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2749 Zeilen
130KB

  1. \documentclass{arbeit}
  2. \author{Christian Merten\\[1cm]
  3. {\small Betreuung durch: Prof. Dr. Alexander Schmidt,
  4. Dr. Marius Leonhardt}}
  5. \title{Auflösung unbeschränkter Komplexe}
  6. \usepackage{tikz-cd}
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  12. %\newcommand{\smallbullet}{\tikz \draw (0,0) circle (1.5pt);}
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  16. \bfseries\abstractname
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  18. {\vfill}
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  20. \newcommand{\K}{\mathcal{K}}
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  51. \begin{document}
  52. \begin{titlepage}
  53. \begin{center}
  54. \vspace*{4cm}
  55. \textsc{Bachelorarbeit} \\[1cm]
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  57. \LARGE
  58. \textbf{Auflösung unbeschränkter Komplexe}
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  62. \large
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  66. \vspace{1cm}
  67. Heidelberg, 2. Mai 2022
  68. }
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  70. \small
  71. \textsc{Betreuung durch}\\[5mm]
  72. \begin{tabular}{c}
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  75. \end{tabular}
  76. \end{center}
  77. \end{titlepage}
  78. \clearpage
  79. \selectlanguage{german}
  80. \pagenumbering{gobble}
  81. \begin{abstract}
  82. Wir geben eine Einführung in die Konstruktion von derivierten Kategorien und
  83. abgeleiteten Funktoren. Danach konstruieren wir verschiedene Auflösungen
  84. unbeschränkter Komplexe von Moduln über einem Ring und wenden dies
  85. letztendlich an, um die Existenz der abgeleiteten Funktoren von Hom und Tensorprodukt
  86. zu zeigen und das klassische Adjunktionsresultat auf die abgeleiteten Funktoren
  87. zu übertragen.
  88. \end{abstract}
  89. \selectlanguage{english}
  90. \begin{abstract}
  91. We give an introduction to the construction of derived categories and derived
  92. functors. Then we construct various resolutions of unbounded
  93. complexes of modules over a ring, which we finally apply to show
  94. the existence of the derived functors of Hom and tensorproduct and to transfer the
  95. classical adjunction to the derived functors.
  96. \end{abstract}
  97. \selectlanguage{german}
  98. \clearpage
  99. \tableofcontents
  100. \newpage
  101. \pagenumbering{arabic}
  102. \section{Einleitung}
  103. %Aus der kommutativen Algebra ist für einen kommutativen Ring $A$ und $A$-Moduln
  104. %$M, N, P$ die Adjunktion
  105. %\[
  106. %\text{Hom}_A(M \otimes_A N, P) = \text{Hom}_A(M, \text{Hom}_A(N, P))
  107. %\] bekannt. In der klassischen homologischen Algebra definiert man außerdem
  108. Aus der kommutativen Algebra ist für einen kommutativen Ring $A$ und einen $A$-Modul
  109. $N$ die Adjunktion
  110. \[
  111. - \otimes_A N \dashv \operatorname{Hom}_A(N, -)
  112. \] bekannt. In der klassischen homologischen Algebra definiert man
  113. die Funktoren $\operatorname{Ext}_A^{i}(N, -)$ und $\operatorname{Tor}_i^{A}(-, N)$ als
  114. Ableitungen der Funktoren $\operatorname{Hom}_A(N, -)$ und $- \otimes_A N$. Nun stellt sich
  115. die Frage, ob zwischen diesen ein analoges Adjunktionsresultat gilt.
  116. Die Antwort ist nein, denn angenommen $\operatorname{Ext}_A^{i}(N, -)$ ist rechtsadjungiert, dann
  117. folgt, dass $\operatorname{Ext}_A^{i}(N, -)$ linksexakt ist. Die exakte Folge
  118. \[
  119. \begin{tikzcd}
  120. 0 \arrow{r} & \Z \arrow{r}{\cdot 2} & \Z \arrow{r} & \Z / 2 \Z \arrow{r} & 0
  121. \end{tikzcd}
  122. \] in $\Z$-Mod liefert die exakte Folge
  123. \[
  124. \begin{tikzcd}
  125. \underbrace{\operatorname{Ext}^{0}_{\Z}(\Z / 2\Z, \Z)}_{= 0} \arrow{r} &
  126. \underbrace{\operatorname{Ext}^{0}_{\Z}(\Z / 2\Z, \Z / 2 \Z)}_{\neq 0} \arrow{r}
  127. & \operatorname{Ext}^{1}_{\Z}(\Z / 2 \Z, \Z) \arrow{r}
  128. & \operatorname{Ext}^{1}_{\Z}(\Z / 2 \Z, \Z)
  129. \end{tikzcd}
  130. .\] Aber $\operatorname{Ext}_{\Z}^{0}(\Z / 2 \Z, \Z / 2 \Z) = \operatorname{Hom}_{\Z}(\Z / 2 \Z, \Z / 2 \Z) \neq 0$
  131. und $\operatorname{Ext}_{\Z}^{0}(\Z / 2 \Z, \Z) = \operatorname{Hom}_{\Z}(\Z / 2 \Z, \Z) = 0$, also ist
  132. $\operatorname{Ext}_{\Z}^{1}(\Z / 2 \Z, \Z) \to \operatorname{Ext}^{1}_{\Z}(\Z / 2 \Z, \Z)$ nicht injektiv.
  133. Es liegt also nahe, dass der klassische Ableitungsbegriff unvollständig ist.
  134. Im \ref{sec:derived-cat}. Abschnitt wird deshalb ein allgemeinerer Ableitungsbegriff
  135. dargestellt.
  136. Um diesen zu finden,
  137. betrachtet man zunächst die Bildung von klassischen Ableitungen.
  138. %Konstruktion eines neuen Ableitungsbegriffs führt zum Begriff der derivierten Kategorie:
  139. %Sei $\mathcal{A}$ eine abelsche Kategorie und sei $\mathcal{K}(\mathcal{A})$ die Homotopiekategorie
  140. %von $\mathcal{A}$, das heißt die Kategorie, deren Objekte Komplexe aus $\mathcal{A}$ und
  141. %deren Morphismen Homotopieäquivalenzklassen von Komplexhomomorphismen sind.
  142. Dazu seien $\mathcal{A}, \mathcal{B}$ abelsche Kategorien und $\mathcal{A}$ habe
  143. genügend viele Injektive.
  144. Sei $F\colon \mathcal{A} \to \mathcal{B}$ ein additiver und linksexakter Funktor und
  145. $X \in \mathcal{A}$. Dann existiert eine injektive Auflösung von $X$, also ein Komplex
  146. $\com{I}$ in $\mathcal{A}$ mit injektiven Objekten, sodass
  147. \[
  148. \begin{tikzcd}
  149. 0 \arrow{r} & X \arrow{r} & I^{0} \arrow{r} & I^{1} \arrow{r} & \cdots
  150. \end{tikzcd}
  151. \] exakt ist oder, äquivalent dazu, dass die vertikalen Morphismen in
  152. \begin{equation}
  153. \begin{tikzcd}
  154. \cdots \arrow{r} & 0 \arrow{r} \arrow{d} & X \arrow{r} \arrow{d} & 0 \arrow{r} \arrow{d} & \cdots \\
  155. \cdots \arrow{r} & 0 \arrow{r} & I^{0} \arrow{r} & I^{1} \arrow{r} & \cdots
  156. \label{eq:resolution}
  157. \end{tikzcd}
  158. \end{equation}
  159. einen Quasiisomorphismus bilden, das heißt ein Komplexhomomorphismus, der Isomorphismen auf
  160. den Kohomologiegruppen induziert. Die Ableitungen von $F$ bei $X$ sind nun die Kohomologiegruppen
  161. des Komplexes $F(\com{I})$. Man zeigt dann aufwendig, dass dieser Prozess wohldefiniert ist, das
  162. heißt insbesondere nicht von der Wahl der injektiven Auflösung von $X$ abhängt.
  163. Anstatt den abgeleiteten Funktor von $F$ auf $\mathcal{A}$ zu konstruieren, definiert man nun
  164. die Ableitung auf einer Komplexkategorie von $\mathcal{A}$, das heißt einer Kategorie, deren
  165. Objekte Komplexe mit Objekten aus $\mathcal{A}$ sind. Bezeichne mit $X[0]$ den oberen Komplex
  166. in \eqref{eq:resolution}. Dann ist es natürlich zu fordern, dass die Ableitung von $F$ bei
  167. $X[0]$ bis auf Isomorphie mit der Ableitung von $F$ bei $\com{I}$ und bei allen weiteren injektiven
  168. Auflösungen von $X$ übereinstimmt.
  169. Dies führt zu der Idee, Objekte (und allgemeiner Komplexe) auf kategorieller Ebene
  170. mit ihren Auflösungen zu identifizieren,
  171. also eine geeignete Kategorie von Komplexen zu finden,
  172. in der quasiisomorphe Komplexe bereits isomorph sind.
  173. Dazu kann man zunächst zur
  174. Kategorie $\mathcal{K}(\mathcal{A})$ übergehen, deren
  175. Objekte Komplexe aus $\mathcal{A}$ und deren Morphismen
  176. Homotopieäquivalenzklassen von Komplexhomomorphismen sind. Allerdings ist ein Quasiisomorphismus im
  177. Allgemeinen keine Homotopieäquivalenz. Deshalb konstruiert man eine weitere Kategorie
  178. $\mathcal{D}(\mathcal{A})$, die derivierte Kategorie von $\mathcal{A}$, mit den Objekten
  179. von $\mathcal{K}(\mathcal{A})$, wobei alle Quasiisomorphismen in $\mathcal{K}(\mathcal{A})$
  180. Isomorphismen in $\mathcal{D}(\mathcal{A})$ induzieren. Man erhält einen kanonischen Funktor
  181. $Q_{\mathcal{A}}\colon \mathcal{K}(\mathcal{A}) \to \mathcal{D}(\mathcal{A})$.
  182. Die (Rechts-)Ableitung von $F$ ist nun (falls existent) ein Funktor
  183. $\text{R}F\colon \mathcal{D}(\mathcal{A}) \to \mathcal{D}(\mathcal{B})$ mit
  184. einer natürlichen Transformation
  185. $\xi\colon Q_{\mathcal{B}} \circ F \to \text{R}F \circ Q_{\mathcal{A}}$, sodass
  186. eine gewisse universelle Eigenschaft erfüllt ist.
  187. Im Allgemeinen ist die Existenz von $\text{R}F$ eine schwierige Frage, in der klassischen
  188. Situation existiert $\text{R}F$ jedoch zumindest
  189. auf der Unterkategorie $\mathcal{D}^{+}(\mathcal{A})$ der
  190. nach unten beschränkten Komplexe und die Kohomologiegruppen $H^{i}\text{R}F(X[0])$ stimmen
  191. mit den klassischen Rechtsableitungen $\text{R}^{i}F(X)$ überein. Vom klassischen Standpunkt
  192. erwartungsgemäß, induziert die natürliche Transformation $\xi$ auf der Klasse der nach
  193. unten beschränkten Komplexe mit injektiven Objekten Isomorphismen, das heißt $F$ stimmt mit
  194. seiner Ableitung $\text{R}F$ auf diesen Komplexen überein.
  195. Dieser neue Ableitungsbegriff erlaubt auf natürliche Weise auch Funktoren\footnote{Unter Voraussetzung
  196. einer schwachen Bedingung an $F$, die beispielsweise erfüllt ist, wenn
  197. $F$ von einem additiven Funktor
  198. $\mathcal{A} \to \mathcal{B}$ induziert ist.}
  199. $F\colon \mathcal{K}(\mathcal{A}) \to \mathcal{K}(\mathcal{B})$ zuzulassen.
  200. Analog zur klassischen
  201. Theorie ist dann die Existenz der Ableitung von $F$ gesichert durch:
  202. \begin{enumerate}[(1)]
  203. \item eine Unterkategorie $\mathcal{J}$ von $\mathcal{K}(\mathcal{A})$
  204. für die $F$ Exaktheit erhält, und
  205. \item für jeden Komplex einen Quasiisomorphismus in einen Komplex aus $\mathcal{J}$.
  206. \end{enumerate}
  207. In diesem Fall induziert $\xi$ auf den Komplexen aus $\mathcal{J}$ Isomorphismen, das heißt
  208. Ableitungen berechnen sich, analog zur klassischen Situation, durch Auflösungen durch Komplexe
  209. aus $\mathcal{J}$.
  210. Besonders die zweite Bedingung ist für beliebige abelsche Kategorien nur
  211. sehr schwer zu erfüllen und hängt durch $\mathcal{J}$ von dem konkreten Funktor $F$ ab. Spaltenstein
  212. hat das in seiner
  213. Arbeit ,,Resolution of unbounded complexes`` \cite{spaltenstein}
  214. für zahlreiche Funktoren unter wenigen Voraussetzungen
  215. an die beteiligten Kategorien gelöst. Die vorliegende Arbeit stellt im
  216. \ref{sec:resolutions}. Abschnitt sein Argument dar, um dies im \ref{sec:application}.
  217. Abschnitt auf den Homfunktor und das Tensorprodukt anzuwenden.
  218. Dafür erweitern wir die Funktoren $\operatorname{Hom}_A(N, -)$ und $- \otimes_A N$ in natürlicher Weise
  219. zu Funktoren $\mathcal{K}(A\text{-Mod}) \to \mathcal{K}(\mathcal{A}b)$
  220. bzw $\mathcal{K}(A\text{-Mod}) \to \mathcal{K}(A\text{-Mod})$, sodass die Erweiterungen,
  221. angewendet auf eingradige Komplexe, mit den ursprünglichen Funktoren übereinstimmen. Der naive
  222. Ansatz $\operatorname{Hom}_A(N, -)$ bzw. $\operatorname{Hom}_A(-, N)$ in beiden Variablen zu erweitern,
  223. indem für Komplexe $\com{M}, \com{N} \in \mathcal{K}(A\text{-Mod})$ gradweise
  224. $\operatorname{Hom}_A(M^{i}, N^{i})$ gebildet wird, ist nicht hinreichend,
  225. denn dieser neue Komplex enthielte keine Informationen über die Komplexhomomorphismen
  226. von $\com{M}$ nach $\com{N}$.
  227. %Die Idee
  228. %der derivierten Kategorie kommt von der Beobachtung, dass vor allem die Kohomologiegruppen von
  229. %Komplexen von Interessse sind. Allerdings ist ein Quasiisomorphismus
  230. %$f\colon \com{X} \to \com{Y}$ zwischen Komplexen $\com{X}, \com{Y} $ in $\mathcal{A}$,
  231. %also ein Komplexhomomorphismus, der Isomorphismen zwischen den Kohomologiegruppen induziert,
  232. %im Allgemeinen keine Homotopieäquivalenz, das heißt kein Isomorphismus in $\mathcal{K}(\mathcal{A})$.
  233. %Diesen Defekt behebt die deriverte Kategorie $\mathcal{D}(\mathcal{A})$, die die selben Objekte
  234. %hat wie $\mathcal{K}(\mathcal{A})$ und in der alle Quasiisomorphismen zu Isomorphismen erklärt
  235. %werden. Bezeichne im Folgenden
  236. %$Q_{\mathcal{A}}\colon \mathcal{K}(\mathcal{A}) \to \mathcal{D}(\mathcal{A})$ den kanonischen Funktor.
  237. %Sei nun $\mathcal{B}$ eine weitere abelsche Kategorie und $F\colon \mathcal{A} \to \mathcal{B}$
  238. %ein additiver Funktor. Dann definiert man einen Funktor
  239. %$\text{R}F\colon \mathcal{D}(\mathcal{A}) \to \mathcal{D}(\mathcal{B})$
  240. %mit einer natürlichen Transformation
  241. %$\xi\colon Q_{\mathcal{B}} \circ F \to \text{R}F \circ Q_{\mathcal{A}}$. Für ein Objekt
  242. %$X \in \mathcal{A}$ bezeichne $X[0] \in \mathcal{K}(\mathcal{A})$ den Komplex der im Grad $0$ $X$
  243. %zu stehen hat und in allen anderen Graden $0$ ist.
  244. %Falls $F$ linksexakt ist,
  245. %existiert $\text{R}F$ und die Kohomologiegruppen $H^{i}\text{R}F(X[0]) $ entsprechen
  246. %den klassischen Rechtsableitungen $\text{R}^{i}F(X)$. Allgemeiner definiert man $\text{R}F$
  247. %für bestimmte Funktoren $F\colon \mathcal{K}(\mathcal{A}) \to \mathcal{K}(\mathcal{A})$. Das
  248. %bedeutet der neue Ableitungsbegriff ist eine echte Verallgemeinerung des alten.
  249. %Um die abgeleitete Hom-Tensor Adjunktion zu formulieren, werden die Funktoren $\operatorname{Hom}_A(N, -)$
  250. %und $- \otimes_A N$ in natürlicher Weise zu Funktoren
  251. %$\mathcal{K}(A\text{-Mod}) \to \mathcal{K}(A\text{-Mod})$ erweitert, sodass
  252. %die Erweiterungen, angewendet auf eingradige Komplexe, mit den ursprünglichen Funktoren
  253. %übereinstimmen. Der so (in beiden Variablen) funktoriell definierte Komplex
  254. %$\com{\operatorname{Hom}}(\com{M}, \com{N})$ für
  255. %Komplexe $\com{M}, \com{N} \in \mathcal{K}(A\text{-Mod})$ soll dabei Informationen über die
  256. %Morphismen in $\mathcal{K}(A\text{-Mod})$ von $\com{M} $ nach $\com{N} $ enthalten. Man definiert
  257. %also für $n \in \Z$
  258. Anstatt dessen definiert man für $n \in \Z$ und Komplexe $\com{M}, \com{N} \in
  259. \mathcal{K}(\mathcal{A})$:
  260. \[
  261. \operatorname{Hom}^{n}(\com{M}, \com{N}) = \prod_{i \in \Z} \operatorname{Hom}_A(M^{i}, N^{i+n})
  262. \] mit Differential
  263. \[
  264. d^{n}(f) = d_{\com{N} } f - (-1)^{n} f d_{\com{M}}
  265. .\] Dann erhält man den Zusammenhang
  266. \[
  267. H^{0}\com{\operatorname{Hom}}(\com{M}, \com{N}) = \operatorname{Mor}_{\mathcal{K}}(\com{M}, \com{N})
  268. .\]
  269. Für $\com{M}, \com{N} \in \mathcal{K}(A\text{-Mod})$ definiert man nun
  270. $\com{M} \otimes_A \com{N}$ so, dass man, analog zur klassischen Adjunktion, für
  271. $\com{P} \in \mathcal{K}(A\text{-Mod})$ einen natürlichen Isomorphismus
  272. \[
  273. \com{\operatorname{Hom}}(\com{M} \otimes_A \com{N}, \com{P}) =
  274. \com{\operatorname{Hom}}(\com{M}, \com{\operatorname{Hom}}(\com{N}, \com{P}))
  275. \] erhält.
  276. Das Ziel ist nun die Funktoren $\com{\operatorname{Hom}}(\com{N}, -)$, $\com{\operatorname{Hom}}(-, \com{N})$
  277. und $- \otimes_A \com{N} $ abzuleiten.
  278. Dafür suchen wir jeweils eine Klasse $\mathcal{J}$ von Komplexen, die die Bedingungen
  279. (1) und (2) für den entsprechenden Funktor erfüllt.
  280. %Analog zur klassischen Theorie, wird dafür eine Klasse von Objekten $\mathcal{J}$ benötigt, auf der
  281. %die Funktoren Exaktheit von Komplexen erhalten. Damit außerdem die (Rechts-)Ableitung auf ganz
  282. %$\mathcal{D}(\mathcal{A})$ definiert ist, muss für jeden Komplex
  283. %$\com{M} \in \mathcal{K}(\mathcal{A})$ eine (Rechts-)Auflösung, das heißt ein Quasiisomorphismus
  284. %in ein Objekt aus $\mathcal{J}$, existieren.
  285. %Dann lassen sich die abgeleiteten Funktoren leicht berechnen, da auf den Objekte aus $\mathcal{J}$
  286. %die natürliche Transformation $\xi$ Isomorphismen induziert.
  287. %
  288. %Die Schwierigkeit liegt nun darin, solche Auflösungen zu finden. Spaltenstein hat das in seiner
  289. %Arbeit ,,Resolution of unbounded complexes`` für zahlreiche Funktoren unter wenigen Voraussetzungen
  290. %an die beteiligten Kategorien gelöst. Die vorliegende Arbeit stellt sein Argument dar und wendet
  291. %dies auf die obigen Funktoren an, um die gewünschte Adjunktion zu erhalten.
  292. Für
  293. $\com{\operatorname{Hom}}(\com{N}, -)$ definieren wir dafür
  294. \begin{definition*}
  295. Ein Komplex $\com{I} \in \mathcal{K}(\mathcal{A})$ heißt \emph{K-injektiv}, wenn
  296. der Funktor $\com{\operatorname{Hom}}(-, \com{I})$ Exaktheit von Komplexen erhält. Eine \emph{K-injektive
  297. Auflösung} eines Komplexes $\com{M} \in \mathcal{K}(\mathcal{A})$ ist ein Quasiisomorphismus
  298. $\com{M} \to \com{I} $ mit einem K-injektiven Komplex $\com{I}$.
  299. \end{definition*}
  300. Sei nun $\mathcal{J}$ die Klasse der K-injektiven Komplexe.
  301. Es wird schnell klar, dass ein exakter K-injektiver Komplex in $\mathcal{K}(\mathcal{A})$
  302. bereits der Nullkomplex ist und
  303. damit die Bedingung (1) erfüllt ist. Der schwierige Teil ist Bedingung (2) nachzuweisen.
  304. Zunächst bemerken wir, dass nach unten beschränkte Komplexe mit injektiven Objekten
  305. K-injektiv sind. Klassisch ist bekannt, dass
  306. jeder nach unten beschränkte Komplex eine Auflösung durch einen solchen Komplex hat. Für
  307. einen beliebigen (unbeschränkten) Komplex $\com{M} \in \mathcal{K}(\mathcal{A})$ funktioniert die
  308. klassische, induktive Konstruktion jedoch nicht.
  309. Wir konstruieren deshalb geeignete $\mathcal{J}$-spezielle inverse Systeme.
  310. Das sind abzählbare inverse Systeme $(\com{I}_n)_{n \in \N}$ in $\mathcal{K}(\mathcal{A})$,
  311. wobei für $n > 1$ die kurze Folge
  312. \[
  313. \begin{tikzcd}
  314. 0 \arrow{r} & \text{ker } p_n \arrow{r}
  315. & \com{I}_n \arrow{r}{p_n}
  316. & \com{I}_{n-1} \arrow{r}
  317. & 0
  318. \end{tikzcd}
  319. \] exakt ist, stufenweise zerfällt und $\text{ker } p_n$ in $\mathcal{J}$ liegt.
  320. Im ersten Schritt zeigen wir nun, dass $\mathcal{J}$ abgeschlossen
  321. unter $\mathcal{J}$-speziellen inversen Limites ist, das heißt, dass die Limites von solchen
  322. Systemen in $\mathcal{J}$ liegen.
  323. Die Idee im zweiten Schritt ist nun, für $n \in \N$ den unbeschränkten Komplex
  324. $\com{M}$ so abzuschneiden, dass
  325. die Kohomologiegruppen vom Grad $\ge -n$ erhalten bleiben. So erhalten wir ein System
  326. $(\tau^{\ge -n} \com{M})_{n \in \N}$ der abgeschnittenen Komplexe von $\com{M}$.
  327. Induktiv erhalten wir dann ein $\mathcal{J}$-spezielles inverses System
  328. $(\com{I}_n)_{n \in \N}$ und ein inverses System von Quasiisomorphismen
  329. $f_n\colon \tau^{\ge -n} \com{M} \to \com{I}_n$, indem wir in jedem Schritt für $n \in \N$
  330. aus $\tau^{\ge -n} \com{M}$ und $\com{I}_{n-1}$ einen nach unten beschränkten Komplex konstruieren,
  331. der klassisch durch einen K-injektiven aufgelöst werden kann.
