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- \documentclass{arbeit}
-
- \author{Christian Merten\\[1cm]
- {\small Betreuung durch: Prof. Dr. Alexander Schmidt,
- Dr. Marius Leonhardt}}
- \title{Auflösung unbeschränkter Komplexe}
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- \begin{document}
-
- \begin{titlepage}
- \begin{center}
- \vspace*{4cm}
- \textsc{Bachelorarbeit} \\[1cm]
- {
- \LARGE
- \textbf{Auflösung unbeschränkter Komplexe}
- }
-
- \vspace{2cm}
- {
- \large
- \emph{Christian Merten}
- }
-
- {
- \vspace{1cm}
- Heidelberg, 2. Mai 2022
- }
-
- \vfill
-
- \small
- \textsc{Betreuung durch}\\[5mm]
- \begin{tabular}{c}
- \emph{Prof. Dr. Alexander Schmidt} \\
- \emph{Dr. Marius Leonhardt}
- \end{tabular}
- \end{center}
- \end{titlepage}
-
- \clearpage
-
- \selectlanguage{german}
-
- \pagenumbering{gobble}
-
- \begin{abstract}
- Wir geben eine Einführung in die Konstruktion von derivierten Kategorien und
- abgeleiteten Funktoren. Danach konstruieren wir verschiedene Auflösungen
- unbeschränkter Komplexe von Moduln über einem Ring und wenden dies
- letztendlich an, um die Existenz der abgeleiteten Funktoren von Hom und Tensorprodukt
- zu zeigen und das klassische Adjunktionsresultat auf die abgeleiteten Funktoren
- zu übertragen.
- \end{abstract}
-
- \selectlanguage{english}
- \begin{abstract}
- We give an introduction to the construction of derived categories and derived
- functors. Then we construct various resolutions of unbounded
- complexes of modules over a ring, which we finally apply to show
- the existence of the derived functors of Hom and tensorproduct and to transfer the
- classical adjunction to the derived functors.
- \end{abstract}
-
- \selectlanguage{german}
-
- \clearpage
-
- \tableofcontents
-
- \newpage
-
- \pagenumbering{arabic}
-
- \section{Einleitung}
-
- %Aus der kommutativen Algebra ist für einen kommutativen Ring $A$ und $A$-Moduln
- %$M, N, P$ die Adjunktion
- %\[
- %\text{Hom}_A(M \otimes_A N, P) = \text{Hom}_A(M, \text{Hom}_A(N, P))
- %\] bekannt. In der klassischen homologischen Algebra definiert man außerdem
- Aus der kommutativen Algebra ist für einen kommutativen Ring $A$ und einen $A$-Modul
- $N$ die Adjunktion
- \[
- - \otimes_A N \dashv \operatorname{Hom}_A(N, -)
- \] bekannt. In der klassischen homologischen Algebra definiert man
- die Funktoren $\operatorname{Ext}_A^{i}(N, -)$ und $\operatorname{Tor}_i^{A}(-, N)$ als
- Ableitungen der Funktoren $\operatorname{Hom}_A(N, -)$ und $- \otimes_A N$. Nun stellt sich
- die Frage, ob zwischen diesen ein analoges Adjunktionsresultat gilt.
-
- Die Antwort ist nein, denn angenommen $\operatorname{Ext}_A^{i}(N, -)$ ist rechtsadjungiert, dann
- folgt, dass $\operatorname{Ext}_A^{i}(N, -)$ linksexakt ist. Die exakte Folge
- \[
- \begin{tikzcd}
- 0 \arrow{r} & \Z \arrow{r}{\cdot 2} & \Z \arrow{r} & \Z / 2 \Z \arrow{r} & 0
- \end{tikzcd}
- \] in $\Z$-Mod liefert die exakte Folge
- \[
- \begin{tikzcd}
- \underbrace{\operatorname{Ext}^{0}_{\Z}(\Z / 2\Z, \Z)}_{= 0} \arrow{r} &
- \underbrace{\operatorname{Ext}^{0}_{\Z}(\Z / 2\Z, \Z / 2 \Z)}_{\neq 0} \arrow{r}
- & \operatorname{Ext}^{1}_{\Z}(\Z / 2 \Z, \Z) \arrow{r}
- & \operatorname{Ext}^{1}_{\Z}(\Z / 2 \Z, \Z)
- \end{tikzcd}
- .\] Aber $\operatorname{Ext}_{\Z}^{0}(\Z / 2 \Z, \Z / 2 \Z) = \operatorname{Hom}_{\Z}(\Z / 2 \Z, \Z / 2 \Z) \neq 0$
- und $\operatorname{Ext}_{\Z}^{0}(\Z / 2 \Z, \Z) = \operatorname{Hom}_{\Z}(\Z / 2 \Z, \Z) = 0$, also ist
- $\operatorname{Ext}_{\Z}^{1}(\Z / 2 \Z, \Z) \to \operatorname{Ext}^{1}_{\Z}(\Z / 2 \Z, \Z)$ nicht injektiv.
-
- Es liegt also nahe, dass der klassische Ableitungsbegriff unvollständig ist.
- Im \ref{sec:derived-cat}. Abschnitt wird deshalb ein allgemeinerer Ableitungsbegriff
- dargestellt.
- Um diesen zu finden,
- betrachtet man zunächst die Bildung von klassischen Ableitungen.
- %Konstruktion eines neuen Ableitungsbegriffs führt zum Begriff der derivierten Kategorie:
- %Sei $\mathcal{A}$ eine abelsche Kategorie und sei $\mathcal{K}(\mathcal{A})$ die Homotopiekategorie
- %von $\mathcal{A}$, das heißt die Kategorie, deren Objekte Komplexe aus $\mathcal{A}$ und
- %deren Morphismen Homotopieäquivalenzklassen von Komplexhomomorphismen sind.
- Dazu seien $\mathcal{A}, \mathcal{B}$ abelsche Kategorien und $\mathcal{A}$ habe
- genügend viele Injektive.
- Sei $F\colon \mathcal{A} \to \mathcal{B}$ ein additiver und linksexakter Funktor und
- $X \in \mathcal{A}$. Dann existiert eine injektive Auflösung von $X$, also ein Komplex
- $\com{I}$ in $\mathcal{A}$ mit injektiven Objekten, sodass
- \[
- \begin{tikzcd}
- 0 \arrow{r} & X \arrow{r} & I^{0} \arrow{r} & I^{1} \arrow{r} & \cdots
- \end{tikzcd}
- \] exakt ist oder, äquivalent dazu, dass die vertikalen Morphismen in
- \begin{equation}
- \begin{tikzcd}
- \cdots \arrow{r} & 0 \arrow{r} \arrow{d} & X \arrow{r} \arrow{d} & 0 \arrow{r} \arrow{d} & \cdots \\
- \cdots \arrow{r} & 0 \arrow{r} & I^{0} \arrow{r} & I^{1} \arrow{r} & \cdots
- \label{eq:resolution}
- \end{tikzcd}
- \end{equation}
- einen Quasiisomorphismus bilden, das heißt ein Komplexhomomorphismus, der Isomorphismen auf
- den Kohomologiegruppen induziert. Die Ableitungen von $F$ bei $X$ sind nun die Kohomologiegruppen
- des Komplexes $F(\com{I})$. Man zeigt dann aufwendig, dass dieser Prozess wohldefiniert ist, das
- heißt insbesondere nicht von der Wahl der injektiven Auflösung von $X$ abhängt.
-
- Anstatt den abgeleiteten Funktor von $F$ auf $\mathcal{A}$ zu konstruieren, definiert man nun
- die Ableitung auf einer Komplexkategorie von $\mathcal{A}$, das heißt einer Kategorie, deren
- Objekte Komplexe mit Objekten aus $\mathcal{A}$ sind. Bezeichne mit $X[0]$ den oberen Komplex
- in \eqref{eq:resolution}. Dann ist es natürlich zu fordern, dass die Ableitung von $F$ bei
- $X[0]$ bis auf Isomorphie mit der Ableitung von $F$ bei $\com{I}$ und bei allen weiteren injektiven
- Auflösungen von $X$ übereinstimmt.
-
- Dies führt zu der Idee, Objekte (und allgemeiner Komplexe) auf kategorieller Ebene
- mit ihren Auflösungen zu identifizieren,
- also eine geeignete Kategorie von Komplexen zu finden,
- in der quasiisomorphe Komplexe bereits isomorph sind.
- Dazu kann man zunächst zur
- Kategorie $\mathcal{K}(\mathcal{A})$ übergehen, deren
- Objekte Komplexe aus $\mathcal{A}$ und deren Morphismen
- Homotopieäquivalenzklassen von Komplexhomomorphismen sind. Allerdings ist ein Quasiisomorphismus im
- Allgemeinen keine Homotopieäquivalenz. Deshalb konstruiert man eine weitere Kategorie
- $\mathcal{D}(\mathcal{A})$, die derivierte Kategorie von $\mathcal{A}$, mit den Objekten
- von $\mathcal{K}(\mathcal{A})$, wobei alle Quasiisomorphismen in $\mathcal{K}(\mathcal{A})$
- Isomorphismen in $\mathcal{D}(\mathcal{A})$ induzieren. Man erhält einen kanonischen Funktor
- $Q_{\mathcal{A}}\colon \mathcal{K}(\mathcal{A}) \to \mathcal{D}(\mathcal{A})$.
-
- Die (Rechts-)Ableitung von $F$ ist nun (falls existent) ein Funktor
- $\text{R}F\colon \mathcal{D}(\mathcal{A}) \to \mathcal{D}(\mathcal{B})$ mit
- einer natürlichen Transformation
- $\xi\colon Q_{\mathcal{B}} \circ F \to \text{R}F \circ Q_{\mathcal{A}}$, sodass
- eine gewisse universelle Eigenschaft erfüllt ist.
-
- Im Allgemeinen ist die Existenz von $\text{R}F$ eine schwierige Frage, in der klassischen
- Situation existiert $\text{R}F$ jedoch zumindest
- auf der Unterkategorie $\mathcal{D}^{+}(\mathcal{A})$ der
- nach unten beschränkten Komplexe und die Kohomologiegruppen $H^{i}\text{R}F(X[0])$ stimmen
- mit den klassischen Rechtsableitungen $\text{R}^{i}F(X)$ überein. Vom klassischen Standpunkt
- erwartungsgemäß, induziert die natürliche Transformation $\xi$ auf der Klasse der nach
- unten beschränkten Komplexe mit injektiven Objekten Isomorphismen, das heißt $F$ stimmt mit
- seiner Ableitung $\text{R}F$ auf diesen Komplexen überein.
-
- Dieser neue Ableitungsbegriff erlaubt auf natürliche Weise auch Funktoren\footnote{Unter Voraussetzung
- einer schwachen Bedingung an $F$, die beispielsweise erfüllt ist, wenn
- $F$ von einem additiven Funktor
- $\mathcal{A} \to \mathcal{B}$ induziert ist.}
- $F\colon \mathcal{K}(\mathcal{A}) \to \mathcal{K}(\mathcal{B})$ zuzulassen.
- Analog zur klassischen
- Theorie ist dann die Existenz der Ableitung von $F$ gesichert durch:
- \begin{enumerate}[(1)]
- \item eine Unterkategorie $\mathcal{J}$ von $\mathcal{K}(\mathcal{A})$
- für die $F$ Exaktheit erhält, und
- \item für jeden Komplex einen Quasiisomorphismus in einen Komplex aus $\mathcal{J}$.
- \end{enumerate}
- In diesem Fall induziert $\xi$ auf den Komplexen aus $\mathcal{J}$ Isomorphismen, das heißt
- Ableitungen berechnen sich, analog zur klassischen Situation, durch Auflösungen durch Komplexe
- aus $\mathcal{J}$.
-
- Besonders die zweite Bedingung ist für beliebige abelsche Kategorien nur
- sehr schwer zu erfüllen und hängt durch $\mathcal{J}$ von dem konkreten Funktor $F$ ab. Spaltenstein
- hat das in seiner
- Arbeit ,,Resolution of unbounded complexes`` \cite{spaltenstein}
- für zahlreiche Funktoren unter wenigen Voraussetzungen
- an die beteiligten Kategorien gelöst. Die vorliegende Arbeit stellt im
- \ref{sec:resolutions}. Abschnitt sein Argument dar, um dies im \ref{sec:application}.
- Abschnitt auf den Homfunktor und das Tensorprodukt anzuwenden.
-
- Dafür erweitern wir die Funktoren $\operatorname{Hom}_A(N, -)$ und $- \otimes_A N$ in natürlicher Weise
- zu Funktoren $\mathcal{K}(A\text{-Mod}) \to \mathcal{K}(\mathcal{A}b)$
- bzw $\mathcal{K}(A\text{-Mod}) \to \mathcal{K}(A\text{-Mod})$, sodass die Erweiterungen,
- angewendet auf eingradige Komplexe, mit den ursprünglichen Funktoren übereinstimmen. Der naive
- Ansatz $\operatorname{Hom}_A(N, -)$ bzw. $\operatorname{Hom}_A(-, N)$ in beiden Variablen zu erweitern,
- indem für Komplexe $\com{M}, \com{N} \in \mathcal{K}(A\text{-Mod})$ gradweise
- $\operatorname{Hom}_A(M^{i}, N^{i})$ gebildet wird, ist nicht hinreichend,
- denn dieser neue Komplex enthielte keine Informationen über die Komplexhomomorphismen
- von $\com{M}$ nach $\com{N}$.
-
- %Die Idee
- %der derivierten Kategorie kommt von der Beobachtung, dass vor allem die Kohomologiegruppen von
- %Komplexen von Interessse sind. Allerdings ist ein Quasiisomorphismus
- %$f\colon \com{X} \to \com{Y}$ zwischen Komplexen $\com{X}, \com{Y} $ in $\mathcal{A}$,
- %also ein Komplexhomomorphismus, der Isomorphismen zwischen den Kohomologiegruppen induziert,
- %im Allgemeinen keine Homotopieäquivalenz, das heißt kein Isomorphismus in $\mathcal{K}(\mathcal{A})$.
- %Diesen Defekt behebt die deriverte Kategorie $\mathcal{D}(\mathcal{A})$, die die selben Objekte
- %hat wie $\mathcal{K}(\mathcal{A})$ und in der alle Quasiisomorphismen zu Isomorphismen erklärt
- %werden. Bezeichne im Folgenden
- %$Q_{\mathcal{A}}\colon \mathcal{K}(\mathcal{A}) \to \mathcal{D}(\mathcal{A})$ den kanonischen Funktor.
-
- %Sei nun $\mathcal{B}$ eine weitere abelsche Kategorie und $F\colon \mathcal{A} \to \mathcal{B}$
- %ein additiver Funktor. Dann definiert man einen Funktor
- %$\text{R}F\colon \mathcal{D}(\mathcal{A}) \to \mathcal{D}(\mathcal{B})$
- %mit einer natürlichen Transformation
- %$\xi\colon Q_{\mathcal{B}} \circ F \to \text{R}F \circ Q_{\mathcal{A}}$. Für ein Objekt
- %$X \in \mathcal{A}$ bezeichne $X[0] \in \mathcal{K}(\mathcal{A})$ den Komplex der im Grad $0$ $X$
- %zu stehen hat und in allen anderen Graden $0$ ist.
- %Falls $F$ linksexakt ist,
- %existiert $\text{R}F$ und die Kohomologiegruppen $H^{i}\text{R}F(X[0]) $ entsprechen
- %den klassischen Rechtsableitungen $\text{R}^{i}F(X)$. Allgemeiner definiert man $\text{R}F$
- %für bestimmte Funktoren $F\colon \mathcal{K}(\mathcal{A}) \to \mathcal{K}(\mathcal{A})$. Das
- %bedeutet der neue Ableitungsbegriff ist eine echte Verallgemeinerung des alten.
-
- %Um die abgeleitete Hom-Tensor Adjunktion zu formulieren, werden die Funktoren $\operatorname{Hom}_A(N, -)$
- %und $- \otimes_A N$ in natürlicher Weise zu Funktoren
- %$\mathcal{K}(A\text{-Mod}) \to \mathcal{K}(A\text{-Mod})$ erweitert, sodass
- %die Erweiterungen, angewendet auf eingradige Komplexe, mit den ursprünglichen Funktoren
- %übereinstimmen. Der so (in beiden Variablen) funktoriell definierte Komplex
- %$\com{\operatorname{Hom}}(\com{M}, \com{N})$ für
- %Komplexe $\com{M}, \com{N} \in \mathcal{K}(A\text{-Mod})$ soll dabei Informationen über die
- %Morphismen in $\mathcal{K}(A\text{-Mod})$ von $\com{M} $ nach $\com{N} $ enthalten. Man definiert
- %also für $n \in \Z$
- Anstatt dessen definiert man für $n \in \Z$ und Komplexe $\com{M}, \com{N} \in
- \mathcal{K}(\mathcal{A})$:
- \[
- \operatorname{Hom}^{n}(\com{M}, \com{N}) = \prod_{i \in \Z} \operatorname{Hom}_A(M^{i}, N^{i+n})
- \] mit Differential
- \[
- d^{n}(f) = d_{\com{N} } f - (-1)^{n} f d_{\com{M}}
- .\] Dann erhält man den Zusammenhang
- \[
- H^{0}\com{\operatorname{Hom}}(\com{M}, \com{N}) = \operatorname{Mor}_{\mathcal{K}}(\com{M}, \com{N})
- .\]
- Für $\com{M}, \com{N} \in \mathcal{K}(A\text{-Mod})$ definiert man nun
- $\com{M} \otimes_A \com{N}$ so, dass man, analog zur klassischen Adjunktion, für
- $\com{P} \in \mathcal{K}(A\text{-Mod})$ einen natürlichen Isomorphismus
- \[
- \com{\operatorname{Hom}}(\com{M} \otimes_A \com{N}, \com{P}) =
- \com{\operatorname{Hom}}(\com{M}, \com{\operatorname{Hom}}(\com{N}, \com{P}))
- \] erhält.
-
- Das Ziel ist nun die Funktoren $\com{\operatorname{Hom}}(\com{N}, -)$, $\com{\operatorname{Hom}}(-, \com{N})$
- und $- \otimes_A \com{N} $ abzuleiten.
- Dafür suchen wir jeweils eine Klasse $\mathcal{J}$ von Komplexen, die die Bedingungen
- (1) und (2) für den entsprechenden Funktor erfüllt.
- %Analog zur klassischen Theorie, wird dafür eine Klasse von Objekten $\mathcal{J}$ benötigt, auf der
- %die Funktoren Exaktheit von Komplexen erhalten. Damit außerdem die (Rechts-)Ableitung auf ganz
- %$\mathcal{D}(\mathcal{A})$ definiert ist, muss für jeden Komplex
- %$\com{M} \in \mathcal{K}(\mathcal{A})$ eine (Rechts-)Auflösung, das heißt ein Quasiisomorphismus
- %in ein Objekt aus $\mathcal{J}$, existieren.
- %Dann lassen sich die abgeleiteten Funktoren leicht berechnen, da auf den Objekte aus $\mathcal{J}$
- %die natürliche Transformation $\xi$ Isomorphismen induziert.
- %
- %Die Schwierigkeit liegt nun darin, solche Auflösungen zu finden. Spaltenstein hat das in seiner
- %Arbeit ,,Resolution of unbounded complexes`` für zahlreiche Funktoren unter wenigen Voraussetzungen
- %an die beteiligten Kategorien gelöst. Die vorliegende Arbeit stellt sein Argument dar und wendet
- %dies auf die obigen Funktoren an, um die gewünschte Adjunktion zu erhalten.
-
- Für
- $\com{\operatorname{Hom}}(\com{N}, -)$ definieren wir dafür
- \begin{definition*}
- Ein Komplex $\com{I} \in \mathcal{K}(\mathcal{A})$ heißt \emph{K-injektiv}, wenn
- der Funktor $\com{\operatorname{Hom}}(-, \com{I})$ Exaktheit von Komplexen erhält. Eine \emph{K-injektive
- Auflösung} eines Komplexes $\com{M} \in \mathcal{K}(\mathcal{A})$ ist ein Quasiisomorphismus
- $\com{M} \to \com{I} $ mit einem K-injektiven Komplex $\com{I}$.
- \end{definition*}
-
- Sei nun $\mathcal{J}$ die Klasse der K-injektiven Komplexe.
- Es wird schnell klar, dass ein exakter K-injektiver Komplex in $\mathcal{K}(\mathcal{A})$
- bereits der Nullkomplex ist und
- damit die Bedingung (1) erfüllt ist. Der schwierige Teil ist Bedingung (2) nachzuweisen.
-
- Zunächst bemerken wir, dass nach unten beschränkte Komplexe mit injektiven Objekten
- K-injektiv sind. Klassisch ist bekannt, dass
- jeder nach unten beschränkte Komplex eine Auflösung durch einen solchen Komplex hat. Für
- einen beliebigen (unbeschränkten) Komplex $\com{M} \in \mathcal{K}(\mathcal{A})$ funktioniert die
- klassische, induktive Konstruktion jedoch nicht.
-
- Wir konstruieren deshalb geeignete $\mathcal{J}$-spezielle inverse Systeme.
- Das sind abzählbare inverse Systeme $(\com{I}_n)_{n \in \N}$ in $\mathcal{K}(\mathcal{A})$,
- wobei für $n > 1$ die kurze Folge
- \[
- \begin{tikzcd}
- 0 \arrow{r} & \text{ker } p_n \arrow{r}
- & \com{I}_n \arrow{r}{p_n}
- & \com{I}_{n-1} \arrow{r}
- & 0
- \end{tikzcd}
- \] exakt ist, stufenweise zerfällt und $\text{ker } p_n$ in $\mathcal{J}$ liegt.
- Im ersten Schritt zeigen wir nun, dass $\mathcal{J}$ abgeschlossen
- unter $\mathcal{J}$-speziellen inversen Limites ist, das heißt, dass die Limites von solchen
- Systemen in $\mathcal{J}$ liegen.
-
- Die Idee im zweiten Schritt ist nun, für $n \in \N$ den unbeschränkten Komplex
- $\com{M}$ so abzuschneiden, dass
- die Kohomologiegruppen vom Grad $\ge -n$ erhalten bleiben. So erhalten wir ein System
- $(\tau^{\ge -n} \com{M})_{n \in \N}$ der abgeschnittenen Komplexe von $\com{M}$.
