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2529 行
122KB

  1. \documentclass{arbeit}
  2. \author{Christian Merten}
  3. \title{Auflösung unbeschränkter Komplexe}
  4. \usepackage{tikz-cd}
  5. \usepackage{amssymb}
  6. \usepackage{hyperref}
  7. \usepackage{graphicx}
  8. %\newcommand{\smallbullet}{\tikz \draw (0,0) circle (1.5pt);}
  9. \newcommand{\com}[1]{#1^{\text{\scalebox{0.7}{\textbullet}}}}
  10. \newcommand{\K}{\mathcal{K}}
  11. %\newcommand{\colim}{\underset{\longrightarrow}{\text{colim }}}
  12. %\renewcommand{\lim}{\underset{\longleftarrow}{\text{lim }}}
  13. \renewcommand{\lim}{\varprojlim}
  14. %\newcommand{\colim}{\operatornamewithlimits{\underset{\longrightarrow}{colim}}}
  15. %\newcommand{\colim}{\varinjlim}
  16. %\DeclareMathOperator*{\colim}{co{\lim}}
  17. \makeatletter
  18. \newcommand{\colim@}[2]{%
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  20. \hfil$#1\operator@font colim$\hfil\cr
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  22. \noalign{\nointerlineskip\kern-\ex@}\cr}}%
  23. }
  24. \newcommand{\colim}{%
  25. \mathop{\mathpalette\colim@{\rightarrowfill@\textstyle}}\nmlimits@
  26. }
  27. \makeatother
  28. %\makeatletter
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  34. %}
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  40. \newcommand{\leftfinal}[1]{\underleftarrow{#1}}
  41. \begin{document}
  42. \maketitle
  43. \begin{abstract}
  44. Wir zeigen die Existenz der abgeleiteten $R\com{\operatorname{Hom}}(\com{N}, -)$,
  45. $R\com{\operatorname{Hom}}(-, \com{N}) $ und $- \otimes_A^{L} \com{N}$, indem
  46. für jeden Komplex von $R$-Moduln für einen Ring $R$, eine K-injektive und K-projektive
  47. Auflösung konstruiert wird.
  48. \end{abstract}
  49. \tableofcontents
  50. \newpage
  51. \section{Einleitung}
  52. %Aus der kommutativen Algebra ist für einen kommutativen Ring $A$ und $A$-Moduln
  53. %$M, N, P$ die Adjunktion
  54. %\[
  55. %\text{Hom}_A(M \otimes_A N, P) = \text{Hom}_A(M, \text{Hom}_A(N, P))
  56. %\] bekannt. In der klassischen homologischen Algebra definiert man außerdem
  57. Aus der kommutativen Algebra ist für einen kommutativen Ring $A$ und einen $A$-Modul
  58. $N$ die Adjunktion
  59. \[
  60. - \otimes_A N \dashv \operatorname{Hom}_A(N, -)
  61. \] bekannt. In der klassischen homologischen Algebra definiert man
  62. die Funktoren $\operatorname{Ext}_A^{i}(N, -)$ und $\operatorname{Tor}_A^{i}(-, N)$, als
  63. Ableitungen der Funktoren $\operatorname{Hom}_A(N, -)$ und $- \otimes_A N$. Nun stellt sich
  64. die Frage, ob zwischen diesen ein analoges Adjunktionsresultat gilt.
  65. Die Antwort ist nein, denn angenommen $\operatorname{Ext}_A^{i}(N, -)$ wäre rechtsadjungiert, dann
  66. folgte, dass $\operatorname{Ext}_A^{i}(N, -)$ linksexakt sei. Die exakte Folge
  67. \[
  68. \begin{tikzcd}
  69. 0 \arrow{r} & \Z \arrow{r}{\cdot 2} & \Z \arrow{r} & \Z / 2 \Z \arrow{r} & 0
  70. \end{tikzcd}
  71. \] in $\Z$-Mod lieferte dann die exakte Folge
  72. \[
  73. \begin{tikzcd}
  74. \underbrace{\operatorname{Ext}^{0}_{\Z}(\Z / 2\Z, \Z)}_{= 0} \arrow{r} &
  75. \underbrace{\operatorname{Ext}^{0}_{\Z}(\Z / 2\Z, \Z / 2 \Z)}_{\neq 0} \arrow{r}
  76. & \operatorname{Ext}^{1}_{\Z}(\Z / 2 \Z, \Z) \arrow{r}
  77. & \operatorname{Ext}^{1}_{\Z}(\Z / 2 \Z, \Z)
  78. \end{tikzcd}
  79. .\] Aber $\operatorname{Ext}_{\Z}^{0}(\Z / 2 \Z, \Z / 2 \Z) = \operatorname{Hom}_{\Z}(\Z / 2 \Z, \Z / 2 \Z) \neq 0$
  80. und $\operatorname{Ext}_{\Z}^{0}(\Z / 2 \Z, \Z) = \operatorname{Hom}_{\Z}(\Z / 2 \Z, \Z) = 0$, also ist
  81. $\operatorname{Ext}_{\Z}^{1}(\Z / 2 \Z, \Z) \to \operatorname{Ext}^{1}_{\Z}(\Z / 2 \Z, \Z)$ nicht injektiv.
  82. Es liegt also nahe, dass der klassische Ableitungsbegriff unvollständig ist. Um einen
  83. neuen und allgemeineren Ableitungsbegriff zu finden,
  84. betrachten wir wie klassische Ableitungen gebildet
  85. werden.
  86. %Konstruktion eines neuen Ableitungsbegriffs führt zum Begriff der derivierten Kategorie:
  87. %Sei $\mathcal{A}$ eine abelsche Kategorie und sei $\mathcal{K}(\mathcal{A})$ die Homotopiekategorie
  88. %von $\mathcal{A}$, das heißt die Kategorie, deren Objekte Komplexe aus $\mathcal{A}$ und
  89. %deren Morphismen Homotopieäquivalenzklassen von Komplexhomomorphismen sind.
  90. Dazu seien $\mathcal{A}, \mathcal{B}$ abelsche Kategorien und $\mathcal{A}$ habe
  91. genügend viele Injektive.
  92. Sei $F\colon \mathcal{A} \to \mathcal{B}$ ein additiver und linksexakter Funktor und
  93. $X \in \mathcal{A}$. Dann existiert eine injektive Auflösung von $X$, also ein Komplex
  94. $\com{I}$ in $\mathcal{A}$, sodass
  95. \[
  96. \begin{tikzcd}
  97. 0 \arrow{r} & X \arrow{r} & I^{0} \arrow{r} & I^{1} \arrow{r} & \cdots
  98. \end{tikzcd}
  99. \] exakt ist oder, äquivalent dazu, dass die vertikalen Morphismen in
  100. \begin{equation}
  101. \begin{tikzcd}
  102. \cdots \arrow{r} & 0 \arrow{r} \arrow{d} & X \arrow{r} \arrow{d} & 0 \arrow{r} \arrow{d} & \cdots \\
  103. \cdots \arrow{r} & 0 \arrow{r} & I^{0} \arrow{r} & I^{1} \arrow{r} & \cdots
  104. \label{eq:resolution}
  105. \end{tikzcd}
  106. \end{equation}
  107. einen Quasiisomorphismus bilden, das heißt ein Komplexhomomorphismus, der Isomorphismen auf
  108. den Kohomologiegruppen induziert. Die Ableitungen von $F$ bei $X$ sind nun die Kohomologiegruppen
  109. des Komplexes $F(\com{I})$. Man zeigt dann aufwendig, dass dieser Prozess wohldefiniert ist, das
  110. heißt insbesondere nicht von der Wahl der injektiven Auflösung von $X$ abhängt.
  111. Anstatt den abgeleiteten Funktor von $F$ auf $\mathcal{A}$ zu konstruieren, definiert man nun
  112. die Ableitung auf einer Komplexkategorie von $\mathcal{A}$, das heißt einer Kategorie, deren
  113. Objekte Komplexe mit Objekten aus $\mathcal{A}$ sind. Bezeichne mit $X[0]$ den oberen Komplex
  114. in \eqref{eq:resolution}. Dann ist es natürlich zu fordern, dass die Ableitung von $F$ bei
  115. $X[0]$ bis auf Isomorphie mit der Ableitung von $F$ bei $\com{I}$ und bei allen weiteren injektiven
  116. Auflösungen von $X$ übereinstimmt.
  117. Dies führt zu der Idee, Objekte (und allgemeiner Komplexe) auf kategorieller Ebene
  118. mit ihren Auflösungen zu identifizieren,
  119. also eine geeignete Kategorie von Komplexen zu finden,
  120. in der quasiisomorphe Komplexe bereits isomorph sind.
  121. Dazu kann man zunächst zur
  122. Homotopiekategorie $\mathcal{K}(\mathcal{A})$ übergehen, das heißt die Kategorie, deren
  123. Objekte Komplexe aus $\mathcal{A}$ und deren Morphismen
  124. Homotopieäquivalenzklassen von Komplexhomomorphismen sind. Allerdings ist ein Quasiisomorphismus im
  125. Allgemeinen keine Homotopieäquivalenz. Deshalb konstruiert man eine weitere Kategorie
  126. $\mathcal{D}(\mathcal{A})$, die derivierte Kategorie von $\mathcal{A}$, mit den Objekten
  127. von $\mathcal{K}(\mathcal{A})$, wobei alle Quasiisomorphismen in $\mathcal{K}(\mathcal{A})$
  128. Isomorphismen in $\mathcal{D}(\mathcal{A})$ induzieren. Man erhält einen kanonischen Funktor
  129. $Q_{\mathcal{A}}\colon \mathcal{K}(\mathcal{A}) \to \mathcal{D}(\mathcal{A})$.
  130. Die (Rechts-)Ableitung von $F$ ist nun (falls existent) ein Funktor
  131. $\text{R}F\colon \mathcal{D}(\mathcal{A}) \to \mathcal{D}(\mathcal{B})$ mit
  132. einer natürlichen Transformation
  133. $\xi\colon Q_{\mathcal{B}} \circ F \to \text{R}F \circ Q_{\mathcal{A}}$, die den Zusammenhang
  134. zwischen $\text{R}F$ und $F$ herstellt.
  135. Im Allgemeinen ist die Existenz von $\text{R}F$ eine schwierige Frage, in der klassischen
  136. Situation existiert $\text{R}F$ jedoch zumindest
  137. auf der Unterkategorie $\mathcal{D}(\mathcal{A})^{+}$ der
  138. nach unten beschränkten Komplexe und die Kohomologiegruppen $H^{i}\text{R}F(X[0])$ stimmen
  139. mit den klassischen Rechtsableitungen $\text{R}^{i}F(X)$ überein. Vom klassischen Standpunkt
  140. erwartungsgemäß, induziert die natürliche Transformation $\xi$ auf der Klasse der nach
  141. unten beschränkten Komplexe mit injektiven Objekten Isomorphismen, das heißt $F$ stimmt mit
  142. seiner Ableitung $\text{R}F$ auf diesen Komplexen überein.
  143. Dieser neue Ableitungsbegriff erlaubt auf natürliche Weise auch Funktoren\footnote{Unter Voraussetzung
  144. einer schwachen Bedingung an $F$, die beispielsweise erfüllt ist, wenn
  145. $F$ von einem additiven Funktor
  146. $\mathcal{A} \to \mathcal{B}$ induziert ist.}
  147. $F\colon \mathcal{K}(\mathcal{A}) \to \mathcal{K}(\mathcal{B})$ zuzulassen.
  148. Analog zur klassischen
  149. Theorie ist dann die Existenz der Ableitung von $F$ gesichert durch:
  150. \begin{enumerate}[(1)]
  151. \item eine Klasse $\mathcal{J}$ von $F$-azyklischen Komplexen, das heißt
  152. eine Klasse von Komplexen für die $F$ Exaktheit erhält, und
  153. \item für jeden Komplex einen Quasiisomorphismus in einen Komplex aus $\mathcal{J}$.
  154. \end{enumerate}
  155. In diesem Fall induziert $\xi$ auf den Komplexen aus $\mathcal{J}$ Isomorphismen, das heißt
  156. Ableitungen berechnen sich, analog zur klassischen Situation, durch Auflösungen durch Komplexe
  157. aus $\mathcal{J}$.
  158. Besonders die zweite Bedingung ist für beliebige abelsche Kategorien jedoch nur
  159. sehr schwer zu erfüllen und hängt durch $\mathcal{J}$ von dem konkreten Funktor $F$ ab. Spaltenstein
  160. hat das in seiner
  161. Arbeit ,,Resolution of unbounded complexes`` \cite{spaltenstein}
  162. für zahlreiche Funktoren unter wenigen Voraussetzungen
  163. an die beteiligten Kategorien gelöst. Die vorliegende Arbeit stellt sein Argument dar und
  164. wendet dies auf den Homfunktor und das Tensorprodukt an.
  165. Dafür erweitern wir die Funktoren $\operatorname{Hom}_A(N, -)$ und $- \otimes_A N$ in natürlicher Weise
  166. zu Funktoren $\mathcal{K}(A\text{-Mod}) \to \mathcal{K}(A\text{-Mod})$, sodass die Erweiterungen,
  167. angewendet auf eingradige Komplexe, mit den ursprünglichen Funktoren übereinstimmen. Der naive
  168. Ansatz $\operatorname{Hom}_A(N, -)$ bzw. $\operatorname{Hom}_A(-, N)$ in beiden Variablen zu erweitern,
  169. indem für Komplexe $\com{M}, \com{N} \in \mathcal{K}(A\text{-Mod})$ gradweise
  170. $\operatorname{Hom}_A(M^{i}, N^{i})$ gebildet wird, ist nicht hinreichend,
  171. denn dieser neue Komplex enthielte keine Informationen über die Komplexhomomorphismen
  172. von $\com{M}$ nach $\com{N}$.
  173. %Die Idee
  174. %der derivierten Kategorie kommt von der Beobachtung, dass vor allem die Kohomologiegruppen von
  175. %Komplexen von Interessse sind. Allerdings ist ein Quasiisomorphismus
  176. %$f\colon \com{X} \to \com{Y}$ zwischen Komplexen $\com{X}, \com{Y} $ in $\mathcal{A}$,
  177. %also ein Komplexhomomorphismus, der Isomorphismen zwischen den Kohomologiegruppen induziert,
  178. %im Allgemeinen keine Homotopieäquivalenz, das heißt kein Isomorphismus in $\mathcal{K}(\mathcal{A})$.
  179. %Diesen Defekt behebt die deriverte Kategorie $\mathcal{D}(\mathcal{A})$, die die selben Objekte
  180. %hat wie $\mathcal{K}(\mathcal{A})$ und in der alle Quasiisomorphismen zu Isomorphismen erklärt
  181. %werden. Bezeichne im Folgenden
  182. %$Q_{\mathcal{A}}\colon \mathcal{K}(\mathcal{A}) \to \mathcal{D}(\mathcal{A})$ den kanonischen Funktor.
  183. %Sei nun $\mathcal{B}$ eine weitere abelsche Kategorie und $F\colon \mathcal{A} \to \mathcal{B}$
  184. %ein additiver Funktor. Dann definiert man einen Funktor
  185. %$\text{R}F\colon \mathcal{D}(\mathcal{A}) \to \mathcal{D}(\mathcal{B})$
  186. %mit einer natürlichen Transformation
  187. %$\xi\colon Q_{\mathcal{B}} \circ F \to \text{R}F \circ Q_{\mathcal{A}}$. Für ein Objekt
  188. %$X \in \mathcal{A}$ bezeichne $X[0] \in \mathcal{K}(\mathcal{A})$ den Komplex der im Grad $0$ $X$
  189. %zu stehen hat und in allen anderen Graden $0$ ist.
  190. %Falls $F$ linksexakt ist,
  191. %existiert $\text{R}F$ und die Kohomologiegruppen $H^{i}\text{R}F(X[0]) $ entsprechen
  192. %den klassischen Rechtsableitungen $\text{R}^{i}F(X)$. Allgemeiner definiert man $\text{R}F$
  193. %für bestimmte Funktoren $F\colon \mathcal{K}(\mathcal{A}) \to \mathcal{K}(\mathcal{A})$. Das
  194. %bedeutet der neue Ableitungsbegriff ist eine echte Verallgemeinerung des alten.
  195. %Um die abgeleitete Hom-Tensor Adjunktion zu formulieren, werden die Funktoren $\operatorname{Hom}_A(N, -)$
  196. %und $- \otimes_A N$ in natürlicher Weise zu Funktoren
  197. %$\mathcal{K}(A\text{-Mod}) \to \mathcal{K}(A\text{-Mod})$ erweitert, sodass
  198. %die Erweiterungen, angewendet auf eingradige Komplexe, mit den ursprünglichen Funktoren
  199. %übereinstimmen. Der so (in beiden Variablen) funktoriell definierte Komplex
  200. %$\com{\operatorname{Hom}}(\com{M}, \com{N})$ für
  201. %Komplexe $\com{M}, \com{N} \in \mathcal{K}(A\text{-Mod})$ soll dabei Informationen über die
  202. %Morphismen in $\mathcal{K}(A\text{-Mod})$ von $\com{M} $ nach $\com{N} $ enthalten. Man definiert
  203. %also für $n \in \Z$
  204. Anstatt dessen definiert man für $n \in \Z$ und Komplexe $\com{M}, \com{N} \in
  205. \mathcal{K}(\mathcal{A})$:
  206. \[
  207. \operatorname{Hom}^{n}(\com{M}, \com{N}) = \prod_{i \in \Z} \operatorname{Hom}_A(M^{i}, N^{i+n})
  208. \] mit Differential
  209. \[
  210. d^{n}(f) = d_{\com{N} } f - (-1)^{n} f d_{\com{M}}
  211. .\] Dann erhält man den Zusammenhang
  212. \[
  213. H^{0}\com{\operatorname{Hom}}(\com{M}, \com{N}) = \operatorname{Mor}_{\mathcal{K}}(\com{M}, \com{N})
  214. .\]
  215. Für $\com{M}, \com{N} \in \mathcal{K}(A\text{-Mod})$ definiert man nun
  216. $\com{M} \otimes_A \com{N}$ so, dass man, analog zur klassischen Adjunktion, für
  217. $\com{P} \in \mathcal{K}(A\text{-Mod})$ einen natürlichen Isomorphismus
  218. \[
  219. \com{\operatorname{Hom}}(\com{M} \otimes_A \com{N}, \com{P}) =
  220. \com{\operatorname{Hom}}(\com{M}, \com{\operatorname{Hom}}(\com{N}, \com{P}))
  221. \] erhält.
  222. Das Ziel ist nun die Funktoren $\com{\operatorname{Hom}}(\com{N}, -)$, $\com{\operatorname{Hom}}(-, \com{N})$
  223. und $- \otimes_A \com{N} $ abzuleiten.
  224. Dafür suchen wir jeweils eine Klasse $\mathcal{J}$ von Komplexen, die die Bedingungen
  225. (1) und (2) für den entsprechenden Funktor erfüllt.
  226. %Analog zur klassischen Theorie, wird dafür eine Klasse von Objekten $\mathcal{J}$ benötigt, auf der
  227. %die Funktoren Exaktheit von Komplexen erhalten. Damit außerdem die (Rechts-)Ableitung auf ganz
  228. %$\mathcal{D}(\mathcal{A})$ definiert ist, muss für jeden Komplex
  229. %$\com{M} \in \mathcal{K}(\mathcal{A})$ eine (Rechts-)Auflösung, das heißt ein Quasiisomorphismus
  230. %in ein Objekt aus $\mathcal{J}$, existieren.
  231. %Dann lassen sich die abgeleiteten Funktoren leicht berechnen, da auf den Objekte aus $\mathcal{J}$
  232. %die natürliche Transformation $\xi$ Isomorphismen induziert.
  233. %
  234. %Die Schwierigkeit liegt nun darin, solche Auflösungen zu finden. Spaltenstein hat das in seiner
  235. %Arbeit ,,Resolution of unbounded complexes`` für zahlreiche Funktoren unter wenigen Voraussetzungen
  236. %an die beteiligten Kategorien gelöst. Die vorliegende Arbeit stellt sein Argument dar und wendet
  237. %dies auf die obigen Funktoren an, um die gewünschte Adjunktion zu erhalten.
  238. Für
  239. $\com{\operatorname{Hom}}(\com{N}, -)$ definieren wir dafür
  240. \begin{definition*}
  241. Ein Komplex $\com{I} \in \mathcal{K}(\mathcal{A})$ heißt \emph{K-injektiv}, wenn
  242. der Funktor $\com{\operatorname{Hom}}(-, \com{I})$ Exaktheit von Komplexen erhält. Eine \emph{K-injektive
  243. Auflösung} eines Komplexes $\com{M} \in \mathcal{K}(\mathcal{A})$ ist ein Quasiisomorphismus
  244. $\com{M} \to \com{I} $ mit einem K-injektiven Komplex $\com{I}$.
  245. \end{definition*}
  246. Sei nun $\mathcal{J}$ die Klasse der K-injektiven Komplexe.
  247. Es wird schnell klar, dass ein exakter K-injektiver Komplex bereits der Nullkomplex ist und
  248. damit die Bedingung (1) erfüllt ist. Der schwierige Teil ist Bedingung (2) nachzuweisen.
  249. Zuänchst bemerken wir, dass nach unten beschränkte Komplexe mit injektiven Objekten
  250. K-injektiv sind. Klassisch ist ist bekannt, dass
  251. jeder nach unten beschränkte Komplex eine Auflösung durch einen solchen Komplex hat. Für
  252. einen beliebigen (unbeschränkten) Komplex $\com{M} \in \mathcal{K}(\mathcal{A})$ funktioniert die
  253. klassische, induktive Konstruktion jedoch nicht.
  254. Wir konstruieren deshalb geeignete $\mathcal{J}$-spezielle inverse Systeme.
  255. Das sind abzählbare inverse Systeme mit surjektiven Übergangsabbildungen, wobei die Kerne dieser
  256. in $\mathcal{J}$ liegen. Im ersten Schritt zeigen wir nun, dass $\mathcal{J}$ abgeschlossen
  257. unter $\mathcal{J}$-speziellen inversen Limites ist, das heißt, dass die Limites von solchen
  258. Systemen in $\mathcal{J}$ liegen.
  259. Die Idee im zweiten Schritt ist nun, für $n \in \N$ den unbeschränkten Komplex
  260. $\com{M}$ so abzuschneiden, dass
  261. die Kohomologiegruppen vom Grad $\ge -n$ erhalten bleiben. So erhalten wir ein System
  262. $(\tau^{\ge -n} \com{M})_{n \in \N}$ der abgeschnittenen Komplexe von $\com{M}$.
