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782 行
33KB

  1. \documentclass{../../lecture}
  2. \usepackage[]{tikz-cd}
  3. \begin{document}
  4. \stepcounter{section}
  5. \section{p-adische Zahlen}
  6. \subsection{Der Ring $\Z_p$ und sein Quotientenkörper $\Q_p$}
  7. Sei $p \in \N$ eine im Folgenden fest gewählte Primzahl.
  8. Genauso wie eine natürliche Zahl $m \in \N$ bezüglich der Basis $10$ dargestellt werden kann,
  9. ist das auch bezüglich der Basis $p$ möglich. Jede natürliche Zahl besitzt also eine
  10. $p$-adische Entwicklung der Form
  11. \[
  12. m = a_0 + a_1 p + \ldots + a_n p^{n}
  13. \] wobei die Koeffizienten $a_i$ in $\{0, 1, \ldots, p-1\} $ liegen. Die Darstellung ist damit eindeutig.
  14. \begin{bsp}[]
  15. Diese Darstellung finden wir durch sukzessives Dividieren mit Rest. Für $n = 216$ erhalten
  16. wir für $p = 5$
  17. \begin{salign*}
  18. 216 &= 1 + 5 \cdot 43 \\
  19. 43 &= 3 + 5 \cdot 8 \\
  20. 8 &= 3 + 5 \cdot 1 \\
  21. 1 &= 1
  22. \intertext{Also insgesamt}
  23. 216 &= 1 + 3 \cdot 5 + 3 \cdot 5^2 + 1 \cdot 5^3
  24. .\end{salign*}
  25. \end{bsp}
  26. Um nun auch negative und sogar gebrochene Zahlen darstellen zu können, gehen wir zu unendlichen
  27. Reihen über:
  28. \begin{definition}[Ganze $p$-adische Zahlen]
  29. Eine ganze $p$-adische Zahl ist eine formale unendliche Reihe
  30. \[
  31. \sum_{i=0}^{\infty} a_i p^{i} = a_0 + a_1 p + a_2 p^2 + \ldots
  32. \] mit $0 \le a_i < p$ für $i \in \N_0$. Die Menge dieser formalen Reihen
  33. wird mit $\Z_p$ bezeichnet.
  34. \end{definition}
  35. \begin{bem}[]
  36. $\sum_{i=0}^{\infty} a_i p^{i}$ ist rein formal gemeint, d.h. bezeichnet einfach
  37. die Folge der Partialsummen
  38. \[
  39. s_n = \sum_{i=0}^{n-1} a_i p^{i} \in \Z, \quad n \in \N
  40. .\]
  41. \end{bem}
  42. Womit können wir jetzt die ganzen Zahlen $\Z$ in den $p$-adischen Zahlen $\Z_p$ identifizieren?
  43. Wie kann
  44. also beispielsweise $-1$ in $\Z_p$ dargestellt werden?
  45. Dazu stellen wir folgendes fest
  46. \begin{lemma}
  47. Sei $a \in \Z$.
  48. Die Restklasse $a \; \text{mod } p^{n} \in \Z / p^{n} \Z$ wird in eindeutiger
  49. Darstellung durch
  50. \[
  51. a \equiv a_0 + a_1 p + a_2 p^2 + \ldots + a_{n-1} p^{n-1} \; (\text{mod } p^{n})
  52. \] gegeben, wobei $0 \le a_i < p$ für $i \in \{0, \ldots, n-1\} $.
  53. \label{le-eind-rest}
  54. \end{lemma}
  55. \begin{proof}
  56. Per Induktion. Für $n = 1$ ist offenbar $a \equiv a_0 \; (\text{mod } p) $ mit $0 \le a_0 < p$.
  57. Sei nun die Behauptung für $n-1$ gezeigt. Dann ex. eine eindeutige Darstellung
  58. \begin{salign*}
  59. a &\equiv a_0 + a_1 p + a_2 p^2 + \ldots + a_{n-2} p^{n-2} \; (\text{mod } p^{n-1})
  60. \intertext{Also}
  61. a &= a_0 + a_1 p + a_2 p^2 + \ldots + a_{n-2} p^{n-2} + g p^{n-1}
  62. \intertext{
  63. für ein $g \in \Z$. Sei $0 \le a_{n-1} < p$, s.d. $g \equiv a_{n-1} \; (\text{mod } p) $, also
  64. $g = a_{n-1} + h p$ für $h \in \Z$. $a_{n-1}$ ist also eindeutig durch $a$ bestimmt und es
  65. folgt
  66. }
  67. a &= a_0 + \ldots + a_{n-2} p^{n-2} + a_{n-1} p^{n-1} + h p^{n}
  68. \end{salign*}
  69. \end{proof}
  70. Jede ganze Zahl $a$ definiert nun eine Folge von Restklassen $\overline{s_n} = \overline{a} \in \Z / p^{n} \Z$
  71. für $n \in \N$, die nach \ref{le-eind-rest} von der Gestalt
  72. \begin{salign*}
  73. s_1 &\equiv a_0 \; (\text{mod } p) \\
  74. s_2 &\equiv a_0 + a_1p \; (\text{mod } p^2) \\
  75. &\;\;\vdots
  76. \end{salign*}
  77. sind mit eindeutig bestimmten Koeffizienten $a_0, a_1, \ldots \in \{0, \ldots, p-1\} $. Die Zahlenfolge
  78. \[
  79. s_n = a_0 + a_1 p + a_2 p^2 + \ldots + a_{n-1} p^{n-1}
  80. \] definiert nun eine ganze $p$-adische Zahl $\sum_{i=0}^{\infty} a_i p^{i} \in \Z_p$, die
  81. wir die $p$-adische Entwicklung von $a$ nennen.
  82. \begin{bsp}
  83. Was ist jetzt die $p$-adische Entwicklung von $-1$? Es ist
  84. \begin{salign*}
  85. -1 &= (p-1) + (p-1)p + \ldots + (p-1)p^{n-1} - p^{n} \\
  86. \text{also }-1 &\equiv (p-1) + (p-1)p + \ldots + (p-1)p^{n-1} \; (\text{mod } p^{n})
  87. .\end{salign*}
  88. Es ist also $-1 = (p-1) + (p-1)p + (p-1)p^2 + \ldots \in \Z_p$ die $p$-adische Entwicklung von $-1$.
  89. \label{bsp-minus1}
  90. \end{bsp}
  91. Um $\Z_p$ eine algebraische Struktur zu geben, könnten wir mit diesen Reihen mit Überträgen
  92. rechnen, so wie wir es von der Basis $10$ gewohnt sind. Einfacher wird es jedoch, wenn wir
  93. eine ganze $p$-adische Zahl $x = \sum_{i=0}^{\infty} a_i p^{i}$ mit
  94. der Folge der Restklassen $\overline{s_n} \in \Z / p^{n} \Z$ der Partialsummen identifizieren.