  332. Im Limes erhalten wir also einen K-injektiven Komplex $\com{I}$ und einen Komplexhomomorphismus
  333. $f\colon \com{M} \to \com{I}$.
  334. Da für $\mathcal{A} = A\text{-Mod}$ der inverse Limes jedoch nicht exakt ist, ist
  335. $f\colon \com{M} \to \com{I}$
  336. a priori kein Quasiisomorphismus, obwohl $f_n$ ein solcher ist für alle $n \in \N$.
  337. Mithilfe einer Variante des
  338. Mittag-Leffler Kriteriums können wir zeigen, dass $f$ dennoch ein Quasiisomorphismus ist.
  339. Dual dazu definieren wir K-projektive Komplexe und Auflösungen und zeigen, dass jeder
  340. Komplex in $A$-Mod ebenfalls eine K-projektive Auflösung hat.
  341. Für den Funktor $- \otimes_A \com{N}$ benötigen
  342. wir dann noch eine dritte Klasse von Komplexen, die K-flachen Komplexe, die analog zu den
  343. K-Injektiven auf das Tensorprodukt angepasst definiert werden. Wir können dann zeigen, dass
  344. jeder K-projektive Komplex schon K-flach ist und erhalten so, dass jeder Komplex auch eine K-flache
  345. Auflösung besitzt.
  346. Im letzten Abschnitt wenden wir die Existenz von K-injektiven, K-projektiven und K-flachen
  347. Auflösungen an, um die Existenz der abgeleiteten Funktoren $\text{R}\com{\operatorname{Hom}}(\com{N}, -)$,
  348. $\text{R}\com{\operatorname{Hom}}(-, \com{N})$ und $- \otimes_A^{L} \com{N} $ zu zeigen.
  349. Als Korollar erhalten wir daraus die Adjunktion von $- \otimes^{L}_A \com{N}$
  350. und $\text{R}\com{\operatorname{Hom}}(\com{N}, -)$, indem wir durch geeignetes Auflösen
  351. der beteiligten Komplexe die
  352. Situation auf die Adjunktion von $- \otimes_A \com{N}$ und $\com{\operatorname{Hom}}(\com{N}, -)$
  353. zurückführen.
  354. \newpage
  355. \section{Derivierte Kategorien und abgeleitete Funktoren}
  356. \label{sec:derived-cat}
  357. Seien $\mathcal{A}, \mathcal{B}$ abelsche Kategorien und sei $F\colon \mathcal{A} \to
  358. \mathcal{B}$ ein additiver Funktor. Das Ziel ist es in natürlicher Weise für jedes Objekt
  359. $X \in \mathcal{A}$ einen Komplex $\text{R}F(X)$ zu definieren, dessen Kohomologiegruppen,
  360. falls $F$ linksexakt ist,
  361. mit den klassischen Rechtsableitungen von $F$ bei $X$ übereinstimmen.
  362. Allgemeiner definieren wir $\text{R}F(\com{X})$
  363. für jeden Komplex $\com{X}$ in $\mathcal{A}$, indem wir einen
  364. Funktor $\text{R}F$ von der derivierten Kategorie $\mathcal{D}(\mathcal{A})$ von
  365. $\mathcal{A}$ in die derivierte Kategorie $\mathcal{D}(\mathcal{B})$ von $\mathcal{B}$ konstruieren.
  366. Die derivierte Kategorie $\mathcal{D}(\mathcal{A})$ erhalten wir durch Lokalisierung,
  367. analog zum gleichnamigen Vorgang in der kommutativen Algebra: Wir starten mit der Kategorie
  368. $\mathcal{K}(\mathcal{A})$, deren Objekte
  369. Komplexe in $\mathcal{A}$ und deren
  370. Morphismen
  371. Homotopieäquivalenzklassen von Komplexhomomorphismen sind. Daraus erhalten
  372. wir dann $\mathcal{D}(\mathcal{A})$ indem alle Quasiisomorphismen in
  373. $\mathcal{K}(\mathcal{A})$, das heißt Komplexhomomorphismen, die Isomorphismen auf den
  374. Kohomologiegruppen induzieren, in $\mathcal{D}(\mathcal{A})$ zu Isomorphismen erklärt werden.
  375. Dieser Lokalisierungsprozess wird im Folgenden skizziert. Die Vorgehensweise orientiert
  376. sich an Kapitel 1 von \cite{hartshorne}.
  377. \subsection{Triangulierte Kategorien}
  378. Auch wenn $\mathcal{A}$ eine abelsche Kategorie ist, sind $\mathcal{K}(\mathcal{A})$
  379. und $\mathcal{D}(\mathcal{A})$ im Allgemeinen nicht abelsch; sie genügen jedoch einer
  380. anderen Struktur, die einer triangulierten Kategorie.
  381. \begin{definition}[Triangulierte Kategorie]
  382. Eine \emph{triangulierte Kategorie} ist eine additive Kategorie $\mathcal{T}$ mit
  383. \begin{enumerate}[(a)]
  384. \item einem additiven Kategorienautomorphismus
  385. $T\colon \mathcal{T} \to \mathcal{T}$, dem Verschiebefunktor, und
  386. \item einer Klasse von Sextupeln $(X, Y, Z, u, v, w)$, den ausgezeichneten Dreiecken von $\mathcal{T}$, wobei
  387. $X, Y, Z \in \mathcal{T}$ und $u\colon X \to Y$, $v\colon Y \to Z$, $w\colon Z \to T(X)$ Morphismen sind.
  388. \end{enumerate}
  389. Wenn $(X, Y, Z, u, v, w)$ ein ausgezeichnetes Dreieck ist, schreiben wir
  390. auch:
  391. \[
  392. \begin{tikzcd}
  393. & Z \arrow[swap]{dl}{w} & \\
  394. X \arrow[swap]{rr}{u} & & Y \arrow[swap]{ul}{v}.
  395. \end{tikzcd}
  396. \]
  397. Ein Morphismus von ausgezeichneten Dreiecken
  398. $(X, Y, Z, u, v, w) \to (X', Y', Z', u', v', w')$ ist ein kommutatives Diagramm
  399. \[
  400. \begin{tikzcd}
  401. X \arrow{r}{u} \arrow{d} & Y \arrow{r}{v} \arrow{d} & Z \arrow{r}{w} \arrow{d} & T(X) \arrow{d} \\
  402. X' \arrow{r}{u'} & Y' \arrow{r}{v'} & Z' \arrow{r}{w'} & T(X') \\
  403. \end{tikzcd}
  404. .\]
  405. Weiter unterliegen diese Daten den folgenden Axiomen:
  406. \begin{enumerate}[(TR1), leftmargin=14mm]
  407. \item Jedes zu einem ausgezeichneten Dreieck
  408. isomorphe Sextupel $(X, Y, Z, u, v, w)$ wie oben, ist ein ausgezeichnetes Dreieck. Jeder
  409. Morphismus $u\colon X \to Y$ kann in ein ausgezeichnetes Dreieck $(X, Y, Z, u, v, w)$ eingebettet werden
  410. und das Sextupel $(X, X, 0, \text{id}_X, 0, 0)$ ist ein ausgezeichnetes Dreieck für alle $X \in \mathcal{T}$.
  411. \item $(X, Y, Z, u, v, w)$ ist genau dann ein ausgezeichnetes Dreieck,
  412. wenn $(Y, Z, T(X), v, w, -T(u))$ ein
  413. ausgezeichnetes Dreieck ist.
  414. \item Für zwei ausgezeichnete Dreiecke $(X, Y, Z, u, v, w)$ und $(X', Y', Z', u', v', w')$, und
  415. Morphismen $f\colon X \to X'$, $g\colon Y \to Y'$, die mit $u$ und $u'$ kommutieren, existiert
  416. ein nicht notwendig eindeutiger Morphismus $h\colon Z \to Z'$, sodass $(f, g, h)$ ein Morphismus
  417. von ausgezeichneten Dreiecken ist.
  418. \item Seien $(X, Y, Z', u, j, k)$, $(Y, Z, X', v, t, i)$
  419. und $(X, Z, Y', vu, r, s)$ ausgezeichnete Dreiecke. Dann existieren
  420. Morphismen $f\colon Z' \to Y'$ und $g\colon Y' \to X'$, sodass
  421. $(Z', Y', X', f, g, T(j) i)$ ein ausgezeichnetes Dreieck ist und die zwei gestrichelten
  422. Dreiecke in
  423. \[
  424. \begin{tikzcd}
  425. & Y' \arrow[dashed]{ddl} \arrow[dashed]{dr}{g} & \\
  426. Z' \arrow[dashed]{ur}{f} \arrow[dashed]{d} &
  427. & \arrow{ll}{T(j)i}
  428. \arrow[swap]{ddl}{i} X' \\
  429. X \arrow[swap]{dr}{u} \arrow{rr}{vu} & & Z \arrow[dashed]{uul}
  430. \arrow[dashed,swap]{u} \\
  431. & Y \arrow[swap]{uul}{j} \arrow[swap]{ur}{v} &
  432. \end{tikzcd}
  433. \]
  434. kommutieren.
  435. \end{enumerate}
  436. \label{TR2}
  437. \end{definition}
  438. %\begin{bem}
  439. % Streng genommen ist die hier definierte Triangulierte Kategorie nur eine Pretriangulierte Kategorie. Für
  440. % eine vollständig triangulierte Kategorie fehlt noch das Oktaheder Axiom
  441. % (TR4 in \cite{hartshorne}), das wir im Folgenden jedoch nicht benötigen.
  442. %\end{bem}
  443. \begin{definition}[Triangulierte Unterkategorie]
  444. Sei $\mathcal{T}$ eine triangulierte Kategorie mit Verschiebefunktor $T$.
  445. Eine Unterkategorie $\mathcal{R}$ von $\mathcal{T}$ heißt
  446. \emph{triangulierte Unterkategorie}, wenn gilt
  447. \begin{enumerate}[(i)]
  448. \item für jedes Objekt $X \in \mathcal{T}$ ist $X \in \mathcal{R}$, genau dann wenn
  449. $T(X) \in \mathcal{R}$ ist, und
  450. \item falls zwei Punkte eines ausgezeichneten Dreiecks von $\mathcal{T}$ in $\mathcal{R}$ liegen, so auch
  451. der dritte.
  452. \end{enumerate}
  453. \label{def:triangulated-subcategory}
  454. \end{definition}
  455. \begin{definition}[Triangulierter Funktor]
  456. Ein additiver (kovarianter) Funktor $F\colon \mathcal{T} \to \mathcal{S}$ zwischen triangulierten Kategorien
  457. heißt \emph{trianguliert}, wenn er ausgezeichnete Dreiecke in ausgezeichnete Dreiecke überführt und mit dem
  458. Verschiebefunktor kommutiert.
  459. \end{definition}
  460. \begin{definition}[Kohomologischer Funktor]
  461. Ein additiver (kovarianter) Funktor $H\colon \mathcal{T} \to \mathcal{A}$ von einer triangulierten Kategorie
  462. in eine abelsche Kategorie heißt (kovarianter) \emph{kohomologischer Funktor}, wenn für jedes
  463. ausgezeichnete Dreieck $(X, Y, Z, u, v, w)$ von $\mathcal{T}$ die lange Folge
  464. \[
  465. \begin{tikzcd}
  466. \cdots \arrow{r} & H(T^{i}X) \arrow{r} & H(T^{i}Y) \arrow{r} & H(T^{i}Z) \arrow{r} & H(T^{i+1}X) \arrow{r}
  467. & \cdots
  468. \end{tikzcd}
  469. \] exakt ist. Wenn $H$ ein kohomologischer Funktor ist, dann schreiben wir auch $H^{i}(X)$ für $H(T^{i}X)$
  470. für $i \in \Z$.
  471. \end{definition}
  472. \begin{lemma}
  473. Sei $\mathcal{T}$ eine triangulierte Kategorie und $X \in \mathcal{T}$.
  474. Dann sind $\operatorname{Mor}_{\mathcal{T}}(X, -)$ und $\operatorname{Mor}_{\mathcal{T}}(-, X)$ kohomologische Funktoren.
  475. \label{hom-cohom-func}
  476. \end{lemma}
  477. \begin{proof}
  478. siehe Proposition 1.1 in \cite{hartshorne}.
  479. \end{proof}
  480. \subsection{$\mathcal{K}(\mathcal{C})$ als triangulierte Kategorie}
  481. Für eine additive Kategorie $\mathcal{C}$ sei im Folgenden $\mathcal{K}om(\mathcal{C})$
  482. die Komplexkategorie von $\mathcal{C}$. Weiter sei $\mathcal{K}(\mathcal{C})$ die Kategorie mit den
  483. selben Objekten wie $\mathcal{K}om(\mathcal{C})$ und mit Homotopieäquivalenzklassen
  484. von Komplexhomomorphismen als Morphismen.
  485. Wir geben im Folgenden eine triangulierte Struktur auf $\mathcal{K}(\mathcal{C})$.
  486. %Um eine triangulierte Struktur
  487. %Das kanonische Beispiel für eine triangulierte Kategorie ist die Kategorie $\mathcal{K}(\mathcal{C})$
  488. %für eine additive Kategorie $\mathcal{C}$.
  489. %
  490. %\begin{definition}
  491. % Sei $\mathcal{C}$ eine additive Kategorie. Dann ist
  492. % $\mathcal{K}(\mathcal{C})$, die Kategorie, deren Objekte
  493. % Komplexe mit Objekten aus $\mathcal{C}$ sind und
  494. % deren Morphismen Homotopieäquivalenzklassen von Komplexhomomorphismen sind.
  495. %\end{definition}
  496. %\begin{bem}
  497. In $\mathcal{K}(\mathcal{C})$ haben wir einen natürlichen Kategorienautomorphismus
  498. $T\colon \mathcal{K}(\mathcal{C}) \to \mathcal{K}(\mathcal{C})$, der
  499. durch Verschieben nach links gegeben ist, das
  500. heißt für $\com{X} \in \mathcal{K}(\mathcal{C})$ durch
  501. \begin{equation}
  502. T(\com{X})^{i} = X^{i+1} \text{ und } d_{T(\com{X})} = - d_{\com{X}}
  503. \label{eq:shift-functor}
  504. \end{equation}
  505. %\end{bem}
  506. \begin{bem}[Notation]
  507. Für $\com{X} \in \mathcal{K}(\mathcal{C})$ schreiben wir auch
  508. \[
  509. \com{X}[n] = T^{n}(\com{X})
  510. .\]
  511. \end{bem}
  512. Um die ausgezeichneten Dreiecke in $\mathcal{K}(\mathcal{C})$ zu erklären, benötigen wir
  513. den Abbildungskegel eines Komplexhomomorphismus:
  514. \begin{definition}[Abbildungskegel]
  515. Seien $\com{X}, \com{Y} \in \mathcal{K}om(\mathcal{C})$ zwei Komplexe und
  516. $f\colon \com{X} \to \com{Y}$ ein
  517. Komplexhomomorphismus. Dann sei der \emph{Abbildungskegel}
  518. $\com{C}_f \in \mathcal{K}om(\mathcal{C})$ definiert durch
  519. \[
  520. C_f^{n} = X^{n+1} \oplus Y^{n}
  521. \] mit Differential
  522. \[
  523. d_{\com{C}_f} = \begin{pmatrix}
  524. d_{\com{X}[1]} & 0 \\
  525. f[1] & d_{\com{Y} }
  526. \end{pmatrix}
  527. .\]
  528. \label{def:mapping-cone}
  529. \end{definition}
  530. \begin{bem}
  531. \begin{enumerate}[(1)]
  532. \item In der Situation von \ref{def:mapping-cone} haben wir kanonische Morphismen
  533. $i\colon \com{Y} \to \com{C}_{f}$ und $p\colon \com{C}_{f} \to \com{X}[1]$.
  534. \item Oft wird auch die Notation $\com{C}_f = \com{X}[1] \oplus \com{Y}$ verwendet.
  535. Man beachte jedoch, dass der Abbildungskegel \emph{nicht} das Koprodukt
  536. von $\com{X}[1]$ und $\com{Y}$ ist.
  537. \end{enumerate}
  538. \end{bem}
  539. \begin{bem}[Abbildungskegel in $\mathcal{K}(\mathcal{C})$]
  540. Seien $\com{X}, \com{Y} \in \mathcal{K}om(\mathcal{C})$ und $f, g \colon \com{X} \to \com{X} $
  541. homotope Komplexhomomorphismen. Dann sind
  542. $\com{C}_f$ und $\com{C}_g$ homotopieäquivalent, aber die Wahl der Homotopieäquivalenz
  543. ist nicht kanonisch. Also sind $\com{C}_f$ und $\com{C}_g$ nur unkanonisch isomorph
  544. in $\mathcal{K}(\mathcal{C})$.
  545. Wenn wir
  546. im Folgenden von $\com{C}_f \in \mathcal{K}(\mathcal{C})$ für ein
  547. $f\colon \com{X} \to \com{Y} $ in $\mathcal{K}(\mathcal{C})$ sprechen, ist damit
  548. ein beliebiger Vertreter der Isomorphieklasse gemeint.
  549. \end{bem}
  550. \begin{satz}[$\mathcal{K}(\mathcal{C})$ ist trianguliert]
  551. Sei $\mathcal{C}$ eine additive Kategorie. Dann ist $\mathcal{K}(\mathcal{C})$
  552. mit den folgenden Daten trianguliert:
  553. \begin{enumerate}[(a)]
  554. \item Der Verschiebefunktor $T\colon \mathcal{K}(\mathcal{C}) \to \mathcal{K}(\mathcal{C})$ wie in \ref{eq:shift-functor}.
  555. \item Ein Sextupel $(\com{X}, \com{Y}, \com{Z}, u, v, w)$
  556. wie in \ref{TR2} in $\mathcal{K}(\mathcal{C})$
  557. ist genau dann ein ausgezeichnetes Dreieck,
  558. wenn
  559. es im Sinne von ausgezeichneten Dreiecken isomorph ist zu einem Sextupel
  560. der Form
  561. $(\com{X}, \com{Y}, \com{C_{f}}, f, i, p)$,
  562. wobei $f\colon \com{X} \to \com{Y} $ ein Morphismus
  563. in $\mathcal{K}(\mathcal{C})$ ist und $i\colon \com{Y} \to \com{C_{f}}$,
  564. $p\colon \com{C}_{f} \to \com{X}[1]$ die kanonischen Morphismen sind.
  565. \end{enumerate}
  566. \end{satz}
  567. \begin{proof}
  568. siehe Kapitel 1, §2 in \cite{hartshorne}.
  569. \end{proof}
  570. Sei nun $\mathcal{A}$ eine abelsche Kategorie und $\mathcal{K} = \mathcal{K}(\mathcal{A})$.
  571. \begin{lemma}
  572. Der Funktor $H\colon \mathcal{K} \to \mathcal{A}b$ der einen Komplex $\com{A}$
  573. auf seine nullte Kohomologiegruppe abbildet, ist ein kohomologischer Funktor.
  574. \label{lemma:cohom-is-cohom-functor}
  575. \end{lemma}
  576. \begin{proof}
  577. siehe Kapitel 1, §2 in \cite{hartshorne}.
  578. \end{proof}
  579. Daraus erhalten wir insbesondere folgendes Kriterium, ob ein Komplexhomomorphismus ein Quasiisomorphismus ist:
  580. \begin{lemma}[]
  581. Seien $\com{A}, \com{B} \in \mathcal{K}$ und $f\colon \com{A} \to \com{B} $ ein Komplexhomomorphismus.
  582. Dann ist $f$ genau dann ein Quasiisomorphismus, wenn $\com{C}_f$ exakt ist.
  583. \label{mapping-cone-exact-for-qis}
  584. \end{lemma}
  585. \begin{proof}
  586. Es ist $(\com{A}, \com{B}, \com{C}_f, f, \iota, \rho)$ ein ausgezeichnetes Dreieck in $\mathcal{K}$ mit
  587. $\iota\colon \com{B} \to \com{C}_f$ und $\rho\colon \com{C}_f \to \com{A}[1]$ die natürlichen
  588. Morphismen. Also
  589. erhalten wir mit \ref{lemma:cohom-is-cohom-functor} für $i \in \Z$ eine exakte Folge
  590. \[
  591. \begin{tikzcd}
  592. H^{i-1}(\com{C}_f) \arrow{r}
  593. & H^{i}(\com{A}) \arrow{r}{H^{i}(f)}
  594. & H^{i}(\com{B}) \arrow{r}
  595. & H^{i}(\com{C}_f) \arrow{r}
  596. & H^{i+1}(\com{A}) \arrow{r}{H^{i+1}(f)}
  597. & H^{i+1}(\com{B})
  598. \end{tikzcd}
  599. .\] Die Exaktheit liefert nun die Äquivalenz.
  600. \end{proof}
  601. \begin{bem}
  602. Falls in der Situation von \ref{mapping-cone-exact-for-qis},
  603. $H^{i}(f)$ ein Isomorphismus ist für $i \gg 0$ (bzw. $i \ll 0$), folgt aus der exakten Folge im Beweis,
  604. dass $H^{i}(\com{C}_f) = 0$ für $i \gg 0$ (bzw. $i \ll 0$).
  605. \label{bem:mapping-cone-h-bounded}
  606. \end{bem}
  607. \begin{korollar}
  608. Sei $\mathcal{B}$ eine weitere abelsche Kategorie und
  609. $F\colon \mathcal{K}(\mathcal{A}) \to \mathcal{K}(\mathcal{B})$
  610. ein triangulierter Funktor.
  611. Dann erhält $F$ genau dann Exaktheit von Komplexen, wenn $F$ Quasiisomorphismen erhält.
  612. \label{kor:exactness-preserver-preserves-qis}
  613. \end{korollar}
  614. \begin{proof}
  615. ($\Rightarrow$) Seien $\com{X}, \com{Y} \in \mathcal{K}(\mathcal{A})$
  616. und $f\colon \com{X} \to \com{Y}$ ein Quasiisomorphismus. Dann ist
  617. \[
  618. \begin{tikzcd}
  619. \com{X} \arrow{r}{f} & \com{Y} \arrow{r} & \com{C}_f \arrow{r} & \com{X}[1]
  620. \end{tikzcd}
  621. \] ein ausgezeichnetes Dreieck in $\mathcal{K}(\mathcal{A})$, wobei $\com{C}_f$
  622. nach \ref{mapping-cone-exact-for-qis} exakt ist. Nach Voraussetzung ist
  623. \[
  624. \begin{tikzcd}
  625. F(\com{X}) \arrow{r}{F(f)} & F(\com{Y}) \arrow{r} & F(\com{C}_f) \arrow{r} & \com{X}[1]
  626. \end{tikzcd}
  627. \] ebenfalls ein ausgezeichnetes Dreieck und wir erhalten für $i \in \Z$ die exakte Folge:
  628. \[
  629. \begin{tikzcd}
  630. H^{i-1}(F(\com{C}_f)) \arrow{r} & H^{i}(F(\com{X})) \arrow{r} & H^{i}(F(\com{Y})) \arrow{r} &
  631. H^{i}(F(\com{C}_f))
  632. \end{tikzcd}
  633. .\] Die äußeren Terme sind $0$, weil $F$ Exaktheit erhält. Aus der Exaktheit der Folge, folgt damit
  634. der gewünschte Isomorphismus.
  635. ($\Leftarrow$) Sei $\com{X} \in \mathcal{K}(\mathcal{A})$ exakt. Dann ist $\com{X} \to \com{0}$
  636. ein Quasiisomorphismus, also auch $F(\com{X}) \to F(\com{0} )$. Da $F$ additiv ist, folgt $F(\com{0}) = \com{0}$ und damit
  637. die Behauptung.
  638. \end{proof}
  639. \subsection{Lokalisierung von Kategorien}
  640. Wie anfangs erwähnt ist die derivierte Kategorie $\mathcal{D}(\mathcal{A})$ einer
  641. abelschen Kategorie $\mathcal{A}$
  642. eine Lokaliserung von $\mathcal{K}(\mathcal{A})$.
