18513. Sie ist bereits wesentlich stabiler, sicherer, durchaus aber
  18514. nicht immer kraftvoller als die erste. V e r e i n e n s i c h
  18515. Popularität und Gewalt und vermögen sie
  18516. gemeinsam eine gewisse Zeit zu überdauern, dann kann eine Autorität auf noch
  18517. festerer Grundlage erstehen, die Autorität
  18518. der Tradition. Wenn endlich Popularität,
  18519. Kraft und Tradition sich verbinden, darf
  18520. eine Autorität als unerschütterlich betrachtet werden.
  18521. 580
  18522. Die drei Grundlagen der Autorität
  18523. Durch die Revolution ist dieser letzte Fall vollständig
  18524. ausgeschaltet worden. Ja, es gab nicht einmal mehr eine
  18525. Autorität der Tradition. Mit dem Zusammenbruch des
  18526. alten Reiches, der Beseitigung der alten Staatsform, der
  18527. Vernichtung der ehemaligen Hoheitszeichen und Reichssymbole ist die Tradition jäh abgerissen worden. Die Folge
  18528. davon war die schwerste Erschütterung der Staatsautorität.
  18529. Selbst die zweite Säule der Staatsautorität, die G e w a l t , war nicht mehr vorhanden. Um überhaupt die
  18530. Revolution durchführen zu können, war man gezwungen
  18531. gewesen, die Verkörperung der organisierten Kraft und
  18532. Gewalt des Staates, nämlich das Heer, zu zersetzen; ja,
  18533. man mußte die zerfressenen Teile der Armee selbst als
  18534. revolutionäre Kampfelemente verwenden. Wenn auch die
  18535. Frontarmeen dieser Zersetzung in nicht einheitlichem Maße
  18536. anheimgefallen waren, so wurden sie doch, je mehr sie
  18537. die ruhmvollen Stätten ihres viereinhalbjährigen heldenhaften Ringens hinter sich ließen, von der Säure der Desorganisation der Heimat angefressen und endeten, in den
  18538. Demobilmachungsorganisationen angekommen, ebenfalls im
  18539. Durcheinander des sogenannten freiwilligen Gehorsams der
  18540. Soldatenratsepoche.
  18541. Auf diese meuternden, den Heeresdienst im Sinne einer
  18542. achtstündigen Arbeitszeit auffassenden Soldatenhaufen
  18543. konnte man allerdings keine Autorität mehr stützen. Damit
  18544. war das zweite Element, dasjenige, das die Festigkeit der
  18545. Autorität erst verbürgt, auch beseitigt, und die Revolution
  18546. besaß eigentlich nur mehr das ursprünglichste, die P o p u l a r i t ä t , um ihre Autorität darauf aufzubauen. Gerade
  18547. diese Grundlage war aber eine außerordentlich unsichere.
  18548. Wohl gelang der Revolution mit einem einzigen gewaltigen
  18549. Anhieb die Zerschmetterung des alten Staatsgebäudes,
  18550. allein im tiefsten Grunde doch nur, weil das normale
  18551. Gleichgewicht innerhalb der Struktur unseres Volkes durch
  18552. den Krieg schon beseitigt worden war.
  18553. Jeder Volkskörper kann in drei große Klassen gegliedert
  18554. werden: in ein Extrem des besten Menschentums auf der
  18555. einen Seite, gut im Sinne aller Tugenden, besonders aus-
  18556. Die drei Klassen des Volkskörpers
  18557. 581
  18558. gezeichnet durch Mut und Opferfreudigkeit, andererseits
  18559. ein Extrem des schlechtesten Menschenauswurfs, schlecht im
  18560. Sinne des Vorhandenseins aller egoistischen Triebe und
  18561. Laster. Zwischen beiden Extremen liegt als dritte Klasse
  18562. die große, breite mittlere Schicht, in der sich weder strahlendes Heldentum noch gemeinste Verbrechergesinnung
  18563. verkörpert.
  18564. Zeiten
  18565. des
  18566. Emporstiegs
  18567. eines
  18568. Volkskörpers zeichnen sich aus, ja existieren nur
  18569. durch die absolute Führung des extrembesten Teiles.
  18570. Zeiten einer normalen, gleichmäßigen
  18571. Entwicklung oder eines stabilen Zustandes zeichnen sich aus und bestehen durch
  18572. das ersichtliche Dominieren der Elemente
  18573. der Mitte, wobei die beiden Extreme sich
  18574. gegenseitig die Waage halten, beziehungsweise sich aufheben.
  18575. Zeiten des Zusammenbruchs eines Volkskörpers werden bestimmt durch das vorherrschende
  18576. Wirken
  18577. der
  18578. schlechtesten
  18579. Elemente.
  18580. Bemerkenswert ist aber dabei, daß die breite Masse, als
  18581. die Klasse der Mitte, wie ich sie bezeichnen will, nur dann
  18582. fühlbar in Erscheinung tritt, wenn die beiden Extreme
  18583. selbst sich in gegenseitigem Ringen binden, daß sie aber
  18584. im Falle des Sieges eines der Extreme sich stets dem Sieger
  18585. willfährig unterordnet. Im Falle des Dominierens der
  18586. Besten wird die breite Masse diesem folgen, im Falle des
  18587. Emporkommens der Schlechtesten wird sie ihnen mindestens keinen Widerstand entgegensetzen; denn kämpfen
  18588. wird die Masse der Mitte selber niemals.
  18589. Der Krieg hat nun in seinem viereinhalbjährigen blutigen Geschehen das innere Gleichgewicht dieser drei Klassen
  18590. insofern gestört, als man – bei Anerkennung aller Opfer
  18591. der Mitte – dennoch feststellen muß, daß er zu einer fast
  18592. vollständigen Ausblutung des Extrems des besten Menschentums führte. Denn was in diesen viereinhalb Jahren
  18593. 582
  18594. Das Opfer der Besten
  18595. an unersetzlichem deutschen Heldenblut vergossen wurde, ist
  18596. wirklich ungeheuer. Man summiere alle die Hunderttausende
  18597. von Einzelfällen zusammen, in denen es immer wieder
  18598. hieß: F r e i w i l l i g e vor die Front, f r e i w i l l i g e
  18599. Patrouillengänger, f r e i w i l l i g e Meldegänger, F r e i willige
  18600. für
  18601. Telephontrupps,
  18602. Freiwillige
  18603. für
  18604. Brückenübergänge, F r e i w i l l i g e für U-Boote, F r e i w i l l i g e für Flugzeuge, F r e i w i l l i g e für Sturmbataillone usw. – immer und immer wieder durch viereinhalb Jahre hindurch bei tausend Anlässen Freiwillige und
  18605. wieder Freiwillige –, und man sieht stets das gleiche Ergebnis: Der bartlose Jüngling oder der reife Mann, beide
  18606. von glühender Vaterlandsliebe, von großem persönlichem
  18607. Mut oder höchstem Pflichtbewußtsein erfüllt, s i e meldeten
  18608. sich. Zehntausend, ja hunderttausend solcher Fälle kamen
  18609. vor, und allmählich wurde dieses Menschentum immer dünner und dünner. Was nicht fiel, war entweder zu Krüppeln
  18610. zerschossen oder verkrümelte sich allmählich infolge der
  18611. Kleinheit der übriggebliebenen Zahl. Man bedenke aber
  18612. vor allem, daß das Jahr 1914 ganze Armeen aus sogenannten Freiwilligen aufstellte, die, dank der verbrecherischen Gewissenlosigkeit unserer parlamentarischen Taugenichtse, keine gültige Friedensausbildung erhalten hatten
  18613. und so nun als wehrloses Kanonenfutter dem Feinde preisgegeben waren. Die vierhunderttausend, die damals in den
  18614. Kämpfen in Flandern fielen oder zu Krüppeln wurden,
  18615. konnten nicht mehr ersetzt werden. Ihr Verlust war mehr
  18616. als das Ausscheiden einer bloßen Zahl. Durch ihren Tod
  18617. schnellte die Waage, auf der guten Seite zu wenig beschwert, in die Höhe, und schwerer wogen nun als früher
  18618. die Elemente der Gemeinheit, der Niedertracht und der
  18619. Feigheit, kurz die Masse des Extrems des Schlechten.
  18620. Denn noch eins kam dazu:
  18621. Nicht nur, daß auf den Schlachtfeldern das Extrem
  18622. des Besten in der ungeheuerlichsten Weise durch die viereinhalb Jahre hindurch gelichtet worden war, das Extrem
  18623. des Schlechten hatte sich in der wundervollsten Art unterdessen konserviert. Sicherlich traf auf jeden sich freiwillig
  18624. Das Überwuchern der Schlechten
  18625. 583
  18626. meldenden Helden, der nach heiligem Opfertod dann die
  18627. Stufen nach Walhall emporstieg, ein Drückeberger, der
  18628. sehr vorsichtig dem Tode den Rücken kehrte, um sich
  18629. statt dessen mehr oder weniger nützlich in der Heimat zu
  18630. betätigen.
  18631. So ergibt das Ende des Krieges folgendes Bild: Die
  18632. mittlere breite Schicht der Nation hat ihren Zoll an
  18633. pflichtgemäßen Blutopfern gebracht; das Extrem der Besten
  18634. hat sich in vorbildlichem Heldentum fast restlos aufgeopfert; das Extrem der Schlechten, unterstützt durch unsinnigste Gesetze einerseits und durch die Nichtanwendung
  18635. der Kriegsartikel andererseits, ist leider ebenso restlos erhalten geblieben.
  18636. Dieser wohlkonservierte Abschaum unseres Volkskörpers
  18637. hat dann die Revolution gemacht, und er konnte sie nur
  18638. machen, weil das Extrem bester Elemente ihm nicht mehr
  18639. gegenüberstand: – es war nicht mehr am Leben.
  18640. Damit aber war die deutsche Revolution von vornherein
  18641. nur eine bedingt populäre Sache. Nicht das deutsche Volk
  18642. an sich hat diese Kainstat verbrochen, sondern das lichtscheue Gesindel seiner Deserteure, Zuhälter usw.
  18643. Der Mann an der Front, er begrüßte das Ende des blutigen Ringens, war glücklich, die Heimat wieder betreten zu
  18644. können, Weib und Kind wieder sehen zu dürfen. Allein
  18645. mit der Revolution selbst hatte er innerlich nichts zu tun;
  18646. er liebte sie nicht, und noch viel weniger liebte er ihre
  18647. Erreger und Organisatoren. In den viereinhalb Jahren
  18648. schwersten Kampfes hatte er die Parteihyänen vergessen,
  18649. und ihr ganzer Hader war ihm fremd geworden.
  18650. Nur bei einem kleinen Teil des deutschen Volkes war die
  18651. Revolution wirklich populär geworden: nämlich bei jener
  18652. Klasse ihrer Helfer, die den Rucksack als Erkennungszeichen aller Ehrenbürger dieses neuen Staates gewählt
  18653. hatten. Sie liebten Revolution nicht um ihrer selbst
  18654. willen, wie so manche irrtümlich heute noch glauben, sondern wegen ihrer Folgen.
  18655. Allein auf die Popularität bei diesen marxistischen Freibeutern ließ sich wahrlich nur schwer eine Autorität dauernd
  18656. 584
  18657. Desorganisation als Folge
  18658. stützen. Und doch brauchte gerade die junge Republik
  18659. Autorität um jeden Preis, wollte sie nicht nach einem
  18660. kurzen Chaos von einer sich aus den letzten Elementen der
  18661. guten Seite unseres Volkes zusammenschließenden Vergeltungsmacht plötzlich wieder verschlungen werden.
  18662. Sie fürchteten damals nichts mehr, jene Träger des
  18663. Umsturzes, als im Strudel ihrer eigenen Wirrnis selber
  18664. jeden Boden zu verlieren und plötzlich von einer ehernen
  18665. Faust, wie sie in solchen Zeitläuften öfter als einmal aus
  18666. dem Leben der Völker herauswächst, gefaßt und auf einen
  18667. anderen Boden gestellt zu werden. Die Republik mußte sich
  18668. um jeden Preis konsolidieren.
  18669. So war sie fast augenblicklich gezwungen, neben der
  18670. schwankenden Säule ihrer schwachen Popularität sich wieder eine Organisation der Gewalt zu schaffen, um auf ihr
  18671. eine festere Autorität begründen zu können.
  18672. Als die Matadoren der Revolution in den Tagen des
  18673. Dezember, Januar, Februar 1918/19 den Boden unter
  18674. den Füßen wanken fühlten, hielten sie Umschau nach Menschen, die bereit sein würden, die schwache Position, die
  18675. ihnen die Liebe ihres Volkes bot, durch die Gewalt der
  18676. Waffe zu stärken. Die „antimilitaristische“ Republik
  18677. brauchte Soldaten. Da aber die erste und einzige Stütze
  18678. ihrer Staatsautorität – nämlich ihre Popularität – nur
  18679. in einer Gesellschaft von Zuhältern, Dieben, Einbrechern,
  18680. Deserteuren, Drückebergern usw. wurzelte, also in jenem
  18681. Teil des Volkes, den wir als das Extrem des Schlechten
  18682. bezeichnen müssen, war alles Werben nach Menschen, die
  18683. das eigene Leben im Dienste des neuen Ideals zu opfern
  18684. bereit waren, in diesen Kreisen vergebliche Liebesmühe
  18685. gewesen. D i e t r a g e n d e S c h i c h t d e s r e v o l u tionären Gedankens und der Durchführung
  18686. der
  18687. Revolution
  18688. war
  18689. weder
  18690. fähig
  18691. noch bereit, die Soldaten zum Schutze
  18692. derselben zu stellen. Denn diese Schicht
  18693. wollte
  18694. keineswegs
  18695. die
  18696. Organisation
  18697. eines
  18698. republikanischen
  18699. Staatskörpers,
  18700. sondern
  18701. die
  18702. Desorganisation
  18703. des
  18704. vor-
  18705. Entstehung der Freikorps
  18706. 585
  18707. handenen
  18708. zur
  18709. besseren
  18710. Befriedigung
  18711. ihrer Instinkte. Ihre Parole hieß nicht:
  18712. Ordnung und Ausbau der deutschen Republik, als vielmehr: Ausplünderung derselben.
  18713. So mußte der Schrei nach Hilfe, den die Volksbeauftragten damals in tausend Ängsten ausstießen, in dieser Schicht
  18714. ungehört verhallen, ja im Gegenteil Abwehr und Verbitterung auslösen. Denn man empfand in einem solchen Beginnen einen Bruch von Treu und Glauben, witterte man
  18715. doch in der Bildung einer nicht mehr allein auf ihrer
  18716. Popularität fußenden, sondern durch Macht gestützten
  18717. Autorität den Beginn des Kampfes gegen das für diese
  18718. Elemente allein Maßgebliche der Revolution: gegen das
  18719. Recht auf Diebstahl und zuchtlose Herrschaft einer aus den
  18720. Mauern der Zuchthäuser ausgebrochenen und von ihren
  18721. Ketten befreiten Horde von Dieben und Plünderern, kurz
  18722. schlechtem Gesindel.
  18723. Die Volksbeauftragten mochten rufen soviel sie wollten,
  18724. es kam niemand aus ihren Reihen, und nur der Gegenruf
  18725. „Verräter“ gab ihnen die Auffassung jener Träger ihrer
  18726. Popularität kund.
  18727. Damals fanden sich zum ersten Male zahlreiche junge
  18728. Deutsche bereit, im Dienste der „Ruhe und Ordnung“, wie
  18729. sie meinten, noch einmal den Soldatenrock zuzuknöpfen,
  18730. Karabiner und Gewehr über die Schulter zu nehmen, um
  18731. mit angezogenem Stahlhelm den Destrukteuren der Heimat entgegenzutreten. A l s f r e i w i l l i g e S o l d a t e n
  18732. schlossen sie sich in freie Korps zusammen und begannen, während sie die Revolution grimmig haßten, dieselbe Revolution zu beschützen und dadurch praktisch
  18733. zu festigen.
  18734. Im besten Glauben handelten sie so.
  18735. Der w i r k l i c h e Organisator der Revolution und ihr
  18736. tatsächlicher Drahtzieher, der internationale Jude, hatte
  18737. damals die Situation richtig abgeschätzt. Das deutsche Volk
  18738. 586
  18739. Unangebrachte Milde gegen Deserteure
  18740. war noch nicht reif, um in den bolschewistischen Blutsumpf
  18741. hineingezerrt werden zu können, wie dies in Rußland gelang. Es lag dies zum großen Teil an der rassisch immer
  18742. noch größeren Einheit zwischen deutscher Intelligenz und
  18743. deutschem Handarbeiter. Weiter in der großen Durchdringung selbst breitester Volksschichten mit Bildungselementen, wie dies ähnlich nur in den andern westeuropäischen
  18744. Staaten der Fall ist, in Rußland jedoch vollkommen fehlte.
  18745. Dort war schon die Intelligenz selbst größtenteils nichtrussischer Nationalität oder wenigstens nichtslawischen
  18746. Rassecharakters. Die dünne intellektuelle Oberschicht des
  18747. damaligen Rußlands konnte jederzeit abgehoben werden
  18748. infolge des vollkommenen Fehlens verbindender Zwischenbestandteile zur Masse des großen Volkes. Das geistige
  18749. und auch das moralische Niveau dieser letzteren aber war
  18750. dort entsetzlich tief.
  18751. Sowie es in Rußland gelang, den ungebildeten, nicht
  18752. lesen- und nicht schreibenkönnenden Haufen in der breiten
  18753. Masse gegen die mit ihm in keinerlei Beziehung und Verbindung stehende dünne intellektuelle Oberschicht zu hetzen,
  18754. war das Schicksal dieses Landes entschieden, die Revolution
  18755. gelungen; der russische Analphabet war damit zum wehrlosen Sklaven seiner jüdischen Diktatoren gemacht, die
  18756. ihrerseits allerdings klug genug waren, diese Diktatur von
  18757. der Phrase der „Volksdiktatur“ tragen zu lassen.
  18758. In Deutschland kam noch folgendes dazu: So sicher die
  18759. Revolution nur infolge der allmählichen Zersetzung des
  18760. Heeres gelingen konnte, so sicher war der wirkliche Träger
  18761. der Revolution und Zersetzer des Heeres nicht der Soldat
  18762. der Front gewesen, sondern das mehr oder weniger lichtscheue Gesindel, das sich entweder in den Heimatgarnisonen herumtrieb oder als „unabkömmlich“ irgendwo in
  18763. der Wirtschaft Dienste verrichtete. Verstärkt wurde diese
  18764. Armee noch durch Zehntausende von Deserteuren, die ohne
  18765. besonderes Risiko der Front den Rücken kehren konnten.
  18766. Der wirkliche Feigling scheut zu allen Zeiten natürlich
  18767. nichts mehr als den Tod. Den Tod aber hatte er an der
  18768. Front Tag für Tag in tausendfältigen Erscheinungen vor
  18769. Deserteure und Revolution
  18770. 587
  18771. Augen. W i l l m a n s c h w a c h e , s c h w a n k e n d e o d e r
  18772. gar feige Burschen nichtsdestoweniger zu
  18773. ihrer Pflicht anhalten, dann gibt es von
  18774. jeher nur eine Möglichkeit: Es muß der
  18775. Deserteur wissen, daß seine Desertion
  18776. gerade das mit sich bringt, was er fliehen
  18777. will. An der Front kann man sterben, als
  18778. D e s e r t e u r m u ß m a n s t e r b e n . Nur durch solch eine
  18779. drakonische Bedrohung jedes Versuches zur Fahnenflucht
  18780. kann eine abschreckende Wirkung nicht nur für den einzelnen, sondern auch für die Gesamtheit erzielt werden.
  18781. Und hier lagen Sinn und Zweck der Kriegsartikel.
  18782. Es war ein schöner Glaube, den großen Kampf um das
  18783. Dasein eines Volkes durchfechten zu können, lediglich gestützt auf die aus der Erkenntnis der Notwendigkeit heraus geborene und erhaltene f r e i w i l l i g e Treue. Die
  18784. freiwillige Pflichterfüllung hat immer die Besten in ihrem
  18785. Handeln bestimmt, nicht aber den Durchschnitt. Darum
  18786. sind derartige Gesetze notwendig, wie zum Beispiel die
  18787. gegen Diebstahl, die ja nicht für die grundsätzlich Ehrlichen
  18788. geschaffen wurden, sondern für die wankelmütigen, schwachen Elemente. Solche Gesetze sollen durch die Abschrekkung der Schlechten verhindern, daß sich ein Zustand entwickle, in dem endlich der Ehrliche als der Dümmere betrachtet würde und mithin immer mehr zur Anschauung
  18789. käme, daß es zweckmäßiger sei, sich ebenfalls am Diebstahl
  18790. zu beteiligen, als mit leeren Händen zuzusehen oder gar
  18791. sich bestehlen zu lassen.
  18792. So war es falsch, zu glauben, daß man in einem Kampf,
  18793. der aller menschlichen Voraussicht nach jahrelang toben
  18794. konnte, der Hilfsmittel würde entbehren können, die die
  18795. Erfahrung vieler Jahrhunderte, ja Jahrtausende als diejenigen erscheinen ließ, die in ernsten Zeiten und Augenblicken schwerster Nervenbeanspruchung schwache und unsichere Menschen zur Erfüllung ihrer Pflicht zu zwingen
  18796. vermögen.
  18797. Für den kriegsfreiwilligen Helden brauchte man selbstverständlich keinen Kriegsartikel, wohl aber für den feigen
  18798. 588
  18799. Die Furcht vor dem Frontsoldaten
  18800. Egoisten, der in der Stunde der Not seines Volkes sein
  18801. Leben höher schätzt als das der Gesamtheit. Solch ein
  18802. charakterloser Schwächling aber kann nur durch Anwendung der härtesten Strafe abgehalten werden, seiner Feigheit nachzugeben. Wenn Männer dauernd mit dem Tode
  18803. ringen und durch Wochen ruhelos in schlammgefüllten
  18804. Trichtern, bei manches Mal schlechtester Verpflegung, auszuharren haben, kann der unsicher werdende Kantonist
  18805. nicht durch Drohung mit Gefängnis oder selbst Zuchthaus
  18806. bei der Stange gehalten werden, sondern allein durch rücksichtslose Anwendung der Todesstrafe. Denn er sieht erfahrungsgemäß in solcher Zeit das Gefängnis als einen
  18807. immer noch tausendmal angenehmeren Ort an als das
  18808. Schlachtfeld, sintemalen im Gefängnis doch wenigstens sein
  18809. unschätzbares Leben nicht bedroht wird. Daß man im Kriege
  18810. aber praktisch die Todesstrafe ausschaltete, die Kriegsartikel also in Wirklichkeit außer Kurs setzte, hat sich entsetzlich gerächt. Eine Armee von Deserteuren ergoß sich,
  18811. besonders im Jahre 1918, in Etappe und Heimat und half
  18812. mit, jene große, verbrecherische Organisation zu bilden, die
  18813. wir dann als die Macherin der Revolution nach dem 7. November 1918 plötzlich vor uns sahen.
  18814. Die Front selbst hatte damit eigentlich nichts zu tun.
  18815. Nur Sehnsucht nach Frieden haben ihre Angehörigen natürlich alle empfunden. Allein gerade in dieser Tatsache lag
  18816. eine außerordentliche Gefahr für die Revolution. Denn als
  18817. sich nach dem Waffenstillstand die deutschen Armeen der
  18818. Heimat zu nähern begannen, da war die bange Frage der
  18819. damaligen Revolutionäre immer nur die gleiche: W a s
  18820. werden die Fronttruppen machen? Werden
  18821. die Feldgrauen das dulden?
  18822. In diesen Wochen mußte die Revolution in Deutschland
  18823. wenigstens ä u ß e r l i c h gemäßigt erscheinen, wenn sie
  18824. nicht Gefahr laufen wollte, von einigen deutschen Divisionen plötzlich blitzschnell zusammengehauen zu werden.
  18825. Denn wenn damals auch nur ein einziger Divisionär den Entschluß gefaßt hätte, mit
  18826. seiner ihm treu ergebenen Division die
  18827. Die Furcht vor dem Frontsoldaten
  18828. 589
  18829. roten
  18830. Fetzen
  18831. herunterzuholen
  18832. und
  18833. die
  18834. „Räte“ an die Wand stellen zu lassen,
  18835. etwaigen
  18836. Widerstand
  18837. aber
  18838. mit
  18839. Minenwerfern und Handgranaten zu brechen, so
  18840. würde diese Division in noch nicht einmal
  18841. vier Wochen zu einer Armee von sechzig
  18842. D i v i s i o n e n a n g e s c h w o l l e n s e i n . Davor zitterten die jüdischen Drahtzieher mehr als vor irgend etwas
  18843. anderem. Und gerade um dies zu verhindern, mußte man
  18844. der Revolution eine gewisse Mäßigung auferlegen, sie
  18845. durfte nicht in Bolschewismus ausarten, sondern mußte,
  18846. wie die Dinge nun einmal lagen, „Ruhe und Ordnung“
  18847. heucheln. Daher die zahlreichen großen Konzessionen, der
  18848. Appell an den alten Beamtenkörper, an die alten Armeeführer. Man brauchte sie wenigstens noch eine gewisse Zeit,
  18849. und erst als die Mohren ihre Schuldigkeit getan hatten,
  18850. konnte man wagen, ihnen die gebührenden Fußtritte zu
  18851. versetzen und die Republik aus den Händen der alten
  18852. Staatsdiener zu nehmen und den Klauen der Revolutionsgeier auszuliefern.
  18853. Nur so durfte man hoffen, alte Generale und alte Staatsbeamte zu düpieren, um einen eventuellen Widerstand derselben durch die anscheinende Harmlosigkeit und Milde des
  18854. neuen Zustandes von vornherein zu entwaffnen.
  18855. Wie sehr dies gelungen ist, hat die Praxis gezeigt.
  18856. Allein die Revolution war nicht gemacht worden von
  18857. Elementen der Ruhe und Ordnung, als vielmehr von
  18858. solchen des Aufruhrs, des Diebstahls und der Plünderung.
  18859. Und diesen war weder die Entwicklung der Revolution dem
  18860. eigenen Wollen entsprechend, noch konnte ihnen aus taktischen Gründen der Verlauf erläutert und mundgerecht
  18861. gemacht werden.
  18862. Mit der allmählichen Zunahme der Sozialdemokratie
  18863. hatte diese immer mehr den Charakter einer brutalen Revolutionspartei verloren. Nicht, als ob sie gedanklich je einem
  18864. anderen Ziele als dem der Revolution gehuldigt, oder ihre
  18865. Führer je andere Absichten gehabt hätten; durchaus nicht.
  18866. Allein, was endlich übrigblieb, war nur noch die Absicht
  18867. 590
  18868. Zusammenspiel der Linksparteien
  18869. und ein zur Ausführung derselben nicht mehr passender
  18870. Körper. M i t e i n e r Z e h n m i l l i o n e n p a r t e i k a n n
  18871. m a n k e i n e R e v o l u t i o n m e h r m a c h e n . In einer
  18872. solchen Bewegung hat man nicht länger ein Extrem der
  18873. Aktivität vor sich, sondern die breite Masse der Mitte, also
  18874. die Trägheit.
  18875. In dieser Erkenntnis fand noch während des Krieges die
  18876. berühmte Spaltung der Sozialdemokratie durch den Juden
  18877. statt, d.h.: Während sich die sozialdemokratische Partei,
  18878. entsprechend der Trägheit ihrer Masse, wie ein Bleigewicht an die nationale Verteidigung hing, zog man aus
  18879. ihr die radikal-aktivistischen Elemente heraus und formierte sie zu besonders schlagkräftigen neuen Angriffskolonnen. U n a b h ä n g i g e P a r t e i u n d S p a r t a k u s bund waren die Sturmbataillone des revol u t i o n ä r e n M a r x i s m u s . Sie hatten die vollendete
  18880. Tatsache zu schaffen, auf deren Boden dann die jahrzehntelang darauf vorbereitete Masse der sozialdemokratischen
  18881. Partei treten konnte. Das feige Bürgertum wurde dabei
  18882. vom Marxismus richtig eingeschätzt und einfach „en canaille“ behandelt. Man nahm von ihm überhaupt keine
  18883. Notiz, wissend, daß die hündische Unterwürfigkeit der politischen Gebilde einer alten ausgedienten Generation zu
  18884. ernstlichem Widerstand niemals fähig sein würde.
  18885. Sowie die Revolution gelungen war und die Hauptstützen
  18886. des alten Staates als gebrochen gelten konnten, die zurückmarschierende Frontarmee aber als unheimliche Sphinx
  18887. aufzutauchen begann, mußte in der natürlichen Entwicklung der Revolution gebremst werden; das Gros der sozialdemokratischen Armee besetzte die eroberte Stellung, und
  18888. die unabhängigen und spartakistischen Sturmbataillone
  18889. wurden beiseitegeschoben.
  18890. Dies ging jedoch nicht ohne Kampf.
  18891. Nicht nur, daß sich die aktivistischen Angriffsformationen
  18892. der Revolution, weil nicht befriedigt, nun betrogen fühlten und von sich aus weiterschlagen wollten, war ihr unbändiges Randalieren den Drahtziehern der Revolution
  18893. selber nur erwünscht. Denn kaum, daß der Umsturz vorbei
  18894. Das Einfangen der Bürgerlichen
  18895. 591
  18896. war, gab es in ihm selber bereits scheinbar zwei Lager,
  18897. nämlich: die Partei der Ruhe und Ordnung und die Gruppe
  18898. des blutigen Terrors. Was aber war nun natürlicher, als
  18899. daß unser Bürgertum sofort mit fliegenden Fahnen in das
  18900. Lager der Ruhe und Ordnung einrückte? Jetzt war auf
  18901. einmal für diese erbärmlichsten politischen Organisationen
  18902. die Möglichkeit einer Betätigung gegeben, bei der sie, ohne
  18903. es sagen zu müssen, dennoch im stillen bereits wieder einen
  18904. Boden unter den Füßen gefunden hatten und in eine gewisse Solidarität mit der Macht kamen, die sie haßten, aber
  18905. noch inständiger fürchteten. Das politische deutsche Bürgertum hatte die hohe Ehre erhalten, sich mit den dreimal
  18906. verfluchten Marxistenführern zur Bekämpfung der Bolschewisten an einen Tisch setzen zu dürfen.
  18907. So bildete sich bereits im Dezember 1918 und Januar
  18908. 1919 folgender Zustand heraus:
  18909. Von einer Minderheit schlechtester Elemente ist eine Revolution gemacht worden, hinter die sofort die gesamten
  18910. marxistischen Parteien traten. Die Revolution selbst hat
  18911. ein scheinbar gemäßigtes Gepräge, was ihr die Feindschaft
  18912. der fanatischen Extremisten zuzieht. Diese beginnen mit
  18913. Handgranaten und Maschinengewehren herumzuknallen,
  18914. Staatsbauten zu besetzen, kurz, die gemäßigte Revolution
  18915. zu bedrohen. Um den Schrecken einer solchen weiteren
  18916. Entwicklung zu bannen, wird ein Waffenstillstand geschlossen zwischen den Trägern des neuen Zustandes und den
  18917. Anhängern des alten, um nun gemeinsam gegen die Extremisten den Kampf führen zu können. Das Ergebnis ist, daß
  18918. die Feinde der Republik damit ihren Kampf gegen die
  18919. Republik als solche eingestellt haben und mithelfen, diejenigen niederzuzwingen, die selbst, wenn auch aus ganz
  18920. anderen Gesichtspunkten heraus, ebenfalls Feinde dieser
  18921. Republik sind. Das weitere Ergebnis aber ist, daß dadurch
  18922. endgültig die Gefahr eines Kampfes der Anhänger des
  18923. alten Staates gegen die des neuen abgebogen erscheint.
  18924. Man kann sich diese Tatsache gar nicht oft und scharf
  18925. genug vor Augen halten. Nur wer sie begreift, versteht, wie
  18926. es möglich war, daß einem Volk, das zu neun Zehnteln
  18927. 592
  18928. Kapitulation der Bürgerlichen
  18929. eine Revolution nicht gemacht hat, zu sieben Zehnteln sie
  18930. ablehnt, zu sechs Zehnteln sie haßt, endlich von einem
  18931. Zehntel dennoch diese Revolution aufgezwungen werden
  18932. konnte.
  18933. Allmählich verbluteten die spartakistischen Barrikadenkämpfer auf der einen Seite und die nationalistischen Fanatiker und Idealisten auf der anderen, und in eben dem
  18934. Maße, in dem diese beiden Extreme sich gegenseitig aufrieben, siegte, wie immer, die Masse der Mitte. Bürgertum
  18935. und Marxismus fanden sich auf dem Boden der gegebenen
  18936. Tatsachen, und die Republik begann sich zu „konsolidieren“.
  18937. Was allerdings die bürgerlichen Parteien zunächst nicht
  18938. hinderte, besonders vor den Wahlen, noch eine Zeitlang
  18939. den monarchischen Gedanken zu zitieren, um mit den Geistern der vergangenen Welt die kleineren Geister ihrer Anhänger zu beschwören und erneut einfangen zu können.
  18940. Ehrlich war dies nicht. Sie hatten innerlich alle schon
  18941. längst mit der Monarchie gebrochen, und die Unsauberkeit
  18942. des neuen Zustandes begann ihre verführerischen Wirkungen auch im bürgerlichen Parteilager geltend zu machen.
  18943. Der gewöhnliche bürgerliche Politiker fühlt sich heute wohler im Korruptionsschlamm der Republik als in der reinlichen Härte, die ihm vom vergangenen Staat her noch in
  18944. Erinnerung ist.
  18945. Wie schon gesagt, war die Revolution nach der Zertrümmerung des alten Heeres gezwungen, sich zur Stärkung
  18946. ihrer Staatsautorität einen neuen Machtfaktor zu schaffen.
  18947. Wie die Dinge lagen, konnte sie diesen nur aus Anhängen
  18948. einer ihr eigentlich entgegengesetzten Weltanschauung gewinnen. Aus ihnen allein konnte dann auch langsam ein
  18949. neuer Heereskörper entstehen, der, äußerlich begrenzt
  18950. durch die Friedensverträge, in seiner Gesinnung im Laufe
  18951. der Zeit zu einem Instrument der neuen Staatsauffassung
  18952. umgeformt werden mußte.
  18953. Legt man sich die Frage vor, wieso – abgesehen von allen
  18954. wirklichen Fehlern des alten Staates, welche zur Ursache
  18955. Warum gelang der Umsturz?
  18956. 593
  18957. wurden – die Revolution als Aktion gelingen konnte, so
  18958. kommt man zu dem Ergebnis:
  18959. 1. infolge der Erstarrung unserer Begriffe
  18960. von
  18961. Pflichterfüllung
  18962. und
  18963. Gehorsam
  18964. und
  18965. 2. infolge der feigen Passivität unserer
  18966. sogenannten
  18967. staatserhaltenden
  18968. Parteien.
  18969. Hierzu sei noch folgendes gesagt:
  18970. Die Erstarrung unserer Begriffe von Pflichterfüllung und
  18971. Gehorsam hat ihren letzten Grund in unserer gänzlich
  18972. anationalen und immer nur rein staatlichen Erziehung.
  18973. Daraus resultiert auch hier die Verkennung von Mittel
  18974. und Zweck. Pflichtbewußtsein, Pflichterfüllung und Gehorsam sind nicht Zwecke an sich, genau so wenig, wie der
  18975. Staat ein Zweck an sich ist, sondern sie sollen alle die Mittel
  18976. sein, einer Gemeinschaft seelisch und physisch gleichartiger
  18977. Lebewesen die Existenz auf dieser Erde zu ermöglichen
  18978. und zu sichern. I n e i n e r S t u n d e , d a e i n V o l k s körper sichtlich zusammenbricht und allem
  18979. Augenscheine nach der schwersten Bedrückung
  18980. ausgeliefert
  18981. wird,
  18982. dank
  18983. des
  18984. Handelns einiger Lumpen, bedeuten Gehorsam und Pflichterfüllung diesen gegenüber doktrinären Formalismus, ja reinen
  18985. Wahnwitz, wenn andererseits durch Verweigerung von Gehorsam und „Pflichterfüllung“
  18986. die
  18987. Errettung
  18988. eines
  18989. Volkes
  18990. vor seinem Untergang ermöglicht würde.
  18991. Nach unserer heutigen bürgerlichen Staatsauffassung hat
  18992. der Divisionär, der seinerzeit von oben den Befehl erhielt,
  18993. nicht zu schießen, pflichtgemäß und damit recht gehandelt,
  18994. indem er nicht schoß, da der bürgerlichen Welt der gedankenlose formale Gehorsam wertvoller ist als das Leben des
  18995. eigenen Volkes. Nach nationalsozialistischer Auffassung tritt
  18996. aber in solchen Augenblicken nicht der Gehorsam gegenüber
  18997. schwachen Vorgesetzten in Kraft, sondern der Gehorsam
  18998. gegenüber der Volksgemeinschaft. Es tritt in einer solchen
  18999. 594
  19000. Passivität der „Staatserhaltenden“
  19001. Stunde die Pflicht der persönlichen Verantwortung einer
  19002. ganzen Nation gegenüber in Erscheinung.
  19003. Daß eine lebendige Auffassung dieser Begriffe in unserem Volk oder, besser, in unseren Regierungen verlorengegangen war, um dort einer rein doktrinären und formalen
  19004. zu weichen, war die Ursache des Gelingens der Revolution.
  19005. Zum zweiten Punkt wäre folgendes zu bemerken:
  19006. Der tiefere Grund für die Feigheit der „staatserhaltenden“ Parteien ist vor allem das Ausscheiden des aktivistischen, gut gesinnten Teiles unseres Volkes aus ihren Reihen,
  19007. der im Felde verblutete. Davon abgesehen, waren unsere
  19008. bürgerlichen Parteien, die wir als die einzigen politischen
  19009. Gebilde bezeichnen können, die auf dem Boden des alten
  19010. Staates standen, überzeugt, ihre Anschauungen ausschließlich auf geistigem Wege und mit geistigen Mitteln vertreten
  19011. zu dürfen, da die Anwendung von physischen allein dem
  19012. Staate zukäme. Nicht nur, daß man in einer solchen Auffassung das Zeichen einer allmählich sich herausbildenden
  19013. dekadenten Schwäche zu erblicken hat, war sie auch unsinnig
  19014. in einer Zeit, in der ein politischer Gegner diesen Standpunkt bereits längst verlassen hatte und statt dessen in
  19015. aller Offenheit betonte, wenn möglich seine politischen
  19016. Ziele auch durch Gewalt verfechten zu wollen. In dem
  19017. Augenblick, in dem in der Welt der bürgerlichen Demokratie, als Folgeerscheinung derselben, der Marxismus auftauchte, war ihr Appell, den Kampf mit „geistigen Waffen“
  19018. zu führen, ein Unsinn, der sich eines Tages furchtbar rächen
  19019. mußte. Denn der Marxismus selbst vertrat von jeher die
  19020. Auffassung, daß die Anwendung einer Waffe nur nach
  19021. Zweckmäßigkeitsgesichtspunkten zu erfolgen hat und das
  19022. Recht hierzu immer im Gelingen liegt.
  19023. Wie richtig diese Auffassung ist, wurde in den Tagen
  19024. vom 7.–11. November 1918 bewiesen. Damals kümmerte
  19025. sich der Marxismus nicht im geringsten um Parlamentarismus und Demokratie, sondern gab beiden durch brüllende
  19026. und schießende Verbrecherhaufen den Todesstoß. Daß die
  19027. bürgerlichen Schwätzerorganisationen im selben Augenblick
  19028. wehrlos waren, ist selbstverständlich.
  19029. Kapitulation vor dem Marxismus
  19030. 595
  19031. Nach der Revolution, da die bürgerlichen Parteien, wenn
  19032. auch unter Änderung ihrer Firmenschilder, plötzlich wieder
  19033. auftauchten und ihre tapferen Führer aus der Verborgenheit finsterer Keller und luftiger Speicher hervorkrochen,
  19034. da hatten sie, wie alle Vertreter derartiger alter Gebilde,
  19035. ihre Fehler nicht vergessen und ebenso nichts hinzugelernt.
  19036. Ihr politisches Programm lag in der Vergangenheit, sofern
  19037. sie sich nicht mit dem neuen Zustand innerlich bereits ausgesöhnt hatten, ihr Ziel jedoch war, sich am neuen Zustand
  19038. wenn möglich beteiligen zu dürfen, und ihre einzigen
  19039. Waffen blieben nach wie vor ihre Worte.
  19040. Auch nach der Revolution haben die bürgerlichen Parteien in jämmerlicher Weise jederzeit vor der Straße
  19041. kapituliert.
  19042. Als das Republikschutzgesetz zur Annahme kommen sollte,
  19043. war eine Majorität dafür zunächst nicht vorhanden. Allein
  19044. vor den zweihunderttausend demonstrierenden Marxisten
  19045. packte die bürgerlichen „Staatsmänner“ eine derartige
  19046. Angst, daß sie gegen ihre Überzeugung das Gesetz annahmen, in der erbaulichen Furcht, andernfalls beim Verlassen
  19047. des Reichstages von der wütenden Masse windelweich geprügelt zu werden. Was dann leider zufolge der Annahme
  19048. ausblieb. –
  19049. So ging denn auch die Entwicklung des neuen Staates
  19050. ihre Bahnen, als ob es eine nationale Opposition überhaupt nicht gegeben hätte.
  19051. Die einzigen Organisationen, die in dieser Zeit Mut und
  19052. Kraft besessen hätten, dem Marxismus und seinen verhetzten Massen entgegenzutreten, waren zunächst die Freikorps,
  19053. später die Selbstschutzorganisationen, Einwohnerwehren
  19054. usw. und endlich die Traditionsverbände.
  19055. Warum aber auch ihr Dasein in der Entwicklung der
  19056. deutschen Geschichte keinerlei nur irgendwie wahrnehmbare Umstellung herbeiführte, lag an folgendem:
  19057. So wie die sogenannten nationalen Parteien keinerlei Einfluß auszuüben vermochten, mangels irgendwelcher bedrohlichen Macht auf der Straße, so konnten
  19058. 596
  19059. Versagen der nationalen Parteien
  19060. hinwieder die sogenannten Wehrverbände
  19061. keinerlei Einfluß ausüben mangels irgendwelcher politischer Idee und vor allem
  19062. jedes wirklichen politischen Zieles.
  19063. Was dem Marxismus einst den Erfolg
  19064. gegeben hatte, war das vollendete Zusammenspiel von politischem Wollen und
  19065. aktivistischer Brutalität. Was das nationale Deutschland von jeder praktischen
  19066. Gestaltung der deutschen Entwicklung ausschaltete, war das Fehlen einer geschlossenen
  19067. Zusammenarbeit
  19068. brutaler
  19069. Macht
  19070. mit genialem politischen Wollen.
  19071. Welcher Art das Wollen der „nationalen“ Parteien auch
  19072. sein mochte, sie hatten nicht die geringste Macht, dieses
  19073. Wollen zu verfechten, am wenigsten auf der Straße.
  19074. Die Wehrverbände hatten alle Macht, waren die Herren
  19075. der Straße und des Staates und besaßen keine politische
  19076. Idee und kein politisches Ziel, für die ihre Macht zum
  19077. Nutzen des nationalen Deutschlands eingesetzt worden wäre
  19078. oder auch nur hätte eingesetzt werden können. In beiden
  19079. Fällen war es die Schlauheit des Juden, die es fertigbrachte,
  19080. durch kluges Zureden und Bestärken eine förmliche Verewigung, auf alle Fälle aber zunehmende Vertiefung dieses
  19081. unseligen Verhängnisses herbeizuführen.
  19082. Der Jude war es, der durch seine Presse unendlich geschickt den Gedanken des „unpolitischen Charakters“ der
  19083. Wehrverbände zu lancieren verstand, wie er wiederum im
  19084. politischen Leben ebenso schlau stets die „reine Geistigkeit“ des Kampfes pries und forderte. Millionen deutscher
  19085. Dummköpfe plapperten dann diesen Unsinn nach, ohne
  19086. auch nur eine blasse Ahnung zu haben, wie sie sich selbst
  19087. damit praktisch entwaffneten und dem Juden wehrlos auslieferten.
  19088. Aber auch hierfür gibt es freilich wieder eine natürliche
  19089. Erklärung. D e r M a n g e l e i n e r g r o ß e n n e u gestaltenden Idee bedeutet zu allen Zeiten eine Beschränkung der Kampfkraft.
  19090. Ohne Idee keine Kampfkraft
  19091. 597
  19092. Die Überzeugung vom Recht der Anwendung selbst brutalster Waffen ist stets
  19093. gebunden
  19094. an
  19095. das
  19096. Vorhandensein
  19097. eines
  19098. fanatischen Glaubens an die Notwendigkeit des Sieges einer umwälzenden neuen
  19099. Ordnung dieser Erde.
  19100. Eine Bewegung, die nicht für solche
  19101. höchste Ziele und Ideale ficht, wird daher
  19102. nie zur letzten Waffe greifen.
  19103. Das Aufzeigen einer neuen großen Idee ist das Geheimnis des Erfolges der Französischen Revolution gewesen; der
  19104. Idee verdankt die russische den Sieg, und der Faschismus
  19105. hat nur durch die Idee die Kraft erhalten, ein Volk in
  19106. segensreichster Weise einer umfassendsten Neugestaltung
  19107. zu unterwerfen.
  19108. Bürgerliche Parteien sind hierzu nicht befähigt.
  19109. Allein nicht nur die bürgerlichen Parteien sahen ihr
  19110. politisches Ziel in einer Restauration der Vergangenheit,
  19111. sondern auch die Wehrverbände, soweit sie sich überhaupt
  19112. mit politischen Zielen befaßten. Alte Kriegervereins- und
  19113. Kyffhäusertendenzen wurden in ihnen lebendig und halfen
  19114. mit, die schärfste Waffe, die das nationale Deutschland
  19115. damals hatte, politisch abzustumpfen und im Landsknechtsdienst der Republik verkommen zu lassen. Daß sie dabei
  19116. selbst in bester Gesinnung, vor allem aber im besten
  19117. Glauben handelten, ändert nicht das geringste am unseligen
  19118. Wahnwitz dieser damaligen Vorgänge.
  19119. Allmählich erhielt der Marxismus in der sich konsolidierenden Reichswehr die erforderliche Machtstütze seiner
  19120. Autorität und begann daraufhin konsequent und logisch,
  19121. die gefährlich erscheinenden nationalen Wehrverbände, als
  19122. nunmehr überflüssig, abzubauen. Einzelne besonders verwegene Führer, denen man mit Mißtrauen gegenüberstand,
  19123. wurden vor die Schranken der Gericht zitiert und hinter
  19124. schwedische Gardinen gesteckt. An allen aber hat sich das
  19125. Los erfüllt, das sie selbst verschuldet hatten.
  19126. 598
  19127. Vertretung der völkischen Idee
  19128. Mit der Gründung der NSDAP. war zum ersten
  19129. Male eine Bewegung in Erscheinung getreten, deren Ziel
  19130. nicht, ähnlich dem der bürgerlichen Parteien, in einer
  19131. mechanischen Restauration der Vergangenheit lag, sondern
  19132. in dem Bestreben, an Stelle des heutigen widersinnigen
  19133. Staatsmechanismus einen organischen völkischen Staat zu
  19134. errichten.
  19135. Die junge Bewegung stand dabei vom
  19136. ersten Tage an auf dem Standpunkt, daß
  19137. ihre Idee geistig zu vertreten ist, daß aber
  19138. der Schutz dieser Vertretung, wenn notwendig, auch durch brachiale Mittel ges i c h e r t w e r d e n m u ß . Getreu ihrer Überzeugung von
  19139. der ungeheuren Bedeutung der neuen Lehre erscheint es
  19140. ihr selbstverständlich, daß für die Errichtung des Zieles
  19141. kein Opfer zu groß sein darf.
  19142. Ich habe schon auf die Momente hingewiesen, die eine
  19143. Bewegung, sofern sie das Herz eines Volkes gewinnen will,
  19144. verpflichten, aus eigenen Reihen die Verteidigung gegen
  19145. terroristische Versuche der Gegner zu übernehmen. Auch ist
  19146. es eine ewige Erfahrung der Weltgeschichte, daß ein von
  19147. einer Weltanschauung vertretener Terror nie durch eine
  19148. formale Staatsgewalt gebrochen werden kann, sondern stets
  19149. nur einer neuen, ebenso kühn und entschlossen vorgehenden
  19150. anderen Weltanschauung zu unterliegen vermag. Dies wird
  19151. dem Empfinden der beamteten Staatshüter zu allen Zeiten
  19152. unangenehm sein, ohne daß aber dadurch die Tatsache aus
  19153. der Welt geschafft wird. Die Staatsgewalt kann nur dann
  19154. für Ruhe und Ordnung garantieren, wenn sich der Staat
  19155. inhaltlich deckt mit der jeweils herrschenden Weltanschauung, so daß gewalttätige Elemente nur den Charakter einzelner verbrecherischer Naturen besitzen und nicht als Vertreter eines den staatlichen Anschauungen extrem gegenüberstehenden Gedankens angesehen werden. In einem
  19156. solchen Falle kann der Staat jahrhundertelang die größten
  19157. Gewaltmaßnahmen gegen einen ihn bedrohenden Terror
  19158. anwenden, am Ende wird er dennoch nichts gegen ihn
  19159. vermögen, sondern unterliegen.
  19160. Notwendigkeit der Schutztruppe
  19161. 599
  19162. Der deutsche Staat wird auf das schwerste berannt vom
  19163. Marxismus. Er hat in seinem siebzigjährigen Kampf den
  19164. Sieg dieser Weltanschauung nicht zu verhindern vermocht,
  19165. sondern wurde trotz insgesamt Tausenden von Jahren an
  19166. Zuchthaus- und Gefängnisstrafen und blutigster Maßnahmen, die er in zahllosen Fällen über die Kämpfer der ihn
  19167. bedrohenden marxistischen Weltanschauung verhängte, dennoch zu einer fast vollständigen Kapitulation gezwungen.
  19168. (Auch dies wird der normale bürgerliche Staatsleiter ableugnen wollen, selbstverständlich ohne daß er zu überzeugen vermag.)
  19169. Der Staat aber, der am 9. November 1918 vor dem Marxismus bedingungslos zu Kreuze kroch, wird nicht plötzlich
  19170. morgen als dessen Bezwinger auferstehen, im Gegenteil:
  19171. bürgerliche Schwachköpfe auf Ministerstühlen faseln heute
  19172. bereits von der Notwendigkeit, nicht gegen die Arbeiter zu
  19173. regieren, wobei ihnen unter dem Begriff „Arbeiter“ der
  19174. Marxismus vorschwebt. Indem sie aber den deutschen Arbeiter mit dem Marxismus identifizieren, begehen sie nicht
  19175. nur eine ebenso feige wie verlogene Fälschung an der
  19176. Wahrheit, sondern sie versuchen, durch ihre Motivierung
  19177. ihr eigenes Zusammenbrechen vor der marxistischen Idee
  19178. und Organisation zu verbergen.
  19179. Angesichts dieser Tatsache aber, nämlich der restlosen
  19180. Unterwerfung des heutigen Staates unter den Marxismus, erwächst der nationalsozialistischen Bewegung erst
  19181. recht die Pflicht, nicht nur geistig den Sieg ihrer Ideen vorzubereiten, sondern auch deren Verteidigung gegenüber
  19182. dem Terror der siegestrunkenen Internationale selbst zu
  19183. übernehmen.
  19184. Ich habe bereits geschildert, wie aus dem praktischen
  19185. Leben heraus sich langsam in unserer jungen Bewegung
  19186. ein Versammlungsschutz bildete, wie dieser allmählich den
  19187. Charakter einer bestimmten Ordnertruppe annahm und
  19188. nach einer organisatorischen Formung strebte.
  19189. So sehr das dann allmählich entstehende Gebilde äußerlich einem sogenannten Wehrverbande gleichen mochte, so
  19190. wenig war es damit zu vergleichen.
  19191. 600
  19192. Aufgabe der Schutztruppe
  19193. Wie schon erwähnt, hatten die deutschen Wehrorganisationen keinen eigenen bestimmten politischen Gedanken.
  19194. Sie waren wirklich nur Selbstschutzverbände von mehr oder
  19195. minder zweckmäßiger Ausbildung und Organisation, so daß
  19196. sie eigentlich eine illegale Ergänzung der jeweiligen legalen
  19197. Machtmittel des Staates darstellten. Ihr freikorpsartiger
  19198. Charakter war nur begründet durch die Art ihrer Bildung
  19199. und durch den Zustand des damaligen Staates, keineswegs
  19200. aber kommt ihnen ein solcher Titel etwa zu als freie Formationen des Kampfes für eine freie, eigene Überzeugung.
  19201. Diese besaßen sie trotz aller oppositionellen Haltung einzelner Führer und ganzer Verbände gegen die Republik dennoch nicht. D e n n e s g e n ü g t n i c h t , v o n d e r M i n derwertigkeit eines bestehenden Zustandes überzeugt zu sein, um von einer
  19202. Überzeugung im höheren Sinne sprechen
  19203. zu können, sondern diese wurzelt nur in
  19204. dem Wissen von einem neuen Zustand und
  19205. im inneren Erschauen eines Zustandes,
  19206. den zu erreichen man als Notwendigkeit
  19207. empfindet und für dessen Verwirklichung
  19208. sich einzusetzen man als höchste Lebensaufgabe ansieht.
  19209. Das unterscheidet die Ordnertruppe der damaligen nationalsozialistischen Bewegung grundsätzlich von allen Wehrverbänden, daß sie nicht im geringsten eine Dienerin der
  19210. durch die Revolution geschaffenen Zustände war oder
  19211. sein wollte, sondern daß sie vielmehr ausschließlich für ein
  19212. neues Deutschland rang.
  19213. Diese Ordnertruppe besaß allerdings anfangs nur den
  19214. Charakter eines Saalschutzes. Ihre erste Aufgabe war eine
  19215. beschränkte: sie bestand in der Ermöglichung der Abhaltung von Versammlungen, die ohne sie glatt vom Gegner
  19216. verhindert worden wären. Sie war schon damals erzogen
  19217. worden zum blindlings auzuführenden Angriff, aber nicht
  19218. etwa, weil sie, wie man in dummen deutschvölkischen Kreisen daherredete, den Gummiknüppel als höchsten Geist
  19219. verehrte, sondern weil sie begriff, daß der größte Geist aus-
  19220. Schutz der Nation, nicht des Staates
  19221. 601
  19222. geschaltet werden kann, wenn sein Träger von einem
  19223. Gummiknüppel erschlagen wird, wie tatsächlich in der Geschichte nicht selten die bedeutendsten Köpfe unter den
  19224. Hieben kleinster Heloten endeten. Sie wollte nicht die Gewalt als das Ziel hinstellen, sondern die Verkünder des
  19225. geistigen Ziels vor der Bedrängung durch Gewalt schützen.
  19226. Und sie hat dabei begriffen, daß sie nicht verpflichtet ist,
  19227. den Schutz eines Staates zu übernehmen, der der Nation
  19228. keinen Schutz gewährt, sondern daß sie im Gegenteil den
  19229. Schutz der Nation zu übernehmen hat gegen diejenigen, die
  19230. Volk und Staat zu vernichten drohten.
  19231. Nach der Versammlungsschlacht im Münchener Hofbräuhaus erhielt die Ordnertruppe einmal für immer, zur
  19232. dauernden Erinnerung an die heldenhaften Sturmangriffe
  19233. der kleinen Zahl von damals, den Namen S t u r m a b t e i l u n g . Wie schon diese Bezeichnung sagt, stellt sie
  19234. damit nur eine A b t e i l u n g der Bewegung dar. Sie ist
  19235. ein Glied in ihr, genau so wie die Propaganda, die Presse,
  19236. die wissenschaftlichen Institute und anderes lediglich Glieder der Partei bilden.
  19237. Wie notwendig ihr Ausbau war, konnten wir nicht nur
  19238. in dieser denkwürdigen Versammlung sehen, sondern auch
  19239. bei unserem Versuch, die Bewegung aus München allmählich in das übrige Deutschland hinauszutreiben. Sowie wir
  19240. dem Marxismus gefährlich erschienen waren, ließ dieser keine
  19241. Gelegenheit unbenutzt, um jeden Versuch einer nationalsozialistischen Versammlung schon im Keime zu ersticken,
  19242. beziehungsweise deren Abhaltung durch Sprengung zu verhindern. Dabei war es ganz selbstverständlich, daß die Parteiorganisationen des Marxismus aller Schattierungen jede
  19243. solche Absicht und jeden solchen Vorfall in den Vertretungskörpern blind deckten. Was sollte man aber zu bürgerlichen Parteien sagen, die, selbst vom Marxismus niedergedroschen, es in vielen Orten gar nicht wagen durften, ihre
  19244. Redner öffentlich auftreten zu lassen, und die trotzdem mit
  19245. einer ganz unverständlichen, blöden Befriedigung für uns
  19246. irgendwie ungünstig verlaufende Kämpfe gegen den Marxismus verfolgten. Sie waren glücklich, daß der, der von
  19247. 602
  19248. Versagen der Staatsorgane
  19249. ihnen selbst nicht bezwungen werden konnte, der sie vielmehr selbst bezwang, auch von uns nicht zu brechen war.
  19250. Was sollte man sagen zu Staatsbeamten, Polizeipräsidenten,
  19251. ja selbst Ministern, die mit wirklich unanständiger Gesinnungslosigkeit sich nach außen als „nationale“ Männer
  19252. hinzustellen beliebten, bei allen Auseinandersetzungen aber,
  19253. die wir Nationalsozialisten mit dem Marxismus hatten, diesem die schmählichsten Handlangerdienste leisteten! Was
  19254. sollte man zu Menschen sagen, die in ihrer Selbsterniedrigung so weit gingen, daß sie für ein erbärmliches Lob
  19255. jüdischer Zeitungen ohne weiteres die Männer verfolgten,
  19256. deren heldenmütigem Einsatz des eigenen Lebens sie es
  19257. zum Teil zu verdanken hatten, wenn sie nicht wenige Jahre
  19258. vorher von der roten Meute als zerfetzte Kadaver an
  19259. Laternenpfähle gehängt worden waren!
  19260. Es waren dies so traurige Erscheinungen, daß sie einmal
  19261. den unvergeßlichen verstorbenen Präsidenten Pöhner, der
  19262. in seiner harten Geradlinigkeit alle Kriecher haßte, wie
  19263. nur ein Mensch mit ehrlichem Herzen zu hassen vermag,
  19264. zu dem derben Ausspruch hinrissen: „Ich wollte in meinem
  19265. ganzen Leben nichts anderes sein als erst ein Deutscher
  19266. und dann ein Beamter, und ich möchte niemals mit jenen
  19267. Kreaturen verwechselt werden, die sich als Beamtenhuren
  19268. jedem prostituieren, der augenblicklich den Herrn zu spielen vermag.“ –
  19269. Es war dabei besonders traurig, daß diese Sorte von Menschen allmählich Zehntausende der ehrlichsten und bravsten
  19270. deutschen Staatsdiener nicht nur unter ihre Gewalt bekam,
  19271. sondern auch noch mit ihrer eigenen Gesinnungslosigkeit
  19272. langsam ansteckte, die redlichen dagegen mit grimmigem
  19273. Haß verfolgte und endlich aus Amt und Stellung hinausbiß,
  19274. während sie dabei sich selbst immer noch in heuchlerischer
  19275. Verlogenheit als „nationale“ Männer präsentierte.
  19276. Von solchen Menschen durften wir irgendeine Unterstützung niemals erhoffen, und wir haben sie auch nur in
  19277. ganz seltenen Fällen erhalten. Lediglich der Ausbau eigenen
  19278. Schutzes konnte die Tätigkeit der Bewegung sicherstellen
  19279. und ihr zugleich jene öffentliche Aufmerksamkeit und allge-
  19280. Selbstschutz, nicht „Wehrverband“
  19281. 603
  19282. meine Achtung erringen, die man dem zollt, der sich, wenn
  19283. angegriffen, selber zur Wehr setzt.
  19284. Als Leitgedanke für die innere Ausbildung dieser Sturmabteilung war immer die Absicht vorherrschend, sie, neben
  19285. aller körperlichen Ertüchtigung, zu einer unerschütterlich
  19286. überzeugten Vertreterin der nationalsozialistischen Idee
  19287. auszubilden und endlich ihre Disziplin im höchsten Ausmaß zu festigen. Sie sollte nichts zu tun haben mit einer
  19288. Wehrorganisation bürgerlicher Auffassung, ebenso aber
  19289. auch gar nichts mit einer Geheimorganisation.
  19290. Warum ich schon zu jener Zeit mich auf das schärfste
  19291. dagegen verwahrte, die SA. der NSDAP. als sogenannten
  19292. Wehrverband aufziehen zu lassen, hatte seinen Grund in
  19293. folgender Erwägung:
  19294. Rein sachlich kann eine Wehrausbildung eines Volkes
  19295. nicht durch private Verbände durchgeführt werden, außer
  19296. unter Beihilfe ungeheuerster staatlicher Mittel. Jeder andere Glaube fußt auf großer Überschätzung des eigenen Könnens. Es ist nun einmal ausgeschlossen, daß man mit sogenannter „freiwilliger Disziplin“ über einen bestimmten
  19297. Umfang hinaus Organisationen aufbauen kann, die militärischen Wert besitzen. Es fehlt hier die wichtigste Stütze
  19298. der Befehlsgewalt, nämlich die Strafgewalt. Wohl war es
  19299. im Herbst oder besser noch im Frühjahr 1919 möglich, sogenannte „Freikorps“ aufzustellen, allein nicht nur, daß sie
  19300. damals zum größten Teil durch die Schule des alten Heeres
  19301. gegangene Frontkämpfer besaßen, sondern die Art der Verpflichtung, die sie den einzelnen auferlegten, unterwarf
  19302. diese wenigstens auf befristete Zeit ebenso unbedingt dem
  19303. militärischen Gehorsam.
  19304. Dies fehlt einer freiwilligen „Wehrorganisation“ von
  19305. heute vollständig. Je größer ihr Verband wird, um so
  19306. schwächer wird die Disziplin, um so geringer dürfen die Anforderungen sein, die man im einzelnen an die Leute stellt,
  19307. und um so mehr wird das Ganze den Charakter der alten
  19308. unpolitischen Krieger- und Veteranenvereine annehmen.
  19309. Eine freiwillige Erziehung zum Heeresdienst ohne sichergestellte unbedingte Befehlsgewalt wird in großen Massen
  19310. 604
  19311. Warum keine Wehrverbände?
  19312. nie durchzuführen sein. Es werden immer nur wenige die
  19313. Bereitwilligkeit besitzen, sich aus freien Stücken einem
  19314. Zwang zum Gehorsam zu unterwerfen, wie er beim Heere
  19315. als selbstverständlich und natürlich galt.
