\documentclass{../../../lecture} \begin{document} \section{Grundlagen} \subsection{Mengen und Aussagen} \begin{definition} Seien $A$ und $B$ Mengen. \begin{itemize} %Venn Diagramme wären schön \item \textbf{Teilmenge} $B \subset A$ bedeutet: jedes Element von $B$ ist auch Element von $A$ \\ $B$ ist eine Teilmenge von $A$; bsp.: $\mathbb{N} \subset \mathbb{Z}$ \item \textbf{Mengengleichheit} Zwei Mengen $A$ und $B$ sind gleich, wenn $A \subset B$ und $B \subset A$. \item \textbf{Strikte Teilmenge} $B$ ist eine strikte Teilmenge von $A$, wenn es ein Elemnt $a \in A$ gibt, mit $a \notin B$. \item \textbf{Leere Menge} oder "Nullmenge" $\emptyset$ enthält keine Elemente. \\ Es gilt konventionsgemäß $\emptyset \in A$ für alle Mengen $A$ \item \textbf{Vereinigung} von $A$ und $B$: $A \cup B := \{ \ a \ | \ a \in A \ \text{oder} \ a \in B \ \}$ \item \textbf{Durchschnitt} von $A$ und $B$: $A \cap B := \{ \ a \ | \ a \in A \ \text{und} \ a \in B \ \}$ \item \textbf{Differenz} von $A$ und $B$: $A \setminus B := \{ \ a \ | \ a \in A \ \text{und} \ a \notin B \ \}$ \item \textbf{Produktmenge}: $A \times B := \{ \ (a, b) \ | \ a \in A \ \text{und} \ b \in B \ \}$ \item \textbf{Disjunkte Mengen} $A$ und $B$ sind disjunkt, falls gilt: $A \cap B = \emptyset$ \end{itemize} \end{definition} \begin{bem} Das ODER im mathematischen Sinne bedeutet das einschließliche oder und nicht das entweder oder. \end{bem} \subsection{Wahrheitstabellen} \label{sec:wahrheitstafeln} \begin{definition} Seien $V$ und $E$ Aussagen. \\ Eine Aussage ist ein Satz, von dem eindeutig feststeht, ob er wahr oder falsch ist.\\ \begin{itemize} \item \textbf{UND und ODER} \ Man definiere die Verknüpfungen UND $\land$ und ODER $\lor$ wie folgt: \begin{tabular}{l|c|c|c} $V$ & $E$ & $V \ \text{und} \ E$ & $V \ \text{oder} \ E$ \\ \hline w & w & w & w \\ w & f & f & w \\ f & w & f & w \\ f & f & f & f \\ \end{tabular} \\ \item \textbf{Negation} \ Man definiere die NICHT-Verknüpfung wie folgt: \begin{tabular}{l|c} $V$ & $\neg V$ \\ \hline w & f \\ f & w \\ \end{tabular} \\ \item \textbf{Implikation} \ Wenn $V$ gilt, gilt auch $E$. Man sagt: $V$ ist hinreichende Bedingung für $E$, oder die Voraussetzungen von $V$ sind hinreichend für die Gültigkeit von $E$. Die Gültigkeit von $E$ ist notwendig für die Gültigkeit von $V$, oder die Ungültigkeit von $E$ impliziert die Ungültigkeit von $V$. Es gilt: $V \implies E$ ist wahr, falls $\neg V$ oder $E$ wahr ist. \begin{tabular}{l|c|c} $V$ & $E$ & $V \implies E$ \\ \hline w & w & w \\ w & f & f \\ f & w & w \\ f & f & w \\ \end{tabular} \\ \item \textbf{Äquivalenz} \ Man definiere die Äquivalenzrelation $V \Leftrightarrow E$ als:\\ $V \Leftrightarrow E$ steht für $V \implies E$ und $E \implies V$. \begin{tabular}{l|c|c} $V$ & $E$ & $V \Leftrightarrow E$ \\ \hline w & w & w \\ w & f & f \\ f & w & f \\ f & f & w \\ \end{tabular} \\ \end{itemize} \end{definition} \begin{definition}[Quantoren] Man definiere folgende Quantoren: \begin{itemize} \item $\forall$ Allquantor, also als: für alle. \item $\exists$ Existenzquantor, also als: es existiert ein. \item $\exists !