  263. Induktiv konstruieren wir dann ein $\mathcal{J}$-spezielles inverses System
  264. $(\com{I}_n)_{n \in \N}$ und ein inverses System von Quasiisomorphismen
  265. $f_n\colon \tau^{\ge -n} \com{M} \to \com{I}_n$, indem wir in jedem Schritt für $n \in \N$
  266. aus $\tau^{\ge -n} \com{M}$ und $\com{I}_{n-1}$ einen nach unten beschränkten Komplex konstruieren,
  267. der klassisch durch einen K-injektiven aufgelöst werden kann.
  268. So erhalten wir im Limes einen K-injektiven Komplex $\com{I}$ und einen Komplexhomomorphismus
  269. $f\colon \com{M} \to \com{I}$.
  270. Da für $\mathcal{A} = A\text{-Mod}$ der inverse Limes jedoch nicht exakt ist, ist
  271. $f\colon \com{M} \to \com{I}$
  272. a priori kein Quasiisomorphismus, obwohl $f_n$ ein solcher ist für alle $n \in \N$.
  273. Mithilfe einer Variante des
  274. Mittag-Leffler Kriteriums können wir zeigen, dass $f$ dennoch ein Quasiisomorphismus ist.
  275. Dual dazu definieren wir K-projektive Komplexe und Auflösungen und zeigen, dass jeder
  276. Komplex in $A$-Mod ebenfalls eine K-projektive Auflösung hat.
  277. Für den Funktor $- \otimes_A \com{N}$ benötigen
  278. wir dann noch eine dritte Klasse von Komplexen, die K-flachen Komplexe, die analog zu den
  279. K-Injektiven auf das Tensorprodukt angepasst definiert werden. Wir können dann zeigen, dass
  280. jeder K-projektive Komplex schon K-flach ist und erhalten so, dass jeder Komplex auch eine K-flache
  281. Auflösung besitzt.
  282. Im letzten Abschnitt wenden wir die Existenz von K-injektiven, K-projektiven und K-flachen
  283. Auflösungen an, um die Existenz der abgeleiteten Funktoren $\text{R}\com{\operatorname{Hom}}(\com{N}, -)$,
  284. $\text{R}\com{\operatorname{Hom}}(-, \com{N})$ und $- \otimes_A^{L} \com{N} $ zu zeigen.
  285. Als Korollar erhalten wir daraus die Adjunktion von $- \otimes^{L}_A \com{N}$
  286. und $\text{R}\com{\operatorname{Hom}}(\com{N}, -)$, indem wir durch geeignetes Auflösen
  287. der beteiligten Komplexe die
  288. Situation auf die Adjunktion von $- \otimes_A \com{N}$ und $\com{\operatorname{Hom}}(\com{N}, -)$
  289. zurückführen.
  290. \newpage
  291. \section{Derivierte Kategorien und abgeleitete Funktoren}
  292. Seien $\mathcal{A}, \mathcal{B}$ abelsche Kategorien und sei $F\colon \mathcal{A} \to
  293. \mathcal{B}$ ein additiver Funktor. Das Ziel ist es in natürlicher Weise für jedes Objekt
  294. $X \in \mathcal{A}$ einen Komplex $\text{R}F(X)$ zu definieren, dessen Kohomologiegruppen,
  295. falls $F$ linksexakt ist,
  296. mit den klassischen Rechtsableitungen von $F$ bei $X$ übereinstimmen.
  297. Allgemeiner definieren wir $\text{R}F(\com{X})$
  298. für jeden Komplex $\com{X}$ in $\mathcal{A}$, indem wir einen
  299. Funktor $\text{R}F$ von der derivierten Kategorie $\mathcal{D}(\mathcal{A})$ von
  300. $\mathcal{A}$ in die derivierte Kategorie $\mathcal{D}(\mathcal{B})$ von $\mathcal{B}$ konstruieren.
  301. Die derivierte Kategorie $\mathcal{D}(\mathcal{A})$ erhalten wir durch Lokalisierung,
  302. analog zum gleichnamigen Vorgang in der kommutativen Algebra: Wir starten mit der Kategorie
  303. $\mathcal{K}(\mathcal{A})$, der Homotopiekategorie von $\mathcal{A}$, wobei die Morphismen
  304. Homotopieäquivalenzklassen von Komplexhomomorphismen sind. Daraus erhalten
  305. wir dann $\mathcal{D}(\mathcal{A})$ indem alle Quasiisomorphismen in
  306. $\mathcal{K}(\mathcal{A})$, das heißt Komplexhomomorphismen, die Isomorphismen auf den
  307. Kohomologiegruppen induzieren, in $\mathcal{D}(\mathcal{A})$ zu Isomorphismen erklärt werden.
  308. Dieser Lokalisierungsprozess wird im Folgenden skizziert. Die Vorgehensweise orientiert
  309. sich an Kapitel 1 von \cite{hartshorne}.
  310. \subsection{Triangulierte Kategorien}
  311. Auch wenn $\mathcal{A}$ eine abelsche Kategorie ist, sind $\mathcal{K}(\mathcal{A})$
  312. und $\mathcal{D}(\mathcal{A})$ im Allgemeinen nicht abelsch; sie genügen jedoch einer
  313. anderen Struktur, die einer triangulierten Kategorie.
  314. \begin{definition}[Triangulierte Kategorie]
  315. Eine \emph{triangulierte Kategorie} ist eine additive Kategorie $\mathcal{T}$ mit
  316. \begin{enumerate}[(a)]
  317. \item einem additiven Kategorienautomorphismus
  318. $T\colon \mathcal{T} \to \mathcal{T}$, dem Verschiebefunktor, und
  319. \item einer Klasse von Sextupeln $(X, Y, Z, u, v, w)$, den ausgezeichneten Dreiecken von $\mathcal{T}$, wobei
  320. $X, Y, Z \in \mathcal{T}$ und $u\colon X \to Y$, $v\colon Y \to Z$, $w\colon Z \to T(X)$ Morphismen sind.
  321. \end{enumerate}
  322. Ein Morphismus von ausgezeichneten Dreiecken
  323. $(X, Y, Z, u, v, w) \to (X', Y', Z', u', v', w')$ ist ein kommutatives Diagramm
  324. \[
  325. \begin{tikzcd}
  326. X \arrow{r}{u} \arrow{d} & Y \arrow{r}{v} \arrow{d} & Z \arrow{r}{w} \arrow{d} & T(X) \arrow{d} \\
  327. X' \arrow{r}{u'} & Y' \arrow{r}{v'} & Z' \arrow{r}{w'} & T(X') \\
  328. \end{tikzcd}
  329. .\]
  330. Weiter unterliegen diese Daten den folgenden Axiomen:
  331. \begin{enumerate}[(TR1), leftmargin=14mm]
  332. \item Jedes zu einem ausgezeichneten Dreieck
  333. isomorphe Sextupel $(X, Y, Z, u, v, w)$ wie oben, ist ein ausgezeichnetes Dreieck. Jeder
  334. Morphismus $u\colon X \to Y$ kann in ein ausgezeichnetes Dreieck $(X, Y, Z, u, v, w)$ eingebettet werden
  335. und das Sextupel $(X, X, 0, \text{id}_X, 0, 0)$ ist ein ausgezeichnetes Dreieck für alle $X \in \mathcal{T}$.
  336. \item $(X, Y, Z, u, v, w)$ ist ein ausgezeichnetes Dreieck genau dann wenn $(Y, Z, T(X), v, w, -T(u))$ ein
  337. ausgezeichnetes Dreieck ist.
  338. \item Für zwei ausgezeichnete Dreiecke $(X, Y, Z, u, v, w)$ und $(X', Y', Z', u', v', w')$, und
  339. Morphismen $f\colon X \to X'$, $g\colon Y \to Y'$, die mit $u$ und $u'$ kommutieren, existiert
  340. ein nicht notwendig eindeutiger Morphismus $h\colon Z \to Z'$, sodass $(f, g, h)$ ein Morphismus
  341. von ausgezeichneten Dreiecken ist.
  342. \end{enumerate}
  343. \label{TR2}
  344. \end{definition}
  345. \begin{bem}
  346. Streng genommen ist die hier definierte Triangulierte Kategorie nur eine Pretriangulierte Kategorie. Für
  347. eine vollständig triangulierte Kategorie fehlt noch das Oktaheder Axiom
  348. (TR4 in \cite{hartshorne}), das wir im Folgenden jedoch nicht benötigen.
  349. \end{bem}
  350. \begin{definition}[Triangulierte Unterkategorie]
  351. Sei $\mathcal{T}$ eine triangulierte Kategorie mit Verschiebefunktor $T$.
  352. Eine Unterkategorie $\mathcal{R}$ von $\mathcal{T}$ heißt
  353. \emph{triangulierte Unterkategorie}, wenn gilt
  354. \begin{enumerate}[(i)]
  355. \item für jedes Objekt $X \in \mathcal{T}$ ist $X \in \mathcal{R}$, genau dann wenn
  356. $T(X) \in \mathcal{R}$ ist, und
  357. \item falls zwei Punkte eines ausgezeichneten Dreiecks in $\mathcal{T}$ in $\mathcal{R}$ liegen, so auch
  358. der dritte.
  359. \end{enumerate}
  360. \label{def:triangulated-subcategory}
  361. \end{definition}
  362. \begin{definition}[Triangulierter Funktor]
  363. Ein additiver (kovarianter) Funktor $F\colon \mathcal{T} \to \mathcal{S}$ zwischen triangulierten Kategorien
  364. heißt \emph{trianguliert}, wenn er ausgezeichnete Dreiecke in ausgezeichnete Dreiecke überführt und mit dem
  365. Verschiebefunktor kommutiert.
  366. \end{definition}
  367. \begin{definition}[Kohomologischer Funktor]
  368. Ein additiver (kovarianter) Funktor $H\colon \mathcal{T} \to \mathcal{A}$ von einer triangulierten Kategorie
  369. in eine abelsche Kategorie heißt (kovarianter) \emph{kohomologischer Funktor}, wenn für jedes
  370. ausgezeichnete Dreieck $(X, Y, Z, u, v, w)$ von $\mathcal{T}$ die lange Folge
  371. \[
  372. \begin{tikzcd}
  373. \cdots \arrow{r} & H(T^{i}X) \arrow{r} & H(T^{i}Y) \arrow{r} & H(T^{i}Z) \arrow{r} & H(T^{i+1}X) \arrow{r}
  374. & \cdots
  375. \end{tikzcd}
  376. \] exakt ist. Wenn $H$ ein kohomologischer Funktor ist, dann schreiben wir auch $H^{i}(X)$ für $H(T^{i}X)$
  377. für $i \in \Z$.
  378. \end{definition}
  379. \begin{lemma}
  380. Sei $\mathcal{T}$ eine triangulierte Kategorie und $X \in \mathcal{T}$.
  381. Dann sind $\operatorname{Mor}_{\mathcal{T}}(X, -)$ und $\operatorname{Mor}_{\mathcal{T}}(-, X)$ kohomologische Funktoren.
  382. \label{hom-cohom-func}
  383. \end{lemma}
  384. \begin{proof}
  385. siehe Proposition 1.1 in \cite{hartshorne}.
  386. \end{proof}
  387. \subsection{Homotopiekategorie}
  388. Das kanonische Beispiel für eine triangulierte Kategorie ist die Homotopiekategorie einer additiven Kategorie $\mathcal{C}$.
  389. \begin{definition}[Homotopiekategorie]
  390. Sei $\mathcal{C}$ eine additive Kategorie. Dann ist die \emph{Homotopiekategorie}
  391. $\mathcal{K}(\mathcal{C})$ von $\mathcal{C}$, die Kategorie, deren Objekte
  392. Komplexe mit Objekten aus $\mathcal{C}$ sind und
  393. deren Morphismen Homotopieäquivalenzklassen von Komplexhomomorphismen sind.
  394. \end{definition}
  395. %\begin{bem}
  396. In der Homotopiekategorie haben wir einen natürlichen Kategorienautomorphismus
  397. $T\colon \mathcal{K}(\mathcal{C}) \to \mathcal{K}(\mathcal{C})$, der
  398. durch Verschieben nach links gegeben ist, das
  399. heißt für $\com{X} \in \mathcal{K}(\mathcal{C})$ durch
  400. \begin{equation}
  401. T(\com{X})^{i} = X^{i+1} \text{ und } d_{T(\com{X})} = - d_{\com{X}}
  402. \label{eq:shift-functor}
  403. \end{equation}
  404. %\end{bem}
  405. \begin{bem}[Notation]
  406. Für $\com{X} \in \mathcal{K}(\mathcal{C})$ schreiben wir auch
  407. \[
  408. \com{X}[n] = T^{n}(\com{X})
  409. .\]
  410. \end{bem}
  411. Um die ausgezeichneten Dreiecke in $\mathcal{K}(\mathcal{C})$ zu erklären, benötigen wir
  412. den Abbildungskegel eines Morphismus in $\mathcal{K}(\mathcal{C})$:
  413. \begin{definition}[Abbildungskegel]
  414. Seien $\com{X}, \com{Y} \in \mathcal{K}$ zwei Komplexe und $f\colon \com{X} \to \com{Y}$ ein
  415. Komplexhomomorphismus. Dann sei der \emph{Abbildungskegel}
  416. $\com{C}_f \in \mathcal{K}(\mathcal{C})$ definiert durch
  417. \[
  418. C_f^{n} = X^{n+1} \oplus Y^{n}
  419. \] mit Differential
  420. \[
  421. d_{\com{C}_f} = \begin{pmatrix}
  422. d_{\com{X}[1]} & 0 \\
  423. f[1] & d_{\com{Y} }
  424. \end{pmatrix}
  425. .\]
  426. \label{def:mapping-cone}
  427. \end{definition}
  428. \begin{bem}
  429. \begin{enumerate}[(1)]
  430. \item In der Situation von \ref{def:mapping-cone} haben wir kanonische Morphismen
  431. $i\colon \com{Y} \to \com{C}_{f}$ und $p\colon \com{C}_{f} \to \com{X}[1]$.
  432. \item Oft wird auch die Notation $\com{C}_f = \com{X}[1] \oplus \com{Y}$ verwendet.
  433. Man beachte jedoch, dass der Abbildungskegel \emph{nicht} das Koprodukt
  434. von $\com{X}[1]$ und $\com{Y}$ ist.
  435. \end{enumerate}
  436. \end{bem}
  437. \begin{satz}[Homotopiekategorie ist trianguliert]
  438. Sei $\mathcal{C}$ eine additive Kategorie. Dann ist die Homotopiekategorie $\mathcal{K}(\mathcal{C})$
  439. mit den folgenden Daten trianguliert:
  440. \begin{enumerate}[(a)]
  441. \item Der Verschiebefunktor $T\colon \mathcal{K}(\mathcal{C}) \to \mathcal{K}(\mathcal{C})$ wie in \ref{eq:shift-functor}.
  442. \item Ein Sextupel $(\com{X}, \com{Y}, \com{Z}, u, v, w)$
  443. wie in \ref{TR2} in $\mathcal{K}(\mathcal{C})$
  444. ist genau dann ein ausgezeichnetes Dreieck,
  445. wenn
  446. es im Sinne von ausgezeichneten Dreiecken isomorph ist zu einem Sextupel
  447. der Form
  448. $(\com{X}, \com{Y}, \com{C_{f}}, f, i, p)$,
  449. wobei $f\colon \com{X} \to \com{Y} $ ein Morphismus
  450. in $\mathcal{K}(\mathcal{C})$ ist und $i\colon \com{Y} \to \com{C_{f}}$,
  451. $p\colon \com{C}_{f} \to \com{X}[1]$ die kanonischen Morphismen sind.
  452. \end{enumerate}
  453. \end{satz}
  454. \begin{proof}
  455. siehe Kapitel 1, §2 in \cite{hartshorne}.
  456. \end{proof}
  457. Sei nun $\mathcal{A}$ eine abelsche Kategorie und $\mathcal{K} = \mathcal{K}(\mathcal{A})$ die Homotopiekategorie.
  458. \begin{lemma}
  459. Der Funktor $H\colon \mathcal{K} \to \mathcal{A}b$ der einen Komplex $\com{A}$
  460. auf seine nullte Kohomologiegruppe abbildet, ist ein kohomologischer Funktor.
  461. \label{lemma:cohom-is-cohom-functor}
  462. \end{lemma}
  463. \begin{proof}
  464. siehe Kapitel 1, §2 in \cite{hartshorne}.
  465. \end{proof}
  466. Daraus erhalten wir insbesondere folgendes Kriterium, ob ein Komplexhomomorphismus ein Quasiisomorphismus ist:
  467. \begin{lemma}[]
  468. Seien $\com{A}, \com{B} \in \mathcal{K}$ und $f\colon \com{A} \to \com{B} $ ein Komplexhomomorphismus.
  469. Dann ist $f$ ein Quasiisomorphismus, genau dann wenn $\com{C}_f$ exakt ist.
  470. \label{mapping-cone-exact-for-qis}
  471. \end{lemma}
  472. \begin{proof}
  473. Es ist $(\com{A}, \com{B}, \com{C}_f, f, \iota, \rho)$ ein ausgezeichnetes Dreieck in $\mathcal{K}$ mit
  474. $\iota\colon \com{B} \to \com{C}_f$ und $\rho\colon \com{C}_f \to \com{A}[1]$ die natürlichen
  475. Morphismen. Also
  476. erhalten wir mit \ref{lemma:cohom-is-cohom-functor} für $i \in \Z$ eine exakte Folge
  477. \[
  478. \begin{tikzcd}
  479. H^{i-1}(\com{C}_f) \arrow{r}
  480. & H^{i}(\com{A}) \arrow{r}{H^{i}(f)}
  481. & H^{i}(\com{B}) \arrow{r}
  482. & H^{i}(\com{C}_f) \arrow{r}
  483. & H^{i+1}(\com{A}) \arrow{r}{H^{i+1}(f)}
  484. & H^{i+1}(\com{B})
  485. \end{tikzcd}
  486. .\] Die Exaktheit liefert nun die Äquivalenz.
  487. \end{proof}
  488. \begin{bem}
  489. Falls in der Situation von \ref{mapping-cone-exact-for-qis},
  490. $H^{i}(f)$ ein Isomorphismus ist für $i \gg 0$ (bzw. $i \ll 0$), folgt aus der exakten Folge im Beweis,
  491. dass $H^{i}(\com{C}_f) = 0$ für $i \gg 0$ (bzw. $i \ll 0$).
  492. \label{bem:mapping-cone-h-bounded}
  493. \end{bem}
  494. \begin{korollar}
  495. Sei $\mathcal{B}$ eine weitere abelsche Kategorie und
  496. $F\colon \mathcal{K}(\mathcal{A}) \to \mathcal{K}(\mathcal{B})$
  497. ein triangulierter Funktor.
  498. Dann erhält $F$ genau dann Exaktheit von Komplexen, wenn $F$ Quasiisomorphismen erhält.
  499. \label{kor:exactness-preserver-preserves-qis}
  500. \end{korollar}
  501. \begin{proof}
  502. ($\Rightarrow$) Seien $\com{X}, \com{Y} \in \mathcal{K}(\mathcal{A})$
  503. und $f\colon \com{X} \to \com{Y}$ ein Quasiisomorphismus. Dann ist
  504. \[
  505. \begin{tikzcd}
  506. \com{X} \arrow{r}{f} & \com{Y} \arrow{r} & \com{C}_f \arrow{r} & \com{X}[1]
  507. \end{tikzcd}
  508. \] ein ausgezeichnetes Dreieck in $\mathcal{K}(\mathcal{A})$, wobei $\com{C}_f$
  509. nach \ref{mapping-cone-exact-for-qis} exakt ist. Nach Voraussetzung ist
  510. \[
  511. \begin{tikzcd}
  512. F(\com{X}) \arrow{r}{F(f)} & F(\com{Y}) \arrow{r} & F(\com{C}_f) \arrow{r} & \com{X}[1]
  513. \end{tikzcd}
  514. \] ebenfalls ein ausgezeichnetes Dreieck und wir erhalten für $i \in \Z$ die exakte Folge:
  515. \[
  516. \begin{tikzcd}
  517. H^{i-1}(F(\com{C}_f)) \arrow{r} & H^{i}(F(\com{X})) \arrow{r} & H^{i}(F(\com{Y})) \arrow{r} &
  518. H^{i}(F(\com{C}_f))
  519. \end{tikzcd}
  520. .\] Die äußeren Terme sind $0$, weil $F$ Exaktheit erhält. Aus der Exaktheit der Folge, folgt damit
  521. der gewünschte Isomorphismus.
  522. ($\Leftarrow$) Sei $\com{X} \in \mathcal{K}(\mathcal{A})$ exakt. Dann ist $\com{X} \to \com{0}$
  523. ein Quasiisomorphismus, also auch $F(\com{X}) \to F(\com{0} )$. Da $F$ additiv ist, folgt $F(\com{0}) = \com{0}$ und damit
  524. die Behauptung.
  525. \end{proof}
  526. \subsection{Lokalisierung von Kategorien}
  527. Wie anfangs erwähnt, ist die derivierte Kategorie $\mathcal{D}(\mathcal{A})$ einer
  528. abelschen Kategorie $\mathcal{A}$
  529. eine Lokaliserung der Homotopiekategorie $\mathcal{K}(\mathcal{A})$.
  530. Diese funktioniert analog zum gleichnamigen Prozess in der kommutativen Algebra, was
  531. uns zu folgendem Begriff führt:
  532. \begin{definition}[Multiplikatives System]
  533. Sei $\mathcal{C}$ eine Kategorie. Eine Klasse $\mathcal{S}$ von Morphismen von $\mathcal{C}$ heißt
  534. \emph{multiplikatives System}, wenn es die folgenden Axiome erfüllt:
  535. \begin{enumerate}[(FR1), leftmargin=14mm]
  536. \item Wenn $f, g \in \mathcal{S}$, sodass $fg$ existiert, ist $fg \in \mathcal{S}$. Für
  537. alle $X \in \mathcal{C}$ ist $\text{id}_{X}\in \mathcal{S}$.
  538. \item Jedes Diagramm in $\mathcal{C}$
  539. \[
  540. \begin{tikzcd}
  541. & Z \arrow{d}{s} \\
  542. X \arrow{r}{u} & Y \\
  543. \end{tikzcd}
  544. \] mit $s \in \mathcal{S}$ kann zu einem kommutativen Diagramm
  545. \[
  546. \begin{tikzcd}
  547. W \arrow{r}{v} \arrow{d}{t} & Z \arrow{d}{s} \\
  548. X \arrow{r}{u} & Y
  549. \end{tikzcd}
  550. \] mit $t \in \mathcal{S}$ ergänzt werden. Analog gilt die selbe Aussage mit allen Pfeilen umgedreht.
  551. \item Für $f, g \colon X \to Y$ Morphismen in $\mathcal{C}$, sind die folgenden Bedingungen äquivalent:
  552. \begin{enumerate}[(i)]
  553. \item Es existiert ein $s\colon Y \to Y'$ in $\mathcal{S}$, sodass $sf = sg$.