  19316. Weiter läßt sich eine wirkliche Ausbildung nicht durchführen infolge der lächerlich geringen Mittel, die für einen
  19317. solchen Zweck einem sogenannten Wehrverbande zur Verfügung stehen. Die beste, zuverlässigste Ausbildung müßte
  19318. aber gerade die Hauptaufgabe einer solchen Institution
  19319. sein. Seit dem Kriege sind nun acht Jahre verflossen, und
  19320. seit dieser Zeit ist kein Jahrgang unserer deutschen Jugend
  19321. mehr planmäßig ausgebildet worden. Es kann aber doch
  19322. nicht die Aufgabe eines Wehrverbandes sein, die bereits
  19323. ausgebildeten Jahrgänge von einst zu erfassen, da man ihm
  19324. sonst sofort mathematisch vorrechnen kann, wann das letzte
  19325. Mitglied diese Korporation verlassen wird. Selbst der
  19326. jüngste Soldat von 1918 wird in zwanzig Jahren kampfunfähig sein, und wir nähern uns in bedenklicher Schnelle
  19327. diesem Zeitpunkte. Damit wird jeder sogenannte Wehrverband zwangsläufig immer mehr den Charakter einer alten
  19328. Kriegervereinigung annehmen. Dies kann aber nicht der
  19329. Sinn einer Einrichtung sein, sie sich eben nicht als K r i e g e r - , sondern als W e h r verein bezeichnet, und die schon
  19330. durch ihren Namen auszudrücken bestrebt ist, daß sie nicht
  19331. nur in der Erhaltung der Tradition und der Zusammengehörigkeit ehemaliger Soldaten ihre Mission erblickt, sondern in der Ausbildung des Wehrgedankens und in der
  19332. praktischen Vertretung dieses Gedankens, also in der Schaffung eines wehrhaften Körpers.
  19333. Diese Aufgabe jedoch erfordert dann unbedingt die Ausbildung der bisher noch nicht militärisch gedrillten Elemente, und dies ist in der Praxis tatsächlich unmöglich. Mit
  19334. einer wöchentlich ein- oder zweistündigen Ausbildung kann
  19335. man wirklich keinen Soldaten schaffen. Bei den heutigen
  19336. enorm gesteigerten Anforderungen, die der Kriegsdienst
  19337. an den einzelnen Mann stellt, ist eine zweijährige Dienstzeit vielleicht gerade noch ausreichend, um den unausgebildeten jungen Mann in einen gelernten Soldaten zu ver-
  19338. Warum keine Wehrverbände?
  19339. 605
  19340. wandeln. Wir haben ja alle im Felde die fürchterlichen
  19341. Folgen vor Augen gehabt, die sich für junge, im Kriegshandwerk nicht gründlich ausgebildete Soldaten ergaben.
  19342. Freiwilligenformationen, die fünfzehn und zwanzig Wochen
  19343. lang mit eiserner Entschlossenheit bei grenzenloser Hingabe gedrillt worden waren, stellten an der Front nichtsdestoweniger nur Kanonenfutter dar. Nur in die Reihen
  19344. erfahrener alter Soldaten eingeteilt, konnten jüngere, vier
  19345. bis sechs Monate lang ausgebildete Rekruten nützliche
  19346. Glieder eines Regiments abgeben; sie wurden hierbei von
  19347. den „Alten“ geleitet und wuchsen sich dann allmählich in
  19348. ihre Aufgaben hinein.
  19349. Wie aussichtslos aber wirkt demgegenüber der Versuch,
  19350. ohne klare Befehlsgewalt und ohne umfassende Mittel durch
  19351. eine wöchentlich ein- bis zweistündige sogenannte Ausbildung eine Truppe heranziehen zu wollen! Damit kann man
  19352. vielleicht alte Soldaten wieder auffrischen, junge Menschen
  19353. aber niemals zu Soldaten machen.
  19354. Wie gleichgültig und vollständig wertlos ein solches Vorgehen in seinen Ergebnissen sein würde, kann noch besonders belegt werden durch die Tatsache, daß in derselben
  19355. Zeit, in der ein sogenannter freiwilliger Wehrverband mit
  19356. Ach und Krach und Mühe und Nöten ein paar tausend an
  19357. sich gutwillige Menschen (an andere kommt er überhaupt
  19358. nicht heran) im Wehrgedanken ausbildet oder auszubilden
  19359. versucht, der Staat selber durch die pazifistisch-demokratische Art seiner Erziehung Millionen und Millionen junger
  19360. Leute konsequent ihrer natürlichen Instinkte beraubt, ihr
  19361. logisches vaterländisches Denken vergiftet und sie so allmählich zu einer jeglichen Willkür gegenüber geduldigen
  19362. Hammelherde verwandelt.
  19363. Wie lächerlich sind doch im Vergleich hierzu alle Anstrengungen der Wehrverbände, ihre Gedanken der deutschen Jugend vermitteln zu wollen!
  19364. Aber fast noch wichtiger ist folgender Gesichtspunkt, der
  19365. mich schon immer gegen jeden Versuch einer sogenannten
  19366. militärischen Wehrhaftmachung auf freiwilliger Verbandsgrundlage Stellung nehmen ließ:
  19367. 606
  19368. Warum keine Wehrverbände?
  19369. Angenommen, es würde trotz der vorher erwähnten
  19370. Schwierigkeiten dennoch einem Verbande gelingen, eine
  19371. bestimmte Anzahl Deutscher Jahr für Jahr zu wehrhaften
  19372. Männern auszubilden, und zwar sowohl im Hinblick auf
  19373. ihre Gesinnung als auch auf ihre körperliche Tüchtigkeit
  19374. und waffenmäßige Schulung, so müßte das Ergebnis dennoch gleich Null sein in einem Staat, der seiner ganzen
  19375. Tendenz nach eine solche Wehrhaftmachung gar nicht
  19376. wünscht, ja direkt haßt, da sie dem innersten Ziele seiner
  19377. Leiter – der Verderber dieses Staates – vollständig
  19378. widerspricht.
  19379. Auf alle Fälle aber würde ein solches Ergebnis wertlos
  19380. sein unter Regierungen, die nicht nur durch die Tat bewiesen haben, daß ihnen an der militärischen Kraft der
  19381. Nation nichts liegt, sondern die vor allem auch gar nie
  19382. gewillt sein würden, einen Appell an diese Kraft zu erlassen, außer höchstens zur Stützung ihres eigenen verderblichen Daseins.
  19383. Und heute ist das doch so. Oder ist es nicht lächerlich,
  19384. für ein Regiment einige zehntausend Mann im Zwielicht der
  19385. Dämmerung militärisch ausbilden zu wollen, wenn der
  19386. Staat wenige Jahre vorher achteinhalb Millionen bestausgebildeter Soldaten schmählich preisgab, nicht nur sich
  19387. ihrer nicht mehr bediente, sondern als Dank für ihre Opfer
  19388. sogar noch der allgemeinen Beschimpfung aussetzte! Man
  19389. will also Soldaten heranbilden für ein Staatsregiment,
  19390. das die ruhmvollsten Soldaten von einst beschmutzte und
  19391. bespuckte, ihnen die Ehrenzeichen von der Brust reißen
  19392. ließ, die Kokarden wegnahm, die Fahnen zertrat und ihre
  19393. Leitungen herabwürdigte? Oder hat dieses heutige Staatsregiment jemals auch nur einen Schritt unternommen, die
  19394. Ehre der alten Armee wiederherzustellen, ihre Zersetzer
  19395. und Beschimpfer zur Verantwortung zu ziehen? Nicht das
  19396. geringste. Im Gegenteil: wir können letztere in höchsten
  19397. Staatsämtern thronen sehen. – Wie sagte man doch zu
  19398. Leipzig: „Das Recht geht mit der Macht.“ Da jedoch heute
  19399. in unserer Republik die Macht in den Händen der gleichen
  19400. Männer liegt, die einst die Revolution anzettelten, diese
  19401. Warum keine Wehrverbände?
  19402. 607
  19403. Revolution aber den gemeinsten Landesverrat, ja, die erbärmlichste Schurkentat der deutschen Geschichte überhaupt darstellt, so läßt sich wirklich gar kein Grund dafür
  19404. finden, daß die Macht gerade dieser Charaktere durch Bildung einer neuen jungen Armee erhöht werden sollte. Alle
  19405. Gründe der Vernunft sprechen jedenfalls dagegen.
  19406. Was aber dieser Staat, auch nach der Revolution von
  19407. 1918, der militärischen Stärkung seiner Position für einen
  19408. Wert beimaß, ging noch einmal klar und eindeutig hervor
  19409. aus seiner Stellungnahme zu den damals bestehenden großen Selbstschutzorganisationen. Solange sie zum Schutz persönlich feiger Revolutionskreaturen einzutreten hatten,
  19410. waren sie nicht unwillkommen. Sowie aber, dank der allmählichen Verlumpung unseres Volkes, die Gefahr für
  19411. diese beseitigt schien und der Bestand der Verbände nunmehr eine nationalpolitische Stärkung bedeutete, waren
  19412. sie überflüssig, und man tat alles, um sie zu entwaffnen, ja,
  19413. wenn möglich, auseinanderzujagen.
  19414. Die Geschichte weist Dankbarkeit von Fürsten nur in
  19415. seltenen Beispielen nach. Aber gar auf Dankbarkeit revolutionärer Mordbrenner, Volksausplünderer und Nationalverräter zu rechnen, bringt nur ein neubürgerlicher Patriot
  19416. fertig. Ich könnte mich jedenfalls bei einer Prüfung des
  19417. Problems, ob freiwillige Wehrverbände zu schaffen seinen,
  19418. niemals der Frage enthalten: Für wen bilde ich die jungen
  19419. Leute aus? Zu welchem Zweck werden sie verwendet, und
  19420. wann sollen sie aufgerufen werden? Die Antwort darauf
  19421. gibt zugleich die besten Richtlinien für das eigene Verhalten.
  19422. Wenn der heutige Staat auf ausgebildete Bestände dieser Art je zurückgreifen würde, dann geschähe dies niemals
  19423. zu einer Vertretung nationaler Interessen nach außen, sondern immer nur zum Schutze der Vergewaltiger der Nation
  19424. im Innern vor der vielleicht eines Tages aufflammenden
  19425. allgemeinen Wut des betrogenen, verratenen und verkauften Volkes.
  19426. Die SA. der NSDAP. durfte schon aus diesem Grunde
  19427. mit einer militärischen Organisation gar nichts zu tun
  19428. 608
  19429. Keine Geheimorganisationen
  19430. haben. Sie war ein Schutz- und Erziehungsmittel der nationalsozialistischen Bewegung, und ihre Aufgaben lagen auf
  19431. einem ganz anderen Gebiet als auf dem sogenannter Wehrverbände.
  19432. Sie sollte aber auch keine Geheimorganisation darstellen.
  19433. Der Zweck von Geheimorganisationen kann nur ein gesetzwidriger sein. Damit aber beschränkt sich der Umfang einer
  19434. solchen Organisation von selbst. Es ist nicht möglich, besonders angesichts der Schwatzhaftigkeit des deutschen Volkes,
  19435. eine Organisation von einiger Größe aufzubauen und sie
  19436. gleichzeitig nach außen geheimzuhalten oder auch nur ihre
  19437. Ziele zu verschleiern. Jede solche Absicht wird tausendfältig
  19438. vereitelt werden. Nicht nur, daß unseren Polizeibehörden
  19439. heute ein Stab von Zuhältern und ähnlichem Gesindel zur
  19440. Verfügung steht, die für den Judaslohn von dreißig Silberlingen verraten, was sie finden können, und erfinden, was
  19441. zu verraten wäre, sind die eigenen Anhänger selbst niemals zu einem in solchem Fall notwendigen Schweigen zu
  19442. bringen. Nur ganz kleine Gruppen können durch jahrelanges Aussieben den Charakter wirklicher Geheimorganisationen annehmen. Doch schon die Kleinheit solcher Gebilde würde ihren Wert für die nationalsozialistische Bewegung aufheben. W a s w i r b r a u c h t e n u n d b r a u chen, waren und sind nicht hundert oder
  19443. zweihundert verwegene Verschwörer, sondern hunderttausend und aber hunderttausend fanatische Kämpfer für unsere
  19444. Weltanschauung. Nicht in geheimen Konventikeln soll gearbeitet werden, sondern in gewaltigen Massenaufzügen, und
  19445. nicht durch Dolch und Gift oder Pistole
  19446. kann der Bewegung die Bahn freigemacht
  19447. werden,
  19448. sondern
  19449. durch
  19450. die
  19451. Eroberung
  19452. der Straße. Wir haben dem Marxismus
  19453. beizubringen, daß der künftige Herr der
  19454. Straße der Nationalsozialismus ist, genau so, wie er einst der Herr des Staates
  19455. sein wird.
  19456. Keine Geheimorganisationen
  19457. 609
  19458. Die Gefahr von Geheimorganisationen liegt heute weiter noch darin, daß bei den Mitgliedern häufig die Größe
  19459. der Aufgabe vollständig verkannt wird und sich statt dessen
  19460. die Meinung bildet, es könnte das Schicksal eines Volkes
  19461. wirklich durch eine einzelne Mordtat plötzlich im günstigen
  19462. Sinne entschieden werden. Solch eine Meinung kann ihre
  19463. geschichtliche Berechtigung haben, nämlich dann, wenn ein
  19464. Volk unter der Tyrannei irgendeines genialen Unterdrükkers schmachtet, von dem man weiß, daß nur seine überragende Persönlichkeit allein die innere Festigkeit und
  19465. Furchtbarkeit des feindlichen Druckes gewährleistet. In
  19466. solch einem Fall mag aus einem Volk ein opferwilliger
  19467. Mann plötzlich hervorspringen, um den Todesstahl in die
  19468. Brust des verhaßten Einzigen zu stoßen. Und nur das republikanische Gemüt schuldbewußter kleiner Lumpen wird
  19469. eine solche Tat als das Verabscheuungswürdigste ansehen,
  19470. während der größte Freiheitssänger unseres Volkes sich
  19471. unterstanden hat, in seinem „Tell“ eine Verherrlichung
  19472. solchen Handelns zu geben.
  19473. In den Jahren 1919 und 1920 bestand die Gefahr, daß
  19474. der Angehörige von Geheimorganisationen, mitgerissen von
  19475. großen Vorbildern der Geschichte und durchschauert vom
  19476. grenzenlosen Unglück des Vaterlandes, versuchte, sich an
  19477. den Verderbern der Heimat zu rächen, in dem Glauben, dadurch der Not seines Volkes ein Ende zu bereiten. Jeder
  19478. solche Versuch war aber ein Unsinn, deshalb, weil der Marxismus ja gar nicht dank der überlegenen Genialität und
  19479. persönlichen Bedeutung eines einzelnen gesiegt hatte, sondern vielmehr durch die grenzenlose Jämmerlichkeit, das
  19480. feige Versagen der bürgerlichen Welt. Die grausamste Kritik,
  19481. die man an unserem Bürgertum üben kann, ist die Feststellung, daß die Revolution selbst ja nicht einen einzigen Kopf
  19482. von einiger Größe hervorgebracht und es sich ihr dennoch
  19483. unterworfen hat. Es ist immer noch verständlich, vor einem
  19484. Robespierre, einem Danton oder Marat zu kapitulieren,
  19485. aber es ist vernichtend, vor dem dürren Scheidemann, dem
  19486. feisten Herrn Erzberger und einem Friedrich Ebert und
  19487. all den zahllosen anderen politischen Knirpsen zu Kreuz
  19488. 21
  19489. 610
  19490. Sind Landesverräter zu „beseitigen“?
  19491. gekrochen zu sein. Es war ja wirklich auch nicht e i n Kopf
  19492. da, in dem man etwa den genialen Mann der Revolution
  19493. und damit das Unglück des Vaterlandes hätte sehen können, sondern da waren lauter Revolutionswanzen, Rucksackspartakisten en gros und en détail. Irgendeinen davon
  19494. aus dem Wege schaffen, war vollkommen belanglos und
  19495. hatte höchstens den einen Erfolg, daß ein paar andere ebenso große und ebenso durstige Blutsauger um so eher an
  19496. seine Stelle kamen.
  19497. Man konnte in jenen Jahren gar nicht scharf genug
  19498. gegen eine Auffassung einschreiten, die in wirklich großen
  19499. Erscheinungen der Geschichte ihre Ursache und Begründung hatte, aber nicht im geringsten auf das augenblickliche Zwergenzeitalter paßte.
  19500. Auch bei der Frage der B e s e i t i g u n g s o g e n a n n t e r L a n d e s v e r r ä t e r ist die gleiche Betrachtung anzustellen. Es ist lächerlich unlogisch, einen Burschen umzubringen, der eine Kanone verraten hat, während nebenan
  19501. in höchsten Würdenstellen Kanaillen sitzen, die ein ganzes
  19502. Reich verkauften, das vergebliche Opfer von zwei Millionen
  19503. Toten auf dem Gewissen haben, Millionen Krüppel verantworten müssen, dabei aber seelenruhig ihre republikanischen Geschäfte machen. Kleine Landesverräter beseitigen
  19504. ist sinnlos in einem Staat, dessen Regierung selbst die
  19505. Landesverräter von jeder Strafe befreit. Denn so kann es
  19506. passieren, daß eines Tages der redliche Idealist, der für
  19507. sein Volk einen schuftigen Waffenverräter beseitigt, von
  19508. kapitalen Landesverrätern zur Verantwortung gezogen wird.
  19509. Und da ist es doch eine wichtige Frage: Soll man solche eine
  19510. verräterische kleine Kreatur wieder durch eine Kreatur
  19511. beseitigen lassen oder durch einen Idealisten? In einem
  19512. Fall ist der Erfolg zweifelhaft und der Verrat für später
  19513. fast sicher; im anderen Fall wird ein kleiner Schuft beseitigt und dabei das Leben eines vielleicht nicht zu ersetzenden Idealisten aufs Spiel gesetzt.
  19514. Im übrigen ist in dieser Frage meine Stellungnahme die,
  19515. daß man nicht kleine Diebe hängen soll, um große laufen
  19516. zu lassen, sondern daß einst ein deutscher Nationalgerichts-
  19517. Sportliche Ausbildung der SA.
  19518. 611
  19519. hof etliche Zehntausend der organisierenden und damit verantwortlichen Verbrecher des Novemberverrats und alles
  19520. dessen, was dazugehört, abzuurteilen und hinzurichten hat.
  19521. Ein solches Exempel wird dann auch dem kleinsten Waffenverräter einmal für immer die notwendige Lehre sein.
  19522. Das alles sind Erwägungen, die mich veranlaßten, immer
  19523. wieder die Teilnahme an Geheimorganisationen zu verbieten und die SA. selbst vor dem Charakter solcher Organisationen zu bewahren. Ich habe in jenen Jahren die nationalsozialistische Bewegung von Experimenten ferngehalten,
  19524. deren Vollführer meistens herrliche idealistisch gesinnte
  19525. junge Deutsche waren, deren Tat aber nur sie selbst zum
  19526. Opfer werden ließ, indem sie das Schicksal des Vaterlandes
  19527. nicht im geringsten zu bessern vermochten.
  19528. Wenn aber die SA. weder eine militärische Wehrorganisation noch ein Geheimverband sein durfte, dann mußten
  19529. sich daraus folgende Konsequenzen ergeben:
  19530. 1. Ihre Ausbildung hat nicht nach militärischen Gesichtspunkten, sondern nach
  19531. parteizweckmäßigen zu erfolgen.
  19532. Soweit die Mitglieder dabei körperlich zu ertüchtigen
  19533. sind, darf der Hauptwert nicht auf militärisches Exerzieren, sondern vielmehr auf sportliche Betätigung gelegt
  19534. werden. Boxen und Jiu-Jitsu sind mir immer wichtiger erschienen als irgendeine schlechte, weil doch nur halbe Schießausbildung. Man gebe der deutschen Nation sechs Millionen
  19535. sportlich tadellos trainierte Körper, alle von fanatischer
  19536. Vaterlandsliebe durchglüht und zu höchstem Angriffsgeist
  19537. erzogen, und ein nationaler Staat wird aus ihnen, wenn
  19538. notwendig, in nicht einmal zwei Jahren, eine Armee geschaffen haben, wenigstens insofern ein gewisser Grundstock für sie vorhanden ist. Dieser kann aber, wie heute die
  19539. Verhältnisse liegen, nur die Reichswehr sein und nicht ein
  19540. in Halbheiten steckengebliebener Wehrverband. Die körperliche Ertüchtigung soll dem einzelnen die Überzeugung
  19541. seiner Überlegenheit einimpfen und ihm jene Zuversicht
  19542. 612
  19543. Kennzeichnung der Öffentlichkeit
  19544. geben, die ewig nur im Bewußtsein der eigenen Kraft
  19545. liegt; zudem soll sie ihm jene sportlichen Fertigkeiten beibringen, die zur Verteidigung der Bewegung als Waffe
  19546. dienen.
  19547. 2. Um von vornherein jeden geheimen
  19548. Charakter der SA. zu verhüten, muß, abgesehen von ihrer sofort jedermann kenntlichen Bekleidung, schon die Größe ihres
  19549. Bestandes ihr selbst den Weg weisen, welcher der Bewegung nützt und aller Öffentl i c h k e i t b e k a n n t i s t . Sie darf nicht im Verborgenen
  19550. tagen, sondern soll unter freiem Himmel marschieren und
  19551. damit eindeutig einer Betätigung zugeführt werden, die
  19552. alle Legenden von „Geheimorganisation“ endgültig zerstört. Um sie auch geistig von allen Versuchen, durch kleine
  19553. Verschwörungen ihren Aktivismus zu befriedigen, abzuziehen, mußte sie, von allem Anfang an, in die große Idee
  19554. der Bewegung vollständig eingeweiht und in der Aufgabe,
  19555. diese Idee zu vertreten, so restlos ausgebildet werden, daß
  19556. von vornherein der Horizont sich weitete und der einzelne
  19557. Mann seine Mission nicht in der Beseitigung irgendeines
  19558. kleineren oder größeren Gauners sah, sondern in dem Sicheinsetzen für die Errichtung eines neuen nationalsozialistischen völkischen Staates. Dadurch aber wurde der Kampf
  19559. gegen den heutigen Staat aus der Atmosphäre kleiner
  19560. Rache- und Verschwörungsaktionen herausgehoben zur
  19561. Größe eines weltanschaulichen Vernichtungskrieges gegen
  19562. den Marxismus und sein Gebilde.
  19563. 3. Die organisatorische Formung der SA.
  19564. sowie ihre Bekleidung und Ausrüstung
  19565. ist sinngemäß nicht nach den Vorbildern
  19566. der alten Armee, sondern nach einer durch
  19567. ihre Aufgabe bestimmten Zweckmäßigkeit
  19568. vorzunehmen.
  19569. Diese Anschauungen, die mich im Jahre 1920 und 1921
  19570. leiteten, und die ich allmählich der jungen Organisation
  19571. einzuimpfen versuchte, hatten den Erfolg, daß wir bis zum
  19572. Hochsommer 1922 schon über eine stattliche Anzahl von
  19573. Erster Aufmarsch in München
  19574. 613
  19575. Hundertschaften verfügten, die im Spätherbst 1922 nach
  19576. und nach ihre besondere kennzeichnende Bekleidung erhielten. Unendlich wichtig für die weitere Ausgestaltung
  19577. der SA. waren drei Ereignisse.
  19578. 1. Die große allgemeine Demonstration aller vaterländischen Verbände gegen das Republikschutzgesetz im Spätsommer 1922 auf dem K ö n i g s p l a t z z u M ü n c h e n .
  19579. Die vaterländischen Verbände Münchens hatten damals
  19580. den Aufruf erlassen, der als Protest gegen die Einführung
  19581. des Republikschutzgesetzes zu einer riesenhaften Kundgebung
  19582. in München aufforderte. Auch die nationalsozialistische Bewegung sollte sich an ihr beteiligen. Der geschlossene Aufmarsch der Partei wurde eingeleitet durch sechs Münchener
  19583. Hundertschaften, denen dann die Sektionen der politischen
  19584. Partei folgten. Im Zuge selbst marschierten zwei Musikkapellen, und ungefähr fünfzehn Fahnen wurden mitgetragen. Das Eintreffen der Nationalsozialisten auf dem
  19585. bereits zur Hälfte gefüllten großen Platz, der sonst fahnenleer war, erregte eine unermeßliche Begeisterung. Ich selbst
  19586. hatte die Ehre, vor der nun sechzigtausend Köpfe zählenden
  19587. Menschenmenge als einer der Redner sprechen zu dürfen.
  19588. Der Erfolg der Veranstaltung war überwältigend, besonders deshalb, weil, allen roten Drohungen zum Trotz,
  19589. zum erstenmal bewiesen wurde, daß auch das nationale
  19590. München auf der Straße marschieren konnte. Rote republikanische Schutzbündler, die gegen anmarschierende Kolonnen mit Terror vorzugehen versuchten, wurden binnen
  19591. weniger Minuten von SA.-Hundertschaften mit blutigen
  19592. Schädeln auseinandergetrieben. Die nationalsozialistische
  19593. Bewegung hat damals zum ersten Male ihre Entschlossenheit gezeigt, künftighin auch für sich das Recht auf die
  19594. Straße in Anspruch zu nehmen und damit dieses Monopol
  19595. den internationalen Volksverrätern und Vaterlandsfeinden
  19596. aus der Hand zu winden.
  19597. Das Ergebnis dieses Tages war der nicht mehr anzufechtende Beweis für die psychologische und auch organisatorische
  19598. Richtigkeit unserer Auffassungen über den Ausbau der SA.
  19599. Sie wurde nun auf der so erfolgreich bewährten Grund-
  19600. 614
  19601. Zug nach Koburg
  19602. lage energisch erweitert, so daß schon wenige Wochen später die doppelte Zahl an Hundertschaften in München aufgestellt war.
  19603. 2. D e r Z u g n a c h K o b u r g im Oktober 1922.
  19604. „Völkische“ Verbände beabsichtigten, in Koburg einen
  19605. sogenannten „Deutschen Tag“ abzuhalten. Ich selbst erhielt eine Einladung hierzu mit dem Vermerk, daß es erwünscht wäre, wenn ich noch einige Begleitung mitbrächte.
  19606. Dieses Ersuchen, daß ich vormittags um elf Uhr in die Hand
  19607. erhielt, kam mir sehr gelegen. Schon eine Stunde später
  19608. waren die Anordnungen zu einem Besuch dieses „Deutschen
  19609. Tages“ hinausgegeben. Als „Begleitung“ bestimmte ich achthundert Mann der SA., die in ungefähr vierzehn Hundertschaften von München aus durch Sonderzug nach dem bayerisch gewordenen Städtchen befördert werden sollten. Entsprechende Befehle gingen an nationalsozialistische SA.Gruppen, die unterdes an anderen Orten gebildet worden
  19610. waren, hinaus.
  19611. Es war das erstemal, daß in Deutschland ein derartiger
  19612. Sonderzug fuhr. An allen Orten, an denen neue SA.-Leute
  19613. einstiegen, erregte der Transport größtes Aufsehen. Viele
  19614. hatten unsere Fahnen noch nie vorher gesehen; der Eindruck derselben war ein sehr großer.
  19615. Als wir in Koburg auf dem Bahnhof eintrafen, empfing
  19616. uns eine Deputation der Festleitung des „Deutschen Tages“,
  19617. die uns einen als „Vereinbarung“ bezeichneten Befehl der
  19618. dortigen Gewerkschaften beziehungsweise der Unabhängigen und Kommunistischen Partei übermittelte, des Inhalts,
  19619. daß wir die Stadt nicht mit entrollten Fahnen, nicht mit
  19620. Musik (wir hatten eine eigene zweiundvierzig Mann starke
  19621. Kapelle mitgenommen) und nicht in geschlossenem Zuge
  19622. betreten dürften.
  19623. Ich lehnte diese schmählichen Bedingungen sofort glatt
  19624. ab, versäumte aber nicht, den anwesenden Herren der Leitung dieser Tagung mein Befremden darüber auszudrücken,
  19625. daß mit diesen Menschen Verhandlungen gepflogen und
  19626. Abkommen getroffen würden, und erklärte, daß die SA.
  19627. augenblicklich in Hundertschaften antreten und mit klingen-
  19628. Zug nach Koburg
  19629. 615
  19630. der Musik und wehenden Fahnen in die Stadt marschieren
  19631. werde.
  19632. So geschah es dann auch.
  19633. Schon auf dem Bahnhofsplatz empfing uns eine nach
  19634. vielen Tausenden zählende, gröhlende und johlende
  19635. Menschenmenge. „Mörder“, „Banditen“, „Räuber“, „Verbrecher“, waren die Kosenamen, mit denen uns die vorbildlichen
  19636. Begründer der deutschen Republik liebreich überschütteten.
  19637. Die junge SA. hielt mustergültige Ordnung, die Hundertschaften formierten sich auf dem Platz vor dem Bahnhof
  19638. und nahmen zunächst von den Anpöbelungen keine Notiz.
  19639. Durch ängstliche Polizeiorgane wurde der abmarschierende
  19640. Zug in der für uns alle ganz fremden Stadt nicht, wie bestimmt, in unser Quartier, eine an der Peripherie Koburgs
  19641. liegende Schützenhalle, sondern in den Hofbräuhauskeller,
  19642. nahe dem Zentrum der Stadt, geleitet. Links und rechts
  19643. vom Zuge nahm das Toben der begleitenden Volksmassen
  19644. immer mehr zu. Kaum daß die letzte Hundertschaft in den
  19645. Hof des Kellers eingebogen war, versuchten auch schon
  19646. große Massen, unter ohrenbetäubendem Geschrei nachzurücken. Um dies zu verhüten, schloß die Polizei den
  19647. Keller ab. Da dieser Zustand ein unerträglicher war, ließ
  19648. ich nun die SA. noch einmal antreten, ermahnte sie kurz
  19649. und forderte von der Polizei die augenblickliche Öffnung
  19650. der Tore. Nach längerem Zögern kam sie dem auch nach.
  19651. Wir marschierten nun den Weg, den wir gekommen
  19652. waren, wieder zurück, um zu unserem Quartier zu gelangen, und da mußte nun allerdings endlich Front gemacht
  19653. werden. Nachdem man durch Schreien und beleidigende
  19654. Zurufe die Hundertschaften nicht aus der Ruhe hatte bringen können, griffen die Vertreter des wahren Sozialismus,
  19655. der Gleichheit und Brüderlichkeit, zu Steinen. Damit war
  19656. unsere Geduld zu Ende, und so hagelte es zehn Minuten
  19657. lang links und rechts vernichtend nieder, und eine Viertelstunde später war nichts Rotes mehr auf den Straßen zu
  19658. sehen.
  19659. Nachts kam es noch zu schweren Zusammenstößen. Patrouillen der SA. hatten Nationalsozialisten, die einzeln
  19660. 616
  19661. Zug nach Koburg
  19662. überfallen worden waren, in gräßlichem Zustande aufgefunden. Daraufhin wurde mit den Gegnern kurzer Prozeß gemacht. Schon am nächsten Morgen war der rote Terror, unter dem Koburg schon seit Jahren gelitten hatte,
  19663. niedergebrochen.
  19664. Mit echt marxistisch-jüdischer Verlogenheit versuchte
  19665. man nun durch Handzettel die „Genossen und Genossinnen
  19666. des internationalen Proletariats“ noch einmal auf die Straße
  19667. zu hetzen, indem man, unter vollständiger Verdrehung der
  19668. Tatsachen, behauptete, daß unsere „Mordbanden“ den
  19669. „Ausrottungskrieg gegen friedliche Arbeiter“ in Koburg
  19670. begonnen hätten. Um halb zwei Uhr sollte die große „Volksdemonstration“, zu der man Zehntausende von Arbeitern
  19671. aus der ganzen Umgebung erhoffte, stattfinden. Ich ließ
  19672. deshalb, fest entschlossen, den roten Terror endgültig zu
  19673. erledigen, um zwölf Uhr die SA. antreten, die unterdes auf
  19674. fast eineinhalbtausend Mann angeschwollen war, und setzte
  19675. mich mit ihr in Marsch zur Feste Koburg, über den großen
  19676. Platz, auf dem die rote Demonstration stattfinden sollte.
  19677. Ich wollte sehen, ob sie es noch einmal wagen würden, uns
  19678. zu belästigen. Als wir den Platz betraten, waren anstatt
  19679. der angekündigten Zehntausend nur wenige Hundert anwesend, die bei unserem Nahen sich im allgemeinen still
  19680. verhielten, teilweise ausrissen. Nur an einigen Stellen versuchten rote Trupps, die unterdessen von außen gekommen waren und uns noch nicht kannten, uns wieder
  19681. anzustänkern; aber im Handumdrehen wurde ihnen gründlich die Lust dazu genommen. Und nun konnte man sehen,
  19682. wie die bisher ängstlich eingeschüchterte Bevölkerung langsam aufwachte, Mut bekam, durch Zurufe uns zu begrüßen
  19683. wagte und abends bei unserem Abzug an vielen Stellen in
  19684. spontanen Jubel ausbrach.
  19685. Plötzlich erklärte uns am Bahnhof das Eisenbahnpersonal, daß es den Zug nicht fahren würde. Ich ließ darauf
  19686. einigen Rädelsführern mitteilen, daß ich in diesem Falle
  19687. zusammenzufangen gedächte, was mir an roten Bonzen
  19688. in die Hände fiele, und daß wir dann eben selbst fahren würden, allerdings auf Lokomotive und Tender und
  19689. Bewährung der SA. als Kampforganisation
  19690. 617
  19691. in jedem Wagen ein paar Dutzend von Brüdern der internationalen Solidarität mitzunehmen vorhätten. Ich versäumte
  19692. auch
  19693. nicht,
  19694. die
  19695. Herren
  19696. aufmerksam
  19697. zu
  19698. machen, daß die Fahrt mit unseren eigenen Kräften selbstverständlich ein unendlich riskantes Unternehmen sein
  19699. würde und es nicht ausgeschlossen wäre, daß wir uns alle
  19700. zusammen Genick und Knochen brächen. Freuen würde uns
  19701. aber, dann wenigstens nicht allein, sondern in Gleichheit
  19702. und Brüderlichkeit mit den roten Herrschaften ins Jenseits
  19703. zu wandern.
  19704. Daraufhin fuhr der Zug sehr pünktlich ab, und wir
  19705. kamen am nächsten Morgen wieder heil in München an.
  19706. In Koburg wurde damit zum ersten Male seit dem Jahre
  19707. 1914 die Gleichheit der Staatsbürger vor dem Gesetz wiederhergestellt. Denn wenn heute irgendein gimpelhafter
  19708. höherer Beamter sich zu der Behauptung versteigt, daß der
  19709. Staat das Leben seiner Bürger beschütze, dann traf dies für
  19710. damals jedenfalls nicht zu; denn die Bürger mußten sich
  19711. in jener Zeit vor den Repräsentanten des heutigen Staates
  19712. verteidigen.
  19713. Die Bedeutung dieses Tages konnte in ihren Folgen zunächst gar nicht voll eingeschätzt werden. Nicht nur, daß
  19714. die sieghafte SA. in ihrem Selbstvertrauen und im Glauben
  19715. an die Richtigkeit ihrer Führung außerordentlich gehoben
  19716. wurde, begann auch die Umwelt, sich mit uns eingehender
  19717. zu beschäftigen, und viele erkannten zum ersten Male in
  19718. der nationalsozialistischen Bewegung die Institution, die
  19719. aller Wahrscheinlichkeit nach dereinst berufen sein würde,
  19720. dem marxistischen Wahnsinn ein entsprechendes Ende zu
  19721. bereiten.
  19722. Nur die Demokratie stöhnte, daß man es wagen konnte,
  19723. sich nicht friedlich den Schädel einschlagen zu lassen, sondern daß wir uns in einer demokratischen Republik unterstanden hatten, einem brutalen Angriff mit Fäusten und
  19724. Stöcken statt mit pazifistischen Gesängen entgegenzutreten.
  19725. Die bürgerliche Presse im allgemeinen war teils jämmerlich, teils gemein, wie immer, und nur wenige aufrichtige
  19726. Zeitungen begrüßten es, daß man wenigstens an einer
  19727. 618
  19728. Bewährung der SA. als Kampforganisation
  19729. Stelle den marxistischen Wegelagerern endlich das Handwerk gelegt hatte.
  19730. In Koburg selbst aber hat immerhin ein Teil der marxistischen Arbeiterschaft, der übrigens selbst nur als verführt angesehen werden mußte, durch die Fäuste nationalsozialistischer Arbeiter belehrt, einsehen gelernt, daß auch
  19731. diese Arbeiter für Ideale kämpfen, da man sich erfahrungsgemäß nur für etwas, an das man glaubt und das man
  19732. liebt, auch schlägt.
  19733. Den größten Nutzen hatte allerdings die SA. selbst. Sie
  19734. wuchs nun sehr schnell an, so daß beim Parteitag am
  19735. 27. Januar 1923 bereits gegen sechstausend Mann an der
  19736. Fahnenweihe teilnehmen konnten und dabei die ersten
  19737. Hundertschaften in ihrer neuen Tracht vollkommen eingekleidet waren.
  19738. Die Erfahrungen in Koburg hatten eben gezeigt, wie
  19739. notwendig es ist, und zwar nicht nur um den Korpsgeist
  19740. zu stärken, sondern auch, um Verwechslungen zu vermeiden und dem gegenseitigen Nichterkennen vorzubeugen,
  19741. eine einheitliche Bekleidung der SA. einzuführen. Bis dahin
  19742. trug sie nur die Armbinde, nun kamen die Windjacke und
  19743. die bekannte Mütze dazu.
  19744. Die Erfahrungen von Koburg hatten aber noch weiter
  19745. die Bedeutung, daß wir nun darangingen, planmäßig in
  19746. allen Orten, in denen der rote Terror seit vielen Jahren
  19747. jede Versammlung Andersdenkender verhindert hatte, diesen zu brechen und die Versammlungsfreiheit herzustellen.
  19748. Ab jetzt wurden immer wieder nationalsozialistische Bataillone in solchen Orten zusammengezogen, und allmählich
  19749. fiel in Bayern eine rote Hochburg nach der anderen der
  19750. nationalsozialistischen Propaganda zum Opfer. Die SA.
  19751. hatte sich immer mehr in ihre Aufgabe hineingewachsen,
  19752. und sie war damit von dem Charakter einer sinnlosen und
  19753. lebensunwichtigen Wehrbewegung immer weiter weggerückt und zu einer lebendigen Kampforganisation
  19754. für die Errichtung eines neuen deutschen Staates emporgestiegen.
  19755. Bis zum März 1923 währte diese logische Entwicklung.
  19756. Der Abschluß 1923
  19757. 619
  19758. Dann trat ein Ereignis ein, das mich zwang, die Bewegung
  19759. aus ihrer bisherigen Bahn zu nehmen und einer Umgestaltung zuzuführen.
  19760. 3. Die in den ersten Monaten des Jahres 1923 erfolgte
  19761. B e s e t z u n g d e s R u h r g e b i e t e s durch die Franzosen
  19762. hatte in der Folgezeit eine große Bedeutung für die Entwicklung der SA.
  19763. Es ist auch heute noch nicht möglich und besonders aus
  19764. nationalem Interesse nicht zweckmäßig, in aller Öffentlichkeit darüber zu reden oder zu schreiben. Ich kann mich nur
  19765. so weit äußern, als in öffentlichen Verhandlungen dieses
  19766. Thema schon berührt und der Öffentlichkeit dadurch zur
  19767. Kenntnis gebracht ist.
  19768. Die Besetzung des Ruhrgebietes, die uns nicht überraschend kam, ließ die begründete Hoffnung erstehen, daß
  19769. nunmehr endgültig mit der feigen Politik des Zurückweichens gebrochen und damit den Wehrverbänden eine
  19770. ganz bestimmte Aufgabe zufallen würde. Auch die SA., die
  19771. damals schon viele Tausende junger, kraftvoller Männer
  19772. umfaßte, durfte dann diesem nationalen Dienst nicht entzogen werden. Im Frühjahr und im Hochsommer des Jahres
  19773. 1923 erfolgte ihre Umstellung zu einer militärischen Kampforganisation. Ihr war zum großen Teil die spätere Entwicklung des Jahres 1923 zuzuschreiben, soweit sie unsere
  19774. Bewegung betraf.
  19775. Da ich an anderer Stelle in großen Zügen die Entwicklung des Jahres 1923 behandle, will ich hier nur feststellen, daß die Umgestaltung der damaligen SA., wenn die
  19776. Voraussetzungen, die zu ihrer Umgestaltung geführt hatten,
  19777. also die Aufnahme des aktiven Widerstandes gegen Frankreich, nicht zutrafen, vom Gesichtspunkt der Bewegung aus
  19778. eine schädliche war.
  19779. Der Abschluß des Jahres 1923 war, so entsetzlich er im
  19780. ersten Augenblick erscheinen mag, von einer höheren Warte
  19781. aus betrachtet, insofern ein nahezu notwendiger, als er die
  19782. durch die Haltung der deutschen Reichsregierung gegenstandslos gemachte, für die Bewegung aber nun schädliche
  19783. Umstellung der SA. mit einem Schlage beendete und damit
  19784. 620
  19785. Die neue SA. von 1925
  19786. die Möglichkeit schuf, eines Tages dort wieder aufzubauen,
  19787. wo man einst den richtigen Weg verlassen mußte.
  19788. Die im Jahre 1925 neugegründete NSDAP. hat ihre SA.
  19789. nun wieder nach den eingangs erwähnten Grundsätzen aufzustellen, auszubilden und zu organisieren. Sie muß damit
  19790. wieder zurückkehren zu den ursprünglich gesunden Anschauungen und hat es nun wieder als ihre höchste Aufgabe
  19791. anzusehen, in ihrer SA. ein Instrument zur Vertretung und
  19792. Stärkung des Weltanschauungskampfes der Bewegung zu
  19793. schaffen.
  19794. Sie darf weder dulden, daß die SA. zu einer Art Wehrverband noch zu einer Geheimorganisation herabsinkt; sie
  19795. muß sich vielmehr bemühen, in ihr eine Hunderttausendmanngarde der nationalsozialistischen und damit zutiefst
  19796. völkischen Idee heranzubilden.
  19797. 10. Kapitel
  19798. Der Föderalismus als Maske
  19799. I m Winter des Jahres 1919 und noch mehr im Frühjahr und Sommer 1920 wurde die junge Partei gezwungen, zu einer Frage Stellung zu nehmen, die schon
  19800. im Kriege zu außerordentlicher Bedeutung emporstieg. Ich
  19801. habe im ersten Band in der kurzen Schilderung der mir
  19802. persönlich sichtbar gewordenen Merkmale des drohenden
  19803. deutschen Zusammenbruchs auf die besondere Art der Propaganda hingewiesen, die sowohl von seiten der Engländer
  19804. als auch der Franzosen zur Aufreißung der alten Kluft
  19805. zwischen Nord und Süd stattfand. Im Frühjahr 1915 erschienen die ersten systematischen Hetzblätter gegen Preußen, als den Alleinschuldigen am Kriege. Bis zum Jahre
  19806. 1916 war dieses System zu einem vollständigen, ebenso geschickten wie niederträchtigen Ausbau gekommen. Die auf
  19807. die niedersten Instinkte berechnete Verhetzung des Süddeutschen gegen den Norddeutschen begann auch schon nach kurzer Zeit Früchte zu tragen. Es ist ein Vorwurf, den man
  19808. gegen die damaligen maßgebenden Stellen sowohl in der Regierung wie auch in der Heeresleitung – besser, in den
  19809. bayerischen Kommandostellen – erheben muß, und den
  19810. diese nicht von sich abschütteln können, daß sie in gottverblendeter Pflichtvergessenheit nicht mit der notwendigen
  19811. Entschlossenheit dagegen eingeschritten sind. Man tat nichts!
  19812. Im Gegenteil, an verschiedenen Stellen schien man es gar
  19813. nicht so ungern zu sehen und war vielleicht borniert genug,
  19814. zu denken, daß durch eine solche Propaganda nicht nur der
  19815. Einheitsentwicklung des deutschen Volkes ein Riegel vorgeschoben werden würde, sondern daß damit auch automatisch eine Stärkung der föderativen Kräfte eintreten
  19816. 622 Kriegsgesellschaften und antipreußische Stimmung
  19817. müßte. Kaum jemals in der Geschichte ist eine böswillige
  19818. Unterlassung böser gerächt worden. Die Schwächung, die
  19819. man Preußen zuzufügen glaubte, hat ganz Deutschland betroffen. Ihre Folge aber war die Beschleunigung des Zusammenbruchs, der jedoch nicht etwa nur Deutschland zertrümmerte, sondern in erster Linie gerade die Einzelstaaten selbst.
  19820. In der Stadt, in welcher der künstlich geschürte Haß
  19821. gegen Preußen am heftigsten tobte, brach als erster die
  19822. Revolution gegen das angestammte Königshaus aus.
  19823. Nun wäre es allerdings falsch, zu glauben, daß der feindlichen Kriegspropaganda allein die Fabrikation dieser antipreußischen Stimmung zuzuschreiben gewesen sei, und daß
  19824. Entschuldigungsgründe für das von ihr ergriffene Volk
  19825. nicht vorhanden gewesen wären. Die unglaubliche Art der
  19826. Organisation unserer Kriegswirtschaft, die in einer geradezu wahnwitzigen Zentralisation das gesamte Reichsgebiet bevormundete und – ausgaunerte, war ein Hauptgrund für das Entstehen jener antipreußischen Gesinnung.
  19827. Denn für den normalen kleinen Mann waren
  19828. die Kriegsgesellschaften, die nun einmal
  19829. ihre Zentrale in Berlin besaßen, identisch
  19830. mit Berlin, und Berlin selbst gleichbedeut e n d m i t P r e u ß e n . Daß die Organisatoren dieses
  19831. Raubinstituts, Kriegsgesellschaften genannt, weder Berliner noch Preußen, ja überhaupt nicht Deutsche waren,
  19832. kam dem Einzelnen damals kaum zum Bewußtsein. Er sah
  19833. nur die grobe Fehlerhaftigkeit und die dauernden Übergriffe dieser verhaßten Einrichtung in der Reichshauptstadt und übertrug nun seinen ganzen Haß selbstverständlich auf diese Reichshauptstadt und Preußen zugleich, um
  19834. so mehr, als von bestimmter Seite nicht nur nichts dagegen
  19835. unternommen, sondern im stillen eine solche Deutung sogar schmunzelnd begrüßt wurde.
  19836. Der Jude war viel zu klug, um nicht schon damals zu
  19837. verstehen, daß der infame Beutezug, den er unter dem
  19838. Deckmantel der Kriegsgesellschaften gegen das deutsche
  19839. Volk organisierte, Widerstand hervorrufen würde, ja mußte.
  19840. Preußenhetze als Ablenkungsmanöver
  19841. 623
  19842. Solange dieser ihm selbst nicht an die Gurgel sprang,
  19843. brauchte er ihn nicht zu fürchten. Um aber eine Explosion
  19844. der zur Verzweiflung und Empörung getriebenen Massen
  19845. nach dieser Richtung zu verhindern, konnte es gar kein
  19846. besseres Rezept geben als das, ihre Wut anderweitig aufflammen zu lassen und so zu verbrauchen.
  19847. Mochte ruhig Bayern gegen Preußen und Preußen gegen
  19848. Bayern streiten, je mehr, desto besser! Der heißeste Kampf
  19849. der beiden bedeutete für den Juden den sichersten Frieden. Die allgemeine Aufmerksamkeit war damit vollständig abgelenkt von der internationalen Völkermade, man
  19850. schien sie vergessen zu haben. Und wenn die Gefahr aufzutauchen schien, daß besonnene Elemente, die es auch in
  19851. Bayern zahlreich gab, zur Einsicht und Einkehr und zur
  19852. Zurückhaltung mahnten und dadurch der erbitterte Kampf
  19853. abzuflauen drohte, so brauchte der Jude in Berlin nur eine
  19854. neue Provokation in Szene zu setzen und den Erfolg abzuwarten. Augenblicklich stürzten sich alle Nutznießer des
  19855. Streites zwischen Nord und Süd auf jeden solchen Vorfall
  19856. und bliesen so lange, bis die Glut der Empörung wieder zu
  19857. hellem Feuer emporgestiegen war.
  19858. Es war ein geschicktes, raffiniertes Spiel, das der Jude
  19859. damals zur steten Beschäftigung und Ablenkung der einzelnen deutschen Stämme trieb, um sie unterdessen desto
  19860. gründlicher ausplündern zu können.
  19861. Dann kam die Revolution.
  19862. Wenn nun bis zum Jahre 1918, oder, besser gesagt, bis
  19863. zum November dieses Jahres der Durchschnittsmensch,
  19864. besonders aber der wenig gebildete Spießer und Arbeiter,
  19865. den wirklichen Hergang und die unausbleiblichen Folgen
  19866. des Streites der deutschen Stämme untereinander, vor
  19867. allem in Bayern, noch nicht richtig erkennen konnte, dann
  19868. hätte es wenigstens der sich „national“ nennende Teil am
  19869. Tage des Ausbruchs der Revolution begreifen müssen. Denn
  19870. kaum war die Aktion gelungen, als in Bayern auch schon
  19871. der Führer und Organisator der Revolution zum Vertreter
  19872. „bayerischer“ Interessen wurde. D e r i n t e r n a t i o n a l e
  19873. Jude Kurt Eisner begann Bayern gegen
  19874. 624
  19875. Kurt Eisner, „bayerischer Partikularist“
  19876. P r e u ß e n a u s z u s p i e l e n . Es war aber doch selbstverständlich, daß ausgerechnet dieser Orientale, der als
  19877. Zeitungsjournaille sich unausgesetzt hier und dort im übrigen Deutschland herumtrieb, wohl als letzter berufen gewesen wäre, bayerische Interessen zu wahren, und daß gerade ihm Bayern das Gleichgültigste sein konnte, das es
  19878. auf Gottes weiter Welt gab.
  19879. Indem Kurt Eisner der revolutionären
  19880. Erhebung in Bayern eine ganz bewußte
  19881. Spitze gegen das übrige Reich gab, handelte
  19882. er nicht im geringsten aus bayerischen Gesichtspunkten heraus, sondern nur als Bea u f t r a g t e r d e s J u d e n t u m s . Er benützte die vorhandenen Instinkte und Abneigungen des bayerischen Volkes, um mittels ihrer Deutschland leichter zerschlagen zu
  19883. können. Das zertrümmerte Reich aber wäre spielend eine
  19884. Beute des Bolschewismus geworden.
  19885. Die von ihm angewandte Taktik wurde auch nach seinem
  19886. Tode zunächst fortgeführt. Der Marxismus, der gerade die
  19887. Einzelstaaten und ihre Fürsten in Deutschland immer mit
  19888. blutigstem Hohn übergossen hatte, appellierte als „Unabhängige Partei“ nun plötzlich eben an diejenigen Gefühle
  19889. und Instinkte, die in Fürstenhäusern und Einzelstaaten
  19890. ihre stärkste Wurzel hatten.
  19891. Der Kampf der Räterepublik gegen die anrückenden Befreiungskontingente war in erster Linie als „Kampf bayerischer Arbeiter“ gegen den „preußischen Militarismus“
  19892. propagandistisch aufgezogen worden. Nur daraus kann man
  19893. auch verstehen, warum in München, ganz zum Unterschied
  19894. von anderen deutschen Gebieten, das Niederwerfen der
  19895. Räterepublik nicht zur Besinnung der breiten Massen, sondern vielmehr zu einer noch größeren Verbitterung und
  19896. Verbissenheit gegen Preußen führte.
  19897. Die Kunst, mit der die bolschewistischen Agitatoren die
  19898. Beseitigung der Räterepublik als „preußisch-militaristischen“
  19899. Sieg gegen das „antimilitaristisch“ und „antipreußisch“ gesinnte bayerische Volk hinzustellen verstanden, trug reiche
  19900. Früchte. Während Kurt Eisner noch anläßlich der Wahlen
  19901. Mein Kampf gegen die Preußenhetze
  19902. 625
  19903. in den gesetzgebenden Bayerischen Landtag in München
  19904. keine zehntausend Anhänger aufbrachte, die Kommunistische Partei sogar unter dreitausend blieb, waren nach
  19905. dem Zusammenbruch der Republik beide Parteien zusammen auf nahezu hunderttausend Wähler gestiegen.
  19906. Schon in dieser Zeit setzte mein persönlicher Kampf gegen
  19907. die wahnwitzige Verhetzung der deutschen Stämme untereinander ein.
  19908. Ich glaube, ich habe in meinem Leben noch keine unpopulärere Sache begonnen als meinen damaligen Widerstand gegen die Preußenhetze. In München hatten schon
  19909. während der Räteperepublik die ersten Massenversammlungen
  19910. stattgefunden, in denen der Haß gegen das übrige Deutschland, insbesondere aber gegen Preußen, zu solcher Siedehitze aufgepeitscht wurde, daß es nicht nur für einen Norddeutschen mit Todesgefahr verbunden war, einer solchen
  19911. Versammlung beizuwohnen, sondern daß der Abschluß derartiger Kundgebungen meist ganz offen mit dem wahnsinnigen Geschrei endigte: „Los von Preußen!“ – „Nieder
  19912. mit Preußen!“ – „Krieg gegen Preußen!“, eine Stimmung, die ein besonders glänzender Vertreter bayerischer
  19913. Hoheitsinteressen im Deutschen Reichstag in den Schlachtruf zusammenfaßte: „L i e b e r b a y e r i s c h s t e r b e n
  19914. als preußisch verderben.“
  19915. Man muß die damaligen Versammlungen miterlebt
  19916. haben, um zu verstehen, was es für mich selbst bedeutete,
  19917. als ich mich zum ersten Male, umringt von einer Handvoll
  19918. Freunde, in einer Versammlung im Löwenbräukeller zu
  19919. München gegen diesen Wahnsinn zur Wehr setzte. Es waren
  19920. Kriegskameraden, die mir damals Beistand leisteten, und
  19921. man kann sich vielleicht in unser Gefühl hineinversetzen,
  19922. wenn eine vernunftlos gewordene Masse gegen uns brüllte
  19923. und uns niederzuschlagen drohte, die während der Zeit,
  19924. da wir das Vaterland verteidigt hatten, zum weitaus
  19925. größten Teil als Deserteure und Drückeberger sich in
  19926. Etappen oder in der Heimat herumgetrieben hatte. Für
  19927. mich freilich hatten diese Auftritte das Glück, daß sich die
  19928. Schar meiner Getreuen erst recht mit mir verbunden
  19929. 626
  19930. Mein Kampf gegen die Preußenhetze
  19931. fühlte und bald auf Leben und Tod auf mich eingeschworen war.
  19932. Diese Kämpfe, die sich immer wiederholten und durch
  19933. das ganze Jahr 1919 hinzogen, schienen sich gleich zu Beginn des Jahres 1920 noch zu verstärken. Es gab Versammlungen – ich erinnere mich besonders an eine im Wagnersaal an der Sonnenstraße in München –, in denen meine
  19934. unterdes größer gewordene Gruppe schwerste Kämpfe zu
  19935. bestehen hatte, die nicht selten damit endeten, daß man
  19936. Dutzende meiner Anhänger mißhandelte, niederschlug, mit
  19937. Füßen trat, um sie endlich, mehr Leichnamen als Lebenden gleich, aus den Sälen zu werfen.
  19938. Der Kampf, den ich erst als Einzelperson, nur unterstützt
  19939. von meinen Kriegsgefährten, aufgenommen hatte, wurde
  19940. nun als eine, ich möchte fast sagen, heilige Aufgabe von
  19941. der jungen Bewegung weitergeführt.
  19942. Es ist noch heute mein Stolz, sagen zu können, daß wir
  19943. damals – fast ausschließlich angewiesen auf unsere bayerischen Anhänger – dennoch dieser Mischung von Dummheit und Verrat langsam, aber sicher das Ende bereitet
  19944. haben. Ich sage Dummheit und Verrat deshalb, weil ich,
  19945. bei aller Überzeugung von der an sich wirklich gutmütigdummen Masse der Mitläufer, den Organisatoren und Anstiftern solche Einfalt nicht zugute rechnen kann. Ich hielt
  19946. sie und halte sie auch heute noch für von Frankreich besoldete und bezahlte Verräter. In einem Falle, im Falle
  19947. Dorten, hat ja unterdes die Geschichte bereits ihr Urteil
  19948. gesprochen.
  19949. Was die Sache damals besonders gefährlich werden ließ,
  19950. war die Geschicklichkeit, mit der man die wahren Tendenzen zu verhüllen verstand, indem man föderalistische
  19951. Absichten als die einzige Veranlassung zu diesem Treiben
  19952. in den Vordergrund schob. Daß die Schürung von Preußenhaß mit Föderalismus nichts zu tun hat, liegt allerdings
  19953. auf der Hand. Merkwürdig berührt auch eine „föderative
  19954. Tätigkeit“, die es versucht, einen anderen Bundesstaat aufzulösen oder aufzuteilen. Denn ein ehrlicher Föderalist,
  19955. bei dem die Zitierung des Bismarckschen Reichsgedankens
  19956. „Föderative Tätigkeit“
  19957. 627
  19958. keine verlogene Phrase darstellt, dürfte nicht im selben
  19959. Atemzug dem von Bismarck geschaffenen oder doch vollendeten preußischen Staat Teile abzutrennen wünschen
  19960. oder sogar solche Separationsbestrebungen öffentlich unterstützen. Wie würde man im München geschrien haben, wenn
  19961. eine konservative preußische Partei die Loslösung Frankens von Bayern begünstigt oder gar in öffentlicher Aktion
  19962. verlangt und gefördert hätte! Leid tun konnten einem bei
  19963. all dem wirklich nur die ehrlich föderalistisch gesinnten
  19964. Naturen, die dieses verruchte Gaunerspiel nicht durchschaut hatten; denn sie waren in erster Linie die Betrogenen. Indem der föderative Gedanke solcherart belastet
  19965. wurde, schaufelten ihm seine eigenen Anhänger das Grab.
  19966. Man kann keine föderalistische Gestaltung des Reiches
  19967. propagieren, wenn man das wesentlichste Glied eines solchen Staatsbaues, nämlich Preußen, selbst heruntersetzt,
  19968. beschimpft und beschmutzt, kurz als Bundesstaat, wenn
  19969. möglich, unmöglich macht. Es war dies um so unglaublicher,
  19970. als sich dabei der Kampf dieser sogenannten Föderalisten
  19971. gerade gegen d a s Preußen wendete, das am wenigsten mit
  19972. der Novemberdemokratie in Verbindung gebracht werden
  19973. kann. Denn nicht gegen die Väter der Weimarer Verfassung, die übrigens selbst zum größten Teil Süddeutsche oder
  19974. Juden waren, richteten sich Schmähungen und Angriffe dieser sogenannten „Föderalisten“, sondern gegen die Vertreter des alten konservativen Preußens, also die Antipoden der Weimarer Verfassung. Daß man sich dabei besonders hütete, den Juden anzutasten, darf nicht wundernehmen, liefert aber vielleicht den Schlüssel zur Lösung
  19975. des ganzen Rätsels.
  19976. So wie vor der Revolution der Jude die Aufmerksamkeit
  19977. von seinen Kriegsgesellschaften oder, besser, von sich selbst,
  19978. abzulenken verstand und die Masse, besonders des bayerischen Volkes, gegen Preußen umzustellen wußte, so mußte
  19979. er nach der Revolution auch den neuen und nun zehnmal
  19980. größeren Raubzug irgendwie decken. Und wieder gelang
  19981. es ihm, in diesem Fall die sogenannten „nationalen Elemente“ Deutschlands gegeneinander zu hetzen: k o n s e r -
  19982. 628
  19983. Jüdische Verhetzungstaktik
  19984. vativ eingestellte Bayern gegen ebenso
  19985. k o n s e r v a t i v d e n k e n d e P r e u ß e n . Und wieder
  19986. betrieb er es in gerissenster Weise, indem er, der allein
  19987. die Geschicke des Reiches an seinen Fäden hielt, so grobe
  19988. und taktlose Übergriffe provozierte, daß das Blut der
  19989. jeweils Betroffenen dadurch immer aufs neue in Wallung
  19990. geraten mußte. Nie aber gegen den Juden, sondern immer
  19991. gegen den deutschen Bruder. N i c h t d a s B e r l i n v o n
  19992. vier Millionen emsig arbeitenden, fleißigen,
  19993. schaffenden
  19994. Menschen
  19995. sah
  19996. der
  19997. Bayer, sondern das faule, zersetzte Berlin
  19998. des übelsten Westens! Doch nicht gegen
  19999. diesen Westen kehrte sich sein Haß, sondern gegen die „preußische“ Stadt.
  20000. Es war wirklich oft zum Verzweifeln.
  20001. Diese Geschicklichkeit des Juden, die öffentliche Aufmerksamkeit von sich abzulenken und anderweitig zu beschäftigen, kann man auch heute wieder studieren.
  20002. Im Jahre 1918 konnte von einem planmäßigen Antisemitismus gar keine Rede sein. Noch erinnere ich mich der
  20003. Schwierigkeiten, auf die man stieß, sowie man nur das
  20004. Wort Jude in den Mund nahm. Man wurde entweder
  20005. dumm angeglotzt, oder man erlebte heftigsten Widerstand.
  20006. Unsere ersten Versuche, der Öffentlichkeit den wahren Feind
  20007. zu zeigen, schienen damals fast aussichtslos zu sein, und
  20008. nur ganz langsam begannen sich die Dinge zum Besseren
  20009. zu wenden. So verfehlt der „S c h u t z - u n d T r u t z b u n d “ in seiner o r g a n i s a t o r i s c h e n Anlage war,
  20010. so groß war nichtsdestoweniger sein Verdienst, die Judenfrage als solche wieder aufgerollt zu haben. Jedenfalls
  20011. begann im Winter 1918/19 so etwas wie Antisemitismus
  20012. langsam Wurzel zu fassen. Später hat dann allerdings die
  20013. nationalsozialistische Bewegung die Judenfrage ganz anders
  20014. vorwärtsgetrieben. Sie hat es vor allem fertiggebracht,
  20015. dieses Problem aus dem engbegrenzten Kreise oberer und
  20016. kleinbürgerlicher Schichten herauszuheben und zum treibenden Motiv einer großen Volksbewegung umzuwandeln.
  20017. Kaum aber, daß es gelungen war, dem deutschen Volk in
  20018. Konfessionelle Zwietracht
  20019. 629
  20020. dieser Frage den großen, einigenden Kampfgedanken zu
  20021. schenken, als der Jude auch schon zur Gegenwehr schritt.
  20022. Er griff zu seinem alten Mittel. Mit fabelhafter Schnelligkeit hat er in die völkische Bewegung selbst die Brandfackel
  20023. des Zankes hineingeworfen und den Zwiespalt gesät. Am
  20024. Aufwerfen der ultramontanen Frage und
  20025. in der daraus erwachsenden gegenseitigen
  20026. B e k ä m p f u n g von Katholizismus und Protestantismus
  20027. stak, wie die Verhältnisse nun einmal lagen, die einzige
  20028. Möglichkeit, die öffentliche Aufmerksamkeit mit anderen
  20029. Problemen zu beschäftigen, um den konzentrierten Ansturm
  20030. vom Judentum abzuhalten. Wie die Männer, die gerade
  20031. diese Frage in unser Volk hineinschleuderten, sich an ihm
  20032. versündigten, das können sie niemals wieder gutmachen.
  20033. Der Jude hat jedenfalls das gewollte Ziel erreicht: Katholiken und Protestanten führen miteinander einen fröhlichen Krieg, und der Todfeind der arischen Menschheit und
  20034. des gesamten Christentums lacht sich ins Fäustchen.
