\documentclass{arbeit} \author{Christian Merten\\[1cm] {\small Betreuung durch: Prof. Dr. Alexander Schmidt, Dr. Marius Leonhardt}} \title{Auflösung unbeschränkter Komplexe} \usepackage{tikz-cd} \usepackage{amssymb} \usepackage{hyperref} \usepackage{graphicx} %\usepackage{datetime} %\newdateformat{myformat}{\THEDAY{. }\monthname[\THEMONTH] \THEYEAR} %\newcommand{\smallbullet}{\tikz \draw (0,0) circle (1.5pt);} \renewenvironment{abstract}{ \vspace*{\fill} \begin{center}% \bfseries\abstractname \end{center}}% {\vfill} \newcommand{\com}[1]{#1^{\text{\scalebox{0.7}{\textbullet}}}} \newcommand{\K}{\mathcal{K}} %\newcommand{\colim}{\underset{\longrightarrow}{\text{colim }}} %\renewcommand{\lim}{\underset{\longleftarrow}{\text{lim }}} \renewcommand{\lim}{\varprojlim} %\newcommand{\colim}{\operatornamewithlimits{\underset{\longrightarrow}{colim}}} %\newcommand{\colim}{\varinjlim} %\DeclareMathOperator*{\colim}{co{\lim}} \makeatletter \newcommand{\colim@}[2]{% \vtop{\m@th\ialign{##\cr \hfil$#1\operator@font colim$\hfil\cr \noalign{\nointerlineskip\kern1.5\ex@}#2\cr \noalign{\nointerlineskip\kern-\ex@}\cr}}% } \newcommand{\colim}{% \mathop{\mathpalette\colim@{\rightarrowfill@\textstyle}}\nmlimits@ } \makeatother %\makeatletter %\newcommand{\underrightarrow@}[3]{% % \vtop{\m@th\ialign{##\cr % \hfil$#1\operator@font #3$\hfil\cr % \noalign{\nointerlineskip\kern1.5\ex@}#2\cr % \noalign{\nointerlineskip\kern-\ex@}\cr}}% %} %\newcommand{\underrightarrow}[1]{% % \mathop{\mathpalette\underrightarrow@{\rightarrowfill@\textstyle}}\nmlimits@ %} %\makeatother \newcommand{\rightfinal}[1]{\underrightarrow{#1}} \newcommand{\leftfinal}[1]{\underleftarrow{#1}} \begin{document} \begin{titlepage} \begin{center} \vspace*{4cm} \textsc{Bachelorarbeit} \\[1cm] { \LARGE \textbf{Auflösung unbeschränkter Komplexe} } \vspace{2cm} { \large \emph{Christian Merten} } { \vspace{1cm} Heidelberg, 2. Mai 2022 } \vfill \small \textsc{Betreuung durch}\\[5mm] \begin{tabular}{c} \emph{Prof. Dr. Alexander Schmidt} \\ \emph{Dr. Marius Leonhardt} \end{tabular} \end{center} \end{titlepage} \clearpage \selectlanguage{german} \pagenumbering{gobble} \begin{abstract} Wir geben eine Einführung in die Konstruktion von derivierten Kategorien und abgeleiteten Funktoren. Danach konstruieren wir verschiedene Auflösungen unbeschränkter Komplexe von Moduln über einem Ring und wenden dies letztendlich an, um die Existenz der abgeleiteten Funktoren von Hom und Tensorprodukt zu zeigen und das klassische Adjunktionsresultat auf die abgeleiteten Funktoren zu übertragen. \end{abstract} \selectlanguage{english} \begin{abstract} We give an introduction to the construction of derived categories and derived functors. Then we construct various resolutions of unbounded complexes of modules over a ring, which we finally apply to show the existence of the derived functors of Hom and tensorproduct and to transfer the classical adjunction to the derived functors. \end{abstract} \selectlanguage{german} \clearpage \tableofcontents \newpage \pagenumbering{arabic} \section{Einleitung} %Aus der kommutativen Algebra ist für einen kommutativen Ring $A$ und $A$-Moduln %$M, N, P$ die Adjunktion %\[ %\text{Hom}_A(M \otimes_A N, P) = \text{Hom}_A(M, \text{Hom}_A(N, P)) %\] bekannt. In der klassischen homologischen Algebra definiert man außerdem Aus der kommutativen Algebra ist für einen kommutativen Ring $A$ und einen $A$-Modul $N$ die Adjunktion \[ - \otimes_A N \dashv \operatorname{Hom}_A(N, -) \] bekannt. In der klassischen homologischen Algebra definiert man die Funktoren $\operatorname{Ext}_A^{i}(N, -)$ und $\operatorname{Tor}_i^{A}(-, N)$ als Ableitungen der Funktoren $\operatorname{Hom}_A(N, -)$ und $- \otimes_A N$. Nun stellt sich die Frage, ob zwischen diesen ein analoges Adjunktionsresultat gilt. Die Antwort ist nein, denn angenommen $\operatorname{Ext}_A^{i}(N, -)$ ist rechtsadjungiert, dann folgt, dass $\operatorname{Ext}_A^{i}(N, -)$ linksexakt ist. Die exakte Folge \[ \begin{tikzcd} 0 \arrow{r} & \Z \arrow{r}{\cdot 2} & \Z \arrow{r} & \Z / 2 \Z \arrow{r} & 0 \end{tikzcd} \] in $\Z$-Mod liefert die exakte Folge \[ \begin{tikzcd} \underbrace{\operatorname{Ext}^{0}_{\Z}(\Z / 2\Z, \Z)}_{= 0} \arrow{r} & \underbrace{\operatorname{Ext}^{0}_{\Z}(\Z / 2\Z, \Z / 2 \Z)}_{\neq 0} \arrow{r} & \operatorname{Ext}^{1}_{\Z}(\Z / 2 \Z, \Z) \arrow{r} & \operatorname{Ext}^{1}_{\Z}(\Z / 2 \Z, \Z) \end{tikzcd} .\] Aber $\operatorname{Ext}_{\Z}^{0}(\Z / 2 \Z, \Z / 2 \Z) = \operatorname{Hom}_{\Z}(\Z / 2 \Z, \Z / 2 \Z) \neq 0$ und $\operatorname{Ext}_{\Z}^{0}(\Z / 2 \Z, \Z) = \operatorname{Hom}_{\Z}(\Z / 2 \Z, \Z) = 0$, also ist $\operatorname{Ext}_{\Z}^{1}(\Z / 2 \Z, \Z) \to \operatorname{Ext}^{1}_{\Z}(\Z / 2 \Z, \Z)$ nicht injektiv. Es liegt also nahe, dass der klassische Ableitungsbegriff unvollständig ist. Im \ref{sec:derived-cat}. Abschnitt wird deshalb ein allgemeinerer Ableitungsbegriff dargestellt. Um diesen zu finden, betrachtet man zunächst die Bildung von klassischen Ableitungen. %Konstruktion eines neuen Ableitungsbegriffs führt zum Begriff der derivierten Kategorie: %Sei $\mathcal{A}$ eine abelsche Kategorie und sei $\mathcal{K}(\mathcal{A})$ die Homotopiekategorie %von $\mathcal{A}$, das heißt die Kategorie, deren Objekte Komplexe aus $\mathcal{A}$ und %deren Morphismen Homotopieäquivalenzklassen von Komplexhomomorphismen sind. Dazu seien $\mathcal{A}, \mathcal{B}$ abelsche Kategorien und $\mathcal{A}$ habe genügend viele Injektive. Sei $F\colon \mathcal{A} \to \mathcal{B}$ ein additiver und linksexakter Funktor und $X \in \mathcal{A}$. Dann existiert eine injektive Auflösung von $X$, also ein Komplex $\com{I}$ in $\mathcal{A}$ mit injektiven Objekten, sodass \[ \begin{tikzcd} 0 \arrow{r} & X \arrow{r} & I^{0} \arrow{r} & I^{1} \arrow{r} & \cdots \end{tikzcd} \] exakt ist oder, äquivalent dazu, dass die vertikalen Morphismen in \begin{equation} \begin{tikzcd} \cdots \arrow{r} & 0 \arrow{r} \arrow{d} & X \arrow{r} \arrow{d} & 0 \arrow{r} \arrow{d} & \cdots \\ \cdots \arrow{r} & 0 \arrow{r} & I^{0} \arrow{r} & I^{1} \arrow{r} & \cdots \label{eq:resolution} \end{tikzcd} \end{equation} einen Quasiisomorphismus bilden, das heißt ein Komplexhomomorphismus, der Isomorphismen auf den Kohomologiegruppen induziert. Die Ableitungen von $F$ bei $X$ sind nun die Kohomologiegruppen des Komplexes $F(\com{I})$. Man zeigt dann aufwendig, dass dieser Prozess wohldefiniert ist, das heißt insbesondere nicht von der Wahl der injektiven Auflösung von $X$ abhängt. Anstatt den abgeleiteten Funktor von $F$ auf $\mathcal{A}$ zu konstruieren, definiert man nun die Ableitung auf einer Komplexkategorie von $\mathcal{A}$, das heißt einer Kategorie, deren Objekte Komplexe mit Objekten aus $\mathcal{A}$ sind. Bezeichne mit $X[0]$ den oberen Komplex in \eqref{eq:resolution}. Dann ist es natürlich zu fordern, dass die Ableitung von $F$ bei $X[0]$ bis auf Isomorphie mit der Ableitung von $F$ bei $\com{I}$ und bei allen weiteren injektiven Auflösungen von $X$ übereinstimmt. Dies führt zu der Idee, Objekte (und allgemeiner Komplexe) auf kategorieller Ebene mit ihren Auflösungen zu identifizieren, also eine geeignete Kategorie von Komplexen zu finden, in der quasiisomorphe Komplexe bereits isomorph sind. Dazu kann man zunächst zur Kategorie $\mathcal{K}(\mathcal{A})$ übergehen, deren Objekte Komplexe aus $\mathcal{A}$ und deren Morphismen Homotopieäquivalenzklassen von Komplexhomomorphismen sind. Allerdings ist ein Quasiisomorphismus im Allgemeinen keine Homotopieäquivalenz. Deshalb konstruiert man eine weitere Kategorie $\mathcal{D}(\mathcal{A})$, die derivierte Kategorie von $\mathcal{A}$, mit den Objekten von $\mathcal{K}(\mathcal{A})$, wobei alle Quasiisomorphismen in $\mathcal{K}(\mathcal{A})$ Isomorphismen in $\mathcal{D}(\mathcal{A})$ induzieren. Man erhält einen kanonischen Funktor $Q_{\mathcal{A}}\colon \mathcal{K}(\mathcal{A}) \to \mathcal{D}(\mathcal{A})$. Die (Rechts-)Ableitung von $F$ ist nun (falls existent) ein Funktor $\text{R}F\colon \mathcal{D}(\mathcal{A}) \to \mathcal{D}(\mathcal{B})$ mit einer natürlichen Transformation $\xi\colon Q_{\mathcal{B}} \circ F \to \text{R}F \circ Q_{\mathcal{A}}$, sodass eine gewisse universelle Eigenschaft erfüllt ist. Im Allgemeinen ist die Existenz von $\text{R}F$ eine schwierige Frage, in der klassischen Situation existiert $\text{R}F$ jedoch zumindest auf der Unterkategorie $\mathcal{D}^{+}(\mathcal{A})$ der nach unten beschränkten Komplexe und die Kohomologiegruppen $H^{i}\text{R}F(X[0])$ stimmen mit den klassischen Rechtsableitungen $\text{R}^{i}F(X)$ überein. Vom klassischen Standpunkt erwartungsgemäß, induziert die natürliche Transformation $\xi$ auf der Klasse der nach unten beschränkten Komplexe mit injektiven Objekten Isomorphismen, das heißt $F$ stimmt mit seiner Ableitung $\text{R}F$ auf diesen Komplexen überein. Dieser neue Ableitungsbegriff erlaubt auf natürliche Weise auch Funktoren\footnote{Unter Voraussetzung einer schwachen Bedingung an $F$, die beispielsweise erfüllt ist, wenn $F$ von einem additiven Funktor $\mathcal{A} \to \mathcal{B}$ induziert ist.} $F\colon \mathcal{K}(\mathcal{A}) \to \mathcal{K}(\mathcal{B})$ zuzulassen. Analog zur klassischen Theorie ist dann die Existenz der Ableitung von $F$ gesichert durch: \begin{enumerate}[(1)] \item eine Unterkategorie $\mathcal{J}$ von $\mathcal{K}(\mathcal{A})$ für die $F$ Exaktheit erhält, und \item für jeden Komplex einen Quasiisomorphismus in einen Komplex aus $\mathcal{J}$. \end{enumerate} In diesem Fall induziert $\xi$ auf den Komplexen aus $\mathcal{J}$ Isomorphismen, das heißt Ableitungen berechnen sich, analog zur klassischen Situation, durch Auflösungen durch Komplexe aus $\mathcal{J}$. Besonders die zweite Bedingung ist für beliebige abelsche Kategorien nur sehr schwer zu erfüllen und hängt durch $\mathcal{J}$ von dem konkreten Funktor $F$ ab. Spaltenstein hat das in seiner Arbeit ,,Resolution of unbounded complexes`` \cite{spaltenstein} für zahlreiche Funktoren unter wenigen Voraussetzungen an die beteiligten Kategorien gelöst. Die vorliegende Arbeit stellt im \ref{sec:resolutions}. Abschnitt sein Argument dar, um dies im \ref{sec:application}. Abschnitt auf den Homfunktor und das Tensorprodukt anzuwenden. Dafür erweitern wir die Funktoren $\operatorname{Hom}_A(N, -)$ und $- \otimes_A N$ in natürlicher Weise zu Funktoren $\mathcal{K}(A\text{-Mod}) \to \mathcal{K}(\mathcal{A}b)$ bzw $\mathcal{K}(A\text{-Mod}) \to \mathcal{K}(A\text{-Mod})$, sodass die Erweiterungen, angewendet auf eingradige Komplexe, mit den ursprünglichen Funktoren übereinstimmen. Der naive Ansatz $\operatorname{Hom}_A(N, -)$ bzw. $\operatorname{Hom}_A(-, N)$ in beiden Variablen zu erweitern, indem für Komplexe $\com{M}, \com{N} \in \mathcal{K}(A\text{-Mod})$ gradweise $\operatorname{Hom}_A(M^{i}, N^{i})$ gebildet wird, ist nicht hinreichend, denn dieser neue Komplex enthielte keine Informationen über die Komplexhomomorphismen von $\com{M}$ nach $\com{N}$. %Die Idee %der derivierten Kategorie kommt von der Beobachtung, dass vor allem die Kohomologiegruppen von %Komplexen von Interessse sind. Allerdings ist ein Quasiisomorphismus %$f\colon \com{X} \to \com{Y}$ zwischen Komplexen $\com{X}, \com{Y} $ in $\mathcal{A}$, %also ein Komplexhomomorphismus, der Isomorphismen zwischen den Kohomologiegruppen induziert, %im Allgemeinen keine Homotopieäquivalenz, das heißt kein Isomorphismus in $\mathcal{K}(\mathcal{A})$. %Diesen Defekt behebt die deriverte Kategorie $\mathcal{D}(\mathcal{A})$, die die selben Objekte %hat wie $\mathcal{K}(\mathcal{A})$ und in der alle Quasiisomorphismen zu Isomorphismen erklärt %werden. Bezeichne im Folgenden %$Q_{\mathcal{A}}\colon \mathcal{K}(\mathcal{A}) \to \mathcal{D}(\mathcal{A})$ den kanonischen Funktor. %Sei nun $\mathcal{B}$ eine weitere abelsche Kategorie und $F\colon \mathcal{A} \to \mathcal{B}$ %ein additiver Funktor. Dann definiert man einen Funktor %$\text{R}F\colon \mathcal{D}(\mathcal{A}) \to \mathcal{D}(\mathcal{B})$ %mit einer natürlichen Transformation %$\xi\colon Q_{\mathcal{B}} \circ F \to \text{R}F \circ Q_{\mathcal{A}}$. Für ein Objekt %$X \in \mathcal{A}$ bezeichne $X[0] \in \mathcal{K}(\mathcal{A})$ den Komplex der im Grad $0$ $X$ %zu stehen hat und in allen anderen Graden $0$ ist. %Falls $F$ linksexakt ist, %existiert $\text{R}F$ und die Kohomologiegruppen $H^{i}\text{R}F(X[0]) $ entsprechen %den klassischen Rechtsableitungen $\text{R}^{i}F(X)$. Allgemeiner definiert man $\text{R}F$ %für bestimmte Funktoren $F\colon \mathcal{K}(\mathcal{A}) \to \mathcal{K}(\mathcal{A})$. Das %bedeutet der neue Ableitungsbegriff ist eine echte Verallgemeinerung des alten. %Um die abgeleitete Hom-Tensor Adjunktion zu formulieren, werden die Funktoren $\operatorname{Hom}_A(N, -)$ %und $- \otimes_A N$ in natürlicher Weise zu Funktoren %$\mathcal{K}(A\text{-Mod}) \to \mathcal{K}(A\text{-Mod})$ erweitert, sodass %die Erweiterungen, angewendet auf eingradige Komplexe, mit den ursprünglichen Funktoren %übereinstimmen. Der so (in beiden Variablen) funktoriell definierte Komplex %$\com{\operatorname{Hom}}(\com{M}, \com{N})$ für %Komplexe $\com{M}, \com{N} \in \mathcal{K}(A\text{-Mod})$ soll dabei Informationen über die %Morphismen in $\mathcal{K}(A\text{-Mod})$ von $\com{M} $ nach $\com{N} $ enthalten. Man definiert %also für $n \in \Z$ Anstatt dessen definiert man für $n \in \Z$ und Komplexe $\com{M}, \com{N} \in \mathcal{K}(\mathcal{A})$: \[ \operatorname{Hom}^{n}(\com{M}, \com{N}) = \prod_{i \in \Z} \operatorname{Hom}_A(M^{i}, N^{i+n}) \] mit Differential \[ d^{n}(f) = d_{\com{N} } f - (-1)^{n} f d_{\com{M}} .\] Dann erhält man den Zusammenhang \[ H^{0}\com{\operatorname{Hom}}(\com{M}, \com{N}) = \operatorname{Mor}_{\mathcal{K}}(\com{M}, \com{N}) .