  643. Diese funktioniert analog zum gleichnamigen Prozess in der kommutativen Algebra, was
  644. uns zu folgendem Begriff führt:
  645. \begin{definition}[Multiplikatives System]
  646. Sei $\mathcal{C}$ eine Kategorie. Eine Klasse $\mathcal{S}$ von Morphismen von $\mathcal{C}$ heißt
  647. \emph{multiplikatives System}, wenn es die folgenden Axiome erfüllt:
  648. \begin{enumerate}[(FR1), leftmargin=14mm]
  649. \item Wenn $f, g \in \mathcal{S}$, sodass $fg$ existiert, ist $fg \in \mathcal{S}$. Für
  650. alle $X \in \mathcal{C}$ ist $\text{id}_{X}\in \mathcal{S}$.
  651. \item Jedes Diagramm in $\mathcal{C}$
  652. \[
  653. \begin{tikzcd}
  654. & Z \arrow{d}{s} \\
  655. X \arrow{r}{u} & Y \\
  656. \end{tikzcd}
  657. \] mit $s \in \mathcal{S}$ kann zu einem kommutativen Diagramm
  658. \[
  659. \begin{tikzcd}
  660. W \arrow{r}{v} \arrow{d}{t} & Z \arrow{d}{s} \\
  661. X \arrow{r}{u} & Y
  662. \end{tikzcd}
  663. \] mit $t \in \mathcal{S}$ ergänzt werden. Analog gilt die selbe Aussage mit allen Pfeilen umgedreht.
  664. \item Für $f, g \colon X \to Y$ Morphismen in $\mathcal{C}$, sind die folgenden Bedingungen äquivalent:
  665. \begin{enumerate}[(i)]
  666. \item Es existiert ein $s\colon Y \to Y'$ in $\mathcal{S}$, sodass $sf = sg$.
  667. \item Es existiert ein $t\colon X' \to X$ in $\mathcal{S}$, sodass $ft = gt$.
  668. \end{enumerate}
  669. \end{enumerate}
  670. \label{def:mult-system}
  671. \end{definition}
  672. \begin{definition}[Lokalisierung]
  673. Seien $\mathcal{C}$ eine Kategorie und $\mathcal{S}$ eine Klasse von Morphismen in $\mathcal{C}$. Dann
  674. ist eine \emph{Lokalisierung} von $\mathcal{C}$ in Bezug auf $\mathcal{S}$ eine Kategorie $\mathcal{C}_{\mathcal{S}}$
  675. zusammen mit einem Funktor $Q\colon \mathcal{C} \to \mathcal{C}_{\mathcal{S}}$, sodass
  676. \begin{enumerate}[(a)]
  677. \item $Q(s)$ ein Isomorphismus ist für alle $s \in \mathcal{S}$ und
  678. \item jeder Funktor $F\colon \mathcal{C} \to \mathcal{D}$, sodass $F(s)$ ein Isomorphismus ist
  679. für alle $s \in \mathcal{S}$, eindeutig über $Q$ faktorisiert.
  680. \end{enumerate}
  681. \label{def:localisation}
  682. \end{definition}
  683. \begin{bem}
  684. Falls in der Situation von \ref{def:localisation} $\mathcal{C}_{\mathcal{S}}$ existiert, dann
  685. ist diese Kategorie bis auf kanonische Kategorienäquivalenz eindeutig.
  686. \end{bem}
  687. \begin{definition}
  688. Sei $\mathcal{C}$ eine Kategorie und $\mathcal{S}$ ein multiplikatives System in $\mathcal{C}$. Dann definiere
  689. die Kategorie $\mathcal{C}_{\mathcal{S}}$ durch
  690. \begin{enumerate}[(a)]
  691. \item $ob(\mathcal{C}) = ob(\mathcal{C}_{\mathcal{S}})$.
  692. \item Für $X, Y \in \mathcal{C}$ setze
  693. $\operatorname{Mor}_{\mathcal{C}_{\mathcal{S}}}(X, Y) = \{ (f, Z, s) \mid f \colon Z \to Y,
  694. s \colon Z \to X \text{ mit } s \in \mathcal{S}\} / \sim $, wobei
  695. $(f, Z, s) \sim (f', Z', s')$ genau dann wenn ein kommutatives Diagramm
  696. \[
  697. \begin{tikzcd}
  698. & Z \arrow[swap]{dl}{s} \arrow{dr}{f} & \\
  699. X & W \arrow{l}{t} \arrow{u}{g} \arrow{d}{h} & Y \\
  700. & \arrow{ul}{s'} Z' \arrow[swap]{ur}{f'} &
  701. \end{tikzcd}
  702. \] mit $t \in \mathcal{S}$ in $\mathcal{C}$ existiert.
  703. \item Für $(f, U, s) \in \operatorname{Mor}_{\mathcal{C}_{\mathcal{S}}}(X, Y)$,
  704. $(g, V, t) \in \operatorname{Mor}_{\mathcal{C}_{\mathcal{S}}}(Y, Z)$ sei
  705. die Komposition definiert durch die äußeren Morphismen des kommutativen Diagramms
  706. \[
  707. \begin{tikzcd}
  708. & & \arrow[dashed]{dl}{r} W \arrow[dashed]{dr}{h} & & \\
  709. & \arrow{dl}{s} U \arrow{dr}{f} & & \arrow{dl}{t} V \arrow{dr}{g} & \\
  710. X & & Y & & Z.
  711. \end{tikzcd}
  712. \] Die gestrichelten Morphismen existieren wegen \hyperref[def:mult-system]{FR2} und
  713. es ist leicht zu verifizieren, dass das Ergebnis nicht von der
  714. Wahl der gestrichelten Morphismen
  715. abhängt.
  716. \item Für $X \in \mathcal{C}$ ist die Identität $X \to X$ in $\mathcal{C}_{\mathcal{S}}$
  717. gegeben durch das Tripel $(\text{id}_X, X, \text{id}_X)$.
  718. \end{enumerate}
  719. \label{constr:localisation}
  720. \end{definition}
  721. \begin{satz}
  722. Sei $\mathcal{C}$ eine Kategorie und $\mathcal{S}$ ein multiplikatives System, dann ist
  723. die in \ref{constr:localisation} konstruierte Kategorie $\mathcal{C}_{\mathcal{S}}$
  724. wohldefiniert und eine Lokalisierung von $\mathcal{C}$ bezüglich $\mathcal{S}$. Der kanonische
  725. Funktor $Q\colon \mathcal{C} \to \mathcal{C}_{\mathcal{S}}$ ist dann gegeben durch
  726. $Q(X) = X$ für $X \in \mathcal{C}$ und $Q(f) = (f, X, \text{id}_{X})$ für $f\colon X \to Y$ in $\mathcal{C}$.
  727. \label{satz:existence-localisation}
  728. \end{satz}
  729. \begin{proof}
  730. siehe Proposition 3.1 in \cite{hartshorne}.
  731. \end{proof}
  732. \begin{bem}
  733. \begin{enumerate}[(a)]
  734. \item Da $\mathcal{S}$ eine echte Klasse sein kann, das heißt keine Menge, ist im
  735. Allgemeinen auch $\operatorname{Mor}_{\mathcal{C}_{\mathcal{S}}}(X, Y)$ für
  736. $X, Y \in \mathcal{C}_{\mathcal{S}}$
  737. keine Menge. Das
  738. heißt streng genommen ist $\mathcal{C}_{\mathcal{S}}$ im Allgemeinen nur
  739. eine große Kategorie. In unseren Anwendungsfällen kann man jedoch zeigen, dass $\mathcal{C}_{\mathcal{S}}$
  740. eine (echte \footnote{Das heißt $\operatorname{Mor}_{\mathcal{C}_{\mathcal{S}}}(X, Y)$ ist
  741. eine Menge für alle $X, Y \in \mathcal{C}_{\mathcal{S}}$.}) Kategorie ist. Für Details
  742. siehe Bemerkung 10.3.6 in \cite{set-theoretic}.
  743. Wir nehmen im Folgenden stillschweigend an, dass $\mathcal{C}_{\mathcal{S}}$
  744. eine (echte) Kategorie ist.
  745. \item Die Lokalisierung $\mathcal{C}_{\mathcal{S}}$ einer Kategorie $\mathcal{C}$
  746. kann auch dual, das heißt durch Umdrehen aller Pfeile in \ref{constr:localisation},
  747. konstruiert werden. Wenn im Folgenden der Kontext klar ist, dann schreiben wir auch einfach
  748. $X$ für $Q(X)$ für ein Objekt $X \in \mathcal{C}$. Ebenso schreiben wir für $X, Y \in \mathcal{C}$ auch
  749. $s^{-1}f$ bzw. in der dualen Konstruktion $fs^{-1}$ für die Äquivalenzklasse des Tripels
  750. $(f, Z, s) \in \operatorname{Mor}_{\mathcal{C}_{\mathcal{S}}}(X, Y)$. In dieser Notation ist
  751. dann $Q(f) = \text{id}^{-1}f$ bzw. $Q(f) = f\text{id}^{-1}$ für $f\colon X \to Y$ in $\mathcal{C}$.
  752. \end{enumerate}
  753. \end{bem}
  754. Falls $\mathcal{T}$ eine triangulierte Kategorie ist und $\mathcal{S}$ ein multiplikatives
  755. System, stellt sich die Frage, ob sich
  756. die Triangulation von $\mathcal{C}$
  757. in natürlicher Weise auf $\mathcal{C}_{\mathcal{S}}$ ausdehnt. Dazu fordern wir zusätzlich
  758. an $\mathcal{S}$:
  759. \begin{definition}[Mit Triangulation kompatibles multiplikatives System]
  760. Sei $\mathcal{T}$ eine triangulierte Kategorie mit Verschiebefunktor $T$
  761. und $\mathcal{S}$ ein multiplikatives System
  762. von Morphismen. Wir nennen $\mathcal{S}$ \emph{kompatibel mit der Triangulation}, wenn die folgenden
  763. Axiome erfüllt sind:
  764. \begin{enumerate}[(FR1), leftmargin=14mm]
  765. \setcounter{enumi}{3}
  766. \item $s \in \mathcal{S} \iff T(s) \in \mathcal{S}$.
  767. \item \hyperref[TR2]{TR3} unter der zusätzlichen Annahme, dass $f, g \in \mathcal{S}$
  768. und der zusätzlichen Forderung, dass $h \in \mathcal{S}$ ist.
  769. \end{enumerate}
  770. \end{definition}
  771. \begin{satz}
  772. Sei $\mathcal{T}$ eine triangulierte Kategorie und $\mathcal{S}$ ein
  773. mit der Triangulation kompatibles
  774. multiplikatives System. Dann hat $\mathcal{T}_{\mathcal{S}}$ eine eindeutige
  775. triangulierte Struktur, sodass $Q$ ein triangulierter Funktor ist und
  776. die universelle Eigenschaft b) aus \ref{def:localisation} für triangulierte Funktoren in triangulierte
  777. Kategorien erfüllt.
  778. \label{satz:existence-triangulated-localisation}
  779. \end{satz}
  780. \begin{proof}
  781. siehe Proposition 3.2 in \cite{hartshorne}.
  782. \end{proof}
  783. \subsection{Derivierte Kategorie}
  784. Sei im Folgenden $\mathcal{A}$ eine feste abelsche Kategorie und
  785. $\mathcal{K} = \mathcal{K}(\mathcal{A})$. Wir bezeichnen im Folgenden die Klasse
  786. der Quasiisomorphismen in $\mathcal{K}$ als $\mathcal{Q}is$.
  787. \begin{lemma}[$\mathcal{Q}is$ ist multiplikativ]
  788. $\mathcal{Q}is$ ist ein mit der Triangulation von $\mathcal{K}$ kompatibles multiplikatives System.
  789. \label{lemma:qis-mult}
  790. \end{lemma}
  791. \begin{proof}
  792. siehe Proposition 4.1 in \cite{hartshorne}.
  793. \end{proof}
  794. Nach \ref{satz:existence-localisation}, \ref{satz:existence-triangulated-localisation} und \ref{lemma:qis-mult} angewendet
  795. auf $\mathcal{K}$ und $\mathcal{Q}is$, existiert die triangulierte Kategorie $\mathcal{K}_{\mathcal{Q}is}$.
  796. \begin{definition}[Derivierte Kategorie]
  797. Wir bezeichnen die triangulierte Lokalisierung $\mathcal{K}_{\mathcal{Q}is}$
  798. als die \emph{derivierte Kategorie} $\mathcal{D} = \mathcal{D}(\mathcal{A})$ von $\mathcal{A}$.
  799. \end{definition}
  800. \begin{bem}[]
  801. Im Folgenden bezeichne $Q = Q_{\mathcal{A}}\colon \mathcal{K}(\mathcal{A}) \to \mathcal{D}(\mathcal{A})$
  802. den kanonischen Lokalisierungsfunktor.
  803. \end{bem}
  804. Um zu verstehen, wann zwei Morphismen in $\mathcal{K}$ den selben Morphismus in $\mathcal{D}$ induzieren, hilft
  805. das folgende Lemma:
  806. \begin{lemma}
  807. Seien $\com{X}, \com{Y} \in \mathcal{K}$ und $f\colon \com{X} \to \com{Y}$. Dann
  808. sind die folgenden Bedingungen äquivalent:
  809. \begin{enumerate}[(i)]
  810. \item $\text{id}^{-1}f = 0$ in $\mathcal{D}$.
  811. \item Es existiert ein Quasiisomorphismus $t\colon \com{X'} \to \com{X} $,
  812. sodass $ft = 0$ in $\mathcal{K}$.
  813. \item Es existiert ein Quasiisomorphismus $s\colon \com{Y} \to \com{Y'} $,
  814. sodass $sf = 0$ in $\mathcal{K}$.
  815. \end{enumerate}
  816. \label{derived-cat-morphism-null}
  817. \end{lemma}
  818. \begin{proof}
  819. Wegen \hyperref[def:mult-system]{FR3} und \ref{lemma:qis-mult} genügt es
  820. die Äquivalenz von
  821. (i) und (ii) zu zeigen. Es ist genau dann $\text{id}^{-1}f = 0$, wenn
  822. ein kommutatives Diagram
  823. \[
  824. \begin{tikzcd}
  825. & \com{X} \arrow{dl}{\text{id}} \arrow{dr}{f} & \\
  826. \com{X} & \arrow[dashed]{l}{t} \com{X'} \arrow[dashed]{d} \arrow[dashed]{u} & \com{Y} \\
  827. & \com{X} \arrow{ul}{\text{id}} \arrow{ur}{0} &
  828. \end{tikzcd}
  829. \] mit einem Quasiisomorphismus $t$ existiert. Das zeigt die Behauptung.
  830. \end{proof}
  831. Wir möchten nun Ableitungen von Funktoren im Kontext von
  832. derivierten Kategorien betrachten.
  833. Seien dafür $\mathcal{A}$ und $\mathcal{B}$ abelsche Kategorien und
  834. $F\colon \mathcal{K}(\mathcal{A}) \to \mathcal{K}(\mathcal{B})$ ein triangulierter
  835. (kovarianter) Funktor.
  836. Das ist zum Beispiel der Fall wenn $F$ induziert ist von einem additiven Funktor
  837. $F\colon \mathcal{A} \to \mathcal{B}$.
  838. Falls $F$ exakt ist werden Quasiisomorphismen auf Quasiisomorphismen geschickt und $F$ induziert daher
  839. einen Funktor von $\mathcal{D}(\mathcal{A})$ nach $\mathcal{D}(\mathcal{B})$.
  840. Im Allgemeinen ist das nicht der Fall und wir konstruieren dann, unter bestimmten
  841. Voraussetzungen an $F$ und die beteiligten Kategorien, einen Funktor
  842. $\text{R}F\colon \mathcal{D}(\mathcal{A}) \to \mathcal{D}(\mathcal{B})$:
  843. \begin{definition}[Abgeleiteter Funktor]
  844. Seien $\mathcal{A}, \mathcal{B}$ abelsche Kategorien. Der \emph{rechts abgeleitete Funktor} von $F$ ist
  845. ein triangulierter Funktor
  846. \[
  847. \text{R}F\colon \mathcal{D}(\mathcal{A}) \to \mathcal{D}(\mathcal{B})
  848. \] zusammen mit einer natürlichen Transformation
  849. \[
  850. \xi\colon Q_{\mathcal{B}} \circ F \to \text{R}F \circ Q_{\mathcal{A}}
  851. \] von Funktoren von $\mathcal{K}(\mathcal{A})$ nach $\mathcal{D}(\mathcal{B})$ mit
  852. der folgenden universellen Eigenschaft: Für jeden triangulierten Funktor
  853. \[
  854. G\colon \mathcal{D}(\mathcal{A}) \to \mathcal{D}(\mathcal{B})
  855. \]
  856. und jede natürliche Transformation
  857. \[
  858. \zeta\colon Q_{\mathcal{B}} \circ F \to G \circ Q_{\mathcal{A}}
  859. \] existiert eine eindeutige natürliche Transformation
  860. \[
  861. \eta\colon \text{R}F \to G
  862. \] von Funktoren von $\mathcal{D}(\mathcal{A})$ nach $\mathcal{D}(\mathcal{B})$, sodass
  863. das folgende Diagramm kommutiert:
  864. \[
  865. \begin{tikzcd}
  866. Q_{\mathcal{B}} \circ F \arrow{r}{\xi} \arrow{dr}{\zeta}
  867. & \text{R}F \circ Q_{\mathcal{A}} \arrow[dashed]{d}{\eta} \\
  868. & G \circ Q_{\mathcal{A}}
  869. \end{tikzcd}
  870. .\]
  871. \end{definition}
  872. \begin{bem}
  873. \begin{enumerate}[(a)]
  874. \item Falls $\text{R}F$ existiert, ist dieser bis auf eindeutige natürliche Äquivalenz eindeutig.
  875. \item Wir schreiben $R^{i}F$ für $H^{i}(\text{R}F)$. Wenn
  876. $F$ induziert ist von einem
  877. links-exakten Funktor $F\colon \mathcal{A} \to \mathcal{B}$ und $\mathcal{A}$ genügend
  878. viele Injektive hat, existiert der abgeleitete Funktor $\text{R}F$
  879. auf der vollen Unterkategorie $\mathcal{D}^{+}$ der nach unten
  880. beschränkten Komplexe von $\mathcal{D}$. Sei $P: \mathcal{A} \to \mathcal{D}^{+}$
  881. der kanonische Funktor, der ein Objekt $X \in \mathcal{A}$ auf den Komplex
  882. schickt, der im nullten Grad $X$ zu stehen hat und in allen anderen Graden $0$ ist.
  883. Dann sind $R^{i}F \circ P$ genau
  884. die klassischen rechts-abgeleiteten Funktoren von $F$.
  885. \item Es gibt den analogen Begriff der Linksableitung $\text{L}F$ (kovarianter)
  886. Funktoren, bei dem sich die Pfeile der natürlichen Transformationen umdrehen.
  887. \end{enumerate}
  888. \label{bem:derived-functors}
  889. \end{bem}
  890. \begin{satz}
  891. Seien $\mathcal{A}, \mathcal{B}$ abelsche Kategorien und
  892. $F\colon \mathcal{K}(\mathcal{A}) \to \mathcal{K}(\mathcal{B})$ ein triangulierter Funktor. Angenommen es
  893. existiert eine triangulierte Unterkategorie $\mathcal{L} \subset \mathcal{K}(\mathcal{A})$, sodass
  894. \begin{enumerate}[(i)]
  895. \item für jeden Komplex in $\mathcal{K}(\mathcal{A})$ ein Quasiisomorphismus in einen
  896. Komplex aus $\mathcal{L}$ existiert, und
  897. \item $F|_{\mathcal{L}}$ Exaktheit von Komplexen erhält.
  898. \end{enumerate}
  899. Dann existiert der Funktor $\text{R}F\colon \mathcal{D}(\mathcal{A}) \to \mathcal{D}(\mathcal{B})$ und
  900. für die natürliche Transformation $\xi\colon Q_{\mathcal{B}} \circ F \to \text{R}F \circ Q_{\mathcal{A}}$ gilt, dass
  901. für alle $\com{I} \in \mathcal{L}$ die Abbildung
  902. \[
  903. \xi(\com{I})\colon Q_{\mathcal{B}}(F(\com{I})) \to \text{R}F(Q_{\mathcal{A}}(\com{I}))
  904. \] ein Isomorphismus in $\mathcal{D}(\mathcal{B})$ ist.
  905. \label{satz:existence-derived-functors}
  906. \end{satz}
  907. \begin{proof}
  908. siehe Theorem 5.1 in \cite{hartshorne}.
  909. \end{proof}
  910. Die Voraussetzungen von \ref{satz:existence-derived-functors} sind im Allgemeinen schwer zu erfüllen. Deshalb betrachtet man häufig gewisse Unterkategorien
  911. von $\mathcal{K}(\mathcal{A})$, beispielsweise die Kategorie
  912. $\mathcal{K}^{+}(\mathcal{A})$ der nach unten beschränkten Komplexe. Dies genügt,
  913. um den Fall (b) aus \ref{bem:derived-functors} zu studieren.
  914. Für unbeschränkte Komplexe liegt die Schwierigkeit darin eine geeignete
  915. Unterkategorie $\mathcal{L}$ zu finden, die die Bedingungen aus
  916. \ref{satz:existence-derived-functors} erfüllt.
  917. Ziel
  918. dieser Arbeit ist es herauszuarbeiten, dass im Falle von $\mathcal{A} = A\text{-Mod}$
  919. für einen kommutativen
  920. Ring $A$, die Bedingungen für die im Folgenden definierten Funktoren $\com{\operatorname{Hom}}(\com{M}, -)$,
  921. $\com{\operatorname{Hom}}(-, \com{M})$ und $\com{M} \otimes_A -$ erfüllt sind. Das
  922. wird uns erlauben das klassische Adjunktionsresultat
  923. \[
  924. - \otimes_A M \dashv \operatorname{Hom}_{A\text{-Mod}}(M, -)
  925. \] für einen $A$-Modul $M$ auf die abgeleiteten Funktoren zu übertragen.
  926. \begin{definition}
  927. Seien $\com{X}, \com{Y} \in \mathcal{K}$ zwei Komplexe in einer beliebigen abelschen Kategorie $\mathcal{A}$.
  928. Dann sei $\com{\operatorname{Hom}}(\com{X}, \com{Y}) \in \mathcal{K}(\mathcal{A}b)$ definiert durch
  929. \[
  930. \operatorname{Hom}^{n}(\com{X}, \com{Y}) = \prod_{i \in \Z} \operatorname{Hom}(X^{i}, Y^{i+n})
  931. \] mit Differentialen
  932. \[
  933. d^{n}(f) = d_{\com{Y} } f - (-1)^{n} f d_{\com{X}}
  934. \] für $f \in \operatorname{Hom}^{n}(\com{X}, \com{Y})$.
  935. \label{def:hom-compl}
  936. \end{definition}
  937. \begin{definition}
  938. Sei $A$ ein kommutativer Ring und
  939. seien $\com{M}, \com{N} \in \mathcal{K}(A\text{-Mod})$. Dann sei
  940. $\com{M} \otimes_A \com{N} \in \mathcal{K}(A\text{-Mod})$ definiert durch
  941. \[
  942. (\com{M} \otimes_A \com{N})^{n} = \bigoplus_{i \in \Z} M^{i} \otimes_A N^{n-i}
  943. \] mit Differentialen
  944. \[
  945. d^{n}(m \otimes n) = d_{\com{M} }(m) \otimes n + (-1)^{i} m \otimes d_{\com{N} }(n)
  946. \] für $m \in M^{i}, n \in N^{n-i}$.
  947. \label{def:tor-compl}
  948. \end{definition}
  949. \begin{bem}
  950. \begin{enumerate}[(a)]
  951. \item Die Konstruktionen in \ref{def:hom-compl} und \ref{def:tor-compl} sind
  952. funktoriell in beiden Variablen und induzieren daher entsprechende Funktoren.