  95. Dazu benötigen wir noch eine Vorüberlegung und einige Begriffe.
  96. \begin{definition}
  97. Ein projektives System ist
  98. eine Folge von Mengen $(D_n)_{n \in \N}$ und eine Folge
  99. von Abbildungen $(p_n)_{n \in \N}$ mit $p_{n}\colon D_{n+1} \to D_n$
  100. \[
  101. D_1 \xleftarrow{p_1} D_2 \leftarrow \ldots \leftarrow D_{n} \xleftarrow{p_{n}} D_{n+1} \leftarrow \ldots
  102. .\]
  103. Die Teilmenge
  104. \[
  105. D = \varprojlim \; (D_n, p_n) =
  106. \left\{ (a_n)_{n \in \N} \in \prod_{n=1}^{\infty} D_n \mid p_n(a_{n+1}) = a_n \forall n \in \N \right\}
  107. \] heißt projektiver Limes des Systems.
  108. \end{definition}
  109. \begin{bem}[]
  110. Falls die $D_n$ Ringe und die $p_n$ Ringhomomorphismen sind, wird
  111. $\varprojlim \; (D_n, p_n)$ zum Teilring des Produktrings $\prod_{n=1}^{\infty} D_n $
  112. (leicht nachzurechnen).
  113. \end{bem}
  114. Setze im Folgenden $A_n \coloneqq \Z / p^{n} \Z$. Dann erhalten wir für $n \in \N$ einen
  115. kanonischen Homomorphismus
  116. \begin{salign*}
  117. \phi_{n}\colon A_{n+1} &\to A_n \\
  118. \overline{a} &\mapsto \overline{a}
  119. .\end{salign*}
  120. \begin{satz}
  121. Ordnet man jeder ganzen $p$-adischen Zahl
  122. \[
  123. x = \sum_{i=0}^{\infty} a_i p^{i}
  124. \] die Folge $(\overline{s}_n)_{n \in \N}$ der Restklassen
  125. \[
  126. \overline{s}_n = \sum_{i=0}^{n-1} a_i p^{i} \; (\text{mod } p^{n}) \in A_n
  127. \] zu, so erhält man eine Bijektion
  128. \[
  129. \Z_p \xrightarrow{\sim} \varprojlim \; (A_n, \phi_n)
  130. .\]
  131. \end{satz}
  132. \begin{proof}
  133. Die Zuordnung ist wohldefiniert, da
  134. \[
  135. s_{n+1} = a_0 + a_1 p + \ldots + a_{n} p^{n}
  136. \equiv a_0 + a_1 p + \ldots + a_{n-1} p^{n-1} \; (\text{mod } p^{n})
  137. = s_n
  138. .\] Die Bijektivität folgt direkt aus \ref{le-eind-rest}
  139. \end{proof}
  140. \begin{bem}[]
  141. Die Koeffizienten der $p$-adischen Entwicklung von $a \in \Z$ ergeben sich durch die Kongruenzen
  142. \[
  143. a \equiv a_0 + a_1 p + \ldots + a_{n-1} p^{n-1} \; (\text{mod } p^{n})
  144. \] mit $0 \le a_i < p$. Bei der Identifizierung $\Z_p = \varprojlim \; (A_n, \phi_n)$ geht
  145. $a \in \Z$ daher über in
  146. \[
  147. (a \; \text{mod } p, a \; \text{mod } p^2, a \; \text{mod } p^{3} , \ldots ) \in
  148. \prod_{n=1}^{\infty} A_n
  149. .\]
  150. $\Z$ wird so zum Teilring von $\varprojlim \; (A_n, \phi_n)$.
  151. \label{bem-z-ident}
  152. \end{bem}
  153. \begin{bsp}[$\ref{bsp-minus1}$ fortgesetzt]
  154. Mit \ref{bem-z-ident} folgt also
  155. \[
  156. -1 = (p-1, p^2-1, p^{3}-1, \ldots) \in \varprojlim \; (A_n, \phi_n)
  157. .\]
  158. \end{bsp}
  159. Wir identifizieren nun im Folgenden stets $\Z_p = \varprojlim \; (A_n, \phi_n)$. $\pi_n$ bezeichne
  160. den kanonischen Projektionshomomorphismus $\pi_n\colon \Z_p \to A_n$.
  161. \begin{bem}
  162. \begin{enumerate}
  163. \item Per Definition ist $x \in \Z_p$ also ein Element $x \in \prod_{n=1}^{\infty} \Z / p^{n}\Z $
  164. mit der ,,Kompatibilitätsbedingung'':
  165. \[
  166. x_{n+1} \equiv x_n \text{ (mod } p^{n})
  167. .\]
  168. \item $\Z_p$ erbt als Teilring nun also die komponentenweise Addition
  169. und Multiplikation des Produktrings
  170. $\prod_{n=1}^{\infty} A_n $, d.h. für $(a_n)_{n \in \N}, (b_n)_{n \in \N} \in \Z_p$ gilt
  171. \[
  172. (a_n)_{n \in \N} + (b_n)_{n \in \N} = (a_n + b_n)_{n \in \N}
  173. \quad
  174. (a_n)_{n \in \N} \cdot (b_n)_{n \in \N} = (a_n \cdot b_n)_{n \in \N}
  175. .\]
  176. \item Versieht man $A_n$ mit der diskreten Topologie (d.h. alle Teilmengen sind offen)
  177. und $\prod_{n=1}^{\infty} A_n $ mit der Produkttopologie (die von den Urbildern der
  178. kanonischen Projektionen $\pi_n$ erzeugt wird), wird $\Z_p$ zu einem
  179. topologischen Ring.
  180. \end{enumerate}
  181. \end{bem}
  182. \begin{satz}[von Tychonoff]
  183. Ist $(X_i)_{i \in I}$ eine Familie kompakter topologischer Räume, dann ist
  184. auch das kartesische Produkt $\prod_{i \in I}^{} X_i $ kompakt bezüglich der
  185. Produkttopologie.
  186. \label{satz-tycho}
  187. \end{satz}
  188. \begin{proof}
  189. Der Satz ist äquivalent zum Auswahlaxiom. Ein Beweis findet sich beispielsweise
  190. in Klaus Jänich: \textit{Topologie}.
