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1962 satır
91KB

  1. \documentclass{arbeit}
  2. \author{Christian Merten}
  3. \title{Auflösung unbeschränkter Komplexe}
  4. \usepackage{tikz-cd}
  5. \usepackage{amssymb}
  6. \usepackage{hyperref}
  7. \usepackage{graphicx}
  8. %\newcommand{\smallbullet}{\tikz \draw (0,0) circle (1.5pt);}
  9. \newcommand{\com}[1]{#1^{\text{\scalebox{0.7}{\textbullet}}}}
  10. \newcommand{\K}{\mathcal{K}}
  11. \newcommand{\colim}{\underset{\longrightarrow}{\text{colim }}}
  12. \renewcommand{\lim}{\underset{\longleftarrow}{\text{lim }}}
  13. \newcommand{\final}[1]{\underset{\rightarrow}{#1}}
  14. \begin{document}
  15. \maketitle
  16. \section{Einleitung}
  17. \section{Derivierte Kategorien und abgeleitete Funktoren}
  18. Seien $\mathcal{A}, \mathcal{B}$ abelsche Kategorien und sei $F\colon \mathcal{A} \to
  19. \mathcal{B}$ ein Funktor. Das Ziel ist es in natürlicher Weise für jedes Objekt
  20. $X \in \mathcal{A}$ einen Komplex $\text{R}F(X)$ zu definieren, dessen Kohomologiegruppen
  21. mit den klassischen Rechtsableitungen von $F$ bei $X$ übereinstimmen, falls
  22. $F$ linksexakt ist.
  23. Allgemeiner definieren wir $\text{R}F(\com{X})$
  24. für jeden Komplex $\com{X}$ in $\mathcal{A}$. Genauer gesagt konstruieren wir einen
  25. Funktor $\text{R}F$ von der derivierten Kategorie $\mathcal{D}(\mathcal{A})$ von
  26. $\mathcal{A}$ in die derivierte Kategorie $\mathcal{D}(\mathcal{B})$ von $\mathcal{B}$.
  27. Die derivierte Kategorie $\mathcal{D}(\mathcal{A})$ erhalten wir durch Lokalisierung,
  28. analog zum gleichnamigen Vorgang in der kommutativen Algebra: Wir starten mit der Kategorie
  29. $\mathcal{K}(\mathcal{A})$, der Komplexkategorie von $\mathcal{A}$, wobei die Morphismen
  30. Homotopieäquivalenzklassen von Komplexhomomorphismen sind. Daraus erhalten
  31. wir dann $\mathcal{D}(\mathcal{A})$ indem alle Quasiisomorphismen in
  32. $\mathcal{K}(\mathcal{A})$, das heißt Komplexhomomorphismen, die Isomorphismen auf den
  33. Kohomologiegruppen induzieren, in $\mathcal{D}(\mathcal{A})$ zu Isomorphismen erklären.
  34. Dieser Lokalisierungsprozess wird im Folgenden skizziert. Die Vorgehensweise orientiert
  35. sich an Kapitel 1 von \cite{hartshorne}.
  36. \subsection{Triangulierte Kategorien}
  37. Auch wenn $\mathcal{A}$ eine abelsche Kategorie ist, sind $\mathcal{K}(\mathcal{A})$
  38. und $\mathcal{D}(\mathcal{A})$ im Allgemeinen nicht abelsch; sie genügen jedoch einer
  39. anderen Struktur, die einer triangulierten Kategorie.
  40. \begin{definition}[Triangulierte Kategorie]
  41. Eine triangulierte Kategorie ist eine additive Kategorie $\mathcal{T}$ mit
  42. \begin{enumerate}[(a)]
  43. \item einem additiven Kategorienautomorphismus
  44. $T\colon \mathcal{T} \to \mathcal{T}$, dem Verschiebefunktor, und
  45. \item einer Klasse von Sextupeln $(X, Y, Z, u, v, w)$, den ausgezeichneten Dreiecken von $\mathcal{T}$, wobei
  46. $X, Y, Z \in \mathcal{T}$ und $u\colon X \to Y$, $v\colon Y \to Z$, $w\colon Z \to T(X)$ Morphismen sind.
  47. \end{enumerate}
  48. Ein Morphismus von ausgezeichneten Dreiecken
  49. $(X, Y, Z, u, v, w) \to (X', Y', Z', u', v', w')$ ist ein kommutatives Diagramm
  50. \[
  51. \begin{tikzcd}
  52. X \arrow{r}{u} \arrow{d} & Y \arrow{r}{v} \arrow{d} & Z \arrow{r}{w} \arrow{d} & T(X) \arrow{d} \\
  53. X' \arrow{r}{u'} & Y' \arrow{r}{v'} & Z' \arrow{r}{w'} & T(X') \\
  54. \end{tikzcd}
  55. .\]
  56. Weiter unterliegen diese Daten den folgenden Axiomen:
  57. \begin{enumerate}[(TR1), leftmargin=14mm]
  58. \item Jedes zu einem ausgezeichneten Dreieck
  59. isomorphe Sextupel $(X, Y, Z, u, v, w)$ wie oben, ist ein ausgezeichnetes Dreieck. Jeder
  60. Morphismus $u\colon X \to Y$ kann in ein ausgezeichnetes Dreieck $(X, Y, Z, u, v, w)$ eingebettet werden
  61. und das Sextupel $(X, X, 0, \text{id}_X, 0, 0)$ ist ein ausgezeichnetes Dreieck für alle $X \in \mathcal{T}$.
  62. \item $(X, Y, Z, u, v, w)$ ist ein ausgezeichnetes Dreieck genau dann wenn $(Y, Z, T(X), v, w, -T(u))$ ein
  63. ausgezeichnetes Dreieck ist.
  64. \item Für zwei ausgezeichnete Dreiecke $(X, Y, Z, u, v, w)$ und $(X', Y', Z', u', v', w')$, und
  65. Morphismen $f\colon X \to X'$, $g\colon Y \to Y'$, die mit $u$ und $u'$ kommutieren, existiert
  66. ein nicht notwendig eindeutiger Morphismus $h\colon Z \to Z'$, so dass $(f, g, h)$ ein Morphismus
  67. von ausgezeichneten Dreiecken ist.
  68. \end{enumerate}
  69. \label{TR2}
  70. \end{definition}
  71. \begin{bem}
  72. Streng genommen ist die hier definierte Triangulierte Kategorie nur eine Pretriangulierte Kategorie. Für
  73. eine vollständig triangulierte Kategorie fehlt noch das Oktaheder Axiom
  74. (TR4 in \cite{hartshorne}), das wir im Folgenden jedoch nicht benötigen.
  75. \end{bem}
  76. \begin{definition}[Triangulierter Funktor]
  77. Ein additiver (kovarianter) Funktor $F\colon \mathcal{T} \to \mathcal{S}$ zwischen triangulierten Kategorien
  78. heißt trianguliert, wenn er ausgezeichnete Dreiecke in ausgezeichnete Dreiecke überführt und mit dem
  79. Verschiebefunktor kommutiert.
  80. \end{definition}
  81. \begin{definition}[Kohomologischer Funktor]
  82. Ein additiver (kovarianter) Funktor $H\colon \mathcal{T} \to \mathcal{A}$ von einer triangulierten Kategorie
  83. in eine abelsche Kategorie heißt (kovarianter) kohomologischer Funktor, wenn für jedes
  84. ausgezeichnete Dreieck $(X, Y, Z, u, v, w)$ von $\mathcal{T}$ die lange Folge
  85. \[
  86. \begin{tikzcd}
  87. \cdots \arrow{r} & H(T^{i}X) \arrow{r} & H(T^{i}Y) \arrow{r} & H(T^{i}Z) \arrow{r} & H(T^{i+1}X) \arrow{r}
  88. & \cdots
  89. \end{tikzcd}
  90. \] exakt ist. Wenn $H$ ein kohomologischer Funktor ist, dann schreiben wir auch $H^{i}(X)$ für $H(T^{i}X)$
  91. für $i \in \Z$.
  92. \end{definition}
  93. \begin{lemma}
  94. Sei $\mathcal{T}$ eine triangulierte Kategorie und $X \in \mathcal{T}$.
  95. Dann sind $\text{Mor}_{\mathcal{T}}(X, -)$ und $\text{Mor}_{\mathcal{T}}(-, X)$ kohomologische Funktoren.
  96. \label{hom-cohom-func}
  97. \end{lemma}
  98. \begin{proof}
  99. siehe Proposition 1.1 in \cite{hartshorne}.
  100. \end{proof}
  101. \subsection{Homotopiekategorie}
  102. Das kanonische Beispiel für eine triangulierte Kategorie ist die Homotopiekategorie einer additiven Kategorie $\mathcal{C}$.
  103. \begin{definition}[Homotopiekategorie]
  104. Sei $\mathcal{C}$ eine additive Kategorie. Dann ist die Homotopiekategorie
  105. $\mathcal{K}(\mathcal{C})$ von $\mathcal{C}$, die Kategorie, deren Objekte
  106. Komplexe mit Objekten aus $\mathcal{C}$ sind und
  107. deren Morphismen Homotopieäquivalenzklassen von Komplexhomomorphismen sind.
  108. \end{definition}
  109. %\begin{bem}
  110. In der Homotopiekategorie haben wir einen natürlichen Kategorienautomorphismus
  111. $T\colon \mathcal{K}(\mathcal{C}) \to \mathcal{K}(\mathcal{C})$, der
  112. durch Verschieben nach links gegeben ist, das
  113. heißt für $\com{X} \in \mathcal{K}(\mathcal{C})$ durch
  114. \begin{equation}
  115. T(\com{X})^{i} = X^{i+1} \text{ und } d_{T(\com{X})} = - d_{\com{X}}
  116. \label{eq:shift-functor}
  117. \end{equation}
  118. %\end{bem}
  119. \begin{bem}[Notation]
  120. Für $\com{X} \in \mathcal{K}(\mathcal{C})$ schreiben wir auch
  121. \[
  122. \com{X}[n] = T^{n}(\com{X})
  123. .\]
  124. \end{bem}
  125. Um die ausgezeichneten Dreiecke in $\mathcal{K}(\mathcal{C})$ zu erklären, benötigen wir
  126. den Abbildungskegel eines Morphismus in $\mathcal{K}(\mathcal{C})$:
  127. \begin{definition}[Abbildungskegel]
  128. Seien $\com{X}, \com{Y} \in \mathcal{K}$ zwei Komplexe und $f\colon \com{X} \to \com{Y}$ ein
  129. Komplexhomomorphismus. Dann sei der Abbildungskegel
  130. $\com{C}_f \in \mathcal{K}(\mathcal{C})$ definiert durch
  131. \[
  132. C_f^{n} = X^{n+1} \oplus Y^{n}
  133. \] mit Differential
  134. \[
  135. d_{\com{C}_f} = \begin{pmatrix}
  136. d_{\com{X}[1]} & 0 \\
  137. f[1] & d_{\com{Y} }
  138. \end{pmatrix}
  139. .\]
  140. \label{def:mapping-cone}
  141. \end{definition}
  142. \begin{bem}
  143. \begin{enumerate}[(1)]
  144. \item In der Situation von \ref{def:mapping-cone} haben wir kanonische Morphismen
  145. $i\colon \com{Y} \to \com{C}_{f}$ und $p\colon \com{C}_{f} \to \com{X}[1]$.
  146. \item Oft wird auch die Notation $\com{C}_f = \com{X}[1] \oplus \com{Y}$ verwendet.
  147. Man beachte jedoch, dass der Abbildungskegel \emph{nicht} das Koprodukt
  148. von $\com{X}[1]$ und $\com{Y}$ ist.
  149. \end{enumerate}
  150. \end{bem}
  151. \begin{satz}[Homotopiekategorie ist trianguliert]
  152. Sei $\mathcal{C}$ eine additive Kategorie. Dann ist die Homotopiekategorie $\mathcal{K}(\mathcal{C})$
  153. mit den folgenden Daten trianguliert:
  154. \begin{enumerate}[(a)]
  155. \item Der Verschiebefunktor $T\colon \mathcal{K}(\mathcal{C}) \to \mathcal{K}(\mathcal{C})$ wie in \ref{eq:shift-functor}.
  156. \item Ein Sextupel $(\com{X}, \com{Y}, \com{Z}, u, v, w)$
  157. wie in \ref{TR2} in $\mathcal{K}(\mathcal{C})$
  158. ist ein ausgezeichnetes Dreieck,
  159. genau dann wenn
  160. es im Sinne von ausgezeichneten Dreiecken isomorph ist zu einem Sextupel
  161. der Form
  162. $(\com{X}, \com{Y}, \com{C_{f}}, f, i, p)$,
  163. wobei $f\colon \com{X} \to \com{Y} $ ein Morphismus
  164. in $\mathcal{K}(\mathcal{C})$ ist und $i\colon \com{Y} \to \com{C_{f}}$,
  165. $p\colon \com{C}_{f} \to \com{X}[1]$ die kanonischen Morphismen sind.
  166. \end{enumerate}
  167. \end{satz}
  168. \begin{proof}
  169. siehe Kapitel 1, §2 in \cite{hartshorne}.
  170. \end{proof}
  171. Sei nun $\mathcal{A}$ eine abelsche Kategorie und $\mathcal{K} = \mathcal{K}(\mathcal{A})$ die Homotopiekategorie.
  172. \begin{lemma}
  173. Der Funktor $H\colon \mathcal{K} \to \mathcal{A}b$ der einen Komplex $\com{A}$
  174. auf seine nullte Kohomologiegruppe abbildet, ist ein kohomologischer Funktor.
  175. \label{lemma:cohom-is-cohom-functor}
  176. \end{lemma}
  177. \begin{proof}
  178. siehe Kapitel 1, §2 in \cite{hartshorne}.
  179. \end{proof}
  180. Daraus erhalten wir insbesondere folgendes Kriterium, ob ein Komplexhomomorphismus ein Quasiisomorphismus ist:
  181. \begin{lemma}[]
  182. Seien $\com{A}, \com{B} \in \mathcal{K}$ und $f\colon \com{A} \to \com{B} $ ein Komplexhomomorphismus.
  183. Dann ist $f$ ein Quasiisomorphismus, genau dann wenn $\com{C}_f$ exakt ist.
  184. \label{mapping-cone-exact-for-qis}
  185. \end{lemma}
  186. \begin{proof}
  187. Es ist $(\com{A}, \com{B}, \com{C}_f, f, i, p)$ ein ausgezeichnetes Dreieck in $\mathcal{K}$ mit
  188. $i\colon \com{B} \to \com{C}_f$ und $p\colon \com{C}_f \to \com{A}[1]$ die natürlichen
  189. Morphismen. Also
  190. erhalten wir mit \ref{lemma:cohom-is-cohom-functor} für $i \in \Z$ eine exakte Folge
  191. \[
  192. \begin{tikzcd}
  193. H^{i-1}(\com{C}_f) \arrow{r}
  194. & H^{i}(\com{A}) \arrow{r}{H^{i}(f)}
  195. & H^{i}(\com{B}) \arrow{r}
  196. & H^{i}(\com{C}_f) \arrow{r}
  197. & H^{i+1}(\com{A}) \arrow{r}{H^{i+1}(f)}
  198. & H^{i+1}(\com{B})
  199. \end{tikzcd}
  200. .\] Die Exaktheit liefert nun die Äquivalenz.
  201. \end{proof}
  202. \subsection{Lokalisierung von Kategorien}
  203. Wie anfangs erwähnt, ist die derivierte Kategorie $\mathcal{D}(\mathcal{A})$ einer
  204. abelschen Kategorie $\mathcal{A}$
  205. eine Lokaliserung der Homotopiekategorie $\mathcal{K}(\mathcal{A})$.
  206. Diese funktioniert analog zum gleichnamigen Prozess in der kommutativen Algebra, was
  207. uns zu folgendem Begriff führt:
  208. \begin{definition}[Multiplikatives System]
  209. Sei $\mathcal{C}$ eine Kategorie. Eine Klasse $\mathcal{S}$ von Morphismen von $\mathcal{C}$ heißt
  210. multiplikatives System, wenn es die folgenden Axiome erfüllt:
  211. \begin{enumerate}[(FR1), leftmargin=14mm]
  212. \item Wenn $f, g \in \mathcal{S}$, sodass $fg$ existiert, ist $fg \in \mathcal{S}$. Für
  213. alle $X \in \mathcal{C}$ ist $\text{id}_{X}\in \mathcal{S}$.
  214. \item Jedes Diagramm in $\mathcal{C}$
  215. \[
  216. \begin{tikzcd}
  217. & Z \arrow{d}{s} \\
  218. X \arrow{r}{u} & Y \\
  219. \end{tikzcd}
  220. \] mit $s \in \mathcal{S}$ kann zu einem kommutativen Diagramm
  221. \[
  222. \begin{tikzcd}
  223. W \arrow{r}{v} \arrow{d}{t} & Z \arrow{d}{s} \\
  224. X \arrow{r}{u} & Y
  225. \end{tikzcd}
  226. \] mit $t \in \mathcal{S}$ ergänzt werden. Analog gilt die selbe Aussage mit allen Pfeilen umgedreht.
  227. \item Für $f, g \colon X \to Y$ Morphismen in $\mathcal{C}$, sind die folgenden Bedingungen äquivalent:
  228. \begin{enumerate}[(i)]
  229. \item Es existiert ein $s\colon Y \to Y'$ in $\mathcal{S}$, sodass $sf = sg$.