  20035. So wie man es einst verstanden hatte, Jahre hindurch
  20036. die öffentliche Meinung mit dem Kampf zwischen Föderalismus und Unitarismus zu beschäftigen und sie darin
  20037. aufzureiben, indes der Jude die Freiheit der Nation verschacherte und unser Vaterland der internationalen Hochfinanz verriet, so gelingt es ihm jetzt wieder, die zwei deutschen Konfessionen gegeneinander Sturm laufen zu lassen,
  20038. während beider Grundlagen vom Gift des internationalen
  20039. Weltjuden zerfressen und unterhöhlt werden.
  20040. Man halte sich die Verwüstungen vor Augen, welche die
  20041. jüdische Bastardierung jeden Tag an unserem Volke anrichtet, und man bedenke, daß diese Blutvergiftung nur
  20042. nach Jahrhunderten oder überhaupt nicht mehr aus unserem Volkskörper entfernt werden kann; man bedenke weiter, wie die rassische Zersetzung die letzten arischen Werte
  20043. unseres deutschen Volkes herunterzieht, ja oft vernichtet,
  20044. so daß unsere Kraft als kulturtragende Nation ersichtlich
  20045. mehr und mehr im Rückzug begriffen ist, und wir der
  20046. Gefahr anheimfallen, wenigstens in unseren Großstädten
  20047. dorthin zu kommen, wo Süditalien heute bereits ist. Diese
  20048. 630
  20049. Konfessionelle Zwietracht
  20050. Verpestung unseres Blutes, an der Hunderttausende unseres Volkes wie blind vorübergehen, wird aber vom Juden
  20051. heute planmäßig betrieben. Planmäßig schänden diese
  20052. schwarzen Völkerparasiten unsere unerfahrenen, jungen
  20053. blonden Mädchen und zerstören dadurch etwas, was auf
  20054. dieser Welt nicht mehr ersetzt werden kann. Beide, jawohl,
  20055. beide christliche Konfessionen sehen dieser Entweihung und
  20056. Zerstörung eines durch Gottes Gnade der Erde gegebenen
  20057. edlen und einzigartigen Lebewesens gleichgültig zu. Für
  20058. die Zukunft der Erde liegt aber die Bedeutung nicht darin,
  20059. ob die Protestanten die Katholiken oder die Katholiken
  20060. die Protestanten besiegen, sondern darin, ob der arische
  20061. Mensch ihr erhalten bleibt oder ausstirbt. Dennoch kämpfen die beiden Konfessionen heute nicht etwa gegen den
  20062. Vernichter dieser Menschen, sondern suchen sich selbst gegenseitig zu vernichten. Gerade der völkisch Eingestellte
  20063. hätte die heiligste Verpflichtung, jeder in seiner eigenen
  20064. Konfession dafür zu sorgen, d a ß m a n n i c h t n u r
  20065. immer
  20066. äußerlich
  20067. von
  20068. Gottes
  20069. Willen
  20070. redet, sondern auch tatsächlich Gottes
  20071. Willen erfülle und Gottes Werk nicht
  20072. s c h ä n d e n l a s s e . Denn Gottes Wille gab den Menschen einst ihre Gestalt, ihr Wesen und ihre Fähigkeiten.
  20073. Wer sein Werk zerstört, sagt damit der Schöpfung des
  20074. Herrn, dem göttlichen Wollen, den Kampf an. Darum
  20075. sei jeder tätig, und zwar jeder gefälligst in seiner
  20076. Konfession, und jeder empfinde es als seine erste und
  20077. heiligste Pflicht, Stellung gegen den zu nehmen, der in
  20078. seinem Wirken durch Reden oder Handeln aus dem Rahmen seiner eigenen Glaubensgemeinschaft heraustritt und
  20079. in die andere hineinzustänkern versucht. Denn das Bekämpfen von Wesenseigenheiten einer Konfession innerhalb
  20080. unserer einmal vorhandenen religiösen Spaltung führt in
  20081. Deutschland zwangsläufig zu einem Vernichtungskrieg
  20082. zwischen beiden Konfessionen. Unsere Verhältnisse gestatten
  20083. hier gar keinen Vergleich etwa mit Frankreich oder Spanien oder gar Italien. Man kann zum Beispiel in allen
  20084. drei Ländern einen Kampf gegen den Klerikalismus oder
  20085. Konfessionelle Zwietracht
  20086. 631
  20087. Ultramontanismus propagieren, ohne Gefahr zu laufen,
  20088. daß bei diesem Versuch das französische, spanische oder italienische Volk als solches auseinanderfalle. Man darf dies
  20089. aber nicht in Deutschland, da sich hier sicher auch die Protestanten an einem solchen Beginnen beteiligen würden.
  20090. Damit erhält jedoch die Abwehr, die anderswo nur von
  20091. Katholiken gegen Übergriffe politischer Art ihrer eigenen
  20092. Oberhirten stattfinden würde, sofort den Charakter eines
  20093. Angriffs von Protestantismus gegen Katholizismus. Was
  20094. von Angehörigen der eigenen Konfession, selbst wenn es
  20095. ungerecht ist, immer noch ertragen wird, findet augenblicklich schärfste Ablehnung von vornherein, sowie der Bekämpfer einer anderen Glaubensgemeinschaft entstammt.
  20096. Dies geht so weit, daß selbst Menschen, die an sich ohne
  20097. weiteres bereit wären, einen ersichtlichen Mißstand innerhalb ihrer eigenen religiösen Glaubensgemeinschaft abzustellen, sofort davon abgehen und ihren Widerstand nach
  20098. außen kehren, sowie von einer nicht zu ihrer Gemeinschaft
  20099. gehörigen Stelle eine solche Korrektur empfohlen oder gar
  20100. gefordert wird. Sie empfinden dies als einen ebenso unberechtigten wie unzulässigen, ja unanständigen Versuch, sich
  20101. in Dinge einzumischen, die den Betreffenden nichts angehen. Derartige Versuche werden auch dann nicht entschuldigt, wenn sie mit dem höheren Recht der Interessen
  20102. der nationalen Gemeinschaft begründet werden, da heute
  20103. religiöse Gefühle immer noch tiefer sitzen als alle nationalen
  20104. und politischen Zweckmäßigkeiten. Und dies wird auch gar
  20105. nicht anders dadurch, daß man nun die beiden Konfessionen
  20106. in einen gegenseitigen erbitterten Kampf hineintreibt, sondern vermöchte nur anders zu werden, indem man durch
  20107. beiderseitige Verträglichkeit der Nation eine Zukunft
  20108. schenkte, die in ihrer Größe allmählich auch auf diesem
  20109. Gebiet versöhnend wirken würde.
  20110. Ich stehe nicht an, zu erklären, daß ich in den Männern,
  20111. die heute die völkische Bewegung in die Krise religiöser
  20112. Streitigkeiten hineinziehen, schlimmere Feinde meines
  20113. Volkes sehe als im nächstbesten international eingestellten
  20114. Kommunisten. Denn diesen zu bekehren, ist die national-
  20115. 632
  20116. Konfessionelle Zwietracht
  20117. sozialistische Bewegung berufen. Wer aber diese aus ihren
  20118. eigenen Reihen heraus von ihrer wirklichen Mission entfernt, handelt am verwerflichsten. Er ist, ob bewußt oder
  20119. unbewußt spielt gar keine Rolle, ein Streiter für jüdische
  20120. Interessen. Denn jüdisches Interesse ist es heute, die völkische Bewegung in dem Augenblick in einem religiösen
  20121. Kampf verbluten zu lassen, in dem sie beginnt, für den
  20122. Juden eine Gefahr zu werden. Und ich betone ausdrücklich
  20123. das Wort verbluten lassen; denn nur ein geschichtlich ganz
  20124. ungebildeter Mann kann sich vorstellen, mit dieser Bewegung heute eine Frage lösen zu können, an der Jahrhunderte und große Staatsmänner zerschellt sind.
  20125. Im übrigen sprechen die Tatsachen für sich. Die Herren,
  20126. die im Jahre 1924 plötzlich entdeckten, daß die oberste
  20127. Mission der völkischen Bewegung der Kampf gegen den
  20128. „Ultramontanismus“ sei, haben nicht den Ultramontanismus zerbrochen, aber die völkische Bewegung zerrissen. Ich
  20129. muß mich auch dagegen verwahren, daß in den Reihen der
  20130. völkischen Bewegung irgendein unreifer Kopf vermeint,
  20131. das zu können, was selbst ein Bismarck nicht konnte.
  20132. Es wird immer die oberste Pflicht der Leitung der
  20133. nationalsozialistischen Bewegung sein, gegen jeden Versuch,
  20134. die nationalsozialistische Bewegung in den Dienst solcher
  20135. Kämpfe zu stellen, schärfstens Front zu machen und die
  20136. Propagandisten einer solchen Absicht augenblicklich aus den
  20137. Reihen der Bewegung zu entfernen. Tatsächlich war es auch
  20138. bis Herbst 1923 restlos gelungen. Es konnte in den Reihen
  20139. unserer Bewegung der g l ä u b i g s t e
  20140. Protestant
  20141. n e b e n d e m g l ä u b i g s t e n K a t h o l i k e n sitzen, ohne
  20142. je in den geringsten Gewissenskonflikt mit seiner religiösen
  20143. Überzeugung geraten zu müssen. Der gemeinsame gewaltige
  20144. Kampf, den die beiden gegen den Zerstörer der arischen
  20145. Menschheit führten, hat sie im Gegenteil gelehrt, sich
  20146. gegenseitig zu achten und zu schätzen. Und dabei hat gerade
  20147. in diesen Jahren die Bewegung den schärfsten Kampf
  20148. gegen das Zentrum ausgefochten, allerdings nie aus
  20149. religiösen, sondern ausschließlich aus national-, rasse- und
  20150. Bundes- oder Einheitsstaat?
  20151. 633
  20152. wirtschaftspolitischen Gründen. Der Erfolg sprach damals
  20153. genau so für uns, wie er heute gegen die Besserwisser
  20154. zeugt.
  20155. Es ist in den letzten Jahren manchesmal so weit gekommen, daß völkische kreise in der gottverlassenen Blindheit
  20156. ihrer konfessionellen Auseinandersetzungen den Wahnsinn
  20157. ihres Handelns nicht einmal daraus erkannten, daß atheistische Marxistenzeitungen nach Bedarf plötzlich Anwälte
  20158. religiöser Glaubensgemeinschaften wurden, um durch Hinund Hertragen von manchmal wirklich zu dummen Äußerungen die eine oder die andere Seite zu belasten und das
  20159. Feuer dadurch zum äußersten zu schüren.
  20160. Gerade bei einem Volk aber, das, wie das deutsche, in
  20161. seiner Geschichte schon so oft bewiesen hat, daß es imstande
  20162. ist, für Phantome Kriege bis zum Weißbluten zu führen,
  20163. wird jeder solche Kampfruf todgefährlich sein. Immer
  20164. wurde dadurch unser Volk von den wirklich realen Fragen
  20165. seines Daseins abgelenkt. Während wir in religiösen Streitigkeiten uns verzehrten, wurde die andere Welt verteilt.
  20166. Und während die völkische Bewegung überlegt, ob die
  20167. ultramontane Gefahr größer ist als die jüdische oder umgekehrt, zerstört der Jude die rassischen Grundlagen unseres
  20168. Daseins und v e r n i c h t e t d a d u r c h u n s e r V o l k f ü r
  20169. i m m e r . Ich kann, was diese Art von „völkischen“ Kämpfern betrifft, der nationalsozialistischen Bewegung und damit auch dem deutschen Volke aus aufrichtigstem Herzen nur
  20170. wünschen: Herr, bewahre sie vor solchen Freunden, auch
  20171. sie wird mit ihren Feinden dann schon fertig werden.
  20172. Der in den Jahren 1919/20/21 und weiterhin von den
  20173. Juden in so schlauer Weise propagierte Kampf zwischen
  20174. Föderalismus und Unitarismus zwang, bei aller Ablehnung desselben, doch auch die nationalsozialistische Bewegung, zu seinen wesentlichen Problemen Stellung zu
  20175. nehmen. Soll Deutschland B u n d e s - o d e r E i n h e i t s s t a a t sein, und was hat man praktisch unter beiden zu
  20176. verstehen? Mir scheint die wichtigere Frage die zweite zu
  20177. 634
  20178. Bundes- oder Einheitsstaat?
  20179. sein, weil sie nicht nur zum Verständnis des ganzen Problems grundlegend ist, sondern auch weil sie klärend ist
  20180. und versöhnenden Charakter besitzt.
  20181. Was ist ein Bundesstaat?
  20182. Unter Bundesstaat verstehen wir einen Verband von
  20183. souveränen Staaten, die aus freiem Willen kraft ihrer
  20184. Souveränität sich zusammenschließen und dabei jenen Teil
  20185. der Hoheitsrechte im einzelnen an die Gesamtheit abtreten,
  20186. der die Existenz des gemeinsamen Bundes ermöglicht und
  20187. gewährleistet.
  20188. Diese theoretische Formulierung trifft in der Praxis bei
  20189. keinem der heute auf Erden bestehenden Bundesstaaten
  20190. restlos zu. Am wenigsten bei der amerikanischen Union, in
  20191. welcher beim weitaus größten Teil der Einzelstaaten von
  20192. irgendeiner ursprünglichen Souveränität überhaupt nicht
  20193. geredet werden kann, sondern viele derselben erst im Laufe
  20194. der Zeit gewissermaßen hineingezeichnet wurden in die Gesamtfläche des Bundes. Daher handelt es sich bei den Einzelstaaten der amerikanischen Union auch in den meisten
  20195. Fällen mehr um kleinere und größere, aus verwaltungstechnischen Gründen gebildete, vielfach mit dem Lineal abgegrenzte Territorien, die vordem eigene staatliche Souveränität nicht besessen hatten und auch gar nicht besitzen
  20196. konnten. Denn nicht diese Staaten hatten die Union gebildet, sondern die Union gestaltete erst einen großen Teil
  20197. solcher sogenannter Staaten. Die dabei den einzelnen Territorien überlassenen, oder besser zugesprochenen, höchst
  20198. umfangreichen Selbstrechte entsprechen nicht nur dem ganzen Wesen dieses Staatenbundes, sondern vor allem auch
  20199. der Größe seiner Grundfläche, seinen räumlichen Dimensionen, die ja fast dem Ausmaß eines Kontinents gleichkommen. Man kann somit bei den Staaten der amerikanischen Union nicht von deren staatlicher Souveränität sprechen, sondern nur von deren verfassungsmäßig festgelegten
  20200. und garantierten Rechten, besser vielleicht Befugnissen.
  20201. Auch für Deutschland ist die obige Formulierung nicht
  20202. voll und ganz zutreffend. Obwohl in Deutschland ohne
  20203. Zweifel zuerst die Einzelstaaten, und zwar als Staaten, be-
  20204. Bundes- oder Einheitsstaat?
  20205. 635
  20206. standen hatten und aus ihnen das Reich gebildet wurde.
  20207. Allein schon die Bildung des Reiches ist nicht erfolgt auf
  20208. Grund des freien Willens oder gleichen Zutuns der Einzelstaaten, sondern durch die Auswirkung der Hegemonie
  20209. eines Staates unter ihnen, Preußens. Schon die rein territorial große Verschiedenheit der deutschen Staaten gestattet
  20210. keinen Vergleich mit der Gestaltung zum Beispiel der
  20211. amerikanischen Union. Der Größenunterschied zwischen den
  20212. einstigen kleinsten deutschen Bundesstaaten und den größeren oder gar dem größten erweist die Nichtgleichartigkeit
  20213. der Leistungen, aber auch das Ungleichmäßige des Anteils an
  20214. der Begründung des Reiches, an der Formung des Bundesstaates. Tatsächlich konnte man aber auch bei den meisten
  20215. dieser Staaten von einer wirklichen Souveränität nicht
  20216. sprechen, außer das Wort Staatssouveränität hätte keine
  20217. andere Bedeutung als die einer amtlichen Phrase. In
  20218. Wirklichkeit hatte nicht nur die Vergangenheit, sondern
  20219. auch die Gegenwart mit zahlreichen dieser sogenannten
  20220. „souveränen Staaten“ aufgeräumt und damit am klarsten
  20221. die Schwäche dieser „souveränen“ Gebilde bewiesen.
  20222. Es soll hier nicht festgestellt werden, wie im einzelnen
  20223. diese Staaten sich geschichtlich bildeten, wohl aber, daß sie
  20224. fast in keinem Falle sich mit stammesmäßigen Grenzen
  20225. decken. Sie sind rein politische Erscheinungen und reichen
  20226. mit ihren Wurzeln meist in die traurigste Zeit der Ohnmacht des Deutschen Reiches und der sie bedingenden, wie
  20227. auch umgekehrt dadurch selbst wieder bedingten Zersplitterung unseres deutschen Vaterlandes.
  20228. Dem allem trug, wenigstens teilweise, die Verfassung des
  20229. alten Reiches auch Rechnung, insofern sie im Bundesrat
  20230. den einzelnen Staaten nicht die gleiche Vertretung einräumte, sondern entsprechend der Größe und tatsächlichen
  20231. Bedeutung sowie der Leistung der Einzelstaaten bei der
  20232. Bildung des Reiches Abstufungen vornahm.
  20233. Die von den Einzelstaaten zur Ermöglichung der Reichsbildung abgetretenen Hoheitsrechte wurden nur zum kleinsten Teil aus eigenem Willen aufgegeben, zum größten
  20234. Teil waren sie praktisch entweder ohnehin nicht vorhanden,
  20235. 636
  20236. Bundes- oder Einheitsstaat?
  20237. oder sie waren unter dem Druck der preußischen Übermacht
  20238. einfach genommen worden. Allerdings ging Bismarck dabei
  20239. nicht von dem Grundsatz aus, dem Reiche zu geben, was
  20240. den einzelnen Staaten nur irgend genommen werden
  20241. konnte, sondern von den Einzelstaaten nur abzuverlangen,
  20242. was das Reich unbedingt brauchte. Ein ebenso gemäßigter
  20243. wie weiser Grundsatz, der auf der einen Seite auf Gewohnheit und Tradition die höchste Rücksicht nahm und auf der
  20244. anderen dadurch von vornherein dem neuen Reich ein
  20245. großes Maß von Liebe und freudiger Mitarbeit sicherte. Es
  20246. ist aber grundfalsch, diesen Entschluß Bismarcks etwa seiner
  20247. Überzeugung zuzuschreiben, daß damit das Reich für alle
  20248. Zeit genügend an Hoheitsrechten besäße. Diese Überzeugung
  20249. hatte Bismarck keineswegs; im Gegenteil, er wollte nur
  20250. der Zukunft überlassen, was im Augenblick schwer durchzuführen und zu ertragen gewesen wäre. Er hoffte auf die
  20251. langsam ausgleichende Wirkung der Zeit und auf den Druck
  20252. der Entwicklung an sich, der er auf die Dauer mehr Kraft
  20253. zutraute als einem Versuch, die augenblicklichen Widerstände der einzelnen Staaten sofort zu brechen. Er hat damit die Größe seiner staatsmännischen Kunst gezeigt und
  20254. am besten bewiesen. Denn in Wirklichkeit ist die Souveränität des Reiches dauernd auf Kosten der Souveränität
  20255. der einzelnen Staaten gestiegen. Die Zeit hat erfüllt, was
  20256. Bismarck sich von ihr erhoffte.
  20257. Mit dem deutschen Zusammenbruch und der Vernichtung
  20258. der monarchischen Staatsform ist diese Entwicklung zwangsläufig beschleunigt worden. Denn da die einzelnen deutschen Staaten ihr Dasein weniger stammesmäßigen Unterlagen als rein politischen Ursachen zuzuschreiben hatten,
  20259. mußte die Bedeutung dieser Einzelstaaten in dem Augenblick in ein Nichts zusammensinken, in dem die wesentlichste
  20260. Verkörperung der politischen Entwicklung dieser Staaten,
  20261. die
  20262. monarchische
  20263. Staatsform
  20264. und
  20265. ihre
  20266. D y n a s t i e n , ausgeschaltet wurden. Eine ganze Anzahl
  20267. dieser „Staatsgebilde“ verlor dadurch so sehr jeglichen
  20268. inneren Halt, daß sie damit von selbst auf ein weiteres
  20269. Dasein Verzicht leisteten und sich aus reinen Zweckmäßig-
  20270. Bundes- oder Einheitsstaat?
  20271. 637
  20272. keitsgründen mit anderen zusammenschlossen oder aus
  20273. freiem Willen in größeren aufgingen; der schlagendste Beweis für die außerordentliche Schwäche der tatsächlichen
  20274. Souveränität dieser kleinen Gebilde und der geringen Einschätzung, die sie selbst bei ihren eigenen Bürgern fanden.
  20275. Hat also die Beseitigung der monarchischen Staatsform
  20276. und ihrer Träger dem bundesstaatlichen Charakter des
  20277. Reiches schon einen starken Stoß versetzt, so noch mehr die
  20278. Übernahme der aus dem „Friedens“-Vertrag resultierenden
  20279. Verpflichtungen.
  20280. Daß die bisher bei den Ländern liegende Finanzhoheit
  20281. an das Reich verlorenging, war im selben Augenblick
  20282. natürlich und selbstverständlich, in welchem das Reich durch
  20283. den verlorenen Krieg einer finanziellen Verpflichtung unterworfen wurde, die durch Einzelbeiträge der Länder niemals
  20284. mehr ihre Deckung gefunden hätte. Auch die weiteren
  20285. Schritte, die zur Übernahme von Post und Eisenbahn durch
  20286. das Reich führten, waren zwangsläufige Auswirkungen der
  20287. durch die Friedensverträge allmählich in die Wege geleiteten Versklavung unseres Volkes. Das Reich war gezwungen, sich in den geschlossenen Besitz immer neuer Werte zu
  20288. setzen, um den Verpflichtungen, die infolge weiterer Auspressungen eintraten, genügen zu können.
  20289. So wahnwitzig häufig die F o r m e n waren, unter denen
  20290. sich die Verreichlichung vollzog, so logisch und selbstverständlich war der Vorgang an sich. Schuld daran trugen die
  20291. Parteien und Männer, die einst nicht alles getan hatten,
  20292. um den Krieg siegreich zu beenden. Schuld daran hatten,
  20293. besonders in Bayern, die Parteien, die in Verfolgung
  20294. egoistischer Selbstziele dem Reichsgedanken während des
  20295. Krieges entzogen hatten, was sie nach dem Verlust desselben zehnfach ersetzen mußten. Rächende Geschichte! Nur
  20296. kam die Strafe des Himmels selten so jäh nach der Versündigung als in diesem Falle. Dieselben Parteien, die
  20297. noch wenige Jahre vordem die Interessen ihrer Einzelstaaten – und dies besonders in Bayern – über das Interesse des Reiches gestellt hatten, mußten es nun erleben,
  20298. wie unter dem Druck der Geschehnisse das Interesse des
  20299. 638
  20300. Bundes- oder Einheitsstaat?
  20301. Reiches die Existenz der Einzelstaaten abwürgte. Alles
  20302. durch ihr eigenes Mitverschulden.
  20303. Es ist eine Heuchelei sondergleichen, den Wählermassen
  20304. gegenüber (denn nur an diese richtet sich die Agitation
  20305. unserer heutigen Parteien) über den Verlust von Hoheitsrechten der einzelnen Länder zu klagen, während sich alle
  20306. diese Parteien ausnahmslos gegenseitig überboten haben
  20307. in einer Erfüllungspolitik, die in ihren letzten Konsequenzen natürlich auch zu tiefgreifenden Veränderungen im
  20308. inneren Deutschland führen mußte. Das Bismarcksche Reich
  20309. war nach außen frei und ungebunden. Finanzielle Verpflichtungen so schwerwiegender und dabei völlig unproduktiver Art, wie sie das heutige Dawes-Deutschland zu tragen hat, besaß dieses Reich nicht. Allein auch im Innern
  20310. war es in seiner Kompetenz auf wenige und unbedingt
  20311. notwendige Belange beschränkt. Somit konnte es sehr wohl
  20312. einer eigenen Finanzhoheit entbehren und von den Beiträgen der Länder leben; und es ist selbstverständlich, daß
  20313. einerseits die Wahrung des Besitzes eigener Hoheitsrechte
  20314. und andererseits verhältnismäßig geringe finanzielle Abgaben an das Reich der Reichsfreudigkeit der Länder sehr
  20315. zustatten kamen. Es ist aber unrichtig, ja unaufrichtig,
  20316. heute mit der Behauptung Propaganda machen zu wollen,
  20317. daß die derzeit mangelnde Reichsfreudigkeit bloß der
  20318. f i n a n z i e l l e n H ö r i g k e i t der Länder dem Reiche
  20319. gegenüber zuzuschreiben wäre. Nein, so liegen die Dinge
  20320. wirklich nicht. D i e m i n d e r e F r e u d e a m R e i c h s gedanken ist nicht dem Verluste von Hoheitsrechten
  20321. seitens
  20322. der
  20323. Länder
  20324. zuzuschreiben, sondern ist vielmehr das Resultat der jammervollen Repräsentation, die
  20325. das deutsche Volk derzeit durch seinen
  20326. S t a a t e r f ä h r t . Trotz aller Reichsbanner- und Verfassungsfeiern ist das heutige Reich dem Herzen des Volkes
  20327. in allen Schichten fremd geblieben, und republikanische
  20328. Schutzgesetze können wohl von einer Verletzung republikanischer Einrichtungen abschrecken, sich aber niemals die
  20329. Liebe auch nur eines einzigen Deutschen erwerben. I n
  20330. Bundes- oder Einheitsstaat?
  20331. 639
  20332. der übergroßen Sorge, die Republik vor
  20333. ihren eigenen Bürgern durch Paragraphen
  20334. und Zuchthaus zu schützen, liegt die vernichtendste Kritik und Herabsetzung der
  20335. gesamten Institution selbst.
  20336. Allein auch aus einem anderen Grunde ist die von gewissen Parteien heute aufgestellte Behauptung, daß das
  20337. Schwinden der Reichsfreudigkeit den Übergriffen des Reiches auf bestimmte Hoheitsrechte der Länder zuzuschreiben
  20338. wäre, unwahr. Angenommen, das Reich hätte die Erweiterung seiner Kompetenzen nicht vorgenommen, so
  20339. glaube man doch ja nicht, daß dann die Liebe der einzelnen
  20340. Länder zum Reich eine größere wäre, wenn nichtsdestoweniger die Gesamtausgaben dieselben sein müßten wie
  20341. jetzt. Im Gegenteil: Würden die einzelnen Länder heute
  20342. Abgaben in der Höhe zu tragen haben, wie sie das Reich
  20343. zur Erfüllung der Versklavungsdiktate braucht, so würde
  20344. die Reichsfeindlichkeit noch unendlich viel größer sein. Die
  20345. Beiträge der Länder an das Reich wären nicht nur sehr
  20346. schwer hereinzubringen, sondern müßten geradezu auf dem
  20347. Wege der Zwangsexekution eingetrieben werden. Denn
  20348. da die Republik nun einmal auf dem Boden der Friedensverträge steht und weder den Mut noch irgendwie die
  20349. Absicht besitzt, sie zu brechen, muß sie mit ihren Verpflichtungen rechnen. S c h u l d d a r a n s i n d j e d o c h w i e der nur die Parteien, die ununterbrochen
  20350. den geduldigen Wählermassen von der notwendigen Selbständigkeit der Länder vorreden, dabei aber eine Reichspolitik fördern und unterstützen, die ganz zwangsläufig zur Beseitigung auch der letzten
  20351. dieser sogenannten „Hoheitsrechte“ führen muß.
  20352. Ich sage z w a n g s l ä u f i g deshalb, weil dem heutigen
  20353. Reich gar keine andere Möglichkeit bleibt, seinen durch
  20354. eine verruchte Innen- und Außenpolitik aufgebürdeten
  20355. Lasten gerecht zu werden. Auch hier treibt ein Keil den
  20356. anderen, und jede neue Schuld, die das Reich durch seine
  20357. 640
  20358. Nationalstaat oder Sklavenkolonie?
  20359. verbrecherische Vertretung deutscher Interessen nach außen
  20360. auf sich lädt, muß im Innern durch einen stärkeren Druck
  20361. nach unten ausgeglichen werden, der seinerseits wieder die
  20362. allmähliche Beseitigung sämtlicher Hoheitsrechte der einzelnen Staaten erfordert, um nicht in ihnen Keimzellen des
  20363. Widerstandes erstehen oder auch nur bestehen zu lassen.
  20364. Überhaupt muß als charakteristischer Unterschied der
  20365. heutigen Reichspolitik gegenüber der von einst festgestellt
  20366. werden: D a s a l t e R e i c h g a b i m I n n e r n F r e i heit und bewies nach außen Stärke, während die Republik nach außen Schwäche
  20367. zeigt und im Innern die Bürger unterd r ü c k t . In beiden Fällen bedingt das eine das andere:
  20368. Der kraftvolle Nationalstaat braucht nach
  20369. innen weniger Gesetze infolge der größeren Liebe und Anhänglichkeit seiner Bürger, der internationale Sklavenstaat kann
  20370. nur durch Gewalt seine Untertanen zum
  20371. F r o n d i e n s t a n h a l t e n . Denn es ist eine der unverschämtesten Frechheiten des heutigen Regiments, von „freien
  20372. Bürgern“ zu reden. Solche besaß nur das alte Deutschland.
  20373. Die Republik als Sklavenkolonie des Auslandes hat keine Bürger, sondern bestenf a l l s U n t e r t a n e n . Sie besitzt deshalb auch keine
  20374. N a t i o n a l f l a g g e , sondern nur eine durch behördliche
  20375. Verfügungen und gesetzliche Bestimmungen eingeführte
  20376. und bewachte M u s t e r s c h u t z m a r k e . Dieses als Geßlerhut der deutschen Demokratie empfundene Symbol wird
  20377. daher auch unserem Volke immer innerlich fremd bleiben.
  20378. Die Republik, die seinerzeit ohne jedes Gefühl für Tradition und ohne jede Ehrfurcht vor der Größe der Vergangenheit deren Symbole in den Kot trat, wird einst
  20379. staunen, wie oberflächlich die Untertanen an ihren eigenen Symbolen hängen. Sie hat sich selbst den Charakter eines Intermezzos der deutschen Geschichte gegeben.
  20380. So ist dieser Staat heute um seines eigenen Bestandes
  20381. willen gezwungen, die Hoheitsrechte der einzelnen Länder
  20382. Vereinheitlichungstendenzen
  20383. 641
  20384. mehr und mehr zu beschneiden, nicht nur aus allgemein
  20385. materiellen Gesichtspunkten, sondern auch aus ideellen.
  20386. Denn indem er seinen Bürgern das letzte Blut durch seine
  20387. finanzielle Erpresserpolitik entzieht, muß er ihnen zwangsläufig auch die letzten Rechte nehmen, wenn er nicht will,
  20388. daß die allgemeine Unzufriedenheit eines Tages zur hellen
  20389. Rebellion ausschlägt.
  20390. In Umkehrung obenstehenden Satzes ergibt sich für uns
  20391. Nationalsozialisten folgende grundlegende Regel: E i n
  20392. kraftvolles
  20393. nationales
  20394. Reich,
  20395. das
  20396. die
  20397. Interessen seiner Bürger nach außen im
  20398. höchsten
  20399. Umfange
  20400. wahrnimmt
  20401. und
  20402. beschirmt, vermag nach innen Freiheit zu
  20403. bieten, ohne für die Festigkeit des Staates
  20404. bangen zu müssen. Andererseits kann aber
  20405. eine kraftvolle nationale Regierung selbst
  20406. große Eingriffe in die Freiheit des einzelnen sowohl als der Länder ohne Schaden für den Reichsgedanken vornehmen
  20407. und
  20408. verantworten,
  20409. wenn
  20410. der
  20411. einzelne
  20412. Bürger in solchen Maßnahmen ein Mittel
  20413. zur Größe seines Volkstums erkennt.
  20414. Sicherlich gehen alle Staaten der Welt in ihrer inneren
  20415. Organisation einer gewissen Vereinheitlichung entgegen.
  20416. Auch Deutschland wird hierin keine Ausnahme machen. Es
  20417. ist heute schon ein Unsinn, von einer „Staatssouveränität“
  20418. einzelner Länder zu sprechen, die in Wirklichkeit schon durch
  20419. die lächerliche Größe dieser Gebilde nicht gegeben ist. Sowohl auf verkehrs- als auch auf verwaltungstechnischem
  20420. Gebiete wird die Bedeutung der Einzelstaaten immer mehr
  20421. heruntergedrückt. Der moderne Verkehr, die moderne Technik läßt Entfernung und Raum immer mehr zusammenschrumpfen. Ein Staat von einst stellt heute nur mehr eine
  20422. Provinz dar, und Staaten der Gegenwart galten früher Kontinenten gleich. Die Schwierigkeit, rein technisch gemessen,
  20423. einen Staat wie Deutschland zu verwalten, ist nicht größer
  20424. als die Schwierigkeit der Leitung einer Provinz wie Brandenburg vor hundertzwanzig Jahren. Die Überwindung der
  20425. 22
  20426. 642
  20427. Mißbrauch der Zentralisierung
  20428. Entfernung von München nach Berlin ist heute leichter
  20429. als die von München nach Starnberg vor hundert Jahren.
  20430. Und das ganze Reichsgebiet von heute ist im Verhältnis
  20431. zur derzeitigen Verkehrstechnik kleiner als irgendein mittlerer deutscher Bundesstaat zur Zeit der Napoleonischen
  20432. Kriege. Wer sich den aus einmal gegebenen Tatsachen
  20433. resultierenden Folgen verschließt, bleibt eben in der Zeit
  20434. zurück. Menschen, welche dies tun, gab es zu allen Zeiten
  20435. und wird es auch in der Zukunft immer geben. Sie können
  20436. jedoch das Rad der Geschichte kaum hemmen, niemals zum
  20437. Stillstand bringen.
  20438. Wir Nationalsozialisten dürfen an den Konsequenzen
  20439. dieser Wahrheiten nicht blind vorübergehen. Auch hier
  20440. dürfen wir uns nicht einfangen lassen von den Phrasen
  20441. unserer sogenannten nationalen bürgerlichen Parteien.
  20442. Ich gebrauche die Bezeichnung Phrasen deshalb, weil diese
  20443. Parteien selber gar nicht ernstlich an die Möglichkeit einer
  20444. Durchführung ihrer Absichten glauben, und weil sie zweitens selber mit- und hauptschuldig sind an der heutigen
  20445. Entwicklung. Besonders in Bayern ist der Schrei nach dem
  20446. Abbau der Zentralisation wirklich nur mehr eine Parteimache ohne jeden ernsten Hintergedanken. In allen Augenblicken, da diese Parteien aus ihren Phrasen wirklich Ernst
  20447. hätten machen müssen, versagten sie ausnahmslos jämmerlich. Jeder sogenannte „Raub an Hoheitsrechten“ des
  20448. bayerischen Staates durch das Reich wurde, abgesehen von
  20449. einem widerlichen Gekläff, praktisch widerstandslos hingenommen. J a , w e n n w i r k l i c h e s e i n e r w a g t e ,
  20450. gegen dieses irrsinnige System ernstlich
  20451. Front zu machen, dann wurde der, „als
  20452. nicht auf dem Boden des heutigen Staates
  20453. stehend“, von denselben Parteien verfemt
  20454. und verdammt und so lange verfolgt, bis
  20455. man ihn entweder durch das Gefängnis
  20456. oder ein gesetzwidriges Redeverbot mundt o t g e m a c h t h a t t e . Gerade daraus müssen unsere Anhänger am meisten die innere Verlogenheit dieser sogenannten föderalistischen Kreise erkennen. So wie zum Teil
  20457. Unterdrückung der Einzelstaaten
  20458. 643
  20459. die Religion ist ihnen auch der föderative Staatsgedanke
  20460. nur ein Mittel für ihre oft schmutzigen Parteiinteressen.
  20461. So sehr also eine gewisse Vereinheitlichung besonders auf dem Gebiete des Verkehrswesens natürlich erscheint, so sehr
  20462. kann doch für uns Nationalsozialisten die
  20463. Verpflichtung bestehen, gegen eine solche
  20464. Entwicklung im heutigen Staat schärfstens Stellung zu nehmen, nämlich dann,
  20465. wenn die Maßnahmen nur den Zweck haben,
  20466. eine verhängnisvolle Außenpolitik zu dekk e n u n d z u e r m ö g l i c h e n . Gerade weil das heutige
  20467. Reich die sogenannte Verreichlichung von Eisenbahn, Post,
  20468. Finanzen usw. nicht aus höheren nationalpolitischen Gesichtspunkten vorgenommen hat, sondern nur, um damit
  20469. die Mittel und Pfänder in die Hand zu bekommen für
  20470. eine uferlose Erfüllungspolitik, müssen wir Nationalsozialisten alles tun, was irgend geeignet erscheint, die Durchführung einer solchen Politik zu erschweren, womöglich zu
  20471. verhindern. Dazu gehört aber der Kampf gegen die heutige
  20472. Zentralisierung lebenswichtiger Einrichtungen unseres Volkes, die nur vorgenommen wird, um dadurch die Milliardenbeträge und Pfandobjekte für unsere Nachkriegspolitik
  20473. dem Auslande gegenüber flüssig zu machen.
  20474. Aus diesem Grunde hat auch die nationalsozialistische
  20475. Bewegung gegen solche Versuche Stellung genommen.
  20476. Der zweite Grund, der uns veranlassen kann, einer derartigen Zentralisierung Widerstand zu leisten, ist der, daß
  20477. dadurch die Macht eines Regierungssystems im Innern
  20478. gefestigt werden könnte, das in seinen gesamten Auswirkungen das schwerste Unglück über die deutsche Nation
  20479. gebracht hat. D a s h e u t i g e j ü d i s c h - d e m o k r a tische Reich, das für die deutsche Nation
  20480. zum wahren Fluch geworden ist, sucht die
  20481. Kritik der Einzelstaaten, die noch nicht
  20482. 644
  20483. Zentralisation begünstigt Parteiwirtschaft
  20484. sämtlich von diesem Zeitgeist erfüllt sind,
  20485. unwirksam zu machen durch deren Herabdrücken zu vollständiger Bedeutungslos i g k e i t . Demgegenüber haben wir Nationalsozialisten
  20486. allen Anlaß, zu versuchen, der Opposition dieser Einzelstaaten nicht nur die Grundlage einer erfolgverheißenden
  20487. staatlichen Kraft zu geben, sondern ihren Kampf gegen die
  20488. Zentralisation überhaupt zum Ausdruck eines höheren nationalen allgemeinen deutschen Interesses zu machen. Während also d i e B a y e r i s c h e V o l k s p a r t e i a u s
  20489. kleinherzig-partikularistischen Gesichtspunkten „Sonderrechte“ für den bayerischen Staat zu erhalten bestrebt ist, haben
  20490. wir diese Sonderstellung zu verwenden im
  20491. Dienste eines gegen die heutige Novemberdemokratie stehenden höheren Nationalinteresses.
  20492. Der dritte Grund, der uns weiter bestimmen kann, gegen
  20493. die derzeitige Zentralisation zu kämpfen, ist die Überzeugung, daß ein größer Teil der sogenannten Verreichlichung in Wirklichkeit keine Vereinheitlichung, auf keinen
  20494. Fall aber eine Vereinfachung ist, sondern daß es sich in
  20495. vielen Fällen nur darum handelt, den Hoheitsrechten der
  20496. Länder Institutionen zu entziehen, um deren Tore dann
  20497. den Interessen der Revolutionsparteien zu öffnen. Noch
  20498. niemals wurde in der deutschen Geschichte schamlosere
  20499. Günstlingswirtschaft getrieben als in der demokratischen
  20500. Republik. E i n g r o ß e r T e i l d e r h e u t i g e n Z e n tralisierungswut fällt auf das Konto jener
  20501. Parteien, die einst die Bahn dem Tüchtigen freizumachen versprachen, dabei aber
  20502. bei Besetzung von Ämtern und Posten ausschließlich
  20503. die
  20504. Parteizugehörigkeit
  20505. im
  20506. A u g e h a t t e n . Insbesondere Juden ergossen sich seit
  20507. Bestehen der Republik in unglaublichen Mengen in die
  20508. durch das Reich zusammengerafften Wirtschaftsbetriebe
  20509. und Verwaltungsapparate, so daß beide heute zu einer
  20510. Domäne jüdischer Betätigung geworden sind.
  20511. Staatshoheit des Reiches
  20512. 645
  20513. Vor allem diese dritte Erwägung muß uns aus taktischen Gründen verpflichten, jede weitere Maßnahme auf
  20514. dem Wege der Zentralisation schärfstens zu überprüfen
  20515. und, wenn notwendig, gegen sie Stellung zu nehmen.
  20516. Immer aber haben unsere Gesichtspunkte
  20517. dabei höhere nationalpolitische und niemals kleinliche partikularistische zu sein.
  20518. Diese letztere Bemerkung ist notwendig, um nicht bei
  20519. unseren Anhängern die Meinung entstehen zu lassen, als
  20520. ob wir Nationalsozialisten dem Reiche an sich nicht das
  20521. Recht zusprechen würden, eine höhere Souveränität zu
  20522. verkörpern als die der einzelnen Staaten. Über dieses
  20523. Recht soll und kann es bei uns gar keinen Zweifel geben.
  20524. Da für uns der Staat an sich nur eine Form
  20525. ist, das Wesentliche jedoch sein Inhalt,
  20526. die Nation, das Volk, ist es klar, daß ihren
  20527. souveränen Interessen alles andere sich
  20528. unterzuordnen hat. Insbesondere können
  20529. wir keinem einzelnen Staat innerhalb der
  20530. Nation und des diese vertretenden Reiches
  20531. eine
  20532. machtpolitische
  20533. Souveränität
  20534. und
  20535. S t a a t s h o h e i t z u b i l l i g e n . Der Unfug einzelner
  20536. Bundesstaaten, sogenannte Vertretungen im Ausland und
  20537. untereinander zu unterhalten, muß aufhören und wird
  20538. einmal aufhören. Solange derartiges möglich ist, dürfen
  20539. wir uns nicht wundern, wenn das Ausland immer noch
  20540. Zweifel in die Festigkeit unseres Reichsgefüges setzt und
  20541. demgemäß sich benimmt. Der Unfug dieser Vertretungen
  20542. ist um so größer, als ihnen neben den Schäden nicht der
  20543. geringste Nutzen zugeschrieben werden kann. Interessen
  20544. eines Deutschen im Auslande, die durch den Gesandten des
  20545. Reiches nicht gewahrt werden können, vermögen noch viel
  20546. weniger durch den Gesandten eines im Rahmen der heutigen Weltordnung lächerlich erscheinenden Kleinstaates
  20547. wahrgenommen zu werden. In diesen kleinen Bundesstaaten kann man wirklich nur Angriffspunkte erblicken für
  20548. besonders von e i n e m Staat immer noch gern gesehene
  20549. Auflösungsbestrebungen innerhalb und außerhalb des Deut-
  20550. 646
  20551. Kulturelle Aufgaben der Länder
  20552. schen Reiches. Auch dafür dürfen wir Nationalsozialisten
  20553. kein Verständnis haben, daß irgendein altersschwach gewordener Adelsstamm seinem meist schon sehr dürr gewordenen Reis durch Bekleidung des Gesandtenpostens
  20554. neuen Nährboden gibt. Unsere diplomatischen Vertretungen im Ausland waren schon zur Zeit des alten Reiches so
  20555. jämmerlich, daß weitere Ergänzungen der damals gemachten Erfahrungen höchst überflüssig sind.
  20556. Die Bedeutung der einzelnen Länder wird in Zukunft
  20557. unbedingt mehr auf kulturpolitisches Gebiet zu verlegen
  20558. sein. Der Monarch, der für die Bedeutung Bayerns das
  20559. meiste tat, war nicht irgendein störrischer, antideutsch eingestellter Partikularist, sondern vielmehr der ebenso großdeutsch gesonnene wie kunstsinnig empfindende Ludwig I.
  20560. Indem er die Kräfte des Staates in erster Linie für den Ausbau der kulturellen Position Bayerns verwendete und nicht
  20561. für die Stärkung der machtpolitischen, hat er Besseres und
  20562. Dauerhafteres geleistet, als dies sonst je möglich gewesen
  20563. wäre. Indem er München damals aus dem Rahmen einer
  20564. wenig bedeutenden provinziellen Residenz in das Format
  20565. einer großen deutschen Kunstmetropole hineinhob, schuf
  20566. er einen geistigen Mittelpunkt, der selbst heute noch die
  20567. wesensverschiedenen Franken an diesen Staat zu fesseln vermag. Angenommen, München wäre geblieben, was es einst
  20568. war, so hätte sich in Bayern ein gleicher Vorgang wie in
  20569. Sachsen wiederholt, nur mit dem Unterschied, daß das bayerische Leipzig, Nürnberg, keine bayerische, sondern eine
  20570. fränkische Stadt geworden wäre. Nicht die „Nieder-mitPreußen“-Schreier haben München groß gemacht, sondern
  20571. Bedeutung gab dieser Stadt der König, der in ihr der deutschen Nation ein Kunst-Kleinod schenken wollte, das gesehen und beachtet werden musste und gesehen und beachtet
  20572. wurde. Und darin liegt auch für die Zukunft eine Lehre. D i e
  20573. Bedeutung der Einzelstaaten wird künftig
  20574. überhaupt nicht mehr auf staats- und machtpolitischem Gebiet liegen; ich erblicke sie
  20575. entweder auf stammesmäßigem oder auf
  20576. k u l t u r p o l i t i s c h e m G e b i e t e . Allein selbst hier wird
  20577. Heer und Einzelstaaten
  20578. 647
  20579. die Zeit nivellierende wirken. Die Leichtigkeit des modernen
  20580. Verkehrs schüttelt die Menschen derart durcheinander, daß
  20581. langsam und stetig die Stammesgrenzen verwischt werden
  20582. und so selbst das kulturelle Bild sich allmählich auszugleichen beginnt.
  20583. Das Heer ist ganz besonders scharf von allen einzelstaatlichen Einflüssen fernzuhalten. Der kommende nationalsozialistische Staat soll nicht in den Fehler der Vergangenheit verfallen und dem Heer eine Aufgabe unterschieben,
  20584. die es nicht hat und gar nicht haben darf. D a s d e u t s c h e
  20585. Heer ist nicht dazu da, eine Schule für die
  20586. Erhaltung
  20587. von
  20588. Stammeseigentümlichkeiten zu sein, sondern vielmehr eine Schule
  20589. des gegenseitigen Verstehens und Anpass e n s a l l e r D e u t s c h e n . Was sonst immer im Leben
  20590. der Nation trennend sein mag, soll durch das Heer zu einender Wirkung gebracht werden. Es soll weiter den einzelnen jungen Mann aus dem engen Horizont seines Ländchens herausheben und ihn hineinstellen in die deutsche
  20591. Nation. Nicht die Grenzen seiner Heimat, sondern die seines
  20592. Vaterlandes muß er sehen lernen; denn diese hat er einst
  20593. auch zu beschützen. Es ist deshalb unsinnig, den jungen
  20594. Deutschen in seiner Heimat zu belassen, sondern zweckmäßig ist, ihm in seiner Heereszeit Deutschland zu zeigen. Dies ist heute um so notwendiger, als der junge Deutsche
  20595. nicht mehr so wie einst auf Wanderschaft geht und dadurch
  20596. seinen Horizont erweitert. Ist es in dieser Erkenntnis nicht
  20597. widersinnig, den jungen Bayern wenn möglich wieder in
  20598. München zu belassen, den Franken in Nürnberg, den Badener in Karlsruhe, den Württemberger in Stuttgart usw., und
  20599. ist es nicht vernünftiger, dem jungen Bayern einmal den
  20600. Rhein und einmal die Nordsee zu zeigen, dem Hamburger
  20601. die Alpen, dem Ostpreußen das deutsche Mittelgebirge und
  20602. so fort? Der landsmannschaftliche Charakter soll in der
  20603. Truppe bleiben, aber nicht in der Garnison. Jeder Versuch
  20604. einer Zentralisation mag unsere Mißbilligung finden, die
  20605. des Heeres aber niemals! Im Gegenteil, wollten wir keinen
  20606. derartigen Versuch begrüßen, über diesen einen müßten
  20607. 648
  20608. Ein Volk – ein Staat
  20609. wir uns freuen. Ganz abgesehen davon, daß bei der Größe
  20610. des heutigen Reichsheeres die Aufrechterhaltung einzelstaatlicher Truppenteile absurd wäre, sehen wir in der erfolgten Vereinheitlichung des Reichsheeres einen Schritt,
  20611. den wir auch in der Zukunft, bei der Wiedereinführung
  20612. eines Volksheeres, niemals mehr aufgeben dürfen.
  20613. Im übrigen wird eine junge sieghafte Idee
  20614. jede Fessel ablehnen müssen, die ihre Aktivität im Vorwärtstreiben ihrer Gedanken lähmen könnte. Der Nationalsozialismus muß grundsätzlich das Recht in Anspruch nehmen, der gesamten deutschen
  20615. Nation ohne Rücksicht auf bisherige bundesstaatliche
  20616. Grenzen
  20617. seine
  20618. Prinzipien
  20619. aufzuzwingen und sie in seinen Ideen und
  20620. Gedanken zu erziehen. So wie sich die Kirchen nicht gebunden und begrenzt fühlen
  20621. durch
  20622. politische
  20623. Grenzen,
  20624. ebensowenig
  20625. die nationalsozialistische Idee durch einzelstaatliche Gebiete unseres Vaterlandes.
  20626. Die nationalsozialistische Lehre ist nicht
  20627. die Dienerin der politischen Interessen
  20628. einzelner Bundesstaaten, sondern soll dereinst die Herrin der deutschen Nation werden. Sie hat das Leben eines Volkes zu bestimmen und neu zu ordnen und muß deshalb
  20629. für sich gebieterisch das Recht in Anspruch
  20630. nehmen, über Grenzen, die eine von uns abgelehnte Entwicklung zog, hinwegzugehen.
  20631. Je vollständiger der Sieg ihrer Ideen
  20632. wird, um so größer mag dann die Freiheit
  20633. im einzelnen sein, die sie im Innern bietet.
  20634. 11. Kapitel
  20635. Propaganda und Organisation
  20636. D as Jahr 1921 hatte in mehrfacher Hinsicht für mich
  20637. und die Bewegung eine besondere Bedeutung erhalten.
  20638. Nach meinem Eintritt in die Deutsche Arbeiterpartei
  20639. übernahm ich sofort die Leitung der Propaganda. Ich hielt
  20640. dieses Fach für das augenblicklich weitaus wichtigste. Es
  20641. galt ja zunächst weniger, sich den Kopf über organisatorische Fragen zu zerbrechen, als die Idee selbst einer größeren Zahl von Menschen zu vermitteln. Die Propaganda
  20642. mußte der Organisation weit voraneilen und dieser erst das
  20643. zu bearbeitende Menschenmaterial gewinnen. Auch bin ich
  20644. ein Feind von zu schnellem und zu pedantischem Organisieren. Es kommt dabei meist nur ein toter Mechanismus
  20645. heraus, aber selten eine lebendige Organisation. Denn Organisation ist etwas, das dem organischen Leben, der organischen Entwicklung sein Bestehen zu verdanken hat.
  20646. Ideen, die eine bestimmte Anzahl von Menschen erfaßt
  20647. haben, werden immer nach einer gewissen Ordnung streben, und diesem inneren Ausgestalten kommt sehr großer
  20648. Wert zu. Man hat aber auch hier mit der Schwäche der
  20649. Menschen zu rechnen, die den einzelnen verleitet, sich
  20650. wenigstens anfangs instinktiv gegen einen überlegenen Kopf
  20651. zu stemmen. Sowie eine Organisation von oben herab
  20652. mechanisch aufgezogen wird, besteht die große Gefahr, daß
  20653. ein einmal eingesetzter, selbst noch nicht genau erkannter
  20654. und vielleicht wenig fähiger Kopf aus Eifersucht das Emporkommen tüchtigerer Elemente innerhalb der Bewegung zu
  20655. hindern suchen wird. Der Schaden, der in einem solchen
  20656. Falle entsteht, kann, besonders bei einer jungen Bewegung,
  20657. von verhängnisvoller Bedeutung sein.
  20658. 650
  20659. Theoretiker – Organisator – Agitator
  20660. Aus diesem Grunde ist es zweckmäßiger, eine Idee
  20661. erst eine Zeitlang von einer Zentrale aus propagandistisch
  20662. zu verbreiten und das sich allmählich ansammelnde Menschenmaterial dann sorgfältig nach Führerköpfen durchzusuchen und zu prüfen. Es wird sich dabei manches Mal
  20663. herausstellen, daß an sich unscheinbare Menschen nichtsdestoweniger als geborene Führer anzusehen sind.
  20664. Ganz falsch wäre es allerdings, im Reichtum an theoretischen Erkenntnissen charakteristische Beweise für Führereigenschaft
  20665. und
  20666. Führertüchtigkeit
  20667. erblicken
  20668. zu wollen.
  20669. Das Gegenteil trifft häufig zu.
  20670. Die großen Theoretiker sind nur in den seltensten Fällen
  20671. auch große Organisatoren, da die Größe des Theoretikers
  20672. und Programmatikers in erster Linie in der Erkenntnis
  20673. und Festlegung abstrakt richtiger Gesetze liegt, während
  20674. der Organisator in erster Linie Psychologe sein muß. Er
  20675. hat den Menschen zu nehmen, wie er ist, und muß ihn
  20676. deshalb kennen. Er darf ihn ebensowenig überschätzen wie
  20677. in seiner Masse zu gering achten. Er muß im Gegenteil
  20678. versuchen, der Schwäche und der Bestialität gleichermaßen
  20679. Rechnung zu tragen, um unter Berücksichtigung aller Faktoren ein Gebilde zu schaffen, das als lebendiger Organismus von stärkster und stetiger Kraft erfüllt und so geeignet ist, eine Idee zu tragen und ihr den Weg zum Erfolg freizumachen.
  20680. Noch seltener aber ist ein großer Theoretiker ein großer
  20681. Führer. Viel eher wird das der A g i t a t o r sein, was
  20682. viele, die nur wissenschaftlich über eine Frage arbeiten,
  20683. nicht gerne hören wollen; und doch ist das verständlich. Ein
  20684. Agitator, der die Fähigkeit aufweist, eine Idee der breiten
  20685. Masse zu vermitteln, muß immer Psychologe sein, sogar
  20686. wenn er nur Demagoge wäre. Er wird dann immer noch
  20687. besser zum Führer geeignet sein als der menschenfremde,
  20688. weltferne Theoretiker. D e n n F ü h r e n h e i ß t : M a s s e n b e w e g e n k ö n n e n . Die Gabe, Ideen zu gestalten,
  20689. hat mit Führerfähigkeit gar nichts zu schaffen. Es ist dabei
  20690. Anhänger und Mitglieder
  20691. 651
  20692. ganz müßig, darüber zu streiten, was von größerer Bedeutung ist, Menschheitsideale und Menschheitsziele aufzustellen oder sie zu verwirklichen. Es geht hier wie so oft im
  20693. Leben: das eine wäre vollkommen sinnlos ohne das andere.
  20694. Die schönste theoretische Einsicht bleibt ohne Zweck und
  20695. Wert, wenn nicht der Führer die Massen zu ihr hin in Bewegung setzt. Und umgekehrt, was sollte alle Führergenialität und aller Führerschwung, wenn nicht der geistvolle
  20696. Theoretiker die Ziele für das menschliche Ringen aufstellen
  20697. würde? Die Vereinigung aber von Theoretiker, Organisator
  20698. und Führer in einer Person ist das Seltenste, was man auf
  20699. dieser Erde finden kann; diese Vereinigung schafft den großen Mann.
  20700. Ich habe mich in der ersten Zeit meiner Tätigkeit in der
  20701. Bewegung, wie schon bemerkt, der Propaganda gewidmet.
  20702. Ihr mußte es gelingen, allmählich einen kleinen Kern von
  20703. Menschen mit der neuen Lehre zu erfüllen, um so das
  20704. Material heranzubilden, das später die ersten Elemente
  20705. einer Organisation abgeben konnte. Dabei ging das Ziel
  20706. der Propaganda meist über das der Organisation hinaus.
  20707. Wenn eine Bewegung die Absicht hegt, eine Welt einzureißen und eine neue an ihrer Stelle zu erbauen, dann
  20708. muß in den Reihen ihrer eigenen Führerschaft über folgende Grundsätze vollkommene Klarheit herrschen: J e d e
  20709. Bewegung wird das von ihr gewonnene Menschenmaterial zunächst in zwei große Gruppen zu sichten haben: in Anhänger und Mitglieder.
  20710. Aufgabe der Propaganda ist es, Anhänger zu werben, Aufgabe der Organisation,
  20711. Mitglieder zu gewinnen.
  20712. Anhänger einer Bewegung ist, wer sich
  20713. mit ihren Zielen einverstanden erklärt,
  20714. Mitglied ist, wer für sie kämpft.
  20715. Der
  20716. Anhänger
  20717. wird
  20718. einer
  20719. Bewegung
  20720. durch die Propaganda geneigt gemacht.
  20721. Das
  20722. Mitglied
  20723. wird
  20724. durch
  20725. die
  20726. Organisation veranlaßt, selbst mitzuwirken zur
  20727. 652
  20728. Anhänger und Mitglieder
  20729. Werbung neuer Anhänger, aus denen sich
  20730. dann
  20731. wieder
  20732. Mitglieder
  20733. herausbilden
  20734. können.
  20735. Da die Anhängerschaft nur eine passive
  20736. Anerkennung einer Idee bedingt, während
  20737. die Mitgliedschaft die aktive Vertretung
  20738. und Verteidigung fordert, werden auf zehn
  20739. Anhänger immer höchstens ein bis zwei
  20740. Mitglieder treffen.
  20741. Die Anhängerschaft wurzelt nur in der
  20742. Erkenntnis,
  20743. die
  20744. Mitgliedschaft
  20745. in
  20746. dem
  20747. Mute, das Erkannte selbst zu vertreten und
  20748. weiter zu verbreiten.
  20749. Die Erkenntnis in ihrer passiven Form
  20750. entspricht der Majorität der Menschheit,
  20751. die träge und feige ist. Die Mitgliedschaft
  20752. bedingt aktivistische Gesinnung und entspricht damit nur der Minorität der Menschen.
  20753. Die Propaganda wird demgemäß unermüdlich dafür zu sorgen haben, daß eine
  20754. Idee Anhänger gewinnt, während die Organisation
  20755. schärfstens
  20756. darauf
  20757. bedacht
  20758. sein muß, aus der Anhängerschaft selbst
  20759. nur das Wertvollste zum Mitglied zu machen. Die Propaganda braucht sich deshalb
  20760. nicht den Kopf zu zerbrechen über die Bedeutung jedes einzelnen der von ihr Belehrten, über Fähigkeit, Können und Verständnis oder den Charakter derselben,
  20761. während die Organisation aus der Masse
  20762. dieser Elemente sorgfältigst zu sammeln
  20763. hat, was den Sieg der Bewegung wirklich
  20764. ermöglicht.
  20765. Die
  20766. Propaganda
  20767. versucht
  20768. eine
  20769. Lehre
  20770. dem ganzen Volke aufzuzwingen, die Or-
  20771. Propaganda und Organisation
  20772. 653
  20773. ganisation erfaßt in ihrem Rahmen nur
  20774. diejenigen, die nicht aus psychologischen
  20775. Gründen zum Hemmschuh für eine weitere
  20776. Verbreitung der Idee zu werden drohen.
  20777. Die Propaganda bearbeitet die Gesamtheit im Sinne einer Idee und macht sie
  20778. reif für die Zeit des Sieges dieser Idee,
  20779. während die Organisation den Sieg erficht durch den dauernden, organischen
  20780. und kampffähigen Zusammenschluß derjenigen Anhänger, die fähig und gewillt
  20781. erscheinen, den Kampf für den Sieg zu
  20782. führen.
  20783. Der Sieg einer Idee wird um so eher möglich sein, je umfassender die Propaganda
  20784. die Menschen in ihrer Gesamtheit bearbeitet hat und je ausschließlicher, straffer
  20785. und fester die Organisation ist, die den
  20786. Kampf praktisch durchführt.
  20787. Daraus ergibt sich, daß die Zahl der Anhänger nicht groß genug sein kann, die
  20788. Zahl der Mitglieder aber leichter zu groß
  20789. als zu klein sein wird.
  20790. Wenn die Propaganda ein ganzes Volk
  20791. mit einer Idee erfüllt hat, kann die Organisation mit einer Handvoll Menschen
  20792. die Konsequenzen ziehen. Propaganda und
  20793. Organisation, also Anhänger und Mitglieder, stehen damit in einem bestimmten
  20794. gegenseitigen Verhältnis. Je besser die
  20795. Propaganda gearbeitet hat, um so kleiner
  20796. kann die Organisation sein, und je grö-
  20797. 654
  20798. Propaganda und Organisation
  20799. ßer die Zahl der Anhänger ist, um so bescheidener kann die Zahl der Mitglieder
  20800. sein und umgekehrt: Je schlechter die
  20801. Propaganda ist, um so größer muß die Organisation sein, und je kleiner die Anhängerschar einer Bewegung bleibt, um so umfangreicher
  20802. muß
  20803. deren
  20804. Mitgliederzahl
  20805. sein, wenn sie überhaupt noch auf einen Erfolg rechnen will.
  20806. Die erste Aufgabe der Propaganda ist
  20807. die Gewinnung von Menschen für die spätere Organisation; die erste Aufgabe der
  20808. Organisation ist die Gewinnung von Menschen zur Fortführung der Propaganda.
  20809. Die zweite Aufgabe der Propaganda ist
  20810. die Zersetzung des bestehenden Zustandes und die Durchsetzung dieses Zustandes mit der neuen Lehre, während die
  20811. zweite
  20812. Aufgabe
  20813. der
  20814. Organisation
  20815. der
  20816. Kampf um die Macht sein muß, um durch
  20817. sie den endgültigen Erfolg der Lehre zu
  20818. erreichen.
  20819. Der durchschlagendste Erfolg einer weltanschaulichen Revolution wird immer dann
  20820. erfochten werden, wenn die neue Weltanschauung möglichst allen Menschen gelehrt und, wenn notwendig, später aufgezwungen wird, während die Organisation
  20821. der Idee, also die Bewegung, nur so viele
  20822. erfassen soll, als zur Besetzung der Nervenzentren des in Frage kommenden Staates unbedingt erforderlich sind.
  20823. Das heißt mit anderen Worten folgendes:
  20824. In jeder wirklich großen weltumwälzenden Bewegung
  20825. Propaganda und Organisation
  20826. 655
  20827. wird die Propaganda zunächst die Idee dieser Bewegung zu
  20828. verbreiten haben. Sie wird also unermüdlich versuchen, die
  20829. neuen Gedankengänge den andern klarzumachen, diese mithin auf ihren Boden herüberzuziehen oder doch in ihrer
  20830. eigenen bisherigen Überzeugung unsicher zu machen. Da
  20831. nun die Verbreitung einer Lehre, also die Propaganda,
  20832. ein Rückgrat besitzen muß, so wird die Lehre sich eine feste
  20833. Organisation geben müssen. Die Organisation erhält ihre
  20834. Mitglieder aus der von der Propaganda gewonnenen allgemeinen Anhängerschaft. Diese wird um so schneller wachsen, je intensiver die Propaganda betrieben wird, und diese
  20835. wieder vermag um so besser zu arbeiten, je stärker und
  20836. kraftvoller die Organisation ist, die hinter ihr steht.