\] Für $\com{M}, \com{N} \in \mathcal{K}(A\text{-Mod})$ definiert man nun $\com{M} \otimes_A \com{N}$ so, dass man, analog zur klassischen Adjunktion, für $\com{P} \in \mathcal{K}(A\text{-Mod})$ einen natürlichen Isomorphismus \[ \com{\operatorname{Hom}}(\com{M} \otimes_A \com{N}, \com{P}) = \com{\operatorname{Hom}}(\com{M}, \com{\operatorname{Hom}}(\com{N}, \com{P})) \] erhält. Das Ziel ist nun die Funktoren $\com{\operatorname{Hom}}(\com{N}, -)$, $\com{\operatorname{Hom}}(-, \com{N})$ und $- \otimes_A \com{N} $ abzuleiten. Dafür suchen wir jeweils eine Klasse $\mathcal{J}$ von Komplexen, die die Bedingungen (1) und (2) für den entsprechenden Funktor erfüllt. %Analog zur klassischen Theorie, wird dafür eine Klasse von Objekten $\mathcal{J}$ benötigt, auf der %die Funktoren Exaktheit von Komplexen erhalten. Damit außerdem die (Rechts-)Ableitung auf ganz %$\mathcal{D}(\mathcal{A})$ definiert ist, muss für jeden Komplex %$\com{M} \in \mathcal{K}(\mathcal{A})$ eine (Rechts-)Auflösung, das heißt ein Quasiisomorphismus %in ein Objekt aus $\mathcal{J}$, existieren. %Dann lassen sich die abgeleiteten Funktoren leicht berechnen, da auf den Objekte aus $\mathcal{J}$ %die natürliche Transformation $\xi$ Isomorphismen induziert. % %Die Schwierigkeit liegt nun darin, solche Auflösungen zu finden. Spaltenstein hat das in seiner %Arbeit ,,Resolution of unbounded complexes`` für zahlreiche Funktoren unter wenigen Voraussetzungen %an die beteiligten Kategorien gelöst. Die vorliegende Arbeit stellt sein Argument dar und wendet %dies auf die obigen Funktoren an, um die gewünschte Adjunktion zu erhalten. Für $\com{\operatorname{Hom}}(\com{N}, -)$ definieren wir dafür \begin{definition*} Ein Komplex $\com{I} \in \mathcal{K}(\mathcal{A})$ heißt \emph{K-injektiv}, wenn der Funktor $\com{\operatorname{Hom}}(-, \com{I})$ Exaktheit von Komplexen erhält. Eine \emph{K-injektive Auflösung} eines Komplexes $\com{M} \in \mathcal{K}(\mathcal{A})$ ist ein Quasiisomorphismus $\com{M} \to \com{I} $ mit einem K-injektiven Komplex $\com{I}$. \end{definition*} Sei nun $\mathcal{J}$ die Klasse der K-injektiven Komplexe. Es wird schnell klar, dass ein exakter K-injektiver Komplex in $\mathcal{K}(\mathcal{A})$ bereits der Nullkomplex ist und damit die Bedingung (1) erfüllt ist. Der schwierige Teil ist Bedingung (2) nachzuweisen. Zunächst bemerken wir, dass nach unten beschränkte Komplexe mit injektiven Objekten K-injektiv sind. Klassisch ist bekannt, dass jeder nach unten beschränkte Komplex eine Auflösung durch einen solchen Komplex hat. Für einen beliebigen (unbeschränkten) Komplex $\com{M} \in \mathcal{K}(\mathcal{A})$ funktioniert die klassische, induktive Konstruktion jedoch nicht. Wir konstruieren deshalb geeignete $\mathcal{J}$-spezielle inverse Systeme. Das sind abzählbare inverse Systeme $(\com{I}_n)_{n \in \N}$ in $\mathcal{K}(\mathcal{A})$, wobei für $n > 1$ die kurze Folge \[ \begin{tikzcd} 0 \arrow{r} & \text{ker } p_n \arrow{r} & \com{I}_n \arrow{r}{p_n} & \com{I}_{n-1} \arrow{r} & 0 \end{tikzcd} \] exakt ist, stufenweise zerfällt und $\text{ker } p_n$ in $\mathcal{J}$ liegt. Im ersten Schritt zeigen wir nun, dass $\mathcal{J}$ abgeschlossen unter $\mathcal{J}$-speziellen inversen Limites ist, das heißt, dass die Limites von solchen Systemen in $\mathcal{J}$ liegen. Die Idee im zweiten Schritt ist nun, für $n \in \N$ den unbeschränkten Komplex $\com{M}$ so abzuschneiden, dass die Kohomologiegruppen vom Grad $\ge -n$ erhalten bleiben. So erhalten wir ein System $(\tau^{\ge -n} \com{M})_{n \in \N}$ der abgeschnittenen Komplexe von $\com{M}$. Induktiv erhalten wir dann ein $\mathcal{J}$-spezielles inverses System $(\com{I}_n)_{n \in \N}$ und ein inverses System von Quasiisomorphismen $f_n\colon \tau^{\ge -n} \com{M} \to \com{I}_n$, indem wir in jedem Schritt für $n \in \N$ aus $\tau^{\ge -n} \com{M}$ und $\com{I}_{n-1}$ einen nach unten beschränkten Komplex konstruieren, der klassisch durch einen K-injektiven aufgelöst werden kann. Im Limes erhalten wir also einen K-injektiven Komplex $\com{I}$ und einen Komplexhomomorphismus $f\colon \com{M} \to \com{I}$. Da für $\mathcal{A} = A\text{-Mod}$ der inverse Limes jedoch nicht exakt ist, ist $f\colon \com{M} \to \com{I}$ a priori kein Quasiisomorphismus, obwohl $f_n$ ein solcher ist für alle $n \in \N$. Mithilfe einer Variante des Mittag-Leffler Kriteriums können wir zeigen, dass $f$ dennoch ein Quasiisomorphismus ist. Dual dazu definieren wir K-projektive Komplexe und Auflösungen und zeigen, dass jeder Komplex in $A$-Mod ebenfalls eine K-projektive Auflösung hat. Für den Funktor $- \otimes_A \com{N}$ benötigen wir dann noch eine dritte Klasse von Komplexen, die K-flachen Komplexe, die analog zu den K-Injektiven auf das Tensorprodukt angepasst definiert werden. Wir können dann zeigen, dass jeder K-projektive Komplex schon K-flach ist und erhalten so, dass jeder Komplex auch eine K-flache Auflösung besitzt. Im letzten Abschnitt wenden wir die Existenz von K-injektiven, K-projektiven und K-flachen Auflösungen an, um die Existenz der abgeleiteten Funktoren $\text{R}\com{\operatorname{Hom}}(\com{N}, -)$, $\text{R}\com{\operatorname{Hom}}(-, \com{N})$ und $- \otimes_A^{L} \com{N} $ zu zeigen. Als Korollar erhalten wir daraus die Adjunktion von $- \otimes^{L}_A \com{N}$ und $\text{R}\com{\operatorname{Hom}}(\com{N}, -)$, indem wir durch geeignetes Auflösen der beteiligten Komplexe die Situation auf die Adjunktion von $- \otimes_A \com{N}$ und $\com{\operatorname{Hom}}(\com{N}, -)$ zurückführen. \newpage \section{Derivierte Kategorien und abgeleitete Funktoren} \label{sec:derived-cat} Seien $\mathcal{A}, \mathcal{B}$ abelsche Kategorien und sei $F\colon \mathcal{A} \to \mathcal{B}$ ein additiver Funktor. Das Ziel ist es in natürlicher Weise für jedes Objekt $X \in \mathcal{A}$ einen Komplex $\text{R}F(X)$ zu definieren, dessen Kohomologiegruppen, falls $F$ linksexakt ist, mit den klassischen Rechtsableitungen von $F$ bei $X$ übereinstimmen. Allgemeiner definieren wir $\text{R}F(\com{X})$ für jeden Komplex $\com{X}$ in $\mathcal{A}$, indem wir einen Funktor $\text{R}F$ von der derivierten Kategorie $\mathcal{D}(\mathcal{A})$ von $\mathcal{A}$ in die derivierte Kategorie $\mathcal{D}(\mathcal{B})$ von $\mathcal{B}$ konstruieren. Die derivierte Kategorie $\mathcal{D}(\mathcal{A})$ erhalten wir durch Lokalisierung, analog zum gleichnamigen Vorgang in der kommutativen Algebra: Wir starten mit der Kategorie $\mathcal{K}(\mathcal{A})$, deren Objekte Komplexe in $\mathcal{A}$ und deren Morphismen Homotopieäquivalenzklassen von Komplexhomomorphismen sind. Daraus erhalten wir dann $\mathcal{D}(\mathcal{A})$ indem alle Quasiisomorphismen in $\mathcal{K}(\mathcal{A})$, das heißt Komplexhomomorphismen, die Isomorphismen auf den Kohomologiegruppen induzieren, in $\mathcal{D}(\mathcal{A})$ zu Isomorphismen erklärt werden. Dieser Lokalisierungsprozess wird im Folgenden skizziert. Die Vorgehensweise orientiert sich an Kapitel 1 von \cite{hartshorne}. \subsection{Triangulierte Kategorien} Auch wenn $\mathcal{A}$ eine abelsche Kategorie ist, sind $\mathcal{K}(\mathcal{A})$ und $\mathcal{D}(\mathcal{A})$ im Allgemeinen nicht abelsch; sie genügen jedoch einer anderen Struktur, die einer triangulierten Kategorie. \begin{definition}[Triangulierte Kategorie] Eine \emph{triangulierte Kategorie} ist eine additive Kategorie $\mathcal{T}$ mit \begin{enumerate}[(a)] \item einem additiven Kategorienautomorphismus $T\colon \mathcal{T} \to \mathcal{T}$, dem Verschiebefunktor, und \item einer Klasse von Sextupeln $(X, Y, Z, u, v, w)$, den ausgezeichneten Dreiecken von $\mathcal{T}$, wobei $X, Y, Z \in \mathcal{T}$ und $u\colon X \to Y$, $v\colon Y \to Z$, $w\colon Z \to T(X)$ Morphismen sind. \end{enumerate} Wenn $(X, Y, Z, u, v, w)$ ein ausgezeichnetes Dreieck ist, schreiben wir auch: \[ \begin{tikzcd} & Z \arrow[swap]{dl}{w} & \\ X \arrow[swap]{rr}{u} & & Y \arrow[swap]{ul}{v}. \end{tikzcd} \] Ein Morphismus von ausgezeichneten Dreiecken $(X, Y, Z, u, v, w) \to (X', Y', Z', u', v', w')$ ist ein kommutatives Diagramm \[ \begin{tikzcd} X \arrow{r}{u} \arrow{d} & Y \arrow{r}{v} \arrow{d} & Z \arrow{r}{w} \arrow{d} & T(X) \arrow{d} \\ X' \arrow{r}{u'} & Y' \arrow{r}{v'} & Z' \arrow{r}{w'} & T(X') \\ \end{tikzcd} .\] Weiter unterliegen diese Daten den folgenden Axiomen: \begin{enumerate}[(TR1), leftmargin=14mm] \item Jedes zu einem ausgezeichneten Dreieck isomorphe Sextupel $(X, Y, Z, u, v, w)$ wie oben, ist ein ausgezeichnetes Dreieck. Jeder Morphismus $u\colon X \to Y$ kann in ein ausgezeichnetes Dreieck $(X, Y, Z, u, v, w)$ eingebettet werden und das Sextupel $(X, X, 0, \text{id}_X, 0, 0)$ ist ein ausgezeichnetes Dreieck für alle $X \in \mathcal{T}$. \item $(X, Y, Z, u, v, w)$ ist genau dann ein ausgezeichnetes Dreieck, wenn $(Y, Z, T(X), v, w, -T(u))$ ein ausgezeichnetes Dreieck ist. \item Für zwei ausgezeichnete Dreiecke $(X, Y, Z, u, v, w)$ und $(X', Y', Z', u', v', w')$, und Morphismen $f\colon X \to X'$, $g\colon Y \to Y'$, die mit $u$ und $u'$ kommutieren, existiert ein nicht notwendig eindeutiger Morphismus $h\colon Z \to Z'$, sodass $(f, g, h)$ ein Morphismus von ausgezeichneten Dreiecken ist. \item Seien $(X, Y, Z', u, j, k)$, $(Y, Z, X', v, t, i)$ und $(X, Z, Y', vu, r, s)$ ausgezeichnete Dreiecke. Dann existieren Morphismen $f\colon Z' \to Y'$ und $g\colon Y' \to X'$, sodass $(Z', Y', X', f, g, T(j) i)$ ein ausgezeichnetes Dreieck ist und die zwei gestrichelten Dreiecke in \[ \begin{tikzcd} & Y' \arrow[dashed]{ddl} \arrow[dashed]{dr}{g} & \\ Z' \arrow[dashed]{ur}{f} \arrow[dashed]{d} & & \arrow{ll}{T(j)i} \arrow[swap]{ddl}{i} X' \\ X \arrow[swap]{dr}{u} \arrow{rr}{vu} & & Z \arrow[dashed]{uul} \arrow[dashed,swap]{u} \\ & Y \arrow[swap]{uul}{j} \arrow[swap]{ur}{v} & \end{tikzcd} \] kommutieren. \end{enumerate} \label{TR2} \end{definition} %\begin{bem} % Streng genommen ist die hier definierte Triangulierte Kategorie nur eine Pretriangulierte Kategorie. Für % eine vollständig triangulierte Kategorie fehlt noch das Oktaheder Axiom % (TR4 in \cite{hartshorne}), das wir im Folgenden jedoch nicht benötigen. %\end{bem} \begin{definition}[Triangulierte Unterkategorie] Sei $\mathcal{T}$ eine triangulierte Kategorie mit Verschiebefunktor $T$. Eine Unterkategorie $\mathcal{R}$ von $\mathcal{T}$ heißt \emph{triangulierte Unterkategorie}, wenn gilt \begin{enumerate}[(i)] \item für jedes Objekt $X \in \mathcal{T}$ ist $X \in \mathcal{R}$, genau dann wenn $T(X) \in \mathcal{R}$ ist, und \item falls zwei Punkte eines ausgezeichneten Dreiecks von $\mathcal{T}$ in $\mathcal{R}$ liegen, so auch der dritte. \end{enumerate} \label{def:triangulated-subcategory} \end{definition} \begin{definition}[Triangulierter Funktor] Ein additiver (kovarianter) Funktor $F\colon \mathcal{T} \to \mathcal{S}$ zwischen triangulierten Kategorien heißt \emph{trianguliert}, wenn er ausgezeichnete Dreiecke in ausgezeichnete Dreiecke überführt und mit dem Verschiebefunktor kommutiert. \end{definition} \begin{definition}[Kohomologischer Funktor] Ein additiver (kovarianter) Funktor $H\colon \mathcal{T} \to \mathcal{A}$ von einer triangulierten Kategorie in eine abelsche Kategorie heißt (kovarianter) \emph{kohomologischer Funktor}, wenn für jedes ausgezeichnete Dreieck $(X, Y, Z, u, v, w)$ von $\mathcal{T}$ die lange Folge \[ \begin{tikzcd} \cdots \arrow{r} & H(T^{i}X) \arrow{r} & H(T^{i}Y) \arrow{r} & H(T^{i}Z) \arrow{r} & H(T^{i+1}X) \arrow{r} & \cdots \end{tikzcd} \] exakt ist. Wenn $H$ ein kohomologischer Funktor ist, dann schreiben wir auch $H^{i}(X)$ für $H(T^{i}X)$ für $i \in \Z$. \end{definition} \begin{lemma} Sei $\mathcal{T}$ eine triangulierte Kategorie und $X \in \mathcal{T}$. Dann sind $\operatorname{Mor}_{\mathcal{T}}(X, -)$ und $\operatorname{Mor}_{\mathcal{T}}(-, X)$ kohomologische Funktoren. \label{hom-cohom-func} \end{lemma} \begin{proof} siehe Proposition 1.1 in \cite{hartshorne}. \end{proof} \subsection{$\mathcal{K}(\mathcal{C})$ als triangulierte Kategorie} Für eine additive Kategorie $\mathcal{C}$ sei im Folgenden $\mathcal{K}om(\mathcal{C})$ die Komplexkategorie von $\mathcal{C}$. Weiter sei $\mathcal{K}(\mathcal{C})$ die Kategorie mit den selben Objekten wie $\mathcal{K}om(\mathcal{C})$ und mit Homotopieäquivalenzklassen von Komplexhomomorphismen als Morphismen. Wir geben im Folgenden eine triangulierte Struktur auf $\mathcal{K}(\mathcal{C})$. %Um eine triangulierte Struktur %Das kanonische Beispiel für eine triangulierte Kategorie ist die Kategorie $\mathcal{K}(\mathcal{C})$ %für eine additive Kategorie $\mathcal{C}$. % %\begin{definition} % Sei $\mathcal{C}$ eine additive Kategorie. Dann ist % $\mathcal{K}(\mathcal{C})$, die Kategorie, deren Objekte % Komplexe mit Objekten aus $\mathcal{C}$ sind und % deren Morphismen Homotopieäquivalenzklassen von Komplexhomomorphismen sind. %\end{definition} %\begin{bem} In $\mathcal{K}(\mathcal{C})$ haben wir einen natürlichen Kategorienautomorphismus $T\colon \mathcal{K}(\mathcal{C}) \to \mathcal{K}(\mathcal{C})$, der durch Verschieben nach links gegeben ist, das heißt für $\com{X} \in \mathcal{K}(\mathcal{C})$ durch \begin{equation} T(\com{X})^{i} = X^{i+1} \text{ und } d_{T(\com{X})} = - d_{\com{X}} \label{eq:shift-functor} \end{equation} %\end{bem} \begin{bem}[Notation] Für $\com{X} \in \mathcal{K}(\mathcal{C})$ schreiben wir auch \[ \com{X}[n] = T^{n}(\com{X}) .\] \end{bem} Um die ausgezeichneten Dreiecke in $\mathcal{K}(\mathcal{C})$ zu erklären, benötigen wir den Abbildungskegel eines Komplexhomomorphismus: \begin{definition}[Abbildungskegel] Seien $\com{X}, \com{Y} \in \mathcal{K}om(\mathcal{C})$ zwei Komplexe und $f\colon \com{X} \to \com{Y}$ ein Komplexhomomorphismus. Dann sei der \emph{Abbildungskegel} $\com{C}_f \in \mathcal{K}om(\mathcal{C})$ definiert durch \[ C_f^{n} = X^{n+1} \oplus Y^{n} \] mit Differential \[ d_{\com{C}_f} = \begin{pmatrix} d_{\com{X}[1]} & 0 \\ f[1] & d_{\com{Y} } \end{pmatrix} .\] \label{def:mapping-cone} \end{definition} \begin{bem} \begin{enumerate}[(1)] \item In der Situation von \ref{def:mapping-cone} haben wir kanonische Morphismen $i\colon \com{Y} \to \com{C}_{f}$ und $p\colon \com{C}_{f} \to \com{X}[1]$. \item Oft wird auch die Notation $\com{C}_f = \com{X}[1] \oplus \com{Y}$ verwendet. Man beachte jedoch, dass der Abbildungskegel \emph{nicht} das Koprodukt von $\com{X}[1]$ und $\com{Y}$ ist. \end{enumerate} \end{bem} \begin{bem}[Abbildungskegel in $\mathcal{K}(\mathcal{C})$] Seien $\com{X}, \com{Y} \in \mathcal{K}om(\mathcal{C})$ und $f, g \colon \com{X} \to \com{X} $ homotope Komplexhomomorphismen. Dann sind $\com{C}_f$ und $\com{C}_g$ homotopieäquivalent, aber die Wahl der Homotopieäquivalenz ist nicht kanonisch. Also sind $\com{C}_f$ und $\com{C}_g$ nur unkanonisch isomorph in $\mathcal{K}(\mathcal{C})$. Wenn wir im Folgenden von $\com{C}_f \in \mathcal{K}(\mathcal{C})$ für ein $f\colon \com{X} \to \com{Y} $ in $\mathcal{K}(\mathcal{C})$ sprechen, ist damit ein beliebiger Vertreter der Isomorphieklasse gemeint. \end{bem} \begin{satz}[$\mathcal{K}(\mathcal{C})$ ist trianguliert] Sei $\mathcal{C}$ eine additive Kategorie. Dann ist $\mathcal{K}(\mathcal{C})$ mit den folgenden Daten trianguliert: \begin{enumerate}[(a)] \item Der Verschiebefunktor $T\colon \mathcal{K}(\mathcal{C}) \to \mathcal{K}(\mathcal{C})$ wie in \ref{eq:shift-functor}. \item Ein Sextupel $(\com{X}, \com{Y}, \com{Z}, u, v, w)$ wie in \ref{TR2} in $\mathcal{K}(\mathcal{C})$ ist genau dann ein ausgezeichnetes Dreieck, wenn es im Sinne von ausgezeichneten Dreiecken isomorph ist zu einem Sextupel der Form $(\com{X}, \com{Y}, \com{C_{f}}, f, i, p)$, wobei $f\colon \com{X} \to \com{Y} $ ein Morphismus in $\mathcal{K}(\mathcal{C})$ ist und $i\colon \com{Y} \to \com{C_{f}}$, $p\colon \com{C}_{f} \to \com{X}[1]$ die kanonischen Morphismen sind. \end{enumerate} \end{satz} \begin{proof} siehe Kapitel 1, §2 in \cite{hartshorne}. \end{proof} Sei nun $\mathcal{A}$ eine abelsche Kategorie und $\mathcal{K} = \mathcal{K}(\mathcal{A})$. \begin{lemma} Der Funktor $H\colon \mathcal{K} \to \mathcal{A}b$ der einen Komplex $\com{A}$ auf seine nullte Kohomologiegruppe abbildet, ist ein kohomologischer Funktor. \label{lemma:cohom-is-cohom-functor} \end{lemma} \begin{proof} siehe Kapitel 1, §2 in \cite{hartshorne}. \end{proof} Daraus erhalten wir insbesondere folgendes Kriterium, ob ein Komplexhomomorphismus ein Quasiisomorphismus ist: \begin{lemma}[] Seien $\com{A}, \com{B} \in \mathcal{K}$ und $f\colon \com{A} \to \com{B} $ ein Komplexhomomorphismus. Dann ist $f$ genau dann ein Quasiisomorphismus, wenn $\com{C}_f$ exakt ist. \label{mapping-cone-exact-for-qis} \end{lemma} \begin{proof} Es ist $(\com{A}, \com{B}, \com{C}_f, f, \iota, \rho)$ ein ausgezeichnetes Dreieck in $\mathcal{K}$ mit $\iota\colon \com{B} \to \com{C}_f$ und $\rho\colon \com{C}_f \to \com{A}[1]$ die natürlichen Morphismen. Also erhalten wir mit \ref{lemma:cohom-is-cohom-functor} für $i \in \Z$ eine exakte Folge \[ \begin{tikzcd} H^{i-1}(\com{C}_f) \arrow{r} & H^{i}(\com{A}) \arrow{r}{H^{i}(f)} & H^{i}(\com{B}) \arrow{r} & H^{i}(\com{C}_f) \arrow{r} & H^{i+1}(\com{A}) \arrow{r}{H^{i+1}(f)} & H^{i+1}(\com{B}) \end{tikzcd} .