-
- Induktiv erhalten wir dann ein $\mathcal{J}$-spezielles inverses System
- $(\com{I}_n)_{n \in \N}$ und ein inverses System von Quasiisomorphismen
- $f_n\colon \tau^{\ge -n} \com{M} \to \com{I}_n$, indem wir in jedem Schritt für $n \in \N$
- aus $\tau^{\ge -n} \com{M}$ und $\com{I}_{n-1}$ einen nach unten beschränkten Komplex konstruieren,
- der klassisch durch einen K-injektiven aufgelöst werden kann.
- Im Limes erhalten wir also einen K-injektiven Komplex $\com{I}$ und einen Komplexhomomorphismus
- $f\colon \com{M} \to \com{I}$.
-
- Da für $\mathcal{A} = A\text{-Mod}$ der inverse Limes jedoch nicht exakt ist, ist
- $f\colon \com{M} \to \com{I}$
- a priori kein Quasiisomorphismus, obwohl $f_n$ ein solcher ist für alle $n \in \N$.
- Mithilfe einer Variante des
- Mittag-Leffler Kriteriums können wir zeigen, dass $f$ dennoch ein Quasiisomorphismus ist.
-
- Dual dazu definieren wir K-projektive Komplexe und Auflösungen und zeigen, dass jeder
- Komplex in $A$-Mod ebenfalls eine K-projektive Auflösung hat.
- Für den Funktor $- \otimes_A \com{N}$ benötigen
- wir dann noch eine dritte Klasse von Komplexen, die K-flachen Komplexe, die analog zu den
- K-Injektiven auf das Tensorprodukt angepasst definiert werden. Wir können dann zeigen, dass
- jeder K-projektive Komplex schon K-flach ist und erhalten so, dass jeder Komplex auch eine K-flache
- Auflösung besitzt.
-
- Im letzten Abschnitt wenden wir die Existenz von K-injektiven, K-projektiven und K-flachen
- Auflösungen an, um die Existenz der abgeleiteten Funktoren $\text{R}\com{\operatorname{Hom}}(\com{N}, -)$,
- $\text{R}\com{\operatorname{Hom}}(-, \com{N})$ und $- \otimes_A^{L} \com{N} $ zu zeigen.
- Als Korollar erhalten wir daraus die Adjunktion von $- \otimes^{L}_A \com{N}$
- und $\text{R}\com{\operatorname{Hom}}(\com{N}, -)$, indem wir durch geeignetes Auflösen
- der beteiligten Komplexe die
- Situation auf die Adjunktion von $- \otimes_A \com{N}$ und $\com{\operatorname{Hom}}(\com{N}, -)$
- zurückführen.
-
- \newpage
-
- \section{Derivierte Kategorien und abgeleitete Funktoren}
-
- \label{sec:derived-cat}
-
- Seien $\mathcal{A}, \mathcal{B}$ abelsche Kategorien und sei $F\colon \mathcal{A} \to
- \mathcal{B}$ ein additiver Funktor. Das Ziel ist es in natürlicher Weise für jedes Objekt
- $X \in \mathcal{A}$ einen Komplex $\text{R}F(X)$ zu definieren, dessen Kohomologiegruppen,
- falls $F$ linksexakt ist,
- mit den klassischen Rechtsableitungen von $F$ bei $X$ übereinstimmen.
-
- Allgemeiner definieren wir $\text{R}F(\com{X})$
- für jeden Komplex $\com{X}$ in $\mathcal{A}$, indem wir einen
- Funktor $\text{R}F$ von der derivierten Kategorie $\mathcal{D}(\mathcal{A})$ von
- $\mathcal{A}$ in die derivierte Kategorie $\mathcal{D}(\mathcal{B})$ von $\mathcal{B}$ konstruieren.
- Die derivierte Kategorie $\mathcal{D}(\mathcal{A})$ erhalten wir durch Lokalisierung,
- analog zum gleichnamigen Vorgang in der kommutativen Algebra: Wir starten mit der Kategorie
- $\mathcal{K}(\mathcal{A})$, deren Objekte
- Komplexe in $\mathcal{A}$ und deren
- Morphismen
- Homotopieäquivalenzklassen von Komplexhomomorphismen sind. Daraus erhalten
- wir dann $\mathcal{D}(\mathcal{A})$ indem alle Quasiisomorphismen in
- $\mathcal{K}(\mathcal{A})$, das heißt Komplexhomomorphismen, die Isomorphismen auf den
- Kohomologiegruppen induzieren, in $\mathcal{D}(\mathcal{A})$ zu Isomorphismen erklärt werden.
-
- Dieser Lokalisierungsprozess wird im Folgenden skizziert. Die Vorgehensweise orientiert
- sich an Kapitel 1 von \cite{hartshorne}.
-
- \subsection{Triangulierte Kategorien}
-
- Auch wenn $\mathcal{A}$ eine abelsche Kategorie ist, sind $\mathcal{K}(\mathcal{A})$
- und $\mathcal{D}(\mathcal{A})$ im Allgemeinen nicht abelsch; sie genügen jedoch einer
- anderen Struktur, die einer triangulierten Kategorie.
-
- \begin{definition}[Triangulierte Kategorie]
- Eine \emph{triangulierte Kategorie} ist eine additive Kategorie $\mathcal{T}$ mit
- \begin{enumerate}[(a)]
- \item einem additiven Kategorienautomorphismus
- $T\colon \mathcal{T} \to \mathcal{T}$, dem Verschiebefunktor, und
- \item einer Klasse von Sextupeln $(X, Y, Z, u, v, w)$, den ausgezeichneten Dreiecken von $\mathcal{T}$, wobei
- $X, Y, Z \in \mathcal{T}$ und $u\colon X \to Y$, $v\colon Y \to Z$, $w\colon Z \to T(X)$ Morphismen sind.
- \end{enumerate}
- Wenn $(X, Y, Z, u, v, w)$ ein ausgezeichnetes Dreieck ist, schreiben wir
- auch:
- \[
- \begin{tikzcd}
- & Z \arrow[swap]{dl}{w} & \\
- X \arrow[swap]{rr}{u} & & Y \arrow[swap]{ul}{v}.
- \end{tikzcd}
- \]
- Ein Morphismus von ausgezeichneten Dreiecken
- $(X, Y, Z, u, v, w) \to (X', Y', Z', u', v', w')$ ist ein kommutatives Diagramm
- \[
- \begin{tikzcd}
- X \arrow{r}{u} \arrow{d} & Y \arrow{r}{v} \arrow{d} & Z \arrow{r}{w} \arrow{d} & T(X) \arrow{d} \\
- X' \arrow{r}{u'} & Y' \arrow{r}{v'} & Z' \arrow{r}{w'} & T(X') \\
- \end{tikzcd}
- .\]
- Weiter unterliegen diese Daten den folgenden Axiomen:
- \begin{enumerate}[(TR1), leftmargin=14mm]
- \item Jedes zu einem ausgezeichneten Dreieck
- isomorphe Sextupel $(X, Y, Z, u, v, w)$ wie oben, ist ein ausgezeichnetes Dreieck. Jeder
- Morphismus $u\colon X \to Y$ kann in ein ausgezeichnetes Dreieck $(X, Y, Z, u, v, w)$ eingebettet werden
- und das Sextupel $(X, X, 0, \text{id}_X, 0, 0)$ ist ein ausgezeichnetes Dreieck für alle $X \in \mathcal{T}$.
- \item $(X, Y, Z, u, v, w)$ ist genau dann ein ausgezeichnetes Dreieck,
- wenn $(Y, Z, T(X), v, w, -T(u))$ ein
- ausgezeichnetes Dreieck ist.
- \item Für zwei ausgezeichnete Dreiecke $(X, Y, Z, u, v, w)$ und $(X', Y', Z', u', v', w')$, und
- Morphismen $f\colon X \to X'$, $g\colon Y \to Y'$, die mit $u$ und $u'$ kommutieren, existiert
- ein nicht notwendig eindeutiger Morphismus $h\colon Z \to Z'$, sodass $(f, g, h)$ ein Morphismus
- von ausgezeichneten Dreiecken ist.
- \item Seien $(X, Y, Z', u, j, k)$, $(Y, Z, X', v, t, i)$
- und $(X, Z, Y', vu, r, s)$ ausgezeichnete Dreiecke. Dann existieren
- Morphismen $f\colon Z' \to Y'$ und $g\colon Y' \to X'$, sodass
- $(Z', Y', X', f, g, T(j) i)$ ein ausgezeichnetes Dreieck ist und die zwei gestrichelten
- Dreiecke in
- \[
- \begin{tikzcd}
- & Y' \arrow[dashed]{ddl} \arrow[dashed]{dr}{g} & \\
- Z' \arrow[dashed]{ur}{f} \arrow[dashed]{d} &
- & \arrow{ll}{T(j)i}
- \arrow[swap]{ddl}{i} X' \\
- X \arrow[swap]{dr}{u} \arrow{rr}{vu} & & Z \arrow[dashed]{uul}
- \arrow[dashed,swap]{u} \\
- & Y \arrow[swap]{uul}{j} \arrow[swap]{ur}{v} &
- \end{tikzcd}
- \]
- kommutieren.
- \end{enumerate}
- \label{TR2}
- \end{definition}
-
- %\begin{bem}
- % Streng genommen ist die hier definierte Triangulierte Kategorie nur eine Pretriangulierte Kategorie. Für
- % eine vollständig triangulierte Kategorie fehlt noch das Oktaheder Axiom
- % (TR4 in \cite{hartshorne}), das wir im Folgenden jedoch nicht benötigen.
- %\end{bem}
-
- \begin{definition}[Triangulierte Unterkategorie]
- Sei $\mathcal{T}$ eine triangulierte Kategorie mit Verschiebefunktor $T$.
- Eine Unterkategorie $\mathcal{R}$ von $\mathcal{T}$ heißt
- \emph{triangulierte Unterkategorie}, wenn gilt
- \begin{enumerate}[(i)]
- \item für jedes Objekt $X \in \mathcal{T}$ ist $X \in \mathcal{R}$, genau dann wenn
- $T(X) \in \mathcal{R}$ ist, und
- \item falls zwei Punkte eines ausgezeichneten Dreiecks von $\mathcal{T}$ in $\mathcal{R}$ liegen, so auch
- der dritte.
- \end{enumerate}
- \label{def:triangulated-subcategory}
- \end{definition}
-
- \begin{definition}[Triangulierter Funktor]
- Ein additiver (kovarianter) Funktor $F\colon \mathcal{T} \to \mathcal{S}$ zwischen triangulierten Kategorien
- heißt \emph{trianguliert}, wenn er ausgezeichnete Dreiecke in ausgezeichnete Dreiecke überführt und mit dem
- Verschiebefunktor kommutiert.
- \end{definition}
-
- \begin{definition}[Kohomologischer Funktor]
- Ein additiver (kovarianter) Funktor $H\colon \mathcal{T} \to \mathcal{A}$ von einer triangulierten Kategorie
- in eine abelsche Kategorie heißt (kovarianter) \emph{kohomologischer Funktor}, wenn für jedes
- ausgezeichnete Dreieck $(X, Y, Z, u, v, w)$ von $\mathcal{T}$ die lange Folge
- \[
- \begin{tikzcd}
- \cdots \arrow{r} & H(T^{i}X) \arrow{r} & H(T^{i}Y) \arrow{r} & H(T^{i}Z) \arrow{r} & H(T^{i+1}X) \arrow{r}
- & \cdots
- \end{tikzcd}
- \] exakt ist. Wenn $H$ ein kohomologischer Funktor ist, dann schreiben wir auch $H^{i}(X)$ für $H(T^{i}X)$
- für $i \in \Z$.
- \end{definition}
-
- \begin{lemma}
- Sei $\mathcal{T}$ eine triangulierte Kategorie und $X \in \mathcal{T}$.
- Dann sind $\operatorname{Mor}_{\mathcal{T}}(X, -)$ und $\operatorname{Mor}_{\mathcal{T}}(-, X)$ kohomologische Funktoren.
- \label{hom-cohom-func}
- \end{lemma}
-
- \begin{proof}
- siehe Proposition 1.1 in \cite{hartshorne}.
- \end{proof}
-
- \subsection{$\mathcal{K}(\mathcal{C})$ als triangulierte Kategorie}
-
- Für eine additive Kategorie $\mathcal{C}$ sei im Folgenden $\mathcal{K}om(\mathcal{C})$
- die Komplexkategorie von $\mathcal{C}$. Weiter sei $\mathcal{K}(\mathcal{C})$ die Kategorie mit den
- selben Objekten wie $\mathcal{K}om(\mathcal{C})$ und mit Homotopieäquivalenzklassen
- von Komplexhomomorphismen als Morphismen.
- Wir geben im Folgenden eine triangulierte Struktur auf $\mathcal{K}(\mathcal{C})$.
-
- %Um eine triangulierte Struktur
- %Das kanonische Beispiel für eine triangulierte Kategorie ist die Kategorie $\mathcal{K}(\mathcal{C})$
- %für eine additive Kategorie $\mathcal{C}$.
- %
- %\begin{definition}
- % Sei $\mathcal{C}$ eine additive Kategorie. Dann ist
- % $\mathcal{K}(\mathcal{C})$, die Kategorie, deren Objekte
- % Komplexe mit Objekten aus $\mathcal{C}$ sind und
- % deren Morphismen Homotopieäquivalenzklassen von Komplexhomomorphismen sind.
- %\end{definition}
-
- %\begin{bem}
- In $\mathcal{K}(\mathcal{C})$ haben wir einen natürlichen Kategorienautomorphismus
- $T\colon \mathcal{K}(\mathcal{C}) \to \mathcal{K}(\mathcal{C})$, der
- durch Verschieben nach links gegeben ist, das
- heißt für $\com{X} \in \mathcal{K}(\mathcal{C})$ durch
- \begin{equation}
- T(\com{X})^{i} = X^{i+1} \text{ und } d_{T(\com{X})} = - d_{\com{X}}
- \label{eq:shift-functor}
- \end{equation}
- %\end{bem}
-
- \begin{bem}[Notation]
- Für $\com{X} \in \mathcal{K}(\mathcal{C})$ schreiben wir auch
- \[
- \com{X}[n] = T^{n}(\com{X})
- .\]
- \end{bem}
-
- Um die ausgezeichneten Dreiecke in $\mathcal{K}(\mathcal{C})$ zu erklären, benötigen wir
- den Abbildungskegel eines Komplexhomomorphismus:
-
- \begin{definition}[Abbildungskegel]
- Seien $\com{X}, \com{Y} \in \mathcal{K}om(\mathcal{C})$ zwei Komplexe und
- $f\colon \com{X} \to \com{Y}$ ein
- Komplexhomomorphismus. Dann sei der \emph{Abbildungskegel}
- $\com{C}_f \in \mathcal{K}om(\mathcal{C})$ definiert durch
- \[
- C_f^{n} = X^{n+1} \oplus Y^{n}
- \] mit Differential
- \[
- d_{\com{C}_f} = \begin{pmatrix}
- d_{\com{X}[1]} & 0 \\
- f[1] & d_{\com{Y} }
- \end{pmatrix}
- .\]
- \label{def:mapping-cone}
- \end{definition}
-
- \begin{bem}
- \begin{enumerate}[(1)]
- \item In der Situation von \ref{def:mapping-cone} haben wir kanonische Morphismen
- $i\colon \com{Y} \to \com{C}_{f}$ und $p\colon \com{C}_{f} \to \com{X}[1]$.
- \item Oft wird auch die Notation $\com{C}_f = \com{X}[1] \oplus \com{Y}$ verwendet.
- Man beachte jedoch, dass der Abbildungskegel \emph{nicht} das Koprodukt
- von $\com{X}[1]$ und $\com{Y}$ ist.
- \end{enumerate}
- \end{bem}
-
- \begin{bem}[Abbildungskegel in $\mathcal{K}(\mathcal{C})$]
- Seien $\com{X}, \com{Y} \in \mathcal{K}om(\mathcal{C})$ und $f, g \colon \com{X} \to \com{X} $
- homotope Komplexhomomorphismen. Dann sind
- $\com{C}_f$ und $\com{C}_g$ homotopieäquivalent, aber die Wahl der Homotopieäquivalenz
- ist nicht kanonisch. Also sind $\com{C}_f$ und $\com{C}_g$ nur unkanonisch isomorph
- in $\mathcal{K}(\mathcal{C})$.
- Wenn wir
- im Folgenden von $\com{C}_f \in \mathcal{K}(\mathcal{C})$ für ein
- $f\colon \com{X} \to \com{Y} $ in $\mathcal{K}(\mathcal{C})$ sprechen, ist damit
- ein beliebiger Vertreter der Isomorphieklasse gemeint.
- \end{bem}
-
- \begin{satz}[$\mathcal{K}(\mathcal{C})$ ist trianguliert]
- Sei $\mathcal{C}$ eine additive Kategorie. Dann ist $\mathcal{K}(\mathcal{C})$
- mit den folgenden Daten trianguliert:
- \begin{enumerate}[(a)]
- \item Der Verschiebefunktor $T\colon \mathcal{K}(\mathcal{C}) \to \mathcal{K}(\mathcal{C})$ wie in \ref{eq:shift-functor}.
- \item Ein Sextupel $(\com{X}, \com{Y}, \com{Z}, u, v, w)$
- wie in \ref{TR2} in $\mathcal{K}(\mathcal{C})$
- ist genau dann ein ausgezeichnetes Dreieck,
- wenn
- es im Sinne von ausgezeichneten Dreiecken isomorph ist zu einem Sextupel
- der Form
- $(\com{X}, \com{Y}, \com{C_{f}}, f, i, p)$,
- wobei $f\colon \com{X} \to \com{Y} $ ein Morphismus
- in $\mathcal{K}(\mathcal{C})$ ist und $i\colon \com{Y} \to \com{C_{f}}$,
- $p\colon \com{C}_{f} \to \com{X}[1]$ die kanonischen Morphismen sind.
- \end{enumerate}
- \end{satz}
-
- \begin{proof}
- siehe Kapitel 1, §2 in \cite{hartshorne}.
- \end{proof}
-
- Sei nun $\mathcal{A}$ eine abelsche Kategorie und $\mathcal{K} = \mathcal{K}(\mathcal{A})$.
-
- \begin{lemma}
- Der Funktor $H\colon \mathcal{K} \to \mathcal{A}b$ der einen Komplex $\com{A}$
- auf seine nullte Kohomologiegruppe abbildet, ist ein kohomologischer Funktor.
-
- \label{lemma:cohom-is-cohom-functor}
- \end{lemma}
-
- \begin{proof}
- siehe Kapitel 1, §2 in \cite{hartshorne}.
- \end{proof}
-
- Daraus erhalten wir insbesondere folgendes Kriterium, ob ein Komplexhomomorphismus ein Quasiisomorphismus ist:
-
- \begin{lemma}[]
- Seien $\com{A}, \com{B} \in \mathcal{K}$ und $f\colon \com{A} \to \com{B} $ ein Komplexhomomorphismus.
- Dann ist $f$ genau dann ein Quasiisomorphismus, wenn $\com{C}_f$ exakt ist.
- \label{mapping-cone-exact-for-qis}
- \end{lemma}
-
- \begin{proof}
- Es ist $(\com{A}, \com{B}, \com{C}_f, f, \iota, \rho)$ ein ausgezeichnetes Dreieck in $\mathcal{K}$ mit
- $\iota\colon \com{B} \to \com{C}_f$ und $\rho\colon \com{C}_f \to \com{A}[1]$ die natürlichen
- Morphismen. Also
- erhalten wir mit \ref{lemma:cohom-is-cohom-functor} für $i \in \Z$ eine exakte Folge
- \[
- \begin{tikzcd}
- H^{i-1}(\com{C}_f) \arrow{r}
- & H^{i}(\com{A}) \arrow{r}{H^{i}(f)}
- & H^{i}(\com{B}) \arrow{r}
- & H^{i}(\com{C}_f) \arrow{r}
- & H^{i+1}(\com{A}) \arrow{r}{H^{i+1}(f)}
- & H^{i+1}(\com{B})
- \end{tikzcd}
- .\] Die Exaktheit liefert nun die Äquivalenz.
- \end{proof}
-
- \begin{bem}
- Falls in der Situation von \ref{mapping-cone-exact-for-qis},
- $H^{i}(f)$ ein Isomorphismus ist für $i \gg 0$ (bzw. $i \ll 0$), folgt aus der exakten Folge im Beweis,
- dass $H^{i}(\com{C}_f) = 0$ für $i \gg 0$ (bzw. $i \ll 0$).
- \label{bem:mapping-cone-h-bounded}
- \end{bem}
-
- \begin{korollar}
- Sei $\mathcal{B}$ eine weitere abelsche Kategorie und
- $F\colon \mathcal{K}(\mathcal{A}) \to \mathcal{K}(\mathcal{B})$
- ein triangulierter Funktor.
- Dann erhält $F$ genau dann Exaktheit von Komplexen, wenn $F$ Quasiisomorphismen erhält.
- \label{kor:exactness-preserver-preserves-qis}
- \end{korollar}
-
- \begin{proof}
- ($\Rightarrow$) Seien $\com{X}, \com{Y} \in \mathcal{K}(\mathcal{A})$
- und $f\colon \com{X} \to \com{Y}$ ein Quasiisomorphismus. Dann ist
- \[
- \begin{tikzcd}
- \com{X} \arrow{r}{f} & \com{Y} \arrow{r} & \com{C}_f \arrow{r} & \com{X}[1]
- \end{tikzcd}
- \] ein ausgezeichnetes Dreieck in $\mathcal{K}(\mathcal{A})$, wobei $\com{C}_f$
- nach \ref{mapping-cone-exact-for-qis} exakt ist. Nach Voraussetzung ist
- \[
- \begin{tikzcd}
- F(\com{X}) \arrow{r}{F(f)} & F(\com{Y}) \arrow{r} & F(\com{C}_f) \arrow{r} & \com{X}[1]
- \end{tikzcd}
- \] ebenfalls ein ausgezeichnetes Dreieck und wir erhalten für $i \in \Z$ die exakte Folge:
- \[
- \begin{tikzcd}
- H^{i-1}(F(\com{C}_f)) \arrow{r} & H^{i}(F(\com{X})) \arrow{r} & H^{i}(F(\com{Y})) \arrow{r} &
- H^{i}(F(\com{C}_f))
- \end{tikzcd}
- .\] Die äußeren Terme sind $0$, weil $F$ Exaktheit erhält. Aus der Exaktheit der Folge, folgt damit
- der gewünschte Isomorphismus.