  191. \end{proof}
  192. \begin{korollar}[]
  193. $\Z_p$ ist kompakt. \label{kor-compact}
  194. \end{korollar}
  195. \begin{proof}
  196. Nach \ref{satz-tycho} ist $\prod_{n=1}^{\infty} A_n $ kompakt. Außerdem ist
  197. \[
  198. \Z_p = \bigcap_{n \in \N}
  199. \left\{ x \in \prod_{n=1}^{\infty} A_n \mid \phi_{n}(\pi_{n+1}(x)) = \pi_n(x)\right\}
  200. = \bigcap_{n \in \N} f_n^{-1}(\{0\})
  201. \] mit $f_n \colon \prod_{n=1}^{\infty} A_n \to A_n, x \mapsto \phi_{n}(\pi_{n+1}(x)) - \pi_n(x)$.
  202. Es ist $f_n$ stetig, da $\pi_n$ per Definition der Produkttopologie und $\phi_n$ als
  203. Abbildung zwischen diskreten Räumen stetig sind. Da $\{0\} \subseteq A_n$ abgeschlossen, folgt
  204. die Behauptung.
  205. \end{proof}
  206. \begin{lemma}
  207. Es ist $\pi_n$ surjektiv und $\text{ker } \pi_n = p^{n} \Z_p$ $\forall n \in \N$.
  208. Insbesondere gilt
  209. \[
  210. \Z_p / p^{n} \Z_p \stackrel{\sim }{=} \Z / p^{n} \Z = A_n
  211. .\]
  212. \label{le-kanproj}
  213. \end{lemma}
  214. \begin{proof}
  215. Die Surjektivität ist klar. Z.z.: $\text{ker } \pi_n = p^{n} \Z_p$. Sei dazu $x \in \Z_p$.
  216. Dann ist $p^{n} x_n \equiv 0 \; (\text{mod } p^n)$. Also $\pi_n(p^n x) = 0$. Damit
  217. $p^{n} \Z_p \subseteq \text{ker } \pi_n$.
  218. Sei nun $x = (x_m)_{m \in \N} \in \text{ker } \pi_n$
  219. und $m \ge n$.
  220. Wegen Kompatibilität folgt
  221. \[
  222. x_m \equiv x_n \; (\text{mod } p^{n}) \equiv 0 \; (\text{mod } p^{n})
  223. .\] Also folgt $x_m \in p^{n} A_m$. Betrachte nun
  224. \begin{salign*}
  225. \Psi_m\colon \Z &\to p^{n} \Z / p^{m} \Z = p^{n}A_m\\
  226. a &\mapsto \overline{p^{n} a}
  227. .\end{salign*}
  228. Es ist $\Psi_m$ Gruppenhomomorphismus, denn für $a, b \in \Z$ ist
  229. \[
  230. \Psi_m(a + b) = \overline{p^{n}(a+b)} = \overline{p^{n}a + p^{n}b} = \Psi_m(a) + \Psi_m(b)
  231. .\]
  232. Außerdem ist $\Psi_m$ offensichtlich surjektiv. Weiter gilt für $a \in \Z$:
  233. \[
  234. a \in \text{ker } \Psi_m \iff p^{n} a \equiv 0 \; (\text{mod } p^{m}) \iff p^{m} \mid p^{n} a
  235. \iff a = p^{m-n}b \text{ für ein } b \in \Z
  236. .\] Damit folgt $\text{ker } \Psi_m = p^{m-n} \Z$.
  237. Also liefert der Homomorphiesatz einen Gruppenisomorphismus
  238. \begin{salign*}
  239. \psi_m \colon A_{m-n} &\to p^{n}A_m \\
  240. \overline{a} &\mapsto \overline{p^{n}a}
  241. .\end{salign*}
  242. Für $m > n$ setze nun $y_{m-n} \coloneqq \psi_m^{-1}(x_m)$ und $y \coloneqq (y_{i})_{i \in \N}
  243. \in \prod_{k=1}^{\infty} A_k $. Es
  244. gilt also
  245. \[
  246. x_m = \psi_m(y_{m-n}) \equiv p^{n} y_{m-n} \; (\text{mod } p^{m})
  247. .\]
  248. Es bleibt zu zeigen, dass $p^{n}y = x$ und $y \in \Z_p$.
  249. \begin{itemize}
  250. \item Z.z.: $x = p^{n} y$. Für $m \le n$ ist $x_m = 0 = p^{n} y_m$. Für $m > n$ ist wegen Kompatibilität
  251. \[
  252. p^{n} y_m = p^{n} y_{m+n-n} \equiv x_{m+n} \; (\text{mod } p^{m+1}) \equiv x_m \; (\text{mod } p^{m})
  253. .\]
  254. Insgesamt folgt also $x = p^{n}y$.
  255. \item Z.z.: $y \in \Z_p$. Dazu betrachte
  256. \[\begin{tikzcd}
  257. A_{m+1-n}\arrow{r}{\psi_{m+1}} \arrow[swap]{d}{\phi_{m-n}} & p^{n}A_{m+1} \arrow{d}{\phi_{m}} \\
  258. A_{m-n} \arrow{r}{\psi_{m}} & p^{n}A_m
  259. \end{tikzcd}
  260. \]
  261. Dieses Diagramm kommutiert, denn für $\overline{a} \in A_{m+1-n}$ gilt
  262. \[
  263. \psi_m(\phi_{m-n}(\overline{a})) = \psi_m(\overline{a}) = \overline{p^{n}a}
  264. = \phi_{m}(\overline{p^{n}a}) = \phi_{m}(\psi_{m+1}(\overline{a}))
  265. .\] Also ist $\psi_m \circ \phi_{m-n} = \phi_{m} \circ \psi_{m+1}$. Und damit auch
  266. $\phi_{m-n} \circ \psi_{m+1}^{-1} = \psi_{m}^{-1} \circ \phi_{m}$ $(*)$. Also
  267. folgt damit
  268. \begin{salign*}
  269. \phi_{m-n}(y_{m+1-n}) &= \phi_{m-n}(\psi^{-1}_{m+1}(x_{m+1})) \\
  270. &\stackrel{(*)}{=} \psi_{m}^{-1}(\phi_{m}(x_{m+1})) \\
  271. &\stackrel{\text{Komp.}}{=} \psi_{m}^{-1}(x_m) \\
  272. &= y_{m-n}
  273. .\end{salign*}
  274. Und damit $y \in \Z_p$.
  275. \end{itemize}
  276. Insgesamt folgt also $\text{ker } \pi_n = p^{n}\Z_p$. Die Isomorphie folgt jetzt direkt aus
  277. dem Homomorphiesatz.
