\documentclass{../../lecture} \usepackage[]{tikz-cd} \begin{document} \stepcounter{section} \section{p-adische Zahlen} \subsection{Der Ring $\Z_p$ und sein Quotientenkörper $\Q_p$} Sei $p \in \N$ eine im Folgenden fest gewählte Primzahl. Genauso wie eine natürliche Zahl $m \in \N$ bezüglich der Basis $10$ dargestellt werden kann, ist das auch bezüglich der Basis $p$ möglich. Jede natürliche Zahl besitzt also eine $p$-adische Entwicklung der Form \[ m = a_0 + a_1 p + \ldots + a_n p^{n} \] wobei die Koeffizienten $a_i$ in $\{0, 1, \ldots, p-1\} $ liegen. Die Darstellung ist damit eindeutig. \begin{bsp}[] Diese Darstellung finden wir durch sukzessives Dividieren mit Rest. Für $n = 216$ erhalten wir für $p = 5$ \begin{salign*} 216 &= 1 + 5 \cdot 43 \\ 43 &= 3 + 5 \cdot 8 \\ 8 &= 3 + 5 \cdot 1 \\ 1 &= 1 \intertext{Also insgesamt} 216 &= 1 + 3 \cdot 5 + 3 \cdot 5^2 + 1 \cdot 5^3 .\end{salign*} \end{bsp} Um nun auch negative und sogar gebrochene Zahlen darstellen zu können, gehen wir zu unendlichen Reihen über: \begin{definition}[Ganze $p$-adische Zahlen] Eine ganze $p$-adische Zahl ist eine formale unendliche Reihe \[ \sum_{i=0}^{\infty} a_i p^{i} = a_0 + a_1 p + a_2 p^2 + \ldots \] mit $0 \le a_i < p$ für $i \in \N_0$. Die Menge dieser formalen Reihen wird mit $\Z_p$ bezeichnet. \end{definition} \begin{bem}[] $\sum_{i=0}^{\infty} a_i p^{i}$ ist rein formal gemeint, d.h. bezeichnet einfach die Folge der Partialsummen \[ s_n = \sum_{i=0}^{n-1} a_i p^{i} \in \Z, \quad n \in \N .\] \end{bem} Womit können wir jetzt die ganzen Zahlen $\Z$ in den $p$-adischen Zahlen $\Z_p$ identifizieren? Wie kann also beispielsweise $-1$ in $\Z_p$ dargestellt werden? Dazu stellen wir folgendes fest \begin{lemma} Sei $a \in \Z$. Die Restklasse $a \; \text{mod } p^{n} \in \Z / p^{n} \Z$ wird in eindeutiger Darstellung durch \[ a \equiv a_0 + a_1 p + a_2 p^2 + \ldots + a_{n-1} p^{n-1} \; (\text{mod } p^{n}) \] gegeben, wobei $0 \le a_i < p$ für $i \in \{0, \ldots, n-1\} $. \label{le-eind-rest} \end{lemma} \begin{proof} Per Induktion. Für $n = 1$ ist offenbar $a \equiv a_0 \; (\text{mod } p) $ mit $0 \le a_0 < p$. Sei nun die Behauptung für $n-1$ gezeigt. Dann ex. eine eindeutige Darstellung \begin{salign*} a &\equiv a_0 + a_1 p + a_2 p^2 + \ldots + a_{n-2} p^{n-2} \; (\text{mod } p^{n-1}) \intertext{Also} a &= a_0 + a_1 p + a_2 p^2 + \ldots + a_{n-2} p^{n-2} + g p^{n-1} \intertext{ für ein $g \in \Z$. Sei $0 \le a_{n-1} < p$, s.d. $g \equiv a_{n-1} \; (\text{mod } p) $, also $g = a_{n-1} + h p$ für $h \in \Z$. $a_{n-1}$ ist also eindeutig durch $a$ bestimmt und es folgt } a &= a_0 + \ldots + a_{n-2} p^{n-2} + a_{n-1} p^{n-1} + h p^{n} \end{salign*} \end{proof} Jede ganze Zahl $a$ definiert nun eine Folge von Restklassen $\overline{s_n} = \overline{a} \in \Z / p^{n} \Z$ für $n \in \N$, die nach \ref{le-eind-rest} von der Gestalt \begin{salign*} s_1 &\equiv a_0 \; (\text{mod } p) \\ s_2 &\equiv a_0 + a_1p \; (\text{mod } p^2) \\ &\;\;\vdots \end{salign*} sind mit eindeutig bestimmten Koeffizienten $a_0, a_1, \ldots \in \{0, \ldots, p-1\} $. Die Zahlenfolge \[ s_n = a_0 + a_1 p + a_2 p^2 + \ldots + a_{n-1} p^{n-1} \] definiert nun eine ganze $p$-adische Zahl $\sum_{i=0}^{\infty} a_i p^{i} \in \Z_p$, die wir die $p$-adische Entwicklung von $a$ nennen. \begin{bsp} Was ist jetzt die $p$-adische Entwicklung von $-1$? Es ist \begin{salign*} -1 &= (p-1) + (p-1)p + \ldots + (p-1)p^{n-1} - p^{n} \\ \text{also }-1 &\equiv (p-1) + (p-1)p + \ldots + (p-1)p^{n-1} \; (\text{mod } p^{n}) .