Schule als Staat Projekt Web, Dokumente, etc.
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354 行
18KB

  1. \documentclass{sasbase}
  2. \usepackage[ngerman]{babel}
  3. \usepackage{booktabs}
  4. \begin{document}
  5. \onecolumn
  6. \title{Schule als Staat - Resumee}
  7. \place{Flavigny-sur-Moselle}
  8. \datum{19. September 2018}
  9. \edition{1}
  10. \mytitle
  11. \setlength{\parindent}{0mm}
  12. \setlength{\parskip}{2mm}
  13. \section{Vorwort}
  14. Vorneweg soll gesagt werden, dass Schule als Staat ein schönes Projekt war, das nicht nur finanziell alle Erwartungen übertroffen hat,
  15. sondern auch darüberhinaus bei der Schulgemeinschaft im Großen und Ganzen gut angekommen ist.
  16. Dennoch sind im Laufe des Projekts, im Vorfeld während der
  17. Organisation und auch während der eigentlichen Projekttage einige
  18. Dinge aufgefallen, die bei einer etwaigen Wiederholung eines solchen
  19. Projekts zu vermeiden wären.
  20. Dieses kleine Resumee soll deshalb vor allem der konstruktiven
  21. Reflexion dienen und kommenden Organisationsgenerationen die
  22. Realisierung von Schule als Staat leichter machen.
  23. \section{Organisationsform}
  24. \subsection{Dynamik von Großprojekten}
  25. Dass Großprojekte in der Regel ähnliche Dynamiken aufweisen ist ja
  26. hinlänglich bekannt, am Ende hängt es an einer Handvoll Leuten, die
  27. das Projekt alleine reißen.
  28. Wir sind in die Organisation des Projekts mit einem überfüllten
  29. Klassenzimmer voller Schüler aller Klassenstufen von 7 bis 12
  30. gestartet. Zu den wöchentlichen Montagssitzungen in der Mittagspause,
  31. die ganze 40 Minuten gingen, kamen auch die ersten Wochen noch fast
  32. alle.
  33. Dabei stellte sich dann aber immer mehr raus, dass das Arbeiten mit
  34. 30 Leuten in einem Raum über 40 Minuten unglaublich unproduktiv ist
  35. und zu nichts führt. Deshalb wurden dann verschiedenste Komittees
  36. gegründet: Wirtschaft, Innen, Außen, Arbeit, Kultur, etc.
  37. Diese sollten sich daraufhin regelmäßig eigenständig treffen und dann
  38. in den Montagssitzungen ihre Arbeitsergebnisse vorstellen und am
  39. Besten im großen Gremium darüber abstimmen lassen.
  40. Wie das auch nicht anders zu erwarten war, schrumpfte die Zahl der
  41. Organisateure, die sich in irgend einer Form in diesen Arbeitsgruppen
  42. beteiligten deutlich zusammen, sodass sich zu solchen Arbeitssitzungen
  43. je nach Komittee so zwischen 3 und 8 Leuten einfanden.
  44. Da wurde dann mehr oder minder produktiv gearbeitet und so kam es
  45. dazu, dass bis 3 Wochen vor Start das Projekt unerreichbar weit weg
  46. schien. Dass sich dann die letzten drei Wochen Tag für Tag eine Handvoll Leute im Aufenthaltsraum des Schulgebäudes sich ihre Zeit um die
  47. Ohren geschlagen haben, war dann wie erwartet unser Schicksal.
  48. \subsection{Was besser machen?}
  49. Die Montagssitzungen waren schlicht und ergreifend nicht notwendig,
  50. sie waren nicht produktiv sondern meist mehr verwirrend, nicht nur
  51. weil sie sich meistens als quer-durch-den-raum-gespräch von einer
  52. Handvoll Leuten entwickelten.
  53. Anstattdessen hätte vielleicht ein kleineres Gremium von ein paar
  54. Hauptverantwortlichen gereicht, dass jeweils einen Verantwortlichen
  55. jeder Arbeitsgruppe beinhaltet. So ist Kommunikation zwischen
  56. den Arbeitsgruppen möglich, das schnelle Fällen von größeren
  57. Entscheidungen und eine klare Defintion der Verantwortlichkeit.
  58. Hier ist sicherlich die größte Schwierigkeit die geeigneten Hauptverantwortlichen für ein solches Gremium zu finden, das sollte sich aber
  59. eigentlich im Laufe der Zeit finden.