  278. \end{proof}
  279. \begin{lemma}[]
  280. Für $u \in \Z_p$ sind äquivalent
  281. \begin{enumerate}[(i)]
  282. \item $u \in \Z_p^{\times }$
  283. \item $p \nmid u$
  284. \item $0 \neq u_1 \in \Z / p \Z$
  285. \end{enumerate}
  286. \end{lemma}
  287. \begin{proof}
  288. (ii)$\iff$(iii) ist klar wegen Kompatibilität. b.z.z. (i) $\iff$ (ii). Sei dazu
  289. $u = (\overline{u_n})_{n\in \N} \in \Z_p^{\times }$.
  290. Dann $\exists v = (\overline{v_n})_{n \in \N} \in \Z_p$
  291. mit $uv = 1$ insb. $\overline{u_1 v_1} \equiv 1 \; (\text{mod } p) $ also
  292. insbesondere $p \nmid u_1 \implies \overline{u_1} \neq 0$.
  293. Sei umgekehrt $\overline{u_1} \neq 0$. Wegen Kompatibilität folgt damit $p \nmid u_n$ $\forall n \in \N$, denn
  294. ang. $p \mid u_n$ für ein $n \in \N$. Dann folgt
  295. \[
  296. 0 \equiv u_n \; (\text{mod } p) \equiv u_1 \; (\text{mod } p) \quad \contr
  297. .\]
  298. Da $p$ prim folgt insbesondere $(p^{n}, u_n) = 1$. Also ex. nach euklid. Alg. $a, b \in \Z$, s.d.
  299. $1 = a p^{n} + b u_n$, also $1 = \overline{bu_n}$ mit $\overline{b} \in A_n$. Also
  300. $\overline{u_n} \in A_n^{\times }$ und damit
  301. $v \coloneqq (\ldots \overline{u_n}^{-1}, \overline{u_{n-1}}^{-1}, \ldots, \overline{u_1}^{-1}) = u^{-1}
  302. \in \Z_p$.
  303. \end{proof}
  304. \begin{lemma}[]
  305. Für $x \in \Z_p \setminus \{0\} $ ex. $n \in \N_0$ und $u \in \Z_p^{\times }$, s.d.
  306. \[
  307. x = p^{n} u
  308. .\] Diese Darstellung ist eindeutig.
  309. \label{le-decomp}
  310. \end{lemma}
  311. \begin{proof}
  312. \begin{enumerate}[(i)]
  313. \item Existenz:
  314. Sei $x \in \Z_p \setminus \{0\} $. Da $x \neq 0$ ex. wegen Kompatibilität ein
  315. $n \in \N_0$ maximal, s.d.
  316. $x_n = \pi_n(x) = 0$. Also ist $x \in \text{ker } \pi_n$, insbesondere ex. nach
  317. \ref{le-kanproj} ein $u \in \Z_p$ mit $x = p^{n}u$. Ang.: $p \mid u$, dann
  318. ist $\pi_1(u) = 0$ also ex. wieder nach \ref{le-kanproj} ein $v \in \Z_p$ mit $u = pv$. Dann
  319. ist aber
  320. \[
  321. \pi_{n+1}(x) = \pi_{n+1}(p^{n}u) = \pi_{n+1}(p^{n+1}v) = 0
  322. .\] Widerspruch zur Maximalität von $n$.
  323. \item Eindeutigkeit: Sei $x = p^{n} u = p^{m} v$ mit $u, v \in \Z_p^{\times }$ und $n, m \in \N_0$.
  324. Sei o.E. $n \ge m$. Es ist $\pi_n(x) = \pi_n(p^{n}) \pi_n(u) = 0$ also
  325. auch $0 = \pi_n(x) = \pi_n(p^{m}) \pi_{n}(v)$. Da $v \in \Z_p^{\times }$ ist
  326. $\pi_n(v) \in A_n^{\times}$, also kein Nullteiler. Also folgt
  327. $\pi_n(p^{m}) = 0$ und damit $p^{m} \equiv 0 \; (\text{mod } p^{n}) $, also
  328. $m \ge n$. Insgesamt also $m = n$.
  329. Nun gilt weiter $x = p^{n} u = p^{n} v$, also $p^{n}(u-v) = 0$. Ang. $u-v \neq 0$. Dann
  330. ist nach (i) $u - v = p^{k} w$ mit $k \in \N_0$ und $w \in \Z_p^{\times }$. Also
  331. $0 = p^{n}(u-v) = p^{n+k} w$. Da $w \in \Z_p^{\times }$ also kein Nullteiler, folgt
  332. $0 = p^{n+k} \in \Z$ $\contr$.
  333. \end{enumerate}
  334. \end{proof}
  335. \begin{definition}[$p$-Bewertung]
  336. Für $x \in \Z_p \setminus \{0\} $ sei $x = p^{n} u$ mit $u \in \Z_p^{\times }$. Dann setze
  337. \[
  338. v_p(x) \coloneqq n
  339. \] und setze $v_p(0) \coloneqq \infty$. $v_p(x)$ heißt die $p$-Bewertung von $x$.
  340. \end{definition}
  341. \begin{bem}[]
  342. Wegen \ref{le-decomp} ist die $p$-Bewertung wohldefiniert.
  343. Per Konvention setze $n + \infty = \infty$ und $\infty > n$ für $n \in \N_0$.
  344. \end{bem}
  345. \begin{lemma}[Eigenschaften der $p$-Bewertung]
  346. Für $x, y \in \Z_p$ gilt
  347. \[
  348. v_p(xy) = v_p(x) + v_p(y), \quad v_p(x+y) \ge \min (v_p(x), v_p(y))
  349. .\]
  350. \end{lemma}
  351. \begin{proof}
  352. Falls $x = 0$ oder $y = 0$, dann trivial. Seien also $x, y \neq 0$ und
  353. sei $x = p^{n}u$, $y = p^{m}v$ mit $u, v \in \Z_p^{\times }$ und $n, m \in \N_0$. Dann folgt
  354. \[
  355. xy = p^{n} u p^{n} v = p^{n+m} \underbrace{uv}_{\Z_p^{\times}}
  356. .\] Also $v_p(xy) = n + m = v_p(x) + v_p(y)$. Sei nun o.E. $n \ge m$. Dann folgt
  357. \[
  358. x + y = p^{n} u + p^{m} v = p^{m} (p^{n-m} u + v)
  359. .\] Also folgt $v_p(x+y) \ge m = \min(v_p(x), v_p(y))$.
  360. \end{proof}
  361. \begin{korollar}[]
  362. $\Z_p$ ist nullteilerfrei.
  363. \end{korollar}
  364. \begin{proof}
  365. Seien $x, y \in \Z_p$ mit $xy = 0$. Dann folgt
  366. \[
  367. \infty = v_p(0) = v_p(xy) = v_p(x) + v_p(y)
  368. .\] Also $v_p(x) = \infty$ oder $v_p(y) = \infty$, also $x = 0$ oder $y = 0$.
