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\documentclass{lecture}
\begin{document}
\begin{definition}[Positivität]
Sei $\left( K, +, \cdot, > \right)$ ein angeordneter Körper.
$a \in K $ heißt positiv falls $a > 0$.
$a \in K$ heißt negativ falls $a < 0$.
\[
K^{+} := \{a \in K \mid a > 0\}
.\]
\[
K^{-} := \{a \in K \mid a < 0\}
.\]
Ordnungsrelation für $a, b \in K$
\begin{align*}
a < b \iff b - a \in K^{+} \\
b > a:\iff a < b \\
a \le b: \iff a < b \wedge a = b \\
b \ge a: \iff a \le b \\
.\end{align*}
Für je zwei $a \in K, b \in K$ gilt genau eine der Relationen
$a<b, a = b, a >b$.
\end{definition}
Es gelten folgende Regeln:
\begin{itemize}
\item $a < b, b < c \implies a < c$ Transitivität
\item $a < b \implies a + c < b +c, c \in K$
\item $a < b \implies a \cdot c < b \cdot c, c \in K^{+}$
\item $a \ge b, b \ge a \iff a = b$
\item $a < b, a > 0, b > 0 \iff \frac{1}{a} > \frac{1}{b}$
\end{itemize}
\begin{bsp}[Positivität auf $\Q$]
\[
\Q^{+} := \left\{a \in Q \mid a = \frac{r}{s} , r, s \in \N\right\}
.\]
\end{bsp}
\begin{definition}[Absolutbetrag]
Sei $(K, +, \cdot, >$ ein angeordneter Körper
Dann ist
\[
|a| := \begin{cases}
a & \text{für } a > 0 \\
0 & \text{für } a = 0 \\
-a & \text{für } a < 0 \\
\end{cases}
.\]
eine Abbildung $|\cdot|$: $K \to K$ mit den Eigenschaften:
\begin{itemize}
\item $|a| = 0 \iff a = 0$ (Definitheit)
\item $|ab| = |a| |b|$ (Multiplikativität)
\item $|a+b| \le |a| + |b|$ (Dreiecksungleichung)
\end{itemize}
\end{definition}
\begin{proof}[Beweis der Dreiecksungleichung]
Beobachtung: $\pm a \le |a| \implies a + b \le |a| + |b|
\implies -(a+b) \le |a| + |b|$
\end{proof}
Es folgt aus den Eigenschaften:
\begin{itemize}
\item $|a-b| = 0 \implies a = b$
\item $|-a| = |a|$
\item $|\frac{a}{b}| = \frac{|a|}{|b|}, b \neq 0$
\item $| |a| - |b| | \le |a - b| $
(folgt aus: $|a| = |a-b+b| \le |a-b| + |b|$ und
$|b| = |b - a + a| \le |b-a| + |a|$)
\end{itemize}
\begin{satz}[Dezimalbruchdarstellung]
Jede rationale Zahl $a$ besitzt eine endliche
oder periodische Dezimalbruchdarstellung der Form:
\[
a = \pm (a_0 + 0,d_1\ldots d_s): \iff
a = \pm \left(a_0 + \sum_{k=1}^{s} d_k \cdot 10^{-k}\right)
.\] bzw.
\[
a = \pm (a_0 + 0,d_1\ldots d_s \overline{d_{s+1} \ldots d_{s+t}})
.\]
$a_0 \in N_0, d_1\ldots d_s \in \{0, 1, \ldots ,9\}$ Ziffern
Umgekehrt stellt jede Dezimalbruchzerlegung dieser Art eine rationale
Zahl dar.\\
Hier: bei periodischen Dezimalbrüchen ist die Periode $\overline{9}$
nicht zugelassen:
\[
a_0,d_1\ldots d_{k-1} d_k \overline{9}
:= a_0 + 0,d_1\ldots d_k (d_k+1), d_k < 9
.\]
\end{satz}
\begin{proof}
Siehe Lehrbuch
\end{proof}
\chapter{Die Reellen Zahlen}
\section{Von den rationalen Zahlen zu den reellen Zahlen}
\begin{lemma}[Irrationalität der Quadratwurzel]
Die quadratische Gleichung $x^2 = 2$ besitzt keine rationale
Lösung.
\end{lemma}
\begin{proof}[Beweis durch Widerspruch]
Angenommen: Es existiert eine rationale Lösung
\[
x := \sqrt{2} = \frac{r}{s}
.\] mit Zahlen $r \in \Z$ und $s \in \N$.
O.B.d.A. (Ohne Beschränkung der Allgemeinheit) nehmen wir
an, dass $r$ und $s$ teilerfremd sind.
Dann gilt: $r \neq 0$ und $r^2 = 2s^2$ und $\frac{1}{2}r^2 = s^2$.
Also muss $r^2$ und auch $r$ gerade sein, denn $(2n+1)^2 = 4n^2+ 4n +1$
ungerade (Kontraposition).
Damit sind auch $\frac{1}{2}r^2$ gerade und $s^2$ gerade.
Aber wegen Teilerfremdheit können $r^2$ und $s^2$ nicht beide
durch zwei teilbar sein. $\implies$ Widerspruch zur Annahme
\end{proof}
\begin{bem}
Allgemeiner: ,,quadratische'' Gleichung
\[
a+bx +c x^2 = 0
.\] ist nicht für beliebig gewählte $a, b, c \in \Q$ durch
ein $x \in \Q$ lösbar.
\end{bem}
\begin{bem}[Beweisarten]
Direkter Beweeis:
\[
E \implies E_1 \implies E_2 \implies \ldots \implies E_k \implies V
.\] Indirekter Beweis: Zeigen $E$ und $\neg V$ immer
falsch. Da $E$ immer wahr ist, muss $\neg V$ falsch sein.