  60. \section{Organisation vs. Politik}
  61. \subsection{Träume von kompetenten Politikern und effizienter Politik}
  62. Im Kern war das Organisationsteam von Schule als Staat zum Zeitpunkt
  63. des Entstehens der Verfassung als Übergangserscheinung
  64. gedacht, die so bald wie möglich von den entsprechenden staatlichen
  65. Organen ersetzt wird. So wären wir schön raus gewesen, wir geben
  66. dem ganzen einen Rahmen, Verfassung, und organisieren den Start, die
  67. Parlamentswahlen, und danach sind wir fertig und lassen den Staat
  68. Staat werden.
  69. Nun, wie das nun mal so ist, sind nicht unbedingt die jenigen die
  70. kompetentesten Poltiker, die in Parlamente gewählt werden. So kam es
  71. dann wie es kommen musste: Das Parlament entwickelte bis zum
  72. Projektbeginn effektiv ein Gesetz, das kleinere Verordnungen zur
  73. Nachhaltigkeit beinhaltete, von dem nie irgendjemand was erfahren hat,
  74. geschweige denn, sich irgendjemand dran gehalten hat.
  75. So ging also unser schöner Plan nicht auf, schließlich plante das
  76. Organisationsteam doch alles. Das Parlament entwickelte sich also
  77. mehr und mehr in ein wahres Scheinparlament, das an der Gestaltung
  78. des Staates leider nichts beigetragen hat. Dennoch wollte unser
  79. rechtsstaatliches Grundprinzip, dass nicht das Organisationsteam
  80. über Gesetze entscheidet, sondern das Parlament. So mussten dann also
  81. regelmäßig Parlamentssitzungen abgehalten werden, zu denen
  82. glücklicherweise immer gerade so genug Parlamentarier aufgekreuzt
  83. sind, um beschlussfähig zu sein, um die vom Organisationsteam
  84. entworfenen Gesetze bzw. Beschlüsse abzunicken.
  85. \subsection{Realistisch bleiben}
  86. Man muss sich nichts vormachen, das Problem, dass gewählte Parlamente, besonders bei Schulprojekten, unproduktiv sind, war sicher hier kein
  87. Einzelfall. Deswegen ist ein anderes Konzept angebrachter.
  88. Das Organisationsteam organisiert das Projekt bis zum Projektbeginn,
  89. arbeitet Gesetze aus, fällt Entscheidungen, etc.
  90. Ein Monat vor Projektbeginn finden Parlamentswahlen statt, das Parlament trifft sich einmal im Vorhinein zu einer konstituierenden Sitzung
  91. und ist dann während des Projekts möglichst aktiv.
  92. \section{Politik bei Schule als Staat}
  93. \subsection{Politikverdrossenheit in Action}
  94. % niemand hat was mitbekommen
  95. Schule als Staat heißt nicht ohne Grund „Schule als Staat“ und nicht
  96. „Schule als Marktwirtschaft“. Dass das gar nicht so leicht ist, hat
  97. sich bei uns schnell herausgestellt. Von der Wirtschaft hat jeder
  98. einzelne etwas mitbekommen, ganz einfach weil jeder Schüler und jeder
  99. Lehrer in einem Betrieb arbeiten musste und da geht es nun mal darum
  100. Geld zu verdienen. Wer mehr verdient, kann sich mehr leisten, wer
  101. einen Betrieb selbst gründet ist freier als ein
  102. Angestellter. Das ist leicht zu erleben. Spannungen zwischen
  103. konkurrierenden Betrieben, Vorteile durch Verstaatlichung und Gefälle
  104. zwischen Arm und Reich, all das entwickelt sich fast wie
  105. selbstverständlich.