\end{salign*} Es ist also $-1 = (p-1) + (p-1)p + (p-1)p^2 + \ldots \in \Z_p$ die $p$-adische Entwicklung von $-1$. \label{bsp-minus1} \end{bsp} Um $\Z_p$ eine algebraische Struktur zu geben, könnten wir mit diesen Reihen mit Überträgen rechnen, so wie wir es von der Basis $10$ gewohnt sind. Einfacher wird es jedoch, wenn wir eine ganze $p$-adische Zahl $x = \sum_{i=0}^{\infty} a_i p^{i}$ mit der Folge der Restklassen $\overline{s_n} \in \Z / p^{n} \Z$ der Partialsummen identifizieren. Dazu benötigen wir noch eine Vorüberlegung und einige Begriffe. \begin{definition} Ein projektives System ist eine Folge von Mengen $(D_n)_{n \in \N}$ und eine Folge von Abbildungen $(p_n)_{n \in \N}$ mit $p_{n}\colon D_{n+1} \to D_n$ \[ D_1 \xleftarrow{p_1} D_2 \leftarrow \ldots \leftarrow D_{n} \xleftarrow{p_{n}} D_{n+1} \leftarrow \ldots .\] Die Teilmenge \[ D = \varprojlim \; (D_n, p_n) = \left\{ (a_n)_{n \in \N} \in \prod_{n=1}^{\infty} D_n \mid p_n(a_{n+1}) = a_n \forall n \in \N \right\} \] heißt projektiver Limes des Systems. \end{definition} \begin{bem}[] Falls die $D_n$ Ringe und die $p_n$ Ringhomomorphismen sind, wird $\varprojlim \; (D_n, p_n)$ zum Teilring des Produktrings $\prod_{n=1}^{\infty} D_n $ (leicht nachzurechnen). \end{bem} Setze im Folgenden $A_n \coloneqq \Z / p^{n} \Z$. Dann erhalten wir für $n \in \N$ einen kanonischen Homomorphismus \begin{salign*} \phi_{n}\colon A_{n+1} &\to A_n \\ \overline{a} &\mapsto \overline{a} .\end{salign*} \begin{satz} Ordnet man jeder ganzen $p$-adischen Zahl \[ x = \sum_{i=0}^{\infty} a_i p^{i} \] die Folge $(\overline{s}_n)_{n \in \N}$ der Restklassen \[ \overline{s}_n = \sum_{i=0}^{n-1} a_i p^{i} \; (\text{mod } p^{n}) \in A_n \] zu, so erhält man eine Bijektion \[ \Z_p \xrightarrow{\sim} \varprojlim \; (A_n, \phi_n) .\] \end{satz} \begin{proof} Die Zuordnung ist wohldefiniert, da \[ s_{n+1} = a_0 + a_1 p + \ldots + a_{n} p^{n} \equiv a_0 + a_1 p + \ldots + a_{n-1} p^{n-1} \; (\text{mod } p^{n}) = s_n .\] Die Bijektivität folgt direkt aus \ref{le-eind-rest} \end{proof} \begin{bem}[] Die Koeffizienten der $p$-adischen Entwicklung von $a \in \Z$ ergeben sich durch die Kongruenzen \[ a \equiv a_0 + a_1 p + \ldots + a_{n-1} p^{n-1} \; (\text{mod } p^{n}) \] mit $0 \le a_i < p$. Bei der Identifizierung $\Z_p = \varprojlim \; (A_n, \phi_n)$ geht $a \in \Z$ daher über in \[ (a \; \text{mod } p, a \; \text{mod } p^2, a \; \text{mod } p^{3} , \ldots ) \in \prod_{n=1}^{\infty} A_n .\] $\Z$ wird so zum Teilring von $\varprojlim \; (A_n, \phi_n)$. \label{bem-z-ident} \end{bem} \begin{bsp}[$\ref{bsp-minus1}$ fortgesetzt] Mit \ref{bem-z-ident} folgt also \[ -1 = (p-1, p^2-1, p^{3}-1, \ldots) \in \varprojlim \; (A_n, \phi_n) .\] \end{bsp} Wir identifizieren nun im Folgenden stets $\Z_p = \varprojlim \; (A_n, \phi_n)$. $\pi_n$ bezeichne den kanonischen Projektionshomomorphismus $\pi_n\colon \Z_p \to A_n$. \begin{bem} \begin{enumerate} \item Per Definition ist $x \in \Z_p$ also ein Element $x \in \prod_{n=1}^{\infty} \Z / p^{n}\Z $ mit der ,,Kompatibilitätsbedingung'': \[ x_{n+1} \equiv x_n \text{ (mod } p^{n}) .\] \item $\Z_p$ erbt als Teilring nun also die komponentenweise Addition und Multiplikation des Produktrings $\prod_{n=1}^{\infty} A_n $, d.h. für $(a_n)_{n \in \N}, (b_n)_{n \in \N} \in \Z_p$ gilt \[ (a_n)_{n \in \N} + (b_n)_{n \in \N} = (a_n + b_n)_{n \in \N} \quad (a_n)_{n \in \N} \cdot (b_n)_{n \in \N} = (a_n \cdot b_n)_{n \in \N} .