  554. \item Es existiert ein $t\colon X \to X'$ in $\mathcal{S}$, sodass $ft = gt$.
  555. \end{enumerate}
  556. \end{enumerate}
  557. \label{def:mult-system}
  558. \end{definition}
  559. \begin{definition}[Lokalisierung]
  560. Seien $\mathcal{C}$ eine Kategorie und $\mathcal{S}$ eine Klasse von Morphismen in $\mathcal{C}$. Dann
  561. ist die \emph{Lokalisierung} von $\mathcal{C}$ in Bezug auf $\mathcal{S}$ eine Kategorie $\mathcal{C}_{\mathcal{S}}$
  562. zusammen mit einem Funktor $Q\colon \mathcal{C} \to \mathcal{C}_{\mathcal{S}}$, sodass
  563. \begin{enumerate}[(a)]
  564. \item $Q(s)$ ein Isomorphismus ist für alle $s \in \mathcal{S}$ und
  565. \item jeder Funktor $F\colon \mathcal{C} \to \mathcal{D}$, sodass $F(s)$ ein Isomorphismus ist
  566. für alle $s \in \mathcal{S}$, eindeutig über $Q$ faktorisiert.
  567. \end{enumerate}
  568. \label{def:localisation}
  569. \end{definition}
  570. \begin{definition}
  571. Sei $\mathcal{C}$ eine Kategorie und $\mathcal{S}$ ein multiplikatives System in $\mathcal{C}$. Dann definiere
  572. die Kategorie $\mathcal{C}_{\mathcal{S}}$ durch
  573. \begin{enumerate}[(a)]
  574. \item $ob(\mathcal{C}) = ob(\mathcal{C}_{\mathcal{S}})$.
  575. \item Für $X, Y \in \mathcal{C}$ setze
  576. $\operatorname{Mor}_{\mathcal{C}_{\mathcal{S}}}(X, Y) = \{ (f, Z, s) \mid f \colon Z \to Y,
  577. s \colon Z \to X \text{ mit } s \in \mathcal{S}\} / \sim $ wobei
  578. $(f, Z, s) \sim (f', Z', s')$ genau dann wenn ein kommutatives Diagramm
  579. \[
  580. \begin{tikzcd}
  581. & Z \arrow{dl}{s} \arrow{dr}{f} & \\
  582. X & W \arrow{l}{t} \arrow{u}{g} \arrow{d}{h} & Y \\
  583. & \arrow{ul}{s'} Z' \arrow{ur}{f'} &
  584. \end{tikzcd}
  585. \] mit $t \in \mathcal{S}$ in $\mathcal{C}$ existiert.
  586. \item Für $(f, U, s) \in \operatorname{Mor}_{\mathcal{C}_{\mathcal{S}}}(X, Y)$,
  587. $(g, V, t) \in \operatorname{Mor}_{\mathcal{C}_{\mathcal{S}}}(Y, Z)$ sei
  588. die Komposition definiert durch die äußeren Morphismen des kommutativen Diagramms
  589. \[
  590. \begin{tikzcd}
  591. & & \arrow[dashed]{dl}{r} W \arrow[dashed]{dr}{h} & & \\
  592. & \arrow{dl}{s} U \arrow{dr}{f} & & \arrow{dl}{t} V \arrow{dr}{g} & \\
  593. X & & Y & & Z.
  594. \end{tikzcd}
  595. \] Die gestrichelten Morphismen existieren wegen \hyperref[def:mult-system]{FR2} und
  596. es ist leicht zu verifizieren, dass das Ergebnis nicht von der
  597. Wahl der gestrichelten Morphismen
  598. abhängt.
  599. \item Für $X \in \mathcal{C}$ ist die Identität $X \to X$ in $\mathcal{C}_{\mathcal{S}}$
  600. gegeben durch das Tripel $(\text{id}_X, X, \text{id}_X)$.
  601. \end{enumerate}
  602. \label{constr:localisation}
  603. \end{definition}
  604. \begin{satz}
  605. Sei $\mathcal{C}$ eine Kategorie und $\mathcal{S}$ ein multiplikatives System, dann ist
  606. die in \ref{constr:localisation} konstruierte Kategorie $\mathcal{C}_{\mathcal{S}}$
  607. wohldefiniert und eine Lokalisierung von $\mathcal{C}$ bezüglich $\mathcal{S}$. Der kanonische
  608. Funktor $Q\colon \mathcal{C} \to \mathcal{C}_{\mathcal{S}}$ ist dann gegeben durch
  609. $Q(X) = X$ für $X \in \mathcal{C}$ und $Q(f) = (f, X, \text{id}_{X})$ für $f\colon X \to Y$ in $\mathcal{C}$.
  610. \label{satz:existence-localisation}
  611. \end{satz}
  612. \begin{proof}
  613. siehe Proposition 3.1 in \cite{hartshorne}.
  614. \end{proof}
  615. \begin{bem}
  616. \begin{enumerate}[(a)]
  617. \item Da $\mathcal{S}$ eine echte Klasse sein kann, das heißt keine Menge, ist im
  618. Allgemeinen auch $\operatorname{Mor}_{\mathcal{C}_{\mathcal{S}}}(X, Y)$ für
  619. $X, Y \in \mathcal{C}_{\mathcal{S}}$
  620. keine Menge. Das
  621. heißt streng genommen ist $\mathcal{C}_{\mathcal{S}}$ im Allgemeinen nur
  622. eine große Kategorie. In unseren Anwendungsfällen kann man jedoch zeigen, dass $\mathcal{C}_{\mathcal{S}}$
  623. eine (echte \footnote{Das heißt $\operatorname{Mor}_{\mathcal{C}_{\mathcal{S}}}(X, Y)$ ist
  624. eine Menge für alle $X, Y \in \mathcal{C}_{\mathcal{S}}$.}) Kategorie ist. Für Details
  625. siehe Bemerkung 10.3.6 in \cite{set-theoretic}.
  626. Wir nehmen im Folgenden stillschweigend an, dass $\mathcal{C}_{\mathcal{S}}$
  627. eine (echte) Kategorie ist.
  628. \item Die Lokalisierung $\mathcal{C}_{\mathcal{S}}$ einer Kategorie $\mathcal{C}$
  629. kann auch dual, dass heißt durch Umdrehen aller Pfeile,
  630. konstruiert werden. Wenn im Folgenden der Kontext klar ist, dann schreiben wir auch einfach
  631. $X$ für $Q(X)$ für ein Objekt $X \in \mathcal{C}$. Ebenso schreiben wir für $X, Y \in \mathcal{C}$ auch
  632. $s^{-1}f$ bzw. in der dualen Konstruktion $fs^{-1}$ für die Äquivalenzklasse des Tripels
  633. $(f, Z, s) \in \operatorname{Mor}_{\mathcal{C}_{\mathcal{S}}}(X, Y)$. In dieser Notation ist
  634. dann $Q(f) = \text{id}^{-1}f$ bzw. $Q(f) = f\text{id}^{-1}$ für $f\colon X \to Y$ in $\mathcal{C}$.
  635. \end{enumerate}
  636. \end{bem}
  637. Falls $\mathcal{T}$ eine triangulierte Kategorie ist und $\mathcal{S}$ ein multiplikatives
  638. System, stellt sich die Frage, ob sich
  639. die Triangulation von $\mathcal{C}$
  640. in natürlicher Weise auf $\mathcal{C}_{\mathcal{S}}$ ausdehnt. Dazu fordern wir zusätzlich
  641. an $\mathcal{S}$:
  642. \begin{definition}[Mit Triangulation kompatibles multiplikatives System]
  643. Sei $\mathcal{T}$ eine triangulierte Kategorie mit Verschiebefunktor $T$
  644. und $\mathcal{S}$ ein multiplikatives System
  645. von Morphismen. Wir nennen $\mathcal{S}$ \emph{kompatibel mit der Triangulation}, wenn die folgenden
  646. Axiome erfüllt sind:
  647. \begin{enumerate}[(FR1), leftmargin=14mm]
  648. \setcounter{enumi}{3}
  649. \item $s \in \mathcal{S} \iff T(s) \in \mathcal{S}$.
  650. \item \hyperref[TR2]{TR3} unter der zusätzlichen Annahme, dass $f, g \in \mathcal{S}$
  651. und der zusätzlichen Forderung, dass $h \in \mathcal{S}$ ist.
  652. \end{enumerate}
  653. \end{definition}
  654. \begin{satz}
  655. Sei $\mathcal{T}$ eine triangulierte Kategorie und $\mathcal{S}$ ein
  656. mit der Triangulation kompatibles
  657. multiplikatives System. Dann hat $\mathcal{T}_{\mathcal{S}}$ eine eindeutige
  658. triangulierte Struktur, sodass $Q$ ein triangulierter Funktor ist und
  659. die universelle Eigenschaft b) aus \ref{def:localisation} für triangulierte Funktoren in triangulierte
  660. Kategorien erfüllt.
  661. \label{satz:existence-triangulated-localisation}
  662. \end{satz}
  663. \begin{proof}
  664. siehe Proposition 3.2 in \cite{hartshorne}.
  665. \end{proof}
  666. \subsection{Derivierte Kategorie}
  667. Sei im Folgenden $\mathcal{A}$ eine feste abelsche Kategorie und $\mathcal{K} = \mathcal{K}(\mathcal{A})$ die
  668. Homotopiekategorie. Wir bezeichnen im Folgenden die Klasse
  669. der Quasiisomorphismen in $\mathcal{K}$ als $\mathcal{Q}is$.
  670. \begin{lemma}[$\mathcal{Q}is$ ist multiplikativ]
  671. $\mathcal{Q}is$ ist ein mit der Triangulation von $\mathcal{K}$ kompatibles multiplikatives System.
  672. \label{lemma:qis-mult}
  673. \end{lemma}
  674. \begin{proof}
  675. siehe Proposition 4.1 in \cite{hartshorne}.
  676. \end{proof}
  677. Nach \ref{satz:existence-localisation}, \ref{satz:existence-triangulated-localisation} und \ref{lemma:qis-mult} angewendet
  678. auf $\mathcal{K}$ und $\mathcal{Q}is$, existiert die triangulierte Kategorie $\mathcal{K}_{\mathcal{Q}is}$.
  679. \begin{definition}[Derivierte Kategorie]
  680. Wir bezeichnen die triangulierte Lokalisierung $\mathcal{K}_{\mathcal{Q}is}$
  681. als die \emph{derivierte Kategorie} $\mathcal{D} = \mathcal{D}(\mathcal{A})$ von $\mathcal{A}$.
  682. \end{definition}
  683. \begin{bem}[]
  684. Im Folgenden bezeichne $Q = Q_{\mathcal{A}}\colon \mathcal{K}(\mathcal{A}) \to \mathcal{D}(\mathcal{A})$
  685. den kanonischen Lokalisierungsfunktor.
  686. \end{bem}
  687. Um zu verstehen, wann zwei Morphismen in $\mathcal{K}$ den selben Morphismus in $\mathcal{D}$ induzieren, hilft
  688. das folgende Lemma:
  689. \begin{lemma}
  690. Seien $\com{X}, \com{Y} \in \mathcal{K}$ und $f\colon \com{X} \to \com{Y}$. Dann
  691. sind die folgenden Bedingungen äquivalent:
  692. \begin{enumerate}[(i)]
  693. \item $\text{id}^{-1}f = 0$ in $\mathcal{D}$.
  694. \item Es existiert ein Quasiisomorphismus $t\colon \com{X'} \to \com{X} $,
  695. sodass $ft = 0$ in $\mathcal{K}$.
  696. \item Es existiert ein Quasiisomorphismus $s\colon \com{Y} \to \com{Y'} $,
  697. sodass $sf = 0$ in $\mathcal{K}$.
  698. \end{enumerate}
  699. \label{derived-cat-morphism-null}
  700. \end{lemma}
  701. \begin{proof}
  702. Wegen \hyperref[def:mult-system]{FR3} und \ref{lemma:qis-mult} genügt es
  703. die Äquivalenz von
  704. (i) und (ii) zu zeigen. Es ist $\text{id}^{-1}f = 0$, genau dann wenn
  705. ein kommutatives Diagram
  706. \[
  707. \begin{tikzcd}
  708. & \com{X} \arrow{dl}{\text{id}} \arrow{dr}{f} & \\
  709. \com{X} & \arrow[dashed]{l}{t} \com{X'} \arrow[dashed]{d} \arrow[dashed]{u} & \com{Y} \\
  710. & \com{X} \arrow{ul}{\text{id}} \arrow{ur}{0} &
  711. \end{tikzcd}
  712. \] mit $t$ Quasiisomorphismus existiert. Das zeigt die Behauptung.
  713. \end{proof}
  714. Wir möchten nun Ableitungen von Funktoren im Kontext von
  715. derivierten Kategorien betrachten.
  716. Seien dafür $\mathcal{A}$ und $\mathcal{B}$ abelsche Kategorien und
  717. $F\colon \mathcal{K}(\mathcal{A}) \to \mathcal{K}(\mathcal{B})$ ein triangulierter
  718. (kovarianter) Funktor.
  719. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn $F$ induziert ist von einem additiven Funktor
  720. $F\colon \mathcal{A} \to \mathcal{B}$.
  721. Falls $F$ exakt ist werden Quasiisomorphismen auf Quasiisomorphismen geschickt und $F$ induziert daher
  722. einen Funktor von $\mathcal{D}(\mathcal{A})$ nach $\mathcal{D}(\mathcal{B})$.
  723. Im Allgemeinen ist das nicht der Fall und wir konstruieren dann, unter bestimmten
  724. Voraussetzungen an $F$ und die beteiligten Kategorien, einen Funktor
  725. $\text{R}F\colon \mathcal{D}(\mathcal{A}) \to \mathcal{D}(\mathcal{B})$:
  726. \begin{definition}[Abgeleiteter Funktor]
  727. Seien $\mathcal{A}, \mathcal{B}$ abelsche Kategorien. Der \emph{rechts abgeleitete Funktor} von $F$ ist
  728. ein triangulierter Funktor
  729. \[
  730. \text{R}F\colon \mathcal{D}(\mathcal{A}) \to \mathcal{D}(\mathcal{A})
  731. \] zusammen mit einer natürlichen Transformation
  732. \[
  733. \xi\colon Q_{\mathcal{B}} \circ F \to \text{R}F \circ Q_{\mathcal{A}}
  734. \] von Funktoren von $\mathcal{K}(\mathcal{A})$ nach $\mathcal{D}(\mathcal{B})$ mit
  735. der folgenden universellen Eigenschaft: Für jeden triangulierten Funktor
  736. \[
  737. G\colon \mathcal{D}(\mathcal{A}) \to \mathcal{D}(\mathcal{B})
  738. \]
  739. und jede natürliche Transformation
  740. \[
  741. \zeta\colon Q_{\mathcal{B}} \circ F \to G \circ Q_{\mathcal{A}}
  742. \] existiert eine eindeutige natürliche Transformation
  743. \[
  744. \eta\colon \text{R}F \to G
  745. \] von Funktoren von $\mathcal{D}(\mathcal{A})$ nach $\mathcal{D}(\mathcal{B})$, sodass
  746. das folgende Diagramm kommutiert:
  747. \[
  748. \begin{tikzcd}
  749. Q_{\mathcal{B}} \circ F \arrow{r}{\xi} \arrow{dr}{\zeta}
  750. & \text{R}F \circ Q_{\mathcal{A}} \arrow[dashed]{d}{\eta} \\
  751. & G \circ Q_{\mathcal{A}}
  752. \end{tikzcd}
  753. .\]
  754. \end{definition}
  755. \begin{bem}
  756. \begin{enumerate}[(a)]
  757. \item Falls $\text{R}F$ existiert, ist dieser bis auf eindeutige natürliche Transformationen eindeutig.
  758. \item Wir schreiben $R^{i}F$ für $H^{i}(\text{R}F)$. Wenn
  759. $F$ induziert ist von einem
  760. links-exakten Funktor $F\colon \mathcal{A} \to \mathcal{B}$ und $\mathcal{A}$ genügend
  761. viele Injektive hat, existiert der abgeleitete Funktor $\text{R}F$
  762. auf der vollen Unterkategorie $\mathcal{D}^{+}$ der nach unten
  763. beschränkten Komplexe von $\mathcal{D}$. Sei $P: \mathcal{A} \to \mathcal{D}^{+}$
  764. der kanonische Funktor, der ein Objekt $X \in \mathcal{A}$ auf den Komplex
  765. schickt, der im nullten Grad $X$ zu stehen hat und in allen anderen Graden $0$ ist.
  766. Dann sind $R^{i}F \circ P$ genau
  767. die klassischen rechts-abgeleiteten Funktoren von $F$.
  768. \item Es gibt den analogen Begriff der Linksableitung $\text{L}F$ (kovarianter)
  769. Funktoren, bei dem sich die Pfeile der natürlichen Transformationen umdrehen.
  770. \end{enumerate}
  771. \label{bem:derived-functors}
  772. \end{bem}
  773. \begin{satz}
  774. Seien $\mathcal{A}, \mathcal{B}$ abelsche Kategorien und
  775. $F\colon \mathcal{K}(\mathcal{A}) \to \mathcal{K}(\mathcal{B})$ ein triangulierter Funktor. Angenommen es
  776. existiert eine triangulierte Unterkategorie $\mathcal{L} \subset \mathcal{K}(\mathcal{A})$, sodass
  777. \begin{enumerate}[(i)]
  778. \item Jeder Komplex in $\mathcal{K}(\mathcal{A})$ besitzt einen Quasiisomorphismus in einen
  779. Komplex aus $\mathcal{L}$.
  780. \item $F|_{\mathcal{L}}$ ist exakt.
  781. \end{enumerate}
  782. Dann existiert der Funktor $\text{R}F\colon \mathcal{D}(\mathcal{A}) \to \mathcal{D}(\mathcal{B})$ und
  783. für die natürliche Transformation $\xi\colon Q_{\mathcal{B}} \circ F \to \text{R}F \circ Q_{\mathcal{A}}$ gilt, dass
  784. für alle $\com{I} \in \mathcal{L}$ die Abbildung
  785. \[
  786. \xi(\com{I})\colon Q_{\mathcal{B}}(F(\com{I})) \to \text{R}F(Q_{\mathcal{A}}(\com{I}))
  787. \] ein Isomorphismus in $\mathcal{D}(A)$ ist.
  788. \label{satz:existence-derived-functors}
  789. \end{satz}
  790. \begin{proof}
  791. siehe Theorem 5.1 in \cite{hartshorne}.
  792. \end{proof}
  793. Die Voraussetzungen von \ref{satz:existence-derived-functors} sind im Allgemeinen schwer zu erfüllen. Deshalb betrachtet man häufig gewisse Unterkategorien
  794. von $\mathcal{K}(\mathcal{A})$, beispielsweise die Kategorie
  795. $\mathcal{K}^{+}(\mathcal{A})$ der nach unten beschränkten Komplexe. Dies genügt,
  796. um den Fall (b) aus \ref{bem:derived-functors} zu studieren.
  797. Für unbeschränkte Komplexe liegt die Schwierigkeit darin eine geeignete
  798. Unterkategorie $\mathcal{L}$ zu finden, die die Bedingungen aus
  799. \ref{satz:existence-derived-functors} erfüllt.
  800. Ziel
  801. dieser Arbeit ist es herauszuarbeiten, dass im Falle von $\mathcal{A} = A\text{-Mod}$
  802. für einen kommutativen
  803. Ring $A$, die Bedingungen für die im Folgenden definierten Funktoren $\com{\operatorname{Hom}}(\com{M}, -)$,
  804. $\com{\operatorname{Hom}}(-, \com{M})$ und $\com{M} \otimes_A -$ erfüllt sind. Das
  805. wird uns erlauben das klassische Adjunktionsresultat
  806. \[
  807. - \otimes_A M \dashv \operatorname{Hom}_{A\text{-Mod}}(M, -)
  808. \] für einen $A$-Modul $M$ auf die abgeleiteten Funktoren zu übertragen.
  809. \begin{definition}
  810. Seien $\com{X}, \com{Y} \in \mathcal{K}$ zwei Komplexe in einer beliebigen abelschen Kategorie $\mathcal{A}$.
  811. Dann sei $\com{\operatorname{Hom}}(\com{X}, \com{Y}) \in \mathcal{K}(\mathcal{A}b)$ definiert durch
  812. \[
  813. \operatorname{Hom}^{n}(\com{X}, \com{Y}) = \prod_{i \in \Z} \operatorname{Hom}(X^{i}, Y^{i+n})
  814. \] mit Differentialen
  815. \[
  816. d^{n}(f) = d_{\com{Y} } f - (-1)^{n} f d_{\com{X}}
  817. \] für $f \in \operatorname{Hom}^{n}(\com{X}, \com{Y})$.
  818. \label{def:hom-compl}
  819. \end{definition}
  820. \begin{definition}
  821. Sei $A$ ein kommutativer Ring und
  822. seien $\com{M}, \com{N} \in \mathcal{K}(A\text{-Mod})$. Dann sei
  823. $\com{M} \otimes_A \com{N} \in \mathcal{K}(A\text{-Mod})$ definiert durch
  824. \[
  825. (\com{M} \otimes_A \com{N})^{n} = \bigoplus_{i \in \Z} M^{i} \otimes_A N^{n-i}
  826. \] mit Differentialen
  827. \[
  828. d^{n}(m \otimes n) = d_{\com{M} }(m) \otimes n + (-1)^{i} m \otimes d_{\com{N} }(n)
  829. \] für $m \in M^{i}, n \in N^{n-i}$.
  830. \label{def:tor-compl}
  831. \end{definition}
  832. \begin{bem}
  833. \begin{enumerate}[(a)]
  834. \item Die Konstruktionen in \ref{def:hom-compl} und \ref{def:tor-compl} sind
  835. funktoriell in beiden Variablen und induzieren daher entsprechende Funktoren.