\] Die Exaktheit liefert nun die Äquivalenz. \end{proof} \begin{bem} Falls in der Situation von \ref{mapping-cone-exact-for-qis}, $H^{i}(f)$ ein Isomorphismus ist für $i \gg 0$ (bzw. $i \ll 0$), folgt aus der exakten Folge im Beweis, dass $H^{i}(\com{C}_f) = 0$ für $i \gg 0$ (bzw. $i \ll 0$). \label{bem:mapping-cone-h-bounded} \end{bem} \begin{korollar} Sei $\mathcal{B}$ eine weitere abelsche Kategorie und $F\colon \mathcal{K}(\mathcal{A}) \to \mathcal{K}(\mathcal{B})$ ein triangulierter Funktor. Dann erhält $F$ genau dann Exaktheit von Komplexen, wenn $F$ Quasiisomorphismen erhält. \label{kor:exactness-preserver-preserves-qis} \end{korollar} \begin{proof} ($\Rightarrow$) Seien $\com{X}, \com{Y} \in \mathcal{K}(\mathcal{A})$ und $f\colon \com{X} \to \com{Y}$ ein Quasiisomorphismus. Dann ist \[ \begin{tikzcd} \com{X} \arrow{r}{f} & \com{Y} \arrow{r} & \com{C}_f \arrow{r} & \com{X}[1] \end{tikzcd} \] ein ausgezeichnetes Dreieck in $\mathcal{K}(\mathcal{A})$, wobei $\com{C}_f$ nach \ref{mapping-cone-exact-for-qis} exakt ist. Nach Voraussetzung ist \[ \begin{tikzcd} F(\com{X}) \arrow{r}{F(f)} & F(\com{Y}) \arrow{r} & F(\com{C}_f) \arrow{r} & \com{X}[1] \end{tikzcd} \] ebenfalls ein ausgezeichnetes Dreieck und wir erhalten für $i \in \Z$ die exakte Folge: \[ \begin{tikzcd} H^{i-1}(F(\com{C}_f)) \arrow{r} & H^{i}(F(\com{X})) \arrow{r} & H^{i}(F(\com{Y})) \arrow{r} & H^{i}(F(\com{C}_f)) \end{tikzcd} .\] Die äußeren Terme sind $0$, weil $F$ Exaktheit erhält. Aus der Exaktheit der Folge, folgt damit der gewünschte Isomorphismus. ($\Leftarrow$) Sei $\com{X} \in \mathcal{K}(\mathcal{A})$ exakt. Dann ist $\com{X} \to \com{0}$ ein Quasiisomorphismus, also auch $F(\com{X}) \to F(\com{0} )$. Da $F$ additiv ist, folgt $F(\com{0}) = \com{0}$ und damit die Behauptung. \end{proof} \subsection{Lokalisierung von Kategorien} Wie anfangs erwähnt ist die derivierte Kategorie $\mathcal{D}(\mathcal{A})$ einer abelschen Kategorie $\mathcal{A}$ eine Lokaliserung von $\mathcal{K}(\mathcal{A})$. Diese funktioniert analog zum gleichnamigen Prozess in der kommutativen Algebra, was uns zu folgendem Begriff führt: \begin{definition}[Multiplikatives System] Sei $\mathcal{C}$ eine Kategorie. Eine Klasse $\mathcal{S}$ von Morphismen von $\mathcal{C}$ heißt \emph{multiplikatives System}, wenn es die folgenden Axiome erfüllt: \begin{enumerate}[(FR1), leftmargin=14mm] \item Wenn $f, g \in \mathcal{S}$, sodass $fg$ existiert, ist $fg \in \mathcal{S}$. Für alle $X \in \mathcal{C}$ ist $\text{id}_{X}\in \mathcal{S}$. \item Jedes Diagramm in $\mathcal{C}$ \[ \begin{tikzcd} & Z \arrow{d}{s} \\ X \arrow{r}{u} & Y \\ \end{tikzcd} \] mit $s \in \mathcal{S}$ kann zu einem kommutativen Diagramm \[ \begin{tikzcd} W \arrow{r}{v} \arrow{d}{t} & Z \arrow{d}{s} \\ X \arrow{r}{u} & Y \end{tikzcd} \] mit $t \in \mathcal{S}$ ergänzt werden. Analog gilt die selbe Aussage mit allen Pfeilen umgedreht. \item Für $f, g \colon X \to Y$ Morphismen in $\mathcal{C}$, sind die folgenden Bedingungen äquivalent: \begin{enumerate}[(i)] \item Es existiert ein $s\colon Y \to Y'$ in $\mathcal{S}$, sodass $sf = sg$. \item Es existiert ein $t\colon X' \to X$ in $\mathcal{S}$, sodass $ft = gt$. \end{enumerate} \end{enumerate} \label{def:mult-system} \end{definition} \begin{definition}[Lokalisierung] Seien $\mathcal{C}$ eine Kategorie und $\mathcal{S}$ eine Klasse von Morphismen in $\mathcal{C}$. Dann ist eine \emph{Lokalisierung} von $\mathcal{C}$ in Bezug auf $\mathcal{S}$ eine Kategorie $\mathcal{C}_{\mathcal{S}}$ zusammen mit einem Funktor $Q\colon \mathcal{C} \to \mathcal{C}_{\mathcal{S}}$, sodass \begin{enumerate}[(a)] \item $Q(s)$ ein Isomorphismus ist für alle $s \in \mathcal{S}$ und \item jeder Funktor $F\colon \mathcal{C} \to \mathcal{D}$, sodass $F(s)$ ein Isomorphismus ist für alle $s \in \mathcal{S}$, eindeutig über $Q$ faktorisiert. \end{enumerate} \label{def:localisation} \end{definition} \begin{bem} Falls in der Situation von \ref{def:localisation} $\mathcal{C}_{\mathcal{S}}$ existiert, dann ist diese Kategorie bis auf kanonische Kategorienäquivalenz eindeutig. \end{bem} \begin{definition} Sei $\mathcal{C}$ eine Kategorie und $\mathcal{S}$ ein multiplikatives System in $\mathcal{C}$. Dann definiere die Kategorie $\mathcal{C}_{\mathcal{S}}$ durch \begin{enumerate}[(a)] \item $ob(\mathcal{C}) = ob(\mathcal{C}_{\mathcal{S}})$. \item Für $X, Y \in \mathcal{C}$ setze $\operatorname{Mor}_{\mathcal{C}_{\mathcal{S}}}(X, Y) = \{ (f, Z, s) \mid f \colon Z \to Y, s \colon Z \to X \text{ mit } s \in \mathcal{S}\} / \sim $, wobei $(f, Z, s) \sim (f', Z', s')$ genau dann wenn ein kommutatives Diagramm \[ \begin{tikzcd} & Z \arrow[swap]{dl}{s} \arrow{dr}{f} & \\ X & W \arrow{l}{t} \arrow{u}{g} \arrow{d}{h} & Y \\ & \arrow{ul}{s'} Z' \arrow[swap]{ur}{f'} & \end{tikzcd} \] mit $t \in \mathcal{S}$ in $\mathcal{C}$ existiert. \item Für $(f, U, s) \in \operatorname{Mor}_{\mathcal{C}_{\mathcal{S}}}(X, Y)$, $(g, V, t) \in \operatorname{Mor}_{\mathcal{C}_{\mathcal{S}}}(Y, Z)$ sei die Komposition definiert durch die äußeren Morphismen des kommutativen Diagramms \[ \begin{tikzcd} & & \arrow[dashed]{dl}{r} W \arrow[dashed]{dr}{h} & & \\ & \arrow{dl}{s} U \arrow{dr}{f} & & \arrow{dl}{t} V \arrow{dr}{g} & \\ X & & Y & & Z. \end{tikzcd} \] Die gestrichelten Morphismen existieren wegen \hyperref[def:mult-system]{FR2} und es ist leicht zu verifizieren, dass das Ergebnis nicht von der Wahl der gestrichelten Morphismen abhängt. \item Für $X \in \mathcal{C}$ ist die Identität $X \to X$ in $\mathcal{C}_{\mathcal{S}}$ gegeben durch das Tripel $(\text{id}_X, X, \text{id}_X)$. \end{enumerate} \label{constr:localisation} \end{definition} \begin{satz} Sei $\mathcal{C}$ eine Kategorie und $\mathcal{S}$ ein multiplikatives System, dann ist die in \ref{constr:localisation} konstruierte Kategorie $\mathcal{C}_{\mathcal{S}}$ wohldefiniert und eine Lokalisierung von $\mathcal{C}$ bezüglich $\mathcal{S}$. Der kanonische Funktor $Q\colon \mathcal{C} \to \mathcal{C}_{\mathcal{S}}$ ist dann gegeben durch $Q(X) = X$ für $X \in \mathcal{C}$ und $Q(f) = (f, X, \text{id}_{X})$ für $f\colon X \to Y$ in $\mathcal{C}$. \label{satz:existence-localisation} \end{satz} \begin{proof} siehe Proposition 3.1 in \cite{hartshorne}. \end{proof} \begin{bem} \begin{enumerate}[(a)] \item Da $\mathcal{S}$ eine echte Klasse sein kann, das heißt keine Menge, ist im Allgemeinen auch $\operatorname{Mor}_{\mathcal{C}_{\mathcal{S}}}(X, Y)$ für $X, Y \in \mathcal{C}_{\mathcal{S}}$ keine Menge. Das heißt streng genommen ist $\mathcal{C}_{\mathcal{S}}$ im Allgemeinen nur eine große Kategorie. In unseren Anwendungsfällen kann man jedoch zeigen, dass $\mathcal{C}_{\mathcal{S}}$ eine (echte \footnote{Das heißt $\operatorname{Mor}_{\mathcal{C}_{\mathcal{S}}}(X, Y)$ ist eine Menge für alle $X, Y \in \mathcal{C}_{\mathcal{S}}$.}) Kategorie ist. Für Details siehe Bemerkung 10.3.6 in \cite{set-theoretic}. Wir nehmen im Folgenden stillschweigend an, dass $\mathcal{C}_{\mathcal{S}}$ eine (echte) Kategorie ist. \item Die Lokalisierung $\mathcal{C}_{\mathcal{S}}$ einer Kategorie $\mathcal{C}$ kann auch dual, das heißt durch Umdrehen aller Pfeile in \ref{constr:localisation}, konstruiert werden. Wenn im Folgenden der Kontext klar ist, dann schreiben wir auch einfach $X$ für $Q(X)$ für ein Objekt $X \in \mathcal{C}$. Ebenso schreiben wir für $X, Y \in \mathcal{C}$ auch $s^{-1}f$ bzw. in der dualen Konstruktion $fs^{-1}$ für die Äquivalenzklasse des Tripels $(f, Z, s) \in \operatorname{Mor}_{\mathcal{C}_{\mathcal{S}}}(X, Y)$. In dieser Notation ist dann $Q(f) = \text{id}^{-1}f$ bzw. $Q(f) = f\text{id}^{-1}$ für $f\colon X \to Y$ in $\mathcal{C}$. \end{enumerate} \end{bem} Falls $\mathcal{T}$ eine triangulierte Kategorie ist und $\mathcal{S}$ ein multiplikatives System, stellt sich die Frage, ob sich die Triangulation von $\mathcal{C}$ in natürlicher Weise auf $\mathcal{C}_{\mathcal{S}}$ ausdehnt. Dazu fordern wir zusätzlich an $\mathcal{S}$: \begin{definition}[Mit Triangulation kompatibles multiplikatives System] Sei $\mathcal{T}$ eine triangulierte Kategorie mit Verschiebefunktor $T$ und $\mathcal{S}$ ein multiplikatives System von Morphismen. Wir nennen $\mathcal{S}$ \emph{kompatibel mit der Triangulation}, wenn die folgenden Axiome erfüllt sind: \begin{enumerate}[(FR1), leftmargin=14mm] \setcounter{enumi}{3} \item $s \in \mathcal{S} \iff T(s) \in \mathcal{S}$. \item \hyperref[TR2]{TR3} unter der zusätzlichen Annahme, dass $f, g \in \mathcal{S}$ und der zusätzlichen Forderung, dass $h \in \mathcal{S}$ ist. \end{enumerate} \end{definition} \begin{satz} Sei $\mathcal{T}$ eine triangulierte Kategorie und $\mathcal{S}$ ein mit der Triangulation kompatibles multiplikatives System. Dann hat $\mathcal{T}_{\mathcal{S}}$ eine eindeutige triangulierte Struktur, sodass $Q$ ein triangulierter Funktor ist und die universelle Eigenschaft b) aus \ref{def:localisation} für triangulierte Funktoren in triangulierte Kategorien erfüllt. \label{satz:existence-triangulated-localisation} \end{satz} \begin{proof} siehe Proposition 3.2 in \cite{hartshorne}. \end{proof} \subsection{Derivierte Kategorie} Sei im Folgenden $\mathcal{A}$ eine feste abelsche Kategorie und $\mathcal{K} = \mathcal{K}(\mathcal{A})$. Wir bezeichnen im Folgenden die Klasse der Quasiisomorphismen in $\mathcal{K}$ als $\mathcal{Q}is$. \begin{lemma}[$\mathcal{Q}is$ ist multiplikativ] $\mathcal{Q}is$ ist ein mit der Triangulation von $\mathcal{K}$ kompatibles multiplikatives System. \label{lemma:qis-mult} \end{lemma} \begin{proof} siehe Proposition 4.1 in \cite{hartshorne}. \end{proof} Nach \ref{satz:existence-localisation}, \ref{satz:existence-triangulated-localisation} und \ref{lemma:qis-mult} angewendet auf $\mathcal{K}$ und $\mathcal{Q}is$, existiert die triangulierte Kategorie $\mathcal{K}_{\mathcal{Q}is}$. \begin{definition}[Derivierte Kategorie] Wir bezeichnen die triangulierte Lokalisierung $\mathcal{K}_{\mathcal{Q}is}$ als die \emph{derivierte Kategorie} $\mathcal{D} = \mathcal{D}(\mathcal{A})$ von $\mathcal{A}$. \end{definition} \begin{bem}[] Im Folgenden bezeichne $Q = Q_{\mathcal{A}}\colon \mathcal{K}(\mathcal{A}) \to \mathcal{D}(\mathcal{A})$ den kanonischen Lokalisierungsfunktor. \end{bem} Um zu verstehen, wann zwei Morphismen in $\mathcal{K}$ den selben Morphismus in $\mathcal{D}$ induzieren, hilft das folgende Lemma: \begin{lemma} Seien $\com{X}, \com{Y} \in \mathcal{K}$ und $f\colon \com{X} \to \com{Y}$. Dann sind die folgenden Bedingungen äquivalent: \begin{enumerate}[(i)] \item $\text{id}^{-1}f = 0$ in $\mathcal{D}$. \item Es existiert ein Quasiisomorphismus $t\colon \com{X'} \to \com{X} $, sodass $ft = 0$ in $\mathcal{K}$. \item Es existiert ein Quasiisomorphismus $s\colon \com{Y} \to \com{Y'} $, sodass $sf = 0$ in $\mathcal{K}$. \end{enumerate} \label{derived-cat-morphism-null} \end{lemma} \begin{proof} Wegen \hyperref[def:mult-system]{FR3} und \ref{lemma:qis-mult} genügt es die Äquivalenz von (i) und (ii) zu zeigen. Es ist genau dann $\text{id}^{-1}f = 0$, wenn ein kommutatives Diagram \[ \begin{tikzcd} & \com{X} \arrow{dl}{\text{id}} \arrow{dr}{f} & \\ \com{X} & \arrow[dashed]{l}{t} \com{X'} \arrow[dashed]{d} \arrow[dashed]{u} & \com{Y} \\ & \com{X} \arrow{ul}{\text{id}} \arrow{ur}{0} & \end{tikzcd} \] mit einem Quasiisomorphismus $t$ existiert. Das zeigt die Behauptung. \end{proof} Wir möchten nun Ableitungen von Funktoren im Kontext von derivierten Kategorien betrachten. Seien dafür $\mathcal{A}$ und $\mathcal{B}$ abelsche Kategorien und $F\colon \mathcal{K}(\mathcal{A}) \to \mathcal{K}(\mathcal{B})$ ein triangulierter (kovarianter) Funktor. Das ist zum Beispiel der Fall wenn $F$ induziert ist von einem additiven Funktor $F\colon \mathcal{A} \to \mathcal{B}$. Falls $F$ exakt ist werden Quasiisomorphismen auf Quasiisomorphismen geschickt und $F$ induziert daher einen Funktor von $\mathcal{D}(\mathcal{A})$ nach $\mathcal{D}(\mathcal{B})$. Im Allgemeinen ist das nicht der Fall und wir konstruieren dann, unter bestimmten Voraussetzungen an $F$ und die beteiligten Kategorien, einen Funktor $\text{R}F\colon \mathcal{D}(\mathcal{A}) \to \mathcal{D}(\mathcal{B})$: \begin{definition}[Abgeleiteter Funktor] Seien $\mathcal{A}, \mathcal{B}$ abelsche Kategorien. Der \emph{rechts abgeleitete Funktor} von $F$ ist ein triangulierter Funktor \[ \text{R}F\colon \mathcal{D}(\mathcal{A}) \to \mathcal{D}(\mathcal{B}) \] zusammen mit einer natürlichen Transformation \[ \xi\colon Q_{\mathcal{B}} \circ F \to \text{R}F \circ Q_{\mathcal{A}} \] von Funktoren von $\mathcal{K}(\mathcal{A})$ nach $\mathcal{D}(\mathcal{B})$ mit der folgenden universellen Eigenschaft: Für jeden triangulierten Funktor \[ G\colon \mathcal{D}(\mathcal{A}) \to \mathcal{D}(\mathcal{B}) \] und jede natürliche Transformation \[ \zeta\colon Q_{\mathcal{B}} \circ F \to G \circ Q_{\mathcal{A}} \] existiert eine eindeutige natürliche Transformation \[ \eta\colon \text{R}F \to G \] von Funktoren von $\mathcal{D}(\mathcal{A})$ nach $\mathcal{D}(\mathcal{B})$, sodass das folgende Diagramm kommutiert: \[ \begin{tikzcd} Q_{\mathcal{B}} \circ F \arrow{r}{\xi} \arrow{dr}{\zeta} & \text{R}F \circ Q_{\mathcal{A}} \arrow[dashed]{d}{\eta} \\ & G \circ Q_{\mathcal{A}} \end{tikzcd} .