  369. \end{proof}
  370. \begin{lemma}[Topologie auf $\Z_p$]
  371. Die Topologie auf $\Z_p$ wird induziert durch die Metrik
  372. \[
  373. d(x, y) = \exp(-v_p(x-y))
  374. .\] $\Z_p$ ist vollständig und $\Z$ ist dicht in $\Z_p$.
  375. \end{lemma}
  376. \begin{bem}[Bälle]
  377. Es sei im Folgenden stets
  378. \[
  379. B(x, r) = \{ y \in \Z_p \mid d(x,y) < r \} \text{ und }
  380. \overline{B(x,r)} = \{y \in \Z_p \mid d(x,y) \le r\}
  381. .\] Da $d(x,y) \in \{ \exp(n) \mid n \in \Z\}$ gilt
  382. \[
  383. \overline{B(x, e^{-n})} = \{ y \in \Z_p \mid v_p(x-y) \ge n\}
  384. = \{ y \in \Z_p \mid v_p(x-y) > n-1\} = B(x, e^{-(n-1)})
  385. .\]
  386. \end{bem}
  387. \begin{proof}[Beweis des Lemmas (Skizze)]
  388. $d(\cdot , \cdot )$ ist eine Metrik (nachrechnen).
  389. Sei nun
  390. \[
  391. S \coloneqq \{ \pi_n^{-1}(B) \mid B \subseteq A_n, n \in \N\}
  392. .\]
  393. Die offenen Mengen von $\Z_p$ bezüglich der Produkttopologie sind dann per Definition
  394. gegeben als $\langle S \rangle$, wobei mit $\langle \ldots \rangle$ die durch
  395. endliche Schnitte und beliebige Vereinigungen erzeugten Mengen gemeint sind.
  396. Für $D \in S$ ist $D = \pi_n^{-1}(B) = (A_1, \ldots, A_{n-1}, B, A_{n+1}, \ldots) \subseteq \Z_p$
  397. wobei $B \subseteq A_n$ für ein $n \in \N$. Für $U \in \langle S \rangle$ ist dann
  398. $U = (B_1, \ldots, B_n, A_{n+1}, \ldots)$ mit $B_n \subsetneq A_n$ für $n \in \N_0$.
  399. Sei nun $0 \in U$. Dann ist $p^{n} \Z_p \subseteq U$.
  400. Für beliebiges $V \subseteq \Z_p$ offen
  401. ex. nun für $v \in V$ ein $n_v \in \N_0$, s.d. $v + p^{n_v} \Z_p \subseteq V$. Also folgt
  402. \[
  403. V = \bigcup_{v \in V} (v + p^{n_v} \Z_p)
  404. .\]
  405. Nun ist aber
  406. \begin{salign*}
  407. v + p^{n} \Z_p &= \{ v + a \mid a \in p^{n} \Z_p\} \\
  408. &= \{ x \in \Z_p \mid v_p(v - x) \ge n \} \\
  409. &= \{ x \in \Z_p \mid \exp(-v_p(v-x)) \le \exp(-n) \} \\
  410. &= \{ x \in \Z_p \mid d(v, x) < e^{-(n-1)}\} \\
  411. &= B(v; e^{-(n-1)})
  412. .\end{salign*}
  413. Also folgt
  414. \[
  415. V = \bigcup_{v \in V} B(v; e^{-(n-1)})
  416. \] also $V$ auch offen bezüglich $d(\cdot, \cdot )$. Umgekehrt
  417. sei $U$ offen bezüglich $d(\cdot , \cdot )$. Dann ist
  418. $U$ Vereinigung von offenen (bezüglich $d(\cdot , \cdot )$) Bällen.
  419. Da $p^{n} \Z_p = \pi_n^{-1}(\{0\})$, sind diese auch offen bezüglich der Produkttopologie.
  420. Z.z.: $\Z_p$ vollständig. Da $\Z_p$ nach \ref{kor-compact}
  421. kompakt ist, hat jede Folge in $\Z_p$ eine konvergente Teilfolge. Insbesondere hat
  422. also jede Cauchy-Folge eine konvergente Teilfolge und damit konvergiert jede Cauchy-Folge
  423. in $\Z_p$.
  424. Z.z.: $\Z$ dicht in $\Z_p$. Sei $x = (x_n)_{n \in \N} \in \Z_p$. Setze $y_n \in \Z$, s.d.
  425. $y_n \equiv x_n \; (\text{mod } p^{n}) $. Dann ist für $n \in \N$ fest,
  426. $y_n \equiv x_m \; (\text{mod } p^{m}) $ $\forall m \le n$, also
  427. $v_p(y_n - x) \ge n$. Also
  428. \[
  429. d(y_n, x) = \exp(-v_p(y_n - x)) \le \exp(-n) \xrightarrow{n \to \infty} 0
  430. .\]
  431. \end{proof}
  432. \begin{definition}
  433. Der Quotientenkörper der ganzen $p$-adischen Zahlen $\Z_p$
  434. heißt Körper der $p$-adischen Zahlen
  435. \[
  436. \Q_p \coloneqq Q(\Z_p)
  437. .\]
  438. \end{definition}
  439. \begin{bem}
  440. \begin{enumerate}[]
  441. \item Ein Element $x = \frac{a}{b} \in \Q_p^{\times}$ mit $a, b \in \Z_p$, $b \neq 0$
  442. kann eindeutig als $x = p^{r}w$ mit $r \in \Z$ und $w \in \Z_p^{\times }$ dargestellt werden,
  443. denn nach \ref{le-decomp} ist
  444. \[
  445. x = \frac{a}{b} = \frac{p^{n}u}{p^{m}v} = p^{n-m} \underbrace{u v^{-1}}_{\in \Z_p^{\times }}
  446. .\]
  447. Damit setzt sich die Definition von $v_p$ auf $\Q_p$ fort. Es gilt
  448. $v_p(x) \ge 0 \iff x \in \Z_p$.
  449. \item Nach (1) ist also $\Q_p = \Z_p[p^{-1}]$.
  450. \end{enumerate}
  451. \end{bem}
  452. \begin{lemma}[Topologie auf $\Q_p$]
  453. $\Q_p$ mit der von $\Z_p$ geerbten Metrik $d(x,y) = \exp(-v_p(x-y))$ ist
  454. lokal kompakt und enthält $\Z_p$ als offenen Teilring. $\Q$ ist dicht in $\Q_p$.
  455. \end{lemma}
  456. \begin{proof}
  457. Da $x \in \Z_p \iff v_p(x) \ge 0 \iff v_p(x) > -1$ folgt $\Z_p = \overline{B(0, 1)} = B(0, e)$,
  458. also $\Z_p$ offen.