  953. \item
  954. Wie für das klassiche Tensorprodukt von $A$-Moduln, existieren für
  955. $\com{M}, \com{N}, \com{P} \in \mathcal{K}(A\text{-Mod})$
  956. natürliche Isomorphismen
  957. \[
  958. \com{M} \otimes_A \com{N} = \com{N} \otimes_A \com{M} \text{ und }
  959. (\com{M} \otimes_A \com{N}) \otimes_A \com{P} = \com{M} \otimes_A (\com{N} \otimes_A \com{P})
  960. .\]
  961. \end{enumerate}
  962. \end{bem}
  963. Die Kohomologiegruppen von $\com{\operatorname{Hom}}(\com{X}, \com{Y})$ für Komplexe
  964. $\com{X}, \com{Y} \in \mathcal{K}$ lassen sich explizit bestimmen:
  965. \begin{lemma}
  966. Seien $\com{X}, \com{Y} \in \mathcal{K}$ zwei Komplexe. Dann gilt für $n \in \Z$:
  967. \[
  968. H^{n}\com{\operatorname{Hom}}(\com{X}, \com{Y}) = \operatorname{Mor}_{\mathcal{K}}(\com{X}, \com{Y}[n])
  969. .\]\label{hom-compl-cohomgroups}
  970. \end{lemma}
  971. \begin{proof}
  972. Sei $(f^i)_{i \in \Z} \in \prod_{i \in \Z} \operatorname{Hom}(X^{i}, Y^{i+n})$. Dann ist:
  973. \[
  974. (f^{i})_{i \in \Z} \in \operatorname{ker } d^{n} \iff (-1)^{n} d_{\com{Y}}^{i+n} f^i = f^{i+1} d_{\com{X} }^{i}
  975. \text{ für } i \in \Z
  976. .\] Wegen $d_{\com{Y}[n]} = (-1)^{n}d_{\com{Y}}$, induziert $(f^i)_{i \in \Z}$ also genau dann
  977. einen Komplexhomomorphismus $\com{X} \to \com{Y}[n]$, wenn $(f^{i})_{i \in \Z} \in \operatorname{ker } d^{n}$.
  978. Weiter ist genau dann $(f^{i})_{i \in \Z} \in \operatorname{im } d^{n-1}$, wenn eine Familie
  979. $(k^{i})_{i \in \Z}\in \prod_{i \in \Z}^{} \operatorname{Hom}(X^{i}, Y^{i+n-1})$ existiert, sodass
  980. %\[
  981. % f^{i} = d_{\com{Y}}^{i+n-1} k^{i} - (-1)^{n-1} k^{i+1} d_{\com{X} }^{i}
  982. % = d_{\com{Y}}^{i+n-1} k^{i} + (-1)^{n} k^{i+1} d_{\com{X} }^{i}
  983. %.\]
  984. \[
  985. (-1)^{n}f^{i} = (-1)^{n} d_{\com{Y}}^{i+n-1} k^{i} + k^{i+1} d_{\com{X} }^{i}
  986. .\] Erneut wegen $d_{\com{Y} [n]} = (-1)^{n} d_{\com{Y} }$, ist also für $(f^i)_{i \in \Z} \in \operatorname{ker } d^{n}$
  987. der induzierte Komplexhomomorphismus $f\colon \com{X} \to \com{Y} $ genau dann nullhomotop,
  988. wenn $(f^{i})_{i \in \Z} \in \operatorname{im }d^{n-1}$.
  989. \end{proof}
  990. \begin{lemma}[$\com{\operatorname{Hom}}(-, -)$ und (Ko)limites]
  991. Sei $\com{X} \in \mathcal{K}$ und seien $(\com{S} _n)_{n \in \N}$ bzw. $(\com{T} _n)_{n \in \N}$
  992. direkte bzw. inverse Systeme in $\mathcal{K}$. Dann sind die natürlichen Homomorphismen
  993. \[
  994. \com{\operatorname{Hom}}(\colim \com{S}_n, \com{X}) \longrightarrow \lim \com{\operatorname{Hom}}(\com{S}_n, \com{X})
  995. \] und
  996. \[
  997. \com{\operatorname{Hom}}(\com{X}, \lim \com{T}_n) \longrightarrow \lim \com{\operatorname{Hom}}(\com{X}, \com{T}_n)
  998. \] Isomorphismen.
  999. \label{lemma:inner-hom-commutes-with-limits}
  1000. \end{lemma}
  1001. \begin{proof}
  1002. Das gilt gradweise nach Definition von $\lim$ und man verifiziert,
  1003. dass die gradweisen Homomorphismen Komplexhomomorphismen bilden.
  1004. \end{proof}
  1005. \begin{lemma}[Tensorprodukt ist trianguliert]
  1006. Sei $\com{M} \in \mathcal{K}(A\text{-Mod})$.
  1007. Dann ist $- \otimes_A \com{M}$ (und $\com{M} \otimes_A -$) ein triangulierter Funktor von $\mathcal{K}(A\text{-Mod})$
  1008. nach $\mathcal{K}(A\text{-Mod})$.
  1009. \label{satz:tor-is-triangulated}
  1010. \end{lemma}
  1011. \begin{proof}
  1012. Nach der Definition von ausgezeichneten Dreiecken in $\mathcal{K}$ genügt es nachzurechnen, dass
  1013. für $f\colon \com{X} \to \com{Y} $ in $\mathcal{K}om(\mathcal{A})$
  1014. und $\com{S} \in \mathcal{K}om(\mathcal{A})$ gilt:
  1015. \[
  1016. \com{C}_f \otimes_A \com{S} = \com{C}_{f \otimes \text{id}_{\com{S}}}
  1017. .\] Das rechnet man gradweise nach und zeigt, dass die Differentiale übereinstimmen.
  1018. \end{proof}
  1019. \begin{satz}[Adjunktion der Hom- und Tensorproduktkomplexe]
  1020. Seien $\com{M}, \com{N}, \com{P} \in \mathcal{K}(A\text{-Mod})$. Dann existiert
  1021. ein natürlicher Isomorphismus, der funktoriell in allen Variablen ist:
  1022. \[
  1023. \com{\operatorname{Hom}}(\com{M} \otimes_A \com{N}, \com{P})
  1024. = \com{\operatorname{Hom}}(\com{M},\com{\operatorname{Hom}} (\com{N} , \com{P} ))
  1025. .\]
  1026. \label{satz:adjunction-hom-tor-comp}
  1027. \end{satz}
  1028. \begin{proof}
  1029. Das gilt gradweise, weil für beliebige $A$-Moduln $M, N, P$ ein natürlicher Isomorphismus
  1030. \[
  1031. \operatorname{Hom}_{A}(M \otimes_A N, P) \to \operatorname{Hom}_{A}(M, \operatorname{Hom}_{A}(N, P))
  1032. \] existiert. Man verifiziert, dass die gradweisen Isomorphismen Komplexhomomorphismen bilden.
  1033. \end{proof}
  1034. % TODO: verstehe ich nicht aber habe alternative
  1035. %\begin{lemma}[]
  1036. % Sei $\com{A} \in \mathcal{K}$ und $\mathcal{G}$ eine Klasse von Objekten
  1037. % von $\mathcal{A}$, sodass jedes Objekt von $\mathcal{A}$ eine Einbettung
  1038. % in ein Objekt aus $\mathcal{G}$ besitzt. Angenommen
  1039. % $\com{\operatorname{Hom}}(\com{A}, E) \in \mathcal{K}(\mathcal{A}b)$ ist exakt für alle
  1040. % $E \in \mathcal{G}$. Dann ist $\com{A} $ exakt.
  1041. % \label{lemma:0.10}
  1042. %\end{lemma}
  1043. \newpage
  1044. \section{K-injektive und K-projektive Auflösungen}
  1045. \label{sec:resolutions}
  1046. Sei in diesem Abschnitt $\mathcal{A}$ eine abelsche Kategorie und
  1047. $\mathcal{K} = \mathcal{K}(\mathcal{A})$.
  1048. Sei weiter $\com{Y} \in \mathcal{K}$.
  1049. Um die Bedingungen von \ref{satz:existence-derived-functors} für
  1050. $\com{\operatorname{Hom}}(\com{Y}, -)$ (bzw. $\com{\operatorname{Hom}}(-, \com{Y})$)
  1051. zu erfüllen, benötigen wir
  1052. eine triangulierte Unterkategorie $\mathcal{L}$ von Komplexen in $\mathcal{K}$, sodass
  1053. \begin{enumerate}[(i)]
  1054. \item für jeden Komplex $\com{X} \in \mathcal{K}$ ein Quasiisomorphismus
  1055. $\com{X} \to \com{I}$ mit $\com{I} \in \mathcal{L}$
  1056. (bzw. $\com{P} \to \com{X} $ mit $\com{P} \in \mathcal{L}$)
  1057. existiert, und
  1058. \item $\com{\operatorname{Hom}}(\com{Y}, -)$ (bzw. $\com{\operatorname{Hom}}(-, \com{Y})$) Exaktheit
  1059. von Komplexen aus $\mathcal{L}$ erhält.
  1060. \end{enumerate}
  1061. Dazu definieren wir:
  1062. \begin{definition}[K-injektiv]
  1063. Ein Komplex $\com{I} \in \mathcal{K}$ heißt \emph{K-injektiv}, wenn der Funktor
  1064. $\com{\operatorname{Hom}}(-, \com{I})$ Exaktheit von Komplexen erhält. Eine \emph{K-injektive
  1065. Auflösung} eines Komplexes $\com{X} \in \mathcal{K}$ ist
  1066. ein Quasiisomorphismus $\com{X} \to \com{I} $ mit
  1067. $\com{I} \in \mathcal{K}$ K-injektiv.
  1068. \end{definition}
  1069. \begin{definition}[K-projektiv]
  1070. Ein Komplex $\com{P} \in \mathcal{K}$ heißt \emph{K-projektiv}, wenn der Funktor
  1071. $\com{\operatorname{Hom}}(\com{P}, -)$ Exaktheit von Komplexen erhält. Eine \emph{K-projektive
  1072. Auflösung} eines Komplexes $\com{X} \in \mathcal{K}$ ist
  1073. ein Quasiisomorphismus $\com{P} \to \com{X} $ mit
  1074. $\com{P} \in \mathcal{K}$ K-projektiv.
  1075. \end{definition}
  1076. Das Ziel dieses Abschnitts ist das folgende Resultat:
  1077. \begin{satz}
  1078. Sei $R$ ein Ring und $\mathcal{A}$ die Kategorie der $R$-(Links-)Moduln. Dann
  1079. hat jeder Komplex in $\mathcal{A}$ eine K-injektive und eine K-projektive
  1080. Auflösung.
  1081. \label{satz:r-mod-existence-k-proj-and-k-inj-resolutions}
  1082. \end{satz}
  1083. Die Vorgehensweise orientiert sich dabei an den Abschnitten 1 bis 3 von \cite{spaltenstein}.
  1084. \subsection{Elementare Eigenschaften von K-injektiven und K-projektiven Komplexen}
  1085. Zunächst werden einige grundlegenden Eigenschaften von K-injektiven und K-projektiven
  1086. Komplexen entwickelt.
  1087. \begin{lemma}[]
  1088. Sei $\com{X} \in \mathcal{K}$. Es gilt
  1089. \begin{align*}
  1090. \com{X} \text{ K-injektiv} &\iff \operatorname{Mor}_{\mathcal{K}}(\com{S} , \com{X} ) = 0 \quad \forall \com{S} \in \mathcal{K} \text{ exakt}\\
  1091. \com{X} \text{ K-projektiv} &\iff \operatorname{Mor}_{\mathcal{K}}(\com{X} , \com{S} ) = 0 \quad \forall \com{S} \in \mathcal{K} \text{ exakt}
  1092. .\end{align*}
  1093. \label{lemma:mork-crit-for-k-inj}
  1094. \end{lemma}
  1095. \begin{proof}
  1096. Mit \ref{hom-compl-cohomgroups} ist $\com{X}$
  1097. genau dann K-injektiv, wenn für jeden exakten Komplex
  1098. $\com{S} \in \mathcal{K}$ gilt, dass
  1099. $\operatorname{Mor}_{\mathcal{K}}(\com{S}[i] , \com{X}) = 0$ $\forall i \in \Z$.
  1100. Da Verschieben Exaktheit erhält folgt die Behauptung. Die duale Aussage folgt durch Umdrehen der Pfeile.
  1101. \end{proof}
  1102. \begin{lemma}
  1103. Ein exakter K-projektiver oder K-injektiver Komplex $\com{X} \in \mathcal{K}$
  1104. ist zusammenziehbar, das heißt nullhomotop, also in $\mathcal{K}$ isomorph zum Nullkomplex.
  1105. \label{lemma:k-inj-exact-contractible}
  1106. \end{lemma}
  1107. \begin{proof}
  1108. Betrachte $\mathrm{id}_{\com{X}} \in \mathrm{Mor}_{\K}(\com{X} , \com{X})
  1109. \stackrel{\ref{lemma:mork-crit-for-k-inj}}{=} 0$. Also ist $\mathrm{id}_{\com{X} } = 0$ und damit
  1110. $\com{X} = 0$ in $\K$.
  1111. \end{proof}
  1112. \begin{bem}
  1113. Aus \ref{lemma:k-inj-exact-contractible} folgt, dass für einen exakten und K-injektiven Komplex
  1114. $\com{I} \in \mathcal{K}$ und
  1115. einen beliebigen Komplex $\com{X} \in \mathcal{K}$,
  1116. der Komplex $\com{\operatorname{Hom}}(\com{X}, \com{I})$ exakt ist, denn
  1117. \[
  1118. H^{i}(\com{\operatorname{Hom}}(\com{X}, \com{I})) = \operatorname{Mor}_{\mathcal{K}}(\com{X}, \com{I}[i])
  1119. \stackrel{\ref{lemma:k-inj-exact-contractible}}{=} \operatorname{Mor}_{\mathcal{K}}(\com{X}, 0) = 0
  1120. .\] Analog gilt die duale Version für exakte K-projektive Komplexe.
  1121. \label{satz:hom-exact-for-k-inj}
  1122. %auch $\com{\operatorname{Hom}}(\com{X}, \com{I})$ exakt ist für alle $\com{M} \in \mathcal{K}$.
  1123. \end{bem}
  1124. Für ein Objekt $X \in \mathcal{A}$ stellt sich die Frage, ob Injektivität (bzw. Projektivität) von $X$ in $\mathcal{A}$
  1125. mit K-Injektivität (bzw. K-Projektivität) des Komplexes $\com{X}$, wobei $X^{i} = 0$ für alle $i \neq 0$ und
  1126. $X^{0} = X$, zusammenhängt. Die folgende Aussage stellt diesen Zusammenhang her:
  1127. \begin{satz}
  1128. Sei $\com{X} \in \K$ mit $X^{i} = 0$ $\forall i \neq 0$. Dann ist $\com{X} $ K-projektiv (bzw. K-injektiv) genau
  1129. dann wenn $X^{0}$ projektiv (bzw. injektiv) in $\mathcal{A}$ ist.
  1130. \label{satz:single-degree-compl-k-proj}
  1131. \end{satz}
  1132. \begin{proof}
  1133. Wir zeigen nur den K-projektiven Fall. Der K-injektive folgt dann durch Umdrehen
  1134. aller Pfeile.
  1135. ($\Rightarrow$) Sei $\com{X} $ K-projektiv und $\com{S} = [0 \to M \to N \to P \to 0]$ eine kurze exakte Folge in $\mathcal{A}$. Sei
  1136. $f\colon X^{0} \to P$. Das induziert einen Komplexhomomorphismus $\com{X} \to \com{S}$:
  1137. \[\begin{tikzcd}
  1138. 0 \arrow{d} \arrow{r} & 0 \arrow{d} \arrow{r} & X^0 \arrow{d}{f} \arrow[dashed]{dl}{k} \arrow{r}
  1139. & 0 \arrow{d} \arrow[dashed]{dl}\\
  1140. M \arrow{r} & N \arrow[twoheadrightarrow]{r}{v} & P \arrow{r} & 0
  1141. \end{tikzcd}\]
  1142. Nach Voraussetzung ist dieser nullhomotop, das heißt es existiert ein $k \colon X^{0} \to N$, sodass $f = vk$. Also ist
  1143. $v_{*}\colon \operatorname{Hom}_{\mathcal{A}}(X^{0}, N) \to \operatorname{Hom}_{\mathcal{A}}(X^{0}, P)$ surjektiv und damit $X^{0}$ projektiv.
  1144. ($\Leftarrow$) Sei nun $X^{0}$ projektiv, $\com{S} \in \mathcal{K}$ exakt und $f\colon \com{X} \to \com{S}$ ein
  1145. Komplexhomomorphismus. Dann betrachte
  1146. \[
  1147. \begin{tikzcd}
  1148. 0 \arrow[from=1-1,to=1-3] \arrow{d} & & X^{0} \arrow{r}
  1149. \arrow[swap, dashed, from=1-3,to=2-1]{}{k^{0}}
  1150. \arrow[dashed]{dl} \arrow{d}{f^{0}} & 0 \arrow{d} \\
  1151. S^{-1} \arrow[swap, twoheadrightarrow]{r}{d^{-1}} & \operatorname{im }d^{-1} \arrow{r} & S^{0}
  1152. \arrow[swap]{r}{d^{0}} & S^{1}
  1153. \end{tikzcd}
  1154. .\]
  1155. Da $d^{0}f^{0} = 0$, faktorisiert $f^{0}$ über $\operatorname{ker } d^{0} = \operatorname{im }d^{-1}$. Weil
  1156. $X^0$ projektiv ist, existiert $k^{0}\colon X^{0} \to S^{-1}$, sodass $f^{0} = d^{-1} k^{0}$
  1157. und damit ist $f$ nullhomotop.
  1158. \end{proof}
  1159. \begin{satz}[]
  1160. Die volle Unterkategorie der K-projektiven (bzw. K-injektiven) Komplexe in $\mathcal{K}$ ist
  1161. eine triangulierte Unterkategorie.
  1162. \label{satz:k-proj-triangulated}
  1163. \end{satz}
  1164. \begin{proof}
  1165. Wir zeigen Bedingungen (i) und (ii) aus \ref{def:triangulated-subcategory} in
  1166. der K-projektiven Version, die duale Aussage folgt durch Umdrehen der Pfeile.
  1167. \begin{enumerate}[(i)]
  1168. \item Das folgt aus \ref{lemma:mork-crit-for-k-inj}
  1169. und daraus, dass für $\com{X}, \com{S} \in \mathcal{K}$ gilt: $\com{S} $ exakt $\iff \com{S} [-1]$
  1170. exakt und
  1171. \[
  1172. \operatorname{Mor}_{\mathcal{K}}(\com{X}, \com{S}[-1]) = \operatorname{Mor}_{\mathcal{K}}(\com{X}[1], \com{S})
  1173. .\]
  1174. \item Sei $(\com{X}, \com{Y}, \com{Z}, u, v, w)$ ein ausgezeichnetes Dreieck in $\mathcal{K}$
  1175. mit $\com{X}, \com{Y} $ K-projektiv
  1176. und $\com{S} \in \mathcal{K}$ ein exakter Komplex. Nach Anwenden von $\operatorname{Mor}_{\mathcal{K}}(-, \com{S})$
  1177. ist dann mit \ref{hom-cohom-func} die Folge
  1178. \[
  1179. \begin{tikzcd}
  1180. \underbrace{\operatorname{Mor}_{\mathcal{K}}(\com{X}[1], \com{S})}_{= 0} \arrow{r}
  1181. & \operatorname{Mor}_{\mathcal{K}}(\com{Z}, \com{S} ) \arrow{r}
  1182. &
  1183. \underbrace{\operatorname{Mor}_{\mathcal{K}}(\com{Y}, \com{S} )}_{= 0}
  1184. \end{tikzcd}
  1185. .\]
  1186. \[
  1187. \] exakt und die äußeren Terme $0$ nach Voraussetzung und (i). Also folgt
  1188. $\operatorname{Mor}_{\mathcal{K}}(\com{Z}, \com{S}) = 0$, und damit $\com{Z} $ K-projektiv.
  1189. Der allgemeine Fall folgt nun mit \hyperref[TR2]{TR2}.
  1190. \end{enumerate}
  1191. \end{proof}
  1192. \begin{satz}
  1193. Sei $\com{P} \in \mathcal{K}$. Dann sind äquivalent
  1194. \begin{enumerate}[(i)]
  1195. \item $\com{P} $ K-projektiv.
  1196. \item Für jeden Quasiisomorphismus $\com{X} \to \com{Y} $ in $\mathcal{K}$ ist der natürliche Homomorphismus
  1197. \[
  1198. \operatorname{Mor}_{\mathcal{K}}(\com{P} , \com{X} ) \to \operatorname{Mor}_{\mathcal{K}}(\com{P} , \com{Y} )
  1199. \] ein Isomorphismus.
  1200. \item Für $\com{S} \in \mathcal{K}$ ist der natürliche Homomorphismus
  1201. \[
  1202. \operatorname{Mor}_{\mathcal{K}}(\com{P} , \com{S} ) \to \operatorname{Mor}_{\mathcal{D}}(\com{P} , \com{S} )
  1203. \] ein Isomorphismus.
  1204. \end{enumerate}
  1205. \label{satz:mork=mord-for-kproj}
  1206. \end{satz}
  1207. \begin{proof}
  1208. (i)$\implies$(ii): Sei $f\colon \com{X} \to \com{Y} $ ein Quasiisomorphismus. Dann ist
  1209. \[
  1210. \begin{tikzcd}
  1211. \com{X} \arrow{r}{f} & \com{Y} \arrow{r} & \com{C_f} \arrow{r} & \com{X}[1]
  1212. \end{tikzcd}
  1213. \] ein ausgezeichnetes Dreieck und $\com{C_f}$ ist nach \ref{mapping-cone-exact-for-qis} exakt. Anwenden von
  1214. $\operatorname{Mor}_{\mathcal{K}}(\com{P} , -) $ liefert mit \ref{hom-cohom-func} eine exakte Folge:
  1215. \[
  1216. \begin{tikzcd}
  1217. \underbrace{\operatorname{Mor}_{\mathcal{K}}(\com{P} , \com{C_f}[-1]) \arrow{r}}_{= 0} &
  1218. \operatorname{Mor}_{\mathcal{K}}(\com{P} , \com{X} ) \arrow{r} &
  1219. \operatorname{Mor}_{\mathcal{K}}(\com{P} , \com{Y} ) \arrow{r} &
  1220. \underbrace{\operatorname{Mor}_{\mathcal{K}}(\com{P}, \com{C_f} ) }_{= 0}
  1221. \end{tikzcd}
  1222. .\] Die äußeren Terme sind 0, da $\com{P} $ K-projektiv ist, also folgt der behauptete Isomorphismus.
  1223. (ii)$\implies$(iii): Injektivität: Sei $f\colon \com{P} \to \com{S} $, sodass $\text{id}^{-1}f = 0$. Nach
  1224. \ref{derived-cat-morphism-null} existiert ein Quasiisomorphismus $t\colon \com{S} \to \com{T} $ , sodass $tf= 0$.
  1225. Nach (ii) ist $t_{*}\colon \operatorname{Mor}_{\mathcal{K}}(\com{P} , \com{S} ) \to \operatorname{Mor}_{\mathcal{K}}(\com{P} , \com{T} ) $
  1226. injektiv, also folgt $f = 0$. Surjektivität: Sei $a \in \operatorname{Mor}_{\mathcal{D}}(\com{P} , \com{S} ) $. Dann
  1227. ist $a$ ein Diagramm in $\mathcal{K}$
  1228. \[
  1229. \begin{tikzcd}
  1230. & \com{Y} & \\
  1231. \com{P} \arrow{ur}{f} & & \arrow{ul}{s} \com{S}
  1232. \end{tikzcd}
  1233. \] mit $s$ Quasiisomorphismus. Nach (ii) ist $s_{*}\colon \operatorname{Mor}_{\mathcal{K}}(\com{P} , \com{S} ) \to \operatorname{Mor}_{\mathcal{K}}(\com{P} , \com{Y} ) $ surjektiv, also existiert ein $g\colon \com{P} \to \com{S} $, sodass $sg = f$. Also
  1234. kommutiert
  1235. \[
  1236. \begin{tikzcd}
  1237. & \com{S} \arrow{d}{s} & \\
  1238. \com{P} \arrow{dr}{f} \arrow{ur}{g} & \com{Y} & \arrow{l}{s} \arrow[swap]{ul}{\text{id}} \com{S} \arrow{dl}{s}\\
  1239. & \com{Y} \arrow{u}{\text{id}} & \\
  1240. \end{tikzcd}
  1241. .\] Damit folgt $a = g\text{id}^{-1}$.