$ als: es existiert genau ein a. \end{itemize} \end{definition} \begin{bem} Häufig hilft es Aussagen zu negieren. Hierbei gelten folgende Regeln (können mithilfe von WT gezeigt werden): \begin{itemize} \item $ \neg (\forall a \in A: V(a)) \Leftrightarrow (\exists a \in A: \neg V(a))$ \item $ \neg (\exists a \in A: V(a)) \Leftrightarrow (\forall a \in A: \neg V(a))$ \end{itemize} \end{bem} \begin{bem}[Kontraposition] Zwei weitere Hilfsmittel: \begin{itemize} \item $( V \implies E) \Leftrightarrow (\neg E \implies \neg V)$ \item $(V \Leftarrow E) \Leftrightarrow (\neg E \Leftarrow \neg V)$ \end{itemize} \end{bem} \begin{bem} Zu Quantoren: \begin{itemize} \item Quantoren müssen immer angegeben werden. \item Die Reihenfolge der Quantoren ist essentiell. \\ Bsp.: $T:=$ Menge aller Töpfe, $D:=$ Menge aller Deckel, $V(a,b)=$ Deckel $b$ passt auf Topf $a$. \\ $\forall a \in T: \exists b \in D: V(a,b)$ ist vermutlich wahr, \\ $\exists b \in D: \forall a \in T: V(a,b)$ ist vermutlich falsch. \end{itemize} \end{bem} \subsection{Abbildungen} \begin{definition}[Abbildungen] Seien $A, B$ Mengen. Eine Abbildung $f$ zwischen $A$ und $B$ $f: A \rightarrow B$ ist eine Vorschrift, die jedem Element $a \in A$ genau ein Element $b \in B$ zugeordnet. \\ Hierbei nenne man $A$ Definitionsmenge von $f$ und $B$ Wertemenge von $f$. \end{definition} \begin{definition}[Folgen] Zahlenfolgen sind Abbildungen $a: \mathbb{N} \rightarrow \mathbb{R}$. Schreibweise: statt $a(n)$ wird $a_{n}$ und statt $a: \mathbb{N} \rightarrow \mathbb{R}$ wird $(a_{n})_{n \in \mathbb{N}}$ geschrieben. \end{definition} \begin{definition}[injektiv, surjektiv, bijektiv] Es sei $f: A \rightarrow B$ eine Abbildung. \begin{itemize} \item Abbildung $f$ heißt injektiv, wenn gilt: \begin{equation*} \forall a_{1}, a_{2} \in A: f(a_{1}) = f(a_{2}) \implies a_{1} = a_{2}. \end{equation*} \item Abbildung $f$ heißt surjektiv wenn gilt: \begin{equation*} \forall b \in B: \exists a \in A: b = f(a). \end{equation*} \item Abbildung $f$ heißt bijektiv, wenn $f$ injektiv und surjektiv ist. \end{itemize} \end{definition} \begin{bsp} Es sei $f$ eine Abbildung: $f: \mathbb{R} \rightarrow \mathbb{R}, \ x \mapsto \operatorname{sin} (x)$. Dann ist $f$ weder injektiv, noch surjektiv. \\ Jedoch ist $f: \mathbb{R} \rightarrow [-1, 1], \ x \mapsto \operatorname{sin} (x)$ surjektiv, aber nicht injektiv. \\ Und $f: [-\dfrac{\pi}{2}, \dfrac{\pi}{2} ] \rightarrow [-1, 1], \ x \mapsto \operatorname{sin} (x)$ ist injektiv und surjektiv, also bijektiv. \end{bsp} \begin{definition}[Bild] Das Bild von $A_{1}$ (unter $f$): \begin{equation*} f(A_{1}) := \{ f(a) \ | \ a \in A_{1} \ \} = \{ b \in B \ | \ \exists a \in A_{1}: b = f(a) \ \} \end{equation*} \end{definition} \begin{definition}[Urbild] Das Urbild von $B_{1}$ (unter $f$): \begin{equation*} f^{-1}(B_{1}) := \{ a \ | \ f(a) \in B_{1} \ \} \subset A \end{equation*} \end{definition} \begin{definition}[Inverse] Zu einer bijektiven Abbildung existiert eine sogenannte Umkehrabbildung, auch Inverse, die ebenfalls bijektiv ist: \begin{equation*} f^{-1}: B \rightarrow A \ \text{mit} \ a = f^{-1}(b) \ :\Leftrightarrow \ b = f(a) \end{equation*} \end{definition} \begin{bem} Nur bijektive Abbildung besitzen Inverse. \\ Die Notation $f^{-1}(B)$ hat zwei Bedeutungen: \begin{itemize} \item Urbild von $B$ unter $f$ \item Bild von $B$ unter $f^{-1}$ \end{itemize} Das Urbild ist also für beliebige Abbildungen definiert \end{bem} \begin{definition}[Komposition von Abbildungen] Es sein $f: A \rightarrow B$ und $g: B \rightarrow C$ Abbildungen. Dann sei: \begin{equation*} g \circ f : A \rightarrow C, \ (g\circ f)(a) := g(f(a)) \end{equation*} Man sagt: $g \circ f$ heißt $g$ komponiert $f$. \end{definition} \begin{definition}[Morphismen] Seien $A$ und $B$ Mengen mit einer gewissen Operation $\oplus_{A}$ bzw. $\oplus_{B}$, z.B. Addition, Multiplikation. \\ Die Abbildung $f: A \rightarrow B$ heißt homomorph (strukturerhaltend ), wenn gilt: \begin{equation*} \forall a_{1}, a_{2} \in A: f(a_{1} \oplus_{A} a_{2}) =f(a_{1}) \oplus_{A} f(a_{2}) \end{equation*} Ein bijektiver Homomorphismus heißt Isomorphismus. \end{definition} \begin{definition}[Äquivalenzrelation] Äquivalenzrelation auf eine Menge $A$ ist eine Beziehung $a \sim b$ zwischen Elementen von $A$ mit Eigenschaften \begin{itemize} \item $R_{1}$ (Relation)für $\forall a, b \in A$ gilt entweder $a \sim b$ oder $a \nsim b$ \item $R_{2}$(Reflexivität) $a \sim a$ \item $R_{3}$(Symmetrie) $a \sim b \implies b \sim a$ \item $R_{4}$(Transitivität) $a \sim b$ und $b \sim c \implies a \sim c$ \end{itemize} \end{definition} \begin{definition}[Äquivalenzklasse] $[a] := \{ b \in A \ | \ b \sim a \ \}$ \\ $a$ heißt Repräsentant der Äquivalenzklasse $[a]$. \end{definition} \begin{bsp} $\mathbb{N} \times \mathbb{N}$ \\ Man definiere folgende Äquivalenzrelation: \\ \begin{equation*} (n, m) \sim (n', m') :\Leftrightarrow n + m' = n' + m \Leftrightarrow n - m = n' - m' \end{equation*} $R_{1}$ und $R_{2}$ sind offenbar erfüllt. \\ $R_{3}$ $n + m' = n' + m \implies (n', m') \sim (n, m)$ \\ $R_{4}$ $(n, m) \sim (n', m')$ und $(n', m') \sim (n'', m'')$ gilt: \\ $(n' + m') + m'' = (n' + m) + m'' = (n' + m'') + m = (m' + n'') + m$ \\ $\implies n + m'' = n'' + m \implies (n, m) \sim (n'', m'')$ \\ Die zugehörigen Äquivalenzklassen bestehen aus allen Paaren natürlicher Zahlen mit gleicher Differenz. \end{bsp} \end{document}