  230. \item Es existiert ein $t\colon X \to X'$ in $\mathcal{S}$, sodass $ft = gt$.
  231. \end{enumerate}
  232. \end{enumerate}
  233. \label{def:mult-system}
  234. \end{definition}
  235. \begin{definition}[Lokalisierung]
  236. Seien $\mathcal{C}$ eine Kategorie und $\mathcal{S}$ eine Klasse von Morphismen in $\mathcal{C}$. Dann
  237. ist die Lokalisierung von $\mathcal{C}$ in Bezug auf $\mathcal{S}$ eine Kategorie $\mathcal{C}_{\mathcal{S}}$
  238. zusammen mit einem Funktor $Q\colon \mathcal{C} \to \mathcal{C}_{\mathcal{S}}$, sodass
  239. \begin{enumerate}[(a)]
  240. \item $Q(s)$ ein Isomorphismus ist für alle $s \in \mathcal{S}$ und
  241. \item jeder Funktor $F\colon \mathcal{C} \to \mathcal{D}$, sodass $F(s)$ ein Isomorphismus ist
  242. für alle $s \in \mathcal{S}$, eindeutig über $Q$ faktorisiert.
  243. \end{enumerate}
  244. \label{def:localisation}
  245. \end{definition}
  246. \begin{definition}
  247. Sei $\mathcal{C}$ eine Kategorie und $\mathcal{S}$ ein multiplikatives System in $\mathcal{C}$. Dann definiere
  248. die Kategorie $\mathcal{C}_{\mathcal{S}}$ durch
  249. \begin{enumerate}[(a)]
  250. \item $ob(\mathcal{C}) = ob(\mathcal{C}_{\mathcal{S}})$.
  251. \item Für $X, Y \in \mathcal{C}$ setze
  252. $\text{Mor}_{\mathcal{C}_{\mathcal{S}}}(X, Y) = \{ (f, Z, s) \mid f \colon Z \to Y,
  253. s \colon Z \to X \text{ mit } s \in \mathcal{S}\} / \sim $ wobei
  254. $(f, Z, s) \sim (f', Z', s')$ genau dann wenn ein kommutatives Diagramm
  255. \[
  256. \begin{tikzcd}
  257. & Z \arrow{dl}{s} \arrow{dr}{f} & \\
  258. X & W \arrow{l}{t} \arrow{u}{g} \arrow{d}{h} & Y \\
  259. & \arrow{ul}{s'} Z' \arrow{ur}{f'} &
  260. \end{tikzcd}
  261. \] mit $t \in \mathcal{S}$ in $\mathcal{C}$ existiert.
  262. \item Für $(f, U, s) \in \text{Mor}_{\mathcal{C}_{\mathcal{S}}}(X, Y)$,
  263. $(g, V, t) \in \text{Mor}_{\mathcal{C}_{\mathcal{S}}}(Y, Z)$ sei
  264. die Komposition definiert durch die äußeren Morphismen des kommutativen Diagramms
  265. \[
  266. \begin{tikzcd}
  267. & & \arrow[dashed]{dl}{r} W \arrow[dashed]{dr}{h} & & \\
  268. & \arrow{dl}{s} U \arrow{dr}{f} & & \arrow{dl}{t} V \arrow{dr}{g} & \\
  269. X & & Y & & Z
  270. \end{tikzcd}
  271. .\] Die gestrichelten Morphismen existieren wegen \hyperref[def:mult-system]{FR2}.
  272. \item Für $X \in \mathcal{C}$ ist die Identität $X \to X$ in $\mathcal{C}_{\mathcal{S}}$
  273. gegeben durch das Tripel $(\text{id}_X, X, \text{id}_X)$.
  274. \end{enumerate}
  275. \label{constr:localisation}
  276. \end{definition}
  277. \begin{satz}
  278. Sei $\mathcal{C}$ eine Kategorie und $\mathcal{S}$ ein multiplikatives System, dann ist
  279. die in \ref{constr:localisation} konstruierte Kategorie $\mathcal{C}_{\mathcal{S}}$
  280. wohldefiniert und eine Lokalisierung von $\mathcal{C}$ bezüglich $\mathcal{S}$. Der kanonische
  281. Funktor $Q\colon \mathcal{C} \to \mathcal{C}_{\mathcal{S}}$ ist dann gegeben durch
  282. $Q(X) = X$ für $X \in \mathcal{C}$ und $Q(f) = (f, X, \text{id}_{X})$ für $f\colon X \to Y$ in $\mathcal{C}$.
  283. \label{satz:existence-localisation}
  284. \end{satz}
  285. \begin{proof}
  286. siehe Proposition 3.1 in \cite{hartshorne}.
  287. \end{proof}
  288. \begin{bem}
  289. \begin{enumerate}[(a)]
  290. \item Da $\mathcal{S}$ eine echte Klasse sein kann, das heißt keine Menge, ist im
  291. Allgemeinen auch $\text{Mor}_{\mathcal{C}_{\mathcal{S}}}(X, Y)$ für
  292. $X, Y \in \mathcal{C}_{\mathcal{S}}$
  293. keine Menge. Das
  294. heißt streng genommen ist $\mathcal{C}_{\mathcal{S}}$ nur
  295. eine große Kategorie. Auf diese mengentheoretischen Probleme gehen wir
  296. im Folgenden jedoch nicht ein.
  297. \item Die Lokalisierung $\mathcal{C}_{\mathcal{S}}$ einer Kategorie $\mathcal{C}$
  298. kann auch dual, dass heißt durch Umdrehen aller Pfeile,
  299. konstruiert werden. Wenn im Folgenden der Kontext klar ist, dann schreiben wir auch einfach
  300. $X$ für $Q(X)$ für ein Objekt $X \in \mathcal{C}$. Ebenso schreiben wir für $X, Y \in \mathcal{C}$ auch
  301. $s^{-1}f$ bzw. in der dualen Konstruktion $fs^{-1}$ für die Äquivalenzklasse des Tripels
  302. $(f, Z, s) \in \text{Mor}_{\mathcal{C}_{\mathcal{S}}}(X, Y)$. In dieser Notation ist
  303. dann $Q(f) = \text{id}^{-1}f$ bzw. $Q(f) = f\text{id}^{-1}$ für $f\colon X \to Y$ in $\mathcal{C}$.
  304. \end{enumerate}
  305. \end{bem}
  306. Falls $\mathcal{T}$ eine triangulierte Kategorie ist und $\mathcal{S}$ ein multiplikatives
  307. System, stellt sich die Frage, ob sich
  308. die Triangulation von $\mathcal{C}$
  309. in natürlicher Weise auf $\mathcal{C}_{\mathcal{S}}$ ausdehnt. Dazu fordern wir zusätzlich
  310. an $\mathcal{S}$:
  311. \begin{definition}[Mit Triangulation kompatibles multiplikatives System]
  312. Sei $\mathcal{T}$ eine triangulierte Kategorie mit Verschiebefunktor $T$
  313. und $\mathcal{S}$ ein multiplikatives System
  314. von Morphismen. Wir nennen $\mathcal{S}$ kompatibel mit der Triangulation, wenn die folgenden
  315. Axiome erfüllt sind:
  316. \begin{enumerate}[(FR1), leftmargin=14mm]
  317. \item $s \in \mathcal{S} \iff T(s) \in \mathcal{S}$.
  318. \item \hyperref[TR2]{TR3} unter der zusätzlichen Annahme, dass $f, g \in \mathcal{S}$
  319. und der zusätzlichen Forderung, dass $h \in \mathcal{S}$ ist.
  320. \end{enumerate}
  321. \end{definition}
  322. \begin{satz}
  323. Sei $\mathcal{T}$ eine triangulierte Kategorie und $\mathcal{S}$ ein
  324. mit der Triangulation kompatibles
  325. multiplikatives System. Dann hat $\mathcal{T}_{\mathcal{S}}$ eine eindeutige
  326. triangulierte Struktur, sodass $Q$ ein triangulierter Funktor ist und
  327. die universelle Eigenschaft b) aus \ref{def:localisation} für triangulierte Funktoren in triangulierte
  328. Kategorien erfüllt.
  329. \label{satz:existence-triangulated-localisation}
  330. \end{satz}
  331. \begin{proof}
  332. siehe Proposition 3.2 in \cite{hartshorne}.
  333. \end{proof}
  334. \subsection{Derivierte Kategorie}
  335. Sei im Folgenden $\mathcal{A}$ eine feste abelsche Kategorie und $\mathcal{K} = \mathcal{K}(\mathcal{A})$ die
  336. Homotopiekategorie. Wir bezeichnen im Folgenden die Klasse
  337. der Quasiisomorphismen in $\mathcal{K}$ als $\mathcal{Q}is$.
  338. \begin{lemma}[$\mathcal{Q}is$ ist multiplikativ]
  339. $\mathcal{Q}is$ ist ein mit der Triangulation von $\mathcal{K}$ kompatibles multiplikatives System.
  340. \label{lemma:qis-mult}
  341. \end{lemma}
  342. \begin{proof}
  343. siehe Proposition 4.1 in \cite{hartshorne}.
  344. \end{proof}
  345. Nach \ref{satz:existence-localisation}, \ref{satz:existence-triangulated-localisation} und \ref{lemma:qis-mult} angewendet
  346. auf $\mathcal{K}$ und $\mathcal{Q}is$, existiert die triangulierte Kategorie $\mathcal{K}_{\mathcal{Q}is}$.
  347. \begin{definition}[Derivierte Kategorie]
  348. Wir bezeichnen die triangulierte Lokalisierung $\mathcal{K}_{\mathcal{Q}is}$
  349. als die derivierte Kategorie $\mathcal{D} = \mathcal{D}(\mathcal{A})$ von $\mathcal{A}$.
  350. \end{definition}
  351. \begin{bem}[]
  352. Im Folgenden bezeichne $Q = Q_{\mathcal{A}}\colon \mathcal{K}(\mathcal{A}) \to \mathcal{D}(\mathcal{A})$
  353. den kanonischen Lokalisierungsfunktor.
  354. \end{bem}
  355. Um zu verstehen, wann zwei Morphismen in $\mathcal{K}$ den selben Morphismus in $\mathcal{D}$ induzieren, hilft
  356. das folgende Lemma:
  357. \begin{lemma}
  358. Seien $\com{X}, \com{Y} \in \mathcal{K}$ und $f\colon \com{X} \to \com{Y}$. Dann
  359. sind die folgenden Bedingungen äquivalent:
  360. \begin{enumerate}[(i)]
  361. \item $\text{id}^{-1}f = 0$ in $\mathcal{D}$.
  362. \item Es existiert ein Quasiisomorphismus $t\colon \com{X'} \to \com{X} $,
  363. sodass $ft = 0$ in $\mathcal{K}$.
  364. \item Es existiert ein Quasiisomorphismus $s\colon \com{Y} \to \com{Y'} $,
  365. sodass $sf = 0$ in $\mathcal{K}$.
  366. \end{enumerate}
  367. \label{derived-cat-morphism-null}
  368. \end{lemma}
  369. \begin{proof}
  370. Wegen \hyperref[def:mult-system]{FR3} und \ref{lemma:qis-mult} genügt es
  371. die Äquivalenz von
  372. (i) und (ii) zu zeigen. Es ist $\text{id}^{-1}f = 0$, genau dann wenn
  373. ein kommutatives Diagram
  374. \[
  375. \begin{tikzcd}
  376. & \com{X} \arrow{dl}{\text{id}} \arrow{dr}{f} & \\
  377. \com{X} & \arrow[dashed]{l}{t} \com{X'} \arrow[dashed]{d} \arrow[dashed]{u} & \com{Y} \\
  378. & \com{X} \arrow{ul}{\text{id}} \arrow{ur}{0} &
  379. \end{tikzcd}
  380. \] mit $t$ Quasiisomorphismus existiert. Das zeigt die Behauptung.
  381. \end{proof}
  382. Wir möchten nun Ableitungen von Funktoren im Kontext von
  383. derivierten Kategorien betrachten.
  384. Seien dafür $\mathcal{A}$ und $\mathcal{B}$ abelsche Kategorien und
  385. $F\colon \mathcal{K}(\mathcal{A}) \to \mathcal{K}(\mathcal{B})$ ein triangulierter
  386. (kovarianter) Funktor.
  387. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn $F$ induziert ist von einem additiven Funktor
  388. $F\colon \mathcal{A} \to \mathcal{B}$.
  389. Falls $F$ exakt ist werden Quasiisomorphismen auf Quasiisomorphismen geschickt und $F$ induziert daher
  390. einen Funktor von $\mathcal{D}(\mathcal{A})$ nach $\mathcal{D}(\mathcal{B})$.
  391. Im Allgemeinen ist das nicht der Fall und wir konstruieren dann, unter bestimmten
  392. Voraussetzungen an $F$ und die beteiligten Kategorien, einen Funktor
  393. $\text{R}F\colon \mathcal{D}(\mathcal{A}) \to \mathcal{D}(\mathcal{B})$:
  394. \begin{definition}[Abgeleiteter Funktor]
  395. Seien $\mathcal{A}, \mathcal{B}$ abelsche Kategorien. Der rechts abgeleitete Funktor von $F$ ist
  396. ein triangulierter Funktor
  397. \[
  398. \text{R}F\colon \mathcal{D}(\mathcal{A}) \to \mathcal{D}(\mathcal{A})
  399. \] zusammen mit einer natürlichen Transformation
  400. \[
  401. \xi\colon Q_{\mathcal{B}} \circ F \to \text{R}F \circ Q_{\mathcal{A}}
  402. \] von Funktoren von $\mathcal{K}(\mathcal{A})$ nach $\mathcal{D}(\mathcal{B})$ mit
  403. der folgenden universellen Eigenschaft: Für jeden triangulierten Funktor
  404. \[
  405. G\colon \mathcal{D}(\mathcal{A}) \to \mathcal{D}(\mathcal{B})
  406. \]
  407. und jede natürliche Transformation
  408. \[
  409. \zeta\colon Q_{\mathcal{B}} \circ F \to G \circ Q_{\mathcal{A}}
  410. \] existiert eine eindeutige natürliche Transformation
  411. \[
  412. \eta\colon \text{R}F \to G
  413. \] von Funktoren von $\mathcal{D}(\mathcal{A})$ nach $\mathcal{D}(\mathcal{B})$, sodass
  414. \[
  415. \zeta = (\eta \circ Q_{\mathcal{A}}) \circ \xi
  416. .\]
  417. \end{definition}
  418. \begin{bem}[]
  419. \begin{enumerate}[(a)]
  420. \item Falls $\text{R}F$ existiert, ist dieser bis auf eindeutige natürliche Transformationen eindeutig.
  421. \item Wir schreiben $R^{i}F$ für $H^{i}(\text{R}F)$ und wenn $F$ induziert ist von einem
  422. links-exakten Funktor $F\colon \mathcal{A} \to \mathcal{B}$ und $\mathcal{A}$ genügend Injektive hat, sind
  423. das genau die klassischen rechts-abgeleiteten Funktoren von $F$.
  424. \item Es gibt den analogen Begriff der Linksableitung $\text{L}F$ (kovarianter)
  425. Funktoren, bei dem sich die Pfeile umdrehen.
  426. % TODO: präzisieren!!!
  427. \end{enumerate}
  428. \label{bem:derived-functors}
  429. \end{bem}
  430. \begin{satz}
  431. Seien $\mathcal{A}, \mathcal{B}$ abelsche Kategorien und
  432. $F\colon \mathcal{K}(\mathcal{A}) \to \mathcal{K}(\mathcal{B})$ ein triangulierter Funktor. Angenommen es
  433. existiert eine triangulierte Unterkategorie $\mathcal{L} \subset \mathcal{K}(\mathcal{A})$, s.d.
  434. \begin{enumerate}[(i)]
  435. \item Jeder Komplex in $\mathcal{K}(\mathcal{A})$ besitzt einen Quasiisomorphismus in einen
  436. Komplex aus $\mathcal{L}$.
  437. \item $F|_{\mathcal{L}}$ ist exakt.
  438. \end{enumerate}
  439. Dann existiert der Funktor $\text{R}F\colon \mathcal{D}(\mathcal{A}) \to \mathcal{D}(\mathcal{B})$ und
  440. eine natürliche Transformation $\xi\colon Q_{\mathcal{B}} \circ F \to \text{R}F \circ Q_{\mathcal{A}}$, sodass
  441. für alle $\com{I} \in \mathcal{L}$ die Abbildung
  442. \[
  443. \xi(\com{I})\colon Q_{\mathcal{B}}(F(\com{I}) \to \text{R}F(Q_{\mathcal{A}}(\com{I}))
  444. \] ein Isomorphismus in $\mathcal{D}(A)$ ist.
  445. \label{satz:existence-derived-functors}
  446. \end{satz}
  447. \begin{proof}
  448. siehe Theorem 5.1 in \cite{hartshorne}.
  449. \end{proof}
  450. Die Voraussetzungen von \ref{satz:existence-derived-functors} sind im Allgemeinen schwer zu erfüllen. Deshalb betrachtet man häufig gewisse Unterkategorien
  451. von $\mathcal{K}(\mathcal{A})$, beispielsweise die Kategeorie
  452. $\mathcal{K}^{+}(\mathcal{A})$ der nach unten beschränkten Komplexe. Dies genügt,
  453. um den Fall (b) aus \ref{bem:derived-functors} zu studieren.