  836. \item
  837. Wie für das klassiche Tensorprodukt von $A$-Moduln, existieren für
  838. $\com{M}, \com{N}, \com{P} \in \mathcal{K}(A\text{-Mod})$
  839. natürliche Isomorphismen
  840. \[
  841. \com{M} \otimes_A \com{N} = \com{N} \otimes_A \com{M} \text{ und }
  842. (\com{M} \otimes_A \com{N}) \otimes_A \com{P} = \com{M} \otimes_A (\com{N} \otimes_A \com{P})
  843. .\]
  844. \end{enumerate}
  845. \end{bem}
  846. Die Kohomologiegruppen von $\com{\operatorname{Hom}}(\com{X}, \com{Y})$ für Komplexe
  847. $\com{X}, \com{Y} \in \mathcal{K}$ lassen sich explizit bestimmen:
  848. \begin{lemma}
  849. Seien $\com{X}, \com{Y} \in \mathcal{K}$ zwei Komplexe. Dann gilt für $n \in \Z$:
  850. \[
  851. H^{n}\com{\operatorname{Hom}}(\com{X}, \com{Y}) = \operatorname{Mor}_{\mathcal{K}}(\com{X}, \com{Y}[n])
  852. .\]\label{hom-compl-cohomgroups}
  853. \end{lemma}
  854. \begin{proof}
  855. Sei $(f^i)_{i \in \Z} \in \prod_{i \in \Z} \operatorname{Hom}(X^{i}, Y^{i+n})$. Dann ist:
  856. \[
  857. (f^{i})_{i \in \Z} \in \operatorname{ker } d^{n} \iff (-1)^{n} d_{\com{Y}}^{i+n} f^i = f^{i+1} d_{\com{X} }^{i}
  858. \text{ für } i \in \Z
  859. .\] Wegen $d_{\com{Y}[n]} = (-1)^{n}d_{\com{Y}}$, induziert $(f^i)_{i \in \Z}$ also genau dann
  860. einen Komplexhomomorphismus $\com{X} \to \com{Y}[n]$, wenn $(f^{i})_{i \in \Z} \in \operatorname{ker } d^{n}$.
  861. Weiter ist $(f^{i})_{i \in \Z} \in \operatorname{im } d^{n-1}$, genau dann wenn eine Familie
  862. $(k^{i})_{i \in \Z}\in \prod_{i \in \Z}^{} \operatorname{Hom}(X^{i}, Y^{i+n-1})$ existiert, sodass
  863. %\[
  864. % f^{i} = d_{\com{Y}}^{i+n-1} k^{i} - (-1)^{n-1} k^{i+1} d_{\com{X} }^{i}
  865. % = d_{\com{Y}}^{i+n-1} k^{i} + (-1)^{n} k^{i+1} d_{\com{X} }^{i}
  866. %.\]
  867. \[
  868. (-1)^{n}f^{i} = (-1)^{n} d_{\com{Y}}^{i+n-1} k^{i} + k^{i+1} d_{\com{X} }^{i}
  869. .\] Erneut wegen $d_{\com{Y} [n]} = (-1)^{n} d_{\com{Y} }$, ist also für $(f^i)_{i \in \Z} \in \operatorname{ker } d^{n}$
  870. der induzierte Komplexhomomorphismus $f\colon \com{X} \to \com{Y} $ genau dann nullhomotop,
  871. wenn $(f^{i})_{i \in \Z} \in \operatorname{im }d^{n-1}$.
  872. \end{proof}
  873. \begin{lemma}[$\com{\operatorname{Hom}}(-, -)$ und (Ko)limites]
  874. Sei $\com{X} \in \mathcal{K}$ und seien $(\com{S} _n)_{n \in \N}$ bzw. $(\com{T} _n)_{n \in \N}$
  875. direkte bzw. inverse Systeme in $\mathcal{K}$. Dann sind die natürlichen Homomorphismen
  876. \[
  877. \com{\operatorname{Hom}}(\colim \com{S}_n, \com{X}) \longrightarrow \lim \com{\operatorname{Hom}}(\com{S}_n, \com{X})
  878. \] und
  879. \[
  880. \com{\operatorname{Hom}}(\com{X}, \lim \com{T}_n) \longrightarrow \lim \com{\operatorname{Hom}}(\com{X}, \com{T}_n)
  881. \] Isomorphismen.
  882. \label{lemma:inner-hom-commutes-with-limits}
  883. \end{lemma}
  884. \begin{proof}
  885. Das gilt gradweise nach Definition von $\lim$ und man verifiziert,
  886. dass die gradweisen Homomorphismen Komplexhomomorphismen bilden.
  887. \end{proof}
  888. \begin{lemma}[Tensorprodukt ist trianguliert]
  889. Sei $\com{M} \in \mathcal{K}(A\text{-Mod})$.
  890. Dann ist $- \otimes_A \com{M}$ (und $\com{M} \otimes_A -$) ein triangulierter Funktor von $\mathcal{K}(A\text{-Mod})$
  891. nach $\mathcal{K}(A\text{-Mod})$.
  892. \label{satz:tor-is-triangulated}
  893. \end{lemma}
  894. \begin{proof}
  895. Nach der Definition von ausgezeichneten Dreiecken in $\mathcal{K}$ genügt es nachzurechnen, dass
  896. für $f\colon \com{X} \to \com{Y} $ in $\mathcal{K}$ und $\com{S} \in \mathcal{K}$ gilt:
  897. \[
  898. \com{C}_f \otimes_A \com{S} = \com{C}_{f \otimes \text{id}_{\com{S}}}
  899. .\] Das rechnet man gradweise nach und zeigt, dass die Differentiale übereinstimmen.
  900. \end{proof}
  901. \begin{satz}[Adjunktion der Hom- und Tensorproduktkomplexe]
  902. Seien $\com{M}, \com{N}, \com{P} \in \mathcal{K}(A\text{-Mod})$. Dann existiert
  903. ein natürlicher Isomorphismus, der funktoriell in allen Variablen ist:
  904. \[
  905. \com{\operatorname{Hom}}(\com{M} \otimes_A \com{N}, \com{P})
  906. = \com{\operatorname{Hom}}(\com{M},\com{\operatorname{Hom}} (\com{N} , \com{P} ))
  907. .\]
  908. \label{satz:adjunction-hom-tor-comp}
  909. \end{satz}
  910. \begin{proof}
  911. Das gilt gradweise, weil für beliebige $A$-Moduln $M, N, P$ ein natürlicher Isomorphismus
  912. \[
  913. \operatorname{Hom}_{A}(M \otimes_A N, P) \to \operatorname{Hom}_{A}(M, \operatorname{Hom}_{A}(N, P))
  914. \] existiert. Man verifiziert, dass die gradweisen Isomorphismen Komplexhomomorphismen bilden.
  915. \end{proof}
  916. % TODO: verstehe ich nicht aber habe alternative
  917. %\begin{lemma}[]
  918. % Sei $\com{A} \in \mathcal{K}$ und $\mathcal{G}$ eine Klasse von Objekten
  919. % von $\mathcal{A}$, sodass jedes Objekt von $\mathcal{A}$ eine Einbettung
  920. % in ein Objekt aus $\mathcal{G}$ besitzt. Angenommen
  921. % $\com{\operatorname{Hom}}(\com{A}, E) \in \mathcal{K}(\mathcal{A}b)$ ist exakt für alle
  922. % $E \in \mathcal{G}$. Dann ist $\com{A} $ exakt.
  923. % \label{lemma:0.10}
  924. %\end{lemma}
  925. \newpage
  926. \section{K-injektive und K-projektive Auflösungen}
  927. Sei $\com{Y} \in \mathcal{K}$.
  928. Um die Bedingungen von \ref{satz:existence-derived-functors} für
  929. $\com{\operatorname{Hom}}(\com{Y}, -)$ (bzw. $\com{\operatorname{Hom}}(-, \com{Y})$)
  930. zu erfüllen, benötigen wir
  931. eine Unterkategorie $\mathcal{L}$ von Komplexen in $\mathcal{K}$, sodass
  932. \begin{enumerate}[(i)]
  933. \item für jeden Komplex $\com{X} \in \mathcal{K}$ ein Quasiisomorphismus
  934. $\com{X} \to \com{I}$ mit $\com{I} \in \mathcal{L}$
  935. (bzw. $\com{P} \to \com{X} $ mit $\com{P} \in \mathcal{L}$)
  936. existiert, und
  937. \item $\com{\operatorname{Hom}}(\com{Y}, -)$ (bzw. $\com{\operatorname{Hom}}(-, \com{Y})$) Exaktheit
  938. von Komplexen aus $\mathcal{L}$ erhält.
  939. \end{enumerate}
  940. Dazu definieren wir:
  941. \begin{definition}[K-injektiv]
  942. Ein Komplex $\com{I} \in \mathcal{K}$ heißt \emph{K-injektiv}, wenn der Funktor
  943. $\com{\operatorname{Hom}}(-, \com{I})$ Exaktheit von Komplexen erhält. Eine \emph{K-injektive
  944. Auflösung} eines Komplexes $\com{X} \in \mathcal{K}$ ist
  945. ein Quasiisomorphismus $\com{X} \to \com{I} $ mit
  946. $\com{I} \in \mathcal{K}$ K-injektiv.
  947. \end{definition}
  948. \begin{definition}[K-projektiv]
  949. Ein Komplex $\com{P} \in \mathcal{K}$ heißt \emph{K-projektiv}, wenn der Funktor
  950. $\com{\operatorname{Hom}}(\com{P}, -)$ Exaktheit von Komplexen erhält. Eine \emph{K-projektive
  951. Auflösung} eines Komplexes $\com{X} \in \mathcal{K}$ ist
  952. ein Quasiisomorphismus $\com{P} \to \com{X} $ mit
  953. $\com{P} \in \mathcal{K}$ K-projektiv.
  954. \end{definition}
  955. Das Ziel dieses Abschnitts ist das folgende Resultat:
  956. \begin{satz}
  957. Sei $R$ ein Ring und $\mathcal{A}$ die Kategorie der $R$-(Links-)Moduln. Dann
  958. hat jeder Komplex in $\mathcal{A}$ eine K-injektive und eine K-projektive
  959. Auflösung.
  960. \label{satz:r-mod-existence-k-proj-and-k-inj-resolutions}
  961. \end{satz}
  962. Die Vorgehensweise orientiert sich dabei an \cite{spaltenstein}.
  963. \subsection{Elementare Eigenschaften von K-injektiven und K-projektiven Komplexen}
  964. Zunächst werden einige grundlegenden Eigenschaften von K-injektiven und K-projektiven
  965. Komplexen entwickelt.
  966. \begin{lemma}[]
  967. Sei $\com{X} \in \mathcal{K}$. Es gilt
  968. \begin{align*}
  969. \com{X} \text{ K-injektiv} &\iff \operatorname{Mor}_{\mathcal{K}}(\com{S} , \com{X} ) = 0 \quad \forall \com{S} \in \mathcal{K} \text{ exakt}\\
  970. \com{X} \text{ K-projektiv} &\iff \operatorname{Mor}_{\mathcal{K}}(\com{X} , \com{S} ) = 0 \quad \forall \com{S} \in \mathcal{K} \text{ exakt}
  971. .\end{align*}
  972. \label{lemma:mork-crit-for-k-inj}
  973. \end{lemma}
  974. \begin{proof}
  975. Mit \ref{hom-compl-cohomgroups} ist $\com{X}$
  976. genau dann K-injektiv, wenn für jeden exakten Komplex
  977. $\com{S} \in \mathcal{K}$ gilt, dass
  978. $\operatorname{Mor}_{\mathcal{K}}(\com{S}[i] , \com{X}) = 0$ $\forall i \in \Z$.
  979. Da Verschieben Exaktheit erhält folgt die Behauptung. Die duale Aussage folgt durch Umdrehen der Pfeile.
  980. \end{proof}
  981. \begin{lemma}
  982. Ein exakter K-projektiver oder K-injektiver Komplex $\com{X} \in \mathcal{K}$
  983. ist zusammenziehbar, das heißt nullhomotop, also in $\mathcal{K}$ isomorph zum Nullkomplex.
  984. \label{lemma:k-inj-exact-contractible}
  985. \end{lemma}
  986. \begin{proof}
  987. Betrachte $\mathrm{id}_{\com{X}} \in \mathrm{Mor}_{\K}(\com{X} , \com{X})
  988. \stackrel{\ref{lemma:mork-crit-for-k-inj}}{=} 0$. Also ist $\mathrm{id}_{\com{X} } = 0$ und damit
  989. $\com{X} = 0$ in $\K$.
  990. \end{proof}
  991. \begin{bem}
  992. Aus \ref{lemma:k-inj-exact-contractible} folgt, dass für einen exakten und K-injektiven Komplex
  993. $\com{I} \in \mathcal{K}$ und
  994. einen beliebigen Komplex $\com{X} \in \mathcal{K}$,
  995. der Komplex $\com{\operatorname{Hom}}(\com{X}, \com{I})$ exakt ist, denn
  996. \[
  997. H^{i}(\com{\operatorname{Hom}}(\com{X}, \com{I})) = \operatorname{Mor}_{\mathcal{K}}(\com{\operatorname{Hom}}(\com{X}, \com{I}[i]))
  998. \stackrel{\ref{lemma:k-inj-exact-contractible}}{=} \operatorname{Mor}_{\mathcal{K}}(\com{\operatorname{Hom}}(\com{X}, 0)) = 0
  999. .\] Analog gilt die duale Version für exakte K-projektive Komplexe.
  1000. \label{satz:hom-exact-for-k-inj}
  1001. %auch $\com{\operatorname{Hom}}(\com{X}, \com{I})$ exakt ist für alle $\com{M} \in \mathcal{K}$.
  1002. \end{bem}
  1003. Für ein Objekt $X \in \mathcal{A}$ stellt sich die Frage, ob Injektivität (bzw. Projektivität) von $X$ in $\mathcal{A}$
  1004. mit K-Injektivität (bzw. K-Projektivität) des Komplexes $\com{X}$, wobei $X^{i} = 0$ für alle $i \neq 0$ und
  1005. $X^{0} = X$, zusammenhängt. Die folgende Aussage stellt diesen Zusammenhang her:
  1006. \begin{satz}
  1007. Sei $\com{X} \in \K$ mit $X^{i} = 0$ $\forall i \neq 0$. Dann ist $\com{X} $ K-projektiv (bzw. K-injektiv) genau
  1008. dann wenn $X^{0}$ projektiv (bzw. injektiv) in $\mathcal{A}$ ist.
  1009. \label{satz:single-degree-compl-k-proj}
  1010. \end{satz}
  1011. \begin{proof}
  1012. Wir zeigen nur den K-projektiven Fall. Der K-injektive folgt dann durch Umdrehen
  1013. aller Pfeile.
  1014. ($\Rightarrow$) Sei $\com{X} $ K-projektiv und $\com{S} = [0 \to M \to N \to P \to 0]$ eine kurze exakte Folge in $\mathcal{A}$. Sei
  1015. $f\colon X^{0} \to P$. Das induziert einen Komplexhomomorphismus $\com{X} \to \com{S}$:
  1016. \[\begin{tikzcd}
  1017. 0 \arrow{d} \arrow{r} & 0 \arrow{d} \arrow{r} & X^0 \arrow{d}{f} \arrow[dashed]{dl}{k} \arrow{r}
  1018. & 0 \arrow{d} \arrow[dashed]{dl}\\
  1019. M \arrow{r} & N \arrow[twoheadrightarrow]{r}{v} & P \arrow{r} & 0
  1020. \end{tikzcd}\]
  1021. Nach Voraussetzung ist dieser nullhomotop, das heißt es existiert ein $k \colon X^{0} \to N$, sodass $f = vk$. Also ist
  1022. $v_{*}\colon \operatorname{Hom}(X^{0}, N) \to \operatorname{Hom}(X^{0}, P)$ surjektiv und damit $X^{0}$ projektiv.
  1023. ($\Leftarrow$) Sei nun $X^{0}$ projektiv, $\com{S} \in \mathcal{K}$ exakt und $f\colon \com{X} \to \com{S}$
  1024. Komplexhomomorphismus. Dann betrachte
  1025. \[
  1026. \begin{tikzcd}
  1027. 0 \arrow[from=1-1,to=1-3] \arrow{d} & & X^{0} \arrow{r}
  1028. \arrow[swap, dashed, from=1-3,to=2-1]{}{k^{0}}
  1029. \arrow[dashed]{dl} \arrow{d}{f^{0}} & 0 \arrow{d} \\
  1030. S^{-1} \arrow[swap, twoheadrightarrow]{r}{d^{-1}} & \operatorname{im }d^{-1} \arrow{r} & S^{0}
  1031. \arrow[swap]{r}{d^{0}} & S^{1}
  1032. \end{tikzcd}
  1033. .\]
  1034. Da $d^{0}f^{0} = 0$, faktorisiert $f^{0}$ über $\operatorname{ker } d^{0} = \operatorname{im }d^{-1}$. Weil
  1035. $X^0$ projektiv ist, existiert $k^{0}\colon X^{0} \to S^{-1}$, sodass $f^{0} = d^{-1} k^{0}$.
  1036. \end{proof}
  1037. \begin{satz}[]
  1038. Die volle Unterkategorie der K-projektiven (bzw. K-injektiven) Komplexe in $\mathcal{K}$ ist
  1039. eine triangulierte Unterkategorie.
  1040. \label{satz:k-proj-triangulated}
  1041. \end{satz}
  1042. \begin{proof}
  1043. Wir zeigen Bedingungen (i) und (ii) aus \ref{def:triangulated-subcategory} in
  1044. der K-projektiven Version, die duale Aussage folgt durch Umdrehen der Pfeile.
  1045. \begin{enumerate}[(i)]
  1046. \item Das folgt aus \ref{lemma:mork-crit-for-k-inj}
  1047. und daraus, dass für $\com{X}, \com{S} \in \mathcal{K}$ gilt: $\com{S} $ exakt $\iff \com{S} [-1]$
  1048. exakt und
  1049. \[
  1050. \operatorname{Mor}_{\mathcal{K}}(\com{X}, \com{S}[-1]) = \operatorname{Mor}_{\mathcal{K}}(\com{X}[1], \com{S})
  1051. .\]
  1052. \item Sei $(\com{X}, \com{Y}, \com{Z}, u, v, w)$ ein ausgezeichnetes Dreieck in $\mathcal{K}$
  1053. mit $\com{X}, \com{Y} $ K-projektiv
  1054. und $\com{S} \in \mathcal{K}$ ein exakter Komplex. Nach Anwenden von $\operatorname{Mor}_{\mathcal{K}}(-, \com{S})$
  1055. ist dann mit \ref{hom-cohom-func} die Folge
  1056. \[
  1057. \begin{tikzcd}
  1058. \underbrace{\operatorname{Mor}_{\mathcal{K}}(\com{X}[1], \com{S})}_{= 0} \arrow{r}
  1059. & \operatorname{Mor}_{\mathcal{K}}(\com{Z}, \com{S} ) \arrow{r}
  1060. &
  1061. \underbrace{\operatorname{Mor}_{\mathcal{K}}(\com{Y}, \com{S} )}_{= 0}
  1062. \end{tikzcd}
  1063. .\]
  1064. \[
  1065. \] exakt und die äußeren Terme $0$ nach Voraussetzung und (i). Also folgt
  1066. $\operatorname{Mor}_{\mathcal{K}}(\com{Z}, \com{S}) = 0$, und damit $\com{Z} $ K-projektiv.
  1067. Der allgemeine Fall folgt nun mit \hyperref[TR2]{TR2}.
  1068. \end{enumerate}
  1069. \end{proof}
  1070. \begin{satz}
  1071. Sei $\com{P} \in \mathcal{K}$. Dann sind äquivalent
  1072. \begin{enumerate}[(i)]
  1073. \item $\com{P} $ K-projektiv.
  1074. \item Für jeden Quasiisomorphismus $\com{X} \to \com{Y} $ in $\mathcal{K}$ ist der natürliche Homomorphismus
  1075. \[
  1076. \operatorname{Mor}_{\mathcal{K}}(\com{P} , \com{X} ) \to \operatorname{Mor}_{\mathcal{K}}(\com{P} , \com{Y} )
  1077. \] ein Isomorphismus.
  1078. \item Für $\com{S} \in \mathcal{K}$ ist der natürliche Homomorphismus
  1079. \[
  1080. \operatorname{Mor}_{\mathcal{K}}(\com{P} , \com{S} ) \to \operatorname{Mor}_{\mathcal{D}}(\com{P} , \com{S} )
  1081. \] ein Isomorphismus.
  1082. \end{enumerate}
  1083. \label{satz:mork=mord-for-kproj}
  1084. \end{satz}
  1085. \begin{proof}
  1086. (i)$\implies$(ii): Sei $f\colon \com{X} \to \com{Y} $ ein Quasiisomorphismus. Dann ist
  1087. \[
  1088. \begin{tikzcd}
  1089. \com{X} \arrow{r}{f} & \com{Y} \arrow{r} & \com{C_f} \arrow{r} & \com{X}[1]
  1090. \end{tikzcd}
  1091. \] ein ausgezeichnetes Dreieck und $\com{C_f}$ ist nach \ref{mapping-cone-exact-for-qis} exakt. Anwenden von
  1092. $\operatorname{Mor}_{\mathcal{K}}(\com{P} , -) $ liefert mit \ref{hom-cohom-func} eine exakte Folge:
  1093. \[
  1094. \begin{tikzcd}
  1095. \underbrace{\operatorname{Mor}_{\mathcal{K}}(\com{P} , \com{C_f}[-1]) \arrow{r}}_{= 0} &
  1096. \operatorname{Mor}_{\mathcal{K}}(\com{P} , \com{X} ) \arrow{r} &
  1097. \operatorname{Mor}_{\mathcal{K}}(\com{P} , \com{Y} ) \arrow{r} &
  1098. \underbrace{\operatorname{Mor}_{\mathcal{K}}(\com{P}, \com{C_f} ) }_{= 0}
  1099. \end{tikzcd}
  1100. .\] Die äußeren Terme sind 0, da $\com{P} $ K-projektiv ist, also folgt der behauptete Isomorphismus.
  1101. (ii)$\implies$(iii): Injektivität: Sei $f\colon \com{P} \to \com{S} $, sodass $\text{id}^{-1}f = 0$. Nach
  1102. \ref{derived-cat-morphism-null} existiert ein Quasiisomorphismus $t\colon \com{S} \to \com{T} $ , sodass $tf= 0$.
  1103. Nach (ii) ist $t_{*}\colon \operatorname{Mor}_{\mathcal{K}}(\com{P} , \com{S} ) \to \operatorname{Mor}_{\mathcal{K}}(\com{P} , \com{T} ) $
  1104. injektiv, also folgt $f = 0$. Surjektivität: Sei $a \in \operatorname{Mor}_{\mathcal{D}}(\com{P} , \com{S} ) $. Dann
  1105. ist $a$ ein Diagramm in $\mathcal{K}$
  1106. \[
  1107. \begin{tikzcd}
  1108. & \com{Y} & \\
  1109. \com{P} \arrow{ur}{f} & & \arrow{ul}{s} \com{S}
  1110. \end{tikzcd}
  1111. \] mit $s$ Quasiisomorphismus. Nach (ii) ist $s_{*}\colon \operatorname{Mor}_{\mathcal{K}}(\com{P} , \com{S} ) \to \operatorname{Mor}_{\mathcal{K}}(\com{P} , \com{Y} ) $ surjektiv, also existiert ein $g\colon \com{P} \to \com{S} $, sodass $sg = f$. Also
  1112. kommutiert
  1113. \[
  1114. \begin{tikzcd}
  1115. & \com{S} \arrow{d}{s} & \\
  1116. \com{P} \arrow{dr}{f} \arrow{ur}{g} & \com{Y} & \arrow{l}{s} \arrow{ul}{\text{id}} \com{S} \arrow{dl}{s}\\
  1117. & \com{Y} \arrow{u}{\text{id}} & \\
  1118. \end{tikzcd}
  1119. .\] Damit folgt $a = g\text{id}^{-1}$.
