\documentclass{../lectures/lecture} \geometry{ top=10mm, left=15mm, right=20mm, bottom=10mm} \begin{document} \thispagestyle{plain} \renewcommand{\thechapter}{\Alph{chapter}} \setcounter{chapter}{4} \setcounter{section}{6} Seien im Folgenden $S$ und $S'$ zwei Koordinatensysteme, wobei sich $S'$ relativ zu $S$ mit Geschwindigkeit $v$ bewege, sodass zum Zeitpunkt $ct = ct' = 0$ auch $x = x' = 0$ gelte. Das Ereignis $A$ liege im gemeinsamen Ursprung von $S$ und $S'$. \section{Geometrischer Vergleich zwischen Lorentz-Transformationen und Rotationen} Rotationen (links) und Lorentz-Transformationen (rechts) erzeugen deutlich verschiedene Geometrien. \begin{salign*} \begin{pmatrix} x' \\ y' \end{pmatrix} = \begin{pmatrix} \cos\alpha & \sin\alpha \\ -\sin\alpha & \cos\alpha \end{pmatrix} \begin{pmatrix} x \\ y \end{pmatrix} \qquad \begin{pmatrix} ct' \\ x' \end{pmatrix} = \begin{pmatrix} \cosh\psi & \sinh\psi \\ \sinh\psi & \cosh\psi \end{pmatrix} \begin{pmatrix} ct \\ x \end{pmatrix} .\end{salign*} Das fehlende Minuszeichen in den Lorentz-Transformationen, führt dazu, dass die Achsen für positive Rapidität zueinander geschert werden und die hyperbolischen Funktionen dazu, dass die Linien von gleichem $s^2$, also die Linien, auf denen die Lorentzinvariante $s^2 = (ct)^2 - x^2$ konstant ist, hyperbelförmig sind, im Gegensatz zu den kreisförmigen Linien gleichen Radius bei Rotationen. \section{Kausale Struktur der Raumzeit} Die Raumzeit ist durch eine ausgezeichnete Linie getrennt. Diese erfüllt die Gleichung $x = ct$. Hier ist $s^2 = 0$ und Ereignisse auf dieser Linie werden \textbf{lichtartig} gennant. Lichtsignale, die im Ursprung eines Koordinatensystems losgeschickt werden, verlaufen auf dieser (Null-)Linie. Die Nulllinie trennt Ereignisse in der Raumzeit in zwei Gruppen: Die \textbf{zeitartig} getrennten, mit $s^2 > 0$ und die \textbf{raumartig} getrennten mit $s^2 < 0$. Der Bereich der Raumzeit, wo $s^2 > 0$ gilt, wird auch \textbf{Lichtkegel} genannt. Innerhalb des Lichtkegels liegt eine absolute zeitliche Ordnung der Ereignisse vor: Ein Ereignis $B$, das in $S$ nach $A$ stattfindet, findet auch in $S'$ nach $A$ statt. Außerhalb des Lichtkegels, also für raumartig getrennte Ereignisse gilt das nicht: Es kann $v$ immer so gewählt werden, dass $B$ unterhalb der $x'$-Achse liegt. Dann findet $B$ in $S'$ vor $A$ statt. Außerdem kann $A$ nur zeitartigen Ereignissen $B$ Lichtsignale senden, da dort das Lichtsignal ankommt, bevor $B$ stattfindet. Bei raumartigen Ereignissen $C$ kann jedoch ein Lichtsignal von $A$ nicht ankommen, da wenn das Lichtsignal die räumlichen Koordinaten von $C$ erreicht hat, $B$ schon passiert ist. \section{Relativistische Effekte} \begin{itemize} \item Relativität der Gleichzeitig: Wie bereits im vorangegangenen Abschnitt erwähnt, ist keine zeitliche Ordnung der Ereignisse außerhalb des Lichtkegels gegeben. \item Zeitdilatation: Eine in $S'$ ruhende Uhr, scheint von $S$ aus betrachtet langsamer zu gehen. Genauer: $\Delta t = \gamma \Delta t'$. Dieser Effekt ist symmetrisch und wird von der Transformation erzeugt. \item Längenkontraktion: Längenmaßstäbe in einem bewegten System erscheinen verkürzt. Genauer: $\Delta x = \frac{1}{\gamma} \Delta x'$. Auch dieser Effekt ist symmetrisch und wird nur durch die Transformation erzeugt. \end{itemize} \section{Eigenzeit} \thispagestyle{plain} Sei eine Trajektorie $x^{\mu}(\tau)$ durch ein Koordinatensystem gegeben. Die Uhr eines Insassen eines Raumschiffes, das sich auf dieser Trajektorie bewegt, zeigt die sogenannte \textbf{Eigenzeit} $\tau$ des Systems an. Die Tangente $u^{\mu}(\tau) = \frac{\d{x}^{\mu}}{\d{\tau}}$ gibt die Geschwindigkeit des Teilchens auf der Trajektorie an. Durch Berechnung der Lorentz-Invariante $s^2$ erhalten wir $s^2 = (c\tau)^2$ im Ruhesystem des Teilchens. Da dieser Zusammenhang auch infinitesimal gilt, folgt insgesamt für die vom Ereignis $A$ zum Ereignis $B$ vergangene Eigenzeit \begin{salign*} \tau = \int_{A}^{B} \d{\tau} = \int_{A}^{B} \frac{\d{t}}{\gamma} \end{salign*} für Start- und Endpunkte $A$ und $B$. \end{document}