  20837. Höchste Aufgabe der Organisation ist es daher, dafür
  20838. zu sorgen, daß nicht irgendwelche innere Uneinigkeiten
  20839. innerhalb der Mitgliedschaft der Bewegung zu einer Spaltung und damit zur Schwächung der Arbeit in der Bewegung führen; weiter, daß der Geist des entschlossenen Angriffs nicht ausstirbt, sondern sich dauernd erneuert und
  20840. festigt. Die Zahl der Mitglieder braucht damit nicht ins
  20841. Uferlose zu wachsen, im Gegenteil; da nur ein Bruchteil der
  20842. Menschheit energisch und kühn veranlagt ist, würde eine
  20843. Bewegung, die ihre Organisation endlos vergrößert, dadurch
  20844. zwangsläufig eines Tages geschwächt werden. O r g a n i s a tionen, also Mitgliederzahlen, die über
  20845. eine gewisse Höhe hinauswachsen, verlieren allmählich ihre Kampfkraft und
  20846. sind nicht mehr fähig, die Propaganda einer
  20847. Idee entschlossen und angriffsweise zu
  20848. unterstützen, beziehungsweise auszuwerten.
  20849. Je größer und innerlich revolutionärer
  20850. nun eine Idee ist, um so aktivistischer wird
  20851. deren Mitgliederstand werden, da mit der
  20852. umstürzenden Kraft der Lehre eine Gefahr für deren Träger verbunden ist, die
  20853. geeignet erscheint, kleine, feige Spießer
  20854. v o n i h r f e r n z u h a l t e n . Sie werden sich im stillen
  20855. als Anhänger fühlen, aber ablehnen, dies durch die Mit-
  20856. 656
  20857. Beschränkung der Mitgliederaufnahme
  20858. gliedschaft in aller Öffentlichkeit zu bekennen. D a d u r c h
  20859. aber erhält die Organisation einer wirklich umwälzenden Idee nur die aktivsten
  20860. der von der Propaganda gewonnenen Anh ä n g e r a l s M i t g l i e d e r . Gerade in dieser durch
  20861. natürliche Auslese verbürgten Aktivität der Mitgliedschaft
  20862. einer Bewegung liegt aber die Voraussetzung zu einer ebenso aktiven weiteren Propagierung derselben wie auch zum
  20863. erfolgreichen Kampf um die Verwirklichung der Idee.
  20864. Die größte Gefahr, die einer Bewegung drohen kann, ist
  20865. ein durch zu schnelle Erfolge abnorm angewachsener Mitgliederstand. Denn so sehr auch eine Bewegung, solange sie
  20866. bitter zu kämpfen hat, von allen feigen und egoistisch veranlagten Menschen gemieden wird, so schnell pflegen diese
  20867. die Mitgliedschaft zu erwerben, wenn durch die Entwicklung ein großer Erfolge der Partei wahrscheinlich geworden ist oder sich bereits eingestellt hat.
  20868. Dem ist es zuzuschreiben, warum viele siegreiche Bewegungen vor dem Erfolg oder besser vor der letzten Vollendung ihres Wollens aus unerklärlicher innerer Schwäche
  20869. plötzlich zurückbleiben, den Kampf einstellen und endlich
  20870. absterben. Infolge ihres ersten Sieges sind so viele schlechte,
  20871. unwürdige, besonders aber feige Elemente in ihre Organisation gekommen, daß diese Minderwertigen über die
  20872. Kampfkräftigen schließlich das Übergewicht erlangen und
  20873. die Bewegung nun in den Dienst ihrer eigenen Interessen
  20874. zwingen, sie auf das Niveau ihrer eigenen geringen Heldenhaftigkeit herunterdrücken und nichts tun, den Sieg der
  20875. ursprünglichen Idee zu vollenden. Das fanatische Ziel ist
  20876. damit verwischt, die Kampfkraft gelähmt worden oder,
  20877. wie die bürgerliche Welt in solchem Falle sehr richtig zu
  20878. sagen pflegt: „In den Wein ist nun auch Wasser gekommen.“ Und dann können allerdings die Bäume nicht mehr
  20879. in den Himmel wachsen.
  20880. Es ist deshalb sehr notwendig, daß eine
  20881. Bewegung aus reinem Selbsterhaltungstrieb heraus, sowie sich der Erfolg auf
  20882. ihre Seite stellt, sofort die Mitglieder-
  20883. Beschränkung der Mitgliederaufnahme
  20884. 657
  20885. aufnahme sperrt und weiterhin nur mehr
  20886. mit äußerster Vorsicht und nach gründlichster
  20887. Prüfung
  20888. eine
  20889. Vergrößerung
  20890. ihrer
  20891. O r g a n i s a t i o n v o r n i m m t . Sie wird nur dadurch
  20892. den Kern der Bewegung unverfälscht frisch und gesund zu
  20893. erhalten vermögen. S i e m u ß d a f ü r s o r g e n , d a ß
  20894. dann ausschließlich dieser Kern allein die
  20895. Bewegung weiterleitet, d.h. die Propaganda bestimmt, die zu ihrer allgemeinen
  20896. Anerkennung führen soll und als Inhaberin der Macht die Handlungen vornimmt,
  20897. die zur praktischen Verwirklichung ihrer
  20898. Ideen notwendig sind.
  20899. Aus dem Grundstamm der alten Bewegung hat sie nicht
  20900. nur alle wichtigen Positionen des eroberten Gebildes zu
  20901. besetzen, sondern auch die gesamte Leitung zu bilden. Und
  20902. das so lange, bis die bisherigen Grundsätze und Lehren der
  20903. Partei zum Fundament und Inhalt des neuen Staates geworden sind. Erst dann kann der aus ihrem Geiste geborenen besonderen Verfassung dieses Staates langsam der
  20904. Zügel in die Hand gegeben werden. Das vollzieht sich meistens aber wieder nur in gegenseitigem Ringen, da es weniger eine Frage menschlicher Einsicht als des Spiels und
  20905. Wirkens von Kräften ist, die im vornherein wohl erkannt,
  20906. aber nicht für ewig gelenkt werden können.
  20907. Alle großen Bewegungen, mochten sie
  20908. religiöser oder politischer Natur sein,
  20909. haben ihre gewaltigen Erfolge nur der
  20910. Erkenntnis und Anwendung dieser Grundsätze zuzuschreiben, besonders aber alle
  20911. dauerhaften Erfolge sind ohne Berücksichtigung dieser Gesetze gar nicht denkbar.
  20912. Ich habe mich als Propagandaleiter der Partei sehr bemüht, nicht nur für die Größe der späteren Bewegung den
  20913. Boden vorzubereiten, sondern durch eine sehr radikale Auffassung in dieser Arbeit auch dahin gewirkt, daß die Or-
  20914. 658
  20915. Abschreckung der Lauen
  20916. ganisation nur bestes Material erhalte. Denn je radikaler
  20917. und aufpeitschender meine Propaganda war, um so mehr
  20918. schreckte dies Schwächlinge und zaghafte Naturen zurück und
  20919. verhinderte deren Eindringen in den ersten Kern unserer
  20920. Organisation. Sie sind vielleicht Anhänger geblieben, aber
  20921. gewiß nicht mit lauter Betonung, sondern unter ängstlichem Verschweigen dieser Tatsache. Wieviel Tausende
  20922. haben mir nicht damals versichert, daß sie ja an sich ganz
  20923. einverstanden mit allem wären, aber nichtsdestoweniger
  20924. unter keinen Umständen Mitglied sein könnten. Die Bewegung wäre so radikal, daß eine Mitgliedschaft bei ihr den
  20925. einzelnen wohl schwersten Beanstandungen, ja Gefahren
  20926. aussetze, so daß man es dem ehrsamen, friedlichen Bürger
  20927. nicht verdenken dürfe, wenigstens zunächst beiseitezustehen,
  20928. wenn er auch mit dem Herzen vollkommen zur Sache gehöre.
  20929. Und das war gut so.
  20930. Wenn diese Menschen, die mit der Revolution innerlich
  20931. nicht einverstanden waren, damals alle in unsere Partei
  20932. gekommen wären, und zwar als Mitglieder, so könnten
  20933. wir uns heute als fromme Bruderschaft, aber nicht mehr
  20934. als junge kampfesfreudige Bewegung betrachten.
  20935. Die lebendige und draufgängerische Form, die ich damals
  20936. unserer Propaganda gab, hat die radikale Tendenz unserer
  20937. Bewegung gefestigt und garantiert, da nunmehr wirklich
  20938. nur radikale Menschen – von Ausnahmen abgesehen –
  20939. zur Mitgliedschaft bereit waren.
  20940. Dabei hat diese Propaganda doch so gewirkt, daß uns
  20941. schon nach kurzer Zeit Hunderttausende innerlich nicht nur
  20942. recht gaben, sondern unseren Sieg wünschten, wenn sie
  20943. auch persönlich zu feige waren, dafür Opfer zu bringen
  20944. oder gar einzutreten.
  20945. Bis Mitte 1921 konnte diese bloß werbende Tätigkeit noch
  20946. genügen und der Bewegung von Nutzen sein. Besondere
  20947. Ereignisse im Hochsommer dieses Jahres ließen es aber
  20948. angezeigt erscheinen, daß nun nach dem langsam sichtbaren
  20949. Erfolg der Propaganda die Organisation dem angepaßt
  20950. und gleichgestellt werde.
  20951. Der Versuch einer Gruppe völkischer Phantasten, unter
  20952. Reorganisation der Bewegung
  20953. 659
  20954. fördernder Unterstützung des damaligen Vorsitzenden der
  20955. Partei, sich die Leitung derselben zu verschaffen, führte zum
  20956. Zusammenbruch dieser kleinen Intrige und übergab mir in
  20957. einer Generalmitgliederversammlung einstimmig die gesamte Leitung der Bewegung. Zugleich erfolgte die Annahme einer neuen Satzung, die dem ersten Vorsitzenden der
  20958. Bewegung die volle Verantwortung überträgt, Ausschußbeschlüsse grundsätzlich aufhebt und an Stelle dessen ein
  20959. System von Arbeitsteilung einführt, das sich seitdem in der
  20960. segensreichsten Weise bewährt hat.
  20961. Ich habe vom 1. August 1921 ab diese innere Reorganisation der Bewegung übernommen und dabei die Unterstützung einer Reihe ausgezeichneter Kräfte gefunden, die
  20962. ich in einem besonderen Anhange noch zu nennen für nötig
  20963. halte.
  20964. Bei dem Versuch, die Ergebnisse der Propaganda nun
  20965. organisatorisch zu verwerten und damit festzulegen, mußte
  20966. ich mit einer Reihe von bisherigen Gewohnheiten aufräumen und Grundsätze zur Einführung bringen, die keine der
  20967. bestehenden Parteien besaß oder auch nur anerkannt hätte.
  20968. In den Jahren 1919 bis 1920 hatte die Bewegung zu
  20969. ihrer Leitung einen Ausschuß, der durch Mitgliederversammlungen, die selber wieder durch das Gesetz vorgeschrieben wurden, gewählt war. Der Ausschuß bestand aus einem
  20970. ersten und zweiten Kassierer, einem ersten und zweiten
  20971. Schriftführer und als Kopf einem ersten und zweiten Vorsitzenden. Dazu kamen noch ein Mitgliederwart, der Chef
  20972. der Propaganda und verschiedene Beisitzer.
  20973. Dieser Ausschuß verkörperte, so komisch es war, eigentlich
  20974. das, was die Bewegung selbst am schärfsten bekämpfen
  20975. wollte, nämlich den P a r l a m e n t a r i s m u s . Denn es
  20976. war selbstverständlich, daß es sich dabei um ein Prinzip
  20977. handelte, das von der kleinsten Ortsgruppe über die späteren Bezirke, Gaue, Länder hinweg bis zur Reichsleitung
  20978. ganz dasselbe System verkörperte, unter dem wir alle
  20979. litten und auch heute noch leiden.
  20980. Es war dringend notwendig, eines Tages hier Wandel zu
  20981. schaffen, wenn nicht die Bewegung infolge der schlechten
  20982. 660
  20983. Aufhebung des „Parlamentarismus“
  20984. Grundlage ihrer inneren Organisation für dauernd verdorben und dadurch unfähig werden sollte, einst ihrer
  20985. hohen Mission zu genügen.
  20986. Die Ausschußsitzungen, über die ein Protokoll geführt
  20987. wurde und in denen mit Majorität abgestimmt und Entscheidungen getroffen worden waren, stellten in Wirklichkeit ein Parlament im kleinen dar. Auch hier fehlte jede
  20988. persönliche Verantwortung und Verantwortlichkeit. Auch
  20989. hier regierten der gleiche Widersinn und dieselbe Unvernunft
  20990. wie in unseren großen staatlichen Vertretungskörpern. Man
  20991. ernannte für diesen Ausschuß Schriftführer, Männer für
  20992. das Kassenwesen, Männer für die Mitgliederschaft der Organisation, Männer für die Propaganda und für weiß Gott
  20993. sonst noch was, ließ sie dann aber doch zu jeder einzelnen
  20994. Frage alle gemeinsam Stellung nehmen und durch Abstimmung entscheiden. Also der Mann, der für Propaganda da
  20995. war, stimmte ab über eine Angelegenheit, die den Mann
  20996. der Finanzen betraf, und dieser wieder stimmte ab über
  20997. eine Angelegenheit, die die Organisation anging, und dieser
  20998. wieder über eine Sache, die nur die Schriftführer hätte bekümmern sollen usw.
  20999. Warum man dann aber erst einen besonderen Mann für
  21000. Propaganda bestimmte, wenn Kassierer, Schriftwarte, Mitgliederwarte usw. über diese angehenden Fragen zu urteilen
  21001. hatten, erscheint einem gesunden Gehirn genau so unverständlich, wie es unverständlich wäre, wenn in einem großen Fabrikunternehmen immer die Vorstände oder Konstrukteure anderer Abteilungen und anderer Zweige die
  21002. Fragen entscheiden müßten, die mit ihren Angelegenheiten
  21003. gar nichts zu tun haben.
  21004. Ich habe mich diesem Wahnsinn nicht gefügt, sondern
  21005. bin schon nach ganz kurzer Zeit den Sitzungen ferngeblieben. Ich machte meine Propaganda und damit basta, und
  21006. verbat es mir im übrigen, daß der nächstbeste Nichtskönner
  21007. auf diesem Gebiet etwa versuchte, mir dreinzureden. Genau
  21008. so wie ich umgekehrt auch den anderen nicht in den Kram
  21009. hineinfuhr.
  21010. Als die Annahme der neuen Statuten und meine Be-
  21011. Verantwortlichkeit des Führers
  21012. 661
  21013. rufung auf den Posten des ersten Vorsitzenden mir unterdes die notwendige Autorität und das entsprechende Recht
  21014. gegeben hatten, fand dieser Unsinn auch sofort eine Ende.
  21015. An Stelle von Ausschußbeschlüssen wurde das Prinzip der
  21016. absoluten Verantwortlichkeit eingeführt.
  21017. Der erste Vorsitzende ist verantwortlich für die gesamte
  21018. Leitung der Bewegung. Er teilt die unter ihm stehenden
  21019. Kräfte des Ausschusses sowohl als die sonst noch notwendigen Mitarbeiter in die zu leistende Arbeit ein. Jeder
  21020. dieser Herren ist damit für die ihm übertragenen Aufgaben
  21021. restlos verantwortlich. Er untersteht nur dem ersten Vorsitzenden, der für das Zusammenwirken aller zu sorgen hat,
  21022. beziehungsweise durch die Auswahl der Personen und die
  21023. Ausgabe allgemeiner Richtlinien diese Zusammenarbeit
  21024. selbst herbeiführen muß.
  21025. Dieses Gesetz der prinzipiellen Verantwortlichkeit ist allmählich zur Selbstverständlichkeit innerhalb der Bewegung
  21026. geworden, wenigstens soweit dies die Parteileitung betrifft.
  21027. In den kleinen Ortsgruppen und vielleicht auch noch in
  21028. Gauen und Bezirken wird es jahrelang dauern, bis man
  21029. diese Grundsätze durchdrücken wird, da natürlich Angsthasen
  21030. und Nichtskönner sich immer dagegen wehren werden;
  21031. ihnen wird die alleinige Verantwortlichkeit für ein Unternehmen stets unangenehm sein; sie fühlen sich freier und
  21032. wohler, wenn sie bei jeder schweren Entscheidung die Rückendeckung durch die Majorität eines sogenannten Ausschusses
  21033. haben. Es scheint mir aber notwendig, gegen solche Gesinnung mit äußerster Schärfe Stellung zu nehmen, der Feigheit vor der Verantwortlichkeit keine Konzession zu machen
  21034. und dadurch, wenn auch erst nach langer Zeit, eine Auffassung von Führerpflicht und Führerkönnen zu erzielen,
  21035. die ausschließlich diejenigen zur Führung bringen wird,
  21036. die wirklich dazu berufen und auserwählt sind.
  21037. Jedenfalls muß aber eine Bewegung, die den parlamentarischen Wahnsinn bekämpfen will, selbst von ihm frei
  21038. sein. Sie kann auch nur auf solcher Grundlage die Kraft
  21039. zu ihrem Kampfe gewinnen.
  21040. Eine Bewegung, die in einer Zeit der
  21041. 662
  21042. Der Embryo-Zustand der Bewegung
  21043. Herrschaft der Majorität in allem und
  21044. jedem sich selbst grundsätzlich auf das
  21045. Prinzip
  21046. des
  21047. Führergedankens
  21048. und
  21049. der
  21050. daraus bedingten Verantwortlichkeit einstellt, wird eines Tages mit mathematischer Sicherheit den bisherigen Zustand
  21051. überwinden
  21052. und
  21053. als
  21054. Siegerin
  21055. hervorgehen.
  21056. Dieser Gedanke führte innerhalb der Bewegung zu einer
  21057. vollständigen Neuorganisation derselben. Und in seiner
  21058. logischen Auswirkung auch zu einer sehr scharfen Trennung
  21059. der geschäftlichen Betriebe der Bewegung von der allgemein
  21060. politischen Leitung. Grundsätzlich wurde der Gedanke der
  21061. Verantwortlichkeit auch auf die gesamten Parteibetriebe
  21062. ausgedehnt und führte nun zwangsläufig in eben dem
  21063. Maße zu einer Gesundung derselben, in dem sie, von politischen Einflüssen befreit, auf rein wirtschaftliche Gesichtspunkte eingestellt wurden.
  21064. Als ich im Herbst 1919 zur damaligen Sechsmännerpartei
  21065. kam, hatte diese weder eine Geschäftsstelle noch einen Angestellten, ja nicht einmal Formulare oder Stempel, nichts
  21066. Gedrucktes war vorhanden. Ausschußlokal war erst ein Gasthof in der Herrnstraße und später ein Café am Gasteig.
  21067. Das war ein unmöglicher Zustand. Ich setzte mich denn auch
  21068. kurze Zeit danach in Bewegung und suchte eine ganze Anzahl Münchener Restaurants und Gastwirtschaften ab, in
  21069. der Absicht, ein Extrazimmer oder einen sonstigen Raum für
  21070. die Partei mieten zu können. Im ehemaligen Sterneckerbräu
  21071. im Tal befand sich ein kleiner gewölbeartiger Raum, der
  21072. früher einmal den Reichsräten von Bayern als eine Art
  21073. Kneipzimmer gedient hatte. Er war finster und dunkel und
  21074. paßte dadurch ebensogut für seine frühere Bestimmung, als
  21075. er wenig der ihm zugedachten neuen Verwendung entsprach.
  21076. Das Gäßchen, in das sein einziges Fenster mündete, war
  21077. so schmal, daß selbst am hellsten Sommertage das Zimmer
  21078. düster und finster blieb. Dies wurde unsere erste Geschäftsstelle. Da die Miete monatlich nur fünfzig Mark betrug
  21079. (für uns damals eine Riesensumme!), konnten wir aber
  21080. Aufbau der Bewegung
  21081. 663
  21082. keine großen Anforderungen stellen und durften uns nicht
  21083. einmal beklagen, als man vor unserem Einzug noch schnell
  21084. die einst für die Reichsräte bestimmte Täfelung der Wände
  21085. herausriß, so daß der Raum nun wirklich mehr den Eindruck einer Gruft als den eines Büros hinterließ.
  21086. Und doch war dies schon ein ungeheurer Fortschritt.
  21087. Langsam erhielten wir elektrisches Licht, noch langsamer
  21088. ein Telephon; ein Tisch mit einigen geliehenen Stühlen kam
  21089. hinein, endlich eine offene Stellage, noch etwas später ein
  21090. Schrank; zwei Kredenzen, die dem Wirt gehörten, sollten
  21091. zur Aufbewahrung von Flugblättern, Plakaten usw. dienen.
  21092. Der bisherige Betrieb, das heißt die Leitung der Bewegung durch eine in der Woche einmal stattfindende Sitzung
  21093. des Ausschusses, war auf die Dauer unhaltbar. Nur ein
  21094. von der Bewegung besoldeter Beamte konnte einen laufenden Geschäftsbetrieb garantieren.
  21095. Das war damals sehr schwer. Die Bewegung hatte noch
  21096. so wenig Mitglieder, daß es eine Kunst war, unter ihnen
  21097. einen geeigneten Mann ausfindig zu machen, der bei geringsten Ansprüchen für seine eigene Person die vielfältigsten Ansprüche der Bewegung befriedigen konnte.
  21098. In einem Soldaten, einem ehemaligen Kameraden von
  21099. mir, S c h ü ß l e r , wurde nach langem Suchen der erste
  21100. Geschäftsführer der Partei gefunden. Er kam erst täglich
  21101. zwischen sechs und acht Uhr in unser neues Büro, später
  21102. zwischen fünf und acht Uhr, endlich jeden Nachmittag, und
  21103. kurze Zeit darauf wurde er voll übernommen und verrichtete nun vom Morgen bis in die späte Nacht hinein
  21104. seinen Dienst. Er war ein ebenso fleißiger wie redlicher,
  21105. grundehrlicher Mensch, der sich persönlich alle Mühe gab,
  21106. und der besonders der Bewegung selbst treu anhing. Schüßler brachte eine kleine Adler-Schreibmaschine mit, die sein
  21107. Eigentum war. Es war das erste derartige Instrument im
  21108. Dienste unserer Bewegung. Sie wurde später durch Ratenzahlungen von der Partei erworben. Ein kleiner Kassenschrank schien notwendig zu sein, um die Kartothek und die
  21109. Mitgliedsbücher vor Diebesfingern zu sichern. Die Anschaffung erfolgte also nicht, um die großen Gelder zu deponieren,
  21110. 664
  21111. Aufbau der Bewegung
  21112. die wir damals etwa besessen hätten. Im Gegenteil, es war
  21113. alles unendlich ärmlich, und ich habe oft von meinen kleinen
  21114. Ersparnissen zugesetzt.
  21115. Eineinhalb Jahre später war die Geschäftsstelle zu klein,
  21116. und es erfolgte der Umzug in das neue Lokal an der
  21117. Corneliusstraße. Wieder war es eine Wirtschaft, in die wir
  21118. zogen, allein wir besaßen nun nicht mehr bloß einen Raum,
  21119. sondern bereits drei Räume und einen großen Schalterraum dazu. Damals kam uns das schon als viel vor. Hier
  21120. blieben wir bis zum November 1923.
  21121. Im Dezember 1920 erfolgte die Erwerbung des „Völkischen Beobachter“. Dieser, der schon seinem Namen entsprechend im allgemeinen für völkische Belange eintrat,
  21122. sollte nun zum Organ der NSDAP. umgestellt werden.
  21123. Er erschien erst wöchentlich zweimal, wurde Anfang 1923
  21124. Tageszeitung und erhielt Ende August 1923 sein später
  21125. bekanntes großes Format.
  21126. Ich habe damals als vollständiger Neuling auf dem Gebiete des Zeitungswesens auch manches schlimme Lehrgeld
  21127. bezahlen müssen.
  21128. An sich mußte einem die Tatsache, daß gegenüber der
  21129. ungeheuren jüdischen Presse kaum eine einzige wirklich
  21130. bedeutende völkische Zeitung bestand, zu denken geben.
  21131. Es lag dies, wie ich dann in der Praxis unzählige Male
  21132. selber feststellen konnte, zu seinem sehr großen Teil an der
  21133. wenig geschäftstüchtigen Aufmachung der sogenannten völkischen Unternehmungen überhaupt. Sie wurden viel zu
  21134. sehr nach dem Gesichtspunkt geführt, daß Gesinnung vor
  21135. die Leistung zu treten hätte. Ein ganz falscher Standpunkt,
  21136. insofern die Gesinnung ja nichts Äußerliches sein darf,
  21137. sondern geradezu ihren schönsten Ausdruck in der Leistung
  21138. findet. Wer für sein Volk wirklich Wertvolles schafft, bekundet damit eine ebenso wertvolle Gesinnung, während
  21139. ein anderer, der bloß Gesinnung heuchelt, ohne in Wirklichkeit seinem Volke nützliche Dienste zu verrichten, ein
  21140. Schädling jeder wirklichen Gesinnung ist. Er belastet auch
  21141. die Gemeinschaft mit seiner Gesinnung.
  21142. Auch der „V ö l k i s c h e B e o b a c h t e r “ war, wie schon
  21143. Aufbau der Bewegung
  21144. 665
  21145. der Name sagt, ein sogenanntes „völkisches“ Organ mit all
  21146. den Vorzügen und noch mehr Fehlern und Schwächen, die
  21147. den völkischen Einrichtungen anhafteten. So ehrenhaft sein
  21148. Inhalt war, so kaufmännisch unmöglich war die Verwaltung
  21149. des Unternehmens. Auch bei ihm lag die Meinung zugrunde, daß völkische Zeitungen durch völkische Spenden
  21150. erhalten werden müßten, anstatt der, daß sie sich im Konkurrenzkampf mit den anderen eben durchzusetzen haben,
  21151. und daß es eine Unanständigkeit ist, die Nachlässigkeiten
  21152. oder Fehler der geschäftlichen Führung des Unternehmens
  21153. durch Spenden gutgesinnter Patrioten decken zu wollen.
  21154. Ich habe mich jedenfalls bemüht, diesen Zustand, den ich
  21155. in seiner Bedenklichkeit bald erkannt hatte, zu beseitigen,
  21156. und das Glück half mir dabei insofern, als es mich den
  21157. Mann kennenlernen ließ, der seitdem nicht nur als geschäftlicher Leiter der Zeitung, sondern auch als Geschäftsführer der Partei für die Bewegung unendlich Verdienstvolles geleistet hat. Im Jahre 1914, also im Felde, lernte
  21158. ich (damals noch als meinen Vorgesetzten) den heutigen
  21159. Generalgeschäftsführer der Partei, M a x A m a n n , kennen.
  21160. In den vier Jahren Kriegszeit hatte ich Gelegenheit, fast
  21161. dauernd die außerordentliche Fähigkeit, den Fleiß und die
  21162. peinliche Gewissenhaftigkeit meines späteren Mitarbeiters
  21163. zu beobachten.
  21164. Im Hochsommer 1921, als die Bewegung sich in einer
  21165. schweren Krise befand und ich mit einer Anzahl von Angestellten nicht mehr zufrieden sein konnte, ja mit einem
  21166. einzelnen die bitterste Erfahrung gemacht hatte, wandte
  21167. ich mich an meinen einstigen Regimentskameraden, den
  21168. mir der Zufall eines Tages zuführte, mit der Bitte, er möge
  21169. nun der Geschäftsführer der Bewegung werden. Nach langem Zögern – Amann befand sich in einer aussichtsreichen
  21170. Stellung – willigte er endlich ein, allerdings unter der
  21171. ausdrücklichen Bedingung, daß er niemals einen Büttel für
  21172. irgendwelche nichtskönnende Ausschüsse abzugeben haben
  21173. würde, sondern ausschließlich nur einen einzigen Herrn
  21174. anerkenne.
  21175. Es ist das unauslöschliche Verdienst dieses kaufmännisch
  21176. 666
  21177. Aufbau der Bewegung
  21178. wirklich umfassend gebildeten ersten Geschäftsführers der
  21179. Bewegung, in die Parteibetriebe Ordnung und Sauberkeit
  21180. hineingebracht zu haben. Sie sind seitdem vorbildlich geblieben und konnten von keiner der Untergliederungen der
  21181. Bewegung erreicht, geschweige denn übertroffen werden.
  21182. Wie immer im Leben ist aber überragende Tüchtigkeit nicht
  21183. selten der Anlaß zu Neid und Mißgunst. Das mußte man
  21184. natürlich auch in diesem Falle erwarten und geduldig in
  21185. Kauf nehmen.
  21186. Schon im Jahre 1922 waren im allgemeinen feste Richtlinien sowohl für den geschäftlichen als auch rein organisatorischen Ausbau der Bewegung vorhanden. Es bestand
  21187. bereits eine vollständige Zentralkartothek, die sämtliche zur
  21188. Bewegung gehörenden Mitglieder umfaßte. Ebenso war die
  21189. Finanzierung der Bewegung in gesunde Bahnen gebracht
  21190. worden. Laufende Ausgaben mußten durch laufende Einnahmen gedeckt werden, außerordentliche Einnahmen wurden nur für außerordentliche Ausgaben verwendet. Trotz
  21191. der Schwere der Zeit blieb die Bewegung dadurch, abgesehen von kleineren laufenden Rechnungen, fast schuldenfrei, ja es gelang ihr sogar, eine dauernde Vermehrung
  21192. ihrer Werte vorzunehmen. Es wurde gearbeitet wie in
  21193. einem Privatbetrieb: das angestellte Personal hatte sich
  21194. durch Leistung auszuzeichnen und konnte sich keineswegs nur
  21195. auf die berühmte „Gesinnung“ berufen. Die Gesinnung jedes Nationalsozialisten beweist sich zuerst in seiner Bereitwilligkeit, in seinem Fleiß und Können zur Leistung der
  21196. ihm von der Volksgemeinschaft übertragenen Arbeit. Wer
  21197. seine Pflicht hier nicht erfüllt, soll sich nicht einer Gesinnung
  21198. rühmen, gegen die er selbst in Wahrheit sündigt. Von dem
  21199. neuen Geschäftsführer der Partei wurde, entgegen allen
  21200. möglichen Einflüssen, mit äußerster Energie der Standpunkt vertreten, daß Parteibetriebe keine Sinekure für
  21201. wenig arbeitsfreudige Anhänger oder Mitglieder sein dürfen.
  21202. Eine Bewegung, die in so scharfer Form gegen die parteimäßige Korruption unseres heutigen Verwaltungsapparates
  21203. kämpft, muß ihren eigenen Apparat von solchen Lastern
  21204. rein halten. Es kam der Fall vor, daß in die Verwal-
  21205. Aufbau der Bewegung
  21206. 667
  21207. tung der Zeitung Angestellte aufgenommen wurden, die
  21208. ihrer früheren Gesinnung nach zur Bayerischen Volkspartei
  21209. gehörten, allein an ihren Leistungen gemessen, sich als ausgezeichnet qualifiziert erwiesen. Das Ergebnis dieses Versuches war im allgemeinen hervorragend. Gerade durch
  21210. diese ehrliche und offene Anerkennung der wirklichen Leistung des einzelnen hat sich die Bewegung die Herzen dieser
  21211. Angestellten schneller und gründlicher erobert, als dies sonst
  21212. je der Fall gewesen wäre. Sie wurden später gute Nationalsozialisten und blieben dies, nicht nur dem Munde nach,
  21213. sondern bezeugten es durch die gewissenhafte, ordentliche
  21214. und redliche Arbeit, die sie im Dienste der neuen Bewegung
  21215. vollbrachten. Es ist selbstverständlich, daß der gutqualifizierte
  21216. Parteigenosse dem ebensogut angeschriebenen Nichtparteigenossen vorgezogen wurde. Allein niemand erhielt eine
  21217. Anstellung auf Grund seiner Parteizugehörigkeit allein.
  21218. Die Entschiedenheit, mit welcher der neue Geschäftsführer
  21219. diese Grundsätze vertrat und allmählich, allen Widerständen
  21220. zum Trotz, durchsetzte, war später für die Bewegung von
  21221. größtem Nutzen. Nur dadurch war es möglich, daß in der
  21222. schwierigen Inflationszeit, da Zehntausende von Unternehmen zugrunde gingen und Tausende von Zeitungen
  21223. schließen mußten, die Geschäftsleitung der Bewegung nicht
  21224. nur stehenblieb und ihren Aufgaben genügen konnte, sondern daß der „Völkische Beobachter“ einen immer größeren Ausbau erfuhr. Er war damals in die Reihe der großen
  21225. Zeitungen eingetreten.
  21226. Das Jahr 1921 hatte weiter die Bedeutung, daß es mir
  21227. durch meine Stellung als Vorsitzender der Partei langsam
  21228. gelang, auch die einzelnen Parteibetriebe der Kritik und
  21229. dem Hineinreden von soundso viel Ausschußmitgliedern zu
  21230. entziehen. Es war dies wichtig, weil man einen wirklich
  21231. fähigen Kopf für eine Aufgabe nicht gewinnen konnte,
  21232. wenn ihm dauernd Nichtskönner dazwischenschwätzten, die
  21233. alles besser verstanden, um in Wirklichkeit einen heillosen
  21234. Wirrwarr zurückzulassen. Worauf sich dann allerdings diese
  21235. Alleskönner meistens ganz bescheiden zurückzogen, um ein
  21236. anderes Feld für ihre kontrollierende und inspirierende
  21237. 668
  21238. Aufbau der Bewegung
  21239. Tätigkeit auszuspionieren. Es gab Menschen, die von einer
  21240. förmlichen Krankheit besessen waren, hinter allem und
  21241. jedem etwas zu finden, und die sich in einer Art Dauerschwangerschaft von ausgezeichneten Plänen, Gedanken,
  21242. Projekten, Methoden befanden. Ihr idealstes und höchstes
  21243. Ziel war dann meist die Bildung eines Ausschusses, der als
  21244. Kontrollorgan die ordentliche Arbeit der anderen fachmännisch zu beschnüffeln hatte. Wie beleidigend und wie
  21245. unnationalsozialistisch es aber ist, wenn Menschen, die eine
  21246. Sache nicht verstehen, den wirklichen Fachleuten ununterbrochen dreinreden, kam manchem dieser Ausschüßler wohl
  21247. nicht zum Bewußtsein. Ich habe es jedenfalls als meine
  21248. Pflicht angesehen, in diesen Jahren alle ordentlich arbeitenden und mit Verantwortung belasteten Kräfte der Bewegung vor solchen Elementen in Schutz zu nehmen, ihnen
  21249. die notwendige Rückendeckung und das freie Arbeitsfeld
  21250. nach vorne zu verschaffen.
  21251. Das beste Mittel, solche Ausschüsse, die nichts taten oder
  21252. nur praktisch undurchführbare Beschlüsse zusammenbrauten, unschädlich zu machen, war allerdings das, ihnen irgendeine wirkliche Arbeit zuzuweisen. Es war zum Lachen, wie
  21253. lautlos sich dann solch ein Verein verflüchtigte und plötzlich ganz unauffindbar wurde. Ich gedachte dabei unserer
  21254. größten derartigen Institution, des Reichstages. Wie würden da plötzlich alle verduften, wenn man ihnen nur statt
  21255. des Geredes eine wirkliche Arbeit zuwiese, und zwar eine
  21256. Arbeit, die jeder einzelne dieser Schwadroneure unter persönlichster Verantwortlichkeit zu leisten hätte.
  21257. Ich habe schon damals immer die Forderung gestellt, daß
  21258. wie überall im privaten Leben auch in der Bewegung für
  21259. die einzelnen Betriebe so lange gesucht werden müßte, bis
  21260. der ersichtlich fähige und ehrliche Beamte, Verwalter oder
  21261. Leiter sich gefunden hätte. Diesem war dann aber unbedingte Autorität und Handlungsfreiheit nach unten zu
  21262. geben bei Aufbürdung restloser Verantwortlichkeit nach
  21263. oben, wobei niemand Autorität Untergebenen gegenüber
  21264. erhält, der nicht selbst Besserkönner der betreffenden Arbeit
  21265. ist. Im Verlaufe von zwei Jahren habe ich mich mit meiner
  21266. Aufbau der Bewegung
  21267. 669
  21268. Ansicht immer mehr durchgesetzt, und heute ist sie in der
  21269. Bewegung, wenigstens soweit die oberste Leitung in Frage
  21270. kommt, bereits selbstverständlich.
  21271. Der sichtbare Erfolg dieser Handlung aber zeigte sich am
  21272. 9. November 1923: Als ich vier Jahre vorher zur Bewegung kam, war nicht einmal ein Stempel vorhanden. Am
  21273. 9. November 1923 fand die Auflösung der Partei, die Beschlagnahme ihres Vermögens statt. Dieses bezifferte sich
  21274. einschließlich aller Wertobjekte und der Zeitung bereits auf
  21275. über hundertsiebzigtausend Goldmark.
  21276. 12. Kapitel
  21277. Die Gewerkschaftsfrage
  21278. D as schnelle Wachstum der Bewegung zwang uns, im
  21279. Jahre 1922 zu einer Frage Stellung zu nehmen, die
  21280. auch heute nicht restlos gelöst ist.
  21281. Bei unseren Versuchen, diejenigen Methoden zu studieren, die am ehesten und leichtesten der Bewegung den Weg
  21282. zum Herzen der breiten Masse bahnen konnten, stießen wir
  21283. immer auf den Einwand, daß der Arbeiter uns nie vollständig gehören könne, solange seine Interessenvertretung
  21284. auf rein beruflichem und wirtschaftlichem Gebiet in den
  21285. Händen Andersgesinnter und deren politischen Organisationen ruhe.
  21286. Dieser Einwand hatte natürlich viel für sich. Der Arbeiter, der in einem Betrieb tätig war, konnte der allgemeinen Überzeugung nach gar nicht existieren, wenn er
  21287. nicht Mitglied einer Gewerkschaft wurde. Nicht nur, daß
  21288. seine beruflichen Belange dadurch allein geschützt erschienen,
  21289. war auch seine Stellung im Betriebe auf die Dauer lediglich
  21290. als Gewerkschaftsangehöriger denkbar. Die Majorität der
  21291. Arbeiter befand sich in gewerkschaftlichen Verbänden. Diese
  21292. hatten im allgemeinen die Lohnkämpfe durchgefochten und
  21293. die tariflichen Verträge abgeschlossen, die dem Arbeiter nun
  21294. ein bestimmtes Einkommen sicherstellten. Ohne Zweifel
  21295. kamen die Ergebnisse dieser Kämpfe allen Arbeitern des
  21296. Betriebes zugute, und es mußten sich besonders für den anständigen Menschen Gewissenskonflikte ergeben, wenn er
  21297. den von den Gewerkschaften erkämpften Lohn wohl einsteckte, aber sich selbst vom Kampf ausschloß.
  21298. Mit dem normalen bürgerlichen Unternehmer konnte
  21299. man über diese Probleme schwer sprechen. Sie hatten weder
  21300. Sind Gewerkschaften notwendig?
  21301. 671
  21302. Verständnis (oder wollten keines haben) für die materielle
  21303. Seite der Frage noch für die moralische. Endlich sprechen
  21304. ja ihre vermeintlichen eigenen wirtschaftlichen Interessen
  21305. von vornherein gegen jede organisatorische Zusammenfassung der ihnen unterstellten Arbeitskräfte, so daß sich schon
  21306. aus diesem Grunde bei den meisten ein unbefangenes Urteil schwer bilden kann. Es ist also hier, wie so oft, notwendig, daß man sich an die Außenstehenden wendet, die nicht
  21307. der Versuchung unterliegen, vor lauter Bäumen den Wald
  21308. nicht zu sehen. Diese werden dann bei gutem Willen viel
  21309. leichter Verständnis für eine Angelegenheit bekommen, die
  21310. so oder so zu den wichtigsten unseres heutigen und künftigen Lebens gehört.
  21311. Ich habe mich schon im ersten Band über Wesen und
  21312. Zweck und über die Notwendigkeit von Gewerkschaften geäußert. Ich habe dort den Standpunkt eingenommen, daß,
  21313. solange nicht entweder durch staatliche Maßnahmen (die
  21314. jedoch meistens unfruchtbar sind) oder durch eine allgemeine
  21315. neue Erziehung eine Änderung der Stellungnahme des
  21316. Arbeitgebers zum Arbeitnehmer eintritt, diesem gar nichts
  21317. anderes übrigbleibt, als unter Berufung auf sein Recht als
  21318. gleichwertiger Kontrahent im Wirtschaftsleben seine Interessen selbst zu wahren. Ich betonte weiter, daß eine solche
  21319. Wahrnehmung durchaus im Sinne einer ganzen Volksgemeinschaft läge, wenn durch sie soziale Ungerechtigkeiten,
  21320. die in der Folge zu schweren Schädigungen des ganzen Gemeinschaftswesens eines Volkes führen müssen, verhindert
  21321. werden können. Ich erklärte weiterhin, daß die Notwendigkeit so lange als gegeben erachtet werden muß, solange
  21322. es unter den Unternehmern Menschen gibt, die von sich
  21323. aus nicht nur kein Gefühl für soziale Pflichten, sondern
  21324. nicht einmal für primitivste menschliche Rechte besitzen; und
  21325. ich zog daraus den Schluß, daß, wenn eine solche Selbstwehr einmal als notwendig angesehen wird, ihre Form
  21326. sinngemäß nur in einer Zusammenfassung der Arbeitnehmer auf gewerkschaftlicher Grundlage bestehen kann.
  21327. An dieser allgemeinen Auffassung hat sich bei mir auch im
  21328. Jahre 1922 nichts geändert. Wohl aber mußte nun eine
  21329. 672
  21330. Sind Gewerkschaften notwendig?
  21331. klare und bestimmte Formulierung für die Einstellung zu
  21332. diesen Problemen gesucht werden. Es ging nicht an, sich
  21333. weiterhin einfach mit Erkenntnissen zufrieden zu geben,
  21334. sondern es war nötig, aus diesen praktischen Folgerungen
  21335. zu ziehen.
  21336. Es handelte sich um die Beantwortung folgender Fragen:
  21337. 1.Sind Gewerkschaften notwendig?
  21338. 2.Soll die NSDAP. selbst sich gewerkschaftlich betätigen oder ihre Mitglieder
  21339. in irgendeiner Form einer solchen Betätigung zuführen?
  21340. 3.Welcher Art muß eine nationalsozialistische Gewerkschaft sein? Was sind unsere Aufgaben und ihre Ziele?
  21341. 4.Wie kommen wir zu solchen Gewerkschaften.
  21342. Ich glaube, die e r s t e F r a g e eigentlich zur Genüge beantwortet zu haben. Wie die Dinge heute liegen, können
  21343. meiner Überzeugung nach die Gewerkschaften gar nicht entbehrt werden. Im Gegenteil, sie gehören zu den wichtigsten
  21344. Einrichtungen des wirtschaftlichen Lebens der Nation. Ihre
  21345. Bedeutung liegt aber nicht nur auf sozialpolitischem Gebiet,
  21346. sondern noch viel mehr auf einem allgemeinen nationalpolitischen. Denn ein Volk, dessen breite Masse durch eine
  21347. richtige Gewerkschaftsbewegung die Befriedigung ihrer
  21348. Lebensbedürfnisse, zugleich aber auch eine Erziehung erhält, wird dadurch eine außerordentliche Stärkung seiner
  21349. gesamten Widerstandskraft im Daseinskampf erlangen.
  21350. Die Gewerkschaften sind vor allem notwendig als Bausteine des künftigen Wirtschaftsparlaments beziehungsweise der Ständekammern.
  21351. Die z w e i t e F r a g e ist ebenfalls noch leicht zu beantworten. Wenn die Gewerkschaftsbewegung wichtig ist, dann
  21352. ist es klar, daß der Nationalsozialismus nicht nur rein
  21353. theoretisch, sondern auch praktisch zu ihr Stellung nehmen
  21354. muß. Allerdings ist dann das W i e schon schwerer zu klären.
  21355. Die nationalsozialistische Bewegung, die als Ziel ihres
  21356. Nationalsozialistische Gewerkschaften?
  21357. 673
  21358. Wirkens den nationalsozialistischen völkischen Staat vor
  21359. Augen hat, darf nicht im Zweifel darüber sein, daß alle
  21360. künftigen Institutionen dieses Staates von einst aus der
  21361. Bewegung selbst herauswachsen müssen. Es ist der größte
  21362. Fehler, zu glauben, daß man plötzlich aus dem Nichts, nur
  21363. im Besitze der Macht, eine bestimmte Reorganisation vornehmen kann, ohne schon vorher einen gewissen Grundstock
  21364. an Menschen, die vor allem gesinnungsmäßig vorgebildet
  21365. sind, zu besitzen. Auch hier gilt der Grundsatz, daß wichtiger
  21366. als die äußere Form, die mechanisch sehr schnell zu schaffen
  21367. ist, immer der Geist bleibt, der eine solche Form erfüllt.
  21368. Befehlsmäßig kann man zum Beispiel sehr wohl das Führerprinzip diktatorisch einem Staatsorganismus aufpfropfen. Lebendig wird dieses aber nur dann sein, wenn es in
  21369. eigener Entwicklung aus kleinstem heraus sich selbst allmählich gebildet hat und durch die dauernde Auswahl, die
  21370. die harte Wirklichkeit des Lebens ununterbrochen vornimmt, im Laufe von vielen Jahren das für die Durchführung dieses Prinzips notwendige Führermaterial erhielt.
  21371. Man darf sich also nicht vorstellen, plötzlich aus einer
  21372. Aktentasche die Entwürfe zu einer neuen Staatsverfassung
  21373. ans Tageslicht ziehen und diese nun durch einen Machtspruch von oben „einführen“ zu können. Versuchen kann
  21374. man so etwas, allein das Ergebnis wird sicher nicht lebensfähig, meist schon ein totgeborenes Kind sein. Das erinnert
  21375. mich ganz an die Entstehung der Weimarer Verfassung und
  21376. an den Versuch, dem deutschen Volk mit einer neuen Verfassung auch eine neue Fahne zu spendieren, die in keinem
  21377. inneren Zusammenhang mit dem Erleben unseres Volkes
  21378. im letzten halben Jahrhundert stand.
  21379. Auch der nationalsozialistische Staat muß sich vor solchen
  21380. Experimenten hüten. Er kann dereinst nur aus einer schon
  21381. längst vorhandenen Organisation herauswachsen. Diese
  21382. Organisation muß das nationalsozialistische Leben ursprünglich in sich besitzen, um endlich einen lebendigen
  21383. nationalsozialistischen Staat zu schaffen.
  21384. Wie schon betont, werden die Keimzellen zu den Wirtschaftskammern in den verschiedenen Berufsvertretungen,
  21385. 23
  21386. 674
  21387. Nationalsozialistische Gewerkschaften?
  21388. also vor allem in den Gewerkschaften, zu liegen haben. Sollen
  21389. aber diese spätere Ständevertretung und das zentrale Wirtschaftsparlament eine nationalsozialistische Institution darstellen, dann müssen auch diese wichtigen Keimzellen Träger einer nationalsozialistischen Gesinnung und Auffassung
  21390. sein. Die Institutionen der Bewegung sind in den Staat
  21391. überzuführen, aber der Staat kann nicht plötzlich entsprechende Einrichtungen aus dem Nichts hervorzaubern, wenn
  21392. sie nicht vollkommen leblose Gebilde bleiben sollen.
  21393. Schon aus diesem höchsten Gesichtspunkte heraus muß
  21394. die nationalsozialistische Bewegung die Notwendigkeit
  21395. eigener gewerkschaftlicher Betätigung anerkennen.
  21396. Sie muß dies weiter noch deshalb, weil eine wirklich
  21397. nationalsozialistische Erziehung sowohl der Arbeitgeber als
  21398. auch der Arbeitnehmer im Sinne eines beiderseitigen Eingliederns in den gemeinsamen Rahmen der Volksgemeinschaft nicht erfolgt durch theoretische Belehrungen, Aufrufe
  21399. oder Ermahnungen, sondern durch den Kampf des täglichen
  21400. Lebens. An ihm und durch ihn hat die Bewegung die einzelnen großen wirtschaftlichen Gruppen zu erziehen und sie
  21401. in den großen Gesichtspunkten einander näherzubringen.
  21402. Ohne eine solche Vorarbeit bleibt jede Hoffnung auf das
  21403. Erstehen einer einstigen wahrhaften Volksgemeinschaft
  21404. blanke Illusion. Nur das große weltanschauliche Ideal,
  21405. das die Bewegung verficht, kann langsam jenen allgemeinen Stil bilden, der dann einst die neue Zeit als eine
  21406. wirklich innerlich festfundierte erscheinen läßt und nicht
  21407. als eine nur äußerlich gemachte.
  21408. So muß sich die Bewegung nicht nur zu dem Gedanken
  21409. der Gewerkschaft als solchem bejahend einstellen, sondern
  21410. sie muß der Unsumme ihrer Mitglieder und Anhänger
  21411. in der praktischen Betätigung die erforderliche Erziehung
  21412. für den kommenden nationalsozialistischen Staat zuteil
  21413. werden lassen.
  21414. Die Beantwortung der d r i t t e n F r a g e ergibt sich
  21415. aus dem Vorhergesagten.
  21416. Die nationalsozialistische Gewerkschaft
  21417. ist kein Organ des Klassenkampfes, son-
  21418. Nationalsozialistische Gewerkschaften?
  21419. 675
  21420. dern
  21421. ein
  21422. Organ
  21423. der
  21424. Berufsvertretung.
  21425. Der
  21426. nationalsozialistische
  21427. Staat
  21428. kennt
  21429. keine „Klassen“, sondern in politischer
  21430. Hinsicht nur Bürger mit vollständig gleichen Rechten und demgemäß auch gleichen allgemeinen Pflichten und daneben
  21431. Staatsangehörige,
  21432. die
  21433. in
  21434. staatspolitischer Hinsicht aber vollständig rechtlos
  21435. sind.
  21436. Die Gewerkschaft im nationalsozialistischen Sinne hat
  21437. nicht die Aufgabe, durch Zusammenfassung bestimmter Menschen innerhalb eines Volkskörpers diese allmählich in eine
  21438. Klasse umzuwandeln, um mit ihr dann den Kampf gegen
  21439. andere, ähnlich organisierte Gebilde innerhalb der Volksgemeinschaft aufzunehmen. Diese Aufgabe können wir der
  21440. Gewerkschaft an sich überhaupt nicht zuschreiben, sondern
  21441. sie wurde ihr erst verliehen in dem Augenblick, in dem sie
  21442. zum Kampfinstrument des Marxismus wurde. N i c h t d i e
  21443. Gewerkschaft
  21444. ist
  21445. „klassenkämpferisch“,
  21446. sondern der Marxismus hat aus ihr ein
  21447. Instrument für seinen Klassenkampf gem a c h t . Er schuf die wirtschaftliche Waffe, die der internationale Weltjude anwendet zur Zertrümmerung der wirtschaftlichen Basis der freien, unabhängigen Nationalstaaten, zur Vernichtung ihrer nationalen Industrie und ihres
  21448. nationalen Handels und damit zur Versklavung freier Völker im Dienste des überstaatlichen Weltfinanz-Judentums.
  21449. Die nationalsozialistische Gewerkschaft
  21450. hat demgegenüber durch die organisatorische Zusammenfassung bestimmter Gruppen
  21451. von
  21452. Teilnehmern
  21453. am
  21454. nationalen
  21455. Wirtschaftsprozeß die Sicherheit der nationalen
  21456. Wirtschaft
  21457. selbst
  21458. zu
  21459. erhöhen
  21460. und deren Kraft zu stärken durch korrigierende
  21461. Beseitigung
  21462. all
  21463. jener
  21464. Mißstände, die in ihren letzten Folgeerscheinungen auf den nationalen Volkskörper
  21465. destruktiv einwirken, die lebendige Kraft
  21466. 676 Erkenntnisse nat.-soz. Arbeitgeber und Arbeitnehmer
  21467. der Volksgemeinschaft, damit aber auch
  21468. die des Staates schädigen und nicht zuletzt
  21469. der Wirtschaft selbst zum Unheil und Verderben geraten.
  21470. Für die nationalsozialistische Gewerkschaft ist damit der
  21471. Streik nicht ein Mittel der Zertrümmerung und Erschütterung der nationalen Produktion, sondern zu ihrer Steigerung und Flüssigmachung durch die Bekämpfung all jener
  21472. Mißstände, die infolge ihres unsozialen Charakters die Leistungsfähigkeit der Wirtschaft und damit die Existenz der
  21473. Gesamtheit behindern. Denn die Leistungsfähigkeit des einzelnen steht stets in ursächlichem Zusammenhange mit der
  21474. allgemeinen rechtlichen und sozialen Stellung, die er im
  21475. Wirtschaftsprozeß einnimmt und der nur daraus allein
  21476. resultierenden Erkenntnis über die Notwendigkeit des Gedeihens dieses Prozesses zu seinem eigenen Vorteil.
  21477. Der
  21478. nationalsozialistische
  21479. Arbeitnehmer muß wissen, daß die Blüte der nationalen Wirtschaft sein eigenes materielles
  21480. Glück bedeutet.
  21481. Der
  21482. nationalsozialistische
  21483. Arbeitgeber
  21484. muß wissen, daß das Glück und die Zufriedenheit seiner Arbeitnehmer die Voraussetzung
  21485. für
  21486. die
  21487. Existenz
  21488. und
  21489. Entwicklung seiner eigenen wirtschaftlichen
  21490. Größe ist.
  21491. Nationalsozialistische Arbeitnehmer und
  21492. nationalsozialistische
  21493. Arbeitgeber
  21494. sind
  21495. beide
  21496. Beauftragte
  21497. und
  21498. Sachwalter
  21499. der
  21500. g e s a m t e n V o l k s g e m e i n s c h a f t . Das hohe Maß
  21501. persönlicher Freiheit, das ihnen in ihrem Wirken dabei
  21502. zugebilligt wird, ist durch die Tatsache zu erklären, daß erfahrungsgemäß die Leistungsfähigkeit des einzelnen durch
  21503. weitgehende Freiheitsgewährung mehr gesteigert wird als
  21504. durch Zwang von oben, und es weiter geeignet ist zu verhindern, daß der natürliche Ausleseprozeß, der den Tüchtigsten, Fähigsten und Fleißigsten befördern soll, etwa
  21505. unterbunden wird.
  21506. Ständekammern und Wirtschaftsparlament
  21507. 677
  21508. Für die nationalsozialistische Gewerkschaft ist deshalb der
  21509. Streik ein Mittel, das nur so lange angewendet werden
  21510. darf und wohl auch muß, als nicht ein nationalsozialistischer
  21511. völkischer Staat besteht. Dieser freilich soll an Stelle des
  21512. Massenkampfes der beiden großen Gruppen – Arbeitgeberund Arbeitnehmertum – (der in seinen Folgen als Produktionsverminderung stets die Volksgemeinschaft insgesamt schädigt!) die Rechtssorge und den Rechtsschutz aller
  21513. übernehmen. Den W i r t s c h a f t s k a m m e r n selbst wird
  21514. die Verpflichtung zur Inbetriebhaltung der nationalen
  21515. Wirtschaft und zur Beseitigung von den diese schädigenden
  21516. Mängeln und Fehlern obliegen. Was heute durch die
  21517. Kämpfe von Millionen ausgefochten wird, muß dereinst
  21518. in S t ä n d e k a m m e r n und im z e n t r a l e n W i r t s c h a f t s p a r l a m e n t seine Erledigung finden. Damit
  21519. toben nicht mehr Unternehmertum und Arbeiter im Lohnund Tarifkampf gegeneinander, die wirtschaftliche Existenz
  21520. beider schädigend, sondern lösen diese Probleme gemeinsam an höherer Stelle, der über allem stets das Wohl der
  21521. Volksgesamtheit und des Staates in leuchtenden Lettern
  21522. vorschweben muß.
  21523. Auch hier hat, wie durchweg, der eherne Grundsatz zu
  21524. gelten, daß erst das Vaterland und dann die Partei kommt.
  21525. Die Aufgabe der nationalsozialistischen Gewerkschaft ist
  21526. die Erziehung und Vorbereitung zu diesem Ziele selbst,
  21527. das dann heißt: G e m e i n s a m e A r b e i t a l l e r a n
  21528. der Erhaltung und Sicherung unseres Volkes und seines Staates, entsprechend der
  21529. dem einzelnen angeborenen und durch die
  21530. Volksgemeinschaft
  21531. zur
  21532. Ausbildung
  21533. gebrachten Fähigkeiten und Kräfte.
  21534. Die v i e r t e F r a g e : Wie kommen wir zu solchen Gewerkschaften? schien seinerzeit am weitaus schwersten zu
  21535. beantworten.
  21536. Es ist im allgemeinen leichter, eine Gründung in einem
  21537. Neuland vorzunehmen als auf altem Gebiet, das bereits
  21538. eine ähnliche Gründung besitzt. In einem Ort, in dem noch
  21539. kein Geschäft einer bestimmten Art am Platze ist, kann
  21540. 678
  21541. Keine doppelten Gewerkschaften
  21542. man leicht ein solches errichten. Schwerer ist es, wenn sich
  21543. schon ein ähnliches Unternehmen vorfindet, und am schwersten, wenn dabei Bedingungen gegeben sind, unter denen
  21544. nur eines allein zu gedeihen vermag. Denn hier stehen die
  21545. Gründer vor der Aufgabe, nicht nur ihr eigenes neues Geschäft einzuführen, sondern sie müssen, um bestehen zu
  21546. können, das bisher am Orte befindliche vernichten.
  21547. Eine nationalsozialistische Gewerkschaft
  21548. neben anderen Gewerkschaften ist sinnlos.
  21549. Denn auch sie muß sich durchdrungen fühlen von ihrer weltanschaulichen Aufgabe und der aus dieser geborenen Verpflichtung zur Unduldsamkeit gegen andere ähnliche oder
  21550. gar feindliche Gebilde und zur Betonung der ausschließlichen Notwendigkeit des eigenen Ich. Es gibt auch hier
  21551. kein Sich-Verständigen und keinen Kompromiß mit verwandten Bestrebungen, sondern nur die Aufrechterhaltung
  21552. des a b s o l u t e n a l l e i n i g e n R e c h t e s .
  21553. Es gab nun zwei Wege, zu einer solchen Entwicklung zu
  21554. kommen:
  21555. 1. M a n k o n n t e e i n e e i g e n e G e w e r k s c h a f t
  21556. gründen und dann allmählich den Kampf
  21557. gegen die internationalen marxistischen
  21558. G e w e r k s c h a f t e n a u f n e h m e n , oder man konnte
  21559. 2. i n d i e m a r x i s t i s c h e n G e w e r k s c h a f t e n
  21560. eindringen und diese selbst mit dem neuen
  21561. G e i s t e z u e r f ü l l e n t r a c h t e n , beziehungsweise zu
  21562. Instrumenten der neuen Gedankenwelt umformen.
  21563. Gegen den ersten Weg sprachen folgende Bedenken: Unsere finanziellen Schwierigkeiten waren zu jener Zeit immer
  21564. noch sehr erheblich, die Mittel, die uns zur Verfügung
  21565. standen, ganz unbedeutend. Die allmählich immer mehr um
  21566. sich greifende Inflation erschwerte die Lage noch dadurch,
  21567. daß in diesen Jahren von einem greifbaren materiellen
  21568. Nutzen der Gewerkschaft für das Mitglied kaum hätte gesprochen werden können. Der einzelne Arbeiter hatte, von
  21569. solchem Gesichtspunkt aus betrachtet, damals gar keinen
  21570. Grund, in die Gewerkschaft einzubezahlen. Selbst die schon
  21571. bestehenden marxistischen waren fast am Zusammenbruch,
  21572. Gewerkschaft und Führerfrage
  21573. 679
  21574. bis ihnen durch die geniale Ruhraktion des Herrn Cuno
  21575. die Millionen plötzlich in den Schoß fielen. Dieser sogenannte „nationale“ Reichskanzler darf als der Retter der
  21576. marxistischen Gewerkschaften bezeichnet werden.
  21577. Mit solchen finanziellen Möglichkeiten durften wir damals nicht rechnen; und es konnte niemanden verlocken, in
  21578. eine neue Gewerkschaft einzutreten, die ihm infolge ihrer
  21579. finanziellen Ohnmacht nicht das geringste zu bieten vermocht hätte. Andererseits muß ich mich unbedingt dagegen
  21580. wehren, in einer solchen neuen Organisation nur ein Druckpöstchen für mehr oder minder große Geister zu schaffen.
  21581. Überhaupt spielte die Personenfrage mit die allergrößte
  21582. Rolle. Ich hatte damals nicht einen einzigen Kopf, dem ich
  21583. die Lösung dieser gewaltigen Aufgabe zugetraut hätte.
  21584. Wer in jener Zeit die marxistischen Gewerkschaften wirklich zertrümmert hätte,
  21585. um an Stelle dieser Institution des vernichtenden Klassenkampfes der nationalsozialistischen
  21586. Gewerkschaftsidee
  21587. zum
  21588. Siege zu verhelfen, der gehörte mit zu den
  21589. ganz großen Männern unseres Volkes, und
  21590. seine Büste hätte dereinst in der Walhalla
  21591. zu Regensburg der Nachwelt gewidmet werden müssen.
  21592. Ich habe aber keinen Schädel gekannt, der auf ein solches
  21593. Postament gepaßt hätte.
  21594. Es ist ganz falsch, sich in dieser Ansicht durch die Tatsache
  21595. beirren zu lassen, daß die internationalen Gewerkschaften
  21596. selbst ja auch nur über lauter Durchschnittsköpfe verfügen.
  21597. Dies besagt in Wirklichkeit gar nichts; denn als jene einst
  21598. gegründet worden war, gab es sonst nichts. Heute muß
  21599. die nationalsozialistische Bewegung gegen eine längst bestehende gigantische und bis ins kleinste ausgebaute
  21600. Riesenorganisation ankämpfen. Der Eroberer muß aber
  21601. stets genialer sein als der Verteidiger, will er diesen bezwingen. Die marxistische Gewerkschaftsburg kann heute
  21602. wohl von gewöhnlichen Bonzen verwaltet werden, gestürmt
  21603. wird sie aber nur von der wilden Energie und genialen
  21604. 680
  21605. Erst Weltanschauungskampf
  21606. Fähigkeit eines überragenden Großen auf der anderen
  21607. Seite. Wenn sich ein solcher nicht findet, ist es zwecklos, mit
  21608. dem Schicksal zu hadern, und noch viel unsinniger, mit
  21609. unzulänglichem Ersatz die Sache zwingen zu wollen.
  21610. Hier gilt es, die Erkenntnis zu verwerten, daß es im
  21611. Leben manches Mal besser ist, eine Sache zunächst liegen zu
  21612. lassen, als sie mangels geeigneter Kräfte nur halb oder
  21613. schlecht zu beginnen.