\] \item Versieht man $A_n$ mit der diskreten Topologie (d.h. alle Teilmengen sind offen) und $\prod_{n=1}^{\infty} A_n $ mit der Produkttopologie (die von den Urbildern der kanonischen Projektionen $\pi_n$ erzeugt wird), wird $\Z_p$ zu einem topologischen Ring. \end{enumerate} \end{bem} \begin{satz}[von Tychonoff] Ist $(X_i)_{i \in I}$ eine Familie kompakter topologischer Räume, dann ist auch das kartesische Produkt $\prod_{i \in I}^{} X_i $ kompakt bezüglich der Produkttopologie. \label{satz-tycho} \end{satz} \begin{proof} Der Satz ist äquivalent zum Auswahlaxiom. Ein Beweis findet sich beispielsweise in Klaus Jänich: \textit{Topologie}. \end{proof} \begin{korollar}[] $\Z_p$ ist kompakt. \label{kor-compact} \end{korollar} \begin{proof} Nach \ref{satz-tycho} ist $\prod_{n=1}^{\infty} A_n $ kompakt. Außerdem ist \[ \Z_p = \bigcap_{n \in \N} \left\{ x \in \prod_{n=1}^{\infty} A_n \mid \phi_{n}(\pi_{n+1}(x)) = \pi_n(x)\right\} = \bigcap_{n \in \N} f_n^{-1}(\{0\}) \] mit $f_n \colon \prod_{n=1}^{\infty} A_n \to A_n, x \mapsto \phi_{n}(\pi_{n+1}(x)) - \pi_n(x)$. Es ist $f_n$ stetig, da $\pi_n$ per Definition der Produkttopologie und $\phi_n$ als Abbildung zwischen diskreten Räumen stetig sind. Da $\{0\} \subseteq A_n$ abgeschlossen, folgt die Behauptung. \end{proof} \begin{lemma} Es ist $\pi_n$ surjektiv und $\text{ker } \pi_n = p^{n} \Z_p$ $\forall n \in \N$. Insbesondere gilt \[ \Z_p / p^{n} \Z_p \stackrel{\sim }{=} \Z / p^{n} \Z = A_n .\] \label{le-kanproj} \end{lemma} \begin{proof} Die Surjektivität ist klar. Z.z.: $\text{ker } \pi_n = p^{n} \Z_p$. Sei dazu $x \in \Z_p$. Dann ist $p^{n} x_n \equiv 0 \; (\text{mod } p^n)$. Also $\pi_n(p^n x) = 0$. Damit $p^{n} \Z_p \subseteq \text{ker } \pi_n$. Sei nun $x = (x_m)_{m \in \N} \in \text{ker } \pi_n$ und $m \ge n$. Wegen Kompatibilität folgt \[ x_m \equiv x_n \; (\text{mod } p^{n}) \equiv 0 \; (\text{mod } p^{n}) .\] Also folgt $x_m \in p^{n} A_m$. Betrachte nun \begin{salign*} \Psi_m\colon \Z &\to p^{n} \Z / p^{m} \Z = p^{n}A_m\\ a &\mapsto \overline{p^{n} a} .\end{salign*} Es ist $\Psi_m$ Gruppenhomomorphismus, denn für $a, b \in \Z$ ist \[ \Psi_m(a + b) = \overline{p^{n}(a+b)} = \overline{p^{n}a + p^{n}b} = \Psi_m(a) + \Psi_m(b) .\] Außerdem ist $\Psi_m$ offensichtlich surjektiv. Weiter gilt für $a \in \Z$: \[ a \in \text{ker } \Psi_m \iff p^{n} a \equiv 0 \; (\text{mod } p^{m}) \iff p^{m} \mid p^{n} a \iff a = p^{m-n}b \text{ für ein } b \in \Z .\] Damit folgt $\text{ker } \Psi_m = p^{m-n} \Z$. Also liefert der Homomorphiesatz einen Gruppenisomorphismus \begin{salign*} \psi_m \colon A_{m-n} &\to p^{n}A_m \\ \overline{a} &\mapsto \overline{p^{n}a} .\end{salign*} Für $m > n$ setze nun $y_{m-n} \coloneqq \psi_m^{-1}(x_m)$ und $y \coloneqq (y_{i})_{i \in \N} \in \prod_{k=1}^{\infty} A_k $. Es gilt also \[ x_m = \psi_m(y_{m-n}) \equiv p^{n} y_{m-n} \; (\text{mod } p^{m}) .\] Es bleibt zu zeigen, dass $p^{n}y = x$ und $y \in \Z_p$. \begin{itemize} \item Z.z.: $x = p^{n} y$. Für $m \le n$ ist $x_m = 0 = p^{n} y_m$. Für $m > n$ ist wegen Kompatibilität \[ p^{n} y_m = p^{n} y_{m+n-n} \equiv x_{m+n} \; (\text{mod } p^{m+1}) \equiv x_m \; (\text{mod } p^{m}) .\] Insgesamt folgt also $x = p^{n}y$. \item Z.z.: $y \in \Z_p$. Dazu betrachte \[\begin{tikzcd} A_{m+1-n}\arrow{r}{\psi_{m+1}} \arrow[swap]{d}{\phi_{m-n}} & p^{n}A_{m+1} \arrow{d}{\phi_{m}} \\ A_{m-n} \arrow{r}{\psi_{m}} & p^{n}A_m \end{tikzcd} \] Dieses Diagramm kommutiert, denn für $\overline{a} \in A_{m+1-n}$ gilt \[ \psi_m(\phi_{m-n}(\overline{a})) = \psi_m(\overline{a}) = \overline{p^{n}a} = \phi_{m}(\overline{p^{n}a}) = \phi_{m}(\psi_{m+1}(\overline{a})) .\] Also ist $\psi_m \circ \phi_{m-n} = \phi_{m} \circ \psi_{m+1}$. Und damit auch $\phi_{m-n} \circ \psi_{m+1}^{-1} = \psi_{m}^{-1} \circ \phi_{m}$ $(*)$. Also folgt damit \begin{salign*} \phi_{m-n}(y_{m+1-n}) &= \phi_{m-n}(\psi^{-1}_{m+1}(x_{m+1})) \\ &\stackrel{(*)}{=} \psi_{m}^{-1}(\phi_{m}(x_{m+1})) \\ &\stackrel{\text{Komp.}}{=} \psi_{m}^{-1}(x_m) \\ &= y_{m-n} .