\] \end{definition} \begin{bem} \begin{enumerate}[(a)] \item Falls $\text{R}F$ existiert, ist dieser bis auf eindeutige natürliche Äquivalenz eindeutig. \item Wir schreiben $R^{i}F$ für $H^{i}(\text{R}F)$. Wenn $F$ induziert ist von einem links-exakten Funktor $F\colon \mathcal{A} \to \mathcal{B}$ und $\mathcal{A}$ genügend viele Injektive hat, existiert der abgeleitete Funktor $\text{R}F$ auf der vollen Unterkategorie $\mathcal{D}^{+}$ der nach unten beschränkten Komplexe von $\mathcal{D}$. Sei $P: \mathcal{A} \to \mathcal{D}^{+}$ der kanonische Funktor, der ein Objekt $X \in \mathcal{A}$ auf den Komplex schickt, der im nullten Grad $X$ zu stehen hat und in allen anderen Graden $0$ ist. Dann sind $R^{i}F \circ P$ genau die klassischen rechts-abgeleiteten Funktoren von $F$. \item Es gibt den analogen Begriff der Linksableitung $\text{L}F$ (kovarianter) Funktoren, bei dem sich die Pfeile der natürlichen Transformationen umdrehen. \end{enumerate} \label{bem:derived-functors} \end{bem} \begin{satz} Seien $\mathcal{A}, \mathcal{B}$ abelsche Kategorien und $F\colon \mathcal{K}(\mathcal{A}) \to \mathcal{K}(\mathcal{B})$ ein triangulierter Funktor. Angenommen es existiert eine triangulierte Unterkategorie $\mathcal{L} \subset \mathcal{K}(\mathcal{A})$, sodass \begin{enumerate}[(i)] \item für jeden Komplex in $\mathcal{K}(\mathcal{A})$ ein Quasiisomorphismus in einen Komplex aus $\mathcal{L}$ existiert, und \item $F|_{\mathcal{L}}$ Exaktheit von Komplexen erhält. \end{enumerate} Dann existiert der Funktor $\text{R}F\colon \mathcal{D}(\mathcal{A}) \to \mathcal{D}(\mathcal{B})$ und für die natürliche Transformation $\xi\colon Q_{\mathcal{B}} \circ F \to \text{R}F \circ Q_{\mathcal{A}}$ gilt, dass für alle $\com{I} \in \mathcal{L}$ die Abbildung \[ \xi(\com{I})\colon Q_{\mathcal{B}}(F(\com{I})) \to \text{R}F(Q_{\mathcal{A}}(\com{I})) \] ein Isomorphismus in $\mathcal{D}(\mathcal{B})$ ist. \label{satz:existence-derived-functors} \end{satz} \begin{proof} siehe Theorem 5.1 in \cite{hartshorne}. \end{proof} Die Voraussetzungen von \ref{satz:existence-derived-functors} sind im Allgemeinen schwer zu erfüllen. Deshalb betrachtet man häufig gewisse Unterkategorien von $\mathcal{K}(\mathcal{A})$, beispielsweise die Kategorie $\mathcal{K}^{+}(\mathcal{A})$ der nach unten beschränkten Komplexe. Dies genügt, um den Fall (b) aus \ref{bem:derived-functors} zu studieren. Für unbeschränkte Komplexe liegt die Schwierigkeit darin eine geeignete Unterkategorie $\mathcal{L}$ zu finden, die die Bedingungen aus \ref{satz:existence-derived-functors} erfüllt. Ziel dieser Arbeit ist es herauszuarbeiten, dass im Falle von $\mathcal{A} = A\text{-Mod}$ für einen kommutativen Ring $A$, die Bedingungen für die im Folgenden definierten Funktoren $\com{\operatorname{Hom}}(\com{M}, -)$, $\com{\operatorname{Hom}}(-, \com{M})$ und $\com{M} \otimes_A -$ erfüllt sind. Das wird uns erlauben das klassische Adjunktionsresultat \[ - \otimes_A M \dashv \operatorname{Hom}_{A\text{-Mod}}(M, -) \] für einen $A$-Modul $M$ auf die abgeleiteten Funktoren zu übertragen. \begin{definition} Seien $\com{X}, \com{Y} \in \mathcal{K}$ zwei Komplexe in einer beliebigen abelschen Kategorie $\mathcal{A}$. Dann sei $\com{\operatorname{Hom}}(\com{X}, \com{Y}) \in \mathcal{K}(\mathcal{A}b)$ definiert durch \[ \operatorname{Hom}^{n}(\com{X}, \com{Y}) = \prod_{i \in \Z} \operatorname{Hom}(X^{i}, Y^{i+n}) \] mit Differentialen \[ d^{n}(f) = d_{\com{Y} } f - (-1)^{n} f d_{\com{X}} \] für $f \in \operatorname{Hom}^{n}(\com{X}, \com{Y})$. \label{def:hom-compl} \end{definition} \begin{definition} Sei $A$ ein kommutativer Ring und seien $\com{M}, \com{N} \in \mathcal{K}(A\text{-Mod})$. Dann sei $\com{M} \otimes_A \com{N} \in \mathcal{K}(A\text{-Mod})$ definiert durch \[ (\com{M} \otimes_A \com{N})^{n} = \bigoplus_{i \in \Z} M^{i} \otimes_A N^{n-i} \] mit Differentialen \[ d^{n}(m \otimes n) = d_{\com{M} }(m) \otimes n + (-1)^{i} m \otimes d_{\com{N} }(n) \] für $m \in M^{i}, n \in N^{n-i}$. \label{def:tor-compl} \end{definition} \begin{bem} \begin{enumerate}[(a)] \item Die Konstruktionen in \ref{def:hom-compl} und \ref{def:tor-compl} sind funktoriell in beiden Variablen und induzieren daher entsprechende Funktoren. \item Wie für das klassiche Tensorprodukt von $A$-Moduln, existieren für $\com{M}, \com{N}, \com{P} \in \mathcal{K}(A\text{-Mod})$ natürliche Isomorphismen \[ \com{M} \otimes_A \com{N} = \com{N} \otimes_A \com{M} \text{ und } (\com{M} \otimes_A \com{N}) \otimes_A \com{P} = \com{M} \otimes_A (\com{N} \otimes_A \com{P}) .\] \end{enumerate} \end{bem} Die Kohomologiegruppen von $\com{\operatorname{Hom}}(\com{X}, \com{Y})$ für Komplexe $\com{X}, \com{Y} \in \mathcal{K}$ lassen sich explizit bestimmen: \begin{lemma} Seien $\com{X}, \com{Y} \in \mathcal{K}$ zwei Komplexe. Dann gilt für $n \in \Z$: \[ H^{n}\com{\operatorname{Hom}}(\com{X}, \com{Y}) = \operatorname{Mor}_{\mathcal{K}}(\com{X}, \com{Y}[n]) .\]\label{hom-compl-cohomgroups} \end{lemma} \begin{proof} Sei $(f^i)_{i \in \Z} \in \prod_{i \in \Z} \operatorname{Hom}(X^{i}, Y^{i+n})$. Dann ist: \[ (f^{i})_{i \in \Z} \in \operatorname{ker } d^{n} \iff (-1)^{n} d_{\com{Y}}^{i+n} f^i = f^{i+1} d_{\com{X} }^{i} \text{ für } i \in \Z .\] Wegen $d_{\com{Y}[n]} = (-1)^{n}d_{\com{Y}}$, induziert $(f^i)_{i \in \Z}$ also genau dann einen Komplexhomomorphismus $\com{X} \to \com{Y}[n]$, wenn $(f^{i})_{i \in \Z} \in \operatorname{ker } d^{n}$. Weiter ist genau dann $(f^{i})_{i \in \Z} \in \operatorname{im } d^{n-1}$, wenn eine Familie $(k^{i})_{i \in \Z}\in \prod_{i \in \Z}^{} \operatorname{Hom}(X^{i}, Y^{i+n-1})$ existiert, sodass %\[ % f^{i} = d_{\com{Y}}^{i+n-1} k^{i} - (-1)^{n-1} k^{i+1} d_{\com{X} }^{i} % = d_{\com{Y}}^{i+n-1} k^{i} + (-1)^{n} k^{i+1} d_{\com{X} }^{i} %.\] \[ (-1)^{n}f^{i} = (-1)^{n} d_{\com{Y}}^{i+n-1} k^{i} + k^{i+1} d_{\com{X} }^{i} .\] Erneut wegen $d_{\com{Y} [n]} = (-1)^{n} d_{\com{Y} }$, ist also für $(f^i)_{i \in \Z} \in \operatorname{ker } d^{n}$ der induzierte Komplexhomomorphismus $f\colon \com{X} \to \com{Y} $ genau dann nullhomotop, wenn $(f^{i})_{i \in \Z} \in \operatorname{im }d^{n-1}$. \end{proof} \begin{lemma}[$\com{\operatorname{Hom}}(-, -)$ und (Ko)limites] Sei $\com{X} \in \mathcal{K}$ und seien $(\com{S} _n)_{n \in \N}$ bzw. $(\com{T} _n)_{n \in \N}$ direkte bzw. inverse Systeme in $\mathcal{K}$. Dann sind die natürlichen Homomorphismen \[ \com{\operatorname{Hom}}(\colim \com{S}_n, \com{X}) \longrightarrow \lim \com{\operatorname{Hom}}(\com{S}_n, \com{X}) \] und \[ \com{\operatorname{Hom}}(\com{X}, \lim \com{T}_n) \longrightarrow \lim \com{\operatorname{Hom}}(\com{X}, \com{T}_n) \] Isomorphismen. \label{lemma:inner-hom-commutes-with-limits} \end{lemma} \begin{proof} Das gilt gradweise nach Definition von $\lim$ und man verifiziert, dass die gradweisen Homomorphismen Komplexhomomorphismen bilden. \end{proof} \begin{lemma}[Tensorprodukt ist trianguliert] Sei $\com{M} \in \mathcal{K}(A\text{-Mod})$. Dann ist $- \otimes_A \com{M}$ (und $\com{M} \otimes_A -$) ein triangulierter Funktor von $\mathcal{K}(A\text{-Mod})$ nach $\mathcal{K}(A\text{-Mod})$. \label{satz:tor-is-triangulated} \end{lemma} \begin{proof} Nach der Definition von ausgezeichneten Dreiecken in $\mathcal{K}$ genügt es nachzurechnen, dass für $f\colon \com{X} \to \com{Y} $ in $\mathcal{K}om(\mathcal{A})$ und $\com{S} \in \mathcal{K}om(\mathcal{A})$ gilt: \[ \com{C}_f \otimes_A \com{S} = \com{C}_{f \otimes \text{id}_{\com{S}}} .\] Das rechnet man gradweise nach und zeigt, dass die Differentiale übereinstimmen. \end{proof} \begin{satz}[Adjunktion der Hom- und Tensorproduktkomplexe] Seien $\com{M}, \com{N}, \com{P} \in \mathcal{K}(A\text{-Mod})$. Dann existiert ein natürlicher Isomorphismus, der funktoriell in allen Variablen ist: \[ \com{\operatorname{Hom}}(\com{M} \otimes_A \com{N}, \com{P}) = \com{\operatorname{Hom}}(\com{M},\com{\operatorname{Hom}} (\com{N} , \com{P} )) .\] \label{satz:adjunction-hom-tor-comp} \end{satz} \begin{proof} Das gilt gradweise, weil für beliebige $A$-Moduln $M, N, P$ ein natürlicher Isomorphismus \[ \operatorname{Hom}_{A}(M \otimes_A N, P) \to \operatorname{Hom}_{A}(M, \operatorname{Hom}_{A}(N, P)) \] existiert. Man verifiziert, dass die gradweisen Isomorphismen Komplexhomomorphismen bilden. \end{proof} % TODO: verstehe ich nicht aber habe alternative %\begin{lemma}[] % Sei $\com{A} \in \mathcal{K}$ und $\mathcal{G}$ eine Klasse von Objekten % von $\mathcal{A}$, sodass jedes Objekt von $\mathcal{A}$ eine Einbettung % in ein Objekt aus $\mathcal{G}$ besitzt. Angenommen % $\com{\operatorname{Hom}}(\com{A}, E) \in \mathcal{K}(\mathcal{A}b)$ ist exakt für alle % $E \in \mathcal{G}$. Dann ist $\com{A} $ exakt. % \label{lemma:0.10} %\end{lemma} \newpage \section{K-injektive und K-projektive Auflösungen} \label{sec:resolutions} Sei in diesem Abschnitt $\mathcal{A}$ eine abelsche Kategorie und $\mathcal{K} = \mathcal{K}(\mathcal{A})$. Sei weiter $\com{Y} \in \mathcal{K}$. Um die Bedingungen von \ref{satz:existence-derived-functors} für $\com{\operatorname{Hom}}(\com{Y}, -)$ (bzw. $\com{\operatorname{Hom}}(-, \com{Y})$) zu erfüllen, benötigen wir eine triangulierte Unterkategorie $\mathcal{L}$ von Komplexen in $\mathcal{K}$, sodass \begin{enumerate}[(i)] \item für jeden Komplex $\com{X} \in \mathcal{K}$ ein Quasiisomorphismus $\com{X} \to \com{I}$ mit $\com{I} \in \mathcal{L}$ (bzw. $\com{P} \to \com{X} $ mit $\com{P} \in \mathcal{L}$) existiert, und \item $\com{\operatorname{Hom}}(\com{Y}, -)$ (bzw. $\com{\operatorname{Hom}}(-, \com{Y})$) Exaktheit von Komplexen aus $\mathcal{L}$ erhält. \end{enumerate} Dazu definieren wir: \begin{definition}[K-injektiv] Ein Komplex $\com{I} \in \mathcal{K}$ heißt \emph{K-injektiv}, wenn der Funktor $\com{\operatorname{Hom}}(-, \com{I})$ Exaktheit von Komplexen erhält. Eine \emph{K-injektive Auflösung} eines Komplexes $\com{X} \in \mathcal{K}$ ist ein Quasiisomorphismus $\com{X} \to \com{I} $ mit $\com{I} \in \mathcal{K}$ K-injektiv. \end{definition} \begin{definition}[K-projektiv] Ein Komplex $\com{P} \in \mathcal{K}$ heißt \emph{K-projektiv}, wenn der Funktor $\com{\operatorname{Hom}}(\com{P}, -)$ Exaktheit von Komplexen erhält. Eine \emph{K-projektive Auflösung} eines Komplexes $\com{X} \in \mathcal{K}$ ist ein Quasiisomorphismus $\com{P} \to \com{X} $ mit $\com{P} \in \mathcal{K}$ K-projektiv. \end{definition} Das Ziel dieses Abschnitts ist das folgende Resultat: \begin{satz} Sei $R$ ein Ring und $\mathcal{A}$ die Kategorie der $R$-(Links-)Moduln. Dann hat jeder Komplex in $\mathcal{A}$ eine K-injektive und eine K-projektive Auflösung. \label{satz:r-mod-existence-k-proj-and-k-inj-resolutions} \end{satz} Die Vorgehensweise orientiert sich dabei an den Abschnitten 1 bis 3 von \cite{spaltenstein}. \subsection{Elementare Eigenschaften von K-injektiven und K-projektiven Komplexen} Zunächst werden einige grundlegenden Eigenschaften von K-injektiven und K-projektiven Komplexen entwickelt. \begin{lemma}[] Sei $\com{X} \in \mathcal{K}$. Es gilt \begin{align*} \com{X} \text{ K-injektiv} &\iff \operatorname{Mor}_{\mathcal{K}}(\com{S} , \com{X} ) = 0 \quad \forall \com{S} \in \mathcal{K} \text{ exakt}\\ \com{X} \text{ K-projektiv} &\iff \operatorname{Mor}_{\mathcal{K}}(\com{X} , \com{S} ) = 0 \quad \forall \com{S} \in \mathcal{K} \text{ exakt} .\end{align*} \label{lemma:mork-crit-for-k-inj} \end{lemma} \begin{proof} Mit \ref{hom-compl-cohomgroups} ist $\com{X}$ genau dann K-injektiv, wenn für jeden exakten Komplex $\com{S} \in \mathcal{K}$ gilt, dass $\operatorname{Mor}_{\mathcal{K}}(\com{S}[i] , \com{X}) = 0$ $\forall i \in \Z$. Da Verschieben Exaktheit erhält folgt die Behauptung. Die duale Aussage folgt durch Umdrehen der Pfeile. \end{proof} \begin{lemma} Ein exakter K-projektiver oder K-injektiver Komplex $\com{X} \in \mathcal{K}$ ist zusammenziehbar, das heißt nullhomotop, also in $\mathcal{K}$ isomorph zum Nullkomplex. \label{lemma:k-inj-exact-contractible} \end{lemma} \begin{proof} Betrachte $\mathrm{id}_{\com{X}} \in \mathrm{Mor}_{\K}(\com{X} , \com{X}) \stackrel{\ref{lemma:mork-crit-for-k-inj}}{=} 0$. Also ist $\mathrm{id}_{\com{X} } = 0$ und damit $\com{X} = 0$ in $\K$. \end{proof} \begin{bem} Aus \ref{lemma:k-inj-exact-contractible} folgt, dass für einen exakten und K-injektiven Komplex $\com{I} \in \mathcal{K}$ und einen beliebigen Komplex $\com{X} \in \mathcal{K}$, der Komplex $\com{\operatorname{Hom}}(\com{X}, \com{I})$ exakt ist, denn \[ H^{i}(\com{\operatorname{Hom}}(\com{X}, \com{I})) = \operatorname{Mor}_{\mathcal{K}}(\com{X}, \com{I}[i]) \stackrel{\ref{lemma:k-inj-exact-contractible}}{=} \operatorname{Mor}_{\mathcal{K}}(\com{X}, 0) = 0 .\] Analog gilt die duale Version für exakte K-projektive Komplexe. \label{satz:hom-exact-for-k-inj} %auch $\com{\operatorname{Hom}}(\com{X}, \com{I})$ exakt ist für alle $\com{M} \in \mathcal{K}$. \end{bem} Für ein Objekt $X \in \mathcal{A}$ stellt sich die Frage, ob Injektivität (bzw. Projektivität) von $X$ in $\mathcal{A}$ mit K-Injektivität (bzw. K-Projektivität) des Komplexes $\com{X}$, wobei $X^{i} = 0$ für alle $i \neq 0$ und $X^{0} = X$, zusammenhängt. Die folgende Aussage stellt diesen Zusammenhang her: \begin{satz} Sei $\com{X} \in \K$ mit $X^{i} = 0$ $\forall i \neq 0$. Dann ist $\com{X} $ K-projektiv (bzw. K-injektiv) genau dann wenn $X^{0}$ projektiv (bzw. injektiv) in $\mathcal{A}$ ist. \label{satz:single-degree-compl-k-proj} \end{satz} \begin{proof} Wir zeigen nur den K-projektiven Fall. Der K-injektive folgt dann durch Umdrehen aller Pfeile. ($\Rightarrow$) Sei $\com{X} $ K-projektiv und $\com{S} = [0 \to M \to N \to P \to 0]$ eine kurze exakte Folge in $\mathcal{A}$. Sei $f\colon X^{0} \to P$. Das induziert einen Komplexhomomorphismus $\com{X} \to \com{S}$: \[\begin{tikzcd} 0 \arrow{d} \arrow{r} & 0 \arrow{d} \arrow{r} & X^0 \arrow{d}{f} \arrow[dashed]{dl}{k} \arrow{r} & 0 \arrow{d} \arrow[dashed]{dl}\\ M \arrow{r} & N \arrow[twoheadrightarrow]{r}{v} & P \arrow{r} & 0 \end{tikzcd}\] Nach Voraussetzung ist dieser nullhomotop, das heißt es existiert ein $k \colon X^{0} \to N$, sodass $f = vk$. Also ist $v_{*}\colon \operatorname{Hom}_{\mathcal{A}}(X^{0}, N) \to \operatorname{Hom}_{\mathcal{A}}(X^{0}, P)$ surjektiv und damit $X^{0}$ projektiv. ($\Leftarrow$) Sei nun $X^{0}$ projektiv, $\com{S} \in \mathcal{K}$ exakt und $f\colon \com{X} \to \com{S}$ ein Komplexhomomorphismus. Dann betrachte \[ \begin{tikzcd} 0 \arrow[from=1-1,to=1-3] \arrow{d} & & X^{0} \arrow{r} \arrow[swap, dashed, from=1-3,to=2-1]{}{k^{0}} \arrow[dashed]{dl} \arrow{d}{f^{0}} & 0 \arrow{d} \\ S^{-1} \arrow[swap, twoheadrightarrow]{r}{d^{-1}} & \operatorname{im }d^{-1} \arrow{r} & S^{0} \arrow[swap]{r}{d^{0}} & S^{1} \end{tikzcd} .\] Da $d^{0}f^{0} = 0$, faktorisiert $f^{0}$ über $\operatorname{ker } d^{0} = \operatorname{im }d^{-1}$. Weil $X^0$ projektiv ist, existiert $k^{0}\colon X^{0} \to S^{-1}$, sodass $f^{0} = d^{-1} k^{0}$ und damit ist $f$ nullhomotop. \end{proof} \begin{satz}[] Die volle Unterkategorie der K-projektiven (bzw. K-injektiven) Komplexe in $\mathcal{K}$ ist eine triangulierte Unterkategorie. \label{satz:k-proj-triangulated} \end{satz} \begin{proof} Wir zeigen Bedingungen (i) und (ii) aus \ref{def:triangulated-subcategory} in der K-projektiven Version, die duale Aussage folgt durch Umdrehen der Pfeile. \begin{enumerate}[(i)] \item Das folgt aus \ref{lemma:mork-crit-for-k-inj} und daraus, dass für $\com{X}, \com{S} \in \mathcal{K}$ gilt: $\com{S} $ exakt $\iff \com{S} [-1]$ exakt und \[ \operatorname{Mor}_{\mathcal{K}}(\com{X}, \com{S}[-1]) = \operatorname{Mor}_{\mathcal{K}}(\com{X}[1], \com{S}) .\] \item Sei $(\com{X}, \com{Y}, \com{Z}, u, v, w)$ ein ausgezeichnetes Dreieck in $\mathcal{K}$ mit $\com{X}, \com{Y} $ K-projektiv und $\com{S} \in \mathcal{K}$ ein exakter Komplex. Nach Anwenden von $\operatorname{Mor}_{\mathcal{K}}(-, \com{S})$ ist dann mit \ref{hom-cohom-func} die Folge \[ \begin{tikzcd} \underbrace{\operatorname{Mor}_{\mathcal{K}}(\com{X}[1], \com{S})}_{= 0} \arrow{r} & \operatorname{Mor}_{\mathcal{K}}(\com{Z}, \com{S} ) \arrow{r} & \underbrace{\operatorname{Mor}_{\mathcal{K}}(\com{Y}, \com{S} )}_{= 0} \end{tikzcd} .