  21614. Eine andere Erwägung, die man ja nicht als demagogisch bezeichnen sollte, kam noch hinzu. Ich hatte damals
  21615. und besitze auch heute noch die unverrückbare Überzeugung,
  21616. daß es gefährlich ist, einen großen politisch-weltanschaulichen Kampf zu frühzeitig mit wirtschaftlichen Dingen zu
  21617. verknüpfen. Besonders bei unserem deutschen Volk gilt dies.
  21618. Denn hier wird in einem solchen Falle das wirtschaftliche
  21619. Ringen sofort die Energie vom politischen Kampf abziehen.
  21620. Sowie die Leute erst die Überzeugung gewonnen haben,
  21621. daß sie durch Sparsamkeit auch zu einem Häuschen gelangen könnten, werden sie sich bloß dieser Aufgabe widmen
  21622. und keine Zeit mehr erübrigen zum politischen Kampf
  21623. gegen diejenigen, die ihnen so oder so eines Tages die ersparten Groschen wieder abzunehmen gedenken. Statt im
  21624. politischen Kampf zu ringen für die gewonnene Einsicht
  21625. und Überzeugung, gehen sie dann nur mehr in ihren „Siedlungs“-Gedanken auf und sitzen am Ende meistens zwischen
  21626. allen Stühlen.
  21627. Die nationalsozialistische Bewegung steht heute am Beginn ihres Ringens. Zum großen Teil muß sie erst ihr weltanschauliches Bild formen und vollenden. Sie hat mit allen
  21628. Fasern ihrer Energie für die Durchsetzung ihrer großen
  21629. Ideale zu streiten, und ein Erfolg ist nur denkbar, wenn die
  21630. gesamte Kraft restlos in den Dienst dieses Kampfes tritt.
  21631. Wie sehr aber die Beschäftigung mit nur wirtschaftlichen
  21632. Problemen die aktive Kampfkraft lähmen kann, sehen wir
  21633. gerade heute in einem klassischen Beispiel vor uns:
  21634. Die Revolution des November 1918 wurde
  21635. nicht von Gewerkschaften gemacht, sondern
  21636. setzte sich gegen diese durch. Und das deutsche
  21637. Erst Weltanschauungskampf
  21638. 681
  21639. Bürgertum führt um die deutsche Zukunft
  21640. keinen politischen Kampf, weil es diese
  21641. Zukunft in der aufbauenden Arbeit der
  21642. Wirtschaft genügend gesichert vermeint.
  21643. Wir sollten aus solchen Erfahrungen lernen; denn auch
  21644. bei uns würde es nicht anders gehen. Je mehr wir die gesamte Kraft unserer Bewegung zum politischen Kampf zusammenballen, um so eher werden wir auf Erfolg auf der
  21645. ganzen Linie rechnen dürfen; je mehr wir uns aber v o r z e i t i g mit Gewerkschafts-, Siedelungs- und ähnlichen Problemen belasten, um so geringer wird der Nutzen für unsere
  21646. Sache, als Ganzes genommen, sein. Denn so wichtig diese
  21647. Belange sein mögen, ihre Erfüllung wird doch nur dann
  21648. in großem Umfange eintreten, wenn wir bereits in der
  21649. Lage sind, die öffentliche Macht in den Dienst dieser Gedanken zu stellen. Bis dahin würden diese Probleme die
  21650. Bewegung um so mehr lähmen, je früher sie sich damit beschäftigen und je stärker dadurch ihr w e l t a n s c h a u l i c h e r Wille beeinträchtigt würde. E s k ö n n t e d a n n
  21651. leicht dahin kommen, daß gewerkschaftliche Momente die politische Bewegung
  21652. lenkten, statt daß die Weltanschauung die
  21653. Gewerkschaft in ihre Bahnen zwingt.
  21654. Wirklicher Nutzen für die Bewegung sowohl als für unser Volk überhaupt kann
  21655. aber aus einer nationalsozialistischen Gewerkschaftsbewegung nur dann erwachsen,
  21656. wenn diese weltanschaulich schon so stark
  21657. von unseren nationalsozialistischen Ideen
  21658. erfüllt ist, daß sie nicht mehr Gefahr läuft,
  21659. in marxistische Spuren zu geraten. Denn
  21660. eine nationalsozialistische Gewerkschaft,
  21661. die ihre Mission nur in der Konkurrenz zu
  21662. der marxistischen sieht, wäre schlimmer
  21663. a l s k e i n e . Sie hat ihren Kampf der marxistischen Gewerkschaft nicht nur als O r g a n i s a t i o n , sondern vor
  21664. allem als I d e e anzusagen. Sie muß in ihr die Verkünderin
  21665. des Klassenkampfes und Klassengedankens treffen und soll
  21666. 682
  21667. Besser keine Gründung als Fehlgründung
  21668. an Stelle dessen zur Wahrerin der beruflichen Interessen
  21669. deutscher Bürger werden.
  21670. Alle diese Gesichtspunkte sprachen damals und sprechen
  21671. auch heute noch g e g e n die Gründung e i g e n e r Gewerkschaften, es wäre denn, daß plötzlich ein K o p f erschiene,
  21672. der vom Schicksal ersichtlich zur Lösung gerade dieser
  21673. Frage berufen ist.
  21674. Es gab also nur zwei andere Möglichkeiten: entweder
  21675. den eigenen Parteigenossen zu empfehlen, aus den Gewerkschaften herauszugehen oder in den bisherigen zu bleiben,
  21676. um dort möglichst destruktiv zu wirken.
  21677. Ich habe im allgemeinen diesen letzteren Weg empfohlen.
  21678. Besonders im Jahre 1922/23 konnte man dies ohne weiteres tun: denn der finanzielle Nutzen, den während der
  21679. Inflationszeit die Gewerkschaft von den infolge der Jugend
  21680. unserer Bewegung doch noch nicht sehr zahlreichen Mitgliedern aus ihren Reihen einstrich, war gleich Null. Der
  21681. Schaden für sie aber war ein sehr großer, denn die nationalsozialistischen Anhänger waren ihre schärfsten Kritiker
  21682. und dadurch ihre inneren Zersetzer.
  21683. Ganz abgelehnt habe ich damals alle Experimente, die
  21684. schon von vornherein den Mißerfolg in sich trugen. Ich
  21685. hätte es als ein Verbrechen angesehen, einem Arbeiter von
  21686. seinem kärglichen Verdienst soundso viel abzunehmen für
  21687. eine Institution, von deren Nutzen für ihre Mitglieder ich
  21688. nicht die innere Überzeugung besaß.
  21689. Wenn eine neue politische Partei eines Tages wieder verschwindet, so ist dies kaum jemals ein Schaden, sondern fast
  21690. immer ein Nutzen, und es hat niemand irgendein Recht,
  21691. darüber zu jammern; denn was der einzelne einer politischen Bewegung gibt, gibt er à fonds perdu. Wer aber in
  21692. eine Gewerkschaft einbezahlt, hat ein Recht auf Erfüllung
  21693. der ihm zugesicherten Gegenleistungen. Wird diesem nicht
  21694. Rechnung getragen, dann sind die Macher einer solchen Gewerkschaft Betrüger, zumindest aber leichtfertige Menschen, die zur Verantwortung gezogen werden müssen.
  21695. Nach dieser Anschauung wurde im Jahre 1922 denn auch
  21696. von uns gehandelt. Andere verstanden es scheinbar besser
  21697. Besser keine Gründung als Fehlgründung
  21698. 683
  21699. und gründeten Gewerkschaften. Sie warfen uns den Mangel einer solchen als das sichtbarste Zeichen unserer fehlerhaften und beschränkten Einsicht vor. Allein es dauerte
  21700. nicht lange, bis diese Gründungen selbst wieder verschwanden, so daß das Schlußergebnis dasselbe wie bei uns war.
  21701. Nur mit dem einen Unterschied, daß wir weder uns selbst
  21702. noch andere betrogen hatten.
  21703. 13. Kapitel
  21704. Deutsche Bündnispolitik nach dem
  21705. Kriege
  21706. D ie Zerfahrenheit der außenpolitischen Leitung des Reiches in der Aufstellung grundsätzlicher Richtlinien für
  21707. eine zweckmäßige Bündnispolitik setzte sich nach der Revolution nicht nur fort, sondern wurde noch übertroffen. Denn
  21708. wenn vor dem Kriege in erster Linie allgemeine politische
  21709. Begriffsverwirrungen als Ursache unserer verfehlten Staatsleitung nach außen gelten durften, dann war es nach dem
  21710. Krieg ein Mangel an ehrlichem Wollen. Es war natürlich,
  21711. daß die Kreise, die durch die Revolution endlich ihre destruktiven Ziele erreicht sahen, kein Interesse an einer
  21712. Bündnispolitik besitzen konnten, deren Endergebnis die Wiederaufrichtung eines freien deutschen Staates sein mußte.
  21713. Nicht nur, daß eine solche Entwicklung dem inneren Sinne
  21714. des Novemberverbrechens widersprochen, nicht nur, daß sie
  21715. die Internationalisierung der deutschen Wirtschaft und Arbeitskraft unterbrochen oder gar beendet hätte: es wäre
  21716. auch die politische Auswirkung im Innern als Folgeerscheinung einer außenpolitischen Freiheitserkämpfung für die
  21717. Träger der heutigen Reichsgewalten in der Zukunft verhängnisvoll gewesen. Man kann sich eben die Erhebung
  21718. einer Nation nicht denken ohne eine vorhergegangene Nationalisierung derselben, so wie umgekehrt jeder gewaltige
  21719. außenpolitische Erfolg zwangsläufig Rückwirkungen im gleichen Sinne ergibt. Jeder Freiheitskampf führt erfahrungsgemäß zu einer Steigerung des Nationalgefühls, des Selbstbewußtseins und damit aber auch zu einer schärferen Empfindlichkeit antinationalen Elementen und ebensolchen Bestrebungen gegenüber. Zustände und Personen, die in friedsamen Zeiten geduldet, ja oft nicht einmal beachtet werden,
  21720. Gründe des Versagens
  21721. 685
  21722. finden in Perioden aufwühlender nationaler Begeisterung
  21723. nicht nur Ablehnung, sondern einen Widerstand, der ihnen
  21724. nicht selten zum Verhängnis wird. Man erinnere sich nur
  21725. z.B. an die allgemeine Spionenfurcht, die bei Ausbruch
  21726. von Kriegen in der Siedehitze menschlicher Leidenschaften
  21727. plötzlich hervorbricht und zu brutalsten, manchmal sogar
  21728. ungerechten Verfolgungen führt, obwohl sich jeder sagen
  21729. kann, daß die Spionengefahr in den langen Jahren einer
  21730. Friedenszeit größer sein wird, auch wenn sie aus natürlichen Gründen die allgemeine Beachtung nicht im gleichen
  21731. Umfang findet.
  21732. Der feine Instinkt der durch die Novemberereignisse an
  21733. die Oberfläche gespülten Staatsparasiten ahnt schon aus
  21734. diesem Grunde in einer durch kluge Bündnispolitik unterstützten Freiheitsbewegung unseres Volkes und der dadurch
  21735. bedingten Entflammung nationaler Leidenschaften die mögliche Vernichtung des eigenen verbrecherischen Daseins.
  21736. So wird es verständlich, warum die seit dem Jahre 1918
  21737. maßgebenden Regierungsstellen in außenpolitischer Hinsicht versagten und die Leitung des Staates den wirklichen
  21738. Interessen der deutschen Nation fast immer planmäßig entgegenarbeitete. Denn was auf den ersten Blick als planlos
  21739. erscheinen könnte, entlarvt sich bei näherem Hinsehen nur
  21740. als die konsequente Weiterverfolgung des Weges, den die
  21741. Novemberrevolution 1918 zum ersten Male in aller Öffentlichkeit beschritt.
  21742. Freilich muß man hier unterscheiden zwischen den verantwortlichen oder besser „verantwortlichseinsollenden“
  21743. Führern unserer Staatsgeschäfte, dem Durchschnitt unserer
  21744. parlamentarischen Politikaster und der großen stupiden
  21745. Hammelherde unseres schafsgeduldigen Volkes.
  21746. Die einen wissen, was sie wollen. Die anderen machen
  21747. mit, entweder weil sie es wissen oder doch zu feige sind,
  21748. dem Erkannten als schädlich Empfundenen rücksichtslos entgegenzutreten. Die übrigen aber fügen sich aus Unverständnis und Dummheit.
  21749. Solange die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei
  21750. nur den Umfang eines kleinen und wenig bekannten
  21751. 686
  21752. Ziel der Außenpolitik: Freiheit für morgen
  21753. Vereines besaß, konnten außenpolitische Probleme in den
  21754. Augen mancher Anhänger untergeordnete Bedeutung besitzen. Dies besonders deshalb, weil ja gerade unsere Bewegung immer grundsätzlich die Auffassung vertrat und
  21755. vertreten muß, daß die äußere Freiheit weder vom Himmel noch durch irdische Gewalten als Geschenk gegeben
  21756. wird, sondern vielmehr nur die Frucht einer inneren Kraftentfaltung zu sein vermag. N u r d i e B e s e i t i g u n g d e r
  21757. Ursachen unseres Zusammenbruchs sowie
  21758. die Vernichtung der Nutznießer desselben
  21759. kann die Voraussetzung zum äußeren Freiheitskampf schaffen.
  21760. Man kann also schon verstehen, wenn aus solchen Gesichtspunkten heraus in der ersten Zeit der jungen Bewegung der Wert der außenpolitischen Fragen gegenüber
  21761. der Bedeutung ihrer inneren reformatorischen Absichten
  21762. zurückgesetzt wurde.
  21763. Soweit jedoch der Rahmen des kleinen, unbedeutenden
  21764. Vereins geweitet und endlich gesprengt wurde und das junge
  21765. Gebilde die Bedeutung eines großen Verbandes bekam,
  21766. ergab sich auch bereits die Notwendigkeit, zu den Fragen
  21767. der außenpolitischen Entwicklung Stellung zu nehmen.
  21768. Es galt, Richtlinien festzulegen, die den fundamentalen Anschauungen unserer Weltauffassung nicht nur nicht widersprechen, sondern sogar einen Ausfluß dieser Betrachtungsweise darstellen.
  21769. Gerade aus dem Mangel an außenpolitischer Schulung
  21770. unseres Volkes ergibt sich eine Verpflichtung für die junge
  21771. Bewegung, den einzelnen Führern sowohl als der breiten
  21772. Masse durch großzügige Richtlinien eine Form des außenpolitischen Denkens zu vermitteln, die die Voraussetzung
  21773. ist für jede einst stattfindende praktische Durchführung
  21774. der außenpolitischen Vorbereitungen zur Wiedergewinnungsarbeit der Freiheit unseres Volkes sowie einer wirklichen Souveränität des Reiches.
  21775. Der wesentlichste Grund- und Leitsatz, der bei der Beurteilung dieser Frage uns immer vorschweben muß, ist
  21776. der, daß auch die Außenpolitik nur ein Mittel zum Zweck,
  21777. Ziel der Außenpolitik: Freiheit für morgen
  21778. 687
  21779. der Zweck aber ausschließlich die Förderung unseres eigenen Volkstums ist. Es kann keine außenpolitische Erwägung
  21780. von einem anderen Gesichtspunkt aus geleitet werden als
  21781. dem: N ü t z t e s u n s e r e m V o l k j e t z t o d e r i n
  21782. der Zukunft, oder wird es ihm von Schaden sein?
  21783. Es ist dies die einzig vorgefaßte Meinung, die bei der
  21784. Behandlung dieser Frage gelten darf. Parteipolitische, religiöse, humane, überhaupt alle übrigen Gesichtspunkte
  21785. scheiden restlos aus.
  21786. War vor dem Kriege die Aufgabe einer deutschen Außenpolitik die Sicherstellung der Ernährung unseres Volkes
  21787. und seiner Kinder auf diesem Erdball durch die Vorbereitung
  21788. der Wege, die zu diesem Ziele führen konnten, sowie die
  21789. Gewinnung der dabei benötigten Hilfskräfte in der Form
  21790. zweckmäßiger Bundesgenossen, so ist sie heute die gleiche,
  21791. nur mit dem Unterschiede: V o r d e m K r i e g e g a l t
  21792. es, der Erhaltung des deutschen Volkstums
  21793. zu dienen unter Berücksichtigung der vorhandenen Kraft des unabhängigen Machtstaates, heute gilt es, dem Volke erst die
  21794. Kraft in der Form des freien Machtstaates
  21795. wiederzugeben, die die Voraussetzung für
  21796. die
  21797. spätere
  21798. Durchführung
  21799. einer
  21800. praktischen Außenpolitik im Sinne der Erhaltung, Förderung und Ernährung unseres
  21801. Volkes für die Zukunft ist.
  21802. Mit anderen Worten: D a s Z i e l e i n e r d e u t s c h e n
  21803. Außenpolitik von heute hat die Vorbereitung zur Wiedererringung der Freiheit von
  21804. morgen zu sein.
  21805. Dabei muß gleich ein fundamentaler Grundsatz immer im
  21806. Auge behalten werden: D i e M ö g l i c h k e i t , f ü r e i n
  21807. Volkstum die Unabhängigkeit wieder zu
  21808. erringen, ist nicht absolut gebunden an die
  21809. Geschlossenheit eines Staatsgebietes, sondern vielmehr an das Vorhandensein eines
  21810. 688 Voraussetzung für die Befreiung verlorener Gebiete
  21811. wenn auch noch so kleinen Restes dieses Volkes und Staates, der, im Besitz der nötigen
  21812. Freiheit, nicht nur der Träger der geistigen
  21813. Gemeinschaft des gesamten Volkstums, sondern auch der Vorbereiter des militärischen Freiheitskampfes zu sein vermag.
  21814. Wenn ein Volk von hundert Millionen Menschen, um die
  21815. staatliche Geschlossenheit zu wahren, gemeinsam das Joch
  21816. der Sklaverei erduldet, so ist dies schlimmer, als wenn ein
  21817. solcher Staat und ein solches Volk zertrümmert worden
  21818. wäre und nur ein Teil davon im Besitze der vollen Freiheit bliebe. Freilich unter der Voraussetzung, daß dieser
  21819. Rest erfüllt wäre von der heiligen Mission, nicht nur
  21820. die geistige und kulturelle Unzertrennbarkeit dauernd zu
  21821. proklamieren, sondern auch die waffenmäßige Vorbereitung
  21822. zu treffen für die endliche Befreiung und die Wiedervereinigung der unglücklichen unterdrückten Teile.
  21823. Weiter ist zu bedenken, daß die Frage der
  21824. Wiedergewinnung verlorener Gebietsteile
  21825. eines Volkes und Staates immer in erster
  21826. Linie die Frage der Wiedergewinnung der
  21827. politischen Macht und Unabhängigkeit des
  21828. Mutterlandes ist, daß mithin in einem solchen Falle die Interessen verlorener Gebiete rücksichtslos zurückgestellt werden
  21829. müssen gegenüber dem einzigen Interesse
  21830. der
  21831. Wiedergewinnung
  21832. der
  21833. Freiheit
  21834. des
  21835. Hauptgebietes. Denn die Befreiung unterdrückter, abgetrennter Splitter eines Volkstums oder von Provinzen eines Reiches findet nicht statt auf Grund eines Wunsches
  21836. der Unterdrückten oder eines Protestes
  21837. der Zurückgebliebenen, sondern durch die
  21838. Machtmittel der mehr oder weniger souverän gebliebenen Reste des ehemaligen
  21839. gemeinsamen Vaterlandes.
  21840. Mithin ist die Voraussetzung für die Gewinnung verlorener Gebiete die intensivste Förderung und Stärkung
  21841. Falsche Kolonialpolitik vor dem Kriege
  21842. 689
  21843. des übriggebliebenen Reststaates sowie der im Herzen
  21844. schlummernde unerschütterliche Entschluß, die dadurch sich
  21845. bildende neue Kraft in gegebener Stunde dem Dienste der
  21846. Befreiung und Einigung des gesamten Volkstums zu weihen: also Z u r ü c k s t e l l u n g der Interessen der abgetrennten Gebiete gegenüber dem einzigen Interesse, dem
  21847. verbliebenen Rest jenes Maß an politischer Macht und
  21848. Kraft zu erringen, das die Voraussetzung für eine Korrektur des Willens feindlicher Sieger ist. D e n n u n t e r drückte Länder werden nicht durch flammende Proteste in den Schoß eines gemeinsamen Reiches zurückgeführt, sondern durch ein schlagkräftiges Schwert.
  21849. Dieses Schwert zu schmieden, ist die Aufgabe der innerpolitischen Leitung eines
  21850. Volkes; die Schmiedearbeit zu sichern und
  21851. Waffengenossen zu suchen, die Aufgabe
  21852. der außenpolitischen.
  21853. Im ersten Band des Werkes habe ich mich mit der Halbheit unserer Bündnispolitik vor dem Kriege auseinandergesetzt. Von den vier Wegen für eine künftige Erhaltung
  21854. unseres Volkstums und die Ernährung desselben hatte man
  21855. den vierten und ungünstigsten gewählt. An Stelle einer
  21856. gesunden europäischen Bodenpolitik griff man zur Kolonial- und Handelspolitik. Dies war um so fehlerhafter, als
  21857. man nun vermeinte, dadurch einer waffenmäßigen Auseinandersetzung entschlüpfen zu können. Das Ergebnis dieses Versuches, sich auf alle Stühle setzen zu wollen, war
  21858. der bekannte Fall zwischen dieselben, und der Weltkrieg
  21859. bildete nur die letzte dem Reiche vorgelegte Quittung über
  21860. seine verfehlte Leitung nach außen.
  21861. Der richtige Weg wäre schon damals der d r i t t e gewesen: S t ä r k u n g d e r K o n t i n e n t a l m a c h t d u r c h
  21862. G e w i n n u n g n e u e n B o d e n s i n E u r o p a , wobei
  21863. gerade dadurch eine Ergänzung durch spätere koloniale
  21864. 690
  21865. Falsche Kolonialpolitik vor dem Kriege
  21866. Gebiete in den Bereich des natürlich Möglichen gerückt
  21867. erschien. Diese Politik wäre allerdings nur durchführbar
  21868. gewesen im Bunde mit England oder unter einer so abnormen Förderung der militärischen Machtmittel, daß auf
  21869. vierzig oder fünfzig Jahre kulturelle Aufgaben vollständig
  21870. in den Hintergrund gedrängt worden wären. Dies hätte
  21871. sich sehr wohl verantworten lassen. Die kulturelle Bedeutung einer Nation ist fast immer gebunden an die politische
  21872. Freiheit und Unabhängigkeit derselben, mithin ist diese
  21873. die Voraussetzung für das Vorhandensein oder besser Entstehen der ersteren. Daher kann kein Opfer für die Sicherung der politischen Freiheit zu groß sein. Was den allgemeinen kulturellen Belangen durch eine übermäßige Förderung der militärischen Machtmittel des Staates entzogen
  21874. wird, wird später auf das reichlichste wieder hereingebracht
  21875. werden können. Ja, man darf sagen, daß nach einer solchen
  21876. komprimierten Anstrengung nur in der Richtung der Erhaltung der staatlichen Unabhängigkeit eine gewisse Entspannung oder ein Ausgleich zu erfolgen pflegt durch ein
  21877. oft geradezu überraschendes Aufblühen der bisher vernachlässigten kulturellen Kräfte eines Volkstums. Aus der Not
  21878. der Perserkriege erwuchs die Blüte des perikleischen Zeitalters, und über den Sorgen der Punischen Kriege begann
  21879. das römische Staatswesen sich dem Dienste einer höheren
  21880. Kultur zu widmen.
  21881. Allerdings kann man eine solche restlose Unterordnung
  21882. aller sonstigen Belange eines Volkstums unter die einzige
  21883. Aufgabe der Vorbereitung eines kommenden Waffenganges
  21884. zur späteren Sicherung des Staates nicht der Entschlußkraft einer Majorität von parlamentarischen Dummköpfen
  21885. und Taugenichtsen anvertrauen. Den Waffengang unter
  21886. Hintansetzung alles sonstigen vorzubereiten vermochte der
  21887. Vater eines Friedrich des Großen, aber die Väter unseres
  21888. demokratischen Parlamentunsinns jüdischer Prägung vermögen es nicht.
  21889. Schon aus diesem Grunde konnte also in der Vorkriegszeit die waffenmäßige Vorbereitung für eine Erwerbung
  21890. von Grund und Boden in Europa nur eine mäßige sein, so
  21891. Heutige europäische Machtverhältnisse
  21892. 691
  21893. daß der Unterstützung durch zweckmäßige Bundesgenossen
  21894. nur schwer zu entraten war.
  21895. Da man aber überhaupt von einer planmäßigen Vorbereitung des Krieges nichts wissen wollte, verzichtete man
  21896. auf Grunderwerb in Europa und opferte, indem man sich
  21897. statt dessen der Kolonial- und Handelspolitik zuwandte,
  21898. das sonst mögliche Bündnis mit England, ohne aber nun
  21899. logischerweise sich auf Rußland zu stützen, und stolperte
  21900. endlich, von allen, außer dem habsburgischen Erbübel, verlassen, in den Weltkrieg hinein.
  21901. Zur Charakteristik unserer heutigen Außenpolitik muß
  21902. gesagt werden, daß eine irgendwie sichtbare oder gar verständliche Richtlinie überhaupt nicht vorliegt. Wenn man
  21903. vor dem Kriege in verfehlter Weise den vierten Weg betrat,
  21904. um ihn allerdings ebenfalls nur halb und halb zu gehen,
  21905. dann ist seit der Revolution überhaupt ein Weg auch dem
  21906. schärfsten Auge nicht mehr erkennbar. Mehr noch als vor
  21907. dem Kriege fehlt jede planmäßige Überlegung, es wäre
  21908. denn die des Versuches, selbst die letzte Möglichkeit einer
  21909. Wiedererhebung unseres Volkes zu zerschlagen.
  21910. Eine kühle Überprüfung der heutigen europäischen Machtverhältnisse führt zu folgendem Ergebnis:
  21911. Seit dreihundert Jahren wurde die Geschichte unseres
  21912. Kontinents maßgebend bestimmt durch den Versuch Englands, über dem Umwege ausgeglichener, sich gegenseitig
  21913. bindender Machtverhältnisse der europäischen Staaten sich
  21914. die notwendige Rückendeckung für große, weltpolitische
  21915. britische Ziele zu sichern.
  21916. Die traditionelle Tendenz der britischen Diplomatie, der
  21917. in Deutschland nur die Überlieferung des preußischen
  21918. Heeres gegenübergestellt zu werden vermag, lief seit dem
  21919. Wirken der Königin Elisabeth planmäßig darauf hinaus,
  21920. jedes Emporsteigen einer europäischen Großmacht über
  21921. den Rahmen der allgemeinen Größenordnung hinaus mit
  21922. allen Mitteln zu verhindern und, wenn nötig, durch militärische Eingriffe zu brechen. Die Machtmittel, die England in
  21923. 692
  21924. England und Deutschland
  21925. diesem Falle anzuwenden pflegte, waren verschiedene, je
  21926. nach der vorhandenen Lage oder der gestellten Aufgabe;
  21927. die Entschlossenheit und Willenskraft zu ihrem Einsatz jedoch immer die gleiche. Ja, je schwieriger im Laufe der Zeit
  21928. Englands Lage wurde, um so nötiger schien der britischen
  21929. Reichsleitung die Aufrechterhaltung des Zustandes einer,
  21930. infolge gegenseitig rivalisierender Größe stattfindenden
  21931. allgemeinen Lähmung der einzelstaatlichen Kräfte Europas.
  21932. Die politische Loslösung des ehemaligen nordamerikanischen Kolonialgebietes führte in der Folgezeit erst recht zu
  21933. den größten Anstrengungen der Erhaltung einer unbedingt
  21934. europäischen Rückendeckung. So konzentrierte sich – nach
  21935. der Vernichtung Spaniens und der Niederlande als großer
  21936. Seemächte – die Kraft des englischen Staates so lange
  21937. gegen das emporstrebende Frankreich, bis endlich mit dem
  21938. Sturze Napoleons I. die Hegemonie-Gefahr dieser gefährlichsten Militärmacht für England als gebrochen angesehen
  21939. werden konnte.
  21940. Die Umstellung der britischen Staatskunst gegen Deutschland wurde nur langsam vorgenommen, nicht nur, weil
  21941. zunächst infolge des Mangels einer nationalen Einigung
  21942. der deutschen Nation eine ersichtliche Gefahr für England nicht bestand, sondern auch weil die propagandistisch
  21943. für einen bestimmten staatlichen Zweck aufgezogene öffentliche Meinung nur langsam neuen Zielen zu folgen vermag.
  21944. Die nüchterne Erkenntnis des Staatsmannes erscheint hier
  21945. in gefühlsmäßige Werte umgesetzt, die nicht nur tragfähiger
  21946. sind in der jeweiligen Wirksamkeit, sondern auch stabiler
  21947. in bezug auf ihre Dauer. Es mag mithin der Staatsmann
  21948. nach dem Erreichen einer Absicht seine Gedankengänge
  21949. ohne weiteres neuen Zielen zuwenden, die Masse jedoch
  21950. wird nur in langsamer, propagandistischer Arbeit gefühlsmäßig zum Instrument der neuen Ansicht ihres Lebens
  21951. umgeformt werden können.
  21952. Schon mit dem Jahre 1870/71 hatte England indes seine
  21953. neue Stellung festgelegt. Schwankungen, die infolge der
  21954. weltwirtschaftlichen Bedeutung Amerikas sowie der machtpolitischen Entwicklung Rußlands einige Male eintraten,
  21955. England und Deutschland
  21956. 693
  21957. wurden leider von Deutschland nicht benützt, so daß immer
  21958. mehr eine Festigung der ursprünglichen Tendenz der britischen Staatskunst erfolgen mußte.
  21959. England sah in Deutschland die Macht, deren handelsund damit weltpolitische Bedeutung, nicht zuletzt infolge
  21960. seiner enormen Industrialisierung, in so bedrohlichem Umfange zunahm, daß man bereits ein Abwägen der Stärke
  21961. der beiden Staaten auf gleichen Gebieten vornehmen konnte.
  21962. Die „wirtschaftsfriedliche“ Eroberung der Welt, die unseren Staatslenkern als der letzten Weisheit höchster Schluß
  21963. erschien, wurde für den englischen Politiker der Grund
  21964. zur Organisation des Widerstandes dagegen. Daß sich dieser
  21965. Widerstand in die Form eines umfassend organisierten Angriffs kleidete, entsprach dann vollständig dem Wesen einer
  21966. Staatskunst, deren Ziele eben nicht in der Erhaltung eines
  21967. fragwürdigen Weltfriedens lagen, sondern in der Festigung
  21968. der britischen Weltherrschaft. Daß sich dabei England aller
  21969. Staaten als Bundesgenossen bediente, die militärisch überhaupt in Frage kommen konnten, entsprach ebensosehr seiner traditionellen Vorsicht in der Abschätzung der Kraft
  21970. des Gegners als der Einsicht in die augenblickliche eigene
  21971. Schwäche. Mit „Skrupellosigkeit“ kann man dies deshalb
  21972. nicht bezeichnen, weil eine solche umfassende Organisation
  21973. eines Krieges nicht zu beurteilen ist nach heroischen Gesichtspunkten, sondern nach zweckmäßigen. E i n e D i p l o matie hat dafür zu sorgen, daß ein Volk
  21974. nicht heroisch zugrunde geht, sondern
  21975. praktisch erhalten wird. Jeder Weg, der
  21976. hierzu führt, ist dann zweckmäßig, und
  21977. sein Nichtbegehen muß als pflichtvergessenes Verbrechen bezeichnet werden.
  21978. Mit der Revolutionierung Deutschlands fand die britische
  21979. Sorge einer drohenden germanischen Welthegemonie ihre
  21980. für die englische Staatskunst erlösende Beendigung.
  21981. Ein Interesse an der v o l l s t ä n d i g e n Auslöschung
  21982. Deutschlands von der europäischen Landkarte liegt seitdem
  21983. auch für England nicht mehr vor. Im Gegenteil, gerade der
  21984. entsetzliche Niederbruch, der in den Novembertagen 1918
  21985. 694
  21986. Verschiebung des „Gleichgewichts“
  21987. stattfand, stellte die britische Diplomatie vor eine neue,
  21988. zunächst gar nicht für möglich gehaltene Lage:
  21989. Viereinhalb Jahre lang hatte das britische Weltreich gefochten, um das vermeintliche Übergewicht einer kontinentalen Macht zu brechen. Nun trat plötzlich ein Sturz ein,
  21990. der diese Macht überhaupt von der Bildfläche zu entfernen
  21991. schien. Es zeigte sich ein derartiger Mangel selbst an primitivstem Selbsterhaltungstrieb, daß das europäische Gleichgewicht durch eine Tat von kaum achtundvierzig Stunden
  21992. aus den Angeln gehoben schien: D e u t s c h l a n d v e r nichtet, und Frankreich die erste kontinental-politische Macht Europas.
  21993. Die enorme Propaganda, die in diesem Kriege das britische Volk zum Durchhalten bei der Stange hielt, maßlos
  21994. verhetzte, in allen Urinstinkten und Leidenschaften aufwühlte, mußte nun wie ein Bleigewicht auf den Entschlüssen der britischen Staatsmänner lasten. Mit der kolonial-,
  21995. wirtschafts- und handelspolitischen Vernichtung Deutschlands war das britische Kriegsziel erreicht, was darüber
  21996. hinausging, war eine Schmälerung englischer Interessen.
  21997. Durch die Auslöschung eines deutschen Machtstaates im
  21998. kontinentalen Europa konnten nur die Feinde Englands gewinnen. Dennoch war in den Novembertagen 1918 und bis
  21999. zum Hochsommer 1919 hinein eine Umstellung der englischen Diplomatie, die ja in diesem langen Kriege mehr als
  22000. je zuvor die gefühlsmäßigen Kräfte der breiten Masse gebraucht hatte, nicht mehr möglich. Sie war nicht möglich
  22001. vom Gesichtspunkt der nun einmal gegebenen Einstellung
  22002. des eigenen Volkes aus und war nicht möglich angesichts
  22003. der Lagerung der militärischen Machtverhältnisse. Frankreich hatte das Gesetz des Handelns an sich gerissen und
  22004. konnte den anderen diktieren. Die einzige Macht jedoch,
  22005. die in diesen Monaten des Feilschens und Handelns eine
  22006. Änderung hätte herbeiführen vermocht, Deutschland
  22007. selber, lag in den Zuckungen des inneren Bürgerkrieges
  22008. und verkündete durch den Mund seiner sogenannten Staatsmänner immer wieder die Bereitwilligkeit zur Annahme
  22009. eines jeden Diktates.
  22010. Englands Kriegsziel nicht erreicht
  22011. 695
  22012. Wenn nun im Völkerleben eine Nation,
  22013. infolge des restlosen Mangels eines eigenen Selbsterhaltungstriebes, aufhört, ein
  22014. möglicher
  22015. „aktiver“
  22016. Bundesgenosse
  22017. zu
  22018. sein, pflegt sie zum Sklavenvolk herunterzusinken und ihr Land dem Schicksal einer
  22019. Kolonie zu verfallen.
  22020. Gerade um Frankreichs Macht nicht übergroß anwachsen zu lassen, war eine Beteiligung Englands an seinen Raubgelüsten
  22021. die einzig mögliche Form des eigenen
  22022. Handelns.
  22023. Tatsächlich hat England sein Kriegsziel
  22024. n i c h t e r r e i c h t . Das Emporsteigen einer europäischen
  22025. Macht über die Stärkeverhältnisse des kontinentalen Staatssystems Europas hinaus wurde nicht nur nicht verhindert,
  22026. sondern in erhöhtem Maße begründet.
  22027. Deutschland als Militärstaat war im Jahre 1914 eingekeilt
  22028. zwischen zwei Länder, von denen das eine über die gleiche
  22029. Macht und das andere über eine größere verfügte. Dazu
  22030. kam die überlegene Seegeltung Englands. Frankreich und
  22031. Rußland allein boten jeder übermäßigen Entwicklung deutscher Größe Hindernisse und Widerstand. Die außerordentlich ungünstige militärgeographische Lage des Reiches konnte
  22032. als weiterer Sicherheitskoeffizient gegen eine zu große
  22033. Machtzunahme dieses Landes gelten. Besonders die Küstenfläche war, militärisch betrachtet, für einen Kampf mit
  22034. England ungünstig, klein und beengt, die Landfront demgegenüber übermäßig weit und offen.
  22035. Anders die Stellung Frankreichs von heute: Militärisch
  22036. die erste Macht, ohne einen ernstlichen Rivalen auf dem
  22037. Kontinent; in seinen Grenzen nach dem Süden gegen Spanien und Italien so gut wie geschützt; gegen Deutschland
  22038. gesichert durch die Ohnmacht unseres Vaterlandes; in seiner
  22039. Küste in langer Front vor den Lebensnerven des britischen Reiches hingelagert. Nicht nur für Flugzeuge und
  22040. Fernbatterien bilden die englischen Lebenszentren lohnende
  22041. Ziele, sondern auch der Wirkung des U-Bootes gegenüber
  22042. 696
  22043. Politische Ziele Frankreichs und Englands
  22044. wären die Verkehrsstränge des britischen Handels bloßgelegt. Ein U-Boot-Krieg, gestützt auf die lange atlantische
  22045. Küste sowohl als auf die nicht minder großen Strecken
  22046. der französischen Randgebiete des Mittelländischen Meeres
  22047. in Europa und Nord-Afrika, würde zu verheerenden Wirkungen führen.
  22048. So war die Frucht des Kampfes gegen
  22049. die Machtentwicklung Deutschlands politisch die Herbeiführung der französischen
  22050. Hegemonie auf dem Kontinent. Das militärische Ergebnis: die Festigung Frankreichs
  22051. als erste Vormacht zu Lande und die Anerkennung der Union als gleichstarke Seemacht. Wirtschaftspolitisch: die Auslieferung
  22052. größter
  22053. britischer
  22054. Interessengebiete an die ehemaligen Verbündeten.
  22055. So wie nun Englands traditionelle politische Ziele eine gewisse Balkanisierung Europas wünschen und benötigen, genau
  22056. so diejenigen Frankreichs eine Balkanisierung Deutschlands.
  22057. Englands Wunsch ist und bleibt die Verhütung
  22058. des
  22059. übermäßigen
  22060. Emporsteigens
  22061. einer kontinentalen Macht zu weltpolitischer Bedeutung, d.h. also die Aufrechterhaltung einer bestimmten Ausgeglichenheit der Machtverhältnisse der europäischen Staaten untereinander; denn dies
  22062. erscheint als Voraussetzung einer britischen Welthegemonie.
  22063. Frankreichs Wunsch ist und bleibt die
  22064. Verhütung der Bildung einer geschlossenen Macht Deutschlands, die Aufrechterhaltung
  22065. eines
  22066. Systems
  22067. deutscher,
  22068. in
  22069. ihren
  22070. Kräfteverhältnissen
  22071. ausgeglichener Kleinstaaten ohne einheitliche Führung unter Besetzung des linken Ufers des
  22072. Rheins als Voraussetzung für die Schaffung und Sicherung seiner Hegemoniestellung in Europa.
  22073. Bündnismöglichkeiten für Deutschland
  22074. 697
  22075. Das letzte Ziel französischer Diplomatie
  22076. wird ewig im Gegensatze stehen zur letzten
  22077. Tendenz der britischen Staatskunst.
  22078. Wer von dem obigen Gesichtspunkt aus eine Prüfung der
  22079. heutigen B ü n d n i s m ö g l i c h k e i t e n für Deutschland
  22080. vornimmt, muß zu der Überzeugung gelangen, daß als
  22081. letzte durchführbare Bindung nur eine Anlehnung an England übrigbleibt. So entsetzlich auch die Folgen der englischen Kriegspolitik für Deutschland waren und sind, so
  22082. darf man sich doch nicht der Einsicht verschließen, daß ein
  22083. zwangsläufiges Interesse Englands an einer V e r n i c h t u n g Deutschlands h e u t e nicht mehr besteht, ja, daß im
  22084. Gegenteil Englands Politik von Jahr zu Jahr mehr auf
  22085. eine Hemmung des maßlosen französischen Hegemonietriebes hinauslaufen muß. Nun wird aber Bündnispolitik
  22086. nicht getrieben vom Gesichtspunkt rückblickender Verstimmungen aus, sondern vielmehr befruchtet von der Erkenntnis zurückblickender Erfahrungen. Die Erfahrung aber sollte
  22087. uns nun belehrt haben, daß Bündnisse zur Durchführung
  22088. n e g a t i v e r Ziele an innerer Schwäche kranken. V ö l kerschicksale werden fest aneinandergeschmiedet nur durch die Aussicht eines gemeinsamen Erfolges im Sinne gemeinsamer
  22089. Erwerbungen,
  22090. Eroberungen,
  22091. kurz
  22092. einer
  22093. beiderseitigen Machterweiterung.
  22094. Wie wenig außenpolitisch denkend unser Volk ist, kann
  22095. man am klarsten ersehen aus den laufenden Pressemeldungen über die mehr oder minder große „Deutschfreundlichkeit“ des einen oder anderen fremden Staatsmannes, wobei dann in dieser vermuteten Einstellung solcher Persönlichkeiten zu unserem Volkstum eine besondere Garantie
  22096. für eine hilfreiche Politik uns gegenüber erblickt wird. Es
  22097. ist dies ein ganz unglaublicher Unsinn, eine Spekulation
  22098. auf die beispiellose Einfalt des normalen politisierenden
  22099. deutschen Spießbürgers. Es gibt weder einen englischen
  22100. 698
  22101. Bündnismöglichkeiten für Deutschland
  22102. noch amerikanischen oder italienischen Staatsmann, der
  22103. jemals „p r o - d e u t s c h “ eingestellt wäre. Es wird jeder
  22104. Engländer als Staatsmann natürlich erst recht E n g l ä n d e r sein, jeder Amerikaner A m e r i k a n e r , und es
  22105. wird sich kein Italiener bereitfinden, eine andere Politik zu machen als eine p r o - i t a l i e n i s c h e . Wer also
  22106. Bündnisse mit fremden Nationen aufbauen zu können
  22107. glaubt auf einer p r o - d e u t s c h e n Gesinnung der dort
  22108. leitenden Staatsmänner, ist entweder ein Esel oder ein
  22109. unwahrer Mensch. Die Voraussetzung zur Aneinanderkettung von Völkerschicksalen liegt niemals in einer gegenseitigen Hochachtung oder gar Zuneigung begründet, sondern in der Voraussicht einer Zweckmäßigkeit für beide
  22110. Kontrahenten. D.h. also: So sehr, sagen wir, ein englischer
  22111. Staatsmann immer pro-englische Politik betreiben wird
  22112. und niemals pro-deutsche, so sehr können aber ganz bestimmte Interessen dieser p r o - e n g l i s c h e n Politik aus
  22113. den verschiedensten Gründen heraus p r o - d e u t s c h e n
  22114. Interessen gleichen. Dies braucht natürlich nur bis zu einem
  22115. gewissen Grad der Fall zu sein und kann eines Tages in
  22116. das reine Gegenteil umschlagen; a l l e i n d i e K u n s t
  22117. eines leitenden Staatsmannes zeigt sich
  22118. eben gerade darin, für die Durchführung
  22119. eigener Notwendigkeiten in bestimmten
  22120. Zeiträumen immer diejenigen Partner zu
  22121. finden, die für die Vertretung ihrer Interessen den gleichen Weg gehen müssen.
  22122. Die praktische Nutzanwendung für die Gegenwart kann
  22123. sich damit aber nur aus der Beantwortung folgender Fragen ergeben: W e l c h e S t a a t e n b e s i t z e n z u r Z e i t
  22124. kein Lebensinteresse daran, daß durch eine
  22125. vollständige
  22126. Ausschaltung
  22127. eines
  22128. deutschen
  22129. Mittel-Europas
  22130. die
  22131. französische
  22132. Wirtschafts- und Militärmacht zur unbedingten,
  22133. herrschenden
  22134. Hegemonie-Stellung gelangt? Ja, welche Staaten werden
  22135. auf Grund ihrer eigenen Daseinsbedingungen und ihrer bisherigen traditionellen
  22136. Bündnismöglichkeiten für Deutschland
  22137. 699
  22138. politischen Leitung in einer solchen Entwicklung eine Bedrohung der eigenen Zukunft erblicken?
  22139. Denn darüber muß man sich endlich vollständig klar werden: Der unerbittliche Todfeind des deutschen Volkes ist
  22140. und bleibt Frankreich. Ganz gleich, wer in Frankreich
  22141. regierte oder regieren wird, ob Bourbonen oder Jakobiner,
  22142. Napoleoniden oder bürgerliche Demokraten, klerikale Republikaner oder rote Bolschewisten: das Schlußziel ihrer
  22143. außenpolitischen Tätigkeit wird immer der Versuch einer
  22144. Besitzergreifung der Rheingrenze sein und einer Sicherung
  22145. dieses Stromes für Frankreich durch ein aufgelöstes und
  22146. zertrümmertes Deutschland.
  22147. England wünscht kein Deutschland als
  22148. Weltmacht, Frankreich aber keine Macht,
  22149. die Deutschland heißt: ein denn doch sehr
  22150. wesentlicher
  22151. Unterschied!
  22152. Heute
  22153. aber
  22154. kämpfen wir nicht für eine Weltmachtstellung, sondern haben zu ringen um den Bestand unseres Vaterlandes, um die Einheit
  22155. unserer Nation und um das tägliche Brot
  22156. f ü r u n s e r e K i n d e r . Wenn wir von diesem Gesichtspunkte aus Ausschau halten wollen nach europäischen Bundesgenossen, so bleiben nur zwei Staaten übrig: E n g l a n d und I t a l i e n .
  22157. England wünscht nicht ein Frankreich, dessen militärische
  22158. Faust, vom übrigen Europa ungehemmt, den Schutz einer
  22159. Politik zu übernehmen vermag, die sich so oder so eines
  22160. Tages mit englischen Interessen kreuzen muß. England
  22161. kann niemals ein Frankreich wünschen, das, im Besitz der
  22162. ungeheuren westeuropäischen Eisen- und Kohlengruben,
  22163. die Voraussetzungen zu einer gefahrdrohenden wirtschaftlichen Weltstellung erhält. Und England kann weiter niemals ein Frankreich wünschen, dessen kontinental-politische
  22164. Lage dank der Zertrümmerung des übrigen Europas als
  22165. so gesichert erscheint, daß die Wiederaufnahme der größeren Linie einer französischen Weltpolitik nicht nur ermöglicht, sondern geradezu erzwungen wird. Die Zeppelinbom-
  22166. 700
  22167. Ist Deutschland heute bündnisfähig?
  22168. ben von einst könnten sich jede Nacht vertausendfachen; die
  22169. militärische Übermacht Frankreichs drückt schwer auf das
  22170. Herz des großbritannischen Weltreichs.
  22171. Aber auch Italien kann und wird eine weitere Festigung
  22172. der französischen Vormachtstellung in Europa nicht wünschen. Italiens Zukunft wird immer durch eine Entwicklung
  22173. bedingt sein, die gebietsmäßig sich um das Mittelländische
  22174. Meerbecken gruppiert. Was Italien in den Krieg trieb, war
  22175. wirklich nicht die Sucht, Frankreich zu vergrößern, sondern
  22176. vielmehr die Absicht, dem verhaßten adriatischen Rivalen
  22177. den Todesstoß zu geben. Jede weitere kontinentale Stärkung Frankreichs bedeutet jedoch für die Zukunft eine
  22178. Hemmung Italiens, wobei man sich nie darüber täuschen
  22179. soll, daß verwandtschaftliche Verhältnisse unter den Völkern in keinerlei Weise Rivalitäten auszuschalten vermögen.
  22180. Bei nüchternster und kältester Überlegung sind es heute
  22181. in erster Linie diese beiden Staaten E n g l a n d und
  22182. I t a l i e n , deren natürlichste eigene Interessen den Existenzvoraussetzungen der deutschen Nation wenigstens im
  22183. allerwesentlichsten nicht entgegenstehen, ja in einem bestimmten Maße sich mit ihnen identifizieren.
  22184. Allerdings dürfen wir bei der Beurteilung einer solchen
  22185. Bündnismöglichkeit drei Faktoren nicht übersehen. Der
  22186. erste liegt bei uns, die beiden anderen bei den in Frage
  22187. kommenden Staaten selber.
  22188. Kann man sich mit dem heutigen Deutschl a n d ü b e r h a u p t v e r b ü n d e n ? Kann eine Macht,
  22189. die in einem Bündnis eine Hilfe für die Durchführung
  22190. eigener o f f e n s i v e r Ziele sehen will, sich mit einem
  22191. Staate verbünden, dessen Leitungen seit Jahren ein Bild
  22192. jämmerlichster Unfähigkeit, pazifistischer Feigheit bieten
  22193. und dessen größerer Volksteil in demokratisch-marxistischer
  22194. Verblendung die Interessen des eigenen Volkes und Landes in himmelschreiender Weise verrät? Kann irgendeine
  22195. Macht heute denn hoffen, ein wertvolles Verhältnis zu
  22196. einem Staate herstellen zu können, im Glauben, dereinst
  22197. Ist Deutschland heute bündnisfähig?
  22198. 701
  22199. gemeinsame Interessen auch gemeinsam zu verfechten, wenn
  22200. dieser Staat ersichtlich weder Mut noch Lust besitzt, auch
  22201. nur einen Finger zur Verteidigung des eigenen nackten
  22202. Lebens zu rühren? Wird irgendeine Macht, für die ein
  22203. Bündnis mehr ist und mehr sein soll als ein Garantievertrag zur Aufrechterhaltung eines Zustandes langsamen
  22204. Dahinfaulens, ähnlich dem Sinne des verheerenden alten
  22205. Dreibundes, sich einem Staate auf Gedeih und Verderb
  22206. verpflichten, dessen charakteristische Lebensäußerungen nur
  22207. in kriechender Unterwürfigkeit nach außen und schandvoller Unterdrückung nationaler Tugenden nach innen bestehen; einem Staate, der keine Größe mehr besitzt, da er
  22208. sie auf Grund seines ganzen Verhaltens nicht mehr verdient;
  22209. mit Regierungen, die sich keinerlei Achtung seitens ihrer
  22210. Staatsbürger zu rühmen vermögen, so daß das Ausland unmöglich größere Bewunderung für sie hegen kann?
  22211. N e i n , eine Macht, die selbst auf Ansehen hält und die
  22212. von Bündnissen sich mehr erhofft als Provisionen für
  22213. beutehungrige Parlamentarier, wird sich mit dem derzeitigen Deutschland nicht verbünden, ja, sie kann es nicht. I n
  22214. unserer
  22215. heutigen
  22216. Bündnisunfähigkeit
  22217. liegt ja auch der tiefste und letzte Grund
  22218. für die Solidarität der feindlichen Räub e r . Da Deutschland sich niemals wehrt, außer durch ein
  22219. paar flammende „Proteste“ unserer parlamentarischen
  22220. Auslese, die übrige Welt aber keinen Grund hat, zu unserem Schutze zu kämpfen, und der liebe Gott feige Völker
  22221. prinzipiell nicht frei macht – entgegen dem dahin zielenden
  22222. Geflenne unserer vaterländischen Verbände –, so bleibt
  22223. selbst den Staaten, die kein d i r e k t e s Interesse an unserer vollständigen Vernichtung besitzen, gar nichts anderes
  22224. übrig, als an den Raubzügen Frankreichs teilzunehmen,
  22225. und wäre es nur aus dem Grunde, durch ein solches Mitgehen und Teilnehmen am Raube wenigstens die ausschließliche Stärkung Frankreichs allein zu verhindern.
  22226. Zum zweiten darf die Schwierigkeit nicht übersehen werden, in den uns bisher feindlichen Ländern eine Umstellung der durch Massenpropaganda in einer bestimmten
  22227. 702 Auseinandergehen britischer und jüdischer Interessen
  22228. Richtung beeinflußten großen Volksschichten vorzunehmen. Man kann eben nicht jahrelang ein Volkstum als
  22229. „hunnisch“, „räuberhaft“, „vandalisch“ usw. hinstellen, um
  22230. plötzlich über Nacht das Gegenteil zu entdecken und den
  22231. ehemaligen Feind als Bundesgenossen von morgen zu
  22232. empfehlen.
  22233. Noch mehr Aufmerksamkeit muß jedoch einer dritten
  22234. Tatsache zugewendet werden, die von wesentlicher Bedeutung für die Ausgestaltung der kommenden europäischen
  22235. Bündnisverhältnisse sein wird:
  22236. So gering von britisch-staatlichen Gesichtspunkten aus
  22237. gesehen das Interesse Englands an einer weiteren Vernichtung Deutschlands ist, so groß aber ist dasjenige des
  22238. internationalen Börsenjudentums an einer solchen Entwicklung. Der Zwiespalt zwischen der offiziellen oder, besser
  22239. gesagt, traditionellen britischen Staatskunst und den maßgebenden jüdischen Börsenkräften zeigt sich nirgends besser
  22240. als in der verschiedenen Stellungnahme zu den Fragen der
  22241. englischen Außenpolitik. D a s
  22242. Finanzjudentum
  22243. wünscht, entgegen den Interessen des britischen Staatswohls, nicht nur die restlose
  22244. wirtschaftliche
  22245. Vernichtung
  22246. Deutschlands, sondern auch die vollkommene polit i s c h e V e r s k l a v u n g . Die Internationalisierung unserer deutschen Wirtschaft, d.h. die Übernahme der deutschen Arbeitskraft in den Besitz der jüdischen Weltfinanz,
  22247. läßt sich restlos nur durchführen in einem politisch bolschewistischen Staat. Soll die marxistische Kampftruppe des internationalen jüdischen Börsenkapitals aber dem deutschen
  22248. Nationalstaat endgültig das Rückgrat brechen, so kann dies
  22249. nur geschehen unter freundlicher Nachhilfe von außen.
  22250. Frankreichs Armeen müssen deshalb das deutsche Staatsgebilde so lange berennen, bis das innen mürbe gewordene
  22251. Reich der bolschewistischen Kampftruppe des internationalen Weltfinanzjudentums erliegt.
  22252. So ist der Jude heute der große Hetzer zur
  22253. restlosen
  22254. Zerstörung
  22255. Deutschlands.
  22256. Wo
  22257. immer wir in der Welt Angriffe gegen
  22258. Jüdische Welthetze gegen Deutschland
  22259. 703
  22260. Deutschland lesen, sind Juden ihre Fabrikanten, gleichwie ja auch im Frieden und
  22261. während des Krieges die jüdische Börsenund
  22262. Marxistenpresse
  22263. den
  22264. Haß
  22265. gegen
  22266. Deutschland planmäßig schürte, so lange,
  22267. bis Staat um Staat die Neutralität aufgab
  22268. und unter Verzicht auf die wahren Interessen der Völker in den Dienst der Weltkriegskoalition eintrat.
  22269. Die Gedankengänge des Judentums dabei sind klar. Die
  22270. Bolschewisierung Deutschlands, d.h. die Ausrottung der
  22271. nationalen völkischen deutschen Intelligenz und die dadurch ermöglichte Auspressung der deutschen Arbeitskraft
  22272. im Joche der jüdischen Weltfinanz, ist nur als Vorspiel gedacht für die Weiterverbreitung dieser jüdischen Welteroberungstendenz. Wie so oft in der Geschichte, ist in dem
  22273. gewaltigen Ringen Deutschland der große Drehpunkt. Werden unser Volk und unser Staat das Opfer dieser blut- und
  22274. geldgierigen jüdischen Völkertyrannen, so sinkt die ganze
  22275. Erde in die Umstrickung dieses Polypen; befreit sich
  22276. Deutschland aus dieser Umklammerung, so darf diese größte
  22277. Völkergefahr als für die gesamte Welt gebrochen gelten.
  22278. So sicher also das Judentum seine ganze Wühlarbeit
  22279. einsetzen wird, um die Feindschaft der Nationen gegen
  22280. Deutschland nicht nur aufrechtzuerhalten, sondern wenn
  22281. möglich noch weiter zu steigern, so sicher deckt sich diese
  22282. Tätigkeit nur zu einem Bruchteil mit den wirklichen Interessen der dadurch vergifteten Völker. I m a l l g e m e i nen wird nun das Judentum in den einzelnen Volkskörpern immer mit denjenigen Waffen kämpfen, die auf Grund der
  22283. erkannten Mentalität dieser Nationen am
  22284. wirksamsten erscheinen und den meisten
  22285. E r f o l g v e r s p r e c h e n . In unserem blutsmäßig außerordentlich zerrissenen Volkskörper sind es deshalb die diesem entsprossenen, mehr oder minder „weltbürgerlichen“,
  22286. pazifistisch-ideologischen Gedanken, kurz die internationalen Tendenzen, deren es sich bei seinem Kampfe um die
  22287. 704 Übereinstimmung französischer und jüdischer Interessen
  22288. Macht bedient; in Frankreich arbeitet es mit dem erkannten und richtig eingeschätzten Chauvinismus, in England
  22289. mit wirtschaftlichen und weltpolitischen Gesichtspunkten;
  22290. kurz, es bedient sich immer der wesentlichsten Eigenschaften, die die Mentalität eines Volkes darstellen. Erst wenn
  22291. es auf solchem Wege einen bestimmten überwuchernden
  22292. Einfluß wirtschaftlicher und politischer Machtfülle errungen hat, streift es die Fesseln dieser übernommenen Waffen ab und kehrt nun in eben diesem Maße die wirklichen
  22293. inneren Absichten seines Wollens und seines Kampfes hervor. Es zerstört nun immer rascher, bis es so einen Staat
  22294. nach dem anderen in ein Trümmerfeld verwandelt, auf dem
  22295. dann die Souveränität des ewigen Judenreiches aufgerichtet werden soll.
  22296. In England sowohl als in Italien ist der
  22297. Zwiespalt in den Anschauungen der besseren bodenständigen Staatskunst und dem
  22298. Wollen
  22299. des
  22300. jüdischen
  22301. Weltbörsentums
  22302. klar, ja manchmal kraß in die Augen
  22303. springend.
  22304. Nur in Frankreich besteht heute mehr denn je eine
  22305. innere Ü b e r e i n s t i m m u n g zwischen den A b s i c h t e n d e r B ö r s e , d e r s i e t r a g e n d e n J u d e n und
  22306. den Wünschen einer c h a u v i n i s t i s c h e i n g e s t e l l t e n n a t i o n a l e n S t a a t s k u n s t . Allein gerade in dieser I d e n t i t ä t liegt eine immense Gefahr für Deutschland. Gerade aus diesem Grunde ist und bleibt Frankreich
  22307. der weitaus furchtbarste Feind. D i e s e s a n s i c h i m mer mehr der Vernegerung anheimfallende
  22308. Volk bedeutet in seiner Bindung an die
  22309. Ziele der jüdischen Weltbeherrschung eine
  22310. lauernde Gefahr für den Bestand der weiß e n R a s s e E u r o p a s . Denn die Verpestung durch
  22311. Negerblut am Rhein im Herzen Europas entspricht ebensosehr der sadistisch-perversen Rachsucht dieses chauvinistischen Erbfeindes unseres Volkes wie der eisig kalten
  22312. Überlegung des Juden, auf diesem Wege die Bastardierung
  22313. des europäischen Kontinents im Mittelpunkte zu beginnen
  22314. Zwei Verbündete möglich: England – Italien
  22315. 705
  22316. und der weißen Rasse durch die Infizierung mit niederem
  22317. Menschentum die Grundlagen zu einer selbstherrlichen Existenz zu entziehen.
  22318. Was Frankreich, angespornt durch eigene
  22319. Rachsucht, planmäßig geführt durch den
  22320. Juden, heute in Europa betreibt, ist eine
  22321. Sünde
  22322. wider
  22323. den
  22324. Bestand
  22325. der
  22326. weißen
  22327. Menschheit und wird auf dieses Volk dereinst alle Rachegeister eines Geschlechts
  22328. hetzen, das in der Rassenschande die Erbsünde der Menschen erkannt hat.
  22329. Für
  22330. Deutschland
  22331. jedoch
  22332. bedeutet
  22333. die
  22334. französische Gefahr die Verpflichtung,
  22335. unter
  22336. Zurückstellung
  22337. aller
  22338. Gefühlsmomente, dem die Hand zu reichen, der, ebenso
  22339. bedroht wie wir, Frankreichs Herrschgelüste nicht erdulden und ertragen will.
  22340. In Europa wird es für Deutschland in absehbarer Zukunft nur zwei Verbündete
  22341. geben können: England und Italien.
  22342. Wer sich die Mühe nimmt, heute rückblickend die außenpolitische Leitung Deutschlands seit der Revolution zu verfolgen, der wird nicht anders können, als sich angesichts des
  22343. fortwährenden unfaßbaren Versagens unserer Regierungen
  22344. an den Kopf zu greifen, um entweder einfach zu verzagen oder in flammender Empörung einem solchen Regiment den Kampf anzusagen. Mit Unverstand haben diese
  22345. Handlungen nichts mehr zu tun: Denn was jedem denkenden Gehirn eben als undenkbar erschienen wäre, haben
  22346. die geistigen Zyklopen unserer Novemberparteien fertiggebracht: s i e b u h l t e n u m F r a n k r e i c h s G u n s t .
  22347. Jawohl, in diesen ganzen Jahren hat man mit der rührenden Einfalt eines unverbesserlichen Phantasten immer wieder versucht, sich bei den Franzosen anzubiedern, scharwenzelte immer wieder vor der „großen Nation“ und glaubte,
  22348. in jedem gerissenen Trick des französischen Henkers sofort
  22349. 24
  22350. 706
  22351. Anbiederung an Frankreich
  22352. das erste Anzeichen einer sichtbaren Gesinnungsänderung
  22353. erblicken zu dürfen. D i e t a t s ä c h l i c h e n D r a h t zieher unserer Politik haben natürlich
  22354. diesem irrsinnigen Glauben niemals gehuldigt. Für sie war das Anbiedern an
  22355. Frankreich
  22356. nur
  22357. das
  22358. selbstverständliche
  22359. Mittel, auf solche Weise jede praktische
  22360. B ü n d n i s p o l i t i k z u s a b o t i e r e n . Sie waren sich
  22361. über Frankreichs und seiner Hintermänner Ziele nie im
  22362. unklaren. Was sie zwang, so zu tun, als ob sie dennoch
  22363. ehrlich an die Möglichkeit einer Änderung des deutschen
  22364. Schicksals glaubten, war die nüchterne Erkenntnis, daß im
  22365. anderen Fall ja wahrscheinlich unser Volk selbst einen
  22366. anderen Weg gegangen wäre.
  22367. Es ist natürlich auch für uns schwer, in den Reihen der
  22368. eigenen Bewegung England als möglichen Bundesgenossen
  22369. für die Zukunft hinzustellen. Unsere jüdische Presse verstand es ja immer wieder, den Haß besonders auf England
  22370. zu konzentrieren, wobei so mancher gute deutsche Gimpel
  22371. dem Juden bereitwilligst auf die hingehaltene Leimrute
  22372. flog, vom „Wiedererstarken“ einer deutschen Seemacht
  22373. schwätzte, gegen den Raub unserer Kolonien protestierte,
  22374. ihre Wiedergewinnung empfahl und somit half, das Material zu liefern, das der jüdische Lump dann seinen Stammesgenossen in England zur praktischen propagandistischen Verwertung überweisen konnte. Denn daß wir heute
  22375. nicht um „Seegeltung“ usw. zu kämpfen haben, das sollte
  22376. allmählich auch in den Köpfen unserer politisierenden bürgerlichen Einfaltspinsel aufdämmern. Die Einstellung der
  22377. deutschen Nationalkraft auf diese Ziele, ohne die gründlichste vorherige Sicherung unserer Stellung in Europa,
  22378. war schon vor dem Kriege ein Unsinn. Heute gehört eine
  22379. solche Hoffnung zu jenen Dummheiten, die man im Reiche
  22380. der Politik mit dem Wort Verbrechen belegt.