-
- ($\Leftarrow$) Sei $\com{X} \in \mathcal{K}(\mathcal{A})$ exakt. Dann ist $\com{X} \to \com{0}$
- ein Quasiisomorphismus, also auch $F(\com{X}) \to F(\com{0} )$. Da $F$ additiv ist, folgt $F(\com{0}) = \com{0}$ und damit
- die Behauptung.
- \end{proof}
-
- \subsection{Lokalisierung von Kategorien}
-
- Wie anfangs erwähnt ist die derivierte Kategorie $\mathcal{D}(\mathcal{A})$ einer
- abelschen Kategorie $\mathcal{A}$
- eine Lokaliserung von $\mathcal{K}(\mathcal{A})$.
- Diese funktioniert analog zum gleichnamigen Prozess in der kommutativen Algebra, was
- uns zu folgendem Begriff führt:
-
- \begin{definition}[Multiplikatives System]
- Sei $\mathcal{C}$ eine Kategorie. Eine Klasse $\mathcal{S}$ von Morphismen von $\mathcal{C}$ heißt
- \emph{multiplikatives System}, wenn es die folgenden Axiome erfüllt:
- \begin{enumerate}[(FR1), leftmargin=14mm]
- \item Wenn $f, g \in \mathcal{S}$, sodass $fg$ existiert, ist $fg \in \mathcal{S}$. Für
- alle $X \in \mathcal{C}$ ist $\text{id}_{X}\in \mathcal{S}$.
- \item Jedes Diagramm in $\mathcal{C}$
- \[
- \begin{tikzcd}
- & Z \arrow{d}{s} \\
- X \arrow{r}{u} & Y \\
- \end{tikzcd}
- \] mit $s \in \mathcal{S}$ kann zu einem kommutativen Diagramm
- \[
- \begin{tikzcd}
- W \arrow{r}{v} \arrow{d}{t} & Z \arrow{d}{s} \\
- X \arrow{r}{u} & Y
- \end{tikzcd}
- \] mit $t \in \mathcal{S}$ ergänzt werden. Analog gilt die selbe Aussage mit allen Pfeilen umgedreht.
- \item Für $f, g \colon X \to Y$ Morphismen in $\mathcal{C}$, sind die folgenden Bedingungen äquivalent:
- \begin{enumerate}[(i)]
- \item Es existiert ein $s\colon Y \to Y'$ in $\mathcal{S}$, sodass $sf = sg$.
- \item Es existiert ein $t\colon X' \to X$ in $\mathcal{S}$, sodass $ft = gt$.
- \end{enumerate}
- \end{enumerate}
- \label{def:mult-system}
- \end{definition}
-
- \begin{definition}[Lokalisierung]
- Seien $\mathcal{C}$ eine Kategorie und $\mathcal{S}$ eine Klasse von Morphismen in $\mathcal{C}$. Dann
- ist eine \emph{Lokalisierung} von $\mathcal{C}$ in Bezug auf $\mathcal{S}$ eine Kategorie $\mathcal{C}_{\mathcal{S}}$
- zusammen mit einem Funktor $Q\colon \mathcal{C} \to \mathcal{C}_{\mathcal{S}}$, sodass
- \begin{enumerate}[(a)]
- \item $Q(s)$ ein Isomorphismus ist für alle $s \in \mathcal{S}$ und
- \item jeder Funktor $F\colon \mathcal{C} \to \mathcal{D}$, sodass $F(s)$ ein Isomorphismus ist
- für alle $s \in \mathcal{S}$, eindeutig über $Q$ faktorisiert.
- \end{enumerate}
- \label{def:localisation}
- \end{definition}
-
- \begin{bem}
- Falls in der Situation von \ref{def:localisation} $\mathcal{C}_{\mathcal{S}}$ existiert, dann
- ist diese Kategorie bis auf kanonische Kategorienäquivalenz eindeutig.
- \end{bem}
-
- \begin{definition}
- Sei $\mathcal{C}$ eine Kategorie und $\mathcal{S}$ ein multiplikatives System in $\mathcal{C}$. Dann definiere
- die Kategorie $\mathcal{C}_{\mathcal{S}}$ durch
- \begin{enumerate}[(a)]
- \item $ob(\mathcal{C}) = ob(\mathcal{C}_{\mathcal{S}})$.
- \item Für $X, Y \in \mathcal{C}$ setze
- $\operatorname{Mor}_{\mathcal{C}_{\mathcal{S}}}(X, Y) = \{ (f, Z, s) \mid f \colon Z \to Y,
- s \colon Z \to X \text{ mit } s \in \mathcal{S}\} / \sim $, wobei
- $(f, Z, s) \sim (f', Z', s')$ genau dann wenn ein kommutatives Diagramm
- \[
- \begin{tikzcd}
- & Z \arrow[swap]{dl}{s} \arrow{dr}{f} & \\
- X & W \arrow{l}{t} \arrow{u}{g} \arrow{d}{h} & Y \\
- & \arrow{ul}{s'} Z' \arrow[swap]{ur}{f'} &
- \end{tikzcd}
- \] mit $t \in \mathcal{S}$ in $\mathcal{C}$ existiert.
- \item Für $(f, U, s) \in \operatorname{Mor}_{\mathcal{C}_{\mathcal{S}}}(X, Y)$,
- $(g, V, t) \in \operatorname{Mor}_{\mathcal{C}_{\mathcal{S}}}(Y, Z)$ sei
- die Komposition definiert durch die äußeren Morphismen des kommutativen Diagramms
- \[
- \begin{tikzcd}
- & & \arrow[dashed]{dl}{r} W \arrow[dashed]{dr}{h} & & \\
- & \arrow{dl}{s} U \arrow{dr}{f} & & \arrow{dl}{t} V \arrow{dr}{g} & \\
- X & & Y & & Z.
- \end{tikzcd}
- \] Die gestrichelten Morphismen existieren wegen \hyperref[def:mult-system]{FR2} und
- es ist leicht zu verifizieren, dass das Ergebnis nicht von der
- Wahl der gestrichelten Morphismen
- abhängt.
- \item Für $X \in \mathcal{C}$ ist die Identität $X \to X$ in $\mathcal{C}_{\mathcal{S}}$
- gegeben durch das Tripel $(\text{id}_X, X, \text{id}_X)$.
- \end{enumerate}
- \label{constr:localisation}
- \end{definition}
-
- \begin{satz}
- Sei $\mathcal{C}$ eine Kategorie und $\mathcal{S}$ ein multiplikatives System, dann ist
- die in \ref{constr:localisation} konstruierte Kategorie $\mathcal{C}_{\mathcal{S}}$
- wohldefiniert und eine Lokalisierung von $\mathcal{C}$ bezüglich $\mathcal{S}$. Der kanonische
- Funktor $Q\colon \mathcal{C} \to \mathcal{C}_{\mathcal{S}}$ ist dann gegeben durch
- $Q(X) = X$ für $X \in \mathcal{C}$ und $Q(f) = (f, X, \text{id}_{X})$ für $f\colon X \to Y$ in $\mathcal{C}$.
-
- \label{satz:existence-localisation}
- \end{satz}
-
- \begin{proof}
- siehe Proposition 3.1 in \cite{hartshorne}.
- \end{proof}
-
- \begin{bem}
- \begin{enumerate}[(a)]
- \item Da $\mathcal{S}$ eine echte Klasse sein kann, das heißt keine Menge, ist im
- Allgemeinen auch $\operatorname{Mor}_{\mathcal{C}_{\mathcal{S}}}(X, Y)$ für
- $X, Y \in \mathcal{C}_{\mathcal{S}}$
- keine Menge. Das
- heißt streng genommen ist $\mathcal{C}_{\mathcal{S}}$ im Allgemeinen nur
- eine große Kategorie. In unseren Anwendungsfällen kann man jedoch zeigen, dass $\mathcal{C}_{\mathcal{S}}$
- eine (echte \footnote{Das heißt $\operatorname{Mor}_{\mathcal{C}_{\mathcal{S}}}(X, Y)$ ist
- eine Menge für alle $X, Y \in \mathcal{C}_{\mathcal{S}}$.}) Kategorie ist. Für Details
- siehe Bemerkung 10.3.6 in \cite{set-theoretic}.
- Wir nehmen im Folgenden stillschweigend an, dass $\mathcal{C}_{\mathcal{S}}$
- eine (echte) Kategorie ist.
- \item Die Lokalisierung $\mathcal{C}_{\mathcal{S}}$ einer Kategorie $\mathcal{C}$
- kann auch dual, das heißt durch Umdrehen aller Pfeile in \ref{constr:localisation},
- konstruiert werden. Wenn im Folgenden der Kontext klar ist, dann schreiben wir auch einfach
- $X$ für $Q(X)$ für ein Objekt $X \in \mathcal{C}$. Ebenso schreiben wir für $X, Y \in \mathcal{C}$ auch
- $s^{-1}f$ bzw. in der dualen Konstruktion $fs^{-1}$ für die Äquivalenzklasse des Tripels
- $(f, Z, s) \in \operatorname{Mor}_{\mathcal{C}_{\mathcal{S}}}(X, Y)$. In dieser Notation ist
- dann $Q(f) = \text{id}^{-1}f$ bzw. $Q(f) = f\text{id}^{-1}$ für $f\colon X \to Y$ in $\mathcal{C}$.
- \end{enumerate}
- \end{bem}
-
- Falls $\mathcal{T}$ eine triangulierte Kategorie ist und $\mathcal{S}$ ein multiplikatives
- System, stellt sich die Frage, ob sich
- die Triangulation von $\mathcal{C}$
- in natürlicher Weise auf $\mathcal{C}_{\mathcal{S}}$ ausdehnt. Dazu fordern wir zusätzlich
- an $\mathcal{S}$:
-
- \begin{definition}[Mit Triangulation kompatibles multiplikatives System]
- Sei $\mathcal{T}$ eine triangulierte Kategorie mit Verschiebefunktor $T$
- und $\mathcal{S}$ ein multiplikatives System
- von Morphismen. Wir nennen $\mathcal{S}$ \emph{kompatibel mit der Triangulation}, wenn die folgenden
- Axiome erfüllt sind:
- \begin{enumerate}[(FR1), leftmargin=14mm]
- \setcounter{enumi}{3}
- \item $s \in \mathcal{S} \iff T(s) \in \mathcal{S}$.
- \item \hyperref[TR2]{TR3} unter der zusätzlichen Annahme, dass $f, g \in \mathcal{S}$
- und der zusätzlichen Forderung, dass $h \in \mathcal{S}$ ist.
- \end{enumerate}
- \end{definition}
-
- \begin{satz}
- Sei $\mathcal{T}$ eine triangulierte Kategorie und $\mathcal{S}$ ein
- mit der Triangulation kompatibles
- multiplikatives System. Dann hat $\mathcal{T}_{\mathcal{S}}$ eine eindeutige
- triangulierte Struktur, sodass $Q$ ein triangulierter Funktor ist und
- die universelle Eigenschaft b) aus \ref{def:localisation} für triangulierte Funktoren in triangulierte
- Kategorien erfüllt.
- \label{satz:existence-triangulated-localisation}
- \end{satz}
-
- \begin{proof}
- siehe Proposition 3.2 in \cite{hartshorne}.
- \end{proof}
-
- \subsection{Derivierte Kategorie}
-
- Sei im Folgenden $\mathcal{A}$ eine feste abelsche Kategorie und
- $\mathcal{K} = \mathcal{K}(\mathcal{A})$. Wir bezeichnen im Folgenden die Klasse
- der Quasiisomorphismen in $\mathcal{K}$ als $\mathcal{Q}is$.
-
- \begin{lemma}[$\mathcal{Q}is$ ist multiplikativ]
- $\mathcal{Q}is$ ist ein mit der Triangulation von $\mathcal{K}$ kompatibles multiplikatives System.
- \label{lemma:qis-mult}
- \end{lemma}
-
- \begin{proof}
- siehe Proposition 4.1 in \cite{hartshorne}.
- \end{proof}
-
- Nach \ref{satz:existence-localisation}, \ref{satz:existence-triangulated-localisation} und \ref{lemma:qis-mult} angewendet
- auf $\mathcal{K}$ und $\mathcal{Q}is$, existiert die triangulierte Kategorie $\mathcal{K}_{\mathcal{Q}is}$.
-
- \begin{definition}[Derivierte Kategorie]
- Wir bezeichnen die triangulierte Lokalisierung $\mathcal{K}_{\mathcal{Q}is}$
- als die \emph{derivierte Kategorie} $\mathcal{D} = \mathcal{D}(\mathcal{A})$ von $\mathcal{A}$.
- \end{definition}
-
- \begin{bem}[]
- Im Folgenden bezeichne $Q = Q_{\mathcal{A}}\colon \mathcal{K}(\mathcal{A}) \to \mathcal{D}(\mathcal{A})$
- den kanonischen Lokalisierungsfunktor.
- \end{bem}
-
- Um zu verstehen, wann zwei Morphismen in $\mathcal{K}$ den selben Morphismus in $\mathcal{D}$ induzieren, hilft
- das folgende Lemma:
-
- \begin{lemma}
- Seien $\com{X}, \com{Y} \in \mathcal{K}$ und $f\colon \com{X} \to \com{Y}$. Dann
- sind die folgenden Bedingungen äquivalent:
- \begin{enumerate}[(i)]
- \item $\text{id}^{-1}f = 0$ in $\mathcal{D}$.
- \item Es existiert ein Quasiisomorphismus $t\colon \com{X'} \to \com{X} $,
- sodass $ft = 0$ in $\mathcal{K}$.
- \item Es existiert ein Quasiisomorphismus $s\colon \com{Y} \to \com{Y'} $,
- sodass $sf = 0$ in $\mathcal{K}$.
- \end{enumerate}
-
- \label{derived-cat-morphism-null}
- \end{lemma}
-
- \begin{proof}
- Wegen \hyperref[def:mult-system]{FR3} und \ref{lemma:qis-mult} genügt es
- die Äquivalenz von
- (i) und (ii) zu zeigen. Es ist genau dann $\text{id}^{-1}f = 0$, wenn
- ein kommutatives Diagram
- \[
- \begin{tikzcd}
- & \com{X} \arrow{dl}{\text{id}} \arrow{dr}{f} & \\
- \com{X} & \arrow[dashed]{l}{t} \com{X'} \arrow[dashed]{d} \arrow[dashed]{u} & \com{Y} \\
- & \com{X} \arrow{ul}{\text{id}} \arrow{ur}{0} &
- \end{tikzcd}
- \] mit einem Quasiisomorphismus $t$ existiert. Das zeigt die Behauptung.
- \end{proof}
-
- Wir möchten nun Ableitungen von Funktoren im Kontext von
- derivierten Kategorien betrachten.
- Seien dafür $\mathcal{A}$ und $\mathcal{B}$ abelsche Kategorien und
- $F\colon \mathcal{K}(\mathcal{A}) \to \mathcal{K}(\mathcal{B})$ ein triangulierter
- (kovarianter) Funktor.
- Das ist zum Beispiel der Fall wenn $F$ induziert ist von einem additiven Funktor
- $F\colon \mathcal{A} \to \mathcal{B}$.
-
- Falls $F$ exakt ist werden Quasiisomorphismen auf Quasiisomorphismen geschickt und $F$ induziert daher
- einen Funktor von $\mathcal{D}(\mathcal{A})$ nach $\mathcal{D}(\mathcal{B})$.
- Im Allgemeinen ist das nicht der Fall und wir konstruieren dann, unter bestimmten
- Voraussetzungen an $F$ und die beteiligten Kategorien, einen Funktor
- $\text{R}F\colon \mathcal{D}(\mathcal{A}) \to \mathcal{D}(\mathcal{B})$:
-
- \begin{definition}[Abgeleiteter Funktor]
- Seien $\mathcal{A}, \mathcal{B}$ abelsche Kategorien. Der \emph{rechts abgeleitete Funktor} von $F$ ist
- ein triangulierter Funktor
- \[
- \text{R}F\colon \mathcal{D}(\mathcal{A}) \to \mathcal{D}(\mathcal{B})
- \] zusammen mit einer natürlichen Transformation
- \[
- \xi\colon Q_{\mathcal{B}} \circ F \to \text{R}F \circ Q_{\mathcal{A}}
- \] von Funktoren von $\mathcal{K}(\mathcal{A})$ nach $\mathcal{D}(\mathcal{B})$ mit
- der folgenden universellen Eigenschaft: Für jeden triangulierten Funktor
- \[
- G\colon \mathcal{D}(\mathcal{A}) \to \mathcal{D}(\mathcal{B})
- \]
- und jede natürliche Transformation
- \[
- \zeta\colon Q_{\mathcal{B}} \circ F \to G \circ Q_{\mathcal{A}}
- \] existiert eine eindeutige natürliche Transformation
- \[
- \eta\colon \text{R}F \to G
- \] von Funktoren von $\mathcal{D}(\mathcal{A})$ nach $\mathcal{D}(\mathcal{B})$, sodass
- das folgende Diagramm kommutiert:
- \[
- \begin{tikzcd}
- Q_{\mathcal{B}} \circ F \arrow{r}{\xi} \arrow{dr}{\zeta}
- & \text{R}F \circ Q_{\mathcal{A}} \arrow[dashed]{d}{\eta} \\
- & G \circ Q_{\mathcal{A}}
- \end{tikzcd}
- .\]
- \end{definition}
-
- \begin{bem}
- \begin{enumerate}[(a)]
- \item Falls $\text{R}F$ existiert, ist dieser bis auf eindeutige natürliche Äquivalenz eindeutig.
- \item Wir schreiben $R^{i}F$ für $H^{i}(\text{R}F)$. Wenn
- $F$ induziert ist von einem
- links-exakten Funktor $F\colon \mathcal{A} \to \mathcal{B}$ und $\mathcal{A}$ genügend
- viele Injektive hat, existiert der abgeleitete Funktor $\text{R}F$
- auf der vollen Unterkategorie $\mathcal{D}^{+}$ der nach unten
- beschränkten Komplexe von $\mathcal{D}$. Sei $P: \mathcal{A} \to \mathcal{D}^{+}$
- der kanonische Funktor, der ein Objekt $X \in \mathcal{A}$ auf den Komplex
- schickt, der im nullten Grad $X$ zu stehen hat und in allen anderen Graden $0$ ist.
- Dann sind $R^{i}F \circ P$ genau
- die klassischen rechts-abgeleiteten Funktoren von $F$.
- \item Es gibt den analogen Begriff der Linksableitung $\text{L}F$ (kovarianter)
- Funktoren, bei dem sich die Pfeile der natürlichen Transformationen umdrehen.
- \end{enumerate}
- \label{bem:derived-functors}
- \end{bem}
-
- \begin{satz}
- Seien $\mathcal{A}, \mathcal{B}$ abelsche Kategorien und
- $F\colon \mathcal{K}(\mathcal{A}) \to \mathcal{K}(\mathcal{B})$ ein triangulierter Funktor. Angenommen es
- existiert eine triangulierte Unterkategorie $\mathcal{L} \subset \mathcal{K}(\mathcal{A})$, sodass
- \begin{enumerate}[(i)]
- \item für jeden Komplex in $\mathcal{K}(\mathcal{A})$ ein Quasiisomorphismus in einen
- Komplex aus $\mathcal{L}$ existiert, und
- \item $F|_{\mathcal{L}}$ Exaktheit von Komplexen erhält.
- \end{enumerate}
- Dann existiert der Funktor $\text{R}F\colon \mathcal{D}(\mathcal{A}) \to \mathcal{D}(\mathcal{B})$ und
- für die natürliche Transformation $\xi\colon Q_{\mathcal{B}} \circ F \to \text{R}F \circ Q_{\mathcal{A}}$ gilt, dass
- für alle $\com{I} \in \mathcal{L}$ die Abbildung
- \[
- \xi(\com{I})\colon Q_{\mathcal{B}}(F(\com{I})) \to \text{R}F(Q_{\mathcal{A}}(\com{I}))
- \] ein Isomorphismus in $\mathcal{D}(\mathcal{B})$ ist.
- \label{satz:existence-derived-functors}
- \end{satz}
-
- \begin{proof}
- siehe Theorem 5.1 in \cite{hartshorne}.
- \end{proof}
-
- Die Voraussetzungen von \ref{satz:existence-derived-functors} sind im Allgemeinen schwer zu erfüllen. Deshalb betrachtet man häufig gewisse Unterkategorien
- von $\mathcal{K}(\mathcal{A})$, beispielsweise die Kategorie
- $\mathcal{K}^{+}(\mathcal{A})$ der nach unten beschränkten Komplexe. Dies genügt,
- um den Fall (b) aus \ref{bem:derived-functors} zu studieren.
-
- Für unbeschränkte Komplexe liegt die Schwierigkeit darin eine geeignete
- Unterkategorie $\mathcal{L}$ zu finden, die die Bedingungen aus
- \ref{satz:existence-derived-functors} erfüllt.
- Ziel
- dieser Arbeit ist es herauszuarbeiten, dass im Falle von $\mathcal{A} = A\text{-Mod}$
- für einen kommutativen
- Ring $A$, die Bedingungen für die im Folgenden definierten Funktoren $\com{\operatorname{Hom}}(\com{M}, -)$,
- $\com{\operatorname{Hom}}(-, \com{M})$ und $\com{M} \otimes_A -$ erfüllt sind. Das
- wird uns erlauben das klassische Adjunktionsresultat
- \[
- - \otimes_A M \dashv \operatorname{Hom}_{A\text{-Mod}}(M, -)
- \] für einen $A$-Modul $M$ auf die abgeleiteten Funktoren zu übertragen.
-
- \begin{definition}
- Seien $\com{X}, \com{Y} \in \mathcal{K}$ zwei Komplexe in einer beliebigen abelschen Kategorie $\mathcal{A}$.
- Dann sei $\com{\operatorname{Hom}}(\com{X}, \com{Y}) \in \mathcal{K}(\mathcal{A}b)$ definiert durch
- \[
- \operatorname{Hom}^{n}(\com{X}, \com{Y}) = \prod_{i \in \Z} \operatorname{Hom}(X^{i}, Y^{i+n})
- \] mit Differentialen
- \[
- d^{n}(f) = d_{\com{Y} } f - (-1)^{n} f d_{\com{X}}
- \] für $f \in \operatorname{Hom}^{n}(\com{X}, \com{Y})$.