  106. Allerdings hat Schule als \textsc{Staat} eben einen höheren Anspruch,
  107. der Staat will auch Staat sein und dazu gehört einfach Politik. Es
  108. ist leicht zu sagen, dass die geringe politische Beteiligung der
  109. Schüler und Lehrer nach den Parlamentswahlen
  110. im Frühjahr, erschreckend echt die Realität
  111. abbildet und deshalb auch nicht anders zu erwarten ist. Es ist auch zu
  112. leicht zu sagen, dass die Politikverdrossenheit in Goethopia nur
  113. auf das völlige Desinteresse des Kanzlers und großen Teilen des
  114. Parlaments am politischen Geschehen der Projekttage zurückzuführen
  115. ist. Vielmehr gab es strukturelle Probleme, die selbst dem motivierten
  116. Bürger die politische Partizipation zu großen Teilen verwehrte.
  117. \subsection{Was besser machen?}
  118. Um alle Betriebe, Ministerien, etc. im Schulgebäude unterzubringen
  119. mussten Raumentscheidungen getroffen werden, die nicht immer zum
  120. Gunsten aller ausfallen können. Trotzdem erscheint die Platzierung des
  121. Parlaments im dritten Stockwerk in G302 und das Freihalten des großen
  122. Musiksaals in G101 für die handvoll Veranstaltungen, die während der
  123. vier Tage dort stattgefunden haben, im Nachhinein etwas fragwürdig.
  124. Ein einfacher Raumtausch hätte dem Parlament und den dort
  125. stattfindenden Sitzungen automatisch eine größere Öffentlichkeit
  126. beschert.
  127. Außerdem ist es kein Wunder wenn Parlamentssitzungen nicht deutlich
  128. sichtbar und hörbar angekündigt werden, dass diese dann auch keine
  129. Öffentlichkeit bekommen. Bei Ankündigung des Zeitpunkts und des Themas
  130. wie beispielsweise „Heute 10 Uhr Diskussion zur Veränderung des
  131. Steuersystems in G101“, wäre jedem Schüler und Lehrer die Möglichkeit
  132. gegeben gewesen, sich am politischen Leben zu beteiligen.
  133. Zudem führte die personelle Verschränkung des Parlamentspräsidenten
  134. mit dem lehrerseitigen Organisationsverantwortlichen zu einer geringen
  135. Verfügbarkeit einer Parlamentsleitung und verhinderte damit überhaupt
  136. das regelmäßige Stattfinden von Parlamentssitzungen.
  137. \section{Das Wirtschaftssystem}
  138. Wirtschaft ist kompliziert, auch in einem Schulprojekt. Für den
  139. nächtsten Abschnitt lohnt sich deshalb die Lektüre des
  140. Wirtschaftsthesenpapiers.
  141. \subsection{Übertriebene Panik}
  142. Worauf im Vorhinein wahrscheinlich am meisten
  143. Kopfzerbrechen gesteckt wurde, war die Finanzierung des Projekts. Denn
  144. schließlich stand ständig die Furcht im Raum, dass das Projekt die SMV
  145. für immer finanziell in die ewigen Jagdgründe verbannen könnte.
