\documentclass{../../../lecture} \begin{document} \begin{bem}[Organisatorisches] Nächsten Mittwoch (20. November) findet keine Vorlesung und auch keine Plenarübung statt. Aber Mittwoch (27.11.) Vorlesung statt Plenarübung im großen Hörsaal Chemie \end{bem} \begin{satz}[Wichtiger Satz] Der Körper $\R$ ist vollständig, d.h. jede Cauchy Folge in $\R$ hat einen Limes \end{satz} \begin{proof} Sei $(a_n)_{n\in\N}$ eine Cauchy Folge reeller Zahlen, d.h. $a_n \in \R$. \[ a_n \in \R: \forall n \in \N: \exists \text{ C.F. } (a_{n, m}) .\] \[ a_{n,m} \in \Q \forall n, m \in \N, a_n = \lim_{m \to \infty} a_{n,m} .\] $\forall n \in \N$ wähle Index $k_n \in \N$ mit \[ |a_n - a_{n,kn}| < \frac{1}{n} .\] $k_n$ existiert, weil $\lim_{m \to \infty} a_{n,m} = a_n$ und damit $|a_n - a_{n,m}| \to 0$ also $\exists \epsilon |a_n - a_{n.m}| < \epsilon < \frac{1}{n}$ und Archimedisches Axiom. Ziel: zu zeigen $\left( a_{n, k_{n}} \right)_{n \in \N}$ rationaler Zahlen ist Cauchy Folge. Sei $\epsilon > 0$. Dann $\exists n_{\epsilon} \in \N$ s.d. $\forall n, m \ge n_\epsilon$ : \begin{align*} |a_n - a_m| < \frac{1}{3} \epsilon, |a_n - a_{n,k_n}| < \frac{1}{3} \epsilon \\ (a_n)_{n \in \N} \text{C.F.} \\ |a_m - a_{m,k_m}| < \frac{1}{3} \epsilon \text{(AA)} .\end{align*} und folglich \[ |a_{n, k_n} - a_{m, k_m}| \le |a_{n, k_n} - a_n + a_n - a_m + a_m - a_{m, k_m}| \le |a_{n, k_n} - a_n| + | a_n - a_m| + |a_m - a_{m, k_m}| < \epsilon .\] $\implies (a_{n, k_n})_{n \in \N}$ Cauchy Folge $\implies$ Nach Konstruktion der $\R$ folgt, dass $\exists $ ,,limes' $a \in \R$, s.d. \[ \forall \epsilon > 0, \exists n_\epsilon \in \N, \forall n \ge n_\epsilon: |a_{n, k_n} - a| < \epsilon .\] Dann gilt für die Folge $(a_n)_{n\in\N}$: \[ |a_n - a| \le |a_n - a_{n, k_n}| + |a_{n, k_n} - a| \le \frac{1}{n} + |a_{n, k_n} - a| \to 0 .\] $\implies a = \lim_{n \to \infty} a_n$ $\Q$ ist dicht in $\R$, d.h. \[ \forall a \in \R \text{ gilt } \forall \epsilon > 0 \exists q_\epsilon \in \Q \text{ s.d. } |a - q_\epsilon| \le \epsilon .\] Nach Konstruktion von $\R$ folgt: \begin{align*} \forall \text{C.F.} (a_n)_{n\in\N} a_n \in \Q: \\ \exists a \in \R: a = \lim_{n \to \infty} a_n .\end{align*} $\implies \forall \epsilon > 0$ $\exists n_\epsilon$ $|a_n - a| < \epsilon \forall n \ge n_\epsilon$ \end{proof} \begin{bem}[Archimedisches Axiom] \begin{align*} \forall a \in \R: \exists n \in \N: \text{s.d.} n - a > 0 \\ \implies \forall \epsilon > 0 \exists n \in \N \text{s.d. } n - \frac{1}{\epsilon} > 0 \\ \implies \frac{1}{n} < \epsilon .\end{align*} \end{bem} \section{Wichtige Aussage} $\R$ ist vollständig, da alle C.F. in $\R$ haben einen Grenzwert in $\R$. \section{Weitere Möglichkeiten, die Vollständigkeit von $\R$ zu charakterisieren} \begin{definition}[Maximum, Minimum, obere/untere Schranke, Supremum, Infimum] Sei $M \subset \R, M \neq \emptyset$. Maximum: \[ \text{max} M := b \in M: b \ge x, \forall x \in M .\] Minimum: \[ \text{min} M := a \in M: x \ge a, \forall x \in M .\] Obere Schranke: \[ b \in \R, \text{ s.d. } b \ge x, \forall x \in M .\] Untere Schranke: \[ a \in \R, \text{ s.d. } x \ge a, \forall x \in M .