  22381. Es war wirklich manchmal zum Verzweifeln, wenn man
  22382. zusehen mußte, wie die jüdischen Drahtzieher es fertigbrachten, unser Volk mit heute höchst nebensächlichen Dingen zu beschäftigen, zu Kundgebungen und Protesten auf-
  22383. Die Südtiroler Frage
  22384. 707
  22385. zuputschen, während in denselben Stunden Frankreich sich
  22386. Stück für Stück aus dem Leibe unseres Volkskörpers riß,
  22387. und uns die Grundlagen unserer Unabhängigkeit planmäßig entzogen wurden.
  22388. Ich muß dabei eines besonderen Steckenpferdes gedenken, das in diesen Jahren der Jude mit außerordentlicher
  22389. Geschicklichkeit ritt: Südtirol.
  22390. Jawohl, S ü d t i r o l . Wenn ich mich hier an dieser
  22391. Stelle gerade mit dieser Frage beschäftige, dann nicht zum
  22392. letzten, um eine Abrechnung zu halten mit jenem allerverlogensten Pack, das, auf die Vergeßlichkeit und Dummheit
  22393. unserer breiteren Schichten bauend, sich hier anmaßt, eine
  22394. nationale Empörung zu mimen, die besonders den parlamentarischen Betrügern ferner liegt als einer Elster redliche Eigentumsbegriffe.
  22395. Ich möchte betonen, daß ich persönlich zu den Leuten gehörte, die, als über das Schicksal Südtirols mitentschieden
  22396. wurde – also angefangen vom August 1914 bis zum November 1918 – sich dorthin stellten, wo die praktische Verteidigung auch dieses Gebietes stattfand, nämlich in das
  22397. Heer. Ich habe in diesen Jahren meinen Teil mitgekämpft,
  22398. nicht damit Südtirol verlorengeht, sondern damit es genau
  22399. so wie jedes andere deutsche Land dem Vaterland erhalten
  22400. bleibt.
  22401. Wer damals nicht mitkämpfte, das waren die parlamentarischen Strauchdiebe, dieses gesamte politisierende Parteigesindel. Im Gegenteil, während wir in der Überzeugung
  22402. kämpften, daß nur ein siegreicher Ausgang des Krieges
  22403. allein auch dieses Südtirol dem deutschen Volkstum erhalten
  22404. würde, haben die Mäuler dieser Ephialtesse gegen diesen
  22405. Sieg so lange gehetzt und gewühlt, bis endlich der kämpfende Siegfried dem hinterhältigen Dolchstoß erlag. D e n n
  22406. die Erhaltung Südtirols in deutschem Besitz war natürlich nicht garantiert durch
  22407. die
  22408. verlogenen
  22409. Brandreden
  22410. schneidiger
  22411. Parlamentarier am Wiener Rathausplatz
  22412. oder vor der Münchener Feldherrnhalle,
  22413. sondern
  22414. nur
  22415. durch
  22416. die
  22417. Bataillone
  22418. der
  22419. 708
  22420. Die Südtiroler Frage
  22421. kämpfenden Front. Wer diese zerbrach,
  22422. hat Südtirol verraten, genau so wie auch
  22423. alle anderen deutschen Gebiete.
  22424. Wer aber heute glaubt, durch Proteste, Erklärungen,
  22425. vereinsmeierliche Umzüge usw. die Südtiroler Frage lösen
  22426. zu können, der ist entweder ein ganz besonderer Lump
  22427. oder aber ein deutscher Spießbürger.
  22428. Darüber muß man sich doch wohl klar
  22429. sein, daß die Wiedergewinnung der verlorenen Gebiete nicht durch feierliche Anrufungen des lieben Herrgotts erfolgt oder
  22430. durch fromme Hoffnungen auf einen Völkerbund, sondern nur durch Waffengewalt.
  22431. Es fragt sich also nur, wer bereit ist, mit Waffengewalt
  22432. die Wiedergewinnung dieser verlorenen Gebiete zu ertrotzen.
  22433. Was meine Person betrifft, könnte ich hier bei gutem
  22434. Gewissen versichern, daß ich soviel Mut noch aufbrächte,
  22435. um an der Spitze eines zu bildenden parlamentarischen
  22436. Sturmbataillons, bestehend aus Parlamentsschwätzern und
  22437. sonstigen Parteiführern sowie verschiedenen Hofräten, an
  22438. der siegreichen Eroberung Südtirols teilzunehmen. Weiß
  22439. der Teufel, es sollte mich freuen, wenn einmal über den
  22440. Häuptern einer derartig „flammenden“ Protestkundgebung
  22441. plötzlich ein paar Schrapnelle auseinandergingen. Ich glaube,
  22442. wenn ein Fuchs in einen Hühnerstall einbräche, könnte
  22443. das Gegacker kaum ärger sein und das In-Sicherheit-Bringen des einzelnen Federviehs nicht beschleunigter erfolgen
  22444. als das Ausreißen einer solchen prachtvollen „Protestvereinigung“.
  22445. Aber das Niederträchtigste an der Sache ist ja, daß die
  22446. Herren selber gar nicht glauben, auf diesem Wege irgend
  22447. etwas erreichen zu können. Sie kennen die Unmöglichkeit
  22448. und Harmlosigkeit ihres ganzen Getues persönlich am allerbesten. Allein, sie tun eben so, weil es natürlich heute
  22449. etwas leichter ist, für die Wiedergewinnung Südtirols zu
  22450. s c h w ä t z e n , als es einst war, für seine Erhaltung zu
  22451. k ä m p f e n . Jeder leistet eben seinen Teil; damals opfer-
  22452. Hintertreibung deutsch-italienischer Verständigung 709
  22453. ten wir unser Blut, und heute wetzt diese Gesellschaft ihre
  22454. Schnäbel.
  22455. Besonders köstlich ist es noch, dabei zu sehen, wie den
  22456. Wiener Legitimistenkreisen bei ihrer heutigen Wiedereroberungsarbeit von Südtirol der Kamm förmlich anschwillt. Vor sieben Jahren hat ihr erhabenes und erlauchtes Herrscherhaus allerdings durch die Schurkentat eines
  22457. meineidigen Verrates mitgeholfen, daß die Weltkoalition
  22458. als Siegerin auch Südtirol zu gewinnen vermochte. Damals haben diese Kreise die Politik ihrer verräterischen
  22459. Dynastie unterstützt und sich einen Pfifferling um Südtirol noch um sonst etwas gekümmert. Natürlich, heute
  22460. ist es einfacher, den Kampf für diese Gebiete aufzunehmen, wird doch dieser jetzt nur mit „geistigen“ Waffen ausgefochten, und es ist doch immerhin leichter, sich in einer
  22461. „Protestversammlung“ die Kehle heiser zu reden – aus
  22462. innerer erhabener Entrüstung heraus – und in einem
  22463. Zeitungsartikel die Finger wund zu schmieren, als etwa
  22464. während der Besetzung des Ruhrgebietes, sagen wir, Brükken in die Luft zu jagen.
  22465. Der Grund, warum man in den letzten Jahren von ganz
  22466. bestimmten Kreisen aus die Frage „Südtirol“ zum Angelpunkt des deutsch-italienischen Verhältnisses machte, liegt
  22467. ja klar auf der Hand. J u d e n u n d h a b s b u r g i s c h e
  22468. Legitimisten haben das größte Interesse
  22469. daran, eine Bündnispolitik Deutschlands
  22470. zu verhindern, die eines Tages zur Wiederauferstehung eines deutschen freien Vaterlandes führen könnte. Nicht aus Liebe zu
  22471. Südtirol macht man heute dieses Getue –
  22472. denn dem wird dadurch nicht geholfen,
  22473. sondern nur geschadet –, sondern aus
  22474. Angst vor einer etwa möglichen deutschitalienischen Verständigung.
  22475. Es liegt dabei nur in der Linie der allgemeinen Verlogenheit und Verleumdungstendenz dieser Kreise, wenn sie
  22476. mit eisig kalter und frecher Stirne versuchen, die Dinge so
  22477. darzustellen, als ob etwa w i r Südtirol „verraten“ hätten.
  22478. 710
  22479. Wer Südtirol verriet
  22480. Das muß diesen Herren mit aller Deutlichkeit gesagt werden: S ü d t i r o l h a t „ v e r r a t e n “ e r s t e n s j e d e r
  22481. Deutsche, der in den Jahren 1914-1918 bei
  22482. geraden Gliedern nicht irgendwo an der
  22483. Front stand und seine Dienste seinem
  22484. Vaterlande zur Verfügung stellte;
  22485. zweitens jeder, der in diesen Jahren
  22486. nicht mitgeholfen hat, die Widerstandsfähigkeit unseres Volkskörpers für die
  22487. Durchführung des Krieges zu stärken und
  22488. die Ausdauer unseres Volkes zum Durchhalten dieses Kampfes zu festigen;
  22489. drittens
  22490. Südtirol
  22491. hat
  22492. verraten
  22493. jeder,
  22494. der am Ausbruch der Novemberrevolution
  22495. – sei es direkt durch die Tat oder indirekt
  22496. durch die feige Duldung derselben – mitwirkte und dadurch die Waffe, die allein
  22497. Südtirol hätte retten können, zerschlagen hat;
  22498. und viertens, Südtirol haben verraten
  22499. alle die Parteien und ihre Anhänger, die
  22500. ihre Unterschriften unter die Schandverträge von Versailles und St. Germain
  22501. setzten.
  22502. Jawohl, so liegen die Dinge, meine tapferen Herren
  22503. Wortprotestler!
  22504. Heute werde ich nur von der nüchternen
  22505. Erkenntnis geleitet, daß man verlorene
  22506. Gebiete nicht durch die Zungenfertigkeit
  22507. geschliffener
  22508. parlamentarischer
  22509. Mäuler
  22510. zurückgewinnt,
  22511. sondern
  22512. durch
  22513. ein
  22514. geschliffenes Schwert zu erobern hat, also
  22515. durch einen blutigen Kampf.
  22516. Da allerdings stehe ich nicht an zu erklären, daß ich nun, da die Würfel gefallen
  22517. sind,
  22518. eine
  22519. Wiedergewinnung
  22520. Südtirols
  22521. durch Krieg nicht nur für unmöglich halte,
  22522. sondern auch persönlich in der Überzeu-
  22523. Nicht Waffengewalt, sondern Bündnispolitik
  22524. 711
  22525. gung ablehnen würde, daß für diese Frage
  22526. nicht die flammende Nationalbegeisterung
  22527. des gesamten deutschen Volkes in einem
  22528. Maße zu erreichen wäre, die die Voraussetzung zu einem Siege böte. Ich glaube
  22529. im Gegenteil, daß, wenn dieses Blut dereinst eingesetzt würde, es ein Verbrechen
  22530. wäre, den Einsatz für zweihunderttausend
  22531. Deutsche zu vollziehen, während nebenan
  22532. über sieben Millionen unter der Fremdherrschaft schmachten und die Lebensader
  22533. des deutschen Volkes den Tummelplatz
  22534. afrikanischer Negerhorden durchläuft.
  22535. Wenn die deutsche Nation den Zustand
  22536. ihrer drohenden Ausrottung in Europa beenden will, dann hat sie nicht in den Fehler
  22537. der Vorkriegszeit zu verfallen und sich
  22538. Gott und die Welt zum Feind zu machen,
  22539. sondern dann wird sie den gefährlichsten
  22540. Gegner erkennen müssen, um mit der gesamten konzentrierten Kraft auf ihn einzuschlagen. Und wenn dieser Sieg erfochten
  22541. wird durch Opfer an anderer Stelle, dann
  22542. werden die kommenden Geschlechter unseres Volkes uns dennoch nicht verurteilen.
  22543. Sie werden die schwere Not und die tiefen
  22544. Sorgen und den dadurch geborenen bitteren Entschluß um so mehr zu würdigen
  22545. wissen, je strahlender der daraus entsprossene Erfolg sein wird.
  22546. Was uns heute leiten muß, ist immer wieder die grundlegende Einsicht, daß die Wiedergewinnung verlorener Gebiete eines Reiches in erster Linie die Frage der Wiedergewinnung der politischen Unabhängigkeit und Macht des
  22547. Mutterlandes ist.
  22548. Diese durch eine kluge Bündnispolitik zu ermöglichen
  22549. und zu sichern, ist die erste Aufgabe einer kraftvollen Leitung unseres Staatswesens nach außen.
  22550. 712
  22551. Drei Fragen zur Bündnispolitik
  22552. Gerade wir Nationalsozialisten aber haben uns zu
  22553. hüten, in das Schlepptau unserer vom Juden geführten
  22554. bürgerlichen Wortpatrioten zu kommen. W e h e , w e n n
  22555. auch unsere Bewegung, statt das Fechten
  22556. vorzubereiten,
  22557. sich
  22558. in
  22559. Protesten
  22560. üben
  22561. würde!
  22562. An der phantastischen Auffassung des
  22563. Nibelungenbündnisses mit dem habsburgischen Staatskadaver ist Deutschland mit
  22564. zugrunde gegangen. Phantastische Sentimentalität in der Behandlung der außenpolitischen Möglichkeiten von heute ist
  22565. das beste Mittel, unseren Wiederaufstieg
  22566. für immer zu verhindern.
  22567. Es ist notwendig, daß ich mich hier auch noch ganz kurz
  22568. mit jenen Einwänden beschäftige, die sich auf die vorhergehend bereits gestellten drei Fragen beziehen werden,
  22569. nämlich auf die Fragen, ob man sich
  22570. erstens mit dem heutigen Deutschland in
  22571. seiner vor aller Augen liegenden sichtbaren
  22572. Schwäche überhaupt verbünden wird;
  22573. zweitens, ob die feindlichen Nationen zu
  22574. einer solchen Umstellung fähig erscheinen und
  22575. drittens, ob nicht der nun einmal gegebene Einfluß des Judentums stärker als
  22576. alle Erkenntnis und aller gute Wille ist
  22577. und so sämtliche Pläne durchkreuzen und
  22578. zunichte machen wird.
  22579. Die erste Frage denke ich zur einen Hälfte genügend
  22580. erörtert zu haben. Selbstverständlich wird sich mit dem
  22581. heutigen Deutschland niemand verbünden. Es wird keine
  22582. Macht der Welt ihr Schicksal an einen Staat zu ketten
  22583. wagen, dessen Regierungen jegliches Vertrauen zerstören
  22584. müssen. Was aber nun den Versuch vieler unserer Volksgenossen betrifft, der Regierung für ihr Handeln die der-
  22585. Erste Anzeichen deutscher Wiedergeburt
  22586. 713
  22587. zeitige jämmerliche Mentalität unseres Volkes zugute zu
  22588. halten oder gar als Entschuldigung gelten zu lassen, so
  22589. muß man hiergegen schärfstens Stellung nehmen.
  22590. Sicherlich ist die Charakterlosigkeit unseres Volkes seit
  22591. sechs Jahren eine tieftraurige, die Gleichgültigkeit den wichtigsten Belangen des Volkstums gegenüber eine wahrhaft
  22592. niederdrückende, die Feigheit aber manches Mal himmelschreiend. Allein man soll doch nie vergessen, daß es sich
  22593. dabei dennoch um ein Volk handelt, das wenige Jahre vorher der Welt das bewunderungswürdigste Beispiel höchster
  22594. menschlicher Tugenden geboten hat. Angefangen von den
  22595. Augusttagen 1914 bis zum Ende des gewaltigen Völkerringens hat kein Volk der Erde mehr an männlichem Mut,
  22596. zäher Ausdauer und geduldigem Ertragen offenbart als
  22597. unser heute so armselig gewordenes deutsches Volk. Niemand wird behaupten wollen, daß die Schmach unserer
  22598. jetzigen Zeit der charakteristische Wesensausdruck unseres
  22599. Volkstums sei. Was wir heute um uns und in uns erleben
  22600. müssen, ist nur der grauenvolle, sinn- und vernunftzerstörende Einfluß der Meineidstat des 9. November 1918.
  22601. Mehr als je gilt hier das Dichterwort vom Bösen, das fortzeugend Böses muß gebären. Allein auch in dieser Zeit sind
  22602. die guten Grundelemente unserem Volke nicht ganz verlorengegangen, sie schlummern nur unerweckt in der Tiefe,
  22603. und manches Mal konnte man wie Wetterleuchten am
  22604. schwarzbehangenen Firmament Tugenden aufstrahlen sehen,
  22605. deren sich das spätere Deutschland als erste Anzeichen einer
  22606. beginnenden Genesung einst erinnern wird. Öfter als einmal haben sich Tausende und Tausende junge Deutsche gefunden mit dem opferbereiten Entschluß, das jugendliche
  22607. Leben so wie 1914 wieder freiwillig und freudig auf dem
  22608. Altar des geliebten Vaterlandes zum Opfer zu bringen.
  22609. Wieder schaffen Millionen von Menschen emsig und fleißig,
  22610. als hätte es nie die Zerstörungen durch eine Revolution
  22611. gegeben. Der Schmied steht wieder am Amboß, hinter dem
  22612. Pfluge wandelt der Bauer, und in der Studierstube sitzt
  22613. der Gelehrte, alle mit der gleichen Mühe und gleichen Ergebenheit gegenüber ihrer Pflicht.
  22614. 714
  22615. Versäumte Auswertung des Versailler Vertrages
  22616. Die Unterdrückungen von seiten unserer Feinde finden
  22617. nicht mehr das rechtsprechende Lachen von einst, sondern
  22618. verbitterte und vergrämte Gesichter. Ein großer Wechsel
  22619. in der Gesinnung hat sich ohne Zweifel vollzogen.
  22620. Wenn sich dieses alles auch heute noch nicht in einer
  22621. Wiedergeburt des politischen Machtgedankens und Selbsterhaltungstriebes unseres Volkes äußert, dann tragen die
  22622. Schuld daran diejenigen, die weniger durch des Himmels
  22623. als ihre eigene Berufung seit 1918 unser Volk zu Tode
  22624. regieren.
  22625. Jawohl, wenn man heute unsere Nation beklagt, so darf
  22626. man doch die Frage stellen: Was tat man, um sie zu bessern? Ist die geringe Unterstützung von Entschlüssen unserer Regierungen – die ja in Wirklichkeit kaum da waren
  22627. – durch das Volk nur das Zeichen für die geringe Lebenskraft unseres Volkstums oder nicht noch mehr das Zeichen
  22628. für das vollkommene Versagen der Behandlung dieses kostbaren Gutes? W a s h a b e n u n s e r e R e g i e r u n g e n
  22629. getan, um in dieses Volk wieder den Geist
  22630. stolzer
  22631. Selbstbehauptung,
  22632. männlichen
  22633. Trotzes und zornigen Hasses hineinzupflanzen?
  22634. Als im Jahre 1919 der Friedensvertrag dem deutschen
  22635. Volk aufgebürdet wurde, da wäre man berechtigt gewesen,
  22636. zu hoffen, daß gerade durch dieses Instrument maßloser
  22637. Unterdrückung der Schrei nach deutscher Freiheit mächtig
  22638. gefördert werden würde. F r i e d e n s v e r t r ä g e , d e r e n
  22639. Forderungen wie Geißelhiebe Völker treffen, schlagen nicht selten den ersten Trommelwirbel für die spätere Erhebung.
  22640. Was konnte man aus dem Friedensvertrag von Versailles machen!
  22641. Wie konnte dieses Instrument einer maßlosen Erpressung und schmachvollsten Erniedrigung in den Händen einer
  22642. wollenden Regierung zum Mittel werden, die nationalen
  22643. Leidenschaften bis zur Siedehitze aufzupeitschen! Wie
  22644. konnte bei einer genialen propagandistischen Verwertung
  22645. „Herr, segne unseren Kampf“
  22646. 715
  22647. dieser sadistischen Grausamkeiten die Gleichgültigkeit
  22648. eines Volkes zur Empörung und die Empörung zur hellsten
  22649. Wut gesteigert werden!
  22650. Wie konnte man jeden einzelnen dieser Punkte dem Gehirn und der Empfindung dieses Volkes so lange einbrennen, bis endlich in sechzig Millionen Köpfen, bei Männern und Weibern, die gemeinsam empfundene Scham und
  22651. der gemeinsame Haß zu jenem einzigen feurigen Flammenmeer geworden wäre, aus dessen Gluten dann stahlhart ein
  22652. Wille emporsteigt und ein Schrei sich herauspreßt:
  22653. Wir wollen wieder Waffen!
  22654. Jawohl, dazu kann ein solcher Friedensvertrag dienen.
  22655. In der Maßlosigkeit seiner Unterdrückung, in der Schamlosigkeit seiner Forderungen liegt die größte Propagandawaffe zur Wiederaufrüttelung der eingeschlafenen Lebensgeister einer Nation.
  22656. Dann muß allerdings, von der Fibel des Kindes angefangen bis zur letzten Zeitung, jedes Theater und jedes
  22657. Kino, jede Plakatsäule und jede freie Bretterwand in den
  22658. Dienst dieser einzigen großen Mission gestellt werden, bis
  22659. daß das Angstgebet unserer heutigen Vereinspatrioten
  22660. „Herr, mach uns frei!“ sich in dem Gehirn des kleinsten
  22661. Jungen verwandelt zur glühenden Bitte: „A l l m ä c h tiger Gott, segne dereinst unsere Waffen;
  22662. sei so gerecht, wie du es immer warst; urteile jetzt, ob wir die Freiheit nun verdienen; Herr, segne unseren Kampf!“
  22663. Man hat alles versäumt und nichts getan.
  22664. Wer will sich nun wundern, wenn unser Volk nicht so ist,
  22665. wie es sein sollte und sein könnte? Wenn die andere Welt
  22666. in uns nur den Büttel sieht, den willfährigen Hund, der
  22667. dankbar nach den Händen leckt, die ihn vorher geschlagen
  22668. haben?
  22669. Sicherlich wird unsere Bündnisfähigkeit heute belastet
  22670. durch unser Volk, am schwersten aber durch unsere Regierungen. Sie sind in ihrer Verderbtheit die Schuldigen, daß
  22671. nach acht Jahren maßlosester Unterdrückung so wenig Wille
  22672. zur Freiheit vorhanden ist.
  22673. 716
  22674. Die Umstellung antideutscher Psychose
  22675. So sehr also eine aktive Bündnispolitik gebunden ist an
  22676. die nötige Werteinschätzung unseres Volkes, so sehr ist diese
  22677. wieder bedingt durch das Bestehen einer Regierungsgewalt,
  22678. die nicht Handlanger sein will für fremde Staaten, nicht
  22679. Fronvogt über die eigene Kraft, sondern vielmehr Herold
  22680. des nationalen Gewissens.
  22681. Besitzt unser Volk aber eine Staatsleitung, die darin ihre
  22682. Mission sieht, so werden keine sechs Jahre vergehen und
  22683. der kühnen außenpolitischen Leitung des Reiches wird ein
  22684. ebenso kühner Wille eines freiheitsdurstigen Volkes zur
  22685. Verfügung stehen.
  22686. Der zweite Einwand, die große Schwierigkeit der Umstellung der feindlichen Völker zu freundschaftlich Verbündeten, kann wohl so beantwortet werden:
  22687. Die in den übrigen Ländern durch die
  22688. Kriegspropaganda
  22689. herangezüchtete
  22690. allgemeine
  22691. antideutsche
  22692. Psychose
  22693. bleibt
  22694. zwangsläufig so lange bestehen, als nicht
  22695. durch die allen sichtbare Wiedererstehung
  22696. eines deutschen Selbsterhaltungswillens
  22697. das Deutsche Reich wieder die Charaktermerkmale
  22698. eines
  22699. Staates
  22700. erhalten
  22701. hat,
  22702. der auf dem allgemeinen europäischen
  22703. Schachbrett spielt und mit dem man spiel e n k a n n . Erst wenn in Regierung und Volk die unbedingte Sicherung für eine mögliche Bündnisfähigkeit gegeben erscheint, kann die eine oder andere Macht aus gleichlaufenden Interessen heraus daran denken, durch propagandistische Einwirkungen die öffentliche Meinung umzubilden.
  22704. Auch dies erfordert naturgemäß Jahre andauernder geschickter Arbeit. Gerade in der Notwendigkeit dieser langen Zeitdauer für die Umstimmung eines Volkes liegt die Vorsicht
  22705. bei ihrer Vornahme begründet, d.h. man wird nicht an eine
  22706. solche Tätigkeit herantreten, wenn man nicht die unbedingte
  22707. Überzeugung vom Werte einer solchen Arbeit und ihren
  22708. Früchten in der Zukunft besitzt. Man wird nicht auf das
  22709. Sichtbarer Wille zum Freiheitskampf
  22710. 717
  22711. leere Geflunker eines mehr oder weniger geistreichen Außenministers hin die seelische Einstellung einer Nation ändern
  22712. wollen, ohne die Garantie für den realen Wert einer neuen
  22713. greifbar zu besitzen. Es würde dies sonst zur vollkommenen
  22714. Zersplitterung der öffentlichen Meinung führen. Die zuverlässigste Sicherheit für die Möglichkeit einer späteren Verbindung mit einem Staate liegt aber eben nicht begründet
  22715. in schwulstigen Redensarten einzelner Regierungsmitglieder,
  22716. sondern vielmehr in der ersichtlichen Stabilität einer bestimmten, zweckmäßig erscheinenden Regierungstendenz sowie in einer analog eingestellten öffentlichen Meinung. Der
  22717. Glaube hieran wird um so fester sein, je größer die sichtbare
  22718. Tätigkeit einer Regierungsgewalt auf dem Gebiet der propagandistischen Vorbereitung und Unterstützung ihrer Arbeit
  22719. ist und je unzweideutiger umgekehrt der Wille der öffentlichen Meinung sich in der Regierungstendenz widerspiegelt.
  22720. Man wird also ein Volk – in unserer
  22721. Lage – dann für bündnisfähig halten,
  22722. wenn Regierung und öffentliche Meinung
  22723. gleichmäßig fanatisch den Willen zum
  22724. Freiheitskampf verkünden und vertreten.
  22725. Dies ist die Voraussetzung einer dann erst in Angriff zu
  22726. nehmenden Umstellung der öffentlichen Meinung anderer
  22727. Staaten, die auf Grund ihrer Erkenntnis gewillt sind, zur
  22728. Vertretung ihrer ureigensten Interessen einen Weg an der
  22729. Seite des ihnen hierfür passend erscheinenden Partners zu
  22730. gehen, also ein Bündnis abzuschließen.
  22731. Nun gehört dazu aber noch eines: D a d i e U m s t e l lung einer bestimmten geistigen Verfassung eines Volkes an sich schwere Arbeit
  22732. erfordert und von vielen zunächst nicht
  22733. verstanden werden wird, ist es ein Verbrechen
  22734. und
  22735. eine
  22736. Dummheit
  22737. zugleich,
  22738. durch eigene Fehler diesen anderswollenden Elementen Waffen für ihre Gegenarbeit zu liefern.
  22739. Man muß begreifen, daß es notwendigerweise eine Zeitlang dauern wird, bis ein Volk restlos die inneren Ab-
  22740. 718
  22741. Konzentration auf einen Gegner
  22742. sichten einer Regierung erfaßt hat, da Erklärungen über die
  22743. letzten Schlußziele einer bestimmten politischen Vorarbeit
  22744. nicht gegeben werden können, sondern nur entweder mit
  22745. dem blinden Glauben der Masse oder der intuitiven Einsicht
  22746. der geistig höherstehenden Führerschichten gerechnet werden kann. Da bei vielen Menschen jedoch dieses hellseherische
  22747. politische Tastgefühl und Ahnungsvermögen nicht vorhanden
  22748. ist, Erläuterungen aber aus politischen Gründen nicht gegeben werden können, wird sich immer ein Teil der intellektuellen Führerschicht gegen neue Tendenzen wenden, die
  22749. infolge ihrer Undurchsehbarkeit leicht als bloße Experimente gedeutet werden können. So wird der Widerstand
  22750. der besorgten konservativen Staatselemente wachgerufen.
  22751. Es ist jedoch aus diesem Grunde erst recht höchste Verpflichtung, dafür zu sorgen, daß solchen Störern einer Anbahnung von gegenseitigem Verstehen alle verwertbaren
  22752. Waffen nach Möglichkeit aus der Hand gewunden werden,
  22753. besonders dann, wenn es sich, wie in unseren Fällen,
  22754. ohnehin nur um ganz unrealisierbare, rein phantastische
  22755. Schwätzereien aufgeblasener Vereinspatrioten und spießbürgerlicher Kaffeehauspolitiker handelt. Denn daß das
  22756. Schreien nach einer neuen Kriegsflotte, der Wiedergewinnung unserer Kolonien usw. wirklich bloß ein albernes Geschwätz ist, ohne auch nur einen Gedanken praktischer Ausführbarkeit zu besitzen, wird man bei ruhigem Überlegen
  22757. wohl kaum zu bestreiten vermögen. Wie man aber in England diese unsinnigsten Ergüsse teils harmloser, teils verrückter, immer aber im stillen Dienste unserer Todfeinde
  22758. stehender Protestkämpen, politisch ausnützt, kann nicht als
  22759. günstig für Deutschland bezeichnet werden. So erschöpft
  22760. man sich in schädlichen Demonstratiönchen gegen Gott und
  22761. alle Welt und vergißt den ersten Grundsatz, der die Voraussetzung für jeden Erfolg ist, nämlich: W a s d u t u s t , t u e
  22762. ganz! Indem man gegen fünf oder zehn Staaten mault, unterläßt man die Konzentration
  22763. der gesamten willensmäßigen und physischen Kräfte zum Stoß ins Herz unseres
  22764. verruchtesten Gegners und opfert die Mög-
  22765. Abrechnung mit den Verrätern
  22766. 719
  22767. lichkeit einer bündnismäßigen Stärkung
  22768. für diese Auseinandersetzung.
  22769. Auch hier liegt eine Mission der nationalsozialistischen Bewegung. Sie muß unser
  22770. Volk lehren, über Kleinigkeiten hinweg
  22771. aufs Größte zu sehen, sich nicht in Nebensächlichkeiten zu zersplittern, sondern
  22772. nie zu vergessen, daß das Ziel, für das wir
  22773. heute zu fechten haben, die nackte Existenz unseres Volkes ist, und der einzige
  22774. Feind, den wir treffen müssen, die Macht
  22775. ist und bleibt, die diese Existenz uns raubt.
  22776. Es mag uns manches bitter schmerzen.
  22777. Aber dies ist noch lange kein Grund, der
  22778. Vernunft zu entsagen und in unsinnigem
  22779. Geschrei mit aller Welt zu hadern, statt
  22780. in konzentrierte Kraft sich gegen den
  22781. tödlichsten Feind zu stellen.
  22782. Im übrigen hat das deutsche Volk so lange
  22783. kein moralisches Recht, die andere Welt ob
  22784. ihres Gebarens anzuklagen, solange es
  22785. nicht die Verbrecher zur Rechenschaft gezogen hat, die das eigene Land verkauften und verrieten. Das ist kein heiliger
  22786. Ernst, wenn man wohl gegen England, Italien usw. aus der Ferne schimpft und protestiert, aber die Lumpen unter sich wandeln läßt, die im Sold der feindlichen
  22787. Kriegspropaganda uns die Waffen entwanden, das moralische Rückgrat zerbrachen und das gelähmte Reich um dreißig
  22788. Silberlinge verjobberten.
  22789. Der Feind tut nur, was vorauszusehen
  22790. war. Aus seinem Verhalten und Handeln
  22791. sollten wir lernen.
  22792. Wer sich aber durchaus nicht zur Höhe einer solchen Auffassung bekennen will, der mag als letztes noch bedenken,
  22793. daß dann eben nur Verzicht übrigbleibt, weil dann jede
  22794. 720
  22795. Siegen die nationalsozialistischen Interessen?
  22796. Bündnispolitik für alle Zukunft ausscheidet. Denn wenn
  22797. wir mit England uns nicht zu verbünden vermögen, weil
  22798. es uns die Kolonien raubte, mit Italien nicht, weil es Südtirol besitzt, mit Polen und der Tschechoslowakei an sich nicht,
  22799. dann bliebe außer Frankreich – das uns nebenbei aber
  22800. doch Elsaß-Lothringen stahl – in Europa niemand übrig.
  22801. Ob damit dem deutschen Volke gedient ist, kann kaum
  22802. zweifelhaft sein. Zweifelhaft ist es nur immer, ob eine
  22803. solche Meinung von einem einfältigen Tropf vertreten
  22804. wird oder einem gerissenen Gauner.
  22805. Soweit es sich dabei um Führer handelt, glaube ich
  22806. immer an das letztere.
  22807. So kann nach menschlichem Ermessen eine Umstellung
  22808. der Psyche einzelner, bisher feindlicher Völker, deren wahre
  22809. Interessen in der Zukunft ähnlich den unseren gelagert sind,
  22810. sehr wohl erfolgen, wenn die innere Stärke unseres Staates
  22811. sowie der ersichtliche Wille zur Wahrung unseres Daseins
  22812. uns als Bundesgenossen wieder wert erscheinen lassen und
  22813. weiter den Gegnern einer solchen kommenden Verbindung
  22814. mit vordem uns feindlichen Völkern nicht wieder durch
  22815. eigene Ungeschicklichkeiten oder gar verbrecherische Handlungen der Nährstoff zu ihrem Treiben gegeben wird.
  22816. Am schwersten zu beantworten ist der dritte Einwand.
  22817. Ist es denkbar, daß die Vertreter der wirklichen Interessen der bündnismöglichen Nationen ihre Ansichten durchzusetzen vermögen gegenüber dem Wollen des jüdischen
  22818. Todfeindes freier Volks- und Nationalstaaten?
  22819. Können die Kräfte z.B. der traditionellen britischen
  22820. Staatskunst den verheerenden jüdischen Einfluß noch brechen oder nicht?
  22821. Diese Frage ist, wie schon gesagt, sehr schwer zu beantworten. Sie hängt von zu vielen Faktoren ab, als daß ein
  22822. bündiges Urteil gesprochen werden könnte. Sicher ist
  22823. jedenfalls eines: I n einem S t a a t e k a n n d i e d e r z e i tige Staatsgewalt als so fest stabilisiert
  22824. angesehen werden und so unbedingt den
  22825. Faschistisches Italien und Judentum
  22826. 721
  22827. Interessen des Landes dienend, daß von
  22828. einer wirklich wirksamen Verhinderung
  22829. politischer Notwendigkeiten durch internationale jüdische Kräfte nicht mehr gesprochen werden kann.
  22830. D e r K a m p f , d e n d a s faschistische Italien g e g e n
  22831. die drei Hauptwaffen des Judentums, wenn
  22832. auch vielleicht im tiefsten Grunde unbewußt (was ich persönlich nicht glaube)
  22833. durchführt, ist das beste Anzeichen dafür,
  22834. daß, wenn auch auf indirektem Wege, dieser
  22835. überstaatlichen Macht die Giftzähne ausgebrochen werden. Das Verbot der freimaurerischen
  22836. Geheimgesellschaften,
  22837. die
  22838. Verfolgung der übernationalen Presse sowie der dauernde Abbruch des internationalen Marxismus und umgekehrt die stete
  22839. Festigung der faschistischen Staatsauffassung werden im Laufe der Jahre die italienische Regierung immer mehr den Interessen des italienischen Volkes dienen
  22840. lassen können, ohne Rücksicht auf das Gezische der jüdischen Welthydra.
  22841. Schwieriger liegen die Dinge in England. In diesem
  22842. Lande der „freiesten Demokratie“ diktiert der Jude auf
  22843. dem Umweg der öffentlichen Meinung heute noch fast unbeschränkt. Und dennoch findet auch dort ein ununterbrochenes Ringen statt zwischen den Vertretern britischer
  22844. Staatsinteressen und den Verfechtern einer jüdischen Weltdiktatur.
  22845. Wie hart diese Gegensätze häufig aufeinanderprallen,
  22846. konnte man nach dem Kriege zum ersten Male am klarsten
  22847. erkennen in der verschiedenen Einstellung der britischen
  22848. Staatsleitung einerseits und der Presse andererseits zum
  22849. japanischen Problem.
  22850. Sofort nach Beendigung des Krieges begann die alte
  22851. gegenseitige Gereiztheit zwischen Amerika und Japan wieder in Erscheinung zu treten. Natürlich konnten auch die
  22852. 722
  22853. England und das Judentum
  22854. großen europäischen Weltmächte dieser neuen drohenden
  22855. Kriegsgefahr gegenüber nicht in Gleichgültigkeit verharren.
  22856. Alle verwandtschaftlichen Bindungen vermögen in England
  22857. dennoch nicht ein gewisses Gefühl neidischer Besorgtheit
  22858. gegenüber dem Anwachsen der amerikanischen Union auf
  22859. allen Gebieten internationaler Wirtschafts- und Machtpolitik zu verhindern. Aus dem einstigen Kolonialland,
  22860. dem Kinde der großen Mutter, scheint eine neue Herrin
  22861. der Welt zu erstehen. Man versteht, wenn England heute
  22862. in sorgenvoller Unruhe seine alten Bündnisse überprüft
  22863. und die britische Staatskunst mit Bangen einem Zeitpunkt
  22864. entgegenstarrt, an dem es nicht mehr heißen wird:
  22865. „E n g l a n d ü b e r d e n M e e r e n ! “, sondern „D i e
  22866. M e e r e d e r U n i o n “.
  22867. Dem gigantischen amerikanischen Staatenkoloß mit seinen enormen Reichtümern einer jungfräulichen Erde ist
  22868. schwerer beizukommen als einem eingezwängten Deutschen
  22869. Reich. Wenn jemals auch hier die Würfel um die letzte Entscheidung rollen würden, wäre England, wenn auf sich allein
  22870. gestellt, dem Verhängnis geweiht. So greift man begierig
  22871. nach der gelben Faust und klammert sich an einen Bund,
  22872. der, rassisch gedacht, vielleicht unverantwortlich, staatspolitisch jedoch die einzige Möglichkeit einer Stärkung der
  22873. britischen Weltstellung gegenüber dem emporstrebenden
  22874. amerikanischen Kontinent darstellt.
  22875. Während sich also die englische Staatsleitung trotz des
  22876. gemeinsamen Kampfes auf den europäischen Schlachtfeldern nicht entschließen wollte, den Bund mit dem asiatischen Partner zu lockern, fiel die gesamte jüdische Presse
  22877. diesem Bunde in den Rücken.
  22878. Wie ist es möglich, daß die jüdischen Organe, bis 1918
  22879. die getreuen Schildträger des britischen Kampfes gegen das
  22880. Deutsche Reich, nun auf einmal Treubruch üben und eigene
  22881. Wege gehen?
  22882. Die Vernichtung Deutschlands war nicht englisches, sondern in erster Linie jüdisches Interesse, genau so wie auch
  22883. heute eine Vernichtung Japans weniger britisch-staatlichen
  22884. Interessen dient, als den weit ausgreifenden Wünschen der
  22885. England und das Judentum
  22886. 723
  22887. Leiter des erhofften jüdischen Weltreichs. Während sich
  22888. England um die Erhaltung seiner Stellung auf dieser Welt
  22889. abmüht, organisiert der Jude seinen Angriff zur Eroberung
  22890. derselben.
  22891. Er sieht die heutigen europäischen Staaten bereits als
  22892. willenlose Werkzeuge in seiner Faust, sei es auf dem Umweg einer sogenannten westlichen Demokratie oder in der
  22893. Form der direkten Beherrschung durch russischen Bolschewismus. Aber nicht nur die Alte Welt hält er so umgarnt,
  22894. sondern auch der Neuen droht das gleiche Schicksal. Juden
  22895. sind die Regenten der Börsenkräfte der amerikanischen
  22896. Union. Jedes Jahr läßt sie mehr zum Kontrollherrn der
  22897. Arbeitskraft
  22898. eines
  22899. Einhundertzwanzig-Millionen-Volkes
  22900. aufsteigen; nur ganz wenige stehen auch heute noch, zu
  22901. ihrem Zorne, ganz unabhängig da.
  22902. In gerissener Geschicklichkeit kneten sie die öffentliche
  22903. Meinung und formen aus ihr das Instrument eines Kampfes
  22904. für die eigene Zukunft.
  22905. Schon glauben die größten Köpfe der Judenheit die Erfüllung ihres testamentarischen Wahlspruches des großen
  22906. Völkerfraßes herannahen zu sehen.
  22907. Innerhalb dieser großen Herde entnationalisierter Kolonialgebiete könnte ein einziger unabhängiger Staat das
  22908. ganze Werk in letzter Stunde noch zu Fall bringen. Denn
  22909. eine bolschewisierte Welt vermag nur zu bestehen, wenn sie
  22910. alles umfaßt.
  22911. Bleibt auch nur ein Staat in seiner nationalen Kraft und
  22912. Größe erhalten, wird und muß das jüdische Weltsatrapenreich, wie jede Tyrannei auf dieser Welt, der Kraft des
  22913. nationalen Gedankens erliegen.
  22914. Nun weiß der Jude zu genau, daß er sin seiner tausendjährigen Anpassung wohl europäische Völker zu unterhöhlen und zu geschlechtslosen Bastarden zu erziehen vermag,
  22915. allein einem asiatischen Nationalstaat von der Art Japans
  22916. dieses Schicksal kaum zuzufügen in der Lage wäre. Er vermag heute den Deutschen und den Engländer, Amerikaner
  22917. und Franzosen zu mimen, zum gelben Asiaten fehlen ihm
  22918. die Brücken. So sucht er den japanischen Nationalstaat
  22919. 724
  22920. Japan und das Judentum
  22921. noch mit der Kraft ähnlicher Gebilde von heute zu brechen,
  22922. um sich des gefährlichen Widersachers zu entledigen, ehe in
  22923. seiner Faust die letzte staatliche Macht zu einer Despotie
  22924. über wehrlose Wesen verwandelt wird.
  22925. Er scheut in seinem tausendjährigen Judenreich einen
  22926. japanischen Nationalstaat und wünscht deshalb dessen
  22927. Vernichtung noch vor Begründung seiner eigenen Diktatur.
  22928. So hetzt er heute die Völker gegen Japan wie einst gegen
  22929. Deutschland, und so kann es kommen, daß, während die
  22930. britische Staatskunst noch auf das Bündnis mit Japan zu
  22931. bauen versucht, die britisch jüdische Presse bereits den
  22932. Kampf gegen den Bundesgenossen fordert und unter der
  22933. Proklamation der Demokratie und unter dem Schlachtruf:
  22934. „Nieder mit dem japanischen Militarismus und Kaiserismus!“ den Vernichtungskrieg vorbereitet.
  22935. So ist der Jude heute in England unbotmäßig geworden.
  22936. Der Kampf gegen die jüdische Weltgefahr wird damit
  22937. auch dort beginnen.
  22938. Und wieder hat gerade die nationalsozialistische Bewegung ihre gewaltigste Aufgabe zu erfüllen:
  22939. Sie muß dem Volk die Augen öffnen über
  22940. die fremden Nationen und muß den wahren
  22941. Feind unserer heutigen Welt immer und
  22942. immer wieder in Erinnerung bringen. An
  22943. Stelle des Hasses gegen Arier, von denen
  22944. uns fast alles trennen kann, mit denen uns
  22945. jedoch gemeinsames Blut oder die große
  22946. Linie
  22947. einer
  22948. zusammengehörigen
  22949. Kultur
  22950. verbindet, muß sie den bösen Feind der
  22951. Menschheit, als den wirklichen Urheber
  22952. allen
  22953. Leides,
  22954. dem
  22955. allgemeinen
  22956. Zorne
  22957. weihen.
  22958. Sorgen aber muß sie dafür, daß wenigstens in unserem Lande der tödlichste
  22959. Gegner erkannt und der Kampf gegen ihn
  22960. als leuchtendes Zeichen einer lichteren
  22961. Zeit auch den anderen Völkern den Weg
  22962. Unser Kampf gegen den Weltfeind
  22963. 725
  22964. weisen möge zum Heil einer ringenden arischen Menschheit.
  22965. Im übrigen mag dann die Vernunft unsere
  22966. Leiterin sein, der Wille unsere Kraft. Die
  22967. heilige Pflicht, so zu handeln, gebe uns Beharrlichkeit,
  22968. und
  22969. höchster
  22970. Schirmherr
  22971. bleibe unser Glaube.
  22972. 14. Kapitel
  22973. Ostorientierung oder Ostpolitik
  22974. E s sind zwei Gründe, die mich veranlassen, das Verhältnis Deutschlands zu Rußland einer besonderen Prüfung zu unterziehen:
  22975. 1. handelt es sich in diesem Falle um die vielleicht entscheidendste Angelegenheit der deutschen Außen-politik
  22976. überhaupt und
  22977. 2. ist diese Frage auch der Prüfstein für die politische
  22978. Fähigkeit der jungen nationalsozialistischen Bewegung, klar zu denken und richtig zu handeln.
  22979. Ich muß gestehen, daß mich besonders der zweite Punkt
  22980. manches Mal mit banger Sorge erfüllt. Da unsere junge
  22981. Bewegung das Material ihrer Anhänger nicht aus dem
  22982. Lager der Indifferenten holt, sondern aus meist sehr extremen Weltanschauungen, ist es nur zu natürlich, wenn diese
  22983. Menschen auch auf dem Gebiete des außenpolitischen Verständnisses zunächst belastet sind mit den Voreingenommenheiten oder dem geringen Verständnis der Kreise, denen
  22984. sie vorher politisch und weltanschaulich zugerechnet werden
  22985. mußten. Dabei gilt dies keineswegs nur für den Mann,
  22986. der von l i n k s zu uns kommt. Im Gegenteil. So schädlich dessen bisherige Belehrung über solche Probleme sein
  22987. mochte, so wurde sie in nicht seltenen Fällen, wenigstens
  22988. teilweise, wieder ausgeglichen durch einen vorhandenen
  22989. Rest natürlichen und gesunden Instinktes. Es war dann
  22990. nur notwendig, die frühere aufgedrungene Beeinflussung
  22991. durch eine bessere Einstellung zu ersetzen, und man konnte
  22992. sehr häufig als besten Verbündeten den noch vorhandenen
  22993. an sich gesunden Instinkt und Selbsterhaltungstrieb erkennen.
  22994. Voreingenommenheit in außenpolitischen Fragen
  22995. 727
  22996. Viel schwerer ist es dagegen, einen Menschen zum klaren
  22997. politischen Denken zu bestimmen, dessen bisherige Erziehung auf dem Gebiete nicht minder bar jeder Vernunft
  22998. und Logik war, der aber zu allem auch den letzten Rest
  22999. natürlichen Instinktes auf dem Altar der Objektivität geopfert hatte. Gerade die Angehörigen unserer sogenannten
  23000. Intelligenz sind am schwersten zu einer wirklich klaren und
  23001. logischen Vertretung ihrer Interessen und der Interessen
  23002. ihres Volkes nach außen zu bewegen. Sie sind nicht nur
  23003. belastet mit einem förmlichen Bleigewicht unsinnigster Vorstellungen und Voreingenommenheiten, sondern haben zu
  23004. allem Überfluß außerdem noch jeden gesunden Trieb zur
  23005. Selbsterhaltung verloren und aufgegeben. Auch die nationalsozialistische Bewegung hat mit diesen Menschen schwere
  23006. Kämpfe zu bestehen, schwer deshalb, weil sie leider trotz
  23007. vollkommenen Unvermögens nicht selten von einer außerordentlichen Einbildung besessen sind, die sie auf andere,
  23008. meistens sogar gesündere Menschen ohne jede innere Berechtigung von oben herabblicken läßt. Hochnäsig-arrogante Besserwisser ohne alle Fähigkeit kühlen Prüfens und
  23009. Wägens, die aber als Voraussetzung jedes außenpolitischen
  23010. Wollens und Tuns angesehen werden muß.
  23011. Da gerade diese Kreise heute beginnen, die Zielrichtung
  23012. unserer Außenpolitik in der unseligsten Weise von einer
  23013. wirklichen Vertretung völkischer Interessen unseres Volkes
  23014. abzudrehen, um sie statt dessen in den Dienst ihrer phantastischen Ideologie zu stellen, fühle ich mich verpflichtet,
  23015. vor meinen Anhängern die wichtigste außenpolitische Frage,
  23016. nämlich das Verhältnis zu Rußland, besonders und so
  23017. gründlich zu behandeln, als dies zum allgemeinen Verständnis nötig und im Rahmen eines solchen Werkes möglich ist.
  23018. Ich will dabei im allgemeinen noch folgendes vorausschicken:
  23019. Wenn wir unter Außenpolitik die Regelung des Verhältnisses eines Volkes zur übrigen Welt zu verstehen
  23020. haben, so wird die Art der Regelung durch ganz bestimmte
  23021. Tatsachen bedingt werden. Als Nationalsozialisten können
  23022. 728
  23023. Bedeutung der Grundfläche des Staates
  23024. wir weiter über das Wesen der Außenpolitik eines völkischen Staates folgenden Satz aufstellen:
  23025. Die Außenpolitik des völkischen Staates
  23026. hat die Existenz der durch den Staat zusammengefaßten Rasse auf diesem Planeten sicherzustellen, indem sie zwischen
  23027. der Zahl und dem Wachstum des Volkes
  23028. einerseits und der Größe und Güte des
  23029. Grund und Bodens andererseits ein gesundes, lebensfähiges, natürliches Verhältnis schafft.
  23030. Als g e s u n d e s Verhältnis darf dabei immer nur jener
  23031. Zustand angesehen werden, der die Ernährung eines Volkes auf eigenem Grund und Boden sichert. Jeder andere
  23032. Zustand, mag er auch Jahrhunderte, ja selbst Jahrtausende
  23033. andauern, ist nichtsdestoweniger ein ungesunder und wird
  23034. früher oder später zu einer Schädigung, wenn nicht zur
  23035. Vernichtung des betreffenden Volkes führen.
  23036. Nur ein genügend großer Raum auf dieser Erde sichert einem Volke die Freiheit
  23037. des Daseins.
  23038. Dabei kann man die notwendige Größe des Siedlungsgebietes nicht ausschließlich von den Erfordernissen der
  23039. Gegenwart aus beurteilen, ja, nicht einmal von der Größe
  23040. des Bodenertrages, umgerechnet auf die Zahl des Volkes.
  23041. Denn, wie ich schon im ersten Band unter „Deutsche Bündnispolitik vor dem Kriege“ ausführte, k o m m t d e r
  23042. Grundfläche eines Staates außer ihrer Bedeutung als direkter Nährquelle eines Volkes auch noch eine andere, die militärpolit i s c h e , z u . Wenn ein Volk in der Größe seines Grund
  23043. und Bodens seine Ernährung an sich gesichert hat, so ist
  23044. es dennoch notwendig, auch noch die Sicherstellung des
  23045. vorhandenen Bodens selbst zu bedenken. Sie liegt in der
  23046. allgemeinen machtpolitischen Stärke des Staates, die wieder nicht wenig durch militärgeographische Gesichtspunkte
  23047. bestimmt wird.
  23048. So wird das deutsche Volk seine Zukunft nur als Welt-
  23049. Raumgröße und Weltmacht
  23050. 729
  23051. macht vertreten können. Durch fast zweitausend Jahre war
  23052. die Interessenvertretung unseres Volkes, wie wir unsere
  23053. mehr oder minder glückliche außenpolitische Betätigung
  23054. bezeichnen sollten, W e l t g e s c h i c h t e . Wir selbst sind
  23055. Zeugen dessen gewesen: denn das gigantische Völkerringen
  23056. der Jahre 1914 bis 1918 war nur das Ringen des deutschen
  23057. Volkes um seine Existenz auf dem Erdball, die Art des
  23058. Vorganges selbst bezeichnen wir aber als Weltkrieg.
  23059. In diesen Kampf schritt das deutsche Volk als v e r m e i n t l i c h e Weltmacht. Ich sage hier vermeintliche, denn
  23060. in Wirklichkeit war es keine. Würde das deutsche Volk im
  23061. Jahre 1914 ein anderes Verhältnis zwischen Bodenfläche
  23062. und Volkszahl gehabt haben, so wäre Deutschland wirklich
  23063. Weltmacht gewesen, und der Krieg hätte, von allen anderen Faktoren abgesehen, günstig beendet werden können.
  23064. Es ist hier nicht meine Aufgabe oder auch nur meine Absicht, auf das „Wenn“ hinzuweisen, falls das „Aber“ nicht gewesen wäre. Wohl empfinde ich es jedoch als unbedingte Notwendigkeit, den bestehenden Zustand ungeschminkt und nüchtern darzulegen, auf seine beängstigenden Schwächen hinzuweisen, um wenigstens in den Reihen der nationalsozialistischen Bewegung die Einsicht in das Notwendige zu vertiefen.
  23065. Deutschland ist heute keine Weltmacht.
  23066. Selbst wenn unsere augenblickliche militärische Ohnmacht
  23067. überwunden würde, hätten wir doch auf diesen Titel keinerlei Anspruch mehr. Was bedeutet heute auf dem Planeten ein Gebilde, das in seinem Verhältnis von Volkszahl zur
  23068. Grundfläche so jämmerlich beschaffen ist wie das derzeitige
  23069. Deutsche Reich? In einem Zeitalter, in dem allmählich die
  23070. Erde in den Besitz von Staaten aufgeteilt wird, von denen
  23071. manche selbst nahezu Kontinente umspannen, kann man
  23072. nicht von Weltmacht bei einem Gebilde reden, dessen politisches Mutterland auf die lächerliche Grundfläche von kaum
  23073. fünfhunderttausend Quadratkilometer beschränkt ist.
  23074. Rein territorial angesehen, verschwindet der Flächeninhalt des Deutschen Reiches vollständig gegenüber dem der
  23075. sogenannten Weltmächte. Man führe ja nicht England als
  23076. Gegenbeweis an, denn das englische Mutterland ist wirk-
  23077. 730
  23078. Französische und deutsche Kolonialpolitik
  23079. lich nur die große Hauptstadt des britischen Weltreiches,
  23080. das fast ein Viertel der ganzen Erdoberfläche sein eigen
  23081. nennt. Weiter müssen wir als Riesenstaaten in erster Linie
  23082. die amerikanische Union, sodann Rußland und China ansehen. Lauter Raumgebilde von zum Teil mehr als zehnfach größerer Fläche als das derzeitige Deutsche Reich. Und
  23083. selbst Frankreich muß unter diese Staaten gerechnet werden. Nicht nur, daß es in immer größerem Umfang aus den
  23084. farbigen Menschenbeständen seines Riesenreiches das Heer
  23085. ergänzt, macht es auch rassisch in seiner Vernegerung so rapide Fortschritte, daß man tatsächlich von einer Entstehung
  23086. eines afrikanischen Staates auf europäischem Boden reden
  23087. kann. Die Kolonialpolitik des heutigen Frankreichs ist nicht
  23088. zu vergleichen mit der des vergangenen Deutschlands. Würde
  23089. sich die Entwicklung Frankreichs im heutigen Stile noch
  23090. dreihundert Jahre fortsetzen, so wären die letzten fränkischen Blutsreste in dem sich bildenden europa-afrikanischen
  23091. Mulattenstaat untergegangen. Ein gewaltiges, geschlossenes
  23092. Siedlungsgebiet vom Rhein bis zum Kongo, erfüllt von
  23093. einer aus dauernder Bastardierung langsam sich bildenden
  23094. niederen Rasse.
  23095. Das unterscheidet die französische Kolonialpolitik von
  23096. der alten deutschen.
  23097. Die einstige deutsche Kolonialpolitik war halb, wie alles,
  23098. was wir taten. Sie hat weder das Siedlungsgebiet der deutschen Rasse vergrößert, noch hat sie den – wenn auch verbrecherischen – Versuch unternommen, durch den Einsatz
  23099. von schwarzem Blut eine Machtstärkung des Reiches herbeizuführen. Die Askari in Deutsch-Ostafrika waren ein
  23100. kleiner, zögernder Schritt auf diesem Wege. Tatsächlich dienten sie nur zur Verteidigung der Kolonie selbst. Der Gedanke, schwarze Truppen auf einen europäischen Kriegsschauplatz zu bringen, war, ganz abgesehen von der tatsächlichen Unmöglichkeit im Weltkrieg, auch als eine unter günstigeren Umständen zu verwirklichende Absicht nie vorhanden gewesen, während er, umgekehrt, bei den Franzosen von jeher als innere Begründung ihrer kolonialen
  23101. Betätigung angesehen und empfunden wurde.
  23102. Geschichtliche Mission des Nationalsozialismus
  23103. 731
  23104. So sehen wir heute auf der Erde eine Anzahl von Machtstaaten, die nicht nur in ihrer Volkszahl zum Teil weit über
  23105. die Stärke unseres deutschen Volkes hinausschießen, sondern die vor allem in ihrer Grundfläche die größte Stütze
  23106. ihrer politischen Machtstellung besitzen. Noch nie war, an
  23107. Grundfläche und Volkszahl gemessen, das Verhältnis des
  23108. Deutschen Reiches zu anderen in die Erscheinung tretenden Weltstaaten so ungünstig wie zu Beginn unserer Geschichte vor zweitausend Jahren und dann wieder heute.
  23109. Damals traten wir als junges Volk stürmend in eine Welt
  23110. zerfallender großer Staatengebilde, deren letzten Riesen,
  23111. Rom, wir selbst mithalfen, zur Strecke zu bringen. Heute
  23112. befinden wir uns in einer Welt von sich bildenden großen
  23113. Machtstaaten, in der unser eigenes Reich immer mehr zur
  23114. Bedeutungslosigkeit herabsinkt.
  23115. Es ist notwendig, daß wir uns diese bittere Wahrheit
  23116. kühl und nüchtern vor Augen halten. Es ist notwendig, daß
  23117. wir das Deutsche Reich nach Volkszahl und Flächeninhalt
  23118. in seinem Verhältnis zu anderen Staaten durch die Jahrhunderte hindurch verfolgen und vergleichen. Ich weiß,
  23119. daß dann jeder mit Bestürzung zu dem Resultat kommen
  23120. wird, welches ich eingangs dieser Betrachtung schon aussprach: D e u t s c h l a n d i s t k e i n e W e l t m a c h t
  23121. mehr, gleichgültig, ob es militärisch stark
  23122. oder schwach dasteht.
  23123. Wir sind außer jedem Verhältnis zu den anderen großen
  23124. Staaten der Erde geraten, und dies nur dank der geradezu
  23125. verhängnisvollen außenpolitischen Leitung unseres Volkes,
  23126. dank völligen Fehlens einer, ich möchte fast sagen testamentarischen Festlegung auf ein bestimmtes außenpolitisches Ziel und dank des Verlustes jedes gesunden Instinktes
  23127. und Triebes zur Selbsterhaltung.
  23128. Wenn die nationalsozialistische Bewegung wirklich die Weihe einer großen Mission für unser Volk vor der Geschichte erhalten will, muß sie, durchdrungen von der
  23129. Erkenntnis und erfüllt vom Schmerz über
  23130. seine wirkliche Lage auf dieser Erde,
  23131. 732
  23132. Geschichtliche Mission des Nationalsozialismus
  23133. kühn und zielbewußt den Kampf aufnehmen gegen die Ziellosigkeit und Unfähigkeit, die bisher unser deutsches Volk auf
  23134. seinen außenpolitischen Wegen leiteten.
  23135. Sie muß dann, ohne Rücksicht auf „Traditionen“ und Vorurteile, den Mut finden,
  23136. unser Volk und seine Kraft zu sammeln zum
  23137. Vormarsch auf jener Straße, die aus der
  23138. heutigen
  23139. Beengtheit
  23140. des
  23141. Lebensraumes
  23142. dieses Volk hinausführt zu neuem Grund
  23143. und Boden und damit auch für immer von der
  23144. Gefahr befreit, auf dieser Erde zu vergehen
  23145. oder als Sklavenvolk die Dienste anderer
  23146. besorgen zu müssen.
  23147. Die nationalsozialistische Bewegung muß
  23148. versuchen, das Mißverhältnis zwischen unserer Volkszahl und unserer Bodenfläche
  23149. – diese als Nährquelle sowohl wie auch
  23150. als machtpolitischer Stützpunkt angesehen –, zwischen unserer historischen Vergangenheit
  23151. und
  23152. der
  23153. Aussichtslosigkeit
  23154. unserer Ohnmacht in der Gegenwart zu bes e i t i g e n . Sie muß sich dabei bewußt bleiben, daß wir
  23155. als Wahrer höchsten Menschentums auf dieser Erde auch
  23156. an eine höchste Verpflichtung gebunden sind, und sie wird
  23157. um so mehr dieser Verpflichtung zu genügen vermögen,
  23158. je mehr sie dafür sorgt, daß das deutsche Volk rassisch
  23159. zur Besinnung gelangt und sich außer der Zucht von
  23160. Hunden, Pferden und Katzen auch des e i g e n e n Blutes
  23161. erbarmt.
  23162. Wenn ich die bisherige deutsche Außenpolitik als ziellos
  23163. und unfähig bezeichne, so liegt der Beweis für meine Behauptung im tatsächlichen Versagen dieser Politik. Wäre
  23164. unser Volk geistig minderwertig oder feige gewesen, so
  23165. könnten die Ergebnisse seines Ringens auf der Erde nicht
  23166. schlimmer sein, als wir sie heute vor uns sehen. Auch die
  23167. Die bleibenden Früchte tausendjähriger Politik
  23168. 733
  23169. Entwicklung der letzten Jahrzehnte vor dem Kriege darf
  23170. uns darüber nicht hinwegtäuschen; denn man kann nicht
  23171. die Stärke eines Reiches an ihm selbst messen, sondern nur
  23172. auf dem Wege des Vergleiches mit anderen Staaten. Gerade
  23173. ein solcher Vergleich liefert aber den Beweis, daß die
  23174. Stärkezunahme anderer Staaten nicht nur eine gleichmäßigere, sondern auch in der Endwirkung eine größere war;
  23175. daß also der Weg Deutschlands, trotz allem scheinbaren
  23176. Aufstieg, in Wahrheit sich von dem der anderen Staaten
  23177. mehr und mehr entfernte und weit zurückblieb, kurz, der
  23178. Größenunterschied zu unseren Ungunsten sich erweiterte.
  23179. Ja, selbst der Volkszahl nach blieben wir, je länger, desto
  23180. mehr, zurück. Da nun unser Volk an Heldenmut bestimmt
  23181. von keinem anderen der Erde übertroffen wird, ja, alles
  23182. in allem genommen, für die Erhaltung seines Daseins sicherlich den größten Bluteinsatz von allen Völkern der Erde
  23183. gab, kann der Mißerfolg nur in der v e r f e h l t e n A r t
  23184. des Einsatzes liegen.