  1242. (iii)$\implies$(i): Sei $\com{S} $ exakt. Dann ist $\com{S} \to 0$ ein Quasiisomorphismus, also
  1243. $\com{S} = 0$ in $\mathcal{D}$, also
  1244. \[
  1245. \operatorname{Mor}_{\mathcal{K}}(\com{P} , \com{S} )
  1246. \stackrel{\text{(ii)}}{=} \operatorname{Mor}_{\mathcal{D}}(\com{P} , \com{S} )
  1247. = \operatorname{Mor}_{\mathcal{D}}(\com{P} , \com{0} ) = 0
  1248. .\]
  1249. \end{proof}
  1250. \begin{satz}
  1251. Sei $\com{P} \in \mathcal{K}$. Dann sind äquivalent
  1252. \begin{enumerate}[(i)]
  1253. \item $\com{P} $ K-projektiv.
  1254. \item Für alle Diagramme in $\mathcal{K}$
  1255. \[
  1256. \begin{tikzcd}
  1257. & \com{X} \arrow{d}{s} \\
  1258. \com{P} \arrow{r}{f} & \com{Y}\\
  1259. \end{tikzcd}
  1260. \] mit einem Quasiisomorphismus $s$, existiert genau ein $g\colon \com{P} \to \com{X} $, sodass
  1261. $sg= f$ in $\mathcal{K}$.
  1262. \item Für alle Quasiisomorphismen $s\colon \com{S} \to \com{P} $ in $\mathcal{K}$ existiert ein
  1263. $g\colon \com{P} \to \com{S} $, sodass $sg = \text{id}_{\com{P} }$ in $\mathcal{K}$.
  1264. \end{enumerate}
  1265. \end{satz}
  1266. \begin{proof}
  1267. (i)$\implies$(ii): Betrachte das gegebene Diagramm in $\mathcal{D}$:
  1268. \[
  1269. \begin{tikzcd}
  1270. & \com{X} \arrow{d}{\text{id}^{-1}s} \\
  1271. \com{P} \arrow[dashed]{ur}{g} \arrow[swap]{r}{\text{id}^{-1}f} & \com{Y}
  1272. \end{tikzcd}
  1273. .\] Da $s$ ein Quasiisomorphismus ist, induziert $s$ einen Isomorphismus in $\mathcal{D}$.
  1274. Also existiert genau ein
  1275. $g\colon \com{P} \to \com{X} $ in $\mathcal{D}$, sodass das Diagramm kommutiert. \ref{satz:mork=mord-for-kproj}
  1276. (iii) liefert das gewünschte Diagramm in $\mathcal{K}$.
  1277. (ii)$\implies$(iii): Betrachte
  1278. \[
  1279. \begin{tikzcd}
  1280. & \com{S} \arrow{d}{s} \\
  1281. \com{P} \arrow{r}{\text{id}} & \com{P}
  1282. \end{tikzcd}
  1283. .\] Da $s$ ein Quasiisomorphismus ist,
  1284. existiert mit (ii) ein $g\colon \com{P} \to \com{S}$, sodass $sg = \text{id}_{\com{P} }$.
  1285. (iii)$\implies$(i): Erneut mit \ref{satz:mork=mord-for-kproj} genügt es zu zeigen, dass für
  1286. $\com{S} \in \mathcal{K}$ die natürliche Abbildung
  1287. $\operatorname{Mor}_{\mathcal{K}}(\com{P} , \com{S} ) \to \operatorname{Mor}_{\mathcal{D}}(\com{P} , \com{S} ) $ bijektiv ist.
  1288. Injektivität: Sei $f\colon \com{P} \to \com{S} $ mit $\text{id}^{-1}f = 0$ in $\mathcal{D}$. Dann
  1289. existiert nach \ref{derived-cat-morphism-null} ein Quasiisomorphismus $t\colon \com{T} \to \com{P} $
  1290. mit $ft = 0$.
  1291. Also existiert mit (iii) ein $g\colon \com{P} \to \com{T} $, sodass $tg = \text{id}_{\com{P} }$, also
  1292. \[
  1293. f = f \text{id}_{\com{P} } = \underbrace{ft}_{=0}g = 0
  1294. .\]
  1295. Surjektivität: Sei $a \colon \com{P} \to \com{S} $ in $\mathcal{D}$. Dann ist $a$ gegeben durch ein Diagramm
  1296. \[
  1297. \begin{tikzcd}
  1298. & \com{Q} \arrow{dr}{f} \arrow{dl}{s} & \\
  1299. \com{P} & & \com{S}
  1300. \end{tikzcd}
  1301. \] in $\mathcal{K}$ mit einem Quasiisomorphismus $s$. Nach (iii) existiert ein $t\colon \com{P} \to \com{Q}$ mit
  1302. $st = \text{id}_{\com{P} }$. Dann ist
  1303. \[
  1304. \begin{tikzcd}
  1305. & \com{Q} \arrow{dl}{s} \arrow{dr}{f} & \\
  1306. \com{P} & \com{P} \arrow{l}{\text{id}} \arrow{u}{t} \arrow{d}{\text{id}} & \com{S} \\
  1307. & \com{P} \arrow{ul}{\text{id}} \arrow{ur}{ft} & \\
  1308. \end{tikzcd}
  1309. \] ein kommutatives Diagramm in $\mathcal{K}$, also folgt $a = s^{-1}f = \text{id}^{-1}(ft)$ in $\mathcal{D}$.
  1310. \end{proof}
  1311. Durch Umdrehen aller Pfeile erhalten wir analog:
  1312. \begin{satz}[]
  1313. Für jeden Komplex $\com{I} \in \mathcal{K}$ sind äquivalent:
  1314. \begin{enumerate}[(i)]
  1315. \item $\com{I}$ K-injektiv
  1316. \item Für $\com{S} \in \mathcal{K}$ ist der natürliche Homomorphismus
  1317. \[
  1318. \operatorname{Mor}_{\mathcal{K}}(\com{S} , \com{I} ) \to \operatorname{Mor}_{\mathcal{D}}(\com{S} , \com{I} )
  1319. \] ein Isomorphismus.
  1320. \item Für jedes Diagramm in $\mathcal{K}$
  1321. \[
  1322. \begin{tikzcd}
  1323. \com{Y} \arrow{r}{f} \arrow{d}{s} & \com{I} \\
  1324. \com{X}
  1325. \end{tikzcd}
  1326. \] mit $s$ Quasiisomorphismus, existiert genau ein $g\colon \com{X} \to \com{I} $,
  1327. sodass $gs = f$ in $\mathcal{K}$.
  1328. \item Für jeden Quasiisomorphismus $s\colon \com{I} \to \com{S} $ in $\mathcal{K}$ existiert ein
  1329. $g\colon \com{S} \to \com{I} $, sodass $gs = \text{id}_{\com{I} }$ in $\mathcal{K}$.
  1330. \end{enumerate}
  1331. \label{satz:mork=mord-for-k-inj}
  1332. \end{satz}
  1333. \subsection{Spezielle inverse und direkte Systeme}
  1334. Nun stellt sich die Aufgabe für jeden Komplex $\com{A} \in \mathcal{K}$ eine K-injektive und eine K-projektive
  1335. Auflösung zu konstruieren. Dies machen wir mit sogenannten speziellen inversen bzw. direkten Systemen.
  1336. \begin{definition}[Spezielles inverses System]
  1337. Sei $\mathcal{J} \subset \mathcal{K}$ eine Klasse von Komplexen.
  1338. \begin{enumerate}[(a)]
  1339. \item Ein inverses System $(\com{I}_n)_{n \in \N}$ in $\mathcal{K}$ heißt
  1340. \emph{$\mathcal{J}$-spezielles inverses System}, falls folgende Bedingungen erfüllt sind:
  1341. \begin{enumerate}[(i)]
  1342. \item Falls $n = 1$, dann ist $\com{I}_n = 0$.
  1343. \item Falls $n > 1$, dann sei $\com{C}_n$ der Kern der natürlichen Abbildung
  1344. $\com{I} _n \to \com{I}_{n-1}$. Dann ist $\com{C}_n \in \mathcal{J}$ und
  1345. die kurze Folge
  1346. \[
  1347. \begin{tikzcd}
  1348. 0 \arrow{r} & \com{C}_n \arrow{r}
  1349. & \com{I}_n \arrow{r}
  1350. & \com{I}_{n-1} \arrow{r}
  1351. & 0
  1352. \end{tikzcd}
  1353. %0 \to \com{C}_n \to \com{I}_n \to \com{I} _{n-1} \to 0
  1354. \] ist exakt und zerfällt stufenweise.
  1355. \end{enumerate}
  1356. \item Die Klasse $\mathcal{J}$ heißt \emph{abgeschlossen unter speziellen inversen Limites},
  1357. falls jedes
  1358. $\mathcal{J}$-spezielle inverse System in $\mathcal{K}$ einen Limes in $\mathcal{J}$ besitzt und jeder
  1359. Komplex in $\mathcal{K}$, der isomorph zu einem Komplex in $\mathcal{J}$ ist, bereits in $\mathcal{J}$ ist.
  1360. \end{enumerate}
  1361. \label{def:special-inv-system}
  1362. \end{definition}
  1363. % TODO: beispiel funktioniert nicht mit N als indexmenge, wird nicht benoetigt
  1364. %\item Sei $\mathcal{J}$ eine Klasse von Komplexen abgeschlossen unter speziellen inversen Limites mit
  1365. % $\com{A} \in \mathcal{J} \iff \com{A}[1] \in \mathcal{J}$. Dann ist für $\com{A}, \com{B} \in \mathcal{J}$
  1366. % und $u \colon \com{A} \to \com{B} $, auch $\com{C}_u$ in $\mathcal{J}$. Denn
  1367. % \[
  1368. % \com{C}_u \to \com{A}[1] \to 0
  1369. % \] ist ein $\mathcal{J}$-spezielles inverses System mit Limes $\com{C}_u$.
  1370. \begin{lemma}
  1371. Sei $\mathcal{J}_0$ eine Klasse von Objekten von $\mathcal{A}$. Sei weiter $\mathcal{J}$ eine
  1372. unter speziellen inversen Limites abgeschlossene Klasse
  1373. von Objekten in $\mathcal{K}$, sodass jeder Komplex $\com{A} \in \mathcal{K}$ mit nur einem nicht-null
  1374. Term und mit $A^{i} \in \mathcal{J}_0$ für $i \in \Z$, in $\mathcal{J}$ enthalten ist. Dann
  1375. ist jeder nach unten beschränkte Komplex $\com{A} \in \mathcal{K}$ mit $A^{i} \in \mathcal{J}_0$
  1376. für $i \in \Z$ in $\mathcal{J}$ enthalten.
  1377. \label{lemma:bounded-compl-in-complete-class}
  1378. \end{lemma}
  1379. \begin{proof}
  1380. Sei $\com{A} \in \mathcal{K}$ nach unten beschränkt mit
  1381. $A^{i} \in \mathcal{J}_0$ für alle $i \in \Z$. Ohne Einschränkung
  1382. sei $A^{i} = 0$ für alle $i < 0$. Dann sind die Spalten des nachstehenden Diagramms ein
  1383. $\mathcal{J}$-spezielles inverses System $(\com{S}_n)_{n \in \N}$ mit
  1384. Übergangsabbildungen $p_n$,
  1385. \[
  1386. \begin{tikzcd}
  1387. \cdots \arrow{r} & 0 \arrow{r} \arrow{d} & 0 \arrow{r} \arrow{d} & 0 \arrow{r} \arrow{d} & 0 \arrow{d}\\
  1388. \cdots\arrow{r} & A^{0} \arrow{d} \arrow{r} & A^{0} \arrow{d} \arrow{r} & A^{0} \arrow{d} \arrow{r} & 0 \arrow{d}\\
  1389. \cdots\arrow{r} & A^{1} \arrow{d} \arrow{r} & A^{1} \arrow{d} \arrow{r} & 0 \arrow{d} \arrow{r} & 0 \arrow{d}\\
  1390. \cdots\arrow{r} & A^{2} \arrow{d} \arrow{r} & 0 \arrow{d} \arrow{r} & 0 \arrow{d} \arrow{r} & 0 \arrow{d} \\
  1391. & \vdots & \vdots & \vdots & \vdots \\
  1392. \end{tikzcd}
  1393. \] denn für $n > 1$ ist $\operatorname{ker } p_n$ = $[\cdots \to 0 \to \underbrace{A^{n-2}}_{\in \mathcal{J}_0} \to 0 \to \cdots ]$. Nach
  1394. Voraussetzung ist also $\operatorname{ker } p_n$ in $\mathcal{J}$ und die kurze exakte Folge
  1395. $0 \to \operatorname{ker } p_n \to \com{S}_n \to \com{S}_{n-1} \to 0$ zerfällt gradweise. Also folgt
  1396. $\com{A} = \lim \com{S}_n \in \mathcal{J}$.
  1397. \end{proof}
  1398. Im Folgenden zeigen wir, dass die Klasse der K-injektiven Komplexe
  1399. abgeschlossen unter speziellen inversen Limites ist. Dazu zeigen wir zunächst, dass dies für die Klasse
  1400. der exakten Komplexe gilt. Da der inverse Limes im Allgemeinen nicht exakt ist, benötigen wir dafür ein
  1401. technisches Hilfswerkzeug für inverse Systeme in $\mathcal{A}b$.
  1402. \begin{definition}
  1403. %Wir sagen eine totalgeordnete Indexmenge $(I, \le)$ genüge der Bedingung (S), wenn eine ordnungserhaltende
  1404. %Bijektion $\iota\colon I \to \N$ existiert. Für $i \in I$ bezeichne, falls dieser existiert, mit $i+1$ bzw. $i-1$, den
  1405. %von $\iota$ induzierten Vorgänger bzw. Nachfolger von $i$.
  1406. Ein inverses System $(M_n)_{n \in \N}$ in $\mathcal{A}b$ genüge der Bedingung
  1407. \emph{(R)}, wenn folgende Eigenschaften erfüllt sind:
  1408. \begin{enumerate}[(i)]
  1409. \item $M_1 = 0$.
  1410. \item Für $n > 1$ ist die Abbildung $M_n \to M_{n-1}$ surjektiv.
  1411. \end{enumerate}
  1412. %Weiter sagen wir ein inverses System $(M_i)_{i \in I}$ in $\mathcal{A}b$ genüge der Bedingung
  1413. %(R), wenn folgende Eigenschaften erfüllt sind:
  1414. %\begin{enumerate}[(i)]
  1415. % \item $I$ genügt Bedingung (S).
  1416. % \item $M_1 = 0$.
  1417. % \item Für $i > I_{\operatorname{min}}$ ist die Abbildung $M_i \to M_{i-1}$ surjektiv.
  1418. %\end{enumerate}
  1419. \label{def:cond-r}
  1420. \end{definition}
  1421. \begin{bsp}
  1422. Spezielle inverse Systeme in $\mathcal{A}b$ erfüllen (R).
  1423. \end{bsp}
  1424. \begin{lemma}
  1425. Seien
  1426. $(A_n)_{n \in \N}$, $(B_{n})_{n \in \N}$, $(C_n)_{n \in \N}$ und $(D_n)_{n \in \N}$
  1427. inverse Systeme in $\mathcal{A}b$, die (R) erfüllen und seien
  1428. \begin{equation}
  1429. \begin{tikzcd}
  1430. (A_n)_{n \in \N} \arrow{r}{(f_n)_{n \in \N}} & (B_n)_{n \in \N} \arrow{r}{(g_n)_{n \in \N}} &
  1431. (C_n)_{n \in \N} \arrow{r}{(h_n)_{n \in \N}} & (D_n)_{n \in \N}
  1432. \end{tikzcd}
  1433. \label{eq:0.11-inv-systems}
  1434. \end{equation}
  1435. Morphismen von inversen Systemen mit $g_n \circ f_n = 0 = h_n \circ g_n$
  1436. für $n \in \N$ und sei
  1437. \[
  1438. \begin{tikzcd}
  1439. A \arrow{r}{f} & B \arrow{r}{g} & C \arrow{r}{h} & D
  1440. \end{tikzcd}
  1441. \] der Limes von \eqref{eq:0.11-inv-systems}. Für $n \in \N$ mit $n > 1$
  1442. seien $A_n'$, $B_n'$, $C_n'$ und $D_n'$ die jeweiligen Kerne
  1443. der Übergangsabbildungen $A_n \to A_{n-1}$, $B_n \to B_{n-1}$, $C_n \to C_{n-1}$
  1444. und $D_n \to D_{n-1}$.
  1445. Sei weiter $N \in \N$, sodass für alle $n > N$ die Folge
  1446. \[
  1447. \begin{tikzcd}
  1448. A_n' \arrow{r} & B_n' \arrow{r} & C_n' \arrow{r} & D_n'
  1449. \end{tikzcd}
  1450. \] exakt ist.
  1451. Dann ist die natürliche Abbildung
  1452. \[
  1453. \operatorname{ker } g / \operatorname{im } f \longrightarrow \operatorname{ker } g_N / \operatorname{im } f_N
  1454. \] ein Isomorphismus.
  1455. \label{0.11}
  1456. \end{lemma}
  1457. \begin{proof}
  1458. Sei
  1459. $N \in \N$ mit der beschriebenen Eigenschaft. Dann betrachte das folgende kommutative Diagramm und
  1460. mache Diagrammjagd.
  1461. \begin{equation}
  1462. \begin{tikzcd}
  1463. A \arrow[twoheadrightarrow]{r}{f} \arrow{d} & \operatorname{im } f \arrow[hookrightarrow]{r}
  1464. & \operatorname{ker } g \arrow[hookrightarrow]{r} \arrow{d}
  1465. & B \arrow{r}{g} \arrow{d}
  1466. & C \arrow{r}{h} \arrow{d}
  1467. & D \arrow{d} \\
  1468. A_N \arrow[twoheadrightarrow]{r}{f_N} & \operatorname{im } f_N \arrow[hookrightarrow]{r}
  1469. & \operatorname{ker } g_N \arrow[hookrightarrow]{r}
  1470. & B_N \arrow{r}{g_N}
  1471. & C_N \arrow{r}{h_N}
  1472. & D_N \\
  1473. A_{N+1} \arrow[twoheadrightarrow]{r}{f_{N+1}} \arrow[twoheadrightarrow]{u}{p_{A}}
  1474. & \operatorname{im } f_{N+1} \arrow[hookrightarrow]{r} \arrow{u}
  1475. & \operatorname{ker } g_{N+1} \arrow[hookrightarrow]{r} \arrow{u}
  1476. & B_{N+1} \arrow{r}{g_{N+1}} \arrow[twoheadrightarrow]{u}{p_B}
  1477. & C_{N+1} \arrow{r}{h_{N+1}} \arrow[twoheadrightarrow]{u}{p_C}
  1478. & D_{N+1} \arrow[twoheadrightarrow]{u}{p_D} \\
  1479. \operatorname{ker } p_{A} \arrow[from=4-1, to=4-4] \arrow[hookrightarrow]{u} & &
  1480. & \operatorname{ker } p_{B} \arrow{r} \arrow[hookrightarrow]{u}
  1481. & \operatorname{ker } p_{C} \arrow{r} \arrow[hookrightarrow]{u}
  1482. & \operatorname{ker } p_{D} \arrow[hookrightarrow]{u} \\
  1483. \end{tikzcd}
  1484. \label{eq:0.11-diag}
  1485. \end{equation}
  1486. Injektivität: Sei $(b_n)_{n \in \N} \in \operatorname{ker } g$, sodass $b_N \in \operatorname{im }f_N$.
  1487. Dann existiert ein $a_N \in A_N$, sodass $f_N(a_N) = b_N$. Da $p_A$ surjektiv ist,
  1488. existiert ein $x \in A_{N+1}$, sodass $p_A(x) = a_N$. Sei
  1489. $y = f_{N+1}(x)$. Weil \eqref{eq:0.11-diag} kommutativ ist,
  1490. folgt
  1491. \[
  1492. p_B(y) = p_B(f_{N+1}(x)) = f_N(p_A(x)) = f_N(a_N) = b_N
  1493. .\] Da $(b_n)_{n \in \N}$ ein kompatibles
  1494. System ist, gilt zudem $p_{B}(b_{N+1}) = b_N$. Also ist
  1495. $b_{N+1} - y \in \operatorname{ker } p_{B}$. Weil $y, b_{N+1} \in \operatorname{ker } g_{N+1}$,
  1496. existiert aufgrund der Exaktheit der unteren Zeile ein $\tilde{x} \in \operatorname{ker } p_A$,
  1497. sodass $f_{N+1}(\tilde{x}) = b_{N+1} - y$. Nun
  1498. setze $a_{N+1} \coloneqq \tilde{x} + x$. Dann ist
  1499. \[
  1500. f_{N+1}(a_{N+1}) = f_{N+1}(\tilde{x} + x) = b_{N+1} - y + y = b_{N+1}
  1501. \]
  1502. und
  1503. \[
  1504. p_{A}(a_{N+1}) = p_{A}(\tilde{x} + x) = p_{A}(x) = a_N
  1505. ,\] denn $\tilde{x} \in \operatorname{ker } p_{A}$. Konstruiere so induktiv eine kompatible
  1506. Familie $(a_{n})_{n\ge N}$ mit $f(a_n) = b_n$ für alle $n \ge N$. Für $n < N$ setze
  1507. $a_n \coloneqq p_{A_{n+1}}(a_{n+1})$. Die Kommutativität von \eqref{eq:0.11-diag}
  1508. liefert dann, dass $(a_n)_{n \in \N}$ ein kompatibles System ist mit $f(a_{n}) = b_n$ für alle $n \in \N$.
  1509. Surjektivität: Sei $b \in \operatorname{ker } g_N$. Weil $p_B$ surjektiv ist, existiert ein
  1510. $y \in B_{N+1}$, sodass $p_B(y) = b$. Sei $z = g_{N+1}(y)$.
  1511. Aufgrund der Kommutativität von
  1512. \eqref{eq:0.11-diag} ist dann
  1513. \[
  1514. p_C(z) = p_C(g_{N+1}(y)) = g_N(p_B(y)) = g_N(b) = 0
  1515. ,\]
  1516. also
  1517. folgt $z \in \operatorname{ker } p_C$. Da $h_{N+1} \circ g_{N+1} = 0$ folgt
  1518. \[
  1519. h_{N+1}(z) = h_{N+1}(g_{N+1}(z)) = 0
  1520. .\]
  1521. Da die untere Zeile exakt ist, existiert nun
  1522. ein $\tilde{y} \in \operatorname{ker } p_B$, sodass $g_{N+1}(\tilde{y}) = z$. Also ist
  1523. $y - \tilde{y} \in \operatorname{ker } g_{N+1}$ und
  1524. \[
  1525. p_B(y - \tilde{y}) = p_B(y) = b
  1526. .\]
  1527. Setze $b_{N+1} \coloneqq y - \tilde{y}$ und $b_N \coloneqq b$.
  1528. Dann konstruiere induktiv eine kompatible
  1529. Familie $(b_n)_{n \ge N}$ mit $b_n \in \operatorname{ker } g_{n}$ für alle $n \ge N$. Für $n < N$ setze wie
  1530. oben $b_n \coloneqq p_{B_{n+1}}(b_{n+1})$. Erneut liefert die Kommutativität von
  1531. \eqref{eq:0.11-diag}, dass $(b_n)_{n \in \N} \in \operatorname{ker } g$ ein kompatibles System mit $b_N = b$ ist.
  1532. \end{proof}
  1533. \begin{bem}
  1534. Falls in der Situation von \ref{0.11}, $N= 1$ gewählt werden kann, folgt wegen $A_1 = B_1 = C_1 = D_1 = 0$,
  1535. dass die Folge
  1536. \[
  1537. \begin{tikzcd}
  1538. A \arrow{r}{f} & B \arrow{r}{g} & C
  1539. \end{tikzcd}
  1540. \] exakt ist.