- \label{def:hom-compl}
- \end{definition}
-
- \begin{definition}
- Sei $A$ ein kommutativer Ring und
- seien $\com{M}, \com{N} \in \mathcal{K}(A\text{-Mod})$. Dann sei
- $\com{M} \otimes_A \com{N} \in \mathcal{K}(A\text{-Mod})$ definiert durch
- \[
- (\com{M} \otimes_A \com{N})^{n} = \bigoplus_{i \in \Z} M^{i} \otimes_A N^{n-i}
- \] mit Differentialen
- \[
- d^{n}(m \otimes n) = d_{\com{M} }(m) \otimes n + (-1)^{i} m \otimes d_{\com{N} }(n)
- \] für $m \in M^{i}, n \in N^{n-i}$.
- \label{def:tor-compl}
- \end{definition}
- \begin{bem}
- \begin{enumerate}[(a)]
- \item Die Konstruktionen in \ref{def:hom-compl} und \ref{def:tor-compl} sind
- funktoriell in beiden Variablen und induzieren daher entsprechende Funktoren.
- \item
- Wie für das klassiche Tensorprodukt von $A$-Moduln, existieren für
- $\com{M}, \com{N}, \com{P} \in \mathcal{K}(A\text{-Mod})$
- natürliche Isomorphismen
- \[
- \com{M} \otimes_A \com{N} = \com{N} \otimes_A \com{M} \text{ und }
- (\com{M} \otimes_A \com{N}) \otimes_A \com{P} = \com{M} \otimes_A (\com{N} \otimes_A \com{P})
- .\]
- \end{enumerate}
- \end{bem}
-
- Die Kohomologiegruppen von $\com{\operatorname{Hom}}(\com{X}, \com{Y})$ für Komplexe
- $\com{X}, \com{Y} \in \mathcal{K}$ lassen sich explizit bestimmen:
-
- \begin{lemma}
- Seien $\com{X}, \com{Y} \in \mathcal{K}$ zwei Komplexe. Dann gilt für $n \in \Z$:
- \[
- H^{n}\com{\operatorname{Hom}}(\com{X}, \com{Y}) = \operatorname{Mor}_{\mathcal{K}}(\com{X}, \com{Y}[n])
- .\]\label{hom-compl-cohomgroups}
- \end{lemma}
- \begin{proof}
- Sei $(f^i)_{i \in \Z} \in \prod_{i \in \Z} \operatorname{Hom}(X^{i}, Y^{i+n})$. Dann ist:
- \[
- (f^{i})_{i \in \Z} \in \operatorname{ker } d^{n} \iff (-1)^{n} d_{\com{Y}}^{i+n} f^i = f^{i+1} d_{\com{X} }^{i}
- \text{ für } i \in \Z
- .\] Wegen $d_{\com{Y}[n]} = (-1)^{n}d_{\com{Y}}$, induziert $(f^i)_{i \in \Z}$ also genau dann
- einen Komplexhomomorphismus $\com{X} \to \com{Y}[n]$, wenn $(f^{i})_{i \in \Z} \in \operatorname{ker } d^{n}$.
-
- Weiter ist genau dann $(f^{i})_{i \in \Z} \in \operatorname{im } d^{n-1}$, wenn eine Familie
- $(k^{i})_{i \in \Z}\in \prod_{i \in \Z}^{} \operatorname{Hom}(X^{i}, Y^{i+n-1})$ existiert, sodass
- %\[
- % f^{i} = d_{\com{Y}}^{i+n-1} k^{i} - (-1)^{n-1} k^{i+1} d_{\com{X} }^{i}
- % = d_{\com{Y}}^{i+n-1} k^{i} + (-1)^{n} k^{i+1} d_{\com{X} }^{i}
- %.\]
- \[
- (-1)^{n}f^{i} = (-1)^{n} d_{\com{Y}}^{i+n-1} k^{i} + k^{i+1} d_{\com{X} }^{i}
- .\] Erneut wegen $d_{\com{Y} [n]} = (-1)^{n} d_{\com{Y} }$, ist also für $(f^i)_{i \in \Z} \in \operatorname{ker } d^{n}$
- der induzierte Komplexhomomorphismus $f\colon \com{X} \to \com{Y} $ genau dann nullhomotop,
- wenn $(f^{i})_{i \in \Z} \in \operatorname{im }d^{n-1}$.
- \end{proof}
-
- \begin{lemma}[$\com{\operatorname{Hom}}(-, -)$ und (Ko)limites]
- Sei $\com{X} \in \mathcal{K}$ und seien $(\com{S} _n)_{n \in \N}$ bzw. $(\com{T} _n)_{n \in \N}$
- direkte bzw. inverse Systeme in $\mathcal{K}$. Dann sind die natürlichen Homomorphismen
- \[
- \com{\operatorname{Hom}}(\colim \com{S}_n, \com{X}) \longrightarrow \lim \com{\operatorname{Hom}}(\com{S}_n, \com{X})
- \] und
- \[
- \com{\operatorname{Hom}}(\com{X}, \lim \com{T}_n) \longrightarrow \lim \com{\operatorname{Hom}}(\com{X}, \com{T}_n)
- \] Isomorphismen.
- \label{lemma:inner-hom-commutes-with-limits}
- \end{lemma}
-
- \begin{proof}
- Das gilt gradweise nach Definition von $\lim$ und man verifiziert,
- dass die gradweisen Homomorphismen Komplexhomomorphismen bilden.
- \end{proof}
-
- \begin{lemma}[Tensorprodukt ist trianguliert]
- Sei $\com{M} \in \mathcal{K}(A\text{-Mod})$.
- Dann ist $- \otimes_A \com{M}$ (und $\com{M} \otimes_A -$) ein triangulierter Funktor von $\mathcal{K}(A\text{-Mod})$
- nach $\mathcal{K}(A\text{-Mod})$.
- \label{satz:tor-is-triangulated}
- \end{lemma}
-
- \begin{proof}
- Nach der Definition von ausgezeichneten Dreiecken in $\mathcal{K}$ genügt es nachzurechnen, dass
- für $f\colon \com{X} \to \com{Y} $ in $\mathcal{K}om(\mathcal{A})$
- und $\com{S} \in \mathcal{K}om(\mathcal{A})$ gilt:
- \[
- \com{C}_f \otimes_A \com{S} = \com{C}_{f \otimes \text{id}_{\com{S}}}
- .\] Das rechnet man gradweise nach und zeigt, dass die Differentiale übereinstimmen.
- \end{proof}
-
- \begin{satz}[Adjunktion der Hom- und Tensorproduktkomplexe]
- Seien $\com{M}, \com{N}, \com{P} \in \mathcal{K}(A\text{-Mod})$. Dann existiert
- ein natürlicher Isomorphismus, der funktoriell in allen Variablen ist:
- \[
- \com{\operatorname{Hom}}(\com{M} \otimes_A \com{N}, \com{P})
- = \com{\operatorname{Hom}}(\com{M},\com{\operatorname{Hom}} (\com{N} , \com{P} ))
- .\]
- \label{satz:adjunction-hom-tor-comp}
- \end{satz}
-
- \begin{proof}
- Das gilt gradweise, weil für beliebige $A$-Moduln $M, N, P$ ein natürlicher Isomorphismus
- \[
- \operatorname{Hom}_{A}(M \otimes_A N, P) \to \operatorname{Hom}_{A}(M, \operatorname{Hom}_{A}(N, P))
- \] existiert. Man verifiziert, dass die gradweisen Isomorphismen Komplexhomomorphismen bilden.
- \end{proof}
-
- % TODO: verstehe ich nicht aber habe alternative
- %\begin{lemma}[]
- % Sei $\com{A} \in \mathcal{K}$ und $\mathcal{G}$ eine Klasse von Objekten
- % von $\mathcal{A}$, sodass jedes Objekt von $\mathcal{A}$ eine Einbettung
- % in ein Objekt aus $\mathcal{G}$ besitzt. Angenommen
- % $\com{\operatorname{Hom}}(\com{A}, E) \in \mathcal{K}(\mathcal{A}b)$ ist exakt für alle
- % $E \in \mathcal{G}$. Dann ist $\com{A} $ exakt.
- % \label{lemma:0.10}
- %\end{lemma}
-
- \newpage
-
- \section{K-injektive und K-projektive Auflösungen}
-
- \label{sec:resolutions}
-
- Sei in diesem Abschnitt $\mathcal{A}$ eine abelsche Kategorie und
- $\mathcal{K} = \mathcal{K}(\mathcal{A})$.
- Sei weiter $\com{Y} \in \mathcal{K}$.
- Um die Bedingungen von \ref{satz:existence-derived-functors} für
- $\com{\operatorname{Hom}}(\com{Y}, -)$ (bzw. $\com{\operatorname{Hom}}(-, \com{Y})$)
- zu erfüllen, benötigen wir
- eine triangulierte Unterkategorie $\mathcal{L}$ von Komplexen in $\mathcal{K}$, sodass
-
- \begin{enumerate}[(i)]
- \item für jeden Komplex $\com{X} \in \mathcal{K}$ ein Quasiisomorphismus
- $\com{X} \to \com{I}$ mit $\com{I} \in \mathcal{L}$
- (bzw. $\com{P} \to \com{X} $ mit $\com{P} \in \mathcal{L}$)
- existiert, und
- \item $\com{\operatorname{Hom}}(\com{Y}, -)$ (bzw. $\com{\operatorname{Hom}}(-, \com{Y})$) Exaktheit
- von Komplexen aus $\mathcal{L}$ erhält.
- \end{enumerate}
-
- Dazu definieren wir:
-
- \begin{definition}[K-injektiv]
- Ein Komplex $\com{I} \in \mathcal{K}$ heißt \emph{K-injektiv}, wenn der Funktor
- $\com{\operatorname{Hom}}(-, \com{I})$ Exaktheit von Komplexen erhält. Eine \emph{K-injektive
- Auflösung} eines Komplexes $\com{X} \in \mathcal{K}$ ist
- ein Quasiisomorphismus $\com{X} \to \com{I} $ mit
- $\com{I} \in \mathcal{K}$ K-injektiv.
- \end{definition}
-
- \begin{definition}[K-projektiv]
- Ein Komplex $\com{P} \in \mathcal{K}$ heißt \emph{K-projektiv}, wenn der Funktor
- $\com{\operatorname{Hom}}(\com{P}, -)$ Exaktheit von Komplexen erhält. Eine \emph{K-projektive
- Auflösung} eines Komplexes $\com{X} \in \mathcal{K}$ ist
- ein Quasiisomorphismus $\com{P} \to \com{X} $ mit
- $\com{P} \in \mathcal{K}$ K-projektiv.
- \end{definition}
-
- Das Ziel dieses Abschnitts ist das folgende Resultat:
-
- \begin{satz}
- Sei $R$ ein Ring und $\mathcal{A}$ die Kategorie der $R$-(Links-)Moduln. Dann
- hat jeder Komplex in $\mathcal{A}$ eine K-injektive und eine K-projektive
- Auflösung.
- \label{satz:r-mod-existence-k-proj-and-k-inj-resolutions}
- \end{satz}
-
- Die Vorgehensweise orientiert sich dabei an den Abschnitten 1 bis 3 von \cite{spaltenstein}.
-
- \subsection{Elementare Eigenschaften von K-injektiven und K-projektiven Komplexen}
-
- Zunächst werden einige grundlegenden Eigenschaften von K-injektiven und K-projektiven
- Komplexen entwickelt.
-
- \begin{lemma}[]
- Sei $\com{X} \in \mathcal{K}$. Es gilt
- \begin{align*}
- \com{X} \text{ K-injektiv} &\iff \operatorname{Mor}_{\mathcal{K}}(\com{S} , \com{X} ) = 0 \quad \forall \com{S} \in \mathcal{K} \text{ exakt}\\
- \com{X} \text{ K-projektiv} &\iff \operatorname{Mor}_{\mathcal{K}}(\com{X} , \com{S} ) = 0 \quad \forall \com{S} \in \mathcal{K} \text{ exakt}
- .\end{align*}
- \label{lemma:mork-crit-for-k-inj}
- \end{lemma}
-
- \begin{proof}
- Mit \ref{hom-compl-cohomgroups} ist $\com{X}$
- genau dann K-injektiv, wenn für jeden exakten Komplex
- $\com{S} \in \mathcal{K}$ gilt, dass
- $\operatorname{Mor}_{\mathcal{K}}(\com{S}[i] , \com{X}) = 0$ $\forall i \in \Z$.
- Da Verschieben Exaktheit erhält folgt die Behauptung. Die duale Aussage folgt durch Umdrehen der Pfeile.
- \end{proof}
-
- \begin{lemma}
- Ein exakter K-projektiver oder K-injektiver Komplex $\com{X} \in \mathcal{K}$
- ist zusammenziehbar, das heißt nullhomotop, also in $\mathcal{K}$ isomorph zum Nullkomplex.
- \label{lemma:k-inj-exact-contractible}
- \end{lemma}
-
- \begin{proof}
- Betrachte $\mathrm{id}_{\com{X}} \in \mathrm{Mor}_{\K}(\com{X} , \com{X})
- \stackrel{\ref{lemma:mork-crit-for-k-inj}}{=} 0$. Also ist $\mathrm{id}_{\com{X} } = 0$ und damit
- $\com{X} = 0$ in $\K$.
- \end{proof}
-
- \begin{bem}
- Aus \ref{lemma:k-inj-exact-contractible} folgt, dass für einen exakten und K-injektiven Komplex
- $\com{I} \in \mathcal{K}$ und
- einen beliebigen Komplex $\com{X} \in \mathcal{K}$,
- der Komplex $\com{\operatorname{Hom}}(\com{X}, \com{I})$ exakt ist, denn
- \[
- H^{i}(\com{\operatorname{Hom}}(\com{X}, \com{I})) = \operatorname{Mor}_{\mathcal{K}}(\com{X}, \com{I}[i])
- \stackrel{\ref{lemma:k-inj-exact-contractible}}{=} \operatorname{Mor}_{\mathcal{K}}(\com{X}, 0) = 0
- .\] Analog gilt die duale Version für exakte K-projektive Komplexe.
- \label{satz:hom-exact-for-k-inj}
- %auch $\com{\operatorname{Hom}}(\com{X}, \com{I})$ exakt ist für alle $\com{M} \in \mathcal{K}$.
- \end{bem}
-
- Für ein Objekt $X \in \mathcal{A}$ stellt sich die Frage, ob Injektivität (bzw. Projektivität) von $X$ in $\mathcal{A}$
- mit K-Injektivität (bzw. K-Projektivität) des Komplexes $\com{X}$, wobei $X^{i} = 0$ für alle $i \neq 0$ und
- $X^{0} = X$, zusammenhängt. Die folgende Aussage stellt diesen Zusammenhang her:
-
- \begin{satz}
- Sei $\com{X} \in \K$ mit $X^{i} = 0$ $\forall i \neq 0$. Dann ist $\com{X} $ K-projektiv (bzw. K-injektiv) genau
- dann wenn $X^{0}$ projektiv (bzw. injektiv) in $\mathcal{A}$ ist.
-
- \label{satz:single-degree-compl-k-proj}
- \end{satz}
-
- \begin{proof}
- Wir zeigen nur den K-projektiven Fall. Der K-injektive folgt dann durch Umdrehen
- aller Pfeile.
-
- ($\Rightarrow$) Sei $\com{X} $ K-projektiv und $\com{S} = [0 \to M \to N \to P \to 0]$ eine kurze exakte Folge in $\mathcal{A}$. Sei
- $f\colon X^{0} \to P$. Das induziert einen Komplexhomomorphismus $\com{X} \to \com{S}$:
- \[\begin{tikzcd}
- 0 \arrow{d} \arrow{r} & 0 \arrow{d} \arrow{r} & X^0 \arrow{d}{f} \arrow[dashed]{dl}{k} \arrow{r}
- & 0 \arrow{d} \arrow[dashed]{dl}\\
- M \arrow{r} & N \arrow[twoheadrightarrow]{r}{v} & P \arrow{r} & 0
- \end{tikzcd}\]
- Nach Voraussetzung ist dieser nullhomotop, das heißt es existiert ein $k \colon X^{0} \to N$, sodass $f = vk$. Also ist
- $v_{*}\colon \operatorname{Hom}_{\mathcal{A}}(X^{0}, N) \to \operatorname{Hom}_{\mathcal{A}}(X^{0}, P)$ surjektiv und damit $X^{0}$ projektiv.
-
- ($\Leftarrow$) Sei nun $X^{0}$ projektiv, $\com{S} \in \mathcal{K}$ exakt und $f\colon \com{X} \to \com{S}$ ein
- Komplexhomomorphismus. Dann betrachte
- \[
- \begin{tikzcd}
- 0 \arrow[from=1-1,to=1-3] \arrow{d} & & X^{0} \arrow{r}
- \arrow[swap, dashed, from=1-3,to=2-1]{}{k^{0}}
- \arrow[dashed]{dl} \arrow{d}{f^{0}} & 0 \arrow{d} \\
- S^{-1} \arrow[swap, twoheadrightarrow]{r}{d^{-1}} & \operatorname{im }d^{-1} \arrow{r} & S^{0}
- \arrow[swap]{r}{d^{0}} & S^{1}
- \end{tikzcd}
- .\]
- Da $d^{0}f^{0} = 0$, faktorisiert $f^{0}$ über $\operatorname{ker } d^{0} = \operatorname{im }d^{-1}$. Weil
- $X^0$ projektiv ist, existiert $k^{0}\colon X^{0} \to S^{-1}$, sodass $f^{0} = d^{-1} k^{0}$
- und damit ist $f$ nullhomotop.
- \end{proof}
-
- \begin{satz}[]
- Die volle Unterkategorie der K-projektiven (bzw. K-injektiven) Komplexe in $\mathcal{K}$ ist
- eine triangulierte Unterkategorie.
- \label{satz:k-proj-triangulated}
- \end{satz}
-
- \begin{proof}
- Wir zeigen Bedingungen (i) und (ii) aus \ref{def:triangulated-subcategory} in
- der K-projektiven Version, die duale Aussage folgt durch Umdrehen der Pfeile.
- \begin{enumerate}[(i)]
- \item Das folgt aus \ref{lemma:mork-crit-for-k-inj}
- und daraus, dass für $\com{X}, \com{S} \in \mathcal{K}$ gilt: $\com{S} $ exakt $\iff \com{S} [-1]$
- exakt und
- \[
- \operatorname{Mor}_{\mathcal{K}}(\com{X}, \com{S}[-1]) = \operatorname{Mor}_{\mathcal{K}}(\com{X}[1], \com{S})
- .\]
- \item Sei $(\com{X}, \com{Y}, \com{Z}, u, v, w)$ ein ausgezeichnetes Dreieck in $\mathcal{K}$
- mit $\com{X}, \com{Y} $ K-projektiv
- und $\com{S} \in \mathcal{K}$ ein exakter Komplex. Nach Anwenden von $\operatorname{Mor}_{\mathcal{K}}(-, \com{S})$
- ist dann mit \ref{hom-cohom-func} die Folge
- \[
- \begin{tikzcd}
- \underbrace{\operatorname{Mor}_{\mathcal{K}}(\com{X}[1], \com{S})}_{= 0} \arrow{r}
- & \operatorname{Mor}_{\mathcal{K}}(\com{Z}, \com{S} ) \arrow{r}
- &
- \underbrace{\operatorname{Mor}_{\mathcal{K}}(\com{Y}, \com{S} )}_{= 0}
- \end{tikzcd}
- .\]
- \[
- \] exakt und die äußeren Terme $0$ nach Voraussetzung und (i). Also folgt
- $\operatorname{Mor}_{\mathcal{K}}(\com{Z}, \com{S}) = 0$, und damit $\com{Z} $ K-projektiv.
- Der allgemeine Fall folgt nun mit \hyperref[TR2]{TR2}.
- \end{enumerate}
- \end{proof}
-
- \begin{satz}
- Sei $\com{P} \in \mathcal{K}$. Dann sind äquivalent
- \begin{enumerate}[(i)]
- \item $\com{P} $ K-projektiv.
- \item Für jeden Quasiisomorphismus $\com{X} \to \com{Y} $ in $\mathcal{K}$ ist der natürliche Homomorphismus
- \[
- \operatorname{Mor}_{\mathcal{K}}(\com{P} , \com{X} ) \to \operatorname{Mor}_{\mathcal{K}}(\com{P} , \com{Y} )
- \] ein Isomorphismus.
- \item Für $\com{S} \in \mathcal{K}$ ist der natürliche Homomorphismus
- \[
- \operatorname{Mor}_{\mathcal{K}}(\com{P} , \com{S} ) \to \operatorname{Mor}_{\mathcal{D}}(\com{P} , \com{S} )
- \] ein Isomorphismus.
- \end{enumerate}
- \label{satz:mork=mord-for-kproj}
- \end{satz}
-
- \begin{proof}
- (i)$\implies$(ii): Sei $f\colon \com{X} \to \com{Y} $ ein Quasiisomorphismus. Dann ist
- \[
- \begin{tikzcd}
- \com{X} \arrow{r}{f} & \com{Y} \arrow{r} & \com{C_f} \arrow{r} & \com{X}[1]
- \end{tikzcd}
- \] ein ausgezeichnetes Dreieck und $\com{C_f}$ ist nach \ref{mapping-cone-exact-for-qis} exakt. Anwenden von
- $\operatorname{Mor}_{\mathcal{K}}(\com{P} , -) $ liefert mit \ref{hom-cohom-func} eine exakte Folge:
- \[
- \begin{tikzcd}
- \underbrace{\operatorname{Mor}_{\mathcal{K}}(\com{P} , \com{C_f}[-1]) \arrow{r}}_{= 0} &
- \operatorname{Mor}_{\mathcal{K}}(\com{P} , \com{X} ) \arrow{r} &
- \operatorname{Mor}_{\mathcal{K}}(\com{P} , \com{Y} ) \arrow{r} &
- \underbrace{\operatorname{Mor}_{\mathcal{K}}(\com{P}, \com{C_f} ) }_{= 0}
- \end{tikzcd}
- .\] Die äußeren Terme sind 0, da $\com{P} $ K-projektiv ist, also folgt der behauptete Isomorphismus.
-
- (ii)$\implies$(iii): Injektivität: Sei $f\colon \com{P} \to \com{S} $, sodass $\text{id}^{-1}f = 0$. Nach
- \ref{derived-cat-morphism-null} existiert ein Quasiisomorphismus $t\colon \com{S} \to \com{T} $ , sodass $tf= 0$.