  1120. (iii)$\implies$(i): Sei $\com{S} $ exakt. Dann ist $\com{S} \to 0$ ein Quasiisomorphismus, also
  1121. $\com{S} = 0$ in $\mathcal{D}$, also
  1122. \[
  1123. \operatorname{Mor}_{\mathcal{K}}(\com{P} , \com{S} )
  1124. \stackrel{\text{(ii)}}{=} \operatorname{Mor}_{\mathcal{D}}(\com{P} , \com{S} )
  1125. = \operatorname{Mor}_{\mathcal{D}}(\com{P} , \com{0} ) = 0
  1126. .\]
  1127. \end{proof}
  1128. \begin{satz}
  1129. Sei $\com{P} \in \mathcal{K}$. Dann sind äquivalent
  1130. \begin{enumerate}[(i)]
  1131. \item $\com{P} $ K-projektiv.
  1132. \item Für alle Diagramme in $\mathcal{K}$
  1133. \[
  1134. \begin{tikzcd}
  1135. & \com{X} \arrow{d}{s} \\
  1136. \com{P} \arrow{r}{f} & \com{Y}\\
  1137. \end{tikzcd}
  1138. \] mit $s$ Quasiisomorphismus, existiert genau ein $g\colon \com{P} \to \com{X} $, sodass
  1139. $sg= f$ in $\mathcal{K}$.
  1140. \item Für alle Quasiisomorphismen $s\colon \com{S} \to \com{P} $ in $\mathcal{K}$ existiert ein
  1141. $g\colon \com{P} \to \com{S} $, sodass $sg = \text{id}_{\com{P} }$ in $\mathcal{K}$.
  1142. \end{enumerate}
  1143. \end{satz}
  1144. \begin{proof}
  1145. (i)$\implies$(ii): Betrachte das gegebene Diagramm in $\mathcal{D}$:
  1146. \[
  1147. \begin{tikzcd}
  1148. & \com{X} \arrow{d}{\text{id}^{-1}s} \\
  1149. \com{P} \arrow[dashed]{ur}{g} \arrow{r}{\text{id}^{-1}f} & \com{Y}
  1150. \end{tikzcd}
  1151. .\] Da $s$ ein Quasiisomorphismus ist, induziert $s$ einen Isomorphismus in $\mathcal{D}$.
  1152. Also existiert genau ein
  1153. $g\colon \com{P} \to \com{X} $ in $\mathcal{D}$, sodass das Diagramm kommutiert. \ref{satz:mork=mord-for-kproj}
  1154. (iii) liefert das gewünschte Diagramm in $\mathcal{K}$.
  1155. (ii)$\implies$(iii): Betrachte
  1156. \[
  1157. \begin{tikzcd}
  1158. & \com{S} \arrow{d}{s} \\
  1159. \com{P} \arrow{r}{\text{id}} & \com{P}
  1160. \end{tikzcd}
  1161. .\] Da $s$ ein Quasiisomorphismus ist,
  1162. existiert mit (ii) ein $g\colon \com{P} \to \com{S}$, sodass $sg = \text{id}_{\com{P} }$.
  1163. (iii)$\implies$(i): Erneut mit \ref{satz:mork=mord-for-kproj} genügt es zu zeigen, dass für
  1164. $\com{S} \in \mathcal{K}$ die natürliche Abbildung
  1165. $\operatorname{Mor}_{\mathcal{K}}(\com{P} , \com{S} ) \to \operatorname{Mor}_{\mathcal{D}}(\com{P} , \com{S} ) $ bijektiv ist.
  1166. Injektivität: Sei $f\colon \com{P} \to \com{S} $ mit $\text{id}^{-1}f = 0$ in $\mathcal{D}$. Dann
  1167. existiert nach \ref{derived-cat-morphism-null} ein Quasiisomorphismus $t\colon \com{T} \to \com{P} $
  1168. mit $ft = 0$.
  1169. Also existiert mit (iii) ein $g\colon \com{P} \to \com{T} $, sodass $tg = \text{id}_{\com{P} }$, also
  1170. \[
  1171. f = f \text{id}_{\com{P} } = \underbrace{ft}_{=0}g = 0
  1172. .\]
  1173. Surjektivität: Sei $a \colon \com{P} \to \com{S} $ in $\mathcal{D}$. Dann ist $a$ gegeben durch ein Diagramm
  1174. \[
  1175. \begin{tikzcd}
  1176. & \com{Q} \arrow{dr}{f} \arrow{dl}{s} & \\
  1177. \com{P} & & \com{S}
  1178. \end{tikzcd}
  1179. \] in $\mathcal{K}$ mit $s$ Quasiisomorphismus. Nach (iii) existiert ein $t\colon \com{P} \to \com{Q}$ mit
  1180. $st = \text{id}_{\com{P} }$. Dann ist
  1181. \[
  1182. \begin{tikzcd}
  1183. & \com{Q} \arrow{dl}{s} \arrow{dr}{f} & \\
  1184. \com{P} & \com{P} \arrow{l}{\text{id}} \arrow{u}{t} \arrow{d}{\text{id}} & \com{S} \\
  1185. & \com{P} \arrow{ul}{\text{id}} \arrow{ur}{ft} & \\
  1186. \end{tikzcd}
  1187. \] ein kommutatives Diagramm in $\mathcal{K}$, also folgt $s^{-1}f = \text{id}^{-1}(ft)$ in $\mathcal{D}$.
  1188. \end{proof}
  1189. Durch Umdrehen aller Pfeile erhalten wir analog:
  1190. \begin{satz}[]
  1191. Für jeden Komplex $\com{I} \in \mathcal{K}$ sind äquivalent:
  1192. \begin{enumerate}[(i)]
  1193. \item $\com{I}$ K-injektiv
  1194. \item Für $\com{S} \in \mathcal{K}$ ist der natürliche Homomorphismus
  1195. \[
  1196. \operatorname{Mor}_{\mathcal{K}}(\com{S} , \com{I} ) \to \operatorname{Mor}_{\mathcal{D}}(\com{S} , \com{I} )
  1197. \] ein Isomorphismus.
  1198. \item Für jedes Diagramm in $\mathcal{K}$
  1199. \[
  1200. \begin{tikzcd}
  1201. \com{Y} \arrow{r}{f} \arrow{d}{s} & \com{I} \\
  1202. \com{X}
  1203. \end{tikzcd}
  1204. \] mit $s$ Quasiisomorphismus, existiert genau ein $g\colon \com{X} \to \com{I} $, sodass das Diagramm
  1205. kommutiert.
  1206. \item Für jeden Quasiisomorphismus $s\colon \com{I} \to \com{S} $ in $\mathcal{K}$ existiert ein
  1207. $g\colon \com{S} \to \com{I} $, sodass $gs = \text{id}_{\com{I} }$ in $\mathcal{K}$.
  1208. \end{enumerate}
  1209. \label{satz:mork=mord-for-k-inj}
  1210. \end{satz}
  1211. \subsection{Spezielle inverse und direkte Systeme}
  1212. Nun stellt sich die Aufgabe für jeden Komplex $\com{A} \in \mathcal{K}$ eine K-injektive und eine K-projektive
  1213. Auflösung zu konstruieren. Dies machen wir mit sogenannten speziellen inversen bzw. direkten Systemen.
  1214. \begin{definition}[Spezielles inverses System]
  1215. Sei $\mathcal{J} \subset \mathcal{K}$ eine Klasse von Komplexen.
  1216. \begin{enumerate}[(a)]
  1217. \item Ein inverses System $(\com{I}_n)_{n \in \N}$ in $\mathcal{K}$ heißt
  1218. \emph{$\mathcal{J}$-spezielles inverses System}, falls folgende Bedingungen erfüllt sind:
  1219. \begin{enumerate}[(i)]
  1220. \item Falls $n = 1$, dann ist $\com{I}_n = 0$.
  1221. \item Falls $n > 1$, dann sei $\com{C}_n$ der Kern der natürlichen Abbildung
  1222. $\com{I} _n \to \com{I}_{n-1}$. Dann ist $\com{C}_n \in \mathcal{J}$ und
  1223. die kurze exakte Folge
  1224. \[
  1225. 0 \to \com{C}_n \to \com{I}_n \to \com{I} _{n-1} \to 0
  1226. \] zerfällt stufenweise.
  1227. \end{enumerate}
  1228. \item Die Klasse $\mathcal{J}$ heißt abgeschlossen unter speziellen inversen Limites, falls jedes
  1229. $\mathcal{J}$-spezielle inverse System in $\mathcal{K}$ einen Limes in $\mathcal{J}$ besitzt und jeder
  1230. Komplex in $\mathcal{K}$, der isomorph zu einem Komplex in $\mathcal{J}$ ist, bereits in $\mathcal{J}$ ist.
  1231. \end{enumerate}
  1232. \label{def:special-inv-system}
  1233. \end{definition}
  1234. % TODO: beispiel funktioniert nicht mit N als indexmenge, wird nicht benoetigt
  1235. %\item Sei $\mathcal{J}$ eine Klasse von Komplexen abgeschlossen unter speziellen inversen Limites mit
  1236. % $\com{A} \in \mathcal{J} \iff \com{A}[1] \in \mathcal{J}$. Dann ist für $\com{A}, \com{B} \in \mathcal{J}$
  1237. % und $u \colon \com{A} \to \com{B} $, auch $\com{C}_u$ in $\mathcal{J}$. Denn
  1238. % \[
  1239. % \com{C}_u \to \com{A}[1] \to 0
  1240. % \] ist ein $\mathcal{J}$-spezielles inverses System mit Limes $\com{C}_u$.
  1241. \begin{lemma}
  1242. Sei $\mathcal{J}_0$ eine Klasse von Objekten von $\mathcal{A}$. Sei weiter $\mathcal{J}$ eine
  1243. unter speziellen inversen Limites abgeschlossene Klasse
  1244. von Objekten in $\mathcal{K}$, sodass jeder Komplex $\com{A} \in \mathcal{K}$ mit nur einem nicht-null
  1245. Term und mit $A^{i} \in \mathcal{J}_0$ für $i \in \Z$, in $\mathcal{J}$ enthalten ist. Dann
  1246. ist jeder nach unten beschränkte Komplex $\com{A} \in \mathcal{K}$ mit $A^{i} \in \mathcal{J}_0$
  1247. für $i \in \Z$ in $\mathcal{J}$ enthalten.
  1248. \label{lemma:bounded-compl-in-complete-class}
  1249. \end{lemma}
  1250. \begin{proof}
  1251. Sei $\com{A} \in \mathcal{K}$ nach unten beschränkt mit
  1252. $A^{i} \in \mathcal{J}_0$ für alle $i \in \Z$. Ohne Einschränkung
  1253. sei $A^{i} = 0$ für alle $i < 0$. Dann sind die Spalten des nachstehenden Diagramms ein
  1254. $\mathcal{J}$-spezielles inverses System $(\com{S}_n)_{n \in \N}$ mit
  1255. Übergangsabbildungen $p_n$,
  1256. \[
  1257. \begin{tikzcd}
  1258. \cdots \arrow{r} & 0 \arrow{r} \arrow{d} & 0 \arrow{r} \arrow{d} & 0 \arrow{r} \arrow{d} & 0 \arrow{d}\\
  1259. \cdots\arrow{r} & A^{0} \arrow{d} \arrow{r} & A^{0} \arrow{d} \arrow{r} & A^{0} \arrow{d} \arrow{r} & 0 \arrow{d}\\
  1260. \cdots\arrow{r} & A^{1} \arrow{d} \arrow{r} & A^{1} \arrow{d} \arrow{r} & 0 \arrow{d} \arrow{r} & 0 \arrow{d}\\
  1261. \cdots\arrow{r} & A^{2} \arrow{d} \arrow{r} & 0 \arrow{d} \arrow{r} & 0 \arrow{d} \arrow{r} & 0 \arrow{d} \\
  1262. & \vdots & \vdots & \vdots & \vdots \\
  1263. \end{tikzcd}
  1264. \] denn für $n > 1$ ist $\com{\operatorname{ker } p}_n$ = $[\cdots \to 0 \to \underbrace{A^{n-2}}_{\in \mathcal{J}_0} \to 0 \to \cdots ]$. Nach
  1265. Voraussetzung ist also $\operatorname{ker } p_n$ in $\mathcal{J}$ und die kurze exakte Folge
  1266. $0 \to \com{\operatorname{ker } p}_n \to \com{S}_n \to \com{S}_{n-1} \to 0$ zerfällt gradweise. Also folgt
  1267. $\com{A} = \lim \com{S}_n \in \mathcal{J}$.
  1268. \end{proof}
  1269. Im Folgenden zeigen wir, dass die Klasse der K-injektiven Komplexe
  1270. abgeschlossen unter speziellen inversen Limites ist. Dazu zeigen wir zunächst, dass dies für die Klasse
  1271. der exakten Komplexe gilt. Da der inverse Limes im Allgemeinen nicht exakt ist, benötigen wir dafür ein
  1272. technisches Hilfswerkzeug für inverse Systeme in $\mathcal{A}b$.
  1273. \begin{definition}
  1274. %Wir sagen eine totalgeordnete Indexmenge $(I, \le)$ genüge der Bedingung (S), wenn eine ordnungserhaltende
  1275. %Bijektion $\iota\colon I \to \N$ existiert. Für $i \in I$ bezeichne, falls dieser existiert, mit $i+1$ bzw. $i-1$, den
  1276. %von $\iota$ induzierten Vorgänger bzw. Nachfolger von $i$.
  1277. Ein inverses System $(M_n)_{n \in \N}$ in $\mathcal{A}b$ genüge der Bedingung
  1278. \emph{(R)}, wenn folgende Eigenschaften erfüllt sind:
  1279. \begin{enumerate}[(i)]
  1280. \item $M_1 = 0$.
  1281. \item Für $n > 1$ ist die Abbildung $M_n \to M_{n-1}$ surjektiv.
  1282. \end{enumerate}
  1283. %Weiter sagen wir ein inverses System $(M_i)_{i \in I}$ in $\mathcal{A}b$ genüge der Bedingung
  1284. %(R), wenn folgende Eigenschaften erfüllt sind:
  1285. %\begin{enumerate}[(i)]
  1286. % \item $I$ genügt Bedingung (S).
  1287. % \item $M_1 = 0$.
  1288. % \item Für $i > I_{\operatorname{min}}$ ist die Abbildung $M_i \to M_{i-1}$ surjektiv.
  1289. %\end{enumerate}
  1290. \label{def:cond-r}
  1291. \end{definition}
  1292. \begin{bsp}
  1293. Spezielle inverse Systeme erfüllen (R).
  1294. \end{bsp}
  1295. \begin{lemma}
  1296. Seien
  1297. $(A_n)_{n \in \N}$, $(B_{n})_{n \in \N}$, $(C_n)_{n \in \N}$ und $(D_n)_{n \in \N}$
  1298. inverse Systeme in $\mathcal{A}b$, die (R) erfüllen und seien
  1299. \begin{equation}
  1300. \begin{tikzcd}
  1301. (A_n)_{n \in \N} \arrow{r}{(f_n)_{n \in \N}} & (B_n)_{n \in \N} \arrow{r}{(g_n)_{n \in \N}} &
  1302. (C_n)_{n \in \N} \arrow{r}{(h_n)_{n \in \N}} & (D_n)_{n \in \N}
  1303. \end{tikzcd}
  1304. \label{eq:0.11-inv-systems}
  1305. \end{equation}
  1306. Morphismen von inversen Systemen mit $g_n \circ f_n = 0 = h_n \circ g_n$
  1307. für $n \in \N$ und sei
  1308. \[
  1309. \begin{tikzcd}
  1310. A \arrow{r}{f} & B \arrow{r}{g} & C \arrow{r}{h} & D
  1311. \end{tikzcd}
  1312. \] der Limes von \eqref{eq:0.11-inv-systems}. Für $n \in \N$ mit $n > 1$
  1313. seien $A_n'$, $B_n'$, $C_n'$ und $D_n'$ die jeweiligen Kerne
  1314. der Übergangsabbildungen $A_n \to A_{n-1}$, $B_n \to B_{n-1}$, $C_n \to C_{n-1}$
  1315. und $D_n \to D_{n-1}$.
  1316. Sei weiter $N \in \N$, sodass für alle $n > N$ die Folge
  1317. \[
  1318. \begin{tikzcd}
  1319. A_n' \arrow{r} & B_n' \arrow{r} & C_n' \arrow{r} & D_n'
  1320. \end{tikzcd}
  1321. \] exakt ist.
  1322. Dann ist die natürliche Abbildung
  1323. \[
  1324. \operatorname{ker } g / \operatorname{im } f \longrightarrow \operatorname{ker } g_N / \operatorname{im } f_N
  1325. \] ein Isomorphismus.
  1326. \label{0.11}
  1327. \end{lemma}
  1328. \begin{proof}
  1329. Sei
  1330. $N \in \N$ mit der beschriebenen Eigenschaft. Dann betrachte das folgende kommutative Diagramm und
  1331. mache Diagrammjagd.
  1332. \begin{equation}
  1333. \begin{tikzcd}
  1334. A \arrow[twoheadrightarrow]{r}{f} \arrow{d} & \operatorname{im } f \arrow[hookrightarrow]{r}
  1335. & \operatorname{ker } g \arrow[hookrightarrow]{r} \arrow{d}
  1336. & B \arrow{r}{g} \arrow{d}
  1337. & C \arrow{r}{h} \arrow{d}
  1338. & D \arrow{d} \\
  1339. A_N \arrow[twoheadrightarrow]{r}{f_N} & \operatorname{im } f_N \arrow[hookrightarrow]{r}
  1340. & \operatorname{ker } g_N \arrow[hookrightarrow]{r}
  1341. & B_N \arrow{r}{g_N}
  1342. & C_N \arrow{r}{h_N}
  1343. & D_N \\
  1344. A_{N+1} \arrow[twoheadrightarrow]{r}{f_{N+1}} \arrow[twoheadrightarrow]{u}{p_{A}}
  1345. & \operatorname{im } f_{N+1} \arrow[hookrightarrow]{r} \arrow{u}
  1346. & \operatorname{ker } g_{N+1} \arrow[hookrightarrow]{r} \arrow{u}
  1347. & B_{N+1} \arrow{r}{g_{N+1}} \arrow[twoheadrightarrow]{u}{p_B}
  1348. & C_{N+1} \arrow{r}{h_{N+1}} \arrow[twoheadrightarrow]{u}{p_C}
  1349. & D_{N+1} \arrow[twoheadrightarrow]{u}{p_D} \\
  1350. \operatorname{ker } p_{A} \arrow[from=4-1, to=4-4] \arrow[hookrightarrow]{u} & &
  1351. & \operatorname{ker } p_{B} \arrow{r} \arrow[hookrightarrow]{u}
  1352. & \operatorname{ker } p_{C} \arrow{r} \arrow[hookrightarrow]{u}
  1353. & \operatorname{ker } p_{D} \arrow[hookrightarrow]{u} \\
  1354. \end{tikzcd}
  1355. \label{eq:0.11-diag}
  1356. \end{equation}
  1357. Injektivität: Sei $(b_n)_{n \in \N} \in \operatorname{ker } g$, sodass $b_N \in \operatorname{im }f_N$.
  1358. Dann existiert ein $a_N \in A_N$, sodass $f_N(a_N) = b_N$. Da $p_A$ surjektiv ist,
  1359. existiert ein $x \in A_{N+1}$, sodass $p_A(x) = a_N$. Sei
  1360. $y = f_{N+1}(x)$. Weil \eqref{eq:0.11-diag} kommutativ ist,
  1361. folgt
  1362. \[
  1363. p_B(y) = p_B(f_{N+1}(x)) = f_N(p_A(x)) = f_N(a_N) = b_N
  1364. .\] Da $(b_n)_{n \in \N}$ ein kompatibles
  1365. System ist, gilt zudem $p_{B}(b_{N+1}) = b_N$. Also ist
  1366. $b_{N+1} - y \in \operatorname{ker } p_{B}$. Weil $y, b_{N+1} \in \operatorname{ker } g_{N+1}$,
  1367. existiert aufgrund der Exaktheit der unteren Zeile ein $\tilde{x} \in \operatorname{ker } p_A$,
  1368. sodass $f_{N+1}(\tilde{x}) = b_{N+1} - y$. Nun
  1369. setze $a_{N+1} \coloneqq \tilde{x} + x$. Dann ist
  1370. \[
  1371. f_{N+1}(a_{N+1}) = f_{N+1}(\tilde{x} + x) = b_{N+1} - y + y = b_{N+1}
  1372. \]
  1373. und
  1374. \[
  1375. p_{A}(a_{N+1}) = p_{A}(\tilde{x} + x) = p_{A}(x) = a_N
  1376. ,\] denn $\tilde{x} \in \operatorname{ker } p_{A}$. Konstruiere so induktiv eine kompatible
  1377. Familie $(a_{n})_{n\ge N}$ mit $f(a_n) = b_n$ für alle $n \ge N$. Für $n < N$ setze
  1378. $a_n \coloneqq p_{A_{n+1}}(a_{n+1})$. Die Kommutativität von \eqref{eq:0.11-diag}
  1379. liefert dann, dass $(a_n)_{n \in \N}$ ein kompatibles System ist mit $f(a_{n}) = b_n$ für alle $n \in \N$.
  1380. Surjektivität: Sei $b \in \operatorname{ker } g_N$. Weil $p_B$ surjektiv ist, existiert ein
  1381. $y \in B_{N+1}$, sodass $p_B(y) = b$. Sei $z = g_{N+1}(y)$.
  1382. Aufgrund der Kommutativität von
  1383. \eqref{eq:0.11-diag} ist dann
  1384. \[
  1385. p_C(z) = p_C(g_{N+1}(y)) = g_N(p_B(y)) = g_N(b) = 0
  1386. ,\]
  1387. also
  1388. folgt $z \in \operatorname{ker } p_C$. Da $h_{N+1} \circ g_{N+1} = 0$ folgt
  1389. \[
  1390. h_{N+1}(z) = h_{N+1}(g_{N+1}(z)) = 0
  1391. .\]
  1392. Da die untere Zeile exakt ist, existiert nun
  1393. ein $\tilde{y} \in \operatorname{ker } p_B$, sodass $g_{N+1}(\tilde{y}) = z$. Also ist
  1394. $y - \tilde{y} \in \operatorname{ker } g_{N+1}$ und
  1395. \[
  1396. p_B(y - \tilde{y}) = p_B(y) = b
  1397. .\]
  1398. Setze $b_{N+1} \coloneqq y - \tilde{y}$ und $b_N \coloneqq b$.
  1399. Dann konstruiere induktiv eine kompatible
  1400. Familie $(b_n)_{n \ge N}$ mit $b_n \in \operatorname{ker } g_{n}$ für alle $n \ge N$. Für $n < N$ setze wie
  1401. oben $b_n \coloneqq p_{B_{n+1}}(b_{n+1})$. Erneut liefert die Kommutativität von
  1402. \eqref{eq:0.11-diag}, dass $(b_n)_{n \in \N} \in \operatorname{ker } g$ ein kompatibles System mit $b_N = b$ ist.