\end{salign*} Und damit $y \in \Z_p$. \end{itemize} Insgesamt folgt also $\text{ker } \pi_n = p^{n}\Z_p$. Die Isomorphie folgt jetzt direkt aus dem Homomorphiesatz. \end{proof} \begin{lemma}[] Für $u \in \Z_p$ sind äquivalent \begin{enumerate}[(i)] \item $u \in \Z_p^{\times }$ \item $p \nmid u$ \item $0 \neq u_1 \in \Z / p \Z$ \end{enumerate} \end{lemma} \begin{proof} (ii)$\iff$(iii) ist klar wegen Kompatibilität. b.z.z. (i) $\iff$ (ii). Sei dazu $u = (\overline{u_n})_{n\in \N} \in \Z_p^{\times }$. Dann $\exists v = (\overline{v_n})_{n \in \N} \in \Z_p$ mit $uv = 1$ insb. $\overline{u_1 v_1} \equiv 1 \; (\text{mod } p) $ also insbesondere $p \nmid u_1 \implies \overline{u_1} \neq 0$. Sei umgekehrt $\overline{u_1} \neq 0$. Wegen Kompatibilität folgt damit $p \nmid u_n$ $\forall n \in \N$, denn ang. $p \mid u_n$ für ein $n \in \N$. Dann folgt \[ 0 \equiv u_n \; (\text{mod } p) \equiv u_1 \; (\text{mod } p) \quad \contr .\] Da $p$ prim folgt insbesondere $(p^{n}, u_n) = 1$. Also ex. nach euklid. Alg. $a, b \in \Z$, s.d. $1 = a p^{n} + b u_n$, also $1 = \overline{bu_n}$ mit $\overline{b} \in A_n$. Also $\overline{u_n} \in A_n^{\times }$ und damit $v \coloneqq (\ldots \overline{u_n}^{-1}, \overline{u_{n-1}}^{-1}, \ldots, \overline{u_1}^{-1}) = u^{-1} \in \Z_p$. \end{proof} \begin{lemma}[] Für $x \in \Z_p \setminus \{0\} $ ex. $n \in \N_0$ und $u \in \Z_p^{\times }$, s.d. \[ x = p^{n} u .\] Diese Darstellung ist eindeutig. \label{le-decomp} \end{lemma} \begin{proof} \begin{enumerate}[(i)] \item Existenz: Sei $x \in \Z_p \setminus \{0\} $. Da $x \neq 0$ ex. wegen Kompatibilität ein $n \in \N_0$ maximal, s.d. $x_n = \pi_n(x) = 0$. Also ist $x \in \text{ker } \pi_n$, insbesondere ex. nach \ref{le-kanproj} ein $u \in \Z_p$ mit $x = p^{n}u$. Ang.: $p \mid u$, dann ist $\pi_1(u) = 0$ also ex. wieder nach \ref{le-kanproj} ein $v \in \Z_p$ mit $u = pv$. Dann ist aber \[ \pi_{n+1}(x) = \pi_{n+1}(p^{n}u) = \pi_{n+1}(p^{n+1}v) = 0 .\] Widerspruch zur Maximalität von $n$. \item Eindeutigkeit: Sei $x = p^{n} u = p^{m} v$ mit $u, v \in \Z_p^{\times }$ und $n, m \in \N_0$. Sei o.E. $n \ge m$. Es ist $\pi_n(x) = \pi_n(p^{n}) \pi_n(u) = 0$ also auch $0 = \pi_n(x) = \pi_n(p^{m}) \pi_{n}(v)$. Da $v \in \Z_p^{\times }$ ist $\pi_n(v) \in A_n^{\times}$, also kein Nullteiler. Also folgt $\pi_n(p^{m}) = 0$ und damit $p^{m} \equiv 0 \; (\text{mod } p^{n}) $, also $m \ge n$. Insgesamt also $m = n$. Nun gilt weiter $x = p^{n} u = p^{n} v$, also $p^{n}(u-v) = 0$. Ang. $u-v \neq 0$. Dann ist nach (i) $u - v = p^{k} w$ mit $k \in \N_0$ und $w \in \Z_p^{\times }$. Also $0 = p^{n}(u-v) = p^{n+k} w$. Da $w \in \Z_p^{\times }$ also kein Nullteiler, folgt $0 = p^{n+k} \in \Z$ $\contr$. \end{enumerate} \end{proof} \begin{definition}[$p$-Bewertung] Für $x \in \Z_p \setminus \{0\} $ sei $x = p^{n} u$ mit $u \in \Z_p^{\times }$. Dann setze \[ v_p(x) \coloneqq n \] und setze $v_p(0) \coloneqq \infty$. $v_p(x)$ heißt die $p$-Bewertung von $x$. \end{definition} \begin{bem}[] Wegen \ref{le-decomp} ist die $p$-Bewertung wohldefiniert. Per Konvention setze $n + \infty = \infty$ und $\infty > n$ für $n \in \N_0$. \end{bem} \begin{lemma}[Eigenschaften der $p$-Bewertung] Für $x, y \in \Z_p$ gilt \[ v_p(xy) = v_p(x) + v_p(y), \quad v_p(x+y) \ge \min (v_p(x), v_p(y)) .\] \end{lemma} \begin{proof} Falls $x = 0$ oder $y = 0$, dann trivial. Seien also $x, y \neq 0$ und sei $x = p^{n}u$, $y = p^{m}v$ mit $u, v \in \Z_p^{\times }$ und $n, m \in \N_0$. Dann folgt \[ xy = p^{n} u p^{n} v = p^{n+m} \underbrace{uv}_{\Z_p^{\times}} .\] Also $v_p(xy) = n + m = v_p(x) + v_p(y)$. Sei nun o.E. $n \ge m$. Dann folgt \[ x + y = p^{n} u + p^{m} v = p^{m} (p^{n-m} u + v) .\] Also folgt $v_p(x+y) \ge m = \min(v_p(x), v_p(y))$. \end{proof} \begin{korollar}[] $\Z_p$ ist nullteilerfrei. \end{korollar} \begin{proof} Seien $x, y \in \Z_p$ mit $xy = 0$. Dann folgt \[ \infty = v_p(0) = v_p(xy) = v_p(x) + v_p(y) .\] Also $v_p(x) = \infty$ oder $v_p(y) = \infty$, also $x = 0$ oder $y = 0$. \end{proof} \begin{lemma}[Topologie auf $\Z_p$] Die Topologie auf $\Z_p$ wird induziert durch die Metrik \[ d(x, y) = \exp(-v_p(x-y)) .