- Nach (ii) ist $t_{*}\colon \operatorname{Mor}_{\mathcal{K}}(\com{P} , \com{S} ) \to \operatorname{Mor}_{\mathcal{K}}(\com{P} , \com{T} ) $
- injektiv, also folgt $f = 0$. Surjektivität: Sei $a \in \operatorname{Mor}_{\mathcal{D}}(\com{P} , \com{S} ) $. Dann
- ist $a$ ein Diagramm in $\mathcal{K}$
- \[
- \begin{tikzcd}
- & \com{Y} & \\
- \com{P} \arrow{ur}{f} & & \arrow{ul}{s} \com{S}
- \end{tikzcd}
- \] mit $s$ Quasiisomorphismus. Nach (ii) ist $s_{*}\colon \operatorname{Mor}_{\mathcal{K}}(\com{P} , \com{S} ) \to \operatorname{Mor}_{\mathcal{K}}(\com{P} , \com{Y} ) $ surjektiv, also existiert ein $g\colon \com{P} \to \com{S} $, sodass $sg = f$. Also
- kommutiert
- \[
- \begin{tikzcd}
- & \com{S} \arrow{d}{s} & \\
- \com{P} \arrow{dr}{f} \arrow{ur}{g} & \com{Y} & \arrow{l}{s} \arrow[swap]{ul}{\text{id}} \com{S} \arrow{dl}{s}\\
- & \com{Y} \arrow{u}{\text{id}} & \\
- \end{tikzcd}
- .\] Damit folgt $a = g\text{id}^{-1}$.
-
- (iii)$\implies$(i): Sei $\com{S} $ exakt. Dann ist $\com{S} \to 0$ ein Quasiisomorphismus, also
- $\com{S} = 0$ in $\mathcal{D}$, also
- \[
- \operatorname{Mor}_{\mathcal{K}}(\com{P} , \com{S} )
- \stackrel{\text{(ii)}}{=} \operatorname{Mor}_{\mathcal{D}}(\com{P} , \com{S} )
- = \operatorname{Mor}_{\mathcal{D}}(\com{P} , \com{0} ) = 0
- .\]
- \end{proof}
-
- \begin{satz}
- Sei $\com{P} \in \mathcal{K}$. Dann sind äquivalent
- \begin{enumerate}[(i)]
- \item $\com{P} $ K-projektiv.
- \item Für alle Diagramme in $\mathcal{K}$
- \[
- \begin{tikzcd}
- & \com{X} \arrow{d}{s} \\
- \com{P} \arrow{r}{f} & \com{Y}\\
- \end{tikzcd}
- \] mit einem Quasiisomorphismus $s$, existiert genau ein $g\colon \com{P} \to \com{X} $, sodass
- $sg= f$ in $\mathcal{K}$.
- \item Für alle Quasiisomorphismen $s\colon \com{S} \to \com{P} $ in $\mathcal{K}$ existiert ein
- $g\colon \com{P} \to \com{S} $, sodass $sg = \text{id}_{\com{P} }$ in $\mathcal{K}$.
- \end{enumerate}
- \end{satz}
-
- \begin{proof}
- (i)$\implies$(ii): Betrachte das gegebene Diagramm in $\mathcal{D}$:
- \[
- \begin{tikzcd}
- & \com{X} \arrow{d}{\text{id}^{-1}s} \\
- \com{P} \arrow[dashed]{ur}{g} \arrow[swap]{r}{\text{id}^{-1}f} & \com{Y}
- \end{tikzcd}
- .\] Da $s$ ein Quasiisomorphismus ist, induziert $s$ einen Isomorphismus in $\mathcal{D}$.
- Also existiert genau ein
- $g\colon \com{P} \to \com{X} $ in $\mathcal{D}$, sodass das Diagramm kommutiert. \ref{satz:mork=mord-for-kproj}
- (iii) liefert das gewünschte Diagramm in $\mathcal{K}$.
-
- (ii)$\implies$(iii): Betrachte
- \[
- \begin{tikzcd}
- & \com{S} \arrow{d}{s} \\
- \com{P} \arrow{r}{\text{id}} & \com{P}
- \end{tikzcd}
- .\] Da $s$ ein Quasiisomorphismus ist,
- existiert mit (ii) ein $g\colon \com{P} \to \com{S}$, sodass $sg = \text{id}_{\com{P} }$.
-
- (iii)$\implies$(i): Erneut mit \ref{satz:mork=mord-for-kproj} genügt es zu zeigen, dass für
- $\com{S} \in \mathcal{K}$ die natürliche Abbildung
- $\operatorname{Mor}_{\mathcal{K}}(\com{P} , \com{S} ) \to \operatorname{Mor}_{\mathcal{D}}(\com{P} , \com{S} ) $ bijektiv ist.
- Injektivität: Sei $f\colon \com{P} \to \com{S} $ mit $\text{id}^{-1}f = 0$ in $\mathcal{D}$. Dann
- existiert nach \ref{derived-cat-morphism-null} ein Quasiisomorphismus $t\colon \com{T} \to \com{P} $
- mit $ft = 0$.
- Also existiert mit (iii) ein $g\colon \com{P} \to \com{T} $, sodass $tg = \text{id}_{\com{P} }$, also
- \[
- f = f \text{id}_{\com{P} } = \underbrace{ft}_{=0}g = 0
- .\]
- Surjektivität: Sei $a \colon \com{P} \to \com{S} $ in $\mathcal{D}$. Dann ist $a$ gegeben durch ein Diagramm
- \[
- \begin{tikzcd}
- & \com{Q} \arrow{dr}{f} \arrow{dl}{s} & \\
- \com{P} & & \com{S}
- \end{tikzcd}
- \] in $\mathcal{K}$ mit einem Quasiisomorphismus $s$. Nach (iii) existiert ein $t\colon \com{P} \to \com{Q}$ mit
- $st = \text{id}_{\com{P} }$. Dann ist
- \[
- \begin{tikzcd}
- & \com{Q} \arrow{dl}{s} \arrow{dr}{f} & \\
- \com{P} & \com{P} \arrow{l}{\text{id}} \arrow{u}{t} \arrow{d}{\text{id}} & \com{S} \\
- & \com{P} \arrow{ul}{\text{id}} \arrow{ur}{ft} & \\
- \end{tikzcd}
- \] ein kommutatives Diagramm in $\mathcal{K}$, also folgt $a = s^{-1}f = \text{id}^{-1}(ft)$ in $\mathcal{D}$.
- \end{proof}
-
- Durch Umdrehen aller Pfeile erhalten wir analog:
-
- \begin{satz}[]
- Für jeden Komplex $\com{I} \in \mathcal{K}$ sind äquivalent:
- \begin{enumerate}[(i)]
- \item $\com{I}$ K-injektiv
- \item Für $\com{S} \in \mathcal{K}$ ist der natürliche Homomorphismus
- \[
- \operatorname{Mor}_{\mathcal{K}}(\com{S} , \com{I} ) \to \operatorname{Mor}_{\mathcal{D}}(\com{S} , \com{I} )
- \] ein Isomorphismus.
- \item Für jedes Diagramm in $\mathcal{K}$
- \[
- \begin{tikzcd}
- \com{Y} \arrow{r}{f} \arrow{d}{s} & \com{I} \\
- \com{X}
- \end{tikzcd}
- \] mit $s$ Quasiisomorphismus, existiert genau ein $g\colon \com{X} \to \com{I} $,
- sodass $gs = f$ in $\mathcal{K}$.
- \item Für jeden Quasiisomorphismus $s\colon \com{I} \to \com{S} $ in $\mathcal{K}$ existiert ein
- $g\colon \com{S} \to \com{I} $, sodass $gs = \text{id}_{\com{I} }$ in $\mathcal{K}$.
- \end{enumerate}
- \label{satz:mork=mord-for-k-inj}
- \end{satz}
-
- \subsection{Spezielle inverse und direkte Systeme}
-
- Nun stellt sich die Aufgabe für jeden Komplex $\com{A} \in \mathcal{K}$ eine K-injektive und eine K-projektive
- Auflösung zu konstruieren. Dies machen wir mit sogenannten speziellen inversen bzw. direkten Systemen.
-
- \begin{definition}[Spezielles inverses System]
- Sei $\mathcal{J} \subset \mathcal{K}$ eine Klasse von Komplexen.
- \begin{enumerate}[(a)]
- \item Ein inverses System $(\com{I}_n)_{n \in \N}$ in $\mathcal{K}$ heißt
- \emph{$\mathcal{J}$-spezielles inverses System}, falls folgende Bedingungen erfüllt sind:
- \begin{enumerate}[(i)]
- \item Falls $n = 1$, dann ist $\com{I}_n = 0$.
- \item Falls $n > 1$, dann sei $\com{C}_n$ der Kern der natürlichen Abbildung
- $\com{I} _n \to \com{I}_{n-1}$. Dann ist $\com{C}_n \in \mathcal{J}$ und
- die kurze Folge
- \[
- \begin{tikzcd}
- 0 \arrow{r} & \com{C}_n \arrow{r}
- & \com{I}_n \arrow{r}
- & \com{I}_{n-1} \arrow{r}
- & 0
- \end{tikzcd}
- %0 \to \com{C}_n \to \com{I}_n \to \com{I} _{n-1} \to 0
- \] ist exakt und zerfällt stufenweise.
- \end{enumerate}
- \item Die Klasse $\mathcal{J}$ heißt \emph{abgeschlossen unter speziellen inversen Limites},
- falls jedes
- $\mathcal{J}$-spezielle inverse System in $\mathcal{K}$ einen Limes in $\mathcal{J}$ besitzt und jeder
- Komplex in $\mathcal{K}$, der isomorph zu einem Komplex in $\mathcal{J}$ ist, bereits in $\mathcal{J}$ ist.
- \end{enumerate}
- \label{def:special-inv-system}
- \end{definition}
-
- % TODO: beispiel funktioniert nicht mit N als indexmenge, wird nicht benoetigt
- %\item Sei $\mathcal{J}$ eine Klasse von Komplexen abgeschlossen unter speziellen inversen Limites mit
- % $\com{A} \in \mathcal{J} \iff \com{A}[1] \in \mathcal{J}$. Dann ist für $\com{A}, \com{B} \in \mathcal{J}$
- % und $u \colon \com{A} \to \com{B} $, auch $\com{C}_u$ in $\mathcal{J}$. Denn
- % \[
- % \com{C}_u \to \com{A}[1] \to 0
- % \] ist ein $\mathcal{J}$-spezielles inverses System mit Limes $\com{C}_u$.
-
- \begin{lemma}
- Sei $\mathcal{J}_0$ eine Klasse von Objekten von $\mathcal{A}$. Sei weiter $\mathcal{J}$ eine
- unter speziellen inversen Limites abgeschlossene Klasse
- von Objekten in $\mathcal{K}$, sodass jeder Komplex $\com{A} \in \mathcal{K}$ mit nur einem nicht-null
- Term und mit $A^{i} \in \mathcal{J}_0$ für $i \in \Z$, in $\mathcal{J}$ enthalten ist. Dann
- ist jeder nach unten beschränkte Komplex $\com{A} \in \mathcal{K}$ mit $A^{i} \in \mathcal{J}_0$
- für $i \in \Z$ in $\mathcal{J}$ enthalten.
-
- \label{lemma:bounded-compl-in-complete-class}
- \end{lemma}
-
- \begin{proof}
- Sei $\com{A} \in \mathcal{K}$ nach unten beschränkt mit
- $A^{i} \in \mathcal{J}_0$ für alle $i \in \Z$. Ohne Einschränkung
- sei $A^{i} = 0$ für alle $i < 0$. Dann sind die Spalten des nachstehenden Diagramms ein
- $\mathcal{J}$-spezielles inverses System $(\com{S}_n)_{n \in \N}$ mit
- Übergangsabbildungen $p_n$,
- \[
- \begin{tikzcd}
- \cdots \arrow{r} & 0 \arrow{r} \arrow{d} & 0 \arrow{r} \arrow{d} & 0 \arrow{r} \arrow{d} & 0 \arrow{d}\\
- \cdots\arrow{r} & A^{0} \arrow{d} \arrow{r} & A^{0} \arrow{d} \arrow{r} & A^{0} \arrow{d} \arrow{r} & 0 \arrow{d}\\
- \cdots\arrow{r} & A^{1} \arrow{d} \arrow{r} & A^{1} \arrow{d} \arrow{r} & 0 \arrow{d} \arrow{r} & 0 \arrow{d}\\
- \cdots\arrow{r} & A^{2} \arrow{d} \arrow{r} & 0 \arrow{d} \arrow{r} & 0 \arrow{d} \arrow{r} & 0 \arrow{d} \\
- & \vdots & \vdots & \vdots & \vdots \\
- \end{tikzcd}
- \] denn für $n > 1$ ist $\operatorname{ker } p_n$ = $[\cdots \to 0 \to \underbrace{A^{n-2}}_{\in \mathcal{J}_0} \to 0 \to \cdots ]$. Nach
- Voraussetzung ist also $\operatorname{ker } p_n$ in $\mathcal{J}$ und die kurze exakte Folge
- $0 \to \operatorname{ker } p_n \to \com{S}_n \to \com{S}_{n-1} \to 0$ zerfällt gradweise. Also folgt
- $\com{A} = \lim \com{S}_n \in \mathcal{J}$.
- \end{proof}
-
- Im Folgenden zeigen wir, dass die Klasse der K-injektiven Komplexe
- abgeschlossen unter speziellen inversen Limites ist. Dazu zeigen wir zunächst, dass dies für die Klasse
- der exakten Komplexe gilt. Da der inverse Limes im Allgemeinen nicht exakt ist, benötigen wir dafür ein
- technisches Hilfswerkzeug für inverse Systeme in $\mathcal{A}b$.
-
- \begin{definition}
- %Wir sagen eine totalgeordnete Indexmenge $(I, \le)$ genüge der Bedingung (S), wenn eine ordnungserhaltende
- %Bijektion $\iota\colon I \to \N$ existiert. Für $i \in I$ bezeichne, falls dieser existiert, mit $i+1$ bzw. $i-1$, den
- %von $\iota$ induzierten Vorgänger bzw. Nachfolger von $i$.
-
- Ein inverses System $(M_n)_{n \in \N}$ in $\mathcal{A}b$ genüge der Bedingung
- \emph{(R)}, wenn folgende Eigenschaften erfüllt sind:
- \begin{enumerate}[(i)]
- \item $M_1 = 0$.
- \item Für $n > 1$ ist die Abbildung $M_n \to M_{n-1}$ surjektiv.
- \end{enumerate}
- %Weiter sagen wir ein inverses System $(M_i)_{i \in I}$ in $\mathcal{A}b$ genüge der Bedingung
- %(R), wenn folgende Eigenschaften erfüllt sind:
- %\begin{enumerate}[(i)]
- % \item $I$ genügt Bedingung (S).
- % \item $M_1 = 0$.
- % \item Für $i > I_{\operatorname{min}}$ ist die Abbildung $M_i \to M_{i-1}$ surjektiv.
- %\end{enumerate}
- \label{def:cond-r}
- \end{definition}
-
- \begin{bsp}
- Spezielle inverse Systeme in $\mathcal{A}b$ erfüllen (R).
- \end{bsp}
-
- \begin{lemma}
- Seien
- $(A_n)_{n \in \N}$, $(B_{n})_{n \in \N}$, $(C_n)_{n \in \N}$ und $(D_n)_{n \in \N}$
- inverse Systeme in $\mathcal{A}b$, die (R) erfüllen und seien
- \begin{equation}
- \begin{tikzcd}
- (A_n)_{n \in \N} \arrow{r}{(f_n)_{n \in \N}} & (B_n)_{n \in \N} \arrow{r}{(g_n)_{n \in \N}} &
- (C_n)_{n \in \N} \arrow{r}{(h_n)_{n \in \N}} & (D_n)_{n \in \N}
- \end{tikzcd}
- \label{eq:0.11-inv-systems}
- \end{equation}
- Morphismen von inversen Systemen mit $g_n \circ f_n = 0 = h_n \circ g_n$
- für $n \in \N$ und sei
- \[
- \begin{tikzcd}
- A \arrow{r}{f} & B \arrow{r}{g} & C \arrow{r}{h} & D
- \end{tikzcd}
- \] der Limes von \eqref{eq:0.11-inv-systems}. Für $n \in \N$ mit $n > 1$
- seien $A_n'$, $B_n'$, $C_n'$ und $D_n'$ die jeweiligen Kerne
- der Übergangsabbildungen $A_n \to A_{n-1}$, $B_n \to B_{n-1}$, $C_n \to C_{n-1}$
- und $D_n \to D_{n-1}$.
-
- Sei weiter $N \in \N$, sodass für alle $n > N$ die Folge
- \[
- \begin{tikzcd}
- A_n' \arrow{r} & B_n' \arrow{r} & C_n' \arrow{r} & D_n'
- \end{tikzcd}
- \] exakt ist.
-
- Dann ist die natürliche Abbildung
- \[
- \operatorname{ker } g / \operatorname{im } f \longrightarrow \operatorname{ker } g_N / \operatorname{im } f_N
- \] ein Isomorphismus.
- \label{0.11}
- \end{lemma}
-
- \begin{proof}
- Sei
- $N \in \N$ mit der beschriebenen Eigenschaft. Dann betrachte das folgende kommutative Diagramm und
- mache Diagrammjagd.
- \begin{equation}
- \begin{tikzcd}
- A \arrow[twoheadrightarrow]{r}{f} \arrow{d} & \operatorname{im } f \arrow[hookrightarrow]{r}
- & \operatorname{ker } g \arrow[hookrightarrow]{r} \arrow{d}
- & B \arrow{r}{g} \arrow{d}
- & C \arrow{r}{h} \arrow{d}
- & D \arrow{d} \\
- A_N \arrow[twoheadrightarrow]{r}{f_N} & \operatorname{im } f_N \arrow[hookrightarrow]{r}
- & \operatorname{ker } g_N \arrow[hookrightarrow]{r}
- & B_N \arrow{r}{g_N}
- & C_N \arrow{r}{h_N}
- & D_N \\
- A_{N+1} \arrow[twoheadrightarrow]{r}{f_{N+1}} \arrow[twoheadrightarrow]{u}{p_{A}}
- & \operatorname{im } f_{N+1} \arrow[hookrightarrow]{r} \arrow{u}
- & \operatorname{ker } g_{N+1} \arrow[hookrightarrow]{r} \arrow{u}
- & B_{N+1} \arrow{r}{g_{N+1}} \arrow[twoheadrightarrow]{u}{p_B}
- & C_{N+1} \arrow{r}{h_{N+1}} \arrow[twoheadrightarrow]{u}{p_C}
- & D_{N+1} \arrow[twoheadrightarrow]{u}{p_D} \\
- \operatorname{ker } p_{A} \arrow[from=4-1, to=4-4] \arrow[hookrightarrow]{u} & &
- & \operatorname{ker } p_{B} \arrow{r} \arrow[hookrightarrow]{u}
- & \operatorname{ker } p_{C} \arrow{r} \arrow[hookrightarrow]{u}
- & \operatorname{ker } p_{D} \arrow[hookrightarrow]{u} \\
- \end{tikzcd}
- \label{eq:0.11-diag}
- \end{equation}
- Injektivität: Sei $(b_n)_{n \in \N} \in \operatorname{ker } g$, sodass $b_N \in \operatorname{im }f_N$.
- Dann existiert ein $a_N \in A_N$, sodass $f_N(a_N) = b_N$. Da $p_A$ surjektiv ist,
- existiert ein $x \in A_{N+1}$, sodass $p_A(x) = a_N$. Sei
- $y = f_{N+1}(x)$. Weil \eqref{eq:0.11-diag} kommutativ ist,
- folgt
- \[
- p_B(y) = p_B(f_{N+1}(x)) = f_N(p_A(x)) = f_N(a_N) = b_N
- .\] Da $(b_n)_{n \in \N}$ ein kompatibles
- System ist, gilt zudem $p_{B}(b_{N+1}) = b_N$. Also ist
- $b_{N+1} - y \in \operatorname{ker } p_{B}$. Weil $y, b_{N+1} \in \operatorname{ker } g_{N+1}$,
- existiert aufgrund der Exaktheit der unteren Zeile ein $\tilde{x} \in \operatorname{ker } p_A$,
- sodass $f_{N+1}(\tilde{x}) = b_{N+1} - y$. Nun
- setze $a_{N+1} \coloneqq \tilde{x} + x$. Dann ist
- \[
- f_{N+1}(a_{N+1}) = f_{N+1}(\tilde{x} + x) = b_{N+1} - y + y = b_{N+1}
- \]
- und
- \[
- p_{A}(a_{N+1}) = p_{A}(\tilde{x} + x) = p_{A}(x) = a_N
- ,\] denn $\tilde{x} \in \operatorname{ker } p_{A}$. Konstruiere so induktiv eine kompatible
- Familie $(a_{n})_{n\ge N}$ mit $f(a_n) = b_n$ für alle $n \ge N$. Für $n < N$ setze
- $a_n \coloneqq p_{A_{n+1}}(a_{n+1})$. Die Kommutativität von \eqref{eq:0.11-diag}
- liefert dann, dass $(a_n)_{n \in \N}$ ein kompatibles System ist mit $f(a_{n}) = b_n$ für alle $n \in \N$.
-
- Surjektivität: Sei $b \in \operatorname{ker } g_N$. Weil $p_B$ surjektiv ist, existiert ein
- $y \in B_{N+1}$, sodass $p_B(y) = b$. Sei $z = g_{N+1}(y)$.
- Aufgrund der Kommutativität von
- \eqref{eq:0.11-diag} ist dann
- \[
- p_C(z) = p_C(g_{N+1}(y)) = g_N(p_B(y)) = g_N(b) = 0
- ,\]
- also
- folgt $z \in \operatorname{ker } p_C$. Da $h_{N+1} \circ g_{N+1} = 0$ folgt
- \[
- h_{N+1}(z) = h_{N+1}(g_{N+1}(z)) = 0
- .\]
- Da die untere Zeile exakt ist, existiert nun
- ein $\tilde{y} \in \operatorname{ker } p_B$, sodass $g_{N+1}(\tilde{y}) = z$. Also ist
- $y - \tilde{y} \in \operatorname{ker } g_{N+1}$ und
- \[
- p_B(y - \tilde{y}) = p_B(y) = b
- .\]
- Setze $b_{N+1} \coloneqq y - \tilde{y}$ und $b_N \coloneqq b$.