  1403. \end{proof}
  1404. \begin{bem}
  1405. Falls in der Situation von \ref{0.11}, $N= 1$ gewählt werden kann, folgt wegen $A_1 = B_1 = C_1 = D_1 = 0$,
  1406. dass die Folge
  1407. \[
  1408. \begin{tikzcd}
  1409. A \arrow{r}{f} & B \arrow{r}{g} & C
  1410. \end{tikzcd}
  1411. \] exakt ist.
  1412. \end{bem}
  1413. \begin{korollar}
  1414. Die Klasse $\mathcal{E}$ der exakten Komplexe in $\mathcal{K}(\mathcal{A}b)$ ist abgeschlossen unter speziellen inversen Limites.
  1415. \label{lemma:exact-comp-complete-inv}
  1416. \end{korollar}
  1417. \begin{proof}
  1418. Sei $(\com{S}_n)_{n \in \N}$ ein $\mathcal{E}$-spezielles inverses System in $\mathcal{K}(\mathcal{A}b)$. Für $i \in \Z$
  1419. erfüllt $(S_n^{i})_{n \in \N}$ die Bedingung (R) aus \ref{def:cond-r}. Sei also $i \in \Z$ beliebig. Dann erfüllt
  1420. \[
  1421. (S_n^{i-1})_{n \in \N} \to (S_n^{i})_{n \in \N} \to (S_n^{i+1})_{n \in \N} \to (S_n^{i+2})_{n \in \N}
  1422. \] die Bedingungen von \ref{0.11} für $N = 1$,
  1423. da nach Voraussetzung für alle $n > 1$ der Komplex $\operatorname{ker}(\com{S}_n \to \com{S}_{n-1})$
  1424. exakt ist. Also ist die Folge
  1425. \[
  1426. \begin{tikzcd}
  1427. \lim S_n^{i-1} \arrow{r} \arrow{d}{=} & \lim S_n^{i} \arrow{d}{=} \arrow{r} & \lim S_n^{i+1} \arrow{d}{=}\\
  1428. (\lim S_n)^{i-1} \arrow{r} & (\lim S_n)^{i} \arrow{r} & (\lim S_n)^{i+1}
  1429. \end{tikzcd}
  1430. \] exakt. Da $i \in \Z$ beliebig war, folgt dass $\lim \com{S}_n$ exakt ist.
  1431. \end{proof}
  1432. \begin{satz}
  1433. Sei $\mathcal{B}$ eine weitere abelsche Kategorie und $\mathcal{J} \subset \mathcal{K}(B)$ abgeschlossen
  1434. unter speziellen inversen Limites. Angenommen inverse Limites existieren in $\mathcal{A}$ und sei
  1435. $F\colon \mathcal{K}(A) \to \mathcal{K}(B)$ ein kovarianter Funktor, der mit inversen Limites vertauscht und
  1436. gradweise zerfallende kurze exakte Folgen erhält.
  1437. Dann ist $F^{-1}(\mathcal{J}) \subset \mathcal{K}(\mathcal{A})$ abgeschlossen unter speziellen inversen Limites.
  1438. \label{satz:complete-inv-system-functor}
  1439. \end{satz}
  1440. \begin{proof}
  1441. Sei $(\com{S}_n)_{n \in \N}$ ein $F^{-1}(\mathcal{J})$-spezielles inverses System. Dann ist
  1442. $(F(\com{S}_n))_{n \in \N}$ ein $\mathcal{J}$-spezielles inverses System, denn
  1443. \begin{enumerate}[(i)]
  1444. \item $F(S_1) = F(0) = 0$, da $F$ mit inversen Limites vertauscht und die Null der (inverse)
  1445. Limes des leeren Diagramms
  1446. ist.
  1447. \item Für $n > 1$ ist nach Voraussetzung
  1448. \[
  1449. \begin{tikzcd}
  1450. 0 \arrow{r} & \operatorname{ker } \com{p}_n \arrow{r} & \com{S}_n \arrow{r}{p_n} & \com{S}_{n-1} \arrow{r} & 0
  1451. \end{tikzcd}
  1452. \]
  1453. exakt, zerfällt gradweise und $\operatorname{ker } \com{p}_n$ ist in $F^{-1}(\mathcal{J})$. Nach Voraussetzung ist damit
  1454. \[
  1455. \begin{tikzcd}
  1456. 0 \arrow{r} & F(\operatorname{ker } \com{p}_n) \arrow{r} & F(\com{S}_n) \arrow{r}{F(p_n)} & F(\com{S}_{n-1}) \arrow{r} & 0
  1457. \end{tikzcd}
  1458. \] exakt und zerfällt gradweise. Aus der Exaktheit folgt damit auch
  1459. $\operatorname{ker } F(p_n) = F(\operatorname{ker } p_n)$, also $\operatorname{ker } F(p_n) \in \mathcal{J}$.
  1460. \end{enumerate}
  1461. Also ist $F(\lim \com{S}_n) = \lim F(\com{S}_n) \in \mathcal{J}$ und damit $\lim \com{S}_n \in F^{-1}(\mathcal{J})$.
  1462. \end{proof}
  1463. \begin{korollar}
  1464. Sei $\mathcal{I}$ eine Klasse von Komplexen und angenommen in $\mathcal{A}$ existieren inverse Limites.
  1465. Dann ist die Klasse aller Komplexe $\com{A} \in \mathcal{K}$, sodass
  1466. $\com{\operatorname{Hom}}(\com{T}, \com{A})$ exakt ist für alle $\com{T} \in \mathcal{I}$, abgeschlossen unter speziellen
  1467. inversen Limites. Insbesondere ist die Klasse der K-injektiven Komplexe abgeschlossen unter speziellen inversen
  1468. Limites.
  1469. \end{korollar}
  1470. \begin{proof}
  1471. Sei $\mathcal{E}$ die Klasse der exakten Komplexe und für $\com{T} \in \mathcal{I}$ sei
  1472. $\mathcal{H}_{\com{T}}$ die Klasse der Komplexe $\com{A} $, sodass
  1473. $\com{\operatorname{Hom}}(\com{T}, \com{A})$ exakt ist. Dann
  1474. ist $\mathcal{H}_{\com{T}} = \com{\operatorname{Hom}}(\com{T}, -)^{-1}(\mathcal{E})$.
  1475. $\mathcal{E}$ mit $\com{\operatorname{Hom}}(\com{T}, -)$ erfüllt
  1476. die Voraussetzungen von \ref{satz:complete-inv-system-functor}, denn:
  1477. \begin{enumerate}[(i)]
  1478. \item Nach \ref{lemma:exact-comp-complete-inv} ist
  1479. $\mathcal{E}$ abgeschlossen unter speziellen inversen Limites.
  1480. \item Wegen \ref{lemma:inner-hom-commutes-with-limits} vertauscht $\com{\operatorname{Hom}} (\com{T}, -)$ mit Limites.
  1481. Außerdem ist $\com{\operatorname{Hom}}(\com{T}, -)$ gradweise additiv, erhält also
  1482. gradweise zerfallende Folgen.
  1483. \end{enumerate}
  1484. Also ist $\mathcal{H}_{\com{T}}$ und damit $\bigcap_{\com{T} \in \mathcal{I}} \mathcal{H}_{\com{T} }$
  1485. abgeschlossen unter speziellen inversen Limites.
  1486. Das Insbesondere folgt wenn $\mathcal{I} = \mathcal{E}$ gesetzt wird.
  1487. \end{proof}
  1488. Für die Klasse der K-projektiven Komplexe betrachten wir die duale Version von \ref{def:special-inv-system}:
  1489. \begin{definition}[Spezielles direktes System]
  1490. Sei $\mathcal{P} \subset \mathcal{K}$ eine Klasse von Komplexen.
  1491. \begin{enumerate}[(a)]
  1492. \item Ein direktes System $(\com{P}_n)_{n \in \N}$ in $\mathcal{K}$ heißt
  1493. \emph{$\mathcal{P}$-spezielles
  1494. direktes System}, falls folgende Bedingungen erfüllt sind:
  1495. \begin{enumerate}[(i)]
  1496. \item Falls $n = 1$, dann ist $\com{P}_n = 0$.
  1497. \item Falls $n > 1$, dann sei $\com{C}_n$ der Kokern der natürlichen Abbildung
  1498. $\com{P}_{n-1} \to \com{P}_{n}$. Dann ist $\com{C}_n \in \mathcal{P}$ und
  1499. die kurze exakte Folge
  1500. \[
  1501. 0 \to \com{P}_{n-1} \to \com{P}_{n} \to \com{C}_n \to 0
  1502. \] zerfällt stufenweise.
  1503. \end{enumerate}
  1504. \item Die Klasse $\mathcal{P}$ heißt abgeschlossen unter speziellen direkten Kolimites, falls jedes
  1505. $\mathcal{P}$-spezielle direkte System in $\mathcal{K}$ einen Kolimes in $\mathcal{P}$ besitzt und jeder
  1506. Komplex in $\mathcal{K}$, der isomorph ist zu einem Komplex in $\mathcal{P}$, bereits in $\mathcal{P}$ ist.
  1507. \end{enumerate}
  1508. \end{definition}
  1509. Durch Umdrehen aller Pfeile erhalten wir die duale Version von \ref{lemma:bounded-compl-in-complete-class}
  1510. und insbesondere die folgenden Ergebnisse:
  1511. % brauche ich nicht
  1512. %\begin{lemma}
  1513. % Die Klasse der exakten Komplexe in $\mathcal{K}(\mathcal{A}b)$ ist abgeschlossen unter speziellen direkten Kolimites.
  1514. %
  1515. % \label{lemma:exact-comp-complete-inv}
  1516. %\end{lemma}
  1517. %
  1518. %\begin{proof}
  1519. %
  1520. %\end{proof}
  1521. \begin{satz}
  1522. Sei $\mathcal{B}$ eine weitere abelsche Kategorie und $\mathcal{J} \subset \mathcal{K}(B)$ abgeschlossen
  1523. unter speziellen inversen Limites. Angenommen direkte Kolimites existieren in $\mathcal{A}$ und sei
  1524. $F\colon \mathcal{K}(A) \to \mathcal{K}(B)$ ein kontravarianter Funktor, der direkte Kolimites in
  1525. inverse Limites überführt und gradweise zerfallende kurze exakte Folgen erhält.
  1526. Dann ist $F^{-1}(\mathcal{J}) \subset \mathcal{K}(\mathcal{A})$ abgeschlossen unter speziellen direkten Kolimites.
  1527. \label{satz:complete-dir-system-functor}
  1528. \end{satz}
  1529. \begin{korollar}[]
  1530. Sei $\mathcal{I}$ eine Klasse von Komplexen und angenommen in $\mathcal{A}$ existieren direkte Kolimites.
  1531. Dann ist die Klasse aller Komplexe $\com{A} \in \mathcal{K}$, sodass
  1532. $\com{\operatorname{Hom}}(\com{A}, \com{T})$ exakt ist für alle $\com{T} \in \mathcal{I}$, abgeschlossen unter speziellen
  1533. direkten Kolimites. Insbesondere ist die Klasse der K-projektiven Komplexe abgeschlossen unter speziellen direkten
  1534. Kolimites.
  1535. \label{kor:k-proj-closed}
  1536. \end{korollar}
  1537. \begin{definition}[]
  1538. Angenommen inverse (bzw. direkte) Limites existieren in $\mathcal{K}$ und sei $\mathcal{G}$ eine Klasse von
  1539. Komplexen in $\mathcal{K}$. Dann sei $\leftfinal{\mathcal{G}}$
  1540. (bzw. $\rightfinal{\mathcal{G}})$ die kleinste Klasse von Komplexen in $\mathcal{K}$, die abgeschlossen
  1541. unter speziellen inversen Limites (bzw. direkten Kolimites) ist und $\mathcal{G}$ enthält.
  1542. \end{definition}
  1543. \subsection{Existenz von K-projektiven und K-injektiven Auflösungen}
  1544. Das Ziel dieses Abschnittes ist es Satz \ref{satz:r-mod-existence-k-proj-and-k-inj-resolutions}
  1545. zu beweisen. Dazu verallgemeinern wir zunächst die Begriffe K-injektive und K-projektive Auflösungen:
  1546. \begin{definition}[Auflösungen]
  1547. Sei $\com{X} \in \mathcal{K}$ und $\mathcal{J}$ eine Klasse von Komplexen aus $\mathcal{K}$. Dann
  1548. ist eine \emph{$\mathcal{J}$-Linksauflösung} ein Quasiisomorphismus $\com{J} \to \com{X} $
  1549. mit $\com{J} \in \mathcal{J}$. Analog ist eine \emph{$\mathcal{J}$-Rechtsauflösung}
  1550. ein Quasiisomorphismus $\com{X} \to \com{J} $ mit $\com{J} \in \mathcal{J}$.
  1551. \end{definition}
  1552. \subsubsection{Linksauflösungen}
  1553. Sei $\mathcal{P}$ eine Klasse von Komplexen in $\mathcal{K}$.
  1554. %\begin{enumerate}[(L1)]
  1555. % \item Jeder nach oben beschränkte Komplex $\com{A} \in \mathcal{K}$ hat eine
  1556. % $\mathcal{P}$-Linksauflösung.
  1557. %\end{enumerate}
  1558. \begin{lemma}[]
  1559. Die folgenden Bedingungen an $\mathcal{P}$ sind äquivalent:
  1560. \begin{enumerate}[(i)]
  1561. \item Jeder nach oben beschränkte Komplex $\com{A} \in \mathcal{K}$
  1562. hat eine $\mathcal{P}$-Linksauflösung.
  1563. %\item Jeder nach oben beschränkte Komplex $\com{A} \in \mathcal{K}$ hat eine
  1564. % Linksauflösung $\com{P} \to \com{A} $ durch einen nach oben beschränkten
  1565. % Komplex $\com{P} \in \mathcal{P}$.
  1566. \item Für alle $\com{A} \in \mathcal{K} $ und $n \in \Z$, existiert ein $\com{P} \in \mathcal{P}$ mit
  1567. $H^{i}(\com{P}) = 0$ für $i > n$ und ein Komplexhomomorphismus $f\colon \com{P} \to \com{A} $, der
  1568. einen Isomorphismus $H^{i}(\com{P}) \to H^{i}(\com{A})$ induziert für $i \le n$.
  1569. \end{enumerate}
  1570. \label{lemma:class-compl-cond}
  1571. \end{lemma}
  1572. \begin{proof}
  1573. (i)$\implies$(ii):
  1574. Sei $\com{A} \in \mathcal{K}$ und $n \in \Z$.
  1575. Dann ist $\tau_{\le n} \com{A}$ nach oben beschränkt, also existiert
  1576. ein $\com{P} \in \mathcal{P}$ und ein Quasiisomorphismus
  1577. $s\colon \com{P} \to \tau_{\le n}\com{A}$. Durch Komposition mit dem natürlichen
  1578. Komplexhomomorphismus $\tau_{\le n}\com{A} \to \com{A}$ erhalten
  1579. wir ein $f\colon \com{P} \to \com{A} $. Für $i > n$ ist nun
  1580. $H^{i}(\com{P}) = H^{i}(\tau_{\le n}\com{A}) = 0 $. Für $i \le n$ ist
  1581. $H^{i}(\tau_{\le n}\com{A}) = H^{i}(\com{A})$, also induziert $f$ den gewünschten Isomorphismus.
  1582. (ii)$\implies$(i):
  1583. Sei $\com{A} \in \mathcal{K}$ nach oben beschränkt.
  1584. Ohne Einschränkung ist $A^{i} = 0$ für alle $i > 0$.
  1585. Wähle $n= 0$ in (ii). Dann existiert ein $f\colon \com{P} \to \com{A}$ mit
  1586. $\com{P} \in \mathcal{P}$, $H^{i}(\com{P}) = 0$ und $f$ induziert
  1587. %$H^{i}(\com{P}) \xrightarrow[\sim]{0 = H^{i}(f)} 0 = H^{i}(\com{A})$ für $i > 0$ und
  1588. Isomorphismen $H^{i}(\com{P})\xrightarrow[\sim]{H^{i}(f)} H^{i}(\com{A})$ für $i \le 0$.
  1589. Da $H^{i}(\com{P}) = 0 = H^{i}(\com{A})$ für $i < 0$ ist also $f$ ein Quasiisomorphismus.
  1590. \end{proof}
  1591. \begin{bem}[]
  1592. Sei $\com{A} \in \mathcal{K}$. Angenommen $\mathcal{P}$ genügt den äquivalenten Bedingungen
  1593. von \ref{lemma:class-compl-cond} und es existiert ein $n \in \Z$, sodass
  1594. für alle $i > n$, $H^{i}(\com{A}) = 0$ ist. Dann hat $\com{A} $ eine
  1595. $\mathcal{P}$-Linksauflösung, denn nach \ref{lemma:class-compl-cond} (ii) existiert dann
  1596. ein $\com{P} \in \mathcal{P}$ und ein Komplexhomomorphismus $f\colon \com{P} \to \com{A}$, sodass
  1597. $H^{i}(\com{P}) = 0 = H^{i}(\com{A})$ für $i > n$ und
  1598. $H^{i}(f)$ ein Isomorphismus ist für $i \le n$. Also ist $f$ ein Quasiisomorphismus.
  1599. \label{bem:p-left-resolutions-for-h-bounded}
  1600. \end{bem}
  1601. \begin{bsp}
  1602. %Falls $\mathcal{A}$ genügend Projektive hat, können wir $\mathcal{P}$ als
  1603. %die Klasse
  1604. %der nach oben beschränkten Komplexe $\com{P} \in \mathcal{K}$ mit $P^{i}$
  1605. %projektiv für alle $i \in \Z$ wählen.
  1606. Sei $\mathcal{P}$ die Klasse
  1607. der nach oben beschränkten Komplexe $\com{P} \in \mathcal{K}$ mit $P^{i}$
  1608. projektiv für alle $i \in \Z$. Falls $\mathcal{A}$ genügend viele Projektive hat, erfüllt
  1609. $\mathcal{P}$ die äquivalenten Bedingungen aus \ref{lemma:class-compl-cond}.
  1610. Ein solches $\com{P}$ ist K-projektiv, denn: Für alle eingradigen Komplexe $\com{Q}$ mit
  1611. $Q^{i}$ projektiv für alle $i \in \Z$ ist $\com{Q} $ nach \ref{satz:single-degree-compl-k-proj} K-projektiv. Da
  1612. nach \ref{kor:k-proj-closed} die Klasse der K-projektiven
  1613. abgeschlossen unter speziellen direkten Kolimites ist, folgt mit dem Dual von
  1614. \ref{lemma:bounded-compl-in-complete-class}, dass $\com{P} $ K-projektiv ist.
  1615. Erneut nach \ref{kor:k-proj-closed} sind die Komplexe in $\rightfinal{\mathcal{P}}$ damit ebenfalls
  1616. $K$-projektiv.
  1617. \label{bsp:bounded-above-projectives}
  1618. \end{bsp}
  1619. Im Folgenden nehmen wir an, dass $\mathcal{P}$ die äquivalenten Bedingungen von
  1620. \ref{lemma:class-compl-cond} erfüllt.
  1621. \begin{lemma}
  1622. Sei $\com{A} \in \mathcal{K}$. Dann existiert ein $\mathcal{P}$-spezielles direktes System $(\com{P}_n)_{n \in \N}$ und
  1623. ein direktes System von Komplexhomomorphismen $f_n \colon \com{P}_n \to \tau_{\le n}\com{A}$, sodass
  1624. $f_n$ ein Quasiisomorphismus ist für alle $n \ge 2$.
  1625. \label{lemma:constr-dir-system}
  1626. \end{lemma}
  1627. \begin{proof}
  1628. Wir gehen induktiv vor. Setze $\com{P}_{1} = 0$ und $f_{1} = 0$.
  1629. Nach den äquivalenten Bedingungen von \ref{lemma:class-compl-cond} existiert ein Quasiisomorphismus
  1630. $f_2 \colon \com{P}_2 \to \tau_{\le 2}\com{A}$ mit $\com{P}_2 \in \mathcal{P}$.
  1631. Sei nun $n \ge 3$ und seien $\com{P}_{1}, \ldots, \com{P}_{n-1}$ und $f_{1}, \ldots, f_{n-1}$
  1632. konstruiert wie im Lemma. Dann
  1633. setze $\com{P} = \com{P}_{n-1}$ und $\com{B} = \tau_{\le n} \com{A} $. Es sei
  1634. $a_{n-1}\colon \tau_{\le n-1}\com{A} \to \tau_{\le n} \com{A} $ der natürliche Komplexhomomorphismus
  1635. und $f = a_{n-1}f_{n-1}\colon \com{P} \to \com{B}$. Es gilt dann
  1636. \begin{equation}
  1637. f d_P = d_B f
  1638. \label{eq:f-comp-hom}
  1639. \end{equation}
  1640. Da $\com{B}$ nach oben beschränkt ist
  1641. und $H^{i}(\com{P}) \simeq H^{i}(\tau_{\le n-1}\com{A}) = 0$ für $i \gg 0$, folgt
  1642. nach \ref{bem:mapping-cone-h-bounded}
  1643. $H^{i}(\com{C}_f) = 0$ für $i \gg 0$.
  1644. Also existiert nach \ref{bem:p-left-resolutions-for-h-bounded} ein Quasiisomorphismus
  1645. $g\colon \com{Q} \to \com{C}_f[-1]$ mit $\com{Q}[1] \in \mathcal{P}$. Da
  1646. $C_f^{i}[-1] = P^{i} \oplus B^{i-1}$ für $i \in \Z$, ist $g$ gradweise
  1647. gegeben durch Morphismen $g'_i\colon Q^{i} \to P^{i} $ und $g''_i\colon Q^{i} \to B^{i-1}$
  1648. in $\mathcal{A}$.