\] $\Z_p$ ist vollständig und $\Z$ ist dicht in $\Z_p$. \end{lemma} \begin{bem}[Bälle] Es sei im Folgenden stets \[ B(x, r) = \{ y \in \Z_p \mid d(x,y) < r \} \text{ und } \overline{B(x,r)} = \{y \in \Z_p \mid d(x,y) \le r\} .\] Da $d(x,y) \in \{ \exp(n) \mid n \in \Z\}$ gilt \[ \overline{B(x, e^{-n})} = \{ y \in \Z_p \mid v_p(x-y) \ge n\} = \{ y \in \Z_p \mid v_p(x-y) > n-1\} = B(x, e^{-(n-1)}) .\] \end{bem} \begin{proof}[Beweis des Lemmas (Skizze)] $d(\cdot , \cdot )$ ist eine Metrik (nachrechnen). Sei nun \[ S \coloneqq \{ \pi_n^{-1}(B) \mid B \subseteq A_n, n \in \N\} .\] Die offenen Mengen von $\Z_p$ bezüglich der Produkttopologie sind dann per Definition gegeben als $\langle S \rangle$, wobei mit $\langle \ldots \rangle$ die durch endliche Schnitte und beliebige Vereinigungen erzeugten Mengen gemeint sind. Für $D \in S$ ist $D = \pi_n^{-1}(B) = (A_1, \ldots, A_{n-1}, B, A_{n+1}, \ldots) \subseteq \Z_p$ wobei $B \subseteq A_n$ für ein $n \in \N$. Für $U \in \langle S \rangle$ ist dann $U = (B_1, \ldots, B_n, A_{n+1}, \ldots)$ mit $B_n \subsetneq A_n$ für $n \in \N_0$. Sei nun $0 \in U$. Dann ist $p^{n} \Z_p \subseteq U$. Für beliebiges $V \subseteq \Z_p$ offen ex. nun für $v \in V$ ein $n_v \in \N_0$, s.d. $v + p^{n_v} \Z_p \subseteq V$. Also folgt \[ V = \bigcup_{v \in V} (v + p^{n_v} \Z_p) .\] Nun ist aber \begin{salign*} v + p^{n} \Z_p &= \{ v + a \mid a \in p^{n} \Z_p\} \\ &= \{ x \in \Z_p \mid v_p(v - x) \ge n \} \\ &= \{ x \in \Z_p \mid \exp(-v_p(v-x)) \le \exp(-n) \} \\ &= \{ x \in \Z_p \mid d(v, x) < e^{-(n-1)}\} \\ &= B(v; e^{-(n-1)}) .\end{salign*} Also folgt \[ V = \bigcup_{v \in V} B(v; e^{-(n-1)}) \] also $V$ auch offen bezüglich $d(\cdot, \cdot )$. Umgekehrt sei $U$ offen bezüglich $d(\cdot , \cdot )$. Dann ist $U$ Vereinigung von offenen (bezüglich $d(\cdot , \cdot )$) Bällen. Da $p^{n} \Z_p = \pi_n^{-1}(\{0\})$, sind diese auch offen bezüglich der Produkttopologie. Z.z.: $\Z_p$ vollständig. Da $\Z_p$ nach \ref{kor-compact} kompakt ist, hat jede Folge in $\Z_p$ eine konvergente Teilfolge. Insbesondere hat also jede Cauchy-Folge eine konvergente Teilfolge und damit konvergiert jede Cauchy-Folge in $\Z_p$. Z.z.: $\Z$ dicht in $\Z_p$. Sei $x = (x_n)_{n \in \N} \in \Z_p$. Setze $y_n \in \Z$, s.d. $y_n \equiv x_n \; (\text{mod } p^{n}) $. Dann ist für $n \in \N$ fest, $y_n \equiv x_m \; (\text{mod } p^{m}) $ $\forall m \le n$, also $v_p(y_n - x) \ge n$. Also \[ d(y_n, x) = \exp(-v_p(y_n - x)) \le \exp(-n) \xrightarrow{n \to \infty} 0 .\] \end{proof} \begin{definition} Der Quotientenkörper der ganzen $p$-adischen Zahlen $\Z_p$ heißt Körper der $p$-adischen Zahlen \[ \Q_p \coloneqq Q(\Z_p) .\] \end{definition} \begin{bem} \begin{enumerate}[] \item Ein Element $x = \frac{a}{b} \in \Q_p^{\times}$ mit $a, b \in \Z_p$, $b \neq 0$ kann eindeutig als $x = p^{r}w$ mit $r \in \Z$ und $w \in \Z_p^{\times }$ dargestellt werden, denn nach \ref{le-decomp} ist \[ x = \frac{a}{b} = \frac{p^{n}u}{p^{m}v} = p^{n-m} \underbrace{u v^{-1}}_{\in \Z_p^{\times }} .\] Damit setzt sich die Definition von $v_p$ auf $\Q_p$ fort. Es gilt $v_p(x) \ge 0 \iff x \in \Z_p$. \item Nach (1) ist also $\Q_p = \Z_p[p^{-1}]$. \end{enumerate} \end{bem} \begin{lemma}[Topologie auf $\Q_p$] $\Q_p$ mit der von $\Z_p$ geerbten Metrik $d(x,y) = \exp(-v_p(x-y))$ ist lokal kompakt und enthält $\Z_p$ als offenen Teilring. $\Q$ ist dicht in $\Q_p$. \end{lemma} \begin{proof} Da $x \in \Z_p \iff v_p(x) \ge 0 \iff v_p(x) > -1$ folgt $\Z_p = \overline{B(0, 1)} = B(0, e)$, also $\Z_p$ offen. Da $\Z_p$ kompakt, folgt, dass $B(x, e)$ kompakt $\forall x \in \Q_p$, also $\Q_p$ lokal kompakt. Außerdem ist $\Z$ dicht in $\Z_p$, d.h. für $x \in \Q_p$ mit $x = p^{k} u$ und $k \in \Z$, $u \in \Z_p^{\times }$ ex. eine Folge $(y_n)_{n \in \N} \subseteq \Z$ mit $y_n \xrightarrow{n \to \infty} u$. Dann setze $z_n \coloneqq p^{k} y_n \in \Q$. Dann folgt direkt $z_n = p^{k} y_n \xrightarrow{n \to \infty} p^{k} u = x$. \end{proof} \begin{bem}[] \begin{enumerate}[] \item $\Q_p$ kann auch als Vervollständigung von $\Q$ bezüglich der $p$-adischen Metrik $d(\cdot , \cdot )$ definiert werden (analog zu $\R$ als Vervollständigung von $\Q$ bezüglich $|\cdot |$). \item Es ist leicht nachzurechnen, dass $d(\cdot , \cdot )$ die ultrametrische Ungleichung (auch starke Dreiecksungleichung) erfüllt, d.h. \[ d(x, z) \le \max(d(x,y), d(y,z)) \] für $x, y, z \in \Q_p$. Damit folgt das eine Folge $(a_n)_{n \in \N} \subseteq \Q_p$ genau dann konvergiert, wenn $\lim_{n \to \infty} (u_{n+1} - u_n) = 0$ (was in $\R$ bezüglich $|\cdot |$ falsch ist). \end{enumerate} \end{bem} \subsection{$p$-adische Gleichungen} \begin{lemma}[] Sei $D_1 \leftarrow D_2 \leftarrow \ldots$ ein projektives System und $D = \varprojlim \; (D_n, p_n)$ sein inverser Limes. Falls $D_n \neq \emptyset$ und endlich folgt $D \neq \emptyset$. \label{le-projlim} \end{lemma} \begin{proof} Sei zunächst $p_{n}\colon D_{n+1} \to D_n$ surjektiv. Dann ex. für alle $x_{n} \in D_{n}$ ein $x_{n+1} \in D_{n+1}$, s.d. $p_{n}(x_{n+1}) = x_n$. Da $D_1 \neq \emptyset$ folgt $D \neq \emptyset$ induktiv. Im Allgemeinen bezeichne für $m,n \in \N$: \[ D_{n,m} \coloneqq (p_{n} \circ \ldots \circ p_{n+m-1})(D_{n+m}) .\] Da $D_{n+m} \neq \emptyset$ folgt $D_{n,m} \neq \emptyset$ und da $D_k$ endlich folgt $\# p_k(D_{k+1}) \le \# D_{k+1}$ $\forall k \in \N$. D.h. $\#D_{n,m}$ ist monoton fallend in $m$ bei festem $n$. Da $D_{n,m} \neq \emptyset$ wird die Folge stationär, d.h. es ex. ein $m_0 \in \N$, s.d. $D_{n, m_0} = D_{n, m}$ $\forall m \ge m_0$. Sei $E_n$ dieser Grenzwert. Beh.: $p_{n}(E_{n+1}) = E_n$ $\forall n \in \N$. Sei dazu $n \in \N$. Nun ex. ein $m_0 \in \N$, s.d. $E_{n+1} = D_{n+1, m_0}$ und $E_n = D_{n, m_0} = D_{n, m_0+1}$. Damit folgt \begin{salign*} p_{n}(E_{n+1}) &= p_{n}(D_{n+1, m_0}) \\ &= p_{n}((p_{n+1} \circ \ldots \circ p_{n+m_0})(D_{n+1+m_0})) \\ &= (p_{n} \circ p_{n+1} \circ \ldots \circ p_{n+m_0})(D_{n+m_0+1}) \\ &= D_{n, m_0+1} \\ &= E_n .\end{salign*} Also sind die Einschränkungen $p_{n}|_{E_{n+1}}\colon E_{n+1} \to E_n$ surjektiv, $E_n \neq \emptyset$ und endlich, also folgt nach der Vorüberlegung $\varprojlim \; (E_n, p_n|_{E_n}) \neq \emptyset$, also insbesondere $D \neq \emptyset$. \end{proof} \begin{satz}[] Seien $f^{(i)} \in \Z_p[X_1, \ldots, X_m]$ Polynome in den ganzen $p$-adischen Zahlen. Dann sind äquivalent: \begin{enumerate}[(i)] \item Die $f^{(i)}$ haben eine gemeinsame Nullstelle in $(\Z_p)^{m}$. \item Für $n \in \N$ haben die Polynome $f^{(i)} \; (\text{mod } p^{n}) $ eine gemeinsame Nullstelle in $(A_n)^{m}$. \end{enumerate} \label{satz-nsequiv} \end{satz} \begin{proof} Sei $D = \{ \text{gemeinsame NS von } f^{(i)} \text{ in } (\Z_p)^{m} \} \subseteq (\Z_p)^{m}$ und\\ $D_n \coloneqq \{ \text{ gemeinsame NS von } f^{(i)} \text{ in } (A_n)^{m} \; (\text{mod } p^{n}) \} $. Es bezeichne $(\phi_{n})^m\colon (A_{n+1})^{m} \to (A_n)^{m}$ die Abbildung, die $\phi_{n}$ komponentenweise anwendet. Dann ist $(D_n, (\phi_n)^m)$ ein projektives System mit $D = \varprojlim \; (D_n, (\phi_n)^m)$. Sei nun $D \neq \emptyset$ und $x \in D$. Dann ist $\pi_n(x) \in D_n$ $\forall n \in \N$. Seien umgekehrt $D_n \neq \emptyset$ $\forall n \in \N$. Da $D_n \subseteq A_n$ endlich folgt mit \ref{le-projlim} $D \neq \emptyset$. \end{proof} \begin{definition}[] Ein Element $x = (x_1, \ldots, x_m) \in (\Z_p)^{m}$ (bzw. $(A_n)^{m}$) heißt primitiv, falls ein $x_i \in \Z_p^{\times}$ (bzw. $\in A_n^{\times}$) ist. \end{definition} \begin{definition}[] Sei $R$ ein Ring. Ein Polynom $f \in R[X_1, \ldots, X_m]$ heißt homogen vom Grad $2$, falls in $R[X_1, \ldots, X_m][T]$ gilt \[ f(TX_1, \ldots, TX_m) = T^{k} f(X_1, \ldots, X_m) .