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2599 lines
123KB

  1. \documentclass{arbeit}
  2. \author{Christian Merten\\[1cm]
  3. {\small Betreuung durch: Prof. Dr. Alexander Schmidt,
  4. Dr. Marius Leonhardt, Dr. Katharina Hübner}}
  5. \title{Auflösung unbeschränkter Komplexe}
  6. \usepackage{tikz-cd}
  7. \usepackage{amssymb}
  8. \usepackage{hyperref}
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  10. %\newcommand{\smallbullet}{\tikz \draw (0,0) circle (1.5pt);}
  11. \renewenvironment{abstract}{
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  13. \begin{center}%
  14. \bfseries\abstractname
  15. \end{center}}%
  16. {\vfill}
  17. \newcommand{\com}[1]{#1^{\text{\scalebox{0.7}{\textbullet}}}}
  18. \newcommand{\K}{\mathcal{K}}
  19. %\newcommand{\colim}{\underset{\longrightarrow}{\text{colim }}}
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  49. \begin{document}
  50. \begin{titlepage}
  51. \begin{center}
  52. \vspace*{3cm}
  53. \textsc{Bachelorarbeit} \\[1cm]
  54. {
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  56. \textbf{Auflösung unbeschränkter Komplexe}
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  68. \small
  69. \textsc{Betreuung durch}\\[5mm]
  70. \begin{tabular}{c}
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  75. \end{center}
  76. \end{titlepage}
  77. \clearpage
  78. \selectlanguage{german}
  79. \pagenumbering{gobble}
  80. \begin{abstract}
  81. Wir geben eine Einführung in die Konstruktion von derivierten Kategorien und
  82. abgeleiteten Funktoren. Danach konstruieren wir verschiedene Auflösungen
  83. unbeschränkter Komplexe von Moduln über einem Ring und wenden dies
  84. letztendlich an, um die Existenz der abgeleiteten Funktoren von Hom und Tensorprodukt
  85. zu zeigen und das klassische Adjunktionsresultat auf die abgeleiteten Funktoren
  86. zu übertragen.
  87. \end{abstract}
  88. \selectlanguage{english}
  89. \begin{abstract}
  90. We give an introduction to the construction of derived categories and derived
  91. functors. Then we construct various resolutions of unbounded
  92. complexes of modules over a ring, which we finally apply to show
  93. the existence of the derived functors of Hom and tensorproduct and to transfer the
  94. classic adjunction to the derived functors.
  95. \end{abstract}
  96. \selectlanguage{german}
  97. \clearpage
  98. \tableofcontents
  99. \newpage
  100. \pagenumbering{arabic}
  101. \section{Einleitung}
  102. %Aus der kommutativen Algebra ist für einen kommutativen Ring $A$ und $A$-Moduln
  103. %$M, N, P$ die Adjunktion
  104. %\[
  105. %\text{Hom}_A(M \otimes_A N, P) = \text{Hom}_A(M, \text{Hom}_A(N, P))
  106. %\] bekannt. In der klassischen homologischen Algebra definiert man außerdem
  107. Aus der kommutativen Algebra ist für einen kommutativen Ring $A$ und einen $A$-Modul
  108. $N$ die Adjunktion
  109. \[
  110. - \otimes_A N \dashv \operatorname{Hom}_A(N, -)
  111. \] bekannt. In der klassischen homologischen Algebra definiert man
  112. die Funktoren $\operatorname{Ext}_A^{i}(N, -)$ und $\operatorname{Tor}_A^{i}(-, N)$ als
  113. Ableitungen der Funktoren $\operatorname{Hom}_A(N, -)$ und $- \otimes_A N$. Nun stellt sich
  114. die Frage, ob zwischen diesen ein analoges Adjunktionsresultat gilt.
  115. Die Antwort ist nein, denn angenommen $\operatorname{Ext}_A^{i}(N, -)$ wäre rechtsadjungiert, dann
  116. folgte, dass $\operatorname{Ext}_A^{i}(N, -)$ linksexakt sei. Die exakte Folge
  117. \[
  118. \begin{tikzcd}
  119. 0 \arrow{r} & \Z \arrow{r}{\cdot 2} & \Z \arrow{r} & \Z / 2 \Z \arrow{r} & 0
  120. \end{tikzcd}
  121. \] in $\Z$-Mod lieferte dann die exakte Folge
  122. \[
  123. \begin{tikzcd}
  124. \underbrace{\operatorname{Ext}^{0}_{\Z}(\Z / 2\Z, \Z)}_{= 0} \arrow{r} &
  125. \underbrace{\operatorname{Ext}^{0}_{\Z}(\Z / 2\Z, \Z / 2 \Z)}_{\neq 0} \arrow{r}
  126. & \operatorname{Ext}^{1}_{\Z}(\Z / 2 \Z, \Z) \arrow{r}
  127. & \operatorname{Ext}^{1}_{\Z}(\Z / 2 \Z, \Z)
  128. \end{tikzcd}
  129. .\] Aber $\operatorname{Ext}_{\Z}^{0}(\Z / 2 \Z, \Z / 2 \Z) = \operatorname{Hom}_{\Z}(\Z / 2 \Z, \Z / 2 \Z) \neq 0$
  130. und $\operatorname{Ext}_{\Z}^{0}(\Z / 2 \Z, \Z) = \operatorname{Hom}_{\Z}(\Z / 2 \Z, \Z) = 0$, also ist
  131. $\operatorname{Ext}_{\Z}^{1}(\Z / 2 \Z, \Z) \to \operatorname{Ext}^{1}_{\Z}(\Z / 2 \Z, \Z)$ nicht injektiv.
  132. Es liegt also nahe, dass der klassische Ableitungsbegriff unvollständig ist.
  133. Im \ref{sec:derived-cat}. Abschnitt wird deshalb ein allgemeinerer Ableitungsbegriff
  134. dargestellt.
  135. Um diesen zu finden,
  136. betrachtet man die Bildung von klassischen Ableitungen.
  137. %Konstruktion eines neuen Ableitungsbegriffs führt zum Begriff der derivierten Kategorie:
  138. %Sei $\mathcal{A}$ eine abelsche Kategorie und sei $\mathcal{K}(\mathcal{A})$ die Homotopiekategorie
  139. %von $\mathcal{A}$, das heißt die Kategorie, deren Objekte Komplexe aus $\mathcal{A}$ und
  140. %deren Morphismen Homotopieäquivalenzklassen von Komplexhomomorphismen sind.
  141. Dazu seien $\mathcal{A}, \mathcal{B}$ abelsche Kategorien und $\mathcal{A}$ habe
  142. genügend viele Injektive.
  143. Sei $F\colon \mathcal{A} \to \mathcal{B}$ ein additiver und linksexakter Funktor und
  144. $X \in \mathcal{A}$. Dann existiert eine injektive Auflösung von $X$, also ein Komplex
  145. $\com{I}$ in $\mathcal{A}$, sodass
  146. \[
  147. \begin{tikzcd}
  148. 0 \arrow{r} & X \arrow{r} & I^{0} \arrow{r} & I^{1} \arrow{r} & \cdots
  149. \end{tikzcd}
  150. \] exakt ist oder, äquivalent dazu, dass die vertikalen Morphismen in
  151. \begin{equation}
  152. \begin{tikzcd}
  153. \cdots \arrow{r} & 0 \arrow{r} \arrow{d} & X \arrow{r} \arrow{d} & 0 \arrow{r} \arrow{d} & \cdots \\
  154. \cdots \arrow{r} & 0 \arrow{r} & I^{0} \arrow{r} & I^{1} \arrow{r} & \cdots
  155. \label{eq:resolution}
  156. \end{tikzcd}
  157. \end{equation}
  158. einen Quasiisomorphismus bilden, das heißt ein Komplexhomomorphismus, der Isomorphismen auf
  159. den Kohomologiegruppen induziert. Die Ableitungen von $F$ bei $X$ sind nun die Kohomologiegruppen
  160. des Komplexes $F(\com{I})$. Man zeigt dann aufwendig, dass dieser Prozess wohldefiniert ist, das
  161. heißt insbesondere nicht von der Wahl der injektiven Auflösung von $X$ abhängt.
  162. Anstatt den abgeleiteten Funktor von $F$ auf $\mathcal{A}$ zu konstruieren, definiert man nun
  163. die Ableitung auf einer Komplexkategorie von $\mathcal{A}$, das heißt einer Kategorie, deren
  164. Objekte Komplexe mit Objekten aus $\mathcal{A}$ sind. Bezeichne mit $X[0]$ den oberen Komplex
  165. in \eqref{eq:resolution}. Dann ist es natürlich zu fordern, dass die Ableitung von $F$ bei
  166. $X[0]$ bis auf Isomorphie mit der Ableitung von $F$ bei $\com{I}$ und bei allen weiteren injektiven
  167. Auflösungen von $X$ übereinstimmt.
  168. Dies führt zu der Idee, Objekte (und allgemeiner Komplexe) auf kategorieller Ebene
  169. mit ihren Auflösungen zu identifizieren,
  170. also eine geeignete Kategorie von Komplexen zu finden,
  171. in der quasiisomorphe Komplexe bereits isomorph sind.
  172. Dazu kann man zunächst zur
  173. Homotopiekategorie $\mathcal{K}(\mathcal{A})$ übergehen, das heißt die Kategorie, deren
  174. Objekte Komplexe aus $\mathcal{A}$ und deren Morphismen
  175. Homotopieäquivalenzklassen von Komplexhomomorphismen sind. Allerdings ist ein Quasiisomorphismus im
  176. Allgemeinen keine Homotopieäquivalenz. Deshalb konstruiert man eine weitere Kategorie
  177. $\mathcal{D}(\mathcal{A})$, die derivierte Kategorie von $\mathcal{A}$, mit den Objekten
  178. von $\mathcal{K}(\mathcal{A})$, wobei alle Quasiisomorphismen in $\mathcal{K}(\mathcal{A})$
  179. Isomorphismen in $\mathcal{D}(\mathcal{A})$ induzieren. Man erhält einen kanonischen Funktor
  180. $Q_{\mathcal{A}}\colon \mathcal{K}(\mathcal{A}) \to \mathcal{D}(\mathcal{A})$.
  181. Die (Rechts-)Ableitung von $F$ ist nun (falls existent) ein Funktor
  182. $\text{R}F\colon \mathcal{D}(\mathcal{A}) \to \mathcal{D}(\mathcal{B})$ mit
  183. einer natürlichen Transformation
  184. $\xi\colon Q_{\mathcal{B}} \circ F \to \text{R}F \circ Q_{\mathcal{A}}$, die den Zusammenhang
  185. zwischen $\text{R}F$ und $F$ herstellt.
  186. Im Allgemeinen ist die Existenz von $\text{R}F$ eine schwierige Frage, in der klassischen
  187. Situation existiert $\text{R}F$ jedoch zumindest
  188. auf der Unterkategorie $\mathcal{D}(\mathcal{A})^{+}$ der
  189. nach unten beschränkten Komplexe und die Kohomologiegruppen $H^{i}\text{R}F(X[0])$ stimmen
  190. mit den klassischen Rechtsableitungen $\text{R}^{i}F(X)$ überein. Vom klassischen Standpunkt
  191. erwartungsgemäß, induziert die natürliche Transformation $\xi$ auf der Klasse der nach
  192. unten beschränkten Komplexe mit injektiven Objekten Isomorphismen, das heißt $F$ stimmt mit
  193. seiner Ableitung $\text{R}F$ auf diesen Komplexen überein.
  194. Dieser neue Ableitungsbegriff erlaubt auf natürliche Weise auch Funktoren\footnote{Unter Voraussetzung
  195. einer schwachen Bedingung an $F$, die beispielsweise erfüllt ist, wenn
  196. $F$ von einem additiven Funktor
  197. $\mathcal{A} \to \mathcal{B}$ induziert ist.}
  198. $F\colon \mathcal{K}(\mathcal{A}) \to \mathcal{K}(\mathcal{B})$ zuzulassen.
  199. Analog zur klassischen
  200. Theorie ist dann die Existenz der Ableitung von $F$ gesichert durch:
  201. \begin{enumerate}[(1)]
  202. \item eine Klasse $\mathcal{J}$ von $F$-azyklischen Komplexen, das heißt
  203. eine Klasse von Komplexen für die $F$ Exaktheit erhält, und
  204. \item für jeden Komplex einen Quasiisomorphismus in einen Komplex aus $\mathcal{J}$.
  205. \end{enumerate}
  206. In diesem Fall induziert $\xi$ auf den Komplexen aus $\mathcal{J}$ Isomorphismen, das heißt
  207. Ableitungen berechnen sich, analog zur klassischen Situation, durch Auflösungen durch Komplexe
  208. aus $\mathcal{J}$.
  209. Besonders die zweite Bedingung ist für beliebige abelsche Kategorien jedoch nur
  210. sehr schwer zu erfüllen und hängt durch $\mathcal{J}$ von dem konkreten Funktor $F$ ab. Spaltenstein
  211. hat das in seiner
  212. Arbeit ,,Resolution of unbounded complexes`` \cite{spaltenstein}
  213. für zahlreiche Funktoren unter wenigen Voraussetzungen
  214. an die beteiligten Kategorien gelöst. Die vorliegende Arbeit stellt im
  215. \ref{sec:resolutions}. Abschnitt sein Argument dar, um dies im \ref{sec:application}.
  216. Abschnitt auf den Homfunktor und das Tensorprodukt anzuwenden.
  217. Dafür erweitern wir die Funktoren $\operatorname{Hom}_A(N, -)$ und $- \otimes_A N$ in natürlicher Weise
  218. zu Funktoren $\mathcal{K}(A\text{-Mod}) \to \mathcal{K}(A\text{-Mod})$, sodass die Erweiterungen,
  219. angewendet auf eingradige Komplexe, mit den ursprünglichen Funktoren übereinstimmen. Der naive
  220. Ansatz $\operatorname{Hom}_A(N, -)$ bzw. $\operatorname{Hom}_A(-, N)$ in beiden Variablen zu erweitern,
  221. indem für Komplexe $\com{M}, \com{N} \in \mathcal{K}(A\text{-Mod})$ gradweise
  222. $\operatorname{Hom}_A(M^{i}, N^{i})$ gebildet wird, ist nicht hinreichend,
  223. denn dieser neue Komplex enthielte keine Informationen über die Komplexhomomorphismen
  224. von $\com{M}$ nach $\com{N}$.
  225. %Die Idee
  226. %der derivierten Kategorie kommt von der Beobachtung, dass vor allem die Kohomologiegruppen von
  227. %Komplexen von Interessse sind. Allerdings ist ein Quasiisomorphismus
  228. %$f\colon \com{X} \to \com{Y}$ zwischen Komplexen $\com{X}, \com{Y} $ in $\mathcal{A}$,
  229. %also ein Komplexhomomorphismus, der Isomorphismen zwischen den Kohomologiegruppen induziert,
  230. %im Allgemeinen keine Homotopieäquivalenz, das heißt kein Isomorphismus in $\mathcal{K}(\mathcal{A})$.
  231. %Diesen Defekt behebt die deriverte Kategorie $\mathcal{D}(\mathcal{A})$, die die selben Objekte
  232. %hat wie $\mathcal{K}(\mathcal{A})$ und in der alle Quasiisomorphismen zu Isomorphismen erklärt
  233. %werden. Bezeichne im Folgenden
  234. %$Q_{\mathcal{A}}\colon \mathcal{K}(\mathcal{A}) \to \mathcal{D}(\mathcal{A})$ den kanonischen Funktor.
  235. %Sei nun $\mathcal{B}$ eine weitere abelsche Kategorie und $F\colon \mathcal{A} \to \mathcal{B}$
  236. %ein additiver Funktor. Dann definiert man einen Funktor
  237. %$\text{R}F\colon \mathcal{D}(\mathcal{A}) \to \mathcal{D}(\mathcal{B})$
  238. %mit einer natürlichen Transformation
  239. %$\xi\colon Q_{\mathcal{B}} \circ F \to \text{R}F \circ Q_{\mathcal{A}}$. Für ein Objekt
  240. %$X \in \mathcal{A}$ bezeichne $X[0] \in \mathcal{K}(\mathcal{A})$ den Komplex der im Grad $0$ $X$
  241. %zu stehen hat und in allen anderen Graden $0$ ist.
  242. %Falls $F$ linksexakt ist,
  243. %existiert $\text{R}F$ und die Kohomologiegruppen $H^{i}\text{R}F(X[0]) $ entsprechen
  244. %den klassischen Rechtsableitungen $\text{R}^{i}F(X)$. Allgemeiner definiert man $\text{R}F$
  245. %für bestimmte Funktoren $F\colon \mathcal{K}(\mathcal{A}) \to \mathcal{K}(\mathcal{A})$. Das
  246. %bedeutet der neue Ableitungsbegriff ist eine echte Verallgemeinerung des alten.
  247. %Um die abgeleitete Hom-Tensor Adjunktion zu formulieren, werden die Funktoren $\operatorname{Hom}_A(N, -)$
  248. %und $- \otimes_A N$ in natürlicher Weise zu Funktoren
  249. %$\mathcal{K}(A\text{-Mod}) \to \mathcal{K}(A\text{-Mod})$ erweitert, sodass
  250. %die Erweiterungen, angewendet auf eingradige Komplexe, mit den ursprünglichen Funktoren
  251. %übereinstimmen. Der so (in beiden Variablen) funktoriell definierte Komplex
  252. %$\com{\operatorname{Hom}}(\com{M}, \com{N})$ für
  253. %Komplexe $\com{M}, \com{N} \in \mathcal{K}(A\text{-Mod})$ soll dabei Informationen über die
  254. %Morphismen in $\mathcal{K}(A\text{-Mod})$ von $\com{M} $ nach $\com{N} $ enthalten. Man definiert
  255. %also für $n \in \Z$
  256. Anstatt dessen definiert man für $n \in \Z$ und Komplexe $\com{M}, \com{N} \in
  257. \mathcal{K}(\mathcal{A})$:
  258. \[
  259. \operatorname{Hom}^{n}(\com{M}, \com{N}) = \prod_{i \in \Z} \operatorname{Hom}_A(M^{i}, N^{i+n})
  260. \] mit Differential
  261. \[
  262. d^{n}(f) = d_{\com{N} } f - (-1)^{n} f d_{\com{M}}
  263. .\] Dann erhält man den Zusammenhang
  264. \[
  265. H^{0}\com{\operatorname{Hom}}(\com{M}, \com{N}) = \operatorname{Mor}_{\mathcal{K}}(\com{M}, \com{N})
  266. .\]
  267. Für $\com{M}, \com{N} \in \mathcal{K}(A\text{-Mod})$ definiert man nun
  268. $\com{M} \otimes_A \com{N}$ so, dass man, analog zur klassischen Adjunktion, für
  269. $\com{P} \in \mathcal{K}(A\text{-Mod})$ einen natürlichen Isomorphismus
  270. \[
  271. \com{\operatorname{Hom}}(\com{M} \otimes_A \com{N}, \com{P}) =
  272. \com{\operatorname{Hom}}(\com{M}, \com{\operatorname{Hom}}(\com{N}, \com{P}))
  273. \] erhält.
  274. Das Ziel ist nun die Funktoren $\com{\operatorname{Hom}}(\com{N}, -)$, $\com{\operatorname{Hom}}(-, \com{N})$
  275. und $- \otimes_A \com{N} $ abzuleiten.
  276. Dafür suchen wir jeweils eine Klasse $\mathcal{J}$ von Komplexen, die die Bedingungen
  277. (1) und (2) für den entsprechenden Funktor erfüllt.
  278. %Analog zur klassischen Theorie, wird dafür eine Klasse von Objekten $\mathcal{J}$ benötigt, auf der
  279. %die Funktoren Exaktheit von Komplexen erhalten. Damit außerdem die (Rechts-)Ableitung auf ganz
  280. %$\mathcal{D}(\mathcal{A})$ definiert ist, muss für jeden Komplex
  281. %$\com{M} \in \mathcal{K}(\mathcal{A})$ eine (Rechts-)Auflösung, das heißt ein Quasiisomorphismus
  282. %in ein Objekt aus $\mathcal{J}$, existieren.
  283. %Dann lassen sich die abgeleiteten Funktoren leicht berechnen, da auf den Objekte aus $\mathcal{J}$
  284. %die natürliche Transformation $\xi$ Isomorphismen induziert.
  285. %
  286. %Die Schwierigkeit liegt nun darin, solche Auflösungen zu finden. Spaltenstein hat das in seiner
  287. %Arbeit ,,Resolution of unbounded complexes`` für zahlreiche Funktoren unter wenigen Voraussetzungen
  288. %an die beteiligten Kategorien gelöst. Die vorliegende Arbeit stellt sein Argument dar und wendet
  289. %dies auf die obigen Funktoren an, um die gewünschte Adjunktion zu erhalten.
  290. Für
  291. $\com{\operatorname{Hom}}(\com{N}, -)$ definieren wir dafür
  292. \begin{definition*}
  293. Ein Komplex $\com{I} \in \mathcal{K}(\mathcal{A})$ heißt \emph{K-injektiv}, wenn
  294. der Funktor $\com{\operatorname{Hom}}(-, \com{I})$ Exaktheit von Komplexen erhält. Eine \emph{K-injektive
  295. Auflösung} eines Komplexes $\com{M} \in \mathcal{K}(\mathcal{A})$ ist ein Quasiisomorphismus
  296. $\com{M} \to \com{I} $ mit einem K-injektiven Komplex $\com{I}$.
  297. \end{definition*}
  298. Sei nun $\mathcal{J}$ die Klasse der K-injektiven Komplexe.
  299. Es wird schnell klar, dass ein exakter K-injektiver Komplex bereits der Nullkomplex ist und
  300. damit die Bedingung (1) erfüllt ist. Der schwierige Teil ist Bedingung (2) nachzuweisen.
  301. Zuänchst bemerken wir, dass nach unten beschränkte Komplexe mit injektiven Objekten
  302. K-injektiv sind. Klassisch ist bekannt, dass
  303. jeder nach unten beschränkte Komplex eine Auflösung durch einen solchen Komplex hat. Für
  304. einen beliebigen (unbeschränkten) Komplex $\com{M} \in \mathcal{K}(\mathcal{A})$ funktioniert die
  305. klassische, induktive Konstruktion jedoch nicht.
  306. Wir konstruieren deshalb geeignete $\mathcal{J}$-spezielle inverse Systeme.
  307. Das sind abzählbare inverse Systeme mit surjektiven Übergangsabbildungen, wobei die Kerne dieser
  308. in $\mathcal{J}$ liegen. Im ersten Schritt zeigen wir nun, dass $\mathcal{J}$ abgeschlossen
  309. unter $\mathcal{J}$-speziellen inversen Limites ist, das heißt, dass die Limites von solchen
  310. Systemen in $\mathcal{J}$ liegen.
  311. Die Idee im zweiten Schritt ist nun, für $n \in \N$ den unbeschränkten Komplex
  312. $\com{M}$ so abzuschneiden, dass
  313. die Kohomologiegruppen vom Grad $\ge -n$ erhalten bleiben. So erhalten wir ein System
  314. $(\tau^{\ge -n} \com{M})_{n \in \N}$ der abgeschnittenen Komplexe von $\com{M}$.