  454. Für unbeschränkte Komplexe liegt die Schwierigkeit darin eine geeignete
  455. Unterkategorie $\mathcal{L}$ zu finden, die die Bedingungen aus
  456. \ref{satz:existence-derived-functors} erfüllt.
  457. Ziel
  458. dieser Arbeit ist es herauszuarbeiten, dass im Falle von $\mathcal{A} = A\text{-Mod}$
  459. für einen kommutativen
  460. Ring $A$, die Bedingungen für die im Folgenden definierten Funktoren $\com{\text{Hom}}(\com{M}, -)$,
  461. $\com{\text{Hom}}(-, \com{M})$ und $\com{M} \otimes_A -$ erfüllt sind. Das
  462. wird uns erlauben das klassische Adjunktionsresultat
  463. \[
  464. - \otimes_A M \dashv \text{Hom}_{A\text{-Mod}}(M, -)
  465. \] für einen $A$-Modul $M$ auf die abgeleiteten Funktoren zu übertragen.
  466. \begin{definition}
  467. Seien $\com{A}, \com{B} \in \mathcal{K}$ zwei Komplexe in einer beliebigen abelschen Kategorie $\mathcal{A}$.
  468. Dann sei $\com{\text{Hom}}(\com{A}, \com{B}) \in \mathcal{K}(\mathcal{A}b)$ definiert durch
  469. \[
  470. \text{Hom}^{n}(\com{A}, \com{B}) = \prod_{i \in \Z} \text{Hom}(A^{i}, B^{i+n})
  471. \] mit Differentialen
  472. \[
  473. d^{n}(f) = d_{\com{B} } f - (-1)^{n} f d_{\com{A}}
  474. \] für $f \in \text{Hom}^{n}(\com{A}, \com{B})$.
  475. \end{definition}
  476. \begin{definition}
  477. Seien $\com{M}, \com{N} \in \mathcal{K}(A\text{-Mod})$. Dann sei
  478. $\com{M} \otimes_A \com{N} \in \mathcal{K}(A\text{-Mod})$ definiert durch
  479. \[
  480. (\com{M} \otimes_A \com{N})^{n} = \bigoplus_{i \in \Z} M^{i} \otimes_A N^{n-i}
  481. \] mit Differentialen
  482. \[
  483. d^{n}(m \otimes n) = d_{\com{M} }(m) \otimes n + (-1)^{i} m \otimes d_{\com{N} }(n)
  484. \] für $m \in M^{i}, n \in N^{n-i}$.
  485. \end{definition}
  486. Die Kohomologiegruppen von $\com{\text{Hom}}(\com{X}, \com{Y})$ für Komplexe
  487. $\com{X}, \com{Y} \in \mathcal{K}$ lassen sich explizit bestimmen:
  488. \begin{lemma}
  489. Seien $\com{X}, \com{Y} \in \mathcal{K}$ zwei Komplexe. Dann gilt für $n \in \Z$:
  490. \[
  491. H^{n}(\com{\text{Hom}}(\com{X}, \com{Y}) = \text{Mor}_{\mathcal{K}}(\com{X}, \com{Y}[n])
  492. .\]\label{hom-compl-cohomgroups}
  493. \end{lemma}
  494. \begin{proof}
  495. Sei $(f^i)_{i \in \Z} \in \prod_{i \in \Z} \text{Hom}(X^{i}, Y^{i+n})$. Dann ist:
  496. \[
  497. (f^{i})_{i \in \Z} \in \text{ker } d^{n} \iff (-1)^{n} d_{\com{Y}}^{i+n} f^i = f^{i+1} d_{\com{X} }^{i}
  498. \text{ für } i \in \Z
  499. .\] Wegen $d_{\com{Y}[n]} = (-1)^{n}d_{\com{Y}}$, induziert $(f^i)_{i \in \Z}$ also genau dann
  500. einen Komplexhomomorphismus $\com{X} \to \com{Y}[n]$, wenn $(f^{i})_{i \in \Z} \in \text{ker } d^{n}$.
  501. Weiter ist $(f^{i})_{i \in \Z} \in \text{im } d^{n-1}$, genau dann wenn eine Familie
  502. $(k^{i})_{i \in \Z}\in \prod_{i \in \Z}^{} \text{Hom}(X^{i}, Y^{i+n-1})$ existiert, sodass
  503. %\[
  504. % f^{i} = d_{\com{Y}}^{i+n-1} k^{i} - (-1)^{n-1} k^{i+1} d_{\com{X} }^{i}
  505. % = d_{\com{Y}}^{i+n-1} k^{i} + (-1)^{n} k^{i+1} d_{\com{X} }^{i}
  506. %.\]
  507. \[
  508. (-1)^{n}f^{i} = (-1)^{n} d_{\com{Y}}^{i+n-1} k^{i} + k^{i+1} d_{\com{X} }^{i}
  509. .\] Erneut wegen $d_{\com{Y} [n]} = (-1)^{n} d_{\com{Y} }$, ist also für $(f_i)_{i \in \Z} \in \text{ker } d^{n}$
  510. der induzierte Komplexhomomorphismus $f\colon \com{X} \to \com{Y} $ genau dann nullhomotop,
  511. wenn $(f^{i})_{i \in \Z} \in \text{im }d^{n-1}$.
  512. \end{proof}
  513. \begin{lemma}[Tensorprodukt ist trianguliert]
  514. Sei $\com{M} \in \mathcal{K}(A\text{-Mod})$.
  515. Dann ist $- \otimes_A \com{M}$ (und $\com{M} \otimes_A -$) ein triangulierter Funktor von $\mathcal{K}(A\text{-Mod})$
  516. nach $\mathcal{K}(A\text{-Mod})$.
  517. \label{satz:tor-is-triangulated}
  518. \end{lemma}
  519. \begin{satz}[Adjunktion der Hom- und Tensorproduktkomplexe]
  520. Seien $\com{M}, \com{N}, \com{P} \in \mathcal{K}(A\text{-Mod})$. Dann existiert
  521. ein natürlicher Isomorphismus, der funktoriell in allen Variablen ist:
  522. \[
  523. \com{\text{Hom}}(\com{M} \otimes_A \com{N}, \com{P})
  524. = \com{\text{Hom}}(\com{M},\com{\text{Hom}} (\com{N} , \com{P} ))
  525. .\]
  526. \label{satz:adjunction-hom-tor-comp}
  527. \end{satz}
  528. \begin{proof}
  529. \end{proof}
  530. % TODO: Bedingung (I) an Indexmengen
  531. % TODO: verstehe ich nicht aber habe alternative
  532. %\begin{lemma}[]
  533. % Sei $\com{A} \in \mathcal{K}$ und $\mathcal{G}$ eine Klasse von Objekten
  534. % von $\mathcal{A}$, sodass jedes Objekt von $\mathcal{A}$ eine Einbettung
  535. % in ein Objekt aus $\mathcal{G}$ besitzt. Angenommen
  536. % $\com{\text{Hom}}(\com{A}, E) \in \mathcal{K}(\mathcal{A}b)$ ist exakt für alle
  537. % $E \in \mathcal{G}$. Dann ist $\com{A} $ exakt.
  538. % \label{lemma:0.10}
  539. %\end{lemma}
  540. \newpage
  541. \section{K-injektive und K-projektive Auflösungen}
  542. Sei $\com{Y} \in \mathcal{K}$.
  543. Um die Bedingungen von \ref{satz:existence-derived-functors} für
  544. $\com{\text{Hom}}(\com{Y}, -)$ (bzw. $\com{\text{Hom}}(-, \com{Y})$)
  545. zu erfüllen, benötigen wir
  546. eine Unterkategorie $\mathcal{L}$ von Komplexen in $\mathcal{K}$, sodass
  547. \begin{enumerate}[(i)]
  548. \item für jeden Komplex $\com{X} \in \mathcal{K}$ ein Quasiisomorphismus
  549. $\com{X} \to \com{I}$ mit $\com{I} \in \mathcal{L}$
  550. (bzw. $\com{P} \to \com{X} $ mit $\com{P} \in \mathcal{L}$)
  551. existiert und
  552. \item $\com{\text{Hom}}(\com{Y}, -)$ (bzw. $\com{\text{Hom}}(-, \com{Y})$) Exaktheit
  553. von Komplexen aus $\mathcal{L}$ erhält.
  554. \end{enumerate}
  555. Dazu definieren wir:
  556. \begin{definition}[K-injektiv]
  557. Ein Komplex $\com{I} \in \mathcal{K}$ heißt K-injektiv, wenn der Funktor
  558. $\com{\text{Hom}}(-, \com{I})$ Exaktheit erhält. Eine K-injektive
  559. Auflösung eines Komplexes $\com{X} \in \mathcal{K}$ ist
  560. ein Quasiisomorphismus $\com{X} \to \com{I} $ mit
  561. $\com{I} \in \mathcal{K}$ K-injektiv.
  562. \end{definition}
  563. \begin{definition}[K-projektiv]
  564. Ein Komplex $\com{P} \in \mathcal{K}$ heißt K-projektiv, wenn der Funktor
  565. $\com{\text{Hom}}(\com{P}, -)$ Exaktheit erhält. Eine K-projektive
  566. Auflösung eines Komplexes $\com{X} \in \mathcal{K}$ ist
  567. ein Quasiisomorphismus $\com{P} \to \com{X} $ mit
  568. $\com{P} \in \mathcal{K}$ K-projektiv.
  569. \end{definition}
  570. Das Ziel dieses Abschnitts ist das folgende Resultat:
  571. \begin{satz}
  572. Sei $R$ ein Ring und $\mathcal{A}$ die Kategorie der $R$ (links-)Moduln. Dann
  573. hat jeder Komplex in $\mathcal{A}$ eine K-injektive und eine K-projektive
  574. Auflösung.
  575. \end{satz}
  576. Die Vorgehensweise orientiert sich dabei an \cite{spaltenstein}.
  577. \subsection{Elementare Eigenschaften von K-injektiven und K-projektiven Komplexen}
  578. Zunächst werden einige grundlegenden Eigenschaften von K-injektiven und K-projektiven
  579. Komplexen entwickelt.
  580. \begin{bem}
  581. Sei $\com{X} \in \mathcal{K}$. Mit \ref{hom-compl-cohomgroups} ist $\com{X}$
  582. genau dann K-injektiv, wenn für jeden exakten Komplex
  583. $\com{S} \in \mathcal{K}$ gilt, dass
  584. $\text{Mor}_{\mathcal{K}}(\com{S}[i] , \com{X}) = 0$ $\forall i \in \Z$.
  585. Da Verschieben Exaktheit erhält folgt also
  586. \[
  587. \com{X} \text{ K-injektiv} \iff \text{Mor}_{\mathcal{K}}(\com{S} , \com{X} ) = 0 \quad \forall \com{S} \in \mathcal{K} \text{ exakt}
  588. .\]
  589. Durch Umdrehen der Pfeile erhalten wir
  590. \[
  591. \com{X} \text{ K-projektiv} \iff \text{Mor}_{\mathcal{K}}(\com{X} , \com{S} ) = 0 \quad \forall \com{S} \in \mathcal{K} \text{ exakt}
  592. \]
  593. \end{bem}
  594. \begin{bem}
  595. Ein exakter K-projektiver oder K-injektiver Komplex $\com{X}$ ist zusammenziehbar, d.h. ist nullhomotop.
  596. \begin{proof}
  597. Betrachte $\mathrm{id}_{\com{X}} \in \mathrm{Hom}^{0}(\com{X}, \com{X}) = \mathrm{Mor}_{\K}(\com{X} , \com{X}) = \mathrm{H}^0 \com{\mathrm{Hom}}(\com{X}, \com{X}) = 0$. Also ist $\mathrm{id}_{\com{X} } = 0$ und damit
  598. $\com{X} \stackrel{\sim }{=} 0$ in $\K$.
  599. \end{proof}
  600. \end{bem}
  601. \begin{satz}
  602. Sei $\com{X} \in \K$ mit $X^{i} = 0$ $\forall i \neq 0$. Dann ist $\com{X} $ K-projektiv (bzw. K-injektiv) genau
  603. dann wenn $X^{0}$ projektiv (bzw. injektiv) in $\mathcal{A}$ ist.
  604. \label{satz:single-degree-compl-k-proj}
  605. \end{satz}
  606. \begin{proof}
  607. Wir zeigen nur den K-projektiven Fall. Der K-injektive folgt dann durch Umdrehen
  608. aller Pfeile.
  609. ,,$\implies$'': Sei $\com{X} $ K-projektiv und $\com{S} = 0 \to M \to N \to P \to 0$ kurze exakte Folge in $\mathcal{A}$. Sei
  610. $f\colon X^{0} \to P$. Das induziert einen Komplexhomomorphismus $\com{X} \to \com{S}$
  611. \[\begin{tikzcd}
  612. 0 \arrow{d} \arrow{r} & 0 \arrow{d} \arrow{r} & X^0 \arrow{d}{f} \arrow[dashed]{dl}{k} \arrow{r}
  613. & 0 \arrow{d} \arrow[dashed]{dl}\\
  614. M \arrow{r} & N \arrow{r}{v} & P \arrow{r} & 0
  615. \end{tikzcd}\]
  616. Nach Voraussetzung ist dieser nullhomotop, d.h. es existiert $k \colon X^{0} \to N$, s.d. $f = vk$. Also ist
  617. $\text{Hom}(X^{0}, N) \to \text{Hom}(X^{0}, P)$ surjektiv und damit $X^{0}$ projektiv.
  618. ,,$\impliedby$'': Sei nun $X^{0}$ projektiv, $\com{S} \in \mathcal{K}$ exakt und $f\colon \com{X} \to \com{S}$
  619. Komplexhomomorphismus. Dann betrachte
  620. \[
  621. \begin{tikzcd}
  622. 0 \arrow[from=1-1,to=1-3] \arrow{d} & & X^{0} \arrow{r}
  623. \arrow[dashed, from=1-3,to=2-1]{}{k^{0}}
  624. \arrow[dashed]{dl} \arrow{d}{f^{0}} & 0 \arrow{d} \\
  625. S^{-1} \arrow{r}{d^{-1}} & \text{im }d^{-1} \arrow{r} & S^{0} \arrow{r}{d^{0}} & S^{1}
  626. \end{tikzcd}
  627. .\]
  628. Da $d^{0}f^{0} = 0$ faktorisiert $f^{0}$ über $\text{ker } d^{0} = \text{im }d^{-1}$. Weil
  629. $X^0$ projektiv, existiert $k^{0}\colon A^{0} \to S^{-1}$, s.d. $f^{0} = d^{-1} k^{0}$.
  630. \end{proof}
  631. \begin{satz}[]
  632. \begin{enumerate}[(i)]
  633. \item $\com{X} \in \mathcal{K}$ ist K-projektiv (bzw. K-injektiv) genau dann wenn $\com{X}[1]$ dies ist.
  634. \item Falls zwei Punkte eines ausgezeichneten Dreiecks in $\mathcal{K}$ K-projektiv (bzw. K-injektiv) sind,
  635. dann auch der dritte.
  636. \end{enumerate}
  637. \label{satz:k-proj-triangulated}
  638. \end{satz}
  639. \begin{proof}
  640. \begin{enumerate}[(i)]
  641. \item Das folgt, daraus dass für $\com{X}, \com{S} \in \mathcal{K}$ gilt: $\com{S} $ exakt $\iff \com{S} [-1]$
  642. exakt und
  643. \[
  644. \text{Mor}_{\mathcal{K}}(\com{X}, \com{S}[-1]) = \text{Mor}_{\mathcal{K}}(\com{X}[1], \com{S})
  645. .\]
  646. \item Sei $(\com{X}, \com{Y}, \com{Z}, u, v, w)$ ein ausgezeichnetes Dreieck mit $\com{X}, \com{Y} $ K-projektiv
  647. und $\com{S} $ exakt. Nach Anwenden von $\text{Mor}_{\mathcal{K}}(-, \com{S})$
  648. ist dann mit \ref{hom-cohom-func}
  649. \[
  650. \underbrace{\text{Mor}_{\mathcal{K}}(\com{X}[1], \com{S})}_{= 0}
  651. \to \text{Mor}_{\mathcal{K}}(\com{Z}, \com{S} )
  652. \to
  653. \underbrace{\text{Mor}_{\mathcal{K}}(\com{Y}, \com{S} )}_{= 0}
  654. \] exakt und die äußeren Terme $0$ nach Voraussetzung und (i). Also folgt
  655. $\text{Mor}_{\mathcal{K}}(\com{Z}, \com{S}) = 0$, also $\com{Z} $ K-projektiv. Der allgemeine Fall folgt nun
  656. mit \hyperref[TR2]{TR2}.
  657. \end{enumerate}
  658. \end{proof}
  659. \begin{satz}
  660. Sei $\com{P} \in \mathcal{K}$. Dann sind äquivalent
  661. \begin{enumerate}[(i)]
  662. \item $\com{P} $ K-projektiv
  663. \item Für $\com{X} \to \com{Y} $ Quasiisomorphismus in $\mathcal{K}$ ist der natürliche Homomorphismus
  664. \[
  665. \text{Mor}_{\mathcal{K}}(\com{P} , \com{X} ) \to \text{Mor}_{\mathcal{K}}(\com{P} , \com{Y} )
  666. \] ein Isomorphismus.