\] Ein homogenes Polynom vom Grad $2$ heißt quadratische Form. \end{definition} \begin{bsp}[] Das Polynom $f = X^5 + X^3Y^2 + XY^4 \in \Z[X,Y]$ ist homogen, aber $g = X^2 + X + Y^2 \in \Z[X,Y]$ ist nicht homogen. \end{bsp} \begin{korollar}[] Seien $f^{(i)} \in \Z_p[X_1, \ldots, X_m]$ homogene Polynome. Dann sind äquivalent \begin{enumerate}[(i)] \item Die $f^{(i)}$ haben eine nichttriviale gemeinsame Nullstelle in $(\Q_p)^{m}$. \item Die $f^{(i)}$ haben eine gemeinsame primitive Nullstelle in $(\Z_p)^{m}$. \item Für $n \in \N$ haben die Polynome $f^{(i)} \; (\text{mod } p^{n}) $ eine gemeinsame primitive Nullstelle. \end{enumerate} \end{korollar} \begin{proof} (i)$\implies$(ii): Sei $x = (x_1, \ldots, x_m)$ eine nichttriviale gemeinsame Nullstelle der $f^{(i)}$. Dann setze \[ k \coloneqq \min(v_p(x_1), \ldots, v_p(x_m)) \text{ und } y = p^{-k} x .\] Sei $i \in \{1, \ldots, m\} $, s.d. $k = v_p(x_i)$. Dann ist $v_p(y_i) = v_p(p^{-k}) + v_p(x_i) = -k + k = 0$. Also $y_i \in \Z_p^{\times }$ und damit $y$ primitiv. Außerdem gilt für ein $n \in \N$ \[ f^{(i)}(y) = f^{(i)}(p^{-k} x) \quad \stackrel{\text{Homog.}}{=} \quad p^{-nk} f^{(i)}(x) = 0 .\] (ii)$\implies$(i) ist trivial und (ii) $\iff$ (iii) folgt aus \ref{satz-nsequiv}. \end{proof} \begin{bem}[] Die Voraussetzung homogenes Polynom ist notwendig, wie am Beispiel: \[ f = pX - 1 \in \Z_p[X] \] deutlich wird, denn $f(p^{-1}) = 0$, aber im Körper $\Q_p$ hat das lineare Polynom $f$ maximal eine Nullstelle und $p^{-1} \not\in \Z_p$. \end{bem} Wir möchten nun betrachten, unter welchen Umständen eine Lösung $\; (\text{mod } p^{n}) $ zu einer echten Lösung in $\Z_p$ entwickelt werden kann. Dazu verwenden wir die $p$-adische Version des Newton Verfahrens. \begin{lemma}[Henselsches Lemma] Sei $f = a_mX^{m} + \ldots + a_0 \in \Z_p[X]$ und $f' = a_m m X^{m-1} + \ldots + a_1 \in \Z_p[X]$ seine Ableitung. Weiter sei $x \in \Z_p$, s.d. $f(x) \equiv 0 \; (\text{mod } p^{n}) $ für ein $n \in \N$ und $v_p(f'(x)) = k$ mit $0 \le 2k < n$. Dann existiert ein $y \in \Z_p$, s.d. \[ f(y) \equiv 0 \; (\text{mod } p^{n+1}), v_p(f'(y)) = k \text{ und } y \equiv x \; (\text{mod } p^{n-k}) .\] \label{le-hensel} \end{lemma} \begin{proof} Nach Voraussetzung ist $f(x) = p^{n}b$ und $f'(x) = p^{k}c$ mit $b \in \Z_p$ und $c \in \Z_p^{\times }$. Dann setze $z \coloneqq -b c^{-1}$ und $y \coloneqq x + p^{n-k}z$. Damit erfüllt $y \equiv x \; (\text{mod } p^{n-k}) $. Der binomische Lehrsatz liefert \begin{salign*} a_i y^{i} = a_i \sum_{j=0}^{i} \binom{i}{j} x^{i-j} (p^{n-k} z)^{j} = a_i x^{i} + a_i i x^{i-1} p^{n-k} z + p^{2n-2k} z^2 R_i \end{salign*} für $R_i \in \Z_p$. Aufsummieren und addieren von $a_0$ liefert mit $R \in \Z_p$ eine ,,Taylorentwicklung'': \begin{salign*} f(y) &= f(x) + p^{n-k} z f'(x) + p^{2n-2k} z^2 R \intertext{Einsetzen liefert} f(y) &= p^{n}b - p^{n-k} b c^{-1} p^{k} c + p^{2n-2k} z^2 R \\ &= p^{2n-2k} z^2 R \\ &\equiv 0 \; (\text{mod } p^{n+1}) ,\end{salign*} da $2k < n \implies 2n - 2k \ge n+1$. Anwenden der ,,Taylorentwicklung'' auf $f'$ liefert \begin{salign*} f'(y) &= f'(x) + p^{n-k} z f''(x) + p^{2n-2k} z^2 R \\ &= p^{k} c + p^{n-k} z f''(x) + p^{2n-2k}z^2R \\ &= p^{k}(\underbrace{c + p^{n-2k} z f''(x) + p^{2n-3k} z^2 R}_{=: s}) .