  459. Da $\Z_p$ kompakt, folgt, dass
  460. $B(x, e)$ kompakt $\forall x \in \Q_p$, also $\Q_p$ lokal kompakt. Außerdem ist
  461. $\Z$ dicht in $\Z_p$, d.h. für $x \in \Q_p$ mit $x = p^{k} u$ und $k \in \Z$, $u \in \Z_p^{\times }$ ex.
  462. eine Folge $(y_n)_{n \in \N} \subseteq \Z$ mit $y_n \xrightarrow{n \to \infty} u$. Dann
  463. setze $z_n \coloneqq p^{k} y_n \in \Q$. Dann folgt direkt
  464. $z_n = p^{k} y_n \xrightarrow{n \to \infty} p^{k} u = x$.
  465. \end{proof}
  466. \begin{bem}[]
  467. \begin{enumerate}[]
  468. \item $\Q_p$ kann auch als Vervollständigung von $\Q$ bezüglich der $p$-adischen
  469. Metrik $d(\cdot , \cdot )$ definiert werden (analog zu $\R$ als
  470. Vervollständigung von $\Q$ bezüglich $|\cdot |$).
  471. \item Es ist leicht nachzurechnen, dass $d(\cdot , \cdot )$ die ultrametrische Ungleichung
  472. (auch starke Dreiecksungleichung) erfüllt, d.h.
  473. \[
  474. d(x, z) \le \max(d(x,y), d(y,z))
  475. \] für $x, y, z \in \Q_p$. Damit folgt das eine Folge
  476. $(a_n)_{n \in \N} \subseteq \Q_p$ genau dann konvergiert, wenn
  477. $\lim_{n \to \infty} (u_{n+1} - u_n) = 0$ (was in $\R$ bezüglich $|\cdot |$ falsch ist).
  478. \end{enumerate}
  479. \end{bem}
  480. \subsection{$p$-adische Gleichungen}
  481. \begin{lemma}[]
  482. Sei $D_1 \leftarrow D_2 \leftarrow \ldots$ ein projektives System und
  483. $D = \varprojlim \; (D_n, p_n)$ sein inverser Limes. Falls $D_n \neq \emptyset$ und endlich
  484. folgt $D \neq \emptyset$.
  485. \label{le-projlim}
  486. \end{lemma}
  487. \begin{proof}
  488. Sei zunächst $p_{n}\colon D_{n+1} \to D_n$ surjektiv. Dann ex. für alle $x_{n} \in D_{n}$
  489. ein $x_{n+1} \in D_{n+1}$, s.d. $p_{n}(x_{n+1}) = x_n$. Da $D_1 \neq \emptyset$ folgt
  490. $D \neq \emptyset$ induktiv.
  491. Im Allgemeinen bezeichne für $m,n \in \N$:
  492. \[
  493. D_{n,m} \coloneqq (p_{n} \circ \ldots \circ p_{n+m-1})(D_{n+m})
  494. .\] Da $D_{n+m} \neq \emptyset$ folgt $D_{n,m} \neq \emptyset$ und da
  495. $D_k$ endlich folgt $\# p_k(D_{k+1}) \le \# D_{k+1}$ $\forall k \in \N$. D.h. $\#D_{n,m}$
  496. ist monoton fallend in $m$ bei festem $n$.
  497. Da $D_{n,m} \neq \emptyset$ wird die Folge stationär, d.h.
  498. es ex. ein $m_0 \in \N$, s.d. $D_{n, m_0} = D_{n, m}$ $\forall m \ge m_0$.
  499. Sei $E_n$ dieser Grenzwert.
  500. Beh.: $p_{n}(E_{n+1}) = E_n$ $\forall n \in \N$. Sei dazu $n \in \N$. Nun ex. ein
  501. $m_0 \in \N$, s.d. $E_{n+1} = D_{n+1, m_0}$ und
  502. $E_n = D_{n, m_0} = D_{n, m_0+1}$. Damit folgt
  503. \begin{salign*}
  504. p_{n}(E_{n+1})
  505. &= p_{n}(D_{n+1, m_0}) \\
  506. &= p_{n}((p_{n+1} \circ \ldots \circ p_{n+m_0})(D_{n+1+m_0})) \\
  507. &= (p_{n} \circ p_{n+1} \circ \ldots \circ p_{n+m_0})(D_{n+m_0+1}) \\
  508. &= D_{n, m_0+1} \\
  509. &= E_n
  510. .\end{salign*}
  511. Also sind die Einschränkungen $p_{n}|_{E_{n+1}}\colon E_{n+1} \to E_n$ surjektiv,
  512. $E_n \neq \emptyset$ und endlich, also
  513. folgt nach der Vorüberlegung $\varprojlim \; (E_n, p_n|_{E_n}) \neq \emptyset$, also
  514. insbesondere $D \neq \emptyset$.
  515. \end{proof}
  516. \begin{satz}[]
  517. Seien $f^{(i)} \in \Z_p[X_1, \ldots, X_m]$ Polynome in den ganzen $p$-adischen Zahlen. Dann
  518. sind äquivalent:
  519. \begin{enumerate}[(i)]
  520. \item Die $f^{(i)}$ haben eine gemeinsame Nullstelle in $(\Z_p)^{m}$.
  521. \item Für $n \in \N$ haben die Polynome $f^{(i)} \; (\text{mod } p^{n}) $ eine
  522. gemeinsame Nullstelle in $(A_n)^{m}$.
  523. \end{enumerate}
  524. \label{satz-nsequiv}
  525. \end{satz}
  526. \begin{proof}
  527. Sei $D = \{ \text{gemeinsame NS von } f^{(i)} \text{ in } (\Z_p)^{m} \} \subseteq (\Z_p)^{m}$
  528. und\\
  529. $D_n \coloneqq \{ \text{ gemeinsame NS von } f^{(i)} \text{ in } (A_n)^{m} \; (\text{mod } p^{n}) \} $.
  530. Es bezeichne $(\phi_{n})^m\colon (A_{n+1})^{m} \to (A_n)^{m}$ die Abbildung, die $\phi_{n}$
  531. komponentenweise anwendet. Dann ist $(D_n, (\phi_n)^m)$ ein projektives System
  532. mit $D = \varprojlim \; (D_n, (\phi_n)^m)$.
  533. Sei nun $D \neq \emptyset$ und $x \in D$. Dann ist $\pi_n(x) \in D_n$ $\forall n \in \N$. Seien umgekehrt
  534. $D_n \neq \emptyset$ $\forall n \in \N$. Da $D_n \subseteq A_n$ endlich folgt mit
  535. \ref{le-projlim} $D \neq \emptyset$.