  23185. Wenn wir in diesem Zusammenhang die politischen Erlebnisse unseres Volkes seit über tausend Jahren überprüfen, alle die zahllosen Kriege und Kämpfe vor unseren
  23186. Augen vorüberziehen lassen, und das durch sie geschaffene,
  23187. heute vor uns liegende Endresultat untersuchen, so werden
  23188. wir gestehen müssen, daß aus diesem Blutmeer eigentlich
  23189. nur drei Erscheinungen hervorgegangen sind, die wir als
  23190. bleibende Früchte klar bestimmter außenpolitischer und
  23191. überhaupt politischer Vorgänge ansprechen dürfen:
  23192. 1. die hauptsächlich von Bajuwaren betätigte Kolonisation der Ostmark,
  23193. 2. die Erwerbung und Durchdringung des Gebietes östlich der Elbe und
  23194. 3. die von den Hohenzollern betätigte Organisation des
  23195. brandenburgisch-preußischen Staates als Vorbild und
  23196. Kristallisationskern eines neuen Reiches.
  23197. Eine lehrreiche Warnung für die Zukunft!
  23198. Jene beiden ersten großen Erfolge unserer Außenpolitik
  23199. sind die dauerhaftesten geblieben. Ohne sie würde unser
  23200. Volk heute überhaupt keine Rolle mehr spielen. Sie waren
  23201. 734
  23202. Die bleibenden Früchte tausendjähriger Politik
  23203. der erste, leider aber auch der einzige gelungene Versuch,
  23204. die steigende Volkszahl in Einklang zu bringen mit der
  23205. Größe von Grund und Boden. Und es muß als wahrhaft
  23206. verhängnisvoll angesehen werden, daß unsere deutsche Geschichtsschreibung diese beiden weitaus gewaltigsten und
  23207. für die Nachwelt bedeutungsvollsten Leistungen nie richtig
  23208. zu würdigen verstand, demgegenüber aber alles mögliche
  23209. verherrlicht, phantastisches Heldentum, zahllose abenteuerliche Kämpfe und Kriege bewundernd preist, anstatt endlich zu erkennen, wie bedeutungslos für die große Entwicklungslinie der Nation die meisten dieser Ereignisse
  23210. gewesen sind.
  23211. Der dritte große Erfolg unserer politischen Tätigkeit
  23212. liegt in der Bildung des preußischen Staates und der durch
  23213. ihn herbeigeführten Züchtung eines besonderen Staatsgedankens sowie des der modernen Welt angepaßten, in
  23214. organisierte Form gebrachten Selbsterhaltungs- und Selbstverteidigungstriebes des deutschen Heeres. Die Umstellung
  23215. des Wehrgedankens des einzelnen zur Wehrpflicht der Nation ist diesem Staatsgebilde und seiner neuen Staatsauffassung entsprossen. Die Bedeutung dieses Vorgangs
  23216. kann gar nicht überschätzt werden. Gerade das durch seine
  23217. blutsmäßige Zerrissenheit überindividualistisch zersetzte
  23218. deutsche Volk erhielt auf dem Wege der Disziplinierung
  23219. durch den preußischen Heeresorganismus wenigstens einen
  23220. Teil der ihm längst abhanden gekommenen Organisationsfähigkeit zurück. Was bei den anderen Völkern im Trieb
  23221. ihrer Herdengemeinschaft noch ursprünglich vorhanden ist,
  23222. erhielten wir, wenigstens teilweise, durch den Prozeß der
  23223. militärischen Ausbildung künstlich für unsere Volksgemeinschaft wieder zurück. Daher ist auch die Beseitigung der
  23224. allgemeinen Wehrpflicht – die für Dutzende anderer Völker belanglos sein könnte – für uns von der folgenschwersten Bedeutung. Zehn deutsche Generationen ohne korrigierende und erziehende militärische Ausbildung, den üblen
  23225. Wirkungen ihrer blutsmäßigen und dadurch weltanschaulichen Zerrissenheit überlassen – und unser Volk hätte wirklich den letzten Rest einer selbständigen Existenz auf diesem
  23226. Keinen Hurra-Patriotismus!
  23227. 735
  23228. Planeten verloren. Der deutsche Geist könnte nur im Einzelmenschen im Schoße fremder Nationen seinen Beitrag
  23229. zur Kultur leisten, ohne auch nur in seinem Ursprung erkannt zu werden. Kulturdünger so lange, bis der letzte
  23230. Rest arisch-nordischen Blutes in uns verdorben oder ausgelöscht sein würde.
  23231. Es ist bemerkenswert, daß die Bedeutung dieser wirklichen politischen Erfolge, die unser Volk in seinen mehr
  23232. als tausendjährigen Kämpfen davontrug, von unseren Gegnern weit besser begriffen und gewürdigt wird als von uns
  23233. selbst. Wir schwärmen auch heute noch von einem Heroismus, der unserem Volke Millionen seiner edelsten Blutträger raubte, im Endergebnis jedoch vollkommen unfruchtbar blieb.
  23234. Die Auseinanderhaltung der wirklichen politischen Erfolge unseres Volkes und des für unfruchtbare Zwecke
  23235. eingesetzten nationalen Blutes ist von höchster Bedeutung für unser Verhalten in der Gegenwart und in der
  23236. Zukunft.
  23237. Wir Nationalsozialisten dürfen nie und
  23238. nimmer in den üblichen Hurra-Patriotismus unserer heutigen bürgerlichen Welt
  23239. einstimmen. Insbesondere ist es todgefährlich, die letzte Entwicklung vor dem Kriege
  23240. als auch nur im geringsten bindend für uns e r e n e i g e n e n W e g a n z u s e h e n . Aus der ganzen
  23241. geschichtlichen Periode des neunzehnten Jahrhunderts kann
  23242. für uns nicht eine einzige Verpflichtung gefolgert werden,
  23243. die in dieser Periode selbst begründet läge. Wir haben
  23244. uns, im Gegensatz zum Verhalten der Repräsentanten dieser Zeit, wieder zur Vertretung des obersten Gesichtspunktes jeder Außenpolitik zu bekennen, nämlich: d e n B o d e n
  23245. in Einklang zu bringen mit der Volkszahl.
  23246. Ja, wir können aus der Vergangenheit nur lernen, daß wir
  23247. die Zielsetzung für unser politisches Handeln in doppelter
  23248. Richtung vorzunehmen haben: G r u n d u n d B o d e n a l s
  23249. Ziel unserer Außenpolitik, und ein neues,
  23250. 736
  23251. Der Ruf nach den alten Grenzen
  23252. weltanschaulich gefestigtes, einheitliches
  23253. Fundament als Ziel politischen Handelns
  23254. im Innern.
  23255. Ich will noch kurz Stellung nehmen zur Frage, inwiefern
  23256. die Forderung nach Grund und Boden sittlich und moralisch berechtigt erscheint. Es ist dies notwendig, da leider
  23257. selbst in den sogenannten völkischen Kreisen alle möglichen salbungsvollen Schwätzer auftreten, die sich bemühen, dem deutschen Volk als Ziel seines außenpolitischen
  23258. Handelns die Wiedergutmachung des Unrechts von 1918 vorzuzeichnen, darüber hinaus jedoch die ganze Welt der völkischen Brüderlichkeit und Sympathie zu versichern für
  23259. nötig halten.
  23260. Vorwegnehmen möchte ich dabei folgendes: D i e F o r derung nach Wiederherstellung der Grenzen des Jahres 1914 ist ein politischer Unsinn von Ausmaßen und Folgen, die ihn als
  23261. Verbrechen erscheinen lassen. Ganz abgesehen davon, daß die Grenzen des Reiches
  23262. im Jahre 1914 alles andere eher als logische waren. Denn sie waren in Wirklichkeit weder vollständig in bezug auf die Zusammenfassung der Menschen deutscher
  23263. Nationalität noch vernünftig in Hinsicht
  23264. auf ihre militärgeographische Zweckmäßigkeit. Sie waren nicht das Ergebnis eines
  23265. überlegten politischen Handelns, sondern
  23266. Augenblicksgrenzen
  23267. eines
  23268. in
  23269. keinerlei
  23270. Weise abgeschlossenen politischen Ringens, ja zum Teil Folgen eines Zufallsspiel e s . Man könnte mit demselben Recht und in vielen Fällen mit mehr Recht irgendein anderes Stichjahr der deutschen Geschichte herausgreifen, um in der Wiederherstellung der damaligen Verhältnisse das Ziel einer außenpolitischen Betätigung zu erklären. Obige Forderung entspricht
  23271. aber ganz unserer bürgerlichen Welt, die auch hier nicht
  23272. Der Ruf nach den alten Grenzen
  23273. 737
  23274. einen einzigen tragenden politischen Gedanken für die Zukunft besitzt, vielmehr nur in der Vergangenheit lebt, und
  23275. zwar in der allernächsten; denn selbst der Blick nach rückwärts reicht nicht über ihre eigene Zeit hinaus. Das Gesetz
  23276. der Trägheit bindet sie an einen gegebenen Zustand, läßt
  23277. sie Widerstand leisten gegen jegliche Veränderung desselben, ohne jedoch die Aktivität dieser Gegenwehr jemals
  23278. über das nackte Beharrungsvermögen zu steigern. So ist es
  23279. selbstverständlich, daß der politische Horizont dieser Leute
  23280. über die Grenze des Jahres 1914 nicht hinausreicht. Indem sie aber die Wiederherstellung jener Grenzen als
  23281. das politische Ziel ihres Handelns proklamieren, verbinden sie stets aufs neue den zerfallenden Bund unserer
  23282. Gegner. Nur so ist es erklärlich, daß acht Jahre nach einem
  23283. Weltringen, an dem Staaten mit teilweise heterogensten
  23284. Wünschen und Zielen teilnahmen, noch immer die Koalition der damaligen Sieger sich in mehr oder wenige geschlossener Form zu halten vermag.
  23285. Alle diese Staaten waren seinerzeit Nutznießer am deutschen Zusammenbruch. Die Furcht vor unserer Stärke ließ
  23286. damals den Geiz und Neid der einzelnen Großen untereinander zurücktreten. Sie sahen in einer möglichst allgemein durchgeführten Beerbung unseres Reiches den besten
  23287. Schutz gegen eine kommende Erhebung. Das schlechte Gewissen und die Angst vor der Kraft unseres Volkes ist der
  23288. dauerhafteste Kitt, die einzelnen Glieder dieses Bundes
  23289. auch heute noch zusammenzuhalten.
  23290. Und wir täuschen sie nicht. Indem unsere bürgerliche
  23291. Welt die Wiederherstellung der Grenzen vom Jahre 1914 als
  23292. politisches Programm für Deutschland aufstellt, scheucht sie
  23293. jeden etwa aus dem Bunde unserer Feinde springen wollenden Partner wieder zurück, da dieser Angst haben muß, isoliert angegriffen zu werden und dadurch des Schutzes der
  23294. einzelnen Mitverbündeten verlustig zu gehen. Jeder einzelne
  23295. Staat fühlt sich durch jene Parole betroffen und bedroht.
  23296. Dabei ist sie in zweifacher Hinsicht unsinnig:
  23297. 1. weil die Machtmittel fehlen, um sie aus dem Dunst
  23298. der Vereinsabende in die Wirklichkeit umzusetzen, und
  23299. 25
  23300. 738
  23301. Der Ruf nach den alten Grenzen
  23302. 2. weil, wenn sie sich auch verwirklichen ließe, das
  23303. Ergebnis doch wieder so erbärmlich wäre, daß es sich,
  23304. wahrhaftiger Gott, nicht lohnen würde, d a f ü r erneut das Blut unseres Volkes einzusetzen.
  23305. Denn, daß auch die Wiederherstellung der Grenzen des
  23306. Jahres 1914 nur mit Blut zu erreichen wäre, dürfte kaum
  23307. für irgend jemand fraglich erscheinen. Nur kindlich-naive
  23308. Geister mögen sich in dem Gedanken wiegen, auf Schleichund Bettelwegen eine Korrektur von Versailles herbeiführen zu können. Ganz abgesehen davon, daß ein solcher
  23309. Versuch eine Talleyrand-Natur voraussetzen würde, die wir
  23310. nicht besitzen. Die eine Hälfte unserer politischen Existenzen besteht aus sehr geriebenen, aber ebenso charakterlosen
  23311. und überhaupt unserem Volke feindlich gesinnten Elementen, während die andere sich aus gutmütigen, harmlosen
  23312. und willfährigen Schwachköpfen zusammensetzt. Zudem
  23313. haben sich die Zeiten seit dem Wiener Kongresse geändert:
  23314. Nicht Fürsten und fürstliche Mätressen
  23315. schachern und feilschen um Staatsgrenzen,
  23316. sondern der unerbittliche Weltjude kämpft
  23317. f ü r s e i n e H e r r s c h a f t ü b e r d i e V ö l k e r . Kein
  23318. Volk entfernt diese Faust anders von seiner Gurgel als
  23319. durch das Schwert. Nur die gesammelte konzentrierte
  23320. Stärke einer kraftvoll sich aufbäumenden nationalen
  23321. Leidenschaft vermag der internationalen Völkerversklavung
  23322. zu trotzen. Ein solcher Vorgang ist und bleibt aber ein
  23323. blutiger.
  23324. Wenn man jedoch der Überzeugung huldigt, daß die
  23325. deutsche Zukunft, so oder so, den höchsten Einsatz erfordert, muß man, ganz abgesehen von allen Erwägungen politischer Klugheit an sich, schon um dieses Einsatzes willen
  23326. ein dessen würdiges Ziel aufstellen und verfechten.
  23327. Die Grenzen des Jahres 1914 bedeuten für die Zukunft
  23328. der deutschen Nation gar nichts. In ihnen lag weder ein
  23329. Schutz der Vergangenheit, noch läge in ihnen eine Stärke
  23330. für die Zukunft. Das deutsche Volk wird durch sie weder
  23331. seine innere Geschlossenheit erhalten, noch wird seine Ernährung durch sie sichergestellt, noch erscheinen diese
  23332. Außenpolitisches Ziel des Nationalsozialismus
  23333. 739
  23334. Grenzen, vom militärischen Gesichtspunkt aus betrachtet,
  23335. als zweckmäßig oder auch nur befriedigend, noch können
  23336. sie endlich das Verhältnis bessern, in dem wir uns zur
  23337. Zeit den anderen Weltmächten oder, besser gesagt, den
  23338. wirklichen Weltmächten gegenüber befinden. Der Abstand von England wird nicht verkürzt, die Größe der
  23339. Union nicht erreicht; ja, nicht einmal Frankreich würde
  23340. eine wesentliche Schmälerung seiner weltpolitischen Bedeutung erfahren.
  23341. Nur eines wäre sicher: Selbst bei günstigem Erfolge
  23342. würde ein solcher Versuch der Wiederherstellung der Grenzen von 1914 zu einer weiteren Ausblutung unseres Volkskörpers führen in einem Umfange, daß für die das Leben
  23343. und die Zukunft der Nation wirklich sichernden Entschlüsse
  23344. und Taten kein wertvoller Bluteinsatz mehr vorhanden
  23345. wäre. Im Gegenteil, im Rausche eines solchen seichten Erfolges würde man auf jede weitere Zielsetzung um so lieber
  23346. verzichten, als die „nationale Ehre“ ja repariert und der
  23347. kommerziellen Entwicklung, wenigstens bis auf weiteres,
  23348. wieder einige Tore geöffnet wären.
  23349. Demgegenüber müssen wir Nationalsozialisten unverrückbar an unserem außenpolitischen Ziele festhalten, nämlich dem d e u t s c h e n V o l k d e n i h m g e b ü h r e n den Grund und Boden auf dieser Erde zu
  23350. s i c h e r n . Und diese Aktion ist die einzige, die vor Gott
  23351. und unserer deutschen Nachwelt einen Bluteinsatz gerechtfertigt erscheinen läßt: Vor Gott, insofern wir auf diese
  23352. Welt gesetzt sind mit der Bestimmung des ewigen Kampfes
  23353. um das tägliche Brot, als Wesen, denen nichts geschenkt
  23354. wird, und die ihre Stellung als Herren der Erde nur der
  23355. Genialität und dem Mute verdanken, mit dem sie sich diese
  23356. zu erkämpfen und zu wahren wissen; vor unserer deutschen
  23357. Nachwelt aber, insofern wir keines Bürgers Blut vergossen, aus dem nicht tausend andere der Nachwelt geschenkt werden. Der Grund und Boden, auf dem dereinst
  23358. deutsche Bauerngeschlechter kraftvolle Söhne zeugen können, wird die Billigung des Einsatzes der Söhne von heute
  23359. zulassen, die verantwortlichen Staatsmänner aber, wenn
  23360. 25*
  23361. 740
  23362. Keine Sentimentalität in der Außenpolitik
  23363. auch von der Gegenwart verfolgt, dereinst freisprechen
  23364. von Blutschuld und Volksopferung.
  23365. Ich muß mich dabei schärfstens gegen jene völkischen
  23366. Schreiberseelen wenden, die in einem solchen Bodenerwerb
  23367. eine „Verletzung heiliger Menschenrechte“ zu erblicken vorgeben und demgemäß ihr Geschreibsel dagegen ansetzen.
  23368. Man weiß ja nie, wer hinter einem solchen Burschen steckt.
  23369. Sicher ist nur, daß die Verwirrung, die sie anzurichten vermögen, den Feinden unseres Volkes erwünscht und gelegen kommt. Durch eine solche Haltung helfen sie frevelhaft mit, unserem Volke von innen heraus den Willen für
  23370. die einzig richtige Art der Vertretung seiner Lebensnotwendigkeiten zu schwächen und zu beseitigen. Denn kein
  23371. Volk besitzt auf dieser Erde auch nur einen Quadratmeter
  23372. Grund und Boden auf höheren Wunsch und laut höherem
  23373. Recht. So wie Deutschlands Grenzen Grenzen des Zufalls
  23374. sind und Augenblicksgrenzen im jeweiligen politischen Ringen der Zeit, so auch die Grenzen der Lebensräume der anderen Völker. Und so, wie die Gestaltung unserer Erdoberfläche nur dem gedankenlosen Schwachkopf als graniten
  23375. unveränderlich erscheinen mag, in Wahrheit aber nur für
  23376. jede Zeit einen scheinbaren Ruhepunkt in einer laufenden
  23377. Entwicklung darstellt, geschaffen in dauerndem Werden
  23378. durch die gewaltigen Kräfte der Natur, um vielleicht schon
  23379. morgen durch größere Kräfte Zerstörung oder Umbildung
  23380. zu erfahren, so auch im Völkerleben die Grenzen der Lebensräume.
  23381. Staatsgrenzen werden durch Menschen
  23382. geschaffen und durch Menschen geändert.
  23383. Die Tatsache des Gelingens eines unmäßigen Bodenerwerbs durch ein Volk ist keine höhere Verpflichtung zur
  23384. ewigen Anerkennung desselben. Sie beweist höchstens die
  23385. Kraft der Eroberer und die Schwäche der Dulder. Und nur
  23386. in dieser Kraft allein liegt dann das Recht. Wenn das
  23387. deutsche Volk heute, auf unmöglicher Grundfläche zusammengepfercht, einer jämmerlichen Zukunft entgegengeht,
  23388. so ist dies ebensowenig ein Gebot des Schicksals, wie ein
  23389. Auflehnen dagegen eine Brüskierung desselben darstellt.
  23390. Keine Sentimentalität in der Außenpolitik
  23391. 741
  23392. Genau so wenig wie etwa eine höhere Macht einem anderen
  23393. Volke mehr Grund und Boden als dem deutschen zugesprochen hat oder durch die Tatsache dieser ungerechten Bodenverteilung beleidigt wird. So wie unsere Vorfahren den Boden, auf dem wir heute leben, nicht vom Himmel geschenkt
  23394. erhielten, sondern durch Lebenseinsatz erkämpfen mußten,
  23395. so wird auch uns in Zukunft den Boden und damit das Leben für unser Volk keine göttliche Gnade zuweisen, sondern nur die Gewalt eines siegreichen Schwertes.
  23396. So sehr wir heute auch alle die Notwendigkeit einer
  23397. Auseinandersetzung mit Frankreich erkennen, so wirkungslos bliebe sie in der großen Linie, wenn sich in ihr unser
  23398. außenpolitisches Ziel erschöpfen würde. Sie kann und wird
  23399. nur Sinn erhalten, wenn sie die Rückendeckung bietet für
  23400. eine Vergrößerung des Lebensraumes unseres Volkes in
  23401. Europa. Denn nicht in einer kolonialen Erwerbung haben
  23402. wir die Lösung dieser Frage zu erblicken, sondern ausschließlich im Gewinn eines Siedlungsgebietes, das die
  23403. Grundfläche des Mutterlandes selbst erhöht und dadurch
  23404. nicht nur die neuen Siedler in innigster Gemeinschaft mit
  23405. dem Stammland erhält, sondern der gesamten Raummenge
  23406. jene Vorteile sichert, die in ihrer vereinten Größe liegen.
  23407. Die völkische Bewegung hat nicht der Anwalt anderer
  23408. Völker, sondern der Vorkämpfer des eigenen Volkes zu
  23409. sein. Andernfalls ist sie überflüssig und hat vor allem gar
  23410. kein Recht, über die Vergangenheit zu maulen. Denn dann
  23411. handelt sie wie diese. So wie die alte deutsche Politik zu
  23412. Unrecht von dynastischen Gesichtspunkten bestimmt wurde,
  23413. so wenig darf die künftige von völkischen Allerweltsgefühlsduseleien geleitet werden. Insbesondere aber sind wir
  23414. nicht der Schutzpolizist der bekannten „armen, kleinen Völker“, sondern Soldaten unseres eigenen.
  23415. Wir Nationalsozialisten haben jedoch noch weiter zu
  23416. gehen: D a s R e c h t a u f G r u n d u n d B o d e n k a n n
  23417. zur Pflicht werden, wenn ohne Bodenerweiterung ein großes Volk dem Unterg a n g g e w e i h t e r s c h e i n t . Noch ganz besonders
  23418. dann, wenn es sich dabei nicht um ein x-beliebiges Neger-
  23419. 742
  23420. Wiederaufnahme der Ostland-Politik
  23421. völkchen handelt, sondern um die germanische Mutter all
  23422. des Lebens, das der heutigen Welt ihr kulturelles Bild
  23423. gegeben hat. D e u t s c h l a n d w i r d e n t w e d e r W e l t m a c h t o d e r ü b e r h a u p t n i c h t s e i n . Zur Weltmacht aber braucht es jene Größe, die ihm in der heutigen Zeit die notwendige Bedeutung und seinen Bürgern
  23424. das Leben gibt.
  23425. Damit
  23426. ziehen
  23427. wir
  23428. Nationalsozialisten
  23429. bewußt einen Strich unter die außenpolitische Richtung unserer Vorkriegszeit. Wir
  23430. setzen dort an, wo man vor sechs Jahrhunderten endete. Wir stoppen den ewigen
  23431. Germanenzug nach dem Süden und Westen
  23432. Europas und weisen den Blick nach dem
  23433. Land im Osten. Wir schließen endlich ab die
  23434. Kolonial- und Handelspolitik der Vorkriegszeit und gehen über zur Bodenpolitik der Zukunft.
  23435. Wenn wir aber heute in Europa von neuem Grund
  23436. und Boden reden, können wir in erster Linie nur an
  23437. R u ß l a n d und die ihm untertanen Randstaaten denken.
  23438. Das Schicksal selbst scheint uns hier einen Fingerzeig
  23439. geben zu wollen. Indem es Rußland dem Bolschewismus
  23440. überantwortete, raubte es dem russischen Volke jene Intelligenz, die bisher dessen staatlichen Bestand herbeiführte
  23441. und garantierte. Denn die Organisation eines russischen
  23442. Staatsgebildes war nicht das Ergebnis der staatspolitischen
  23443. Fähigkeiten des Slawentums in Rußland, sondern vielmehr
  23444. nur ein wundervolles Beispiel für die staatenbildende
  23445. Wirksamkeit des germanischen Elementes in einer minderwertigen Rasse. So sind zahlreiche mächtige Reiche der
  23446. Erde geschaffen worden. Niedere Völker mit germanischen
  23447. Organisatoren und Herren als Leiter derselben sind öfter
  23448. als einmal zu gewaltigen Staatengebilden angeschwollen
  23449. und blieben bestehen, solange der rassische Kern der bildenden Staatsrasse sich erhielt. Seit Jahrhunderten zehrte
  23450. Wiederaufnahme der Ostland-Politik
  23451. 743
  23452. Rußland von diesem germanischen Kern seiner oberen
  23453. leitenden Schichten. Er kann heute als fast restlos ausgerottet und ausgelöscht angesehen werden. An seine Stelle
  23454. ist der Jude getreten. So unmöglich es dem Russen an sich
  23455. ist, aus eigener Kraft das Joch der Juden abzuschütteln, so
  23456. unmöglich ist es dem Juden, das mächtige Reich auf die
  23457. Dauer zu erhalten. Er selbst ist kein Element der Organisation, sondern ein Ferment der Dekomposition. Das Riesenreich im Osten ist reif zum Zusammenbruch. Und das
  23458. Ende der Judenherrschaft in Rußland wird auch das Ende
  23459. Rußlands als Staat sein. Wir sind vom Schicksal ausersehen,
  23460. Zeugen einer Katastrophe zu werden, die die gewaltigste
  23461. Bestätigung für die Richtigkeit der völkischen Rassentheorie sein wird.
  23462. Unsere Aufgabe, die Mission der nationalsozialistischen Bewegung, aber ist, unser eigenes Volk zu jener politischen Einsicht zu bringen, daß es sein Zukunftsziel
  23463. nicht im berauschenden Eindruck eines
  23464. neuen Alexanderzuges erfüllt sieht, sondern vielmehr in der emsigen Arbeit des
  23465. deutschen Pfluges, dem das Schwert nur
  23466. den Boden zu geben hat.
  23467. Daß das Judentum einer solchen Politik gegenüber die
  23468. schärfsten Widerstände ankündigt, ist selbstverständlich.
  23469. Es fühlt besser als irgend jemand anders die Bedeutung
  23470. dieses Handelns für seine eigene Zukunft. Gerade diese
  23471. Tatsache sollte alle wirklich national gesinnten Männer
  23472. über die Richtigkeit einer solchen Neuorientierung belehren.
  23473. Leider aber ist das Gegenteil der Fall. Nicht nur in deutschnationalen, sondern sogar in „völkischen“ Kreisen sagt man
  23474. dem Gedanken solcher Ostpolitik heftigste Fehde an, wobei
  23475. man sich, wie fast immer bei ähnlichen Gelegenheiten, auf
  23476. einen Größeren beruft. Bismarcks Geist wird zitiert, um
  23477. eine Politik zu decken, die ebenso unsinnig wie unmöglich
  23478. und für das deutsche Volk in höchstem Grade schädlich ist.
  23479. 744
  23480. Bismarcks Rußlandpolitik
  23481. Bismarck habe einst selbst immer Wert auf gute Beziehungen zu Rußland gelegt. Das ist unbedingt richtig.
  23482. Allein man vergißt dabei ganz, zu erwähnen, daß er ebenso großen Wert auf gute Beziehungen zum Beispiel zu
  23483. Italien legte, ja, daß derselbe Herr von Bismarck sich einst
  23484. mit Italien verband, um Österreich besser erledigen zu
  23485. können. Warum setzt man denn nicht d i e s e Politik ebenfalls fort? „Weil das Italien von heute nicht das Italien
  23486. von damals ist“, wird man sagen. Gut. Aber dann, verehrte
  23487. Herrschaften, erlauben Sie den Einwand, daß das heutige
  23488. Rußland auch nicht mehr das Rußland von damals ist. Es
  23489. ist Bismarck niemals eingefallen, einen politischen Weg
  23490. taktisch prinzipiell für immer festlegen zu wollen. Er war
  23491. hier viel zu sehr der Meister des Augenblicks, als daß er sich
  23492. selbst eine solche Bindung auferlegt hätte. D i e F r a g e
  23493. darf also nicht heißen: Was hat Bismarck
  23494. damals getan?, sondern vielmehr: Was
  23495. w ü r d e e r h e u t e t u n ? Und diese Frage ist leichter
  23496. zu beantworten. E r w ü r d e s i c h b e i s e i n e r p o l i tischen Klugheit nie mit einem Staate verbinden, der dem Untergange geweiht ist.
  23497. Im übrigen hat Bismarck schon seinerzeit die deutsche
  23498. Kolonial- und Handelspolitik mit gemischten Gefühlen betrachtet, da ihm zunächst nur daran lag, die Konsolidierung
  23499. und innere Festigung des von ihm geschaffenen Staatengebildes auf sicherstem Wege zu ermöglichen. Dies war
  23500. auch der einzige Grund, weshalb er damals die russische
  23501. Rückendeckung begrüßte, die ihm den Arm nach dem Westen
  23502. freigab. Allein, was damals für Deutschland Nutzen
  23503. brachte, würde heute Schaden bringen.
  23504. Schon in den Jahren 1920/21, als die junge nationalsozialistische Bewegung sich langsam vom politischen Horizont abzuheben begann und da und dort als Freiheitsbewegung der deutschen Nation angesprochen wurde, trat
  23505. man von verschiedenen Seiten an die Partei mit dem Versuch heran, zwischen ihr und den F r e i h e i t s b e w e g u n g e n a n d e r e r L ä n d e r eine gewisse Verbindung herzustellen. Es lag dies auf der Linie des von
  23506. Der „Bund der unterdrückten Nationen“
  23507. 745
  23508. vielen propagierten „Bundes der unterdrückten Nationen“.
  23509. Hauptsächlich handelte es sich dabei um Vertreter einzelner
  23510. Balkanstaaten, weiter um solche Ägyptens und Indiens, die
  23511. auf mich im einzelnen immer den Eindruck schwatzhafter
  23512. Wichtigtuer, bar jedes realen Hintergrundes, machten. Es
  23513. gab aber nicht wenige Deutsche, besonders im nationalen
  23514. Lager, die sich von solchen aufgeblasenen Orientalen blenden ließen und in irgendeinem hergelaufenen indischen oder
  23515. ägyptischen Studenten nun ohne weiteres einen „Vertreter“
  23516. Indiens oder Ägyptens vor sich zu haben glaubten. Die
  23517. Leute wurden sich gar nicht klar, daß es sich dabei meistens
  23518. um Personen handelte, hinter denen überhaupt nichts stand,
  23519. die vor allem von niemand autorisiert waren, irgendeinen
  23520. Vertrag mit irgend jemandem abzuschließen, so daß das
  23521. praktische Ergebnis jeder Beziehung zu solchen Elementen
  23522. Null war, sofern man nicht die verlorene Zeit noch besonders als Verlust buchen wollte. Ich habe mich gegen solche
  23523. Versuche immer gewehrt. Nicht nur, daß ich Besseres zu
  23524. tun hatte, als in so unfruchtbaren „Besprechungen“ Wochen
  23525. zu vertrödeln, hielt ich auch, selbst wenn es sich dabei um
  23526. autorisierte Vertreter solcher Nationen gehandelt hätte,
  23527. das Ganze für untauglich, ja schädlich.
  23528. Es war schon im Frieden schlimm genug, daß die deutsche
  23529. Bündnispolitik infolge des Fehlens eigener aktiver Angriffsabsichten in einem Defensivverein alter, weltgeschichtlich pensionierter Staaten endete. Sowohl der Bund mit
  23530. Österreich als auch der mit der Türkei hatte wenig Erfreuliches für sich. Während sich die größten Militär- und Industriestaaten der Erde zu einem aktiven Angriffsverband
  23531. zusammenschlossen, sammelte man ein paar alte, impotent
  23532. gewordene Staatsgebilde und versuchte mit diesem dem
  23533. Untergang bestimmten Gerümpel einer aktiven Weltkoalition die Stirne zu bieten. Deutschland hat die bittere Quittung für diesen außenpolitischen Irrtum erhalten. Allein
  23534. diese Quittung scheint noch immer nicht bitter genug gewesen zu sein, um unsere ewigen Phantasten davor zu
  23535. bewahren, flugs in den gleichen Fehler zu verfallen. Denn
  23536. der Versuch, durch einen „Bund der unterdrückten Nationen“
  23537. 746
  23538. Wankt Englands Indien-Herrschaft?
  23539. die allgewaltigen Sieger entwaffnen zu können, ist nicht
  23540. nur lächerlich, sondern auch unheilvoll. Er ist unheilvoll,
  23541. weil dadurch immer wieder unser Volk von den realen
  23542. Möglichkeiten abgelenkt wird, so daß es sich statt dessen
  23543. phantasievollen, jedoch unfruchtbaren Hoffnungen und
  23544. Illusionen hingibt. Der Deutsche von jetzt gleicht wirklich
  23545. dem Ertrinkenden, der nach jedem Strohhalm greift. Dabei
  23546. kann es sich um sonst sehr gebildete Menschen handeln.
  23547. Sowie nur irgendwo das Irrlicht einer noch so unwirklichen
  23548. Hoffnung sichtbar wird, setzen sich diese Menschen schleunigst in Trab und jagen dem Phantom nach. Mag dies ein
  23549. Bund der unterdrückten Nationen, ein Völkerbund oder
  23550. sonst eine neue phantastische Erfindung sein, sie wird
  23551. nichtsdestoweniger Tausende gläubiger Seelen finden.
  23552. Ich erinnere mich noch der ebenso kindlichen wie unverständlichen Hoffnungen, die in den Jahren 1920/21 plötzlich in völkischen Kreisen auftauchten, England stände in
  23553. Indien vor einem Zusammenbruch. Irgendwelche asiatische
  23554. Gaukler, vielleicht meinetwegen auch wirkliche indische
  23555. „Freiheitskämpfer“, die sich damals in Europa herumtrieben, hatten es fertiggebracht, selbst sonst ganz vernünftige Menschen mit der fixen Idee zu erfüllen, daß das
  23556. britische Weltreich, das seinen Angelpunkt in Indien besitze, gerade dort vor dem Zusammenbruch stehe. Daß dabei auch in diesem Falle nur ihr eigener Wunsch der Vater
  23557. aller Gedanken war, kam ihnen natürlich nicht zum Bewußtsein. Ebensowenig das Widersinnige ihrer eigenen
  23558. Hoffnungen. Denn indem sie von einem Zusammenbruch
  23559. der englischen Herrschaft in Indien das Ende des britischen
  23560. Weltreichs und der englischen Macht erwarteten, geben sie
  23561. doch selber zu, daß eben Indien für England von eminentester Bedeutung ist.
  23562. Diese lebenswichtigste Frage dürfte aber wahrscheinlich
  23563. doch nicht nur einem deutschvölkischen Propheten als tiefstes Geheimnis bekannt sein, sondern vermutlich auch den
  23564. Lenkern der englischen Geschichte selbst. Es ist schon wirklich kindlich, anzunehmen, daß man in England die Bedeutung des indischen Kaiserreiches für die britische Welt-
  23565. Wankt Englands Indien-Herrschaft?
  23566. 747
  23567. union nicht richtig abzuschätzen wisse. Und es ist nur ein
  23568. böses Zeichen für das unbedingte Nichtlernen aus dem
  23569. Weltkrieg und für das vollständige Mißverstehen und Nichterkennen angelsächsischer Entschlossenheit, wenn man sich
  23570. einbildet, daß England, ohne das Letzte einzusetzen, Indien
  23571. fahren lassen würde. Es ist weiter der Beweis für die
  23572. Ahnungslosigkeit, die der Deutsche von der ganzen Art der
  23573. britischen Durchdringung und Verwaltung dieses Reiches
  23574. besitzt. E n g l a n d w i r d I n d i e n n u r v e r l i e r e n ,
  23575. wenn es entweder selbst in seiner Verwaltungsmaschinerie der rassischen Zersetz u n g a n h e i m f ä l l t (etwas, das augenblicklich in Indien
  23576. vollkommen ausscheidet), o d e r w e n n e s d u r c h d a s
  23577. Schwert eines machtvollen Feindes bez w u n g e n w i r d . Indischen Aufrührern wird dies aber
  23578. nie gelingen. Wie schwer es ist, England zu bezwingen,
  23579. haben wir Deutsche zur Genüge erfahren. Ganz abgesehen
  23580. davon, daß ich als Germane Indien trotz allem immer
  23581. noch lieber unter englische Herrschaft sehe als unter einer
  23582. anderen.
  23583. Genau so kümmerlich sind die Hoffnungen auf den sagenhaften Aufstand im Ägypten. Der „Heilige Krieg“ kann
  23584. unseren deutschen Schafkopfspielern das angenehme Gruseln beibringen, daß jetzt andere für uns zu verbluten bereit
  23585. sind – denn diese feige Spekulation ist, ehrlich gesprochen,
  23586. schon immer der stille Vater solcher Hoffnungen gewesen –, in der Wirklichkeit würde er unter dem Strichfeuer englischer Maschinengewehrkompanien und dem
  23587. Hagenl von Brisanzbomben ein höllisches Ende nehmen.
  23588. Es ist eben eine Unmöglichkeit, einen machtvollen Staat,
  23589. der entschlossen ist, für seine Existenz, wenn nötig, den
  23590. letzten Blutstropfen einzusetzen, durch eine Koalition von
  23591. Krüppeln zu berennen. Als völkischer Mann, der den Wert
  23592. des Menschentums nach rassischen Grundlagen abschätzt,
  23593. darf ich schon aus der Erkenntnis der rassischen Minderwertigkeit dieser sogenannten „unterdrückten Nationen“ nicht
  23594. das Schicksal des eigenen Volkes mit dem ihren verketten.
  23595. Ganz die gleiche Stellung aber haben wir heute auch
  23596. 748
  23597. Deutsches Bündnis mit Rußland?
  23598. Rußland gegenüber einzunehmen. Das derzeitige, seiner
  23599. germanischen Oberschicht entkleidete Rußland ist, ganz abgesehen von den inneren Absichten seiner neuen Herren,
  23600. kein Verbündeter für einen Freiheitskampf der deutschen
  23601. Nation. R e i n m i l i t ä r i s c h b e t r a c h t e t , w ä r e n
  23602. die Verhältnisse im Falle eines Krieges
  23603. Deutschland-Rußland gegen den Westen
  23604. Europas, wahrscheinlich aber gegen die
  23605. ganze übrige Welt, geradezu katastrophal.
  23606. Der Kampf würde sich nicht auf russischem,
  23607. sondern auf deutschem Boden abspielen,
  23608. ohne daß Deutschland von Rußland auch nur die geringste
  23609. wirksame Unterstützung erfahren könnte. Die Machtmittel
  23610. des heutigen Deutschen Reiches sind so jämmerlich und
  23611. für einen Kampf nach außen so unmöglich, daß irgendein
  23612. Grenzschutz gegen den Westen Europas, einschließlich Englands, nicht durchgeführt werden könnte und gerade das
  23613. deutsche Industriegebiet den konzentrierten Angriffswaffen unserer Gegner wehrlos preisgegeben läge. Dazu
  23614. kommt, daß zwischen Deutschland und Rußland der ganz
  23615. in französischen Händen ruhende polnische Staat liegt. Im
  23616. Falle eines Krieges Deutschland-Rußlands gegen den Westen
  23617. Europas müßte Rußland erst Polen niederwerfen, um den
  23618. ersten Soldaten an eine deutsche Front zu bringen. Dabei
  23619. handelt es sich aber gar nicht so sehr um Soldaten als um
  23620. die technische Rüstung. In dieser Hinsicht würde sich, nur
  23621. noch viel entsetzlicher, der Zustand im Weltkrieg wiederholen. So wie damals die deutsche Industrie für unsere
  23622. ruhmvollen Verbündeten angezapft wurde und Deutschland
  23623. den technischen Krieg fast ganz allein bestreiten mußte, so
  23624. würde in diesem Kampf Rußland als technischer Faktor
  23625. überhaupt völlig ausscheiden. Der allgemeinen Motorisierung der Welt, die im nächsten Kriege schon in überwältigender Weise kampfbestimmend in Erscheinung treten
  23626. wird, könnte von uns fast nichts entgegengestellt werden.
  23627. Denn nicht nur, daß Deutschland selbst auf diesem wichtigsten Gebiete beschämend weit zurückgeblieben ist, müßte es
  23628. von dem wenigen, daß es besitzt, noch Rußland erhalten, das
  23629. Deutsches Bündnis mit Rußland?
  23630. 749
  23631. selbst heute noch nicht eine einzige Fabrik sein eigen nennt,
  23632. in der ein wirklich laufender Kraftwagen erzeugt werden
  23633. kann. Damit aber würde solch ein Kampf nur den Charakter eines Abschlachtens erhalten. Deutschlands Jugend
  23634. würde noch mehr verbluten als einst, denn wie immer läge
  23635. die Last des Kampfes nur auf uns, und das Ergebnis wäre
  23636. die unabwendbare Niederlage.
  23637. Aber selbst den Fall angenommen, daß ein Wunder geschähe und ein solcher Kampf nicht mit der restlosen Vernichtung Deutschlands endigte, wäre der letzte Erfolg doch
  23638. nur der, daß das ausgeblutete deutsche Volk nach wie vor
  23639. umgrenzt bliebe von großen Militärstaaten, seine wirkliche
  23640. Lage mithin sich in keiner Weise geändert hätte.
  23641. Man wende nun nicht ein, bei einem Bund mit Rußland
  23642. müsse nicht gleich an einen Krieg gedacht werden, oder
  23643. wenn, könne man sich auf einen solchen gründlich vorbereiten. Nein. E i n B ü n d n i s , d e s s e n Z i e l n i c h t
  23644. die Absicht zu einem Kriege umfaßt, ist
  23645. s i n n - u n d w e r t l o s . Bündnisse schließt man nur zum
  23646. Kampf. Und mag die Auseinandersetzung im Augenblick des
  23647. Abschlusses eines Bündnisvertrages in noch so weiter Ferne
  23648. liegen, die Aussicht auf eine kriegerische Verwicklung ist
  23649. nichtsdestoweniger die innere Veranlassung zu ihm. Und
  23650. man glaube ja nicht, daß etwa irgendeine Macht den Sinn
  23651. solch eines Bundes anders auffassen würde. Entweder eine
  23652. deutsch-russische Koalition bliebe auf dem Papier allein
  23653. stehen, dann wäre sie für uns zweck- und wertlos, oder sie
  23654. würde aus den Buchstaben des Vertrages in die sichtbare
  23655. Wirklichkeit umgesetzt – und die andere Welt wäre gewarnt. Wie naiv, zu denken, daß England und Frankreich
  23656. in einem solchen Falle ein Jahrzehnt warten würden, bis
  23657. der deutsch-russische Bund seine technischen Vorbereitungen zum Kampf beendet haben würde. Nein, das Unwetter
  23658. bräche blitzschnell über Deutschland herein.
  23659. So liegt schon in der Tatsache des Abschlusses eines Bündnisses mit Rußland
  23660. d i e A n w e i s u n g f ü r d e n n ä c h s t e n K r i e g . Sein
  23661. Ausgang wäre das Ende Deutschlands.
  23662. 750
  23663. Deutsches Bündnis mit Rußland?
  23664. Dazu kommt aber noch folgendes:
  23665. 1. Die heutigen Machthaber Rußlands
  23666. denken gar nicht daran, in ehrlicher Weise
  23667. einen Bund einzugehen oder ihn gar zu
  23668. halten.
  23669. Man vergesse doch nie, daß die Regenten des heutigen
  23670. Rußlands blutbefleckte gemeine Verbrecher sind, daß es
  23671. sich hier um einen Abschaum der Menschheit handelt, der,
  23672. begünstigt durch die Verhältnisse in einer tragischen Stunde,
  23673. einen großen Staat überrannte, Millionen seiner führenden
  23674. Intelligenz in wilder Blutgier abwürgte und ausrottete
  23675. und nun seit bald zehn Jahren das grausamste Tyrannenregiment aller Zeiten ausübt. Man vergesse weiter nicht,
  23676. daß diese Machthaber einem Volk angehören, daß in seltener Mischung bestialische Grausamkeit mit unfaßlicher
  23677. Lügenkunst verbindet und sich heute mehr denn je berufen
  23678. glaubt, seine blutige Unterdrückung der ganzen Welt aufbürden zu müssen. Man vergesse nicht, daß der internationale Jude, der Rußland heute restlos beherrscht, in Deutschland nicht einen Verbündeten, sondern einen zu gleichem
  23679. Schicksal bestimmten Staat sieht. M a n s c h l i e ß t a b e r
  23680. keinen Vertrag mit einem Partner, dessen
  23681. einziges Interesse die Vernichtung des
  23682. a n d e r e n i s t . Man schließt ihn vor allem nicht mit
  23683. Subjekten, denen kein Vertrag heilig sein würde, da sie
  23684. nicht als Vertreter von Ehre und Wahrhaftigkeit auf dieser
  23685. Welt leben, sondern als Repräsentanten der Lüge, des Betruges, des Diebstahls, der Plünderung, des Raubes. Wenn
  23686. der Mensch glaubt, mit Parasiten vertragliche Bindungen
  23687. eingehen zu können, so ähnelt dies dem Versuche eines
  23688. Baumes, zum eigenen Vorteil mit einer Mistel ein Abkommen zu schließen.
  23689. 2. Die Gefahr, der Rußland einst unterlag, ist für Deutschland dauernd vorhand e n . Nur der bürgerliche Einfaltspinsel ist fähig, sich einzubilden, daß der Bolschewismus gebannt ist. Er hat in
  23690. seinem oberflächlichen Denken keine Ahnung davon, daß es
  23691. sich hier um einen triebhaften Vorgang, d.h. den des Stre-
  23692. Deutsches Bündnis mit Rußland?
  23693. 751
  23694. bens nach der Weltherrschaft des jüdischen Volkes, handelt,
  23695. um einen Vorgang, der genau so natürlich ist wie der Trieb
  23696. des Angelsachsen, sich seinerseits in den Besitz der Herrschaft dieser Erde zu setzen. Und so, wie der Angelsachse
  23697. diesen Weg auf seine Art verfolgt und den Kampf mit
  23698. seinen Waffen kämpft, so eben auch der Jude. Er geht
  23699. seinen Weg, den Weg des Einschleichens in die Völker und
  23700. des inneren Aushöhlens derselben, und er kämpft mit
  23701. seinen Waffen, mit Lüge und Verleumdung, Vergiftung und
  23702. Zersetzung, den Kampf steigernd bis zur blutigen Ausrottung der ihm verhaßten Gegner. I m r u s s i s c h e n B o l schewismus haben wir den im zwanzigsten
  23703. Jahrhundert unternommenen Versuch des
  23704. Judentums zu erblicken, sich die Weltherrs c h a f t a n z u e i g n e n , genau so, wie es in anderen Zeitperioden durch andere, wenn auch innerlich verwandte
  23705. Vorgänge dem gleichen Ziele zuzustreben suchte. Sein Streben liegt zutiefst begründet in der Art seines Wesens. So
  23706. wenig ein anderes Volk von sich aus darauf verzichtet, dem
  23707. Triebe nach Ausbreitung seiner Art und Macht nachzugehen, sondern durch äußere Verhältnisse dazu gezwungen
  23708. wird oder durch Alterserscheinungen der Impotenz verfällt,
  23709. so wenig bricht auch der Jude seinen Weg zur Weltdiktatur
  23710. aus selbstgewollter Entsagung ab oder weil er seinen ewigen Drang unterdrückt. Auch er wird entweder durch außerhalb seiner selbst liegende Kräfte in seiner Bahn zurückgeworfen, oder all sein Weltherrschaftsstreben wird durch
  23711. das eigene Absterben erledigt. Die Impotenz der Völker,
  23712. ihr eigener Alterstod, liegt aber begründet in der Aufgabe
  23713. ihrer Blutsreinheit. Und diese wahrt der Jude besser als
  23714. irgendein anderes Volk der Erde. Somit geht er seinen verhängnisvollen Weg weiter, so lange, bis ihm eine andere
  23715. Kraft entgegentritt und in gewaltigem Ringen den Himmelsstürmer wieder zum Luzifer zurückwirft.
  23716. Deutschland ist heute das nächste große Kampfziel des
  23717. Bolschewismus. Es bedarf aller Kraft einer jungen missionshaften Idee, um unser Volk noch einmal emporzureißen, aus der Umstrickung dieser internationalen Schlange
  23718. 752
  23719. Deutsches Bündnis mit Rußland?
  23720. zu lösen und der Verpestung unseres Blutes im Innern
  23721. Einhalt zu tun, auf daß die damit frei werdenden Kräfte
  23722. der Nation für eine Sicherung unseres Volkstums eingesetzt
  23723. werden können, welche bis in fernste Zeiten eine Wiederholung der letzten Katastrophen zu verhindern vermag.
  23724. Verfolgt man aber dieses Ziel, so ist es ein Wahnsinn, sich
  23725. mit einer Macht zu verbünden, die den Todfeind unserer
  23726. eigenen Zukunft zum Herrn hat. Wie will man unser eigenes Volk aus den Fesseln dieser giftigen Umarmung erlösen, wenn man sich selbst in sie begibt? Wie dem deutschen Arbeiter den Bolschewismus als fluchwürdiges Menschheitsverbrechen klarmachen, wenn man sich selbst mit den
  23727. Organisationen dieser Ausgeburt der Hölle verbündet, sie
  23728. also im großen anerkennt? Mit welchem Rechte verurteilt
  23729. man dann den Angehörigen der breiten Masse ob seiner
  23730. Sympathie für eine Weltanschauung, wenn die Führer des
  23731. Staates selbst die Vertreter dieser Weltanschauung zum
  23732. Verbündeten wählen?
  23733. Der Kampf gegen die jüdische Weltbolschewisierung erfordert eine klare Einstellung zu Sowjet-Rußland. Man kann nicht
  23734. den Teufel mit Beelzebub austreiben.
  23735. Wenn selbst völkische Kreise heute von einem Bündnis
  23736. mit Rußland schwärmen, dann sollen diese nur in Deutschland Umschau halten und sich zum Bewußtsein bringen,
  23737. wessen Unterstützung sie bei ihrem Beginnen finden. Oder
  23738. sehen neuerdings Völkische eine Handlung als segensreich
  23739. für das deutsche Volk an, die von der internationalen
  23740. Marxistenpresse empfohlen und gefördert wird? Seit wann
  23741. kämpfen Völkische mit einer Rüstung, die uns der Jude
  23742. als Schildknappe hinhält?
  23743. Man konnte dem alten Deutschen Reich
  23744. einen Hauptvorwurf in bezug auf seine
  23745. Bündnispolitik machen: daß es sein Verhältnis zu allen verdarb, infolge dauernden
  23746. Hinundherpendelns,
  23747. in
  23748. der
  23749. krankhaften
  23750. Schwäche,
  23751. den
  23752. Weltfrieden
  23753. um
  23754. jeden Preis zu wahren. Allein, eines konnte
  23755. Deutschland – Rußland vor dem Kriege
  23756. 753
  23757. man ihm nicht vorwerfen, daß es das gute
  23758. Verhältnis zu Rußland nicht mehr aufrechterhielt.
  23759. Ich gestehe offen, daß ich schon in der Vorkriegszeit es
  23760. für richtiger gehalten hätte, wenn sich Deutschland, unter
  23761. Verzicht auf die unsinnige Kolonialpolitik und unter Verzicht auf Handels- und Kriegsflotte, mit England im Bunde
  23762. gegen Rußland gestellt hätte und damit von der schwachen
  23763. Allerweltspolitik zu einer entschlossenen europäischen Politik kontinentalen Bodenerwerbs übergegangen wäre.
  23764. Ich vergesse nicht die dauernde freche Bedrohung, die
  23765. das damalige panslawistische Rußland Deutschland zu bieten wagte; ich vergesse nicht die dauernden Probemobilmachungen, deren einziger Sinn eine Brüskierung Deutschlands war; ich kann nicht vergessen die Stimmung der
  23766. öffentlichen Meinung in Rußland, die schon vor dem Kriege
  23767. sich an haßerfüllten Ausfällen gegen unser Volk und Reich
  23768. überbot, kann nicht vergessen die große russische Presse,
  23769. die immer mehr für Frankreich schwärmte als für uns.
  23770. Allein, trotz alledem hätte es vor dem Kriege auch noch
  23771. den zweiten Weg gegeben, man hätte sich auf Rußland
  23772. zu stützen vermocht, um sich gegen England zu wenden.
  23773. Heute liegen die Verhältnisse anders. Wenn man vor
  23774. dem Kriege noch unter Hinabwürgen aller möglichen Gefühle mit Rußland hätte gehen können, so kann man
  23775. dies heute nicht mehr. Der Zeiger der Weltuhr ist seitdem weiter vorgerückt, und in gewaltigen Schlägen kündigt sie uns jene Stunde an, in der unseres Volkes Schicksal so oder so entschieden sein muß. Die Konsolidierung,
  23776. in der sich augenblicklich die großen Staaten der Erde
  23777. befinden, ist für uns das letzte Warnungssignal, Einkehr
  23778. zu halten und unser Volk aus der Traumwelt wieder in
  23779. die harte Wirklichkeit zurückzubringen und ihm den Weg
  23780. in die Zukunft zu weisen, der allein das alte Reich zu
  23781. neuer Blüte führt.
  23782. Wenn die nationalsozialistische Bewegung im Hinblick
  23783. auf die große und wichtigste Aufgabe sich von allen Illusionen freimacht und die Vernunft als alleinige Führerin
  23784. 26
  23785. 754
  23786. Künftiges politisches Testament
  23787. gelten läßt, kann dereinst die Katastrophe des Jahres 1918
  23788. noch von unendlichem Segen für die Zukunft unseres Volkes werden. Ais diesem Zusammenbruch heraus kann dann
  23789. unser Volk zu einer vollständigen Neuorientierung seines
  23790. außenpolitischen Handelns gelangen und weiter, gefestigt
  23791. durch seine neue Weltanschauung im Innern, auch nach
  23792. außen zu einer endgültigen Stabilisierung seiner Außenpolitik kommen. Es kann dann endlich das erhalten, was
  23793. England besitzt und selbst Rußland besaß und was Frankreich immer wieder gleiche und für seine Interessen im
  23794. letzten Grunde richtige Entschlüsse treffen ließ, nämlich:
  23795. ein politisches Testament.
  23796. Das politische Testament der deutschen Nation für ihr
  23797. Handeln nach außen aber soll und muß für immer sinngemäß lauten:
  23798. Duldet niemals das Entstehen zweiter
  23799. Kontinentalmächte
  23800. in
  23801. Europa!
  23802. Seht
  23803. in
  23804. jeglichem
  23805. Versuch,
  23806. an
  23807. den
  23808. deutschen
  23809. Grenzen
  23810. eine
  23811. zweite
  23812. Militärmacht
  23813. zu
  23814. organisieren, und sei es auch nur in Form
  23815. der
  23816. Bildung
  23817. eines
  23818. zur
  23819. Militärmacht
  23820. fähigen
  23821. Staates,
  23822. einen
  23823. Angriff
  23824. gegen
  23825. Deutschland und erblickt darin nicht nur
  23826. das Recht, sondern die Pflicht, mit allen
  23827. Mitteln, bis zur Anwendung von Waffengewalt, die Entstehung eines solchen
  23828. Staates zu verhindern, beziehungsweise
  23829. einen solchen, wenn er schon entstanden,
  23830. wieder
  23831. zu
  23832. zerschlagen!
  23833. Sorgt
  23834. dafür,
  23835. daß
  23836. die
  23837. Stärke
  23838. unseres
  23839. Volkes
  23840. ihre Grundlagen nicht in Kolonien, sondern im Boden der Heimat in Europa
  23841. erhält!
  23842. Haltet
  23843. das
  23844. Reich
  23845. nie
  23846. für
  23847. gesichert, wenn es nicht auf Jahrhunderte
  23848. hinaus jedem Sprossen unseres Volkes
  23849. sein eigenes Stück Grund und Boden zu
  23850. geben vermag! Vergeßt nie, daß das hei-
  23851. Das deutsch-englisch-italienische Bündnis
  23852. 755
  23853. heiligste Recht auf dieser Welt das Recht
  23854. auf Erde ist, die man selbst bebauen
  23855. will, und das heiligste Opfer das Blut,
  23856. das man für diese Erde vergießt!
  23857. Ich möchte diese Betrachtungen nicht beenden, ohne
  23858. nochmals auf die alleinige Bündnismöglichkeit hinzuweisen, die es für uns augenblicklich in Europa gibt. Ich habe
  23859. schon im vorhergehenden Kapitel über das deutsche Bündnisproblem England und Italien als die beiden einzigen
  23860. Staaten in Europa bezeichnet, mit denen in ein engeres
  23861. Verhältnis zu gelangen für uns erstrebenswert und erfolgverheißend wäre. Ich will an dieser Stelle noch kurz
  23862. die m i l i t ä r i s c h e Bedeutung eines solchen Bundes
  23863. streifen.
  23864. Die militärischen Folgen des Abschlusses dieses Bündnisses würden in allem und jedem die entgegengesetzten
  23865. wie die eines Bündnisses mit Rußland sein. Das wichtigste
  23866. ist zunächst d i e T a t s a c h e , d a ß e i n e A n n ä h e rung an England und Italien in keiner Weise
  23867. eine Kriegsgefahr an sich heraufbeschwört.
  23868. Die einzige Macht, die für eine Stellungnahme gegen den
  23869. Bund in Betracht käme, Frankreich, wäre hierzu nicht in
  23870. der Lage. D a m i t a b e r w ü r d e d e r B u n d D e u t s c h land die Möglichkeit geben, in aller Ruhe
  23871. diejenigen Vorbereitungen zu treffen, die
  23872. im Rahmen einer solchen Koalition für eine
  23873. Abrechnung mit Frankreich so oder so get r o f f e n w e r d e n m ü ß t e n . Denn das Bedeutungsvolle eines derartigen Bundes liegt ja eben darin, daß
  23874. Deutschland mit dem Abschluß nicht plötzlich einer feindlichen Invasion preisgegeben wird, sondern daß die gegnerische Allianz selbst zerbricht, die Entente, der wir so
  23875. unendlich viel Unglück zu verdanken haben, sich selbst auflöst und damit d e r T o d f e i n d u n s e r e s V o l k e s ,
  23876. Frankreich, der Isolierung anheimfällt.
  23877. Auch wenn dieser Erfolg zunächst nur von moralischer Wir-
  23878. 756
  23879. Das deutsch-englisch-italienische Bündnis
  23880. kung wäre, er würde genügen, Deutschland ein heute kaum
  23881. zu ahnendes Maß von Bewegungsfreiheit zu geben. D e n n
  23882. das Gesetz des Handelns läge in der Hand
  23883. des
  23884. neuen
  23885. europäischen
  23886. anglo-deutschitalienischen Bundes und nicht mehr bei
  23887. Frankreich.
  23888. Der weitere Erfolg wäre, daß mit einem
  23889. Schlage Deutschland aus seiner ungünstig e n s t r a t e g i s c h e n L a g e b e f r e i t w ü r d e . Der
  23890. mächtigste Flankenschutz einerseits, die volle Sicherung
  23891. unserer Versorgung mit Lebensmitteln und Rohstoffen
  23892. andererseits wäre die segensreiche Wirkung der neuen
  23893. Staatenordnung.
  23894. Fast noch wichtiger aber würde die Tatsache sein, daß der neue Verband Staaten
  23895. umschließt von einer sich in mancher Hinsicht fast ergänzenden technischen Leis t u n g s f ä h i g k e i t . Zum ersten Male bekäme Deutschland Verbündete, die nicht als Blutegel an unserer eigenen
  23896. Wirtschaft saugen, sondern sogar zur reichsten Vervollständigung unserer technischen Rüstung ihren Teil beitragen könnten und auch würden.
  23897. Nicht übersehen möge man noch die letzte Tatsache, daß
  23898. es sich in beiden Fällen um Verbündete handeln würde, die
  23899. man nicht mit der Türkei oder dem heutigen Rußland vergleichen kann. D i e g r ö ß t e W e l t m a c h t d e r E r d e
  23900. und ein jugendlicher Nationalstaat würden für einen Kampf in Europa andere
  23901. Voraussetzungen bieten als die fauligen
  23902. staatlichen Leichname, mit denen sich
  23903. Deutschland im letzten Krieg verbunden
  23904. hatte.
  23905. Sicherlich sind, wie ich schon im vorhergehenden Kapitel
  23906. betonte, die Schwierigkeiten groß, die einem solchen Bunde
  23907. entgegenstehen. Allein, war etwa die Bildung der Entente
  23908. ein weniger schweres Werk? W a s e i n e m K ö n i g
  23909. Eduard VII. gelang, zum Teil fast wider
  23910. natürliche Interessen gelang, muß und
  23911. Die Voraussetzung für Ostpolitik
  23912. 757
  23913. wird auch uns gelingen, wenn die Erkenntnis
  23914. von
  23915. der
  23916. Notwendigkeit
  23917. einer
  23918. solchen Entwicklung uns so beseelt, daß
  23919. wir
  23920. unser
  23921. eigenes
  23922. Handeln
  23923. in
  23924. kluger
  23925. Selbstüberwindung demgemäß bestimmen.
  23926. Und dies ist eben in dem Augenblick möglich, in welchem
  23927. man, erfüllt von der mahnenden Not, statt der außenpolitischen Ziellosigkeit der letzten Jahrzehnte einen einzigen
  23928. zielbewußten Weg beschreitet und auf diesem durchhält.
  23929. Nicht West- und nicht Ostorientierung darf
  23930. das künftige Ziel unserer Außenpolitik sein,
  23931. sondern Ostpolitik im Sinne der Erwerbung der notwendigen Scholle für unser
  23932. deutsches Volk. Da man dazu Kraft benötigt,
  23933. der
  23934. Todfeind
  23935. unseres
  23936. Volkes
  23937. aber, Frankreich, uns unerbittlich würgt
  23938. und die Kraft raubt, haben wir jedes
  23939. Opfer auf uns zu nehmen, das in seinen
  23940. Folgen geeignet ist, zu einer Vernichtung
  23941. der
  23942. französischen
  23943. Hegemoniebestrebung
  23944. in Europa beizutragen. Jede Macht ist heute
  23945. unser natürlicher Verbündeter, die gleich
  23946. uns
  23947. Frankreichs
  23948. Herrschsucht
  23949. auf
  23950. dem
  23951. Kontinent
  23952. als
  23953. unerträglich
  23954. empfindet.
  23955. Kein Gang zu einer solchen Macht darf
  23956. uns zu schwer sein und kein Verzicht als
  23957. unaussprechbar
  23958. erscheinen,
  23959. wenn
  23960. das
  23961. Endergebnis nur die Möglichkeit einer
  23962. Niederwerfung unseres grimmigsten Hass e r s b i e t e t . Überlassen wir dann ruhig die Heilung
  23963. unserer kleineren Wunden den mildernden Wirkungen der
  23964. Zeit, wenn wir die größte auszubrennen und zu schließen
  23965. vermögen.
  23966. Natürlich verfallen wir heute dem haßerfüllten Gebell
  23967. der Feinde unseres Volkes im Innern. Lassen wir Nationalsozialisten uns durch dieses aber nie beirren, das zu verkünden, was unserer innersten Überzeugung nach unbedingt
  23968. notwendig ist. Wohl müssen wir uns heute gegen den
  23969. 758 Außenpolitische Abstempelung des Nationalsozialismus
  23970. Strom der in Ausnutzung deutscher Gedankenlosigkeit von
  23971. jüdischer Hinterlist betörten öffentlichen Meinung stemmen,
  23972. wohl branden manches Mal die Wogen arg und böse um
  23973. uns, allein, wer im Strome schwimmt, wird leichter übersehen, als wer sich gegen die Gewässer stemmt. Heute sind
  23974. wir eine Klippe; in wenigen Jahren schon kann das Schicksal uns zum Damm erheben, an dem der allgemeine Strom
  23975. sich bricht, um in ein neues Bett zu fließen.