  667. \item Für $\com{S} \in \mathcal{K}$ ist der natürliche Homomorphismus
  668. \[
  669. \text{Mor}_{\mathcal{K}}(\com{P} , \com{S} ) \to \text{Mor}_{\mathcal{D}}(\com{P} , \com{S} )
  670. \] ein Isomorphismus.
  671. \end{enumerate}
  672. \label{satz:mork=mord-for-kproj}
  673. \end{satz}
  674. \begin{proof}
  675. (i)$\implies$(ii): Sei $f\colon \com{X} \to \com{Y} $ ein Quasiisomorphismus. Dann ist
  676. \[
  677. \begin{tikzcd}
  678. \com{X} \arrow{r}{f} & \com{Y} \arrow{r} & \com{C_f} \arrow{r} & \com{X}[1]
  679. \end{tikzcd}
  680. \] ein ausgezeichnetes Dreieck und $\com{C_f}$ ist nach \ref{mapping-cone-exact-for-qis} exakt. Anwenden von
  681. $\text{Mor}_{\mathcal{K}}(\com{P} , -) $ liefert mit \ref{hom-cohom-func} eine exakte Folge:
  682. \[
  683. \begin{tikzcd}
  684. \underbrace{\text{Mor}_{\mathcal{K}}(\com{P} , \com{C_f}[-1]) \arrow{r}}_{= 0} &
  685. \text{Mor}_{\mathcal{K}}(\com{P} , \com{X} ) \arrow{r} &
  686. \text{Mor}_{\mathcal{K}}(\com{P} , \com{Y} ) \arrow{r} &
  687. \underbrace{\text{Mor}_{\mathcal{K}}(\com{P}, \com{C_f} ) }_{= 0}
  688. \end{tikzcd}
  689. .\] Die äußeren Terme sind 0, da $\com{P} $ K-projektiv, also folgt der behauptete Isomorphismus.
  690. (ii)$\implies$(iii): Injektivität: Sei $f\colon \com{P} \to \com{S} $, s.d. $\text{id}^{-1}f = 0$. Nach
  691. \ref{derived-cat-morphism-null} existiert ein $t\colon \com{S} \to \com{T} $ Quasiisomorphismus, s.d. $tf= 0$.
  692. Nach (ii) ist $t_{*}\colon \text{Mor}_{\mathcal{K}}(\com{P} , \com{S} ) \to \text{Mor}_{\mathcal{K}}(\com{P} , \com{T} ) $
  693. injektiv, also folgt $f = 0$. Surjektivität: Sei $a \in \text{Mor}_{\mathcal{D}}(\com{P} , \com{S} ) $. Dann
  694. ist $a$ ein Diagramm in $\mathcal{K}$
  695. \[
  696. \begin{tikzcd}
  697. & \com{M} & \\
  698. \com{P} \arrow{ur}{f} & & \arrow{ul}{s} \com{S}
  699. \end{tikzcd}
  700. \] mit $s$ Quasiisomorphismus. Nach (ii) ist $s_{*}\colon \text{Mor}_{\mathcal{K}}(\com{P} , \com{S} ) \to \text{Mor}_{\mathcal{K}}(\com{P} , \com{M} ) $ surjektiv, also existiert ein $g\colon \com{P} \to \com{S} $, s.d. $sg = f$. Also
  701. kommutiert
  702. \[
  703. \begin{tikzcd}
  704. & \com{S} \arrow{d}{s} & \\
  705. \com{P} \arrow{dr}{f} \arrow{ur}{g} & \com{M} & \arrow{l}{s} \arrow{ul}{\text{id}} \com{S} \arrow{dl}{s}\\
  706. & \com{M} \arrow{u}{\text{id}} & \\
  707. \end{tikzcd}
  708. .\] Damit folgt $a = g\text{id}^{-1}$.
  709. (iii)$\implies$(i): Sei $\com{S} $ exakt. Dann ist $\com{S} \to 0$ ein Quasiisomorphismus, also
  710. $\com{S} \stackrel{\sim }{=} 0$ in $\mathcal{D}$, also
  711. \[
  712. \text{Mor}_{\mathcal{K}}(\com{X} , \com{S} )
  713. \stackrel{\text{(ii)}}{=} \text{Mor}_{\mathcal{D}}(\com{X} , \com{S} )
  714. = \text{Mor}_{\mathcal{D}}(\com{X} , \com{0} ) = 0
  715. .\]
  716. \end{proof}
  717. \begin{satz}
  718. Sei $\com{P} \in \mathcal{K}$. Dann sind äquivalent
  719. \begin{enumerate}[(i)]
  720. \item $\com{P} $ K-projektiv.
  721. \item Für alle Diagramme in $\mathcal{K}$
  722. \[
  723. \begin{tikzcd}
  724. & \com{M} \arrow{d}{s} \\
  725. \com{P} \arrow{r}{f} & \com{N}\\
  726. \end{tikzcd}
  727. \] mit $s$ Quasiisomorphismus, existiert genau ein $g\colon \com{P} \to \com{M} $, s.d.
  728. $sg= f$ in $\mathcal{K}$.
  729. \item Für alle Quasiisomorphismen $u\colon \com{S} \to \com{P} $ in $\mathcal{K}$ existiert ein
  730. $v\colon \com{P} \to \com{S} $, s.d. $uv = \text{id}_{\com{P} }$ in $\mathcal{K}$.
  731. \end{enumerate}
  732. \end{satz}
  733. \begin{proof}
  734. (i)$\implies$(ii): Betrachte das gegebene Diagramm in $\mathcal{D}$:
  735. \[
  736. \begin{tikzcd}
  737. & \com{X} \arrow{d}{\text{id}^{-1}s} \\
  738. \com{P} \arrow[dashed]{ur}{g} \arrow{r}{\text{id}^{-1}f} & \com{Y}
  739. \end{tikzcd}
  740. .\] Da $s$ Quasiisomorphismus, ist $s$ Isomorphismus in $\mathcal{D}$, also existiert ein
  741. $g\colon \com{P} \to \com{X} $ in $\mathcal{D}$, sodass das Diagramm kommutiert. \ref{satz:mork=mord-for-kproj}
  742. (iii) liefert das gewünschte Diagramm in $\mathcal{K}$.
  743. (ii)$\implies$(iii): Betrachte
  744. \[
  745. \begin{tikzcd}
  746. & \com{S} \arrow{d}{s} \\
  747. \com{P} \arrow{r}{\text{id}} & \com{P}
  748. \end{tikzcd}
  749. .\] Da $s$ Quasiisomorphismus existiert mit (ii) ein $f\colon \com{P} \to \com{S}$, s.d. $sf = \text{id}_{\com{P} }$.
  750. (iii)$\implies$(ii): Erneut mit \ref{satz:mork=mord-for-kproj} genügt es zu zeigen, dass für
  751. $\com{S} \in \mathcal{K}$
  752. $\text{Mor}_{\mathcal{K}}(\com{P} , \com{S} ) \to \text{Mor}_{\mathcal{D}}(\com{P} , \com{S} ) $ bijektiv ist.
  753. Injektivität: Sei $f\colon \com{P} \to \com{S} $ mit $\text{id}^{-1}f = 0$ in $\mathcal{D}$. Dann
  754. existiert nach \ref{derived-cat-morphism-null} ein $t\colon \com{T} \to \com{P} $ Quasiisomorphismus mit $ft = 0$.
  755. Also existiert mit (iii) ein $s\colon \com{P} \to \com{T} $, s.d. $ts = \text{id}_{\com{P} }$, also
  756. \[
  757. f = f \text{id}_{\com{P} } = \underbrace{ft}_{=0}s = 0
  758. .\]
  759. Surjektivität: Sei $a \colon \com{P} \to \com{S} $ in $\mathcal{D}$. Dann ist $a$ gegeben durch ein Diagramm
  760. \[
  761. \begin{tikzcd}
  762. & \com{Q} \arrow{dr}{f} \arrow{dl}{s} & \\
  763. \com{P} & & \com{S}
  764. \end{tikzcd}
  765. \] in $\mathcal{K}$ mit $s$ Quasiisomorphismus. Nach (iii) existiert ein $t\colon \com{P} \to \com{Q}$ mit
  766. $st = \text{id}_{\com{P} }$. Dann ist
  767. \[
  768. \begin{tikzcd}
  769. & \com{Q} \arrow{dl}{s} \arrow{dr}{f} & \\
  770. \com{P} & \com{P} \arrow{l}{\text{id}} \arrow{u}{t} \arrow{d}{\text{id}} & \com{S} \\
  771. & \com{P} \arrow{ul}{\text{id}} \arrow{ur}{ft} & \\
  772. \end{tikzcd}
  773. \] ein kommutatives Diagramm in $\mathcal{K}$, also folgt $s^{-1}f = \text{id}^{-1}(ft)$ in $\mathcal{D}$.
  774. \end{proof}
  775. Durch Umdrehen aller Pfeile erhalten wir analog:
  776. \begin{satz}[]
  777. Für jeden Komplex $\com{I} \in \mathcal{K}$ sind äquivalent:
  778. \begin{enumerate}[(i)]
  779. \item $\com{I}$ K-injektiv
  780. \item Für $\com{S} \in \mathcal{K}$ ist der natürliche Homomorphismus
  781. \[
  782. \text{Mor}_{\mathcal{K}}(\com{S} , \com{I} ) \to \text{Mor}_{\mathcal{D}}(\com{S} , \com{I} )
  783. \] ein Isomorphismus.
  784. \item Für jedes Diagramm in $\mathcal{K}$
  785. \[
  786. \begin{tikzcd}
  787. \com{Y} \arrow{r}{f} \arrow{d}{s} & \com{I} \\
  788. \com{X}
  789. \end{tikzcd}
  790. \] mit $s$ Quasiisomorphismus, existiert genau ein $g\colon \com{X} \to \com{I} $, s.d. das Diagramm
  791. kommutiert.
  792. \item Für jeden Quasiisomorphismus $u\colon \com{I} \to \com{S} $ in $\mathcal{K}$ existiert ein
  793. $v\colon \com{S} \to \com{I} $, s.d. $vu = \text{id}_{\com{I} }$ in $\mathcal{K}$.
  794. \end{enumerate}
  795. \label{satz:mork=mord-for-k-inj}
  796. \end{satz}
  797. \subsection{Spezielle inverse und direkte Systeme}
  798. In der Notation von
  799. \ref{satz:existence-derived-functors}
  800. möchten wir die Klasse der K-injektiven bzw. K-projektiven Komplexe als $\mathcal{L}$
  801. für die Funktoren
  802. $\com{\text{Hom}}(\com{M}, -)$ bzw. $\com{\text{Hom}}(-, \com{M})$ für $\com{M} \in \mathcal{K}$ verwenden.
  803. Nun stellt sich die Aufgabe für jeden Komplex $\com{A} \in \mathcal{K}$ eine K-injektive bzw. eine K-projektive
  804. Auflösung zu konstruieren. Dies machen wir mit sogenannten speziellen inversen bzw. direkten Systemen.
  805. \begin{definition}[Spezielles inverses System]
  806. Sei $\mathcal{J} \subset \mathcal{K}$ eine Klasse von Komplexen.
  807. \begin{enumerate}[(a)]
  808. \item Ein inverses System $(\com{I}_n)_{n \in \N}$ in $\mathcal{K}$ heißt
  809. $\mathcal{J}$-spezielles inverses System, falls folgende Bedingungen erfüllt sind:
  810. \begin{enumerate}[(i)]
  811. \item Falls $n = 1$, dann ist $\com{I}_n = 0$.
  812. \item Falls $n > 1$, dann sei $\com{C}_n$ der Kern der natürlichen Abbildung
  813. $\com{I} _n \to \com{I}_{n-1}$. Dann ist $\com{C}_n \in \mathcal{J}$ und
  814. die kurze exakte Folge
  815. \[
  816. 0 \to \com{C}_n \to \com{I}_n \to \com{I} _{n-1} \to 0
  817. \] zerfällt stufenweise.
  818. \end{enumerate}
  819. \item Die Klasse $\mathcal{J}$ heißt abgeschlossen unter speziellen inversen Limites, falls jedes
  820. $\mathcal{J}$-spezielle inverse System in $\mathcal{K}$ einen Limes in $\mathcal{J}$ besitzt und jeder
  821. Komplex in $\mathcal{K}$, der isomorph ist zu einem Komplex in $\mathcal{J}$, bereits in $\mathcal{J}$ ist.
  822. \end{enumerate}
  823. \end{definition}
  824. Im Folgenden möchten wir zeigen, dass die Klasse der K-projektiven Komplexe
  825. abgeschlossen unter speziellen inversen Limites ist. Dazu benötigen wir die folgenden Lemmata:
  826. % TODO: beispiel funktioniert nicht mit N als indexmenge, wird nicht benoetigt
  827. %\item Sei $\mathcal{J}$ eine Klasse von Komplexen abgeschlossen unter speziellen inversen Limites mit
  828. % $\com{A} \in \mathcal{J} \iff \com{A}[1] \in \mathcal{J}$. Dann ist für $\com{A}, \com{B} \in \mathcal{J}$
  829. % und $u \colon \com{A} \to \com{B} $, auch $\com{C}_u$ in $\mathcal{J}$. Denn
  830. % \[
  831. % \com{C}_u \to \com{A}[1] \to 0
  832. % \] ist ein $\mathcal{J}$-spezielles inverses System mit Limes $\com{C}_u$.
  833. \begin{lemma}
  834. Sei $\mathcal{J}_0$ eine Klasse von Objekten von $\mathcal{A}$. Sei weiter $\mathcal{J}$ eine
  835. unter speziellen inversen Limites abgeschlossene Klasse
  836. von Objekten in $\mathcal{K}$, so dass jeder Komplex $\com{A} \in \mathcal{K}$ mit nur einem nicht-null
  837. Term und mit $A^{i} \in \mathcal{J}_0$ für $i \in \Z$, in $\mathcal{J}$ enthalten ist. Dann
  838. ist jeder nach unten beschränkte Komplex $\com{A} \in \mathcal{K}$ mit $A^{i} \in \mathcal{J}_0$
  839. für $i \in \Z$ in $\mathcal{J}$ enthalten.
  840. \label{lemma:bounded-compl-in-complete-class}
  841. \end{lemma}
  842. \begin{proof}
  843. Sei $\com{A} \in \mathcal{K}^{+}$ mit $A^{i} \in \mathcal{J}_0$ für alle $i \in \Z$. Ohne Einschränkung
  844. sei $A^{i} = 0$ für alle $i < 0$. Dann sind die Spalten des nachstehenden Diagramms ein
  845. $\mathcal{J}$-spezielles inverses System $(\com{S}_n)_{n \ge 0}$ mit
  846. Übergangsabbildungen $p_n$,
  847. \[
  848. \begin{tikzcd}
  849. \cdots \arrow{r} & 0 \arrow{r} \arrow{d} & 0 \arrow{r} \arrow{d} & 0 \arrow{r} \arrow{d} & 0 \arrow{d}\\
  850. \cdots\arrow{r} & A^{0} \arrow{d} \arrow{r} & A^{0} \arrow{d} \arrow{r} & A^{0} \arrow{d} \arrow{r} & 0 \arrow{d}\\
  851. \cdots\arrow{r} & A^{1} \arrow{d} \arrow{r} & A^{1} \arrow{d} \arrow{r} & 0 \arrow{d} \arrow{r} & 0 \arrow{d}\\
  852. \cdots\arrow{r} & A^{2} \arrow{d} \arrow{r} & 0 \arrow{d} \arrow{r} & 0 \arrow{d} \arrow{r} & 0 \arrow{d} \\
  853. & \vdots & \vdots & \vdots & \vdots \\
  854. \end{tikzcd}
  855. \] denn für $n > 0$ ist $\com{\text{ker } p}_n$ = $[\cdots \to 0 \to \underbrace{A^{n-1}}_{\in \mathcal{J}_0} \to 0 \to \cdots ]$. Nach
  856. Voraussetzung ist also $\text{ker } p_n$ in $\mathcal{J}$ und die kurze exakte Folge
  857. $0 \to \com{\text{ker } p}_n \to \com{S}_n \to \com{S}_{n-1} \to 0$ zerfällt gradweise. Also folgt
  858. $\com{A} = \lim \com{S}_n \in \mathcal{J}$.
  859. \end{proof}
  860. Unser Ziel ist nun zu zeigen, dass die Klasse der exakten Komplexe abgeschlossen ist bezüglich spezieller
  861. inverser Limites. Da der inverse Limes im Allgemeinen nicht exakt ist, benötigen wir ein technisches Hilfswerkzeug.
  862. Wir benötigen im Folgenden mehrmals eine bestimmte Bedingung an inverse Systeme in
  863. $\mathcal{A}b$.
  864. \begin{definition}
  865. Wir sagen eine totalgeordnete Indexmenge $(I, \le)$ genüge der Bedingung (S), wenn eine ordnungserhaltende
  866. Bijektion $\iota\colon I \to \N$ existiert. Für $i \in I$ bezeichne, falls dieser existiert, mit $i+1$ bzw. $i-1$, den
  867. von $\iota$ induzierten Vorgänger bzw. Nachfolger von $i$.