  146. Die Lösung dafür war letztlich das Einsammeln von 10€ pro
  147. Projektteilnehmer, die bei guter finanzieller Entwicklung einfach
  148. zum Schluss wieder zurückgezahlt werden konnten. Damit, dass das am
  149. Ende auch der Fall war, hatte ich lange Zeit nicht gerechnet, so
  150. unsicher schien der finanzielle Erfolg des Projekts. Erst als
  151. sämtliche Betriebskredite durch Sponsoren gedeckt waren, stellte sich
  152. bei mir eine gewisse Beruhigung ein. Mein eigenes Panikschieben
  153. führte dabei zu oft zur Verunsicherung vieler, die einen wichtigen
  154. Umstand viel früher als ausschlaggebend erkannt hatten: Wir spielen
  155. mit Spielgeld. Und solange es keinen Rücktausch des erwirtschafteten
  156. Spielgelds in Echtgeld gibt, kann ich nur sagen: „Das wird schon“.
  157. \subsection{Beschwerden, Beschwerden, Beschwerden über Beschwerden}
  158. Es lässt sich am Projektgewinn ablesen, finanziell und damit auch
  159. wirtschaftlich war das Projekt ein Gewinn. Dennoch wurden wir alle
  160. im Vorhinein und während der Projekttage mit Beschwerden nur so
  161. bombardiert. Da hörte ich so Sachen wie „Eine Umsatzsteuer gibt es in
  162. Deutschland gar nicht“, „In Deutschland ist das aber ganz anders“,
  163. „Bei Goethopia kann man gar keinen Gewinn machen“ und
  164. „Euer Wirtschaftssystem funktioniert hinten und vorne nicht“. Und Tag
  165. für Tag haben wir wieder und wieder die selben Fragen beantwortet,
  166. haben uns von Eltern anschreien lassen und die Überheblichkeit von
  167. vermeintlichen Wirtschaftsexperten zu spüren bekommen. Dass das
  168. kein Spaß macht ist leicht ersichtlich und dass ein wenig Nachdenken
  169. auch den „Wirtschaftsexperten“ nicht so schlecht stehen würde, ist
  170. denke ich klar.
  171. Eine Sache ist mir hier ganz wichtig: Schule als Staat hatte nicht den
  172. Anspruch Deutschland zu simulieren, das wollten wir nicht und das
  173. konnten wir auch nicht. Nur weil etwas anders ist als in Deutschland
  174. heißt es eben nicht, dass es falsch ist. In jeden Aspekt des
  175. Wirtschaftssystems sind lange Gedankengänge gegangen, wir haben jeden
  176. einzelnen Punkt mehrmals durchdiskutiert, ausgestritten und
  177. durchgerechnet. Selbstverständlich haben wir nicht die perfekte Lösung
  178. auf alle Fragen gefunden, aber wir haben eine solide und ganz wichtig
  179. eine Lösung gefunden, die funktioniert hat. Betriebe wie der
  180. „Hotdog Stand“ oder die „Crèpe Factory“ haben Gewinne ohne Ende
  181. erwirtschaftet, andere Betriebe haben keinen einzigen Tag grüne Zahlen
  182. geschrieben. So leid es mir tut, aber auch in einer simulierten
  183. Wirtschaft kann es nicht nur Gewinner geben. Wer rote Zahlen schreibt,
  184. seine Mitarbeiter nicht bezahlen kann, vom Staat bei der Bezahlung
  185. der Löhne unterstützt wird und dann noch erwartet Gewinne zu
  186. erwirtschaften, hat wohl die Selbstständigkeit ein wenig falsch
  187. verstanden.
  188. \subsection{Was besser machen?}
  189. Ein großes Problem des Projekts war wohl eindeutig das Beschäftigen
  190. aller Schüler in einem Betrieb, eine Schule mit etwa 700 Schülern
  191. ganz in Betrieben zu verteilen ist nicht leicht, vorallem weil nicht
  192. jedem Betrieb beliebig viele Mitarbeiter zuteilbar sind.