  315. Induktiv konstruieren wir dann ein $\mathcal{J}$-spezielles inverses System
  316. $(\com{I}_n)_{n \in \N}$ und ein inverses System von Quasiisomorphismen
  317. $f_n\colon \tau^{\ge -n} \com{M} \to \com{I}_n$, indem wir in jedem Schritt für $n \in \N$
  318. aus $\tau^{\ge -n} \com{M}$ und $\com{I}_{n-1}$ einen nach unten beschränkten Komplex konstruieren,
  319. der klassisch durch einen K-injektiven aufgelöst werden kann.
  320. So erhalten wir im Limes einen K-injektiven Komplex $\com{I}$ und einen Komplexhomomorphismus
  321. $f\colon \com{M} \to \com{I}$.
  322. Da für $\mathcal{A} = A\text{-Mod}$ der inverse Limes jedoch nicht exakt ist, ist
  323. $f\colon \com{M} \to \com{I}$
  324. a priori kein Quasiisomorphismus, obwohl $f_n$ ein solcher ist für alle $n \in \N$.
  325. Mithilfe einer Variante des
  326. Mittag-Leffler Kriteriums können wir zeigen, dass $f$ dennoch ein Quasiisomorphismus ist.
  327. Dual dazu definieren wir K-projektive Komplexe und Auflösungen und zeigen, dass jeder
  328. Komplex in $A$-Mod ebenfalls eine K-projektive Auflösung hat.
  329. Für den Funktor $- \otimes_A \com{N}$ benötigen
  330. wir dann noch eine dritte Klasse von Komplexen, die K-flachen Komplexe, die analog zu den
  331. K-Injektiven auf das Tensorprodukt angepasst definiert werden. Wir können dann zeigen, dass
  332. jeder K-projektive Komplex schon K-flach ist und erhalten so, dass jeder Komplex auch eine K-flache
  333. Auflösung besitzt.
  334. Im letzten Abschnitt wenden wir die Existenz von K-injektiven, K-projektiven und K-flachen
  335. Auflösungen an, um die Existenz der abgeleiteten Funktoren $\text{R}\com{\operatorname{Hom}}(\com{N}, -)$,
  336. $\text{R}\com{\operatorname{Hom}}(-, \com{N})$ und $- \otimes_A^{L} \com{N} $ zu zeigen.
  337. Als Korollar erhalten wir daraus die Adjunktion von $- \otimes^{L}_A \com{N}$
  338. und $\text{R}\com{\operatorname{Hom}}(\com{N}, -)$, indem wir durch geeignetes Auflösen
  339. der beteiligten Komplexe die
  340. Situation auf die Adjunktion von $- \otimes_A \com{N}$ und $\com{\operatorname{Hom}}(\com{N}, -)$
  341. zurückführen.
  342. \newpage
  343. \section{Derivierte Kategorien und abgeleitete Funktoren}
  344. \label{sec:derived-cat}
  345. Seien $\mathcal{A}, \mathcal{B}$ abelsche Kategorien und sei $F\colon \mathcal{A} \to
  346. \mathcal{B}$ ein additiver Funktor. Das Ziel ist es in natürlicher Weise für jedes Objekt
  347. $X \in \mathcal{A}$ einen Komplex $\text{R}F(X)$ zu definieren, dessen Kohomologiegruppen,
  348. falls $F$ linksexakt ist,
  349. mit den klassischen Rechtsableitungen von $F$ bei $X$ übereinstimmen.
  350. Allgemeiner definieren wir $\text{R}F(\com{X})$
  351. für jeden Komplex $\com{X}$ in $\mathcal{A}$, indem wir einen
  352. Funktor $\text{R}F$ von der derivierten Kategorie $\mathcal{D}(\mathcal{A})$ von
  353. $\mathcal{A}$ in die derivierte Kategorie $\mathcal{D}(\mathcal{B})$ von $\mathcal{B}$ konstruieren.
  354. Die derivierte Kategorie $\mathcal{D}(\mathcal{A})$ erhalten wir durch Lokalisierung,
  355. analog zum gleichnamigen Vorgang in der kommutativen Algebra: Wir starten mit der Kategorie
  356. $\mathcal{K}(\mathcal{A})$, der Homotopiekategorie von $\mathcal{A}$, wobei die Morphismen
  357. Homotopieäquivalenzklassen von Komplexhomomorphismen sind. Daraus erhalten
  358. wir dann $\mathcal{D}(\mathcal{A})$ indem alle Quasiisomorphismen in
  359. $\mathcal{K}(\mathcal{A})$, das heißt Komplexhomomorphismen, die Isomorphismen auf den
  360. Kohomologiegruppen induzieren, in $\mathcal{D}(\mathcal{A})$ zu Isomorphismen erklärt werden.
  361. Dieser Lokalisierungsprozess wird im Folgenden skizziert. Die Vorgehensweise orientiert
  362. sich an Kapitel 1 von \cite{hartshorne}.
  363. \subsection{Triangulierte Kategorien}
  364. Auch wenn $\mathcal{A}$ eine abelsche Kategorie ist, sind $\mathcal{K}(\mathcal{A})$
  365. und $\mathcal{D}(\mathcal{A})$ im Allgemeinen nicht abelsch; sie genügen jedoch einer
  366. anderen Struktur, die einer triangulierten Kategorie.
  367. \begin{definition}[Triangulierte Kategorie]
  368. Eine \emph{triangulierte Kategorie} ist eine additive Kategorie $\mathcal{T}$ mit
  369. \begin{enumerate}[(a)]
  370. \item einem additiven Kategorienautomorphismus
  371. $T\colon \mathcal{T} \to \mathcal{T}$, dem Verschiebefunktor, und
  372. \item einer Klasse von Sextupeln $(X, Y, Z, u, v, w)$, den ausgezeichneten Dreiecken von $\mathcal{T}$, wobei
  373. $X, Y, Z \in \mathcal{T}$ und $u\colon X \to Y$, $v\colon Y \to Z$, $w\colon Z \to T(X)$ Morphismen sind.
  374. \end{enumerate}
  375. Ein Morphismus von ausgezeichneten Dreiecken
  376. $(X, Y, Z, u, v, w) \to (X', Y', Z', u', v', w')$ ist ein kommutatives Diagramm
  377. \[
  378. \begin{tikzcd}
  379. X \arrow{r}{u} \arrow{d} & Y \arrow{r}{v} \arrow{d} & Z \arrow{r}{w} \arrow{d} & T(X) \arrow{d} \\
  380. X' \arrow{r}{u'} & Y' \arrow{r}{v'} & Z' \arrow{r}{w'} & T(X') \\
  381. \end{tikzcd}
  382. .\]
  383. Weiter unterliegen diese Daten den folgenden Axiomen:
  384. \begin{enumerate}[(TR1), leftmargin=14mm]
  385. \item Jedes zu einem ausgezeichneten Dreieck
  386. isomorphe Sextupel $(X, Y, Z, u, v, w)$ wie oben, ist ein ausgezeichnetes Dreieck. Jeder
  387. Morphismus $u\colon X \to Y$ kann in ein ausgezeichnetes Dreieck $(X, Y, Z, u, v, w)$ eingebettet werden
  388. und das Sextupel $(X, X, 0, \text{id}_X, 0, 0)$ ist ein ausgezeichnetes Dreieck für alle $X \in \mathcal{T}$.
  389. \item $(X, Y, Z, u, v, w)$ ist ein ausgezeichnetes Dreieck genau dann wenn $(Y, Z, T(X), v, w, -T(u))$ ein
  390. ausgezeichnetes Dreieck ist.
  391. \item Für zwei ausgezeichnete Dreiecke $(X, Y, Z, u, v, w)$ und $(X', Y', Z', u', v', w')$, und
  392. Morphismen $f\colon X \to X'$, $g\colon Y \to Y'$, die mit $u$ und $u'$ kommutieren, existiert
  393. ein nicht notwendig eindeutiger Morphismus $h\colon Z \to Z'$, sodass $(f, g, h)$ ein Morphismus
  394. von ausgezeichneten Dreiecken ist.
  395. \end{enumerate}
  396. \label{TR2}
  397. \end{definition}
  398. \begin{bem}
  399. Streng genommen ist die hier definierte Triangulierte Kategorie nur eine Pretriangulierte Kategorie. Für
  400. eine vollständig triangulierte Kategorie fehlt noch das Oktaheder Axiom
  401. (TR4 in \cite{hartshorne}), das wir im Folgenden jedoch nicht benötigen.
  402. \end{bem}
  403. \begin{definition}[Triangulierte Unterkategorie]
  404. Sei $\mathcal{T}$ eine triangulierte Kategorie mit Verschiebefunktor $T$.
  405. Eine Unterkategorie $\mathcal{R}$ von $\mathcal{T}$ heißt
  406. \emph{triangulierte Unterkategorie}, wenn gilt
  407. \begin{enumerate}[(i)]
  408. \item für jedes Objekt $X \in \mathcal{T}$ ist $X \in \mathcal{R}$, genau dann wenn
  409. $T(X) \in \mathcal{R}$ ist, und
  410. \item falls zwei Punkte eines ausgezeichneten Dreiecks in $\mathcal{T}$ in $\mathcal{R}$ liegen, so auch
  411. der dritte.
  412. \end{enumerate}
  413. \label{def:triangulated-subcategory}
  414. \end{definition}
  415. \begin{definition}[Triangulierter Funktor]
  416. Ein additiver (kovarianter) Funktor $F\colon \mathcal{T} \to \mathcal{S}$ zwischen triangulierten Kategorien
  417. heißt \emph{trianguliert}, wenn er ausgezeichnete Dreiecke in ausgezeichnete Dreiecke überführt und mit dem
  418. Verschiebefunktor kommutiert.
  419. \end{definition}
  420. \begin{definition}[Kohomologischer Funktor]
  421. Ein additiver (kovarianter) Funktor $H\colon \mathcal{T} \to \mathcal{A}$ von einer triangulierten Kategorie
  422. in eine abelsche Kategorie heißt (kovarianter) \emph{kohomologischer Funktor}, wenn für jedes
  423. ausgezeichnete Dreieck $(X, Y, Z, u, v, w)$ von $\mathcal{T}$ die lange Folge
  424. \[
  425. \begin{tikzcd}
  426. \cdots \arrow{r} & H(T^{i}X) \arrow{r} & H(T^{i}Y) \arrow{r} & H(T^{i}Z) \arrow{r} & H(T^{i+1}X) \arrow{r}
  427. & \cdots
  428. \end{tikzcd}
  429. \] exakt ist. Wenn $H$ ein kohomologischer Funktor ist, dann schreiben wir auch $H^{i}(X)$ für $H(T^{i}X)$
  430. für $i \in \Z$.
  431. \end{definition}
  432. \begin{lemma}
  433. Sei $\mathcal{T}$ eine triangulierte Kategorie und $X \in \mathcal{T}$.
  434. Dann sind $\operatorname{Mor}_{\mathcal{T}}(X, -)$ und $\operatorname{Mor}_{\mathcal{T}}(-, X)$ kohomologische Funktoren.
  435. \label{hom-cohom-func}
  436. \end{lemma}
  437. \begin{proof}
  438. siehe Proposition 1.1 in \cite{hartshorne}.
  439. \end{proof}
  440. \subsection{Homotopiekategorie}
  441. Das kanonische Beispiel für eine triangulierte Kategorie ist die Homotopiekategorie einer additiven Kategorie $\mathcal{C}$.
  442. \begin{definition}[Homotopiekategorie]
  443. Sei $\mathcal{C}$ eine additive Kategorie. Dann ist die \emph{Homotopiekategorie}
  444. $\mathcal{K}(\mathcal{C})$ von $\mathcal{C}$, die Kategorie, deren Objekte
  445. Komplexe mit Objekten aus $\mathcal{C}$ sind und
  446. deren Morphismen Homotopieäquivalenzklassen von Komplexhomomorphismen sind.
  447. \end{definition}
  448. %\begin{bem}
  449. In der Homotopiekategorie haben wir einen natürlichen Kategorienautomorphismus
  450. $T\colon \mathcal{K}(\mathcal{C}) \to \mathcal{K}(\mathcal{C})$, der
  451. durch Verschieben nach links gegeben ist, das
  452. heißt für $\com{X} \in \mathcal{K}(\mathcal{C})$ durch
  453. \begin{equation}
  454. T(\com{X})^{i} = X^{i+1} \text{ und } d_{T(\com{X})} = - d_{\com{X}}
  455. \label{eq:shift-functor}
  456. \end{equation}
  457. %\end{bem}
  458. \begin{bem}[Notation]
  459. Für $\com{X} \in \mathcal{K}(\mathcal{C})$ schreiben wir auch
  460. \[
  461. \com{X}[n] = T^{n}(\com{X})
  462. .\]
  463. \end{bem}
  464. Um die ausgezeichneten Dreiecke in $\mathcal{K}(\mathcal{C})$ zu erklären, benötigen wir
  465. den Abbildungskegel eines Morphismus in $\mathcal{K}(\mathcal{C})$:
  466. \begin{definition}[Abbildungskegel]
  467. Seien $\com{X}, \com{Y} \in \mathcal{K}$ zwei Komplexe und $f\colon \com{X} \to \com{Y}$ ein
  468. Komplexhomomorphismus. Dann sei der \emph{Abbildungskegel}
  469. $\com{C}_f \in \mathcal{K}(\mathcal{C})$ definiert durch
  470. \[
  471. C_f^{n} = X^{n+1} \oplus Y^{n}
  472. \] mit Differential
  473. \[
  474. d_{\com{C}_f} = \begin{pmatrix}
  475. d_{\com{X}[1]} & 0 \\
  476. f[1] & d_{\com{Y} }
  477. \end{pmatrix}
  478. .\]
  479. \label{def:mapping-cone}
  480. \end{definition}
  481. \begin{bem}
  482. \begin{enumerate}[(1)]
  483. \item In der Situation von \ref{def:mapping-cone} haben wir kanonische Morphismen
  484. $i\colon \com{Y} \to \com{C}_{f}$ und $p\colon \com{C}_{f} \to \com{X}[1]$.
  485. \item Oft wird auch die Notation $\com{C}_f = \com{X}[1] \oplus \com{Y}$ verwendet.
  486. Man beachte jedoch, dass der Abbildungskegel \emph{nicht} das Koprodukt
  487. von $\com{X}[1]$ und $\com{Y}$ ist.
  488. \end{enumerate}
  489. \end{bem}
  490. \begin{satz}[Homotopiekategorie ist trianguliert]
  491. Sei $\mathcal{C}$ eine additive Kategorie. Dann ist die Homotopiekategorie $\mathcal{K}(\mathcal{C})$
  492. mit den folgenden Daten trianguliert:
  493. \begin{enumerate}[(a)]
  494. \item Der Verschiebefunktor $T\colon \mathcal{K}(\mathcal{C}) \to \mathcal{K}(\mathcal{C})$ wie in \ref{eq:shift-functor}.
  495. \item Ein Sextupel $(\com{X}, \com{Y}, \com{Z}, u, v, w)$
  496. wie in \ref{TR2} in $\mathcal{K}(\mathcal{C})$
  497. ist genau dann ein ausgezeichnetes Dreieck,
  498. wenn
  499. es im Sinne von ausgezeichneten Dreiecken isomorph ist zu einem Sextupel
  500. der Form
  501. $(\com{X}, \com{Y}, \com{C_{f}}, f, i, p)$,
  502. wobei $f\colon \com{X} \to \com{Y} $ ein Morphismus
  503. in $\mathcal{K}(\mathcal{C})$ ist und $i\colon \com{Y} \to \com{C_{f}}$,
  504. $p\colon \com{C}_{f} \to \com{X}[1]$ die kanonischen Morphismen sind.
  505. \end{enumerate}
  506. \end{satz}
  507. \begin{proof}
  508. siehe Kapitel 1, §2 in \cite{hartshorne}.
  509. \end{proof}
  510. Sei nun $\mathcal{A}$ eine abelsche Kategorie und $\mathcal{K} = \mathcal{K}(\mathcal{A})$ die Homotopiekategorie.
  511. \begin{lemma}
  512. Der Funktor $H\colon \mathcal{K} \to \mathcal{A}b$ der einen Komplex $\com{A}$
  513. auf seine nullte Kohomologiegruppe abbildet, ist ein kohomologischer Funktor.
  514. \label{lemma:cohom-is-cohom-functor}
  515. \end{lemma}
  516. \begin{proof}
  517. siehe Kapitel 1, §2 in \cite{hartshorne}.
  518. \end{proof}
  519. Daraus erhalten wir insbesondere folgendes Kriterium, ob ein Komplexhomomorphismus ein Quasiisomorphismus ist:
  520. \begin{lemma}[]
  521. Seien $\com{A}, \com{B} \in \mathcal{K}$ und $f\colon \com{A} \to \com{B} $ ein Komplexhomomorphismus.
  522. Dann ist $f$ ein Quasiisomorphismus, genau dann wenn $\com{C}_f$ exakt ist.
  523. \label{mapping-cone-exact-for-qis}
  524. \end{lemma}
  525. \begin{proof}
  526. Es ist $(\com{A}, \com{B}, \com{C}_f, f, \iota, \rho)$ ein ausgezeichnetes Dreieck in $\mathcal{K}$ mit
  527. $\iota\colon \com{B} \to \com{C}_f$ und $\rho\colon \com{C}_f \to \com{A}[1]$ die natürlichen
  528. Morphismen. Also
  529. erhalten wir mit \ref{lemma:cohom-is-cohom-functor} für $i \in \Z$ eine exakte Folge
  530. \[
  531. \begin{tikzcd}
  532. H^{i-1}(\com{C}_f) \arrow{r}
  533. & H^{i}(\com{A}) \arrow{r}{H^{i}(f)}
  534. & H^{i}(\com{B}) \arrow{r}
  535. & H^{i}(\com{C}_f) \arrow{r}
  536. & H^{i+1}(\com{A}) \arrow{r}{H^{i+1}(f)}
  537. & H^{i+1}(\com{B})
  538. \end{tikzcd}
  539. .\] Die Exaktheit liefert nun die Äquivalenz.
  540. \end{proof}
  541. \begin{bem}
  542. Falls in der Situation von \ref{mapping-cone-exact-for-qis},
  543. $H^{i}(f)$ ein Isomorphismus ist für $i \gg 0$ (bzw. $i \ll 0$), folgt aus der exakten Folge im Beweis,
  544. dass $H^{i}(\com{C}_f) = 0$ für $i \gg 0$ (bzw. $i \ll 0$).
  545. \label{bem:mapping-cone-h-bounded}
  546. \end{bem}
  547. \begin{korollar}
  548. Sei $\mathcal{B}$ eine weitere abelsche Kategorie und
  549. $F\colon \mathcal{K}(\mathcal{A}) \to \mathcal{K}(\mathcal{B})$
  550. ein triangulierter Funktor.
  551. Dann erhält $F$ genau dann Exaktheit von Komplexen, wenn $F$ Quasiisomorphismen erhält.
  552. \label{kor:exactness-preserver-preserves-qis}
  553. \end{korollar}
  554. \begin{proof}
  555. ($\Rightarrow$) Seien $\com{X}, \com{Y} \in \mathcal{K}(\mathcal{A})$
  556. und $f\colon \com{X} \to \com{Y}$ ein Quasiisomorphismus. Dann ist
  557. \[
  558. \begin{tikzcd}
  559. \com{X} \arrow{r}{f} & \com{Y} \arrow{r} & \com{C}_f \arrow{r} & \com{X}[1]
  560. \end{tikzcd}
  561. \] ein ausgezeichnetes Dreieck in $\mathcal{K}(\mathcal{A})$, wobei $\com{C}_f$
  562. nach \ref{mapping-cone-exact-for-qis} exakt ist. Nach Voraussetzung ist
  563. \[
  564. \begin{tikzcd}
  565. F(\com{X}) \arrow{r}{F(f)} & F(\com{Y}) \arrow{r} & F(\com{C}_f) \arrow{r} & \com{X}[1]
  566. \end{tikzcd}
  567. \] ebenfalls ein ausgezeichnetes Dreieck und wir erhalten für $i \in \Z$ die exakte Folge:
  568. \[
  569. \begin{tikzcd}
  570. H^{i-1}(F(\com{C}_f)) \arrow{r} & H^{i}(F(\com{X})) \arrow{r} & H^{i}(F(\com{Y})) \arrow{r} &
  571. H^{i}(F(\com{C}_f))
  572. \end{tikzcd}
  573. .\] Die äußeren Terme sind $0$, weil $F$ Exaktheit erhält. Aus der Exaktheit der Folge, folgt damit
  574. der gewünschte Isomorphismus.
  575. ($\Leftarrow$) Sei $\com{X} \in \mathcal{K}(\mathcal{A})$ exakt. Dann ist $\com{X} \to \com{0}$
  576. ein Quasiisomorphismus, also auch $F(\com{X}) \to F(\com{0} )$. Da $F$ additiv ist, folgt $F(\com{0}) = \com{0}$ und damit
  577. die Behauptung.
  578. \end{proof}
  579. \subsection{Lokalisierung von Kategorien}
  580. Wie anfangs erwähnt, ist die derivierte Kategorie $\mathcal{D}(\mathcal{A})$ einer
  581. abelschen Kategorie $\mathcal{A}$
  582. eine Lokaliserung der Homotopiekategorie $\mathcal{K}(\mathcal{A})$.
  583. Diese funktioniert analog zum gleichnamigen Prozess in der kommutativen Algebra, was
  584. uns zu folgendem Begriff führt:
  585. \begin{definition}[Multiplikatives System]
  586. Sei $\mathcal{C}$ eine Kategorie. Eine Klasse $\mathcal{S}$ von Morphismen von $\mathcal{C}$ heißt
  587. \emph{multiplikatives System}, wenn es die folgenden Axiome erfüllt:
  588. \begin{enumerate}[(FR1), leftmargin=14mm]
  589. \item Wenn $f, g \in \mathcal{S}$, sodass $fg$ existiert, ist $fg \in \mathcal{S}$. Für
  590. alle $X \in \mathcal{C}$ ist $\text{id}_{X}\in \mathcal{S}$.
  591. \item Jedes Diagramm in $\mathcal{C}$
  592. \[
  593. \begin{tikzcd}
  594. & Z \arrow{d}{s} \\
  595. X \arrow{r}{u} & Y \\
  596. \end{tikzcd}
  597. \] mit $s \in \mathcal{S}$ kann zu einem kommutativen Diagramm
  598. \[
  599. \begin{tikzcd}
  600. W \arrow{r}{v} \arrow{d}{t} & Z \arrow{d}{s} \\
  601. X \arrow{r}{u} & Y
  602. \end{tikzcd}
  603. \] mit $t \in \mathcal{S}$ ergänzt werden. Analog gilt die selbe Aussage mit allen Pfeilen umgedreht.