  1649. Betrachte für $i \in \Z$ das folgende kommutative Diagramm:
  1650. \begin{equation}
  1651. \begin{tikzcd}
  1652. \cdots \arrow{r} & Q^{i} \arrow{r}{d_{Q}} \arrow{d}{(g', g'')}
  1653. & Q^{i+1} \arrow{r} \arrow{d}{(g', g'')} & \cdots\\
  1654. \cdots \arrow{r} & P^{i} \oplus B^{i-1} \arrow{r}{d_{C_f[-1]}} &
  1655. P^{i+1} \oplus B^{i} \arrow{r} & \cdots
  1656. \label{eq:1}
  1657. \end{tikzcd}
  1658. \end{equation}
  1659. In Matrixnotation ist
  1660. \begin{align*}
  1661. d_{C_f} = \begin{pmatrix} d_{P[1]} & 0 \\ f[1] & d_{B} \end{pmatrix}
  1662. = \begin{pmatrix} - d_{P} & 0 \\ f & d_{B} \end{pmatrix}
  1663. \intertext{Also folgt}
  1664. d_{C_f}[-1] = - d_{C_f} = \begin{pmatrix} d_{P} & 0 \\ -f & -d_{B} \end{pmatrix}
  1665. .\end{align*}
  1666. Auswerten der Kommutativität von \eqref{eq:1} in beiden Summanden liefert nun
  1667. \begin{align}
  1668. d_P g' &= g' d_Q \label{eq:g'-comp-hom} \\
  1669. -fg' - d_Bg'' &= g''d_Q \label{eq:g''}
  1670. .\end{align}
  1671. Aus \eqref{eq:g'-comp-hom} folgt, dass $g'\colon \com{Q} \to \com{P} $ ein
  1672. Komplexhomomorphismus ist. Setze nun
  1673. $h\colon \com{C}_{-g'} \to \com{B} $ durch
  1674. \[
  1675. h(x,y) = g''[1](x) + f(y)
  1676. .\]
  1677. Betrachte für $i \in \Z$ das folgende Diagramm:
  1678. \[
  1679. \begin{tikzcd}
  1680. \cdots \arrow{r} & Q^{i+1} \oplus P^{i} \arrow{r}{d_{C_{-g'}}} \arrow{d}{h} & Q^{i+2} \oplus P^{i+1} \arrow{r} \arrow{d}{h}
  1681. & \cdots \\
  1682. \cdots \arrow{r} & B^{i} \arrow{r}{d_{B}} & B^{i+1} \arrow{r} & \cdots
  1683. \end{tikzcd}
  1684. .\] In Matrixnotation ist
  1685. \begin{salign*}
  1686. h d_{C_{-g'}} &= \begin{pmatrix} g'' & f \end{pmatrix}
  1687. \begin{pmatrix} -d_Q & 0 \\ -g' & d_P \end{pmatrix} \\
  1688. &= \begin{pmatrix}
  1689. -g'' d_Q - f g' & f d_P
  1690. \end{pmatrix} \\
  1691. &\stackrel{\eqref{eq:g''}}{=}
  1692. \begin{pmatrix}
  1693. d_B g'' & f d_P
  1694. \end{pmatrix} \\
  1695. &\stackrel{\eqref{eq:f-comp-hom}}{=}
  1696. \begin{pmatrix}
  1697. d_B g'' & d_B f
  1698. \end{pmatrix} \\
  1699. &= d_B h
  1700. .\end{salign*}
  1701. %\begin{salign*}
  1702. % h d_{C_{-g'}} &= \begin{pmatrix} g''[1] & f \end{pmatrix}
  1703. % \begin{pmatrix} d_Q[1] & 0 \\ -g'[1] & d_P \end{pmatrix} \\
  1704. % &= \begin{pmatrix}
  1705. % g''[1] d_Q[1] - f g'[1] & f d_P
  1706. % \end{pmatrix} \\
  1707. % &\stackrel{\eqref{eq:g''}}{=}
  1708. % \begin{pmatrix}
  1709. % d_B g'' & f d_P
  1710. % \end{pmatrix} \\
  1711. % &\stackrel{\eqref{eq:f-comp-hom}}{=}
  1712. % \begin{pmatrix}
  1713. % d_B g'' & d_B f
  1714. % \end{pmatrix} \\
  1715. % &= d_B h
  1716. %.\end{salign*}
  1717. Also ist $h$ ein Komplexhomomorphismus. Bleibt zu zeigen, dass $h$ ein Quasiisomorphismus
  1718. ist. Dafür genügt es nach \ref{mapping-cone-exact-for-qis} zu zeigen, dass $\com{C}_h$
  1719. exakt ist. Behauptung: $\com{C}_h = \com{C}_{-g}[1]$.
  1720. Es ist gradweise für $ i \in \Z$
  1721. \[
  1722. C_h^{i} = C_{-g'}^{i+1} \oplus B^{i} = (Q^{i+2} \oplus P^{i+1}) \oplus B^{i}
  1723. = Q^{i+2} \oplus (P^{i+1} \oplus B^{i})
  1724. = Q^{i+2} \oplus C_f^i
  1725. = C_{-g}^{i}[1]
  1726. .\] Für die Differentiale gilt, wieder in Matrixnotation:
  1727. \begin{align*}
  1728. d_{C_h} = \begin{pmatrix}
  1729. d_{C_{-g'}[1]} & 0 \\
  1730. h[1] & d_B \end{pmatrix}
  1731. = \begin{pmatrix}
  1732. -\begin{pmatrix} -d_Q & 0 \\
  1733. -g' & d_P
  1734. \end{pmatrix} & 0 \\
  1735. \begin{pmatrix} g'' & f \end{pmatrix} & d_B
  1736. \end{pmatrix}
  1737. = \begin{pmatrix}
  1738. d_Q & 0 & 0 \\
  1739. g' & -d_P & 0 \\
  1740. g'' & f & d_B
  1741. \end{pmatrix}
  1742. .\end{align*}
  1743. Analog folgt
  1744. \begin{align*}
  1745. d_{C_{-g}[1]} =
  1746. \begin{pmatrix}
  1747. d_{Q[1]} & 0 \\
  1748. -g[1] & d_{C_f[-1]}
  1749. \end{pmatrix} [1]
  1750. = -\begin{pmatrix} -d_Q & 0 \\
  1751. \begin{pmatrix} -g' \\ -g'' \end{pmatrix}
  1752. & -\begin{pmatrix} -d_P & 0 \\ f & d_{B} \end{pmatrix}
  1753. \end{pmatrix}
  1754. = \begin{pmatrix}
  1755. d_Q & 0 & 0 \\
  1756. g' & -d_P & 0 \\
  1757. g'' & f & d_B
  1758. \end{pmatrix}
  1759. .\end{align*}
  1760. Also folgt die Behauptung. Da $g$ und demnach $-g$ ein Quasiisomorphismus ist
  1761. und Verschieben Exaktheit erhält,
  1762. folgt mit \ref{mapping-cone-exact-for-qis} die Exaktheit von $\com{C}_h = \com{C}_{-g}[1]$.
  1763. Setze nun $\com{P}_n \coloneqq \com{C}_{-g'}$ und $f_n \coloneqq h$.
  1764. Sei $p_{n-1}\colon \com{P}_{n-1} = \com{P} \to \com{P}_n$ die natürliche Abbildung.
  1765. Dann ist $p_{n-1}$ gradweise gegeben durch die natürliche Inklusion
  1766. $P^{i} \to Q^{i+1} \oplus P^{i}$. Also folgt
  1767. $\operatorname{coker } p_{n-1} = \com{Q}[1] \in \mathcal{P}$ und wir haben gradweise
  1768. zerfallende exakte Folgen:
  1769. \[
  1770. \begin{tikzcd}
  1771. 0 \arrow{r} & P^{i} \arrow{r}{p_{n-1}} & Q^{i+1} \oplus P^{i} \arrow{r}
  1772. & Q^{i+1} \arrow{r} & 0
  1773. \end{tikzcd}
  1774. .\]
  1775. Also ist $(\com{P}_n)_{n \in \N}$ ein $\mathcal{P}$-spezielles direktes System.
  1776. Außerdem ist nach Definition von $h$: $f_n p_{n-1} = h p_{n-1} = f = a_{n-1} f_{n-1}$,
  1777. also kommutiert
  1778. \[
  1779. \begin{tikzcd}
  1780. \com{P}_{n-1} \arrow{r}{p_{n-1}} \arrow{d}{f_{n-1}}
  1781. & \com{P}_{n} \arrow{d}{f_n = h} \\
  1782. \tau_{\le n-1}\com{A} \arrow{r}{a_{n-1}} & \tau_{\le n}\com{A}
  1783. \end{tikzcd}
  1784. \] und $(f_n)_{n \in \N}$ ist ein direktes System.
  1785. \end{proof}
  1786. Daraus folgt nun sofort:
  1787. \begin{satz}
  1788. Angenommen direkte Kolimites existieren in $\mathcal{A}$ und
  1789. $\colim$ ist exakt.
  1790. Dann hat jeder Komplex in $\mathcal{K}$ eine
  1791. $\rightfinal{\mathcal{P}}$-Linksauflösung.
  1792. \label{satz:existence-left-resolutions}
  1793. \end{satz}
  1794. \begin{proof}
  1795. Sei $\com{A} \in \mathcal{K}$ und $(\com{P}_n)_{n \in \N}$, $(f_n)_{n \in \N}$ wie
  1796. in \ref{lemma:constr-dir-system}. Da direkte Kolimites in $\mathcal{A}$ existieren und
  1797. sich diese in $\mathcal{K}$ gradweise bilden, existieren direkte Kolimites
  1798. in $\mathcal{K}$. Nach der Definition von $\rightfinal{\mathcal{P}}$ ist dann
  1799. $\com{P} \coloneqq \colim \com{P}_n$ in $\rightfinal{\mathcal{P}}$.
  1800. Wir erhalten ebenfalls
  1801. \[
  1802. f\coloneqq \colim f_n \colon \com{P} \longrightarrow \colim \tau_{\le n}\com{A}
  1803. = \com{A}
  1804. .\] Da $\colim$ exakt ist, folgt für $i \in \Z$:
  1805. \[
  1806. H^{i}(f) = H^{i}(\colim f_n) = \colim \underbrace{H^{i}(f_n)}_{\text{Isomorphismus}}
  1807. .\] Also ist $f$ ein Quasiisomorphismus.
  1808. \end{proof}
  1809. \begin{korollar}[]
  1810. Angenommen direkte Kolimites existieren in $\mathcal{A}$ und
  1811. $\colim$ ist exakt. Falls $\mathcal{A}$ außerdem genug Projektive hat,
  1812. besitzt jeder Komplex in $\mathcal{K}$ eine K-projektive Auflösung.
  1813. \label{satz:existence-k-proj-resolution}
  1814. \end{korollar}
  1815. \begin{proof}
  1816. Wähle $\mathcal{P}$ wie in Beispiel \ref{bsp:bounded-above-projectives} und wende
  1817. \ref{satz:existence-left-resolutions} an.
  1818. \end{proof}
  1819. \subsubsection{Rechtsauflösungen}
  1820. Sei $\mathcal{I}$ eine Klasse von Komplexen in $\mathcal{K}$. Im Folgenden nehmen wir an,
  1821. dass $\mathcal{I}$ die folgende Eigenschaft erfüllt:
  1822. \vspace{2mm}
  1823. \noindent\hspace{9mm} \emph{Jeder nach unten beschränkte Komplex $\com{A} \in \mathcal{K}$ hat eine
  1824. $\mathcal{I}$-Rechtsauflösung.}
  1825. %\begin{enumerate}[(1)]
  1826. % \item \emph{Jeder nach unten beschränkte Komplex $\com{A} \in \mathcal{K}$ hat eine
  1827. % $\mathcal{I}$-Rechtsauflösung.}
  1828. %\end{enumerate}
  1829. \begin{bsp}
  1830. Falls $\mathcal{A}$ genügend Injektive hat, können wir, dual zu Beispiel
  1831. \ref{bsp:bounded-above-projectives}, $\mathcal{I}$ als die Klasse
  1832. der nach unten beschränkten Komplexe mit in $\mathcal{A}$ injektiven Objekten wählen.
  1833. \end{bsp}
  1834. Durch Umdrehen der Pfeile erhalten wir die duale Aussagen von
  1835. \ref{lemma:constr-dir-system} und \ref{satz:existence-left-resolutions}:
  1836. \begin{lemma}[]
  1837. Sei $\com{A} \in \mathcal{K}$. Dann existiert ein $\mathcal{I}$-spezielles
  1838. inverses System $(\com{I}_n)_{n \in \N}$ und ein inverses System von
  1839. Komplexhomomorphismen $f_n\colon \tau^{\ge-n}\com{A} \to \com{I}_n$, sodass
  1840. $f_n$ ein Quasiisomorphismus ist für $n \ge 2$.
  1841. \label{lemma:constr-inv-system}
  1842. \end{lemma}
  1843. \begin{satz}[]
  1844. Angenommen inverse Limites existieren in $\mathcal{A}$ und
  1845. $\lim$ ist exakt.
  1846. Dann hat jeder Komplex in $\mathcal{K}$ eine
  1847. $\leftfinal{\mathcal{I}}$-Rechtsauflösung.
  1848. \label{satz:existence-right-resolutions}
  1849. \end{satz}
  1850. \begin{bem}
  1851. Leider findet \ref{satz:existence-right-resolutions} in $\mathcal{A} = R\text{-Mod}$ für
  1852. einen Ring $R$ keine Anwendung, da hier $\lim$ nicht exakt ist.
  1853. Diese Voraussetzung wird jedoch nur verwendet, um zu zeigen, dass
  1854. $f = \lim f_n\colon \com{A} \to \lim \com{I}_n$ ein Quasiisomorphismus ist.
  1855. Wir können uns der speziellen Struktur des inversen Systems
  1856. $(\com{I}_n)_{n \in \N}$ bedienen, um für $\mathcal{A} = R\text{-Mod}$ zu zeigen,
  1857. dass $f$ dennoch ein Quasiisomorphismus ist.
  1858. \end{bem}
  1859. \begin{satz}[]
  1860. Sei $R$ ein Ring und $\mathcal{A}$ die Kategorie der R-(Links)-Moduln. Dann
  1861. hat jeder Komplex in $\mathcal{K}$ eine K-injektive Auflösung.
  1862. \label{satz:existence-k-inj-resolution}
  1863. \end{satz}
  1864. \begin{proof}
  1865. Da $R$-Mod genügend viele Injektive hat, können wir
  1866. $\mathcal{I}$ wie im Dual von \ref{bsp:bounded-above-projectives} wählen.
  1867. Seien $(\com{I}_n)_{n \in \N}$ und $(f_n)_{n \in \N}$ wie in
  1868. \ref{lemma:constr-inv-system}. Seien $\com{I} = \lim \com{I}_n$ und
  1869. $f = \lim f_n$. Es genügt zu zeigen, dass $f$ ein Quasiisomorphismus ist.
  1870. Sei $i \in \Z$ beliebig. Für $n \ge 3$ haben wir folgendes kommutative Diagramm:
  1871. \[
  1872. \begin{tikzcd}
  1873. \com{I} \arrow{r} \arrow{d}{f} & \com{I}_n \arrow{r}{p_n} \arrow{d}{f_n} & \com{I_{n-1}} \arrow{d}{f_{n-1}} \\
  1874. \com{A} \arrow{r} & \tau^{\ge -n} \com{A} \arrow{r} & \tau^{\ge -(n-1)} \com{A}
  1875. \end{tikzcd}
  1876. \] Wende nun $H^{i}(-)$ auf dieses Diagramm an:
  1877. \begin{equation}
  1878. \begin{tikzcd}
  1879. H^{i}(\com{I}) \arrow{r} \arrow{d}{H^{i}(f)} & H^{i}(\com{I}_n) \arrow{r}{H^{i}(p_n)}
  1880. \arrow{d}{H^{i}(f_n)}[swap]{\sim} & H^{i}(\com{I_{n-1}}) \arrow{d}{H^{i}(f_{n-1})}[swap]{\sim} \\
  1881. H^{i}(\com{A}) \arrow{r} & H^{i}(\tau^{\ge -n} \com{A}) \arrow{r} & H^{i}(\tau^{\ge -(n-1)} \com{A})
  1882. \end{tikzcd}
  1883. \label{eq:diag-hi-in}
  1884. .\end{equation}
  1885. Die rechten beiden vertikalen Pfeile sind Isomorphismen, da $f_k$ ein
  1886. Quasiisomorphismus ist für alle $k \ge 2$.
  1887. Sei nun $n \ge -i+1$. Dann ist $i \ge -n + 1 \ge -n$, also ist
  1888. $H^{i}(\com{A}) = H^{i}(\tau^{\ge -n}\com{A}) = H^{i}(\tau^{\ge -(n-1)} \com{A})$. Also
  1889. sind die Morphismen in der unteren Zeile von \eqref{eq:diag-hi-in} Isomorphismen und
  1890. damit ist
  1891. $H^{i}(p_n)\colon H^{i}(\com{I}_n) \to H^{i}(\com{I}_{n-1})$
  1892. ein Isomorphismus.
  1893. Betrachte nun die kurze exakte Folge
  1894. \[
  1895. \begin{tikzcd}
  1896. 0 \arrow{r} & \operatorname{ker } p_n \arrow{r} & \com{I}_n \arrow{r}{p_n} & \com{I}_{n-1}
  1897. \arrow{r} & 0
  1898. \end{tikzcd}
  1899. .\] Das liefert für $j \in \Z$ eine lange exakte Kohomologiefolge:
  1900. \begin{equation}
  1901. \begin{tikzcd}
  1902. H^{j-1}(\com{I}_{n}) \arrow{r}{H^{j-1}(p_n)} & H^{j-1}(\com{I}_{n-1}) \arrow{r}
  1903. & H^{j}(\operatorname{ker } p_n) \arrow{r}
  1904. & H^{j}(\com{I}_n) \arrow{r}{H^{j}(p_n)}
  1905. & H^{j}(\com{I}_{n-1})
  1906. \end{tikzcd}
  1907. \label{eq:long-ex-hi-in}
  1908. \end{equation}
  1909. Anwenden des obigen Arguments für $i = j$ und $i = j-1$ liefert für
  1910. $n \ge -(j-1) + 1 \ge -j+1$ Isomorphismen $H^{j}(p_n)$ und $H^{j-1}(p_n)$.
  1911. Aufgrund der Exaktheit von \eqref{eq:long-ex-hi-in} folgt dann, dass
  1912. $H^{j}(\operatorname{ker } p_n) = 0$ für alle $n \ge -(j-1)+1 = -j+2$.
  1913. Sei nun $m \in \Z$ beliebig. Dann setze $N \coloneqq -m + 1$. Dann ist
  1914. für alle $n > N$:
  1915. \[
  1916. H^{m}(\operatorname{ker } p_n) = 0 = H^{m+1}(\operatorname{ker } p_n)
  1917. .\]
  1918. Also ist die Folge
  1919. \begin{equation}
  1920. \begin{tikzcd}
  1921. \operatorname{ker } p_n^{m-1} \arrow{r} &
  1922. \operatorname{ker } p_n^{m} \arrow{r} &
  1923. \operatorname{ker } p_n^{m+1} \arrow{r} &
  1924. \operatorname{ker } p_n^{m+2}
  1925. \end{tikzcd}
  1926. \end{equation}
  1927. für $n > N$ exakt. Das System
  1928. \begin{equation*}
  1929. \begin{tikzcd}
  1930. (I_n^{m-1})_{n \in \N} \arrow{r} &
  1931. (I_n^{m})_{n \in \N} \arrow{r} &
  1932. (I_n^{m+1})_{n \in \N} \arrow{r} &
  1933. (I_n^{m+2})_{n \in \N}
  1934. \end{tikzcd}
  1935. \end{equation*}
  1936. erfüllt damit die Bedingungen von \ref{0.11}. Also ist die natürliche Abbildung
  1937. \[
  1938. H^{m}(\com{I}) \longrightarrow H^{m}(\com{I}_N)
  1939. \] ein Isomorphismus. Erneute Betrachtung des linken Vierecks von \eqref{eq:diag-hi-in} für $i=m$ und
  1940. $n=N$ liefert nun, dass $H^{i}(f)$ ein Isomorphismus ist.
  1941. \end{proof}
  1942. \begin{bem}
  1943. Damit ist \ref{satz:r-mod-existence-k-proj-and-k-inj-resolutions} bewiesen.
  1944. \end{bem}
  1945. \newpage
  1946. \section{Ableitungen und Adjunktion}
  1947. Sei $R$ ein Ring und im Folgenden $\mathcal{A}$ die Kategorie der $R$ (links-)Moduln.
  1948. \subsection{Abgeleitete $\com{\operatorname{Hom}}$ Funktoren}
  1949. %\begin{satz}[]
  1950. % Sei $\com{I} \in \mathcal{K}$ K-injektiv und exakt. Dann ist $\com{\operatorname{Hom}}(\com{M} , \com{I} )$ exakt für alle
  1951. % $\com{M} \in \mathcal{K}$.
  1952. %
  1953. % \label{satz:hom-exact-for-k-inj}
  1954. %\end{satz}
  1955. %
  1956. %\begin{proof}
  1957. % Sei $\com{M} \in \mathcal{K}$ beliebig. Dann existiert nach
  1958. % \ref{satz:existence-k-proj-resolution} ein $\com{P} \in \mathcal{K}$ K-projektiv und ein Quasiisomorphismus
  1959. % $\com{P} \to \com{M}$. Da $\com{I} $ K-injektiv, ist $\com{\operatorname{Hom}}(-, \com{I})$ ein exakter Funktor, also
  1960. % folgt
  1961. % \begin{equation}
  1962. % H^{i}(\com{\operatorname{Hom}}(\com{M}, \com{I})) = \com{\operatorname{Hom}}(H^{i}(\com{M}), \com{I})
  1963. % = \com{\operatorname{Hom}}(H^{i}(\com{P}), \com{I})
  1964. % = H^{i}(\com{\operatorname{Hom}}(\com{P} , \com{I} ))
  1965. % \label{eq:cohom-groups-2}
  1966. % .\end{equation}
  1967. % Da $\com{P} $ K-projektiv und $\com{I} $ exakt, folgt die Exaktheit der rechten Seite und damit die Behauptung.
  1968. %\end{proof}
  1969. %Umdrehen der Pfeile liefert
  1970. %\begin{satz}[]
  1971. % Sei $\com{P} \in \mathcal{K}$ K-projektiv und exakt. Dann ist $\com{\operatorname{Hom}}(\com{P} , \com{M} )$ exakt für alle
  1972. % $\com{M} \in \mathcal{K}$.
  1973. % \label{satz:hom-exact-for-k-proj}
  1974. %\end{satz}
  1975. \begin{satz}
  1976. Seien $\com{M}, \com{N} \in \mathcal{D}$. Dann ist $\text{R}\com{\operatorname{Hom}}(\com{M}, \com{N})$ wohldefiniert
  1977. und kann mithilfe einer K-projektiven Auflösung von $\com{M} $ oder einer K-injektiven Auflösung von $\com{N} $
  1978. berechnet werden.