\] Eine Menge $M$ heißt nach oben (unten) beschränkt, falls eine obere (untere) Schranke von $M$ existiert. Supremum: kleinste obere Schranke Infimum: größte untere Schranke \end{definition} \begin{bsp} \begin{itemize} \item $\N$ ist von unten beschränkt, z.B. mit 0. $\text{min} \N = 1$, von oben unbeschränkt. \item $M = \{x \in \R \mid x^2 < 2\} $: obere Schranke ist $\sqrt{2} $ und untere Schranke ist $ - \sqrt{2} $, aber $M$ besitzt kein Maximum bzw. Minimum. $\sqrt{2}$ ist Supremum und $-\sqrt{2} $ ist Infimum \end{itemize} \end{bsp} \begin{bem} Falls $b = \text{sup} M \iff$: \begin{enumerate} \item $b$ ist eine obere Schranke von $M$, d.h. $\forall x \in M: x \le b$ und \item Jede Zahl $c < b$ ist keine obere Schranke von M, d.h. $\forall c \in M, c < b, \exists x \in M$: $c < x$ (oder $\forall \epsilon > 0 \exists x \in M\colon x > b - \epsilon$) \end{enumerate} Analog für $a = \text{inf}M$ \end{bem} \begin{bsp} \[ I = (a, b) := \{x \in \R \mid a < x < b\} .\] dann gilt $\text{sup} I = b, \text{inf} I = a$. \end{bsp} \begin{bem} Das Supremum (Infimum) muss nicht zur Menge $M$ gehören, aber falls $\text{sup}M \in M$, dann $\text{sup}M = \text{max} M$. \end{bem} \begin{satz}[Vollständigkeit in $\R$ Nr. 2] $\R$ vollständig $\iff$ jede nichtleere beschränkte Teilmenge $M \in \R$ besitzt ein Supremum bzw. Infimum \end{satz} \begin{definition}[Intervalle] \[ [a, b] := \{x \in \R \mid a \le x \le b\} \text{ abgeschlossenes Intervall} .\] \[ (a, b) := \{x \in \R \mid a < x < b\} \text{ offenes Intervall} .\] \[ (a, b] := \{x \in \R \mid a < x \le b\} \text{ halboffenes Interval} .\] \[ [a, b) \text{ analog} .\] \end{definition} \begin{definition}[Intervallschachtelung] ist eine Folge von abgeschlossenen Intervallen $I_n := [a_n, b_n] := \{ x \in \R \mid a_n \le x \le b_n\}, n \in \N $ mit Eigenschaften. 1) $I_{n+1} \subset I_n n \in \N$ (bedeutet $a_n \le a_{n+1} \le b_{n+1} \le b_n$ 2) $\forall \epsilon > 0, \exists I_{n}$ mit der Länge \[ |b_n - a_n| < \epsilon \text{ d.h. } |b_n - a_n| \to 0, n \to \infty .\] \end{definition} \begin{satz}[Vollständigkeit in $\R$ Nr. 3] Vollständigkeit in $\R$ $\iff$ Intervallschachtelungseigenschaft d.h. für jede Intervallschachtelung. \[ (I_n)_{n\in\N} \in \R, \exists c \in \R \] so dass \[ {c} = \bigcap_{n = 1}^{\infty} I_n := \{x \in \R | x \in I_n \forall n \in \N\} .\] Diese Aussage ist verwandt mit dem Axiom vom Dedekindischen Schnitt \end{satz} \begin{satz}[Trennungseigenschaft] Seien $A, B \subset \R, A \neq \emptyset, B \neq \emptyset$ mit $a < b \forall a \in A, b \in B$ Dann existiert immer ein $c \in \R$, welches A und B trennt: \[ \forall a \in A, b \in B \text{ gilt } a \le c \le b .\] Dies ist ebenfalls $\iff$ zur Vollständigkeit in $\R$ \end{satz} \begin{lemma}[Existenz der $k$-ten Wurzel einer positiven reellen Zahl] $\forall a \in \R^{+}$ $\forall k \in \N$: existiert eine positive $k$-te Wurzel. Das heißt die Lösung der Gleichung \[ x^{k} = a .\] ist $\sqrt[k]{a}$ (Bezeichnung). \end{lemma} \begin{proof} 1) Die Eindeutigkeit der $\sqrt[k]{a}$ (falls sie existiert) Seien $x_1, x_2 \in \R$ zwei $k$-te Wurzeln des $a \in R^{+}$ : \[ x_1^{k} = a = x_2^{k} .\] Dann gilt: \[ 0 = x_1^{k} - x_2^{k} = (x_1 - x_2) \underbrace{\sum_{m=0}^{k-1} x_1^{k-1-m} x_2^{m}}_{> 0} .\] mit dieser Hilfsformel \[ x^{n} - y^{n} = (x - y) \sum_{k=0}^{n-1} x^{n-1-k}y^{k} .\] $\implies$ $x_1 - x_2 = 0 \implies x_1 = x_2$ 2) Existenz: $a = 1 \implies \sqrt[k]{1} = 1$ ($1^{k} = 1$ ) Sei $a > 1$ und Annahme, dass $\exists$ Wurzel für $0 < a' < 1$ Dann definiere: \[ \sqrt[k]{a} := \frac{1}{\sqrt[k]{\frac{1}{a}} } .\] \[ \left( \sqrt[k]{a} \right) ^{k} = \left( \frac{1}{\sqrt[k]{a'} } \right)^{k} = \frac{1}{\sqrt[k]{a'}^{k} } = \frac{1}{a'} = a .\] Es bleibt zu zeigen: $\exists \sqrt[k]{a} $ für $0 < a < 1$. \end{proof} \end{document}