- Dann konstruiere induktiv eine kompatible
- Familie $(b_n)_{n \ge N}$ mit $b_n \in \operatorname{ker } g_{n}$ für alle $n \ge N$. Für $n < N$ setze wie
- oben $b_n \coloneqq p_{B_{n+1}}(b_{n+1})$. Erneut liefert die Kommutativität von
- \eqref{eq:0.11-diag}, dass $(b_n)_{n \in \N} \in \operatorname{ker } g$ ein kompatibles System mit $b_N = b$ ist.
- \end{proof}
-
- \begin{bem}
- Falls in der Situation von \ref{0.11}, $N= 1$ gewählt werden kann, folgt wegen $A_1 = B_1 = C_1 = D_1 = 0$,
- dass die Folge
- \[
- \begin{tikzcd}
- A \arrow{r}{f} & B \arrow{r}{g} & C
- \end{tikzcd}
- \] exakt ist.
- \end{bem}
-
- \begin{korollar}
- Die Klasse $\mathcal{E}$ der exakten Komplexe in $\mathcal{K}(\mathcal{A}b)$ ist abgeschlossen unter speziellen inversen Limites.
-
- \label{lemma:exact-comp-complete-inv}
- \end{korollar}
-
- \begin{proof}
- Sei $(\com{S}_n)_{n \in \N}$ ein $\mathcal{E}$-spezielles inverses System in $\mathcal{K}(\mathcal{A}b)$. Für $i \in \Z$
- erfüllt $(S_n^{i})_{n \in \N}$ die Bedingung (R) aus \ref{def:cond-r}. Sei also $i \in \Z$ beliebig. Dann erfüllt
- \[
- (S_n^{i-1})_{n \in \N} \to (S_n^{i})_{n \in \N} \to (S_n^{i+1})_{n \in \N} \to (S_n^{i+2})_{n \in \N}
- \] die Bedingungen von \ref{0.11} für $N = 1$,
- da nach Voraussetzung für alle $n > 1$ der Komplex $\operatorname{ker}(\com{S}_n \to \com{S}_{n-1})$
- exakt ist. Also ist die Folge
- \[
- \begin{tikzcd}
- \lim S_n^{i-1} \arrow{r} \arrow{d}{=} & \lim S_n^{i} \arrow{d}{=} \arrow{r} & \lim S_n^{i+1} \arrow{d}{=}\\
- (\lim S_n)^{i-1} \arrow{r} & (\lim S_n)^{i} \arrow{r} & (\lim S_n)^{i+1}
- \end{tikzcd}
- \] exakt. Da $i \in \Z$ beliebig war, folgt dass $\lim \com{S}_n$ exakt ist.
- \end{proof}
-
- \begin{satz}
- Sei $\mathcal{B}$ eine weitere abelsche Kategorie und $\mathcal{J} \subset \mathcal{K}(\mathcal{B})$ abgeschlossen
- unter speziellen inversen Limites. Angenommen inverse Limites existieren in $\mathcal{A}$ und sei
- $F\colon \mathcal{K}(\mathcal{A}) \to \mathcal{K}(\mathcal{B})$ ein kovarianter Funktor,
- der mit inversen Limites vertauscht und
- gradweise zerfallende kurze exakte Folgen erhält.
-
- Dann ist $F^{-1}(\mathcal{J}) \subset \mathcal{K}(\mathcal{A})$ abgeschlossen unter speziellen inversen Limites.
-
- \label{satz:complete-inv-system-functor}
- \end{satz}
-
- \begin{proof}
- Sei $(\com{S}_n)_{n \in \N}$ ein $F^{-1}(\mathcal{J})$-spezielles inverses System. Dann ist
- $(F(\com{S}_n))_{n \in \N}$ ein $\mathcal{J}$-spezielles inverses System, denn
- \begin{enumerate}[(i)]
- \item $F(S_1) = F(0) = 0$, da $F$ mit inversen Limites vertauscht und die Null der (inverse)
- Limes des leeren Diagramms
- ist.
- \item Für $n > 1$ ist nach Voraussetzung
- \[
- \begin{tikzcd}
- 0 \arrow{r} & \operatorname{ker } p_n \arrow{r} & \com{S}_n \arrow{r}{p_n} & \com{S}_{n-1} \arrow{r} & 0
- \end{tikzcd}
- \]
- exakt, zerfällt gradweise und $\operatorname{ker } p_n$ ist in $F^{-1}(\mathcal{J})$. Nach Voraussetzung ist damit
- \[
- \begin{tikzcd}
- 0 \arrow{r} & F(\operatorname{ker } p_n) \arrow{r} & F(\com{S}_n) \arrow{r}{F(p_n)} & F(\com{S}_{n-1}) \arrow{r} & 0
- \end{tikzcd}
- \] exakt und zerfällt gradweise. Aus der Exaktheit folgt damit auch
- $\operatorname{ker } F(p_n) = F(\operatorname{ker } p_n)$, also $\operatorname{ker } F(p_n) \in \mathcal{J}$.
- \end{enumerate}
- Also ist $F(\lim \com{S}_n) = \lim F(\com{S}_n) \in \mathcal{J}$ und damit $\lim \com{S}_n \in F^{-1}(\mathcal{J})$.
- \end{proof}
-
- \begin{korollar}
- Sei $\mathcal{I}$ eine Klasse von Komplexen und angenommen in $\mathcal{A}$ existieren inverse Limites.
-
- Dann ist die Klasse aller Komplexe $\com{A} \in \mathcal{K}$, sodass
- $\com{\operatorname{Hom}}(\com{T}, \com{A})$ exakt ist für alle $\com{T} \in \mathcal{I}$, abgeschlossen unter speziellen
- inversen Limites. Insbesondere ist die Klasse der K-injektiven Komplexe abgeschlossen unter speziellen inversen
- Limites.
- \end{korollar}
-
- \begin{proof}
- Sei $\mathcal{E}$ die Klasse der exakten Komplexe und für $\com{T} \in \mathcal{I}$ sei
- $\mathcal{H}_{\com{T}}$ die Klasse der Komplexe $\com{A} $, sodass
- $\com{\operatorname{Hom}}(\com{T}, \com{A})$ exakt ist. Dann
- ist $\mathcal{H}_{\com{T}} = \com{\operatorname{Hom}}(\com{T}, -)^{-1}(\mathcal{E})$ und
- $\mathcal{E}$ mit $\com{\operatorname{Hom}}(\com{T}, -)$ erfüllt
- die Voraussetzungen von \ref{satz:complete-inv-system-functor}, denn:
-
- \begin{enumerate}[(i)]
- \item Nach \ref{lemma:exact-comp-complete-inv} ist
- $\mathcal{E}$ abgeschlossen unter speziellen inversen Limites.
- \item Wegen \ref{lemma:inner-hom-commutes-with-limits} vertauscht $\com{\operatorname{Hom}} (\com{T}, -)$ mit Limites.
- Außerdem ist $\com{\operatorname{Hom}}(\com{T}, -)$ gradweise additiv, erhält also
- gradweise zerfallende Folgen.
- \end{enumerate}
- Also ist $\mathcal{H}_{\com{T}}$ und damit $\bigcap_{\com{T} \in \mathcal{I}} \mathcal{H}_{\com{T} }$
- abgeschlossen unter speziellen inversen Limites.
- Das Insbesondere folgt wenn $\mathcal{I} = \mathcal{E}$ gesetzt wird.
- \end{proof}
-
- Für die Klasse der K-projektiven Komplexe betrachten wir die duale Version von \ref{def:special-inv-system}:
-
- \begin{definition}[Spezielles direktes System]
- Sei $\mathcal{P} \subset \mathcal{K}$ eine Klasse von Komplexen.
- \begin{enumerate}[(a)]
- \item Ein direktes System $(\com{P}_n)_{n \in \N}$ in $\mathcal{K}$ heißt
- \emph{$\mathcal{P}$-spezielles
- direktes System}, falls folgende Bedingungen erfüllt sind:
- \begin{enumerate}[(i)]
- \item Falls $n = 1$, dann ist $\com{P}_n = 0$.
- \item Falls $n > 1$, dann sei $\com{C}_n$ der Kokern der natürlichen Abbildung
- $\com{P}_{n-1} \to \com{P}_{n}$. Dann ist $\com{C}_n \in \mathcal{P}$ und
- die kurze Folge
- \[
- \begin{tikzcd}
- 0 \arrow{r} & \com{P}_{n-1} \arrow{r}
- & \com{P}_{n} \arrow{r}
- & \com{C}_n \arrow{r}
- & 0
- \end{tikzcd}
- %0 \to \com{P}_{n-1} \to \com{P}_{n} \to \com{C}_n \to 0
- \] ist exakt und zerfällt stufenweise.
- \end{enumerate}
- \item Die Klasse $\mathcal{P}$ heißt \emph{abgeschlossen unter speziellen direkten Kolimites},
- falls jedes
- $\mathcal{P}$-spezielle direkte System in $\mathcal{K}$ einen Kolimes in $\mathcal{P}$ besitzt und jeder
- Komplex in $\mathcal{K}$, der isomorph zu einem Komplex in $\mathcal{P}$ ist, bereits in $\mathcal{P}$ ist.
- \end{enumerate}
- \end{definition}
-
- Durch Umdrehen aller Pfeile erhalten wir die duale Version von \ref{lemma:bounded-compl-in-complete-class}
- und insbesondere die folgenden Ergebnisse:
-
- % brauche ich nicht
- %\begin{lemma}
- % Die Klasse der exakten Komplexe in $\mathcal{K}(\mathcal{A}b)$ ist abgeschlossen unter speziellen direkten Kolimites.
- %
- % \label{lemma:exact-comp-complete-inv}
- %\end{lemma}
- %
- %\begin{proof}
- %
- %\end{proof}
-
- \begin{satz}
- Sei $\mathcal{B}$ eine weitere abelsche Kategorie und $\mathcal{J} \subset \mathcal{K}(\mathcal{B})$ abgeschlossen
- unter speziellen inversen Limites. Angenommen direkte Kolimites existieren in $\mathcal{A}$
- und sei
- $F\colon \mathcal{K}(\mathcal{A}) \to \mathcal{K}(\mathcal{B})$
- ein kontravarianter Funktor, der direkte Kolimites in
- inverse Limites überführt und gradweise zerfallende kurze exakte Folgen erhält.
-
- Dann ist $F^{-1}(\mathcal{J}) \subset \mathcal{K}(\mathcal{A})$ abgeschlossen unter speziellen direkten Kolimites.
-
- \label{satz:complete-dir-system-functor}
- \end{satz}
-
- \begin{korollar}[]
- Sei $\mathcal{I}$ eine Klasse von Komplexen und angenommen in $\mathcal{A}$ existieren direkte Kolimites.
-
- Dann ist die Klasse aller Komplexe $\com{A} \in \mathcal{K}$, sodass
- $\com{\operatorname{Hom}}(\com{A}, \com{T})$ exakt ist für alle $\com{T} \in \mathcal{I}$, abgeschlossen unter speziellen
- direkten Kolimites. Insbesondere ist die Klasse der K-projektiven Komplexe abgeschlossen unter speziellen direkten
- Kolimites.
- \label{kor:k-proj-closed}
- \end{korollar}
-
-
- \begin{definition}[]
- Angenommen inverse (bzw. direkte) Limites existieren in $\mathcal{K}$ und sei $\mathcal{G}$ eine Klasse von
- Komplexen in $\mathcal{K}$. Dann sei $\leftfinal{\mathcal{G}}$
- (bzw. $\rightfinal{\mathcal{G}})$ die kleinste Klasse von Komplexen in $\mathcal{K}$, die abgeschlossen
- unter speziellen inversen Limites (bzw. speziellen direkten Kolimites) ist und $\mathcal{G}$ enthält.
- \end{definition}
-
- \subsection{Existenz von K-projektiven und K-injektiven Auflösungen}
-
- Das Ziel dieses Abschnittes ist es Satz \ref{satz:r-mod-existence-k-proj-and-k-inj-resolutions}
- zu beweisen. Dazu verallgemeinern wir zunächst die Begriffe K-injektive und K-projektive Auflösungen:
-
- \begin{definition}[Auflösungen]
- Sei $\com{X} \in \mathcal{K}$ und $\mathcal{J}$ eine Klasse von Komplexen aus $\mathcal{K}$. Dann
- ist eine \emph{$\mathcal{J}$-Linksauflösung} ein Quasiisomorphismus $\com{J} \to \com{X} $
- mit $\com{J} \in \mathcal{J}$. Analog ist eine \emph{$\mathcal{J}$-Rechtsauflösung}
- ein Quasiisomorphismus $\com{X} \to \com{J} $ mit $\com{J} \in \mathcal{J}$.
- \end{definition}
-
- \begin{bem}[Notation]
- Für einen Komplex $\com{X} \in \mathcal{K}$ und $n \in \N$ schreiben wir
- $\tau_{\le n} \com{X}$ (bzw. $\tau^{\ge -n} \com{X}$) für den
- Komplex
- \[
- \begin{tikzcd}
- \cdots \arrow{r} & X^{n-2} \arrow{r} & X^{n-1} \arrow{r} & \operatorname{ker } d^n \arrow{r} & 0 \arrow{r} & \cdots
- \end{tikzcd}
- \] bzw.
- \[
- \begin{tikzcd}
- \cdots \arrow{r} & 0 \arrow{r} & \operatorname{coker }d^{-n-1} \arrow{r} & X^{-n+1} \arrow{r} & X^{-n+2} \arrow{r} & \cdots
- \end{tikzcd}
- .\] Für $i \in \Z$ ist dann $H^{i}(\tau_{\le n} \com{X}) = \begin{cases}
- H^{i}(\com{X}) & i \le n \\
- 0 & i > n
- \end{cases}$
- bzw. $H^{i}(\tau^{\ge -n}\com{X}) = \begin{cases}
- 0 & i < -n \\
- H^{i}(\com{X}) & i \ge -n
- \end{cases}$.
- \end{bem}
-
- \subsubsection{Linksauflösungen}
-
- Sei $\mathcal{P}$ eine Klasse von Komplexen in $\mathcal{K}$.
- %\begin{enumerate}[(L1)]
- % \item Jeder nach oben beschränkte Komplex $\com{A} \in \mathcal{K}$ hat eine
- % $\mathcal{P}$-Linksauflösung.
- %\end{enumerate}
-
- \begin{lemma}[]
- Die folgenden Bedingungen an $\mathcal{P}$ sind äquivalent:
- \begin{enumerate}[(i)]
- \item Jeder nach oben beschränkte Komplex $\com{A} \in \mathcal{K}$
- hat eine $\mathcal{P}$-Linksauflösung.
- %\item Jeder nach oben beschränkte Komplex $\com{A} \in \mathcal{K}$ hat eine
- % Linksauflösung $\com{P} \to \com{A} $ durch einen nach oben beschränkten
- % Komplex $\com{P} \in \mathcal{P}$.
- \item Für alle $\com{A} \in \mathcal{K} $ und $n \in \Z$, existiert ein $\com{P} \in \mathcal{P}$ mit
- $H^{i}(\com{P}) = 0$ für $i > n$ und ein Komplexhomomorphismus $f\colon \com{P} \to \com{A} $, der
- einen Isomorphismus $H^{i}(\com{P}) \to H^{i}(\com{A})$ induziert für $i \le n$.
- \end{enumerate}
- \label{lemma:class-compl-cond}
- \end{lemma}
-
- \begin{proof}
- (i)$\implies$(ii):
- Sei $\com{A} \in \mathcal{K}$ und $n \in \Z$.
- Dann ist $\tau_{\le n} \com{A}$ nach oben beschränkt, also existiert
- ein $\com{P} \in \mathcal{P}$ und ein Quasiisomorphismus
- $s\colon \com{P} \to \tau_{\le n}\com{A}$. Durch Komposition mit dem natürlichen
- Komplexhomomorphismus $\tau_{\le n}\com{A} \to \com{A}$ erhalten
- wir ein $f\colon \com{P} \to \com{A} $. Für $i > n$ ist nun
- $H^{i}(\com{P}) \simeq H^{i}(\tau_{\le n}\com{A}) = 0 $. Für $i \le n$ ist
- $H^{i}(\tau_{\le n}\com{A}) = H^{i}(\com{A})$, also induziert $f$ den gewünschten Isomorphismus.
-
- (ii)$\implies$(i):
- Sei $\com{A} \in \mathcal{K}$ nach oben beschränkt.
- Ohne Einschränkung ist $A^{i} = 0$ für alle $i > 0$.
- Wähle $n= 0$ in (ii). Dann existiert ein $f\colon \com{P} \to \com{A}$ mit
- $\com{P} \in \mathcal{P}$, $H^{i}(\com{P}) = 0$ für $i > 0$ und $f$ induziert
- %$H^{i}(\com{P}) \xrightarrow[\sim]{0 = H^{i}(f)} 0 = H^{i}(\com{A})$ für $i > 0$ und
- Isomorphismen $H^{i}(\com{P})\xrightarrow[\sim]{H^{i}(f)} H^{i}(\com{A})$ für $i \le 0$.
- Da $H^{i}(\com{P}) = 0 = H^{i}(\com{A})$ für $i > 0$, ist also $f$ ein Quasiisomorphismus.
- \end{proof}
-
- \begin{bem}[]
- Sei $\com{A} \in \mathcal{K}$. Angenommen $\mathcal{P}$ genügt den äquivalenten Bedingungen
- von \ref{lemma:class-compl-cond} und es existiert ein $n \in \Z$, sodass
- für alle $i > n$, $H^{i}(\com{A}) = 0$ ist. Dann hat $\com{A} $ eine
- $\mathcal{P}$-Linksauflösung, denn nach \ref{lemma:class-compl-cond} (ii) existiert dann
- ein $\com{P} \in \mathcal{P}$ und ein Komplexhomomorphismus $f\colon \com{P} \to \com{A}$, sodass
- $H^{i}(\com{P}) = 0 = H^{i}(\com{A})$ für $i > n$ und
- $H^{i}(f)$ ein Isomorphismus ist für $i \le n$. Also ist $f$ ein Quasiisomorphismus.
- \label{bem:p-left-resolutions-for-h-bounded}
- \end{bem}
-
- \begin{bsp}
- %Falls $\mathcal{A}$ genügend Projektive hat, können wir $\mathcal{P}$ als
- %die Klasse
- %der nach oben beschränkten Komplexe $\com{P} \in \mathcal{K}$ mit $P^{i}$
- %projektiv für alle $i \in \Z$ wählen.
- Sei $\mathcal{P}$ die Klasse
- der nach oben beschränkten Komplexe $\com{P} \in \mathcal{K}$ mit $P^{i}$
- projektiv für alle $i \in \Z$. Falls $\mathcal{A}$ genügend viele Projektive hat, erfüllt
- $\mathcal{P}$ die äquivalenten Bedingungen aus \ref{lemma:class-compl-cond} (siehe beispielsweise
- Lemma 4.6 in \cite{hartshorne}).
-
- Ein solches $\com{P}$ ist K-projektiv, denn: Für alle eingradigen Komplexe $\com{Q}$ mit
- $Q^{i}$ projektiv für alle $i \in \Z$ ist $\com{Q} $ nach \ref{satz:single-degree-compl-k-proj} K-projektiv. Da
- nach \ref{kor:k-proj-closed} die Klasse der K-Projektiven
- abgeschlossen unter speziellen direkten Kolimites ist, folgt mit dem Dual von
- \ref{lemma:bounded-compl-in-complete-class}, dass $\com{P} $ K-projektiv ist.
-
- Erneut nach \ref{kor:k-proj-closed} sind die Komplexe in $\rightfinal{\mathcal{P}}$ damit ebenfalls
- $K$-projektiv.
-
- \label{bsp:bounded-above-projectives}
- \end{bsp}
-
- Im Folgenden nehmen wir an, dass $\mathcal{P}$ die äquivalenten Bedingungen von
- \ref{lemma:class-compl-cond} erfüllt.
-
- \begin{lemma}
- Sei $\com{A} \in \mathcal{K}$. Dann existiert ein $\mathcal{P}$-spezielles direktes System $(\com{P}_n)_{n \in \N}$ und
- ein direktes System von Komplexhomomorphismen $f_n \colon \com{P}_n \to \tau_{\le n}\com{A}$, sodass
- $f_n$ ein Quasiisomorphismus ist für alle $n \ge 2$.
- \label{lemma:constr-dir-system}
- \end{lemma}
-
- \begin{proof}
- Wir gehen induktiv vor. Setze $\com{P}_{1} = 0$ und $f_{1} = 0$.
- Nach den äquivalenten Bedingungen von \ref{lemma:class-compl-cond} existiert ein Quasiisomorphismus
- $f_2 \colon \com{P}_2 \to \tau_{\le 2}\com{A}$ mit $\com{P}_2 \in \mathcal{P}$.
-
- Sei nun $n \ge 3$ und seien $\com{P}_{1}, \ldots, \com{P}_{n-1}$ und $f_{1}, \ldots, f_{n-1}$
- konstruiert wie im Lemma. Dann
- setze $\com{P} = \com{P}_{n-1}$ und $\com{B} = \tau_{\le n} \com{A} $. Es sei
- $a_{n-1}\colon \tau_{\le n-1}\com{A} \to \tau_{\le n} \com{A} $ der natürliche Komplexhomomorphismus
- und $f = a_{n-1}f_{n-1}\colon \com{P} \to \com{B}$. Es gilt dann
- \begin{equation}
- f d_P = d_B f
- \label{eq:f-comp-hom}
- \end{equation}
- Da $\com{B}$ nach oben beschränkt ist
- und $H^{i}(\com{P}) \simeq H^{i}(\tau_{\le n-1}\com{A}) = 0$ für $i \gg 0$, folgt
- nach \ref{bem:mapping-cone-h-bounded}
- $H^{i}(\com{C}_f) = 0$ für $i \gg 0$.
- Also existiert nach \ref{bem:p-left-resolutions-for-h-bounded} ein Quasiisomorphismus
- $g\colon \com{Q} \to \com{C}_f[-1]$ mit $\com{Q}[1] \in \mathcal{P}$. Da
- $C_f^{i}[-1] = P^{i} \oplus B^{i-1}$ für $i \in \Z$, ist $g$ gradweise
- gegeben durch Morphismen $g'_i\colon Q^{i} \to P^{i} $ und $g''_i\colon Q^{i} \to B^{i-1}$
- in $\mathcal{A}$.