  536. \end{proof}
  537. \begin{definition}[]
  538. Ein Element $x = (x_1, \ldots, x_m) \in (\Z_p)^{m}$ (bzw. $(A_n)^{m}$) heißt primitiv, falls ein
  539. $x_i \in \Z_p^{\times}$ (bzw. $\in A_n^{\times}$) ist.
  540. \end{definition}
  541. \begin{definition}[]
  542. Sei $R$ ein Ring. Ein Polynom $f \in R[X_1, \ldots, X_m]$ heißt
  543. homogen vom Grad $2$, falls in $R[X_1, \ldots, X_m][T]$ gilt
  544. \[
  545. f(TX_1, \ldots, TX_m) = T^{k} f(X_1, \ldots, X_m)
  546. .\] Ein homogenes Polynom vom Grad $2$ heißt quadratische Form.
  547. \end{definition}
  548. \begin{bsp}[]
  549. Das Polynom $f = X^5 + X^3Y^2 + XY^4 \in \Z[X,Y]$ ist homogen, aber $g = X^2 + X + Y^2 \in \Z[X,Y]$ ist nicht
  550. homogen.
  551. \end{bsp}
  552. \begin{korollar}[]
  553. Seien $f^{(i)} \in \Z_p[X_1, \ldots, X_m]$ homogene Polynome. Dann sind äquivalent
  554. \begin{enumerate}[(i)]
  555. \item Die $f^{(i)}$ haben eine nichttriviale gemeinsame Nullstelle in $(\Q_p)^{m}$.
  556. \item Die $f^{(i)}$ haben eine gemeinsame primitive Nullstelle in $(\Z_p)^{m}$.
  557. \item Für $n \in \N$ haben die Polynome $f^{(i)} \; (\text{mod } p^{n}) $ eine gemeinsame
  558. primitive Nullstelle.
  559. \end{enumerate}
  560. \end{korollar}
  561. \begin{proof}
  562. (i)$\implies$(ii): Sei $x = (x_1, \ldots, x_m)$ eine nichttriviale gemeinsame Nullstelle
  563. der $f^{(i)}$. Dann setze
  564. \[
  565. k \coloneqq \min(v_p(x_1), \ldots, v_p(x_m)) \text{ und } y = p^{-k} x
  566. .\] Sei $i \in \{1, \ldots, m\} $, s.d. $k = v_p(x_i)$. Dann ist
  567. $v_p(y_i) = v_p(p^{-k}) + v_p(x_i) = -k + k = 0$. Also $y_i \in \Z_p^{\times }$ und damit $y$ primitiv.
  568. Außerdem gilt für ein $n \in \N$
  569. \[
  570. f^{(i)}(y) = f^{(i)}(p^{-k} x) \quad \stackrel{\text{Homog.}}{=} \quad p^{-nk} f^{(i)}(x) = 0
  571. .\]
  572. (ii)$\implies$(i) ist trivial und (ii) $\iff$ (iii) folgt aus \ref{satz-nsequiv}.
  573. \end{proof}
  574. \begin{bem}[]
  575. Die Voraussetzung homogenes Polynom ist notwendig, wie am Beispiel:
  576. \[
  577. f = pX - 1 \in \Z_p[X]
  578. \] deutlich wird, denn $f(p^{-1}) = 0$, aber im Körper $\Q_p$ hat das lineare Polynom $f$ maximal
  579. eine Nullstelle und $p^{-1} \not\in \Z_p$.
  580. \end{bem}
  581. Wir möchten nun betrachten, unter welchen Umständen eine Lösung $\; (\text{mod } p^{n}) $ zu einer
  582. echten Lösung in $\Z_p$ entwickelt werden kann. Dazu verwenden wir die $p$-adische Version
  583. des Newton Verfahrens.
  584. \begin{lemma}[Henselsches Lemma]
  585. Sei $f = a_mX^{m} + \ldots + a_0 \in \Z_p[X]$ und $f' = a_m m X^{m-1} + \ldots + a_1 \in \Z_p[X]$ seine
  586. Ableitung. Weiter sei $x \in \Z_p$, s.d. $f(x) \equiv 0 \; (\text{mod } p^{n}) $ für ein $n \in \N$
  587. und $v_p(f'(x)) = k$ mit $0 \le 2k < n$. Dann existiert ein $y \in \Z_p$, s.d.
  588. \[
  589. f(y) \equiv 0 \; (\text{mod } p^{n+1}), v_p(f'(y)) = k \text{ und } y \equiv x \; (\text{mod } p^{n-k})
  590. .\]
  591. \label{le-hensel}
  592. \end{lemma}
  593. \begin{proof}
  594. Nach Voraussetzung ist $f(x) = p^{n}b$ und $f'(x) = p^{k}c$ mit $b \in \Z_p$ und $c \in \Z_p^{\times }$.
  595. Dann setze $z \coloneqq -b c^{-1}$ und $y \coloneqq x + p^{n-k}z$. Damit erfüllt
  596. $y \equiv x \; (\text{mod } p^{n-k}) $. Der binomische Lehrsatz
  597. liefert
  598. \begin{salign*}
  599. a_i y^{i} = a_i \sum_{j=0}^{i} \binom{i}{j} x^{i-j} (p^{n-k} z)^{j}
  600. = a_i x^{i} + a_i i x^{i-1} p^{n-k} z + p^{2n-2k} z^2 R_i
  601. \end{salign*} für $R_i \in \Z_p$. Aufsummieren und addieren von $a_0$ liefert mit $R \in \Z_p$
  602. eine ,,Taylorentwicklung'':
  603. \begin{salign*}
  604. f(y) &= f(x) + p^{n-k} z f'(x) + p^{2n-2k} z^2 R
  605. \intertext{Einsetzen liefert}
  606. f(y) &= p^{n}b - p^{n-k} b c^{-1} p^{k} c + p^{2n-2k} z^2 R \\
  607. &= p^{2n-2k} z^2 R \\
  608. &\equiv 0 \; (\text{mod } p^{n+1})
  609. ,\end{salign*} da $2k < n \implies 2n - 2k \ge n+1$.
  610. Anwenden der ,,Taylorentwicklung'' auf $f'$ liefert
  611. \begin{salign*}
  612. f'(y) &= f'(x) + p^{n-k} z f''(x) + p^{2n-2k} z^2 R \\
  613. &= p^{k} c + p^{n-k} z f''(x) + p^{2n-2k}z^2R \\
  614. &= p^{k}(\underbrace{c + p^{n-2k} z f''(x) + p^{2n-3k} z^2 R}_{=: s})
  615. .\end{salign*}
  616. Es ist $n-2k > 0$ und $2n - 3k > 0$, aber $c \in \Z_p^{\times }$, also $p \nmid s$ und damit
  617. $s \in \Z_p^{\times }$ und $v_p(f'(y)) = k$.