  868. Weiter sagen wir ein inverses System $(M_i)_{i \in I}$ in $\mathcal{A}b$ genüge der Bedingung
  869. (R), wenn folgende Eigenschaften erfüllt sind:
  870. \begin{enumerate}[(i)]
  871. \item $I$ genügt Bedingung (S).
  872. \item $M_1 = 0$.
  873. \item Für $i > I_{\text{min}}$ ist die Abbildung $M_i \to M_{i-1}$ surjektiv.
  874. \end{enumerate}
  875. \end{definition}
  876. \begin{lemma}
  877. Sei $I$ eine Indexmenge, die Bedingung (S) genügt und seien
  878. $(A_i)_{i \in I}$, $(B_{i})_{i \in I}$, $(C_i)_{i \in I}$ und $(D_i)_{i \in I}$
  879. inverse Systeme in $\mathcal{A}b$, die (R) erfüllen und seien
  880. \begin{equation}
  881. \begin{tikzcd}
  882. (A_i)_{i \in I} \arrow{r}{f_i} & (B_i)_{i \in I} \arrow{r}{g_i} &
  883. (C_i)_{i \in I} \arrow{r}{h_i} & (D_i)_{i \in I}
  884. \end{tikzcd}
  885. \label{eq:0.11-inv-systems}
  886. \end{equation}
  887. Morphismen von inversen Systemen mit $g_i \circ f_i = 0 = h_i \circ g_i$
  888. für $i \in I$ und sei
  889. \[
  890. \begin{tikzcd}
  891. A \arrow{r}{f} & B \arrow{r}{g} & C \arrow{r}{h} & D
  892. \end{tikzcd}
  893. \] der Limes von \eqref{eq:0.11-inv-systems}. Für $i \in I$ mit $i > I_{\text{min}}$
  894. seien $A_i'$, $B_i'$, $C_i'$ und $D_i'$ die jeweiligen Kerne
  895. der Übergangsabbildungen $A_i \to A_{i-1}$, $B_i \to B_{i-1}$, $C_i \to C_{i-1}$
  896. und $D_i \to D_{i-1}$.
  897. Sei weiter $j \in I$, s.d. für alle $i > j$ die Folge
  898. \[
  899. \begin{tikzcd}
  900. A_i' \arrow{r} & B_i' \arrow{r} & C_i' \arrow{r} & D_i'
  901. \end{tikzcd}
  902. \] exakt ist.
  903. Dann ist die natürliche Abbildung
  904. \[
  905. \text{ker } g / \text{im } f \longrightarrow \text{ker } g_j / \text{im } f_j
  906. \] ein Isomorphismus.
  907. \label{0.11}
  908. \end{lemma}
  909. \begin{proof}
  910. Durch Umbenennung können wir ohne Einschränkung annehmen, dass $I = \N$. Sei
  911. $j \in \N$ mit der beschriebenen Eigenschaft. Dann betrachte das kommutative Diagramm:
  912. \begin{equation}
  913. \begin{tikzcd}
  914. A \arrow{r}{f} \arrow{d} & \text{im } f \arrow{r}
  915. & \text{ker } g \arrow{r} \arrow{d}
  916. & B \arrow{r}{g} \arrow{d}
  917. & C \arrow{r}{h} \arrow{d}
  918. & D \arrow{d} \\
  919. A_j \arrow{r}{f_j} & \text{im } f_j \arrow{r}
  920. & \text{ker } g_j \arrow{r}
  921. & B_j \arrow{r}{g_j}
  922. & C_j \arrow{r}{h_j}
  923. & D_j \\
  924. A_{j+1} \arrow{r}{f_{j+1}} \arrow{u}{p_{A}} & \text{im } f_{j+1} \arrow{r} \arrow{u}
  925. & \text{ker } g_{j+1} \arrow{r} \arrow{u}
  926. & B_{j+1} \arrow{r}{g_{j+1}} \arrow{u}{p_B}
  927. & C_{j+1} \arrow{r}{h_{j+1}} \arrow{u}{p_C}
  928. & D_{j+1} \arrow{u}{p_D} \\
  929. \text{ker } p_{A_{j+1}} \arrow[from=4-1, to=4-4] \arrow{u} & &
  930. & \text{ker } p_{B_{j+1}} \arrow{r} \arrow{u}
  931. & \text{ker } p_{C_{j+1}} \arrow{r} \arrow{u}
  932. & \text{ker } p_{D_{j+1}} \arrow{u} \\
  933. \end{tikzcd}
  934. \label{eq:0.11-diag}
  935. \end{equation}
  936. Injektivität: Sei $(b_i)_{i \in \N} \in \text{ker } g$, sodass $b_j \in \text{im }f_j$.
  937. Dann existiert ein $a_j \in A_j$, sodass $f_j(a_j) = b_j$. Da $p_A$ surjektiv,
  938. existiert ein $x \in A_{j+1}$, sodass $p_A(x) = a_j$. Sei
  939. $y = f_{j+1}(x)$. Weil \eqref{eq:0.11-diag} kommutativ,
  940. ist $p_{B}(y) = b_j$. Da $(b_i)_{i \in \N}$ ein kompatibles
  941. System ist, gilt zudem $p_{B}(b_{j+1}) = b_j$. Also ist
  942. $b_{j+1} - y \in \text{ker } p_{B}$. Weil $y, b_{j+1} \in \text{ker } g_{j+1}$,
  943. existiert aufgrund der Exaktheit der unteren Zeile ein $\tilde{x} \in \text{ker } p_A$,
  944. sodass $f_{j+1}(\tilde{x}) = b_{j+1} - y$. Nun
  945. setze $a_{j+1} \coloneqq \tilde{x} + x$. Dann ist
  946. $f_{j+1}(a_{j+1}) = b_{j+1}$ und $p_{A}(a_{j+1}) = a_j$, denn
  947. $\tilde{x} \in \text{ker } p_{A}$. Konstruiere so induktiv eine kompatible
  948. Familie $(a_{i})_{i\ge j}$ mit $f(a_i) = (b_i)_{i \ge j}$. Für $i < j$ setze
  949. $a_i \coloneqq p_{A_{i+1}}(a_{i+1})$. Die Kommutativität von \eqref{eq:0.11-diag}
  950. liefert dann ein kompatibles System $(a_i)_{i \in \N}$ mit
  951. $f(a_{i}) = (b_{i})_{i \in \N}$
  952. Surjektivität: Sei $b \in \text{ker } g_j$. Weil $p_B$ surjektiv, existiert dann ein
  953. $y \in B_{j+1}$, sodass $p_B(y) = b$. Sei $z = g_{j+1}(y)$.
  954. Aufgrund der Kommutativität von
  955. \eqref{eq:0.11-diag} ist dann
  956. $p_C(z) = p_C(g_{j+1}(y)) = g_j(p_B(y)) = g_j(b) = 0$, also
  957. folgt $z \in \text{ker } p_C$. Da $h_{j+1} \circ g_{j+1} = 0$ folgt
  958. $h_{j+1}(z) = h_{j+1}(g_{j+1}(z)) = 0$. Da die untere Zeile exakt ist, existiert nun
  959. ein $\tilde{y} \in \text{ker } p_B$, s.d. $g_{j+1}(\tilde{y}) = z$. Also ist
  960. $y - \tilde{y} \in \text{ker } g_{j+1}$ und $p_B(y - \tilde{y}) = p_B(y) = b$.
  961. Setze $b_{j+1} \coloneqq y - \tilde{y}$ und $b_j \coloneqq b$.
  962. Dann konstruiere induktiv eine kompatible
  963. Familie $(b_i)_{i \ge j}$ mit $b_i \in \text{ker } g_{i}$. Für $i < j$ setze wie
  964. oben $b_i \coloneqq p_{B_{i+1}}(b_{i+1})$. Erneut liefert die Kommutativität von
  965. \eqref{eq:0.11-diag} ein kompatibles System $(b_i)_{i \in \N} \in \text{ker } g$ mit
  966. $b_j = b$.
  967. \end{proof}
  968. \begin{lemma}
  969. Die Klasse der exakten Komplexe in $\mathcal{K}(\mathcal{A}b)$ ist abgeschlossen unter speziellen inversen Limites.
  970. \label{lemma:exact-comp-complete-inv}
  971. \end{lemma}
  972. \begin{proof}
  973. Sei $(\com{S}_n)_{n \in \N}$ ein spezielles inverses System in $\mathcal{K}(\mathcal{A}b)$. Für $i \in \Z$
  974. erfüllt $(S_n^{i})_{n \in \N}$ die Bedingung (R) aus \ref{0.11}. Sei also $i \in \Z$ beliebig. Dann erfüllt
  975. \[
  976. (S_n^{i-1})_{n \in \N} \to (S_n^{i})_{n \in \N} \to (S_n^{i+1})_{n \in \N} \to (S_n^{i+2})_{n \in \N}
  977. \] die Bedingungen von \ref{0.11}, da nach Voraussetzung für alle $n > 1$ $\text{ker}(\com{S}_n \to \com{S}_{n-1})$
  978. exakt ist. Also ist
  979. \[
  980. \begin{tikzcd}
  981. \lim S_n^{i-1} \arrow{r} \arrow{d}{=} & \lim S_n^{i} \arrow{d}{=} \arrow{r} & \lim S_n^{i+1} \arrow{d}{=}\\
  982. (\lim S_n)^{i-1} \arrow{r} & (\lim S_n)^{i} \arrow{r} & (\lim S_n)^{i+1}
  983. \end{tikzcd}
  984. \] exakt. Da $i \in \Z$ beliebig, folgt $\lim S_n$ exakt.
  985. \end{proof}
  986. \begin{satz}
  987. Sei $\mathcal{B}$ eine weitere abelsche Kategorie und $\mathcal{J} \subset \mathcal{K}(B)$ abgeschlossen
  988. unter speziellen inversen Limites. Angenommen inverse Limites existieren in $\mathcal{A}$ und sei
  989. $F\colon \mathcal{K}(A) \to \mathcal{K}(B)$ ein kovarianter Funktor, der mit inversen Limites vertauscht und
  990. gradweise zerfallende kurze exakte Folgen erhält.
  991. Dann ist $F^{-1}(\mathcal{J}) \subset \mathcal{K}(\mathcal{A})$ abgeschlossen unter speziellen inversen Limites.
  992. \label{satz:complete-inv-system-functor}
  993. \end{satz}
  994. \begin{proof}
  995. Sei $(\com{S}_n)_{n \in \N}$ ein $F^{-1}(\mathcal{J})$-spezielles inverses System. Dann ist
  996. $(F(\com{S}_n))_{n \in \N}$ ein $\mathcal{J}$-spezielles System, denn
  997. \begin{enumerate}[(i)]
  998. \item $F(S_1) = F(1) = 0$, da $F$ mit inversen Limites vertauscht und die Null der Limes des leeren Diagramms
  999. ist.
  1000. \item Für $n > 1$ ist nach Voraussetzung
  1001. \[
  1002. \begin{tikzcd}
  1003. 0 \arrow{r} & \text{ker } p_n \arrow{r} & \com{S}_n \arrow{r}{p_n} & \com{S}_{n-1} \arrow{r} & 0
  1004. \end{tikzcd}
  1005. \]
  1006. exakt, zerfällt gradweise und $\text{ker } p_n$ ist in $F^{-1}(\mathcal{J})$. Nach Voraussetzung ist damit
  1007. \[
  1008. \begin{tikzcd}
  1009. 0 \arrow{r} & F(\text{ker } p_n) \arrow{r} & F(\com{S}_n) \arrow{r}{F(p_n)} & F(\com{S}_{n-1}) \arrow{r} & 0
  1010. \end{tikzcd}
  1011. \] exakt und zerfällt gradweise. Aus der Exaktheit folgt damit auch
  1012. $\text{ker } F(p_n) = F(\text{ker } p_n)$, also $\text{ker } F(p_n) \in \mathcal{J}$.
  1013. \end{enumerate}
  1014. Also $F(\lim \com{S}_n) = \lim F(\com{S}_n) \in \mathcal{J}$ und damit $\lim \com{S}_n \in F^{-1}(\mathcal{J})$.
  1015. \end{proof}
  1016. \begin{korollar}[]
  1017. Sei $\mathcal{I}$ eine Klasse von Komplexen und angenommen in $\mathcal{A}$ existieren inverse Limites.
  1018. Dann ist die Klasse aller Komplexe $\com{A} \in \mathcal{K}$, sodass
  1019. $\com{\text{Hom}}(\com{T}, \com{A})$ exakt ist für alle $\com{T} \in \mathcal{I}$, abgeschlossen unter speziellen
  1020. inversen Limites. Insbesondere ist die Klasse der K-injektiven Komplexe abgeschlossen unter speziellen inversen
  1021. Limites.
  1022. \end{korollar}
  1023. \begin{proof}
  1024. Sei $\mathcal{J}$ die Klasse der exakten Komplexe und für $\com{T} \in \mathcal{I}$ sei
  1025. $\mathcal{E}_{\com{T}}$ die Klasse der Komplexe $\com{A} $, sodass
  1026. $\com{\text{Hom}}(\com{T}, \com{A})$ exakt ist. Dann
  1027. ist $\mathcal{E}_{\com{T}} = \com{\text{Hom}}(\com{T}, -)^{-1}(\mathcal{J})$. $\com{\text{Hom}}(\com{T}, -)$ erfüllt
  1028. die Voraussetzungen von \ref{satz:complete-inv-system-functor}, denn:
  1029. \begin{enumerate}[(i)]
  1030. \item Nach \ref{lemma:exact-comp-complete-inv} ist
  1031. $\mathcal{J}$ abgeschlossen unter speziellen inversen Limites.
  1032. \item Wegen \ref{satz:adjunction-hom-tor-comp} ist $\com{\text{Hom}} (\com{T}, -)$ rechtsadjungiert und
  1033. vertauscht daher mit Limites. Außerdem ist $\com{\text{Hom}}(\com{T}, -)$ gradweise additiv, erhält also
  1034. gradweise zerfallende Folgen.
  1035. \end{enumerate}
  1036. Also ist $\mathcal{E}_{\com{T}}$ und damit $\bigcap_{\com{T} \in \mathcal{I}} \mathcal{E}_{\com{T} }$
  1037. abgeschlossen unter speziellen inversen Limites.
  1038. Das Insbesondere folgt wenn $\mathcal{I} = \mathcal{J}$ gesetzt wird.
  1039. \end{proof}
  1040. Wenn wir alle Pfeile umdrehen erhalten wir die folgende Definition und Ergebnisse:
  1041. \begin{definition}[Spezielles direktes System]
  1042. Sei $\mathcal{P} \subset \mathcal{K}$ eine Klasse von Komplexen.
  1043. \begin{enumerate}[(a)]
  1044. \item Ein direktes System $(\com{P}_n)_{n \in \N}$ in $\mathcal{K}$ heißt $\mathcal{P}$-spezielles
  1045. direktes System, falls folgende Bedingungen erfüllt sind:
  1046. \begin{enumerate}[(i)]
  1047. \item Falls $n = 1$, dann ist $\com{P}_n = 0$.
  1048. \item Falls $n > 1$, dann sei $\com{C}_n$ der Kokern der natürlichen Abbildung
  1049. $\com{P}_{n-1} \to \com{P}_{n}$. Dann ist $\com{C}_n \in \mathcal{P}$ und
  1050. die kurze exakte Folge
  1051. \[
  1052. 0 \to \com{P}_{n-1} \to \com{P}_{n} \to \com{C}_n \to 0
  1053. \] zerfällt stufenweise.
  1054. \end{enumerate}
  1055. \item Die Klasse $\mathcal{P}$ heißt abgeschlossen unter speziellen direkten Colimites, falls jedes
  1056. $\mathcal{P}$-spezielle direkte System in $\mathcal{K}$ einen Colimes in $\mathcal{P}$ besitzt und jeder
  1057. Komplex in $\mathcal{K}$, der isomorph ist zu einem Komplex in $\mathcal{P}$, bereits in $\mathcal{P}$ ist.
  1058. \end{enumerate}
  1059. \end{definition}
  1060. Durch Umdrehen aller Pfeile, erhalten wir auch eine duale Version von \ref{lemma:bounded-compl-in-complete-class}.
  1061. Ebenfalls analog gilt:
  1062. % brauche ich nicht
  1063. %\begin{lemma}
  1064. % Die Klasse der exakten Komplexe in $\mathcal{K}(\mathcal{A}b)$ ist abgeschlossen unter speziellen direkten Colimites.
  1065. %
  1066. % \label{lemma:exact-comp-complete-inv}
  1067. %\end{lemma}
  1068. %
  1069. %\begin{proof}
  1070. %
  1071. %\end{proof}
  1072. \begin{satz}
  1073. Sei $\mathcal{B}$ eine weitere abelsche Kategorie und $\mathcal{J} \subset \mathcal{K}(B)$ abgeschlossen
  1074. unter speziellen inversen Limites. Angenommen direkte Colimites existieren in $\mathcal{A}$ und sei
  1075. $F\colon \mathcal{K}(A) \to \mathcal{K}(B)$ ein kontravarianter Funktor, der direkte Colimites in
  1076. inverse Limites überführt und gradweise zerfallende kurze exakte Folgen erhält.
