\documentclass{lecture} \begin{document} \section{Grundlagen} \subsection{Abbildungen} Die Gesamtheit aller Abbildungen einer Menge $M$ in eine Menge $N$ ist wieder eine Menge und wird mit $Abb(M, N)$ bezeichnet. \begin{definition}[] Seien $M$, $N$, $K$ Mengen und $f: M \to N$, $g: N \to K$. Die Abb $g \circ f: M \to K, m \mapsto g(f(m))$ heißt die Komposition von f und g. Die Komposition kann man auch als Mengenabbildung auffassen: \[ \circ: Abb(M, N) \times Abb(N, K) \to Abb(M, K) \] \[ (f, g) \mapsto g \circ f .\] \end{definition} \begin{lemma}[] Seien $I$ und $M$ Mengen und es sei: $(M_{i})_{i \in I}$ die Familie von (immergleichen) Mengen $M_{i} = M$ indiziert über $i \in I$. Dann existiert eine natürliche Bijektion \[ \Phi: Abb(I, M) \to^{\thicksim} \prod_{}^{} (M_{i})_{i \in I} (= M^I) .\] \end{lemma} \begin{proof} rechts: Tupel $(m_{i})_{i \in I}, m_{i} \in M_{i} = M$ links: Abbildung $f: I \to M$. Eine solche Abbildung ist dadurch gegeben, dass man jedem $i \in I$ ein $m_{i} = f(i) \in M$ zuordnet. Wir definieren $\Phi$ durch die Zuordnung: \[ \Phi: f \in Abb(I, M) \mapsto (f(i))_{i \in I} \in \prod_{}^{} (M_{i})_{i \in I} .\] Da die Abb. $f$ durch ihre Werte $f(i) \in M, i \in I$, gegeben ist, ist $\Phi$ injektiv. Ist umgekehrt $(m_{i}) \in \prod M_{i}$ gegeben, so ist die Abbildung $f: I \to M, i \mapsto m_{i} \in M$ ein Urbild unter $\Phi$. Daher ist $\Phi$ surjektiv. \end{proof} \section{Gruppen, Ringe, Körper} \subsection{Gruppen} \begin{definition}[Verknüpfung] Eine (binäre) Verknüpfung auf einer Menge $M$ ist eine Abbildung: \[ *: M \times M \to M .\] \end{definition} \begin{definition}[Gruppe] Eine Gruppe $(G, *, e)$ ist eine Menge $G$ mit einer Verknüfung $*$ und einem (ausgezeichneten) Element $e \in G$, so dass: \begin{enumerate} \item $g*(h*k) = (g*h*)*k$ $\forall g,h,k \in G$ (Assoziativität) \item $e * g = g$ $\forall g \in G$ ((Links)neutrales Element) \item $\forall g \in G$: $\exists h \in G$: $h * g = e$ (Linksinverses) \end{enumerate} Eine Gruppe heißt kommutativ oder abelsch wenn zusätzlich gilt: \begin{enumerate} \item $g * h = h * g$ $\forall g, h \in G$ \end{enumerate} \end{definition} \begin{bsp}[] \begin{enumerate} \item $(\Z, +, 0)$ ist abelsche Gruppe \item $(\Q, +, 0)$, $(\R, +, 0)$, $(\C, +, 0)$ sind abelsche Gruppen. \item $(\Q \setminus{\{0\}}, \cdot, 1)$ ist eine abelsche Gruppe \item $(\R_{>0}, \cdot, 1)$ ist abelsche Gruppe \end{enumerate} \end{bsp} \begin{bem}[] Menge der Restklassen: \[ \{\overline{0}, \overline{1}, \ldots, \overline{n-1}\} = \Z / n\Z .\] $(\Z / n\Z, +, \overline{0})$ ist eine abelsche Gruppe. Wie ist die Summe von Restklassen definiert? Seien $A, B \in \Z / n\Z$. Vorschrift für ,,+''. \begin{enumerate} \item Wähle ,,Vertreter'' $a,b \in \Z$ von $A,B$, d.h. $a \in A$, $b \in B$. \item bilde $a+b$ in $\Z$ \item $A+B =^{def} \overline{a+b}$, d.h. die Restklasse zu der $a+b$ gehört. \end{enumerate} Damit diese Definition widerspruchsfrei ist (Sprich: ,,+'' ist \textit{wohldefiniert}) muss man nachweisen, dass das Ergebnis nicht von der Auswahl im ersten Schritt abhängt. \end{bem} \begin{bsp}[] Die symmetrische Gruppe $O_{n}$ \[ O_{n} := \text{die Menge aller bijektiven Abb.}\\ \pi: \{1, \ldots, n\} \to \{1, \ldots, n\} .