\end{salign*} Es ist $n-2k > 0$ und $2n - 3k > 0$, aber $c \in \Z_p^{\times }$, also $p \nmid s$ und damit $s \in \Z_p^{\times }$ und $v_p(f'(y)) = k$. \end{proof} Zum Studium der quadratischen Formen benötigen wir noch die auf $m$ Variablen verallgemeinerte Version des Henselschen Lemmas. \begin{satz} Sei $f \in \Z_p[X_1, \ldots, X_m]$ und $x = (x_i) \in (\Z_p)^{m}$, s.d. $f(x) \equiv 0 \; (\text{mod } p^{n}) $. Weiter existiere ein $1 \le j \le m$, s.d. $v_p\left( \frac{\partial f}{\partial X_j}(x) \right) = k$ mit $0 \le 2k < n$. Dann existiert eine Nullstelle $y \in (\Z_p)^{m}$ von $f$ mit $y \equiv x \; (\text{mod } p^{n-k}) $. \label{satz-hensel} \end{satz} \begin{proof} Sei zunächst $m = 1$. Mit \ref{le-hensel} angewendet auf $x^{(0)} \coloneqq x$, erhält man $x^{(1)} \in \Z_p$ mit \[ f(x^{(1)}) \equiv 0 \; (\text{mod } p^{n+1})\text{, } v_p(f'(x^{(1)})) = k \text{ und } x^{(1)} \equiv x^{(0)} \; (\text{mod } p^{n-k}) .\] Wende \ref{le-hensel} nun auf $x^{(1)}$ und $n+1$ an. Induktiv erhält man eine Folge $(x^{(q)})_{q \in \N}$ mit den Eigenschaften \[ x^{(q+1)} \equiv x^{(q)} \; (\text{mod } p^{n+q-k}) \text{ und } f(x^{(q)}) \equiv 0 \; (\text{mod } p^{n+q}) .\] Es gilt nun $v_p(x^{(q+1)} - x^{(q)}) \ge n+q-k$, also $d(x^{(q+1)}, x^{(q)}) \xrightarrow{q\to \infty} 0$. Also ist $x^{(q)}$ eine Cauchy Folge und konvergiert gegen ein $y \in \Z_p$. Dann gilt \[ 0 = \lim_{q \to \infty} f(x^{(q)}) = f(\lim_{q \to \infty} x^{(q)}) = f(y) \] und $y \equiv x \; (\text{mod } p^{n-k}) $. Sei nun $m > 1$. Ersetze in $f$ die Variablen $X_i$ durch $x_i$ für $i \neq j$. Dann sei $g \in \Z_p[X_j]$ das entstandene Polynom in einer Variablen. Wende nun den Fall für $m = 1$ auf $g$ an. Dann erhalten wir ein $y_j \in \Z_p$ mit $y_j \equiv x_j \; (\text{mod } p^{n-k}) $ und $g(y_j) = 0$. Setze nun $y_i \coloneqq x_i$ für $i \neq j$. Dann ist $y \equiv x \; (\text{mod } p^{n-k}) $ und \[ f(y) = f(y_1, \ldots, y_m) = f(x_1, \ldots, x_{j-1}, y_j, x_{j+1}, \ldots, x_m) = g(y_j) = 0 .\] \end{proof} Aus dem letzten Satz können wir einfache Schlussfolgerungen für quadratische Formen ziehen. \begin{korollar}[] Sei $f \in \Z_p[X_1, \ldots, X_m]$ und $x \in \Z_p$ mit \[ f(x) \equiv 0 \; (\text{mod } p) \] und es sei mind. eine partielle Ableitung $\frac{\partial f}{\partial X_j}(x) \not\equiv 0 \; (\text{mod } p) $, dann hebt sich $x$ zu einer echten Nullstelle. \label{kor-1} \end{korollar} \begin{proof} Das ist der Fall $n = 1$ und $k = 0$ in \ref{satz-hensel}. \end{proof} \begin{korollar}[] Sei $p\neq 2$ und $f = \sum_{i=1}^{m} \sum_{j=1}^{m} a_{ij} X_i X_j \in \Z_p[X_1, \ldots, X_m]$ eine quadratische Form mit $a_{ij} = a_{ji}$ und sei $ p \nmid \text{det}(a_{ij})$. Sei weiter $a \in \Z_p$. Dann hebt sich jede primitive Lösung der Gleichung $f(x) \equiv a \; (\text{mod } p) $ zu einer echten Lösung. \end{korollar} \begin{proof} Mit \ref{kor-1} g.z.z., dass mind. eine partielle Ableitung $\; (\text{mod } p) $ nicht verschwindet. Sei $A = (a_{ij}) \in \Z_p^{m \times m}$. Da $\text{det}(a_{ij}) \not\equiv 0 \; (\text{mod } p) $ folgt $\text{det}(a_{ij}) \in \mathbb{F}_p^{\times }$ und damit $\text{ker } A = \{0\} $. Es gilt weiter \[ \frac{\partial f}{\partial X_i} = 2 \sum_{j=1}^{m} a_{ij}X_j \text{ also } \begin{pmatrix} \partial_{X_i} f(x) \\ \vdots \\ \partial_{X_m} f(x) \end{pmatrix} = 2 A x .\] Da $x$ primitiv ist $x \neq 0 \in \mathbb{F}_p^{m}$ und damit mind. eine partielle Ableitung $\not\equiv 0 \; (\text{mod } p) $. \end{proof} %\begin{korollar}[] % Sei $p=2$ und $f = \sum_{i=1}^{m} \sum_{j=1}^{m} a_{ij} X_i X_j \in \Z_2[X_1, \ldots, X_m]$ % eine quadratische Form mit $a_{ij} = a_{ji}$. Weiter sei $a \in \Z_2$ und $x$ eine primitive Lösung % der Gleichung $f(x) \equiv a \; (\text{mod } 8) $. Dann hebt sich $x$ zu einer echten Lösung, falls % nicht alle partiellen Ableitungen $\; (\text{mod } 4) $ verschwinden. Dies ist erfüllt, wenn % $\text{det}(a_{ij})$. %\end{korollar} % ???? \end{document}