  193. Zettelwirtschaft, Missverständnisse und Zeitnot haben dazu geführt,
  194. dass sich viele Betriebe mit weniger Mitarbeitern, andere mit doppelt
  195. so vielen wie gewünscht, wiedergefunden haben. Die Frage, warum
  196. die Betriebsleiter eigentlich im Vorhinein Formulare ausfüllen
  197. sollten, um mitzuteilen, wie viele Mitarbeiter im eigenen Betrieb
  198. arbeiten sollen, wenn am Ende eh scheinbar willkürlich entschieden
  199. wurde, ist daher völlig berechtigt. Ähnliches gilt für die Listen, in
  200. denen sich die Schüler in die gegründeten Betriebe eintragen konnten,
  201. bei denen zu oft, zwar unabsichtlich aber dennoch willkürlich, Schüler
  202. an erster Stelle im Spüldienst landeten und der Listenletzte im
  203. Betrieb bleiben konnte.
  204. Für viele der scheinbar unverständlichen Zuteilungen gab es Gründe,
  205. oft zurückzuführen auf Aufsichtsprobleme oder Raumnöte. Für zu viele
  206. andere aber einfach keine. Da hätten wir uns mehr Zeit nehmen müssen,
  207. ordentlicher arbeiten müssen. Besonders wenn zu Beginn viele Leute
  208. an dem Prozess beteiligt sind, die natürlich nicht immer alle
  209. zusammen kommen können, entstehen verschiedene Listenversionen,
  210. zigtausende Zettel, verschiedenste Ordner und jede Menge Sucherei.
  211. Kurz: Chaos. Dass wir seit Beginn der Organsation eine Webseite mit
  212. verschiedenen Datenbanken für Betriebe besaßen, die nur darauf
  213. warteten gefüllt zu werden, scheint dabei verrückt.
  214. Es ist nicht sehr erstaunlich, dass wir, als eine Woche vor
  215. Projektbeginn dann doch die Webseite genutzt wurde und über ein paar
  216. Klicks die Zuteilung aller Schüler festgestellt werden konnte, endlich
  217. einen Überblick hatten. Deswegen der Appell: Unsere Welt wird nicht
  218. ohne Grund immer mehr digitalisiert, wer die Mittel nicht nutzt, darf
  219. sich im Nachhinein über Chaos nicht wundern.
  220. \section{Das Aufsichtsproblem: Ein Drama in 42 Akten}
  221. Eines Montags stießen wir eher zufällig auf ein kleines Problem:
  222. Schüler bis mindestens Klasse
  223. 7 müssen beaufsichtigt werden, auch während Schule als Staat.
  224. „Ja das ist ja kein Problem, einfach ein Lehrer pro Raum, fertig,
  225. darum kümmern wir uns wenn der Raumplan steht, das geht ja dann
  226. schnell“.
  227. Pustekuchen. Wenige Wochen vor dem Projekt die unangenehme Entdeckung:
  228. Deputatsstunden. Und leider viel zu wenige davon. So fingen wir an
  229. Lehrer auf Räume aufzuteilen, komplizierte Berechnungen anzustellen,
  230. so dass jeder Schüler bis Klasse 7 auch wirklich zumindest während
  231. seiner Arbeitszeit in dem Betrieb in dem er sich aufhält,
  232. beaufsichtigt ist. Da Lehrkräfte zudem noch von vorneherein bestimmte
  233. Tage völlig ausschlossen, weniger Deputatsstunden angaben, als wofür
  234. sie bezahlt wurden, sich untereinander nicht absprachen und dann
  235. teilweise während des Projekts einfach nicht zu ihren Aufsichtszeiten
  236. aufgetaucht sind, endete das Aufsichtsproblem in einer Tragödie, die
  237. noch nach dem Projekt nach ihrem Sinn schreit.
  238. Um eine theoretische Beaufsichtigung aller Unterstufenschüler zu
  239. gewährleisten, begannen wir also wieder Schüler umzuverteilen,
  240. Betriebe räumlich geschickt zusammen zu legen und mit den wenigen
  241. hilfsbereiten Lehrkräften zu reden, die netterweise bereit waren
  242. Überstunden zu machen.
  243. Nach Raumplan Nummer 17 und Aufsichtsplan Nummer 25 zeigte uns unser
  244. Datenbanksystem grünes Licht. Alle Schüler sind beaufsichtigt. Und
  245. dann begann das Projekt und wir verbrachten, wie nicht anders zu
  246. erwarten, viel Zeit damit im Gebäude auf und ab zu rennen und mit
  247. den hilfsbereiten Lehrkräften zu sprechen und sie zu bitten noch
  248. hier und dort bei der Aufsicht auszuhelfen.