\] (sogennante Permutationen) $* = \circ$ Komposition von Abbildungen\\ $e = id_{\{1, \ldots, n\}}$\\ Wir schreiben Permutationen in der Form: \[ \pi = \begin{pmatrix} 1 & 2 & 3 & \ldots & n \\ \pi(1) & \pi(2) & \pi(3) & \ldots & \pi(n) \end{pmatrix} .\] Elementare Kombinationen: $n$ Möglichkeiten für $\pi(1)$, $(n-1)$ Möglichkeiten, für $\pi(2)\ldots$, 1 Möglichkeit für $\pi(n)$. \[ \#O_{n} = n! \text{ (Fakultät)} .\] Verifikation der Gruppenaxiome \begin{enumerate} \item $g*(h*k) = g \circ (h \circ k) = (g \circ h) \circ k = (g * h) * k$ \item $e * g = id * g = g$ \item Sei g eine Permutation und $h = g^{-1}$ die Umkehrabbildung. Dann gilt $h*g = g^{-1} \circ g = id = e$. \end{enumerate} Für $n \ge 3$ ist $\sigma_{n}$ nicht kommutativ. \[ \begin{pmatrix} 1 & 2 & 3 & 4 & \ldots \\ 2 & 1 & 3 & 4 & \ldots \end{pmatrix} \circ \begin{pmatrix} 1 & 2 & 3 & 4 & \ldots \\ 1 & 3 & 2 & 4 & \ldots \end{pmatrix} = \begin{pmatrix} 1 & 2 & 3 & 4 & \ldots \\ 2 & 3 & 1 & 4 & \ldots \end{pmatrix} .\] \[ \begin{pmatrix} 1 & 2 & 3 & 4 & \ldots \\ 1 & 3 & 2 & 4 & \ldots \end{pmatrix} \circ \begin{pmatrix} 1 & 2 & 3 & 4 & \ldots \\ 2 & 1 & 3 & 4 & \ldots \end{pmatrix} = \begin{pmatrix} 1 & 2 & 3 & 4 & \ldots \\ 3 & 1 & 2 & 4 & \ldots \end{pmatrix} .\] \end{bsp} \begin{satz}[] Sei $G = (G, *, e)$ eine Gruppe. Dann gilt für alle $g, h, k \in G$. \begin{enumerate} \item $g * h = g * k \implies h = k$ (Linkskürzung) \item $g * h = k * h \implies g = k$ (Rechtskürzung) \item $g * e = g$ (das (links)neutrale Element ist auch rechtsneutral) \item aus $g*h=g$ oder $h*g=g$ für ein einziges $g\in G$, so folgt $h=e$ \item $\forall g \in G$: existiert ein eindeutig bestimmtes Element $g^{-1} \in G$ mit $g^{-1} * g = e = g * g^{-1}$. \item Aus $h * g = e$ oder $g*h=e$ folgt $h=g^{-1}$. \item $\left(g^{-1}\right)^{-1} = g$ $\forall g \in G$ \end{enumerate} \end{satz} \begin{proof}[Beweis 1] Sei $g * h = g * k$. Nach (G3) $\exists s \in G$, sodass $s * g = e$. Daher gilt $s*(g*h) = (s*g)*h = e*h = k$.\\ Analog: $s*(g*k) = (s*g)*k = e*k = k$ Daraus folgt: $h = k$. \end{proof} \begin{proof}[Beweis 3] Nach (G3) existiert $h\in G$ und $h*g=e$. Es folgt $h*(g*e)=(h*g)*e=e*e=e=h*g$\\ Nach (1) folgt $g*e=g$ \end{proof} \begin{proof}[Beweis 5, Existenz] Sei $h\in G$ mit $h*g = e$ (ex. nach G3) $h*(g*h) = (h*g)*h = e * h = h = h * e$\\ Durch Linkskürzung erhalten wir $g * h = e$. \end{proof} \begin{proof}[Beweis 2] Sei $g*k=h*k$. Sei $s \in G$ so dass $k*s=e$ (existenz nach 5). $\implies (g*k)*s = g*(k*s) = g*e = g$, analog\\ $\implies (h*k) * s = h*(k*s) = h*e = h$\\ Daraus folgt $g = h$. \end{proof} \begin{proof}[Beweis 4] $g * h = g = g * e \implies h = e$, analog\\ $h*g = g = e*g \implies h=e$ \end{proof} \begin{proof}[Beweis 5 Eindeutigkeit und 6] Seien $h, h' \in G$ mit $h*g=e=h'*g$ Nach Rechtskürzung folgt $h = h'$. Daher ist $g^{-1} eindeutig$. Sei $h \in G$ mit $g * h = e$. Wegen $g^{-1}*g = e$ folgt mit Linkskürzung, dass $h = g^{-1}$. \end{proof} \begin{proof}[Beweis 7] aus $g * g^{-1} = e$ folgt $\left(g^{-1}\right)^{-1} = g$ \end{proof} \begin{bem}[] $g, h \in G$, so gilt $(g * h)^{-1} = h^{-1} * g^{-1}$\\ Grund: $(h^{-1} * g^{-1}) * (g *h) = h^{-1} * (g*g^{-1}) * h = h^{-1}* e * h = h * h^{-1} = e.$ \end{bem} \end{document}