-
- Betrachte für $i \in \Z$ das folgende kommutative Diagramm:
- \begin{equation}
- \begin{tikzcd}
- \cdots \arrow{r} & Q^{i} \arrow{r}{d_{Q}} \arrow{d}{(g', g'')}
- & Q^{i+1} \arrow{r} \arrow{d}{(g', g'')} & \cdots\\
- \cdots \arrow{r} & P^{i} \oplus B^{i-1} \arrow{r}{d_{C_f[-1]}} &
- P^{i+1} \oplus B^{i} \arrow{r} & \cdots
- \label{eq:1}
- \end{tikzcd}
- \end{equation}
- In Matrixnotation ist
- \begin{align*}
- d_{C_f} = \begin{pmatrix} d_{P[1]} & 0 \\ f[1] & d_{B} \end{pmatrix}
- = \begin{pmatrix} - d_{P} & 0 \\ f & d_{B} \end{pmatrix}
- \intertext{Also folgt}
- d_{C_f}[-1] = - d_{C_f} = \begin{pmatrix} d_{P} & 0 \\ -f & -d_{B} \end{pmatrix}
- .\end{align*}
- Auswerten der Kommutativität von \eqref{eq:1} in beiden Summanden liefert nun
- \begin{align}
- d_P g' &= g' d_Q \label{eq:g'-comp-hom} \\
- -fg' - d_Bg'' &= g''d_Q \label{eq:g''}
- .\end{align}
- Aus \eqref{eq:g'-comp-hom} folgt, dass $g'\colon \com{Q} \to \com{P} $ ein
- Komplexhomomorphismus ist. Setze nun
- $h\colon \com{C}_{-g'} \to \com{B} $ durch
- \[
- h(x,y) = g''[1](x) + f(y)
- .\]
- Betrachte für $i \in \Z$ das folgende Diagramm:
- \[
- \begin{tikzcd}
- \cdots \arrow{r} & Q^{i+1} \oplus P^{i} \arrow{r}{d_{C_{-g'}}} \arrow{d}{h} & Q^{i+2} \oplus P^{i+1} \arrow{r} \arrow{d}{h}
- & \cdots \\
- \cdots \arrow{r} & B^{i} \arrow{r}{d_{B}} & B^{i+1} \arrow{r} & \cdots
- \end{tikzcd}
- .\] In Matrixnotation ist
- \begin{salign*}
- h d_{C_{-g'}} &= \begin{pmatrix} g'' & f \end{pmatrix}
- \begin{pmatrix} -d_Q & 0 \\ -g' & d_P \end{pmatrix} \\
- &= \begin{pmatrix}
- -g'' d_Q - f g' & f d_P
- \end{pmatrix} \\
- &\stackrel{\eqref{eq:g''}}{=}
- \begin{pmatrix}
- d_B g'' & f d_P
- \end{pmatrix} \\
- &\stackrel{\eqref{eq:f-comp-hom}}{=}
- \begin{pmatrix}
- d_B g'' & d_B f
- \end{pmatrix} \\
- &= d_B h
- .\end{salign*}
- %\begin{salign*}
- % h d_{C_{-g'}} &= \begin{pmatrix} g''[1] & f \end{pmatrix}
- % \begin{pmatrix} d_Q[1] & 0 \\ -g'[1] & d_P \end{pmatrix} \\
- % &= \begin{pmatrix}
- % g''[1] d_Q[1] - f g'[1] & f d_P
- % \end{pmatrix} \\
- % &\stackrel{\eqref{eq:g''}}{=}
- % \begin{pmatrix}
- % d_B g'' & f d_P
- % \end{pmatrix} \\
- % &\stackrel{\eqref{eq:f-comp-hom}}{=}
- % \begin{pmatrix}
- % d_B g'' & d_B f
- % \end{pmatrix} \\
- % &= d_B h
- %.\end{salign*}
- Also ist $h$ ein Komplexhomomorphismus. Bleibt zu zeigen, dass $h$ ein Quasiisomorphismus
- ist. Dafür genügt es nach \ref{mapping-cone-exact-for-qis} zu zeigen, dass $\com{C}_h$
- exakt ist. Behauptung: $\com{C}_h = \com{C}_{-g}[1]$.
-
- Es ist gradweise für $ i \in \Z$
- \[
- C_h^{i} = C_{-g'}^{i+1} \oplus B^{i} = (Q^{i+2} \oplus P^{i+1}) \oplus B^{i}
- = Q^{i+2} \oplus (P^{i+1} \oplus B^{i})
- = Q^{i+2} \oplus C_f^i
- = C_{-g}^{i}[1]
- .\] Für die Differentiale gilt, wieder in Matrixnotation:
- \begin{align*}
- d_{C_h} = \begin{pmatrix}
- d_{C_{-g'}[1]} & 0 \\
- h[1] & d_B \end{pmatrix}
- = \begin{pmatrix}
- -\begin{pmatrix} -d_Q & 0 \\
- -g' & d_P
- \end{pmatrix} & 0 \\
- \begin{pmatrix} g'' & f \end{pmatrix} & d_B
- \end{pmatrix}
- = \begin{pmatrix}
- d_Q & 0 & 0 \\
- g' & -d_P & 0 \\
- g'' & f & d_B
- \end{pmatrix}
- .\end{align*}
- Analog folgt
- \begin{align*}
- d_{C_{-g}[1]} =
- \begin{pmatrix}
- d_{Q[1]} & 0 \\
- -g[1] & d_{C_f[-1]}
- \end{pmatrix} [1]
- = -\begin{pmatrix} -d_Q & 0 \\
- \begin{pmatrix} -g' \\ -g'' \end{pmatrix}
- & -\begin{pmatrix} -d_P & 0 \\ f & d_{B} \end{pmatrix}
- \end{pmatrix}
- = \begin{pmatrix}
- d_Q & 0 & 0 \\
- g' & -d_P & 0 \\
- g'' & f & d_B
- \end{pmatrix}
- .\end{align*}
- Also folgt die Behauptung. Da $g$ und demnach $-g$ ein Quasiisomorphismus ist
- und Verschieben Exaktheit erhält,
- folgt mit \ref{mapping-cone-exact-for-qis} die Exaktheit von $\com{C}_h = \com{C}_{-g}[1]$.
-
- Setze nun $\com{P}_n \coloneqq \com{C}_{-g'}$ und $f_n \coloneqq h$.
- Sei $p_{n-1}\colon \com{P}_{n-1} = \com{P} \to \com{P}_n$ die natürliche Abbildung.
- Dann ist $p_{n-1}$ gradweise gegeben durch die natürliche Inklusion
- $P^{i} \to Q^{i+1} \oplus P^{i}$. Also folgt
- $\operatorname{coker } p_{n-1} = \com{Q}[1] \in \mathcal{P}$ und wir haben
- zerfallende exakte Folgen:
- \[
- \begin{tikzcd}
- 0 \arrow{r} & P^{i} \arrow{r}{p_{n-1}} & Q^{i+1} \oplus P^{i} \arrow{r}
- & Q^{i+1} \arrow{r} & 0
- \end{tikzcd}
- .\]
- Also ist $(\com{P}_n)_{n \in \N}$ ein $\mathcal{P}$-spezielles direktes System.
- Außerdem ist nach Definition von $h$:
- \[
- f_n p_{n-1} = h p_{n-1} = f = a_{n-1} f_{n-1}
- ,\]
- also kommutiert
- \[
- \begin{tikzcd}
- \com{P}_{n-1} \arrow{r}{p_{n-1}} \arrow{d}{f_{n-1}}
- & \com{P}_{n} \arrow{d}{f_n = h} \\
- \tau_{\le n-1}\com{A} \arrow{r}{a_{n-1}} & \tau_{\le n}\com{A}
- \end{tikzcd}
- \] und $(f_n)_{n \in \N}$ ist ein direktes System.
- \end{proof}
-
- Daraus folgt nun sofort:
-
- \begin{satz}
- Angenommen direkte Kolimites existieren in $\mathcal{A}$ und
- $\colim$ ist exakt.
- Dann hat jeder Komplex in $\mathcal{K}$ eine
- $\rightfinal{\mathcal{P}}$-Linksauflösung.
-
- \label{satz:existence-left-resolutions}
- \end{satz}
-
- \begin{proof}
- Sei $\com{A} \in \mathcal{K}$ und $(\com{P}_n)_{n \in \N}$, $(f_n)_{n \in \N}$ wie
- in \ref{lemma:constr-dir-system}. Da direkte Kolimites in $\mathcal{A}$ existieren und
- sich diese in $\mathcal{K}$ gradweise bilden, existieren direkte Kolimites
- in $\mathcal{K}$. Nach der Definition von $\rightfinal{\mathcal{P}}$ ist dann
- $\com{P} \coloneqq \colim \com{P}_n$ in $\rightfinal{\mathcal{P}}$.
-
- Wir erhalten ebenfalls
- \[
- f\coloneqq \colim f_n \colon \com{P} \longrightarrow \colim \tau_{\le n}\com{A}
- = \com{A}
- .\] Da $\colim$ exakt ist, folgt für $i \in \Z$:
- \[
- H^{i}(f) = H^{i}(\colim f_n) = \colim \underbrace{H^{i}(f_n)}_{\text{Isomorphismus}}
- .\] Also ist $f$ ein Quasiisomorphismus.
- \end{proof}
-
- \begin{korollar}[]
- Angenommen direkte Kolimites existieren in $\mathcal{A}$ und
- $\colim$ ist exakt. Falls $\mathcal{A}$ außerdem genügend viele Projektive hat,
- besitzt jeder Komplex in $\mathcal{K}$ eine K-projektive Auflösung.
- \label{satz:existence-k-proj-resolution}
- \end{korollar}
-
- \begin{proof}
- Wähle $\mathcal{P}$ wie in Beispiel \ref{bsp:bounded-above-projectives} und wende
- \ref{satz:existence-left-resolutions} an.
- \end{proof}
-
- \subsubsection{Rechtsauflösungen}
-
- Sei $\mathcal{I}$ eine Klasse von Komplexen in $\mathcal{K}$. Im Folgenden nehmen wir an,
- dass $\mathcal{I}$ die folgende Eigenschaft erfüllt:
- \vspace{2mm}
-
- \noindent\hspace{9mm} \emph{Jeder nach unten beschränkte Komplex $\com{A} \in \mathcal{K}$ hat eine
- $\mathcal{I}$-Rechtsauflösung.}
-
- %\begin{enumerate}[(1)]
- % \item \emph{Jeder nach unten beschränkte Komplex $\com{A} \in \mathcal{K}$ hat eine
- % $\mathcal{I}$-Rechtsauflösung.}
- %\end{enumerate}
-
- \begin{bsp}
- Falls $\mathcal{A}$ genügend viele Injektive hat, können wir, dual zu Beispiel
- \ref{bsp:bounded-above-projectives}, $\mathcal{I}$ als die Klasse
- der nach unten beschränkten Komplexe mit in $\mathcal{A}$ injektiven Objekten wählen.
- \end{bsp}
-
- Durch Umdrehen der Pfeile erhalten wir die dualen Aussagen von
- \ref{lemma:constr-dir-system} und \ref{satz:existence-left-resolutions}:
-
- \begin{lemma}[]
- Sei $\com{A} \in \mathcal{K}$. Dann existiert ein $\mathcal{I}$-spezielles
- inverses System $(\com{I}_n)_{n \in \N}$ und ein inverses System von
- Komplexhomomorphismen $f_n\colon \tau^{\ge-n}\com{A} \to \com{I}_n$, sodass
- $f_n$ ein Quasiisomorphismus ist für $n \ge 2$.
- \label{lemma:constr-inv-system}
- \end{lemma}
-
- \begin{satz}[]
- Angenommen inverse Limites existieren in $\mathcal{A}$ und
- $\lim$ ist exakt.
- Dann hat jeder Komplex in $\mathcal{K}$ eine
- $\leftfinal{\mathcal{I}}$-Rechtsauflösung.
-
- \label{satz:existence-right-resolutions}
- \end{satz}
-
- \begin{bem}
- Leider findet \ref{satz:existence-right-resolutions} in $\mathcal{A} = R\text{-Mod}$ für
- einen Ring $R$ keine Anwendung, da hier $\lim$ nicht exakt ist.
-
- Diese Voraussetzung wird jedoch nur verwendet, um zu zeigen, dass
- $f = \lim f_n\colon \com{A} \to \lim \com{I}_n$ ein Quasiisomorphismus ist.
- Wir können uns der speziellen Struktur des inversen Systems
- $(\com{I}_n)_{n \in \N}$ bedienen, um für $\mathcal{A} = R\text{-Mod}$ zu zeigen,
- dass $f$ dennoch ein Quasiisomorphismus ist.
- \end{bem}
-
- \begin{satz}[]
- Sei $R$ ein Ring und $\mathcal{A}$ die Kategorie der R-(Links)-Moduln. Dann
- hat jeder Komplex in $\mathcal{K}$ eine K-injektive Auflösung.
- \label{satz:existence-k-inj-resolution}
- \end{satz}
-
- \begin{proof}
- Da $R$-Mod genügend viele Injektive hat, können wir
- $\mathcal{I}$ wie im Dual von \ref{bsp:bounded-above-projectives} wählen.
- Seien $(\com{I}_n)_{n \in \N}$ und $(f_n)_{n \in \N}$ wie in
- \ref{lemma:constr-inv-system}. Seien $\com{I} = \lim \com{I}_n$ und
- $f = \lim f_n$. Es genügt zu zeigen, dass $f$ ein Quasiisomorphismus ist.
-
- Sei $i \in \Z$ beliebig. Für $n \ge 3$ haben wir folgendes kommutative Diagramm:
- \[
- \begin{tikzcd}
- \com{I} \arrow{r} \arrow{d}{f} & \com{I}_n \arrow{r}{p_n} \arrow{d}{f_n} & \com{I_{n-1}} \arrow{d}{f_{n-1}} \\
- \com{A} \arrow{r} & \tau^{\ge -n} \com{A} \arrow{r} & \tau^{\ge -(n-1)} \com{A}
- \end{tikzcd}
- \] Wende nun $H^{i}(-)$ auf dieses Diagramm an:
- \begin{equation}
- \begin{tikzcd}
- H^{i}(\com{I}) \arrow{r} \arrow{d}{H^{i}(f)} & H^{i}(\com{I}_n) \arrow{r}{H^{i}(p_n)}
- \arrow{d}{H^{i}(f_n)}[swap]{\sim} & H^{i}(\com{I_{n-1}}) \arrow{d}{H^{i}(f_{n-1})}[swap]{\sim} \\
- H^{i}(\com{A}) \arrow{r} & H^{i}(\tau^{\ge -n} \com{A}) \arrow{r} & H^{i}(\tau^{\ge -(n-1)} \com{A})
- \end{tikzcd}
- \label{eq:diag-hi-in}
- .\end{equation}
- Die rechten beiden vertikalen Pfeile sind Isomorphismen, da $f_k$ ein
- Quasiisomorphismus ist für alle $k \ge 2$.
-
- Sei nun $n \ge -i+1$. Dann ist $i \ge -n + 1 \ge -n$, also ist
- $H^{i}(\com{A}) = H^{i}(\tau^{\ge -n}\com{A}) = H^{i}(\tau^{\ge -(n-1)} \com{A})$. Also
- sind die Morphismen in der unteren Zeile von \eqref{eq:diag-hi-in} Isomorphismen und
- damit ist
- $H^{i}(p_n)\colon H^{i}(\com{I}_n) \to H^{i}(\com{I}_{n-1})$
- ein Isomorphismus.
-
- Betrachte nun die kurze exakte Folge
- \[
- \begin{tikzcd}
- 0 \arrow{r} & \operatorname{ker } p_n \arrow{r} & \com{I}_n \arrow{r}{p_n} & \com{I}_{n-1}
- \arrow{r} & 0
- \end{tikzcd}
- .\] Das liefert für $j \in \Z$ eine lange exakte Kohomologiefolge:
- \begin{equation}
- \begin{tikzcd}
- H^{j-1}(\com{I}_{n}) \arrow{r}{H^{j-1}(p_n)} & H^{j-1}(\com{I}_{n-1}) \arrow{r}
- & H^{j}(\operatorname{ker } p_n) \arrow{r}
- & H^{j}(\com{I}_n) \arrow{r}{H^{j}(p_n)}
- & H^{j}(\com{I}_{n-1})
- \end{tikzcd}
- \label{eq:long-ex-hi-in}
- \end{equation}
- Anwenden des obigen Arguments für $i = j$ und $i = j-1$ liefert für
- $n \ge -(j-1) + 1 \ge -j+1$ Isomorphismen $H^{j}(p_n)$ und $H^{j-1}(p_n)$.
- Aufgrund der Exaktheit von \eqref{eq:long-ex-hi-in} folgt dann, dass
- $H^{j}(\operatorname{ker } p_n) = 0$ für alle $n \ge -(j-1)+1 = -j+2$.
-
- Sei nun $m \in \Z$ beliebig. Dann setze $N \coloneqq -m + 1$. Dann ist
- für alle $n > N$:
- \[
- H^{m}(\operatorname{ker } p_n) = 0 = H^{m+1}(\operatorname{ker } p_n)
- .\]
- Also ist die Folge
- \begin{equation}
- \begin{tikzcd}
- \operatorname{ker } p_n^{m-1} \arrow{r} &
- \operatorname{ker } p_n^{m} \arrow{r} &
- \operatorname{ker } p_n^{m+1} \arrow{r} &
- \operatorname{ker } p_n^{m+2}
- \end{tikzcd}
- \end{equation}
- für $n > N$ exakt. Das System
- \begin{equation*}
- \begin{tikzcd}
- (I_n^{m-1})_{n \in \N} \arrow{r} &
- (I_n^{m})_{n \in \N} \arrow{r} &
- (I_n^{m+1})_{n \in \N} \arrow{r} &
- (I_n^{m+2})_{n \in \N}
- \end{tikzcd}
- \end{equation*}
- erfüllt damit die Bedingungen von \ref{0.11}. Also ist die natürliche Abbildung
- \[
- H^{m}(\com{I}) \longrightarrow H^{m}(\com{I}_N)
- \] ein Isomorphismus. Erneute Betrachtung des linken Vierecks von \eqref{eq:diag-hi-in} für $i=m$ und
- $n=N$ liefert nun, dass $H^{m}(f)$ ein Isomorphismus ist.
- \end{proof}
-
- \begin{bem}
- Damit ist \ref{satz:r-mod-existence-k-proj-and-k-inj-resolutions} bewiesen.
- \end{bem}
-
- \newpage
-
- \section{Ableitungen und Adjunktion}
-
- \label{sec:application}
-
- Sei $R$ ein Ring und im Folgenden $\mathcal{A}$ die Kategorie der $R$ (Links-)Moduln und
- weiterhin $\mathcal{K} = \mathcal{K}(\mathcal{A})$. Die
- Argumentation folgt im Wesentlichen den Anfängen der Abschnitte 5 und 6 von \cite{spaltenstein}.
-
- \subsection{Abgeleitete $\com{\operatorname{Hom}}$ Funktoren}
-
- %\begin{satz}[]
- % Sei $\com{I} \in \mathcal{K}$ K-injektiv und exakt. Dann ist $\com{\operatorname{Hom}}(\com{M} , \com{I} )$ exakt für alle
- % $\com{M} \in \mathcal{K}$.
- %
- % \label{satz:hom-exact-for-k-inj}
- %\end{satz}
- %
- %\begin{proof}
- % Sei $\com{M} \in \mathcal{K}$ beliebig. Dann existiert nach
- % \ref{satz:existence-k-proj-resolution} ein $\com{P} \in \mathcal{K}$ K-projektiv und ein Quasiisomorphismus
- % $\com{P} \to \com{M}$. Da $\com{I} $ K-injektiv, ist $\com{\operatorname{Hom}}(-, \com{I})$ ein exakter Funktor, also
- % folgt
- % \begin{equation}
- % H^{i}(\com{\operatorname{Hom}}(\com{M}, \com{I})) = \com{\operatorname{Hom}}(H^{i}(\com{M}), \com{I})
- % = \com{\operatorname{Hom}}(H^{i}(\com{P}), \com{I})
- % = H^{i}(\com{\operatorname{Hom}}(\com{P} , \com{I} ))
- % \label{eq:cohom-groups-2}
- % .\end{equation}
- % Da $\com{P} $ K-projektiv und $\com{I} $ exakt, folgt die Exaktheit der rechten Seite und damit die Behauptung.
- %\end{proof}
-
- %Umdrehen der Pfeile liefert
-
- %\begin{satz}[]
- % Sei $\com{P} \in \mathcal{K}$ K-projektiv und exakt. Dann ist $\com{\operatorname{Hom}}(\com{P} , \com{M} )$ exakt für alle
- % $\com{M} \in \mathcal{K}$.
- % \label{satz:hom-exact-for-k-proj}
- %\end{satz}
-
- \begin{satz}
- Seien $\com{M}, \com{N} \in \mathcal{D}$. Dann ist $\operatorname{R}\com{\operatorname{Hom}}(\com{M}, \com{N})$ wohldefiniert
- und kann mithilfe einer K-projektiven Auflösung von $\com{M} $ oder einer K-injektiven Auflösung von $\com{N} $
- berechnet werden.
- \label{satz:derived-hom}
- \end{satz}
-
- \begin{proof}
- In der Notation von \ref{satz:existence-derived-functors} wähle $\mathcal{L}$ als die volle Unterkategorie der
- K-injektiven Komplexe von $\mathcal{K}$. Dann ist für $\com{M} \in \mathcal{K}$ beliebig:
- \begin{enumerate}[(i)]
- \item $\mathcal{L}$ ist trianguliert nach \ref{satz:k-proj-triangulated}.
- \item Für alle $\com{N} \in \mathcal{K}$ existiert wegen \ref{satz:existence-k-inj-resolution} ein Quasiisomorphismus $\com{N} \to \com{I} $
- mit $\com{I} \in \mathcal{L}$.
- \item Nach \ref{satz:hom-exact-for-k-inj} erhält $\com{\operatorname{Hom}}(\com{M}, -)|_{\mathcal{L}}$
- Exaktheit von Komplexen.