\] \[ \] exakt und die äußeren Terme $0$ nach Voraussetzung und (i). Also folgt $\operatorname{Mor}_{\mathcal{K}}(\com{Z}, \com{S}) = 0$, und damit $\com{Z} $ K-projektiv. Der allgemeine Fall folgt nun mit \hyperref[TR2]{TR2}. \end{enumerate} \end{proof} \begin{satz} Sei $\com{P} \in \mathcal{K}$. Dann sind äquivalent \begin{enumerate}[(i)] \item $\com{P} $ K-projektiv. \item Für jeden Quasiisomorphismus $\com{X} \to \com{Y} $ in $\mathcal{K}$ ist der natürliche Homomorphismus \[ \operatorname{Mor}_{\mathcal{K}}(\com{P} , \com{X} ) \to \operatorname{Mor}_{\mathcal{K}}(\com{P} , \com{Y} ) \] ein Isomorphismus. \item Für $\com{S} \in \mathcal{K}$ ist der natürliche Homomorphismus \[ \operatorname{Mor}_{\mathcal{K}}(\com{P} , \com{S} ) \to \operatorname{Mor}_{\mathcal{D}}(\com{P} , \com{S} ) \] ein Isomorphismus. \end{enumerate} \label{satz:mork=mord-for-kproj} \end{satz} \begin{proof} (i)$\implies$(ii): Sei $f\colon \com{X} \to \com{Y} $ ein Quasiisomorphismus. Dann ist \[ \begin{tikzcd} \com{X} \arrow{r}{f} & \com{Y} \arrow{r} & \com{C_f} \arrow{r} & \com{X}[1] \end{tikzcd} \] ein ausgezeichnetes Dreieck und $\com{C_f}$ ist nach \ref{mapping-cone-exact-for-qis} exakt. Anwenden von $\operatorname{Mor}_{\mathcal{K}}(\com{P} , -) $ liefert mit \ref{hom-cohom-func} eine exakte Folge: \[ \begin{tikzcd} \underbrace{\operatorname{Mor}_{\mathcal{K}}(\com{P} , \com{C_f}[-1]) \arrow{r}}_{= 0} & \operatorname{Mor}_{\mathcal{K}}(\com{P} , \com{X} ) \arrow{r} & \operatorname{Mor}_{\mathcal{K}}(\com{P} , \com{Y} ) \arrow{r} & \underbrace{\operatorname{Mor}_{\mathcal{K}}(\com{P}, \com{C_f} ) }_{= 0} \end{tikzcd} .\] Die äußeren Terme sind 0, da $\com{P} $ K-projektiv ist, also folgt der behauptete Isomorphismus. (ii)$\implies$(iii): Injektivität: Sei $f\colon \com{P} \to \com{S} $, sodass $\text{id}^{-1}f = 0$. Nach \ref{derived-cat-morphism-null} existiert ein Quasiisomorphismus $t\colon \com{S} \to \com{T} $ , sodass $tf= 0$. Nach (ii) ist $t_{*}\colon \operatorname{Mor}_{\mathcal{K}}(\com{P} , \com{S} ) \to \operatorname{Mor}_{\mathcal{K}}(\com{P} , \com{T} ) $ injektiv, also folgt $f = 0$. Surjektivität: Sei $a \in \operatorname{Mor}_{\mathcal{D}}(\com{P} , \com{S} ) $. Dann ist $a$ ein Diagramm in $\mathcal{K}$ \[ \begin{tikzcd} & \com{Y} & \\ \com{P} \arrow{ur}{f} & & \arrow{ul}{s} \com{S} \end{tikzcd} \] mit $s$ Quasiisomorphismus. Nach (ii) ist $s_{*}\colon \operatorname{Mor}_{\mathcal{K}}(\com{P} , \com{S} ) \to \operatorname{Mor}_{\mathcal{K}}(\com{P} , \com{Y} ) $ surjektiv, also existiert ein $g\colon \com{P} \to \com{S} $, sodass $sg = f$. Also kommutiert \[ \begin{tikzcd} & \com{S} \arrow{d}{s} & \\ \com{P} \arrow{dr}{f} \arrow{ur}{g} & \com{Y} & \arrow{l}{s} \arrow[swap]{ul}{\text{id}} \com{S} \arrow{dl}{s}\\ & \com{Y} \arrow{u}{\text{id}} & \\ \end{tikzcd} .\] Damit folgt $a = g\text{id}^{-1}$. (iii)$\implies$(i): Sei $\com{S} $ exakt. Dann ist $\com{S} \to 0$ ein Quasiisomorphismus, also $\com{S} = 0$ in $\mathcal{D}$, also \[ \operatorname{Mor}_{\mathcal{K}}(\com{P} , \com{S} ) \stackrel{\text{(ii)}}{=} \operatorname{Mor}_{\mathcal{D}}(\com{P} , \com{S} ) = \operatorname{Mor}_{\mathcal{D}}(\com{P} , \com{0} ) = 0 .\] \end{proof} \begin{satz} Sei $\com{P} \in \mathcal{K}$. Dann sind äquivalent \begin{enumerate}[(i)] \item $\com{P} $ K-projektiv. \item Für alle Diagramme in $\mathcal{K}$ \[ \begin{tikzcd} & \com{X} \arrow{d}{s} \\ \com{P} \arrow{r}{f} & \com{Y}\\ \end{tikzcd} \] mit einem Quasiisomorphismus $s$, existiert genau ein $g\colon \com{P} \to \com{X} $, sodass $sg= f$ in $\mathcal{K}$. \item Für alle Quasiisomorphismen $s\colon \com{S} \to \com{P} $ in $\mathcal{K}$ existiert ein $g\colon \com{P} \to \com{S} $, sodass $sg = \text{id}_{\com{P} }$ in $\mathcal{K}$. \end{enumerate} \end{satz} \begin{proof} (i)$\implies$(ii): Betrachte das gegebene Diagramm in $\mathcal{D}$: \[ \begin{tikzcd} & \com{X} \arrow{d}{\text{id}^{-1}s} \\ \com{P} \arrow[dashed]{ur}{g} \arrow[swap]{r}{\text{id}^{-1}f} & \com{Y} \end{tikzcd} .\] Da $s$ ein Quasiisomorphismus ist, induziert $s$ einen Isomorphismus in $\mathcal{D}$. Also existiert genau ein $g\colon \com{P} \to \com{X} $ in $\mathcal{D}$, sodass das Diagramm kommutiert. \ref{satz:mork=mord-for-kproj} (iii) liefert das gewünschte Diagramm in $\mathcal{K}$. (ii)$\implies$(iii): Betrachte \[ \begin{tikzcd} & \com{S} \arrow{d}{s} \\ \com{P} \arrow{r}{\text{id}} & \com{P} \end{tikzcd} .\] Da $s$ ein Quasiisomorphismus ist, existiert mit (ii) ein $g\colon \com{P} \to \com{S}$, sodass $sg = \text{id}_{\com{P} }$. (iii)$\implies$(i): Erneut mit \ref{satz:mork=mord-for-kproj} genügt es zu zeigen, dass für $\com{S} \in \mathcal{K}$ die natürliche Abbildung $\operatorname{Mor}_{\mathcal{K}}(\com{P} , \com{S} ) \to \operatorname{Mor}_{\mathcal{D}}(\com{P} , \com{S} ) $ bijektiv ist. Injektivität: Sei $f\colon \com{P} \to \com{S} $ mit $\text{id}^{-1}f = 0$ in $\mathcal{D}$. Dann existiert nach \ref{derived-cat-morphism-null} ein Quasiisomorphismus $t\colon \com{T} \to \com{P} $ mit $ft = 0$. Also existiert mit (iii) ein $g\colon \com{P} \to \com{T} $, sodass $tg = \text{id}_{\com{P} }$, also \[ f = f \text{id}_{\com{P} } = \underbrace{ft}_{=0}g = 0 .\] Surjektivität: Sei $a \colon \com{P} \to \com{S} $ in $\mathcal{D}$. Dann ist $a$ gegeben durch ein Diagramm \[ \begin{tikzcd} & \com{Q} \arrow{dr}{f} \arrow{dl}{s} & \\ \com{P} & & \com{S} \end{tikzcd} \] in $\mathcal{K}$ mit einem Quasiisomorphismus $s$. Nach (iii) existiert ein $t\colon \com{P} \to \com{Q}$ mit $st = \text{id}_{\com{P} }$. Dann ist \[ \begin{tikzcd} & \com{Q} \arrow{dl}{s} \arrow{dr}{f} & \\ \com{P} & \com{P} \arrow{l}{\text{id}} \arrow{u}{t} \arrow{d}{\text{id}} & \com{S} \\ & \com{P} \arrow{ul}{\text{id}} \arrow{ur}{ft} & \\ \end{tikzcd} \] ein kommutatives Diagramm in $\mathcal{K}$, also folgt $a = s^{-1}f = \text{id}^{-1}(ft)$ in $\mathcal{D}$. \end{proof} Durch Umdrehen aller Pfeile erhalten wir analog: \begin{satz}[] Für jeden Komplex $\com{I} \in \mathcal{K}$ sind äquivalent: \begin{enumerate}[(i)] \item $\com{I}$ K-injektiv \item Für $\com{S} \in \mathcal{K}$ ist der natürliche Homomorphismus \[ \operatorname{Mor}_{\mathcal{K}}(\com{S} , \com{I} ) \to \operatorname{Mor}_{\mathcal{D}}(\com{S} , \com{I} ) \] ein Isomorphismus. \item Für jedes Diagramm in $\mathcal{K}$ \[ \begin{tikzcd} \com{Y} \arrow{r}{f} \arrow{d}{s} & \com{I} \\ \com{X} \end{tikzcd} \] mit $s$ Quasiisomorphismus, existiert genau ein $g\colon \com{X} \to \com{I} $, sodass $gs = f$ in $\mathcal{K}$. \item Für jeden Quasiisomorphismus $s\colon \com{I} \to \com{S} $ in $\mathcal{K}$ existiert ein $g\colon \com{S} \to \com{I} $, sodass $gs = \text{id}_{\com{I} }$ in $\mathcal{K}$. \end{enumerate} \label{satz:mork=mord-for-k-inj} \end{satz} \subsection{Spezielle inverse und direkte Systeme} Nun stellt sich die Aufgabe für jeden Komplex $\com{A} \in \mathcal{K}$ eine K-injektive und eine K-projektive Auflösung zu konstruieren. Dies machen wir mit sogenannten speziellen inversen bzw. direkten Systemen. \begin{definition}[Spezielles inverses System] Sei $\mathcal{J} \subset \mathcal{K}$ eine Klasse von Komplexen. \begin{enumerate}[(a)] \item Ein inverses System $(\com{I}_n)_{n \in \N}$ in $\mathcal{K}$ heißt \emph{$\mathcal{J}$-spezielles inverses System}, falls folgende Bedingungen erfüllt sind: \begin{enumerate}[(i)] \item Falls $n = 1$, dann ist $\com{I}_n = 0$. \item Falls $n > 1$, dann sei $\com{C}_n$ der Kern der natürlichen Abbildung $\com{I} _n \to \com{I}_{n-1}$. Dann ist $\com{C}_n \in \mathcal{J}$ und die kurze Folge \[ \begin{tikzcd} 0 \arrow{r} & \com{C}_n \arrow{r} & \com{I}_n \arrow{r} & \com{I}_{n-1} \arrow{r} & 0 \end{tikzcd} %0 \to \com{C}_n \to \com{I}_n \to \com{I} _{n-1} \to 0 \] ist exakt und zerfällt stufenweise. \end{enumerate} \item Die Klasse $\mathcal{J}$ heißt \emph{abgeschlossen unter speziellen inversen Limites}, falls jedes $\mathcal{J}$-spezielle inverse System in $\mathcal{K}$ einen Limes in $\mathcal{J}$ besitzt und jeder Komplex in $\mathcal{K}$, der isomorph zu einem Komplex in $\mathcal{J}$ ist, bereits in $\mathcal{J}$ ist. \end{enumerate} \label{def:special-inv-system} \end{definition} % TODO: beispiel funktioniert nicht mit N als indexmenge, wird nicht benoetigt %\item Sei $\mathcal{J}$ eine Klasse von Komplexen abgeschlossen unter speziellen inversen Limites mit % $\com{A} \in \mathcal{J} \iff \com{A}[1] \in \mathcal{J}$. Dann ist für $\com{A}, \com{B} \in \mathcal{J}$ % und $u \colon \com{A} \to \com{B} $, auch $\com{C}_u$ in $\mathcal{J}$. Denn % \[ % \com{C}_u \to \com{A}[1] \to 0 % \] ist ein $\mathcal{J}$-spezielles inverses System mit Limes $\com{C}_u$. \begin{lemma} Sei $\mathcal{J}_0$ eine Klasse von Objekten von $\mathcal{A}$. Sei weiter $\mathcal{J}$ eine unter speziellen inversen Limites abgeschlossene Klasse von Objekten in $\mathcal{K}$, sodass jeder Komplex $\com{A} \in \mathcal{K}$ mit nur einem nicht-null Term und mit $A^{i} \in \mathcal{J}_0$ für $i \in \Z$, in $\mathcal{J}$ enthalten ist. Dann ist jeder nach unten beschränkte Komplex $\com{A} \in \mathcal{K}$ mit $A^{i} \in \mathcal{J}_0$ für $i \in \Z$ in $\mathcal{J}$ enthalten. \label{lemma:bounded-compl-in-complete-class} \end{lemma} \begin{proof} Sei $\com{A} \in \mathcal{K}$ nach unten beschränkt mit $A^{i} \in \mathcal{J}_0$ für alle $i \in \Z$. Ohne Einschränkung sei $A^{i} = 0$ für alle $i < 0$. Dann sind die Spalten des nachstehenden Diagramms ein $\mathcal{J}$-spezielles inverses System $(\com{S}_n)_{n \in \N}$ mit Übergangsabbildungen $p_n$, \[ \begin{tikzcd} \cdots \arrow{r} & 0 \arrow{r} \arrow{d} & 0 \arrow{r} \arrow{d} & 0 \arrow{r} \arrow{d} & 0 \arrow{d}\\ \cdots\arrow{r} & A^{0} \arrow{d} \arrow{r} & A^{0} \arrow{d} \arrow{r} & A^{0} \arrow{d} \arrow{r} & 0 \arrow{d}\\ \cdots\arrow{r} & A^{1} \arrow{d} \arrow{r} & A^{1} \arrow{d} \arrow{r} & 0 \arrow{d} \arrow{r} & 0 \arrow{d}\\ \cdots\arrow{r} & A^{2} \arrow{d} \arrow{r} & 0 \arrow{d} \arrow{r} & 0 \arrow{d} \arrow{r} & 0 \arrow{d} \\ & \vdots & \vdots & \vdots & \vdots \\ \end{tikzcd} \] denn für $n > 1$ ist $\operatorname{ker } p_n$ = $[\cdots \to 0 \to \underbrace{A^{n-2}}_{\in \mathcal{J}_0} \to 0 \to \cdots ]$. Nach Voraussetzung ist also $\operatorname{ker } p_n$ in $\mathcal{J}$ und die kurze exakte Folge $0 \to \operatorname{ker } p_n \to \com{S}_n \to \com{S}_{n-1} \to 0$ zerfällt gradweise. Also folgt $\com{A} = \lim \com{S}_n \in \mathcal{J}$. \end{proof} Im Folgenden zeigen wir, dass die Klasse der K-injektiven Komplexe abgeschlossen unter speziellen inversen Limites ist. Dazu zeigen wir zunächst, dass dies für die Klasse der exakten Komplexe gilt. Da der inverse Limes im Allgemeinen nicht exakt ist, benötigen wir dafür ein technisches Hilfswerkzeug für inverse Systeme in $\mathcal{A}b$. \begin{definition} %Wir sagen eine totalgeordnete Indexmenge $(I, \le)$ genüge der Bedingung (S), wenn eine ordnungserhaltende %Bijektion $\iota\colon I \to \N$ existiert. Für $i \in I$ bezeichne, falls dieser existiert, mit $i+1$ bzw. $i-1$, den %von $\iota$ induzierten Vorgänger bzw. Nachfolger von $i$. Ein inverses System $(M_n)_{n \in \N}$ in $\mathcal{A}b$ genüge der Bedingung \emph{(R)}, wenn folgende Eigenschaften erfüllt sind: \begin{enumerate}[(i)] \item $M_1 = 0$. \item Für $n > 1$ ist die Abbildung $M_n \to M_{n-1}$ surjektiv. \end{enumerate} %Weiter sagen wir ein inverses System $(M_i)_{i \in I}$ in $\mathcal{A}b$ genüge der Bedingung %(R), wenn folgende Eigenschaften erfüllt sind: %\begin{enumerate}[(i)] % \item $I$ genügt Bedingung (S). % \item $M_1 = 0$. % \item Für $i > I_{\operatorname{min}}$ ist die Abbildung $M_i \to M_{i-1}$ surjektiv. %\end{enumerate} \label{def:cond-r} \end{definition} \begin{bsp} Spezielle inverse Systeme in $\mathcal{A}b$ erfüllen (R). \end{bsp} \begin{lemma} Seien $(A_n)_{n \in \N}$, $(B_{n})_{n \in \N}$, $(C_n)_{n \in \N}$ und $(D_n)_{n \in \N}$ inverse Systeme in $\mathcal{A}b$, die (R) erfüllen und seien \begin{equation} \begin{tikzcd} (A_n)_{n \in \N} \arrow{r}{(f_n)_{n \in \N}} & (B_n)_{n \in \N} \arrow{r}{(g_n)_{n \in \N}} & (C_n)_{n \in \N} \arrow{r}{(h_n)_{n \in \N}} & (D_n)_{n \in \N} \end{tikzcd} \label{eq:0.11-inv-systems} \end{equation} Morphismen von inversen Systemen mit $g_n \circ f_n = 0 = h_n \circ g_n$ für $n \in \N$ und sei \[ \begin{tikzcd} A \arrow{r}{f} & B \arrow{r}{g} & C \arrow{r}{h} & D \end{tikzcd} \] der Limes von \eqref{eq:0.11-inv-systems}. Für $n \in \N$ mit $n > 1$ seien $A_n'$, $B_n'$, $C_n'$ und $D_n'$ die jeweiligen Kerne der Übergangsabbildungen $A_n \to A_{n-1}$, $B_n \to B_{n-1}$, $C_n \to C_{n-1}$ und $D_n \to D_{n-1}$. Sei weiter $N \in \N$, sodass für alle $n > N$ die Folge \[ \begin{tikzcd} A_n' \arrow{r} & B_n' \arrow{r} & C_n' \arrow{r} & D_n' \end{tikzcd} \] exakt ist. Dann ist die natürliche Abbildung \[ \operatorname{ker } g / \operatorname{im } f \longrightarrow \operatorname{ker } g_N / \operatorname{im } f_N \] ein Isomorphismus. \label{0.11} \end{lemma} \begin{proof} Sei $N \in \N$ mit der beschriebenen Eigenschaft. Dann betrachte das folgende kommutative Diagramm und mache Diagrammjagd. \begin{equation} \begin{tikzcd} A \arrow[twoheadrightarrow]{r}{f} \arrow{d} & \operatorname{im } f \arrow[hookrightarrow]{r} & \operatorname{ker } g \arrow[hookrightarrow]{r} \arrow{d} & B \arrow{r}{g} \arrow{d} & C \arrow{r}{h} \arrow{d} & D \arrow{d} \\ A_N \arrow[twoheadrightarrow]{r}{f_N} & \operatorname{im } f_N \arrow[hookrightarrow]{r} & \operatorname{ker } g_N \arrow[hookrightarrow]{r} & B_N \arrow{r}{g_N} & C_N \arrow{r}{h_N} & D_N \\ A_{N+1} \arrow[twoheadrightarrow]{r}{f_{N+1}} \arrow[twoheadrightarrow]{u}{p_{A}} & \operatorname{im } f_{N+1} \arrow[hookrightarrow]{r} \arrow{u} & \operatorname{ker } g_{N+1} \arrow[hookrightarrow]{r} \arrow{u} & B_{N+1} \arrow{r}{g_{N+1}} \arrow[twoheadrightarrow]{u}{p_B} & C_{N+1} \arrow{r}{h_{N+1}} \arrow[twoheadrightarrow]{u}{p_C} & D_{N+1} \arrow[twoheadrightarrow]{u}{p_D} \\ \operatorname{ker } p_{A} \arrow[from=4-1, to=4-4] \arrow[hookrightarrow]{u} & & & \operatorname{ker } p_{B} \arrow{r} \arrow[hookrightarrow]{u} & \operatorname{ker } p_{C} \arrow{r} \arrow[hookrightarrow]{u} & \operatorname{ker } p_{D} \arrow[hookrightarrow]{u} \\ \end{tikzcd} \label{eq:0.11-diag} \end{equation} Injektivität: Sei $(b_n)_{n \in \N} \in \operatorname{ker } g$, sodass $b_N \in \operatorname{im }f_N$. Dann existiert ein $a_N \in A_N$, sodass $f_N(a_N) = b_N$. Da $p_A$ surjektiv ist, existiert ein $x \in A_{N+1}$, sodass $p_A(x) = a_N$. Sei $y = f_{N+1}(x)$. Weil \eqref{eq:0.11-diag} kommutativ ist, folgt \[ p_B(y) = p_B(f_{N+1}(x)) = f_N(p_A(x)) = f_N(a_N) = b_N .