  1541. \end{bem}
  1542. \begin{korollar}
  1543. Die Klasse $\mathcal{E}$ der exakten Komplexe in $\mathcal{K}(\mathcal{A}b)$ ist abgeschlossen unter speziellen inversen Limites.
  1544. \label{lemma:exact-comp-complete-inv}
  1545. \end{korollar}
  1546. \begin{proof}
  1547. Sei $(\com{S}_n)_{n \in \N}$ ein $\mathcal{E}$-spezielles inverses System in $\mathcal{K}(\mathcal{A}b)$. Für $i \in \Z$
  1548. erfüllt $(S_n^{i})_{n \in \N}$ die Bedingung (R) aus \ref{def:cond-r}. Sei also $i \in \Z$ beliebig. Dann erfüllt
  1549. \[
  1550. (S_n^{i-1})_{n \in \N} \to (S_n^{i})_{n \in \N} \to (S_n^{i+1})_{n \in \N} \to (S_n^{i+2})_{n \in \N}
  1551. \] die Bedingungen von \ref{0.11} für $N = 1$,
  1552. da nach Voraussetzung für alle $n > 1$ der Komplex $\operatorname{ker}(\com{S}_n \to \com{S}_{n-1})$
  1553. exakt ist. Also ist die Folge
  1554. \[
  1555. \begin{tikzcd}
  1556. \lim S_n^{i-1} \arrow{r} \arrow{d}{=} & \lim S_n^{i} \arrow{d}{=} \arrow{r} & \lim S_n^{i+1} \arrow{d}{=}\\
  1557. (\lim S_n)^{i-1} \arrow{r} & (\lim S_n)^{i} \arrow{r} & (\lim S_n)^{i+1}
  1558. \end{tikzcd}
  1559. \] exakt. Da $i \in \Z$ beliebig war, folgt dass $\lim \com{S}_n$ exakt ist.
  1560. \end{proof}
  1561. \begin{satz}
  1562. Sei $\mathcal{B}$ eine weitere abelsche Kategorie und $\mathcal{J} \subset \mathcal{K}(\mathcal{B})$ abgeschlossen
  1563. unter speziellen inversen Limites. Angenommen inverse Limites existieren in $\mathcal{A}$ und sei
  1564. $F\colon \mathcal{K}(\mathcal{A}) \to \mathcal{K}(\mathcal{B})$ ein kovarianter Funktor,
  1565. der mit inversen Limites vertauscht und
  1566. gradweise zerfallende kurze exakte Folgen erhält.
  1567. Dann ist $F^{-1}(\mathcal{J}) \subset \mathcal{K}(\mathcal{A})$ abgeschlossen unter speziellen inversen Limites.
  1568. \label{satz:complete-inv-system-functor}
  1569. \end{satz}
  1570. \begin{proof}
  1571. Sei $(\com{S}_n)_{n \in \N}$ ein $F^{-1}(\mathcal{J})$-spezielles inverses System. Dann ist
  1572. $(F(\com{S}_n))_{n \in \N}$ ein $\mathcal{J}$-spezielles inverses System, denn
  1573. \begin{enumerate}[(i)]
  1574. \item $F(S_1) = F(0) = 0$, da $F$ mit inversen Limites vertauscht und die Null der (inverse)
  1575. Limes des leeren Diagramms
  1576. ist.
  1577. \item Für $n > 1$ ist nach Voraussetzung
  1578. \[
  1579. \begin{tikzcd}
  1580. 0 \arrow{r} & \operatorname{ker } p_n \arrow{r} & \com{S}_n \arrow{r}{p_n} & \com{S}_{n-1} \arrow{r} & 0
  1581. \end{tikzcd}
  1582. \]
  1583. exakt, zerfällt gradweise und $\operatorname{ker } p_n$ ist in $F^{-1}(\mathcal{J})$. Nach Voraussetzung ist damit
  1584. \[
  1585. \begin{tikzcd}
  1586. 0 \arrow{r} & F(\operatorname{ker } p_n) \arrow{r} & F(\com{S}_n) \arrow{r}{F(p_n)} & F(\com{S}_{n-1}) \arrow{r} & 0
  1587. \end{tikzcd}
  1588. \] exakt und zerfällt gradweise. Aus der Exaktheit folgt damit auch
  1589. $\operatorname{ker } F(p_n) = F(\operatorname{ker } p_n)$, also $\operatorname{ker } F(p_n) \in \mathcal{J}$.
  1590. \end{enumerate}
  1591. Also ist $F(\lim \com{S}_n) = \lim F(\com{S}_n) \in \mathcal{J}$ und damit $\lim \com{S}_n \in F^{-1}(\mathcal{J})$.
  1592. \end{proof}
  1593. \begin{korollar}
  1594. Sei $\mathcal{I}$ eine Klasse von Komplexen und angenommen in $\mathcal{A}$ existieren inverse Limites.
  1595. Dann ist die Klasse aller Komplexe $\com{A} \in \mathcal{K}$, sodass
  1596. $\com{\operatorname{Hom}}(\com{T}, \com{A})$ exakt ist für alle $\com{T} \in \mathcal{I}$, abgeschlossen unter speziellen
  1597. inversen Limites. Insbesondere ist die Klasse der K-injektiven Komplexe abgeschlossen unter speziellen inversen
  1598. Limites.
  1599. \end{korollar}
  1600. \begin{proof}
  1601. Sei $\mathcal{E}$ die Klasse der exakten Komplexe und für $\com{T} \in \mathcal{I}$ sei
  1602. $\mathcal{H}_{\com{T}}$ die Klasse der Komplexe $\com{A} $, sodass
  1603. $\com{\operatorname{Hom}}(\com{T}, \com{A})$ exakt ist. Dann
  1604. ist $\mathcal{H}_{\com{T}} = \com{\operatorname{Hom}}(\com{T}, -)^{-1}(\mathcal{E})$ und
  1605. $\mathcal{E}$ mit $\com{\operatorname{Hom}}(\com{T}, -)$ erfüllt
  1606. die Voraussetzungen von \ref{satz:complete-inv-system-functor}, denn:
  1607. \begin{enumerate}[(i)]
  1608. \item Nach \ref{lemma:exact-comp-complete-inv} ist
  1609. $\mathcal{E}$ abgeschlossen unter speziellen inversen Limites.
  1610. \item Wegen \ref{lemma:inner-hom-commutes-with-limits} vertauscht $\com{\operatorname{Hom}} (\com{T}, -)$ mit Limites.
  1611. Außerdem ist $\com{\operatorname{Hom}}(\com{T}, -)$ gradweise additiv, erhält also
  1612. gradweise zerfallende Folgen.
  1613. \end{enumerate}
  1614. Also ist $\mathcal{H}_{\com{T}}$ und damit $\bigcap_{\com{T} \in \mathcal{I}} \mathcal{H}_{\com{T} }$
  1615. abgeschlossen unter speziellen inversen Limites.
  1616. Das Insbesondere folgt wenn $\mathcal{I} = \mathcal{E}$ gesetzt wird.
  1617. \end{proof}
  1618. Für die Klasse der K-projektiven Komplexe betrachten wir die duale Version von \ref{def:special-inv-system}:
  1619. \begin{definition}[Spezielles direktes System]
  1620. Sei $\mathcal{P} \subset \mathcal{K}$ eine Klasse von Komplexen.
  1621. \begin{enumerate}[(a)]
  1622. \item Ein direktes System $(\com{P}_n)_{n \in \N}$ in $\mathcal{K}$ heißt
  1623. \emph{$\mathcal{P}$-spezielles
  1624. direktes System}, falls folgende Bedingungen erfüllt sind:
  1625. \begin{enumerate}[(i)]
  1626. \item Falls $n = 1$, dann ist $\com{P}_n = 0$.
  1627. \item Falls $n > 1$, dann sei $\com{C}_n$ der Kokern der natürlichen Abbildung
  1628. $\com{P}_{n-1} \to \com{P}_{n}$. Dann ist $\com{C}_n \in \mathcal{P}$ und
  1629. die kurze Folge
  1630. \[
  1631. \begin{tikzcd}
  1632. 0 \arrow{r} & \com{P}_{n-1} \arrow{r}
  1633. & \com{P}_{n} \arrow{r}
  1634. & \com{C}_n \arrow{r}
  1635. & 0
  1636. \end{tikzcd}
  1637. %0 \to \com{P}_{n-1} \to \com{P}_{n} \to \com{C}_n \to 0
  1638. \] ist exakt und zerfällt stufenweise.
  1639. \end{enumerate}
  1640. \item Die Klasse $\mathcal{P}$ heißt \emph{abgeschlossen unter speziellen direkten Kolimites},
  1641. falls jedes
  1642. $\mathcal{P}$-spezielle direkte System in $\mathcal{K}$ einen Kolimes in $\mathcal{P}$ besitzt und jeder
  1643. Komplex in $\mathcal{K}$, der isomorph zu einem Komplex in $\mathcal{P}$ ist, bereits in $\mathcal{P}$ ist.
  1644. \end{enumerate}
  1645. \end{definition}
  1646. Durch Umdrehen aller Pfeile erhalten wir die duale Version von \ref{lemma:bounded-compl-in-complete-class}
  1647. und insbesondere die folgenden Ergebnisse:
  1648. % brauche ich nicht
  1649. %\begin{lemma}
  1650. % Die Klasse der exakten Komplexe in $\mathcal{K}(\mathcal{A}b)$ ist abgeschlossen unter speziellen direkten Kolimites.
  1651. %
  1652. % \label{lemma:exact-comp-complete-inv}
  1653. %\end{lemma}
  1654. %
  1655. %\begin{proof}
  1656. %
  1657. %\end{proof}
  1658. \begin{satz}
  1659. Sei $\mathcal{B}$ eine weitere abelsche Kategorie und $\mathcal{J} \subset \mathcal{K}(\mathcal{B})$ abgeschlossen
  1660. unter speziellen inversen Limites. Angenommen direkte Kolimites existieren in $\mathcal{A}$
  1661. und sei
  1662. $F\colon \mathcal{K}(\mathcal{A}) \to \mathcal{K}(\mathcal{B})$
  1663. ein kontravarianter Funktor, der direkte Kolimites in
  1664. inverse Limites überführt und gradweise zerfallende kurze exakte Folgen erhält.
  1665. Dann ist $F^{-1}(\mathcal{J}) \subset \mathcal{K}(\mathcal{A})$ abgeschlossen unter speziellen direkten Kolimites.
  1666. \label{satz:complete-dir-system-functor}
  1667. \end{satz}
  1668. \begin{korollar}[]
  1669. Sei $\mathcal{I}$ eine Klasse von Komplexen und angenommen in $\mathcal{A}$ existieren direkte Kolimites.
  1670. Dann ist die Klasse aller Komplexe $\com{A} \in \mathcal{K}$, sodass
  1671. $\com{\operatorname{Hom}}(\com{A}, \com{T})$ exakt ist für alle $\com{T} \in \mathcal{I}$, abgeschlossen unter speziellen
  1672. direkten Kolimites. Insbesondere ist die Klasse der K-projektiven Komplexe abgeschlossen unter speziellen direkten
  1673. Kolimites.
  1674. \label{kor:k-proj-closed}
  1675. \end{korollar}
  1676. \begin{definition}[]
  1677. Angenommen inverse (bzw. direkte) Limites existieren in $\mathcal{K}$ und sei $\mathcal{G}$ eine Klasse von
  1678. Komplexen in $\mathcal{K}$. Dann sei $\leftfinal{\mathcal{G}}$
  1679. (bzw. $\rightfinal{\mathcal{G}})$ die kleinste Klasse von Komplexen in $\mathcal{K}$, die abgeschlossen
  1680. unter speziellen inversen Limites (bzw. speziellen direkten Kolimites) ist und $\mathcal{G}$ enthält.
  1681. \end{definition}
  1682. \subsection{Existenz von K-projektiven und K-injektiven Auflösungen}
  1683. Das Ziel dieses Abschnittes ist es Satz \ref{satz:r-mod-existence-k-proj-and-k-inj-resolutions}
  1684. zu beweisen. Dazu verallgemeinern wir zunächst die Begriffe K-injektive und K-projektive Auflösungen:
  1685. \begin{definition}[Auflösungen]
  1686. Sei $\com{X} \in \mathcal{K}$ und $\mathcal{J}$ eine Klasse von Komplexen aus $\mathcal{K}$. Dann
  1687. ist eine \emph{$\mathcal{J}$-Linksauflösung} ein Quasiisomorphismus $\com{J} \to \com{X} $
  1688. mit $\com{J} \in \mathcal{J}$. Analog ist eine \emph{$\mathcal{J}$-Rechtsauflösung}
  1689. ein Quasiisomorphismus $\com{X} \to \com{J} $ mit $\com{J} \in \mathcal{J}$.
  1690. \end{definition}
  1691. \begin{bem}[Notation]
  1692. Für einen Komplex $\com{X} \in \mathcal{K}$ und $n \in \N$ schreiben wir
  1693. $\tau_{\le n} \com{X}$ (bzw. $\tau^{\ge -n} \com{X}$) für den
  1694. Komplex
  1695. \[
  1696. \begin{tikzcd}
  1697. \cdots \arrow{r} & X^{n-2} \arrow{r} & X^{n-1} \arrow{r} & \operatorname{ker } d^n \arrow{r} & 0 \arrow{r} & \cdots
  1698. \end{tikzcd}
  1699. \] bzw.
  1700. \[
  1701. \begin{tikzcd}
  1702. \cdots \arrow{r} & 0 \arrow{r} & \operatorname{coker }d^{-n-1} \arrow{r} & X^{-n+1} \arrow{r} & X^{-n+2} \arrow{r} & \cdots
  1703. \end{tikzcd}
  1704. .\] Für $i \in \Z$ ist dann $H^{i}(\tau_{\le n} \com{X}) = \begin{cases}
  1705. H^{i}(\com{X}) & i \le n \\
  1706. 0 & i > n
  1707. \end{cases}$
  1708. bzw. $H^{i}(\tau^{\ge -n}\com{X}) = \begin{cases}
  1709. 0 & i < -n \\
  1710. H^{i}(\com{X}) & i \ge -n
  1711. \end{cases}$.
  1712. \end{bem}
  1713. \subsubsection{Linksauflösungen}
  1714. Sei $\mathcal{P}$ eine Klasse von Komplexen in $\mathcal{K}$.
  1715. %\begin{enumerate}[(L1)]
  1716. % \item Jeder nach oben beschränkte Komplex $\com{A} \in \mathcal{K}$ hat eine
  1717. % $\mathcal{P}$-Linksauflösung.
  1718. %\end{enumerate}
  1719. \begin{lemma}[]
  1720. Die folgenden Bedingungen an $\mathcal{P}$ sind äquivalent:
  1721. \begin{enumerate}[(i)]
  1722. \item Jeder nach oben beschränkte Komplex $\com{A} \in \mathcal{K}$
  1723. hat eine $\mathcal{P}$-Linksauflösung.
  1724. %\item Jeder nach oben beschränkte Komplex $\com{A} \in \mathcal{K}$ hat eine
  1725. % Linksauflösung $\com{P} \to \com{A} $ durch einen nach oben beschränkten
  1726. % Komplex $\com{P} \in \mathcal{P}$.
  1727. \item Für alle $\com{A} \in \mathcal{K} $ und $n \in \Z$, existiert ein $\com{P} \in \mathcal{P}$ mit
  1728. $H^{i}(\com{P}) = 0$ für $i > n$ und ein Komplexhomomorphismus $f\colon \com{P} \to \com{A} $, der
  1729. einen Isomorphismus $H^{i}(\com{P}) \to H^{i}(\com{A})$ induziert für $i \le n$.
  1730. \end{enumerate}
  1731. \label{lemma:class-compl-cond}
  1732. \end{lemma}
  1733. \begin{proof}
  1734. (i)$\implies$(ii):
  1735. Sei $\com{A} \in \mathcal{K}$ und $n \in \Z$.
  1736. Dann ist $\tau_{\le n} \com{A}$ nach oben beschränkt, also existiert
  1737. ein $\com{P} \in \mathcal{P}$ und ein Quasiisomorphismus
  1738. $s\colon \com{P} \to \tau_{\le n}\com{A}$. Durch Komposition mit dem natürlichen
  1739. Komplexhomomorphismus $\tau_{\le n}\com{A} \to \com{A}$ erhalten
  1740. wir ein $f\colon \com{P} \to \com{A} $. Für $i > n$ ist nun
  1741. $H^{i}(\com{P}) \simeq H^{i}(\tau_{\le n}\com{A}) = 0 $. Für $i \le n$ ist
  1742. $H^{i}(\tau_{\le n}\com{A}) = H^{i}(\com{A})$, also induziert $f$ den gewünschten Isomorphismus.
  1743. (ii)$\implies$(i):
  1744. Sei $\com{A} \in \mathcal{K}$ nach oben beschränkt.
  1745. Ohne Einschränkung ist $A^{i} = 0$ für alle $i > 0$.
  1746. Wähle $n= 0$ in (ii). Dann existiert ein $f\colon \com{P} \to \com{A}$ mit
  1747. $\com{P} \in \mathcal{P}$, $H^{i}(\com{P}) = 0$ für $i > 0$ und $f$ induziert
  1748. %$H^{i}(\com{P}) \xrightarrow[\sim]{0 = H^{i}(f)} 0 = H^{i}(\com{A})$ für $i > 0$ und
  1749. Isomorphismen $H^{i}(\com{P})\xrightarrow[\sim]{H^{i}(f)} H^{i}(\com{A})$ für $i \le 0$.
  1750. Da $H^{i}(\com{P}) = 0 = H^{i}(\com{A})$ für $i > 0$, ist also $f$ ein Quasiisomorphismus.
  1751. \end{proof}
  1752. \begin{bem}[]
  1753. Sei $\com{A} \in \mathcal{K}$. Angenommen $\mathcal{P}$ genügt den äquivalenten Bedingungen
  1754. von \ref{lemma:class-compl-cond} und es existiert ein $n \in \Z$, sodass
  1755. für alle $i > n$, $H^{i}(\com{A}) = 0$ ist. Dann hat $\com{A} $ eine
  1756. $\mathcal{P}$-Linksauflösung, denn nach \ref{lemma:class-compl-cond} (ii) existiert dann
  1757. ein $\com{P} \in \mathcal{P}$ und ein Komplexhomomorphismus $f\colon \com{P} \to \com{A}$, sodass
  1758. $H^{i}(\com{P}) = 0 = H^{i}(\com{A})$ für $i > n$ und
  1759. $H^{i}(f)$ ein Isomorphismus ist für $i \le n$. Also ist $f$ ein Quasiisomorphismus.
  1760. \label{bem:p-left-resolutions-for-h-bounded}
  1761. \end{bem}
  1762. \begin{bsp}
  1763. %Falls $\mathcal{A}$ genügend Projektive hat, können wir $\mathcal{P}$ als
  1764. %die Klasse
  1765. %der nach oben beschränkten Komplexe $\com{P} \in \mathcal{K}$ mit $P^{i}$
  1766. %projektiv für alle $i \in \Z$ wählen.
  1767. Sei $\mathcal{P}$ die Klasse
  1768. der nach oben beschränkten Komplexe $\com{P} \in \mathcal{K}$ mit $P^{i}$
  1769. projektiv für alle $i \in \Z$. Falls $\mathcal{A}$ genügend viele Projektive hat, erfüllt
  1770. $\mathcal{P}$ die äquivalenten Bedingungen aus \ref{lemma:class-compl-cond} (siehe beispielsweise
  1771. Lemma 4.6 in \cite{hartshorne}).
  1772. Ein solches $\com{P}$ ist K-projektiv, denn: Für alle eingradigen Komplexe $\com{Q}$ mit
  1773. $Q^{i}$ projektiv für alle $i \in \Z$ ist $\com{Q} $ nach \ref{satz:single-degree-compl-k-proj} K-projektiv. Da
  1774. nach \ref{kor:k-proj-closed} die Klasse der K-Projektiven
  1775. abgeschlossen unter speziellen direkten Kolimites ist, folgt mit dem Dual von
  1776. \ref{lemma:bounded-compl-in-complete-class}, dass $\com{P} $ K-projektiv ist.
  1777. Erneut nach \ref{kor:k-proj-closed} sind die Komplexe in $\rightfinal{\mathcal{P}}$ damit ebenfalls
  1778. $K$-projektiv.
  1779. \label{bsp:bounded-above-projectives}
  1780. \end{bsp}
  1781. Im Folgenden nehmen wir an, dass $\mathcal{P}$ die äquivalenten Bedingungen von
  1782. \ref{lemma:class-compl-cond} erfüllt.
  1783. \begin{lemma}
  1784. Sei $\com{A} \in \mathcal{K}$. Dann existiert ein $\mathcal{P}$-spezielles direktes System $(\com{P}_n)_{n \in \N}$ und
  1785. ein direktes System von Komplexhomomorphismen $f_n \colon \com{P}_n \to \tau_{\le n}\com{A}$, sodass
  1786. $f_n$ ein Quasiisomorphismus ist für alle $n \ge 2$.
  1787. \label{lemma:constr-dir-system}
  1788. \end{lemma}
  1789. \begin{proof}
  1790. Wir gehen induktiv vor. Setze $\com{P}_{1} = 0$ und $f_{1} = 0$.
  1791. Nach den äquivalenten Bedingungen von \ref{lemma:class-compl-cond} existiert ein Quasiisomorphismus
  1792. $f_2 \colon \com{P}_2 \to \tau_{\le 2}\com{A}$ mit $\com{P}_2 \in \mathcal{P}$.
  1793. Sei nun $n \ge 3$ und seien $\com{P}_{1}, \ldots, \com{P}_{n-1}$ und $f_{1}, \ldots, f_{n-1}$
  1794. konstruiert wie im Lemma. Dann
  1795. setze $\com{P} = \com{P}_{n-1}$ und $\com{B} = \tau_{\le n} \com{A} $. Es sei
  1796. $a_{n-1}\colon \tau_{\le n-1}\com{A} \to \tau_{\le n} \com{A} $ der natürliche Komplexhomomorphismus
  1797. und $f = a_{n-1}f_{n-1}\colon \com{P} \to \com{B}$. Es gilt dann
  1798. \begin{equation}
  1799. f d_P = d_B f
  1800. \label{eq:f-comp-hom}
  1801. \end{equation}
  1802. Da $\com{B}$ nach oben beschränkt ist
  1803. und $H^{i}(\com{P}) \simeq H^{i}(\tau_{\le n-1}\com{A}) = 0$ für $i \gg 0$, folgt
  1804. nach \ref{bem:mapping-cone-h-bounded}
  1805. $H^{i}(\com{C}_f) = 0$ für $i \gg 0$.
  1806. Also existiert nach \ref{bem:p-left-resolutions-for-h-bounded} ein Quasiisomorphismus
  1807. $g\colon \com{Q} \to \com{C}_f[-1]$ mit $\com{Q}[1] \in \mathcal{P}$. Da
  1808. $C_f^{i}[-1] = P^{i} \oplus B^{i-1}$ für $i \in \Z$, ist $g$ gradweise
  1809. gegeben durch Morphismen $g'_i\colon Q^{i} \to P^{i} $ und $g''_i\colon Q^{i} \to B^{i-1}$
  1810. in $\mathcal{A}$.