  604. \item Für $f, g \colon X \to Y$ Morphismen in $\mathcal{C}$, sind die folgenden Bedingungen äquivalent:
  605. \begin{enumerate}[(i)]
  606. \item Es existiert ein $s\colon Y \to Y'$ in $\mathcal{S}$, sodass $sf = sg$.
  607. \item Es existiert ein $t\colon X \to X'$ in $\mathcal{S}$, sodass $ft = gt$.
  608. \end{enumerate}
  609. \end{enumerate}
  610. \label{def:mult-system}
  611. \end{definition}
  612. \begin{definition}[Lokalisierung]
  613. Seien $\mathcal{C}$ eine Kategorie und $\mathcal{S}$ eine Klasse von Morphismen in $\mathcal{C}$. Dann
  614. ist die \emph{Lokalisierung} von $\mathcal{C}$ in Bezug auf $\mathcal{S}$ eine Kategorie $\mathcal{C}_{\mathcal{S}}$
  615. zusammen mit einem Funktor $Q\colon \mathcal{C} \to \mathcal{C}_{\mathcal{S}}$, sodass
  616. \begin{enumerate}[(a)]
  617. \item $Q(s)$ ein Isomorphismus ist für alle $s \in \mathcal{S}$ und
  618. \item jeder Funktor $F\colon \mathcal{C} \to \mathcal{D}$, sodass $F(s)$ ein Isomorphismus ist
  619. für alle $s \in \mathcal{S}$, eindeutig über $Q$ faktorisiert.
  620. \end{enumerate}
  621. \label{def:localisation}
  622. \end{definition}
  623. \begin{definition}
  624. Sei $\mathcal{C}$ eine Kategorie und $\mathcal{S}$ ein multiplikatives System in $\mathcal{C}$. Dann definiere
  625. die Kategorie $\mathcal{C}_{\mathcal{S}}$ durch
  626. \begin{enumerate}[(a)]
  627. \item $ob(\mathcal{C}) = ob(\mathcal{C}_{\mathcal{S}})$.
  628. \item Für $X, Y \in \mathcal{C}$ setze
  629. $\operatorname{Mor}_{\mathcal{C}_{\mathcal{S}}}(X, Y) = \{ (f, Z, s) \mid f \colon Z \to Y,
  630. s \colon Z \to X \text{ mit } s \in \mathcal{S}\} / \sim $ wobei
  631. $(f, Z, s) \sim (f', Z', s')$ genau dann wenn ein kommutatives Diagramm
  632. \[
  633. \begin{tikzcd}
  634. & Z \arrow{dl}{s} \arrow{dr}{f} & \\
  635. X & W \arrow{l}{t} \arrow{u}{g} \arrow{d}{h} & Y \\
  636. & \arrow{ul}{s'} Z' \arrow{ur}{f'} &
  637. \end{tikzcd}
  638. \] mit $t \in \mathcal{S}$ in $\mathcal{C}$ existiert.
  639. \item Für $(f, U, s) \in \operatorname{Mor}_{\mathcal{C}_{\mathcal{S}}}(X, Y)$,
  640. $(g, V, t) \in \operatorname{Mor}_{\mathcal{C}_{\mathcal{S}}}(Y, Z)$ sei
  641. die Komposition definiert durch die äußeren Morphismen des kommutativen Diagramms
  642. \[
  643. \begin{tikzcd}
  644. & & \arrow[dashed]{dl}{r} W \arrow[dashed]{dr}{h} & & \\
  645. & \arrow{dl}{s} U \arrow{dr}{f} & & \arrow{dl}{t} V \arrow{dr}{g} & \\
  646. X & & Y & & Z.
  647. \end{tikzcd}
  648. \] Die gestrichelten Morphismen existieren wegen \hyperref[def:mult-system]{FR2} und
  649. es ist leicht zu verifizieren, dass das Ergebnis nicht von der
  650. Wahl der gestrichelten Morphismen
  651. abhängt.
  652. \item Für $X \in \mathcal{C}$ ist die Identität $X \to X$ in $\mathcal{C}_{\mathcal{S}}$
  653. gegeben durch das Tripel $(\text{id}_X, X, \text{id}_X)$.
  654. \end{enumerate}
  655. \label{constr:localisation}
  656. \end{definition}
  657. \begin{satz}
  658. Sei $\mathcal{C}$ eine Kategorie und $\mathcal{S}$ ein multiplikatives System, dann ist
  659. die in \ref{constr:localisation} konstruierte Kategorie $\mathcal{C}_{\mathcal{S}}$
  660. wohldefiniert und eine Lokalisierung von $\mathcal{C}$ bezüglich $\mathcal{S}$. Der kanonische
  661. Funktor $Q\colon \mathcal{C} \to \mathcal{C}_{\mathcal{S}}$ ist dann gegeben durch
  662. $Q(X) = X$ für $X \in \mathcal{C}$ und $Q(f) = (f, X, \text{id}_{X})$ für $f\colon X \to Y$ in $\mathcal{C}$.
  663. \label{satz:existence-localisation}
  664. \end{satz}
  665. \begin{proof}
  666. siehe Proposition 3.1 in \cite{hartshorne}.
  667. \end{proof}
  668. \begin{bem}
  669. \begin{enumerate}[(a)]
  670. \item Da $\mathcal{S}$ eine echte Klasse sein kann, das heißt keine Menge, ist im
  671. Allgemeinen auch $\operatorname{Mor}_{\mathcal{C}_{\mathcal{S}}}(X, Y)$ für
  672. $X, Y \in \mathcal{C}_{\mathcal{S}}$
  673. keine Menge. Das
  674. heißt streng genommen ist $\mathcal{C}_{\mathcal{S}}$ im Allgemeinen nur
  675. eine große Kategorie. In unseren Anwendungsfällen kann man jedoch zeigen, dass $\mathcal{C}_{\mathcal{S}}$
  676. eine (echte \footnote{Das heißt $\operatorname{Mor}_{\mathcal{C}_{\mathcal{S}}}(X, Y)$ ist
  677. eine Menge für alle $X, Y \in \mathcal{C}_{\mathcal{S}}$.}) Kategorie ist. Für Details
  678. siehe Bemerkung 10.3.6 in \cite{set-theoretic}.
  679. Wir nehmen im Folgenden stillschweigend an, dass $\mathcal{C}_{\mathcal{S}}$
  680. eine (echte) Kategorie ist.
  681. \item Die Lokalisierung $\mathcal{C}_{\mathcal{S}}$ einer Kategorie $\mathcal{C}$
  682. kann auch dual, dass heißt durch Umdrehen aller Pfeile,
  683. konstruiert werden. Wenn im Folgenden der Kontext klar ist, dann schreiben wir auch einfach
  684. $X$ für $Q(X)$ für ein Objekt $X \in \mathcal{C}$. Ebenso schreiben wir für $X, Y \in \mathcal{C}$ auch
  685. $s^{-1}f$ bzw. in der dualen Konstruktion $fs^{-1}$ für die Äquivalenzklasse des Tripels
  686. $(f, Z, s) \in \operatorname{Mor}_{\mathcal{C}_{\mathcal{S}}}(X, Y)$. In dieser Notation ist
  687. dann $Q(f) = \text{id}^{-1}f$ bzw. $Q(f) = f\text{id}^{-1}$ für $f\colon X \to Y$ in $\mathcal{C}$.
  688. \end{enumerate}
  689. \end{bem}
  690. Falls $\mathcal{T}$ eine triangulierte Kategorie ist und $\mathcal{S}$ ein multiplikatives
  691. System, stellt sich die Frage, ob sich
  692. die Triangulation von $\mathcal{C}$
  693. in natürlicher Weise auf $\mathcal{C}_{\mathcal{S}}$ ausdehnt. Dazu fordern wir zusätzlich
  694. an $\mathcal{S}$:
  695. \begin{definition}[Mit Triangulation kompatibles multiplikatives System]
  696. Sei $\mathcal{T}$ eine triangulierte Kategorie mit Verschiebefunktor $T$
  697. und $\mathcal{S}$ ein multiplikatives System
  698. von Morphismen. Wir nennen $\mathcal{S}$ \emph{kompatibel mit der Triangulation}, wenn die folgenden
  699. Axiome erfüllt sind:
  700. \begin{enumerate}[(FR1), leftmargin=14mm]
  701. \setcounter{enumi}{3}
  702. \item $s \in \mathcal{S} \iff T(s) \in \mathcal{S}$.
  703. \item \hyperref[TR2]{TR3} unter der zusätzlichen Annahme, dass $f, g \in \mathcal{S}$
  704. und der zusätzlichen Forderung, dass $h \in \mathcal{S}$ ist.
  705. \end{enumerate}
  706. \end{definition}
  707. \begin{satz}
  708. Sei $\mathcal{T}$ eine triangulierte Kategorie und $\mathcal{S}$ ein
  709. mit der Triangulation kompatibles
  710. multiplikatives System. Dann hat $\mathcal{T}_{\mathcal{S}}$ eine eindeutige
  711. triangulierte Struktur, sodass $Q$ ein triangulierter Funktor ist und
  712. die universelle Eigenschaft b) aus \ref{def:localisation} für triangulierte Funktoren in triangulierte
  713. Kategorien erfüllt.
  714. \label{satz:existence-triangulated-localisation}
  715. \end{satz}
  716. \begin{proof}
  717. siehe Proposition 3.2 in \cite{hartshorne}.
  718. \end{proof}
  719. \subsection{Derivierte Kategorie}
  720. Sei im Folgenden $\mathcal{A}$ eine feste abelsche Kategorie und $\mathcal{K} = \mathcal{K}(\mathcal{A})$ die
  721. Homotopiekategorie. Wir bezeichnen im Folgenden die Klasse
  722. der Quasiisomorphismen in $\mathcal{K}$ als $\mathcal{Q}is$.
  723. \begin{lemma}[$\mathcal{Q}is$ ist multiplikativ]
  724. $\mathcal{Q}is$ ist ein mit der Triangulation von $\mathcal{K}$ kompatibles multiplikatives System.
  725. \label{lemma:qis-mult}
  726. \end{lemma}
  727. \begin{proof}
  728. siehe Proposition 4.1 in \cite{hartshorne}.
  729. \end{proof}
  730. Nach \ref{satz:existence-localisation}, \ref{satz:existence-triangulated-localisation} und \ref{lemma:qis-mult} angewendet
  731. auf $\mathcal{K}$ und $\mathcal{Q}is$, existiert die triangulierte Kategorie $\mathcal{K}_{\mathcal{Q}is}$.
  732. \begin{definition}[Derivierte Kategorie]
  733. Wir bezeichnen die triangulierte Lokalisierung $\mathcal{K}_{\mathcal{Q}is}$
  734. als die \emph{derivierte Kategorie} $\mathcal{D} = \mathcal{D}(\mathcal{A})$ von $\mathcal{A}$.
  735. \end{definition}
  736. \begin{bem}[]
  737. Im Folgenden bezeichne $Q = Q_{\mathcal{A}}\colon \mathcal{K}(\mathcal{A}) \to \mathcal{D}(\mathcal{A})$
  738. den kanonischen Lokalisierungsfunktor.
  739. \end{bem}
  740. Um zu verstehen, wann zwei Morphismen in $\mathcal{K}$ den selben Morphismus in $\mathcal{D}$ induzieren, hilft
  741. das folgende Lemma:
  742. \begin{lemma}
  743. Seien $\com{X}, \com{Y} \in \mathcal{K}$ und $f\colon \com{X} \to \com{Y}$. Dann
  744. sind die folgenden Bedingungen äquivalent:
  745. \begin{enumerate}[(i)]
  746. \item $\text{id}^{-1}f = 0$ in $\mathcal{D}$.
  747. \item Es existiert ein Quasiisomorphismus $t\colon \com{X'} \to \com{X} $,
  748. sodass $ft = 0$ in $\mathcal{K}$.
  749. \item Es existiert ein Quasiisomorphismus $s\colon \com{Y} \to \com{Y'} $,
  750. sodass $sf = 0$ in $\mathcal{K}$.
  751. \end{enumerate}
  752. \label{derived-cat-morphism-null}
  753. \end{lemma}
  754. \begin{proof}
  755. Wegen \hyperref[def:mult-system]{FR3} und \ref{lemma:qis-mult} genügt es
  756. die Äquivalenz von
  757. (i) und (ii) zu zeigen. Es ist $\text{id}^{-1}f = 0$, genau dann wenn
  758. ein kommutatives Diagram
  759. \[
  760. \begin{tikzcd}
  761. & \com{X} \arrow{dl}{\text{id}} \arrow{dr}{f} & \\
  762. \com{X} & \arrow[dashed]{l}{t} \com{X'} \arrow[dashed]{d} \arrow[dashed]{u} & \com{Y} \\
  763. & \com{X} \arrow{ul}{\text{id}} \arrow{ur}{0} &
  764. \end{tikzcd}
  765. \] mit $t$ Quasiisomorphismus existiert. Das zeigt die Behauptung.
  766. \end{proof}
  767. Wir möchten nun Ableitungen von Funktoren im Kontext von
  768. derivierten Kategorien betrachten.
  769. Seien dafür $\mathcal{A}$ und $\mathcal{B}$ abelsche Kategorien und
  770. $F\colon \mathcal{K}(\mathcal{A}) \to \mathcal{K}(\mathcal{B})$ ein triangulierter
  771. (kovarianter) Funktor.
  772. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn $F$ induziert ist von einem additiven Funktor
  773. $F\colon \mathcal{A} \to \mathcal{B}$.
  774. Falls $F$ exakt ist werden Quasiisomorphismen auf Quasiisomorphismen geschickt und $F$ induziert daher
  775. einen Funktor von $\mathcal{D}(\mathcal{A})$ nach $\mathcal{D}(\mathcal{B})$.
  776. Im Allgemeinen ist das nicht der Fall und wir konstruieren dann, unter bestimmten
  777. Voraussetzungen an $F$ und die beteiligten Kategorien, einen Funktor
  778. $\text{R}F\colon \mathcal{D}(\mathcal{A}) \to \mathcal{D}(\mathcal{B})$:
  779. \begin{definition}[Abgeleiteter Funktor]
  780. Seien $\mathcal{A}, \mathcal{B}$ abelsche Kategorien. Der \emph{rechts abgeleitete Funktor} von $F$ ist
  781. ein triangulierter Funktor
  782. \[
  783. \text{R}F\colon \mathcal{D}(\mathcal{A}) \to \mathcal{D}(\mathcal{A})
  784. \] zusammen mit einer natürlichen Transformation
  785. \[
  786. \xi\colon Q_{\mathcal{B}} \circ F \to \text{R}F \circ Q_{\mathcal{A}}
  787. \] von Funktoren von $\mathcal{K}(\mathcal{A})$ nach $\mathcal{D}(\mathcal{B})$ mit
  788. der folgenden universellen Eigenschaft: Für jeden triangulierten Funktor
  789. \[
  790. G\colon \mathcal{D}(\mathcal{A}) \to \mathcal{D}(\mathcal{B})
  791. \]
  792. und jede natürliche Transformation
  793. \[
  794. \zeta\colon Q_{\mathcal{B}} \circ F \to G \circ Q_{\mathcal{A}}
  795. \] existiert eine eindeutige natürliche Transformation
  796. \[
  797. \eta\colon \text{R}F \to G
  798. \] von Funktoren von $\mathcal{D}(\mathcal{A})$ nach $\mathcal{D}(\mathcal{B})$, sodass
  799. das folgende Diagramm kommutiert:
  800. \[
  801. \begin{tikzcd}
  802. Q_{\mathcal{B}} \circ F \arrow{r}{\xi} \arrow{dr}{\zeta}
  803. & \text{R}F \circ Q_{\mathcal{A}} \arrow[dashed]{d}{\eta} \\
  804. & G \circ Q_{\mathcal{A}}
  805. \end{tikzcd}
  806. .\]
  807. \end{definition}
  808. \begin{bem}
  809. \begin{enumerate}[(a)]
  810. \item Falls $\text{R}F$ existiert, ist dieser bis auf eindeutige natürliche Transformationen eindeutig.
  811. \item Wir schreiben $R^{i}F$ für $H^{i}(\text{R}F)$. Wenn
  812. $F$ induziert ist von einem
  813. links-exakten Funktor $F\colon \mathcal{A} \to \mathcal{B}$ und $\mathcal{A}$ genügend
  814. viele Injektive hat, existiert der abgeleitete Funktor $\text{R}F$
  815. auf der vollen Unterkategorie $\mathcal{D}^{+}$ der nach unten
  816. beschränkten Komplexe von $\mathcal{D}$. Sei $P: \mathcal{A} \to \mathcal{D}^{+}$
  817. der kanonische Funktor, der ein Objekt $X \in \mathcal{A}$ auf den Komplex
  818. schickt, der im nullten Grad $X$ zu stehen hat und in allen anderen Graden $0$ ist.
  819. Dann sind $R^{i}F \circ P$ genau
  820. die klassischen rechts-abgeleiteten Funktoren von $F$.
  821. \item Es gibt den analogen Begriff der Linksableitung $\text{L}F$ (kovarianter)
  822. Funktoren, bei dem sich die Pfeile der natürlichen Transformationen umdrehen.
  823. \end{enumerate}
  824. \label{bem:derived-functors}
  825. \end{bem}
  826. \begin{satz}
  827. Seien $\mathcal{A}, \mathcal{B}$ abelsche Kategorien und
  828. $F\colon \mathcal{K}(\mathcal{A}) \to \mathcal{K}(\mathcal{B})$ ein triangulierter Funktor. Angenommen es
  829. existiert eine triangulierte Unterkategorie $\mathcal{L} \subset \mathcal{K}(\mathcal{A})$, sodass
  830. \begin{enumerate}[(i)]
  831. \item Jeder Komplex in $\mathcal{K}(\mathcal{A})$ besitzt einen Quasiisomorphismus in einen
  832. Komplex aus $\mathcal{L}$.
  833. \item $F|_{\mathcal{L}}$ ist exakt.
  834. \end{enumerate}
  835. Dann existiert der Funktor $\text{R}F\colon \mathcal{D}(\mathcal{A}) \to \mathcal{D}(\mathcal{B})$ und
  836. für die natürliche Transformation $\xi\colon Q_{\mathcal{B}} \circ F \to \text{R}F \circ Q_{\mathcal{A}}$ gilt, dass
  837. für alle $\com{I} \in \mathcal{L}$ die Abbildung
  838. \[
  839. \xi(\com{I})\colon Q_{\mathcal{B}}(F(\com{I})) \to \text{R}F(Q_{\mathcal{A}}(\com{I}))
  840. \] ein Isomorphismus in $\mathcal{D}(A)$ ist.
  841. \label{satz:existence-derived-functors}
  842. \end{satz}
  843. \begin{proof}
  844. siehe Theorem 5.1 in \cite{hartshorne}.
  845. \end{proof}
  846. Die Voraussetzungen von \ref{satz:existence-derived-functors} sind im Allgemeinen schwer zu erfüllen. Deshalb betrachtet man häufig gewisse Unterkategorien
  847. von $\mathcal{K}(\mathcal{A})$, beispielsweise die Kategorie
  848. $\mathcal{K}^{+}(\mathcal{A})$ der nach unten beschränkten Komplexe. Dies genügt,
  849. um den Fall (b) aus \ref{bem:derived-functors} zu studieren.
  850. Für unbeschränkte Komplexe liegt die Schwierigkeit darin eine geeignete
  851. Unterkategorie $\mathcal{L}$ zu finden, die die Bedingungen aus
  852. \ref{satz:existence-derived-functors} erfüllt.
  853. Ziel
  854. dieser Arbeit ist es herauszuarbeiten, dass im Falle von $\mathcal{A} = A\text{-Mod}$
  855. für einen kommutativen
  856. Ring $A$, die Bedingungen für die im Folgenden definierten Funktoren $\com{\operatorname{Hom}}(\com{M}, -)$,
  857. $\com{\operatorname{Hom}}(-, \com{M})$ und $\com{M} \otimes_A -$ erfüllt sind. Das
  858. wird uns erlauben das klassische Adjunktionsresultat
  859. \[
  860. - \otimes_A M \dashv \operatorname{Hom}_{A\text{-Mod}}(M, -)
  861. \] für einen $A$-Modul $M$ auf die abgeleiteten Funktoren zu übertragen.
  862. \begin{definition}
  863. Seien $\com{X}, \com{Y} \in \mathcal{K}$ zwei Komplexe in einer beliebigen abelschen Kategorie $\mathcal{A}$.
  864. Dann sei $\com{\operatorname{Hom}}(\com{X}, \com{Y}) \in \mathcal{K}(\mathcal{A}b)$ definiert durch
  865. \[
  866. \operatorname{Hom}^{n}(\com{X}, \com{Y}) = \prod_{i \in \Z} \operatorname{Hom}(X^{i}, Y^{i+n})
  867. \] mit Differentialen
  868. \[
  869. d^{n}(f) = d_{\com{Y} } f - (-1)^{n} f d_{\com{X}}
  870. \] für $f \in \operatorname{Hom}^{n}(\com{X}, \com{Y})$.
  871. \label{def:hom-compl}
  872. \end{definition}
  873. \begin{definition}
  874. Sei $A$ ein kommutativer Ring und
  875. seien $\com{M}, \com{N} \in \mathcal{K}(A\text{-Mod})$. Dann sei
  876. $\com{M} \otimes_A \com{N} \in \mathcal{K}(A\text{-Mod})$ definiert durch
  877. \[
  878. (\com{M} \otimes_A \com{N})^{n} = \bigoplus_{i \in \Z} M^{i} \otimes_A N^{n-i}
  879. \] mit Differentialen
  880. \[
  881. d^{n}(m \otimes n) = d_{\com{M} }(m) \otimes n + (-1)^{i} m \otimes d_{\com{N} }(n)
  882. \] für $m \in M^{i}, n \in N^{n-i}$.
  883. \label{def:tor-compl}
  884. \end{definition}
  885. \begin{bem}
  886. \begin{enumerate}[(a)]
  887. \item Die Konstruktionen in \ref{def:hom-compl} und \ref{def:tor-compl} sind
  888. funktoriell in beiden Variablen und induzieren daher entsprechende Funktoren.