\] Da $(b_n)_{n \in \N}$ ein kompatibles System ist, gilt zudem $p_{B}(b_{N+1}) = b_N$. Also ist $b_{N+1} - y \in \operatorname{ker } p_{B}$. Weil $y, b_{N+1} \in \operatorname{ker } g_{N+1}$, existiert aufgrund der Exaktheit der unteren Zeile ein $\tilde{x} \in \operatorname{ker } p_A$, sodass $f_{N+1}(\tilde{x}) = b_{N+1} - y$. Nun setze $a_{N+1} \coloneqq \tilde{x} + x$. Dann ist \[ f_{N+1}(a_{N+1}) = f_{N+1}(\tilde{x} + x) = b_{N+1} - y + y = b_{N+1} \] und \[ p_{A}(a_{N+1}) = p_{A}(\tilde{x} + x) = p_{A}(x) = a_N ,\] denn $\tilde{x} \in \operatorname{ker } p_{A}$. Konstruiere so induktiv eine kompatible Familie $(a_{n})_{n\ge N}$ mit $f(a_n) = b_n$ für alle $n \ge N$. Für $n < N$ setze $a_n \coloneqq p_{A_{n+1}}(a_{n+1})$. Die Kommutativität von \eqref{eq:0.11-diag} liefert dann, dass $(a_n)_{n \in \N}$ ein kompatibles System ist mit $f(a_{n}) = b_n$ für alle $n \in \N$. Surjektivität: Sei $b \in \operatorname{ker } g_N$. Weil $p_B$ surjektiv ist, existiert ein $y \in B_{N+1}$, sodass $p_B(y) = b$. Sei $z = g_{N+1}(y)$. Aufgrund der Kommutativität von \eqref{eq:0.11-diag} ist dann \[ p_C(z) = p_C(g_{N+1}(y)) = g_N(p_B(y)) = g_N(b) = 0 ,\] also folgt $z \in \operatorname{ker } p_C$. Da $h_{N+1} \circ g_{N+1} = 0$ folgt \[ h_{N+1}(z) = h_{N+1}(g_{N+1}(z)) = 0 .\] Da die untere Zeile exakt ist, existiert nun ein $\tilde{y} \in \operatorname{ker } p_B$, sodass $g_{N+1}(\tilde{y}) = z$. Also ist $y - \tilde{y} \in \operatorname{ker } g_{N+1}$ und \[ p_B(y - \tilde{y}) = p_B(y) = b .\] Setze $b_{N+1} \coloneqq y - \tilde{y}$ und $b_N \coloneqq b$. Dann konstruiere induktiv eine kompatible Familie $(b_n)_{n \ge N}$ mit $b_n \in \operatorname{ker } g_{n}$ für alle $n \ge N$. Für $n < N$ setze wie oben $b_n \coloneqq p_{B_{n+1}}(b_{n+1})$. Erneut liefert die Kommutativität von \eqref{eq:0.11-diag}, dass $(b_n)_{n \in \N} \in \operatorname{ker } g$ ein kompatibles System mit $b_N = b$ ist. \end{proof} \begin{bem} Falls in der Situation von \ref{0.11}, $N= 1$ gewählt werden kann, folgt wegen $A_1 = B_1 = C_1 = D_1 = 0$, dass die Folge \[ \begin{tikzcd} A \arrow{r}{f} & B \arrow{r}{g} & C \end{tikzcd} \] exakt ist. \end{bem} \begin{korollar} Die Klasse $\mathcal{E}$ der exakten Komplexe in $\mathcal{K}(\mathcal{A}b)$ ist abgeschlossen unter speziellen inversen Limites. \label{lemma:exact-comp-complete-inv} \end{korollar} \begin{proof} Sei $(\com{S}_n)_{n \in \N}$ ein $\mathcal{E}$-spezielles inverses System in $\mathcal{K}(\mathcal{A}b)$. Für $i \in \Z$ erfüllt $(S_n^{i})_{n \in \N}$ die Bedingung (R) aus \ref{def:cond-r}. Sei also $i \in \Z$ beliebig. Dann erfüllt \[ (S_n^{i-1})_{n \in \N} \to (S_n^{i})_{n \in \N} \to (S_n^{i+1})_{n \in \N} \to (S_n^{i+2})_{n \in \N} \] die Bedingungen von \ref{0.11} für $N = 1$, da nach Voraussetzung für alle $n > 1$ der Komplex $\operatorname{ker}(\com{S}_n \to \com{S}_{n-1})$ exakt ist. Also ist die Folge \[ \begin{tikzcd} \lim S_n^{i-1} \arrow{r} \arrow{d}{=} & \lim S_n^{i} \arrow{d}{=} \arrow{r} & \lim S_n^{i+1} \arrow{d}{=}\\ (\lim S_n)^{i-1} \arrow{r} & (\lim S_n)^{i} \arrow{r} & (\lim S_n)^{i+1} \end{tikzcd} \] exakt. Da $i \in \Z$ beliebig war, folgt dass $\lim \com{S}_n$ exakt ist. \end{proof} \begin{satz} Sei $\mathcal{B}$ eine weitere abelsche Kategorie und $\mathcal{J} \subset \mathcal{K}(\mathcal{B})$ abgeschlossen unter speziellen inversen Limites. Angenommen inverse Limites existieren in $\mathcal{A}$ und sei $F\colon \mathcal{K}(\mathcal{A}) \to \mathcal{K}(\mathcal{B})$ ein kovarianter Funktor, der mit inversen Limites vertauscht und gradweise zerfallende kurze exakte Folgen erhält. Dann ist $F^{-1}(\mathcal{J}) \subset \mathcal{K}(\mathcal{A})$ abgeschlossen unter speziellen inversen Limites. \label{satz:complete-inv-system-functor} \end{satz} \begin{proof} Sei $(\com{S}_n)_{n \in \N}$ ein $F^{-1}(\mathcal{J})$-spezielles inverses System. Dann ist $(F(\com{S}_n))_{n \in \N}$ ein $\mathcal{J}$-spezielles inverses System, denn \begin{enumerate}[(i)] \item $F(S_1) = F(0) = 0$, da $F$ mit inversen Limites vertauscht und die Null der (inverse) Limes des leeren Diagramms ist. \item Für $n > 1$ ist nach Voraussetzung \[ \begin{tikzcd} 0 \arrow{r} & \operatorname{ker } p_n \arrow{r} & \com{S}_n \arrow{r}{p_n} & \com{S}_{n-1} \arrow{r} & 0 \end{tikzcd} \] exakt, zerfällt gradweise und $\operatorname{ker } p_n$ ist in $F^{-1}(\mathcal{J})$. Nach Voraussetzung ist damit \[ \begin{tikzcd} 0 \arrow{r} & F(\operatorname{ker } p_n) \arrow{r} & F(\com{S}_n) \arrow{r}{F(p_n)} & F(\com{S}_{n-1}) \arrow{r} & 0 \end{tikzcd} \] exakt und zerfällt gradweise. Aus der Exaktheit folgt damit auch $\operatorname{ker } F(p_n) = F(\operatorname{ker } p_n)$, also $\operatorname{ker } F(p_n) \in \mathcal{J}$. \end{enumerate} Also ist $F(\lim \com{S}_n) = \lim F(\com{S}_n) \in \mathcal{J}$ und damit $\lim \com{S}_n \in F^{-1}(\mathcal{J})$. \end{proof} \begin{korollar} Sei $\mathcal{I}$ eine Klasse von Komplexen und angenommen in $\mathcal{A}$ existieren inverse Limites. Dann ist die Klasse aller Komplexe $\com{A} \in \mathcal{K}$, sodass $\com{\operatorname{Hom}}(\com{T}, \com{A})$ exakt ist für alle $\com{T} \in \mathcal{I}$, abgeschlossen unter speziellen inversen Limites. Insbesondere ist die Klasse der K-injektiven Komplexe abgeschlossen unter speziellen inversen Limites. \end{korollar} \begin{proof} Sei $\mathcal{E}$ die Klasse der exakten Komplexe und für $\com{T} \in \mathcal{I}$ sei $\mathcal{H}_{\com{T}}$ die Klasse der Komplexe $\com{A} $, sodass $\com{\operatorname{Hom}}(\com{T}, \com{A})$ exakt ist. Dann ist $\mathcal{H}_{\com{T}} = \com{\operatorname{Hom}}(\com{T}, -)^{-1}(\mathcal{E})$ und $\mathcal{E}$ mit $\com{\operatorname{Hom}}(\com{T}, -)$ erfüllt die Voraussetzungen von \ref{satz:complete-inv-system-functor}, denn: \begin{enumerate}[(i)] \item Nach \ref{lemma:exact-comp-complete-inv} ist $\mathcal{E}$ abgeschlossen unter speziellen inversen Limites. \item Wegen \ref{lemma:inner-hom-commutes-with-limits} vertauscht $\com{\operatorname{Hom}} (\com{T}, -)$ mit Limites. Außerdem ist $\com{\operatorname{Hom}}(\com{T}, -)$ gradweise additiv, erhält also gradweise zerfallende Folgen. \end{enumerate} Also ist $\mathcal{H}_{\com{T}}$ und damit $\bigcap_{\com{T} \in \mathcal{I}} \mathcal{H}_{\com{T} }$ abgeschlossen unter speziellen inversen Limites. Das Insbesondere folgt wenn $\mathcal{I} = \mathcal{E}$ gesetzt wird. \end{proof} Für die Klasse der K-projektiven Komplexe betrachten wir die duale Version von \ref{def:special-inv-system}: \begin{definition}[Spezielles direktes System] Sei $\mathcal{P} \subset \mathcal{K}$ eine Klasse von Komplexen. \begin{enumerate}[(a)] \item Ein direktes System $(\com{P}_n)_{n \in \N}$ in $\mathcal{K}$ heißt \emph{$\mathcal{P}$-spezielles direktes System}, falls folgende Bedingungen erfüllt sind: \begin{enumerate}[(i)] \item Falls $n = 1$, dann ist $\com{P}_n = 0$. \item Falls $n > 1$, dann sei $\com{C}_n$ der Kokern der natürlichen Abbildung $\com{P}_{n-1} \to \com{P}_{n}$. Dann ist $\com{C}_n \in \mathcal{P}$ und die kurze Folge \[ \begin{tikzcd} 0 \arrow{r} & \com{P}_{n-1} \arrow{r} & \com{P}_{n} \arrow{r} & \com{C}_n \arrow{r} & 0 \end{tikzcd} %0 \to \com{P}_{n-1} \to \com{P}_{n} \to \com{C}_n \to 0 \] ist exakt und zerfällt stufenweise. \end{enumerate} \item Die Klasse $\mathcal{P}$ heißt \emph{abgeschlossen unter speziellen direkten Kolimites}, falls jedes $\mathcal{P}$-spezielle direkte System in $\mathcal{K}$ einen Kolimes in $\mathcal{P}$ besitzt und jeder Komplex in $\mathcal{K}$, der isomorph zu einem Komplex in $\mathcal{P}$ ist, bereits in $\mathcal{P}$ ist. \end{enumerate} \end{definition} Durch Umdrehen aller Pfeile erhalten wir die duale Version von \ref{lemma:bounded-compl-in-complete-class} und insbesondere die folgenden Ergebnisse: % brauche ich nicht %\begin{lemma} % Die Klasse der exakten Komplexe in $\mathcal{K}(\mathcal{A}b)$ ist abgeschlossen unter speziellen direkten Kolimites. % % \label{lemma:exact-comp-complete-inv} %\end{lemma} % %\begin{proof} % %\end{proof} \begin{satz} Sei $\mathcal{B}$ eine weitere abelsche Kategorie und $\mathcal{J} \subset \mathcal{K}(\mathcal{B})$ abgeschlossen unter speziellen inversen Limites. Angenommen direkte Kolimites existieren in $\mathcal{A}$ und sei $F\colon \mathcal{K}(\mathcal{A}) \to \mathcal{K}(\mathcal{B})$ ein kontravarianter Funktor, der direkte Kolimites in inverse Limites überführt und gradweise zerfallende kurze exakte Folgen erhält. Dann ist $F^{-1}(\mathcal{J}) \subset \mathcal{K}(\mathcal{A})$ abgeschlossen unter speziellen direkten Kolimites. \label{satz:complete-dir-system-functor} \end{satz} \begin{korollar}[] Sei $\mathcal{I}$ eine Klasse von Komplexen und angenommen in $\mathcal{A}$ existieren direkte Kolimites. Dann ist die Klasse aller Komplexe $\com{A} \in \mathcal{K}$, sodass $\com{\operatorname{Hom}}(\com{A}, \com{T})$ exakt ist für alle $\com{T} \in \mathcal{I}$, abgeschlossen unter speziellen direkten Kolimites. Insbesondere ist die Klasse der K-projektiven Komplexe abgeschlossen unter speziellen direkten Kolimites. \label{kor:k-proj-closed} \end{korollar} \begin{definition}[] Angenommen inverse (bzw. direkte) Limites existieren in $\mathcal{K}$ und sei $\mathcal{G}$ eine Klasse von Komplexen in $\mathcal{K}$. Dann sei $\leftfinal{\mathcal{G}}$ (bzw. $\rightfinal{\mathcal{G}})$ die kleinste Klasse von Komplexen in $\mathcal{K}$, die abgeschlossen unter speziellen inversen Limites (bzw. speziellen direkten Kolimites) ist und $\mathcal{G}$ enthält. \end{definition} \subsection{Existenz von K-projektiven und K-injektiven Auflösungen} Das Ziel dieses Abschnittes ist es Satz \ref{satz:r-mod-existence-k-proj-and-k-inj-resolutions} zu beweisen. Dazu verallgemeinern wir zunächst die Begriffe K-injektive und K-projektive Auflösungen: \begin{definition}[Auflösungen] Sei $\com{X} \in \mathcal{K}$ und $\mathcal{J}$ eine Klasse von Komplexen aus $\mathcal{K}$. Dann ist eine \emph{$\mathcal{J}$-Linksauflösung} ein Quasiisomorphismus $\com{J} \to \com{X} $ mit $\com{J} \in \mathcal{J}$. Analog ist eine \emph{$\mathcal{J}$-Rechtsauflösung} ein Quasiisomorphismus $\com{X} \to \com{J} $ mit $\com{J} \in \mathcal{J}$. \end{definition} \begin{bem}[Notation] Für einen Komplex $\com{X} \in \mathcal{K}$ und $n \in \N$ schreiben wir $\tau_{\le n} \com{X}$ (bzw. $\tau^{\ge -n} \com{X}$) für den Komplex \[ \begin{tikzcd} \cdots \arrow{r} & X^{n-2} \arrow{r} & X^{n-1} \arrow{r} & \operatorname{ker } d^n \arrow{r} & 0 \arrow{r} & \cdots \end{tikzcd} \] bzw. \[ \begin{tikzcd} \cdots \arrow{r} & 0 \arrow{r} & \operatorname{coker }d^{-n-1} \arrow{r} & X^{-n+1} \arrow{r} & X^{-n+2} \arrow{r} & \cdots \end{tikzcd} .\] Für $i \in \Z$ ist dann $H^{i}(\tau_{\le n} \com{X}) = \begin{cases} H^{i}(\com{X}) & i \le n \\ 0 & i > n \end{cases}$ bzw. $H^{i}(\tau^{\ge -n}\com{X}) = \begin{cases} 0 & i < -n \\ H^{i}(\com{X}) & i \ge -n \end{cases}$. \end{bem} \subsubsection{Linksauflösungen} Sei $\mathcal{P}$ eine Klasse von Komplexen in $\mathcal{K}$. %\begin{enumerate}[(L1)] % \item Jeder nach oben beschränkte Komplex $\com{A} \in \mathcal{K}$ hat eine % $\mathcal{P}$-Linksauflösung. %\end{enumerate} \begin{lemma}[] Die folgenden Bedingungen an $\mathcal{P}$ sind äquivalent: \begin{enumerate}[(i)] \item Jeder nach oben beschränkte Komplex $\com{A} \in \mathcal{K}$ hat eine $\mathcal{P}$-Linksauflösung. %\item Jeder nach oben beschränkte Komplex $\com{A} \in \mathcal{K}$ hat eine % Linksauflösung $\com{P} \to \com{A} $ durch einen nach oben beschränkten % Komplex $\com{P} \in \mathcal{P}$. \item Für alle $\com{A} \in \mathcal{K} $ und $n \in \Z$, existiert ein $\com{P} \in \mathcal{P}$ mit $H^{i}(\com{P}) = 0$ für $i > n$ und ein Komplexhomomorphismus $f\colon \com{P} \to \com{A} $, der einen Isomorphismus $H^{i}(\com{P}) \to H^{i}(\com{A})$ induziert für $i \le n$. \end{enumerate} \label{lemma:class-compl-cond} \end{lemma} \begin{proof} (i)$\implies$(ii): Sei $\com{A} \in \mathcal{K}$ und $n \in \Z$. Dann ist $\tau_{\le n} \com{A}$ nach oben beschränkt, also existiert ein $\com{P} \in \mathcal{P}$ und ein Quasiisomorphismus $s\colon \com{P} \to \tau_{\le n}\com{A}$. Durch Komposition mit dem natürlichen Komplexhomomorphismus $\tau_{\le n}\com{A} \to \com{A}$ erhalten wir ein $f\colon \com{P} \to \com{A} $. Für $i > n$ ist nun $H^{i}(\com{P}) \simeq H^{i}(\tau_{\le n}\com{A}) = 0 $. Für $i \le n$ ist $H^{i}(\tau_{\le n}\com{A}) = H^{i}(\com{A})$, also induziert $f$ den gewünschten Isomorphismus. (ii)$\implies$(i): Sei $\com{A} \in \mathcal{K}$ nach oben beschränkt. Ohne Einschränkung ist $A^{i} = 0$ für alle $i > 0$. Wähle $n= 0$ in (ii). Dann existiert ein $f\colon \com{P} \to \com{A}$ mit $\com{P} \in \mathcal{P}$, $H^{i}(\com{P}) = 0$ für $i > 0$ und $f$ induziert %$H^{i}(\com{P}) \xrightarrow[\sim]{0 = H^{i}(f)} 0 = H^{i}(\com{A})$ für $i > 0$ und Isomorphismen $H^{i}(\com{P})\xrightarrow[\sim]{H^{i}(f)} H^{i}(\com{A})$ für $i \le 0$. Da $H^{i}(\com{P}) = 0 = H^{i}(\com{A})$ für $i > 0$, ist also $f$ ein Quasiisomorphismus. \end{proof} \begin{bem}[] Sei $\com{A} \in \mathcal{K}$. Angenommen $\mathcal{P}$ genügt den äquivalenten Bedingungen von \ref{lemma:class-compl-cond} und es existiert ein $n \in \Z$, sodass für alle $i > n$, $H^{i}(\com{A}) = 0$ ist. Dann hat $\com{A} $ eine $\mathcal{P}$-Linksauflösung, denn nach \ref{lemma:class-compl-cond} (ii) existiert dann ein $\com{P} \in \mathcal{P}$ und ein Komplexhomomorphismus $f\colon \com{P} \to \com{A}$, sodass $H^{i}(\com{P}) = 0 = H^{i}(\com{A})$ für $i > n$ und $H^{i}(f)$ ein Isomorphismus ist für $i \le n$. Also ist $f$ ein Quasiisomorphismus. \label{bem:p-left-resolutions-for-h-bounded} \end{bem} \begin{bsp} %Falls $\mathcal{A}$ genügend Projektive hat, können wir $\mathcal{P}$ als %die Klasse %der nach oben beschränkten Komplexe $\com{P} \in \mathcal{K}$ mit $P^{i}$ %projektiv für alle $i \in \Z$ wählen. Sei $\mathcal{P}$ die Klasse der nach oben beschränkten Komplexe $\com{P} \in \mathcal{K}$ mit $P^{i}$ projektiv für alle $i \in \Z$. Falls $\mathcal{A}$ genügend viele Projektive hat, erfüllt $\mathcal{P}$ die äquivalenten Bedingungen aus \ref{lemma:class-compl-cond} (siehe beispielsweise Lemma 4.6 in \cite{hartshorne}). Ein solches $\com{P}$ ist K-projektiv, denn: Für alle eingradigen Komplexe $\com{Q}$ mit $Q^{i}$ projektiv für alle $i \in \Z$ ist $\com{Q} $ nach \ref{satz:single-degree-compl-k-proj} K-projektiv. Da nach \ref{kor:k-proj-closed} die Klasse der K-Projektiven abgeschlossen unter speziellen direkten Kolimites ist, folgt mit dem Dual von \ref{lemma:bounded-compl-in-complete-class}, dass $\com{P} $ K-projektiv ist. Erneut nach \ref{kor:k-proj-closed} sind die Komplexe in $\rightfinal{\mathcal{P}}$ damit ebenfalls $K$-projektiv. \label{bsp:bounded-above-projectives} \end{bsp} Im Folgenden nehmen wir an, dass $\mathcal{P}$ die äquivalenten Bedingungen von \ref{lemma:class-compl-cond} erfüllt. \begin{lemma} Sei $\com{A} \in \mathcal{K}$. Dann existiert ein $\mathcal{P}$-spezielles direktes System $(\com{P}_n)_{n \in \N}$ und ein direktes System von Komplexhomomorphismen $f_n \colon \com{P}_n \to \tau_{\le n}\com{A}$, sodass $f_n$ ein Quasiisomorphismus ist für alle $n \ge 2$. \label{lemma:constr-dir-system} \end{lemma} \begin{proof} Wir gehen induktiv vor. Setze $\com{P}_{1} = 0$ und $f_{1} = 0$. Nach den äquivalenten Bedingungen von \ref{lemma:class-compl-cond} existiert ein Quasiisomorphismus $f_2 \colon \com{P}_2 \to \tau_{\le 2}\com{A}$ mit $\com{P}_2 \in \mathcal{P}$. Sei nun $n \ge 3$ und seien $\com{P}_{1}, \ldots, \com{P}_{n-1}$ und $f_{1}, \ldots, f_{n-1}$ konstruiert wie im Lemma. Dann setze $\com{P} = \com{P}_{n-1}$ und $\com{B} = \tau_{\le n} \com{A} $. Es sei $a_{n-1}\colon \tau_{\le n-1}\com{A} \to \tau_{\le n} \com{A} $ der natürliche Komplexhomomorphismus und $f = a_{n-1}f_{n-1}\colon \com{P} \to \com{B}$. Es gilt dann \begin{equation} f d_P = d_B f \label{eq:f-comp-hom} \end{equation} Da $\com{B}$ nach oben beschränkt ist und $H^{i}(\com{P}) \simeq H^{i}(\tau_{\le n-1}\com{A}) = 0$ für $i \gg 0$, folgt nach \ref{bem:mapping-cone-h-bounded} $H^{i}(\com{C}_f) = 0$ für $i \gg 0$. Also existiert nach \ref{bem:p-left-resolutions-for-h-bounded} ein Quasiisomorphismus $g\colon \com{Q} \to \com{C}_f[-1]$ mit $\com{Q}[1] \in \mathcal{P}$. Da $C_f^{i}[-1] = P^{i} \oplus B^{i-1}$ für $i \in \Z$, ist $g$ gradweise gegeben durch Morphismen $g'_i\colon Q^{i} \to P^{i} $ und $g''_i\colon Q^{i} \to B^{i-1}$ in $\mathcal{A}$. Betrachte für $i \in \Z$ das folgende kommutative Diagramm: \begin{equation} \begin{tikzcd} \cdots \arrow{r} & Q^{i} \arrow{r}{d_{Q}} \arrow{d}{(g', g'')} & Q^{i+1} \arrow{r} \arrow{d}{(g', g'')} & \cdots\\ \cdots \arrow{r} & P^{i} \oplus B^{i-1} \arrow{r}{d_{C_f[-1]}} & P^{i+1} \oplus B^{i} \arrow{r} & \cdots \label{eq:1} \end{tikzcd} \end{equation} In Matrixnotation ist \begin{align*} d_{C_f} = \begin{pmatrix} d_{P[1]} & 0 \\ f[1] & d_{B} \end{pmatrix} = \begin{pmatrix} - d_{P} & 0 \\ f & d_{B} \end{pmatrix} \intertext{Also folgt} d_{C_f}[-1] = - d_{C_f} = \begin{pmatrix} d_{P} & 0 \\ -f & -d_{B} \end{pmatrix} .