  1077. Dann ist $F^{-1}(\mathcal{J}) \subset \mathcal{K}(\mathcal{A})$ abgeschlossen unter speziellen direkten Colimites.
  1078. \label{satz:complete-dir-system-functor}
  1079. \end{satz}
  1080. \begin{korollar}[]
  1081. Sei $\mathcal{I}$ eine Klasse von Komplexen und angenommen in $\mathcal{A}$ existieren direkte Colimites.
  1082. Dann ist die Klasse aller Komplexe $\com{A} \in \mathcal{K}$, sodass
  1083. $\com{\text{Hom}}(\com{A}, \com{T})$ exakt ist für alle $\com{T} \in \mathcal{I}$, abgeschlossen unter speziellen
  1084. direkten Colimites. Insbesondere ist die Klasse der K-projektiven Komplexe abgeschlossen unter speziellen direkten
  1085. Colimites.
  1086. \label{kor:k-proj-closed}
  1087. \end{korollar}
  1088. \begin{definition}[]
  1089. Angenommen inverse (bzw. direkte) Limites existieren in $\mathcal{K}$ und sei $\mathcal{G}$ eine Klasse von
  1090. Komplexen in $\mathcal{K}$. Dann nennen wir $\underset{\leftarrow}{\mathcal{G}}$
  1091. (bzw. $\underset{\rightarrow}{\mathcal{G}})$ die kleinste Klasse von Komplexen in $\mathcal{K}$, die abgeschlossen
  1092. unter speziellen inversen (bzw. direkten) Limites ist und $\mathcal{G}$ enthält.
  1093. \end{definition}
  1094. \subsection{Existenz von K-projektiven und K-injektiven Auflösungen}
  1095. \subsubsection{Linksauflösungen}
  1096. Sei $\mathcal{P}$ eine Klasse von Komplexen in $\mathcal{K}$. Die folgenden Bedingungen an $\mathcal{P}$ sind
  1097. äquivalent:
  1098. % TODO: wirklich notwendig die beschränkung nach oben??
  1099. \begin{enumerate}[(1)]
  1100. \item Jeder nach oben beschränkte Komplex $\com{A} \in \mathcal{K}$ hat eine Auflösung $\com{P} \to \com{A} $
  1101. nach links mit $\com{P} \in \mathcal{P}$ und $\com{P} $ nach oben beschränkt.
  1102. \item Für alle $\com{A} \in \mathcal{K} $ und $n \in \Z$, existiert ein $\com{P} \in \mathcal{P}$ mit
  1103. $H^{i}(\com{P}) = 0$ für $i > n$ und ein Komplexhomomorphismus $f\colon \com{P} \to \com{A} $, der
  1104. einen Isomorphismus $H^{i}(\com{P}) \to H^{i}(\com{A})$ induziert für $i \le n$.
  1105. \end{enumerate}
  1106. \begin{proof}
  1107. (1) $\implies$ (2): Sei $\com{A} \in \mathcal{K}$ und $n \in \Z$. Dann ist $\tau_{\le n} \com{A}$ nach oben
  1108. beschränkt, also existiert ein $\com{P} \in \mathcal{P}$ und ein Quasiisomorphismus $s\colon \com{P} \to \tau_{\le n}\com{A}$. Durch Komposition mit dem natürlichen Komplexhomomorphismus $\tau_{\le n}\com{A} \to \com{A}$ erhalten wir
  1109. ein $f\colon \com{P} \to \com{A} $.
  1110. Für $i > n$ ist nun $H^{i}(\com{P}) = H^{i}(\tau_{\le n}\com{A}) = 0 $. Für $i \le n$ ist
  1111. $H^{i}(\tau_{\le n}\com{A}) = H^{i}(\com{A})$, also induziert $f$ den gewünschten Isomorphismus.
  1112. (2) $\implies$ (1): Sei $\com{A} \in \mathcal{K}^{-}$. Ohne Einschränkung ist $A^{i} = 0$ für alle $i > 0$. Dann
  1113. existiert für $n = 0$ ein $f\colon \com{P} \to \com{A} $ mit $\com{P} \in \mathcal{P}$ und $f$ induziert
  1114. $H^{i}(\com{P}) \xrightarrow[\sim]{0 = H^{i}(f)} 0 = H^{i}(\com{A})$ für $i > 0$ und
  1115. $H^{i}(\com{P})\xrightarrow[\sim]{H^{i}(f)} H^{i}(\com{A})$ für $i \le 0$. Also ist $f$ ein Quasiisomorphismus.
  1116. \end{proof}
  1117. Im Folgenden nehmen wir an, dass $\mathcal{P}$ die Eigenschaft (1) erfüllt.
  1118. \begin{bsp}[]
  1119. Falls $\mathcal{A}$ genügend Projektive hat, können wir $\mathcal{P}$ als die Klasse der nach oben beschränkten
  1120. Komplexe
  1121. $\com{P} \in \mathcal{K}$ mit $P^{i}$ projektiv für alle $i \in \Z$ wählen.
  1122. Ein solches $\com{P}$ ist K-projektiv, denn: Für alle eingradigen Komplexe $\com{Q}$ mit
  1123. $Q^{i}$ projektiv für alle $i \in \Z$ ist $\com{Q} $ nach \ref{satz:single-degree-compl-k-proj} K-projektiv. Da
  1124. nach \ref{kor:k-proj-closed} die Klasse der K-projektiven
  1125. abgeschlossen unter speziellen direkten Colimites ist, folgt mit dem Dual von
  1126. \ref{lemma:bounded-compl-in-complete-class}, dass $\com{P} $ K-projektiv ist.
  1127. Erneut nach \ref{kor:k-proj-closed} sind die Komplexe in $\underset{\rightarrow}{\mathcal{P}}$ damit ebenfalls
  1128. $K$-projektiv.
  1129. \label{bsp:bounded-above-projectives}
  1130. \end{bsp}
  1131. Unser Ziel ist nun für einen gegebenen Komplex $\com{A}$ eine Auflösung nach Links durch einen Komplex
  1132. aus $\mathcal{P}$ zu konstruieren. Dazu schneiden wir den Komplex nach oben ab und lösen schrittweise auf. Das
  1133. folgende Lemma führt diese Konstruktion aus.
  1134. \begin{lemma}
  1135. Sei $\com{A} \in \mathcal{K}$. Dann existiert ein $\mathcal{P}$-spezielles direktes System $(\com{P}_n)_{n\ge -1}$ und
  1136. ein direktes System von Kettenhomomorphismen $f_n \colon \com{P}_n \to \tau_{\le n}\com{A}$, sodass
  1137. $f_n$ ein Quasiisomorphismus ist für alle $n \ge 0$.
  1138. \label{lemma:constr-dir-system}
  1139. \end{lemma}
  1140. \begin{proof}
  1141. Wir gehen induktiv vor. Setze $\com{P}_{-1} = 0$ und $f_{-1} = 0$. Nach (1) existiert ein Quasiisomorphismus
  1142. $f_0 \colon \com{P}_0 \to \tau_{\le 0}\com{A} $ mit $\com{P}_0 \in \mathcal{P}$.
  1143. Sei nun $n \ge 1$ und seien $\com{P}_{-1}, \ldots, \com{P}_{n-1}$ und $f_{-1}, \ldots, f_{n-1}$ konstruiert mit $\com{P}_i \in \mathcal{K}^{-}$. Dann
  1144. setze $\com{P} = \com{P}_{n-1}$, $\com{B} = \tau_{\le n} \com{A} $. Es sei
  1145. $a_{n-1}\colon \tau_{\le n-1}\com{A} \to \tau_{\le n} \com{A} $ der natürliche Komplexhomomorphismus
  1146. und $f = a_{n-1}f_{n-1}\colon \com{P} \to \com{B}$. Es gilt dann
  1147. \begin{equation}
  1148. f d_P = d_B f
  1149. \label{eq:f-comp-hom}
  1150. \end{equation}
  1151. Da $\com{B} = \tau_{\le n}\com{A}$ und $\com{P} $ nach oben beschränkt sind und
  1152. $C_f^{i} = P^{i+1} \oplus B^{i}$, existiert mit (1) ein Quasiisomorphismus
  1153. $g\colon \com{Q} \to \com{C}_f[-1] $ mit $\com{Q}[1] \in \mathcal{P}$ und
  1154. $\com{Q} $ nach oben beschränkt. Da gradweise
  1155. $C_f^{i}[-1] = P^{i} \oplus B^{i-1}$ ist $g = (g_i)_{i \in \Z}$ ist $g$ gradweise
  1156. gegeben durch $g'_i\colon Q^{i} \to P^{i} $ und $g''_i\colon Q^{i} \to B^{i-1}$.
  1157. Betrachte für $i \in \Z$ das folgende kommutative Diagramm:
  1158. \begin{equation}
  1159. \begin{tikzcd}
  1160. \cdots \arrow{r} & Q^{i} \arrow{r}{d_{Q}} \arrow{d}{(g', g'')}
  1161. & Q^{i+1} \arrow{r} \arrow{d}{(g', g'')} & \cdots\\
  1162. \cdots \arrow{r} & P^{i} \oplus B^{i-1} \arrow{r}{d_{C_f[-1]}} &
  1163. P^{i+1} \oplus B^{i} \arrow{r} & \cdots
  1164. \label{eq:1}
  1165. \end{tikzcd}
  1166. \end{equation}
  1167. In Matrixnotation ist
  1168. \begin{align*}
  1169. d_{C_f} &= \begin{pmatrix} d_{P}[1] & 0 \\ f[1] & d_{B} \end{pmatrix}
  1170. \intertext{Also folgt}
  1171. d_{C_f}[-1] &= - d_{C_f} = \begin{pmatrix} -d_{P}[1] & 0 \\ -f[1] & -d_{B} \end{pmatrix}
  1172. .\end{align*}
  1173. Auswerten von \eqref{eq:1} in beiden Summanden liefert nun
  1174. \begin{align}
  1175. d_P g' &= g' d_Q \label{eq:g'-comp-hom} \\
  1176. g''d_Q &= -fg' - d_Bg'' \label{eq:g''}
  1177. .\end{align}
  1178. Aus \eqref{eq:g'-comp-hom} folgt, dass $g'\colon \com{Q} \to \com{P} $ ein
  1179. Komplexhomomorphismus ist. Setze nun
  1180. $h\colon \com{C}_{-g'} \to \com{B} $ durch
  1181. \[
  1182. h(x,y) = g''[1](x) + f(y)
  1183. .\]
  1184. Betrachte nun für $i \in \Z$ das folgende Diagramm:
  1185. \[
  1186. \begin{tikzcd}
  1187. \cdots \arrow{r} & Q^{i+1} \oplus P^{i} \arrow{r}{d_{C_{-g'}}} \arrow{d}{h} & Q^{i+2} \oplus P^{i+1} \arrow{r} \arrow{d}{h}
  1188. & \cdots \\
  1189. \cdots \arrow{r} & B^{i} \arrow{r}{d_{B}} & B^{i+1} \arrow{r} & \cdots
  1190. \end{tikzcd}
  1191. .\] In Matrixnotation ist
  1192. \begin{salign*}
  1193. h d_{C_{-g'}} &= \begin{pmatrix} g''[1] & f \end{pmatrix}
  1194. \begin{pmatrix} d_Q[1] & 0 \\ -g'[1] & d_P \end{pmatrix} \\
  1195. &= \begin{pmatrix}
  1196. g''[1] d_Q[1] - f g'[1] & f d_P
  1197. \end{pmatrix} \\
  1198. &\stackrel{\eqref{eq:g''}}{=}
  1199. \begin{pmatrix}
  1200. d_B g'' & f d_P
  1201. \end{pmatrix} \\
  1202. &\stackrel{\eqref{eq:f-comp-hom}}{=}
  1203. \begin{pmatrix}
  1204. d_B g'' & d_B f
  1205. \end{pmatrix} \\
  1206. &= d_B h
  1207. .\end{salign*}
  1208. Also ist $h$ Komplexhomomorphismus. Bleibt zu zeigen, dass $h$ ein Quasiisomorphismus
  1209. ist. Dafür genügt es nach \ref{mapping-cone-exact-for-qis} zu zeigen, dass $\com{C}_h$
  1210. exakt ist. Behauptung: $\com{C}_h = \com{C}_{-g}[1]$.
  1211. Es ist gradweise für $ i \in \Z$
  1212. \[
  1213. C_h^{i} = C_{-g}^{i+1} \oplus B^{i} = (Q^{i+2} \oplus P^{i+1}) \oplus B^{i}
  1214. = Q^{i+2} \oplus (P^{i+1} \oplus B^{i})
  1215. = Q^{i+2} \oplus C_f^i
  1216. = C_{-g}^{i}[1]
  1217. .\] Für die Differentiale gilt, wieder in Matrixnotation:
  1218. \begin{align*}
  1219. d_{C_h} = \begin{pmatrix}
  1220. d_{C_{-g'}}[1] & 0 \\
  1221. h[1] & d_B \end{pmatrix}[1]
  1222. = \begin{pmatrix}
  1223. \begin{pmatrix} d_Q[1] & 0 \\
  1224. -g'[1] & d_P
  1225. \end{pmatrix}[1] & 0 \\
  1226. \begin{pmatrix} g''[1] & f \end{pmatrix}[1] & d_B
  1227. \end{pmatrix}
  1228. = \begin{pmatrix}
  1229. -d_Q & 0 & 0 \\
  1230. g' & -d_P & 0 \\
  1231. g'' & f & d_B
  1232. \end{pmatrix}
  1233. .\end{align*}
  1234. Analog folgt
  1235. \begin{align*}
  1236. d_{C_{-g}[1]} =
  1237. \begin{pmatrix}
  1238. d_Q[1] & 0 \\
  1239. -g & d_{C_f[-1]}
  1240. \end{pmatrix} [1]
  1241. = \begin{pmatrix} d_Q[1] & 0 \\
  1242. \begin{pmatrix} -g' \\ -g'' \end{pmatrix}[1]
  1243. & \begin{pmatrix} d_P[1] & 0 \\ f[1] & d_{B} \end{pmatrix}[-1]
  1244. \end{pmatrix}[1]
  1245. = \begin{pmatrix}
  1246. - d_Q & 0 & 0 \\
  1247. g' & -d_P & 0 \\
  1248. g'' & f & d_B
  1249. \end{pmatrix}
  1250. .\end{align*}
  1251. Also folgt die Behauptung. Da $g$ und demnach $-g$ ein Quasiisomorphismus ist
  1252. und Verschieben Exaktheit erhält,
  1253. folgt damit mit \ref{mapping-cone-exact-for-qis} die Exaktheit von $\com{C}_{-g}[1]$.
  1254. Setze nun $\com{P}_n \coloneqq \com{C}_{-g'}$ und $f_n \coloneqq h$. Da nach
  1255. Voraussetzung $\com{P} $ und $\com{Q} $ nach oben beschränkt sind, ist auch
  1256. $\com{C}_{-g'}$ nach oben beschränkt.
  1257. Sei $p_{n-1}\colon \com{P}_{n-1} = \com{P} \to \com{P}_n$ die natürliche Abbildung.
  1258. Dann ist $p_{n-1}$ gradweise gegeben durch die natürliche Inklusion
  1259. $P^{i} \to Q^{i+1} \oplus P^{i}$. Also folgt
  1260. $\text{coker } p_{n-1} = \com{Q}[1] \in \mathcal{P}$ und wir haben gradweise
  1261. zerfallende exakte Folgen:
  1262. \[
  1263. \begin{tikzcd}
  1264. 0 \arrow{r} & P^{i} \arrow{r}{p_{n-1}} & Q^{i+1} \oplus P^{i} \arrow{r}
  1265. & Q^{i+1} \arrow{r} & 0
  1266. \end{tikzcd}
  1267. .\]
  1268. Also ist $(\com{P}_n)_{n \ge -1}$ ein $\mathcal{P}$-spezielles direktes System.
  1269. Außerdem ist nach Definition von $h$: $f_n p_{n-1} = h p_{n-1} = f = a_{n-1} f_{n-1}$,
  1270. also kommutiert
  1271. \[
  1272. \begin{tikzcd}
  1273. \com{P}_{n-1} \arrow{r}{p_{n-1}} \arrow{d}{f_{n-1}}
  1274. & \com{P}_{n} \arrow{d}{f_n = h} \\
  1275. \tau_{\le n-1}\com{A} \arrow{r}{a_{n-1}} & \tau_{\le n}\com{A}
  1276. \end{tikzcd}
  1277. \] und $(f_n)_{n \ge -1}$ ist ein direktes System.
  1278. \end{proof}
  1279. Dieses Lemma können wir nun anwenden, um das zentrale Ergebnis zu zeigen:
  1280. \begin{satz}
  1281. Angenommen direkte Colimites existieren in $\mathcal{A}$ und
  1282. $\colim$ ist exakt.
  1283. Dann hat jeder Komplex in $\mathcal{K}$ eine
  1284. $\underset{\rightarrow}{\mathcal{P}}$-Linksauflösung.
  1285. \label{satz:existence-left-resolutions}
  1286. \end{satz}
  1287. \begin{proof}
  1288. Sei $\com{A} \in \mathcal{K}$ und $(\com{P}_n)_{n \ge -1}$, $(f_n)_{n \ge -1}$ wie
  1289. in \ref{lemma:constr-dir-system}. Da direkte Colimites in $\mathcal{A}$ existieren und
  1290. sich diese in $\mathcal{K}$ gradweise bilden, existieren direkte Colimites
  1291. in $\mathcal{K}$. Nach der Definition von $\underset{\rightarrow}{\mathcal{P}}$ ist dann
  1292. $\com{P} \coloneqq \colim \com{P}_n$ in $\underset{\rightarrow}{\mathcal{P}}$.