Da $\neg V$ falsch ist, ist $V$ wahr.
\end{bem}
\textbf{Ziel}: Konstruiere rationale Zahlen, welche die
Gleichung $x^2 = 2$ mit zunehmender Genauigkeit erfüllen,
z.B. rekursiv durch Einschließung mit Hilfe von Dezimalbrüchen.
Wir nutzen die Eigenschaft: $a, b > 0$ und $a^2 < b^2 \implies a < b$, folgt
aus:
\[
b^2 - a^2 = (b-a)(b+a), (b+a > 0)
.\]
Start: $a_1 := 1,4$, $b_1 := 1,5$ mit
$a_1 < b_1, a_1^2 = 1,96 < 2 < 2,25 = b_1^2$
2 Fälle:
Fall a) Es liege für ein $n \in \N$ eine Einschließung vor:
\[
a_n = 1,d_1d_2, \ldots d_{n-1}d_n < b_n = 1,d_1d_2\ldots d_{n-1}(d_n + 1)
.\]
\[
a_n^2 < 2 < b_n^2
.\] $d_k \in \{0,1, \ldots, 9\}, k=1 \ldots n-1, d_n \le 8 $
Die nächste Einschließung ist
\[
a_{n+1} := 1,d_1\ldots d_n, d_{n+1} \qquad d_{n+1} \in \{0,1,\ldots_,9\}
.\] $a_{n+1}$ möglichst groß aber $a_{n+1}^2 < 2$.
und
\[
b_{n+1} := \begin{cases}
1,d_1, \ldots d_n (d_{n+1} + 1) & \text{für } d_{n+1} \le 8 \\
1,d_1, \ldots (d_n + 1) 0 & \text{für } d_{n+1} = 9 \\
\end{cases}
.\] Nach Konstruktion:
\[
a_n < a_{n+1} < b_{n+1} < b_n
.\]
\[
a_{n+1}^2 < 2 < b_{n+1}^2
.\]
Fall b) Für ein $n \in \N$ liegt eine Einschließung vor
\[
a_1 = 1, d_1\ldots d_{n-1} d_{n} < b_{n} = 1, d_1 d_2 \ldots d_{n-1} (d_n + 1) 0 \ldots 0
.\]
\[
a_n^2 < 2 < b_n^2 \text{ mit } d_k \in \{0, 1, \ldots ,9\}, k=1 \ldots n-1
.\]
\[
d_n \le 8, d_{n+1} = \ldots = d_n = 9
.\]
Die nächste Einschließung
\[
a_{n+1} := 1,d_1 \ldots d_{n}, d_{n+1}, d_{n+1} \in {0, 1, \ldots, 9}
.\] $a_{n+1}$ möglichst groß, aber $a_{n+1}^2 < 2$.
\[
b_{n+1} = \begin{cases}
1,d_1\ldots d_n (d_{n+1} + 1) & \text{für } d_{n+1} \le 8 \\
1,d_1\ldots d_{m-1}(d_m + 1) 0 \ldots 0 & \text{für } d_{n+1} = 9
\end{cases}
.\] Der Fall b) kann nur endlich oft hintereinander auftreten, dann wäre
$a_n = b_n$ ab einem gewissen n und folglich $a_n ^2 = 2$
Nach Konstruktion:
\[
a_n < a_{n+1} < b_{n+1} < b_n
.\]
\[
a_{n+1}^2 < 2 < b_{n+1}^2
.\] Wir erhalten 2 Folgen $(a_n)_{n \in \N}$ und $(b_n)_{n \in N}$ mit
den Eigenschaften
\[
1,4 = a_1 \le \ldots \le a_n \le a_{n+1} < b_{n+1} \le b_n \le \ldots b_1 = 1,5
.\] Konkret: $a_1 = 1,4$, $a_2 = 1,41$, $a_3 = 1,414$
$b_1 = 1,5$, $b_2 = 1,42$, $b_3 = 1,415$
Abstand $b_n - a_n \le 10^{-n}$, $n \in \N$ wird immer kleiner
$\implies$ wir sollen die Zahl $\sqrt{2}$ eventuell erfassen!
\begin{definition}[Zahlenfolge]
Eine Menge $(a_n)_{n \in \N}$ nummerierter rationaler Zahlen wird
,,Folge'' genannt.
\end{definition}
\begin{bsp}
$a_n = 1 + \frac{1}{n}$
$a_1 = 2$, $a_2 = \frac{3}{2}$, $a_3 = \frac{5}{4}$
\end{bsp}
Offenbar, $1 + \frac{1}{n} \to 1, n \to \infty$
bzw.
\[
\lim_{n \to \infty} \left(1+ \frac{1}{n}\right) = 1
.\] d.h. Folge konvergiert gegen 1
\begin{definition}[Konvergenz]
Eine Folge $(a_n)_{n \in \N}$ heißt konvergent, gegen einen ,,Limes''
a, wenn gilt:
\[
|a_n - a| \to 0, n \to \infty
.\] Falls $|a_n|$, $n \to \infty$ heißt $(a_n)_{n \in \N}$
strikt divergent.
Präziser (Cauchy)
Eine Folge $(a_n)_{n \in N}$ ist ,,konvergent'' gegen einen
Grenzwert a, wenn:
\[
\forall \epsilon > 0: \exists n := n(\epsilon) = n_{\epsilon}
.\] sodass
\[
|a_n - a| < \epsilon \text{ für } n \ge n_{\epsilon}
.\]
\end{definition}
\end{document}