  889. \item
  890. Wie für das klassiche Tensorprodukt von $A$-Moduln, existieren für
  891. $\com{M}, \com{N}, \com{P} \in \mathcal{K}(A\text{-Mod})$
  892. natürliche Isomorphismen
  893. \[
  894. \com{M} \otimes_A \com{N} = \com{N} \otimes_A \com{M} \text{ und }
  895. (\com{M} \otimes_A \com{N}) \otimes_A \com{P} = \com{M} \otimes_A (\com{N} \otimes_A \com{P})
  896. .\]
  897. \end{enumerate}
  898. \end{bem}
  899. Die Kohomologiegruppen von $\com{\operatorname{Hom}}(\com{X}, \com{Y})$ für Komplexe
  900. $\com{X}, \com{Y} \in \mathcal{K}$ lassen sich explizit bestimmen:
  901. \begin{lemma}
  902. Seien $\com{X}, \com{Y} \in \mathcal{K}$ zwei Komplexe. Dann gilt für $n \in \Z$:
  903. \[
  904. H^{n}\com{\operatorname{Hom}}(\com{X}, \com{Y}) = \operatorname{Mor}_{\mathcal{K}}(\com{X}, \com{Y}[n])
  905. .\]\label{hom-compl-cohomgroups}
  906. \end{lemma}
  907. \begin{proof}
  908. Sei $(f^i)_{i \in \Z} \in \prod_{i \in \Z} \operatorname{Hom}(X^{i}, Y^{i+n})$. Dann ist:
  909. \[
  910. (f^{i})_{i \in \Z} \in \operatorname{ker } d^{n} \iff (-1)^{n} d_{\com{Y}}^{i+n} f^i = f^{i+1} d_{\com{X} }^{i}
  911. \text{ für } i \in \Z
  912. .\] Wegen $d_{\com{Y}[n]} = (-1)^{n}d_{\com{Y}}$, induziert $(f^i)_{i \in \Z}$ also genau dann
  913. einen Komplexhomomorphismus $\com{X} \to \com{Y}[n]$, wenn $(f^{i})_{i \in \Z} \in \operatorname{ker } d^{n}$.
  914. Weiter ist $(f^{i})_{i \in \Z} \in \operatorname{im } d^{n-1}$, genau dann wenn eine Familie
  915. $(k^{i})_{i \in \Z}\in \prod_{i \in \Z}^{} \operatorname{Hom}(X^{i}, Y^{i+n-1})$ existiert, sodass
  916. %\[
  917. % f^{i} = d_{\com{Y}}^{i+n-1} k^{i} - (-1)^{n-1} k^{i+1} d_{\com{X} }^{i}
  918. % = d_{\com{Y}}^{i+n-1} k^{i} + (-1)^{n} k^{i+1} d_{\com{X} }^{i}
  919. %.\]
  920. \[
  921. (-1)^{n}f^{i} = (-1)^{n} d_{\com{Y}}^{i+n-1} k^{i} + k^{i+1} d_{\com{X} }^{i}
  922. .\] Erneut wegen $d_{\com{Y} [n]} = (-1)^{n} d_{\com{Y} }$, ist also für $(f^i)_{i \in \Z} \in \operatorname{ker } d^{n}$
  923. der induzierte Komplexhomomorphismus $f\colon \com{X} \to \com{Y} $ genau dann nullhomotop,
  924. wenn $(f^{i})_{i \in \Z} \in \operatorname{im }d^{n-1}$.
  925. \end{proof}
  926. \begin{lemma}[$\com{\operatorname{Hom}}(-, -)$ und (Ko)limites]
  927. Sei $\com{X} \in \mathcal{K}$ und seien $(\com{S} _n)_{n \in \N}$ bzw. $(\com{T} _n)_{n \in \N}$
  928. direkte bzw. inverse Systeme in $\mathcal{K}$. Dann sind die natürlichen Homomorphismen
  929. \[
  930. \com{\operatorname{Hom}}(\colim \com{S}_n, \com{X}) \longrightarrow \lim \com{\operatorname{Hom}}(\com{S}_n, \com{X})
  931. \] und
  932. \[
  933. \com{\operatorname{Hom}}(\com{X}, \lim \com{T}_n) \longrightarrow \lim \com{\operatorname{Hom}}(\com{X}, \com{T}_n)
  934. \] Isomorphismen.
  935. \label{lemma:inner-hom-commutes-with-limits}
  936. \end{lemma}
  937. \begin{proof}
  938. Das gilt gradweise nach Definition von $\lim$ und man verifiziert,
  939. dass die gradweisen Homomorphismen Komplexhomomorphismen bilden.
  940. \end{proof}
  941. \begin{lemma}[Tensorprodukt ist trianguliert]
  942. Sei $\com{M} \in \mathcal{K}(A\text{-Mod})$.
  943. Dann ist $- \otimes_A \com{M}$ (und $\com{M} \otimes_A -$) ein triangulierter Funktor von $\mathcal{K}(A\text{-Mod})$
  944. nach $\mathcal{K}(A\text{-Mod})$.
  945. \label{satz:tor-is-triangulated}
  946. \end{lemma}
  947. \begin{proof}
  948. Nach der Definition von ausgezeichneten Dreiecken in $\mathcal{K}$ genügt es nachzurechnen, dass
  949. für $f\colon \com{X} \to \com{Y} $ in $\mathcal{K}$ und $\com{S} \in \mathcal{K}$ gilt:
  950. \[
  951. \com{C}_f \otimes_A \com{S} = \com{C}_{f \otimes \text{id}_{\com{S}}}
  952. .\] Das rechnet man gradweise nach und zeigt, dass die Differentiale übereinstimmen.
  953. \end{proof}
  954. \begin{satz}[Adjunktion der Hom- und Tensorproduktkomplexe]
  955. Seien $\com{M}, \com{N}, \com{P} \in \mathcal{K}(A\text{-Mod})$. Dann existiert
  956. ein natürlicher Isomorphismus, der funktoriell in allen Variablen ist:
  957. \[
  958. \com{\operatorname{Hom}}(\com{M} \otimes_A \com{N}, \com{P})
  959. = \com{\operatorname{Hom}}(\com{M},\com{\operatorname{Hom}} (\com{N} , \com{P} ))
  960. .\]
  961. \label{satz:adjunction-hom-tor-comp}
  962. \end{satz}
  963. \begin{proof}
  964. Das gilt gradweise, weil für beliebige $A$-Moduln $M, N, P$ ein natürlicher Isomorphismus
  965. \[
  966. \operatorname{Hom}_{A}(M \otimes_A N, P) \to \operatorname{Hom}_{A}(M, \operatorname{Hom}_{A}(N, P))
  967. \] existiert. Man verifiziert, dass die gradweisen Isomorphismen Komplexhomomorphismen bilden.
  968. \end{proof}
  969. % TODO: verstehe ich nicht aber habe alternative
  970. %\begin{lemma}[]
  971. % Sei $\com{A} \in \mathcal{K}$ und $\mathcal{G}$ eine Klasse von Objekten
  972. % von $\mathcal{A}$, sodass jedes Objekt von $\mathcal{A}$ eine Einbettung
  973. % in ein Objekt aus $\mathcal{G}$ besitzt. Angenommen
  974. % $\com{\operatorname{Hom}}(\com{A}, E) \in \mathcal{K}(\mathcal{A}b)$ ist exakt für alle
  975. % $E \in \mathcal{G}$. Dann ist $\com{A} $ exakt.
  976. % \label{lemma:0.10}
  977. %\end{lemma}
  978. \newpage
  979. \section{K-injektive und K-projektive Auflösungen}
  980. \label{sec:resolutions}
  981. Sei $\com{Y} \in \mathcal{K}$.
  982. Um die Bedingungen von \ref{satz:existence-derived-functors} für
  983. $\com{\operatorname{Hom}}(\com{Y}, -)$ (bzw. $\com{\operatorname{Hom}}(-, \com{Y})$)
  984. zu erfüllen, benötigen wir
  985. eine Unterkategorie $\mathcal{L}$ von Komplexen in $\mathcal{K}$, sodass
  986. \begin{enumerate}[(i)]
  987. \item für jeden Komplex $\com{X} \in \mathcal{K}$ ein Quasiisomorphismus
  988. $\com{X} \to \com{I}$ mit $\com{I} \in \mathcal{L}$
  989. (bzw. $\com{P} \to \com{X} $ mit $\com{P} \in \mathcal{L}$)
  990. existiert, und
  991. \item $\com{\operatorname{Hom}}(\com{Y}, -)$ (bzw. $\com{\operatorname{Hom}}(-, \com{Y})$) Exaktheit
  992. von Komplexen aus $\mathcal{L}$ erhält.
  993. \end{enumerate}
  994. Dazu definieren wir:
  995. \begin{definition}[K-injektiv]
  996. Ein Komplex $\com{I} \in \mathcal{K}$ heißt \emph{K-injektiv}, wenn der Funktor
  997. $\com{\operatorname{Hom}}(-, \com{I})$ Exaktheit von Komplexen erhält. Eine \emph{K-injektive
  998. Auflösung} eines Komplexes $\com{X} \in \mathcal{K}$ ist
  999. ein Quasiisomorphismus $\com{X} \to \com{I} $ mit
  1000. $\com{I} \in \mathcal{K}$ K-injektiv.
  1001. \end{definition}
  1002. \begin{definition}[K-projektiv]
  1003. Ein Komplex $\com{P} \in \mathcal{K}$ heißt \emph{K-projektiv}, wenn der Funktor
  1004. $\com{\operatorname{Hom}}(\com{P}, -)$ Exaktheit von Komplexen erhält. Eine \emph{K-projektive
  1005. Auflösung} eines Komplexes $\com{X} \in \mathcal{K}$ ist
  1006. ein Quasiisomorphismus $\com{P} \to \com{X} $ mit
  1007. $\com{P} \in \mathcal{K}$ K-projektiv.
  1008. \end{definition}
  1009. Das Ziel dieses Abschnitts ist das folgende Resultat:
  1010. \begin{satz}
  1011. Sei $R$ ein Ring und $\mathcal{A}$ die Kategorie der $R$-(Links-)Moduln. Dann
  1012. hat jeder Komplex in $\mathcal{A}$ eine K-injektive und eine K-projektive
  1013. Auflösung.
  1014. \label{satz:r-mod-existence-k-proj-and-k-inj-resolutions}
  1015. \end{satz}
  1016. Die Vorgehensweise orientiert sich dabei an \cite{spaltenstein}.
  1017. \subsection{Elementare Eigenschaften von K-injektiven und K-projektiven Komplexen}
  1018. Zunächst werden einige grundlegenden Eigenschaften von K-injektiven und K-projektiven
  1019. Komplexen entwickelt.
  1020. \begin{lemma}[]
  1021. Sei $\com{X} \in \mathcal{K}$. Es gilt
  1022. \begin{align*}
  1023. \com{X} \text{ K-injektiv} &\iff \operatorname{Mor}_{\mathcal{K}}(\com{S} , \com{X} ) = 0 \quad \forall \com{S} \in \mathcal{K} \text{ exakt}\\
  1024. \com{X} \text{ K-projektiv} &\iff \operatorname{Mor}_{\mathcal{K}}(\com{X} , \com{S} ) = 0 \quad \forall \com{S} \in \mathcal{K} \text{ exakt}
  1025. .\end{align*}
  1026. \label{lemma:mork-crit-for-k-inj}
  1027. \end{lemma}
  1028. \begin{proof}
  1029. Mit \ref{hom-compl-cohomgroups} ist $\com{X}$
  1030. genau dann K-injektiv, wenn für jeden exakten Komplex
  1031. $\com{S} \in \mathcal{K}$ gilt, dass
  1032. $\operatorname{Mor}_{\mathcal{K}}(\com{S}[i] , \com{X}) = 0$ $\forall i \in \Z$.
  1033. Da Verschieben Exaktheit erhält folgt die Behauptung. Die duale Aussage folgt durch Umdrehen der Pfeile.
  1034. \end{proof}
  1035. \begin{lemma}
  1036. Ein exakter K-projektiver oder K-injektiver Komplex $\com{X} \in \mathcal{K}$
  1037. ist zusammenziehbar, das heißt nullhomotop, also in $\mathcal{K}$ isomorph zum Nullkomplex.
  1038. \label{lemma:k-inj-exact-contractible}
  1039. \end{lemma}
  1040. \begin{proof}
  1041. Betrachte $\mathrm{id}_{\com{X}} \in \mathrm{Mor}_{\K}(\com{X} , \com{X})
  1042. \stackrel{\ref{lemma:mork-crit-for-k-inj}}{=} 0$. Also ist $\mathrm{id}_{\com{X} } = 0$ und damit
  1043. $\com{X} = 0$ in $\K$.
  1044. \end{proof}
  1045. \begin{bem}
  1046. Aus \ref{lemma:k-inj-exact-contractible} folgt, dass für einen exakten und K-injektiven Komplex
  1047. $\com{I} \in \mathcal{K}$ und
  1048. einen beliebigen Komplex $\com{X} \in \mathcal{K}$,
  1049. der Komplex $\com{\operatorname{Hom}}(\com{X}, \com{I})$ exakt ist, denn
  1050. \[
  1051. H^{i}(\com{\operatorname{Hom}}(\com{X}, \com{I})) = \operatorname{Mor}_{\mathcal{K}}(\com{\operatorname{Hom}}(\com{X}, \com{I}[i]))
  1052. \stackrel{\ref{lemma:k-inj-exact-contractible}}{=} \operatorname{Mor}_{\mathcal{K}}(\com{\operatorname{Hom}}(\com{X}, 0)) = 0
  1053. .\] Analog gilt die duale Version für exakte K-projektive Komplexe.
  1054. \label{satz:hom-exact-for-k-inj}
  1055. %auch $\com{\operatorname{Hom}}(\com{X}, \com{I})$ exakt ist für alle $\com{M} \in \mathcal{K}$.
  1056. \end{bem}
  1057. Für ein Objekt $X \in \mathcal{A}$ stellt sich die Frage, ob Injektivität (bzw. Projektivität) von $X$ in $\mathcal{A}$
  1058. mit K-Injektivität (bzw. K-Projektivität) des Komplexes $\com{X}$, wobei $X^{i} = 0$ für alle $i \neq 0$ und
  1059. $X^{0} = X$, zusammenhängt. Die folgende Aussage stellt diesen Zusammenhang her:
  1060. \begin{satz}
  1061. Sei $\com{X} \in \K$ mit $X^{i} = 0$ $\forall i \neq 0$. Dann ist $\com{X} $ K-projektiv (bzw. K-injektiv) genau
  1062. dann wenn $X^{0}$ projektiv (bzw. injektiv) in $\mathcal{A}$ ist.
  1063. \label{satz:single-degree-compl-k-proj}
  1064. \end{satz}
  1065. \begin{proof}
  1066. Wir zeigen nur den K-projektiven Fall. Der K-injektive folgt dann durch Umdrehen
  1067. aller Pfeile.
  1068. ($\Rightarrow$) Sei $\com{X} $ K-projektiv und $\com{S} = [0 \to M \to N \to P \to 0]$ eine kurze exakte Folge in $\mathcal{A}$. Sei
  1069. $f\colon X^{0} \to P$. Das induziert einen Komplexhomomorphismus $\com{X} \to \com{S}$:
  1070. \[\begin{tikzcd}
  1071. 0 \arrow{d} \arrow{r} & 0 \arrow{d} \arrow{r} & X^0 \arrow{d}{f} \arrow[dashed]{dl}{k} \arrow{r}
  1072. & 0 \arrow{d} \arrow[dashed]{dl}\\
  1073. M \arrow{r} & N \arrow[twoheadrightarrow]{r}{v} & P \arrow{r} & 0
  1074. \end{tikzcd}\]
  1075. Nach Voraussetzung ist dieser nullhomotop, das heißt es existiert ein $k \colon X^{0} \to N$, sodass $f = vk$. Also ist
  1076. $v_{*}\colon \operatorname{Hom}(X^{0}, N) \to \operatorname{Hom}(X^{0}, P)$ surjektiv und damit $X^{0}$ projektiv.
  1077. ($\Leftarrow$) Sei nun $X^{0}$ projektiv, $\com{S} \in \mathcal{K}$ exakt und $f\colon \com{X} \to \com{S}$
  1078. Komplexhomomorphismus. Dann betrachte
  1079. \[
  1080. \begin{tikzcd}
  1081. 0 \arrow[from=1-1,to=1-3] \arrow{d} & & X^{0} \arrow{r}
  1082. \arrow[swap, dashed, from=1-3,to=2-1]{}{k^{0}}
  1083. \arrow[dashed]{dl} \arrow{d}{f^{0}} & 0 \arrow{d} \\
  1084. S^{-1} \arrow[swap, twoheadrightarrow]{r}{d^{-1}} & \operatorname{im }d^{-1} \arrow{r} & S^{0}
  1085. \arrow[swap]{r}{d^{0}} & S^{1}
  1086. \end{tikzcd}
  1087. .\]
  1088. Da $d^{0}f^{0} = 0$, faktorisiert $f^{0}$ über $\operatorname{ker } d^{0} = \operatorname{im }d^{-1}$. Weil
  1089. $X^0$ projektiv ist, existiert $k^{0}\colon X^{0} \to S^{-1}$, sodass $f^{0} = d^{-1} k^{0}$.
  1090. \end{proof}
  1091. \begin{satz}[]
  1092. Die volle Unterkategorie der K-projektiven (bzw. K-injektiven) Komplexe in $\mathcal{K}$ ist
  1093. eine triangulierte Unterkategorie.
  1094. \label{satz:k-proj-triangulated}
  1095. \end{satz}
  1096. \begin{proof}
  1097. Wir zeigen Bedingungen (i) und (ii) aus \ref{def:triangulated-subcategory} in
  1098. der K-projektiven Version, die duale Aussage folgt durch Umdrehen der Pfeile.
  1099. \begin{enumerate}[(i)]
  1100. \item Das folgt aus \ref{lemma:mork-crit-for-k-inj}
  1101. und daraus, dass für $\com{X}, \com{S} \in \mathcal{K}$ gilt: $\com{S} $ exakt $\iff \com{S} [-1]$
  1102. exakt und
  1103. \[
  1104. \operatorname{Mor}_{\mathcal{K}}(\com{X}, \com{S}[-1]) = \operatorname{Mor}_{\mathcal{K}}(\com{X}[1], \com{S})
  1105. .\]
  1106. \item Sei $(\com{X}, \com{Y}, \com{Z}, u, v, w)$ ein ausgezeichnetes Dreieck in $\mathcal{K}$
  1107. mit $\com{X}, \com{Y} $ K-projektiv
  1108. und $\com{S} \in \mathcal{K}$ ein exakter Komplex. Nach Anwenden von $\operatorname{Mor}_{\mathcal{K}}(-, \com{S})$
  1109. ist dann mit \ref{hom-cohom-func} die Folge
  1110. \[
  1111. \begin{tikzcd}
  1112. \underbrace{\operatorname{Mor}_{\mathcal{K}}(\com{X}[1], \com{S})}_{= 0} \arrow{r}
  1113. & \operatorname{Mor}_{\mathcal{K}}(\com{Z}, \com{S} ) \arrow{r}
  1114. &
  1115. \underbrace{\operatorname{Mor}_{\mathcal{K}}(\com{Y}, \com{S} )}_{= 0}
  1116. \end{tikzcd}
  1117. .\]
  1118. \[
  1119. \] exakt und die äußeren Terme $0$ nach Voraussetzung und (i). Also folgt
  1120. $\operatorname{Mor}_{\mathcal{K}}(\com{Z}, \com{S}) = 0$, und damit $\com{Z} $ K-projektiv.
  1121. Der allgemeine Fall folgt nun mit \hyperref[TR2]{TR2}.
  1122. \end{enumerate}
  1123. \end{proof}
  1124. \begin{satz}
  1125. Sei $\com{P} \in \mathcal{K}$. Dann sind äquivalent
  1126. \begin{enumerate}[(i)]
  1127. \item $\com{P} $ K-projektiv.
  1128. \item Für jeden Quasiisomorphismus $\com{X} \to \com{Y} $ in $\mathcal{K}$ ist der natürliche Homomorphismus
  1129. \[
  1130. \operatorname{Mor}_{\mathcal{K}}(\com{P} , \com{X} ) \to \operatorname{Mor}_{\mathcal{K}}(\com{P} , \com{Y} )
  1131. \] ein Isomorphismus.
  1132. \item Für $\com{S} \in \mathcal{K}$ ist der natürliche Homomorphismus
  1133. \[
  1134. \operatorname{Mor}_{\mathcal{K}}(\com{P} , \com{S} ) \to \operatorname{Mor}_{\mathcal{D}}(\com{P} , \com{S} )
  1135. \] ein Isomorphismus.
  1136. \end{enumerate}
  1137. \label{satz:mork=mord-for-kproj}
  1138. \end{satz}
  1139. \begin{proof}
  1140. (i)$\implies$(ii): Sei $f\colon \com{X} \to \com{Y} $ ein Quasiisomorphismus. Dann ist
  1141. \[
  1142. \begin{tikzcd}
  1143. \com{X} \arrow{r}{f} & \com{Y} \arrow{r} & \com{C_f} \arrow{r} & \com{X}[1]
  1144. \end{tikzcd}
  1145. \] ein ausgezeichnetes Dreieck und $\com{C_f}$ ist nach \ref{mapping-cone-exact-for-qis} exakt. Anwenden von
  1146. $\operatorname{Mor}_{\mathcal{K}}(\com{P} , -) $ liefert mit \ref{hom-cohom-func} eine exakte Folge:
  1147. \[
  1148. \begin{tikzcd}
  1149. \underbrace{\operatorname{Mor}_{\mathcal{K}}(\com{P} , \com{C_f}[-1]) \arrow{r}}_{= 0} &
  1150. \operatorname{Mor}_{\mathcal{K}}(\com{P} , \com{X} ) \arrow{r} &
  1151. \operatorname{Mor}_{\mathcal{K}}(\com{P} , \com{Y} ) \arrow{r} &
  1152. \underbrace{\operatorname{Mor}_{\mathcal{K}}(\com{P}, \com{C_f} ) }_{= 0}
  1153. \end{tikzcd}
  1154. .\] Die äußeren Terme sind 0, da $\com{P} $ K-projektiv ist, also folgt der behauptete Isomorphismus.
  1155. (ii)$\implies$(iii): Injektivität: Sei $f\colon \com{P} \to \com{S} $, sodass $\text{id}^{-1}f = 0$. Nach
  1156. \ref{derived-cat-morphism-null} existiert ein Quasiisomorphismus $t\colon \com{S} \to \com{T} $ , sodass $tf= 0$.
  1157. Nach (ii) ist $t_{*}\colon \operatorname{Mor}_{\mathcal{K}}(\com{P} , \com{S} ) \to \operatorname{Mor}_{\mathcal{K}}(\com{P} , \com{T} ) $
  1158. injektiv, also folgt $f = 0$. Surjektivität: Sei $a \in \operatorname{Mor}_{\mathcal{D}}(\com{P} , \com{S} ) $. Dann
  1159. ist $a$ ein Diagramm in $\mathcal{K}$
  1160. \[
  1161. \begin{tikzcd}
  1162. & \com{Y} & \\
  1163. \com{P} \arrow{ur}{f} & & \arrow{ul}{s} \com{S}
  1164. \end{tikzcd}
  1165. \] mit $s$ Quasiisomorphismus. Nach (ii) ist $s_{*}\colon \operatorname{Mor}_{\mathcal{K}}(\com{P} , \com{S} ) \to \operatorname{Mor}_{\mathcal{K}}(\com{P} , \com{Y} ) $ surjektiv, also existiert ein $g\colon \com{P} \to \com{S} $, sodass $sg = f$. Also
  1166. kommutiert
  1167. \[
  1168. \begin{tikzcd}
  1169. & \com{S} \arrow{d}{s} & \\
  1170. \com{P} \arrow{dr}{f} \arrow{ur}{g} & \com{Y} & \arrow{l}{s} \arrow{ul}{\text{id}} \com{S} \arrow{dl}{s}\\
  1171. & \com{Y} \arrow{u}{\text{id}} & \\
  1172. \end{tikzcd}
  1173. .\] Damit folgt $a = g\text{id}^{-1}$.