  1811. Betrachte für $i \in \Z$ das folgende kommutative Diagramm:
  1812. \begin{equation}
  1813. \begin{tikzcd}
  1814. \cdots \arrow{r} & Q^{i} \arrow{r}{d_{Q}} \arrow{d}{(g', g'')}
  1815. & Q^{i+1} \arrow{r} \arrow{d}{(g', g'')} & \cdots\\
  1816. \cdots \arrow{r} & P^{i} \oplus B^{i-1} \arrow{r}{d_{C_f[-1]}} &
  1817. P^{i+1} \oplus B^{i} \arrow{r} & \cdots
  1818. \label{eq:1}
  1819. \end{tikzcd}
  1820. \end{equation}
  1821. In Matrixnotation ist
  1822. \begin{align*}
  1823. d_{C_f} = \begin{pmatrix} d_{P[1]} & 0 \\ f[1] & d_{B} \end{pmatrix}
  1824. = \begin{pmatrix} - d_{P} & 0 \\ f & d_{B} \end{pmatrix}
  1825. \intertext{Also folgt}
  1826. d_{C_f}[-1] = - d_{C_f} = \begin{pmatrix} d_{P} & 0 \\ -f & -d_{B} \end{pmatrix}
  1827. .\end{align*}
  1828. Auswerten der Kommutativität von \eqref{eq:1} in beiden Summanden liefert nun
  1829. \begin{align}
  1830. d_P g' &= g' d_Q \label{eq:g'-comp-hom} \\
  1831. -fg' - d_Bg'' &= g''d_Q \label{eq:g''}
  1832. .\end{align}
  1833. Aus \eqref{eq:g'-comp-hom} folgt, dass $g'\colon \com{Q} \to \com{P} $ ein
  1834. Komplexhomomorphismus ist. Setze nun
  1835. $h\colon \com{C}_{-g'} \to \com{B} $ durch
  1836. \[
  1837. h(x,y) = g''[1](x) + f(y)
  1838. .\]
  1839. Betrachte für $i \in \Z$ das folgende Diagramm:
  1840. \[
  1841. \begin{tikzcd}
  1842. \cdots \arrow{r} & Q^{i+1} \oplus P^{i} \arrow{r}{d_{C_{-g'}}} \arrow{d}{h} & Q^{i+2} \oplus P^{i+1} \arrow{r} \arrow{d}{h}
  1843. & \cdots \\
  1844. \cdots \arrow{r} & B^{i} \arrow{r}{d_{B}} & B^{i+1} \arrow{r} & \cdots
  1845. \end{tikzcd}
  1846. .\] In Matrixnotation ist
  1847. \begin{salign*}
  1848. h d_{C_{-g'}} &= \begin{pmatrix} g'' & f \end{pmatrix}
  1849. \begin{pmatrix} -d_Q & 0 \\ -g' & d_P \end{pmatrix} \\
  1850. &= \begin{pmatrix}
  1851. -g'' d_Q - f g' & f d_P
  1852. \end{pmatrix} \\
  1853. &\stackrel{\eqref{eq:g''}}{=}
  1854. \begin{pmatrix}
  1855. d_B g'' & f d_P
  1856. \end{pmatrix} \\
  1857. &\stackrel{\eqref{eq:f-comp-hom}}{=}
  1858. \begin{pmatrix}
  1859. d_B g'' & d_B f
  1860. \end{pmatrix} \\
  1861. &= d_B h
  1862. .\end{salign*}
  1863. %\begin{salign*}
  1864. % h d_{C_{-g'}} &= \begin{pmatrix} g''[1] & f \end{pmatrix}
  1865. % \begin{pmatrix} d_Q[1] & 0 \\ -g'[1] & d_P \end{pmatrix} \\
  1866. % &= \begin{pmatrix}
  1867. % g''[1] d_Q[1] - f g'[1] & f d_P
  1868. % \end{pmatrix} \\
  1869. % &\stackrel{\eqref{eq:g''}}{=}
  1870. % \begin{pmatrix}
  1871. % d_B g'' & f d_P
  1872. % \end{pmatrix} \\
  1873. % &\stackrel{\eqref{eq:f-comp-hom}}{=}
  1874. % \begin{pmatrix}
  1875. % d_B g'' & d_B f
  1876. % \end{pmatrix} \\
  1877. % &= d_B h
  1878. %.\end{salign*}
  1879. Also ist $h$ ein Komplexhomomorphismus. Bleibt zu zeigen, dass $h$ ein Quasiisomorphismus
  1880. ist. Dafür genügt es nach \ref{mapping-cone-exact-for-qis} zu zeigen, dass $\com{C}_h$
  1881. exakt ist. Behauptung: $\com{C}_h = \com{C}_{-g}[1]$.
  1882. Es ist gradweise für $ i \in \Z$
  1883. \[
  1884. C_h^{i} = C_{-g'}^{i+1} \oplus B^{i} = (Q^{i+2} \oplus P^{i+1}) \oplus B^{i}
  1885. = Q^{i+2} \oplus (P^{i+1} \oplus B^{i})
  1886. = Q^{i+2} \oplus C_f^i
  1887. = C_{-g}^{i}[1]
  1888. .\] Für die Differentiale gilt, wieder in Matrixnotation:
  1889. \begin{align*}
  1890. d_{C_h} = \begin{pmatrix}
  1891. d_{C_{-g'}[1]} & 0 \\
  1892. h[1] & d_B \end{pmatrix}
  1893. = \begin{pmatrix}
  1894. -\begin{pmatrix} -d_Q & 0 \\
  1895. -g' & d_P
  1896. \end{pmatrix} & 0 \\
  1897. \begin{pmatrix} g'' & f \end{pmatrix} & d_B
  1898. \end{pmatrix}
  1899. = \begin{pmatrix}
  1900. d_Q & 0 & 0 \\
  1901. g' & -d_P & 0 \\
  1902. g'' & f & d_B
  1903. \end{pmatrix}
  1904. .\end{align*}
  1905. Analog folgt
  1906. \begin{align*}
  1907. d_{C_{-g}[1]} =
  1908. \begin{pmatrix}
  1909. d_{Q[1]} & 0 \\
  1910. -g[1] & d_{C_f[-1]}
  1911. \end{pmatrix} [1]
  1912. = -\begin{pmatrix} -d_Q & 0 \\
  1913. \begin{pmatrix} -g' \\ -g'' \end{pmatrix}
  1914. & -\begin{pmatrix} -d_P & 0 \\ f & d_{B} \end{pmatrix}
  1915. \end{pmatrix}
  1916. = \begin{pmatrix}
  1917. d_Q & 0 & 0 \\
  1918. g' & -d_P & 0 \\
  1919. g'' & f & d_B
  1920. \end{pmatrix}
  1921. .\end{align*}
  1922. Also folgt die Behauptung. Da $g$ und demnach $-g$ ein Quasiisomorphismus ist
  1923. und Verschieben Exaktheit erhält,
  1924. folgt mit \ref{mapping-cone-exact-for-qis} die Exaktheit von $\com{C}_h = \com{C}_{-g}[1]$.
  1925. Setze nun $\com{P}_n \coloneqq \com{C}_{-g'}$ und $f_n \coloneqq h$.
  1926. Sei $p_{n-1}\colon \com{P}_{n-1} = \com{P} \to \com{P}_n$ die natürliche Abbildung.
  1927. Dann ist $p_{n-1}$ gradweise gegeben durch die natürliche Inklusion
  1928. $P^{i} \to Q^{i+1} \oplus P^{i}$. Also folgt
  1929. $\operatorname{coker } p_{n-1} = \com{Q}[1] \in \mathcal{P}$ und wir haben
  1930. zerfallende exakte Folgen:
  1931. \[
  1932. \begin{tikzcd}
  1933. 0 \arrow{r} & P^{i} \arrow{r}{p_{n-1}} & Q^{i+1} \oplus P^{i} \arrow{r}
  1934. & Q^{i+1} \arrow{r} & 0
  1935. \end{tikzcd}
  1936. .\]
  1937. Also ist $(\com{P}_n)_{n \in \N}$ ein $\mathcal{P}$-spezielles direktes System.
  1938. Außerdem ist nach Definition von $h$:
  1939. \[
  1940. f_n p_{n-1} = h p_{n-1} = f = a_{n-1} f_{n-1}
  1941. ,\]
  1942. also kommutiert
  1943. \[
  1944. \begin{tikzcd}
  1945. \com{P}_{n-1} \arrow{r}{p_{n-1}} \arrow{d}{f_{n-1}}
  1946. & \com{P}_{n} \arrow{d}{f_n = h} \\
  1947. \tau_{\le n-1}\com{A} \arrow{r}{a_{n-1}} & \tau_{\le n}\com{A}
  1948. \end{tikzcd}
  1949. \] und $(f_n)_{n \in \N}$ ist ein direktes System.
  1950. \end{proof}
  1951. Daraus folgt nun sofort:
  1952. \begin{satz}
  1953. Angenommen direkte Kolimites existieren in $\mathcal{A}$ und
  1954. $\colim$ ist exakt.
  1955. Dann hat jeder Komplex in $\mathcal{K}$ eine
  1956. $\rightfinal{\mathcal{P}}$-Linksauflösung.
  1957. \label{satz:existence-left-resolutions}
  1958. \end{satz}
  1959. \begin{proof}
  1960. Sei $\com{A} \in \mathcal{K}$ und $(\com{P}_n)_{n \in \N}$, $(f_n)_{n \in \N}$ wie
  1961. in \ref{lemma:constr-dir-system}. Da direkte Kolimites in $\mathcal{A}$ existieren und
  1962. sich diese in $\mathcal{K}$ gradweise bilden, existieren direkte Kolimites
  1963. in $\mathcal{K}$. Nach der Definition von $\rightfinal{\mathcal{P}}$ ist dann
  1964. $\com{P} \coloneqq \colim \com{P}_n$ in $\rightfinal{\mathcal{P}}$.
  1965. Wir erhalten ebenfalls
  1966. \[
  1967. f\coloneqq \colim f_n \colon \com{P} \longrightarrow \colim \tau_{\le n}\com{A}
  1968. = \com{A}
  1969. .\] Da $\colim$ exakt ist, folgt für $i \in \Z$:
  1970. \[
  1971. H^{i}(f) = H^{i}(\colim f_n) = \colim \underbrace{H^{i}(f_n)}_{\text{Isomorphismus}}
  1972. .\] Also ist $f$ ein Quasiisomorphismus.
  1973. \end{proof}
  1974. \begin{korollar}[]
  1975. Angenommen direkte Kolimites existieren in $\mathcal{A}$ und
  1976. $\colim$ ist exakt. Falls $\mathcal{A}$ außerdem genügend viele Projektive hat,
  1977. besitzt jeder Komplex in $\mathcal{K}$ eine K-projektive Auflösung.
  1978. \label{satz:existence-k-proj-resolution}
  1979. \end{korollar}
  1980. \begin{proof}
  1981. Wähle $\mathcal{P}$ wie in Beispiel \ref{bsp:bounded-above-projectives} und wende
  1982. \ref{satz:existence-left-resolutions} an.
  1983. \end{proof}
  1984. \subsubsection{Rechtsauflösungen}
  1985. Sei $\mathcal{I}$ eine Klasse von Komplexen in $\mathcal{K}$. Im Folgenden nehmen wir an,
  1986. dass $\mathcal{I}$ die folgende Eigenschaft erfüllt:
  1987. \vspace{2mm}
  1988. \noindent\hspace{9mm} \emph{Jeder nach unten beschränkte Komplex $\com{A} \in \mathcal{K}$ hat eine
  1989. $\mathcal{I}$-Rechtsauflösung.}
  1990. %\begin{enumerate}[(1)]
  1991. % \item \emph{Jeder nach unten beschränkte Komplex $\com{A} \in \mathcal{K}$ hat eine
  1992. % $\mathcal{I}$-Rechtsauflösung.}
  1993. %\end{enumerate}
  1994. \begin{bsp}
  1995. Falls $\mathcal{A}$ genügend viele Injektive hat, können wir, dual zu Beispiel
  1996. \ref{bsp:bounded-above-projectives}, $\mathcal{I}$ als die Klasse
  1997. der nach unten beschränkten Komplexe mit in $\mathcal{A}$ injektiven Objekten wählen.
  1998. \end{bsp}
  1999. Durch Umdrehen der Pfeile erhalten wir die dualen Aussagen von
  2000. \ref{lemma:constr-dir-system} und \ref{satz:existence-left-resolutions}:
  2001. \begin{lemma}[]
  2002. Sei $\com{A} \in \mathcal{K}$. Dann existiert ein $\mathcal{I}$-spezielles
  2003. inverses System $(\com{I}_n)_{n \in \N}$ und ein inverses System von
  2004. Komplexhomomorphismen $f_n\colon \tau^{\ge-n}\com{A} \to \com{I}_n$, sodass
  2005. $f_n$ ein Quasiisomorphismus ist für $n \ge 2$.
  2006. \label{lemma:constr-inv-system}
  2007. \end{lemma}
  2008. \begin{satz}[]
  2009. Angenommen inverse Limites existieren in $\mathcal{A}$ und
  2010. $\lim$ ist exakt.
  2011. Dann hat jeder Komplex in $\mathcal{K}$ eine
  2012. $\leftfinal{\mathcal{I}}$-Rechtsauflösung.
  2013. \label{satz:existence-right-resolutions}
  2014. \end{satz}
  2015. \begin{bem}
  2016. Leider findet \ref{satz:existence-right-resolutions} in $\mathcal{A} = R\text{-Mod}$ für
  2017. einen Ring $R$ keine Anwendung, da hier $\lim$ nicht exakt ist.
  2018. Diese Voraussetzung wird jedoch nur verwendet, um zu zeigen, dass
  2019. $f = \lim f_n\colon \com{A} \to \lim \com{I}_n$ ein Quasiisomorphismus ist.
  2020. Wir können uns der speziellen Struktur des inversen Systems
  2021. $(\com{I}_n)_{n \in \N}$ bedienen, um für $\mathcal{A} = R\text{-Mod}$ zu zeigen,
  2022. dass $f$ dennoch ein Quasiisomorphismus ist.
  2023. \end{bem}
  2024. \begin{satz}[]
  2025. Sei $R$ ein Ring und $\mathcal{A}$ die Kategorie der R-(Links)-Moduln. Dann
  2026. hat jeder Komplex in $\mathcal{K}$ eine K-injektive Auflösung.
  2027. \label{satz:existence-k-inj-resolution}
  2028. \end{satz}
  2029. \begin{proof}
  2030. Da $R$-Mod genügend viele Injektive hat, können wir
  2031. $\mathcal{I}$ wie im Dual von \ref{bsp:bounded-above-projectives} wählen.
  2032. Seien $(\com{I}_n)_{n \in \N}$ und $(f_n)_{n \in \N}$ wie in
  2033. \ref{lemma:constr-inv-system}. Seien $\com{I} = \lim \com{I}_n$ und
  2034. $f = \lim f_n$. Es genügt zu zeigen, dass $f$ ein Quasiisomorphismus ist.
  2035. Sei $i \in \Z$ beliebig. Für $n \ge 3$ haben wir folgendes kommutative Diagramm:
  2036. \[
  2037. \begin{tikzcd}
  2038. \com{I} \arrow{r} \arrow{d}{f} & \com{I}_n \arrow{r}{p_n} \arrow{d}{f_n} & \com{I_{n-1}} \arrow{d}{f_{n-1}} \\
  2039. \com{A} \arrow{r} & \tau^{\ge -n} \com{A} \arrow{r} & \tau^{\ge -(n-1)} \com{A}
  2040. \end{tikzcd}
  2041. \] Wende nun $H^{i}(-)$ auf dieses Diagramm an:
  2042. \begin{equation}
  2043. \begin{tikzcd}
  2044. H^{i}(\com{I}) \arrow{r} \arrow{d}{H^{i}(f)} & H^{i}(\com{I}_n) \arrow{r}{H^{i}(p_n)}
  2045. \arrow{d}{H^{i}(f_n)}[swap]{\sim} & H^{i}(\com{I_{n-1}}) \arrow{d}{H^{i}(f_{n-1})}[swap]{\sim} \\
  2046. H^{i}(\com{A}) \arrow{r} & H^{i}(\tau^{\ge -n} \com{A}) \arrow{r} & H^{i}(\tau^{\ge -(n-1)} \com{A})
  2047. \end{tikzcd}
  2048. \label{eq:diag-hi-in}
  2049. .\end{equation}
  2050. Die rechten beiden vertikalen Pfeile sind Isomorphismen, da $f_k$ ein
  2051. Quasiisomorphismus ist für alle $k \ge 2$.
  2052. Sei nun $n \ge -i+1$. Dann ist $i \ge -n + 1 \ge -n$, also ist
  2053. $H^{i}(\com{A}) = H^{i}(\tau^{\ge -n}\com{A}) = H^{i}(\tau^{\ge -(n-1)} \com{A})$. Also
  2054. sind die Morphismen in der unteren Zeile von \eqref{eq:diag-hi-in} Isomorphismen und
  2055. damit ist
  2056. $H^{i}(p_n)\colon H^{i}(\com{I}_n) \to H^{i}(\com{I}_{n-1})$
  2057. ein Isomorphismus.
  2058. Betrachte nun die kurze exakte Folge
  2059. \[
  2060. \begin{tikzcd}
  2061. 0 \arrow{r} & \operatorname{ker } p_n \arrow{r} & \com{I}_n \arrow{r}{p_n} & \com{I}_{n-1}
  2062. \arrow{r} & 0
  2063. \end{tikzcd}
  2064. .\] Das liefert für $j \in \Z$ eine lange exakte Kohomologiefolge:
  2065. \begin{equation}
  2066. \begin{tikzcd}
  2067. H^{j-1}(\com{I}_{n}) \arrow{r}{H^{j-1}(p_n)} & H^{j-1}(\com{I}_{n-1}) \arrow{r}
  2068. & H^{j}(\operatorname{ker } p_n) \arrow{r}
  2069. & H^{j}(\com{I}_n) \arrow{r}{H^{j}(p_n)}
  2070. & H^{j}(\com{I}_{n-1})
  2071. \end{tikzcd}
  2072. \label{eq:long-ex-hi-in}
  2073. \end{equation}
  2074. Anwenden des obigen Arguments für $i = j$ und $i = j-1$ liefert für
  2075. $n \ge -(j-1) + 1 \ge -j+1$ Isomorphismen $H^{j}(p_n)$ und $H^{j-1}(p_n)$.
  2076. Aufgrund der Exaktheit von \eqref{eq:long-ex-hi-in} folgt dann, dass
  2077. $H^{j}(\operatorname{ker } p_n) = 0$ für alle $n \ge -(j-1)+1 = -j+2$.
  2078. Sei nun $m \in \Z$ beliebig. Dann setze $N \coloneqq -m + 1$. Dann ist
  2079. für alle $n > N$:
  2080. \[
  2081. H^{m}(\operatorname{ker } p_n) = 0 = H^{m+1}(\operatorname{ker } p_n)
  2082. .\]
  2083. Also ist die Folge
  2084. \begin{equation}
  2085. \begin{tikzcd}
  2086. \operatorname{ker } p_n^{m-1} \arrow{r} &
  2087. \operatorname{ker } p_n^{m} \arrow{r} &
  2088. \operatorname{ker } p_n^{m+1} \arrow{r} &
  2089. \operatorname{ker } p_n^{m+2}
  2090. \end{tikzcd}
  2091. \end{equation}
  2092. für $n > N$ exakt. Das System
  2093. \begin{equation*}
  2094. \begin{tikzcd}
  2095. (I_n^{m-1})_{n \in \N} \arrow{r} &
  2096. (I_n^{m})_{n \in \N} \arrow{r} &
  2097. (I_n^{m+1})_{n \in \N} \arrow{r} &
  2098. (I_n^{m+2})_{n \in \N}
  2099. \end{tikzcd}
  2100. \end{equation*}
  2101. erfüllt damit die Bedingungen von \ref{0.11}. Also ist die natürliche Abbildung
  2102. \[
  2103. H^{m}(\com{I}) \longrightarrow H^{m}(\com{I}_N)
  2104. \] ein Isomorphismus. Erneute Betrachtung des linken Vierecks von \eqref{eq:diag-hi-in} für $i=m$ und
  2105. $n=N$ liefert nun, dass $H^{m}(f)$ ein Isomorphismus ist.
  2106. \end{proof}
  2107. \begin{bem}
  2108. Damit ist \ref{satz:r-mod-existence-k-proj-and-k-inj-resolutions} bewiesen.
  2109. \end{bem}
  2110. \newpage
  2111. \section{Ableitungen und Adjunktion}
  2112. \label{sec:application}
  2113. Sei $R$ ein Ring und im Folgenden $\mathcal{A}$ die Kategorie der $R$ (Links-)Moduln und
  2114. weiterhin $\mathcal{K} = \mathcal{K}(\mathcal{A})$. Die
  2115. Argumentation folgt im Wesentlichen den Anfängen der Abschnitte 5 und 6 von \cite{spaltenstein}.
  2116. \subsection{Abgeleitete $\com{\operatorname{Hom}}$ Funktoren}
  2117. %\begin{satz}[]
  2118. % Sei $\com{I} \in \mathcal{K}$ K-injektiv und exakt. Dann ist $\com{\operatorname{Hom}}(\com{M} , \com{I} )$ exakt für alle
  2119. % $\com{M} \in \mathcal{K}$.
  2120. %
  2121. % \label{satz:hom-exact-for-k-inj}
  2122. %\end{satz}
  2123. %
  2124. %\begin{proof}
  2125. % Sei $\com{M} \in \mathcal{K}$ beliebig. Dann existiert nach
  2126. % \ref{satz:existence-k-proj-resolution} ein $\com{P} \in \mathcal{K}$ K-projektiv und ein Quasiisomorphismus
  2127. % $\com{P} \to \com{M}$. Da $\com{I} $ K-injektiv, ist $\com{\operatorname{Hom}}(-, \com{I})$ ein exakter Funktor, also
  2128. % folgt
  2129. % \begin{equation}
  2130. % H^{i}(\com{\operatorname{Hom}}(\com{M}, \com{I})) = \com{\operatorname{Hom}}(H^{i}(\com{M}), \com{I})
  2131. % = \com{\operatorname{Hom}}(H^{i}(\com{P}), \com{I})
  2132. % = H^{i}(\com{\operatorname{Hom}}(\com{P} , \com{I} ))
  2133. % \label{eq:cohom-groups-2}
  2134. % .\end{equation}
  2135. % Da $\com{P} $ K-projektiv und $\com{I} $ exakt, folgt die Exaktheit der rechten Seite und damit die Behauptung.
  2136. %\end{proof}
  2137. %Umdrehen der Pfeile liefert
  2138. %\begin{satz}[]
  2139. % Sei $\com{P} \in \mathcal{K}$ K-projektiv und exakt. Dann ist $\com{\operatorname{Hom}}(\com{P} , \com{M} )$ exakt für alle
  2140. % $\com{M} \in \mathcal{K}$.
  2141. % \label{satz:hom-exact-for-k-proj}
  2142. %\end{satz}
  2143. \begin{satz}
  2144. Seien $\com{M}, \com{N} \in \mathcal{D}$. Dann ist $\operatorname{R}\com{\operatorname{Hom}}(\com{M}, \com{N})$ wohldefiniert
  2145. und kann mithilfe einer K-projektiven Auflösung von $\com{M} $ oder einer K-injektiven Auflösung von $\com{N} $
  2146. berechnet werden.
  2147. \label{satz:derived-hom}
  2148. \end{satz}
  2149. \begin{proof}
  2150. In der Notation von \ref{satz:existence-derived-functors} wähle $\mathcal{L}$ als die volle Unterkategorie der
  2151. K-injektiven Komplexe von $\mathcal{K}$. Dann ist für $\com{M} \in \mathcal{K}$ beliebig:
  2152. \begin{enumerate}[(i)]
  2153. \item $\mathcal{L}$ ist trianguliert nach \ref{satz:k-proj-triangulated}.
  2154. \item Für alle $\com{N} \in \mathcal{K}$ existiert wegen \ref{satz:existence-k-inj-resolution} ein Quasiisomorphismus $\com{N} \to \com{I} $
  2155. mit $\com{I} \in \mathcal{L}$.