  23976. Es ist daher notwendig, daß gerade die nationalsozialistische Bewegung in den Augen der übrigen Welt als
  23977. Trägerin einer bestimmten politischen Absicht erkannt und
  23978. festgestellt wird. W a s d e r H i m m e l a u c h m i t u n s
  23979. vorhaben mag, schon am Visier soll man
  23980. uns erkennen.
  23981. Sowie wir selbst die große Notwendigkeit erkennen, die
  23982. unser außenpolitisches Handeln zu bestimmen hat, wird aus
  23983. diesem Erkennen die Kraft der Beharrlichkeit strömen, die
  23984. wir manches Mal nötig brauchen, wenn unter dem Trommelfeuer unserer gegnerischen Pressemeute dem einen oder
  23985. anderen bänglich zumute wird und ihn die leise Neigung
  23986. beschleicht, um nicht alles gegen sich zu haben, wenigstens
  23987. auf diesem oder jenem Gebiet eine Konzession zu gewähren
  23988. und mit den Wölfen zu heulen.
  23989. 15. Kapitel
  23990. Notwehr als Recht
  23991. M it der Waffenniederlegung im November 1918 wurde
  23992. eine Politik eingeleitet, die nach menschlicher Voraussicht langsam zur vollständigen Unterwerfung führen
  23993. mußte. Geschichtliche Beispiele ähnlicher Art zeigen, daß
  23994. Völker, die erst ohne zwingende Gründe die Waffen strekken, in der Folgezeit lieber die größten Demütigungen und
  23995. Erpressungen hinnehmen, als durch einen erneuten Appell
  23996. an die Gewalt eine Änderung ihres Schicksals zu versuchen.
  23997. Dies ist menschlich erklärlich. Ein kluger Sieger wird
  23998. seine Forderungen, wenn möglich, immer in Teilen dem
  23999. Besiegten auferlegen. Er darf dann bei einem charakterlos
  24000. gewordenen Volk – und dies ist ein jedes sich freiwillig
  24001. unterwerfende – damit rechnen, daß es in jeder dieser
  24002. Einzelunterdrückungen keinen genügenden Grund mehr
  24003. empfindet, um noch einmal zur Waffe zu greifen. Je mehr
  24004. Erpressungen aber auf solche Art willig angenommen werden, um so ungerechtertigter erscheint es dann den Menschen, wegen einer neuen, scheinbar einzelnen, aber allerdings immer wiederkehrenden Bedrückung sich endlich doch
  24005. zur Wehr zu setzen, besonders wenn man, alles zusammengerechnet, ohnehin schon so viel mehr und größeres Unglück schweigend und duldend ertrug.
  24006. Karthagos Untergang ist die schrecklichste Darstellung
  24007. einer solchen langsamen selbstverschuldeten Hinrichtung
  24008. eines Volkes.
  24009. In seinen „Drei Bekenntnissen“ greift deshalb auch
  24010. Clausewitz in unvergleichlicher Weise diesen Gedanken heraus und nagelt ihn fest für alle Zeiten, indem er spricht:
  24011. „daß der Schandfleck einer feigen Unterwerfung nie zu
  24012. 760
  24013. Feige Unterwerfung brachte keine Gnade
  24014. verwischen ist; daß dieser Gifttropfen in dem Blute eines
  24015. Volkes in die Nachkommenschaft übergeht und die Kraft
  24016. später Geschlechter lähmen und untergraben wird“; daß
  24017. demgegenüber „selbst der Untergang dieser Freiheit nach
  24018. einem blutigen und ehrenvollen Kampf die Wiedergeburt
  24019. des Volkes sichert und der Kern des Lebens ist, aus dem
  24020. einst ein neuer Baum die sichere Wurzel schlägt“.
  24021. Natürlich wird sich eine ehr- und charakterlos gewordene
  24022. Nation um solche Lehre nicht kümmern. Denn wer sie beherzigt, kann ja gar nicht so tief sinken, sondern es bricht
  24023. nur zusammen, wer sie vergißt oder nicht mehr wissen will.
  24024. Daher darf man bei den Trägern einer charakterlosen
  24025. Unterwerfung nicht erwarten, daß sie plötzlich in sich gehen,
  24026. um auf Grund der Vernunft und aller menschlichen Erfahrung anders zu handeln als bisher. Im Gegenteil, gerade
  24027. diese werden jede solche Lehre weit von sich weisen, so
  24028. lange, bis entweder das Volk sein Sklavenjoch endgültig
  24029. gewohnt ist oder bis bessere Kräfte an die Oberfläche drängen, um dem verruchten Verderber die Gewalt aus den
  24030. Händen zu schlagen. Im ersten Fall pflegen sich diese Menschen gar nicht so schlecht zu fühlen, da sie von den klugen
  24031. Siegern nicht selten das Amt der Sklavenaufseher übertragen erhalten, das diese charakterlosen Naturen dann über
  24032. ihr eigenes Volk auch meist unbarmherziger ausüben als
  24033. irgendeine vom Feinde selbst hineingesetzte fremde Bestie.
  24034. Die Entwicklung seit dem Jahre 1918 zeigt uns nun an, daß
  24035. in Deutschland die Hoffnung, durch freiwillige Unterwerfung die Gnade der Sieger gewinnen zu können, leider in
  24036. verhängnisvoller Weise die politische Einsicht und das
  24037. Handeln der breiten Masse bestimmt. Ich möchte deshalb
  24038. den Wert auf die Betonung der b r e i t e n Masse legen,
  24039. weil ich mich nicht zur Überzeugung zu bekennen vermag,
  24040. daß das Tun und Lassen der F ü h r e r unseres Volkes
  24041. etwa dem gleichen verderblichen Irrwahn zuzuschreiben sei.
  24042. Da die Leitung unserer Geschicke seit Kriegsende, nunmehr ganz unverhüllt, durch Juden besorgt wird, kann
  24043. man wirklich nicht annehmen, daß nur fehlerhafte Erkenntnis die Ursache unseres Unglücks sei, sondern man muß im
  24044. 7 Jahre bis 1813 – 7 Jahre bis Locarno
  24045. 761
  24046. Gegenteil der Überzeugung sein, daß bewußte Absicht unser
  24047. Volk zugrunde richtet. Und sowie man erst von diesem
  24048. Gesichtspunkt aus den scheinbaren Wahnsinn der außenpolitischen Leitung unseres Volkes überprüft, enthüllt er
  24049. sich als höchst raffinierte, eisig kalte Logik im Dienste des
  24050. jüdischen Welteroberungsgedankens und -kampfes.
  24051. So erscheint es auch begreiflich, daß dieselbe Zeitspanne,
  24052. die 1806 bis 1813 genügt hatte, um das gänzlich zusammengebrochene Preußen mit neuer Lebensenergie und Kampfentschlossenheit zu erfüllen, heute nicht nur ungenützt verstrichen ist, sondern im Gegenteil zu einer immer größeren
  24053. Schwächung unseres Staates geführt hat.
  24054. Sieben Jahre nach dem November 1918 wurde der Vertrag von Locarno unterzeichnet!
  24055. Der Hergang war dabei der oben schon angedeutete: Sowie man einmal den schandbaren Waffenstillstand unterschrieben hatte, brachte man weder die Tatkraft noch den
  24056. Mut auf, den sich später immer wiederholenden Unterdrükkungsmaßnahmen der Gegner nun plötzlich Widerstand entgegenzusetzen. Diese aber waren zu klug, auf einmal zuviel
  24057. zu fordern. Sie beschränkten ihre Erpressungen stets auf
  24058. jenen Umfang, der ihrer eigenen Meinung nach – und der
  24059. unserer deutschen Führung – augenblicklich noch so weit
  24060. erträglich sein würde, daß eine Explosion der Volksstimmung dadurch nicht befürchtet zu werden brauchte. Je mehr
  24061. aber an solchen einzelnen Diktaten unterschrieben und hinuntergewürgt worden waren, um so weniger schien es gerechtfertigt, wegen einer e i n z e l n e n weiteren Erpressung
  24062. oder verlangten Entwürdigung nun plötzlich das zu tun,
  24063. was man wegen vieler anderer nicht tat: Widerstand zu
  24064. leisten. Dies ist eben jener „Gifttropfen“, von dem Clausewitz spricht: die zuerst begangene Charakterlosigkeit, die
  24065. sich selbst immer weiter steigern muß und die allmählich
  24066. als schlimmstes Erbe jeden künftigen Entschluß belastet.
  24067. Sie kann zum furchtbaren Bleigewicht werden, das ein
  24068. Volk dann kaum mehr abzuschütteln vermag, sondern von
  24069. dem es endgültig hinuntergezogen wird in das Dasein
  24070. einer Sklavenrasse.
  24071. 762
  24072. Verfolgung unliebsamer Warner
  24073. So wechselten auch in Deutschland Entwaffnungs- und
  24074. Versklavungsedikte, politische Wehrlosmachung und wirtschaftliche Ausplünderung miteinander ab, um endlich
  24075. moralisch jenen Geist zu erzeugen, der im Dawesgutachten
  24076. ein Glück und im Vertrag von Locarno einen Erfolg zu
  24077. sehen vermag. Man kann dann freilich, von einer höheren
  24078. Warte aus betrachtet, von einem einzigen Glück in diesem
  24079. Jammer reden, dem Glück, daß man wohl Menschen betören, den Himmel aber nicht bestechen konnte. Denn dessen
  24080. Segen blieb aus: Not und Sorge sind seitdem die ständigen
  24081. Begleiter unseres Volkes geworden, und unser einziger
  24082. treuer Verbündeter ist das Elend. Das Schicksal hat auch
  24083. in diesem Falle keine Ausnahme gemacht, sondern uns gegeben, was wir verdienten. Da wir die Ehre nicht mehr
  24084. zu schätzen wissen, lehrt es uns wenigstens die Freiheit am
  24085. Brote würdigen. Nach Brot haben die Menschen nun
  24086. schon zu rufen gelernt, um Freiheit aber werden sie eines
  24087. Tages noch beten.
  24088. So bitter und so ersichtlich der Zusammenbruch unseres
  24089. Volkes in den Jahren nach 1918 auch war, so entschlossen
  24090. hatte man gerade in dieser Zeit jeden auf das heftigste verfolgt, der sich unterstand, das, was später immer eingetroffen ist, schon damals zu prophezeien. So erbärmlich schlecht
  24091. die Leitung unseres Volkes gewesen ist, ebenso eingebildet
  24092. war sie auch, und besonders dann, wenn es sich um das Abtun unliebsamer, weil unangenehmer Warner handelte. Da
  24093. konnte man es (und man kann es auch heute noch!) erleben,
  24094. daß sich die größten parlamentarischen Strohköpfe, wirkliche
  24095. Gevatter Sattlermeister und Handschuhmacher – nicht bloß
  24096. dem Beruf nach, was gar nichts sagen würde – plötzlich
  24097. auf das Piedestal des Staatsmannes emporhoben, um von
  24098. dort herunter dann die kleinen Sterblichen abzukanzeln. Es
  24099. tat und tut dabei gar nichts zur Sache, daß ein solcher
  24100. „Staatsmann“ zumeist schon im sechsten Monat seiner Kunst
  24101. als der windigste Murkser, vom Spott und Hohn der ganzen
  24102. übrigen Welt umhallt, entlarvt ist, weder ein noch aus weiß
  24103. und den untrüglichen Beweis für seine vollständige Unfähigkeit schlagend erbracht hat! Nein, das tut gar nichts
  24104. Frankreichs unverrückbares Kriegsziel
  24105. 763
  24106. zur Sache, im Gegenteil: je mehr es den parlamentarischen
  24107. Staatsmännern dieser Republik an wirklichen Leistungen
  24108. gebricht, um so wütender verfolgen sie dafür diejenigen,
  24109. die Leistungen von ihnen erwarten, die das Versagen ihrer
  24110. bisherigen Tätigkeit festzustellen sich erfrechen und den
  24111. Mißerfolg ihrer zukünftigen voraussagen. Nagelt man aber
  24112. einen solchen parlamentarischen Ehrenmann einmal endgültig fest, und kann der Staatskünstler dann wirklich den
  24113. Zusammenbruch seiner ganzen Tätigkeit und ihrer Ergebnisse nicht mehr wegleugnen, dann finden sie tausend und
  24114. aber tausend Gründe der Entschuldigung für ihre Nichterfolge und wollen nur einen einzigen nicht zugeben, daß
  24115. sie selbst der Hauptgrund alles Übels sind.
  24116. Spätestens im Winter 1922/23 hätte man allgemein verstehen müssen, daß sich Frankreich auch nach dem Friedensschluß mit eiserner Konsequenz bemühe, sein ihm ursprünglich vorschwebendes Kriegsziel doch noch zu erreichen. Denn
  24117. niemand wird wohl glauben, daß Frankreich im entscheidendsten Ringen seiner Geschichte viereinhalb Jahre lang
  24118. das an sich nicht zu reiche Blut seines Volkes einsetzte, nur
  24119. um später die vorher angerichteten Schäden durch Reparationen wieder vergütet zu erhalten. Selbst Elsaß- Lothringen
  24120. allein würde noch nicht die Energie der französischen
  24121. Kriegsführung erklären, wenn es sich nicht dabei schon um
  24122. einen Teil des wirklich großen politischen Zukunftsprogrammes der französischen Außenpolitik gehandelt hätte. Dieses
  24123. Ziel aber heißt: Auflösung Deutschlands in ein Gemengsel
  24124. von Kleinstaaten. Dafür hat das chauvinistische Frankreich
  24125. gekämpft, wobei es allerdings sein Volk in Wahrheit als
  24126. Landsknechte dem internationalen Weltjuden verkaufte.
  24127. Dieses französische Kriegsziel wäre schon durch den Krieg
  24128. an sich zu erreichen gewesen, wenn, wie man anfangs zu
  24129. Paris hoffte, der Kampf sich auf deutschem Boden abgespielt hätte. Man stelle sich vor, daß die blutigen Schlachten des Weltkrieges nicht an der Somme, in Flandern,
  24130. im Artois, vor Warschau, Iwangorod, Kowno, Riga
  24131. 764
  24132. Frankreichs unverrückbares politisches Ziel
  24133. und wo sonst überall stattgefunden hätten, sondern in
  24134. Deutschland, an der Ruhr und am Main, an der Elbe, vor
  24135. Hannover, Leipzig, Nürnberg usw., und man wird wohl
  24136. zustimmen müssen, daß die Möglichkeit einer Zertrümmerung Deutschlands gegeben gewesen wäre. Es ist sehr fraglich, ob unser junger föderativer Staat viereinhalb Jahre
  24137. lang die gleiche Belastungsprobe ausgehalten hätte wie
  24138. das seit Jahrhunderten stramm zentralisierte und nur nach
  24139. dem unumstrittenen Mittelpunkt Paris sehende Frankreich.
  24140. Daß dieses gewaltigste Völkerringen sich außerhalb der
  24141. Grenzen unseres Vaterlandes abrollte, war nicht nur das
  24142. unsterbliche Verdienst des einzigen alten Heeres, sondern
  24143. auch das größte Glück für die deutsche Zukunft. Es ist meine
  24144. felsenfeste, mich manches Mal fast beklemmende innere
  24145. Überzeugung, daß es im anderen Falle heute schon längst
  24146. kein Deutsches Reich, sondern nur mehr „deutsche Staaten“
  24147. gäbe. Dies ist auch der einzige Grund, warum das Blut
  24148. unserer gefallenen Freunde und Brüder wenigstens nicht
  24149. ganz umsonst geflossen ist.
  24150. So kam alles anders! Wohl brach Deutschland im November 1918 blitzschnell zusammen. Allein, als die Katastrophe in der Heimat eintrat, standen die Armeen des
  24151. Feldheeres noch tief in feindlichen Landen. Die erste Sorge
  24152. Frankreichs war damals nicht Deutschlands Auflösung, sondern vielmehr die: Wie bringt man die deutschen Armeen
  24153. möglichst schnell aus Frankreich und Belgien hinaus? Und
  24154. so war für die Pariser Staatsleitung die erste Aufgabe zur
  24155. Beendigung des Weltkrieges, die deutschen Armeen zu entwaffnen und, wenn möglich, zunächst nach Deutschland zurückzudrängen; und erst in zweiter Linie konnte man sich
  24156. der Erfüllung des ursprünglichen und eigentlichen Kriegszieles widmen. Allerdings war Frankreich darin bereits
  24157. gelähmt. In England war mit der Vernichtung Deutschlands als Kolonial- und Handelsmacht und dessen Herunterdrückung in den Rang eines Staates zweiter Klasse
  24158. der Krieg wirklich siegreich beendet. Ein Interesse an der
  24159. restlosen Ausmerzung des deutschen Staates besaß man
  24160. nicht nur nicht, sondern hatte sogar allen Grund, einen
  24161. Frankreichs unverrückbares politisches Ziel
  24162. 765
  24163. Rivalen gegen Frankreich in Europa für die Zukunft zu
  24164. wünschen. So mußte die französische Politik erst in entschlossener Friedensarbeit fortsetzen, was der Krieg angebahnt hatte, und Clemenceaus Ausspruch, daß für ihn auch
  24165. der Friede nur die Fortsetzung des Krieges sei, bekam erhöhte Bedeutung.
  24166. Dauernd, bei jedem möglichen Anlaß, mußte man das
  24167. Reichsgefüge erschüttern. Durch die Auferlegung immer
  24168. neuer Entwaffnungsnoten einerseits und durch die hierdurch
  24169. ermöglichte wirtschaftliche Auspressung andererseits hoffte
  24170. man in Paris, das Reichsgefüge langsam lockern zu können.
  24171. Je mehr die nationale Ehre in Deutschland abstarb, um so
  24172. eher konnten der wirtschaftliche Druck und die ewige Not zu
  24173. politisch destruktiven Wirkungen führen. Eine solche Politik politischer Unterdrückung und wirtschaftlicher Ausplünderung, zehn und zwanzig Jahre durchgeführt, muß
  24174. allmählich selbst den besten Staatskörper ruinieren und
  24175. unter Umständen auflösen. Damit aber ist das französische
  24176. Kriegsziel dann endgültig erreicht.
  24177. Dies mußte man im Winter 1922/23 doch schon längst
  24178. als Frankreichs Absicht erkannt haben. Damit blieben aber
  24179. nur zwei Möglichkeiten übrig: Man durfte hoffen, entweder den französischen Willen an der Zähigkeit des deutschen Volkskörpers allmählich stumpf zu machen oder einmal endlich zu tun, was doch nicht ausbleiben kann, nämlich
  24180. bei irgendeinem besonders krassen Fall das Steuer des
  24181. Reichsschiffes herumzureißen und die Ramme gegen den
  24182. Feind zu kehren. Dies bedeutete dann allerdings einen
  24183. Kampf auf Leben und Tod, und Aussicht zum Leben war nur
  24184. vorhanden, wenn es vorher gelang, Frankreich so weit zu
  24185. isolieren, daß dieser zweite Kampf nicht mehr ein Ringen
  24186. Deutschlands gegen die Welt sein mußte, sondern eine Verteidigung Deutschlands gegen das die Welt und ihren Frieden dauernd störende Frankreich darstellte.
  24187. Ich betone es und bin fest davon überzeugt, daß dieser
  24188. zweite Fall einmal so oder so kommen muß und kommen
  24189. wird. Ich glaube niemals daran, daß sich Frankreichs Absichten uns gegenüber je ändern könnten, denn sie liegen
  24190. 766
  24191. Endgültige Auseinandersetzung mit Frankreich
  24192. im tiefsten Grunde nur im Sinne der Selbsterhaltung der
  24193. französischen Nation. Wäre ich selbst Franzose und wäre
  24194. mir somit Frankreichs Größe so lieb, wie mir die Deutschlands heilig ist, so könnte und wollte auch ich nicht anders
  24195. handeln, als es am Ende ein Clemenceau tut. Das nicht
  24196. nur in seiner Volkszahl, sondern besonders in seinen rassisch
  24197. besten Elementen langsam absterbende Franzosentum kann
  24198. sich seine Bedeutung in der Welt auf die Dauer nur erhalten bei Zertrümmerung Deutschlands. Die französische
  24199. Politik mag tausend Umwege machen, irgendwo am Ende
  24200. wird immer dieses Ziel als Erfüllung letzter Wünsche und
  24201. tiefster Sehnsucht vorhanden sein. Es ist aber unrichtig,
  24202. zu glauben, daß ein rein p a s s i v e r , nur sich selbst erhalten wollender Wille einem nicht minder kraftvollen,
  24203. aber a k t i v vorgehenden auf die Dauer Widerstand leisten
  24204. könnte. S o l a n g e d e r e w i g e K o n f l i k t z w i s c h e n
  24205. Deutschland und Frankreich nur in der
  24206. Form einer deutschen Abwehr gegenüber
  24207. französischem Angriff ausgetragen wird,
  24208. wird er niemals entschieden werden, wohl
  24209. aber wird Deutschland von Jahrhundert
  24210. zu Jahrhundert eine Position nach der and e r e n v e r l i e r e n . Man verfolge das Wandern der
  24211. deutschen Sprachgrenze vom zwölften Jahrhundert angefangen bis heute, und man wird wohl schwerlich mehr auf den
  24212. Erfolg einer Einstellung und Entwicklung bauen, die uns
  24213. bisher schon so viel Schaden gebracht hat.
  24214. Erst wenn dies in Deutschland vollständig begriffen sein
  24215. wird, so daß man den Lebenswillen der deutschen Nation
  24216. nicht mehr in bloß passiver Abwehr verkümmern läßt, sondern zu einer endgültigen aktiven Auseinandersetzung mit
  24217. Frankreich zusammenrafft und in einen letzten Entscheidungskampf mit deutscherseits größten Schlußzielen hineinwirft: erst dann wird man imstande sein, das ewige und
  24218. an sich so unfruchtbare Ringen zwischen uns und Frankreich zum Abschluß zu bringen; allerdings unter der Voraussetzung, daß Deutschland in der Vernichtung Frankreichs
  24219. wirklich nur ein Mittel sieht, um danach unserem Volke
  24220. Die Besetzung des Ruhrgebietes
  24221. 767
  24222. endlich an anderer Stelle die mögliche Ausdehnung geben
  24223. zu können. Heute zählen wir achtzig Millionen Deutsche in
  24224. Europa! Erst dann aber wird jene Außenpolitik als richtig
  24225. anerkannt werden, wenn nach kaum hundert Jahren zweihundertfünfzig Millionen Deutsche auf diesem Kontinent
  24226. leben werden, und zwar nicht zusammengepreßt als Fabrikkulis der anderen Welt, sondern: als Bauern und Arbeiter, die sich durch ihr Schaffen gegenseitig das Leben
  24227. gewähren.
  24228. Im Dezember 1922 schien die Situation zwischen Deutschland und Frankreich wieder zu bedrohlicher Schärfe zugespitzt. Frankreich hatte neue ungeheure Erpressungen im
  24229. Auge und brauchte dazu Pfänder. Der wirtschaftlichen Ausplünderung mußte ein politischer Druck vorangehen, und
  24230. nur ein gewaltsamer Griff in die Nervenzentrale unseres
  24231. gesamten deutschen Lebens schien den Franzosen als genügend, um unser „widerspenstiges“ Volk unter schärferes
  24232. Joch nehmen zu können. Mit der B e s e t z u n g d e s
  24233. R u h r g e b i e t e s hoffte man in Frankreich nicht nur das
  24234. moralische Rückgrat Deutschlands endgültig zu durchbrechen, sondern uns auch wirtschaftlich in eine Zwangslage zu
  24235. versetzen, in der wir jede, auch die schwerste Verpflichtung
  24236. wohl oder übel würden übernehmen müssen.
  24237. Es ging auf Biegen und Brechen. Und Deutschland bog
  24238. sich gleich zu Beginn, um später dann beim vollständigen
  24239. Bruch zu enden.
  24240. Mit der Besetzung des Ruhrgebietes hat das Schicksal
  24241. noch einmal dem deutschen Volk die Hand zum Wiederaufstieg geboten. Denn was im ersten Augenblick als schweres Unglück erscheinen mußte, umschloß bei näherer Betrachtung die unendlich verheißende Möglichkeit zur Beendigung des deutschen Leidens überhaupt.
  24242. Außenpolitisch hat die Ruhrbesetzung Frankreich zum
  24243. erstenmal England wirklich innerlich entfremdet, und zwar
  24244. nicht nur den Kreisen der britischen Diplomatie, die das
  24245. französische Bündnis an sich nur mit dem nüchternen Auge
  24246. kalter Rechner geschlossen, angesehen und aufrechterhalten
  24247. hatten, sondern auch weitesten Kreisen des englischen Volkes.
  24248. 768
  24249. Die Besetzung des Ruhrgebietes
  24250. Besonders die englische Wirtschaft empfand mit schlecht verhehltem Unbehagen diese weitere unglaubliche Stärkung
  24251. der kontinentalen französischen Macht. Denn nicht nur, daß
  24252. Frankreich, rein militärpolitisch betrachtet, nun eine Stellung in Europa einnahm, wie sie vordem selbst Deutschland
  24253. nicht besessen hatte, erhielt es nun auch wirtschaftlich
  24254. Unterlagen, die seine politische Konkurrenzfähigkeit wirtschaftlich fast mit einer Monopolstellung verbanden. Die
  24255. größeren Eisengruben und Kohlenfelder Europas waren
  24256. damit vereint in den Händen einer Nation, die ihre Lebensinteressen, sehr zum Unterschied von Deutschland, bisher
  24257. ebenso entschlossen wie aktivistisch wahrgenommen hatte,
  24258. und die ihre militärische Zuverlässigkeit in dem großen
  24259. Krieg aller Welt in frische Erinnerung brachte. Mit der
  24260. Besetzung der Ruhrkohlenfelder durch Frankreich wurde
  24261. England sein ganzer Erfolg des Krieges wieder aus der
  24262. Hand gewunden, und Sieger war nun nicht mehr die
  24263. emsige und rührige britische Diplomatie, sondern Marschall
  24264. Foch und sein durch ihn vertretenes Frankreich.
  24265. Auch in Italien schlug die Stimmung gegen Frankreich,
  24266. die ohnehin seit Kriegsende nicht mehr gerade rosig war,
  24267. nun in einen förmlichen Haß um. Es war der große geschichtliche Augenblick, in dem die Verbündeten von einst
  24268. Feinde von morgen sein konnten. Wenn es doch anders
  24269. kam und die Verbündeten nicht, wie im zweiten Balkankrieg, nun plötzlich untereinander in Fehde gerieten, dann
  24270. war dies nur dem Umstand zuzuschreiben, daß Deutschland
  24271. eben keinen Enver Pascha besaß, sondern einen Reichskanzler Cuno.
  24272. Allein nicht nur außenpolitisch, sondern auch innerpolitisch war für Deutschland der Ruhreinfall der Franzosen
  24273. von größter Zukunftsmöglichkeit. Ein beträchtlicher Teil
  24274. unseres Volkes, der, dank unausgesetzten Einflusses seiner
  24275. lügenhaften Presse, Frankreich noch immer als den Kämpfer für Fortschritt und Liberalität ansah, wurde von diesem Irrwahn jäh geheilt. So wie das Jahr 1914 die
  24276. Träume internationaler Völkersolidarität aus den Köpfen
  24277. unserer deutschen Arbeiter verscheucht hatte und sie plötz-
  24278. Was war nach der Ruhrbesetzung zu tun?
  24279. 769
  24280. lich zurückführte in die Welt des ewigen Ringens, da sich
  24281. allüberall ein Wesen vom anderen nährt und der Tod des
  24282. Schwächeren das Leben des Stärkeren bedeutet, so auch
  24283. das Frühjahr 1923.
  24284. Als der Franzose seine Drohungen wahr machte und endlich im niederdeutschen Kohlengebiet, erst noch sehr vorsichtig und zaghaft, einzurücken begann, da hatte für
  24285. Deutschland eine große, entscheidende Schicksalsstunde geschlagen. Wenn in diesem Augenblick unser Volk einen
  24286. Wandel seiner Gesinnung verband mit einer Änderung der
  24287. bisherigen Haltung, dann konnte das deutsche Ruhrgebiet
  24288. für Frankreich zum napoleonischen Moskau werden. Es gab
  24289. ja nur z w e i M ö g l i c h k e i t e n : E n t w e d e r m a n
  24290. ließ sich auch das noch gefallen und tat
  24291. nichts, oder man schuf dem deutschen Volk,
  24292. mit dem Blick auf das Gebiet der glühenden Essen und qualmenden Öfen, zugleich
  24293. den glühenden Willen, diese ewige Schande
  24294. zu beenden und lieber den Schrecken des
  24295. Augenblicks auf sich zu nehmen, als den
  24296. endlosen Schrecken weiter zu ertragen.
  24297. Einen dritten Weg entdeckt zu haben, war das „unsterbliche Verdienst“ des damaligen Reichskanzlers Cuno, und
  24298. ihn bewundert und mitgemacht zu haben, das noch „ruhmvollere“ unserer bürgerlichen Parteienwelt.
  24299. Ich will hier zuerst den zweiten Weg, so kurz als nur
  24300. möglich, einer Betrachtung unterziehen:
  24301. Mit der Besetzung des Ruhrgebietes hatte Frankreich
  24302. einen eklatanten Bruch des Versailler Vertrages vollzogen.
  24303. Es hatte sich damit auch in Gegensatz gestellt zu einer Reihe
  24304. von Garantiemächten, besonders aber zu England und
  24305. Italien. Irgendwelche Unterstützung von diesen Staaten für
  24306. seinen egoistischen eigenen Raubzug konnte Frankreich nicht
  24307. mehr erhoffen. Das Abenteuer, und ein solches war es zunächst, mußte es also selbst zu irgendeinem glücklichen Ende
  24308. bringen. Für eine nationale deutsche Regierung konnte es
  24309. nur einen einzigen Weg geben, nämlich den, den die Ehre
  24310. vorschrieb. Es war sicher, daß man zunächst nicht mit aktiver
  24311. 770
  24312. Was war nach der Ruhrbesetzung zu tun?
  24313. Waffengewalt Frankreich entgegentreten konnte; allein es
  24314. war notwendig, sich klarzumachen, daß alles Verhandeln
  24315. ohne Macht hinter sich lächerlich und unfruchtbar sein
  24316. würde. Es war unsinnig, sich ohne Möglichkeit eines aktiven
  24317. Widerstandes auf den Standpunkt zu stellen: „Wir gehen
  24318. zu keiner Verhandlung"; aber es war noch viel unsinniger,
  24319. dann endlich doch zur Verhandlung zu gehen, ohne sich
  24320. unterdes eine Macht geschaffen zu haben.
  24321. Nicht als ob man die Ruhrbesetzung durch m i l i t ä r i s c h e M a ß n a h m e n hätte verhindern können. Nur
  24322. ein Wahnsinniger konnte zu einem solchen Entschlusse
  24323. raten. Allein unter dem Eindrucke dieser Aktion Frankreichs und während der Zeit ihrer Ausführung konnte und
  24324. mußte man darauf bedacht sein, ohne Rücksicht auf den
  24325. von Frankreich selbst zerfetzten Vertrag von Versailles, sich
  24326. derjenigen militärischen Hilfsmittel zu versichern, die man
  24327. später den Unterhändlern auf ihren Weg mitgeben konnte.
  24328. Denn das war von Anfang an klar, daß eines Tages über
  24329. dieses von Frankreich besetzte Gebiet an irgendeinem
  24330. Konferenztisch entschieden werden würde. Aber ebenso
  24331. klar mußte man sich darüber sein, daß selbst die besten
  24332. Unterhändler wenig Erfolge zu erringen vermögen, solange der Boden, auf dem sie stehen, und der Stuhl, auf
  24333. dem sie sitzen, nicht der Schildarm ihres Volkes ist. Ein
  24334. schwaches Schneiderlein kann nicht mit Athleten disputieren, und ein wehrloser Unterhändler mußte noch immer
  24335. das Schwert des Brennus auf der feindlichen Waagschale
  24336. dulden, wenn er nicht sein eigenes zum Ausgleich hineinzuwerfen hatte. Oder war es nicht wirklich ein Jammer,
  24337. die Verhandlungskomödien ansehen zu müssen, die seit
  24338. dem Jahre 1918 immer den jeweiligen Diktaten vorangegangen waren? Dieses entwürdigende Schauspiel, das man
  24339. der ganzen Welt bot, indem man uns, wie zum Hohne, zuerst an den Konferenztisch lud, um uns dann längst fertige
  24340. Entschlüsse und Programme vorzulegen, über die wohl geredet werden durfte, die aber von vornherein als unabänderlich angesehen werden mußten. Freilich, unsere Unterhändler standen kaum in einem einzigen Falle über dem
  24341. Was war nach der Ruhrbesetzung zu tun?
  24342. 771
  24343. bescheidensten Durchschnitt und rechtfertigten meist nur
  24344. zu sehr die freche Äußerung Lloyd Georges, der angesichts
  24345. des ehemaligen Reichsministers Simon höhnisch bemerkte,
  24346. „daß die Deutschen nicht verstünden, sich Männer von Geist
  24347. als Führer und Vertreter zu wählen“. Allein selbst Genies
  24348. hätten angesichts des entschlossenen Machtwillens des
  24349. feindlichen und der jammervollen Wehrlosigkeit des eigenen Volkes in jeder Beziehung nur wenig erreichen können.
  24350. Wer aber im Frühjahr 1923 die Ruhrbesetzung Frankreichs zum Anlaß einer Wiederherstellung militärischer
  24351. Machtmittel nehmen wollte, der mußte zunächst der Nation die geistigen Waffen geben, die Willenskraft stärken
  24352. und die Zersetzer dieser wertvollsten nationalen Stärke
  24353. vernichten.
  24354. So wie es sich im Jahre 1918 blutig gerächt hat, daß man
  24355. 1914 und 1915 nicht dazu überging, der marxistischen
  24356. Schlange einmal für immer den Kopf zu zertreten, so
  24357. mußte es sich auch auf das unseligste rächen, wenn man
  24358. im Frühjahr 1923 nicht den Anlaß wahrnahm, den marxistischen Landesverrätern und Volksmördern endgültig das
  24359. Handwerk zu legen.
  24360. Jeder Gedanke eines wirklichen Widerstandes gegen
  24361. Frankreich war blanker Unsinn, wenn man nicht denjenigen Kräften den Kampf ansagte, die fünf Jahre vorher den
  24362. deutschen Widerstand auf den Schlachtfeldern von innen
  24363. her gebrochen hatten. Nur bürgerliche Gemüter konnten
  24364. sich zur unglaublichen Meinung durchringen, daß der Marxismus jetzt vielleicht ein anderer geworden wäre, und daß
  24365. die kanaillösen Führerkreaturen des Jahres 1918, die damals zwei Millionen Tote eiskalt mit Füßen traten, um
  24366. besser in die verschiedenen Regierungsstühle hineinklettern
  24367. zu können, jetzt im Jahre 1923 plötzlich dem nationalen
  24368. Gewissen ihren Tribut zu leisten bereit seien. Ein unglaublicher und wirklich sinnloser Gedanke, die Hoffnung, daß
  24369. die Landesverräter von einst plötzlich zu Kämpfern für eine
  24370. deutsche Freiheit werden würden! Sie dachten gar nicht
  24371. daran! S o w e n i g e i n e H y ä n e v o m A a s e l ä ß t , s o
  24372. wenig ein Marxist vom Vaterlandsverrat.
  24373. 772
  24374. Die versäumte Abrechnung mit dem Marxismus
  24375. Man bleibe mit dem dümmsten Einwand gefälligst weg,
  24376. daß doch so viele Arbeiter einst auch für Deutschland
  24377. geblutet hätten. Deutsche Arbeiter, jawohl, aber dann
  24378. waren es eben keine internationalen Marxisten mehr. Hätte
  24379. im Jahre 1914 die deutsche Arbeiterschaft ihrer inneren
  24380. Einstellung nach noch aus Marxisten bestanden, so wäre
  24381. der Krieg nach drei Wochen zu Ende gewesen. Deutschland
  24382. wäre zusammengebrochen, ehe der erste Soldat seinen Fuß
  24383. nur über die Grenze gesetzt hatte. Nein, daß damals das
  24384. deutsche Volk noch kämpfte, bewies, daß der marxistische
  24385. Irrwahn sich noch nicht bis zur letzten Tiefe einzufressen
  24386. vermocht hatte. In eben dem Maße aber, in dem im Laufe
  24387. des Krieges der deutsche Arbeiter und deutsche Soldat
  24388. wieder in die Hand der marxistischen Führer zurückkehrte,
  24389. in eben dem Maße ging er dem Vaterland verloren. Hätte
  24390. man zu Kriegsbeginn und während des Krieges einmal
  24391. zwölf- oder fünfzehntausend dieser hebräischen Volksverderber so unter Giftgas gehalten, wie Hunderttausende unserer allerbesten deutschen Arbeiter aus allen Schichten
  24392. und Berufen es im Felde erdulden mußten, dann wäre das
  24393. Millionenopfer der Front nicht vergeblich gewesen. Im
  24394. Gegenteil: Zwölftausend Schurken zur rechten Zeit beseitigt, hätten vielleicht einer Million ordentlicher, für die Zukunft wertvoller Deutschen das Leben gerettet. Doch gehörte es eben auch zur bürgerlichen „Staatskunst“, ohne
  24395. mit der Wimper zu zucken, Millionen auf dem Schlachtfeld dem blutigen Ende auszuliefern, aber zehn- oder zwölftausend Volksverräter, Schieber, Wucherer und Betrüger
  24396. als kostbares nationales Heiligtum anzusehen und damit
  24397. deren Unantastbarkeit offen zu proklamieren. Man weiß
  24398. ja nicht, was in dieser bürgerlichen Welt größer ist, die
  24399. Trottelhaftigkeit, die Schwäche und Feigheit oder die durch
  24400. und durch verlumpte Gesinnung. Es ist wirklich eine vom
  24401. Schicksal zum Untergang bestimmte Klasse, die nur leider
  24402. ein ganzes Volk mit sich in den Abgrund reißt.
  24403. Vor der ganz gleichen Situation wie 1918 stand man aber
  24404. im Jahre 1923. Ganz gleich zu welcher Art von Widerstand
  24405. man sich entschloß, immer war die erste Voraussetzung die
  24406. Die versäumte Abrechnung mit dem Marxismus
  24407. 773
  24408. Ausscheidung des marxistischen Giftes aus unserem Volkskörper. Und es war, meiner Überzeugung nach, damals die
  24409. allererste Aufgabe einer wirklich nationalen Regierung, die
  24410. Kräfte zu suchen und zu finden, die entschlossen waren,
  24411. dem Marxismus den Vernichtungskrieg anzusagen und
  24412. diesen Kräften dann freie Bahn zu geben; es war ihre
  24413. Pflicht, nicht den Blödsinn von „Ruhe und Ordnung“ anzubeten in einem Augenblick, da der äußere Feind dem
  24414. Vaterlande den vernichtendsten Hieb zufügte und im Innern der Verrat an jeder Straßenecke lauerte. Nein, eine
  24415. wirklich nationale Regierung mußte damals die Unordnung
  24416. und die Unruhe wünschen, wenn nur unter ihren Wirren
  24417. endlich eine prinzipielle Abrechnung mit den marxistischen
  24418. Todfeinden unseres Volkes möglich wurde und stattfand.
  24419. Unterließ man dies, dann war jeder Gedanke an einen
  24420. Widerstand, ganz gleich welcher Art, purer Wahnsinn.
  24421. Solch eine Abrechnung von wirklicher, weltgeschichtlicher
  24422. Größe findet allerdings nicht statt nach dem Schema irgendeines Geheimrates oder einer alten, ausgetrockneten Ministerseele, sondern nach den ewigen Gesetzen des Lebens auf
  24423. dieser Erde, die Kampf um dieses Leben sind und Kampf
  24424. bleiben. Man mußte sich vergegenwärtigen, daß aus den
  24425. blutigsten Bürgerkriegen häufig ein stahlharter, gesunder
  24426. Volkskörper erwuchs, während aus künstlich gehegten Friedenszuständen öfter als einmal die Fäulnis zum Himmel
  24427. emporstank. Völkerschicksale wendet man nicht mit Glacéhandschuhen. So mußte man im Jahre 1923 mit brutalstem
  24428. Griffe zufassen, um der Nattern habhaft zu werden, die an
  24429. unserem Volkskörper fraßen. Gelang dies, dann erst hatte
  24430. die Vorbereitung eines aktiven Widerstandes Sinn.
  24431. Ich habe mir damals oft und oft die Kehle heiser geredet
  24432. und habe versucht, wenigstens den sogenannten nationalen
  24433. Kreisen klarzumachen, was dieses Mal auf dem Spiele stehe,
  24434. und daß, bei gleichen Fehlern wie im Jahre 1914 und den
  24435. folgenden Jahren, zwangsläufig auch wieder ein Ende
  24436. kommen würde wie 1918. Ich habe sie immer wieder gebeten, dem Schicksal freien Lauf zu lassen und unserer Bewegung die Möglichkeit einer Auseinandersetzung mit dem
  24437. 774
  24438. Die versäumte Abrechnung mit dem Marxismus
  24439. Marxismus zu geben; aber ich predigte tauben Ohren. Sie
  24440. verstanden es alle besser, einschließlich des Chefs der Wehrmacht, bis sie endlich vor der erbärmlichsten Kapitulation
  24441. aller Zeiten standen.
  24442. Damals wurde ich mir bis ins Innerste bewußt, daß das
  24443. deutsche Bürgertum am Ende einer Mission steht und zu
  24444. keiner weiteren Aufgabe mehr berufen ist. Damals sah ich,
  24445. wie alle diese Parteien nur mehr aus Konkurrenzneid sich
  24446. mit dem Marxismus zankten, ohne ihn überhaupt noch
  24447. ernstlich vernichten zu wollen; sie hatten sich innerlich alle
  24448. mit der Zerstörung des Vaterlandes längst abgefunden,
  24449. und was sie bewegte, war einzig die große Sorge, selbst
  24450. am Leichenschmaus teilnehmen zu dürfen. Nur dafür
  24451. „kämpften“ sie noch.
  24452. In dieser Zeit – ich gestehe es offen – faßte ich die
  24453. tiefste Bewunderung für den großen Mann südlich der
  24454. Alpen, der in heißer Liebe zu seinem Volke mit den inneren
  24455. Feinden Italiens nicht paktierte, sondern ihre Vernichtung
  24456. auf allen Wegen und mit allen Mitteln erstrebte. Was
  24457. Mussolini unter die Großen dieser Erde einreihen wird,
  24458. ist die Entschlossenheit, Italien nicht mit dem Marxismus
  24459. zu teilen, sondern, indem er den Internationalismus der
  24460. Vernichtung preisgab, das Vaterland vor ihm zu retten.
  24461. Wie jämmerlich zwergenhaft erscheinen dagegen unsere
  24462. deutschen Auch-Staatsmänner, und wie muß einen der Ekel
  24463. würgen, wenn diese Nullen mit ungezogenster Eingebildetheit sich unterstehen, den tausendmal Größeren zu kritisieren; und wie schmerzhaft ist es, zu denken, daß dies in einem
  24464. Lande geschieht, das vor kaum einem halben Jahrhundert
  24465. noch einen Bismarck seinen Führer nennen durfte! –
  24466. Mit dieser Einstellung des Bürgertums und Schonung
  24467. des Marxismus war aber 1923 das Schicksal jedes aktiven
  24468. Ruhrwiderstandes von vornherein entschieden. Gegen
  24469. Frankreich kämpfen zu wollen mit dem Todfeind in den
  24470. eigenen Reihen, war heller Blödsinn. Was man dann noch
  24471. machte, konnte höchstens Spiegelfechterei sein, aufgeführt,
  24472. um das nationalistische Element in Deutschland etwas zu
  24473. befriedigen, die „kochende Volksseele“ zu beruhigen oder
  24474. Nicht Waffen, sondern der Wille entscheidend
  24475. 775
  24476. in Wirklichkeit zu düpieren. Hätten sie ernstlich an das geglaubt, was sie taten, so hätten sie doch erkennen müssen,
  24477. daß die Stärke eines Volkes in erster Linie nicht in seinen
  24478. Waffen, sondern in seinem Willen liegt, und daß, ehe man
  24479. äußere Feinde besiegt, erst der Feind im eigenen Innern
  24480. vernichtet werden muß; sonst wehe, wenn nicht der Sieg
  24481. schon am ersten Tage den Kampf belohnt! Sowie auch nur
  24482. der Schatten einer Niederlage über ein im Innern nicht
  24483. von Feinden freies Volk streicht, wird dessen Widerstandskraft zerbrechen und der Gegner endgültig Sieger werden.
  24484. Das konnte man damals schon im Frühjahr 1923 voraussagen. Man rede durchaus nicht von der Fraglichkeit eines
  24485. militärischen Erfolges gegen Frankreich! Denn wenn das
  24486. Ergebnis des deutschen Handelns gegenüber dem Ruhreinfall der Franzosen nur die Vernichtung des Marxismus
  24487. im Innern gewesen wäre, so würde schon damit der Erfolg auf unserer Seite gewesen sein. Ein Deutschland, von
  24488. diesen Todfeinden seines Daseins und seiner Zukunft erlöst, besäße Kräfte, die keine Welt mehr abzuwürgen vermöchte. A n d e m T a g e , d a i n D e u t s c h l a n d d e r
  24489. Marxismus zerbrochen wird, brechen in
  24490. W a h r h e i t f ü r e w i g u n s e r e F e s s e l n . Denn niemals sind wir in unserer Geschichte durch die Kraft unserer
  24491. Gegner besiegt worden, sondern immer nur durch unsere eigenen Laster und durch die Feinde in unserem eigenen Lager.
  24492. Da die deutsche Staatsleitung sich damals zu einer solchen heroischen Tat nicht aufzuraffen vermochte, hätte sie
  24493. sinngemäß eigentlich nur mehr den ersten Weg gehen können, nämlich den, nun überhaupt nichts zu tun, sondern die
  24494. Dinge laufen zu lassen, wie sie eben liefen.
  24495. Allein in großer Stunde hat der Himmel dem deutschen
  24496. Volk auch einen großen Mann geschenkt, Herrn Cuno. Er
  24497. war nicht eigentlich Staatsmann oder Politiker von Beruf
  24498. und noch viel weniger natürlich von Geburt, sondern er
  24499. stellte so eine Art politischen Zugeher dar, den man bloß
  24500. für die Erledigung bestimmter Aufgaben brauchte; sonst
  24501. war er eigentlich mehr in Geschäften bewandert. Ein Fluch
  24502. für Deutschland deshalb, weil dieser politisierende Kauf-
  24503. 776
  24504. Cunos Weg
  24505. mann nun auch die Politik als wirtschaftliches Unternehmen ansah und demgemäß sein Handeln einrichtete.
  24506. „Frankreich besetzt das Ruhrgebiet; was ist im Ruhrgebiet? Kohle. Also besetzt Frankreich das Ruhrgebiet
  24507. wegen der Kohle?“ Was war für Herrn Cuno da natürlicher als der Gedanke, nun zu streiken, damit die Franzosen keine Kohle bekommen, worauf sie dann, nach der
  24508. Meinung des Herrn Cuno, sicher eines Tages das Ruhrgebiet
  24509. infolge der Unrentabilität des Unternehmens wieder räumen würden. So ungefähr verlief der Gedankengang dieses
  24510. „bedeutenden“, „nationalen“ „Staatsmannes“, den man zu
  24511. Stuttgart und an anderen Orten zu „seinem Volk“ reden
  24512. ließ und den dieses Volk ganz glückselig bestaunte.
  24513. Zum Streik brauchte man aber natürlich auch die Marxisten, denn in erster Linie mußten ja die Arbeiter streiken.
  24514. Also war es notwendig, den Arbeiter (und der ist in dem
  24515. Gehirn eines solchen bürgerlichen Staatsmannes immer
  24516. gleichbedeutend mit dem Marxisten) in eine Einheitsfront
  24517. mit all den anderen Deutschen zu bringen. Man muß damals wirklich das Leuchten dieser bürgerlichen parteipolitischen Schimmelkulturen angesichts einer solchen genialen
  24518. Parole gesehen haben! National und genial zugleich –
  24519. da hatten sie ja nun endlich das, was sie innerlich doch
  24520. die ganze Zeit suchten! Die Brücke zum Marxismus war
  24521. gefunden, und dem nationalen Schwindler war es jetzt ermöglicht, mit „teutscher“ Miene und nationalen Phrasen
  24522. dem internationalen Landesverräter die biedere Hand hinzustrecken. Und dieser schlug schleunigst ein. Denn so wie
  24523. Cuno zu seiner „Einheitsfront“ die marxistischen Führer
  24524. brauchte, so notwendig brauchten aber die marxistischen
  24525. Führer das Cunosche Geld. Damit war dann beiden Teilen
  24526. geholfen. Cuno erhielt seine Einheitsfront, gebildet aus
  24527. nationalen Schwätzern und antinationalen Gaunern, und
  24528. die internationalen Betrüge konnten bei staatlicher Bezahlung ihrer erhabensten Kampfesmission dienen, d.h. die
  24529. nationale Wirtschaft zerstören, und zwar dieses Mal sogar
  24530. auf Staatskosten. Ein unsterblicher Gedanke, durch einen
  24531. bezahlten Generalstreik eine Nation zu erretten, auf jeden
  24532. Die „Einheitsfront“
  24533. 777
  24534. Fall aber die Parole, in die selbst der gleichgültigste Taugenichts doch mit voller Begeisterung einstimmen kann.
  24535. Daß man ein Volk nicht durch Beten frei
  24536. macht, weiß man im allgemeinen. Ob man
  24537. es aber nicht doch vielleicht frei zu faulenzen vermag, das mußte erst noch geschichtlich erprobt werden. Hätte Herr
  24538. Cuno damals, statt zum bezahlten Generalstreik aufzufordern und diesen damit als
  24539. die Grundlage der „Einheitsfront“ aufzustellen, von jedem Deutschen nur zwei Stunden mehr Arbeit verlangt, dann würde der
  24540. Schwindel dieser „Einheitsfront“ sich am
  24541. dritten Tage von selbst erledigt haben.
  24542. Völker befreit man nicht durch Nichtstun,
  24543. sondern durch Opfer.
  24544. Allerdings ließ sich dieser sogenannte passive Widerstand an sich nicht lange halten. Denn nur ein vollkommen
  24545. kriegsfremder Mensch konnte sich einbilden, okkupierende
  24546. Armeen mit so lächerlichen Mitteln verscheuchen zu können. Das allein hätte aber doch der Sinn einer Aktion sein
  24547. können, deren Kosten in die Milliarden gingen, und die
  24548. wesentlich mithalf, die nationale Währung bis in den Grund
  24549. hinein zu zerstören.
  24550. Natürlich konnten sich die Franzosen mit einer gewissen
  24551. inneren Beruhigung in dem Augenblick im Ruhrgebiet
  24552. häuslich einrichten, in dem sie den Widerstand sich solcher
  24553. Mittel bedienen sahen. Sie hatten ja gerade durch uns selbst
  24554. die besten Rezepte in der Hand, wie man eine störrische
  24555. Zivilbevölkerung zur Raison bringt, wenn in ihrem Benehmen eine ernstliche Gefährdung der Okkupationsbehörden liegt. Wie blitzschnell hatten wir doch neun Jahre vorher die belgischen Franktireurbanden zu Paaren getrieben und der Zivilbevölkerung den Ernst der Lage klargemacht, als unter ihrer Tätigkeit die deutschen Armeen Gefahr liefen, ernstlich Schaden zu erleiden. Sowie der passive
  24556. Ruhrwiderstand Frankreich wirklich gefährlich geworden
  24557. wäre, hätte die Besatzungstruppe im Verlaufe von noch
  24558. 778
  24559. Der passive Widerstand
  24560. nicht einmal acht Tagen in spielender Leichtigkeit diesem
  24561. ganzen kindlichen Unfug ein grausames Ende bereitet.
  24562. Denn das ist immer die letzte Frage: Was will man tun,
  24563. wenn einem Gegner der passive Widerstand zum Schluß
  24564. wirklich auf die Nerven geht und er nun den Kampf
  24565. dagegen mit blutiger Brachialgewalt aufnimmt? Ist man
  24566. dann entschlossen, weiter Widerstand zu leisten? Wenn ja,
  24567. muß man wohl oder übel die schwersten, blutigsten Verfolgungen auf sich nehmen. Damit aber seht man dort, wo
  24568. man auch beim aktiven Widerstand steht – nämlich vor
  24569. dem Kampf. Daher hat jeder sogenannte passive Widerstand nur dann einen inneren Sinn, wenn hinter ihm die
  24570. Entschlossenheit wartet, nötigenfalls im offenen Kampf
  24571. oder im verdeckten Kleinkrieg diesen Widerstand fortzusetzen. Im allgemeinen wird jedes solche Ringen an die
  24572. Überzeugung eines möglichen Erfolges gebunden sein. Sobald eine belagerte Festung, die vom Feinde hart berannt
  24573. wird, die letzte Hoffnung auf Entsatz aufzugeben gezwungen ist, gibt sie sich praktisch damit selbst auf, besonders
  24574. dann, wenn in einem solchen Fall den Verteidiger statt des
  24575. wahrscheinlichen Todes noch das sichere Leben lockt. Man
  24576. raube der Besatzung einer umschlossenen Burg den Glauben an die mögliche Befreiung, und alle Kräfte der Verteidigung werden damit jäh zusammenbrechen.
  24577. Deshalb hatte auch ein passiver Widerstand an der Ruhr
  24578. unter Hinblick auf die letzten Konsequenzen, die er mit
  24579. sich bringen konnte und mußte, wenn er wirklich erfolgreich sein sollte, nur dann einen Sinn, wenn sich hinter ihm
  24580. eine aktive Front aufbaute. Dann allerdings hätte man Unermeßliches aus unserem Volke zu holen vermocht. Würde
  24581. jeder dieser Westfalen gewußt haben, daß die Heimat eine
  24582. Armee von achtzig oder hundert Divisionen aufstellt, die
  24583. Franzosen wären auf Dornen getreten. Für den Erfolg
  24584. aber sind immer mehr mutige Männer bereit, sich zu opfern,
  24585. als für eine ersichtliche Zwecklosigkeit.
  24586. Es war ein klassischer Fall, der uns Nationalsozialisten
  24587. zwang, gegen eine sogenannte nationale Parole schärfstens
  24588. Stellung zu nehmen. Und wir taten dies auch. Ich wurde
  24589. Stellungnahme der Nationalsozialisten
  24590. 779
  24591. in diesen Monaten nicht wenig angegriffen von Menschen,
  24592. deren ganze nationale Gesinnung nur eine Mischung von
  24593. Dummheit und äußerem Schein war, die alle nur mitschrien, weil sie dem angenehmen Kitzel erlagen, nun plötzlich ohne Gefahr auch national tun zu können. Ich habe
  24594. diese jammervollste aller Einheitsfronten als eine der
  24595. lächerlichsten Erscheinungen angesehen, und die Geschichte
  24596. gab mir recht.
  24597. Sowie die Gewerkschaften ihre Kassen mit den Cunoschen Geldern annähernd aufgefüllt hatten, und der passive
  24598. Widerstand vor die Entscheidung kam, aus faulenzender
  24599. Abwehr zum aktiven Angriff überzugehen, brachen die
  24600. roten Hyänen augenblicklich aus der nationalen Schafherde
  24601. aus und wurden wieder zu dem, was sie immer waren.
  24602. Sang- und klanglos zog Herr Cuno zurück zu seinen Schiffen, Deutschland aber war um eine Erfahrung reicher und
  24603. um eine große Hoffnung ärmer geworden.
  24604. Bis zum späten Hochsommer hatten viele Offiziere, und
  24605. es waren sicher nicht die schlechtesten, innerlich an eine
  24606. solch schmähliche Entwicklung nicht geglaubt. Sie alle hatten gehofft, daß, wenn auch nicht offen, so doch im stillen,
  24607. die Vorbereitungen getroffen würden, um diesen frechsten
  24608. Einfall Frankreichs zu einem Wendepunkt der deutschen
  24609. Geschichte werden zu lassen. Auch in unseren Reihen gab
  24610. es viele, die wenigstens auf das Reichsheer ihr Vertrauen
  24611. setzten. Und diese Überzeugung war so lebendig, daß sie
  24612. das Handeln und besonders aber die Ausbildung der zahllosen jungen Leute maßgebendst bestimmte.
  24613. Als aber der schmähliche Zusammenbruch eintrat und
  24614. man nach Hinopferung von Milliarden an Vermögen und
  24615. von vielen Tausenden von jungen Deutschen – die dumm
  24616. genug gewesen waren, die Versprechungen der Führer des
  24617. Reiches ernst zu nehmen – in so niederschmetternd
  24618. schmachvoller Weise kapitulierte, da brannte die Empörung
  24619. gegen eine solche Art des Verratens unseres unglücklichen
  24620. Volkes lichterloh auf. In Millionen von Köpfen stand damals plötzlich hell und klar die Überzeugung, daß nur eine
  24621. 780
  24622. Der November 1923
  24623. radikale Beseitigung des ganzen herrschenden Systems
  24624. Deutschland würde retten können.
  24625. Nie war die Zeit reifer, ja schrie sie gebieterischer nach
  24626. einer solchen Lösung als in dem Augenblick, da auf der
  24627. einen Seite sich der nackte Vaterlandsverrat schamlos offenbarte, während auf der anderen ein Volk wirtschaftlich dem
  24628. langsamen Hungertode ausgeliefert war. Da der Staat
  24629. selbst alle Gesetze von Treu und Glauben mit den Füßen
  24630. trat, die Rechte seiner Bürger verhöhnte, Millionen seiner
  24631. treuesten Söhne um ihre Opfer betrog und Millionen andere um ihre letzten Groschen bestahl, hatte er kein Recht
  24632. mehr, von seinen Angehörigen anderes als Haß zu erwarten. Und dieser Haß gegen die Verderber von Volk und
  24633. Vaterland drängte so oder so zu einer Entladung. Ich kann
  24634. an dieser Stelle nur hinweisen auf den Schlußsatz meiner
  24635. letzten Rede im großen Prozeß im Frühjahr 1924:
  24636. „Die Richter dieses Staates mögen uns ruhig ob unseres
  24637. damaligen Handelns verurteilen, die Geschichte als Göttin
  24638. einer höheren Wahrheit und eines besseren Rechtes, sie
  24639. wird dennoch dereinst dieses Urteil lächelnd zerreißen, um
  24640. uns alle freizusprechen von Schuld und Fehle.“
  24641. Sie wird aber dann auch diejenigen vor ihren Richterstuhl fordern, die heute, im Besitze der Macht, Recht und
  24642. Gesetz mit Füßen treten, die unser Volk in Not und Verderben führten und die im Unglück des Vaterlandes ihr
  24643. eigenes Ich höher schätzten als das Leben der Gesamtheit.
  24644. Ich will an dieser Stelle nicht eine Schilderung jener Ereignisse folgen lassen, die zum 8. November 1923 führten
  24645. und die ihn beschlossen. Ich will es deshalb nicht, weil ich
  24646. mir für die Zukunft nichts Nützliches davon verspreche, und
  24647. weil es vor allem zwecklos ist, Wunden aufzureißen, die
  24648. heute kaum vernarbt erscheinen; weil es überdies zwecklos
  24649. ist, über Schuld zu reden bei Menschen, die vielleicht im
  24650. tiefsten Grunde ihres Herzens doch alle mit gleicher Liebe
  24651. an ihrem Volke hingen, und die nur den gemeinsamen Weg
  24652. verfehlten oder sich nicht auf ihn verstanden.
  24653. Angesichts des großen gemeinsamen Unglücks unseres
  24654. Vaterlandes möchte ich heute auch nicht mehr diejenigen
  24655. Unsere Toten als Mahner zur Pflicht
  24656. 781
  24657. kränken und dadurch vielleicht trennen, die eines Tages in
  24658. der Zukunft doch die große Einheitsfront der im Herzen
  24659. wirklich treuen Deutschen zu bilden haben werden gegenüber der gemeinsamen Front der Feinde unseres Volkes.
  24660. Denn ich weiß, daß einst die Zeit kommen wird, da selbst
  24661. die, die uns damals feindlich gegenüberstanden, in Ehrfurcht derer gedenken werden, die für ihr deutsches Volk
  24662. den bitteren Weg des Todes gegangen sind.
  24663. Diese sechzehn Helden, denen ich den ersten Band meines
  24664. Werkes geweiht habe, will ich am Ende des zweiten den
  24665. Anhängern und Verfechtern unserer Lehre als jene Helden
  24666. vor Augen führen, die in klarstem Bewußtsein sich für uns
  24667. alle geopfert haben. Sie müssen den Wankelmütigwerdenden und den Schwachen immer wieder zur Erfüllung seiner
  24668. Pflicht zurückrufen, zu einer Pflicht, der sie selbst im besten
  24669. Glauben und bis zur letzten Konsequenz genügten. Und
  24670. unter sie will ich auch jenen Mann rechnen, der als der
  24671. Besten einer sein Leben dem Erwachen seines, unseres
  24672. Volkes gewidmet hat im Dichten und im Denken und am
  24673. Ende in der Tat:
  24674. Dietrich Eckart
  24675. Schlußwort
  24676. A m 9. November 1923, im vierten Jahre ihres Bestehens,
  24677. wurde die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei für das ganze Reichsgebiet aufgelöst und verboten. Heute,
  24678. im November 1926, steht sie wieder im gesamten Reiche
  24679. frei vor uns, stärker und innerlich fester als jemals zuvor.
  24680. Alle Verfolgungen der Bewegung und ihrer einzelnen
  24681. Führer, alle Lästerungen und Verleumdungen vermochten
  24682. ihr nichts anzuhaben. Die Richtigkeit ihrer Ideen, die Reinheit ihres Wollens, die Opferwilligkeit ihrer Anhänger
  24683. haben sie bisher aus allen Unterdrückungen kräftiger denn
  24684. je hervorgehen lassen.
  24685. Wenn sie in der Welt unserer heutigen parlamentarischen Korruption sich immer mehr auf das tiefste Wesen
  24686. ihres Kampfes besinnt und als reine Verkörperung des
  24687. Wertes von Rasse und Person sich fühlt und demgemäß
  24688. ordnet, wird sie auf Grund einer fast mathematischen Gesetzmäßigkeit dereinst in ihrem Kampfe den Sieg davontragen. Genau so wie Deutschland notwendigerweise die
  24689. ihm gebührende Stellung auf dieser Erde gewinnen muß,
  24690. wenn es nach gleichen Grundsätzen geführt und organisiert
  24691. wird.
  24692. Ein Staat, der im Zeitalter der Rassenvergiftung sich
  24693. der Pflege seiner besten rassischen Elemente widmet, muß
  24694. eines Tages zum Herrn der Erde werden.
  24695. Das mögen die Anhänger unserer Bewegung nie vergessen, wenn je die Größe der Opfer zum bangen Vergleich
  24696. mit dem möglichen Erfolg verleiten sollte.