  1174. (iii)$\implies$(i): Sei $\com{S} $ exakt. Dann ist $\com{S} \to 0$ ein Quasiisomorphismus, also
  1175. $\com{S} = 0$ in $\mathcal{D}$, also
  1176. \[
  1177. \operatorname{Mor}_{\mathcal{K}}(\com{P} , \com{S} )
  1178. \stackrel{\text{(ii)}}{=} \operatorname{Mor}_{\mathcal{D}}(\com{P} , \com{S} )
  1179. = \operatorname{Mor}_{\mathcal{D}}(\com{P} , \com{0} ) = 0
  1180. .\]
  1181. \end{proof}
  1182. \begin{satz}
  1183. Sei $\com{P} \in \mathcal{K}$. Dann sind äquivalent
  1184. \begin{enumerate}[(i)]
  1185. \item $\com{P} $ K-projektiv.
  1186. \item Für alle Diagramme in $\mathcal{K}$
  1187. \[
  1188. \begin{tikzcd}
  1189. & \com{X} \arrow{d}{s} \\
  1190. \com{P} \arrow{r}{f} & \com{Y}\\
  1191. \end{tikzcd}
  1192. \] mit $s$ Quasiisomorphismus, existiert genau ein $g\colon \com{P} \to \com{X} $, sodass
  1193. $sg= f$ in $\mathcal{K}$.
  1194. \item Für alle Quasiisomorphismen $s\colon \com{S} \to \com{P} $ in $\mathcal{K}$ existiert ein
  1195. $g\colon \com{P} \to \com{S} $, sodass $sg = \text{id}_{\com{P} }$ in $\mathcal{K}$.
  1196. \end{enumerate}
  1197. \end{satz}
  1198. \begin{proof}
  1199. (i)$\implies$(ii): Betrachte das gegebene Diagramm in $\mathcal{D}$:
  1200. \[
  1201. \begin{tikzcd}
  1202. & \com{X} \arrow{d}{\text{id}^{-1}s} \\
  1203. \com{P} \arrow[dashed]{ur}{g} \arrow{r}{\text{id}^{-1}f} & \com{Y}
  1204. \end{tikzcd}
  1205. .\] Da $s$ ein Quasiisomorphismus ist, induziert $s$ einen Isomorphismus in $\mathcal{D}$.
  1206. Also existiert genau ein
  1207. $g\colon \com{P} \to \com{X} $ in $\mathcal{D}$, sodass das Diagramm kommutiert. \ref{satz:mork=mord-for-kproj}
  1208. (iii) liefert das gewünschte Diagramm in $\mathcal{K}$.
  1209. (ii)$\implies$(iii): Betrachte
  1210. \[
  1211. \begin{tikzcd}
  1212. & \com{S} \arrow{d}{s} \\
  1213. \com{P} \arrow{r}{\text{id}} & \com{P}
  1214. \end{tikzcd}
  1215. .\] Da $s$ ein Quasiisomorphismus ist,
  1216. existiert mit (ii) ein $g\colon \com{P} \to \com{S}$, sodass $sg = \text{id}_{\com{P} }$.
  1217. (iii)$\implies$(i): Erneut mit \ref{satz:mork=mord-for-kproj} genügt es zu zeigen, dass für
  1218. $\com{S} \in \mathcal{K}$ die natürliche Abbildung
  1219. $\operatorname{Mor}_{\mathcal{K}}(\com{P} , \com{S} ) \to \operatorname{Mor}_{\mathcal{D}}(\com{P} , \com{S} ) $ bijektiv ist.
  1220. Injektivität: Sei $f\colon \com{P} \to \com{S} $ mit $\text{id}^{-1}f = 0$ in $\mathcal{D}$. Dann
  1221. existiert nach \ref{derived-cat-morphism-null} ein Quasiisomorphismus $t\colon \com{T} \to \com{P} $
  1222. mit $ft = 0$.
  1223. Also existiert mit (iii) ein $g\colon \com{P} \to \com{T} $, sodass $tg = \text{id}_{\com{P} }$, also
  1224. \[
  1225. f = f \text{id}_{\com{P} } = \underbrace{ft}_{=0}g = 0
  1226. .\]
  1227. Surjektivität: Sei $a \colon \com{P} \to \com{S} $ in $\mathcal{D}$. Dann ist $a$ gegeben durch ein Diagramm
  1228. \[
  1229. \begin{tikzcd}
  1230. & \com{Q} \arrow{dr}{f} \arrow{dl}{s} & \\
  1231. \com{P} & & \com{S}
  1232. \end{tikzcd}
  1233. \] in $\mathcal{K}$ mit $s$ Quasiisomorphismus. Nach (iii) existiert ein $t\colon \com{P} \to \com{Q}$ mit
  1234. $st = \text{id}_{\com{P} }$. Dann ist
  1235. \[
  1236. \begin{tikzcd}
  1237. & \com{Q} \arrow{dl}{s} \arrow{dr}{f} & \\
  1238. \com{P} & \com{P} \arrow{l}{\text{id}} \arrow{u}{t} \arrow{d}{\text{id}} & \com{S} \\
  1239. & \com{P} \arrow{ul}{\text{id}} \arrow{ur}{ft} & \\
  1240. \end{tikzcd}
  1241. \] ein kommutatives Diagramm in $\mathcal{K}$, also folgt $s^{-1}f = \text{id}^{-1}(ft)$ in $\mathcal{D}$.
  1242. \end{proof}
  1243. Durch Umdrehen aller Pfeile erhalten wir analog:
  1244. \begin{satz}[]
  1245. Für jeden Komplex $\com{I} \in \mathcal{K}$ sind äquivalent:
  1246. \begin{enumerate}[(i)]
  1247. \item $\com{I}$ K-injektiv
  1248. \item Für $\com{S} \in \mathcal{K}$ ist der natürliche Homomorphismus
  1249. \[
  1250. \operatorname{Mor}_{\mathcal{K}}(\com{S} , \com{I} ) \to \operatorname{Mor}_{\mathcal{D}}(\com{S} , \com{I} )
  1251. \] ein Isomorphismus.
  1252. \item Für jedes Diagramm in $\mathcal{K}$
  1253. \[
  1254. \begin{tikzcd}
  1255. \com{Y} \arrow{r}{f} \arrow{d}{s} & \com{I} \\
  1256. \com{X}
  1257. \end{tikzcd}
  1258. \] mit $s$ Quasiisomorphismus, existiert genau ein $g\colon \com{X} \to \com{I} $, sodass das Diagramm
  1259. kommutiert.
  1260. \item Für jeden Quasiisomorphismus $s\colon \com{I} \to \com{S} $ in $\mathcal{K}$ existiert ein
  1261. $g\colon \com{S} \to \com{I} $, sodass $gs = \text{id}_{\com{I} }$ in $\mathcal{K}$.
  1262. \end{enumerate}
  1263. \label{satz:mork=mord-for-k-inj}
  1264. \end{satz}
  1265. \subsection{Spezielle inverse und direkte Systeme}
  1266. Nun stellt sich die Aufgabe für jeden Komplex $\com{A} \in \mathcal{K}$ eine K-injektive und eine K-projektive
  1267. Auflösung zu konstruieren. Dies machen wir mit sogenannten speziellen inversen bzw. direkten Systemen.
  1268. \begin{definition}[Spezielles inverses System]
  1269. Sei $\mathcal{J} \subset \mathcal{K}$ eine Klasse von Komplexen.
  1270. \begin{enumerate}[(a)]
  1271. \item Ein inverses System $(\com{I}_n)_{n \in \N}$ in $\mathcal{K}$ heißt
  1272. \emph{$\mathcal{J}$-spezielles inverses System}, falls folgende Bedingungen erfüllt sind:
  1273. \begin{enumerate}[(i)]
  1274. \item Falls $n = 1$, dann ist $\com{I}_n = 0$.
  1275. \item Falls $n > 1$, dann sei $\com{C}_n$ der Kern der natürlichen Abbildung
  1276. $\com{I} _n \to \com{I}_{n-1}$. Dann ist $\com{C}_n \in \mathcal{J}$ und
  1277. die kurze exakte Folge
  1278. \[
  1279. 0 \to \com{C}_n \to \com{I}_n \to \com{I} _{n-1} \to 0
  1280. \] zerfällt stufenweise.
  1281. \end{enumerate}
  1282. \item Die Klasse $\mathcal{J}$ heißt abgeschlossen unter speziellen inversen Limites, falls jedes
  1283. $\mathcal{J}$-spezielle inverse System in $\mathcal{K}$ einen Limes in $\mathcal{J}$ besitzt und jeder
  1284. Komplex in $\mathcal{K}$, der isomorph zu einem Komplex in $\mathcal{J}$ ist, bereits in $\mathcal{J}$ ist.
  1285. \end{enumerate}
  1286. \label{def:special-inv-system}
  1287. \end{definition}
  1288. % TODO: beispiel funktioniert nicht mit N als indexmenge, wird nicht benoetigt
  1289. %\item Sei $\mathcal{J}$ eine Klasse von Komplexen abgeschlossen unter speziellen inversen Limites mit
  1290. % $\com{A} \in \mathcal{J} \iff \com{A}[1] \in \mathcal{J}$. Dann ist für $\com{A}, \com{B} \in \mathcal{J}$
  1291. % und $u \colon \com{A} \to \com{B} $, auch $\com{C}_u$ in $\mathcal{J}$. Denn
  1292. % \[
  1293. % \com{C}_u \to \com{A}[1] \to 0
  1294. % \] ist ein $\mathcal{J}$-spezielles inverses System mit Limes $\com{C}_u$.
  1295. \begin{lemma}
  1296. Sei $\mathcal{J}_0$ eine Klasse von Objekten von $\mathcal{A}$. Sei weiter $\mathcal{J}$ eine
  1297. unter speziellen inversen Limites abgeschlossene Klasse
  1298. von Objekten in $\mathcal{K}$, sodass jeder Komplex $\com{A} \in \mathcal{K}$ mit nur einem nicht-null
  1299. Term und mit $A^{i} \in \mathcal{J}_0$ für $i \in \Z$, in $\mathcal{J}$ enthalten ist. Dann
  1300. ist jeder nach unten beschränkte Komplex $\com{A} \in \mathcal{K}$ mit $A^{i} \in \mathcal{J}_0$
  1301. für $i \in \Z$ in $\mathcal{J}$ enthalten.
  1302. \label{lemma:bounded-compl-in-complete-class}
  1303. \end{lemma}
  1304. \begin{proof}
  1305. Sei $\com{A} \in \mathcal{K}$ nach unten beschränkt mit
  1306. $A^{i} \in \mathcal{J}_0$ für alle $i \in \Z$. Ohne Einschränkung
  1307. sei $A^{i} = 0$ für alle $i < 0$. Dann sind die Spalten des nachstehenden Diagramms ein
  1308. $\mathcal{J}$-spezielles inverses System $(\com{S}_n)_{n \in \N}$ mit
  1309. Übergangsabbildungen $p_n$,
  1310. \[
  1311. \begin{tikzcd}
  1312. \cdots \arrow{r} & 0 \arrow{r} \arrow{d} & 0 \arrow{r} \arrow{d} & 0 \arrow{r} \arrow{d} & 0 \arrow{d}\\
  1313. \cdots\arrow{r} & A^{0} \arrow{d} \arrow{r} & A^{0} \arrow{d} \arrow{r} & A^{0} \arrow{d} \arrow{r} & 0 \arrow{d}\\
  1314. \cdots\arrow{r} & A^{1} \arrow{d} \arrow{r} & A^{1} \arrow{d} \arrow{r} & 0 \arrow{d} \arrow{r} & 0 \arrow{d}\\
  1315. \cdots\arrow{r} & A^{2} \arrow{d} \arrow{r} & 0 \arrow{d} \arrow{r} & 0 \arrow{d} \arrow{r} & 0 \arrow{d} \\
  1316. & \vdots & \vdots & \vdots & \vdots \\
  1317. \end{tikzcd}
  1318. \] denn für $n > 1$ ist $\com{\operatorname{ker } p}_n$ = $[\cdots \to 0 \to \underbrace{A^{n-2}}_{\in \mathcal{J}_0} \to 0 \to \cdots ]$. Nach
  1319. Voraussetzung ist also $\operatorname{ker } p_n$ in $\mathcal{J}$ und die kurze exakte Folge
  1320. $0 \to \com{\operatorname{ker } p}_n \to \com{S}_n \to \com{S}_{n-1} \to 0$ zerfällt gradweise. Also folgt
  1321. $\com{A} = \lim \com{S}_n \in \mathcal{J}$.
  1322. \end{proof}
  1323. Im Folgenden zeigen wir, dass die Klasse der K-injektiven Komplexe
  1324. abgeschlossen unter speziellen inversen Limites ist. Dazu zeigen wir zunächst, dass dies für die Klasse
  1325. der exakten Komplexe gilt. Da der inverse Limes im Allgemeinen nicht exakt ist, benötigen wir dafür ein
  1326. technisches Hilfswerkzeug für inverse Systeme in $\mathcal{A}b$.
  1327. \begin{definition}
  1328. %Wir sagen eine totalgeordnete Indexmenge $(I, \le)$ genüge der Bedingung (S), wenn eine ordnungserhaltende
  1329. %Bijektion $\iota\colon I \to \N$ existiert. Für $i \in I$ bezeichne, falls dieser existiert, mit $i+1$ bzw. $i-1$, den
  1330. %von $\iota$ induzierten Vorgänger bzw. Nachfolger von $i$.
  1331. Ein inverses System $(M_n)_{n \in \N}$ in $\mathcal{A}b$ genüge der Bedingung
  1332. \emph{(R)}, wenn folgende Eigenschaften erfüllt sind:
  1333. \begin{enumerate}[(i)]
  1334. \item $M_1 = 0$.
  1335. \item Für $n > 1$ ist die Abbildung $M_n \to M_{n-1}$ surjektiv.
  1336. \end{enumerate}
  1337. %Weiter sagen wir ein inverses System $(M_i)_{i \in I}$ in $\mathcal{A}b$ genüge der Bedingung
  1338. %(R), wenn folgende Eigenschaften erfüllt sind:
  1339. %\begin{enumerate}[(i)]
  1340. % \item $I$ genügt Bedingung (S).
  1341. % \item $M_1 = 0$.
  1342. % \item Für $i > I_{\operatorname{min}}$ ist die Abbildung $M_i \to M_{i-1}$ surjektiv.
  1343. %\end{enumerate}
  1344. \label{def:cond-r}
  1345. \end{definition}
  1346. \begin{bsp}
  1347. Spezielle inverse Systeme erfüllen (R).
  1348. \end{bsp}
  1349. \begin{lemma}
  1350. Seien
  1351. $(A_n)_{n \in \N}$, $(B_{n})_{n \in \N}$, $(C_n)_{n \in \N}$ und $(D_n)_{n \in \N}$
  1352. inverse Systeme in $\mathcal{A}b$, die (R) erfüllen und seien
  1353. \begin{equation}
  1354. \begin{tikzcd}
  1355. (A_n)_{n \in \N} \arrow{r}{(f_n)_{n \in \N}} & (B_n)_{n \in \N} \arrow{r}{(g_n)_{n \in \N}} &
  1356. (C_n)_{n \in \N} \arrow{r}{(h_n)_{n \in \N}} & (D_n)_{n \in \N}
  1357. \end{tikzcd}
  1358. \label{eq:0.11-inv-systems}
  1359. \end{equation}
  1360. Morphismen von inversen Systemen mit $g_n \circ f_n = 0 = h_n \circ g_n$
  1361. für $n \in \N$ und sei
  1362. \[
  1363. \begin{tikzcd}
  1364. A \arrow{r}{f} & B \arrow{r}{g} & C \arrow{r}{h} & D
  1365. \end{tikzcd}
  1366. \] der Limes von \eqref{eq:0.11-inv-systems}. Für $n \in \N$ mit $n > 1$
  1367. seien $A_n'$, $B_n'$, $C_n'$ und $D_n'$ die jeweiligen Kerne
  1368. der Übergangsabbildungen $A_n \to A_{n-1}$, $B_n \to B_{n-1}$, $C_n \to C_{n-1}$
  1369. und $D_n \to D_{n-1}$.
  1370. Sei weiter $N \in \N$, sodass für alle $n > N$ die Folge
  1371. \[
  1372. \begin{tikzcd}
  1373. A_n' \arrow{r} & B_n' \arrow{r} & C_n' \arrow{r} & D_n'
  1374. \end{tikzcd}
  1375. \] exakt ist.
  1376. Dann ist die natürliche Abbildung
  1377. \[
  1378. \operatorname{ker } g / \operatorname{im } f \longrightarrow \operatorname{ker } g_N / \operatorname{im } f_N
  1379. \] ein Isomorphismus.
  1380. \label{0.11}
  1381. \end{lemma}
  1382. \begin{proof}
  1383. Sei
  1384. $N \in \N$ mit der beschriebenen Eigenschaft. Dann betrachte das folgende kommutative Diagramm und
  1385. mache Diagrammjagd.
  1386. \begin{equation}
  1387. \begin{tikzcd}
  1388. A \arrow[twoheadrightarrow]{r}{f} \arrow{d} & \operatorname{im } f \arrow[hookrightarrow]{r}
  1389. & \operatorname{ker } g \arrow[hookrightarrow]{r} \arrow{d}
  1390. & B \arrow{r}{g} \arrow{d}
  1391. & C \arrow{r}{h} \arrow{d}
  1392. & D \arrow{d} \\
  1393. A_N \arrow[twoheadrightarrow]{r}{f_N} & \operatorname{im } f_N \arrow[hookrightarrow]{r}
  1394. & \operatorname{ker } g_N \arrow[hookrightarrow]{r}
  1395. & B_N \arrow{r}{g_N}
  1396. & C_N \arrow{r}{h_N}
  1397. & D_N \\
  1398. A_{N+1} \arrow[twoheadrightarrow]{r}{f_{N+1}} \arrow[twoheadrightarrow]{u}{p_{A}}
  1399. & \operatorname{im } f_{N+1} \arrow[hookrightarrow]{r} \arrow{u}
  1400. & \operatorname{ker } g_{N+1} \arrow[hookrightarrow]{r} \arrow{u}
  1401. & B_{N+1} \arrow{r}{g_{N+1}} \arrow[twoheadrightarrow]{u}{p_B}
  1402. & C_{N+1} \arrow{r}{h_{N+1}} \arrow[twoheadrightarrow]{u}{p_C}
  1403. & D_{N+1} \arrow[twoheadrightarrow]{u}{p_D} \\
  1404. \operatorname{ker } p_{A} \arrow[from=4-1, to=4-4] \arrow[hookrightarrow]{u} & &
  1405. & \operatorname{ker } p_{B} \arrow{r} \arrow[hookrightarrow]{u}
  1406. & \operatorname{ker } p_{C} \arrow{r} \arrow[hookrightarrow]{u}
  1407. & \operatorname{ker } p_{D} \arrow[hookrightarrow]{u} \\
  1408. \end{tikzcd}
  1409. \label{eq:0.11-diag}
  1410. \end{equation}
  1411. Injektivität: Sei $(b_n)_{n \in \N} \in \operatorname{ker } g$, sodass $b_N \in \operatorname{im }f_N$.
  1412. Dann existiert ein $a_N \in A_N$, sodass $f_N(a_N) = b_N$. Da $p_A$ surjektiv ist,
  1413. existiert ein $x \in A_{N+1}$, sodass $p_A(x) = a_N$. Sei
  1414. $y = f_{N+1}(x)$. Weil \eqref{eq:0.11-diag} kommutativ ist,
  1415. folgt
  1416. \[
  1417. p_B(y) = p_B(f_{N+1}(x)) = f_N(p_A(x)) = f_N(a_N) = b_N
  1418. .\] Da $(b_n)_{n \in \N}$ ein kompatibles
  1419. System ist, gilt zudem $p_{B}(b_{N+1}) = b_N$. Also ist
  1420. $b_{N+1} - y \in \operatorname{ker } p_{B}$. Weil $y, b_{N+1} \in \operatorname{ker } g_{N+1}$,
  1421. existiert aufgrund der Exaktheit der unteren Zeile ein $\tilde{x} \in \operatorname{ker } p_A$,
  1422. sodass $f_{N+1}(\tilde{x}) = b_{N+1} - y$. Nun
  1423. setze $a_{N+1} \coloneqq \tilde{x} + x$. Dann ist
  1424. \[
  1425. f_{N+1}(a_{N+1}) = f_{N+1}(\tilde{x} + x) = b_{N+1} - y + y = b_{N+1}
  1426. \]
  1427. und
  1428. \[
  1429. p_{A}(a_{N+1}) = p_{A}(\tilde{x} + x) = p_{A}(x) = a_N
  1430. ,\] denn $\tilde{x} \in \operatorname{ker } p_{A}$. Konstruiere so induktiv eine kompatible
  1431. Familie $(a_{n})_{n\ge N}$ mit $f(a_n) = b_n$ für alle $n \ge N$. Für $n < N$ setze
  1432. $a_n \coloneqq p_{A_{n+1}}(a_{n+1})$. Die Kommutativität von \eqref{eq:0.11-diag}
  1433. liefert dann, dass $(a_n)_{n \in \N}$ ein kompatibles System ist mit $f(a_{n}) = b_n$ für alle $n \in \N$.
  1434. Surjektivität: Sei $b \in \operatorname{ker } g_N$. Weil $p_B$ surjektiv ist, existiert ein
  1435. $y \in B_{N+1}$, sodass $p_B(y) = b$. Sei $z = g_{N+1}(y)$.