- \end{enumerate}
- Also existiert R$\com{\operatorname{Hom}}(\com{M} , -)$. Analog berechnet sich R$\com{\operatorname{Hom}}(-, \com{N})$ für
- $\com{N} \in \mathcal{K}$ unter Wahl von $\mathcal{L}$
- als die volle Unterkategorie der K-projektiven Komplexe von $\mathcal{K}$. Beide Ableitungen stimmen überein, denn
- für $\com{M}, \com{N} \in \mathcal{K}$ beliebig und $\com{P} \to \com{M} $ und $\com{N} \to \com{I} $ K-projektive
- bzw. K-injektive Auflösungen gilt mit wiederholter Anwendung von \ref{satz:existence-derived-functors} und
- wegen $\com{M} \simeq \com{P} $ und $\com{N} \simeq \com{I} $ in $\mathcal{D}$:
- \begin{align*}
- \text{R}\com{\operatorname{Hom}}(\com{M} , - )(\com{N})
- &\simeq \text{R}\com{\operatorname{Hom}}(\com{P} , -)(\com{I}) \\
- &= \com{\operatorname{Hom}}(\com{P}, \com{I}) \\
- &= \text{R}\com{\operatorname{Hom}}(-, \com{I} )(\com{P}) \\
- &\simeq \text{R}\com{\operatorname{Hom}}(-, \com{N} )(\com{M})
- .\end{align*}
- \end{proof}
-
- \noindent Analog zu \ref{hom-compl-cohomgroups} erhalten wir
-
- \begin{lemma}[]
- Seien $\com{M}, \com{N} \in \mathcal{D}$. Dann ist
- \[
- H^{0}(\operatorname{R}\com{\operatorname{Hom}}(\com{M}, \com{N})) \simeq
- \operatorname{Mor}_{\mathcal{D}}(\com{M}, \com{N})
- .\]
- \label{rhom-compl-cohomgroups}
- \end{lemma}
-
- \begin{proof}
- Nach \ref{satz:existence-k-inj-resolution} existiert ein Quasiisomorphismus
- $f\colon \com{N} \to \com{I}$, wobei $\com{I}$ K-injektiv ist. Also induziert
- $f$ einen Isomorphismus in $\mathcal{D}$ und es folgt
- \begin{salign*}
- H^{0}(\operatorname{R}\com{\operatorname{Hom}}(\com{M}, \com{N}))
- &\simeq H^{0}(\operatorname{R}\com{\operatorname{Hom}}(\com{M}, \com{I})) \\
- &\simeq H^{0} (\com{\operatorname{Hom}}(\com{M}, \com{I})) \\
- &\stackrel{\ref{hom-compl-cohomgroups}}{=} \operatorname{Mor}_{\mathcal{K}}(\com{M}, \com{I}) \\
- &\stackrel{\ref{satz:mork=mord-for-k-inj}}{=} \operatorname{Mor}_{\mathcal{D}}(\com{M}, \com{I})\\
- &\simeq \operatorname{Mor}_{\mathcal{D}}(\com{M}, \com{N})
- .\end{salign*}
- \end{proof}
-
- \subsection{Abgeleitetes Tensorprodukt}
-
- Sei von nun an $R = A$ ein kommutativer Ring. Um das Tensorprodukt abzuleiten, benötigen wir noch
- eine weitere Klasse von Komplexen in $\mathcal{K}$:
-
- \begin{definition}[K-flach]
- Ein Komplex $\com{M} \in \mathcal{K}$ heißt \emph{K-flach}, wenn der Funktor
- $\com{M} \otimes_A -$ Exaktheit von Komplexen erhält. Eine \emph{K-flache
- Auflösung} eines Komplexes $\com{N} \in \mathcal{K}$ ist
- ein Quasiisomorphismus $\com{M} \to \com{N} $ mit
- $\com{M} \in \mathcal{K}$ K-flach.
- \end{definition}
-
- \begin{satz}
- Sei $\com{M} \in \mathcal{K}$ mit $M^{i} = 0$ für $i \neq 0$. Dann ist
- $\com{M} $ genau dann K-flach, wenn $M^{0}$ flacher $A$-Modul ist.
- \end{satz}
-
- \begin{proof}
- Sei $\com{M} \in \mathcal{K}$ wie im Satz. Dann ist für $\com{S} \in \mathcal{K}$ und
- $n \in \Z$:
- \[
- (\com{M} \otimes_A \com{S})^{n} = \bigoplus_{i+j=n} M^{i} \otimes_A S^{j}
- = M^{0} \otimes_A S^{n} = (M^{0} \otimes_A \com{S} )^{n}
- \] und für $m \in M^{0}$, $s \in S^{n}$:
- \[
- d_{\com{M} \otimes_A \com{S}}^{n}(m \otimes s)
- = \underbrace{d_{M}^{0}(m)}_{= 0} \otimes s + (-1)^{0} m \otimes d^{n}_{S}(s)
- = m \otimes d^{n}_S(s)
- = d^{n}_{M^{0} \otimes_A \com{S} }
- .\] Also ist $\com{M} \otimes_A \com{S} = M^{0} \otimes_A \com{S}$. Damit folgt
- die Behauptung aus den Definitionen.
- \end{proof}
-
- Im Folgenden benötigen wir folgendes Kritierium für die Exaktheit von Komplexen:
-
- \begin{lemma}
- Sei $\com{A} \in \mathcal{K}$. Angenommen für jeden K-injektiven Komplex $\com{I} \in \mathcal{K}$ ist
- $\com{\operatorname{Hom}}(\com{A}, \com{I})$ exakt. Dann ist $\com{A}$ exakt.
- \label{lemma:0.10}
- \end{lemma}
-
- \begin{proof}
- Sei $\com{B} \in \mathcal{K}$ beliebig. Dann existiert nach \ref{satz:existence-k-inj-resolution} ein
- K-injektiver Komplex $\com{I} \in \mathcal{K}$ und ein Quasiisomorphismus $\com{B} \to \com{I}$. Dann
- gilt $\com{B} \simeq \com{I} $ in $\mathcal{D}$ und wir erhalten
- \[
- \operatorname{Mor}_{\mathcal{D}}(\com{A}, \com{B}) \simeq
- \operatorname{Mor}_{\mathcal{D}}(\com{A} , \com{I} ) \stackrel{\ref{satz:mork=mord-for-k-inj}}{=}
- \operatorname{Mor}_{\mathcal{K}}(\com{A} , \com{I} ) = 0
- .\]
- Mit Yoneda folgt nun, dass $\com{A} = 0$ in $\mathcal{D}$. Da
- $H^{i}(-)\colon \mathcal{K} \to \mathcal{A}b$ über den kanonischen Funktor $Q\colon \mathcal{K} \to \mathcal{D}$
- faktorisiert, folgt $H^{i}(\com{A}) = 0$ für $i \in \Z$, also ist $\com{A}$ exakt.
- \end{proof}
-
- \begin{satz}[]
- Sei $\com{M} \in \mathcal{K} $. Dann sind äquivalent:
- \begin{enumerate}[(i)]
- \item $\com{M} $ ist K-flach.
- \item $\com{\operatorname{Hom}}(\com{M}, \com{I})$ ist K-injektiv für jeden
- K-injektiven Komplex $\com{I} \in \mathcal{K}$.
- \end{enumerate}
- \label{satz:homs-of-k-flat-are-k-inj}
- \end{satz}
-
- \begin{proof}
- (i)$\implies$(ii): Sei $\com{I}$ K-injektiv und $\com{S}$ exakt. Dann ist
- \[
- \com{\operatorname{Hom}} (\com{S} , \com{\operatorname{Hom}}(\com{M}, \com{I}))
- \stackrel{\ref{satz:adjunction-hom-tor-comp}}{=}
- \com{\operatorname{Hom}}(\underbrace{\com{S} \otimes_A \com{M}}_{\text{exakt}}, \underbrace{\com{I}}_{\text{K-injektiv}} )
- .\] Weil $\com{M} $ K-flach ist, folgt $\com{S} \otimes_A \com{M} $ exakt, also wegen $\com{I} $ K-injektiv,
- die Behauptung.
-
- (ii)$\implies$(i): Sei $\com{S} $ exakt. Wegen \ref{lemma:0.10} genügt es zu
- zeigen, dass für jeden K-injektiven Komplex $\com{I} \in \mathcal{K}$,
- $\com{\operatorname{Hom}}(\com{S} \otimes_A \com{M}, \com{I}) $ exakt ist. Dazu
- sei $\com{I}$ ein K-injektiver Komplex. Dann ist
- \[
- \com{\operatorname{Hom}}(\com{S} \otimes_A \com{M}, \com{I})
- \stackrel{\ref{satz:adjunction-hom-tor-comp}}{=} \com{\operatorname{Hom}}(\underbrace{\com{S}}_{\text{exakt}}, \underbrace{\com{\operatorname{Hom}}(\com{M}, \com{I})}_{\text{K-injektiv}})
- \] exakt.
- \end{proof}
-
- \begin{satz}[]
- \begin{enumerate}[(a)]
- \item Falls $\com{M}, \com{N} \in \mathcal{K}$ K-flach sind, dann ist
- auch $\com{M} \otimes_A \com{N} $ K-flach.
- \item $\com{M} \in \mathcal{K}$ ist genau dann K-flach, wenn $\com{M}[1]$
- K-flach ist.
- \item Falls zwei Punkte eines ausgezeichneten Dreiecks in $\mathcal{K}$ K-flach
- sind,
- dann auch der dritte.
- \end{enumerate}
- Insbesondere ist die volle Unterkategorie der K-flachen Komplexe in $\mathcal{K}$
- eine triangulierte Unterkategorie.
- \label{satz:k-flat-triangulated}
- \end{satz}
-
- \begin{proof}
- \begin{enumerate}[(a)]
- \item Seien $\com{M}, \com{N} \in \mathcal{K}$ K-flach und $\com{S} $ exakt. Dann
- ist
- \[
- (\com{M} \otimes_A \com{N}) \otimes_A \com{S} =
- \com{M} \otimes_A (\com{N} \otimes_A \com{S})
- \] und die rechte Seite ist exakt.
- \item Seien $\com{S}, \com{M} \in \mathcal{K}$.
- Dann sind $- \otimes_A \com{S} $ und $\com{M} \otimes_A -$ nach
- \ref{satz:tor-is-triangulated} triangulierte Funktoren, also folgt
- \[
- \com{M}[1] \otimes_A \com{S} =
- (\com{M} \otimes_A \com{S})[1]
- = \com{M} \otimes_A \com{S}[1]
- .\] Da Verschieben Exaktheit erhält, folgt daraus die Äquivalenz.
- \item Sei $(\com{M}, \com{N}, \com{P}, u, v, w)$ ein ausgezeichnetes Dreieck
- in $\mathcal{K}$ mit $\com{M}$ und $\com{N} $ K-flach. Sei weiter
- $\com{S} \in \mathcal{K}$ exakt.
- Da $- \otimes_A \com{S} $ nach \ref{satz:tor-is-triangulated}
- ein triangulierter Funktor ist, erhalten wir das ausgezeichnete Dreieck
- $(\com{M} \otimes_A \com{S}, \com{N} \otimes_A \com{S}, \com{P} \otimes_A \com{S}, u \otimes \text{id}_{\com{S} }, v \otimes \text{id}_{\com{S} }, w \otimes \text{id}_{\com{S} })$
- und damit für $i \in \Z$ die exakte Folge
- \[
- \begin{tikzcd}
- H^{i}(\com{N} \otimes_A \com{S}) \arrow{r} &
- H^{i}(\com{P} \otimes_A \com{S}) \arrow{r} &
- H^{i+1}(\com{M} \otimes_A \com{S})
- \end{tikzcd}
- .\] Da die äußeren Terme nach Voraussetzung $0$ sind, folgt die
- Exaktheit von $\com{P} \otimes_A \com{S} $ und damit, dass $\com{P} $
- K-flach ist.
- Der allgemeine Fall folgt nun mit \hyperref[TR2]{TR2}.
- \end{enumerate}
-
- \end{proof}
-
- \begin{satz}[]
- Sei $\com{M} \in \mathcal{K}$ K-projektiv. Dann ist $\com{M} $ K-flach.
- Insbesondere hat jeder Komplex $\com{N} \in \mathcal{K}$ eine K-flache Auflösung.
- \label{satz:k-proj-is-k-flat}
- \end{satz}
-
- \begin{proof}
- Sei $\com{M} $ K-projektiv und $\com{S} $ exakt. Sei weiter $\com{I} \in \mathcal{K}$
- K-injektiv. Dann folgt
- \[
- \com{\operatorname{Hom}} (\com{M} \otimes_A \com{S}, \com{I}) \stackrel{\ref{satz:adjunction-hom-tor-comp}}{=}
- \com{\operatorname{Hom}}(\com{M}, \com{\operatorname{Hom}}(\com{S}, \com{I} ))
- .\] Es ist $\com{\operatorname{Hom}}(\com{S}, \com{I})$ exakt, da $\com{I} $ K-injektiv ist.
- Damit
- ist die rechte Seite auch exakt, da
- $\com{M} $ K-projektiv ist. Also folgt die Behauptung mit \ref{lemma:0.10}. Das Insbesondere folgt
- nun aus \ref{satz:existence-k-proj-resolution}.
- \end{proof}
-
- \begin{satz}[]
- Sei $\com{M} \in \mathcal{K}$ K-flach und exakt. Dann ist $\com{M} \otimes_A \com{N} $ exakt
- für alle $\com{N} \in \mathcal{K}$.
- \label{satz:tor-exact-for-k-flat}
- \end{satz}
-
- \begin{proof}
- Sei $\com{M} \in \mathcal{K}$ K-flach und exakt und sei $\com{N} \in \mathcal{K}$ beliebig. Dann existiert nach
- \ref{satz:k-proj-is-k-flat} ein K-flacher Komplex $\com{P} \in \mathcal{K}$ und ein Quasiisomorphismus
- $\com{P} \to \com{N} $. Da $\com{M} $ K-flach ist, erhält $\com{M} \otimes_A -$ nach
- \ref{kor:exactness-preserver-preserves-qis} Quasiisomorphismen. Damit folgt
- \begin{equation}
- H^{i}(\com{M} \otimes_A \com{N}) \simeq H^{i}(\com{M} \otimes_A \com{P})
- \label{eq:cohom-groups-1}
- .\end{equation}
- Da $\com{P} $ K-flach ist, folgt mit der Exaktheit von $\com{M} $, dass
- $\com{M} \otimes_A \com{P} $ exakt ist. Damit folgt die Behauptung aus \eqref{eq:cohom-groups-1}.
- \end{proof}
-
- Damit erhalten wir:
-
- \begin{satz}
- Seien $\com{M}, \com{N} \in \mathcal{D}$. Dann ist $\com{M} \otimes_A^{\operatorname{L}} \com{N}$ wohldefiniert und
- kann mithilfe einer K-flachen Auflösung einer der Faktoren berechnet werden.
- \label{satz:derived-tor}
- \end{satz}
-
- \begin{proof}
- In der Notation (der Linksableitungsversion) von \ref{satz:existence-derived-functors} wähle $\mathcal{L}$
- als die volle Unterkategorie der K-flachen Komplexe von $\mathcal{K}$. Dann gilt
- für $\com{N}$ beliebig:
- \begin{enumerate}[(i)]
- \item $\mathcal{L}$ ist trianguliert nach \ref{satz:k-flat-triangulated}.
- \item Für alle $\com{M} \in \mathcal{K}$ existiert nach \ref{satz:k-proj-is-k-flat}
- ein Quasiisomorphismus
- $\com{P} \to \com{M}$ mit $\com{P} \in \mathcal{L}$.
- \item Nach \ref{satz:tor-exact-for-k-flat} erhält
- $\com{N} \otimes_A -|_{\mathcal{L}}$ Exaktheit von Komplexen.
- \end{enumerate}
- Also existiert $\com{N} \otimes_A^{\operatorname{L}} -$. Analog zeigt man die Existenz von
- $- \otimes_A^{L} \com{N}$ und wie im Beweis von \ref{satz:derived-hom}, dass
- beide Ableitungen übereinstimmen.
- \end{proof}
-
- \subsection{Adjunktion}
-
- Jetzt können wir alles zusammentragen und erhalten:
-
- \begin{satz}
- Seien $\com{M}, \com{N}, \com{P} \in \mathcal{D}$. Dann existiert ein natürlicher
- Isomorphismus, der funktoriell in allen Variablen ist:
- \[
- \operatorname{R}\com{\operatorname{Hom}}(\com{M} \otimes_A^{\operatorname{L}} \com{N}, \com{P})
- = \operatorname{R}\com{\operatorname{Hom}}(\com{M}, \operatorname{R}\com{\operatorname{Hom}}(\com{N}, \com{P}))
- .\]
- \label{satz:adjunction-rhom-rtor}
- \end{satz}
-
- \begin{proof}
- Nach \ref{satz:derived-hom} und \ref{satz:derived-tor} sind alle Terme wohldefiniert
- und wir können mit
- \ref{satz:k-proj-is-k-flat} ohne Einschränkung annehmen, dass $\com{N} $ K-flach ist,
- und mit \ref{satz:existence-k-inj-resolution}, dass $\com{P} $ K-injektiv ist.
-
- Dann folgt
- \begin{align*}
- \operatorname{R}\com{\operatorname{Hom}}(\com{M} \otimes_A^{\operatorname{L}} \com{N}, \com{P})
- &= \operatorname{R}\com{\operatorname{Hom}}(\com{M} \otimes_A \com{N}, \com{P}) \\
- &= \com{\operatorname{Hom}}(\com{M} \otimes_A \com{N}, \com{P} ) \\
- &\stackrel{\ref{satz:adjunction-hom-tor-comp}}{=}
- \com{\operatorname{Hom}}(\com{M}, \com{\operatorname{Hom}}(\com{N}, \com{P})) \\
- &= \operatorname{R}\com{\operatorname{Hom}}(\com{M}, \com{\operatorname{Hom}}(\com{N}, \com{P})) \\
- &= \operatorname{R}\com{\operatorname{Hom}}(\com{M}, \operatorname{R}\com{\operatorname{Hom}}(\com{N}, \com{P}))
- .\end{align*}
- Das vorletzte Gleichheitszeichen gilt, weil nach \ref{satz:homs-of-k-flat-are-k-inj}
- $\com{\operatorname{Hom}}(\com{N}, \com{P})$ K-injektiv ist.
- \end{proof}
-
- \begin{korollar}
- Seien $\com{M}, \com{N}, \com{P} \in \mathcal{D}$. Dann existiert ein natürlicher
- Isomorphismus, der funktoriell in allen Variablen ist:
- \[
- \operatorname{Mor}_{\mathcal{D}}(\com{M} \otimes_A^{\operatorname{L}} \com{N}, \com{P})
- = \operatorname{Mor}_{\mathcal{D}}(\com{M}, \operatorname{R}\com{\operatorname{Hom}}(\com{N} , \com{P} ))
- .\] Insbesondere gilt folgende Funktoradjunktion in $\mathcal{D}$:
- \[
- - \otimes_A^{\operatorname{L}} \com{N} \dashv \operatorname{R}\com{\operatorname{Hom}}(\com{N}, -)
- .\]
- \end{korollar}
-
- \begin{proof}
- %$H^{0}$ angewendet auf den Isomorphismus aus \ref{satz:adjunction-rhom-rtor} zeigt
- %mit \ref{rhom-compl-cohomgroups} die Behauptung.
- Man wende \ref{rhom-compl-cohomgroups} auf den Isomorphismus
- aus \ref{satz:adjunction-rhom-rtor} an.
-
- %Wir können wieder annehmen, dass $\com{N}$ K-flach und $\com{P} $ K-injektiv ist.
- %Dann betrachte:
- %\begin{salign*}
- % \operatorname{Mor}_{\mathcal{D}}(\com{M} \otimes_A^{\text{L}} \com{N}, \com{P})
- % &\stackrel{\ref{satz:mork=mord-for-k-inj}}{=}
- % \operatorname{Mor}_{\mathcal{K}}(\com{M} \otimes_A^{\text{L}} \com{N}, \com{P}) \\
- % &\stackrel{\ref{hom-compl-cohomgroups}}{=}
- % H^{0}\com{\operatorname{Hom}}(\com{M} \otimes_A^{\text{L}} \com{N}, \com{P}) \\
- % &= H^{0}\com{\operatorname{Hom}}(\com{M} \otimes_A \com{N}, \com{P}) \\
- % &\stackrel{\ref{satz:adjunction-hom-tor-comp}}{=}
- % H^{0}\com{\operatorname{Hom}}(\com{M}, \com{\operatorname{Hom}}(\com{N}, \com{P})) \\
- % &\stackrel{\ref{hom-compl-cohomgroups}}{=}
- % \operatorname{Mor}_{\mathcal{K}}(\com{M}, \com{\operatorname{Hom}}(\com{N}, \com{P})) \\
- % &\stackrel{\ref{satz:mork=mord-for-k-inj}}{=}
- % \operatorname{Mor}_{\mathcal{D}}(\com{M}, \com{\operatorname{Hom}}(\com{N}, \com{P})) \\
- % &= \operatorname{Mor}_{\mathcal{D}}(\com{M}, \text{R}\com{\operatorname{Hom}}(\com{N}, \com{P}))
- %.\end{salign*}
- %Das vorletzte Gleichheitszeichen gilt erneut, weil nach \ref{satz:homs-of-k-flat-are-k-inj}
- %$\com{\operatorname{Hom}}(\com{N}, \com{P})$ K-injektiv ist.
- \end{proof}
-
- \bibliographystyle{alpha}
- \bibliography{refs}
-
- %% TODO: zitate richtig machen
- %\begin{thebibliography}{9}
- %\bibitem{hartshorne}
- %Hartshorne, R. \emph{Residues and duality.} Lecture Notes in Math. 20, Springer-Verlag (1966)
- %\bibitem{spaltenstein}
- %%N. Spaltenstein. Resolutions of unbounded complexes. \emph{Composito Mathematica 65}. (1988)
- %Spaltenstein, N. \emph{Resolutions of unbounded complexes.} Compositio Mathematica, Tome 65 (1988) no. 2, pp. 121-154. %http://www.numdam.org/item/CM_1988__65_2_121_0/
- %\bibitem{set-theoretic}
- %%Charles A. Weibel. An introduction to homological algebra. \emph{Cambridge studies in advanced mathematics}. 38 (1988)
- %Weibel, C. \emph{An Introduction to Homological Algebra}. Cambridge Studies in Advanced Mathematics. Cambridge: Cambridge University Press (1994).% doi:10.1017/CBO9781139644136
- %
- %\end{thebibliography}
-
- \end{document}
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