  1293. Wir erhalten ebenfalls
  1294. \[
  1295. f\coloneqq \colim f_n \colon \com{P} \longrightarrow \colim \tau_{\le n}\com{A}
  1296. = \com{A}
  1297. .\] Da $\colim$ exakt, folgt für $i \in \Z$:
  1298. \[
  1299. H^{i}(f) = H^{i}(\colim f_n) = \colim \underbrace{H^{i}(f_n)}_{\text{Isomorphismus}}
  1300. .\] Also ist $f$ ein Quasiisomorphismus.
  1301. \end{proof}
  1302. \begin{korollar}[]
  1303. Angenommen direkte Colimites existieren in $\mathcal{A}$ und
  1304. $\colim$ ist exakt.
  1305. Dann hat jeder Komplex in $\mathcal{K}$ eine K-projektive Linksauflösung.
  1306. \label{satz:existence-k-proj-resolution}
  1307. \end{korollar}
  1308. \begin{proof}
  1309. Wähle $\mathcal{P}$ wie in Beispiel \ref{bsp:bounded-above-projectives} und wende
  1310. \ref{satz:existence-left-resolutions} an.
  1311. \end{proof}
  1312. \subsubsection{Rechtsauflösungen}
  1313. Sei $\mathcal{J}$ eine Klasse von Komplexen in $\mathcal{K}$. Im Folgenden nehmen wir an,
  1314. dass $\mathcal{J}$ die folgende Eigenschaft erfüllt:
  1315. \begin{enumerate}[(1)]
  1316. \item Jeder nach unten beschränkte Komplex $\com{A} \in \mathcal{K}$ hat eine
  1317. Auflösung $\com{A} \to \com{I} $ nach rechts mit $\com{I} \in \mathcal{J}$ und
  1318. $\com{I}$ nach unten beschränkt.
  1319. \end{enumerate}
  1320. \begin{bsp}
  1321. Falls $\mathcal{A}$ genügend Injektive hat, können wir dual zu Beispiel
  1322. \ref{bsp:bounded-above-projectives} $\mathcal{J}$ als die Klasse
  1323. der nach unten beschränkten Komplexe mit in $\mathcal{A}$ injektiven Objekten wählen.
  1324. \end{bsp}
  1325. Durch Umdrehen der Pfeile erhalten wir die duale Aussagen von
  1326. \ref{lemma:constr-dir-system} und \ref{satz:existence-left-resolutions}:
  1327. \begin{lemma}[]
  1328. Sei $\com{A} \in \mathcal{K}$. Dann existiert ein $\mathcal{J}$-spezielles
  1329. inverses System $(\com{I}_n)_{n \ge -1}$ und ein inverses System von
  1330. Kettenhomomorphismen $f_n\colon \tau^{\ge-n}\com{A} \to \com{I}_n$, sodass
  1331. $f_n$ ein Quasiisomorphismus ist.
  1332. \label{lemma:constr-inv-system}
  1333. \end{lemma}
  1334. \begin{satz}[]
  1335. Angenommen inverse Limites existieren in $\mathcal{A}$ und
  1336. $\lim$ ist exakt.
  1337. Dann hat jeder Komplex in $\mathcal{K}$ eine
  1338. $\underset{\rightarrow}{\mathcal{P}}$-Rechtsauflösung.
  1339. \label{satz:existence-right-resolutions}
  1340. \end{satz}
  1341. \begin{bem}
  1342. Leider findet \ref{satz:existence-right-resolutions} in $\mathcal{A} = R\text{-Mod}$ für
  1343. $R$ ein Ring keine Anwendung, da hier $\lim$ nicht exakt ist.
  1344. Diese Voraussetzung wird jedoch nur verwendet, um zu zeigen, dass
  1345. $f = \lim f_n\colon \com{A} \to \lim \com{I}_n$ ein Quasiisomorphismus ist.
  1346. Wir können uns der speziellen Struktur des inversen Systems
  1347. $(\com{I}_n)_{n \ge -1}$ bedienen, um für $\mathcal{A} = R\text{-Mod}$ zu zeigen,
  1348. dass $f$ dennoch ein Quasiisomorphismus ist.
  1349. \end{bem}
  1350. \begin{satz}[]
  1351. Sei $R$ ein Ring und $\mathcal{A}$ die Kategorie der R-links-Moduln. Dann
  1352. hat jeder Komplex in $\mathcal{K}$ eine K-injektive Rechtsauflösung.
  1353. \label{satz:existence-k-inj-resolution}
  1354. \end{satz}
  1355. \begin{proof}
  1356. Seien $(\com{I}_n)_{n \ge -1}$ und $(f_n)_{n \ge -1}$ wie in
  1357. \ref{lemma:constr-inv-system}. Seien $\com{I} = \lim \com{I}_n$ und
  1358. $f = \lim f_n$. Es genügt zu zeigen, dass $f$ ein Quasiisomorphismus ist.
  1359. Sei $i \in \Z$ beliebig. Für $n > 1$ haben wir folgendes kommutative Diagramm:
  1360. \[
  1361. \begin{tikzcd}
  1362. \com{I} \arrow{r} \arrow{d}{f} & \com{I}_n \arrow{r}{p_n} \arrow{d}{f_n} & \com{I_{n-1}} \arrow{d}{f_{n-1}} \\
  1363. \com{A} \arrow{r} & \tau^{\ge -n} \com{A} \arrow{r} & \tau^{\ge -(n-1)} \com{A}
  1364. \end{tikzcd}
  1365. \] Wende nun $H^{i}(-)$ auf dieses Diagramm an:
  1366. \begin{equation}
  1367. \begin{tikzcd}
  1368. H^{i}(\com{I}) \arrow{r} \arrow{d}{H^{i}(f)} & H^{i}(\com{I}_n) \arrow{r}{H^{i}(p_n)}
  1369. \arrow{d}{H^{i}(f_n)}[swap]{\sim} & H^{i}(\com{I_{n-1}}) \arrow{d}{H^{i}(f_{n-1})}[swap]{\sim} \\
  1370. H^{i}(\com{A}) \arrow{r} & H^{i}(\tau^{\ge -n} \com{A}) \arrow{r} & H^{i}(\tau^{\ge -(n-1)} \com{A})
  1371. \end{tikzcd}
  1372. \label{eq:diag-hi-in}
  1373. .\end{equation}
  1374. Die rechten beiden vertikalen Pfeile sind Isomorphismen, da $f_k$ ein
  1375. Quasiisomorphismus ist für alle $k \ge -1$.
  1376. Sei nun $n \ge -i+1$. Dann ist $i \ge -n + 1 \ge -n$, also ist
  1377. $H^{i}(\com{A}) = H^{i}(\tau^{\ge -n}\com{A}) = H^{i}(\tau^{\ge -(n-1)} \com{A})$. Also
  1378. sind die Abbildungen in der unteren Zeile in \eqref{eq:diag-hi-in} Isomorphismen und
  1379. damit ist
  1380. $H^{i}(p_n)\colon H^{i}(\com{I}_n) \to H^{i}(\com{I}_{n-1})$
  1381. ein Isomorphismus.
  1382. Betrachte nun die kurze exakte Folge
  1383. \[
  1384. \begin{tikzcd}
  1385. 0 \arrow{r} & \text{ker } p_n \arrow{r} & \com{I}_n \arrow{r}{p_n} & \com{I}_{n-1}
  1386. \arrow{r} & 0
  1387. \end{tikzcd}
  1388. .\] Das liefert eine lange exakte Kohomologiefolge:
  1389. \begin{equation}
  1390. \begin{tikzcd}
  1391. H^{i-1}(\com{I}_{n}) \arrow{r}{H^{i-1}(p_n)} & H^{i-1}(\com{I}_{n-1}) \arrow{r}
  1392. & H^{i}(\text{ker } p_n) \arrow{r}
  1393. & H^{i}(\com{I}_n) \arrow{r}{H^{i}(p_n)}
  1394. & H^{i}(\com{I}_{n-1})
  1395. \end{tikzcd}
  1396. \label{eq:long-ex-hi-in}
  1397. \end{equation}
  1398. Anwenden des obigen Arguments auf $i-1$ liefert für
  1399. $n \ge -(i-1) + 1 = -i+2 \ge -i+1$ Isomorphismen $H^{i}(p_n)$ und $H^{i-1}(p_n)$.
  1400. Aufgrund der Exaktheit von \eqref{eq:long-ex-hi-in} folgt, dann dass
  1401. $H^{i}(\text{ker } p_n) = 0$ für alle $n \ge -i+2$.
  1402. Sei nun $m \in \Z$ beliebig. Dann setze $N \coloneqq -m + 1$. Dann ist
  1403. für alle $n > N$:
  1404. \[
  1405. H^{m}(\text{ker } p_n) = 0 = H^{m+1}(\text{ker } p_n)
  1406. .\]
  1407. Also ist die Folge
  1408. \begin{equation}
  1409. \begin{tikzcd}
  1410. \text{ker } p_n^{m-1} \arrow{r} &
  1411. \text{ker } p_n^{m} \arrow{r} &
  1412. \text{ker } p_n^{m+1} \arrow{r} &
  1413. \text{ker } p_n^{m+2}
  1414. \end{tikzcd}
  1415. \end{equation}
  1416. für $n > N$ exakt. Das System
  1417. \begin{equation*}
  1418. \begin{tikzcd}
  1419. (I_n^{m-1})_{n\ge -1} \arrow{r} &
  1420. (I_n^{m})_{n\ge -1} \arrow{r} &
  1421. (I_n^{m+1})_{n\ge -1} \arrow{r} &
  1422. (I_n^{m+2})_{n\ge -1}
  1423. \end{tikzcd}
  1424. \end{equation*}
  1425. erfüllt damit die Bedingungen von \ref{0.11}. Also ist die natürliche Abbildung
  1426. \[
  1427. H^{m}(\com{I}) \longrightarrow H^{m}(\com{I}_N)
  1428. \] ein Isomorphismus. Erneute Betrachtung von \eqref{eq:diag-hi-in} für $i=m$ und
  1429. $n=N$ liefert nun, dass $H^{i}(f)$ ein Isomorphismus ist.
  1430. \end{proof}
  1431. \newpage
  1432. \section{Adjunktion von abgeleitetem Hom und Tensorprodukt}
  1433. Sei $A$ ein kommutativer Ring und im Folgenden $\mathcal{A}$ die Kategorie der $A$-Moduln.
  1434. \subsection{K-flache Komplexe}
  1435. Um das Tensorprodukt abzuleiten, benötigen wir noch eine weitere Klasse von Komplexen.
  1436. \begin{definition}[K-flacher Komplex]
  1437. Ein Komplex $\com{M} \in \mathcal{K}$ heißt K-flach, wenn für jeden exakten Komplex
  1438. $\com{S} \in \mathcal{K}$ auch $\com{M} \otimes_A \com{S}$ exakt ist.
  1439. \end{definition}
  1440. \begin{satz}
  1441. Sei $\com{M} \in \mathcal{K}$ mit $M^{i} = 0$ für $i \neq 0$. Dann ist
  1442. $\com{M} $ genau dann K-flach, wenn $M^{0}$ flacher $A$-Modul ist.
  1443. \end{satz}
  1444. \begin{proof}
  1445. Sei $\com{M} \in \mathcal{K}$ wie im Satz. Dann ist für $\com{S} \in \mathcal{K}$ und
  1446. $n \in \Z$:
  1447. \[
  1448. (\com{M} \otimes_A \com{S})^{n} = \bigoplus_{i+j=n} M^{i} \otimes_A S^{J}
  1449. = M^{0} \otimes S^{n} = (M^{0} \otimes \com{S} )^{n}
  1450. \] und für $m \in M^{0}$, $s \in S^{n}$:
  1451. \[
  1452. d_{\com{M} \otimes_A \com{S} }^{n}(m \otimes s)
  1453. = \underbrace{d_{M}^{0}(m)}_{= 0} \otimes_A s + (-1)^{0} m \otimes_A d_{S}(s)
  1454. = m \otimes_A d_S(s)
  1455. = d_{M^{0} \otimes_A \com{S} }
  1456. .\] Also ist $\com{M} \otimes_A \com{S} = M^{0} \otimes_A \com{S}$. Damit folgt
  1457. die Behauptung aus den Definitionen.
  1458. \end{proof}
  1459. Im Folgenden benötigen wir folgendes Kritierium für die Exaktheit von Komplexen:
  1460. \begin{lemma}
  1461. Sei $\com{A} \in \mathcal{K}$. Angenommen für jeden K-injektiven Komplex $\com{I} \in \mathcal{K}$ ist
  1462. $\com{\text{Hom}}(\com{A}, \com{I})$ exakt. Dann ist $\com{A}$ exakt.
  1463. \label{lemma:0.10}
  1464. \end{lemma}
  1465. \begin{proof}
  1466. Sei $\com{B} \in \mathcal{K}$ beliebig. Dann existiert nach \ref{satz:existence-k-inj-resolution} ein
  1467. K-injektiver Komplex $\com{I} \in \mathcal{K}$ und ein Quasiisomorphismus $\com{B} \to \com{I}$. Dann
  1468. gilt $\com{B} \stackrel{\sim }{=} \com{I} $ in $\mathcal{D}$ und wir erhalten
  1469. \[
  1470. \text{Mor}_{\mathcal{D}}(\com{A}, \com{B}) \stackrel{\sim }{=}
  1471. \text{Mor}_{\mathcal{D}}(\com{A} , \com{I} ) \stackrel{\ref{satz:mork=mord-for-k-inj}}{=}
  1472. \text{Mor}_{\mathcal{K}}(\com{A} , \com{I} ) = 0
  1473. .\]
  1474. Mit Yoneda folgt nun, dass $\com{A} \stackrel{\sim }{=} 0$ in $\mathcal{D}$. Da per Definition
  1475. $H^{i}(-)\colon \mathcal{K} \to \mathcal{A}b$ über den kanonischen Funktor $Q\colon \mathcal{K} \to \mathcal{D}$
  1476. faktorisiert, folgt $H^{i}(\com{A}) = 0$ für $i \in \Z$, also $\com{A}$ exakt.
  1477. \end{proof}
  1478. \begin{satz}[]
  1479. Sei $\com{M} \in \mathcal{K} $. Dann sind äquivalent:
  1480. \begin{enumerate}[(i)]
  1481. \item $\com{M} $ ist K-flach.
  1482. \item $\com{\text{Hom}}(\com{M}, \com{I})$ ist K-injektiv für jeden
  1483. K-injektiven Komplex $\com{I} \in \mathcal{K}$.
  1484. \end{enumerate}
  1485. \label{satz:homs-of-k-flat-are-k-inj}
  1486. \end{satz}
  1487. \begin{proof}
  1488. (i)$\implies$(ii): Sei $\com{I}$ K-injektiv und $\com{S}$ exakt. Dann ist
  1489. \[
  1490. \com{\text{Hom}} (\com{S} , \com{\text{Hom}}(\com{M}, \com{I}))
  1491. \stackrel{\ref{satz:adjunction-hom-tor-comp}}{=}
  1492. \com{\text{Hom}}(\underbrace{\com{S} \otimes_A \com{M}}_{\text{exakt}}, \underbrace{\com{I}}_{\text{K-injektiv}} )
  1493. .\] Weil $\com{M} $ K-flach ist, folgt $\com{S} \otimes_A \com{M} $ exakt, also wegen $\com{I} $ K-injektiv,
  1494. die Behauptung.
  1495. (ii)$\implies$(i): Sei $\com{S} $ azyklisch. $A$-Mod hat genügend Injektive, also genügt es wegen \ref{lemma:0.10} zu
  1496. zeigen, dass für jeden injektiven $A$-Modul $I$, $\com{\text{Hom}}(\com{S} \otimes_A \com{M}, I) $ exakt ist. Dazu
  1497. sei $I$ injektiver $A$-Modul und $\com{I} = [ \cdots \to 0 \to I \to 0 \cdots]$.
  1498. Dann ist nach \ref{satz:single-degree-compl-k-proj} $\com{I} $ K-injektiv und damit
  1499. \[
  1500. \com{\text{Hom}}(\com{S} \otimes_A \com{M}, I) = \com{\text{Hom}}(\com{S} \otimes_A \com{M}, \com{I})
  1501. \stackrel{\ref{satz:adjunction-hom-tor-comp}}{=} \com{\text{Hom}}(\underbrace{\com{S}}_{\text{exakt}}, \underbrace{\com{\text{Hom}}(\com{M}, \com{I})}_{\text{K-injektiv}})
  1502. \] exakt.
  1503. \end{proof}
  1504. \begin{satz}[]
  1505. \begin{enumerate}[(a)]
  1506. \item Falls $\com{M}, \com{N} \in \mathcal{K}$ K-flach sind, dann ist
  1507. auch $\com{A} \otimes_A \com{B} $ K-flach.
  1508. \item $\com{M} \in \mathcal{K}$ ist K-flach genau dann wenn $\com{M}[1]$
  1509. K-flach ist.
  1510. \item Falls zwei Punkte eines ausgezeichneten Dreiecks in $\mathcal{K}$ K-flach
  1511. sind,
  1512. dann auch der dritte.