  1436. Aufgrund der Kommutativität von
  1437. \eqref{eq:0.11-diag} ist dann
  1438. \[
  1439. p_C(z) = p_C(g_{N+1}(y)) = g_N(p_B(y)) = g_N(b) = 0
  1440. ,\]
  1441. also
  1442. folgt $z \in \operatorname{ker } p_C$. Da $h_{N+1} \circ g_{N+1} = 0$ folgt
  1443. \[
  1444. h_{N+1}(z) = h_{N+1}(g_{N+1}(z)) = 0
  1445. .\]
  1446. Da die untere Zeile exakt ist, existiert nun
  1447. ein $\tilde{y} \in \operatorname{ker } p_B$, sodass $g_{N+1}(\tilde{y}) = z$. Also ist
  1448. $y - \tilde{y} \in \operatorname{ker } g_{N+1}$ und
  1449. \[
  1450. p_B(y - \tilde{y}) = p_B(y) = b
  1451. .\]
  1452. Setze $b_{N+1} \coloneqq y - \tilde{y}$ und $b_N \coloneqq b$.
  1453. Dann konstruiere induktiv eine kompatible
  1454. Familie $(b_n)_{n \ge N}$ mit $b_n \in \operatorname{ker } g_{n}$ für alle $n \ge N$. Für $n < N$ setze wie
  1455. oben $b_n \coloneqq p_{B_{n+1}}(b_{n+1})$. Erneut liefert die Kommutativität von
  1456. \eqref{eq:0.11-diag}, dass $(b_n)_{n \in \N} \in \operatorname{ker } g$ ein kompatibles System mit $b_N = b$ ist.
  1457. \end{proof}
  1458. \begin{bem}
  1459. Falls in der Situation von \ref{0.11}, $N= 1$ gewählt werden kann, folgt wegen $A_1 = B_1 = C_1 = D_1 = 0$,
  1460. dass die Folge
  1461. \[
  1462. \begin{tikzcd}
  1463. A \arrow{r}{f} & B \arrow{r}{g} & C
  1464. \end{tikzcd}
  1465. \] exakt ist.
  1466. \end{bem}
  1467. \begin{korollar}
  1468. Die Klasse $\mathcal{E}$ der exakten Komplexe in $\mathcal{K}(\mathcal{A}b)$ ist abgeschlossen unter speziellen inversen Limites.
  1469. \label{lemma:exact-comp-complete-inv}
  1470. \end{korollar}
  1471. \begin{proof}
  1472. Sei $(\com{S}_n)_{n \in \N}$ ein $\mathcal{E}$-spezielles inverses System in $\mathcal{K}(\mathcal{A}b)$. Für $i \in \Z$
  1473. erfüllt $(S_n^{i})_{n \in \N}$ die Bedingung (R) aus \ref{def:cond-r}. Sei also $i \in \Z$ beliebig. Dann erfüllt
  1474. \[
  1475. (S_n^{i-1})_{n \in \N} \to (S_n^{i})_{n \in \N} \to (S_n^{i+1})_{n \in \N} \to (S_n^{i+2})_{n \in \N}
  1476. \] die Bedingungen von \ref{0.11} für $N = 1$,
  1477. da nach Voraussetzung für alle $n > 1$ der Komplex $\operatorname{ker}(\com{S}_n \to \com{S}_{n-1})$
  1478. exakt ist. Also ist die Folge
  1479. \[
  1480. \begin{tikzcd}
  1481. \lim S_n^{i-1} \arrow{r} \arrow{d}{=} & \lim S_n^{i} \arrow{d}{=} \arrow{r} & \lim S_n^{i+1} \arrow{d}{=}\\
  1482. (\lim S_n)^{i-1} \arrow{r} & (\lim S_n)^{i} \arrow{r} & (\lim S_n)^{i+1}
  1483. \end{tikzcd}
  1484. \] exakt. Da $i \in \Z$ beliebig war, folgt dass $\lim \com{S}_n$ exakt ist.
  1485. \end{proof}
  1486. \begin{satz}
  1487. Sei $\mathcal{B}$ eine weitere abelsche Kategorie und $\mathcal{J} \subset \mathcal{K}(B)$ abgeschlossen
  1488. unter speziellen inversen Limites. Angenommen inverse Limites existieren in $\mathcal{A}$ und sei
  1489. $F\colon \mathcal{K}(A) \to \mathcal{K}(B)$ ein kovarianter Funktor, der mit inversen Limites vertauscht und
  1490. gradweise zerfallende kurze exakte Folgen erhält.
  1491. Dann ist $F^{-1}(\mathcal{J}) \subset \mathcal{K}(\mathcal{A})$ abgeschlossen unter speziellen inversen Limites.
  1492. \label{satz:complete-inv-system-functor}
  1493. \end{satz}
  1494. \begin{proof}
  1495. Sei $(\com{S}_n)_{n \in \N}$ ein $F^{-1}(\mathcal{J})$-spezielles inverses System. Dann ist
  1496. $(F(\com{S}_n))_{n \in \N}$ ein $\mathcal{J}$-spezielles inverses System, denn
  1497. \begin{enumerate}[(i)]
  1498. \item $F(S_1) = F(0) = 0$, da $F$ mit inversen Limites vertauscht und die Null der (inverse)
  1499. Limes des leeren Diagramms
  1500. ist.
  1501. \item Für $n > 1$ ist nach Voraussetzung
  1502. \[
  1503. \begin{tikzcd}
  1504. 0 \arrow{r} & \operatorname{ker } \com{p}_n \arrow{r} & \com{S}_n \arrow{r}{p_n} & \com{S}_{n-1} \arrow{r} & 0
  1505. \end{tikzcd}
  1506. \]
  1507. exakt, zerfällt gradweise und $\operatorname{ker } \com{p}_n$ ist in $F^{-1}(\mathcal{J})$. Nach Voraussetzung ist damit
  1508. \[
  1509. \begin{tikzcd}
  1510. 0 \arrow{r} & F(\operatorname{ker } \com{p}_n) \arrow{r} & F(\com{S}_n) \arrow{r}{F(p_n)} & F(\com{S}_{n-1}) \arrow{r} & 0
  1511. \end{tikzcd}
  1512. \] exakt und zerfällt gradweise. Aus der Exaktheit folgt damit auch
  1513. $\operatorname{ker } F(p_n) = F(\operatorname{ker } p_n)$, also $\operatorname{ker } F(p_n) \in \mathcal{J}$.
  1514. \end{enumerate}
  1515. Also ist $F(\lim \com{S}_n) = \lim F(\com{S}_n) \in \mathcal{J}$ und damit $\lim \com{S}_n \in F^{-1}(\mathcal{J})$.
  1516. \end{proof}
  1517. \begin{korollar}
  1518. Sei $\mathcal{I}$ eine Klasse von Komplexen und angenommen in $\mathcal{A}$ existieren inverse Limites.
  1519. Dann ist die Klasse aller Komplexe $\com{A} \in \mathcal{K}$, sodass
  1520. $\com{\operatorname{Hom}}(\com{T}, \com{A})$ exakt ist für alle $\com{T} \in \mathcal{I}$, abgeschlossen unter speziellen
  1521. inversen Limites. Insbesondere ist die Klasse der K-injektiven Komplexe abgeschlossen unter speziellen inversen
  1522. Limites.
  1523. \end{korollar}
  1524. \begin{proof}
  1525. Sei $\mathcal{E}$ die Klasse der exakten Komplexe und für $\com{T} \in \mathcal{I}$ sei
  1526. $\mathcal{H}_{\com{T}}$ die Klasse der Komplexe $\com{A} $, sodass
  1527. $\com{\operatorname{Hom}}(\com{T}, \com{A})$ exakt ist. Dann
  1528. ist $\mathcal{H}_{\com{T}} = \com{\operatorname{Hom}}(\com{T}, -)^{-1}(\mathcal{E})$.
  1529. $\mathcal{E}$ mit $\com{\operatorname{Hom}}(\com{T}, -)$ erfüllt
  1530. die Voraussetzungen von \ref{satz:complete-inv-system-functor}, denn:
  1531. \begin{enumerate}[(i)]
  1532. \item Nach \ref{lemma:exact-comp-complete-inv} ist
  1533. $\mathcal{E}$ abgeschlossen unter speziellen inversen Limites.
  1534. \item Wegen \ref{lemma:inner-hom-commutes-with-limits} vertauscht $\com{\operatorname{Hom}} (\com{T}, -)$ mit Limites.
  1535. Außerdem ist $\com{\operatorname{Hom}}(\com{T}, -)$ gradweise additiv, erhält also
  1536. gradweise zerfallende Folgen.
  1537. \end{enumerate}
  1538. Also ist $\mathcal{H}_{\com{T}}$ und damit $\bigcap_{\com{T} \in \mathcal{I}} \mathcal{H}_{\com{T} }$
  1539. abgeschlossen unter speziellen inversen Limites.
  1540. Das Insbesondere folgt wenn $\mathcal{I} = \mathcal{E}$ gesetzt wird.
  1541. \end{proof}
  1542. Für die Klasse der K-projektiven Komplexe betrachten wir die duale Version von \ref{def:special-inv-system}:
  1543. \begin{definition}[Spezielles direktes System]
  1544. Sei $\mathcal{P} \subset \mathcal{K}$ eine Klasse von Komplexen.
  1545. \begin{enumerate}[(a)]
  1546. \item Ein direktes System $(\com{P}_n)_{n \in \N}$ in $\mathcal{K}$ heißt
  1547. \emph{$\mathcal{P}$-spezielles
  1548. direktes System}, falls folgende Bedingungen erfüllt sind:
  1549. \begin{enumerate}[(i)]
  1550. \item Falls $n = 1$, dann ist $\com{P}_n = 0$.
  1551. \item Falls $n > 1$, dann sei $\com{C}_n$ der Kokern der natürlichen Abbildung
  1552. $\com{P}_{n-1} \to \com{P}_{n}$. Dann ist $\com{C}_n \in \mathcal{P}$ und
  1553. die kurze exakte Folge
  1554. \[
  1555. 0 \to \com{P}_{n-1} \to \com{P}_{n} \to \com{C}_n \to 0
  1556. \] zerfällt stufenweise.
  1557. \end{enumerate}
  1558. \item Die Klasse $\mathcal{P}$ heißt abgeschlossen unter speziellen direkten Kolimites, falls jedes
  1559. $\mathcal{P}$-spezielle direkte System in $\mathcal{K}$ einen Kolimes in $\mathcal{P}$ besitzt und jeder
  1560. Komplex in $\mathcal{K}$, der isomorph ist zu einem Komplex in $\mathcal{P}$, bereits in $\mathcal{P}$ ist.
  1561. \end{enumerate}
  1562. \end{definition}
  1563. Durch Umdrehen aller Pfeile erhalten wir die duale Version von \ref{lemma:bounded-compl-in-complete-class}
  1564. und insbesondere die folgenden Ergebnisse:
  1565. % brauche ich nicht
  1566. %\begin{lemma}
  1567. % Die Klasse der exakten Komplexe in $\mathcal{K}(\mathcal{A}b)$ ist abgeschlossen unter speziellen direkten Kolimites.
  1568. %
  1569. % \label{lemma:exact-comp-complete-inv}
  1570. %\end{lemma}
  1571. %
  1572. %\begin{proof}
  1573. %
  1574. %\end{proof}
  1575. \begin{satz}
  1576. Sei $\mathcal{B}$ eine weitere abelsche Kategorie und $\mathcal{J} \subset \mathcal{K}(B)$ abgeschlossen
  1577. unter speziellen inversen Limites. Angenommen direkte Kolimites existieren in $\mathcal{A}$ und sei
  1578. $F\colon \mathcal{K}(A) \to \mathcal{K}(B)$ ein kontravarianter Funktor, der direkte Kolimites in
  1579. inverse Limites überführt und gradweise zerfallende kurze exakte Folgen erhält.
  1580. Dann ist $F^{-1}(\mathcal{J}) \subset \mathcal{K}(\mathcal{A})$ abgeschlossen unter speziellen direkten Kolimites.
  1581. \label{satz:complete-dir-system-functor}
  1582. \end{satz}
  1583. \begin{korollar}[]
  1584. Sei $\mathcal{I}$ eine Klasse von Komplexen und angenommen in $\mathcal{A}$ existieren direkte Kolimites.
  1585. Dann ist die Klasse aller Komplexe $\com{A} \in \mathcal{K}$, sodass
  1586. $\com{\operatorname{Hom}}(\com{A}, \com{T})$ exakt ist für alle $\com{T} \in \mathcal{I}$, abgeschlossen unter speziellen
  1587. direkten Kolimites. Insbesondere ist die Klasse der K-projektiven Komplexe abgeschlossen unter speziellen direkten
  1588. Kolimites.
  1589. \label{kor:k-proj-closed}
  1590. \end{korollar}
  1591. \begin{definition}[]
  1592. Angenommen inverse (bzw. direkte) Limites existieren in $\mathcal{K}$ und sei $\mathcal{G}$ eine Klasse von
  1593. Komplexen in $\mathcal{K}$. Dann sei $\leftfinal{\mathcal{G}}$
  1594. (bzw. $\rightfinal{\mathcal{G}})$ die kleinste Klasse von Komplexen in $\mathcal{K}$, die abgeschlossen
  1595. unter speziellen inversen Limites (bzw. direkten Kolimites) ist und $\mathcal{G}$ enthält.
  1596. \end{definition}
  1597. \subsection{Existenz von K-projektiven und K-injektiven Auflösungen}
  1598. Das Ziel dieses Abschnittes ist es Satz \ref{satz:r-mod-existence-k-proj-and-k-inj-resolutions}
  1599. zu beweisen. Dazu verallgemeinern wir zunächst die Begriffe K-injektive und K-projektive Auflösungen:
  1600. \begin{definition}[Auflösungen]
  1601. Sei $\com{X} \in \mathcal{K}$ und $\mathcal{J}$ eine Klasse von Komplexen aus $\mathcal{K}$. Dann
  1602. ist eine \emph{$\mathcal{J}$-Linksauflösung} ein Quasiisomorphismus $\com{J} \to \com{X} $
  1603. mit $\com{J} \in \mathcal{J}$. Analog ist eine \emph{$\mathcal{J}$-Rechtsauflösung}
  1604. ein Quasiisomorphismus $\com{X} \to \com{J} $ mit $\com{J} \in \mathcal{J}$.
  1605. \end{definition}
  1606. \subsubsection{Linksauflösungen}
  1607. Sei $\mathcal{P}$ eine Klasse von Komplexen in $\mathcal{K}$.
  1608. %\begin{enumerate}[(L1)]
  1609. % \item Jeder nach oben beschränkte Komplex $\com{A} \in \mathcal{K}$ hat eine
  1610. % $\mathcal{P}$-Linksauflösung.
  1611. %\end{enumerate}
  1612. \begin{lemma}[]
  1613. Die folgenden Bedingungen an $\mathcal{P}$ sind äquivalent:
  1614. \begin{enumerate}[(i)]
  1615. \item Jeder nach oben beschränkte Komplex $\com{A} \in \mathcal{K}$
  1616. hat eine $\mathcal{P}$-Linksauflösung.
  1617. %\item Jeder nach oben beschränkte Komplex $\com{A} \in \mathcal{K}$ hat eine
  1618. % Linksauflösung $\com{P} \to \com{A} $ durch einen nach oben beschränkten
  1619. % Komplex $\com{P} \in \mathcal{P}$.
  1620. \item Für alle $\com{A} \in \mathcal{K} $ und $n \in \Z$, existiert ein $\com{P} \in \mathcal{P}$ mit
  1621. $H^{i}(\com{P}) = 0$ für $i > n$ und ein Komplexhomomorphismus $f\colon \com{P} \to \com{A} $, der
  1622. einen Isomorphismus $H^{i}(\com{P}) \to H^{i}(\com{A})$ induziert für $i \le n$.
  1623. \end{enumerate}
  1624. \label{lemma:class-compl-cond}
  1625. \end{lemma}
  1626. \begin{proof}
  1627. (i)$\implies$(ii):
  1628. Sei $\com{A} \in \mathcal{K}$ und $n \in \Z$.
  1629. Dann ist $\tau_{\le n} \com{A}$ nach oben beschränkt, also existiert
  1630. ein $\com{P} \in \mathcal{P}$ und ein Quasiisomorphismus
  1631. $s\colon \com{P} \to \tau_{\le n}\com{A}$. Durch Komposition mit dem natürlichen
  1632. Komplexhomomorphismus $\tau_{\le n}\com{A} \to \com{A}$ erhalten
  1633. wir ein $f\colon \com{P} \to \com{A} $. Für $i > n$ ist nun
  1634. $H^{i}(\com{P}) = H^{i}(\tau_{\le n}\com{A}) = 0 $. Für $i \le n$ ist
  1635. $H^{i}(\tau_{\le n}\com{A}) = H^{i}(\com{A})$, also induziert $f$ den gewünschten Isomorphismus.
  1636. (ii)$\implies$(i):
  1637. Sei $\com{A} \in \mathcal{K}$ nach oben beschränkt.
  1638. Ohne Einschränkung ist $A^{i} = 0$ für alle $i > 0$.
  1639. Wähle $n= 0$ in (ii). Dann existiert ein $f\colon \com{P} \to \com{A}$ mit
  1640. $\com{P} \in \mathcal{P}$, $H^{i}(\com{P}) = 0$ und $f$ induziert
  1641. %$H^{i}(\com{P}) \xrightarrow[\sim]{0 = H^{i}(f)} 0 = H^{i}(\com{A})$ für $i > 0$ und
  1642. Isomorphismen $H^{i}(\com{P})\xrightarrow[\sim]{H^{i}(f)} H^{i}(\com{A})$ für $i \le 0$.
  1643. Da $H^{i}(\com{P}) = 0 = H^{i}(\com{A})$ für $i < 0$ ist also $f$ ein Quasiisomorphismus.
  1644. \end{proof}
  1645. \begin{bem}[]
  1646. Sei $\com{A} \in \mathcal{K}$. Angenommen $\mathcal{P}$ genügt den äquivalenten Bedingungen
  1647. von \ref{lemma:class-compl-cond} und es existiert ein $n \in \Z$, sodass
  1648. für alle $i > n$, $H^{i}(\com{A}) = 0$ ist. Dann hat $\com{A} $ eine
  1649. $\mathcal{P}$-Linksauflösung, denn nach \ref{lemma:class-compl-cond} (ii) existiert dann
  1650. ein $\com{P} \in \mathcal{P}$ und ein Komplexhomomorphismus $f\colon \com{P} \to \com{A}$, sodass
  1651. $H^{i}(\com{P}) = 0 = H^{i}(\com{A})$ für $i > n$ und
  1652. $H^{i}(f)$ ein Isomorphismus ist für $i \le n$. Also ist $f$ ein Quasiisomorphismus.
  1653. \label{bem:p-left-resolutions-for-h-bounded}
  1654. \end{bem}
  1655. \begin{bsp}
  1656. %Falls $\mathcal{A}$ genügend Projektive hat, können wir $\mathcal{P}$ als
  1657. %die Klasse
  1658. %der nach oben beschränkten Komplexe $\com{P} \in \mathcal{K}$ mit $P^{i}$
  1659. %projektiv für alle $i \in \Z$ wählen.
  1660. Sei $\mathcal{P}$ die Klasse
  1661. der nach oben beschränkten Komplexe $\com{P} \in \mathcal{K}$ mit $P^{i}$
  1662. projektiv für alle $i \in \Z$. Falls $\mathcal{A}$ genügend viele Projektive hat, erfüllt
  1663. $\mathcal{P}$ die äquivalenten Bedingungen aus \ref{lemma:class-compl-cond}.
  1664. Ein solches $\com{P}$ ist K-projektiv, denn: Für alle eingradigen Komplexe $\com{Q}$ mit
  1665. $Q^{i}$ projektiv für alle $i \in \Z$ ist $\com{Q} $ nach \ref{satz:single-degree-compl-k-proj} K-projektiv. Da
  1666. nach \ref{kor:k-proj-closed} die Klasse der K-projektiven
  1667. abgeschlossen unter speziellen direkten Kolimites ist, folgt mit dem Dual von
  1668. \ref{lemma:bounded-compl-in-complete-class}, dass $\com{P} $ K-projektiv ist.
  1669. Erneut nach \ref{kor:k-proj-closed} sind die Komplexe in $\rightfinal{\mathcal{P}}$ damit ebenfalls
  1670. $K$-projektiv.
  1671. \label{bsp:bounded-above-projectives}
  1672. \end{bsp}
  1673. Im Folgenden nehmen wir an, dass $\mathcal{P}$ die äquivalenten Bedingungen von
  1674. \ref{lemma:class-compl-cond} erfüllt.
  1675. \begin{lemma}
  1676. Sei $\com{A} \in \mathcal{K}$. Dann existiert ein $\mathcal{P}$-spezielles direktes System $(\com{P}_n)_{n \in \N}$ und
  1677. ein direktes System von Komplexhomomorphismen $f_n \colon \com{P}_n \to \tau_{\le n}\com{A}$, sodass
  1678. $f_n$ ein Quasiisomorphismus ist für alle $n \ge 2$.
  1679. \label{lemma:constr-dir-system}
  1680. \end{lemma}
  1681. \begin{proof}
  1682. Wir gehen induktiv vor. Setze $\com{P}_{1} = 0$ und $f_{1} = 0$.
  1683. Nach den äquivalenten Bedingungen von \ref{lemma:class-compl-cond} existiert ein Quasiisomorphismus
  1684. $f_2 \colon \com{P}_2 \to \tau_{\le 2}\com{A}$ mit $\com{P}_2 \in \mathcal{P}$.
  1685. Sei nun $n \ge 3$ und seien $\com{P}_{1}, \ldots, \com{P}_{n-1}$ und $f_{1}, \ldots, f_{n-1}$
  1686. konstruiert wie im Lemma. Dann
  1687. setze $\com{P} = \com{P}_{n-1}$ und $\com{B} = \tau_{\le n} \com{A} $. Es sei
  1688. $a_{n-1}\colon \tau_{\le n-1}\com{A} \to \tau_{\le n} \com{A} $ der natürliche Komplexhomomorphismus
  1689. und $f = a_{n-1}f_{n-1}\colon \com{P} \to \com{B}$. Es gilt dann
  1690. \begin{equation}
  1691. f d_P = d_B f
  1692. \label{eq:f-comp-hom}
  1693. \end{equation}
  1694. Da $\com{B}$ nach oben beschränkt ist
  1695. und $H^{i}(\com{P}) \simeq H^{i}(\tau_{\le n-1}\com{A}) = 0$ für $i \gg 0$, folgt
  1696. nach \ref{bem:mapping-cone-h-bounded}
  1697. $H^{i}(\com{C}_f) = 0$ für $i \gg 0$.
  1698. Also existiert nach \ref{bem:p-left-resolutions-for-h-bounded} ein Quasiisomorphismus
  1699. $g\colon \com{Q} \to \com{C}_f[-1]$ mit $\com{Q}[1] \in \mathcal{P}$. Da
  1700. $C_f^{i}[-1] = P^{i} \oplus B^{i-1}$ für $i \in \Z$, ist $g$ gradweise
  1701. gegeben durch Morphismen $g'_i\colon Q^{i} \to P^{i} $ und $g''_i\colon Q^{i} \to B^{i-1}$
  1702. in $\mathcal{A}$.