\end{align*} Auswerten der Kommutativität von \eqref{eq:1} in beiden Summanden liefert nun \begin{align} d_P g' &= g' d_Q \label{eq:g'-comp-hom} \\ -fg' - d_Bg'' &= g''d_Q \label{eq:g''} .\end{align} Aus \eqref{eq:g'-comp-hom} folgt, dass $g'\colon \com{Q} \to \com{P} $ ein Komplexhomomorphismus ist. Setze nun $h\colon \com{C}_{-g'} \to \com{B} $ durch \[ h(x,y) = g''[1](x) + f(y) .\] Betrachte für $i \in \Z$ das folgende Diagramm: \[ \begin{tikzcd} \cdots \arrow{r} & Q^{i+1} \oplus P^{i} \arrow{r}{d_{C_{-g'}}} \arrow{d}{h} & Q^{i+2} \oplus P^{i+1} \arrow{r} \arrow{d}{h} & \cdots \\ \cdots \arrow{r} & B^{i} \arrow{r}{d_{B}} & B^{i+1} \arrow{r} & \cdots \end{tikzcd} .\] In Matrixnotation ist \begin{salign*} h d_{C_{-g'}} &= \begin{pmatrix} g'' & f \end{pmatrix} \begin{pmatrix} -d_Q & 0 \\ -g' & d_P \end{pmatrix} \\ &= \begin{pmatrix} -g'' d_Q - f g' & f d_P \end{pmatrix} \\ &\stackrel{\eqref{eq:g''}}{=} \begin{pmatrix} d_B g'' & f d_P \end{pmatrix} \\ &\stackrel{\eqref{eq:f-comp-hom}}{=} \begin{pmatrix} d_B g'' & d_B f \end{pmatrix} \\ &= d_B h .\end{salign*} %\begin{salign*} % h d_{C_{-g'}} &= \begin{pmatrix} g''[1] & f \end{pmatrix} % \begin{pmatrix} d_Q[1] & 0 \\ -g'[1] & d_P \end{pmatrix} \\ % &= \begin{pmatrix} % g''[1] d_Q[1] - f g'[1] & f d_P % \end{pmatrix} \\ % &\stackrel{\eqref{eq:g''}}{=} % \begin{pmatrix} % d_B g'' & f d_P % \end{pmatrix} \\ % &\stackrel{\eqref{eq:f-comp-hom}}{=} % \begin{pmatrix} % d_B g'' & d_B f % \end{pmatrix} \\ % &= d_B h %.\end{salign*} Also ist $h$ ein Komplexhomomorphismus. Bleibt zu zeigen, dass $h$ ein Quasiisomorphismus ist. Dafür genügt es nach \ref{mapping-cone-exact-for-qis} zu zeigen, dass $\com{C}_h$ exakt ist. Behauptung: $\com{C}_h = \com{C}_{-g}[1]$. Es ist gradweise für $ i \in \Z$ \[ C_h^{i} = C_{-g'}^{i+1} \oplus B^{i} = (Q^{i+2} \oplus P^{i+1}) \oplus B^{i} = Q^{i+2} \oplus (P^{i+1} \oplus B^{i}) = Q^{i+2} \oplus C_f^i = C_{-g}^{i}[1] .\] Für die Differentiale gilt, wieder in Matrixnotation: \begin{align*} d_{C_h} = \begin{pmatrix} d_{C_{-g'}[1]} & 0 \\ h[1] & d_B \end{pmatrix} = \begin{pmatrix} -\begin{pmatrix} -d_Q & 0 \\ -g' & d_P \end{pmatrix} & 0 \\ \begin{pmatrix} g'' & f \end{pmatrix} & d_B \end{pmatrix} = \begin{pmatrix} d_Q & 0 & 0 \\ g' & -d_P & 0 \\ g'' & f & d_B \end{pmatrix} .\end{align*} Analog folgt \begin{align*} d_{C_{-g}[1]} = \begin{pmatrix} d_{Q[1]} & 0 \\ -g[1] & d_{C_f[-1]} \end{pmatrix} [1] = -\begin{pmatrix} -d_Q & 0 \\ \begin{pmatrix} -g' \\ -g'' \end{pmatrix} & -\begin{pmatrix} -d_P & 0 \\ f & d_{B} \end{pmatrix} \end{pmatrix} = \begin{pmatrix} d_Q & 0 & 0 \\ g' & -d_P & 0 \\ g'' & f & d_B \end{pmatrix} .\end{align*} Also folgt die Behauptung. Da $g$ und demnach $-g$ ein Quasiisomorphismus ist und Verschieben Exaktheit erhält, folgt mit \ref{mapping-cone-exact-for-qis} die Exaktheit von $\com{C}_h = \com{C}_{-g}[1]$. Setze nun $\com{P}_n \coloneqq \com{C}_{-g'}$ und $f_n \coloneqq h$. Sei $p_{n-1}\colon \com{P}_{n-1} = \com{P} \to \com{P}_n$ die natürliche Abbildung. Dann ist $p_{n-1}$ gradweise gegeben durch die natürliche Inklusion $P^{i} \to Q^{i+1} \oplus P^{i}$. Also folgt $\operatorname{coker } p_{n-1} = \com{Q}[1] \in \mathcal{P}$ und wir haben zerfallende exakte Folgen: \[ \begin{tikzcd} 0 \arrow{r} & P^{i} \arrow{r}{p_{n-1}} & Q^{i+1} \oplus P^{i} \arrow{r} & Q^{i+1} \arrow{r} & 0 \end{tikzcd} .\] Also ist $(\com{P}_n)_{n \in \N}$ ein $\mathcal{P}$-spezielles direktes System. Außerdem ist nach Definition von $h$: \[ f_n p_{n-1} = h p_{n-1} = f = a_{n-1} f_{n-1} ,\] also kommutiert \[ \begin{tikzcd} \com{P}_{n-1} \arrow{r}{p_{n-1}} \arrow{d}{f_{n-1}} & \com{P}_{n} \arrow{d}{f_n = h} \\ \tau_{\le n-1}\com{A} \arrow{r}{a_{n-1}} & \tau_{\le n}\com{A} \end{tikzcd} \] und $(f_n)_{n \in \N}$ ist ein direktes System. \end{proof} Daraus folgt nun sofort: \begin{satz} Angenommen direkte Kolimites existieren in $\mathcal{A}$ und $\colim$ ist exakt. Dann hat jeder Komplex in $\mathcal{K}$ eine $\rightfinal{\mathcal{P}}$-Linksauflösung. \label{satz:existence-left-resolutions} \end{satz} \begin{proof} Sei $\com{A} \in \mathcal{K}$ und $(\com{P}_n)_{n \in \N}$, $(f_n)_{n \in \N}$ wie in \ref{lemma:constr-dir-system}. Da direkte Kolimites in $\mathcal{A}$ existieren und sich diese in $\mathcal{K}$ gradweise bilden, existieren direkte Kolimites in $\mathcal{K}$. Nach der Definition von $\rightfinal{\mathcal{P}}$ ist dann $\com{P} \coloneqq \colim \com{P}_n$ in $\rightfinal{\mathcal{P}}$. Wir erhalten ebenfalls \[ f\coloneqq \colim f_n \colon \com{P} \longrightarrow \colim \tau_{\le n}\com{A} = \com{A} .\] Da $\colim$ exakt ist, folgt für $i \in \Z$: \[ H^{i}(f) = H^{i}(\colim f_n) = \colim \underbrace{H^{i}(f_n)}_{\text{Isomorphismus}} .\] Also ist $f$ ein Quasiisomorphismus. \end{proof} \begin{korollar}[] Angenommen direkte Kolimites existieren in $\mathcal{A}$ und $\colim$ ist exakt. Falls $\mathcal{A}$ außerdem genügend viele Projektive hat, besitzt jeder Komplex in $\mathcal{K}$ eine K-projektive Auflösung. \label{satz:existence-k-proj-resolution} \end{korollar} \begin{proof} Wähle $\mathcal{P}$ wie in Beispiel \ref{bsp:bounded-above-projectives} und wende \ref{satz:existence-left-resolutions} an. \end{proof} \subsubsection{Rechtsauflösungen} Sei $\mathcal{I}$ eine Klasse von Komplexen in $\mathcal{K}$. Im Folgenden nehmen wir an, dass $\mathcal{I}$ die folgende Eigenschaft erfüllt: \vspace{2mm} \noindent\hspace{9mm} \emph{Jeder nach unten beschränkte Komplex $\com{A} \in \mathcal{K}$ hat eine $\mathcal{I}$-Rechtsauflösung.} %\begin{enumerate}[(1)] % \item \emph{Jeder nach unten beschränkte Komplex $\com{A} \in \mathcal{K}$ hat eine % $\mathcal{I}$-Rechtsauflösung.} %\end{enumerate} \begin{bsp} Falls $\mathcal{A}$ genügend viele Injektive hat, können wir, dual zu Beispiel \ref{bsp:bounded-above-projectives}, $\mathcal{I}$ als die Klasse der nach unten beschränkten Komplexe mit in $\mathcal{A}$ injektiven Objekten wählen. \end{bsp} Durch Umdrehen der Pfeile erhalten wir die dualen Aussagen von \ref{lemma:constr-dir-system} und \ref{satz:existence-left-resolutions}: \begin{lemma}[] Sei $\com{A} \in \mathcal{K}$. Dann existiert ein $\mathcal{I}$-spezielles inverses System $(\com{I}_n)_{n \in \N}$ und ein inverses System von Komplexhomomorphismen $f_n\colon \tau^{\ge-n}\com{A} \to \com{I}_n$, sodass $f_n$ ein Quasiisomorphismus ist für $n \ge 2$. \label{lemma:constr-inv-system} \end{lemma} \begin{satz}[] Angenommen inverse Limites existieren in $\mathcal{A}$ und $\lim$ ist exakt. Dann hat jeder Komplex in $\mathcal{K}$ eine $\leftfinal{\mathcal{I}}$-Rechtsauflösung. \label{satz:existence-right-resolutions} \end{satz} \begin{bem} Leider findet \ref{satz:existence-right-resolutions} in $\mathcal{A} = R\text{-Mod}$ für einen Ring $R$ keine Anwendung, da hier $\lim$ nicht exakt ist. Diese Voraussetzung wird jedoch nur verwendet, um zu zeigen, dass $f = \lim f_n\colon \com{A} \to \lim \com{I}_n$ ein Quasiisomorphismus ist. Wir können uns der speziellen Struktur des inversen Systems $(\com{I}_n)_{n \in \N}$ bedienen, um für $\mathcal{A} = R\text{-Mod}$ zu zeigen, dass $f$ dennoch ein Quasiisomorphismus ist. \end{bem} \begin{satz}[] Sei $R$ ein Ring und $\mathcal{A}$ die Kategorie der R-(Links)-Moduln. Dann hat jeder Komplex in $\mathcal{K}$ eine K-injektive Auflösung. \label{satz:existence-k-inj-resolution} \end{satz} \begin{proof} Da $R$-Mod genügend viele Injektive hat, können wir $\mathcal{I}$ wie im Dual von \ref{bsp:bounded-above-projectives} wählen. Seien $(\com{I}_n)_{n \in \N}$ und $(f_n)_{n \in \N}$ wie in \ref{lemma:constr-inv-system}. Seien $\com{I} = \lim \com{I}_n$ und $f = \lim f_n$. Es genügt zu zeigen, dass $f$ ein Quasiisomorphismus ist. Sei $i \in \Z$ beliebig. Für $n \ge 3$ haben wir folgendes kommutative Diagramm: \[ \begin{tikzcd} \com{I} \arrow{r} \arrow{d}{f} & \com{I}_n \arrow{r}{p_n} \arrow{d}{f_n} & \com{I_{n-1}} \arrow{d}{f_{n-1}} \\ \com{A} \arrow{r} & \tau^{\ge -n} \com{A} \arrow{r} & \tau^{\ge -(n-1)} \com{A} \end{tikzcd} \] Wende nun $H^{i}(-)$ auf dieses Diagramm an: \begin{equation} \begin{tikzcd} H^{i}(\com{I}) \arrow{r} \arrow{d}{H^{i}(f)} & H^{i}(\com{I}_n) \arrow{r}{H^{i}(p_n)} \arrow{d}{H^{i}(f_n)}[swap]{\sim} & H^{i}(\com{I_{n-1}}) \arrow{d}{H^{i}(f_{n-1})}[swap]{\sim} \\ H^{i}(\com{A}) \arrow{r} & H^{i}(\tau^{\ge -n} \com{A}) \arrow{r} & H^{i}(\tau^{\ge -(n-1)} \com{A}) \end{tikzcd} \label{eq:diag-hi-in} .\end{equation} Die rechten beiden vertikalen Pfeile sind Isomorphismen, da $f_k$ ein Quasiisomorphismus ist für alle $k \ge 2$. Sei nun $n \ge -i+1$. Dann ist $i \ge -n + 1 \ge -n$, also ist $H^{i}(\com{A}) = H^{i}(\tau^{\ge -n}\com{A}) = H^{i}(\tau^{\ge -(n-1)} \com{A})$. Also sind die Morphismen in der unteren Zeile von \eqref{eq:diag-hi-in} Isomorphismen und damit ist $H^{i}(p_n)\colon H^{i}(\com{I}_n) \to H^{i}(\com{I}_{n-1})$ ein Isomorphismus. Betrachte nun die kurze exakte Folge \[ \begin{tikzcd} 0 \arrow{r} & \operatorname{ker } p_n \arrow{r} & \com{I}_n \arrow{r}{p_n} & \com{I}_{n-1} \arrow{r} & 0 \end{tikzcd} .\] Das liefert für $j \in \Z$ eine lange exakte Kohomologiefolge: \begin{equation} \begin{tikzcd} H^{j-1}(\com{I}_{n}) \arrow{r}{H^{j-1}(p_n)} & H^{j-1}(\com{I}_{n-1}) \arrow{r} & H^{j}(\operatorname{ker } p_n) \arrow{r} & H^{j}(\com{I}_n) \arrow{r}{H^{j}(p_n)} & H^{j}(\com{I}_{n-1}) \end{tikzcd} \label{eq:long-ex-hi-in} \end{equation} Anwenden des obigen Arguments für $i = j$ und $i = j-1$ liefert für $n \ge -(j-1) + 1 \ge -j+1$ Isomorphismen $H^{j}(p_n)$ und $H^{j-1}(p_n)$. Aufgrund der Exaktheit von \eqref{eq:long-ex-hi-in} folgt dann, dass $H^{j}(\operatorname{ker } p_n) = 0$ für alle $n \ge -(j-1)+1 = -j+2$. Sei nun $m \in \Z$ beliebig. Dann setze $N \coloneqq -m + 1$. Dann ist für alle $n > N$: \[ H^{m}(\operatorname{ker } p_n) = 0 = H^{m+1}(\operatorname{ker } p_n) .\] Also ist die Folge \begin{equation} \begin{tikzcd} \operatorname{ker } p_n^{m-1} \arrow{r} & \operatorname{ker } p_n^{m} \arrow{r} & \operatorname{ker } p_n^{m+1} \arrow{r} & \operatorname{ker } p_n^{m+2} \end{tikzcd} \end{equation} für $n > N$ exakt. Das System \begin{equation*} \begin{tikzcd} (I_n^{m-1})_{n \in \N} \arrow{r} & (I_n^{m})_{n \in \N} \arrow{r} & (I_n^{m+1})_{n \in \N} \arrow{r} & (I_n^{m+2})_{n \in \N} \end{tikzcd} \end{equation*} erfüllt damit die Bedingungen von \ref{0.11}. Also ist die natürliche Abbildung \[ H^{m}(\com{I}) \longrightarrow H^{m}(\com{I}_N) \] ein Isomorphismus. Erneute Betrachtung des linken Vierecks von \eqref{eq:diag-hi-in} für $i=m$ und $n=N$ liefert nun, dass $H^{m}(f)$ ein Isomorphismus ist. \end{proof} \begin{bem} Damit ist \ref{satz:r-mod-existence-k-proj-and-k-inj-resolutions} bewiesen. \end{bem} \newpage \section{Ableitungen und Adjunktion} \label{sec:application} Sei $R$ ein Ring und im Folgenden $\mathcal{A}$ die Kategorie der $R$ (Links-)Moduln und weiterhin $\mathcal{K} = \mathcal{K}(\mathcal{A})$. Die Argumentation folgt im Wesentlichen den Anfängen der Abschnitte 5 und 6 von \cite{spaltenstein}. \subsection{Abgeleitete $\com{\operatorname{Hom}}$ Funktoren} %\begin{satz}[] % Sei $\com{I} \in \mathcal{K}$ K-injektiv und exakt. Dann ist $\com{\operatorname{Hom}}(\com{M} , \com{I} )$ exakt für alle % $\com{M} \in \mathcal{K}$. % % \label{satz:hom-exact-for-k-inj} %\end{satz} % %\begin{proof} % Sei $\com{M} \in \mathcal{K}$ beliebig. Dann existiert nach % \ref{satz:existence-k-proj-resolution} ein $\com{P} \in \mathcal{K}$ K-projektiv und ein Quasiisomorphismus % $\com{P} \to \com{M}$. Da $\com{I} $ K-injektiv, ist $\com{\operatorname{Hom}}(-, \com{I})$ ein exakter Funktor, also % folgt % \begin{equation} % H^{i}(\com{\operatorname{Hom}}(\com{M}, \com{I})) = \com{\operatorname{Hom}}(H^{i}(\com{M}), \com{I}) % = \com{\operatorname{Hom}}(H^{i}(\com{P}), \com{I}) % = H^{i}(\com{\operatorname{Hom}}(\com{P} , \com{I} )) % \label{eq:cohom-groups-2} % .\end{equation} % Da $\com{P} $ K-projektiv und $\com{I} $ exakt, folgt die Exaktheit der rechten Seite und damit die Behauptung. %\end{proof} %Umdrehen der Pfeile liefert %\begin{satz}[] % Sei $\com{P} \in \mathcal{K}$ K-projektiv und exakt. Dann ist $\com{\operatorname{Hom}}(\com{P} , \com{M} )$ exakt für alle % $\com{M} \in \mathcal{K}$. % \label{satz:hom-exact-for-k-proj} %\end{satz} \begin{satz} Seien $\com{M}, \com{N} \in \mathcal{D}$. Dann ist $\operatorname{R}\com{\operatorname{Hom}}(\com{M}, \com{N})$ wohldefiniert und kann mithilfe einer K-projektiven Auflösung von $\com{M} $ oder einer K-injektiven Auflösung von $\com{N} $ berechnet werden. \label{satz:derived-hom} \end{satz} \begin{proof} In der Notation von \ref{satz:existence-derived-functors} wähle $\mathcal{L}$ als die volle Unterkategorie der K-injektiven Komplexe von $\mathcal{K}$. Dann ist für $\com{M} \in \mathcal{K}$ beliebig: \begin{enumerate}[(i)] \item $\mathcal{L}$ ist trianguliert nach \ref{satz:k-proj-triangulated}. \item Für alle $\com{N} \in \mathcal{K}$ existiert wegen \ref{satz:existence-k-inj-resolution} ein Quasiisomorphismus $\com{N} \to \com{I} $ mit $\com{I} \in \mathcal{L}$. \item Nach \ref{satz:hom-exact-for-k-inj} erhält $\com{\operatorname{Hom}}(\com{M}, -)|_{\mathcal{L}}$ Exaktheit von Komplexen. \end{enumerate} Also existiert R$\com{\operatorname{Hom}}(\com{M} , -)$. Analog berechnet sich R$\com{\operatorname{Hom}}(-, \com{N})$ für $\com{N} \in \mathcal{K}$ unter Wahl von $\mathcal{L}$ als die volle Unterkategorie der K-projektiven Komplexe von $\mathcal{K}$. Beide Ableitungen stimmen überein, denn für $\com{M}, \com{N} \in \mathcal{K}$ beliebig und $\com{P} \to \com{M} $ und $\com{N} \to \com{I} $ K-projektive bzw. K-injektive Auflösungen gilt mit wiederholter Anwendung von \ref{satz:existence-derived-functors} und wegen $\com{M} \simeq \com{P} $ und $\com{N} \simeq \com{I} $ in $\mathcal{D}$: \begin{align*} \text{R}\com{\operatorname{Hom}}(\com{M} , - )(\com{N}) &\simeq \text{R}\com{\operatorname{Hom}}(\com{P} , -)(\com{I}) \\ &= \com{\operatorname{Hom}}(\com{P}, \com{I}) \\ &= \text{R}\com{\operatorname{Hom}}(-, \com{I} )(\com{P}) \\ &\simeq \text{R}\com{\operatorname{Hom}}(-, \com{N} )(\com{M}) .