  2156. \item Nach \ref{satz:hom-exact-for-k-inj} erhält $\com{\operatorname{Hom}}(\com{M}, -)|_{\mathcal{L}}$
  2157. Exaktheit von Komplexen.
  2158. \end{enumerate}
  2159. Also existiert R$\com{\operatorname{Hom}}(\com{M} , -)$. Analog berechnet sich R$\com{\operatorname{Hom}}(-, \com{N})$ für
  2160. $\com{N} \in \mathcal{K}$ unter Wahl von $\mathcal{L}$
  2161. als die volle Unterkategorie der K-projektiven Komplexe von $\mathcal{K}$. Beide Ableitungen stimmen überein, denn
  2162. für $\com{M}, \com{N} \in \mathcal{K}$ beliebig und $\com{P} \to \com{M} $ und $\com{N} \to \com{I} $ K-projektive
  2163. bzw. K-injektive Auflösungen gilt mit wiederholter Anwendung von \ref{satz:existence-derived-functors} und
  2164. wegen $\com{M} \simeq \com{P} $ und $\com{N} \simeq \com{I} $ in $\mathcal{D}$:
  2165. \begin{align*}
  2166. \text{R}\com{\operatorname{Hom}}(\com{M} , - )(\com{N})
  2167. &\simeq \text{R}\com{\operatorname{Hom}}(\com{P} , -)(\com{I}) \\
  2168. &= \com{\operatorname{Hom}}(\com{P}, \com{I}) \\
  2169. &= \text{R}\com{\operatorname{Hom}}(-, \com{I} )(\com{P}) \\
  2170. &\simeq \text{R}\com{\operatorname{Hom}}(-, \com{N} )(\com{M})
  2171. .\end{align*}
  2172. \end{proof}
  2173. \noindent Analog zu \ref{hom-compl-cohomgroups} erhalten wir
  2174. \begin{lemma}[]
  2175. Seien $\com{M}, \com{N} \in \mathcal{D}$. Dann ist
  2176. \[
  2177. H^{0}(\operatorname{R}\com{\operatorname{Hom}}(\com{M}, \com{N})) \simeq
  2178. \operatorname{Mor}_{\mathcal{D}}(\com{M}, \com{N})
  2179. .\]
  2180. \label{rhom-compl-cohomgroups}
  2181. \end{lemma}
  2182. \begin{proof}
  2183. Nach \ref{satz:existence-k-inj-resolution} existiert ein Quasiisomorphismus
  2184. $f\colon \com{N} \to \com{I}$, wobei $\com{I}$ K-injektiv ist. Also induziert
  2185. $f$ einen Isomorphismus in $\mathcal{D}$ und es folgt
  2186. \begin{salign*}
  2187. H^{0}(\operatorname{R}\com{\operatorname{Hom}}(\com{M}, \com{N}))
  2188. &\simeq H^{0}(\operatorname{R}\com{\operatorname{Hom}}(\com{M}, \com{I})) \\
  2189. &\simeq H^{0} (\com{\operatorname{Hom}}(\com{M}, \com{I})) \\
  2190. &\stackrel{\ref{hom-compl-cohomgroups}}{=} \operatorname{Mor}_{\mathcal{K}}(\com{M}, \com{I}) \\
  2191. &\stackrel{\ref{satz:mork=mord-for-k-inj}}{=} \operatorname{Mor}_{\mathcal{D}}(\com{M}, \com{I})\\
  2192. &\simeq \operatorname{Mor}_{\mathcal{D}}(\com{M}, \com{N})
  2193. .\end{salign*}
  2194. \end{proof}
  2195. \subsection{Abgeleitetes Tensorprodukt}
  2196. Sei von nun an $R = A$ ein kommutativer Ring. Um das Tensorprodukt abzuleiten, benötigen wir noch
  2197. eine weitere Klasse von Komplexen in $\mathcal{K}$:
  2198. \begin{definition}[K-flach]
  2199. Ein Komplex $\com{M} \in \mathcal{K}$ heißt \emph{K-flach}, wenn der Funktor
  2200. $\com{M} \otimes_A -$ Exaktheit von Komplexen erhält. Eine \emph{K-flache
  2201. Auflösung} eines Komplexes $\com{N} \in \mathcal{K}$ ist
  2202. ein Quasiisomorphismus $\com{M} \to \com{N} $ mit
  2203. $\com{M} \in \mathcal{K}$ K-flach.
  2204. \end{definition}
  2205. \begin{satz}
  2206. Sei $\com{M} \in \mathcal{K}$ mit $M^{i} = 0$ für $i \neq 0$. Dann ist
  2207. $\com{M} $ genau dann K-flach, wenn $M^{0}$ flacher $A$-Modul ist.
  2208. \end{satz}
  2209. \begin{proof}
  2210. Sei $\com{M} \in \mathcal{K}$ wie im Satz. Dann ist für $\com{S} \in \mathcal{K}$ und
  2211. $n \in \Z$:
  2212. \[
  2213. (\com{M} \otimes_A \com{S})^{n} = \bigoplus_{i+j=n} M^{i} \otimes_A S^{j}
  2214. = M^{0} \otimes_A S^{n} = (M^{0} \otimes_A \com{S} )^{n}
  2215. \] und für $m \in M^{0}$, $s \in S^{n}$:
  2216. \[
  2217. d_{\com{M} \otimes_A \com{S}}^{n}(m \otimes s)
  2218. = \underbrace{d_{M}^{0}(m)}_{= 0} \otimes s + (-1)^{0} m \otimes d^{n}_{S}(s)
  2219. = m \otimes d^{n}_S(s)
  2220. = d^{n}_{M^{0} \otimes_A \com{S} }
  2221. .\] Also ist $\com{M} \otimes_A \com{S} = M^{0} \otimes_A \com{S}$. Damit folgt
  2222. die Behauptung aus den Definitionen.
  2223. \end{proof}
  2224. Im Folgenden benötigen wir folgendes Kritierium für die Exaktheit von Komplexen:
  2225. \begin{lemma}
  2226. Sei $\com{A} \in \mathcal{K}$. Angenommen für jeden K-injektiven Komplex $\com{I} \in \mathcal{K}$ ist
  2227. $\com{\operatorname{Hom}}(\com{A}, \com{I})$ exakt. Dann ist $\com{A}$ exakt.
  2228. \label{lemma:0.10}
  2229. \end{lemma}
  2230. \begin{proof}
  2231. Sei $\com{B} \in \mathcal{K}$ beliebig. Dann existiert nach \ref{satz:existence-k-inj-resolution} ein
  2232. K-injektiver Komplex $\com{I} \in \mathcal{K}$ und ein Quasiisomorphismus $\com{B} \to \com{I}$. Dann
  2233. gilt $\com{B} \simeq \com{I} $ in $\mathcal{D}$ und wir erhalten
  2234. \[
  2235. \operatorname{Mor}_{\mathcal{D}}(\com{A}, \com{B}) \simeq
  2236. \operatorname{Mor}_{\mathcal{D}}(\com{A} , \com{I} ) \stackrel{\ref{satz:mork=mord-for-k-inj}}{=}
  2237. \operatorname{Mor}_{\mathcal{K}}(\com{A} , \com{I} ) = 0
  2238. .\]
  2239. Mit Yoneda folgt nun, dass $\com{A} = 0$ in $\mathcal{D}$. Da
  2240. $H^{i}(-)\colon \mathcal{K} \to \mathcal{A}b$ über den kanonischen Funktor $Q\colon \mathcal{K} \to \mathcal{D}$
  2241. faktorisiert, folgt $H^{i}(\com{A}) = 0$ für $i \in \Z$, also ist $\com{A}$ exakt.
  2242. \end{proof}
  2243. \begin{satz}[]
  2244. Sei $\com{M} \in \mathcal{K} $. Dann sind äquivalent:
  2245. \begin{enumerate}[(i)]
  2246. \item $\com{M} $ ist K-flach.
  2247. \item $\com{\operatorname{Hom}}(\com{M}, \com{I})$ ist K-injektiv für jeden
  2248. K-injektiven Komplex $\com{I} \in \mathcal{K}$.
  2249. \end{enumerate}
  2250. \label{satz:homs-of-k-flat-are-k-inj}
  2251. \end{satz}
  2252. \begin{proof}
  2253. (i)$\implies$(ii): Sei $\com{I}$ K-injektiv und $\com{S}$ exakt. Dann ist
  2254. \[
  2255. \com{\operatorname{Hom}} (\com{S} , \com{\operatorname{Hom}}(\com{M}, \com{I}))
  2256. \stackrel{\ref{satz:adjunction-hom-tor-comp}}{=}
  2257. \com{\operatorname{Hom}}(\underbrace{\com{S} \otimes_A \com{M}}_{\text{exakt}}, \underbrace{\com{I}}_{\text{K-injektiv}} )
  2258. .\] Weil $\com{M} $ K-flach ist, folgt $\com{S} \otimes_A \com{M} $ exakt, also wegen $\com{I} $ K-injektiv,
  2259. die Behauptung.
  2260. (ii)$\implies$(i): Sei $\com{S} $ exakt. Wegen \ref{lemma:0.10} genügt es zu
  2261. zeigen, dass für jeden K-injektiven Komplex $\com{I} \in \mathcal{K}$,
  2262. $\com{\operatorname{Hom}}(\com{S} \otimes_A \com{M}, \com{I}) $ exakt ist. Dazu
  2263. sei $\com{I}$ ein K-injektiver Komplex. Dann ist
  2264. \[
  2265. \com{\operatorname{Hom}}(\com{S} \otimes_A \com{M}, \com{I})
  2266. \stackrel{\ref{satz:adjunction-hom-tor-comp}}{=} \com{\operatorname{Hom}}(\underbrace{\com{S}}_{\text{exakt}}, \underbrace{\com{\operatorname{Hom}}(\com{M}, \com{I})}_{\text{K-injektiv}})
  2267. \] exakt.
  2268. \end{proof}
  2269. \begin{satz}[]
  2270. \begin{enumerate}[(a)]
  2271. \item Falls $\com{M}, \com{N} \in \mathcal{K}$ K-flach sind, dann ist
  2272. auch $\com{M} \otimes_A \com{N} $ K-flach.
  2273. \item $\com{M} \in \mathcal{K}$ ist genau dann K-flach, wenn $\com{M}[1]$
  2274. K-flach ist.
  2275. \item Falls zwei Punkte eines ausgezeichneten Dreiecks in $\mathcal{K}$ K-flach
  2276. sind,
  2277. dann auch der dritte.
  2278. \end{enumerate}
  2279. Insbesondere ist die volle Unterkategorie der K-flachen Komplexe in $\mathcal{K}$
  2280. eine triangulierte Unterkategorie.
  2281. \label{satz:k-flat-triangulated}
  2282. \end{satz}
  2283. \begin{proof}
  2284. \begin{enumerate}[(a)]
  2285. \item Seien $\com{M}, \com{N} \in \mathcal{K}$ K-flach und $\com{S} $ exakt. Dann
  2286. ist
  2287. \[
  2288. (\com{M} \otimes_A \com{N}) \otimes_A \com{S} =
  2289. \com{M} \otimes_A (\com{N} \otimes_A \com{S})
  2290. \] und die rechte Seite ist exakt.
  2291. \item Seien $\com{S}, \com{M} \in \mathcal{K}$.
  2292. Dann sind $- \otimes_A \com{S} $ und $\com{M} \otimes_A -$ nach
  2293. \ref{satz:tor-is-triangulated} triangulierte Funktoren, also folgt
  2294. \[
  2295. \com{M}[1] \otimes_A \com{S} =
  2296. (\com{M} \otimes_A \com{S})[1]
  2297. = \com{M} \otimes_A \com{S}[1]
  2298. .\] Da Verschieben Exaktheit erhält, folgt daraus die Äquivalenz.
  2299. \item Sei $(\com{M}, \com{N}, \com{P}, u, v, w)$ ein ausgezeichnetes Dreieck
  2300. in $\mathcal{K}$ mit $\com{M}$ und $\com{N} $ K-flach. Sei weiter
  2301. $\com{S} \in \mathcal{K}$ exakt.
  2302. Da $- \otimes_A \com{S} $ nach \ref{satz:tor-is-triangulated}
  2303. ein triangulierter Funktor ist, erhalten wir das ausgezeichnete Dreieck
  2304. $(\com{M} \otimes_A \com{S}, \com{N} \otimes_A \com{S}, \com{P} \otimes_A \com{S}, u \otimes \text{id}_{\com{S} }, v \otimes \text{id}_{\com{S} }, w \otimes \text{id}_{\com{S} })$
  2305. und damit für $i \in \Z$ die exakte Folge
  2306. \[
  2307. \begin{tikzcd}
  2308. H^{i}(\com{N} \otimes_A \com{S}) \arrow{r} &
  2309. H^{i}(\com{P} \otimes_A \com{S}) \arrow{r} &
  2310. H^{i+1}(\com{M} \otimes_A \com{S})
  2311. \end{tikzcd}
  2312. .\] Da die äußeren Terme nach Voraussetzung $0$ sind, folgt die
  2313. Exaktheit von $\com{P} \otimes_A \com{S} $ und damit, dass $\com{P} $
  2314. K-flach ist.
  2315. Der allgemeine Fall folgt nun mit \hyperref[TR2]{TR2}.
  2316. \end{enumerate}
  2317. \end{proof}
  2318. \begin{satz}[]
  2319. Sei $\com{M} \in \mathcal{K}$ K-projektiv. Dann ist $\com{M} $ K-flach.
  2320. Insbesondere hat jeder Komplex $\com{N} \in \mathcal{K}$ eine K-flache Auflösung.
  2321. \label{satz:k-proj-is-k-flat}
  2322. \end{satz}
  2323. \begin{proof}
  2324. Sei $\com{M} $ K-projektiv und $\com{S} $ exakt. Sei weiter $\com{I} \in \mathcal{K}$
  2325. K-injektiv. Dann folgt
  2326. \[
  2327. \com{\operatorname{Hom}} (\com{M} \otimes_A \com{S}, \com{I}) \stackrel{\ref{satz:adjunction-hom-tor-comp}}{=}
  2328. \com{\operatorname{Hom}}(\com{M}, \com{\operatorname{Hom}}(\com{S}, \com{I} ))
  2329. .\] Es ist $\com{\operatorname{Hom}}(\com{S}, \com{I})$ exakt, da $\com{I} $ K-injektiv ist.
  2330. Damit
  2331. ist die rechte Seite auch exakt, da
  2332. $\com{M} $ K-projektiv ist. Also folgt die Behauptung mit \ref{lemma:0.10}. Das Insbesondere folgt
  2333. nun aus \ref{satz:existence-k-proj-resolution}.
  2334. \end{proof}
  2335. \begin{satz}[]
  2336. Sei $\com{M} \in \mathcal{K}$ K-flach und exakt. Dann ist $\com{M} \otimes_A \com{N} $ exakt
  2337. für alle $\com{N} \in \mathcal{K}$.
  2338. \label{satz:tor-exact-for-k-flat}
  2339. \end{satz}
  2340. \begin{proof}
  2341. Sei $\com{M} \in \mathcal{K}$ K-flach und exakt und sei $\com{N} \in \mathcal{K}$ beliebig. Dann existiert nach
  2342. \ref{satz:k-proj-is-k-flat} ein K-flacher Komplex $\com{P} \in \mathcal{K}$ und ein Quasiisomorphismus
  2343. $\com{P} \to \com{N} $. Da $\com{M} $ K-flach ist, erhält $\com{M} \otimes_A -$ nach
  2344. \ref{kor:exactness-preserver-preserves-qis} Quasiisomorphismen. Damit folgt
  2345. \begin{equation}
  2346. H^{i}(\com{M} \otimes_A \com{N}) \simeq H^{i}(\com{M} \otimes_A \com{P})
  2347. \label{eq:cohom-groups-1}
  2348. .\end{equation}
  2349. Da $\com{P} $ K-flach ist, folgt mit der Exaktheit von $\com{M} $, dass
  2350. $\com{M} \otimes_A \com{P} $ exakt ist. Damit folgt die Behauptung aus \eqref{eq:cohom-groups-1}.
  2351. \end{proof}
  2352. Damit erhalten wir:
  2353. \begin{satz}
  2354. Seien $\com{M}, \com{N} \in \mathcal{D}$. Dann ist $\com{M} \otimes_A^{\operatorname{L}} \com{N}$ wohldefiniert und
  2355. kann mithilfe einer K-flachen Auflösung einer der Faktoren berechnet werden.
  2356. \label{satz:derived-tor}
  2357. \end{satz}
  2358. \begin{proof}
  2359. In der Notation (der Linksableitungsversion) von \ref{satz:existence-derived-functors} wähle $\mathcal{L}$
  2360. als die volle Unterkategorie der K-flachen Komplexe von $\mathcal{K}$. Dann gilt
  2361. für $\com{N}$ beliebig:
  2362. \begin{enumerate}[(i)]
  2363. \item $\mathcal{L}$ ist trianguliert nach \ref{satz:k-flat-triangulated}.
  2364. \item Für alle $\com{M} \in \mathcal{K}$ existiert nach \ref{satz:k-proj-is-k-flat}
  2365. ein Quasiisomorphismus
  2366. $\com{P} \to \com{M}$ mit $\com{P} \in \mathcal{L}$.
  2367. \item Nach \ref{satz:tor-exact-for-k-flat} erhält
  2368. $\com{N} \otimes_A -|_{\mathcal{L}}$ Exaktheit von Komplexen.
  2369. \end{enumerate}
  2370. Also existiert $\com{N} \otimes_A^{\operatorname{L}} -$. Analog zeigt man die Existenz von
  2371. $- \otimes_A^{L} \com{N}$ und wie im Beweis von \ref{satz:derived-hom}, dass
  2372. beide Ableitungen übereinstimmen.
  2373. \end{proof}
  2374. \subsection{Adjunktion}
  2375. Jetzt können wir alles zusammentragen und erhalten:
  2376. \begin{satz}
  2377. Seien $\com{M}, \com{N}, \com{P} \in \mathcal{D}$. Dann existiert ein natürlicher
  2378. Isomorphismus, der funktoriell in allen Variablen ist:
  2379. \[
  2380. \operatorname{R}\com{\operatorname{Hom}}(\com{M} \otimes_A^{\operatorname{L}} \com{N}, \com{P})
  2381. = \operatorname{R}\com{\operatorname{Hom}}(\com{M}, \operatorname{R}\com{\operatorname{Hom}}(\com{N}, \com{P}))
  2382. .\]
  2383. \label{satz:adjunction-rhom-rtor}
  2384. \end{satz}
  2385. \begin{proof}
  2386. Nach \ref{satz:derived-hom} und \ref{satz:derived-tor} sind alle Terme wohldefiniert
  2387. und wir können mit
  2388. \ref{satz:k-proj-is-k-flat} ohne Einschränkung annehmen, dass $\com{N} $ K-flach ist,
  2389. und mit \ref{satz:existence-k-inj-resolution}, dass $\com{P} $ K-injektiv ist.
  2390. Dann folgt
  2391. \begin{align*}
  2392. \operatorname{R}\com{\operatorname{Hom}}(\com{M} \otimes_A^{\operatorname{L}} \com{N}, \com{P})
  2393. &= \operatorname{R}\com{\operatorname{Hom}}(\com{M} \otimes_A \com{N}, \com{P}) \\
  2394. &= \com{\operatorname{Hom}}(\com{M} \otimes_A \com{N}, \com{P} ) \\
  2395. &\stackrel{\ref{satz:adjunction-hom-tor-comp}}{=}
  2396. \com{\operatorname{Hom}}(\com{M}, \com{\operatorname{Hom}}(\com{N}, \com{P})) \\
  2397. &= \operatorname{R}\com{\operatorname{Hom}}(\com{M}, \com{\operatorname{Hom}}(\com{N}, \com{P})) \\
  2398. &= \operatorname{R}\com{\operatorname{Hom}}(\com{M}, \operatorname{R}\com{\operatorname{Hom}}(\com{N}, \com{P}))
  2399. .\end{align*}
  2400. Das vorletzte Gleichheitszeichen gilt, weil nach \ref{satz:homs-of-k-flat-are-k-inj}
  2401. $\com{\operatorname{Hom}}(\com{N}, \com{P})$ K-injektiv ist.
  2402. \end{proof}
  2403. \begin{korollar}
  2404. Seien $\com{M}, \com{N}, \com{P} \in \mathcal{D}$. Dann existiert ein natürlicher
  2405. Isomorphismus, der funktoriell in allen Variablen ist:
  2406. \[
  2407. \operatorname{Mor}_{\mathcal{D}}(\com{M} \otimes_A^{\operatorname{L}} \com{N}, \com{P})
  2408. = \operatorname{Mor}_{\mathcal{D}}(\com{M}, \operatorname{R}\com{\operatorname{Hom}}(\com{N} , \com{P} ))
  2409. .\] Insbesondere gilt folgende Funktoradjunktion in $\mathcal{D}$:
  2410. \[
  2411. - \otimes_A^{\operatorname{L}} \com{N} \dashv \operatorname{R}\com{\operatorname{Hom}}(\com{N}, -)
  2412. .\]
  2413. \end{korollar}
  2414. \begin{proof}
  2415. %$H^{0}$ angewendet auf den Isomorphismus aus \ref{satz:adjunction-rhom-rtor} zeigt
  2416. %mit \ref{rhom-compl-cohomgroups} die Behauptung.
  2417. Man wende \ref{rhom-compl-cohomgroups} auf den Isomorphismus
  2418. aus \ref{satz:adjunction-rhom-rtor} an.
  2419. %Wir können wieder annehmen, dass $\com{N}$ K-flach und $\com{P} $ K-injektiv ist.
  2420. %Dann betrachte:
  2421. %\begin{salign*}
  2422. % \operatorname{Mor}_{\mathcal{D}}(\com{M} \otimes_A^{\text{L}} \com{N}, \com{P})
  2423. % &\stackrel{\ref{satz:mork=mord-for-k-inj}}{=}
  2424. % \operatorname{Mor}_{\mathcal{K}}(\com{M} \otimes_A^{\text{L}} \com{N}, \com{P}) \\
  2425. % &\stackrel{\ref{hom-compl-cohomgroups}}{=}
  2426. % H^{0}\com{\operatorname{Hom}}(\com{M} \otimes_A^{\text{L}} \com{N}, \com{P}) \\
  2427. % &= H^{0}\com{\operatorname{Hom}}(\com{M} \otimes_A \com{N}, \com{P}) \\
  2428. % &\stackrel{\ref{satz:adjunction-hom-tor-comp}}{=}
  2429. % H^{0}\com{\operatorname{Hom}}(\com{M}, \com{\operatorname{Hom}}(\com{N}, \com{P})) \\
  2430. % &\stackrel{\ref{hom-compl-cohomgroups}}{=}
  2431. % \operatorname{Mor}_{\mathcal{K}}(\com{M}, \com{\operatorname{Hom}}(\com{N}, \com{P})) \\
  2432. % &\stackrel{\ref{satz:mork=mord-for-k-inj}}{=}
  2433. % \operatorname{Mor}_{\mathcal{D}}(\com{M}, \com{\operatorname{Hom}}(\com{N}, \com{P})) \\
  2434. % &= \operatorname{Mor}_{\mathcal{D}}(\com{M}, \text{R}\com{\operatorname{Hom}}(\com{N}, \com{P}))
  2435. %.\end{salign*}
  2436. %Das vorletzte Gleichheitszeichen gilt erneut, weil nach \ref{satz:homs-of-k-flat-are-k-inj}
  2437. %$\com{\operatorname{Hom}}(\com{N}, \com{P})$ K-injektiv ist.
  2438. \end{proof}
  2439. \bibliographystyle{alpha}
  2440. \bibliography{refs}
  2441. %% TODO: zitate richtig machen
  2442. %\begin{thebibliography}{9}
  2443. %\bibitem{hartshorne}
  2444. %Hartshorne, R. \emph{Residues and duality.} Lecture Notes in Math. 20, Springer-Verlag (1966)
  2445. %\bibitem{spaltenstein}
  2446. %%N. Spaltenstein. Resolutions of unbounded complexes. \emph{Composito Mathematica 65}. (1988)
  2447. %Spaltenstein, N. \emph{Resolutions of unbounded complexes.} Compositio Mathematica, Tome 65 (1988) no. 2, pp. 121-154. %http://www.numdam.org/item/CM_1988__65_2_121_0/
  2448. %\bibitem{set-theoretic}
  2449. %%Charles A. Weibel. An introduction to homological algebra. \emph{Cambridge studies in advanced mathematics}. 38 (1988)
  2450. %Weibel, C. \emph{An Introduction to Homological Algebra}. Cambridge Studies in Advanced Mathematics. Cambridge: Cambridge University Press (1994).% doi:10.1017/CBO9781139644136
  2451. %
  2452. %\end{thebibliography}
  2453. \end{document}