  1513. \end{enumerate}
  1514. Insbesondere ist die volle Unterkategorie der K-flachen Komplexe in $\mathcal{K}$
  1515. eine triangulierte Unterkategorie.
  1516. \label{satz:k-flat-triangulated}
  1517. \end{satz}
  1518. \begin{proof}
  1519. \begin{enumerate}[(a)]
  1520. \item Seien $\com{M}, \com{N} \in \mathcal{K}$ K-flach und $\com{S} $ exakt. Dann
  1521. ist
  1522. \[
  1523. (\com{M} \otimes_A \com{N}) \otimes \com{S} =
  1524. \com{M} \otimes_A (\com{N} \otimes_A \com{S})
  1525. \] und die rechte Seite ist exakt.
  1526. \item Seien $\com{S}, \com{M} \in \mathcal{K}$.
  1527. Dann sind $- \otimes_A \com{S} $ und $\com{M} \otimes_A -$ nach
  1528. \ref{satz:tor-is-triangulated} ein triangulierter Funktor, also folgt
  1529. \[
  1530. \com{M}[1] \otimes_A \com{S} =
  1531. (\com{M} \otimes_A \com{S})[1]
  1532. = \com{M} \otimes_A \com{S}[1]
  1533. .\] Da Verschieben Exaktheit erhält folgt daraus die Äquivalenz.
  1534. \item Sei $(\com{M}, \com{N}, \com{P}, u, v, w)$ ein ausgezeichnetes Dreieck
  1535. in $\mathcal{K}$ mit $\com{M}$ und $\com{N} $ K-flach. Sei weiter
  1536. $\com{S} $ exakt. Da $- \otimes_A \com{S} $ nach \ref{satz:tor-is-triangulated}
  1537. ein triangulierter Funktor ist, erhalten wir das ausgezeichnete Dreieck
  1538. $(\com{M} \otimes_A \com{S}, \com{N} \otimes_A \com{S}, \com{P} \otimes_A \com{S}, u \otimes \text{id}_{\com{S} }, v \otimes \text{id}_{\com{S} }, w \otimes \text{id}_{\com{S} })$
  1539. und damit für $i \in \Z$ die exakte Folge
  1540. \[
  1541. \begin{tikzcd}
  1542. H^{i}(\com{N} \otimes_A \com{S}) \arrow{r} &
  1543. H^{i}(\com{P} \otimes_A \com{S}) \arrow{r} &
  1544. H^{i+1}(\com{M} \otimes_A \com{S})
  1545. \end{tikzcd}
  1546. .\] Da die äußeren Terme nach Voraussetzung $0$ sind, folgt die
  1547. Exaktheit von $\com{P} \otimes_A \com{S} $ und damit, dass $\com{P} $
  1548. K-flach ist.
  1549. Der allgemeine Fall folgt nun mit \ref{TR2}.
  1550. \end{enumerate}
  1551. \end{proof}
  1552. \begin{satz}[]
  1553. Sei $\com{M} \in \mathcal{K}$ K-projektiv. Dann ist $\com{M} $ K-flach.
  1554. \label{satz:k-proj-is-k-flat}
  1555. \end{satz}
  1556. \begin{proof}
  1557. Sei $\com{M} $ K-projektiv und $\com{S} $ exakt. Sei weiter $\com{I} $ K-injektiv. Dann folgt
  1558. \[
  1559. \com{\text{Hom}} (\com{M} \otimes_A \com{S}, \com{I}) \stackrel{\ref{satz:adjunction-hom-tor-comp}}{=}
  1560. \com{\text{Hom}}(\com{M}, \com{\text{Hom}}(\com{S}, \com{I} )
  1561. .\] Es ist $\com{\text{Hom}}(\com{S}, \com{I})$ exakt, da $\com{I} $ K-injektiv und damit die rechte Seite, da
  1562. $\com{M} $ K-projektiv ist. Also folgt die Behauptung mit \ref{lemma:0.10}.
  1563. \end{proof}
  1564. \begin{satz}[]
  1565. Sei $\com{M} \in \mathcal{K}$ K-flach und exakt. Dann ist $\com{M} \otimes_A \com{N} $ exakt
  1566. für alle $\com{N} \in \mathcal{K}$.
  1567. \label{satz:tor-exact-for-k-flat}
  1568. \end{satz}
  1569. \begin{proof}
  1570. Sei $\com{M} \in \mathcal{K}$ K-flach und exakt und sei $\com{N} \in \mathcal{K}$ beliebig. Dann existiert nach
  1571. \ref{satz:existence-k-proj-resolution} ein $\com{P} \in \mathcal{K}$ K-projektiv und ein Quasiisomorphismus
  1572. $\com{P} \to \com{N} $. Da $\com{M} $ K-flach, ist $\com{M} \otimes_A -$ ein exakter Funktor also folgt
  1573. \begin{equation}
  1574. H^{i}(\com{M} \otimes_A \com{N}) = \com{M} \otimes_A H^{i}(\com{N})
  1575. = \com{M} \otimes_A H^{i}(\com{P})
  1576. = H^{i}(\com{M} \otimes_A \com{P})
  1577. \label{eq:cohom-groups-1}
  1578. .\end{equation}
  1579. Wegen \ref{satz:k-proj-is-k-flat} ist $\com{P} $ K-flach, also folgt mit der Exaktheit von $\com{M} $, dass
  1580. $\com{M} \otimes_A \com{P} $ exakt ist. Damit folgt die Behauptung aus \eqref{eq:cohom-groups-1}.
  1581. \end{proof}
  1582. \begin{satz}[]
  1583. Sei $\com{I} \in \mathcal{K}$ K-injektiv und exakt. Dann ist $\com{\text{Hom}}(\com{M} , \com{I} )$ exakt für alle
  1584. $\com{M} \in \mathcal{K}$.
  1585. \label{satz:hom-exact-for-k-inj}
  1586. \end{satz}
  1587. \begin{proof}
  1588. Sei $\com{M} \in \mathcal{K}$ beliebig. Dann existiert nach
  1589. \ref{satz:existence-k-proj-resolution} ein $\com{P} \in \mathcal{K}$ K-projektiv und ein Quasiisomorphismus
  1590. $\com{P} \to \com{M}$. Da $\com{I} $ K-injektiv, ist $\com{\text{Hom}}(-, \com{I})$ ein exakter Funktor, also
  1591. folgt
  1592. \begin{equation}
  1593. H^{i}(\com{\text{Hom}}(\com{M}, \com{I})) = \com{\text{Hom}}(H^{i}(\com{M}), \com{I})
  1594. = \com{\text{Hom}}(H^{i}(\com{P}), \com{I})
  1595. = H^{i}(\com{\text{Hom}}(\com{P} , \com{I} ))
  1596. \label{eq:cohom-groups-2}
  1597. .\end{equation}
  1598. Da $\com{P} $ K-projektiv und $\com{I} $ exakt, folgt die Exaktheit der rechten Seite und damit die Behauptung.
  1599. \end{proof}
  1600. Umdrehen der Pfeile liefert
  1601. \begin{satz}[]
  1602. Sei $\com{P} \in \mathcal{K}$ K-projektiv und exakt. Dann ist $\com{\text{Hom}}(\com{P} , \com{M} )$ exakt für alle
  1603. $\com{M} \in \mathcal{K}$.
  1604. \label{satz:hom-exact-for-k-proj}
  1605. \end{satz}
  1606. \subsection{Abgeleitete $\com{\text{Hom}}$ Funktoren}
  1607. \begin{satz}[]
  1608. Seien $\com{M}, \com{N} \in \mathcal{D}$. Dann ist $\text{R}\com{\text{Hom}}(\com{M}, \com{N})$ wohldefiniert
  1609. und kann mithilfe einer K-projektiven Auflösung von $\com{M} $ oder einer K-injektiven Auflösung von $\com{N} $
  1610. berechnet werden.
  1611. \label{satz:derived-hom}
  1612. \end{satz}
  1613. \begin{proof}
  1614. In der Notation von \ref{satz:existence-derived-functors} wähle $\mathcal{L}$ als die volle Unterkategorie der
  1615. K-injektiven Komplexe von $\mathcal{K}$. Dann ist für $\com{M} $ beliebig:
  1616. \begin{enumerate}[(i)]
  1617. \item $\mathcal{L}$ ist trianguliert nach \ref{satz:k-proj-triangulated}.
  1618. \item Für alle $\com{N} \in \mathcal{K}$ existiert ein Quasiisomorphismus $\com{N} \to \com{I} $ wegen \ref{satz:existence-k-inj-resolution}
  1619. mit $\com{I} \in \mathcal{L}$.
  1620. \item Nach \ref{satz:hom-exact-for-k-inj} ist $\com{\text{Hom}}(\com{M}, -)|_{\mathcal{L}}$ exakt.
  1621. \end{enumerate}
  1622. Also existiert R$\com{\text{Hom}}(\com{M} , -)$. Analog berechnet sich R$\com{\text{Hom}}(-, \com{N})$ für
  1623. $\com{N} \in \mathcal{K}$ unter Wahl von $\mathcal{L}$
  1624. als die volle Unterkategorie der K-projektiven Komplexe von $\mathcal{K}$. Beide Ableitungen stimmen überein, denn
  1625. für $\com{M}, \com{N} \in \mathcal{K}$ beliebig und $\com{P} \to \com{M} $ und $\com{N} \to \com{I} $ K-projektive
  1626. bzw. K-injektive Auflösungen gilt mit wiederholter Anwendung von \ref{satz:existence-derived-functors} und
  1627. wegen $\com{P} \stackrel{\sim }{=} \com{M} $ und $\com{N} \stackrel{\sim }{=} \com{I} $ in $\mathcal{D}$:
  1628. \begin{align*}
  1629. \text{R}\com{\text{Hom}}(\com{M} , - )(\com{N})
  1630. &= \text{R}\com{\text{Hom}}(\com{P} , -)(\com{I}) \\
  1631. &= \com{\text{Hom}}(\com{P}, \com{I}) \\
  1632. &= \text{R}\com{\text{Hom}}(-, \com{I} )(\com{P}) \\
  1633. &= \text{R}\com{\text{Hom}}(-, \com{N} )(\com{M})
  1634. .\end{align*}
  1635. \end{proof}
  1636. \subsection{Abgeleitetes Tensorprodukt}
  1637. \begin{satz}[]
  1638. Seien $\com{M}, \com{N} \in \mathcal{D}$. Dann ist $\com{M} \otimes_A^{\text{L}} \com{N}$ wohldefiniert und
  1639. kann mithilfe einer K-flachen Auflösung einer der Faktoren berechnet werden.
  1640. \label{satz:derived-tor}
  1641. \end{satz}
  1642. \begin{proof}
  1643. Erneut in der Notation von \ref{satz:existence-derived-functors} wähle $\mathcal{L}$
  1644. als die volle Unterkategorie der K-flachen Komplexe von $\mathcal{K}$. Dann ist
  1645. für $\com{N}$ beliebig:
  1646. \begin{enumerate}[(i)]
  1647. \item $\mathcal{L}$ ist trianguliert nach \ref{satz:k-flat-triangulated}.
  1648. \item Für alle $\com{M} \in \mathcal{K}$ existiert nach
  1649. \ref{satz:existence-k-proj-resolution} und \ref{satz:k-proj-is-k-flat}
  1650. ein Quasiisomorphismus
  1651. $\com{P} \to \com{M}$ mit $\com{P} \in \mathcal{L}$.
  1652. \item Nach \ref{satz:tor-exact-for-k-flat} ist
  1653. $\com{N} \otimes_A -|_{\mathcal{L}}$ exakt.
  1654. \end{enumerate}
  1655. Also existiert $\com{N} \otimes_A^{\text{L}} -$ und analog für
  1656. $- \otimes_A^{L} \com{N}$.
  1657. \end{proof}
  1658. \subsection{Adjunktion}
  1659. Jetzt können wir alles zusammentragen und erhalten:
  1660. \begin{satz}
  1661. Seien $\com{M}, \com{N}, \com{P} \in \mathcal{D}$. Dann existiert ein natürlicher
  1662. Isomorphismus, der funktoriell in allen Variablen ist:
  1663. \[
  1664. \text{R}\com{\text{Hom}}(\com{M} \otimes_A^{\text{L}} \com{N}, \com{P})
  1665. = \text{R}\com{\text{Hom}}(\com{M}, \text{R}\com{\text{Hom}}(\com{N}, \com{P}))
  1666. .\]
  1667. \label{satz:adjunction-rhom-rtor}
  1668. \end{satz}
  1669. \begin{proof}
  1670. Nach \ref{satz:derived-hom} und \ref{satz:derived-tor} sind alle Terme wohldefiniert
  1671. und wir können mit \ref{satz:existence-k-proj-resolution} und
  1672. \ref{satz:k-proj-is-k-flat} ohne Einschränkung annehmen, dass $\com{N} $ K-flach ist,
  1673. und mit \ref{satz:existence-k-inj-resolution}, dass $\com{P} $ K-injektiv ist.
  1674. Dann folgt
  1675. \begin{align*}
  1676. \text{R}\com{\text{Hom}}(\com{M} \otimes_A^{\text{L}} \com{N}, \com{P})
  1677. &= \text{R}\com{\text{Hom}}(\com{M} \otimes_A \com{N}, \com{P}) \\
  1678. &= \com{\text{Hom}}(\com{M} \otimes_A \com{N}, \com{P} ) \\
  1679. &\stackrel{\ref{satz:adjunction-hom-tor-comp}}{=}
  1680. \com{\text{Hom}}(\com{M}, \com{\text{Hom}}(\com{N}, \com{P})) \\
  1681. &= \text{R}\com{\text{Hom}}(\com{M}, \com{\text{Hom}}(\com{N}, \com{P})) \\
  1682. &= \text{R}\com{\text{Hom}}(\com{M}, \text{R}\com{\text{Hom}}(\com{N}, \com{P}))
  1683. .\end{align*}
  1684. Das letzte Gleichheitszeichen gilt, weil nach \ref{satz:homs-of-k-flat-are-k-inj}
  1685. $\com{\text{Hom}}(\com{N}, \com{P})$ K-injektiv ist.
  1686. \end{proof}
  1687. \begin{korollar}[]
  1688. Seien $\com{M}, \com{N}, \com{P} \in \mathcal{D}$. Dann existiert ein natürlicher
  1689. Isomorphismus, der funktoriell in allen Variablen ist:
  1690. \[
  1691. \text{Mor}_{\mathcal{D}}(\com{M} \otimes_A^{\text{L}} \com{N}, \com{P})
  1692. = \text{Mor}_{\mathcal{D}}(\com{M}, \text{R}\com{\text{Hom}}(\com{N} , \com{P} )
  1693. .\] Insbesondere gilt folgende Funktoradjunktion in $\mathcal{D}$:
  1694. \[
  1695. - \otimes_A^{\text{L}} N \dashv \text{R}\com{\text{Hom}}(\com{N}, -)
  1696. .\]
  1697. \end{korollar}
  1698. \begin{proof}
  1699. Wir können wieder annehmen, dass $\com{N}$ K-flach und $\com{P} $ K-injektiv ist.
  1700. Dann betrachte:
  1701. \begin{salign*}
  1702. \text{Mor}_{\mathcal{D}}(\com{M} \otimes_A^{\text{L}} \com{N}, \com{P})
  1703. &\stackrel{\ref{satz:mork=mord-for-k-inj}}{=}
  1704. \text{Mor}_{\mathcal{K}}(\com{M} \otimes_A^{\text{L}} \com{N}, \com{P}) \\
  1705. &\stackrel{\ref{hom-compl-cohomgroups}}{=}
  1706. H^{0}\com{\text{Hom}}(\com{M} \otimes_A^{\text{L}} \com{N}, \com{P}) \\
  1707. &= H^{0}\com{\text{Hom}}(\com{M} \otimes_A \com{N}, \com{P}) \\
  1708. &\stackrel{\ref{satz:adjunction-hom-tor-comp}}{=}
  1709. H^{0}\com{\text{Hom}}(\com{M}, \com{\text{Hom}}(\com{N}, \com{P})) \\
  1710. &\stackrel{\ref{hom-compl-cohomgroups}}{=}
  1711. \text{Mor}_{\mathcal{K}}(\com{M}, \com{\text{Hom}}(\com{N}, \com{P})) \\
  1712. &\stackrel{\ref{satz:mork=mord-for-k-inj}}{=}
  1713. \text{Mor}_{\mathcal{D}}(\com{M}, \com{\text{Hom}}(\com{N}, \com{P})) \\
  1714. &= \text{Mor}_{\mathcal{D}}(\com{M}, \text{R}\com{\text{Hom}}(\com{N}, \com{P}))
  1715. .\end{salign*}
  1716. Das letzte Gleichheitszeichen gilt erneut, weil nach \ref{satz:homs-of-k-flat-are-k-inj}
  1717. $\com{\text{Hom}}(\com{N}, \com{P})$ K-injektiv ist.
  1718. \end{proof}
  1719. % TODO: zitate richtig machen
  1720. \begin{thebibliography}{9}
  1721. \bibitem{hartshorne}
  1722. Robin Hartshorne. Residues and duality. \emph{Lecture Notes in Math.}. 20, Springer-Verlag (1966)
  1723. \bibitem{spaltenstein}
  1724. N. Spaltenstein. Resolutions of unbounded complexes. \emph{Composito Mathematica 65}. (1988)
  1725. \end{thebibliography}
  1726. \end{document}