\end{align*} \end{proof} \noindent Analog zu \ref{hom-compl-cohomgroups} erhalten wir \begin{lemma}[] Seien $\com{M}, \com{N} \in \mathcal{D}$. Dann ist \[ H^{0}(\operatorname{R}\com{\operatorname{Hom}}(\com{M}, \com{N})) \simeq \operatorname{Mor}_{\mathcal{D}}(\com{M}, \com{N}) .\] \label{rhom-compl-cohomgroups} \end{lemma} \begin{proof} Nach \ref{satz:existence-k-inj-resolution} existiert ein Quasiisomorphismus $f\colon \com{N} \to \com{I}$, wobei $\com{I}$ K-injektiv ist. Also induziert $f$ einen Isomorphismus in $\mathcal{D}$ und es folgt \begin{salign*} H^{0}(\operatorname{R}\com{\operatorname{Hom}}(\com{M}, \com{N})) &\simeq H^{0}(\operatorname{R}\com{\operatorname{Hom}}(\com{M}, \com{I})) \\ &\simeq H^{0} (\com{\operatorname{Hom}}(\com{M}, \com{I})) \\ &\stackrel{\ref{hom-compl-cohomgroups}}{=} \operatorname{Mor}_{\mathcal{K}}(\com{M}, \com{I}) \\ &\stackrel{\ref{satz:mork=mord-for-k-inj}}{=} \operatorname{Mor}_{\mathcal{D}}(\com{M}, \com{I})\\ &\simeq \operatorname{Mor}_{\mathcal{D}}(\com{M}, \com{N}) .\end{salign*} \end{proof} \subsection{Abgeleitetes Tensorprodukt} Sei von nun an $R = A$ ein kommutativer Ring. Um das Tensorprodukt abzuleiten, benötigen wir noch eine weitere Klasse von Komplexen in $\mathcal{K}$: \begin{definition}[K-flach] Ein Komplex $\com{M} \in \mathcal{K}$ heißt \emph{K-flach}, wenn der Funktor $\com{M} \otimes_A -$ Exaktheit von Komplexen erhält. Eine \emph{K-flache Auflösung} eines Komplexes $\com{N} \in \mathcal{K}$ ist ein Quasiisomorphismus $\com{M} \to \com{N} $ mit $\com{M} \in \mathcal{K}$ K-flach. \end{definition} \begin{satz} Sei $\com{M} \in \mathcal{K}$ mit $M^{i} = 0$ für $i \neq 0$. Dann ist $\com{M} $ genau dann K-flach, wenn $M^{0}$ flacher $A$-Modul ist. \end{satz} \begin{proof} Sei $\com{M} \in \mathcal{K}$ wie im Satz. Dann ist für $\com{S} \in \mathcal{K}$ und $n \in \Z$: \[ (\com{M} \otimes_A \com{S})^{n} = \bigoplus_{i+j=n} M^{i} \otimes_A S^{j} = M^{0} \otimes_A S^{n} = (M^{0} \otimes_A \com{S} )^{n} \] und für $m \in M^{0}$, $s \in S^{n}$: \[ d_{\com{M} \otimes_A \com{S}}^{n}(m \otimes s) = \underbrace{d_{M}^{0}(m)}_{= 0} \otimes s + (-1)^{0} m \otimes d^{n}_{S}(s) = m \otimes d^{n}_S(s) = d^{n}_{M^{0} \otimes_A \com{S} } .\] Also ist $\com{M} \otimes_A \com{S} = M^{0} \otimes_A \com{S}$. Damit folgt die Behauptung aus den Definitionen. \end{proof} Im Folgenden benötigen wir folgendes Kritierium für die Exaktheit von Komplexen: \begin{lemma} Sei $\com{A} \in \mathcal{K}$. Angenommen für jeden K-injektiven Komplex $\com{I} \in \mathcal{K}$ ist $\com{\operatorname{Hom}}(\com{A}, \com{I})$ exakt. Dann ist $\com{A}$ exakt. \label{lemma:0.10} \end{lemma} \begin{proof} Sei $\com{B} \in \mathcal{K}$ beliebig. Dann existiert nach \ref{satz:existence-k-inj-resolution} ein K-injektiver Komplex $\com{I} \in \mathcal{K}$ und ein Quasiisomorphismus $\com{B} \to \com{I}$. Dann gilt $\com{B} \simeq \com{I} $ in $\mathcal{D}$ und wir erhalten \[ \operatorname{Mor}_{\mathcal{D}}(\com{A}, \com{B}) \simeq \operatorname{Mor}_{\mathcal{D}}(\com{A} , \com{I} ) \stackrel{\ref{satz:mork=mord-for-k-inj}}{=} \operatorname{Mor}_{\mathcal{K}}(\com{A} , \com{I} ) = 0 .\] Mit Yoneda folgt nun, dass $\com{A} = 0$ in $\mathcal{D}$. Da $H^{i}(-)\colon \mathcal{K} \to \mathcal{A}b$ über den kanonischen Funktor $Q\colon \mathcal{K} \to \mathcal{D}$ faktorisiert, folgt $H^{i}(\com{A}) = 0$ für $i \in \Z$, also ist $\com{A}$ exakt. \end{proof} \begin{satz}[] Sei $\com{M} \in \mathcal{K} $. Dann sind äquivalent: \begin{enumerate}[(i)] \item $\com{M} $ ist K-flach. \item $\com{\operatorname{Hom}}(\com{M}, \com{I})$ ist K-injektiv für jeden K-injektiven Komplex $\com{I} \in \mathcal{K}$. \end{enumerate} \label{satz:homs-of-k-flat-are-k-inj} \end{satz} \begin{proof} (i)$\implies$(ii): Sei $\com{I}$ K-injektiv und $\com{S}$ exakt. Dann ist \[ \com{\operatorname{Hom}} (\com{S} , \com{\operatorname{Hom}}(\com{M}, \com{I})) \stackrel{\ref{satz:adjunction-hom-tor-comp}}{=} \com{\operatorname{Hom}}(\underbrace{\com{S} \otimes_A \com{M}}_{\text{exakt}}, \underbrace{\com{I}}_{\text{K-injektiv}} ) .\] Weil $\com{M} $ K-flach ist, folgt $\com{S} \otimes_A \com{M} $ exakt, also wegen $\com{I} $ K-injektiv, die Behauptung. (ii)$\implies$(i): Sei $\com{S} $ exakt. Wegen \ref{lemma:0.10} genügt es zu zeigen, dass für jeden K-injektiven Komplex $\com{I} \in \mathcal{K}$, $\com{\operatorname{Hom}}(\com{S} \otimes_A \com{M}, \com{I}) $ exakt ist. Dazu sei $\com{I}$ ein K-injektiver Komplex. Dann ist \[ \com{\operatorname{Hom}}(\com{S} \otimes_A \com{M}, \com{I}) \stackrel{\ref{satz:adjunction-hom-tor-comp}}{=} \com{\operatorname{Hom}}(\underbrace{\com{S}}_{\text{exakt}}, \underbrace{\com{\operatorname{Hom}}(\com{M}, \com{I})}_{\text{K-injektiv}}) \] exakt. \end{proof} \begin{satz}[] \begin{enumerate}[(a)] \item Falls $\com{M}, \com{N} \in \mathcal{K}$ K-flach sind, dann ist auch $\com{M} \otimes_A \com{N} $ K-flach. \item $\com{M} \in \mathcal{K}$ ist genau dann K-flach, wenn $\com{M}[1]$ K-flach ist. \item Falls zwei Punkte eines ausgezeichneten Dreiecks in $\mathcal{K}$ K-flach sind, dann auch der dritte. \end{enumerate} Insbesondere ist die volle Unterkategorie der K-flachen Komplexe in $\mathcal{K}$ eine triangulierte Unterkategorie. \label{satz:k-flat-triangulated} \end{satz} \begin{proof} \begin{enumerate}[(a)] \item Seien $\com{M}, \com{N} \in \mathcal{K}$ K-flach und $\com{S} $ exakt. Dann ist \[ (\com{M} \otimes_A \com{N}) \otimes_A \com{S} = \com{M} \otimes_A (\com{N} \otimes_A \com{S}) \] und die rechte Seite ist exakt. \item Seien $\com{S}, \com{M} \in \mathcal{K}$. Dann sind $- \otimes_A \com{S} $ und $\com{M} \otimes_A -$ nach \ref{satz:tor-is-triangulated} triangulierte Funktoren, also folgt \[ \com{M}[1] \otimes_A \com{S} = (\com{M} \otimes_A \com{S})[1] = \com{M} \otimes_A \com{S}[1] .\] Da Verschieben Exaktheit erhält, folgt daraus die Äquivalenz. \item Sei $(\com{M}, \com{N}, \com{P}, u, v, w)$ ein ausgezeichnetes Dreieck in $\mathcal{K}$ mit $\com{M}$ und $\com{N} $ K-flach. Sei weiter $\com{S} \in \mathcal{K}$ exakt. Da $- \otimes_A \com{S} $ nach \ref{satz:tor-is-triangulated} ein triangulierter Funktor ist, erhalten wir das ausgezeichnete Dreieck $(\com{M} \otimes_A \com{S}, \com{N} \otimes_A \com{S}, \com{P} \otimes_A \com{S}, u \otimes \text{id}_{\com{S} }, v \otimes \text{id}_{\com{S} }, w \otimes \text{id}_{\com{S} })$ und damit für $i \in \Z$ die exakte Folge \[ \begin{tikzcd} H^{i}(\com{N} \otimes_A \com{S}) \arrow{r} & H^{i}(\com{P} \otimes_A \com{S}) \arrow{r} & H^{i+1}(\com{M} \otimes_A \com{S}) \end{tikzcd} .\] Da die äußeren Terme nach Voraussetzung $0$ sind, folgt die Exaktheit von $\com{P} \otimes_A \com{S} $ und damit, dass $\com{P} $ K-flach ist. Der allgemeine Fall folgt nun mit \hyperref[TR2]{TR2}. \end{enumerate} \end{proof} \begin{satz}[] Sei $\com{M} \in \mathcal{K}$ K-projektiv. Dann ist $\com{M} $ K-flach. Insbesondere hat jeder Komplex $\com{N} \in \mathcal{K}$ eine K-flache Auflösung. \label{satz:k-proj-is-k-flat} \end{satz} \begin{proof} Sei $\com{M} $ K-projektiv und $\com{S} $ exakt. Sei weiter $\com{I} \in \mathcal{K}$ K-injektiv. Dann folgt \[ \com{\operatorname{Hom}} (\com{M} \otimes_A \com{S}, \com{I}) \stackrel{\ref{satz:adjunction-hom-tor-comp}}{=} \com{\operatorname{Hom}}(\com{M}, \com{\operatorname{Hom}}(\com{S}, \com{I} )) .\] Es ist $\com{\operatorname{Hom}}(\com{S}, \com{I})$ exakt, da $\com{I} $ K-injektiv ist. Damit ist die rechte Seite auch exakt, da $\com{M} $ K-projektiv ist. Also folgt die Behauptung mit \ref{lemma:0.10}. Das Insbesondere folgt nun aus \ref{satz:existence-k-proj-resolution}. \end{proof} \begin{satz}[] Sei $\com{M} \in \mathcal{K}$ K-flach und exakt. Dann ist $\com{M} \otimes_A \com{N} $ exakt für alle $\com{N} \in \mathcal{K}$. \label{satz:tor-exact-for-k-flat} \end{satz} \begin{proof} Sei $\com{M} \in \mathcal{K}$ K-flach und exakt und sei $\com{N} \in \mathcal{K}$ beliebig. Dann existiert nach \ref{satz:k-proj-is-k-flat} ein K-flacher Komplex $\com{P} \in \mathcal{K}$ und ein Quasiisomorphismus $\com{P} \to \com{N} $. Da $\com{M} $ K-flach ist, erhält $\com{M} \otimes_A -$ nach \ref{kor:exactness-preserver-preserves-qis} Quasiisomorphismen. Damit folgt \begin{equation} H^{i}(\com{M} \otimes_A \com{N}) \simeq H^{i}(\com{M} \otimes_A \com{P}) \label{eq:cohom-groups-1} .\end{equation} Da $\com{P} $ K-flach ist, folgt mit der Exaktheit von $\com{M} $, dass $\com{M} \otimes_A \com{P} $ exakt ist. Damit folgt die Behauptung aus \eqref{eq:cohom-groups-1}. \end{proof} Damit erhalten wir: \begin{satz} Seien $\com{M}, \com{N} \in \mathcal{D}$. Dann ist $\com{M} \otimes_A^{\operatorname{L}} \com{N}$ wohldefiniert und kann mithilfe einer K-flachen Auflösung einer der Faktoren berechnet werden. \label{satz:derived-tor} \end{satz} \begin{proof} In der Notation (der Linksableitungsversion) von \ref{satz:existence-derived-functors} wähle $\mathcal{L}$ als die volle Unterkategorie der K-flachen Komplexe von $\mathcal{K}$. Dann gilt für $\com{N}$ beliebig: \begin{enumerate}[(i)] \item $\mathcal{L}$ ist trianguliert nach \ref{satz:k-flat-triangulated}. \item Für alle $\com{M} \in \mathcal{K}$ existiert nach \ref{satz:k-proj-is-k-flat} ein Quasiisomorphismus $\com{P} \to \com{M}$ mit $\com{P} \in \mathcal{L}$. \item Nach \ref{satz:tor-exact-for-k-flat} erhält $\com{N} \otimes_A -|_{\mathcal{L}}$ Exaktheit von Komplexen. \end{enumerate} Also existiert $\com{N} \otimes_A^{\operatorname{L}} -$. Analog zeigt man die Existenz von $- \otimes_A^{L} \com{N}$ und wie im Beweis von \ref{satz:derived-hom}, dass beide Ableitungen übereinstimmen. \end{proof} \subsection{Adjunktion} Jetzt können wir alles zusammentragen und erhalten: \begin{satz} Seien $\com{M}, \com{N}, \com{P} \in \mathcal{D}$. Dann existiert ein natürlicher Isomorphismus, der funktoriell in allen Variablen ist: \[ \operatorname{R}\com{\operatorname{Hom}}(\com{M} \otimes_A^{\operatorname{L}} \com{N}, \com{P}) = \operatorname{R}\com{\operatorname{Hom}}(\com{M}, \operatorname{R}\com{\operatorname{Hom}}(\com{N}, \com{P})) .\] \label{satz:adjunction-rhom-rtor} \end{satz} \begin{proof} Nach \ref{satz:derived-hom} und \ref{satz:derived-tor} sind alle Terme wohldefiniert und wir können mit \ref{satz:k-proj-is-k-flat} ohne Einschränkung annehmen, dass $\com{N} $ K-flach ist, und mit \ref{satz:existence-k-inj-resolution}, dass $\com{P} $ K-injektiv ist. Dann folgt \begin{align*} \operatorname{R}\com{\operatorname{Hom}}(\com{M} \otimes_A^{\operatorname{L}} \com{N}, \com{P}) &= \operatorname{R}\com{\operatorname{Hom}}(\com{M} \otimes_A \com{N}, \com{P}) \\ &= \com{\operatorname{Hom}}(\com{M} \otimes_A \com{N}, \com{P} ) \\ &\stackrel{\ref{satz:adjunction-hom-tor-comp}}{=} \com{\operatorname{Hom}}(\com{M}, \com{\operatorname{Hom}}(\com{N}, \com{P})) \\ &= \operatorname{R}\com{\operatorname{Hom}}(\com{M}, \com{\operatorname{Hom}}(\com{N}, \com{P})) \\ &= \operatorname{R}\com{\operatorname{Hom}}(\com{M}, \operatorname{R}\com{\operatorname{Hom}}(\com{N}, \com{P})) .\end{align*} Das vorletzte Gleichheitszeichen gilt, weil nach \ref{satz:homs-of-k-flat-are-k-inj} $\com{\operatorname{Hom}}(\com{N}, \com{P})$ K-injektiv ist. \end{proof} \begin{korollar} Seien $\com{M}, \com{N}, \com{P} \in \mathcal{D}$. Dann existiert ein natürlicher Isomorphismus, der funktoriell in allen Variablen ist: \[ \operatorname{Mor}_{\mathcal{D}}(\com{M} \otimes_A^{\operatorname{L}} \com{N}, \com{P}) = \operatorname{Mor}_{\mathcal{D}}(\com{M}, \operatorname{R}\com{\operatorname{Hom}}(\com{N} , \com{P} )) .\] Insbesondere gilt folgende Funktoradjunktion in $\mathcal{D}$: \[ - \otimes_A^{\operatorname{L}} \com{N} \dashv \operatorname{R}\com{\operatorname{Hom}}(\com{N}, -) .\] \end{korollar} \begin{proof} %$H^{0}$ angewendet auf den Isomorphismus aus \ref{satz:adjunction-rhom-rtor} zeigt %mit \ref{rhom-compl-cohomgroups} die Behauptung. Man wende \ref{rhom-compl-cohomgroups} auf den Isomorphismus aus \ref{satz:adjunction-rhom-rtor} an. %Wir können wieder annehmen, dass $\com{N}$ K-flach und $\com{P} $ K-injektiv ist. %Dann betrachte: %\begin{salign*} % \operatorname{Mor}_{\mathcal{D}}(\com{M} \otimes_A^{\text{L}} \com{N}, \com{P}) % &\stackrel{\ref{satz:mork=mord-for-k-inj}}{=} % \operatorname{Mor}_{\mathcal{K}}(\com{M} \otimes_A^{\text{L}} \com{N}, \com{P}) \\ % &\stackrel{\ref{hom-compl-cohomgroups}}{=} % H^{0}\com{\operatorname{Hom}}(\com{M} \otimes_A^{\text{L}} \com{N}, \com{P}) \\ % &= H^{0}\com{\operatorname{Hom}}(\com{M} \otimes_A \com{N}, \com{P}) \\ % &\stackrel{\ref{satz:adjunction-hom-tor-comp}}{=} % H^{0}\com{\operatorname{Hom}}(\com{M}, \com{\operatorname{Hom}}(\com{N}, \com{P})) \\ % &\stackrel{\ref{hom-compl-cohomgroups}}{=} % \operatorname{Mor}_{\mathcal{K}}(\com{M}, \com{\operatorname{Hom}}(\com{N}, \com{P})) \\ % &\stackrel{\ref{satz:mork=mord-for-k-inj}}{=} % \operatorname{Mor}_{\mathcal{D}}(\com{M}, \com{\operatorname{Hom}}(\com{N}, \com{P})) \\ % &= \operatorname{Mor}_{\mathcal{D}}(\com{M}, \text{R}\com{\operatorname{Hom}}(\com{N}, \com{P})) %.\end{salign*} %Das vorletzte Gleichheitszeichen gilt erneut, weil nach \ref{satz:homs-of-k-flat-are-k-inj} %$\com{\operatorname{Hom}}(\com{N}, \com{P})$ K-injektiv ist. \end{proof} \bibliographystyle{alpha} \bibliography{refs} %% TODO: zitate richtig machen %\begin{thebibliography}{9} %\bibitem{hartshorne} %Hartshorne, R. \emph{Residues and duality.} Lecture Notes in Math. 20, Springer-Verlag (1966) %\bibitem{spaltenstein} %%N. Spaltenstein. Resolutions of unbounded complexes. \emph{Composito Mathematica 65}. (1988) %Spaltenstein, N. \emph{Resolutions of unbounded complexes.} Compositio Mathematica, Tome 65 (1988) no. 2, pp. 121-154. %http://www.numdam.org/item/CM_1988__65_2_121_0/ %\bibitem{set-theoretic} %%Charles A. Weibel. An introduction to homological algebra. \emph{Cambridge studies in advanced mathematics}. 38 (1988) %Weibel, C. \emph{An Introduction to Homological Algebra}. Cambridge Studies in Advanced Mathematics. Cambridge: Cambridge University Press (1994).% doi:10.1017/CBO9781139644136 % %\end{thebibliography} \end{document}