  1703. Betrachte für $i \in \Z$ das folgende kommutative Diagramm:
  1704. \begin{equation}
  1705. \begin{tikzcd}
  1706. \cdots \arrow{r} & Q^{i} \arrow{r}{d_{Q}} \arrow{d}{(g', g'')}
  1707. & Q^{i+1} \arrow{r} \arrow{d}{(g', g'')} & \cdots\\
  1708. \cdots \arrow{r} & P^{i} \oplus B^{i-1} \arrow{r}{d_{C_f[-1]}} &
  1709. P^{i+1} \oplus B^{i} \arrow{r} & \cdots
  1710. \label{eq:1}
  1711. \end{tikzcd}
  1712. \end{equation}
  1713. In Matrixnotation ist
  1714. \begin{align*}
  1715. d_{C_f} = \begin{pmatrix} d_{P[1]} & 0 \\ f[1] & d_{B} \end{pmatrix}
  1716. = \begin{pmatrix} - d_{P} & 0 \\ f & d_{B} \end{pmatrix}
  1717. \intertext{Also folgt}
  1718. d_{C_f}[-1] = - d_{C_f} = \begin{pmatrix} d_{P} & 0 \\ -f & -d_{B} \end{pmatrix}
  1719. .\end{align*}
  1720. Auswerten der Kommutativität von \eqref{eq:1} in beiden Summanden liefert nun
  1721. \begin{align}
  1722. d_P g' &= g' d_Q \label{eq:g'-comp-hom} \\
  1723. -fg' - d_Bg'' &= g''d_Q \label{eq:g''}
  1724. .\end{align}
  1725. Aus \eqref{eq:g'-comp-hom} folgt, dass $g'\colon \com{Q} \to \com{P} $ ein
  1726. Komplexhomomorphismus ist. Setze nun
  1727. $h\colon \com{C}_{-g'} \to \com{B} $ durch
  1728. \[
  1729. h(x,y) = g''[1](x) + f(y)
  1730. .\]
  1731. Betrachte für $i \in \Z$ das folgende Diagramm:
  1732. \[
  1733. \begin{tikzcd}
  1734. \cdots \arrow{r} & Q^{i+1} \oplus P^{i} \arrow{r}{d_{C_{-g'}}} \arrow{d}{h} & Q^{i+2} \oplus P^{i+1} \arrow{r} \arrow{d}{h}
  1735. & \cdots \\
  1736. \cdots \arrow{r} & B^{i} \arrow{r}{d_{B}} & B^{i+1} \arrow{r} & \cdots
  1737. \end{tikzcd}
  1738. .\] In Matrixnotation ist
  1739. \begin{salign*}
  1740. h d_{C_{-g'}} &= \begin{pmatrix} g'' & f \end{pmatrix}
  1741. \begin{pmatrix} -d_Q & 0 \\ -g' & d_P \end{pmatrix} \\
  1742. &= \begin{pmatrix}
  1743. -g'' d_Q - f g' & f d_P
  1744. \end{pmatrix} \\
  1745. &\stackrel{\eqref{eq:g''}}{=}
  1746. \begin{pmatrix}
  1747. d_B g'' & f d_P
  1748. \end{pmatrix} \\
  1749. &\stackrel{\eqref{eq:f-comp-hom}}{=}
  1750. \begin{pmatrix}
  1751. d_B g'' & d_B f
  1752. \end{pmatrix} \\
  1753. &= d_B h
  1754. .\end{salign*}
  1755. %\begin{salign*}
  1756. % h d_{C_{-g'}} &= \begin{pmatrix} g''[1] & f \end{pmatrix}
  1757. % \begin{pmatrix} d_Q[1] & 0 \\ -g'[1] & d_P \end{pmatrix} \\
  1758. % &= \begin{pmatrix}
  1759. % g''[1] d_Q[1] - f g'[1] & f d_P
  1760. % \end{pmatrix} \\
  1761. % &\stackrel{\eqref{eq:g''}}{=}
  1762. % \begin{pmatrix}
  1763. % d_B g'' & f d_P
  1764. % \end{pmatrix} \\
  1765. % &\stackrel{\eqref{eq:f-comp-hom}}{=}
  1766. % \begin{pmatrix}
  1767. % d_B g'' & d_B f
  1768. % \end{pmatrix} \\
  1769. % &= d_B h
  1770. %.\end{salign*}
  1771. Also ist $h$ ein Komplexhomomorphismus. Bleibt zu zeigen, dass $h$ ein Quasiisomorphismus
  1772. ist. Dafür genügt es nach \ref{mapping-cone-exact-for-qis} zu zeigen, dass $\com{C}_h$
  1773. exakt ist. Behauptung: $\com{C}_h = \com{C}_{-g}[1]$.
  1774. Es ist gradweise für $ i \in \Z$
  1775. \[
  1776. C_h^{i} = C_{-g'}^{i+1} \oplus B^{i} = (Q^{i+2} \oplus P^{i+1}) \oplus B^{i}
  1777. = Q^{i+2} \oplus (P^{i+1} \oplus B^{i})
  1778. = Q^{i+2} \oplus C_f^i
  1779. = C_{-g}^{i}[1]
  1780. .\] Für die Differentiale gilt, wieder in Matrixnotation:
  1781. \begin{align*}
  1782. d_{C_h} = \begin{pmatrix}
  1783. d_{C_{-g'}[1]} & 0 \\
  1784. h[1] & d_B \end{pmatrix}
  1785. = \begin{pmatrix}
  1786. -\begin{pmatrix} -d_Q & 0 \\
  1787. -g' & d_P
  1788. \end{pmatrix} & 0 \\
  1789. \begin{pmatrix} g'' & f \end{pmatrix} & d_B
  1790. \end{pmatrix}
  1791. = \begin{pmatrix}
  1792. d_Q & 0 & 0 \\
  1793. g' & -d_P & 0 \\
  1794. g'' & f & d_B
  1795. \end{pmatrix}
  1796. .\end{align*}
  1797. Analog folgt
  1798. \begin{align*}
  1799. d_{C_{-g}[1]} =
  1800. \begin{pmatrix}
  1801. d_{Q[1]} & 0 \\
  1802. -g[1] & d_{C_f[-1]}
  1803. \end{pmatrix} [1]
  1804. = -\begin{pmatrix} -d_Q & 0 \\
  1805. \begin{pmatrix} -g' \\ -g'' \end{pmatrix}
  1806. & -\begin{pmatrix} -d_P & 0 \\ f & d_{B} \end{pmatrix}
  1807. \end{pmatrix}
  1808. = \begin{pmatrix}
  1809. d_Q & 0 & 0 \\
  1810. g' & -d_P & 0 \\
  1811. g'' & f & d_B
  1812. \end{pmatrix}
  1813. .\end{align*}
  1814. Also folgt die Behauptung. Da $g$ und demnach $-g$ ein Quasiisomorphismus ist
  1815. und Verschieben Exaktheit erhält,
  1816. folgt mit \ref{mapping-cone-exact-for-qis} die Exaktheit von $\com{C}_h = \com{C}_{-g}[1]$.
  1817. Setze nun $\com{P}_n \coloneqq \com{C}_{-g'}$ und $f_n \coloneqq h$.
  1818. Sei $p_{n-1}\colon \com{P}_{n-1} = \com{P} \to \com{P}_n$ die natürliche Abbildung.
  1819. Dann ist $p_{n-1}$ gradweise gegeben durch die natürliche Inklusion
  1820. $P^{i} \to Q^{i+1} \oplus P^{i}$. Also folgt
  1821. $\operatorname{coker } p_{n-1} = \com{Q}[1] \in \mathcal{P}$ und wir haben gradweise
  1822. zerfallende exakte Folgen:
  1823. \[
  1824. \begin{tikzcd}
  1825. 0 \arrow{r} & P^{i} \arrow{r}{p_{n-1}} & Q^{i+1} \oplus P^{i} \arrow{r}
  1826. & Q^{i+1} \arrow{r} & 0
  1827. \end{tikzcd}
  1828. .\]
  1829. Also ist $(\com{P}_n)_{n \in \N}$ ein $\mathcal{P}$-spezielles direktes System.
  1830. Außerdem ist nach Definition von $h$: $f_n p_{n-1} = h p_{n-1} = f = a_{n-1} f_{n-1}$,
  1831. also kommutiert
  1832. \[
  1833. \begin{tikzcd}
  1834. \com{P}_{n-1} \arrow{r}{p_{n-1}} \arrow{d}{f_{n-1}}
  1835. & \com{P}_{n} \arrow{d}{f_n = h} \\
  1836. \tau_{\le n-1}\com{A} \arrow{r}{a_{n-1}} & \tau_{\le n}\com{A}
  1837. \end{tikzcd}
  1838. \] und $(f_n)_{n \in \N}$ ist ein direktes System.
  1839. \end{proof}
  1840. Daraus folgt nun sofort:
  1841. \begin{satz}
  1842. Angenommen direkte Kolimites existieren in $\mathcal{A}$ und
  1843. $\colim$ ist exakt.
  1844. Dann hat jeder Komplex in $\mathcal{K}$ eine
  1845. $\rightfinal{\mathcal{P}}$-Linksauflösung.
  1846. \label{satz:existence-left-resolutions}
  1847. \end{satz}
  1848. \begin{proof}
  1849. Sei $\com{A} \in \mathcal{K}$ und $(\com{P}_n)_{n \in \N}$, $(f_n)_{n \in \N}$ wie
  1850. in \ref{lemma:constr-dir-system}. Da direkte Kolimites in $\mathcal{A}$ existieren und
  1851. sich diese in $\mathcal{K}$ gradweise bilden, existieren direkte Kolimites
  1852. in $\mathcal{K}$. Nach der Definition von $\rightfinal{\mathcal{P}}$ ist dann
  1853. $\com{P} \coloneqq \colim \com{P}_n$ in $\rightfinal{\mathcal{P}}$.
  1854. Wir erhalten ebenfalls
  1855. \[
  1856. f\coloneqq \colim f_n \colon \com{P} \longrightarrow \colim \tau_{\le n}\com{A}
  1857. = \com{A}
  1858. .\] Da $\colim$ exakt ist, folgt für $i \in \Z$:
  1859. \[
  1860. H^{i}(f) = H^{i}(\colim f_n) = \colim \underbrace{H^{i}(f_n)}_{\text{Isomorphismus}}
  1861. .\] Also ist $f$ ein Quasiisomorphismus.
  1862. \end{proof}
  1863. \begin{korollar}[]
  1864. Angenommen direkte Kolimites existieren in $\mathcal{A}$ und
  1865. $\colim$ ist exakt. Falls $\mathcal{A}$ außerdem genug Projektive hat,
  1866. besitzt jeder Komplex in $\mathcal{K}$ eine K-projektive Auflösung.
  1867. \label{satz:existence-k-proj-resolution}
  1868. \end{korollar}
  1869. \begin{proof}
  1870. Wähle $\mathcal{P}$ wie in Beispiel \ref{bsp:bounded-above-projectives} und wende
  1871. \ref{satz:existence-left-resolutions} an.
  1872. \end{proof}
  1873. \subsubsection{Rechtsauflösungen}
  1874. Sei $\mathcal{I}$ eine Klasse von Komplexen in $\mathcal{K}$. Im Folgenden nehmen wir an,
  1875. dass $\mathcal{I}$ die folgende Eigenschaft erfüllt:
  1876. \vspace{2mm}
  1877. \noindent\hspace{9mm} \emph{Jeder nach unten beschränkte Komplex $\com{A} \in \mathcal{K}$ hat eine
  1878. $\mathcal{I}$-Rechtsauflösung.}
  1879. %\begin{enumerate}[(1)]
  1880. % \item \emph{Jeder nach unten beschränkte Komplex $\com{A} \in \mathcal{K}$ hat eine
  1881. % $\mathcal{I}$-Rechtsauflösung.}
  1882. %\end{enumerate}
  1883. \begin{bsp}
  1884. Falls $\mathcal{A}$ genügend Injektive hat, können wir, dual zu Beispiel
  1885. \ref{bsp:bounded-above-projectives}, $\mathcal{I}$ als die Klasse
  1886. der nach unten beschränkten Komplexe mit in $\mathcal{A}$ injektiven Objekten wählen.
  1887. \end{bsp}
  1888. Durch Umdrehen der Pfeile erhalten wir die duale Aussagen von
  1889. \ref{lemma:constr-dir-system} und \ref{satz:existence-left-resolutions}:
  1890. \begin{lemma}[]
  1891. Sei $\com{A} \in \mathcal{K}$. Dann existiert ein $\mathcal{I}$-spezielles
  1892. inverses System $(\com{I}_n)_{n \in \N}$ und ein inverses System von
  1893. Komplexhomomorphismen $f_n\colon \tau^{\ge-n}\com{A} \to \com{I}_n$, sodass
  1894. $f_n$ ein Quasiisomorphismus ist für $n \ge 2$.
  1895. \label{lemma:constr-inv-system}
  1896. \end{lemma}
  1897. \begin{satz}[]
  1898. Angenommen inverse Limites existieren in $\mathcal{A}$ und
  1899. $\lim$ ist exakt.
  1900. Dann hat jeder Komplex in $\mathcal{K}$ eine
  1901. $\leftfinal{\mathcal{I}}$-Rechtsauflösung.
  1902. \label{satz:existence-right-resolutions}
  1903. \end{satz}
  1904. \begin{bem}
  1905. Leider findet \ref{satz:existence-right-resolutions} in $\mathcal{A} = R\text{-Mod}$ für
  1906. einen Ring $R$ keine Anwendung, da hier $\lim$ nicht exakt ist.
  1907. Diese Voraussetzung wird jedoch nur verwendet, um zu zeigen, dass
  1908. $f = \lim f_n\colon \com{A} \to \lim \com{I}_n$ ein Quasiisomorphismus ist.
  1909. Wir können uns der speziellen Struktur des inversen Systems
  1910. $(\com{I}_n)_{n \in \N}$ bedienen, um für $\mathcal{A} = R\text{-Mod}$ zu zeigen,
  1911. dass $f$ dennoch ein Quasiisomorphismus ist.
  1912. \end{bem}
  1913. \begin{satz}[]
  1914. Sei $R$ ein Ring und $\mathcal{A}$ die Kategorie der R-(Links)-Moduln. Dann
  1915. hat jeder Komplex in $\mathcal{K}$ eine K-injektive Auflösung.
  1916. \label{satz:existence-k-inj-resolution}
  1917. \end{satz}
  1918. \begin{proof}
  1919. Da $R$-Mod genügend viele Injektive hat, können wir
  1920. $\mathcal{I}$ wie im Dual von \ref{bsp:bounded-above-projectives} wählen.
  1921. Seien $(\com{I}_n)_{n \in \N}$ und $(f_n)_{n \in \N}$ wie in
  1922. \ref{lemma:constr-inv-system}. Seien $\com{I} = \lim \com{I}_n$ und
  1923. $f = \lim f_n$. Es genügt zu zeigen, dass $f$ ein Quasiisomorphismus ist.
  1924. Sei $i \in \Z$ beliebig. Für $n \ge 3$ haben wir folgendes kommutative Diagramm:
  1925. \[
  1926. \begin{tikzcd}
  1927. \com{I} \arrow{r} \arrow{d}{f} & \com{I}_n \arrow{r}{p_n} \arrow{d}{f_n} & \com{I_{n-1}} \arrow{d}{f_{n-1}} \\
  1928. \com{A} \arrow{r} & \tau^{\ge -n} \com{A} \arrow{r} & \tau^{\ge -(n-1)} \com{A}
  1929. \end{tikzcd}
  1930. \] Wende nun $H^{i}(-)$ auf dieses Diagramm an:
  1931. \begin{equation}
  1932. \begin{tikzcd}
  1933. H^{i}(\com{I}) \arrow{r} \arrow{d}{H^{i}(f)} & H^{i}(\com{I}_n) \arrow{r}{H^{i}(p_n)}
  1934. \arrow{d}{H^{i}(f_n)}[swap]{\sim} & H^{i}(\com{I_{n-1}}) \arrow{d}{H^{i}(f_{n-1})}[swap]{\sim} \\
  1935. H^{i}(\com{A}) \arrow{r} & H^{i}(\tau^{\ge -n} \com{A}) \arrow{r} & H^{i}(\tau^{\ge -(n-1)} \com{A})
  1936. \end{tikzcd}
  1937. \label{eq:diag-hi-in}
  1938. .\end{equation}
  1939. Die rechten beiden vertikalen Pfeile sind Isomorphismen, da $f_k$ ein
  1940. Quasiisomorphismus ist für alle $k \ge 2$.
  1941. Sei nun $n \ge -i+1$. Dann ist $i \ge -n + 1 \ge -n$, also ist
  1942. $H^{i}(\com{A}) = H^{i}(\tau^{\ge -n}\com{A}) = H^{i}(\tau^{\ge -(n-1)} \com{A})$. Also
  1943. sind die Morphismen in der unteren Zeile von \eqref{eq:diag-hi-in} Isomorphismen und
  1944. damit ist
  1945. $H^{i}(p_n)\colon H^{i}(\com{I}_n) \to H^{i}(\com{I}_{n-1})$
  1946. ein Isomorphismus.
  1947. Betrachte nun die kurze exakte Folge
  1948. \[
  1949. \begin{tikzcd}
  1950. 0 \arrow{r} & \operatorname{ker } p_n \arrow{r} & \com{I}_n \arrow{r}{p_n} & \com{I}_{n-1}
  1951. \arrow{r} & 0
  1952. \end{tikzcd}
  1953. .\] Das liefert für $j \in \Z$ eine lange exakte Kohomologiefolge:
  1954. \begin{equation}
  1955. \begin{tikzcd}
  1956. H^{j-1}(\com{I}_{n}) \arrow{r}{H^{j-1}(p_n)} & H^{j-1}(\com{I}_{n-1}) \arrow{r}
  1957. & H^{j}(\operatorname{ker } p_n) \arrow{r}
  1958. & H^{j}(\com{I}_n) \arrow{r}{H^{j}(p_n)}
  1959. & H^{j}(\com{I}_{n-1})
  1960. \end{tikzcd}
  1961. \label{eq:long-ex-hi-in}
  1962. \end{equation}
  1963. Anwenden des obigen Arguments für $i = j$ und $i = j-1$ liefert für
  1964. $n \ge -(j-1) + 1 \ge -j+1$ Isomorphismen $H^{j}(p_n)$ und $H^{j-1}(p_n)$.
  1965. Aufgrund der Exaktheit von \eqref{eq:long-ex-hi-in} folgt dann, dass
  1966. $H^{j}(\operatorname{ker } p_n) = 0$ für alle $n \ge -(j-1)+1 = -j+2$.
  1967. Sei nun $m \in \Z$ beliebig. Dann setze $N \coloneqq -m + 1$. Dann ist
  1968. für alle $n > N$:
  1969. \[
  1970. H^{m}(\operatorname{ker } p_n) = 0 = H^{m+1}(\operatorname{ker } p_n)
  1971. .\]
  1972. Also ist die Folge
  1973. \begin{equation}
  1974. \begin{tikzcd}
  1975. \operatorname{ker } p_n^{m-1} \arrow{r} &
  1976. \operatorname{ker } p_n^{m} \arrow{r} &
  1977. \operatorname{ker } p_n^{m+1} \arrow{r} &
  1978. \operatorname{ker } p_n^{m+2}
  1979. \end{tikzcd}
  1980. \end{equation}
  1981. für $n > N$ exakt. Das System
  1982. \begin{equation*}
  1983. \begin{tikzcd}
  1984. (I_n^{m-1})_{n \in \N} \arrow{r} &
  1985. (I_n^{m})_{n \in \N} \arrow{r} &
  1986. (I_n^{m+1})_{n \in \N} \arrow{r} &
  1987. (I_n^{m+2})_{n \in \N}
  1988. \end{tikzcd}
  1989. \end{equation*}
  1990. erfüllt damit die Bedingungen von \ref{0.11}. Also ist die natürliche Abbildung
  1991. \[
  1992. H^{m}(\com{I}) \longrightarrow H^{m}(\com{I}_N)
  1993. \] ein Isomorphismus. Erneute Betrachtung des linken Vierecks von \eqref{eq:diag-hi-in} für $i=m$ und
  1994. $n=N$ liefert nun, dass $H^{i}(f)$ ein Isomorphismus ist.
  1995. \end{proof}
  1996. \begin{bem}
  1997. Damit ist \ref{satz:r-mod-existence-k-proj-and-k-inj-resolutions} bewiesen.
  1998. \end{bem}
  1999. \newpage
  2000. \section{Ableitungen und Adjunktion}
  2001. \label{sec:application}
  2002. Sei $R$ ein Ring und im Folgenden $\mathcal{A}$ die Kategorie der $R$ (links-)Moduln.
  2003. \subsection{Abgeleitete $\com{\operatorname{Hom}}$ Funktoren}
  2004. %\begin{satz}[]
  2005. % Sei $\com{I} \in \mathcal{K}$ K-injektiv und exakt. Dann ist $\com{\operatorname{Hom}}(\com{M} , \com{I} )$ exakt für alle
  2006. % $\com{M} \in \mathcal{K}$.
  2007. %
  2008. % \label{satz:hom-exact-for-k-inj}
  2009. %\end{satz}
  2010. %
  2011. %\begin{proof}
  2012. % Sei $\com{M} \in \mathcal{K}$ beliebig. Dann existiert nach
  2013. % \ref{satz:existence-k-proj-resolution} ein $\com{P} \in \mathcal{K}$ K-projektiv und ein Quasiisomorphismus
  2014. % $\com{P} \to \com{M}$. Da $\com{I} $ K-injektiv, ist $\com{\operatorname{Hom}}(-, \com{I})$ ein exakter Funktor, also
  2015. % folgt
  2016. % \begin{equation}
  2017. % H^{i}(\com{\operatorname{Hom}}(\com{M}, \com{I})) = \com{\operatorname{Hom}}(H^{i}(\com{M}), \com{I})
  2018. % = \com{\operatorname{Hom}}(H^{i}(\com{P}), \com{I})
  2019. % = H^{i}(\com{\operatorname{Hom}}(\com{P} , \com{I} ))
  2020. % \label{eq:cohom-groups-2}
  2021. % .\end{equation}
  2022. % Da $\com{P} $ K-projektiv und $\com{I} $ exakt, folgt die Exaktheit der rechten Seite und damit die Behauptung.
  2023. %\end{proof}
  2024. %Umdrehen der Pfeile liefert
  2025. %\begin{satz}[]
  2026. % Sei $\com{P} \in \mathcal{K}$ K-projektiv und exakt. Dann ist $\com{\operatorname{Hom}}(\com{P} , \com{M} )$ exakt für alle
  2027. % $\com{M} \in \mathcal{K}$.
  2028. % \label{satz:hom-exact-for-k-proj}
  2029. %\end{satz}
  2030. \begin{satz}
  2031. Seien $\com{M}, \com{N} \in \mathcal{D}$. Dann ist $\text{R}\com{\operatorname{Hom}}(\com{M}, \com{N})$ wohldefiniert
  2032. und kann mithilfe einer K-projektiven Auflösung von $\com{M} $ oder einer K-injektiven Auflösung von $\com{N} $
  2033. berechnet werden.