  618. \end{proof}
  619. Zum Studium der quadratischen Formen benötigen wir noch die auf $m$ Variablen verallgemeinerte Version
  620. des Henselschen Lemmas.
  621. \begin{satz}
  622. Sei $f \in \Z_p[X_1, \ldots, X_m]$ und $x = (x_i) \in (\Z_p)^{m}$, s.d.
  623. $f(x) \equiv 0 \; (\text{mod } p^{n}) $. Weiter existiere ein
  624. $1 \le j \le m$, s.d. $v_p\left( \frac{\partial f}{\partial X_j}(x) \right) = k$ mit
  625. $0 \le 2k < n$. Dann existiert eine Nullstelle $y \in (\Z_p)^{m}$ von $f$ mit
  626. $y \equiv x \; (\text{mod } p^{n-k}) $.
  627. \label{satz-hensel}
  628. \end{satz}
  629. \begin{proof}
  630. Sei zunächst $m = 1$. Mit \ref{le-hensel} angewendet auf $x^{(0)} \coloneqq x$, erhält man
  631. $x^{(1)} \in \Z_p$ mit
  632. \[
  633. f(x^{(1)}) \equiv 0 \; (\text{mod } p^{n+1})\text{, }
  634. v_p(f'(x^{(1)})) = k \text{ und }
  635. x^{(1)} \equiv x^{(0)} \; (\text{mod } p^{n-k})
  636. .\] Wende \ref{le-hensel} nun auf $x^{(1)}$ und $n+1$ an. Induktiv erhält man eine Folge
  637. $(x^{(q)})_{q \in \N}$ mit den Eigenschaften
  638. \[
  639. x^{(q+1)} \equiv x^{(q)} \; (\text{mod } p^{n+q-k}) \text{ und } f(x^{(q)}) \equiv 0 \; (\text{mod } p^{n+q})
  640. .\] Es gilt nun $v_p(x^{(q+1)} - x^{(q)}) \ge n+q-k$, also
  641. $d(x^{(q+1)}, x^{(q)}) \xrightarrow{q\to \infty} 0$. Also ist $x^{(q)}$ eine Cauchy Folge
  642. und konvergiert gegen ein $y \in \Z_p$. Dann gilt
  643. \[
  644. 0 = \lim_{q \to \infty} f(x^{(q)}) = f(\lim_{q \to \infty} x^{(q)}) = f(y)
  645. \] und $y \equiv x \; (\text{mod } p^{n-k}) $.
  646. Sei nun $m > 1$. Ersetze in $f$ die Variablen $X_i$ durch $x_i$ für $i \neq j$.
  647. Dann sei $g \in \Z_p[X_j]$ das entstandene Polynom in einer Variablen. Wende nun den Fall für $m = 1$
  648. auf $g$ an. Dann erhalten wir ein $y_j \in \Z_p$ mit $y_j \equiv x_j \; (\text{mod } p^{n-k}) $
  649. und $g(y_j) = 0$. Setze nun $y_i \coloneqq x_i$ für $i \neq j$. Dann ist
  650. $y \equiv x \; (\text{mod } p^{n-k}) $ und
  651. \[
  652. f(y) = f(y_1, \ldots, y_m) = f(x_1, \ldots, x_{j-1}, y_j, x_{j+1}, \ldots, x_m) = g(y_j) = 0
  653. .\]
  654. \end{proof}
  655. Aus dem letzten Satz können wir einfache Schlussfolgerungen für quadratische Formen ziehen.
  656. \begin{korollar}[]
  657. Sei $f \in \Z_p[X_1, \ldots, X_m]$ und $x \in \Z_p$ mit
  658. \[
  659. f(x) \equiv 0 \; (\text{mod } p)
  660. \] und es sei mind. eine partielle Ableitung
  661. $\frac{\partial f}{\partial X_j}(x) \not\equiv 0 \; (\text{mod } p) $, dann hebt sich $x$
  662. zu einer echten Nullstelle.
  663. \label{kor-1}
  664. \end{korollar}
  665. \begin{proof}
  666. Das ist der Fall $n = 1$ und $k = 0$ in \ref{satz-hensel}.
  667. \end{proof}
  668. \begin{korollar}[]
  669. Sei $p\neq 2$ und $f = \sum_{i=1}^{m} \sum_{j=1}^{m} a_{ij} X_i X_j \in \Z_p[X_1, \ldots, X_m]$ eine
  670. quadratische Form mit $a_{ij} = a_{ji}$ und sei $ p \nmid \text{det}(a_{ij})$. Sei weiter $a \in \Z_p$. Dann
  671. hebt sich jede primitive Lösung der Gleichung $f(x) \equiv a \; (\text{mod } p) $ zu einer
  672. echten Lösung.
  673. \end{korollar}
  674. \begin{proof}
  675. Mit \ref{kor-1} g.z.z., dass mind. eine partielle Ableitung $\; (\text{mod } p) $ nicht verschwindet.
  676. Sei $A = (a_{ij}) \in \Z_p^{m \times m}$. Da $\text{det}(a_{ij}) \not\equiv 0 \; (\text{mod } p) $
  677. folgt $\text{det}(a_{ij}) \in \mathbb{F}_p^{\times }$ und damit $\text{ker } A = \{0\} $. Es gilt weiter
  678. \[
  679. \frac{\partial f}{\partial X_i} = 2 \sum_{j=1}^{m} a_{ij}X_j \text{ also }
  680. \begin{pmatrix} \partial_{X_i} f(x) \\ \vdots \\ \partial_{X_m} f(x) \end{pmatrix}
  681. = 2 A x
  682. .\] Da $x$ primitiv ist $x \neq 0 \in \mathbb{F}_p^{m}$ und damit mind. eine partielle Ableitung
  683. $\not\equiv 0 \; (\text{mod } p) $.
  684. \end{proof}
  685. %\begin{korollar}[]
  686. % Sei $p=2$ und $f = \sum_{i=1}^{m} \sum_{j=1}^{m} a_{ij} X_i X_j \in \Z_2[X_1, \ldots, X_m]$
  687. % eine quadratische Form mit $a_{ij} = a_{ji}$. Weiter sei $a \in \Z_2$ und $x$ eine primitive Lösung
  688. % der Gleichung $f(x) \equiv a \; (\text{mod } 8) $. Dann hebt sich $x$ zu einer echten Lösung, falls
  689. % nicht alle partiellen Ableitungen $\; (\text{mod } 4) $ verschwinden. Dies ist erfüllt, wenn
  690. % $\text{det}(a_{ij})$.
  691. %\end{korollar}
  692. % ????
  693. \end{document}