  1979. \label{satz:derived-hom}
  1980. \end{satz}
  1981. \begin{proof}
  1982. In der Notation von \ref{satz:existence-derived-functors} wähle $\mathcal{L}$ als die volle Unterkategorie der
  1983. K-injektiven Komplexe von $\mathcal{K}$. Dann ist für $\com{M} \in \mathcal{K}$ beliebig:
  1984. \begin{enumerate}[(i)]
  1985. \item $\mathcal{L}$ ist trianguliert nach \ref{satz:k-proj-triangulated}.
  1986. \item Für alle $\com{N} \in \mathcal{K}$ existiert wegen \ref{satz:existence-k-inj-resolution} ein Quasiisomorphismus $\com{N} \to \com{I} $
  1987. mit $\com{I} \in \mathcal{L}$.
  1988. \item Nach \ref{satz:hom-exact-for-k-inj} erhält $\com{\operatorname{Hom}}(\com{M}, -)|_{\mathcal{L}}$
  1989. Exaktheit von Komplexen.
  1990. \end{enumerate}
  1991. Also existiert R$\com{\operatorname{Hom}}(\com{M} , -)$. Analog berechnet sich R$\com{\operatorname{Hom}}(-, \com{N})$ für
  1992. $\com{N} \in \mathcal{K}$ unter Wahl von $\mathcal{L}$
  1993. als die volle Unterkategorie der K-projektiven Komplexe von $\mathcal{K}$. Beide Ableitungen stimmen überein, denn
  1994. für $\com{M}, \com{N} \in \mathcal{K}$ beliebig und $\com{P} \to \com{M} $ und $\com{N} \to \com{I} $ K-projektive
  1995. bzw. K-injektive Auflösungen gilt mit wiederholter Anwendung von \ref{satz:existence-derived-functors} und
  1996. wegen $\com{M} \simeq \com{P} $ und $\com{N} \simeq \com{I} $ in $\mathcal{D}$:
  1997. \begin{align*}
  1998. \text{R}\com{\operatorname{Hom}}(\com{M} , - )(\com{N})
  1999. &\simeq \text{R}\com{\operatorname{Hom}}(\com{P} , -)(\com{I}) \\
  2000. &= \com{\operatorname{Hom}}(\com{P}, \com{I}) \\
  2001. &= \text{R}\com{\operatorname{Hom}}(-, \com{I} )(\com{P}) \\
  2002. &\simeq \text{R}\com{\operatorname{Hom}}(-, \com{N} )(\com{M})
  2003. .\end{align*}
  2004. \end{proof}
  2005. \subsection{Abgeleitetes Tensorprodukt}
  2006. Sei von nun an $R = A$ ein kommutativer Ring. Um das Tensorprodukt abzuleiten, benötigen wir noch
  2007. eine weitere Klasse von Komplexen in $\mathcal{K}$:
  2008. \begin{definition}[K-flach]
  2009. Ein Komplex $\com{M} \in \mathcal{K}$ heißt \emph{K-flach}, wenn der Funktor
  2010. $\com{M} \otimes_A -$ Exaktheit von Komplexen erhält. Eine \emph{K-flache
  2011. Auflösung} eines Komplexes $\com{N} \in \mathcal{K}$ ist
  2012. ein Quasiisomorphismus $\com{M} \to \com{N} $ mit
  2013. $\com{M} \in \mathcal{K}$ K-flach.
  2014. \end{definition}
  2015. \begin{satz}
  2016. Sei $\com{M} \in \mathcal{K}$ mit $M^{i} = 0$ für $i \neq 0$. Dann ist
  2017. $\com{M} $ genau dann K-flach, wenn $M^{0}$ flacher $A$-Modul ist.
  2018. \end{satz}
  2019. \begin{proof}
  2020. Sei $\com{M} \in \mathcal{K}$ wie im Satz. Dann ist für $\com{S} \in \mathcal{K}$ und
  2021. $n \in \Z$:
  2022. \[
  2023. (\com{M} \otimes_A \com{S})^{n} = \bigoplus_{i+j=n} M^{i} \otimes_A S^{j}
  2024. = M^{0} \otimes S^{n} = (M^{0} \otimes \com{S} )^{n}
  2025. \] und für $m \in M^{0}$, $s \in S^{n}$:
  2026. \[
  2027. d_{\com{M} \otimes_A \com{S} }^{n}(m \otimes s)
  2028. = \underbrace{d_{M}^{0}(m)}_{= 0} \otimes_A s + (-1)^{0} m \otimes_A d_{S}(s)
  2029. = m \otimes_A d_S(s)
  2030. = d_{M^{0} \otimes_A \com{S} }
  2031. .\] Also ist $\com{M} \otimes_A \com{S} = M^{0} \otimes_A \com{S}$. Damit folgt
  2032. die Behauptung aus den Definitionen.
  2033. \end{proof}
  2034. Im Folgenden benötigen wir folgendes Kritierium für die Exaktheit von Komplexen:
  2035. \begin{lemma}
  2036. Sei $\com{A} \in \mathcal{K}$. Angenommen für jeden K-injektiven Komplex $\com{I} \in \mathcal{K}$ ist
  2037. $\com{\operatorname{Hom}}(\com{A}, \com{I})$ exakt. Dann ist $\com{A}$ exakt.
  2038. \label{lemma:0.10}
  2039. \end{lemma}
  2040. \begin{proof}
  2041. Sei $\com{B} \in \mathcal{K}$ beliebig. Dann existiert nach \ref{satz:existence-k-inj-resolution} ein
  2042. K-injektiver Komplex $\com{I} \in \mathcal{K}$ und ein Quasiisomorphismus $\com{B} \to \com{I}$. Dann
  2043. gilt $\com{B} \simeq \com{I} $ in $\mathcal{D}$ und wir erhalten
  2044. \[
  2045. \operatorname{Mor}_{\mathcal{D}}(\com{A}, \com{B}) \simeq
  2046. \operatorname{Mor}_{\mathcal{D}}(\com{A} , \com{I} ) \stackrel{\ref{satz:mork=mord-for-k-inj}}{=}
  2047. \operatorname{Mor}_{\mathcal{K}}(\com{A} , \com{I} ) = 0
  2048. .\]
  2049. Mit Yoneda folgt nun, dass $\com{A} = 0$ in $\mathcal{D}$. Da
  2050. $H^{i}(-)\colon \mathcal{K} \to \mathcal{A}b$ über den kanonischen Funktor $Q\colon \mathcal{K} \to \mathcal{D}$
  2051. faktorisiert, folgt $H^{i}(\com{A}) = 0$ für $i \in \Z$, also ist $\com{A}$ exakt.
  2052. \end{proof}
  2053. \begin{satz}[]
  2054. Sei $\com{M} \in \mathcal{K} $. Dann sind äquivalent:
  2055. \begin{enumerate}[(i)]
  2056. \item $\com{M} $ ist K-flach.
  2057. \item $\com{\operatorname{Hom}}(\com{M}, \com{I})$ ist K-injektiv für jeden
  2058. K-injektiven Komplex $\com{I} \in \mathcal{K}$.
  2059. \end{enumerate}
  2060. \label{satz:homs-of-k-flat-are-k-inj}
  2061. \end{satz}
  2062. \begin{proof}
  2063. (i)$\implies$(ii): Sei $\com{I}$ K-injektiv und $\com{S}$ exakt. Dann ist
  2064. \[
  2065. \com{\operatorname{Hom}} (\com{S} , \com{\operatorname{Hom}}(\com{M}, \com{I}))
  2066. \stackrel{\ref{satz:adjunction-hom-tor-comp}}{=}
  2067. \com{\operatorname{Hom}}(\underbrace{\com{S} \otimes_A \com{M}}_{\text{exakt}}, \underbrace{\com{I}}_{\text{K-injektiv}} )
  2068. .\] Weil $\com{M} $ K-flach ist, folgt $\com{S} \otimes_A \com{M} $ exakt, also wegen $\com{I} $ K-injektiv,
  2069. die Behauptung.
  2070. (ii)$\implies$(i): Sei $\com{S} $ exakt. Wegen \ref{lemma:0.10} genügt es zu
  2071. zeigen, dass für jeden K-injektiven Komplex $\com{I} \in \mathcal{K}$,
  2072. $\com{\operatorname{Hom}}(\com{S} \otimes_A \com{M}, I) $ exakt ist. Dazu
  2073. sei $\com{I}$ ein K-injektiver Komplex. Dann ist
  2074. \[
  2075. \com{\operatorname{Hom}}(\com{S} \otimes_A \com{M}, \com{I})
  2076. \stackrel{\ref{satz:adjunction-hom-tor-comp}}{=} \com{\operatorname{Hom}}(\underbrace{\com{S}}_{\text{exakt}}, \underbrace{\com{\operatorname{Hom}}(\com{M}, \com{I})}_{\text{K-injektiv}})
  2077. \] exakt.
  2078. \end{proof}
  2079. \begin{satz}[]
  2080. \begin{enumerate}[(a)]
  2081. \item Falls $\com{M}, \com{N} \in \mathcal{K}$ K-flach sind, dann ist
  2082. auch $\com{M} \otimes_A \com{N} $ K-flach.
  2083. \item $\com{M} \in \mathcal{K}$ ist K-flach genau dann wenn $\com{M}[1]$
  2084. K-flach ist.
  2085. \item Falls zwei Punkte eines ausgezeichneten Dreiecks in $\mathcal{K}$ K-flach
  2086. sind,
  2087. dann auch der dritte.
  2088. \end{enumerate}
  2089. Insbesondere ist die volle Unterkategorie der K-flachen Komplexe in $\mathcal{K}$
  2090. eine triangulierte Unterkategorie.
  2091. \label{satz:k-flat-triangulated}
  2092. \end{satz}
  2093. \begin{proof}
  2094. \begin{enumerate}[(a)]
  2095. \item Seien $\com{M}, \com{N} \in \mathcal{K}$ K-flach und $\com{S} $ exakt. Dann
  2096. ist
  2097. \[
  2098. (\com{M} \otimes_A \com{N}) \otimes \com{S} =
  2099. \com{M} \otimes_A (\com{N} \otimes_A \com{S})
  2100. \] und die rechte Seite ist exakt.
  2101. \item Seien $\com{S}, \com{M} \in \mathcal{K}$.
  2102. Dann sind $- \otimes_A \com{S} $ und $\com{M} \otimes_A -$ nach
  2103. \ref{satz:tor-is-triangulated} triangulierte Funktoren, also folgt
  2104. \[
  2105. \com{M}[1] \otimes_A \com{S} =
  2106. (\com{M} \otimes_A \com{S})[1]
  2107. = \com{M} \otimes_A \com{S}[1]
  2108. .\] Da Verschieben Exaktheit erhält, folgt daraus die Äquivalenz.
  2109. \item Sei $(\com{M}, \com{N}, \com{P}, u, v, w)$ ein ausgezeichnetes Dreieck
  2110. in $\mathcal{K}$ mit $\com{M}$ und $\com{N} $ K-flach. Sei weiter
  2111. $\com{S} $ exakt. Da $- \otimes_A \com{S} $ nach \ref{satz:tor-is-triangulated}
  2112. ein triangulierter Funktor ist, erhalten wir das ausgezeichnete Dreieck
  2113. $(\com{M} \otimes_A \com{S}, \com{N} \otimes_A \com{S}, \com{P} \otimes_A \com{S}, u \otimes \text{id}_{\com{S} }, v \otimes \text{id}_{\com{S} }, w \otimes \text{id}_{\com{S} })$
  2114. und damit für $i \in \Z$ die exakte Folge
  2115. \[
  2116. \begin{tikzcd}
  2117. H^{i}(\com{N} \otimes_A \com{S}) \arrow{r} &
  2118. H^{i}(\com{P} \otimes_A \com{S}) \arrow{r} &
  2119. H^{i+1}(\com{M} \otimes_A \com{S})
  2120. \end{tikzcd}
  2121. .\] Da die äußeren Terme nach Voraussetzung $0$ sind, folgt die
  2122. Exaktheit von $\com{P} \otimes_A \com{S} $ und damit, dass $\com{P} $
  2123. K-flach ist.
  2124. Der allgemeine Fall folgt nun mit \ref{TR2}.
  2125. \end{enumerate}
  2126. \end{proof}
  2127. \begin{satz}[]
  2128. Sei $\com{M} \in \mathcal{K}$ K-projektiv. Dann ist $\com{M} $ K-flach.
  2129. Insbesondere hat jeder Komplex $\com{N} \in \mathcal{K}$ eine K-flache Auflösung.
  2130. \label{satz:k-proj-is-k-flat}
  2131. \end{satz}
  2132. \begin{proof}
  2133. Sei $\com{M} $ K-projektiv und $\com{S} $ exakt. Sei weiter $\com{I} $ K-injektiv. Dann folgt
  2134. \[
  2135. \com{\operatorname{Hom}} (\com{M} \otimes_A \com{S}, \com{I}) \stackrel{\ref{satz:adjunction-hom-tor-comp}}{=}
  2136. \com{\operatorname{Hom}}(\com{M}, \com{\operatorname{Hom}}(\com{S}, \com{I} ))
  2137. .\] Es ist $\com{\operatorname{Hom}}(\com{S}, \com{I})$ exakt, da $\com{I} $ K-injektiv und damit
  2138. ist die rechte Seite auch exakt, da
  2139. $\com{M} $ K-projektiv ist. Also folgt die Behauptung mit \ref{lemma:0.10}. Das Insbesondere folgt
  2140. nun aus \ref{satz:existence-k-proj-resolution}.
  2141. \end{proof}
  2142. \begin{satz}[]
  2143. Sei $\com{M} \in \mathcal{K}$ K-flach und exakt. Dann ist $\com{M} \otimes_A \com{N} $ exakt
  2144. für alle $\com{N} \in \mathcal{K}$.
  2145. \label{satz:tor-exact-for-k-flat}
  2146. \end{satz}
  2147. \begin{proof}
  2148. Sei $\com{M} \in \mathcal{K}$ K-flach und exakt und sei $\com{N} \in \mathcal{K}$ beliebig. Dann existiert nach
  2149. \ref{satz:k-proj-is-k-flat} ein K-flacher Komplex $\com{P} \in \mathcal{K}$ und ein Quasiisomorphismus
  2150. $\com{P} \to \com{N} $. Da $\com{M} $ K-flach ist, erhält $\com{M} \otimes_A -$ nach
  2151. \ref{kor:exactness-preserver-preserves-qis} Quasiisomorphismen. Damit folgt
  2152. \begin{equation}
  2153. H^{i}(\com{M} \otimes_A \com{N}) = H^{i}(\com{M} \otimes_A \com{P})
  2154. \label{eq:cohom-groups-1}
  2155. .\end{equation}
  2156. Da $\com{P} $ K-flach ist, folgt mit der Exaktheit von $\com{M} $, dass
  2157. $\com{M} \otimes_A \com{P} $ exakt ist. Damit folgt die Behauptung aus \eqref{eq:cohom-groups-1}.
  2158. \end{proof}
  2159. Damit erhalten wir:
  2160. \begin{satz}
  2161. Seien $\com{M}, \com{N} \in \mathcal{D}$. Dann ist $\com{M} \otimes_A^{\text{L}} \com{N}$ wohldefiniert und
  2162. kann mithilfe einer K-flachen Auflösung einer der Faktoren berechnet werden.
  2163. \label{satz:derived-tor}
  2164. \end{satz}
  2165. \begin{proof}
  2166. In der Notation (der Linksableitungsversion) von \ref{satz:existence-derived-functors} wähle $\mathcal{L}$
  2167. als die volle Unterkategorie der K-flachen Komplexe von $\mathcal{K}$. Dann gilt
  2168. für $\com{N}$ beliebig:
  2169. \begin{enumerate}[(i)]
  2170. \item $\mathcal{L}$ ist trianguliert nach \ref{satz:k-flat-triangulated}.
  2171. \item Für alle $\com{M} \in \mathcal{K}$ existiert nach \ref{satz:k-proj-is-k-flat}
  2172. ein Quasiisomorphismus
  2173. $\com{P} \to \com{M}$ mit $\com{P} \in \mathcal{L}$.
  2174. \item Nach \ref{satz:tor-exact-for-k-flat} erhält
  2175. $\com{N} \otimes_A -|_{\mathcal{L}}$ Exaktheit von Komplexen.
  2176. \end{enumerate}
  2177. Also existiert $\com{N} \otimes_A^{\text{L}} -$. Analog zeigt man die Existenz von
  2178. $- \otimes_A^{L} \com{N}$ und wie im Beweis von \ref{satz:derived-hom}, dass
  2179. beide Ableitungen übereinstimmen.
  2180. \end{proof}
  2181. \subsection{Adjunktion}
  2182. Jetzt können wir alles zusammentragen und erhalten:
  2183. \begin{satz}
  2184. Seien $\com{M}, \com{N}, \com{P} \in \mathcal{D}$. Dann existiert ein natürlicher
  2185. Isomorphismus, der funktoriell in allen Variablen ist:
  2186. \[
  2187. \text{R}\com{\operatorname{Hom}}(\com{M} \otimes_A^{\text{L}} \com{N}, \com{P})
  2188. = \text{R}\com{\operatorname{Hom}}(\com{M}, \text{R}\com{\operatorname{Hom}}(\com{N}, \com{P}))
  2189. .\]
  2190. \label{satz:adjunction-rhom-rtor}
  2191. \end{satz}
  2192. \begin{proof}
  2193. Nach \ref{satz:derived-hom} und \ref{satz:derived-tor} sind alle Terme wohldefiniert
  2194. und wir können mit
  2195. \ref{satz:k-proj-is-k-flat} ohne Einschränkung annehmen, dass $\com{N} $ K-flach ist,
  2196. und mit \ref{satz:existence-k-inj-resolution}, dass $\com{P} $ K-injektiv ist.
  2197. Dann folgt
  2198. \begin{align*}
  2199. \text{R}\com{\operatorname{Hom}}(\com{M} \otimes_A^{\text{L}} \com{N}, \com{P})
  2200. &= \text{R}\com{\operatorname{Hom}}(\com{M} \otimes_A \com{N}, \com{P}) \\
  2201. &= \com{\operatorname{Hom}}(\com{M} \otimes_A \com{N}, \com{P} ) \\
  2202. &\stackrel{\ref{satz:adjunction-hom-tor-comp}}{=}
  2203. \com{\operatorname{Hom}}(\com{M}, \com{\operatorname{Hom}}(\com{N}, \com{P})) \\
  2204. &= \text{R}\com{\operatorname{Hom}}(\com{M}, \com{\operatorname{Hom}}(\com{N}, \com{P})) \\
  2205. &= \text{R}\com{\operatorname{Hom}}(\com{M}, \text{R}\com{\operatorname{Hom}}(\com{N}, \com{P}))
  2206. .\end{align*}
  2207. Das vorletzte Gleichheitszeichen gilt, weil nach \ref{satz:homs-of-k-flat-are-k-inj}
  2208. $\com{\operatorname{Hom}}(\com{N}, \com{P})$ K-injektiv ist.
  2209. \end{proof}
  2210. \begin{korollar}[]
  2211. Seien $\com{M}, \com{N}, \com{P} \in \mathcal{D}$. Dann existiert ein natürlicher
  2212. Isomorphismus, der funktoriell in allen Variablen ist:
  2213. \[
  2214. \operatorname{Mor}_{\mathcal{D}}(\com{M} \otimes_A^{\text{L}} \com{N}, \com{P})
  2215. = \operatorname{Mor}_{\mathcal{D}}(\com{M}, \text{R}\com{\operatorname{Hom}}(\com{N} , \com{P} ))
  2216. .\] Insbesondere gilt folgende Funktoradjunktion in $\mathcal{D}$:
  2217. \[
  2218. - \otimes_A^{\text{L}} \com{N} \dashv \text{R}\com{\operatorname{Hom}}(\com{N}, -)
  2219. .\]
  2220. \end{korollar}
  2221. \begin{proof}
  2222. Wir können wieder annehmen, dass $\com{N}$ K-flach und $\com{P} $ K-injektiv ist.
  2223. Dann betrachte:
  2224. \begin{salign*}
  2225. \operatorname{Mor}_{\mathcal{D}}(\com{M} \otimes_A^{\text{L}} \com{N}, \com{P})
  2226. &\stackrel{\ref{satz:mork=mord-for-k-inj}}{=}
  2227. \operatorname{Mor}_{\mathcal{K}}(\com{M} \otimes_A^{\text{L}} \com{N}, \com{P}) \\
  2228. &\stackrel{\ref{hom-compl-cohomgroups}}{=}
  2229. H^{0}\com{\operatorname{Hom}}(\com{M} \otimes_A^{\text{L}} \com{N}, \com{P}) \\
  2230. &= H^{0}\com{\operatorname{Hom}}(\com{M} \otimes_A \com{N}, \com{P}) \\
  2231. &\stackrel{\ref{satz:adjunction-hom-tor-comp}}{=}
  2232. H^{0}\com{\operatorname{Hom}}(\com{M}, \com{\operatorname{Hom}}(\com{N}, \com{P})) \\
  2233. &\stackrel{\ref{hom-compl-cohomgroups}}{=}
  2234. \operatorname{Mor}_{\mathcal{K}}(\com{M}, \com{\operatorname{Hom}}(\com{N}, \com{P})) \\
  2235. &\stackrel{\ref{satz:mork=mord-for-k-inj}}{=}
  2236. \operatorname{Mor}_{\mathcal{D}}(\com{M}, \com{\operatorname{Hom}}(\com{N}, \com{P})) \\
  2237. &= \operatorname{Mor}_{\mathcal{D}}(\com{M}, \text{R}\com{\operatorname{Hom}}(\com{N}, \com{P}))
  2238. .\end{salign*}
  2239. Das vorletzte Gleichheitszeichen gilt erneut, weil nach \ref{satz:homs-of-k-flat-are-k-inj}
  2240. $\com{\operatorname{Hom}}(\com{N}, \com{P})$ K-injektiv ist.
  2241. \end{proof}
  2242. \bibliographystyle{alpha}
  2243. \bibliography{refs}
  2244. %% TODO: zitate richtig machen
  2245. %\begin{thebibliography}{9}
  2246. %\bibitem{hartshorne}
  2247. %Hartshorne, R. \emph{Residues and duality.} Lecture Notes in Math. 20, Springer-Verlag (1966)
  2248. %\bibitem{spaltenstein}
  2249. %%N. Spaltenstein. Resolutions of unbounded complexes. \emph{Composito Mathematica 65}. (1988)
  2250. %Spaltenstein, N. \emph{Resolutions of unbounded complexes.} Compositio Mathematica, Tome 65 (1988) no. 2, pp. 121-154. %http://www.numdam.org/item/CM_1988__65_2_121_0/
  2251. %\bibitem{set-theoretic}
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  2255. %\end{thebibliography}
  2256. \end{document}