  2034. \label{satz:derived-hom}
  2035. \end{satz}
  2036. \begin{proof}
  2037. In der Notation von \ref{satz:existence-derived-functors} wähle $\mathcal{L}$ als die volle Unterkategorie der
  2038. K-injektiven Komplexe von $\mathcal{K}$. Dann ist für $\com{M} \in \mathcal{K}$ beliebig:
  2039. \begin{enumerate}[(i)]
  2040. \item $\mathcal{L}$ ist trianguliert nach \ref{satz:k-proj-triangulated}.
  2041. \item Für alle $\com{N} \in \mathcal{K}$ existiert wegen \ref{satz:existence-k-inj-resolution} ein Quasiisomorphismus $\com{N} \to \com{I} $
  2042. mit $\com{I} \in \mathcal{L}$.
  2043. \item Nach \ref{satz:hom-exact-for-k-inj} erhält $\com{\operatorname{Hom}}(\com{M}, -)|_{\mathcal{L}}$
  2044. Exaktheit von Komplexen.
  2045. \end{enumerate}
  2046. Also existiert R$\com{\operatorname{Hom}}(\com{M} , -)$. Analog berechnet sich R$\com{\operatorname{Hom}}(-, \com{N})$ für
  2047. $\com{N} \in \mathcal{K}$ unter Wahl von $\mathcal{L}$
  2048. als die volle Unterkategorie der K-projektiven Komplexe von $\mathcal{K}$. Beide Ableitungen stimmen überein, denn
  2049. für $\com{M}, \com{N} \in \mathcal{K}$ beliebig und $\com{P} \to \com{M} $ und $\com{N} \to \com{I} $ K-projektive
  2050. bzw. K-injektive Auflösungen gilt mit wiederholter Anwendung von \ref{satz:existence-derived-functors} und
  2051. wegen $\com{M} \simeq \com{P} $ und $\com{N} \simeq \com{I} $ in $\mathcal{D}$:
  2052. \begin{align*}
  2053. \text{R}\com{\operatorname{Hom}}(\com{M} , - )(\com{N})
  2054. &\simeq \text{R}\com{\operatorname{Hom}}(\com{P} , -)(\com{I}) \\
  2055. &= \com{\operatorname{Hom}}(\com{P}, \com{I}) \\
  2056. &= \text{R}\com{\operatorname{Hom}}(-, \com{I} )(\com{P}) \\
  2057. &\simeq \text{R}\com{\operatorname{Hom}}(-, \com{N} )(\com{M})
  2058. .\end{align*}
  2059. \end{proof}
  2060. \subsection{Abgeleitetes Tensorprodukt}
  2061. Sei von nun an $R = A$ ein kommutativer Ring. Um das Tensorprodukt abzuleiten, benötigen wir noch
  2062. eine weitere Klasse von Komplexen in $\mathcal{K}$:
  2063. \begin{definition}[K-flach]
  2064. Ein Komplex $\com{M} \in \mathcal{K}$ heißt \emph{K-flach}, wenn der Funktor
  2065. $\com{M} \otimes_A -$ Exaktheit von Komplexen erhält. Eine \emph{K-flache
  2066. Auflösung} eines Komplexes $\com{N} \in \mathcal{K}$ ist
  2067. ein Quasiisomorphismus $\com{M} \to \com{N} $ mit
  2068. $\com{M} \in \mathcal{K}$ K-flach.
  2069. \end{definition}
  2070. \begin{satz}
  2071. Sei $\com{M} \in \mathcal{K}$ mit $M^{i} = 0$ für $i \neq 0$. Dann ist
  2072. $\com{M} $ genau dann K-flach, wenn $M^{0}$ flacher $A$-Modul ist.
  2073. \end{satz}
  2074. \begin{proof}
  2075. Sei $\com{M} \in \mathcal{K}$ wie im Satz. Dann ist für $\com{S} \in \mathcal{K}$ und
  2076. $n \in \Z$:
  2077. \[
  2078. (\com{M} \otimes_A \com{S})^{n} = \bigoplus_{i+j=n} M^{i} \otimes_A S^{j}
  2079. = M^{0} \otimes S^{n} = (M^{0} \otimes \com{S} )^{n}
  2080. \] und für $m \in M^{0}$, $s \in S^{n}$:
  2081. \[
  2082. d_{\com{M} \otimes_A \com{S} }^{n}(m \otimes s)
  2083. = \underbrace{d_{M}^{0}(m)}_{= 0} \otimes_A s + (-1)^{0} m \otimes_A d_{S}(s)
  2084. = m \otimes_A d_S(s)
  2085. = d_{M^{0} \otimes_A \com{S} }
  2086. .\] Also ist $\com{M} \otimes_A \com{S} = M^{0} \otimes_A \com{S}$. Damit folgt
  2087. die Behauptung aus den Definitionen.
  2088. \end{proof}
  2089. Im Folgenden benötigen wir folgendes Kritierium für die Exaktheit von Komplexen:
  2090. \begin{lemma}
  2091. Sei $\com{A} \in \mathcal{K}$. Angenommen für jeden K-injektiven Komplex $\com{I} \in \mathcal{K}$ ist
  2092. $\com{\operatorname{Hom}}(\com{A}, \com{I})$ exakt. Dann ist $\com{A}$ exakt.
  2093. \label{lemma:0.10}
  2094. \end{lemma}
  2095. \begin{proof}
  2096. Sei $\com{B} \in \mathcal{K}$ beliebig. Dann existiert nach \ref{satz:existence-k-inj-resolution} ein
  2097. K-injektiver Komplex $\com{I} \in \mathcal{K}$ und ein Quasiisomorphismus $\com{B} \to \com{I}$. Dann
  2098. gilt $\com{B} \simeq \com{I} $ in $\mathcal{D}$ und wir erhalten
  2099. \[
  2100. \operatorname{Mor}_{\mathcal{D}}(\com{A}, \com{B}) \simeq
  2101. \operatorname{Mor}_{\mathcal{D}}(\com{A} , \com{I} ) \stackrel{\ref{satz:mork=mord-for-k-inj}}{=}
  2102. \operatorname{Mor}_{\mathcal{K}}(\com{A} , \com{I} ) = 0
  2103. .\]
  2104. Mit Yoneda folgt nun, dass $\com{A} = 0$ in $\mathcal{D}$. Da
  2105. $H^{i}(-)\colon \mathcal{K} \to \mathcal{A}b$ über den kanonischen Funktor $Q\colon \mathcal{K} \to \mathcal{D}$
  2106. faktorisiert, folgt $H^{i}(\com{A}) = 0$ für $i \in \Z$, also ist $\com{A}$ exakt.
  2107. \end{proof}
  2108. \begin{satz}[]
  2109. Sei $\com{M} \in \mathcal{K} $. Dann sind äquivalent:
  2110. \begin{enumerate}[(i)]
  2111. \item $\com{M} $ ist K-flach.
  2112. \item $\com{\operatorname{Hom}}(\com{M}, \com{I})$ ist K-injektiv für jeden
  2113. K-injektiven Komplex $\com{I} \in \mathcal{K}$.
  2114. \end{enumerate}
  2115. \label{satz:homs-of-k-flat-are-k-inj}
  2116. \end{satz}
  2117. \begin{proof}
  2118. (i)$\implies$(ii): Sei $\com{I}$ K-injektiv und $\com{S}$ exakt. Dann ist
  2119. \[
  2120. \com{\operatorname{Hom}} (\com{S} , \com{\operatorname{Hom}}(\com{M}, \com{I}))
  2121. \stackrel{\ref{satz:adjunction-hom-tor-comp}}{=}
  2122. \com{\operatorname{Hom}}(\underbrace{\com{S} \otimes_A \com{M}}_{\text{exakt}}, \underbrace{\com{I}}_{\text{K-injektiv}} )
  2123. .\] Weil $\com{M} $ K-flach ist, folgt $\com{S} \otimes_A \com{M} $ exakt, also wegen $\com{I} $ K-injektiv,
  2124. die Behauptung.
  2125. (ii)$\implies$(i): Sei $\com{S} $ exakt. Wegen \ref{lemma:0.10} genügt es zu
  2126. zeigen, dass für jeden K-injektiven Komplex $\com{I} \in \mathcal{K}$,
  2127. $\com{\operatorname{Hom}}(\com{S} \otimes_A \com{M}, I) $ exakt ist. Dazu
  2128. sei $\com{I}$ ein K-injektiver Komplex. Dann ist
  2129. \[
  2130. \com{\operatorname{Hom}}(\com{S} \otimes_A \com{M}, \com{I})
  2131. \stackrel{\ref{satz:adjunction-hom-tor-comp}}{=} \com{\operatorname{Hom}}(\underbrace{\com{S}}_{\text{exakt}}, \underbrace{\com{\operatorname{Hom}}(\com{M}, \com{I})}_{\text{K-injektiv}})
  2132. \] exakt.
  2133. \end{proof}
  2134. \begin{satz}[]
  2135. \begin{enumerate}[(a)]
  2136. \item Falls $\com{M}, \com{N} \in \mathcal{K}$ K-flach sind, dann ist
  2137. auch $\com{M} \otimes_A \com{N} $ K-flach.
  2138. \item $\com{M} \in \mathcal{K}$ ist K-flach genau dann wenn $\com{M}[1]$
  2139. K-flach ist.
  2140. \item Falls zwei Punkte eines ausgezeichneten Dreiecks in $\mathcal{K}$ K-flach
  2141. sind,
  2142. dann auch der dritte.
  2143. \end{enumerate}
  2144. Insbesondere ist die volle Unterkategorie der K-flachen Komplexe in $\mathcal{K}$
  2145. eine triangulierte Unterkategorie.
  2146. \label{satz:k-flat-triangulated}
  2147. \end{satz}
  2148. \begin{proof}
  2149. \begin{enumerate}[(a)]
  2150. \item Seien $\com{M}, \com{N} \in \mathcal{K}$ K-flach und $\com{S} $ exakt. Dann
  2151. ist
  2152. \[
  2153. (\com{M} \otimes_A \com{N}) \otimes \com{S} =
  2154. \com{M} \otimes_A (\com{N} \otimes_A \com{S})
  2155. \] und die rechte Seite ist exakt.
  2156. \item Seien $\com{S}, \com{M} \in \mathcal{K}$.
  2157. Dann sind $- \otimes_A \com{S} $ und $\com{M} \otimes_A -$ nach
  2158. \ref{satz:tor-is-triangulated} triangulierte Funktoren, also folgt
  2159. \[
  2160. \com{M}[1] \otimes_A \com{S} =
  2161. (\com{M} \otimes_A \com{S})[1]
  2162. = \com{M} \otimes_A \com{S}[1]
  2163. .\] Da Verschieben Exaktheit erhält, folgt daraus die Äquivalenz.
  2164. \item Sei $(\com{M}, \com{N}, \com{P}, u, v, w)$ ein ausgezeichnetes Dreieck
  2165. in $\mathcal{K}$ mit $\com{M}$ und $\com{N} $ K-flach. Sei weiter
  2166. $\com{S} $ exakt. Da $- \otimes_A \com{S} $ nach \ref{satz:tor-is-triangulated}
  2167. ein triangulierter Funktor ist, erhalten wir das ausgezeichnete Dreieck
  2168. $(\com{M} \otimes_A \com{S}, \com{N} \otimes_A \com{S}, \com{P} \otimes_A \com{S}, u \otimes \text{id}_{\com{S} }, v \otimes \text{id}_{\com{S} }, w \otimes \text{id}_{\com{S} })$
  2169. und damit für $i \in \Z$ die exakte Folge
  2170. \[
  2171. \begin{tikzcd}
  2172. H^{i}(\com{N} \otimes_A \com{S}) \arrow{r} &
  2173. H^{i}(\com{P} \otimes_A \com{S}) \arrow{r} &
  2174. H^{i+1}(\com{M} \otimes_A \com{S})
  2175. \end{tikzcd}
  2176. .\] Da die äußeren Terme nach Voraussetzung $0$ sind, folgt die
  2177. Exaktheit von $\com{P} \otimes_A \com{S} $ und damit, dass $\com{P} $
  2178. K-flach ist.
  2179. Der allgemeine Fall folgt nun mit \ref{TR2}.
  2180. \end{enumerate}
  2181. \end{proof}
  2182. \begin{satz}[]
  2183. Sei $\com{M} \in \mathcal{K}$ K-projektiv. Dann ist $\com{M} $ K-flach.
  2184. Insbesondere hat jeder Komplex $\com{N} \in \mathcal{K}$ eine K-flache Auflösung.
  2185. \label{satz:k-proj-is-k-flat}
  2186. \end{satz}
  2187. \begin{proof}
  2188. Sei $\com{M} $ K-projektiv und $\com{S} $ exakt. Sei weiter $\com{I} $ K-injektiv. Dann folgt
  2189. \[
  2190. \com{\operatorname{Hom}} (\com{M} \otimes_A \com{S}, \com{I}) \stackrel{\ref{satz:adjunction-hom-tor-comp}}{=}
  2191. \com{\operatorname{Hom}}(\com{M}, \com{\operatorname{Hom}}(\com{S}, \com{I} ))
  2192. .\] Es ist $\com{\operatorname{Hom}}(\com{S}, \com{I})$ exakt, da $\com{I} $ K-injektiv und damit
  2193. ist die rechte Seite auch exakt, da
  2194. $\com{M} $ K-projektiv ist. Also folgt die Behauptung mit \ref{lemma:0.10}. Das Insbesondere folgt
  2195. nun aus \ref{satz:existence-k-proj-resolution}.
  2196. \end{proof}
  2197. \begin{satz}[]
  2198. Sei $\com{M} \in \mathcal{K}$ K-flach und exakt. Dann ist $\com{M} \otimes_A \com{N} $ exakt
  2199. für alle $\com{N} \in \mathcal{K}$.
  2200. \label{satz:tor-exact-for-k-flat}
  2201. \end{satz}
  2202. \begin{proof}
  2203. Sei $\com{M} \in \mathcal{K}$ K-flach und exakt und sei $\com{N} \in \mathcal{K}$ beliebig. Dann existiert nach
  2204. \ref{satz:k-proj-is-k-flat} ein K-flacher Komplex $\com{P} \in \mathcal{K}$ und ein Quasiisomorphismus
  2205. $\com{P} \to \com{N} $. Da $\com{M} $ K-flach ist, erhält $\com{M} \otimes_A -$ nach
  2206. \ref{kor:exactness-preserver-preserves-qis} Quasiisomorphismen. Damit folgt
  2207. \begin{equation}
  2208. H^{i}(\com{M} \otimes_A \com{N}) = H^{i}(\com{M} \otimes_A \com{P})
  2209. \label{eq:cohom-groups-1}
  2210. .\end{equation}
  2211. Da $\com{P} $ K-flach ist, folgt mit der Exaktheit von $\com{M} $, dass
  2212. $\com{M} \otimes_A \com{P} $ exakt ist. Damit folgt die Behauptung aus \eqref{eq:cohom-groups-1}.
  2213. \end{proof}
  2214. Damit erhalten wir:
  2215. \begin{satz}
  2216. Seien $\com{M}, \com{N} \in \mathcal{D}$. Dann ist $\com{M} \otimes_A^{\text{L}} \com{N}$ wohldefiniert und
  2217. kann mithilfe einer K-flachen Auflösung einer der Faktoren berechnet werden.
  2218. \label{satz:derived-tor}
  2219. \end{satz}
  2220. \begin{proof}
  2221. In der Notation (der Linksableitungsversion) von \ref{satz:existence-derived-functors} wähle $\mathcal{L}$
  2222. als die volle Unterkategorie der K-flachen Komplexe von $\mathcal{K}$. Dann gilt
  2223. für $\com{N}$ beliebig:
  2224. \begin{enumerate}[(i)]
  2225. \item $\mathcal{L}$ ist trianguliert nach \ref{satz:k-flat-triangulated}.
  2226. \item Für alle $\com{M} \in \mathcal{K}$ existiert nach \ref{satz:k-proj-is-k-flat}
  2227. ein Quasiisomorphismus
  2228. $\com{P} \to \com{M}$ mit $\com{P} \in \mathcal{L}$.
  2229. \item Nach \ref{satz:tor-exact-for-k-flat} erhält
  2230. $\com{N} \otimes_A -|_{\mathcal{L}}$ Exaktheit von Komplexen.
  2231. \end{enumerate}
  2232. Also existiert $\com{N} \otimes_A^{\text{L}} -$. Analog zeigt man die Existenz von
  2233. $- \otimes_A^{L} \com{N}$ und wie im Beweis von \ref{satz:derived-hom}, dass
  2234. beide Ableitungen übereinstimmen.
  2235. \end{proof}
  2236. \subsection{Adjunktion}
  2237. Jetzt können wir alles zusammentragen und erhalten:
  2238. \begin{satz}
  2239. Seien $\com{M}, \com{N}, \com{P} \in \mathcal{D}$. Dann existiert ein natürlicher
  2240. Isomorphismus, der funktoriell in allen Variablen ist:
  2241. \[
  2242. \text{R}\com{\operatorname{Hom}}(\com{M} \otimes_A^{\text{L}} \com{N}, \com{P})
  2243. = \text{R}\com{\operatorname{Hom}}(\com{M}, \text{R}\com{\operatorname{Hom}}(\com{N}, \com{P}))
  2244. .\]
  2245. \label{satz:adjunction-rhom-rtor}
  2246. \end{satz}
  2247. \begin{proof}
  2248. Nach \ref{satz:derived-hom} und \ref{satz:derived-tor} sind alle Terme wohldefiniert
  2249. und wir können mit
  2250. \ref{satz:k-proj-is-k-flat} ohne Einschränkung annehmen, dass $\com{N} $ K-flach ist,
  2251. und mit \ref{satz:existence-k-inj-resolution}, dass $\com{P} $ K-injektiv ist.
  2252. Dann folgt
  2253. \begin{align*}
  2254. \text{R}\com{\operatorname{Hom}}(\com{M} \otimes_A^{\text{L}} \com{N}, \com{P})
  2255. &= \text{R}\com{\operatorname{Hom}}(\com{M} \otimes_A \com{N}, \com{P}) \\
  2256. &= \com{\operatorname{Hom}}(\com{M} \otimes_A \com{N}, \com{P} ) \\
  2257. &\stackrel{\ref{satz:adjunction-hom-tor-comp}}{=}
  2258. \com{\operatorname{Hom}}(\com{M}, \com{\operatorname{Hom}}(\com{N}, \com{P})) \\
  2259. &= \text{R}\com{\operatorname{Hom}}(\com{M}, \com{\operatorname{Hom}}(\com{N}, \com{P})) \\
  2260. &= \text{R}\com{\operatorname{Hom}}(\com{M}, \text{R}\com{\operatorname{Hom}}(\com{N}, \com{P}))
  2261. .\end{align*}
  2262. Das vorletzte Gleichheitszeichen gilt, weil nach \ref{satz:homs-of-k-flat-are-k-inj}
  2263. $\com{\operatorname{Hom}}(\com{N}, \com{P})$ K-injektiv ist.
  2264. \end{proof}
  2265. \begin{korollar}[]
  2266. Seien $\com{M}, \com{N}, \com{P} \in \mathcal{D}$. Dann existiert ein natürlicher
  2267. Isomorphismus, der funktoriell in allen Variablen ist:
  2268. \[
  2269. \operatorname{Mor}_{\mathcal{D}}(\com{M} \otimes_A^{\text{L}} \com{N}, \com{P})
  2270. = \operatorname{Mor}_{\mathcal{D}}(\com{M}, \text{R}\com{\operatorname{Hom}}(\com{N} , \com{P} ))
  2271. .\] Insbesondere gilt folgende Funktoradjunktion in $\mathcal{D}$:
  2272. \[
  2273. - \otimes_A^{\text{L}} \com{N} \dashv \text{R}\com{\operatorname{Hom}}(\com{N}, -)
  2274. .\]
  2275. \end{korollar}
  2276. \begin{proof}
  2277. Wir können wieder annehmen, dass $\com{N}$ K-flach und $\com{P} $ K-injektiv ist.
  2278. Dann betrachte:
  2279. \begin{salign*}
  2280. \operatorname{Mor}_{\mathcal{D}}(\com{M} \otimes_A^{\text{L}} \com{N}, \com{P})
  2281. &\stackrel{\ref{satz:mork=mord-for-k-inj}}{=}
  2282. \operatorname{Mor}_{\mathcal{K}}(\com{M} \otimes_A^{\text{L}} \com{N}, \com{P}) \\
  2283. &\stackrel{\ref{hom-compl-cohomgroups}}{=}
  2284. H^{0}\com{\operatorname{Hom}}(\com{M} \otimes_A^{\text{L}} \com{N}, \com{P}) \\
  2285. &= H^{0}\com{\operatorname{Hom}}(\com{M} \otimes_A \com{N}, \com{P}) \\
  2286. &\stackrel{\ref{satz:adjunction-hom-tor-comp}}{=}
  2287. H^{0}\com{\operatorname{Hom}}(\com{M}, \com{\operatorname{Hom}}(\com{N}, \com{P})) \\
  2288. &\stackrel{\ref{hom-compl-cohomgroups}}{=}
  2289. \operatorname{Mor}_{\mathcal{K}}(\com{M}, \com{\operatorname{Hom}}(\com{N}, \com{P})) \\
  2290. &\stackrel{\ref{satz:mork=mord-for-k-inj}}{=}
  2291. \operatorname{Mor}_{\mathcal{D}}(\com{M}, \com{\operatorname{Hom}}(\com{N}, \com{P})) \\
  2292. &= \operatorname{Mor}_{\mathcal{D}}(\com{M}, \text{R}\com{\operatorname{Hom}}(\com{N}, \com{P}))
  2293. .\end{salign*}
  2294. Das vorletzte Gleichheitszeichen gilt erneut, weil nach \ref{satz:homs-of-k-flat-are-k-inj}
  2295. $\com{\operatorname{Hom}}(\com{N}, \com{P})$ K-injektiv ist.
  2296. \end{proof}
  2297. \bibliographystyle{alpha}
  2298. \bibliography{refs}
  2299. %% TODO: zitate richtig machen
  2300. %\begin{thebibliography}{9}
  2301. %\bibitem{hartshorne}
  2302. %Hartshorne, R. \emph{Residues and duality.} Lecture Notes in Math. 20, Springer-Verlag (1966)
  2303. %\bibitem{spaltenstein}
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  2305. %Spaltenstein, N. \emph{Resolutions of unbounded complexes.} Compositio Mathematica, Tome 65 (1988) no. 2, pp. 121-154. %http://www.numdam.org/item/CM_1988__65_2_121_0/
  2306. %\bibitem{set-theoretic}
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  2308. %Weibel, C. \emph{An Introduction to Homological Algebra}. Cambridge Studies in Advanced Mathematics. Cambridge: Cambridge University Press (1994).% doi:10.1017/CBO9781139644136
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  2310. %\end{thebibliography}
  2311. \end{document}