  249. Was zurückbleibt sind zwei Erkenntnisse. Zum einen, dass die Koordination von Lehrkräften viel Zeit braucht und zum zweiten, dass Lehrer,
  250. die es an einer Schule nunmal gewohnt sind, das Sagen zu haben, nicht
  251. gerne gesagt bekommen, wann sie wo zu sein haben. Viele können sich
  252. damit arrangieren, wenige sind sogar sehr entgegenkommend und
  253. hilfsbereit.%, zu viele wählen aber die Rückkehr in die Trotzphase.
  254. \section{Der Informationskrieg}
  255. Besonders wenn man sehr in der Organisation involviert ist, bei vielen
  256. Schritten selbst dabei ist, lässt es sich leicht das Gefühl verlieren,
  257. wie klar der Rest des Organisationsteams, der Schüler, die Lehrer,
  258. die Schulleitung und die Eltern über das Projekt informiert sind.
  259. Uns ist das an vielen verschiedenen Stellen des Projekts passiert,
  260. es wurde nicht ausreichend kommuniziert, Entscheidungen gefällt ohne
  261. allen Beteiligten Bescheid zu geben, Dinge erwartet, von denen die
  262. Betroffenen gar nichts wussten. Das lag zwar oft daran, dass wir
  263. zeitlich im Verzug waren, manche Informationen nicht so richtig
  264. feststanden, oft aber auch daran, dass für uns längst
  265. selbstverständliche Informationen nicht mitgeteilt wurden.
  266. Das heißt nicht, dass alle alles wissen müssen. Viel mehr muss jede
  267. Gruppe rechtzeitig die konkreten Infos haben, die sie braucht. Das
  268. schafft Klarheit, aber auch Vertrauen in das Organisationsteam.
  269. Besonders wichtig ist dabei, dass Informationen gebündelt
  270. transportiert werden, wenn wenige Tage vor dem Projekt nochmal eine
  271. Last-Minute-Rundmail an die Eltern verschickt wird, obwohl eine Woche
  272. vorher ein Elternbrief verteilt wurde, ist was schiefgelaufen.
  273. Information bedeutet immer auch Festlegung. Was einmal verkündet ist,
  274. ist nur noch schwierig zu ändern. Verkündungen helfen deshalb auch
  275. Entscheidungen zu fällen, bei denen sich das Organisationsteam schwer
  276. tut, sind deswegen aber auch bewusst und überlegt zu tätigen.
  277. Ob alle informiert sind, hängt wohl am meisten davon ab, wie die
  278. Informationen zum Empfänger gelangen, dabei hängt der beste
  279. Kommunikationsweg sehr stark von der zu informierenden Gruppe ab.
  280. Mit Lehrern und Eltern lässt es sich vielleicht am einfachsten per
  281. Email kommunizieren, bei Schülern oft über den Vertretungsplan oder
  282. Stelltafeln, die Wahl des richtigen Mittels ist mindestens so wichtig
  283. wie die transportierten Informationen.
  284. \section{Schlussworte}
  285. Schule als Staat war ein schönes und lehrreiches Projekt, bei dem
  286. vieles geklappt hat, vieles nicht geklappt hat. Ich hoffe, dass die
  287. genannten Punkte euch, zukünftigen Organisationsteamgenerationen, ein
  288. wenig weiterhelfen. Es lohnt sich ganz
  289. sicher anzuschauen, was wir gemacht haben, Formulare, Thesenpapiere,
  290. etc. Trotzdem ist ganz wichtig, macht euer eigenes Projekt daraus,
  291. scheut euch nicht, neue Dinge auszuprobieren und euer perfektes
  292. Projekt zu kreieren.
  293. \end{document}